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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

16 April 1908, Berlin

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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

14. Die Hölle

14. Hell

[ 1 ] Weit müssen wir zurückgehen in dem menschlichen Streben nach einer Lösung der Welträtsel, wenn wir den Ursprung der beiden Vorstellungen ins Auge fassen wollen, die sich dem Menschen bald aufdrängen, wenn er in einem tieferen Sinne, vor allen Dingen in einem geistigen Sinne an diese Welträtsel herantritt: die beiden Vorstellungen von Gut und Böse.

[ 1 ] We must go far back in humanity’s quest to solve the mysteries of the world if we are to consider the origin of the two concepts that soon impose themselves on human beings when they approach these mysteries in a deeper sense—above all, in a spiritual sense: the two concepts of good and evil.

[ 2 ] Immer wird das menschliche Denken sich zu erheben suchen zu den geheimnisvollen Kräften, die von der geistigen Welt aus unsere Entwickelung bedingen und durchströmen. Immerzu tritt uns in den verschiedensten Formen der Versuch entgegen, die dem Heil, dem Fortschritt der Menschenentwickelung dienenden, die wohltätigen Kräfte des Lebens in Beziehung zu bringen zu den zerstörenden, den widerwärtigen, den hemmenden. Aber es stellt sich auch immer wieder die intime Verwandtschaft, die trotz des scheinbar starken Gegensatzes für den genauer Beobachtenden zwischen diesen beiden Kraftrichtungen besteht, vor den Menschen hin. Wir brauchen nur an die bei einer anderen Gelegenheit bereits erwähnten Schillerschen Worte über das Feuer zu denken:

[ 2 ] Human thought will always seek to rise to the mysterious forces that, emanating from the spiritual world, determine and permeate our development. Time and again, we are confronted with the temptation, in the most varied forms, to link the beneficial forces of life—those that serve the well-being and progress of human development—with the destructive, repulsive, and inhibiting forces. Yet the intimate kinship that exists between these two forces—despite their seemingly stark contrast, as the careful observer can see—is also repeatedly revealed to us. We need only recall Schiller’s words about fire, already mentioned on another occasion:

Wohltätig ist des Feuers Macht
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht
Doch furchtbar wird die Himmelskraft
Wenn sie der Fesseln sich entrafft
Einhertritt auf der eigenen Spur
Die freie Tochter der Natur.

The power of fire is benevolent
When man tames and guards it
But the power of the heavens becomes terrible
When it breaks free from its bonds
And strides along its own path
The free daughter of nature.

[ 3 ] Man möchte sagen, in einem solchen Worte liegt wie eingehüllt die Frage, die uns heute und im nächsten Vortrag zu beschäftigen hat, die Frage, die sich ja auch zu verschiedenen Zeiten gekleidet hat in die Worte Hölle und Himmel, wobei man sich durchaus nicht vorstellen darf, daß diese Worte überall, wo sie auftreten, jene abergläubische Bedeutung haben, die viele Anhänger dieser Vorstellungen ihnen beilegen, aber auch nicht minder viele von denen, die sie heute, ohne ihre tiefere Bedeutung zu kennen, gern bekämpfen möchten.

[ 3 ] One might say that such a phrase seems to encapsulate the question that will occupy us today and in the next lecture—the question that has, at various times, been expressed in the terms “hell” and “heaven,” though one must by no means assume that these words, wherever they appear, carry the superstitious meaning that many adherents of these ideas attribute to them, nor, for that matter, by the no less numerous people who, without understanding their deeper meaning, would gladly oppose them today.

[ 4 ] Wenn wir uns nur flüchtig umsehen, so sehen wir unsere Frage bereits der alten persischen Kultur entspringen, wo ein Reich der guten Kräfte, des Ormuzd, und ein Reich der bösen Mächte, des Ahriman, einander scharf gegenübergestellt werden. Und wenn wir sehen, wie da in einem merkwürdigen Gedankenbild den verborgenen Kräften, die in der Welt im guten Sinn vorwärts dringen, sich einmischen die hassenden Kräfte, die den Gang aufhalten, bis zuletzt doch die Lichtmacht siegt, so haben wir eines der großen Bilder vor uns, in welches Menschenphantasie und Menschenimagination unser Problem kleiden. Vom griechischen Tartaros bis in die nordische Sagenwelt tritt uns ein Reich der Hölle entgegen, es treten uns Namen entgegen, mit denen der Begriff Hölle verbunden ist. Es ist dasjenige Gebiet, in das alle diejenigen verdammt sind, die in der physischen Welt nicht eines der Kulturrichtung entsprechenden, ehrenvollen Todes gestorben sind.

[ 4 ] If we look around even briefly, we see that our question already stems from ancient Persian culture, where a realm of good forces—Ormuzd—and a realm of evil forces—Ahriman—are sharply contrasted. And when we see how, in a remarkable mental image, the hidden forces that advance in the world for good are opposed by the hostile forces that hinder their progress—until, in the end, the power of light prevails—we are presented with one of the great images in which human fantasy and imagination clothe our problem. From the Greek Tartarus to the Norse mythological world, a realm of hell confronts us; we encounter names associated with the concept of hell. It is the realm to which all those are condemned who, in the physical world, did not die an honorable death in accordance with the cultural tradition.

[ 5 ] Eine Eigentümlichkeit kann uns auffallen, wenn wir uns an diese Sage vom Reich der Hölle erinnern. Beachten wir sie genau, denn von vornherein sei es gesagt: In den Einkleidungen der Sagenwelt findet sich manchmal eine tiefere Weisheit, als diejenige ist, die in unserer Zeit mit abstrakten Begriffen ergründet wird.

[ 5 ] We may notice something peculiar when we recall this legend about the realm of Hell. Let us examine it closely, for let it be said from the outset: Within the guise of the legendary world, there is sometimes a deeper wisdom than that which is explored in our time through abstract concepts.

[ 6 ] Es ist merkwürdig, wie die alte nordische Sagenwelt den gegenwärtigen Bestand der Welt ableitet von einem, von kaltem Nebel erfüllten «Nifelheim», dem nordischen Land, das nach germanischer Vorstellung sonnenfremd war in uralter Zeit, und von dem anderen Reiche, dem «Muspelheim», dem warmen Reiche. Durch das Zusammenwirken der beiden Reiche entstand der gegenwärtige Zustand der Erde. Und nicht etwa von dem warmen Muspelheim, sondern von dem kalten, nebelerfüllten Nifelheim wurden die wichtigsten, jetzt der Menschheit dienenden Kräfte hergeleitet. Dort haben sich zuerst ausgebildet die höheren, der heutigen Kultur zugrunde liegenden menschlichen Kräfte. Gleichzeitig aber — und das ist das Merkwürdige, das in einer wunderbaren Weise unsere Frage streift — wird uns gesagt, daß die Hel, die die unwürdigen Toten zu sich nimmt, von den Göttern in dieses Nebelheim verbannt ist, wo diejenigen hinkommen, die nicht eines würdigen Todes gestorben sind. Es ist merkwürdig, daß zusammengebract werden das Reich und die Kräfte des Aufstiegs mit dem Ort und der Persönlichkeit, welche repräsentiert die Kraft des Todes, der Verwesung.

[ 6 ] It is remarkable how the ancient Norse mythology derives the present state of the world from one realm, “Nifelheim,” filled with cold mist—the Norse land that, according to Germanic belief, was devoid of sunlight in ancient times—and from the other realm, “Muspelheim,” the warm realm. The current state of the Earth arose through the interaction of these two realms. And it was not from the warm Muspelheim, but from the cold, mist-filled Nifelheim that the most important forces now serving humanity were derived. It was there that the higher human forces underlying today’s culture first took shape. At the same time, however—and this is the curious aspect that touches upon our question in a wondrous way—we are told that Hel, who takes the unworthy dead to herself, has been banished by the gods to this realm of mist, where those who have not died a worthy death end up. It is remarkable that the realm and the forces of ascent are brought together with the place and the personality that represent the power of death and decay.

[ 7 ] Und wenn wir solche alten Zeiten verlassen und uns mehr unseren Zeiten nähern, so finden wir, daß vor allen Dingen diejenigen, von denen Pochhammer in seiner Dante-Ausgabe gesagt hat, daß sie ebenso die Lehrer der erwachsenen Menschen sein sollten wie die Erzieher und Lehrer der Jugend, zur Vorstellung von einer Welt greifen, in der das Böse konzentriert ist, wenn sie aus den Tiefen des Weltendaseins heraus unser Sein erklären wollen. Wie grandios und gewaltig schildert uns Dante diese Welt gleich am Anfang seines überwältigenden Gedichtes, das uns des Menschen Läuterungs- und Werdegang zu den höheren geistigen Welten darstellt! Und wiederum war ein Dichter gedrängt, zu diesen Vorstellungen zu greifen, um die in der Seele des Menschen wohnenden Kräfte darzustellen, als Goethe seinen «Faust» schrieb. Daher stellte er dem, was Faust zu den hellen, lichten Mächten führen sollte, den Repräsentanten der höllischen Mächte, den Mephistopheles gegenüber.

[ 7 ] And when we leave such ancient times behind and turn our attention more to our own era, we find that, above all, those of whom Pochhammer said in his edition of Dante—that they should be teachers of adults just as much as they are educators and teachers of youth—resort to the concept of a world in which evil is concentrated when they seek to explain our existence from the depths of worldly existence. How magnificently and powerfully Dante describes this world to us right at the beginning of his overwhelming poem, which portrays humanity’s purification and journey toward the higher spiritual worlds! And once again, a poet was compelled to draw upon these concepts to depict the forces dwelling within the human soul when Goethe wrote his *Faust*. Thus, he set against that which was to lead Faust to the bright, luminous powers the representative of the infernal powers, Mephistopheles.

[ 8 ] Sie können sehr viele bedeutungsvolle Aussprüche in Goethes «Faust» finden, welche das eigenartige Verhältnis Fausts zu Mephisto und der beiden zum Weltendasein schildern. Nur an zwei sei hier in diesem Zusammenhang erinnert, in denen wiederum merkwürdig und jetzt an die nordische Sage anklingend sich für Goethe die beiden Begriffe Gut und Böse nebeneinanderstellen. Der eine Ausspruch ist der, wo Mephistopheles genannt wird «ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft». In einen sehr intimen Zusammenhang mit dem ganzen Weltendasein werden da die Begriffe von Gut und Böse gesetzt. Und einen anderen Ausspruch Goethes, der uns auf der einen Seite tief in Goethes Seele, andererseits aber auch recht tief in unser Problem hineinführt, wollen wir nicht unerwähnt lassen; denn er handelt von der ganzen Beziehung der guten Mächte im Faust zu dem, was Mephisto in ihm erreichen möchte, dem Bösen. Sehr bezeichnend läßt Goethe den Faust in dem Augenblick, wo er mit Mephisto den Pakt abschließen soll, der bestimmt, unter welchen Bedingungen er Mephisto verfallen soll, die Worte sagen:

[ 8 ] You can find many meaningful sayings in Goethe’s *Faust* that describe Faust’s peculiar relationship with Mephisto and the relationship of both to existence in the world. Let us recall just two of them here in this context, in which—in a manner that is again remarkable and now echoes Norse mythology—Goethe juxtaposes the two concepts of good and evil. One such passage is where Mephistopheles is called “a part of that power which always wills evil and always creates good.” Here, the concepts of good and evil are placed in a very intimate connection with the entire existence of the world. And we must not fail to mention another of Goethe’s sayings, which, on the one hand, leads us deep into Goethe’s soul, but on the other hand also quite deeply into our problem; for it deals with the entire relationship of the forces of good in *Faust* to that which Mephisto seeks to achieve within him—the evil. It is very telling that Goethe has Faust say the following at the very moment when he is about to conclude the pact with Mephisto—the pact that determines the conditions under which he will fall prey to Mephisto: “/p”

Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit für mich vorbei!

Shall I say to the moment:
Stay a while! You are so beautiful!
Then you may bind me in chains,
Then I’ll gladly perish!
Then let the death bell toll,
Then you’ll be free of your duty,
Let the clock stand still, let the hands fall,
Let time be over for me!

[ 9 ] «Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön», ist ein Ausdruck, von dem uns Goethe deutlich begreiflich macht, daß ihn Mephistopheles in seinem vollen Umfange gar nicht verstanden hat. Doch weiß Faust, daß er nur dann den höllischen Mächten verfallen kann, wenn er in die Lage kommt, zum Augenblick zu sagen: «Verweile doch, du bist so schön.»

[ 9 ] “Shall I say to the moment: ‘Stay a while, you are so beautiful’”—this is an expression that Goethe makes it clear to us Mephistopheles did not understand in its full significance. Yet Faust knows that he can fall prey to the forces of hell only if he finds himself in a position to say to the moment: “Stay a while, you are so beautiful.”

[ 10 ] Das soll hingestellt sein an den Anfang unserer heutigen Betrachtung, weil es uns zeigen kann, in welche Richtung von der Sagenwelt auf der einen Seite, von einem in dichterischem Gewande einhergehenden, tiefen menschlichen Denken andererseits dasjenige gelenkt wird, was uns heute beschäftigt. Freilich werden diejenigen, die heute glauben, aus einigen zusammengestoppelten Begriffen der materiellen Welt ein ganzes Weltanschauungsbild aufbauen zu können, sehr leicht fertig mit den Begriffen Hölle und Himmel, Sie kümmert das ja nicht, was wir jetzt an die Spitze unserer Betrachtung gestellt haben. Da wird einfach gesagt: Wir brauchen nur den Entwickelungsweg der verschiedenen Religionen und kindlichen Weltanschauungen zurückzugehen und uns wird klar, daß entweder die Völker selbst in ihrer Not oder irgendwelche Menschen dasjenige erfunden haben, was man Himmel und Hölle nennt, teils um die Völker zu trösten für das Leid, das sie auf der Erde erdulden, teils um sie durch die Furcht vor der Hölle anzuspornen, ihre eigensüchtigen Triebe zum Guten zu wenden.

[ 10 ] This should be placed at the beginning of our discussion today, because it can show us the direction in which the subject that concerns us today is guided—on the one hand, by the world of legends, and on the other, by profound human thought clothed in poetic form. Of course, those who believe today that they can construct a complete worldview from a few haphazardly cobbled-together concepts of the material world will very easily dismiss the concepts of hell and heaven; after all, they are not concerned with what we have now placed at the forefront of our reflection. They simply say: We need only trace the path of development of the various religions and childlike worldviews, and it will become clear to us that either the peoples themselves, in their distress, or certain individuals invented what is called heaven and hell—partly to comfort the peoples for the suffering they endure on earth, and partly to spur them on, through fear of hell, to turn their selfish impulses toward the good.

[ 11 ] Wer so redet, weiß nichts von den wirklichen Beweggründen und Motiven, aus welchen man solche Vorstellungen wie Himmel und Hölle in die Seelen und Herzen der Menschen hineingeführt hat.

[ 11 ] Anyone who speaks this way knows nothing of the true reasons and motives behind the way in which concepts such as heaven and hell have been instilled in people’s hearts and minds.

[ 12 ] Wir werden heute nicht in irgendwelchen zufällig zusammengeholten Beobachtungen, in irgendwelchen Bildern, Urteilen und Räsonnements eine Antwort suchen auf die Frage, die sich die Menschheit immer gestellt hat, sondern wir wollen aus dem heraus, was wir in gewisser Beziehung allen unseren Wintervorträgen zugrunde legten, Vorstellungen gewinnen über das, was über diese Frage zu sagen ist.

[ 12 ] Today we will not seek an answer to the question that humanity has always asked itself in some random collection of observations, images, judgments, and lines of reasoning; rather, we want to draw insights into what can be said about this question from what, in a certain sense, formed the basis of all our winter lectures.

[ 13 ] Erinnern wir uns an den Vortrag, den ich hier halten durfte über das Thema «Mann, Weib und Kind». Wir konnten da sprechen von dem großen Werdegang des Menschen über die Erde und uns von mancherlei Kräften, die mitspielen und mitsprechen im menschlichen Werden, unterrichten. Wenn wir im Sinne der Geisteswissenschaft diesen menschlichen Werdegang überschauen — so konnten wir damals sagen —, dann werden wir, um eine Beziehung dazu zu gewinnen, anknüpfen an die Art und Weise, wie der geisteswissenschaftliche Betrachter das werdende Kind betrachtet, wie es von den ersten Augenblicken seines Lebens im Lichte des Tages uns entgegentritt und immer mehr und mehr seine Kräfte und Fähigkeiten ans Tageslicht herausarbeitet.

[ 13 ] Let us recall the lecture I was allowed to give here on the topic “Man, Woman, and Child.” In it, we were able to speak of humanity’s great development on Earth and learn about the various forces that play a role and have a say in human development. If we survey this human development from the perspective of spiritual science—as we were able to say at that time—then, in order to gain a sense of it, we will draw on the way in which the spiritual scientist observes the developing child, how it appears before us from the very first moments of its life in the light of day and increasingly brings its powers and abilities to light.

[ 14 ] Wer mit dem durch die Geisteswissenschaft geschärften Blick diesen werdenden Menschen betrachtet, der sieht, wie sich in reizvoller Weise diese Fähigkeiten des Kindes aus den Keimen herausentwickeln. Eine materialistisch gesinnte Wissenschaft möchte uns glauben machen, daß dasjenige, was sich so reizvoll nach und nach an das Licht herausarbeitet, zurückzuführen ist auf die bloß vererbten Merkmale von den Eltern, Großeltern oder sonstigen Ahnen. Das Wort Vererbung spielt in der heutigen Zeit bei dieser Frage eine große Rolle. Schon oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Geisteswissenschaft heute in die Notwendigkeit versetzt ist, eine Rolle zu spielen, welche vor nicht allzu langer Zeit — denn es sind noch keine dreihundert Jahre her — ein großer Naturwissenschafter spielte: der italienische Naturforscher Francesco Redi. Dieser hat zuerst etwas ausgesprochen, was heute Gemeingut ist alles Laien- und Gelehrtenwissens. Zu seiner Zeit war es aber nicht nur Laienglaube, sondern auch Glaube aller Naturforscher, daß aus Unlebendigem, aus Flußschlamm, nicht nur niedrige tierische Wesen, sondern auch Regenwürmer, Fische und so weiter entstehen können. Heute glaubt man, es seien nur religiöse Vorurteile, welche den Menschen verhinderten, alle Dinge auf eine rein mechanische Weltordnung zurückzuführen. Es waren aber nicht bloß die weltlichen Gelehrten, deren es nur wenige gab in der damaligen Zeit, die angenommen haben, daß aus Unlebendigem Lebendiges entstehen könne, sondern sogar der heilige Augustinus vertrat diese Anschauung. Sie ersehen daraus, daß es der Religiosität des heiligen Augustinus durchaus nicht widersprochen hat, eine solche Auffassung zu vertreten.

[ 14 ] Anyone who observes this developing human being with a perspective sharpened by spiritual science can see how the child’s abilities unfold in a fascinating way from their very beginnings. A materialistically minded science would have us believe that what gradually emerges so charmingly into the light can be attributed solely to traits inherited from parents, grandparents, or other ancestors. The term “heredity” plays a major role in this question today. It has often been pointed out that spiritual science today is compelled to play a role that, not too long ago—for it was less than three hundred years ago—was played by a great natural scientist: the Italian naturalist Francesco Redi. He was the first to articulate something that is now common knowledge among both laypeople and scholars. In his day, however, it was not only the belief of laypeople but also that of all naturalists that from inanimate matter—from river mud—not only lowly animal beings but also earthworms, fish, and so on could arise. Today it is believed that it was merely religious prejudices that prevented people from attributing all things to a purely mechanical world order. However, it was not merely the secular scholars—of whom there were only a few at that time—who assumed that living things could arise from non-living matter; even Saint Augustine held this view. You can see from this that holding such a view was by no means at odds with Saint Augustine’s religiosity.

[ 15 ] Was ist es aber, was einer solchen Annahme widerspricht? Ein wirkliches, in die Tiefen des Weltendaseins gehendes äußeres und inneres Beobachten, physische und nicht übersinnliche Erfahrung über die Dinge. Physische und nicht übersinnliche Erfahrungen waren es, welche den Menschen nach und nach den Ausspruch aufgedrängt haben, den dann Redi getan hat: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen. — In derselben Lage, in der dazumal der Naturforscher Redi war — und er ist nur mit genauer Not dem Schicksal des Giordano Bruno entgangen —, befindet sich heute die moderne Geisteswissenschaft. Der Satz, der heute bestritten wird, ist hier auf ein geistiges Gebiet angewendet und heißt: Geistiges kann nur aus Geistigem entstehen. — Das, was wir als erstes aus den Anlagen des kindlichen Keimes sich entwickeln sehen, das können wir nicht auf physische Vorgänge zurückführen. Wir führen es zurück auf das Geistige, wie wir zurückführen dasLebendige auf das Leben. Und dann führt uns das Geistige auf ein Geistig-Seelisches zurück. Wenn wir dieses Geistig-Seelische umkleidet sehen, gleichsam eingehüllt von denjenigen Merkmalen, die zu knüpfen sind an das Physische oder an die anderen Hüllen des Menschen, dann führen wir nur dieses Physische, welches die geistigen und seelischen Fähigkeiten und Eigenheiten färbt und abtönt, zurück auf die ganze Vererbungsreihe, wie sie uns vorliegt in Eltern, Großeltern und so weiter. Wenn man uns nun immer wieder darauf aufmerksam machen will, wie in der Vererbungslinie nach und nach sich die Eigenschaften summieren, die dann zuletzt bei einem Nachkommen auftreten, so sagen wir, daß uns das vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus gar nicht verwundert. Wir finden es selbstverständlich, daß in den Leibern, in denen der geistige Keim auftritt, die Merkmale der physischen Vererbung auftreten. Denn wie betrachten wir diese physische Vererbung? Wir wählen dazu folgendes Beispiel:

[ 15 ] But what, then, contradicts such an assumption? A genuine observation—both external and internal—that delves into the depths of worldly existence; physical, rather than supernatural, experience of things. It was physical, rather than supersensory, experience that gradually led people to the statement later made by Redi: Life can arise only from life. — Modern spiritual science finds itself today in the same situation in which the natural scientist Redi once found himself—and he only narrowly escaped the fate of Giordano Bruno. The statement that is disputed today is applied here to the spiritual realm and reads: “The spiritual can arise only from the spiritual.” — What we first see developing from the potentials of the infant’s embryo cannot be traced back to physical processes. We trace it back to the spiritual, just as we trace the living back to life. And then the spiritual leads us back to a spiritual-soul aspect. When we see this spiritual-soul aspect clothed, as it were, enveloped by those characteristics that are linked to the physical or to the other sheaths of the human being, then we trace only this physical aspect—which colors and qualifies the spiritual and soul capacities and characteristics—back to the entire line of heredity as it appears to us in parents, grandparents, and so on. If people repeatedly seek to draw our attention to how, in the line of inheritance, characteristics gradually accumulate and ultimately manifest in a descendant, we say that this does not surprise us at all from the standpoint of spiritual science. We find it self-evident that the characteristics of physical heredity appear in the bodies in which the spiritual seed manifests. For how do we view this physical heredity? Let us take the following example:

[ 16 ] Wir nehmen einen Pflanzenkeim und senken ihn in fruchtbare Erde mit allen möglichen Stoffen, die die Pflanze reichlich ausstatten können. Und dann senken wir denselben Keim in eine andere Erde, die nur karg die Stoffe enthält, die die Pflanze braucht. Die Pflanzen tragen die Eigenschaften des Bodens in sich, dem sie entsprossen sind. So sehen wir die Pflanze, wie sie entfaltet, was ihr eigener tieferer Ursprung ist, ihren Pflanzenkeim, und auf der anderen Seite sehen wir dasjenige, was diesen Pflanzenkeim entwickelt und entfaltet, in das er eingehüllt ist, was wie angehängt und eingefüllt ist aus dem Grund und Boden, aus dem die Pflanze entsprungen ist. Und so ist der Mensch, wie die Pflanze aus einer früheren Pflanze, entsprungen aus einem Geistig-Seelischen der Vorzeit. Er ist gewachsen auf einem Boden, der zubereitet worden ist in der Vererbungslinie, und es enthält dieser geistig-seelische Keim auch Eigenschaften, die er aus dem Boden der Vererbungslinie mitbringt. Wir wundern uns nicht, daß der ganze Vorgang so ist und sich für den äußeren, physischen Weltbetrachter so darstellt, daß er in die angedeuteten Irrtümer verfallen konnte. Wenn es heißt, man solle hinschauen, wie sich in einer besonders begabten Persönlichkeit die Eigenschaften der Vorfahren summieren und daß ein Musiker aus einer Musikerfamilie und ein Mathematiker aus einer Mathematikerfamilie entstamme, so braucht der Geisteswissenschafter diese Dinge in keiner Weise abzuleugnen oder sie in einem anderen Lichte darzustellen. Für die Geisteswissenschaft liegt die Sache so:

[ 16 ] We take a plant seed and plant it in fertile soil containing all kinds of nutrients that can abundantly nourish the plant. And then we plant that same seed in another type of soil that contains only a meager amount of the nutrients the plant needs. The plants embody the characteristics of the soil from which they have sprung. Thus we see the plant unfolding what is its own deeper origin—its plant seed—and, on the other hand, we see that which develops and unfolds this plant seed, in which it is enveloped, that which is attached to and infused from the soil and ground from which the plant has sprung. And so the human being, like the plant from an earlier plant, has sprung from a spiritual-soul aspect of antiquity. He has grown on soil that has been prepared through the line of inheritance, and this spiritual-soul germ also contains qualities that it brings with it from the soil of the line of inheritance. We are not surprised that the entire process is as it is and appears to the external, physical observer of the world in such a way that he could fall into the errors indicated. When it is said that one should observe how the characteristics of ancestors accumulate in a particularly gifted individual, and that a musician comes from a family of musicians and a mathematician from a family of mathematicians, the spiritual scientist need not in any way deny these things or present them in a different light. From the perspective of spiritual science, the matter is as follows:

[ 17 ] Es bestehen weite Zeiträume, innerhalb welcher dasjenige, was unser Geistig-Seelisches ist, immer wieder ersteht. Wir sprechen in der Geistesforschung von wiederholten Erdenleben, indem wir sagen, daß das, was in uns geistig-seelisches Dasein ist, uns zurück weist auf frühere Leben, in denen die geistigen Keime zum jetzigen Leben gelegt worden sind. Alles das, was wir jetzt enthalten, und das, was wir jetzt erringen, das wird in zukünftiger Zeit sich entfalten und seine Wirkung tun. Nichts hat dieser geistig-seelische Keim zu tun mit dem, was sich in der physischen Linie fortpflanzt. Wenn der Mensch ins Dasein tritt, tritt dieser geistig-seelische Keim in den physischen Leib ein, und diesen physischen Leib, den er bewohnt, bauen ihm die Kräfte auf, die vererbt sind in der Familie. So ist tatsächlich im Menschen eine Zweiheit zusammengebaut, wovon das eine, das Geistig-Seelische, zurückführt auf einebloß geistige Evolutionslinie, während das andere, das Physische, auf die vererbte Evolutionslinie zurückzuführen ist. Vererbung und Reinkarnation sind die beiden Dinge, die hier ineinanderspielen, was sich aus jeder sinnvollen Betrachtung durchaus einleuchtend ergibt. Aber seht doch — heißt es dann —, daß in dem einen Vorfahren diese und in dem anderen jene Eigenschaften vorhanden sind. Zuletzt sammeln sich diese Eigenschaften und werden ein Goethe oder Beethoven. Und gewöhnlich erscheinen die Genies am Ende einer langen Reihe.

[ 17 ] There are vast periods of time during which our spiritual-soul nature arises again and again. In spiritual research, we speak of repeated earthly lives when we say that our spiritual-soul nature points us back to earlier lives in which the spiritual seeds for our present life were sown. Everything we now possess, and everything we now attain, will unfold in the future and take effect. This spiritual-soul seed has nothing to do with what is passed down through the physical line. When a human being enters into existence, this spiritual-soul seed enters the physical body, and this physical body, which the human being inhabits, is built up by the forces inherited from the family. Thus, a duality is indeed woven together within the human being, one aspect of which—the spiritual-soul aspect—can be traced back to a purely spiritual line of evolution, while the other—the physical aspect—can be traced back to the inherited line of evolution. Inheritance and reincarnation are the two factors that interact here, a fact that is entirely evident from any meaningful consideration. But look—it is then said—at how one ancestor possesses these qualities and another possesses those. Ultimately, these qualities accumulate and give rise to a Goethe or a Beethoven. And geniuses usually appear at the end of a long line.

[ 18 ] Fassen wir diesen Satz einmal ins Auge: Das Genie erscheint am Ende einer Generationsreihe. — Es ist sonderbar, daß das Genie deswegen auf Vererbung zurückgeführt wird, weil es einen Leib hat, der für das Genie organisiert ist. Wenn die Bernoullis immer wieder Mathematiker werden, so ist es ja klar, daß sie dafür besondere Leiber brauchen. Es ist nicht wunderbar, daß, wenn der geistig-seelische Keim in das, was Vererbungslinie ist, in das, was der Boden für den mathematischen Kopf ist, untertaucht, er diese Eigenschaften auch mitbringt. Oder wundert es einen, daß jemand, der ins Wasser geht, naß herauskommt? So ist es auch selbstverständlich, daß, wenn jemand aus einer Familie herausgeboren wird, er die Eigenschaften der Familie an sich trägt.

[ 18 ] Let us consider this statement: Genius appears at the end of a generational line. — It is strange that genius is attributed to heredity simply because it possesses a body organized for genius. If the Bernoullis keep producing mathematicians, it’s clear that they need special bodies for that purpose. It’s not surprising that when the mental and spiritual seed sinks into what constitutes the hereditary line—into what serves as the soil for the mathematical mind—it also brings these characteristics with it. Or is it surprising that someone who goes into the water comes out wet? So it goes without saying that when someone is born into a family, they carry the family’s characteristics within them.

[ 19 ] Was also der angeführte Satz wirklich besagen kann, ist etwas Selbstverständliches, etwas Grundtriviales. Aber woran müßte es sich zeigen, daß das Genie selbst vererbbar ist? Daran, daß es am Anfange und nicht am Ende einer Generationsreihe stünde! Wenn es am Ende steht, so ist das ein Beweis dafür, daß gerade die genialen Eigenschaften sich nicht vererben! Es ist schon eine sonderbare Art zu räsonnieren, wenn gesagt wird, man sehe ja, daß sich die Eigenschaften vererben, und wenn danebengestellt wird die Behauptung, daß das Genie am Ende einer Reihe steht. Eine gesunde Logik kann nur sagen, daß das Genie, indem es sich reinkarniert, die geistigen Eigenschaften nicht vererben kann; denn sonst müßte es am Anfange der Generationsreihe stehen. Wir kommen da auf zwei Entwickelungslinien, eine geistige und eine physische. Wenn man das nicht annimmt, so kommt man auch mit der gesunden Logik nicht zurecht.

[ 19 ] So what the quoted sentence can really mean is something self-evident, something utterly trivial. But how would one prove that genius itself is hereditary? By the fact that it would be at the beginning—and not at the end—of a generational line! If it stands at the end, that is proof that it is precisely the traits of genius that are not inherited! It is indeed a strange way of reasoning when one says that one can see that traits are inherited, and then adds the claim that genius stands at the end of a lineage. Sound logic can only conclude that genius, by reincarnating, cannot pass on its spiritual qualities; for otherwise, it would have to be at the beginning of the generational line. This brings us to two lines of development: one spiritual and one physical. If one does not accept this, then even sound logic fails to provide a satisfactory explanation.

[ 20 ] Wir sehen ein Kind, das vor Jahrhunderten ein anderes Leben durchgemacht hat, sich entfalten und diejenigen Eigenschaften benützen, die sich ihm nunmehr darbieten. So sehen wir das Kind ins Leben treten. Und wie sehen wir den Menschen aus dem Leben treten? Auch darauf haben wir schon hingewiesen. Jetzt wollen wir die Ereignisse betrachten, die eintreten, wenn das, was durch die Geburt ins physische Dasein getreten ist, wiederum aus dem Leben herausgeht, indem es durch die Pforte des Todes schreitet. Da müssen wir nicht bloß den Tod ins Auge fassen, sondern etwas, was wir schon bei der letzten Betrachtung ins Auge gefaßt haben, den Wechselzustand von Schlafen und Wachen, und die Wechselzustände von Leben und Tod.

[ 20 ] We see a child who, centuries ago, lived another life, unfolding and making use of the qualities now available to him. Thus we see the child entering life. And how do we see a person leaving life? We have already pointed this out as well. Now let us consider the events that occur when that which has entered physical existence through birth departs from life once more by passing through the gate of death. Here we must consider not only death itself, but also something we have already considered in our previous discussion: the alternating states of sleep and wakefulness, and the alternating states of life and death.

[ 21 ] Wir wissen aus der letzten Betrachtung, daß, wenn der Mensch abends in den sogenannten traumlosen Schlaf sinkt, gewisse Glieder seiner Wesenheit sich trennen von demjenigen, was wir das eigentliche menschliche Innere, die innerste Wesenheit, den Wesenskern des Menschen nennen. Wir unterscheiden an einem solchen schlafenden Menschen im Sinne der Geisteswissenschaft das, was sozusagen im Bette liegt, von diesem Wesenskern. Im Bette liegt der physische Leib, der im Tode den Elementen der Erde übergeben wird. Aber wenn der Mensch im Bette liegt, ist der physische Leib nicht so, wie er ist, wenn er der Erde übergeben wird. Der physische Leib ist da noch imprägniert von dem Äther- oder Lebensleib. Der physische Leib lebt, die Lebensfunktionen werden unterhalten, so daß im Bette liegen der physische Leib und der Äther- oder Lebensleib. Herausgehoben finden wir zunächst den Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz und all den während des Tages auf und ab wogenden Sinnesempfindungen: Wärme und Kälte, Geruch und Geschmack, den Träger des ganzen Gedanken- und Vorstellungslebens, angefangen von den Instinkten und Leidenschaften bis zu den sittlichen Idealen. Das ist es, was beim Einschlafen in ein unbestimmtes Dunkel hinuntersinkt. Das ist es aber auch, was des Morgens wieder da ist wie ein einflutendes Licht. Es ist das Licht des Bewußtseins.

[ 21 ] We know from our previous discussion that when a person sinks into what is called dreamless sleep in the evening, certain parts of their being separate from what we call the true inner self, the innermost essence, the core of the human being. In the sense of spiritual science, we distinguish, in such a sleeping person, that which lies, so to speak, in bed from this core of being. Lying in bed is the physical body, which is surrendered to the elements of the earth at death. But when a person lies in bed, the physical body is not as it is when it is surrendered to the earth. The physical body is still imbued with the etheric or life body. The physical body is alive; its vital functions are maintained, so that both the physical body and the etheric or life body lie in bed. First and foremost, we find the vehicle of pleasure and suffering, of joy and pain, and of all the sensory impressions that ebb and flow throughout the day: heat and cold, smell and taste—the bearer of the entire life of thought and imagination, ranging from instincts and passions to moral ideals. This is what sinks into an indeterminate darkness as we fall asleep. But this is also what returns in the morning like an influx of light. It is the light of consciousness.

[ 22 ] Noch etwas müssen wir genau unterscheiden innerhalb dessen, was in der Nacht aus dem Menschenleib, sowohl dem physischen wie dem Ätherleib, herausgehoben ist: Es ist das menschliche Selbstbewußtsein und sein Träger, das menschliche Ich. Den Träger von Lust und Leid, von Instinkten und Leidenschaften, von auf und ab wogenden sinnlichen Empfindungen nennen wir den astralischen Leib, und den Träger des Selbstbewußtseins, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, das Ich. Diese beiden Glieder, IchTräger und Träger von Lust und Schmerz, sind während des traumlosen Schlafes herausgehoben aus dem physischen und ätherischen Leib.

[ 22 ] There is one more thing we must distinguish clearly within what is lifted out of the human body—both the physical and the etheric body—during the night: it is human self-consciousness and its bearer, the human “I.” We call the vehicle of pleasure and pain, of instincts and passions, of sensuous sensations that ebb and flow, the astral body; and we call the vehicle of self-consciousness—the fourth member of the human being—the “I.” These two members—the vehicle of the “I” and the vehicle of pleasure and pain—are lifted out of the physical and etheric bodies during dreamless sleep.

[ 23 ] Warum können Sie nun in jener Welt nicht wahrnehmen? Auf diese Fragen haben wir die Antwort gefunden in unseren Vorträgen, weil so, wie die Entwickelung des Menschen jetzt ist, das Ich und der astralische Leib des Menschen keine Organe haben. Der Mensch nimmt seine physische Umwelt dadurch wahr, daß er Organe hat, Augen und Ohren. Erst des Morgens, wenn das Ich und der astralische Leib in den physischen Leib untertauchen und sich dieser Organe bedienen, nimmt der Mensch die Umgebung wahr. Wir haben also eine viergliedrige Wesenheit: einen physischen Leib, einen Ätherleib, einen Astralleib und einen Ich-Leib. — Das ist das Wesen der Wechselzustände von Wachen und Schlafen.

[ 23 ] Why, then, can you not perceive in that world? We have found the answer to these questions in our lectures, because, given the current state of human development, the human “I” and the astral body have no organs. Human beings perceive their physical environment through their organs—their eyes and ears. It is only in the morning, when the “I” and the astral body merge into the physical body and make use of these organs, that a person perceives their surroundings. We therefore have a fourfold being: a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I” body. — This is the essence of the alternating states of waking and sleeping.

[ 24 ] Jetzt aber wollen wir uns den Moment des Todes vor Augen stellen. Wir können dies tun, indem wir dasjenige heranziehen, was als Tatsache einem solchen Menschen vorliegt, der die Methoden der Einweihung auf sich angewendet und die höheren Sinne, die im Menschen schlümmern, zu gebrauchen gelernt hat. Aber auch eine gewöhnliche Logik kann das einsehen, weil diese Tatsachen so eingekleidet werden, daß sie uns den Weg des Menschen durch den Tod darlegen können. Beim Tode tritt etwas ein, was während des ganzen Lebens zwischen Geburt und Tod nur in Ausnahmefällen eintritt. Während des ganzen Lebens bleibt ja der Ätherleib mit dem physischen Leib vereinigt. Nur im Tode trennt er sich von ihm, und dadurch wird der physische Leib zum Leichnam. Er folgt nun den bloß physisch-chemischen Kräften, denen er entrissen wurde zwischen Geburt und Tod durch das Innewohnen des Ätherleibes. Dieser Ätherleib ist, wie öfters gesagt wurde, ein getreuer Kämpfer während des ganzen Lebens gegen den Zerfall des physischen Leibes; denn der physische Leib hat in sich die chemischen und physischen Kräfte. Das zeigt sich, wenn er nach dem Tode sich selbst überlassen ist: Er zerfällt, er ist eine unmögliche Mischung. Der Ätherleib trennt sich heraus aus dem physischen Leib und bleibt eine Weile zusammen mit dem astralischen Leib und dem Ich.

[ 24 ] But now let us consider the moment of death. We can do this by drawing upon what is a fact for a person who has applied the methods of initiation to themselves and has learned to use the higher senses that lie dormant within the human being. But even ordinary logic can grasp this, because these facts are presented in such a way that they can reveal to us the path of the human being through death. At the moment of death, something occurs that happens only in exceptional cases throughout the entire life between birth and death. Throughout the entire life, the etheric body remains united with the physical body. Only at death does it separate from it, and thereby the physical body becomes a corpse. It now follows the purely physical-chemical forces from which it was shielded between birth and death by the indwelling of the etheric body. This etheric body, as has often been said, is a faithful warrior throughout life against the decay of the physical body; for the physical body contains within itself the chemical and physical forces. This becomes evident when, after death, it is left to its own devices: it decays; it is an impossible mixture. The etheric body separates from the physical body and remains for a while together with the astral body and the “I.”

[ 25 ] Dieser Zusammenhang ist von großer Wichtigkeit. Jetzt, in diesem Todesmomente, tritt vor dem Menschen auf ein umfassendes Erinnerungsgemälde an das bisherige Leben zwischen Geburt und Tod. Es ist, wie wenn ein gewaltiges Panorama dieses Lebens, das wir durchlebt haben, vor unserer Seele stünde. Begleitet wird diese Anschauung, dieses Erinnerungsbild von einem Gefühl der Erweiterung, des Größerwerdens der menschlichen Wesenheit. Es ist, wie wenn das menschliche Wesen sich ausdehnen würde und an der inneren Seite, wie in einem wunderbaren Panorama, die Bilder des verflossenen Lebens erscheinen würden.

[ 25 ] This connection is of great importance. Now, at the moment of death, a comprehensive panorama of one’s life thus far—from birth to death—unfolds before the person. It is as if a vast panorama of the life we have lived were standing before our soul. This vision, this picture of memories, is accompanied by a feeling of expansion, of the human being growing larger. It is as if the human being were expanding, and on the inner side, as in a wondrous panorama, the images of the life that has passed were appearing.

[ 26 ] Woher kommt das? Es kommt davon, daß der Ätherleib der Träger des Gedächtnisses ist. Solange er im physischen Leibe ist, ist er gebunden an den physischen Leib, und er kann nur überblicken, was er im physischen Leib zwischen Geburt und Tod erlebt hat. Der physische Leib ist eine Hemmung. Weil der Ätherleib ein ungetrübter, reiner Träger des Gedächtnisses ist, deshalb erscheint nach dem Tode die ganze Vergangenheit in einem einzigen Bilde. Leute, die beim Ertrinken oder bei einem Bergsturz dem Tode nahe waren und einen Schock erhielten, erinnern sich, daß in einem Momente das ganze Leben vor ihrer Seele stand. Ich könnte Ihnen da vieles erzählen, will aber nur erwähnen, was in einem Buch steht, auf das ich schon früher hingewiesen habe. Der Kriminalanthropologe Moritz Benedikt, ein Mann, der alles, was sonst hier gesagt worden ist, für größten Unsinn und Phantasterei ansehen würde — das macht aber nichts —, erzählt, daß, als er einmal dem Ertrinken nahe war, sein ganzes Leben wie ein großes Gemälde vor seiner Seele stand. Was geschieht in einem solchen Falle? Es geschieht da eine spontane Lockerung zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib, die gleich wieder aufgehoben wird. Die Folge davon ist, daß der Gedächtnisinhalt des ganzen Lebens für eine ganz kurze Spanne Zeit vor der menschlichen Seele steht.

[ 26 ] Where does this come from? It comes from the fact that the etheric body is the bearer of memory. As long as it is within the physical body, it is bound to the physical body, and it can only survey what it has experienced in the physical body between birth and death. The physical body is a hindrance. Because the etheric body is an unclouded, pure repository of memory, the entire past appears as a single image after death. People who were close to death—such as during a drowning or a landslide—and experienced a shock recall that, in a single moment, their entire life flashed before their eyes. I could tell you many such stories, but I will only mention what is written in a book I have referred to before. The forensic anthropologist Moritz Benedikt—a man who would regard everything else said here as utter nonsense and fantasy, though that doesn’t matter—recounts that when he was once close to drowning, his entire life stood before his soul like a great painting. What happens in such a case? A spontaneous loosening occurs between the physical body and the etheric body, which is immediately reversed. The result is that the memories of one’s entire life appear before the human soul for a very brief moment.

[ 27 ] So steht also zunächst dieses Erinnerungsbild vor der Seele des Menschen. Dann kommt die Zeit, in welcher sich der Ätherleib wieder trennt von dem Astralleib und dem Ich. Aber es bleibt ein Rest des Ätherleibes verknüpft mit dem menschlichen Wesen, etwas, was man nennen könnte den Extrakt des letzten Lebens, etwas wie ein kurzer Auszug. Denken Sie sich diesen kurzen Auszug, diese Lebensessenz so, wie wenn Sie den Inhalt eines dicken Buches kunstvoll auf einer Seite zusammenfassen könnten, aber so, daß ein Mensch aus diesem Extrakt den Inhalt des Buches wieder aufbauen könnte. So etwas wie eine solche Lebensessenz wird dem menschlichen Wesen für alle Zukunft einverleibt, nachdem er das, was er für seine weitere Evolution nicht gebrauchen kann, abgelegt hat. Dieses wollen wir uns besonders merken. Das, was da dem Menschen einverleibt wird für den künftigen Werdegang, das ist die Frucht des letzten Lebens. Es bildet jedes Leben etwas wie ein Blatt im großen Lebensbuch und alle unsere Erdenleben sind mit einem solchen Blatt eingetragen. Sie sind unserem Wesen einverleibt. Eine solche Frucht nehmen wir aus einem Leben mit in alle kommenden. Diese Frucht hat eine große Bedeutung für die weitere Entwickelung des Menschen.

[ 27 ] So this image of memory stands before the human soul at first. Then comes the time when the etheric body separates once more from the astral body and the I. But a remnant of the etheric body remains connected to the human being—something that could be called the essence of the last life, something like a brief summary. Imagine this brief summary, this essence of life, as if you could artfully condense the contents of a thick book onto a single page—but in such a way that a person could reconstruct the book’s contents from this extract. Something like this essence of life is incorporated into the human being for all the future, after he has shed what he cannot use for his further evolution. Let us take special note of this. What is incorporated into the human being for their future development is the fruit of their last life. Each life forms something like a page in the great book of life, and all our earthly lives are recorded on such a page. They are incorporated into our being. We carry this fruit from one life into all that follow. This fruit is of great significance for the further development of the human being.

[ 28 ] Bevor wir aber auf die Bedeutung dieses Lebensextraktes eingehen können, müssen wir den ferneren Gang des Menschen nach dem Tode einmal näher ins Auge fassen. Nachdem eine ganz kurze Zeit dieses Lebensgemälde bestanden hat, da tritt für den Menschen nach dem Tode eine andere Zeit ein, die wir in der folgenden Weise charakterisieren können. Jetzt hat der Mensch sein Ich, seinen astralischen Leib und diesen Extrakt, von dem ich eben gesprochen habe. Fassen wir jetzt ins Auge, wie der astralische Leib, der Träger von Trieben, Begierden und Leidenschaften, wirken kann. Wir können uns aus logischen Erwägungen heraus eine Vorstellung dieses Wirkens des astralischen Leibes bilden. Nehmen wir einmal eines der gewöhnlichen Erlebnisse, das Erlebnis eines Feinschmeckers, der Genuß an einer leckeren Speise hat. Wodurch kommt der Genuß zustande? Leicht könnte ihn jemand bloß dem physischen Leib zuschreiben wollen. Das wäre aber ein Unding. Nicht der physische Leib, sondern der astralische Leib ist der Träger von Begierden, von Lust und Leid. Den Genuß hat der astralische Leib, und er ist es auch, der die Begierde nach der leckeren Speise entwickelt. Der physische Leib ist ein Apparat von physischen Stoffen, von physischen und chemischen Kräften. Er liefert das Werkzeug dafür, daß der astralische Leib diese Begierden befriedigen kann. Das ist das Verhältnis im Leben zwischen dem astralischen Leib und dem physischen Leib. Der astralische Leib schreit nach Befriedigung seiner Begierden, und der physische Leib liefert ihm die Werkzeuge, den Gaumen, die Zunge und so weiter, durch die er seine Begierden befriedigen kann. Was ist jetzt im Tode der Fall? Der physische Leib ist abgelegt und mit ihm alle Instrumente der Befriedigung. Der astralische Leib aber ist da, und es ist leicht einzusehen, daß dieser astralische Leib nicht so ohne weiteres seine Genußsucht, seine Begierden damit ablegt, daß ihm das physische Werkzeug genommen ist. Der astralische Leib behält nach dem Tode die Begierde, die Sucht, obgleich ihm das physische Werkzeug, wodurch sie befriedigt werden kann, fehlt. Der Astralkörper entwickelt also die Begierde nach leckeren Speisen und so weiter, aber es fehlt der Gaumen. Oder es ist, wie wenn ein Mensch, der brennenden Durst leidet, in einer Umgebung ist, die weit und breit kein Wasser hat. Aus keinem anderen Grunde ist er nach dem Tode in einer Unmöglichkeit, die Begierde zu befriedigen, als weil er keine Organe dafür hat. So leidet er durch die Begierde Schmerz, bis er sie durch die Nichtbefriedigung mit Stumpf und Stiel ausgerottet hat.

[ 28 ] But before we can discuss the significance of this life essence, we must first take a closer look at the further course of human life after death. After this “picture of life” has existed for a very brief time, a different phase begins for the human being after death, which we can characterize as follows. Now the human being has his “I,” his astral body, and this essence I have just spoken of. Let us now consider how the astral body—the bearer of drives, desires, and passions—can function. We can form a conception of this activity of the astral body through logical reasoning. Let us take one of the ordinary experiences—the experience of a gourmet who takes pleasure in a delicious meal. How does this pleasure come about? One might easily be tempted to attribute it solely to the physical body. But that would be absurd. It is not the physical body, but the astral body that is the bearer of desires, pleasure, and suffering. It is the astral body that experiences the pleasure, and it is also the astral body that develops the desire for the delicious meal. The physical body is an apparatus of physical substances, of physical and chemical forces. It provides the means by which the astral body can satisfy these desires. This is the relationship in life between the astral body and the physical body. The astral body cries out for the satisfaction of its desires, and the physical body provides it with the tools—the palate, the tongue, and so on—through which it can satisfy its desires. What happens now at death? The physical body is cast off, and with it all the instruments of satisfaction. The astral body, however, remains, and it is easy to see that this astral body does not simply cast off its craving for pleasure and its desires just because the physical instrument has been taken away. After death, the astral body retains the desire and the craving, even though it lacks the physical instrument through which they can be satisfied. The astral body thus develops a craving for delicious food and so on, but it lacks the palate. Or it is as if a person suffering from a burning thirst were in an environment where there is no water to be found far and wide. The only reason he is unable to satisfy his desires after death is that he lacks the organs to do so. Thus, he suffers pain from these desires until he has completely eradicated them through their unfulfillment.

[ 29 ] Das ist die Zeit, die der Mensch nach dem Tode im sogenannten Kamaloka durchzumachen hat. Kama heißt Begierde, Loka heißt Ort. Das ist ein Sinnbild. Erst dann hört die Zeit des Leidens auf, wenn der Mensch die Begierde und Sucht, die im astralischen Leibe wurzeln und nur in der physischen Welt befriedigt werden können, ausgerottet hat. Es ist eine Zeit der Abgewöhnung, der Läuterung.

[ 29 ] This is the period that a person must undergo after death in what is known as Kamaloka. Kama means desire, and Loka means place. This is a metaphor. Only then does the time of suffering come to an end, when a person has eradicated the desire and addiction that are rooted in the astral body and can only be satisfied in the physical world. It is a time of weaning and purification.

[ 30 ] Fragen wir uns aber nun, ob diese Zeit der Läuterung nicht in allen möglichen Graden auftreten kann, so müssen wir antworten: Ja! — Nehmen wir zwei Menschen, einen, der ganz aufgeht in den sinnlichen Genüssen, dessen Leben von morgens bis abends ausgefüllt ist von allen möglichen Genüssen, die man nur in der physischen Welt, wo die Werkzeuge zu ihrer Befriedigung vorhanden sind, haben kann. Sein ganzes Inneres identifiziert er mit dem, was sein physischer Leib ist. Ein Mensch, der sich in solcher Weise identifiziert mit dem physischen Leib, wird ein schwierigeres Dasein nach dem Tode haben als derjenige, der schon in diesem Leben durch die sinnlichen Dinge hindurch dasjenige sieht, was übersinnlich, geistig-seelisch ist. Nehmen Sie dagegen einen Betrachter einer schönen Landschaft oder eines Musikwerks. In dem Kleinsten, Unbedeutendsten kann der Mensch eine Manifestation des Geistes sehen. Man wählt gern eine schöne Landschaft oder ein gutes Musikwerk als Beispiel, weil sich die Sache daran leichter veranschaulichen läßt. Derjenige, welcher in den Harmonien und Melodien eines Musikwerks die Rätsel des Ewigen in der Welt rauschen hört, der in der schönen Landschaft die geistigen Harmonien und Verhältnisse auf seine Seele wirken lassen kann, der entreißt sich als seelisch-geistiges Wesen schon in diesem Leben zwischen Geburt und Tod dem, was an das Physische gebunden ist. Und dasjenige, was also durchscheint durch das Physische, was also hindurchklingend empfunden wird durch das Physische, es ist ein Besitz, der uns bleibt und für den wir keine Läuterung, keine Abgewöhnung durchzumachen haben; denn dasjenige, was abfällt von uns, ist bloß das äußere Gewand. Denken Sie einmal in Ihrem tiefsten Innern nach, wie sich in dem Musikwerk etwas, was rein geistig ist, kundgibt. Es verhält sich ja zu den sinnlichen Manifestationen nicht anders, als daß es darin verborgen ist, und durch das Mittel der sinnlichen Manifestation in Sie eindringt. Das ist etwas, was dem Geiste, der Seele angehört, und woraus sich der Mensch nach dem Tode nicht herauszureißen braucht.

[ 30 ] But if we now ask ourselves whether this period of purification can occur to varying degrees, we must answer: Yes! — Let us take two people: one who is completely absorbed in sensual pleasures, whose life from morning to night is filled with every possible pleasure that can be experienced only in the physical world, where the means to satisfy them are available. He identifies his entire inner being with his physical body. A person who identifies in this way with the physical body will have a more difficult existence after death than one who, even in this life, sees through the sensory things to what is supersensory, spiritual, and soulful. Take, by contrast, someone who contemplates a beautiful landscape or a musical composition. Even in the smallest, most insignificant things, a person can see a manifestation of the spirit. People often choose a beautiful landscape or a fine piece of music as an example because it makes the concept easier to illustrate. The person who hears the mysteries of the eternal in the world resounding through the harmonies and melodies of a musical composition, who can allow the spiritual harmonies and relationships in a beautiful landscape to take effect upon their soul—such a person, as a spiritual-soul being, already in this life between birth and death breaks free from what is bound to the physical. And that which thus shines through the physical, that which is thus perceived as resonating through the physical, is a possession that remains with us and for which we need not undergo any purification or weaning; for what falls away from us is merely the outer garment. Think for a moment, deep within yourself, about how something that is purely spiritual reveals itself in a musical work. Its relationship to the sensory manifestations is no different from the fact that it is hidden within them and penetrates you through the medium of sensory manifestation. This is something that belongs to the spirit, to the soul, and from which a person need not tear themselves away after death.

[ 31 ] So sehen Sie, daß es Grade gibt dessen, was ertragen werden muß, und diese Grade richten sich danach, wie stark sich der Mensch identifiziert hat mit dem, was er nur durch seine Organe in der physischen Welt erleben, genießen kann.

[ 31 ] As you can see, there are varying degrees of what must be endured, and these degrees depend on the extent to which a person has identified with what they can experience and enjoy in the physical world solely through their senses.

[ 32 ] Nun gibt es sozusagen eine Perspektive, die ja ganz gewiß für keinen Menschen eine unmittelbare, reale Wirklichkeit in der Gegenwart zu sein braucht, weil es keinen Menschen gibt, bei dem sich die Bedingungen zu dieser Perspektive vollständig erfüllen. Aber sie ist doch vorhanden. Nehmen wir einen Menschen, der sein ganzes Ich völlig hingibt an dasjenige, was nur durch den physischen Leib und seine Organe im Zusammenhang mit der physischen Außenwelt genossen werden kann, der sich ganz verloren hat an diese sinnliche Außenwelt und der für nichts, auch rein gar nichts Interesse hätte, was als geistig-seelischer Inhalt dieser sinnlichen Außenwelt zugrunde liegt; einen Menschen, der nur auf die Erde sieht und sich nur identifiziert mit dem, was seinen Leib gestaltet. Was wird die Folge sein? Wir können das erkennen, wenn wir noch genauer die Rätsel des menschlichen Wesens erforschen.

[ 32 ] Now, there is, so to speak, a perspective that certainly need not be an immediate, real reality in the present for any human being, because there is no human being in whom the conditions for this perspective are fully met. But it does exist. Let us take a person who devotes his entire self completely to that which can be experienced only through the physical body and its organs in connection with the physical external world, who has lost himself entirely to this sensory external world and who would have no interest whatsoever—absolutely none—in what underlies this sensory external world as spiritual and soul content; a person who looks only toward the earth and identifies solely with what shapes his body. What will be the consequence? We can recognize this if we explore the mysteries of the human being even more closely.

[ 33 ] Wir müssen uns, wenn wir das tun wollen, ein wenig halten an dasjenige, was der Mensch als Lebensextrakt seines Ätherleibes mitnimmt. Was wird aus dem, was er mitnimmt als Lebensextrakt? Aus dieser Frucht des vorhergehenden Lebens baut der Mensch seine nächste Verkörperung auf, den Körper seines nächsten Lebens. Denn dasjenige, als was der Mensch, der sich nach und nach entfaltet, uns erscheint, ist wohl Produkt der Vererbung. Aber diese Produkte der Vererbung sind in gewisser Weise elastisch. Der Mensch läßt sich nicht bloß seinen Leib aufbauen aus den Merkmalen der Vererbung, sondern wie in einer elastischen Körperlichkeit wirkt und webt dasjenige, was er aus früheren Leben mitgebracht hat. So sehen wir an einem Menschen außer den vererbten Merkmalen die hineingewobenen Früchte des früheren Lebens, und aller früheren Leben. Und wenn wir uns fragen: Was hat das zur Folge, wenn der Mensch so lebt von Verkörperung zu Verkörperung? — so können wir sagen: Es hat zur Folge das, was wir den Vervollkommnungsgang des Menschen durch die Erdenleben nennen können. Der Mensch trat bei seinem Eintritt in das Erdenleben in seine erste Inkarnation ein mit Kräften, die im Verhältnis zu den Kräften, die bei den meisten Menschen heute wirken, primitiv waren. Als er in seine erste Inkarnation eintrat, hatte der Mensch nur wenig seelische Kraft, durch die er das Seelische hineinlenken konnte in den physischen und den ätherischen Leib. Dann genoß er die Früchte des ersten Lebens, nahm die Frucht des erstens Lebens mit und die Folge davon war, daß das nächste Leben ein vollkommeneres werden konnte. Denn dadurch, daß er zu den geringen Kräften, die er bei seinem ersten Dasein hatte, hinzuzufügen versteht die Erfahrungen der folgenden Leben, schafft sich der Mensch, insofern als diese Kräfte in Betracht kommen, ein immer vollkommeneres, in sich geschlossenes harmonisches Erdendasein. Jedes neue Leben erscheint uns auf einer höheren Stufe. Da aber sehen Sie zwei Kräfte ineinanderwirken. Sie sehen, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes hindurchgegangen ist, den Lebensextrakt, die Kräfte des früheren Lebens, welche für die Zukunft konserviert werden, die Kräfte, welche den Menschen immer vollkommener und vollkommener machen können. So wird von Leben zu Leben potenziert die Kraft des immer vollkommener werdenden Menschen. In dem Momente aber, wo das Ich den physischen Leib verläßt, da sehen Sie die Kräfte, die ihn immer wieder ketten an das verflossene physische Dasein. In der Tat setzt sich das menschliche Dasein nach dem Tode zusammen aus dem, was wir die sich fortentwickelnden, und dem, was wir die sich in diese hineinbildenden, hemmenden Kräfte nennen können.

[ 33 ] If we wish to do this, we must consider to some extent what a human being takes with them as the life essence of their etheric body. What becomes of what they take with them as life essence? From this fruit of their previous life, the human being builds their next incarnation—the body of their next life. For what appears to us as the human being who gradually unfolds is indeed a product of heredity. But these products of heredity are, in a certain sense, elastic. The human being does not merely allow his body to be built up from hereditary traits; rather, what he has brought with him from previous lives works and weaves within him, as in an elastic physicality. Thus, in a human being, we see, in addition to the inherited characteristics, the fruits of past lives—and of all past lives—woven into the fabric of their being. And when we ask ourselves: What is the consequence of a human being living in this way from incarnation to incarnation? — we can say: The consequence is what we might call the human being’s path of perfection through earthly lives. Upon entering earthly life, human beings entered their first incarnation with powers that were primitive in comparison to the powers at work in most people today. When they entered their first incarnation, human beings had only a small amount of soul power through which they could direct the soul into the physical and etheric bodies. Then they reaped the fruits of their first life, carried the fruits of that first life forward, and as a result, the next life could become a more perfect one. For by knowing how to add the experiences of subsequent lives to the limited powers they possessed during their first existence, human beings create for themselves—insofar as these powers are taken into account—an ever more perfect, self-contained, and harmonious earthly existence. Each new life appears to us to be on a higher level. But here you see two forces interacting. You see, after a person has passed through the gate of death, the essence of life—the forces of the previous life—which are preserved for the future, the forces that can make the person ever more perfect. Thus, from life to life, the power of the ever-perfecting human being is multiplied. But at the very moment when the “I” leaves the physical body, you see the forces that repeatedly bind it to the past physical existence. In fact, human existence after death consists of what we might call the evolving forces and what we might call the inhibiting forces that take shape within them.

[ 34 ] Jetzt betrachten Sie noch einmal kurz diese hemmenden Kräfte, von denen wir gesprochen haben, dasjenige, was der Mensch nach dem Tode aus sich mit Stumpf und Stiel herausreißen muß. Wenn nichts anderes dazukäme, würde der Mensch nach seinem Tode bloß ausgerüstet sein mit demjenigen, was er an fruchtbringenden Kräften für das künftige Dasein aus dem verflossenen Leben mitgebracht hat. Zwar entreißt sich der Mensch alledem, was ihn sozusagen kettet an die verflossenen Leben, er entreißt sich allem Verlangen und allen Begierden. Aber von einem kann er sich nicht losreißen. Ein Rest bleibt. Es wird dieses, was da nach dem Tode erscheint als ein Rest, den der Mensch aus sich herauszureißen hat, vorbereitet zwischen Geburt und Tod. Es ist nicht da, wenn der Mensch ins Leben tritt. Nachdem er in das Leben eingetreten ist, wächst er in die physische Welt hinein, und sein Hängen an der Lust der physischen Welt stellt sich als etwas dar, was der Mensch im Laufe dieses Lebens sich erst aneignet, was er erst hereinzieht in seine Wesenheit. Nun können wir uns die Vorstellungen bilden, daß das, was der Mensch so nach und nach in seine Wesenheit hereinzieht, etwas ist, was nicht zu seiner Fortentwickelung beiträgt, was diese Fortentwickelung sogar unmöglich machen würde, wenn er einzig und allein an diese Kräfte ausgeliefert wäre. Weil er dies alles in sein Leben hereinbringt und weil es die Möglichkeit hat, vom Leben aufgenommen zu werden, ist es das Leben zwischen Geburt und Tod selbst, das die hemmenden Kräfte in den Menschen hineinträgt. Es gibt uns auf der einen Seite die Lebenserfahrung, die wir als Frucht mitnehmen, und auf der anderen Seite schmiedet es uns zusammen mit der physischen Welt, die wir dann fortdauernd in uns tragen. Es ist dasjenige, was uns auf der einen Seite hinausheben will über die Verkörperung, auf der anderen uns immer wieder in diese Welt hineinbringt, bis wir so weit sind, daß wir alles, was uns mit der physischen Welt zusammenbringt, am Ende unseres Daseins völlig überwunden haben. So hat der Mensch dauernd eine Kraft in sich, die ihn vorwärts bringt, und eine andere, die eine hemmende, eine retardierende ist. Aus diesen zwei Kräften sehen wir das menschliche Dasein zusammengesetzt, aus einer sich vorwärtsentwickelnden und einer hemmenden Kraft.

[ 34 ] Now let us briefly consider once more these inhibiting forces we have spoken of—those things that a person must tear out of themselves root and branch after death. If nothing else were to come into play, a person would, after death, be equipped solely with the fruitful forces for future existence that they have brought with them from their past life. True, a person breaks free from everything that, so to speak, chains them to past lives; they break free from all desires and all cravings. But there is one thing from which they cannot tear themselves away. A remnant remains. What appears after death as a remnant that a person must tear out of themselves is prepared between birth and death. It is not present when a person enters life. After entering life, the person grows into the physical world, and their attachment to the pleasures of the physical world presents itself as something that the person first acquires in the course of this life—something they first draw into their being. Now we can form the idea that what a person gradually draws into their being is something that does not contribute to their further development—something that would even make this further development impossible if they were entirely at the mercy of these forces. Because human beings bring all of this into their lives and because it has the potential to be absorbed by life, it is life itself—the period between birth and death—that carries these inhibiting forces into human beings. On the one hand, it gives us the life experience that we take with us as a fruit; on the other hand, it forges us together with the physical world, which we then carry within us continuously. It is that which, on the one hand, seeks to lift us above embodiment, and on the other, brings us back into this world again and again, until we have reached the point where, at the end of our existence, we have completely overcome everything that binds us to the physical world. Thus, human beings constantly have within them one force that propels them forward and another that is inhibiting and retarding. We see human existence as composed of these two forces: one that propels us forward and one that holds us back.

[ 35 ] Sie können im einzelnen sehen, wie diese vorwärtsentwickelnden und retardierenden Kräfte ineinander wirken. Nehmen Sie aus dem gewöhnlichen Leben, dem scheinbar physischen, das Auge des Menschen. Das Auge ist, wie Goethe sagt, «am Lichte für das Licht gebildet». Wenn wir kein Auge hätten, würden wir das Licht nicht sehen. Aber wenn das Licht nicht da wäre, wäre auch das Auge nicht. Das Licht ist es, das das Auge entwickelt hat. Dadurch, daß das Licht das Auge schafft, schafft es zu gleicher Zeit eine Hemmung der Entwickelung und der Entwickelungsströmung, die vorangegangen ist. Dadurch, daß in grauer, urferner Vergangenheit das Licht auf den menschlichen Leib wirkte, wurde aus ihm dieses Auge herausgelockt. Dazu mußte es erst die Kraft, die sonst sprießende und sprossende Lebenskraft nach einer anderen Richtung gewesen wäre, hemmen. Nach langem Wirken der anderen Kräfte wird das Auge erst reif sein, ein Organ zu werden, das die Entwickelung wieder vorwärts bringt. So sehen Sie an diesem Beispiel, daß die Hemmungen, die rückstoßenden Kräfte, wesentlich notwendig sind.

[ 35 ] You can see in detail how these forces—some promoting development and others hindering it—interact. Take, from ordinary life—the seemingly physical realm—the human eye. The eye is, as Goethe says, “formed by light for light.” If we did not have an eye, we would not see the light. But if light were not there, the eye would not exist either. It is light that has developed the eye. By creating the eye, light simultaneously creates an inhibition of the development and the developmental current that preceded it. Because light acted upon the human body in the distant, primeval past, this eye was drawn forth from it. To do this, it first had to inhibit the life force—which would otherwise have been sprouting and budding in a different direction. Only after the long-term influence of the other forces will the eye be ready to become an organ that propels evolution forward once more. Thus, you can see from this example that the inhibitions—the counteracting forces—are absolutely necessary.

[ 36 ] Jetzt sehen wir, wie wunderbar weise es in diesem Menschenleben eingerichtet ist, indem auf der einen Seite die vorwärtsdrängende Kraft der Evolution da ist, und auf der anderen Seite die rückstoßenden Kräfte. Diese rückstoßenden Kräfte sind es, die den Menschen zusammenschmieden mit der physischen Welt, die ihm in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod die Organe verschaffen, durch die er sich wieder die Kraft für den Fortschritt erwirbt. Wären die hemmenden Kräfte nicht da, der Mensch würde nicht in das Leben zwischen Geburt und Tod eintreten, und nicht in die Hüllen hineinwachsen, durch die ihm das Geistig-Seelische erscheint. Jetzt wirkt er durch das Leben, das aus den hemmenden Kräften heraus geschaffen ist. So verdankt der Mensch die Früchte des Fortschritts den hemmenden Kräften.

[ 36 ] Now we see how wonderfully wisely human life is arranged, with the forward-driving force of evolution on the one hand, and the counteracting forces on the other. It is these restraining forces that bind the human being to the physical world, providing him, in the physical world between birth and death, with the organs through which he regains the strength for progress. Were the restraining forces not present, the human being would not enter into the life between birth and death, nor would he grow into the sheaths through which the spiritual-soul aspect appears to him. Now he acts through the life that is created out of the restraining forces. Thus, human beings owe the fruits of progress to the restraining forces.

[ 37 ] Darin verbirgt sich ein großes Rätsel, daß im Leben die fortschreitenden Kräfte zusammenwirken müssen mit den hemmenden. Nun kann es so werden, daß der Mensch in seinem Wesen die Waage hält zwischen den fortschreitenden und den hemmenden Kräften, oder daß er sich in einem Leben ganz und gar verbindet mit den hemmenden Kräften, daß er einmal ganz und gar verwächst mit den Kräften, die nur im physischen Leibe erzeugt sind als Mittel des Fortschritts, sie aber nicht als Mittel, sondern als Selbstzweck, als etwas für sich betrachtet. In diesem Fall risse sich das Geistig-Seelische des Menschen heraus aus allem Fortschritt. Es fieleheraus und dasjenige, was die Kamalokazeit, die Zeit des Abgewöhnens, der Läuterung wäre, die darin besteht, daß der Mensch ablegt, was ihn im Kleinen verbindet mit der physischen Welt, diese Zeit würde zu etwas Absolutem werden. Das steht als Extrem vor uns. Weil der Mensch aber niemals ganz verwächst mit der sinnlichen Welt, weil er sich in seinem Seelischen, in seinem Innern dieser äußersten Perspektive zu entziehen vermag, wird er dem Äußersten entrinnen. Wenn er aber so wäre, daß sein Interesse niemals haftete an dem, was als Geistig-Seelisches durchscheint — das steht als Perspektive da, wird aber nicht in diesem Leben erreicht —, dann würde sich das in die wirkenden Kräfte des Lebens eindrängen und so dastehen, daß der Mensch sich durch sein Verwachsensein mit der physisch-sinnlichen Welt aus allem Geistig-Seelischen herausreißen würde. Nehmen wir einmal diesen Fall an. Nun soll der Mensch nach dem Tode in die geistig-seelische Welt versetzt werden. Nichts bringt er sich für die geistig-seelische Welt mit als ein unbesiegliches Hängen, ein unbesiegliches Verwachsensein an und mit der physisch-sinnlichen Welt. Dieses Erinnerungsbild haftet und lastet nunmehr als ein Bleigewicht an ihm. Das verhärtete Materielle, ins Geistige umgesetzt, holt der Mensch in die geistige Welt hinein. Er ist untrennbar mit den Kräften verbunden, die alle Entwickelung und alle Evolution aufhalten und hemmen. Dies ist der Gedanke des höllischen Daseins. Daher erweitert sich in der letzten Perspektive die Läuterungszeit zu jenem Zustand, wo ohne Verständnis für die geistig-seelische Welt das Ich sich an das rein Physisch-Sinnliche gehängt hat und nichts mitbringt als das Verständnis für das Physisch-Sinnliche. Dieses Verständnis für das Physisch-Sinnliche ist die Höllenqual im Geistigen, wenn es auch vielleicht ein unendlich befriedigender sinnlicher Genuß im sinnlichen Dasein ist.

[ 37 ] Therein lies a great mystery: that in life, the forces of progress must interact with the forces of inhibition. Now, it may be that a person maintains a balance within their being between the forces of progress and the inhibiting forces, or that in a single life they become completely identified with the inhibiting forces, so that they eventually become entirely entangled with the forces that are generated in the physical body solely as a means of progress, but which they regard not as a means, but as an end in itself, as something in and of itself. In this case, the human being’s spiritual-soul aspect would tear itself away from all progress. It would fall away, and what would be the Kamaloka period—the time of weaning and purification, consisting in the human being shedding what connects him, in a minor way, to the physical world—would become something absolute. This stands before us as an extreme. But because human beings never become completely fused with the sensory world, because they are able to withdraw from this extreme prospect in their soul life, in their inner being, they will escape the extreme. But if it were the case that his interest never clung to what shines through as spiritual-soul life—which stands as a prospect but is not attained in this life—then this would intrude into the active forces of life and result in the human being, through his entanglement with the physical-sensory world, tearing himself away from all that is spiritual-soul life. Let us assume this case for a moment. Now, after death, the human being is to be transported into the spiritual-soul world. He brings nothing with him into the spiritual-soul world but an invincible attachment, an invincible entanglement in and with the physical-sensory world. This memory now clings to him and weighs him down like a leaden burden. The human being brings this hardened materiality—transformed into the spiritual—into the spiritual world. He is inseparably bound to the forces that halt and hinder all development and all evolution. This is the concept of a hellish existence. Therefore, in the ultimate perspective, the period of purification expands into that state where, lacking any understanding of the spiritual-soul world, the “I” has become attached to the purely physical-sensual realm and brings with it nothing but an understanding of the physical-sensual. This understanding of the physical-sensual realm is the torment of hell in the spiritual realm, even if it may be an infinitely satisfying sensual pleasure in sensual existence.

[ 38 ] Und nun versuchen wir die oben erwähnten Worte des Faust zu verstehen. Wenn der Höllensendling ihn haben will, was muß erreicht werden? Es muß erreicht werden, daß Faust aus den Augenblicken des leiblichen Daseins nicht den Keim der Weiterentwickelung heraussaugt, sondern er muß in diesen Augenblicken des physischen Daseins sich da so hineinfressen, daß er sie halten will in dieser seiner Sinnlichkeit. «Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön...» — dann hast du mich! Das ist das Bündnis, das der Mensch mit den Höllenmächten schließen kann, daß er sich mit den den Fortschritt hemmenden Mächten verbindet. Aber wir sehen zu gleicher Zeit, daß es gar nicht anders ging in der Menschheitsevolution, als daß diese hemmenden Kräfte ins Leben kamen.

[ 38 ] And now let us try to understand Faust’s words mentioned above. If the emissary from Hell wants to take him, what must be achieved? What must be achieved is that Faust does not extract the seed of further development from the moments of physical existence, but rather that he devours himself so deeply into these moments of physical existence that he wants to hold on to them within his own sensuality. “If I were to say to the moment: ‘Stay a while, you are so beautiful...’”—then you’ve got me! This is the pact that a human being can make with the forces of Hell: to ally himself with the forces that hinder progress. But at the same time, we see that human evolution could not have unfolded any other way than for these hindering forces to come into being.

[ 39 ] Wir werden das nächste Mal untersuchen, was der Mensch damals, als er zum ersten Male im physischen Leibe erschien, war, und woher er es mitbrachte, Jetzt wissen wir, daß der Mensch sich zusammensetzt aus vorwärtsstrebenden und rückwärtswollenden Kräften. Würde der Mensch dazumal, als er zum erstenmal in den physischen Leib eintrat, keine hemmenden Kräfte gehabt haben, dann würde er in derjenigen Gestaltung vergeistigter Art geblieben sein, in der er war vor der Inkarnation. Dadurch, daß die hemmenden Organe sich in ihm entwickelten, drang der Geist in das Sinnliche und konnte die Früchte des Sinnlichen mitnehmen, konnte sich immer mehr und mehr bereichern. Die Kräfte, aus denen der Fortschritt quillt, sind diejenigen, die erst die Organe des Fortschritts schaffen müssen. Hemmen müssen sie eine frühere Entwickelung, damit eine spätere Entwickelung möglich wird. Es hat niemand das Recht, über Hemmungserscheinungen des Lebens zu klagen. Das, was eine Wohltat ist, das konservative Element, solange es im Dienste der Menschheit ist, wird ein Hemmschuh, wenn es zum Selbstzweck gemacht wird. So ist es auch nach dem Leben, im Tod. Der Hemmschuh ist, im Dienste des Geistes betrachtet, der höchste Träger des Fortschritts. Wird er aber als Selbstzweck betrachtet oder selbstsüchtig benutzt, dann ist er das Keimelement der Hölle. So kann dasjenige, aus dem alle menschlichen Fähigkeiten dieser Erde entspringen, wenn der Mensch zur Unzeit mit ihm sich verbindet, Selbstzweck, Keim der Hölle werden.

[ 39 ] Next time, we will examine what human beings were like when they first appeared in a physical body, and where they brought it from. We now know that human beings are composed of forces that strive forward and forces that tend to retreat. If, when the human being first entered the physical body, he had possessed no restraining forces, he would have remained in the spiritual form he had before incarnation. Because the restraining organs developed within him, the spirit penetrated into the sensory realm and was able to take the fruits of the sensory world with him, enriching himself more and more. The forces from which progress springs are precisely those that must first create the organs of progress. They must inhibit earlier development so that later development becomes possible. No one has the right to complain about the inhibitory aspects of life. That which is a blessing—the conservative element—as long as it serves humanity, becomes a stumbling block when it is made an end in itself. So it is also after life, in death. Viewed in the service of the spirit, the stumbling block is the highest bearer of progress. But if it is regarded as an end in itself or used selfishly, then it is the seed of hell. Thus, that from which all human abilities on this earth spring—if a person connects with it at the wrong time—can become an end in itself, the seed of hell.

[ 40 ] Jetzt verstehen wir die nordische Sage. Aus dem Nebelheim ist der Geisteskeim für die jetzige Kultur entsprungen. Er hat durchgehen müssen durch die alten Kulturen, aber er mußte auch darüber hinausschreiten, indem er die Früchte in die jetzige Inkarnation hineinnahm. Diejenigen Menschen, die die jetzige Inkarnation nicht benützen im geistig-seelischen Sinne, verurteilen sich dazu, zurückgeworfen zu werden auf eine Stufe, die in ihrer Art wohltätig war, zu ihrer Zeit ein Mittel zum Fortschritt war, die aber jetzt hemmend wirkt. So wird das, was zu seiner Zeit ein Mittel des Fortschritts ist, wenn es sich im menschlichen Dasein erhält, zum höllischen Element. Nebelheim war nicht immer von der Hölle beherrscht. Die guten Elemente des Menschen hielten Nebelheim fest bis zu der Zeit, wo sie sich herausentwickelt haben.

[ 40 ] Now we understand the Nordic legend. The spiritual seed of our present culture sprang from the Land of Mist. It had to pass through the ancient cultures, but it also had to transcend them by bringing the fruits of those cultures into the present incarnation. Those people who do not make use of the present incarnation in a spiritual-soul sense condemn themselves to being cast back to a stage that was beneficial in its own way, that was a means of progress in its time, but which now has a hindering effect. Thus, what was once a means of progress, if it persists in human existence, becomes a hellish element. Nebelheim was not always ruled by hell. The good elements within humanity held Nebelheim in check until the time when they had developed themselves out of it.

[ 41 ] So sehen wir wirklich Gutes und Böses, Höllisches und Himmlisches im menschlichen Leben durcheinanderwirken und zusammen aus ihm herausströmen, wie es in dem angeführten Gedicht von Schiller gesagt ist: Das Wohltätige wird zum verzehrenden, hemmenden Element, wenn es nicht in der richtigen Weise verwendet wird, — so wie das Feuer wohltätig ist, wenn der Mensch es beherrscht, während es furchtbar werden kann, wenn es «der Fesseln sich entrafft und einhertritt auf eigener Spur». Ebenso treten auch die höllischen Mächte auf, wenn sie auf der «eigenen Spur» im menschlichen Leben einhertreten.

[ 41 ] Thus we see good and evil, the hellish and the heavenly, truly intermingling in human life and flowing forth from it together, as is stated in the aforementioned poem by Schiller: The benevolent becomes a consuming, inhibiting element if it is not used in the right way—just as fire is benevolent when man controls it, while it can become terrible when it “breaks free from its bonds and marches on its own path.” Likewise, the hellish forces also make their appearance when they stride “on their own path” through human life.

[ 42 ] So verstehen wir, warum die großen Geister, die solche tiefen Zusammenhänge gedacht oder empfunden haben, das gleiche gedacht und gefühlt haben, was die Geisteswissenschaft vor unsere Seelen hinstellt. Haben wir heute das höllische Element als etwas unserem Leben Notwendiges erkannt, so werden wir das nächste Mal dasjenige Element noch näher kennenlernen, das uns Licht bringen wird über das Ganze. Wir werden im Lichte wahrer Geisteswissenschaft auch das lichte Himmelselement kennenlernen. Aber schon aus dem heutigen Vortrage können wir sehen, daß es richtig ist, was Dante in der letzten Zeile seines Gesanges über die Hölle ausspricht. Dante glaubte eben auch zuerst die starken, hemmenden Kräfte im Leben betrachten zu müssen, bevor er eine Vorstellung bildete über jene fortschreitenden Kräfte, in denen alles Heil und alle Menschenentwickelung liegt. Wir werden auch für das gewöhnliche, alltägliche Leben Anhaltspunkte über Anhaltspunkte gewinnen, wenn wir das Rückwärtsschreiten mit dem Fortschreiten ins richtige Gleichgewicht zu bringen vermögen. Es wird sich zeigen, wo dem Menschen das Hemmende zum Höllischen zu werden droht, und wo es sich wohltätig erweist, indem es sich zu den wahrhaft vorwärtsschreitenden Mächten erhebt, so wie Dante es schildert, wenn er sich unter der Führung Virgils umgaukelt sieht von höllischen Mächten, er dann aber als Sieger über alle hemmenden Mächte hervortritt und ihm, dessen Seele «von Lust geschwellt» wird, am fernen Himmelszelt erscheinen die leuchtenden Sterne.

[ 42 ] Thus we understand why the great minds who conceived or sensed such profound connections thought and felt the very same things that spiritual science presents to our souls. If today we have recognized the hellish element as something necessary for our lives, next time we will come to know even more intimately the element that will shed light on the whole. In the light of true spiritual science, we will also come to know the luminous heavenly element. But even from today’s lecture, we can see that what Dante expresses in the last line of his canto on Hell is true. Dante, too, believed he had to first contemplate the strong, restraining forces in life before forming a conception of those progressive forces in which all salvation and all human development lie. We, too, will gain insight after insight for ordinary, everyday life if we are able to bring regression and progress into the right balance. It will become clear where what holds a person back threatens to become hellish, and where it proves beneficial by rising to become the truly forward-moving forces, just as Dante describes it when, under Virgil’s guidance, he finds himself beguiled by hellish powers, but then emerges victorious over all restraining forces, and to him, whose soul is “swollen with joy,” the shining stars appear in the distant vault of heaven.