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Knowledge of Soul and Spirit
GA 56

9 April 1908, Berlin

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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
  1. Die Erkenntnis der Seele und des Geistes

13. Erdenanfang und Erdenende

13. The Beginning and End of the Earth

[ 1 ] Das, wodurch sich der Mensch auszeichnet gegenüber den anderen Wesen, die ihn auf dieser Erde hier umgeben, besteht neben manchem, das uns heute weniger beschäftigen soll, darin, daß der Mensch nicht bloß nach dumpfen, instinktiven Antrieben, sondern nach klaren Ideen und Gedanken sein Leben einrichtet, daß es ihm für seine Arbeit Stärke, Kraft und Sicherheit gibt, wenn er in der Lage ist, nicht nur auf das Gegenwärtige zu blicken, sondern sich seine Zukunft aus Ideen oder Idealen selbst zu bestimmen. Dazu gelangt der Mensch nur, wenn er in der Lage ist, Umblick zu halten im Leben, hinauszuschauen über dasjenige, was der Augenblick umschließt, in Vergangenheit und Zukunft. Aus der Vergangenheit lernen wir; für die Zukunft arbeiten wir am besten dadurch, daß wir dasjenige, was wir in der Zukunft tun wollen, in unseren Ideen, in unseren Idealen vorausnehmen.

[ 1 ] What distinguishes human beings from the other creatures that surround them here on Earth consists, among other things—which we need not dwell on today—in the fact that human beings organize their lives not merely according to dull, instinctive impulses, but according to clear ideas and thoughts; that their work gives them strength, strength, and security for their work when they are able not only to look at the present but also to determine their own future based on ideas or ideals. Human beings can achieve this only if they are able to take a broader view of life, looking beyond what the present moment encompasses, into the past and the future. We learn from the past; we work best toward the future by anticipating in our ideas and ideals what we want to do in the future.

[ 2 ] Es könnte nun leicht scheinen, daß das heutige Thema «Erdenanfang und Erdenende» gar zu weit ausgreift nach der Vergangenheit und nach der Zukunft, als ob wir uns beschäftigen wollten mit Ideen, die hoch über unserem alltäglichen Dasein schweben. Deutschlands großer Philosoph Johann Gottlieb Fichte hat aber schon ein richtiges Wort gesagt gegen diejenigen Menschen, die aus einer scheinbaren Lebenspraxis heraus sich gegen Ideen und Ideale wenden, weil sie meinen, daß die Praktiker des Lebens für Ideale und Ideen doch keine Verwendung haben. Gegen sie hat, wie es in einem anderen Zusammenhang hier schon einmal angeführt worden ist, Johann Gottlieb Fichte, als er zu seinen Jenenser Studenten von den großen Idealen und über die Bestimmung des Menschen gesprochen hat, das schöne Wort geprägt: Daß die Ideale im wirklichen Leben nicht unmittelbar anwendbar sind, das wissen wir Idealisten ebensogut wie die sogenannten Praktiker, vielleicht besser. Wenn diese aber behaupten wollen, daß das Leben, wenn es wahrhaft praktisch sein soll, nicht nach den Ideen und Idealen eingerichtet werden müsse, so zeigen sie nur, daß im Werdegang des Lebens nicht auf sie gerechnet ist. Möge ihnen daher eine gütige Gottheit zur rechten Zeit Regen und Sonnenschein, die notwendigen Nahrungsmittel und meinetwillen weiter, wenn es geht, auch kluge Gedanken verleihen.

[ 2 ] It might easily seem that today’s topic, “The Beginning and End of the Earth,” reaches too far into the past and the future, as if we were trying to grapple with ideas that hover far above our everyday existence. But Germany’s great philosopher Johann Gottlieb Fichte once spoke a word of truth against those people who, based on an apparent practical approach to life, turn away from ideas and ideals because they believe that those who live life practically have no use for ideals and ideas after all. As has already been mentioned here in another context, Johann Gottlieb Fichte, when speaking to his students in Jena about the great ideals and the purpose of humanity, coined the following beautiful phrase in response to them: We idealists know just as well as the so-called pragmatists—perhaps even better—that ideals are not directly applicable in real life. But when these so-called practical people claim that life, if it is to be truly practical, must not be organized according to ideas and ideals, they merely demonstrate that they are not accounted for in the course of life. May a benevolent deity therefore grant them, at the right time, rain and sunshine, the necessary food, and—for my sake—if possible, wise thoughts as well.

[ 3 ] Um Ideale und Ideen und ihre Rechtfertigung handelt es sich für uns heute allerdings nicht; nur das eine sei berührt: Mancher mag meinen, daß Ideale und Ideen, die so weite Zeiträume umfassen wie Erdenanfang und Erdenende, doch vielleicht gar zu weit führen, ins Nebulose, ins Unpraktische verschwimmen. Das ist es aber, was eine geistige Weltanschauung den Menschen immer mehr und mehr zum Bewußtsein bringt, daß von je höher die Ideale hergenommen sind, desto unmittelbarer lassen sie sich im Leben anwenden, und je weiter wir mit unseren Ideen und Idealen dringen, desto größere Kräfte entwickeln sie, nicht nur für die umfassenderen Dinge des Lebens, sondern auch für jeden Augenblick des Alltags vom Morgen bis zum Abend. Die kleinen Ideale geben uns geringe Kraft für diese oder jene Gelegenheit; die großen Ideale erfüllen uns immer, stärken uns und kräftigen uns. Nicht darum handelt es sich, daß wir uns theoretisch in Gedanken vertiefen in solche Ideen und Ideale, sondern darum, daß aus ihnen etwas fließt, etwas herausströmt. Wenn die Ideale groß sind, dann strömen aus ihnen lebendigere, gewaltigere Empfindungen heraus als aus kleinen Idealen. Und diese lebendigeren, gewaltigeren Empfindungen und Gefühle kräftigen uns geistig, seelisch und körperlich, und unvermerkt schleichen sie sich ein in das, was wir im Alltag tun, und machen uns das Leben erst in der wünschenswerten Art möglich.

[ 3 ] However, we are not concerned today with ideals and ideas and their justification; let us touch on just one point: Some may think that ideals and ideas, which span such vast periods of time as the beginning and end of the Earth, perhaps lead too far afield, blurring into the nebulous and the impractical. But this is precisely what a spiritual worldview makes people increasingly aware of: that the higher the ideals are drawn from, the more directly they can be applied in life; and the further we advance with our ideas and ideals, the greater the power they develop—not only for the broader aspects of life, but also for every moment of everyday life, from morning to night. Small ideals give us little strength for this or that occasion; great ideals always fulfill us, strengthen us, and invigorate us. It is not a matter of immersing ourselves theoretically in such ideas and ideals in our thoughts, but rather of something flowing from them, something pouring forth. When ideals are grand, more vivid and powerful sensations flow from them than from small ideals. And these more vivid and powerful sensations and feelings strengthen us mentally, emotionally, and physically; imperceptibly, they find their way into what we do in everyday life and make it possible for us to live life in the way we desire.

[ 4 ] Wenn wir heute zurückblicken auf das Werden unserer Erde, unseres irdischen Wohnplatzes, dann denkt natürlich der Mensch der Gegenwart zunächst an die wunderbaren, gewaltigen Errungenschaften des naturwissenschaftlichen Denkens. Wie schon bei anderen Gelegenheiten, so soll auch hier betont werden, daß es nie und nimmer die Aufgabe der Geisteswissenschaft sein kann — wenn sie sich selbst richtig versteht —, auch nur das allergeringste einzuwenden gegen die berechtigten Feststellungen und Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft. Deshalb lassen Sie uns zuerst, bevor wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus dieses umfassende "Thema in Angriff nehmen, auch hier wieder, wie bei anderen Betrachtungen, einiges vorausschicken.

[ 4 ] When we look back today on the formation of our Earth, our earthly home, people today naturally think first of the marvelous, monumental achievements of scientific thought. As on other occasions, it should be emphasized here as well that it can never, under any circumstances, be the task of spiritual science—if it understands itself correctly—to raise even the slightest objection to the well-founded findings and results of modern natural science. Therefore, before we tackle this comprehensive “topic” from the perspective of spiritual science, let us first—as we have done in other discussions—preface our remarks with a few preliminary remarks.

[ 5 ] Nur kurz und skizzenhaft lassen Sie uns eine Antwort geben auf die Frage: Was weiß die heutige Wissenschaft über unser heutiges Thema zu sagen? — Die Naturwissenschaft enthüllt mit einem großen, umfassenden Scharfsinn die irdische Vergangenheit. Aus dem, was die Erde jetzt ist, aus dem, was als Überreste erhalten ist von untergegangenen Welten und untergegangenen Wesenheiten, weiß unsere Naturwissenschaft zurückzuschließen, wie es einmal auf unserer Erde vielleicht vor Jahrmillionen ausgesehen hat, und welche Wesen auf ihr herumgewandelt sind. Sie wissen ja, die Geschichte, die historischen Urkunden, sie führen uns nur eine kurze Zeit zurück im Erdenwerden, einige Jahrtausende nur. Dann wird es sozusagen finster, wenn man sich bloß auf die historischen Urkunden verlassen will. Eine weitere Zeit führt uns zurück dasjenige, was nicht den schriftlichen Urkunden anvertraut werden konnte, auch nicht anderen Dokumenten, dasjenige, was unsere Vorfahren ihren Toten ins Grab mitgegeben haben an Gegenständen ihrer Kultur, die von ihnen verfertigt wurden und als Überrest zurückgeblieben sind. Dann aber geht die Naturwissenschaft noch weiter zurück. Sie zeigt uns in den Knochengerüsten und anderen Überresten vorweltlicher Pflanzen und Tiere, die in den Schichten unserer Erde enthalten sind, welche Wesen nacheinander auf unserer Erde gelebt haben. Leicht ist es einzusehen, daß dasjenige, was in den oberen Schichten unserer Erde liegt, zuletzt sein Grab gefunden haben muß, daß das, was in den tieferen Schichten liegt, die von späteren zugedeckt worden sind, die dokumentarischen Überreste älterer, früherer Zeiten enthalten muß. Freilich ist es nicht so einfach, in dieser Weise naturwissenschaftlich zu forschen. Die Geologie oder die Lehre von den Gesteinsschichten hat manche Schwierigkeiten. Denn das, was aufgeschichtet worden ist innerhalb der Erdoberfläche, ist zum großen Teil nicht so geblieben, wie es ursprünglich aufgeschichtet worden ist. Übereinanderlagerungen, Überwerfungen, alle möglichen Durchwogungen des Ganzen haben stattgefunden, so daß manchmal dasjenige, was ursprünglich zuunterst lag, bei den Verwerfungen zuoberst gekommen ist. Es gehört manchmal ein großer Scharfsinn dazu, aus dem, was eingeschlossen ist in die Schichten unserer Erde, sich ein Bild davon zu machen, wie unsere Erde sich entwickelt hat.

[ 5 ] Let us offer a brief and sketchy answer to the question: What does modern science have to say about the topic at hand? — The natural sciences reveal the Earth’s past with great, comprehensive insight. From what the Earth is today, and from the remains preserved from vanished worlds and vanished beings, our natural sciences are able to deduce what our Earth may have looked like millions of years ago, and what beings once walked upon it. As you know, history and historical records take us back only a short time in the Earth’s development—merely a few millennia. Then, so to speak, it becomes a dark period if one relies solely on historical records. We are taken further back in time by what could not be entrusted to written records—nor to any other documents—namely, the cultural artifacts that our ancestors placed in the graves of their dead, objects they themselves crafted and which have remained as relics. But natural science goes even further back. Through the skeletal remains and other remnants of prehistoric plants and animals contained in the layers of our Earth, it shows us which creatures lived on our Earth one after another. It is easy to see that what lies in the upper layers of our Earth must have been buried most recently, and that what lies in the deeper layers—which have been covered by later ones—must contain the documentary remains of older, earlier times. Of course, it is not so simple to conduct scientific research in this manner. Geology—the study of rock strata—presents many difficulties. For what was originally deposited within the Earth’s surface has, for the most part, not remained as it was originally deposited. Overlays, overthrusts, and all manner of disturbances have taken place, so that sometimes what originally lay at the very bottom has ended up on top as a result of these faults. It sometimes requires great insight to form a picture of how our Earth has developed from what is enclosed within its layers.

[ 6 ] Wir wollen auf Einzelheiten nicht mehr eingehen, als insoweit der Geistesforscher in der Lage ist, sie zu rechtfertigen; auch wollen wir im einzelnen nicht ausführen, was wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus dazu sagen müßten. Manches ist da noch zu korrigieren. Darauf wollen wir uns aber nicht einlassen. Wir wollen im Gegenteil lieber dasjenige, was die emsige Naturwissenschaft beobachtet und der naturwissenschaftliche Scharfsinn auf diesem Gebiet geleistet hat, dankbar als große Errungenschaft für die Menschheit hinnehmen. Wir wollen gern mit der Naturforschung uns zurückversetzen in einen früheren Zustand der Erde, wo unsere Erde zum größten Teil weitaus anders ausgesehen hat als heute, wo einfachste Lebewesen auf unserer Erde gelebt haben müssen, von denen uns keine Überreste erhalten geblieben sind. Wir verfolgen mit dem Naturforscher den Werdegang unserer Erde von den Schichten, die zuunterst liegen, zu den Schichten und Überresten, die zuoberst gelagert sind. Wir finden da einfache Tiere, die unter den Wirbeltieren, unter denen mit einem Knochengerüst stehen. Wir gehen weiter und sehen, wie sich nach und nach die verschiedenen Tierklassen und Pflanzenklassen entwickeln, so wie sie nach und nach aufzutreten scheinen auf der sich verwandelnden Erde. Wir gehen mit dem Naturforscher zurück bis in die Zeit, wo in unserer Erdevolution Fische auftreten. Viele haben ganz andere Formen als die heutigen. Gehen wir weiter zurück, so kommen wir auf eine merkwürdige Entwickelungsphase unserer Erde, wo diese belebt ist von jenen monströsen, wunderbaren Tieren, die zum Teil der Amphibien- und Reptilienklasse angehören. Das sind Tiere, die riesengroß waren, deren eines Auge vielleicht so groß war wie ein Kinderkopf, sie waren versehen mit gigantischen Freßwerkzeugen, Tiere, welche man Ichthyosaurier und Plesiosaurier und so weiter nennt und deren Überreste in den verschiedensten Gegenden der Erde ausgegraben werden aus jenen Schichten, die man die Kreideschicht, die Juraschicht nennt. Da kommen wir in die Zeit, wo vollkommenere Pflanzenbildungen entstanden sind, in eine verhältnismäßig junge, obwohl auch nach Jahrtausenden zählende Zeit. Wir kommen dahin, wo nach naturwissenschaftlicher Auffassung der Mensch aufgetreten ist, wo er sozusagen nach den Dokumenten, die die betreffenden Schichten enthalten, zum ersten Male auf unserer Erde erscheint, nachdem die ihm nahestehenden höheren Säugetiere ihm vorangegangen waren. Kurz, wenn wir jenes Bild, welches wir schon neulich gebrauchen durften bei anderer Gelegenheit, als wir Sonne, Mond und Sterne geisteswissenschaftlich betrachteten, wenn wir jenes Bild wieder anwenden und uns dächten, es könnte von einem Sitz im Weltenraum jemand zuschauen, durch Jahrmillionen, wie da auf der Erde nach und nach sich die Oberfläche gestaltet, wie die Verteilung von Erde und Wasser, von Wärme und Kälte sich ändert, wie da die verschiedensten Klassen und Formen der Tiere und Lebewesen herauskommen, so würde das physische Bild für einen solchen hypothetischen Beobachter, der im Weltenraum irgendwo sitzt, im wesentlichen durchaus so sein, wie die Naturwissenschaft es schildert. Aber wieder sei es betont, daß man doch von seiten der Geisteswissenschaft nicht weiter gehen kann als sozusagen bis zu dem Punkt, wo die Naturwissenschaft selbst genötigt sein wird, die Dinge in der Zukunft zu korrigieren.

[ 6 ] We do not wish to go into further detail beyond what the spiritual researcher is able to justify; nor do we wish to elaborate in detail on what we would have to say about this from the standpoint of spiritual science. There are still some things that need to be corrected. However, we do not wish to get into that. On the contrary, we would rather gratefully accept what diligent natural science has observed and what scientific acumen has achieved in this field as a great accomplishment for humanity. We are happy to use natural science to transport ourselves back to an earlier state of the Earth, when our planet, for the most part, looked vastly different from today, and when the simplest life forms must have lived on our Earth, of which no remains have been preserved for us. Together with the naturalist, we trace the history of our Earth from the layers at the very bottom to the layers and remains found at the very top. There we find simple animals that belong to the vertebrates—those with a skeletal structure. We continue on and see how, little by little, the various classes of animals and plants develop, just as they seem to have appeared gradually on the changing Earth. Together with the naturalist, we go back to the time when fish first appeared in Earth’s evolution. Many had forms quite different from those of today. If we go further back, we come to a remarkable phase in Earth’s evolution, when it was inhabited by those monstrous, wondrous animals, some of which belonged to the amphibian and reptile classes. These were enormous animals, some of whose single eyes were perhaps as large as a child’s head; they were equipped with gigantic feeding appendages—animals known as ichthyosaurs, plesiosaurs, and so on, whose remains are excavated in various regions of the Earth from the strata known as the Cretaceous and Jurassic periods. This brings us to the era when more advanced plant forms emerged—a relatively recent period, though one spanning thousands of years. We arrive at the point where, according to scientific understanding, human beings first appeared; where, so to speak, based on the evidence contained in the relevant strata, they first appeared on our Earth, following in the footsteps of the higher mammals closely related to them. In short, if we were to apply that image—which we were recently able to use on another occasion when we considered the sun, moon, and stars from a spiritual-scientific perspective—if we were to apply that image again and imagine that someone, from a vantage point in outer space, could observe over millions of years how the Earth’s surface gradually takes shape, how the distribution of land and water heat and cold changes, and how the most diverse classes and forms of animals and living beings emerge—then the physical picture for such a hypothetical observer, sitting somewhere in outer space, would essentially be exactly as described by natural science. But it must be emphasized once again that spiritual science cannot go any further than, so to speak, the point at which natural science itself will be compelled to correct these matters in the future.

[ 7 ] Wo besteht nun ein Konflikt zwischen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft? Immer wieder wird von seiten der Naturwissenschaft gesagt, die Geisteswissenschaft stünde nicht auf naturwissenschaftlichem Boden. Kann man sich denn mehr auf naturwissenschaftlichen Boden stellen, als wenn man zugibt, daß alles, was die Naturwissenschaft weiß und erkennen kann, auch bei uns Anerkennung findet?

[ 7 ] Where, then, is the conflict between the natural sciences and the humanities? Time and again, the natural sciences claim that the humanities do not stand on scientific ground. Is it possible to stand more firmly on scientific ground than by acknowledging that everything the natural sciences know and are capable of discovering is also recognized by us?

[ 8 ] Nun gibt es aber Leute, die sagen, sie stehen fest auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen. Die fordern von dem Geisteswissenschafter, daß er nichts anderes wissen soll, als was sie selbst wissen. Sie fordern nicht bloß, daß man ihnen zugibt, was sie selbst sagen, sondern sie fordern auch, daß man sich unterwerfe dem Dogma, daß man nicht mehr sagen könne, als sie sagen. Dabei merken diese Menschen gar nicht, daß eine solche innere Intoleranz im Grunde genommen in der ganzen Menschheitsentwickelung niemals da war, auch nicht in den Zeiten, wo die äußere Intoleranz noch so weit gegangen ist. Gewiß, wie wir schon das letzte Mal sagen durften bei der Betrachtung von Sonne, Mond und Sternen: Das äußere sinnliche Bild gibt keine Veranlassung zu Streit zwischen der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft. — Aber folgt aus diesem äußern sinnlichen Anblick, daß hinter dem Sinnlichen, hinter dem Physischen keine übersinnlichen, überphysischen Kräfte geltend sind? Wir haben schon das letzte Mal den berühmten Plateauschen Versuch anführen können, wo man zeigt, wie in einer Flüssigkeit aus einem Öltropfen durch Drehung der Kurbel ein Weltsystem im Kleinen entsteht. Dabei hat aber der gute Mann ganz vergessen, daß er die Kurbel selbst gedreht hat! Es wird gar nicht bedacht, daß das ganz unmöglich ist ohne die Gedanken dessen, der die Kurbel dreht. Das, was man mit den physischen Augen sieht, ist der äußere Ausdruck, der äußere Vorgang für dasjenige, was innerlich-geistig sich abspielt und was der Mensch niemals kennenlernen kann dadurch, daß er bloß mit seinen Augen und deren Hilfswerkzeugen, also bloß mit den äußeren physischen Werkzeugen die Welt kennenlernt. Wollen wir aber bis zum physischen Anfang der Welt zurückblicken und nicht bloß das Physische betrachten, dann müssen wir uns zuerst das wahre Wesen des Menschen vor die Seele rücken. Wer vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus dieses wahre Wesen des Menschen betrachtet, für den zerfällt, wie ich oft betont habe, dieses Menschenwesen in eine Reihe von Gliedern. Vor allen Dingen zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß der wahre Grund jener wechselnden Zustände, die der Mensch jeden Tag innerhalb vierundzwanzig Stunden erlebt zwischen Wachen und Schlafen, darin liegt, daß ein Teil der menschlichen Wesensglieder im Schlafzustande sich abtrennt von dem anderen Teil. Wir sehen jede Nacht, wenn der Mensch einschläft, in traumlosen Schlaf hinuntersinken, in ein unbestimmtes Dunkel, was in den mannigfaltigsten Bildern und Eindrücken den Tag hindurch in der Seele auf und ab flutete. Wir sehen hinuntersinken alles, was der Mensch innerlich erlebt an Instinkten, Trieben, Begierden und Leidenschaften, an Lust und Leid, Freude und Schmerz. Das, was den Menschen den ganzen Tag über an all diesen inneren Seelenerlebnissen durch die Seele flutet, das sinkt mit dem Einschlafen in ein unbestimmtes Dunkel hinunter. Für den, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wie natürlich auch für jeden, der auf dem Standpunkte des gesunden Menschenverstandes steht, wäre es selbstverständlich eine große Torheit, wenn man behaupten wollte, daß mit dem Einschlafen der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden und Leidenschaften hinschwinden und des Morgens beim Aufwachen wiedererstehen würde. Die Geisteswissenschaft zeigt, daß, wenn der Mensch im traumlosen Schlafe liegt, im Bette liegt dasjenige Glied des Menschen, welches der Mensch gemeinschaftlich hat mit allen leblosen, mit allen mineralischen Wesenheiten um sich herum und das wir den physischen Leib nennen, und daß während des Schlafes mit dem physischen Leib verbunden ist der Äther- oder Lebensleib, der den Menschen gemeinsam ist mit den Pflanzen, aber nicht mehr mit den Mineralien, den leblosen Wesenheiten um ihn herum. Herausgehoben aus dem Menschen sind im traumlosen Schlaf zwei andere Glieder der menschlichen Wesenheit. Lust und Leid, Freude und Schmerz, Triebe, Begierden und Leidenschaften, all die auf und ab flutenden Empfindungen und Gefühle, alles das, was da in der Nacht schweigt, das hat als seinen Träger den astralischen Leib, und dieser ist im traumlosen Schlafe aus dem physischen und Ätherleibe, die im Bette zurückbleiben, herausgehoben. Herausgehoben sind da Astralleib und Ich.

[ 8 ] But there are people who claim to stand firmly on the ground of scientific facts. They demand that the humanities scholar know nothing other than what they themselves know. They demand not only that others agree with what they themselves say, but also that others submit to the dogma that one cannot say more than they do. Yet these people fail to realize that such inner intolerance has, in fact, never existed throughout the entire course of human development—not even in times when outward intolerance went to such extremes. Certainly, as we were able to say last time when considering the sun, moon, and stars: The external sensory image gives no cause for conflict between spiritual science and natural science. — But does it follow from this external sensory perception that no supersensory, superphysical forces are at work behind the sensory, behind the physical? We were already able to cite Plateau’s famous experiment last time, in which it is shown how, in a liquid, a drop of oil, through the turning of a crank, gives rise to a miniature universe. In doing so, however, the good man completely forgot that he himself had turned the crank! No consideration is given to the fact that this is entirely impossible without the thoughts of the one turning the crank. What one sees with the physical eyes is the outward expression, the outward process, of what is taking place inwardly and spiritually—and this is something a person can never come to know by merely perceiving the world through their eyes and their auxiliary instruments, that is, solely through external physical tools. But if we wish to look back to the physical beginning of the world and not merely consider the physical, then we must first bring the true nature of the human being before our soul. For anyone who views this true nature of the human being from the standpoint of spiritual science, as I have often emphasized, the human being breaks down into a series of components. Above all, spiritual science shows us that the true reason for those changing states that a person experiences every day within a twenty-four-hour period—between waking and sleeping—lies in the fact that one part of the human being’s constituent elements separates from the other part during sleep. Every night, when a person falls asleep, we see what has been ebbing and flowing in the soul throughout the day in the most varied images and impressions sink down into dreamless sleep, into an indeterminate darkness. We see everything that a person experiences inwardly—instincts, drives, desires, and passions; pleasure and suffering; joy and pain—sink down into that indeterminate darkness. All these inner soul experiences that flood through a person’s soul throughout the day sink down into an indeterminate darkness as they fall asleep. For anyone grounded in spiritual science—and, of course, for anyone guided by common sense—it would naturally be sheer folly to claim that, upon falling asleep, the bearer of pleasure and suffering, joy and pain, of drives, desires, and passions would vanish only to reemerge upon waking in the morning. Spiritual science shows that when a person lies in dreamless sleep, lying in bed is that part of the human being which the person shares with all inanimate, with all mineral beings around them—and which we call the physical body—and that during sleep, connected to the physical body is the etheric or life body, which the human being shares with plants, but no longer with the minerals, the inanimate entities around them. During dreamless sleep, two other aspects of the human being are set apart from the person. Pleasure and suffering, joy and pain, instincts, desires, and passions—all the sensations and feelings that ebb and flow—everything that lies silent during the night—is carried by the astral body, and during dreamless sleep, this astral body is separated from the physical and etheric bodies, which remain in bed. The astral body and the “I” are thus separated.

[ 9 ] Wodurch unterscheidet sich das Dasein dieses astralischen Leibes in der Nacht von seinem Dasein während des Tages? Wir können uns klarmachen, wodurch sich das Dasein des astralischen Leibes während des Taglebens von dem Dasein in der Nacht unterscheidet, wenn wir uns vor die Seele führen — was ich in anderen Serien dieser Vorträge getan habe —, daß der Astralleib draußen in einer anderen Welt, die um ihn herum ist, seine Wirklichkeit hat. Wovon hängt das ab, daß man etwas wahrnimmt? Es können unzählige Welten um Sie herum sein, die Welt der Töne, die Welt des Lichtes, die Welt der Gerüche, die Welt der Geschmäcke und so weiter, hätten Sie keine Sinnesorgane dafür, so wären diese Welten nicht da für Sie. Es ist das Unlogischste, was man tun kann — der größte 'Teil der Gegenwartsmenschen tut es allerdings —, zu behaupten, daß eine Welt, die man nicht wahrnimmt, nicht da sei. Die Geisteswissenschaft zeigt, daß der Astralleib des Menschen in der Nacht im traumlosen Schlafe aus dem physischen und Ätherleibe herausgehoben und in einer anderen Welt ist; nicht in einer jenseitigen, irgendwo verborgenen Welt, sondern in einer Welt, die uns durchdringt, wie Licht und Luft den Raum durchdringen. Für die geisteswissenschaftliche Beobachtung unterscheidet sich jene Welt von der physisch-sinnlichen nur dadurch, daß sie andere Organe erfordert, durch die sie wahrgenommen werden kann. Dieser astralische Leib des Menschen ist in einer geistigen Welt, die in unserer Umwelt ist, genau wie die Luft um uns herum. Wer noch keine Ahnung davon hat, daß Luft um ihn herum ist, sagt, es sei nichts um ihn herum. So sagt derjenige, der keine Ahnung davon hat, daß er fortwährend im Geiste lebt, es sei kein Geist in unserer Umgebung, es gäbe keine geistige Welt, keine geistigen Tatsachen, keine geistigen Wesenheiten. Der Astralleib, der Träger von Lust und Schmerz, ist in der Nacht in dieser geistigen Welt. Er nimmt sie nicht wahr, weil er in der gegenwärtigen Evolution, im gegenwärtigen Entwickelungszyklus des Menschen noch keine Organe, keine Erkenntniswerkzeuge für diese seine Welt hat, in der er ist.

[ 9 ] How does the existence of this astral body at night differ from its existence during the day? We can understand how the existence of the astral body during the day differs from its existence at night if we bring to mind—as I have done in other series of these lectures—that the astral body has its reality out there in another world that surrounds it. What determines whether we perceive something? There may be countless worlds around you—the world of sounds, the world of light, the world of smells, the world of tastes, and so on—but if you did not have the sensory organs to perceive them, these worlds would not exist for you. It is the most illogical thing one can do—though the majority of people today do it, mind you—to claim that a world one does not perceive does not exist. Spiritual science shows that at night, during dreamless sleep, the human astral body is lifted out of the physical and etheric bodies and enters another world—not an otherworldly realm hidden somewhere, but a world that permeates us, just as light and air permeate space. From the perspective of spiritual science, that world differs from the physical-sensory world only in that it requires different organs through which it can be perceived. This astral body of the human being is in a spiritual world that exists within our environment, just like the air around us. Someone who has no inkling that air surrounds them says there is nothing around them. Similarly, someone who has no inkling that they are constantly living in the spirit says there is no spirit in our surroundings, that there is no spiritual world, no spiritual realities, and no spiritual beings. The astral body, the bearer of pleasure and pain, is in this spiritual world at night. It does not perceive it because, in the current stage of evolution—in humanity’s present cycle of development—it does not yet possess organs or tools of perception for this world in which it exists.

[ 10 ] Nun könnte es sich ausnehmen wie eine Hypothese, wenn man sagt, es gibt einen astralischen Leib und der Mensch sei im traumlosen Schlafe außer seinem physischen und Ätherleibe in einer geistigen Welt. Aber abgesehen davon, daß derjenige, dessen geistige Augen durch die Einweihung, die wir besprochen haben, geöffnet sind, den astralischen Leib durch eine Trennung vom physischen Leib, durch eigene Beobachtung und eigenes Erlebnis kennt, abgesehen davon kann man sozusagen experimentell zeigen, daß ein solcher astralischer Leib vorhanden ist, wenn auch nicht durch gewöhnliche Instrumente. Denn das einzige Instrument, welches den Menschen wahrhaft hineinführt in die geistige Welt, ihm dieGeheimnisse der höheren, übersinnlichen Welt klarlegt, das ist der Mensch selbst, seiner vollen und ganzen Wesenheit nach. Dieses Instrument, der Mensch, ist einer unendlichen Vervollkommnung, einer unendlich subtilen Ausbildung fähig, und gerade die Einweihung selbst ist es, die den Menschen vervollkommnet. Sie liefert dem, der sie auf sich anwenden will, sozusagen den experimentellen Beweis dafür, daß es einen astralischen Leib des Menschen gibt, der vom physischen Leib unabhängig werden kann.

[ 10 ] Now, it might seem like a hypothesis to say that there is an astral body and that, during dreamless sleep, a person exists in a spiritual world apart from their physical and etheric bodies. But apart from the fact that those whose spiritual eyes have been opened through the initiation we have discussed know the astral body through a separation from the physical body, through their own observation and experience—apart from that, it can be demonstrated, so to speak, experimentally that such an astral body exists, even if not through ordinary instruments. For the only instrument that truly leads a person into the spiritual world and reveals to them the mysteries of the higher, supersensible world is the person themselves, in their full and complete being. This instrument—the human being—is capable of infinite perfection and infinitely subtle development, and it is precisely initiation itself that perfects the human being. It provides those who wish to apply it to themselves with, so to speak, experimental proof that there is an astral body of the human being that can become independent of the physical body.

[ 11 ] Erinnern wir uns einmal an einige der Gesichtspunkte, die wir bei der Einweihung besprochen haben. Wir haben da gesagt, daß der Mensch gewisse Übungen machen kann, Übungen der Meditation, der inneren Versenkung also, nach ganz bestimmten methodischen Vorschriften, durch die er seine Gedanken-, Gefühls- und Willenswelt innerlich stark und kräftig macht, stärker und kräftiger, als durch irgendeine äußere Sinnesbeobachtung Gedanken, Gefühle und Wille gestärkt werden können. Es gibt eben solche Anweisungen, wie wir es im Vortrage über die Einweihung gesehen haben, durch die der Mensch mehr gewinnen kann, als er durch bloße äußere Beobachtung der Wirklichkeit gewinnt. An einer Menschenseele, welche die Anweisungen auf sich anwendet, zeigt sich etwas ganz Besonderes. Es zeigt sich, daß tatsächlich derjenige Leib, den wir den astralischen Leib genannt haben, den auch der hat, welcher wie der heutige Mensch keine geistigen Augen und keine geistigen Ohren hat, durch die subtile innere Arbeit des Menschen plastisch eingegliedert erhält diese geistigen Augen und diese geistigen Ohren. Wir können es zeigen, wie Versenkung in innere Gedanken und Gefühle, Versenkung in Willensimpulse die Gefühle und die Willensimpulse energischer machen. Wir können zeigen, wie sie wirken auf diesen astralischen Leib: Der astralische Leib zeigt nach einiger Zeit, wenn der Mensch Geduld und Ausdauer hat, bei der morgendlichen Rückkehr in den physischen Leib und den Ätherleib, daß er sich die geistigen Augen und Ohren erworben hat und nun erleben kann, was man die Erleuchtung nennt. Der Mensch kann also dadurch, daß er hier im wachen Bewußtsein durch Gedankenversenkung nach bestimmten methodischen Vorschriften arbeitet — dadurch, daß er gewisse Gefühle und gewisse Willensimpulse in sich ausführt —, auf seinen astralischen Leib so wirken, daß dieser sich fähig zeigt, auf uns zurückzuwirken. Dadurch zeigt man doch die Wirklichkeit des astralischen Leibes. Wir wirken auf ihn und er auf uns. Er bezeigt durch das Faktum der Einweihung sein Dasein.

[ 11 ] Let’s recall some of the points we discussed during the initiation. We said there that a person can perform certain exercises—exercises in meditation, that is, in inner contemplation—according to very specific methodological guidelines, through which they can strengthen their world of thoughts, feelings, and will from within, making it stronger and more powerful than thoughts, feelings, and will can ever be strengthened through any form of external sensory observation. There are indeed such instructions, as we saw in the lecture on initiation, through which a person can gain more than they can through mere external observation of reality. Something quite special becomes evident in a human soul that applies these instructions to itself. It becomes evident that the body we have called the astral body—which is possessed even by those who, like modern human beings, have no spiritual eyes or spiritual ears—is, through the subtle inner work of the individual, plastically integrated to receive these spiritual eyes and these spiritual ears. We can demonstrate how immersion in inner thoughts and feelings, and immersion in impulses of the will, make these feelings and impulses of the will more vigorous. We can show how they affect this astral body: After some time, if the person has patience and perseverance, the astral body reveals—upon the morning return to the physical body and the etheric body—that it has acquired spiritual eyes and ears and can now experience what is called enlightenment. Thus, by working here in waking consciousness through the concentration of thoughts according to specific methodological guidelines—by carrying out certain feelings and certain impulses of the will within oneself—a person can influence their astral body in such a way that it proves capable of exerting a reciprocal influence on us. This demonstrates the reality of the astral body. We act upon it, and it acts upon us. Through the very fact of initiation, it demonstrates its existence.

[ 12 ] Ebenso wie der astralische Leib des Menschen in der Nacht getrennt ist von dem physischen Leib, ebenso ist von ihm getrennt dasjenige, was wir des Menschen eigentlichen Ich-Träger, des Menschen eigentliches Selbstbewußtsein nennen. Auch das verschwindet beim Entwickelungszustand des gegenwärtigen Menschen noch in ein unbestimmtes Dunkel hinunter.

[ 12 ] Just as the human astral body is separated from the physical body at night, so too is that which we call the human being’s true “I-bearer”—the human being’s true self-consciousness—separated from it. In the current stage of human development, this, too, still vanishes into an indeterminate darkness.

[ 13 ] Beim schlafenden Menschen haben wir den physischen Leib im Bette vor uns, den der Mensch mit allen Mineralien gemeinsam hat, sowie den Ätherleib, den er mit allen Pflanzen gemeinschaftlich hat. Aus dem physischen Leib und dem Ätherleib herausgehoben haben wir den astralischen Leib, den der Mensch nur mit den Tieren gemeinsam hat, und das Ich, das der Mensch, als Krone der Schöpfung auf der Erde, mit keinem anderen Reiche der Natur innerhalb des Erdenreiches gemeinschaftlich hat. In dem gegenwärtigen Entwickelungszyklus, wo keine höheren Sinne, keine «Geistesaugen» und keine «Geistesohren», um mit Goethe zu sprechen, entwickelt sind, versinken die Eindrücke, die der Mensch während des Tages hat, beim Einschlafen, und andere tauchen nicht auf in der Welt, für die er keine Sinne hat. Daher ist er in der Nacht von Finsternis, Lichtlosigkeit und von Stummheit umgeben. Des Morgens beim Aufwachen taucht der Mensch unter in den physischen Leib und den Ätherleib. Diese sind mit den physischen Augen und Ohren ausgestattet. Der Geistmensch taucht unter in den physisch-sinnlichen Menschen, gebraucht da die Instrumente für die physisch-sinnliche Welt und hat dadurch diese Welt um sich. Man sollte verstehen — und wenn man will, so kann man es —, was Fichte gesagt hat: Man glaube nicht, daß das Auge sieht, sondern der Mensch sieht durch das Auge; man glaube nicht, daß das Ohr hört, sondern der Mensch hört durch das Ohr. Ebenso wie mit Auge und Ohr ist es mit dem Geruchs- und Geschmackssinn. Sie sind alle Werkzeuge für den inneren Menschen.

[ 13 ] When a person is asleep, we see before us the physical body in bed—which humans share with all minerals—as well as the etheric body, which they share with all plants. Distinct from the physical body and the etheric body, we have the astral body, which humans share only with animals, and the “I,” which humans—as the crown of creation on Earth—do not share with any other realm of nature within the earthly realm. In the present cycle of development, where no higher senses—no “spiritual eyes” and no “spiritual ears,” to use Goethe’s words—have been developed, the impressions that a human being has during the day sink away upon falling asleep, and no others emerge in the world for which he has no senses. Therefore, at night he is surrounded by darkness, lightlessness, and silence. In the morning upon waking, a person sinks into the physical body and the etheric body. These are equipped with physical eyes and ears. The spiritual human being sinks into the physical-sensory human being, uses the instruments for the physical-sensory world there, and thereby has this world around them. One should understand—and if one wishes, one can—what Fichte said: Do not believe that the eye sees, but rather that the human being sees through the eye; do not believe that the ear hears, but rather that the human being hears through the ear. Just as with the eye and the ear, so it is with the senses of smell and taste. They are all instruments for the inner human being.

[ 14 ] In diesem geistigen, inneren Menschen, in diesem Ich und diesem astralischen Leib, sieht die Geisteswissenschaft und muß sie sehen das Ursprüngliche, das Erste des Menschen. Nicht in dem physischen und nicht in dem Ätherleibe, sondern in dem Astralleibe und dem Ich ist dasjenige gegeben, was vor dem physischen und vor dem Ätherleibe vorhanden war. Es wird gewiß mancher, der tiefer suggestiv beeinflußt ist von den stark wirkenden, am Materiellen haftenden Vorstellungen der Gegenwart, einwenden: Denkt ihr euch denn in eurer phantastischen Geisteswissenschaft, daß dieses Geistige, dieser Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von Trieben, Begierden, Leidenschaften und von Selbstbewußtsein, einmal frei irgendwo geschwebt habe, ohne an einen physischen Leib gebunden zu sein? — Darauf antwortet die Geisteswissenschaft: Jawohl, das ist der Fall! Vor allem Physischen, vor allem Ätherischen sogar, war dieser astralische Leib, der Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz. Das Innenleben war vor dem Äußeren,

[ 14 ] In this spiritual, inner human being—in this “I” and this astral body—spiritual science sees, and must see, the original, the first aspect of the human being. It is not in the physical body nor in the etheric body, but in the astral body and the “I” that we find what existed before the physical body and the etheric body. Certainly, some who are more deeply influenced by the powerful, materialistic ideas of the present day will object: Do you, in your fanciful spiritual science, imagine that this spiritual entity—this bearer of pleasure and suffering, of joy and pain, of drives, desires, passions, and self-consciousness—once floated freely somewhere, unbound to a physical body? —To this, spiritual science replies: Indeed, that is the case! This astral body—the bearer of pleasure and suffering, of joy and pain—preceded all that is physical, and even all that is etheric. The inner life preceded the outer,

[ 15 ] Damit wären wir unmittelbar an den Erdenanfang versetzt. — Können Sie sich vorstellen, daß jemand, selbst unter den starken materialistischen Suggestionen, das ganz leugnen kann, daß es etwas geben könne, was wie ein geistiger Zustand dem zugrunde liegt, was sich erst danach verdichtet und entsteht? Oft ist ja hier betont worden, daß für die Geisteswissenschaft die Materie verdichteter Geist ist. Gebrauchen wir doch einmal einen Vergleich, den wir öfter angewendet haben, um zu zeigen, wie der Geistesforscher über Geist und Materie denkt. Denken Sie sich einmal, irgend jemand hätte vor sich durchsichtige Luft und es träte in dieser durchsichtigen Luft Wolkenbildung auf, als die Wirkung von einer Abkühlung. Das, was früher durchsichtig war, wird getrübt durch die Wolkenbildung; das, was früher Wasserdunst und nicht sichtbar war, wird zu Wasser. Vielleicht geht es weiter: Das Wasser gefriert zu Eis. Das Eis fällt in Stücken herunter. Nehmen wir an, es käme jemand und sagte: Unsinn, Dummbheit ist es, daß das Wasser vorher in der Luft verteilt gewesen ist. Ich habe nichts davon gesehen! Das erste war das, was mir als Wolken entgegengetreten ist. Dann kommt einer, der kann auch die Wolken noch nicht sehen, der sieht erst etwas, wenn das Wasser gefriert, wenn Eis entsteht. Wenn man dem sagt: Was als Eis heute da ist, das war früher schon als Wasser da, so antwortet er: Ich habe nichts gesehen, Eis ist da und sonst nichts.

[ 15 ] This would transport us directly to the beginning of the Earth. — Can you imagine that anyone, even under the strong influence of materialistic ideas, could completely deny that there might be something—like a spiritual state—underlying what only later condenses and comes into being? It has often been emphasized here that, for spiritual science, matter is condensed spirit. Let us use a comparison we have often employed to show how the spiritual researcher thinks about spirit and matter. Imagine that someone has transparent air in front of them, and clouds begin to form in this transparent air as a result of cooling. What was once transparent becomes clouded by the formation of clouds; what was previously water vapor and invisible becomes water. Perhaps it goes further: the water freezes into ice. The ice falls down in pieces. Let’s suppose someone came along and said: “Nonsense! It’s foolish to think that the water was previously distributed in the air.” I didn’t see any of that! The first thing I saw was what appeared to me as clouds. Then someone comes along who can’t see the clouds yet either; he only sees something when the water freezes, when ice forms. If you tell him, “What is there today as ice was already there earlier as water,” he replies, “I didn’t see anything; there’s ice and nothing else.”

[ 16 ] Aus solchen Gedanken muß die Antwort genommen werden, wenn jemand einem Geistesforscher Phantastik vorwerfen will, der sagt, zuerst war der Mensch nicht materiell vorhanden, auch nicht als Ätherleib, sondern der astralische Leib und das Ich waren zuerst vorhanden. Im Beginne unseres Erdendaseins waren astralischer Leib und Ich vorhanden. Ja, es war sogar, wie wir gleich sehen werden, der Mensch als geistiges Wesen auf der Erde vorhanden, bevor Tiere, bevor Pflanzen, bevor Mineralien auf der Erde vorhanden waren. Zunächst bestand die Erde aus einer Zusammenfügung von lauter solchen geistigen Menschen, die aus dem Ich und dem astralischen Leib bestanden. Das ist der Erdenanfang. Nun beschreibt der Geistesforscher weiter: Wie das Wasser, das aufgelöst unsichtbar in der Luft ist, sich zu Wolken verdichtet, so verdichtete sich einstmals das Astralische zum Ätherischen. Und jetzt waren im weiteren Verlauf der Erdenentwickelung Menschen vorhanden, die ein Ich, einen astralischen Leib und einen Ätherleib hatten. Zuletzt entstand, wie das Eis aus dem Wasser, das Wasser aus dem Wasserdunst sich gebildet hatte, der physische Leib, als der dichteste Teil der menschlichen Wesenheit. So haben wir den Gang der Erdenentwickelung: Zuerst ist der Mensch da als geistiges Wesen, dann als ätherisches Wesen, und zuletzt erst kristallisiert das Geistige den menschlichen physischen Leib heraus.

[ 16 ] The answer must be drawn from such thoughts when someone accuses a spiritual researcher of fantasizing for saying that, in the beginning, human beings did not exist in a material form—not even as an etheric body—but that the astral body and the “I” existed first. At the beginning of our earthly existence, the astral body and the “I” were present. Indeed, as we shall soon see, human beings existed on Earth as spiritual beings even before animals, plants, or minerals were present on Earth. Initially, the Earth consisted of a collection of such spiritual human beings, each composed of the “I” and the astral body. That is the beginning of the Earth. Now the spiritual researcher continues: Just as water, which is dissolved and invisible in the air, condenses into clouds, so too did the astral once condense into the etheric. And now, in the further course of Earth’s development, there were human beings who possessed an “I,” an astral body, and an etheric body. Finally, just as ice forms from water, which itself had formed from water vapor, the physical body emerged as the densest part of the human being. Thus we have the course of Earth’s development: First, the human being exists as a spiritual being; then as an etheric being; and only finally does the spiritual crystallize the human physical body.

[ 17 ] Halten wir einmal das Bild fest von dem sich verdichtenden Wasserdunst. Nehmen Sie an, Sie hätten einen Klumpen Wasser. Dieser Klumpen Wasser würde künstlich von Ihnen so behandelt, daß ein Teil davon in der Mitte gefriert. Nehmen Sie an, Sie hätten viele solche Klumpen Wasser, bei denen ein Teil in der Mitte gefriert; es entstehen also viele Eiskörnchen. Und jetzt geschehe etwas sehr Eigentümliches: Aus einigen dieser Wasserklumpen fiele das Eisklümpchen heraus und bliebe nur mit wenig Wasser überzogen für sich, während die Muttersubstanz, das Wasser, aus dem sich das Eis gebildet hat, sich zurückzieht. Bei den anderen Wasserklumpen bleiben die Eiskörnchen in dem Wasserklumpen darin und gefrieren weiter. Es bildet sich mehr Wasser zu Eis um, es entstehen größere Eiskerne. Bei einer Anzahl der so entstandenen Gebilde fallen solche größere Eiskerne heraus und behalten etwas Wasser, während sich die Muttersubstanz von ihnen zurückzieht. Das gehe so fort. Immer wieder steigen solche Eisklumpen zu höheren Stufen, das heißt sie bilden mehr Eis aus dem Wasser heraus. Und immer bilden sich auch Eisstufen auf der Erde zurück, während andere Klumpen immer mehr vom Wasser in Eis umbilden, bis sie zuletzt solche Eisklumpen haben, die alles Wasser in Eis umgebildet haben und deren Muttersubstanz sozusagen nur zwischen den Poren des Eises enthalten ist.

[ 17 ] Let’s consider the image of condensing water vapor. Suppose you had a lump of water. You would artificially treat this lump of water so that a portion of it freezes in the center. Suppose you had many such lumps of water, in each of which a portion freezes in the center; this would result in the formation of many ice crystals. And now something very peculiar happens: From some of these lumps of water, the ice crystal would fall out and remain on its own, covered only by a thin layer of water, while the parent substance—the water from which the ice formed—withdraws. In the other clumps of water, the ice grains remain inside the clump and continue to freeze. More water turns into ice, forming larger ice nuclei. In some of the structures formed in this way, these larger ice nuclei fall out and retain some water, while the parent substance recedes from them. This process continues. Time and again, such ice clumps ascend to higher levels, meaning they form more ice from the water. And ice levels on Earth are constantly receding, while other clumps continue to convert more and more water into ice, until they finally have ice clumps that have converted all the water into ice and whose parent substance is, so to speak, contained only between the pores of the ice.

[ 18 ] Dieses Bild lassen Sie entstehen in Ihrer Seele für den Gang des Erdenwerdens vom Erdenanfang bis in unsere Zeit hinein. Denken Sie sich am Anfang unseres Erdendaseins den Menschen als geistiges Wesen und nur vorhanden als geistiges Wesen. Er beginnt zuerst herauszukristallisieren einen kleinen, unbedeutenden Teil, der dichter wird. Es gibt gewisse Wesen, die bleiben wie die Eiskörnchen auf einer frühen Stufe stehen, indem sie sich trennen von ihrer geistigen Muttersubstanz. Das sind die unvollkommensten Tiere, die einstmals dadurch entstanden sind, daß aus der menschlichen Muttersubstanz, aus dem astralischen Menschen nur ein Teil materiell geworden ist und sich herausverdichtet hat. Das sind die niedersten Tiere. Die anderen Menschen haben sich weiterentwickelt auf höhere Stufen. Wieder sind herausgefallen aus der geistigen Muttersubstanz höhere Tiere. Und so haben sich, wie aus dem Wasserklumpen das Eis, im Laufe der Erdenentwickelung immer differenziertere, vollkommener und vollkommener sich ausbildende Geschöpfe herausentwickelt, physische Gebilde, bis herauf zum heutigen Menschen, welcher in seinem äußeren physischen Ausdruck ein Ebenbild ist der geistigen Anlagen und Möglichkeiten, die schon ursprünglich am Erdenanfang im Geiste, das heißt im Astralleib des Menschen enthalten waren. Und wie die Eisklumpen, die herausgefallen sind, Ihnen die Etappen des Werdens des großen Eisklumpens darstellen, so stellen alle Wesen, die unvollkommener sind als der Mensch, das ganze Tier- und Pflanzenreich, die zurückgebliebenen Etappen der menschlichen Evolution auf der Erde vor. Der Mensch ist der Erstgeborene der Erde als geistiges Wesen, und nach und nach hat er als geistiges Wesen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, Etappe für Etappe das Materielle aus sich herauskristallisiert. Auf jeder Etappe sind stufenweise stehengeblieben die untergeordneten Wesenheiten, so daß wir in der ganzen Reihe der unvollkommeneren Erdenwesen nicht Vorfahren des Menschen, sondern im Gegenteil Nachkommen des geistigen Menschen zu sehen haben, die nicht mitgekommen sind. Es sind die zurückgebliebenen Brüder, zurückgebliebene Wesenheiten auf den Vorstufen, die dadurch, daß sie ihr Leben fortgesetzt haben bis in unsere Zeit hinein, in die Dekadenz gekommen sind.

[ 18 ] Let this image take shape in your soul as it depicts the course of the Earth’s formation, from its very beginning right up to our time. Imagine, at the beginning of our Earthly existence, humanity as a spiritual being—existing solely as a spiritual being. At first, a small, insignificant part begins to crystallize out, becoming denser. There are certain beings that remain at an early stage, like ice crystals, by separating themselves from their spiritual mother substance. These are the most imperfect animals, which once came into being because only a part of the human mother substance—of the astral human—became material and condensed outward. These are the lowest animals. The other human beings have continued to develop to higher stages. Once again, higher animals have emerged from the spiritual mother substance. And so, just as ice forms from a mass of water, increasingly differentiated creatures—developing with ever greater perfection—have emerged in the course of Earth’s evolution: physical forms, right up to modern humans, who, in their outward physical expression, are a reflection of the spiritual capacities and potentials that were already originally contained in the spirit—that is, in the astral body of humankind—at the very beginning of Earth’s history. And just as the chunks of ice that have broken off represent the stages of the great ice mass’s formation, so do all beings that are less perfect than human beings—the entire animal and plant kingdoms—represent the earlier stages of human evolution on Earth. Humanity is the firstborn of the Earth as a spiritual being, and little by little, as a spiritual being—if I may use that expression—it has crystallized the material out of itself, stage by stage. At each stage, the lower beings have gradually remained behind, so that in the entire series of less perfect earthly beings we must see not the ancestors of humankind, but rather, on the contrary, the descendants of the spiritual human who have not kept pace. They are the brothers who have been left behind, beings who remained on the preliminary stages and who, by continuing their lives right up to our time, have fallen into decadence.

[ 19 ] So sehen wir, daß, wenn wir die Entwickelungsreihe betrachten, Glieder herausgefallen sind. Könnte sich jemand einen Stuhl in den Weltenraum stellen und den hyperboräischen Menschen zuschauen, er müßte, wenn die Voraussetzungen der Geisteswissenschaft richtig sind, äußerlich-physisch das Bild sehen, das der Geistesforscher zeigt: wie der Mensch zuerst die unvollkommenen Tiere zurückließ und dann die immer vollkommeneren und vollkommeneren. Tatsächlich ist äußerlich der Mensch am spätesten in seiner heutigen Gestalt entstanden, als das jüngste der Geschöpfe; geistig ist er der Erstgeborene, geistig geht er allen Wesen voran. Aus dem Menschen haben sich alle anderen Wesenheiten herausgebildet, die auf einer unvollkommenen Entwickelungsstufe des Menschen gleichsam abfallen, die das Abgestoßene der Menschheitsevolution darstellen. So geht im Erdenwesen alles Unvollkommene auf das Höhere zurück. Nicht in unserer physischen Gestalt ist das Höhere, das Ursprüngliche, sondern im Geiste. Die heutige Naturwissenschaft krankt geradezu an der Frage, die sie immer und immer wieder stellt und die mit unserem Thema vom Erdenanfang so innig zusammenhängt: Wie hat sich Lebendiges aus dem Leblosen entwickeln können? Wenn auf unserer Erde nur lebloser Stoff ist, wie konnte sich daraus das Lebendige entwickeln? Die einzige Antwort darauf ist, daß die Frage falsch gestellt ist. Es hat sich nie Lebendiges aus dem Leblosen entwickelt, wohl aber ist alles Leblose aus Lebendigem entstanden. Sie können sich leicht klarmachen, wie das Leblose hervorgeht aus dem Lebendigen, wenn Sie sich anschauen, was Sie heute noch als Gestein aus der Erde herausgraben in Form von Steinkohle. Das waren einst Pflanzen, Farne und Ackerschachtelhalme, die auf gewissen Gebieten der Erdoberfläche gestanden haben, in den Boden hineingesunken sind und die Sie jetzt nach Jahrmillionen herausgraben, nachdem sie zu Stein geworden sind. Für den Geistesforscher ist nicht nur die Steinkohle aus Pflanzlichem entstanden, sondern aller mineralische Boden, aller mineralische Stoff führt zurück auf ein ursprünglich Pflanzliches, selbst wenn, wie gesagt, der heutige materialistische Forscher sich nicht vorstellen kann, daß es ein Pflanzenreich geben kann ohne mineralische Grundlage. Ein solcher Forscher kann sich eben nicht vorstellen, daß die dichteren, gröberen Vorgänge hervorgehen aus den feineren Vorgängen.

[ 19 ] Thus we see that, when we consider the evolutionary series, certain links are missing. If someone were to place a chair in outer space and watch the Hyperborean human, they would—assuming the premises of spiritual science are correct—see, outwardly and physically, the picture presented by the spiritual researcher: how humanity first left behind the imperfect animals and then the increasingly more perfect ones. In fact, outwardly, humankind emerged last in its present form, as the youngest of all creatures; spiritually, however, it is the firstborn, and spiritually it leads all other beings. All other beings have emerged from humankind; they represent, as it were, a “fall” from an imperfect stage of human development—they embody what has been cast off in the course of human evolution. Thus, in the earthly realm, everything imperfect traces back to the higher. The higher, the primordial, is not found in our physical form, but in the spirit. Modern natural science is virtually plagued by the question it asks over and over again—a question so intimately connected to our topic of the Earth’s origins: How could life have developed from the non-living? If there is only non-living matter on our Earth, how could life have developed from it? The only answer to this is that the question is posed incorrectly. Life has never developed from the non-living; rather, all non-living matter has arisen from the living. You can easily understand how the non-living arises from the living if you look at what you still excavate from the earth today in the form of coal. These were once plants—ferns and field horsetails—that grew in certain areas on the Earth’s surface, sank into the ground, and which you are now excavating millions of years later, after they have turned to stone. For the spiritual researcher, not only did coal originate from plant matter, but all mineral soil and all mineral matter can be traced back to an original plant source—even if, as mentioned, today’s materialistic researcher cannot conceive of a plant kingdom existing without a mineral foundation. Such a researcher simply cannot imagine that denser, coarser processes arise from finer processes.

[ 20 ] Es gibt ja ein Beispiel dafür, wie eine solche materialistische Anschauung jedem gesunden Menschenverstand ins Gesicht zu schlagen vermag, wie der Materialismus in einigen Gelehrten Europas seinen Spuk treibt. Da gibt es zum Beispiel die materialistische Theorie der Seelenerscheinungen von William James, die sogar idealistisch sein will, bei der sich die materialistischen Vorstellungen in das ganze Denken hineinmischen. Ich habe das Symptom, das in dem Satze liegt: «Der Mensch weint nicht, weil er traurig ist, sondern er ist traurig, weil er weint», schon angeführt. Da nimmt der Betreffende an, daß das Dasein materiell auf den Menschen wirkt: es wirkt auf die Tränendrüsen, dann spürt der Mensch den Vorgang und wird traurig. Das ist so in unserer Gegenwart: Der Erfinder dieser Theorie ist konsequent im Materialismus, auch dann, wenn es dem gesunden Menschenverstand ins Gesicht schlägt. In Wahrheit sind das Vorgänge in der seelisch-geistigen Welt, und die materiellen Vorgänge sind die Folgen davon. Die seelisch-geistigen Vorgänge sind die ursprünglichen. Alles, was fest ist, was materiell-mineralisch um uns ist, ist genau wie die Steinkohle ursprünglich aus Geistigem entstanden. Die Frage ist also nicht, wie Lebendiges aus Leblosem entstanden ist, sondern wie Lebloses aus dem Lebendigen entstanden ist. Ebenso aber wie Lebloses aus dem Lebendigen entsteht, wie Lebendiges vor dem Leblosen da war, so war das Geistige vor dem Lebendigen da. So kommen wir zurück an unseren Erdenanfang und sehen, daß unsere Erde selbst an ihrem Ausgangspunkt ein geistiges Wesen war. Sie war ein geistiges Wesen und hat das Materielle in der Stufenfolge aus sich herausgebildet, daß aus dem Geistigen das Lebendige und aus dem Lebendigen das Tote entstanden ist. Das Tote ist das späteste Produkt.

[ 20 ] There is, in fact, an example of how such a materialistic view can fly in the face of all common sense—how materialism haunts some scholars in Europe. Take, for example, William James’s materialist theory of mental phenomena, which even purports to be idealist, yet in which materialist notions permeate his entire line of thought. I have already cited the symptom embodied in the sentence: “A person does not cry because he is sad, but he is sad because he cries.” Here, the person in question assumes that existence has a material effect on the human being: it acts on the tear glands, whereupon the person senses the process and becomes sad. This is the case in our time: The originator of this theory is consistent in his materialism, even when it flies in the face of common sense. In truth, these are processes in the soul-spiritual world, and the material processes are their consequences. The soul-spiritual processes are the original ones. Everything that is solid, everything material and mineral around us, originated from the spiritual, just as coal did. The question, then, is not how the living arose from the non-living, but how the non-living arose from the living. Just as the non-living arises from the living, and just as the living existed before the non-living, so too did the spiritual exist before the living. Thus we return to the beginning of our Earth and see that our Earth itself was a spiritual being at its starting point. It was a spiritual being and formed the material world in a sequential process, such that the living arose from the spiritual and the non-living arose from the living. The non-living is the latest product.

[ 21 ] So blicken wir zurück an unseren Erdenanfang und fühlen uns, in unserem eigenen Ursprung, im Erdenanfang als Menschen als die Erstgeborenen der Erde, geistig am Ausgangspunkt der Erdevolution. Jetzt lassen wir von hier aus den Geist in die Zukunft schauen. Am leichtesten können wir verstehen, wie der Geistesforscher ein Bild von der Zukunftsperspektive zustande bringt, wenn wir uns klarmachen, was ja auch flüchtig aus anderen Andeutungen in dieser Vortragsserie schon hervorgegangen ist, daß im heutigen Menschen die einzelnen Organe von ganz verschiedenem Werte sind. Es ist nicht so, wie es der materialistischen Anatomie scheint bei der Untersuchung des Menschen. Für den materialistischen Anatomen ist alles nur so da, wie es sich seiner physischen Eigentümlichkeit nach darstellt. Für denjenigen aber, der mit Geistesblick die Organe des Menschen verfolgt, gibt es solche, die in Dekadenz sind, im Verblühen, im Absterben, wie sich am Baum die Borke, die Rinde bildet, sowie andere, die so, wie sie heute ausschauen, im Anfang ihres Werdens sind. Gewisse niedere Organe, die heute der Fortpflanzung der Menschheit dienen, sind im Absterben begriffen. Dafür haben wir aber ein Organ, welches im Anfange der Entwickelung ist, und welches eine viel höhere Stufe in der Zukunft erlangen wird. Dieses Organ ist das menschliche Herz. Nicht nur der geistige Teil, sondern bis ins physische Organ hinein ist das Herz eine wunderbare Perspektive für unsere Zukunft. Dieses Herz ist für den Anatomen eine Crux, weil sonst jedes Organ, das willkürlich bewegt wird, quergestreifte Muskeln hat. Das Herz ist ein Organ, das unwillkürlich gebraucht wird, in seinem Bau jedoch wie ein willkürlich bewegter Muskel gestaltet ist. Woher kommt das? Das kann keine physische Anatomie erklären! Es kommt daher, daß dieses Herz dazu bestimmt ist, in der Zukunft ein viel höheres Organ zu sein. Es ist quergestreift, weil es in der Zukunft ein willkürlicher Muskel sein wird wie unsere Handmuskeln von heute. Wir werden in der Zukunft dem, was die Seele als Impuls empfindet, mit einer Bewegung des Herzens willkürlich entsprechen. Der Mensch wird seine Arbeit nicht nur durch das Werkzeug der Hand vollführen, sondern das Herz wird ein Werkzeug der Seele sein, in einer Weise, wie der Mensch es heute noch gar nicht ahnt.

[ 21 ] Thus we look back to the beginning of our Earth and, in our own origin—at the beginning of the Earth as human beings—feel ourselves to be the firstborn of the Earth, spiritually at the starting point of Earth’s evolution. Now, from this vantage point, we let the spirit gaze into the future. The easiest way for us to understand how the spiritual researcher forms a picture of the future perspective is to realize—as has already emerged, albeit fleetingly, from other hints in this lecture series—that in modern human beings, the individual organs have very different values. It is not as it appears to materialistic anatomy when examining the human being. For the materialistic anatomist, everything simply exists as it appears in terms of its physical characteristics. But for those who observe the human organs with spiritual insight, there are some that are in a state of decay, withering, and dying off—just as bark forms on a tree—as well as others that, as they appear today, are at the beginning of their development. Certain lower organs, which today serve the reproduction of humanity, are in the process of dying off. In their place, however, we have an organ that is in the early stages of development and which will attain a much higher level in the future. This organ is the human heart. Not only in its spiritual aspect, but right down to the physical organ itself, the heart offers a wondrous perspective for our future. This heart is a conundrum for the anatomist, because every other organ that is moved voluntarily has striated muscle fibers. The heart is an organ that functions involuntarily, yet its structure is that of a voluntarily moved muscle. Where does this come from? Physical anatomy cannot explain it! It stems from the fact that this heart is destined to become a much higher organ in the future. It is striated because in the future it will be a voluntary muscle, just like our hand muscles are today. In the future, we will voluntarily respond to what the soul perceives as an impulse through a movement of the heart. Human beings will not only perform their work through the tool of the hand; rather, the heart will be a tool of the soul in a way that human beings cannot even begin to imagine today.

[ 22 ] Nehmen Sie ein anderes Organ, das menschliche Stimmorgan. Was vermag es heute? Wenn ich zu Ihnen spreche, was geschieht da? Dasjenige, was ich zu Ihnen spreche, meine Worte, sie leben zunächst in meiner Seele. Würde ich sie nicht aussprechen, so würden sie nicht in Ihre Seele dringen. Ich spreche sie aus, setze die Werkzeuge meines Kehlkopfes in Bewegung. Die Luft hier in diesem Raum wird dadurch in Schwingung versetzt, und von jedem meiner Worte sind Schwingungswellen in diesem Saal, die zu Ihnen dringen. Was ist die Sprache? Sie ist eine Luftverkörperung der Gedanken. Habe ich etwas ausgesprochen, so ertönt der Gedanke, er ist verkörpert in der Luft, und der, welcher die Luftwellen in diesem Raum sehen könnte, würde die körperliche Gestaltung meiner Gedanken hier im Raume herumschwirren sehen. Die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß der Mensch in der Zukunft dazu kommen wird, nicht nur luftförmige Gestalten durch seine Worte hervorzubringen, sondern auch dichtere Materie zum Ebenbild dessen zu machen, was in seiner Seele lebt. Immer Dichteres und Dichteres wird er so gestalten lernen, und der Mensch wird in der Zukunft durch sein umgebildetes Stimmorgan, durch sein Wort seinesgleichen hervorbringen. Wenn der Mensch sich weiter entwickelt, geschehen wichtige Umwandlungen seiner Körperlichkeit. Gewisse Organe fallen ab, andere entwickeln sich weiter. Das Herz wird zu einem wichtigen Werkzeug für die Seelenregungen. Das Stimmorgan wird zu dem Reproduktionsorgan des Zukunftsmenschen, der seinesgleichen hervorbringen wird aus seinen Gedanken heraus. Wie er heute seine Gedanken in der Luft verkörpert, so wird er sich verkörpern durch das Organ, das heute auf dem Wege ist, Reproduktionsorgan, Fortpflanzungsorgan der Zukunft zu werden. Wie ein Schatten dessen, was unser Kopf sein wird, ist das, was er heute ist. Angedeutet ist der Zusammenhang zwischen dem menschlichen Stimmorgan und dem Fortpflanzungsorgan dadurch, daß beim männlichen Individuum die Stimme sich ändert, eine Stimmänderung bei der Geschlechtsreife eintritt.

[ 22 ] Take another organ—the human vocal organ. What is it capable of today? When I speak to you, what happens? What I say to you—my words—first live in my soul. If I did not speak them, they would not penetrate your soul. I speak them, setting the mechanisms of my larynx in motion. This causes the air in this room to vibrate, and for each of my words, there are waves of vibration in this hall that reach you. What is language? It is the embodiment of thoughts in the air. When I have spoken something, the thought resounds; it is embodied in the air, and anyone who could see the airwaves in this room would see the physical form of my thoughts swirling around here in the room. Spiritual science shows us that in the future, human beings will come to not only produce airy forms through their words, but also to shape denser matter into the image of what lives in their souls. They will learn to shape ever more refined forms in this way, and in the future, human beings will bring forth their own kind through their transformed vocal organs, through their words. As human beings continue to evolve, significant transformations occur in their physical constitution. Certain organs wither away, while others continue to develop. The heart becomes an important instrument for the stirrings of the soul. The vocal organ will become the reproductive organ of the human being of the future, who will bring forth his own kind from his thoughts. Just as he today embodies his thoughts in the air, so will he embody himself through the organ that is today on its way to becoming the reproductive organ of the future. What he is today is like a shadow of what our head will become. The connection between the human vocal organ and the reproductive organ is indicated by the fact that, in males, the voice changes—a change in voice occurs at puberty.

[ 23 ] Möchten die Menschen solche Veränderungen, die uns aus der Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, besser betrachten! Das, was die Geistesforschung sagt, weist auf dasjenige hin, was die Menschheit in späterer Zeit zur Schaffung ihresgleichen haben wird: Es wird das Wort sein. Es wird ein Mensch das Wort sprechen, und das Wort wird ein Mensch sein. Das geschieht dann, wenn der Mensch sich immer mehr vergeistigt haben wird. Denn dadurch, daß der Mensch seine physischen Werkzeuge, wie wir es gesehen haben beim Herzen und beim Kehlkopf, in den Dienst seines Geistes bringt, vergeistigt er sich selbst, kehrt zurück zum Geist am Erdenende. Bei den Vorgängern der Menschen, den Schöpfern, die damals ihr Erdendasein anfingen, die am Erdenanfang da standen, wo der Mensch stehen wird am Erdenende, zeigt sich, daß es bei ihnen so war. Und der Mensch wird einstmals werden am Ende durch das Wort, der Mensch wird sprechen am Urende das Wort, und das Wort wird ein Mensch sein. Von jenen Wesen, den göttlich-geistigen Wesen, die schon am Erdenanfang auf der Höhe standen, zu der sich die Menschen einmal entwickeln werden, wird uns in einer der tiefsten Religionsurkunden, im Johannes-Evangelium, richtig und sachgemäß gesagt: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war ein Gott. — Wie im Urbeginne das Wort und das Wort ein Gott war, so wird am Urende das Wort ein Mensch sein, und der Mensch wird das Wort sein.

[ 23 ] May people take a closer look at the changes described to us by spiritual science! What spiritual research tells us points to what humanity will have in the future to create its own kind: it will be the Word. A human being will speak the Word, and the Word will be a human being. This will happen when human beings have become increasingly spiritualized. For by bringing their physical instruments—as we have seen with the heart and the larynx—into the service of their spirit, human beings spiritualize themselves and return to the Spirit at the end of the Earth’s existence. In the case of humanity’s predecessors—the creators who began their earthly existence at that time, who stood at the beginning of the Earth where humanity will stand at the end of the Earth—it is evident that this was the case for them. And humanity will one day, at the end, become the Word; humanity will speak the Word at the very end, and the Word will be a human being. Regarding those beings—the divine-spiritual beings—who, already at the beginning of the Earth, stood at the height to which human beings will one day evolve, we are told correctly and appropriately in one of the deepest religious texts, the Gospel of John: “In the beginning was the Word, and the Word was God.” — Just as in the beginning the Word was, and the Word was God, so at the end of time the Word will be a human being, and the human being will be the Word.

[ 24 ] Wenn wir so auf den Anfang blicken und sehen, wie der Mensch aus dem Geist heraus entstanden und im Sinne dieses Erdenwerdens zum heutigen Menschen geworden ist, und auf die Umwandlungen unseres Erdenmenschen blikken, eröffnet sich uns die Perspektive dieses Erdenwerdens nach der Vergeistigung hin. Da haben wir Geist am Anfang und Geist am Ende. Geist war der Ursprung und Geist ist das Ziel. Das ist das Geheimnis der Erdevolution. Und wenn wir in der Mitte die immer mehr und mehr sich verdichtende Materie sehen, so wissen wir, daß diese Materie umgewandelter und umgeformter Geist ist, wenn wir sie nicht als äußerliches Traumbild sehen, sondern auf ihr Wesen eingehen. Sie ist nichts anderes als das, was aus dem Geist sich herausgebildet hat und was sich wieder umbilden wird zum Geist. Blicken wir vorwärts, überall blicken wir auf Geist. Wir urständen nach Jakob Böhme im Geist, und wir streben nach dem Geistigen. Das Tun, als Tätigkeit des Geistes, das ist diejenige Erkenntnis des Geistes, die den Menschen wahrhaft erhebt, die ihn zu einem brauchbaren, weil hoffnungssicheren, arbeitstüchtigen, geistig und physisch gesunden Wesen macht, es ist die Erkenntnis, daß alles im Geiste wurzelt und daß das, was wir wahrnehmen und schauen im Weltenwerden, die Taten des göttlichen Geistes sind.

[ 24 ] When we look back to the beginning and see how humankind arose from the Spirit and, in the course of this earthly evolution, became the human beings we are today, and when we look at the transformations of our earthly human beings, the perspective of this earthly evolution toward spiritualization opens up to us. There we have Spirit at the beginning and Spirit at the end. Spirit was the origin, and Spirit is the goal. That is the mystery of Earth’s evolution. And when we see, in the middle, matter becoming denser and denser, we know that this matter is transformed and reshaped Spirit—if we do not view it as an external dream image, but rather delve into its essence. It is nothing other than that which has emerged from the Spirit and which will be transformed back into the Spirit. When we look ahead, we see the Spirit everywhere. According to Jakob Böhme, we originated in the Spirit, and we strive toward the spiritual. Action, as an activity of the Spirit, is the very knowledge of the Spirit that truly elevates human beings, that makes them useful—because they are filled with hope, capable of work, and spiritually and physically healthy—beings; it is the knowledge that everything is rooted in the Spirit and that what we perceive and behold in the unfolding of the world are the deeds of the divine Spirit.