Where and how can one find the Spirit?
GA 57
14 November 1908, Berlin
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Where and how can one find the Spirit?, tr. SOL
5. Bibel und Weisheit II
5. The Bible and Wisdom II
[ 1 ] Daß die Geisteswissenschaft in der Lage ist, die tieferen Weisheiten und Wahrheiten der biblischen Urkunden zu erforschen und dadurch die Möglichkeit hat, erst im richtigen Sinne wiederum dasjenige zu lesen, was in dieser Urkunde steht, das sollte im vorgestrigen Vortrage mit einigen Strichen angedeutet werden. Und mit einigen groben Strichen sollte gezeigt werden, wie gegenüber dem Alten Testamente ein solches richtiges Eindringen in den tieferen Sinn der Bibel in einer ganz unerwarteten Art möglich ist und viele Menschen zu einer Wiedereroberung dieser Urkunde für die Menschheit führen kann. Dasjenige, was in diesem letzten Vortrage gesagt werden konnte über die Stellung unserer neueren Zeit, Ihre Forschung, ihre Kritik, ihre Weltanschauung gegenüber dem Alten Testament, das kann in einer ebensolchen Weise gesagt werden in bezug auf das Neue Testament. Auch hier sind wir wieder in der Lage, darauf hinzuweisen, wie im siebzehnten, achtzehnten Jahrhundert eineKritik einsetzte, welche dasEvangelium, also wiederum eine Urkunde, die durch Jahrhunderte hindurch für unzählige Menschen eine so gewaltige Bedeutung hat, zerfasert, zergliedert, sozusagen in Stücke zerschnitzelt und an der Wurzel die Autorität angreift. Es müßte eine lange Geschichte erzählt werden, wenn aufmerksam gemacht werden sollte auf diese Bibelkritik des Neuen Testamentes im einzelnen. Wie konnte es auch anders kommen, da seit jener Zeit, nach der Erfindung der Buchdruckerkunst, die Bibel in alle Hände gekommen ist, und als gleich damit das materialistische Denken überhand nahm! Wie konnte es anders kommen, als daß immer deutlicher und deutlicher den Menschen vor die Seele trat, daß sich Widersprüche in den Evangelien finden?
[ 1 ] The fact that spiritual science is capable of exploring the deeper wisdom and truths of the biblical texts—and thereby has the opportunity to read what is written in these texts in their true sense—was briefly touched upon in the lecture the day before yesterday. And in broad strokes, I sought to show how, with regard to the Old Testament, such a true penetration into the deeper meaning of the Bible is possible in a completely unexpected way and can lead many people to a rediscovery of this text for humanity. What was said in that last lecture regarding the stance of our modern era—its scholarship, its criticism, and its worldview—toward the Old Testament can be said in exactly the same way with regard to the New Testament. Here, too, we are once again in a position to point out how, in the seventeenth and eighteenth centuries, a form of criticism emerged that unravels, dissects, and, so to speak, tears the Gospel—yet another document that has held such immense significance for countless people over the centuries—to pieces, attacking its authority at its very root. It would take a long story to go into detail about this biblical criticism of the New Testament. How could it have turned out any other way, since, from that time onward—following the invention of the printing press—the Bible became accessible to everyone, and materialistic thinking immediately began to gain the upper hand! How could it have turned out any other way than for people to realize more and more clearly that there are contradictions in the Gospels?
[ 2 ] Man braucht nur, wenn man sich rein an den äußeren Buchstaben der Sache hält, zum Beispiel das erste Evangelium, also das Matthäus-Evangelium mit dem Lukas-Evangelium zusammenzuhalten, man braucht nur in diesen beiden Evangelien die Geschlechterfolge zu vergleichen, welche angegeben wird, um die Abstammung des Jesus von Nazareth anzugeben, und man wird finden, daß schon in den ersten Kapiteln das erste und das dritte Evangelium sich widersprechen. Nicht nur, daß die Ahnenglieder anders angegeben werden bei Lukas als bei Matthäus; auch die Namen stimmen nicht überein. Und wenn man von da ausgehend die einzelnen Tatsachen in bezug auf das Leben des Jesus von Nazareth vergleicht, kann man überall Widersprüche finden. Insbesondere tritt den Menschen vor Augen, wie kraß sich die drei ersten Evangelisten, die Schreiber des Matthäus-,Markus-, Lukas-Evangeliums auf der einen Seite und der Schreiber des vierten, des sogenannten JohannesEvangeliums, auf der anderen Seite, widersprechen. Die Folge davon war, daß man versuchte, wenigstens das Übereinstimmen der drei ersten Evangelien in einer gewissen Weise herzustellen, und man glaubte zu finden, daß diese drei ersten Evangelisten, wenn sie auch in vielen Einzelheiten voneinander abweichen, doch in gewisser Weise darin übereinstimmen, daß sie ein Bild des Jesus von Nazareth geben, das ansprechend ist für die ganze Auffassung und für alle Denkgewohnheiten einer neueren Zeit, wenigstens für viele Persönlichkeiten dieser unserer neueren Zeit.
[ 2 ] If one sticks strictly to the outward letter of the matter, one need only, for example, compare the first Gospel—that is, the Gospel of Matthew—with the Gospel of Luke; one need only compare the genealogies given in these two Gospels to trace the lineage of Jesus of Nazareth, and one will find that even in the first chapters, the first and third Gospels contradict each other. Not only are the ancestral lines listed differently in Luke than in Matthew; the names do not match either. And if, starting from there, one compares the individual facts regarding the life of Jesus of Nazareth, one can find contradictions everywhere. In particular, it becomes strikingly clear how starkly the first three evangelists—the authors of the Gospels of Matthew, Mark, and Luke, on the one hand—and the author of the fourth, the so-called Gospel of John, on the other hand, contradict one another. As a result, attempts were made to at least establish a certain degree of consistency among the first three Gospels, and it was believed that these first three evangelists, even though they differ from one another in many details, they nevertheless agree in a certain sense in that they present an image of Jesus of Nazareth that appeals to the entire worldview and all the habits of thought of modern times, at least to many individuals of our modern era.
[ 3 ] Dagegen war es seit langem in bezug auf den vierten Evangelisten vielen klar, daß da von einem historischen Dokumente gar nicht die Rede sein könne. Nicht nur, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums, nachdem er ganz und gar die Tatsachen anders gruppiert bringt, vor allen Dingen in bezug auf das Erzählen der Wunder, die er in ganz anderer Art und Weise schildert; es zeigt sich auch, daß die ganze Stellung des Schreibers des Johannes-Evangeliums zu dem Mittelpunkte der ganzen Weltgeschichte eine andere ist. Das ist ein Glaube, der sich immer mehr und mehr herausgebildet hat. Und wenn wir — wir können auf die Einzelheiten nicht eingehen — wieder auf den Sinn dieser Forschung hinsteuern wollen, so ist es etwa dieser, daß gesagt wird, die drei ersten Evangelien könnten, wenn man sie als Schilderungen aus der Glanzzeit betrachtet, das Bild geben der Persönlichkeit des ganz überragenden Jesus von Nazareth, des Gründers und Stifters des Evangeliums. Das vierte Evangelium sei eine Bekenntnisschrift, eine Art Hymnus auf dasjenige, was der Schreiber in bezug auf seinen Glauben im Verhältnis zu dem gekreuzigten Jesus darstellen wollte, und wodurch er nicht eine Geschichte geben wollte, sondern eine Lehrschrift zu geben gedachte.
[ 3 ] In contrast, it had long been clear to many, with regard to the fourth evangelist, that there could be no question of a historical document. Not only does the author of the Gospel of John present the facts in a completely different way—especially with regard to the accounts of miracles, which he describes in an entirely different manner—but it is also evident that the author’s entire perspective on the central event of world history is different. This is a belief that has become increasingly established. And if we—we cannot go into the details here—wish to return to the essence of this research, it is roughly this: it is said that the first three Gospels, when viewed as accounts from the heyday, could provide a portrait of the personality of the utterly preeminent Jesus of Nazareth, the founder and originator of the Gospel. The fourth Gospel is said to be a confessional text, a kind of hymn to what the writer wished to portray regarding his faith in relation to the crucified Jesus, and through which he did not intend to present a history, but rather a doctrinal treatise.
[ 4 ] Insbesondere im neunzehnten Jahrhundert hat sich diese Anschauung durch die sogenannte Tübinger Schule, die unter der Führerschaft des wirklich großen Bibelgelehrten, des genialen Kopfes Christian Baur stand, immer mehr eingelebt in die Gemüter zahlreicher Persönlichkeiten. Baurs Anschauung ist etwa diese: Das Johannes-Evangelium sei spät, sehr spät geschrieben worden, wogegen die anderen Evangelisten früher geschrieben haben, noch nach gewissen Berichten derjenigen, die vielleicht das eine oder andere selbst angesehen haben oder es erfahren haben von Personen, welche die Geschichte in Palästina miterlebt haben. Das Johannes-Evangelium aber sei erst im zweiten Jahrhundert entstanden. Nicht aus der Urgeschichte heraus, sondern beeinflußt durch die griechische Philosophie, beeinflußt durch das, was in den christlichen Gemeinden schon aufgetreten war, sei geschrieben worden, so daß Johannes, durch das beeinflußt, ein Bild des Christus Jesus entworfen habe, das die Menschen so erbauen, so erheben hat können, daß es in gewisser Weise lyrisch ist, das unterrichtet über die Art und Weise, wie man bis ins zweite Jahrhundert hinein begonnen hat, christlich zu denken, zu fühlen und zu empfinden, das aber nicht mehr unterrichten kann über dasjenige, was geschehen ist im Beginne unserer Zeit.
[ 4 ] Especially in the nineteenth century, this view became increasingly entrenched in the minds of numerous figures through the so-called Tübingen School, which was led by the truly great biblical scholar and brilliant mind Christian Baur. Baur’s view is roughly as follows: The Gospel of John was written late—very late—whereas the other evangelists wrote earlier, even, according to certain accounts, based on what they may have witnessed firsthand or learned from people who had experienced the events in Palestine. The Gospel of John, however, is said to have been composed only in the second century. It was written not out of primeval history but under the influence of Greek philosophy and of what had already taken place in the Christian communities, so that John, influenced by these factors, crafted an image of Christ Jesus that edifies people and uplift them in such a way that it is, in a certain sense, lyrical; a portrait that instructs us about the way people had begun to think, feel, and perceive as Christians well into the second century, but which can no longer instruct us about what actually happened at the beginning of our era.
[ 5 ] Gewiß, es hat auch Seelen gegeben, welche die gegenteilige Anschauung verfochten haben. Wenn man auf der anderen Seite wirklich sagen muß, daß Christian Baur und die, welche seine Schüler waren oder mehr oder weniger mit ihm gearbeitet haben, mit ungeheuer kritischem Scharfsinn vorgegangen sind, so dürfen wir doch einen Bibelforscher wie den Geschichtsschreiber und Gelehrten Gfrörer nicht vergessen, der in Anspruch nimmt, daß das Evangelium vom Apostel Johannes selber herrührt. Mit Fleiß zeigt er, wie gerade dieses Evangelium fast in jedem Satze zeigt, daß ein Augenzeuge es geschrieben hat oder daß es von einem geschrieben worden ist, der von Augenzeugen seine Botschaft erhalten hat. Gfrörer geht so weit, daß er in seiner schwäbischen Art und Weise sagt, daß jeder, der - nach dem von ihm Vorgebrachten — nicht daran glaube, daß dasEvangelium von Johannes herrühre, nicht gut bei Trost sein könne. Auch gegen solche ist er nicht gut zu sprechen, welche sagen, es sei nicht historisch, und sodann mit allen möglichen Dingen diesem Evangelium zu Leibe rücken.
[ 5 ] Certainly, there have also been individuals who have advocated the opposite view. On the other hand, while it must be said that Christian Baur and those who were his students or worked with him to a greater or lesser extent proceeded with tremendous critical acumen, we must not forget a Bible scholar such as the historian and scholar Gfrörer, who maintains that the Gospel was written by the Apostle John himself. He diligently demonstrates how this very Gospel shows, in almost every sentence, that it was written by an eyewitness or by someone who received his message from eyewitnesses. Gfrörer goes so far as to say, in his typical Swabian manner, that anyone who—based on the evidence he has presented—does not believe that the Gospel of John is authentic cannot be in their right mind. Nor does he speak well of those who claim it is not historical and then attack this Gospel with every possible argument.
[ 6 ] Die Frage, die uns hier interessiert, ist diese: Hat wirklich trotz allen Scharfsinnes, trotz aller Gelehrsamkeit, die keinen Augenblick in Abrede gestellt wird, hat wirklich nur Forschung, wirklich nur Historie diese Anschauung der neueren Zeit herbeigeführt? — Wer gründlich nicht nur das Äußere der Geschichte durchforschen kann, sondern mit seinem Denken und Fühlen und mit seiner ganzen Anschauung in die seelischen Untergründe der Menschheitsentwickelung hineintauchen kann, der bemerkt bald ein anderes. Es war nicht bloß der historische Sinn, es war nicht bloß die sogenannte objektive Forschung, sondern es waren die Denkgewohnheiten der neueren Zeit, die liebgewordenen Anschauungen, die seit dem letzten Jahrhundert, wo sie gegeben waren, immer mehr verbreitet wurden; sie ließen es nicht zu, daß über die Gestalt des Christus Jesus in den Seelen sich weiter erhielten der Glaube und die Ideen, die seit Jahrhunderten geherrscht haben, daß in Jesus von Nazareth enthalten war nicht nur eine überragende, sondern eine universale Wesenheit, eine Wesenheit — bezeichnen wir sie zunächst als eine geistig-göttliche —, die nicht nur zur ganzen Menschheit in Beziehung gebracht werden muß, sondern zur ganzen Entwickelung der Welt überhaupt. Es verloren sich der Glaube und die Idee, daß diese Wesenheit gewirkt hat in dem sterblichen Leibe des Jesus von Nazareth, und daß wir da ein einzigartiges Ereignis vor uns haben. Das widerspricht so sehr den Denkgewohnheiten, daß sie sich gegen einen solchen Glauben richten mußten. Da war es die kritische Forschung, die sich unbewußt einschlich, um recht zu geben dem, was die Gedanken-Gewohnheiten vorerst wollten. Immer mehr und mehr kam der Sinn herauf, der nicht ertragen konnte, daß irgend etwas über das normale Menschlich-Persönliche hinausragt, der Sinn, der sich sagt: Ja, es hat große Menschen in der Weltenentwickelung gegeben: Sokrates, Plato oder andere. Gewiß, wir wollen zugeben, daß Jesus von Nazareth der Größte war. Aber wir müssen innerhalb dieses Menschheitsniveaus bleiben. — Daß in Jesu etwas gewohnt haben kann, das sich mit dem normalen Menschen nicht vergleichen läßt, das widerspricht den materialistischen Vorstellungen, die sich immer mehr eingenistet haben, ganz besonders. Wir können sehen, wie dieser Sinn unbewußt eingeschlichen ist und sich mit dem verbunden hat, was die sogenannte historische Forschung feststellte,
[ 6 ] The question that interests us here is this: Has it really been only research, has it really been only history—despite all the acumen and scholarship, which is never for a moment disputed—that has brought about this modern view? — Anyone who is able not only to thoroughly examine the outward aspects of history, but also to delve into the spiritual depths of human development with their thinking, feeling, and entire worldview will soon notice something else. It was not merely the historical sense, it was not merely so-called objective research, but rather the habits of thought of modern times, the cherished views that, since the last century when they first emerged, have become increasingly widespread; they did not allow the faith and ideas that had prevailed for centuries—that the figure of Christ Jesus embodied not only a transcendent but also a universal being, a being — let us for now describe it as a spiritual-divine one — that must be related not only to all of humanity but to the entire development of the world as a whole. The belief and the idea that this being acted within the mortal body of Jesus of Nazareth, and that we are faced with a unique event, were lost. This contradicts established patterns of thought to such an extent that they were bound to oppose such a belief. It was critical scholarship that unconsciously crept in to validate what those established patterns of thought initially demanded. More and more, a mindset emerged that could not tolerate anything transcending the normal human-personal realm—a mindset that says to itself: Yes, there have been great figures in the development of the world: Socrates, Plato, or others. Certainly, we are willing to admit that Jesus of Nazareth was the greatest. But we must remain within this human level. — The idea that there might have been something in Jesus that cannot be compared to the ordinary human being contradicts, in particular, the materialistic notions that have become increasingly entrenched. We can see how this notion has unconsciously crept in and become linked to what so-called historical research has established,
[ 7 ] Warum wurden immer mehr und mehr die drei ersten Evangelisten die geschätzten und der Schreiber des Johannes-Evangeliums der bloße Lyriker und Bekenntnisschreiber? Weil man sich sagen konnte, die drei ersten Evangelisten, die Synoptiker, schildern eine ideale Menschenfigur, aber immer etwas, welches, wenn auch hoch, doch nicht darüber hinausragt. Es schmeichelt dem modernen Sinn, wenn gesagt wird, was ein moderner Theologe gesagt hat: Wenn wir abziehen von dem Jesus von Nazareth alles Übersinnliche und Spirituelle, wenn wir den schlichten Mann von Nazareth nehmen, dann sind wir dem Jesu am nächsten. — Das geht bei dem Johannes-Evangelium nicht an. Es beginnt gleich mit den Worten: Im Urbeginne war der Logos, das Wort. Und das Wort, das im Urbeginne bei Gott war, das war, bevor es eine materielle Welt gab. Was da war in allen geistigen Urgründen, das ist Fleisch geworden, das hat gewandelt im Beginne unserer Zeitrechnung in Palästina. Die höchste Weisheit wendet der Schreiber des JohannesEvangeliums an, um dieses Ereignis zu verstehen und zum Verständnis zu bringen. Gegenüber dieser Sache geht es nicht an, von dem schlichten Mann von Nazareth zu sprechen. Daher durfte er niemals mit einer historischen Urkunde zu tun haben. Es sind also nicht allein wissenschaftliche Gründe, es ist die Entwickelung der gewöhnlichen Gedanken, Gefühle und Empfindungen, die ihren Ausdruck gefunden haben in dem, was heute als Bibelkritik des Neuen Testamentes, was als sogenannte historische Forschung den Anspruch darauf macht, unbedingte oder wenigstens relative Autorität über diese Dinge zu haben.
[ 7 ] Why did the first three evangelists come to be increasingly esteemed, while the author of the Gospel of John was regarded merely as a poet and writer of creeds? Because one could say that the first three evangelists—the Synoptics—depict an ideal human figure, but always one that, though lofty, does not transcend the human. It appeals to the modern sensibility when, as a modern theologian has said: If we strip away from the Jesus of Nazareth everything supernatural and spiritual, if we take the simple man from Nazareth, then we are closest to Jesus. — That does not apply to the Gospel of John. It begins right away with the words: “In the beginning was the Logos, the Word.” And the Word, which was with God in the beginning, existed before there was a material world. That which existed in all spiritual origins became flesh; it walked among us at the beginning of our era in Palestine. The writer of the Gospel of John employs the highest wisdom to understand this event and make it comprehensible. In light of this, it is not appropriate to speak of the simple man from Nazareth. Therefore, he could never have been associated with a historical document. It is not, then, merely scientific reasons; it is the development of ordinary thoughts, feelings, and sensibilities that have found expression in what is today known as New Testament biblical criticism—that which, as so-called historical research, claims to have absolute or at least relative authority over these matters.
[ 8 ] Da entsteht aber aus der Geisteswissenschaft heraus eine weitere Frage. Stellen wir uns geradezu auf den Boden, auf den sich manche neue Forscher gestellt haben. Die einen wollten schildern ein Ereignis, das sich im Beginne unserer Zeitrechnung zugetragen hat. Diese setzten dann Mythisches und Legendäres dazu. Nehmen wir an, wir stellten uns auf diesen Boden. Da müssen wir uns fragen: Ist eine Möglichkeit vorhanden, aus diesen Voraussetzungen heraus noch von einem Christentum als solchem zu sprechen? Geht es an, von einem Christentum zu sprechen, wenn wir die Urkunden, die von diesem Christentum künden, in rein materialistischem Sinne auffassen? Geht das an gegenüber der ganzen Bibel? — Zwei Dinge sollen zunächst angeführt werden, welche beweisen werden, daß die Frage gar nicht anders gestellt werden kann als wie sie gestellt worden ist, und daß sie andeutend beantwortet werden kann. Nehmen wir an, Christian Baurs Anschauung wäre richtig, daß in Palästina etwas geschehen sei, das so zu erklären ist wie die äußeren historischen Tatsachen, und daß im Laufe der Zeit die Schreiber aus den Vorurteilen ihrer Zeit heraus dasjenige der Nachwelt überliefert haben, was in ihnen steckt. Nehmen wir an, wir müßten eine solche Forschung voraussetzen, vor allem mit demGlauben, daß eine geistige Wesenheit aus geistigen Sphären heruntergestiegen sei, die gewohnt hat in Jesu von Nazareth, auferstanden ist, den Sieg des Lebens über den Tod davongetragen hat — was wir als die eigentliche Essenz des Mysteriums von Golgatha bezeichnen. Mit dieser Lehre — sagt Baur — muß gebrochen werden. Diese Auffassung gilt als eine dogmatische. Diese Auffassung muß gestrichen werden. Es muß das Ereignis in Palästina so untersucht werden wie ein anderes geschichtliches Ereignis.
[ 8 ] But this raises another question from the perspective of spiritual science. Let us adopt the very standpoint that some new researchers have taken. Some sought to describe an event that took place at the beginning of our calendar. They then added mythical and legendary elements to it. Let us assume we adopt this perspective. Then we must ask ourselves: Is it still possible, based on these premises, to speak of Christianity as such? Is it possible to speak of Christianity if we interpret the documents that bear witness to this Christianity in a purely materialistic sense? Is this feasible with regard to the entire Bible? — Two points should first be raised that will demonstrate that the question cannot be posed any differently than it has been, and that it can be answered in a suggestive manner. Let us assume that Christian Baur’s view is correct—that something happened in Palestine which can be explained solely by external historical facts, and that, over time, the writers, influenced by the prejudices of their era, have handed down to posterity whatever they themselves believed. Let us assume that we must take such research as a given, above all with the belief that a spiritual being descended from the spiritual spheres, dwelt within Jesus of Nazareth, rose from the dead, and achieved the victory of life over death—which we designate as the very essence of the Mystery of Golgotha. “This teaching,” says Baur, “must be rejected. This view is considered dogmatic. This view must be discarded. The event in Palestine must be examined just like any other historical event.”
[ 9 ] Kann dann im wahren Sinne des Wortes von Christentum, überhaupt von der Bibel als einem solchen Werke gesprochen werden, das berichtet, was erscheinen muß? Demgegenüber sei auf zwei Tatsachen hingewiesen. Worauf beruht zunächst die erste große und umfassende Wirkung der christlichen Weltanschauung, eine Wirkung, die niemand leugnen kann, worauf beruht die Predigt des Paulus? Beruht sie auf dem, was eine neue nüchterne Forschung aus den Evangelien herausliest? Nimmermehr beruht des Paulus Kraft auf einer Verkündigung dessen, was mit den Mitteln einer Historie zu erschöpfen ist. Auf einem Ereignis, das nur aus übersinnlichen, niemals aus sinnlichen Ursachen zu begreifen ist, beruht die ganze Wirksamkeit des Paulus. Wer eintritt in eine Prüfung der Paulinischen Schriften, wird sehen, daß die ganze Lehre des Paulus einfach darauf beruht, daß er die Überzeugung und die Erfahrung gewinnen konnte, daß der Christus auferstanden ist, und daß im Mysterium von Golgatha der Sieg des Lebens im Geiste über den Tod davongetragen worden ist.
[ 9 ] Can we then, in the true sense of the word, speak of Christianity—or even of the Bible—as a work that recounts what must come to pass? In this regard, two facts should be noted. First of all, on what does the first great and far-reaching impact of the Christian worldview—an impact that no one can deny—rest? On what does Paul’s preaching rest? Does it rest on what a new, objective scholarship derives from the Gospels? By no means does Paul’s power rest on a proclamation of what can be fully accounted for by historical means. The entire effectiveness of Paul rests on an event that can be understood only through supernatural, never through sensory, causes. Anyone who undertakes an examination of the Pauline writings will see that Paul’s entire teaching is based simply on the fact that he was able to gain the conviction and the experience that Christ has risen, and that in the mystery of Golgotha, the victory of life in the Spirit over death has been achieved.
[ 10 ] Woraus schöpft Paulus seine Überzeugung von der wahren Natur des Christus Jesus? Er schöpft sie nicht, wie etwa die anderen, die um den Christus Jesus herum waren, aus einer unmittelbaren Anweisung. Er schöpft sie, wie Ihnen allen bekannt ist, aus dem Ereignis von Damaskus. Er schöpft sie daraus, daß er sagen konnte: Ich habe den gesehen, der in Palästina gelebt und gelitten hat und gestorben ist, ich habe ihn gesehen in seinem Leben. — Nichts anderes meint Paulus, als daß er im Geiste den Christus gesehen hat und aus der geistigen Anschauung heraus die Wahrheit gewonnen hat, daß der Christus lebt. Den Christus, den er kennengelernt hat in seiner geistigen Anschauung, den verkündigt er. Und er stellt diese Erscheinung gleich den anderen Erscheinungen, denn er sagt uns klar: Nach dem Tode ist der Christus verschiedenen Persönlichkeiten erschienen, den zwölf Jüngern und anderen, und zuletzt auch mir als einer unzeitigen Geburt. — Damit meint er, daß er wirklich geschaut hat, in einer höheren Anschauung geschaut hat den, der den Sieg über den Tod davongetragen hat, und daß er seit jener Zeit weiß, daß für den, der in die geistige Welt sich erhebt, der Christus lebt.
[ 10 ] From what does Paul draw his conviction regarding the true nature of Christ Jesus? He does not draw it, as did others who were around Christ Jesus, from a direct instruction. He draws it, as you all know, from the event on the road to Damascus. He derives it from the fact that he could say: “I have seen the one who lived, suffered, and died in Palestine; I have seen him in his life.” — Paul means nothing other than that he saw the Christ in spirit and, through this spiritual vision, came to the truth that the Christ lives. He proclaims the Christ whom he came to know through his spiritual vision. And he places this appearance on a par with the other appearances, for he tells us clearly: “After his death, Christ appeared to various people—to the twelve disciples and to others—and finally to me as one born out of due time.” — By this he means that he has truly seen—in a higher vision—the One who has triumphed over death, and that since that time he has known that for those who ascend into the spiritual world, Christ lives.
[ 11 ] Hier stehen wir bereits mitten darinnen in bezug auf das Neue Testament, wo die neue Geisteswissenschaft sich scheiden muß von einer jeden bloß buchstäblichen Auffassung der Bibel. Was finden Sie in der Regel in den Schriften der sogenannten neuen Forschung über das Ereignis von Damaskus? Sie finden darin in der Regel, daß es ein ekstatischer Zustand war, in dem der Saulus zum Paulus wurde, ein Zustand, in den man nicht so ganz hineinschauen könne. Das entzieht sich der menschlichen Forschung. Ja, der äußeren menschlichen Forschung entzieht es sich. Das ist es aber gerade, was wir so oft in der Geisteswissenschaft betont haben, daß der Mensch — was wir weiter in den folgenden Vorträgen lernen können — hinaufsteigen kann zu der Erkenntnis einer höheren Welt, die um den Menschen herum so ist, wie die Farben und das Licht um den Blinden. Sehen lernen kann der Mensch diese höhere Welt, wie der operierte Blindgeborene sehen lernen kann die Farben und das Licht. Das ist dasjenige, was sich durch die geisteswissenschaftlichen Methoden mit der Seele des wahren Schülers der Geisteswissenschaft vollzieht, was ihn fähig macht, hineinzuschauen in die geistigen Welten, um dasjenige selbst zu schauen, was da ist. Was sich mit diesem Schüler vollzieht, und wovon jeder Schüler heute und zu aller Zeit Zeugnis ablegen kann, das hat sich mit Paulus vollzogen. Er hat es empfangen: zu hören mit Ohren, die nicht sinnliche Ohren sind, zu sehen mit Augen, die nicht sinnliche Augen sind. Er konnte dann auch Den wahrnehmen, der in Jesu von Nazareth gewohnt hat. Also in das Übersinnliche ragt die ganze Kraft des Paulus. Wenn man den ganzen Paulus nimmt, wie er ist, kann man sagen: Was er gesagt hat, ist durchglüht von dem «Christus lebt, er ist auferstanden. Daher ist nicht eitel unser Glaube».
[ 11 ] Here we are already right in the thick of it with regard to the New Testament, where the new spiritual science must part ways with any merely literal interpretation of the Bible. What do you generally find in the writings of so-called modern scholarship regarding the Damascus event? You generally find that it was an ecstatic state in which Saul became Paul—a state that cannot be fully fathomed. It eludes human research. Yes, it eludes external human research. But that is precisely what we have so often emphasized in spiritual science: that human beings—as we will learn further in the following lectures—can ascend to the knowledge of a higher world that surrounds them just as colors and light surround the blind person. Human beings can learn to see this higher world, just as the man born blind who has undergone surgery can learn to see colors and light. This is what takes place through the methods of spiritual science within the soul of the true student of spiritual science, enabling him to look into the spiritual worlds and see for himself what is there. What takes place within this student—and to which every student today and at all times can bear witness—is what took place within Paul. He received the gift of hearing with ears that are not physical ears, and of seeing with eyes that are not physical eyes. He was then also able to perceive the One who dwelt within Jesus of Nazareth. Thus, the full power of Paul extends into the supersensible realm. If one takes Paul as a whole, just as he is, one can say: What he said is imbued with the conviction that “Christ lives; he has risen. Therefore, our faith is not in vain.”
[ 12 ] Und wenn man darauf eingeht, was gerade des Paulus Predigt bewirkt hat, wie gerade er diejenige Gestalt des Christentums verbreitet hat, die durch die Welt gegangen ist, dann kann man nimmermehr sagen, es komme nicht darauf an, an irgendwelche übersinnliche Tatsachen anzuknüpfen, um die Tatsachen über Jesus zu erforschen. Man müsse die gewöhnlichen wissenschaftlichen Formen anwenden, sagt man. Man vergißt dann aber nicht nur die UrTatsachen in Palästina, nicht nur das, was in den dreiunddreißig Jahren geschehen ist, sondern auch dasjenige, was für die Verbreitung des Christentums geschah, man vergißt, daß es auf einem übersinnlichen Ereignis beruht, und daß dieses übersinnliche Ereignis zunächst zu verstehen und zu begreifen ist.
[ 12 ] And when one considers what Paul’s preaching actually achieved—how he specifically spread the very form of Christianity that has spread throughout the world—then one can never say that it is not important to draw upon any supernatural facts in order to investigate the facts about Jesus. One must apply the usual scientific methods, it is said. But in doing so, one forgets not only the original facts in Palestine, not only what happened during those thirty-three years, but also what took place in the spread of Christianity; one forgets that it is based on a supernatural event, and that this supernatural event must first be understood and grasped.
[ 13 ] Aber in ganz ähnlicher Weise finden wir auch, wenn wir nur ernst und wirklich die Dinge betrachten, daß das Alte Testament, wenigstens seine wichtigste Urkunde, die Schriften des Moses, auf etwas Ähnlichem beruhen. Wir finden, daß die ganze Sendung des Moses, die ganze Kraft des Moses, durch die er Ungeheueres für sein Volk geschaffen hat, auch auf einem übersinnlichen Ereignis beruht; wie wir vorgestern sagen mußten, daß, wenn sich der Geistesforscher hinaufentwickelt, so daß er sehend wird in der geistigen Welt und hineinblicken kann in die geistigen Uhntergründe der Dinge, daß er dann dasjenige, was Tatsachen der geistigen Welt sind, überschaut in Bildern, in Imaginationen. Ja, man kann auch die Vorgänge, die in einem selbst geschehen, wenn man so hinaufsteigt in die geistigen Gefilde, nur in Bildern ausdrücken, wobei aber klar sein muß, daß der, welcher in solchen Bildern spricht, nicht über die Bilder als solche sprechen will, sondern meint, daß man in diesen Bildern das Ausdrucksmittel hat für seine übersinnlichen Erlebnisse.
[ 13 ] But in much the same way, if we only consider things seriously and truly, we find that the Old Testament—at least its most important document, the writings of Moses—is based on something similar. We find that Moses’ entire mission, the very power through which he accomplished such extraordinary things for his people, is also based on a supernatural event; as we had to say the day before yesterday, that when the spiritual researcher develops to the point where he becomes sighted in the spiritual world and can look into the spiritual foundations of things, he then perceives what are facts of the spiritual world in images, in imaginations. Indeed, one can also express the processes that take place within oneself when one ascends in this way into the spiritual realms only in images; however, it must be clear that the one who speaks in such images does not wish to speak about the images as such, but rather means that these images serve as the means of expression for his supersensible experiences.
[ 14 ] Das übersinnliche Erlebnis, durch das Moses seine Sendung bekommen hat, ist uns deutlich geschildert in der Erscheinung des brennenden Dornbusches. Da sehen wir, wie Moses, der Leiter und Lenker des Volkes, sich seinem Gott gegenübergestellt sieht, dem Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs, der dem Moses den Auftrag gibt, das für sein Volk zu tun, was wir dann als Moses’ Tat geschehen finden. Indem wir dieses heranziehen, stehen wir bereits vor einem Grundnerv der ganzen Bibel, nämlich vor der Frage: Wie haben wir uns überhaupt behufs eines tieferen Eindringens in diese Urkunde zu diesen zwei Tatsachen zu stellen, auf die wir hingewiesen haben als übersinnliche Tatsachen, die eine jede bloß äußerliche Forschung unmöglich machen? Wie haben wir uns zu diesem Grundnerv der Bibel in geisteswissenschaftlichem Sinn zu verhalten? Wir werden eindringen können, wenn wir uns den Inhalt der Offenbarung oder des Erlebens des Moses vor Augen führen.
[ 14 ] The supernatural experience through which Moses received his mission is clearly described to us in the vision of the burning bush. There we see how Moses, the leader and guide of the people, finds himself face to face with his God—the God of Abraham, Isaac, and Jacob—who commissions Moses to do for his people what we then see as Moses’ deeds. By considering this, we are already confronting a fundamental theme of the entire Bible, namely the question: How are we to approach these two events—which we have identified as supernatural events that render any purely external investigation impossible—in order to gain a deeper understanding of this text? How are we to relate to this fundamental theme of the Bible from a spiritual scientific perspective? We will be able to gain insight if we keep the content of Moses’ revelation or experience before our eyes.
[ 15 ] Die wichtigsten Züge seien nur angeführt. Moses sieht sich gegenüber dem Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der Gott gibt ihm zu gleicher Zeit den Auftrag, das Volk aus Ägypten hinaus zu führen, es zu einer bestimmten Größe und zu einem bestimmten Verhalten zu bringen. Als dann Moses etwas haben will, wodurch er sich rechtfertigen kann vor dem Volke, damit er sagen könne, wer er sei und wer ihn schickt, da enthüllt der Gott seinen Namen: «Ich bin der Ich-bin.» Dieses Wort kann niemand verstehen, der nicht auf den ganzen Sinn und das Wesen alter Namengebung einzugehen in der Lage ist. Alte Namengebungen sind nicht die heutigen Namengebungen. Alte Namengebungen sollten durchaus ausdrücken das Wesen der Persönlichkeit, das Wesen dessen, der uns entgegentritt. In dem «Ich bin der Ich-bin» mußte sich in ganz bestimmter Art das Wesen des Gottes ausdrücken, der dem Moses gegenüberstand, und der sich nennt «der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs». Warum nennt er sich der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs? Dahinter liegt ein Geheimnis, das enträtselt sein will. Wir können es nur enträtseln, wenn wir mit den Mitteln der Geisteswissenschaft daran herantreten. Wir werden es in den verschiedenen Stellen immer wieder hervorzuheben haben, daß der Mensch besteht aus den verschiedenen Gliedern seiner Wesenheit, daß wir in dem, was wir den physischen Leib nennen, nur einen Teil des Menschen vor uns haben, daß wir außer diesem höhere Glieder haben, die übersinnlich sind, die die eigentlichen Grundlagen, die schöpferischen Prinzipien sind. Wir müssen hinzufügen dem physischen Leib den Äther- oder Lebensleib, dann den Astralleib und als viertes Glied den Ich-Träger. Den physischen Leib hat der Mensch gemeinschaftlich mit den scheinbar leblosen Wesen, mit den Mineralien, den Ätherleib mit den Pflanzen und allen lebendigen Wesen, den Astralleib mit den tierischen Wesen, mit dem, was Leidenschaften und Begierden haben kann. Durch das Ich ragt der Mensch über alle sinnlichen Wesen, die ihn umgeben, hinaus. Das sind die vier realen Glieder der menschlichen Wesenheit, welche die Geisteswissenschaft immer anerkannt hat.
[ 15 ] Let us merely mention the most important features. Moses finds himself face to face with the God of Abraham, Isaac, and Jacob. At the same time, God commissions him to lead the people out of Egypt and to guide them toward a certain level of greatness and a certain way of conduct. When Moses then asks for something by which he can justify himself before the people—so that he may say who he is and who has sent him—God reveals His name: “I am who I am.” No one can understand this phrase unless they are able to grasp the full meaning and essence of ancient naming conventions. Ancient naming conventions are not the same as those of today. Ancient naming was intended to express the very essence of the personality, the essence of the one who stands before us. In the phrase “I am who I am,” the essence of the God who stood before Moses—and who calls Himself “the God of Abraham, Isaac, and Jacob”—had to be expressed in a very specific way. Why does He call Himself the God of Abraham, Isaac, and Jacob? Behind this lies a mystery that demands to be unraveled. We can only unravel it if we approach it with the tools of spiritual science. We will have to emphasize time and again in the various passages that the human being consists of the various members of his being, that in what we call the physical body we have before us only a part of the human being, and that beyond this we have higher members that are supersensible—these are the actual foundations, the creative principles. We must add to the physical body the etheric or life body, then the astral body, and as the fourth component, the bearer of the “I.” Human beings share the physical body with seemingly lifeless beings—with minerals; the etheric body with plants and all living beings; and the astral body with animal beings—with those capable of passions and desires. Through the “I,” the human being rises above all the sensory beings that surround him. These are the four real members of the human being, which spiritual science has always recognized.
[ 16 ] Hinweisen müssen wir darauf, daß das, was wir heute den physischen Leib nennen, ebenso seinen geistigen Urgrund hat und nur verdichtet ist aus dem Geistigen. Wie das Eis aus dem Wasser, so ist das Physische aus dem Geistigen heraus entstanden. Wir müssen weit zurück gehen in der Anschauung der Geistesentwickelung, wenn wir die ersten geistigen Ursprünge des physischen Menschenleibes suchen wollen. Von den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit ist dieses vierte Glied durchaus das älteste. Der physische Leib ist heute der dichteste. Er ist das, was vom Geiste ausgegangen ist in ferner Vergangenheit. Er ist immer dichter und dichter geworden, durch manche Umwandlungen hindurch gegangen und hat dadurch seine physische Gestalt angenommen. Das ist das älteste am Menschen. Ein Jüngeres Glied ist der Äther- oder Lebensleib. Er ist später hinzugekommen, daher er sich auch in einem geringeren Verdichtungsgrade darstellt. Noch jünger ist der Astralleib. Das jüngste Glied ist das Ich, der Träger des menschlichen Selbstbewußtseins. Alle diese Glieder sind aus geistigen Urgründen und geistigen Wesenheiten, aus göttlich-geistigen Wesenheiten heraus entstanden. Wir können sagen, die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß dieses Ich, wodurch der Mensch die heutige selbstbewußte Wesenheit geworden ist, sich hineingesenkt hat in den Leib. Er war zusammengefügt, bevor er Ich-Wesenheit wurde, aus physischem, Äther- und Astralleib.
[ 16 ] We must point out that what we today call the physical body also has its spiritual origin and is merely a condensation of the spiritual. Just as ice arises from water, so the physical has arisen from the spiritual. We must go far back in our view of spiritual evolution if we are to seek the earliest spiritual origins of the physical human body. Of the four members of the human being, this fourth member is by far the oldest. The physical body is the densest today. It is what emanated from the spirit in the distant past. It has become denser and denser, has undergone many transformations, and has thereby assumed its physical form. This is the oldest aspect of the human being. A younger member is the etheric or life body. It was added later, which is why it also manifests itself at a lower degree of densification. Even younger is the astral body. The youngest member is the “I,” the bearer of human self-consciousness. All these members have arisen from spiritual sources and spiritual beings, from divine-spiritual beings. We can say that spiritual science shows us that this “I,” through which the human being has become the self-conscious entity we know today, has sunk into the body. Before it became the “I”-entity, it was composed of the physical, etheric, and astral bodies.
[ 17 ] Diejenigen Wesenheiten nun, welche die Schöpfer, die Bildner dieser drei Glieder der menschlichen Wesenheit sind, die unterscheidet auch die Bibel. Die Lehre des Moses spricht von dem Schöpfer, dem Bildner des menschlichen Ichs, von dem Schöpfer des Trägers des menschlichen Selbstbewußtseins. Daher sieht auch die Bibel in dem Gotte, der in den Menschen einfließen ließ das Ich, sozusagen den, der am letzten darangekommen ist in bezug auf die Evolution des Menschen. Die göttlichen Wesenheiten, die als die Elohim bezeichnet werden, die wir streng unterschieden haben von dem Gotte Jahve oder Jehovah, diese göttlichen Wesenheiten sind die Schöpfer von dem physischen, ätherischen und astralischen Leib. Sie sind in der Bibel genau unterschieden von dem letzten in unserer Evolution auftretenden Gott, von dem Jahve-Gott, von dem, der dem Menschen das Ich gebracht hat. Wenn wir fragen: Wo findet der Mensch die Wesenheit dieses Gottes, dieses jüngsten der schöpferischen Götter, von dem die Bibel zu sprechen beginnt im vierten Vers des zweiten Kapitels der Genesis? — da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß da, wo der Mensch in sich sein Ich findet, das sich so wesentlich, schon seinem Namen nach, von allen anderen Wesenheiten um uns herum unterscheidet, daß er da findet in sich einen Tropfen dieser göttlichen Wesenheit. Das ist keine pantheistische Lehre, auch keine Erklärung dafür, daß der Mensch seinen Gott in sich zu finden hat. Das zu behaupten wäre gleich dem, der behauptet, ein Tropfen Wasser ist dasselbe Wesen wie das Meer — und sagt: dieser Tropfen Wasser ist das Meer.
[ 17 ] The Bible also distinguishes between those entities that are the creators and formers of these three aspects of human nature. The teachings of Moses speak of the Creator, the Formgiver of the human “I,” the Creator of the bearer of human self-consciousness. Therefore, the Bible also regards the God who infused the “I” into human beings as, so to speak, the one who came last in terms of human evolution. The divine beings referred to as the Elohim—whom we have strictly distinguished from the God Yahweh or Jehovah—these divine beings are the creators of the physical, etheric, and astral bodies. In the Bible, they are clearly distinguished from the God who appeared last in our evolution, from the God Yahweh, from the one who brought the “I” to humankind. If we ask: Where does humanity find the essence of this God—this youngest of the creative gods, of whom the Bible begins to speak in the fourth verse of the second chapter of Genesis? — Spiritual science shows us that where human beings find within themselves their “I”—which, by its very name, differs so fundamentally from all other beings around us—there they find within themselves a drop of this divine essence. This is not a pantheistic doctrine, nor is it an explanation of why human beings must find their God within themselves. To assert this would be like claiming that a drop of water is the same essence as the sea—and saying: this drop of water is the sea.
[ 18 ] Wenn wir sprechen im Sinne der Geisteswissenschaft, so sprechen wir von einem Unendlichen, Umfassenden, Universalen, das verknüpft ist mit der irdischen Entwickelung und dem anderen, was zu dieser irdischen Entwickelung gehört. In unserem Ich finden wir einen Funken dieser Jahve-Gottheit, wie in dem Wassertropfen dieselbe Wesenheit ist wie im Meer. Aber es war der Weg, den die Entwickelung des Menschen zurücklegen mußte, ein sehr langer, wobei die Jahve-Gottheit anfing, den Menschen so zu formen, daß er das Ich mit dem Bewußtsein erfassen konnte. Die Kraft des Ichs mußte vorher lange im Menschen arbeiten, bevor der Mensch zum Bewußtsein des Ichs kam. Moses wurde der große Vorläufer in dem Bringen des Bewußtseins des Menschen zum Ich. Aber diese Kräfte arbeiten und bilden schon lange an der menschlichen Evolution vorher. Sie bilden so, daß wir ihre Weise erkennen können, wenn wir uns etwas mit der Evolution des menschlichen Bewußtseins selber beschäftigen.
[ 18 ] When we speak in the context of spiritual science, we speak of an infinite, all-encompassing, universal reality that is linked to earthly evolution and to everything else that is part of this earthly evolution. In our “I,” we find a spark of this Yahweh deity, just as the same essence is present in a drop of water as in the sea. But the path that human evolution had to traverse was a very long one, during which the Yahweh deity began to shape human beings so that they could grasp the “I” through consciousness. The power of the “I” had to work within humanity for a long time before human beings attained consciousness of the “I.” Moses became the great forerunner in bringing human consciousness to the “I.” But these forces have been at work and shaping human evolution for a long time beforehand. They shape it in such a way that we can recognize their method if we concern ourselves even a little with the evolution of human consciousness itself.
[ 19 ] Blicken wir ein wenig zurück in der Entwickelung des menschlichen Bewußtseins. Das Wort Entwickelung braucht man heute sehr häufig, aber so durchgreifend, so intensiv wie die Geisteswissenschaft Ernst macht mit dem Worte Entwickelung, so ist es bei keiner anderen Wissenschaft der Fall. Dieses menschliche Bewußtsein, wie es heute ist, hat sich aus anderen Bewußtseinsformen entwickelt. Wenn wir weit, weit zurückgehen in der Herkunft des Menschen, nicht im Sinne materialistischer Wissenschaft, sondern so, wie ich es vorgestern entwickelt habe, dann finden wir, daß das Menschen-Bewußtsein immer mehr als ein anderes erscheint, je weiter wir zurückgehen. Dieses Bewußtsein, welches die verschiedenen Verstandesbegriffe, die äußeren Sinneswahrnehmungen in der bekannten Art verknüpft, das ist erst entstanden, wenn auch in urferner Vergangenheit, aber es ist erst entstanden. Wir können in jener Zeit einen Zustand des Bewußtseins finden, der ganz anders war als heute, weil besonders das Gedächtnis ganz anders war. Das, was der Mensch heute als Gedächtnis hat, ist nur ein heruntergekommener Rest einer alten Seelenkraft, die in ganz anderer Weise vorhanden war. In alten Zeiten, als der Mensch noch nicht die kombinierende Kraft seines heutigen Verstandes hatte, als er noch nicht imstande war, zu rechnen und zu zählen im heutigen Sinne, als er noch nicht seine Verstandeslogik ausgebildet hatte, da hatte er dafür eine andere Kraft der Seele: er hatte ein universelles Gedächtnis ausgebildet. Dieses mußte abnehmen, mußte zurücktreten, damit auf seine Kosten unser heutiger Verstand zu seiner Entwickelung kommen konnte. So ist überhaupt der Gang der Entwickelung, daß eine Kraft in den Hintergrund tritt, damit die andere auftauchen kann. Das Gedächtnis ist eine abnehmende Kraft, der Verstand und die Vernunft sind zunehmende Seelenkräfte.
[ 19 ] Let us take a brief look back at the evolution of human consciousness. The word “evolution” is used very frequently today, but no other science applies it as thoroughly or as intensely as spiritual science does. Human consciousness, as it exists today, has evolved from other forms of consciousness. If we go far, far back into the origins of humankind—not in the sense of materialistic science, but as I explained the day before yesterday—we find that the further back we go, the more human consciousness appears distinct from other forms of consciousness. This consciousness, which links the various concepts of the intellect and external sensory perceptions in the familiar way, only came into being—albeit in the distant past—but it did come into being. We can find in that time a state of consciousness that was quite different from today’s, because memory, in particular, was quite different. What humans have today as memory is merely a degraded remnant of an ancient soul force that existed in an entirely different way. In ancient times, when human beings did not yet possess the combinatory power of their present-day intellect, when they were not yet capable of calculating and counting in the modern sense, and when they had not yet developed their intellectual logic, they possessed another power of the soul in its place: they had developed a universal memory. This power had to diminish, had to recede, so that our modern intellect could develop at its expense. Such is the general course of development: one power recedes into the background so that another can emerge. Memory is a diminishing power; intellect and reason are increasing powers of the soul.
[ 20 ] Für diejenigen, die schon längere Jahre hier diese Vorträge hören, kann es nicht etwas besonders Wunderbares sein, was ich jetzt sagen werde. Für die anderen wird es grotesk erscheinen, wenn über die Natur des Gedächtnisses in der folgenden Weise gesprochen werden wird. Was ist das Äußere des menschlichen Gedächtnisses? Es ist das, daß es sich zurückerinnert an gestern, vorgestern und so weiter, bis in die Kindheit. Dann reißt es aber einmal ab. Dieses Gedächtnis riß nicht ab in urferner Vergangenheit, nicht in der Kindheit, nicht einmal bei der Geburt; sondern wie der heutige Mensch sich erinnert an dasjenige, was er selbst in seinem persönlichen Leben erlebt hat, so erinnerte sich der Mensch der Vorzeit an dasjenige, was der Vater, der Großvater durch ganze Generationen hindurch erlebt haben. Das Gedächtnis war durch Generationen hindurch eine Seelenkraft, die sich real verbreitete. Durch Jahrhunderte hindurch hat sich in urferner Vergangenheit die Erinnerung erhalten, und mit dieser anderen Ausbildung des Gedächtnisses hing eine andere Art der Namengebung zusammen.
[ 20 ] For those who have been attending these lectures here for many years, what I am about to say may not seem particularly remarkable. To the others, it will seem grotesque when I speak of the nature of memory in the following way. What is the outward aspect of human memory? It is that it recalls yesterday, the day before yesterday, and so on, all the way back to childhood. But then it comes to an abrupt end. This memory did not end in the distant past, nor in childhood, nor even at birth; rather, just as people today remember what they themselves have experienced in their personal lives, so people of ancient times remembered what their fathers and grandfathers had experienced across entire generations. Throughout the generations, memory was a soul force that spread in a tangible way. Over the centuries, in the distant past, this remembrance was preserved, and this different form of memory was linked to a different way of naming things.
[ 21 ] Wir kommen nun zu der Frage: Warum ist in den ersten Kapiteln der Bibel von Individualitäten die Rede, die wie Adam, Noah Jahrhunderte alt werden? Weil es für die Menschen, die hier gemeint sind, keinen Sinn hätte, die Personen zu begrenzen. Die Erinnerung reicht hinauf durch Generationen bis zu dem Urvater. Dieser ganzen Generation gab man einen Namen. Es hätte keinen Sinn gehabt, einer einzelnen Persönlichkeit den Namen Adam zu geben. So gab man dazumal den Namen dem, was sich, die gleiche Erinnerung festhaltend, durch Jahrhunderte hindurch von Generation zu Generation zurückerinnerte — Adam, Noah. Und was war das? Es war das, was durch Vater, Sohn und Enkel geht, aber die Erinnerung bewahrte. So treu bewahrt die biblische Urkunde diese Geheimnisse, die erst durch die Geisteswissenschaft verstanden werden können.
[ 21 ] We now come to the question: Why do the first chapters of the Bible speak of individuals—such as Adam and Noah—who live for centuries? Because it would make no sense to limit the lifespans of the people referred to here. The memory stretches back through generations to the forefather. This entire generation was given a name. It would have made no sense to give the name “Adam” to a single individual. So, in those days, the name was given to that which, holding fast to the same memory, was passed down from generation to generation over the centuries—Adam, Noah. And what was that? It was that which passes through father, son, and grandson, yet was preserved in memory. Thus the biblical record faithfully preserves these mysteries, which can only be understood through spiritual science.
[ 22 ] Wenn wir das Bewußtsein des Ich, durch das wir die Wesenheit der Jahve-Gottheit erfassen, betrachten, so werden wir sehen, daß das Ich in uns lebt zwischen Geburt und Tod, und daß es diese seine Art aufrechterhält zwischen Geburt und Tod. So hielt das Ich sich damals durch Generationen, durch Jahrhunderte hindurch aufrecht. Wie wir heute von dem Ich sprechen und wissen, daß das Ich zurückgeht so weit, wie wir uns erinnern, ebenso sagte sich der Mensch der Urzeit: Mich selbst ein Ich zu nennen, hat keinen Sinn. Ich erinnere mich zurück an meinen Vater, Großvater, Urgroßvater. — Sein Ich ging durch die Generationen, und es hatte sogar einen Namen. Wie wir in unserem persönlichen Ich einen Ausdruck des Gottes finden, wenn wir uns in dieses Ich vertiefen, so sagte sich der alte Mensch, indem er hinaufsah durch die Generationen: Der Gott, der in dem Ich lebt, lebt durch Generationen hinunter, — als eine Gottheit, die dann Moses in den höheren Welten erkannte. Der Gott war kein anderer als der, welcher sich in alten Zeiten als ein Ich von Generation zu Generation hindurch gelebt hat. Man bezeichnete als Ich, in der Ausdrucksweise der damaligen Zeit, was sich als Ausdruck des Jahve-Gottes fortpflanzte, mit dem Jahve-Worte «Ich bin der Ich-bin». Das war das, was Moses in seiner geistigen Offenbarung erkennen lernte. Im Erschauen des brennenden Dornbusches ist das zum ersten Male offenbart worden. Es war derselbe Gott, der früher von Generation zu Generation herunter gelebt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Es war die Kraft, die also in der lebendigen Erinnerung fortlebte und zu gleicher Zeit alles mit sich brachte, was die menschliche Ordnung begründete. So schauen wir hinauf auf die Vorgängerschaft des Moses. Im biblischen Sinne schauen wir hinauf bis zu den Patriarchen, bis zu denen, in welchen der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs lebte.
[ 22 ] When we consider the consciousness of the “I,” through which we grasp the essence of the Yahweh deity, we will see that the “I” lives within us between birth and death, and that it maintains this nature of its own between birth and death. Thus, the “I” sustained itself back then through generations and across centuries. Just as we speak of the “I” today and know that the “I” goes back as far as we can remember, so too did the people of ancient times say to themselves: It makes no sense to call myself an “I.” I remember my father, my grandfather, my great-grandfather. — His “I” passed down through the generations, and it even had a name. Just as we find an expression of God in our personal “I” when we delve deeply into it, so the ancient human being, looking back through the generations, said to himself: “The God who lives in the ‘I’ lives down through the generations”—as a deity whom Moses later recognized in the higher worlds. This God was none other than the one who, in ancient times, lived as an “I” from generation to generation. In the language of that time, what was described as the “I”—which perpetuated itself as an expression of the God Yahweh—was designated by Yahweh’s words, “I am who I am.” This was what Moses came to recognize in his spiritual revelation. This was revealed for the first time in the vision of the burning bush. It was the same God who had previously lived down through the generations—the God of Abraham, Isaac, and Jacob. It was the power that thus lived on in living memory and, at the same time, brought with it everything that established the human order. Thus we look up to the legacy of Moses. In the biblical sense, we look up to the patriarchs, to those in whom the God of Abraham, Isaac, and Jacob lived.
[ 23 ] Diese Zeiten brauchten keine äußeren Gebote, keine äußeren Gesetze. Denn mit dem lebendigen Gedächtnis, mit dessen ganz anderer Art als das Gedächtnis heute ist, lebte sich fort dasjenige, was man zu tun hatte. Wonach handelte man in diesen Urzeiten? Man kommt darauf, wenn man die Bibel richtig versteht. Man handelte nicht nach Geboten. Man handelte nach dem, was einem die Erinnerung sagte, was der Vater, der Großvater und so weiter getan haben. Mit seinem Blute bekam man eingeboren die Richtung zu dem, was man zu tun hatte. Es war in diesen alten Generationen etwas wie ein vergeistigter Instinkt, das man vergleichen kann damit, was wir heute nennen «aus Instinkt heraus handeln». Nicht nach einem Gebot handelte deralteMensch, nein, er handelte nach dem Charakter seines Wesens, nach seinem Gattungswesen. Wie handelten die mit Abraham, Isaak und Jakob in der Bibel bezeichneten Wesen? Sie handelten so, wie das durch die Generationen rinnende Blut es ihnen eindrückte. Der Gott Jahves war es, den sie heruntergebracht hatten mit ihrem Ich, ob sie Krieg führten, ob sie in Frieden lebten. Gebote hatten sie nicht, ein Gesetz hatten sie nicht. Es war der vergeistigte Instinkt Gottes, der in ihnen lebte.
[ 23 ] Those times needed no external commandments, no external laws. For with the living memory—which was of a completely different nature than the memory we have today—what one was supposed to do lived on. How did people act in those primeval times? One comes to understand this when one correctly understands the Bible. People did not act according to commandments. They acted according to what their memory told them—what their father, grandfather, and so on had done. Through their blood, they were born with an innate sense of what they were meant to do. In those ancient generations, there was something like a spiritualized instinct, which can be compared to what we today call “acting on instinct.” The ancient man did not act according to a commandment; no, he acted according to the character of his being, according to his essential nature. How did the beings referred to in the Bible as Abraham, Isaac, and Jacob act? They acted as the blood flowing through the generations had imprinted upon them. It was the God of Yahweh whom they had brought down into their own selves, whether they were at war or living in peace. They had no commandments; they had no law. It was the spiritualized instinct of God that lived within them.
[ 24 ] Zu der Zeit, als Moses auftrat, da war die menschliche Persönlichkeit auf der ersten Stufe ihrer Ausbildung. Da riß sie sich los in ihrem Bewußtsein von diesem gemeinsamen Bewußtsein der Generation. Da hatte schon gründlich aufgehört das Gedächtnis, das durch die Generationen hinaufreichte. Da hatte man nicht mehr den vergeistigten Instinkt zum Handeln. Da mußte etwas anderes an dessen Stelle treten. Da mußte der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der in seiner geistigen Naturgestalt Moses das Gesetz, die Gebote gab, weil man nicht mehr den vergeistigten Instinkt hatte, da mußte er die äußere Ordnung, das soziale Zusammenleben durch die Gebote, durch das Gesetz regeln.
[ 24 ] At the time Moses appeared, the human personality was at the first stage of its development. It was then that it broke away, in its consciousness, from the collective consciousness of that generation. By then, the memory that stretched back through the generations had already thoroughly ceased. People no longer possessed the spiritualized instinct for action. Something else had to take its place. The God of Abraham, Isaac, and Jacob—who, in his spiritual form, gave Moses the Law and the Commandments—had to regulate external order and social coexistence through the Commandments and the Law, because people no longer possessed that spiritualized instinct.
[ 25 ] So ist derselbe Gott, der vordem als Naturkraft gewirkt hat, jetzt als Gesetzgeber wirksam, um die äußere Ordnung auf dem Gesetzeswege zu begründen. So sehen wir, daß es einen tiefen Sinn hat, an dieser Stelle die Worte zu lesen: der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der Gott, der sich bezeichnet als der Gott «Ich bin der Ich-bin», er ist derselbe wie das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, derselbe, der das Ich in die menschliche Wesenheit einfließen ließ. Aber die Menschen konnten die geistige Natur des Ichs nicht in ihr Bewußtsein aufnehmen. Dazu bedurfte es wieder einer längeren Vorbereitung, und diese fällt in die Zeit, die uns durch die Bibel als das Alte Testament geschildert wird, in die Zeit von Moses bis zum Mysterium von Golgatha. Daher ist diese Zeit eine Zeit der Verheißung, die das neue Evangelium darstellt, der Beginn der «Zeit der Erfüllung». Es kündigt sich also dem Moses der Gott an, der den Ausdruck fand «Ich bin der Ich-bin». Er kündigt sich so an, daß er die äußere Ordnung der Menschen, das Zusammenleben derselben durch Gesetze ordnet, auf dem Umwege durch Mosis Schauen, durch Mosis Sehen. So lebte die Menschheit in der vorchristlichen Zeit, in der der Gott schuf, in der der Jahve-Gott bildete, in der der «Ich bin der Ich-bin» lebte, in welcher aber dieMenschheit noch nicht bewußt leben konnte, sondern nach dem äußeren Gesetze, das aber von Jahve-Gott stammte. Immer mehr rückt die Zeit heran, wo sich die Menschheit des vollen Ich bewußt werden sollte. Durch das ganze Altertum hindurch gab es nur ein Mittel für die Menschen, die noch nicht schauen konnten, noch nicht entgegentreten konnten dem Gott in der physischen Welt. Nur eine Art gab es, wie dieser Gott für sie wirksam werden konnte. Das war das Gesetz, die Ordnung. Das galt für die äußere Welt.
[ 25 ] Thus, the same God who previously acted as a force of nature now acts as a lawgiver to establish external order through the law. We can see, then, that there is a profound meaning in reading the words “the God of Abraham, Isaac, and Jacob” at this point. The God who designates Himself as “I Am Who I Am” is the same as the fourth member of the human being, the same One who infused the “I” into the human being. But human beings were unable to take the spiritual nature of the “I” into their consciousness. This, in turn, required a longer period of preparation, which falls within the time described to us in the Bible as the Old Testament—the period from Moses to the Mystery of Golgotha. Therefore, this time is a time of promise, representing the new Gospel, the beginning of the “time of fulfillment.” Thus, God reveals Himself to Moses as the One who is expressed as “I Am Who I Am.” He reveals Himself in such a way that He organizes the external order of human life—their coexistence—through laws, indirectly through Moses’ vision, through Moses’ perception. Thus humanity lived in the pre-Christian era, in which God created, in which the God Yahweh shaped, in which the “I Am Who I Am” lived—but in which humanity could not yet live consciously, but rather according to the external law that originated from the God Yahweh. The time is drawing ever closer when humanity is to become fully conscious of the “I.” Throughout all of antiquity, there was only one means for people who could not yet see, who could not yet encounter God in the physical world. There was only one way in which this God could act upon them. That was the law, the order. This applied to the external world.
[ 26 ] Außerdem gab es eine übersinnliche Art, diesen Gott kennenzulernen, und das waren die Mysterien oder die Einweihung. Was war die Einweihung? Alles das, was gewissen Persönlichkeiten überliefert wurde, welche dazu geeignet befunden wurden, die Methoden anzuwenden, die die geisteswissenschaftliche Forschung hat, um die im Menschen schlummernden Kräfte und Fähigkeiten zu entwickeln, so daß sie in die geistige Welt hineinschauen konnten. Für die Bekenner des Alten Testamentes würde es daher so sein, Gott, der in dem «Ich-bin» lebt, geistig von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Wenn sie diese Methode anwendeten, wurden sie in die Lage versetzt, mit geistigen Augen und Ohren zu hören und zu sehen, selbst zu sehen, was Moses gesehen hat, als ihm der Gott, der «Ich-bin», die Mission erteilt hat. Aber nur in den Mysterien, nur durch die Einweihung war das möglich.
[ 26 ] There was also a supernatural way to come to know this God, and that was through the mysteries or initiation. What was initiation? It was everything that was handed down to certain individuals who were deemed suitable to apply the methods of spiritual scientific research in order to develop the powers and abilities lying dormant within the human being, so that they could glimpse into the spiritual world. For the adherents of the Old Testament, this would therefore mean seeing God, who lives in the “I Am,” spiritually face to face. When they applied this method, they were enabled to hear and see with spiritual eyes and ears—to see for themselves what Moses saw when the God who is the “I Am” entrusted him with his mission. But this was possible only within the mysteries, only through initiation.
[ 27 ] Aber es gab auch solche, die den «Ich bin der Ich-bin» erkannten, aber sie mußten dazu alle die Prozeduren, die Methoden durchmachen, wodurch sich der Mensch umgestaltet zu einem Instrumente des höheren Schauens, des Hineinblickens in die geistige Welt. So also war diejenige Gottheit, die schon in Abraham, Isaak und Jakob lebte, nach außen für die physische Welt ganz verhüllt. Sie ordnete die Welt durch das Gesetz. Für den Eingeweihten wird im Denken das Geheimnis der Mysterien schaubar. Nun kam die Zeit, in der das Mysterium von Golgatha sich vollziehen sollte. Was war da eigentlich geschehen? Stellen wir uns so richtig vor die Seele, was den Eingeweihten in den alten Zeiten passierte. Nur skizzenhaft schildern kann ich Ihnen den Vorgang der Einweihung durch Meditation, Konzentration und die anderen Übungen. Durch diese wurde die Seele des Einzuweihenden lange vorbereitet. Dann kam ein dreieinhalb Tage währender Abschluß dieser Einweihungsvorgänge. Da wurde der Mensch, der eingeweiht werden sollte und der so weit vorbereitet war, durch den Einweihungsweisen in einen Zustand gebracht, durch den sein physischer Leib vollständig schlafend war. Nicht nur schlafend war er, sondern wie tot, so also, daß der Mensch sich seiner physischen Sinne, seiner physischen Augen und Ohren nicht bedienen konnte. Dafür aber sah er durch die Organe seiner geistigen Glieder hinein in die geistigen Welten. Er konnte da wahrnehmen, wenn er außerhalb seines Leibes war, wenn er nicht gefesselt war, wenn die physischen Organe in ihm latent waren. Er konnte dann in sich schauen, was unsichtbar in ihm lebte als das «Ich bin der Ich-bin»; aber er konnte es nur in den Tiefen der Mysterien schauen. Dann wurde er — wie jeder weiß, der diese Dinge kennt — aufgeweckt in seinem physischen Leibe und bediente sich wieder der physischen Sinne. Aber er hatte jetzt das volle Bewußtsein: «Ich bin der Ich-bin, ich war in der geistigen Welt. Das, was zu Moses gesprochen hat: «Ich bin der Ich-bin», das stand vor mir, und es ist das, was mir die Ewigkeit verwehrt, das, was in meinen Leib eingezogen ist. Mit dem war ich verbunden. Ich war mit dem göttlichen Urträger des Ich-bin verbunden, dessen Abglanz und Spiegelbild mein Ich-bin ist.»
[ 27 ] But there were also those who recognized the “I Am Who I Am”; however, to do so, they had to undergo all the procedures and methods through which a person transforms himself into an instrument of higher vision, of looking into the spiritual world. Thus, the Deity who already lived within Abraham, Isaac, and Jacob was completely veiled from the physical world. She ordered the world through the Law. For the initiate, the secret of the mysteries becomes visible in thought. Now the time had come for the Mystery of Golgotha to be fulfilled. What actually happened there? Let us truly picture in our minds what happened to the initiate in ancient times. I can only sketch out for you the process of initiation through meditation, concentration, and the other exercises. Through these, the soul of the initiate was prepared over a long period. Then came a three-and-a-half-day culmination of these initiation rites. There, the person who was to be initiated—and who had been prepared to this extent—was brought by the initiator into a state in which his physical body was completely asleep. He was not merely asleep, but as if dead, so that he could not make use of his physical senses, his physical eyes, or his physical ears. Instead, however, he saw into the spiritual worlds through the organs of his spiritual members. He could perceive there when he was outside his body, when he was unbound, when his physical organs lay latent within him. He could then look within himself at what lived invisibly within him as the “I Am that I Am”; but he could see it only in the depths of the mysteries. Then—as everyone who knows these things is aware—he was roused in his physical body and once again made use of his physical senses. But he now had full consciousness: “I am the I Am; I was in the spiritual world. That which spoke to Moses, ‘I Am Who I Am,’ stood before me, and it is that which bars me from eternity, that which has entered into my body. I was connected to it. I was connected to the divine primordial bearer of the ‘I Am,’ whose reflection and mirror image is my ‘I Am.’”
[ 28 ] So kehrte der Eingeweihte zurück in die physische Welt und wurde Zeuge dafür, daß es ein Geistiges gibt im Ich, denn er hatte es geschaut. Kunde und Botschaft konnte er ablegen vor seinen Zuhörern, denen er Botschaft zu geben berufen war. So konnte man aber nur in der geistigen Welt sehen den «Ich bin der Ich-bin». Durch das Ereignis von Golgatha stieg dieselbe Wesenheit, die sich angekündigt hatte bei Moses in dem brennenden Dornbusch mit den Worten «Ich bin der Ich-bin», herab in die Menschen. Das ist ganz im Sinne des Johannes-Evangeliums: Das Ich ist Fleisch geworden in dem Leibe des Jesus von Nazareth, wohnte in demselben und wandelte unter den Menschen. Das war die Urkraft, die gerade den Menschen auf die Höhe gebracht hat, auf der er heute steht. Die Urkraft wurde Mensch; eine Gott-Wesenheit war Mensch geworden und wandelte unter den Menschen. Die Möglichkeit war da, daß innerhalb des geschichtlichen Verlaufs der Menschheit das einmal als historisches Ereignis da war, was die Eingeweihten nur im Geiste erschauen konnten, was auf Golgatha sich als historisches Ereignis vollzogen hat: daß das Christus-Wesen den Sieg über den Tod der Materie davongetragen hat.
[ 28 ] Thus the initiate returned to the physical world and bore witness to the existence of a spiritual element within the “I,” for he had beheld it. He was able to convey this knowledge and message to his listeners, to whom he was called to bring the message. Yet one could see the “I Am Who I Am” only in the spiritual world. Through the event at Golgotha, the very same Being who had revealed Himself to Moses in the burning bush with the words “I Am Who I Am” descended into humanity. This is entirely in keeping with the Gospel of John: The I became flesh in the body of Jesus of Nazareth, dwelt within it, and walked among humanity. That was the primal force that raised humanity to the height at which it stands today. The primal force became human; a divine being had become human and walked among humanity. The possibility existed that, within the course of human history, what the initiates could only perceive in the spirit—what took place as a historical event on Golgotha—would one day occur as a historical event: that the Christ Being would emerge victorious over the death of matter.
[ 29 ] Das ist das Historisch-äußerlich-Wirkliche, das sich in den Mysterien soundso oft an den Eingeweihten vollzogen hat. So war der Verlauf der Einweihung, die in den alten Zeiten in dem tiefen Dunkel der Mysterien sich vollzog bei denjenigen, die durch dreieinhalb Tage ihren physischen Leib nach den Einweihungsvorbereitungen verließen, und die während dieser Zeit in der geistigen Welt wandelten und in den geistigen Urgründen der Menschheit erschauten, daß ein geistig-göttliches Wesen herabsteigt in diephysischeWelt, und daß dieses Ereignis einmal als historische Tatsache stattfinden würde. Das war der Verlauf der Einweihung.
[ 29 ] This is the historical, external, and real event that took place so many times for the initiates in the mysteries. Such was the course of the initiation that took place in ancient times in the deep darkness of the Mysteries among those who, following the preparatory rites, left their physical bodies for three and a half days, and who, during this time, wandered in the spiritual world and beheld in the spiritual depths of humanity that a spiritual-divine being would descend into the physical world, and that this event would one day take place as a historical fact. That was the course of the initiation.
[ 30 ] Jetzt aber kam die Zeit, in der die Menschheit durch die Hinneigung der Gefühle und Empfindungen und Gedanken zu dem Ereignis von Golgatha kam durch den Glauben. Dann wurde das Verständnis daraus. Es war etwas Neues gegeben. Es war gegeben, das äußerlich zu haben, was man sonst nur durch das Entrücktsein in die geistige Welt haben konnte. Wenn man das so annimmt, dann verstehen wir, warum der Christus Jesus sagt: Ich bin der Ich-bin—in einer völlig neuen Gestalt. Was er sagt, das heißt: Blickt zurück in die Urzeiten, in dasjenige, was als das Ewige im Menschen gelebt hat, das sich herunter gelebt hat in Abraham, Isaak und Jakob, das sich dann in dem Gesetze des Moses kundgegeben hat. Jetzt ist die Zeit da, wo das Ich sich bewußt wird in der einzelnen Persönlichkeit, wo der Mensch sich in seinem Ich, in dem in ihm wohnenden Göttlichen, voll bewußt werden soll.
[ 30 ] But now the time had come when humanity, through the turning of its feelings, sensations, and thoughts toward the event at Golgotha, came to it through faith. Then understanding arose from this. Something new had been given. It was possible to have, outwardly, what one could otherwise only have by being transported into the spiritual world. If we accept this, then we understand why Christ Jesus says, “I am the I-Am”—in a completely new form. What he is saying is: Look back to primeval times, to that which lived as the Eternal within humanity, which manifested itself in Abraham, Isaac, and Jacob, and which then revealed itself in the Law of Moses. Now the time has come when the “I” becomes conscious within the individual personality, when human beings are to become fully conscious of their “I,” of the Divine dwelling within them.
[ 31 ] War es in den alten Zeiten so, daß der Mensch hinaufschaute zu dem Gott, daß er schaute und sich sagen konnte: Was in mir lebt, das lebt durch die Generationen, — so ist es jetzt so, daß, wenn er in sich hineinschaut, er das Göttliche in seinem Ich findet. Das Göttliche, aus dem jedes Ich hervorgegangen ist, das war verkörpert in Jesus von Nazareth, und der das verstand, der schrieb: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. — Mit dem Wort ist das Wesen der innersten Menschennatur und zugleich der Urquell dieses innersten Wesens gemeint. Und dem Christus Jesus legt er in den Mund: Das, was in mir lebt, von dem ein Funke in jeder menschlichen Persönlichkeit ist, das war,ehe das Evangelium war. — Der bedeutsame Satz in dem Johannes-Evangelium war: «Ehe denn Abraham war, bin ich.» — Bevor ein Abraham war, war das «Ich-bin», das Ich-bin, das nicht an eine Zeit gebunden ist, das vor Abraham war, das da war schon in den geistigen Urgründen des Menschen. Indem er sich selber als den Urquell des Ich-bin bezeichnen mußte, sprach der Christus das bedeutsame Wort: Ehe Abraham war, war das Ich-bin.
[ 31 ] Whereas in ancient times people looked up to God, saw Him, and could say to themselves, “What lives within me lives on through the generations”—now, when they look within themselves, they find the divine in their own “I.” The divine from which every “I” has emerged was embodied in Jesus of Nazareth, and the one who understood this wrote: “In the beginning was the Word, and the Word was with God, and God was the Word.” — By “the Word,” the essence of the innermost human nature is meant, and at the same time the primal source of this innermost essence. And he puts these words into the mouth of Christ Jesus: “That which lives within me, of which a spark is present in every human personality, existed before the Gospel was.” — The significant statement in the Gospel of John was: “Before Abraham was, I am.” — Before there was an Abraham, there was the “I Am”—the I Am that is not bound to any time, that existed before Abraham, that was already present in the spiritual depths of humanity. In designating himself as the original source of the I Am, Christ spoke these significant words: “Before Abraham was, the I Am was.”
[ 32 ] So sehen wir, wie der Sinn der Menschheitsentwicklung, der diese Grundbücher der Menschheit, das Alte und das Neue Testament durchflutet, durch die Geisteswissenschaft wieder lebendig gemacht wird. Und wir sehen, wie uns die wichtigsten Worte erst lesbar werden, wenn wir den Sinn dieser Bücher, unabhängig von den Worten, durch die Geisteswissenschaft ergründen. Um etwas anzuführen, was dem materialistischen Sinn im Geiste zu denken gibt, sei an die Auferweckung des Lazarus erinnert. Sehen Sie, da sagt ein solcher Mann wie Gfrörer: Wer behauptet, das JohannesEvangelium sei nicht von Johannes geschrieben, der hilft sich damit, daß er sagt, vieles hat der Schreiber hingeschrieben, so wie er es erlebt und verstanden hat, aber das Lazarus-Wunder muß ihm erzählt worden sein. Da kann er nicht dabei gewesen sein. — Man muß das Lazarus-Wunder nur richtig verstehen. Fassen wir es doch so, daß der Christus, als er in die Welt trat, den Leib des Jesus von Nazareth annahm. Fassen wir es doch so, daß das, was im Alten Testamente vorbereitet wurde, im Neuen seinen Ausdruck gefunden hat. Er mußte da eine Persönlichkeit haben, die ihn vollständig verstehen konnte, die im tiefsten Sinne eindringen konnte in das, was er verkündigen konnte, das heißt, er mußte auf seine Art eine Persönlichkeit einweihen.
[ 32 ] Thus we see how the meaning of human development—which permeates these fundamental books of humanity, the Old and New Testaments—is brought back to life through spiritual science. And we see how the most important words only become legible to us when we fathom the meaning of these books, independently of the words themselves, through spiritual science. To cite an example that gives the materialistic mind pause for thought, let us recall the raising of Lazarus. You see, a man like Gfrörer says: Anyone who claims that the Gospel of John was not written by John justifies this by saying that the writer recorded many things as he experienced and understood them, but the miracle of Lazarus must have been told to him. He could not have been there. — One simply has to understand the miracle of Lazarus correctly. Let us understand it this way: when Christ entered the world, he took on the body of Jesus of Nazareth. Let us understand it this way: what was prepared in the Old Testament found its expression in the New. He needed a person there who could fully understand him, who could penetrate in the deepest sense what he was proclaiming—that is, he had to initiate a person in his own way.
[ 33 ] Einweihungsgeschichten werden uns zu allen Zeiten unter Verhüllung erzählt. Das Lazarus-Wunder ist nichts anderes als die wunderbare und gewaltige Darstellung, wie der Christus den ersten Eingeweihten des Neuen Testamentes geschaffen hat, wie der Eingeweihte bei seinem Schüler, der dreieinhalb Tage in einem todähnlichen Zustande lag, die Seele wieder zurückrief in den Leib, nachdem sie die Wanderung durch die geistige Welt gemacht hatte, um nachher durch den Christus selbst erweckt zu werden. Alles das ist leicht zu durchschauen von dem, der etwas davon versteht, denn es ist die Sprache, in der überhaupt Einweihungsgeschichten erzählt werden. «Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern sie dient zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie geehret wird.» Das bedeutet: äußeres Erscheinen als Offenbarung des Inneren; so daß der Satz in Wahrheit zu übersetzen ist: «Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern daß der Gott als äußere Erscheinung offenbar werde, damit er auch für die Sinne geoffenbart werden könne.» In der Persönlichkeit des Lazarus schlummert die tiefere menschliche Wesenheit, die die Fähigkeit und die Kraft hat, daß sie in geheimnisvoller Art in ihm entwickelt werden konnte, hinaufgeführt werden konnte in die geistige Welt, so daß er erkennen konnte das Wesen des Christus selber, des Sohnes Gottes. Diese Kraft mußte aber erst entwickelt werden. Er entwickelte sie in Lazarus, damit das Göttliche, das in Lazarus ruhte, offenbar werden könne, und offenbaren könne dasjenige, was der Sohn Gottes sei. So schafft der Christus Jesus in Lazarus den ersten, der aus eigener innerer Beobachtung weiß, wer der Christus Jesus eigentlich ist. Zu gleicher Zeit zeigt dieses Wunder — denn es ist für den, der nur die äußeren physischen Gesetze gelten lassen will, ein echtes Wunder —, was der betreffende Schüler während der dreieinhalb Tage durchmachen muß, denn das kommt einem echten Tode gleich, weil der Ätherleib und der Astralleib aus dem physischen Leib herausgehoben werden und nur der physische Leib daliegt.
[ 33 ] Initiation stories have always been told to us in veiled terms. The miracle of Lazarus is nothing other than the wondrous and powerful depiction of how Christ created the first initiate of the New Testament—how the initiate, in the case of his disciple who lay in a death-like state for three and a half days, called the soul back into the body after it had made its journey through the spiritual world, only to be subsequently awakened by Christ himself. All of this is easy to understand for those who know anything about it, for it is the language in which initiation stories are generally told. “This illness is not unto death, but it serves to glorify God, so that the Son of God may be glorified through it.” This means: outward appearance as a revelation of the inner; so that the sentence must in truth be translated: “The illness is not unto death, but so that God may be revealed as an outward appearance, so that He might also be revealed to the senses.” Within the personality of Lazarus slumbers the deeper human essence, which possesses the capacity and the power to be developed within him in a mysterious way, to be raised up into the spiritual world, so that he might recognize the very essence of Christ Himself, the Son of God. But this power first had to be developed. He developed this power within Lazarus so that the divine, which rested within Lazarus, might become manifest and reveal what the Son of God truly is. Thus, Christ Jesus creates in Lazarus the first person who, through his own inner observation, knows who Christ Jesus actually is. At the same time, this miracle—for it is a genuine miracle to those who accept only the outer physical laws—reveals what the disciple in question must endure during those three and a half days, for this is equivalent to true death, since the etheric body and the astral body are lifted out of the physical body, leaving only the physical body behind.
[ 34 ] So also haben wir aus der Geisteswissenschaft heraus selbst ein so wunderbares Ereignis — wunderbar nur für denjenigen, der es nicht erklären kann —,ein so wunderbares Ereignis durchdrungen, wie das Lazarus-Wunder es ist. Alles das enthüllt sich Ihnen in dem Lazarus-Wunder, wenn Sie nur das Licht haben, das darauf fällt durch die Worte: Seine Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Enthüllung des Inneren. — Wenn diese Fähigkeiten erweckt werden im Menschen, so ist das wie eine Geburt. Wie ein Kind aus dem Mutterschoß hervorgeht, so wird das Höhere aus dem niederen Menschen geboren. So ist die Krankheit des Lazarus verbunden mit der Geburt des neuen Lebens, des GottMenschen, so daß der göttliche Mensch in dem physischen Menschen, im Lazarus, geboren wird.
[ 34 ] Thus, through spiritual science, we ourselves have penetrated such a wondrous event—wondrous only to those who cannot explain it—an event as wondrous as the miracle of Lazarus. All of this is revealed to you in the miracle of Lazarus, if only you have the light that shines upon it through these words: “His illness is not unto death, but for the revelation of the inner being.” — When these abilities are awakened in a person, it is like a birth. Just as a child emerges from the womb, so the Higher is born from the lower human being. Thus, Lazarus’s illness is connected with the birth of the new life, the God-Man, so that the divine human being is born within the physical human being, within Lazarus.
[ 35 ] So könnten wir Schritt für Schritt das Johannes-Evangelium durchgehen und würden die Erfahrung machen, daß dasjenige, was in der geistigen Einweihung geschieht, ganz anders geschildert werden mußte, als das, was wir sehen in alten Zeiten, wo mit ganz anderen Geisteskräften der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wirkt. Und wenn wir so hineinblicken in die Bibel, dann wird sie uns wieder das hohe Universalbuch, das uns entgegenleuchten läßt, was wir jetzt selbst gefunden haben. Indem wir zugeben müssen — wir können das sagen —, daß nur derjenige, der höhere geistige Kräfte ausgebildet hat, zu diesen Wahrheiten kommen kann, so müssen wir, wenn sie uns entgegentreten im Johannes-Evangelium, auch zugeben und sagen können, was sie in diese Schriften gebracht hat. Indem ein neuer Geistesforscher an das Evangelium und an die ganze Bibel herantrat, lernte er das sehen und kann sagen: Die Menschen werden wieder zu einem wahren Wert dieser Urkunde kommen und erkennen, daß nur ein materialistisches Vorurteil die Worte sprechen kann: «der schlichte Mann von Nazareth». Wir aber haben als Ergebnis der wahren Erkenntnis in dem Christus eine überwältigende Welt-Wesenheit erkannt, die in dem Leibe des Jesus von Nazareth gelebt hat.
[ 35 ] In this way, we could go through the Gospel of John step by step and would discover that what takes place in spiritual initiation had to be described quite differently from what we see in ancient times, when the God of Abraham, Isaac, and Jacob worked through entirely different spiritual forces. And when we look into the Bible in this way, it becomes once again the sublime universal book that illuminates for us what we have now discovered for ourselves. Since we must admit—and we can say this—that only those who have developed higher spiritual powers can arrive at these truths, we must also, when they appear to us in the Gospel of John, acknowledge and be able to explain what brought them into these writings. As a new spiritual researcher approached the Gospel and the entire Bible, he learned to see this and can say: People will once again come to appreciate the true value of this document and recognize that only a materialistic prejudice can utter the words: “the simple man from Nazareth.” We, however, as a result of true insight, have recognized in Christ an overwhelming cosmic being who lived in the body of Jesus of Nazareth.
[ 36 ] So erscheinen uns die drei ersten Evangelien im Verhältnis zu dem Johannes-Evangelium etwa so, wie wenn drei Menschen gruppiert am Abhange eines Berges stehen und jeder aufzeichnet, was er sieht. Jeder sieht einen Ausschnitt. Derjenige, der von der höheren Warte heruntersieht, übersieht mehr und schildert mehr von dieser höheren Warte aus. Wir erfahren nicht nur dasjenige, was die anderen unten schildern, sondern auch dasjenige, was alle drei zugleich erklärlich machen kann. So ist es nicht schwer zu sagen, welcher es war, der auf der höheren Warte stand, sondern für uns ist es so, daß die drei ersten Schreiber auch in gewisser Beziehung Eingeweihte waren. Aber der tiefer Eingeweihte, derjenige, der viel tiefer, viel tiefer hineinsehen konnte als die drei anderen und über die wahren geistigen Tatbestände, die hinter dem Sinnlichen liegen, schreiben konnte, das ist der Schreiber des Johannes-Evangeliums. So gliedern sich uns die Evangelien zusammen zu einer Harmonie, und zeigen, daß das, was als Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, nicht begriffen werden kann als gewöhnliches geschichtliches Ereignis, sondern nur erklärlich wird durch einen Prozeß, wie wir ihn bei Paulus finden, der sagt: Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir.
[ 36 ] Thus, the first three Gospels appear to us in relation to the Gospel of John much as if three people were standing in a group on a mountainside, each recording what he sees. Each sees only a portion of the view. The one who looks down from the higher vantage point sees more and describes more from that higher vantage point. We learn not only what the others below describe, but also what can explain all three accounts at once. Thus, it is not difficult to say which one stood on the higher vantage point; rather, for us, the reality is that the first three writers were, in a certain sense, initiates as well. But the more deeply initiated one—the one who could see much deeper, much deeper into the matter than the other three and who could write about the true spiritual realities that lie behind the sensible world—that is the author of the Gospel of John. Thus the Gospels come together for us in harmony and show that what took place as the Mystery of Golgotha cannot be understood as an ordinary historical event, but can only be explained through a process such as we find in Paul, who says: “It is no longer I who live, but Christ lives in me.”
[ 37 ] Was nebenher von der äußeren Forschung gezeigt wird, das wird uns in der Geistesforschung ebenso wichtig. Wenn wir auf das Christentum sehen, so wird es uns wichtig sein, das Hellsehertum des Moses zu durchschauen, das uns in dem Traumbild vom brennenden Dornbusch dargestellt wird. Das ist es, was darzulegen war. Das eine soll nur noch hervorgehoben werden: daß diese neue Geisteswissenschaft fähig sein wird, aus sich selbst heraus das Bild des Weltengeschehens zu bilden, den Christus sozusagen geistig von Angesicht zu Angesicht zu schauen und ihn daher auf wahrhafte Art wiederzufinden in den Evangelien. Wahrhaft voraussetzungslos ist nicht jene Bibelforschung, die da sagt: Wir wollen die Bibel erforschen wie eine andere Geschichte. — Denn sie setzt voraus das Dogma, daß es nur gewöhnliche, sinnliche, natürliche Tatsachenzusammenhänge geben könne. Wahrhaft voraussetzungslos ist nur die Geisteswissenschaft, und diese führt zu einer erneuerten Anerkennung und Hochschätzung der Bibel in allen ihren Teilen. Es wird eine Zeit kommen, wo vielleicht diejenigen verstimmt sein werden, die heute sagen wollen, nur dem schlichten Verstande sei es gegeben, die Bibel zu erfassen. Diese Weisheit muß die Bibel verkennen. Es wird die Zeit kommen, wo gerade die weiseste Weisheit am höchsten dasjenige schätzen wird, was uns in der Bibel gegeben wird, weil Sehertum sich dem Sehertum in der Bibel gegenüber erblicken wird. Dann wird manches Wort, das im Neuen Testament geschrieben ist, in einem neuen Licht erscheinen. Es wird sich zeigen, daß ein Dokument wie die Bibel nichts verlieren kann durch unbefangene Forschung. Traurig stünde es, wenn irgendeine Forschung diese Bibel um ihr Ansehen, um ihren Namen bringen könnte. Eine Forschung, welche die Bibel um ihren Namen bringt, ist nur noch nicht weit genug gekommen. Die Forschung, welche bis an das Ende geht, wird die Bibel wieder in ihrer Größe darstellen.
[ 37 ] What is revealed incidentally by external research becomes just as important to us in spiritual research. When we look at Christianity, it will be important for us to gain insight into Moses’ clairvoyance, which is depicted to us in the dream image of the burning bush. That is what needed to be explained. One point remains to be emphasized: that this new spiritual science will be capable of forming, from within itself, a picture of world events; of beholding Christ, so to speak, spiritually face to face; and thus of rediscovering him in a true sense in the Gospels. Biblical scholarship that says, “Let us study the Bible as we would any other history,” is not truly unconditional. — For it presupposes the dogma that there can be only ordinary, sensory, natural factual relationships. Only spiritual science is truly free of presuppositions, and it leads to a renewed recognition and high esteem for the Bible in all its parts. A time will come when perhaps those who today claim that only the simple intellect is capable of grasping the Bible will be dismayed. Such wisdom must misunderstand the Bible. The time will come when the wisest of the wise will hold in the highest esteem what is given to us in the Bible, because spiritual insight will recognize the spiritual insight contained in the Bible. Then many a word written in the New Testament will appear in a new light. It will become evident that a document like the Bible has nothing to lose from unbiased research. It would be a sad state of affairs if any research could cause the Bible to lose its reputation or its name. Research that causes the Bible to lose its name has simply not gone far enough. Research that goes all the way to the end will once again reveal the Bible in all its grandeur.
[ 38 ] Frei darf der Mensch forschen. Wer die Ansicht hat, durch die Forschung könne die Religion zugrunde gehen, der zeigt damit nur, daß seine Religiosität auf schwachen Füßen steht. Die göttliche Wesenheit hat den Forschungstrieb in des Menschen Wesen gelegt, damit er sich betätige. Eine Sünde gegen diesen Trieb wäre es, wenn man nicht forschend leben würde. Ich erkenne Gott durch die Forschung. Der Gott erkennt sich in meinem Forschen. Die Wahrheit ist ein Gut in der menschlichen Entwickelung, von der niemals das wahrhaft religiöse Leben etwas zu fürchten haben wird. Das aber ist eine Grundwahrheit, die das Neue Testament völlig durchzieht.
[ 38 ] Man is free to pursue research. Anyone who believes that research could lead to the downfall of religion merely demonstrates that his religiosity is built on shaky ground. The divine Being has instilled the drive for research into human nature so that man may act upon it. It would be a sin against this impulse not to live a life of inquiry. I come to know God through inquiry. God reveals Himself in my inquiry. Truth is an asset in human development, from which a truly religious life will never have anything to fear. And this is a fundamental truth that runs throughout the New Testament.
[ 39 ] Sie sollten nicht jene berücksichtigen, die aus Bequemlichkeit die Menschen fernhalten wollen von der Bibel, und die sagen: Wenn ihr zu Philosophen kommt und die Bibel auslegt, so werden diese sagen, sie wollen nichts davon wissen. — Ein solches Forschen beruht aber auf Bequemlichkeit. Dasjenige Forschen dagegen ist berechtigt und richtig, das sagt: Wir können nicht tief genug gehen, um dasjenige zu verstehen, was in der Bibel steht. — Dasjenige Forschen in der Bibel ist das richtige, das in freier Forschung darauf eingeht und dann auch die Bibel im rechten Sinne erfassen wird. Diese Forscher begreifen die Wahrheit des Bibelwortes: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
[ 39 ] You should not pay attention to those who, out of convenience, want to keep people away from the Bible, and who say: “If you go to philosophers and ask them to interpret the Bible, they will say they want nothing to do with it.” — But such inquiry is based on convenience. On the other hand, the kind of inquiry that says, “We cannot delve deeply enough to understand what is written in the Bible,” is justified and correct. — The correct way to study the Bible is to approach it with an open mind and, through such inquiry, come to understand the Bible in its true sense. These scholars grasp the truth of the biblical verse: “You will know the truth, and the truth will set you free.”
