Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
First Part
GA 58
9 December 1909, Berlin
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Metamorphoses of the Inner Life. Paths of Spiritual Experience I, tr. SOL
9. Einiges über den Mond in geisteswissenschaftlicher Beleuchtung
9. Some Thoughts on the Moon from a Spiritual Scientific Perspective
[ 1 ] Mit meinem heutigen Vortrag innerhalb unseres diesjährigen Winterzyklus bin ich allerdings in einer etwas schwierigeren Lage als in bezug auf alle übrigen Vorträge. Es sollen heute Andeutungen gegeben werden, welche ziemlich herausfallen aus der Anschauungsweise und Vorstellungsart, die man gegenwärtig als «wissenschaftlich» gelten läßt; und da das Vorstellen und die Anschauungsweise der Menschen sich erzieht an dem, was gewohnt und gebraucht ist im wissenschaftlichen und populär-wissenschaftlichen Verkehr, so darf wohl gesagt werden: weil der Gegenstand des heutigen Vortrages davon so fernab liegt, so kann gegenwärtig bei einem größeren Publikum auch nicht viel Neigung vorhanden sein, solche Andeutungen als etwas anderes anzusehen denn als eine Träumerei, mehr der Willkür des Denkens und Vorstellens entspringend als dem, was sie nun in Wirklichkeit doch sind: Konsequenzen geisteswissenschaftlicher Forschung. Deshalb bitte ich Sie, den heutigen Vortrag innerhalb unseres Winterzyklus als eine Art Episode zu betrachten, daß er eine Anregung geben soll nach einer gewissen Seite hin, die gerade in diesem Winter geisteswissenschaftlich weniger berührt wird, die vielleicht im nächsten Jahre eingehender behandelt werden wird. Es muß aber doch diese Anregung gegeben werden, um zu zeigen, daß dasjenige, was uns in diesem Winter hier beschäftigt als Seelenwissenschaft, überall Richtungen angibt, die hinausführen aus dem unmittelbaren Umkreis des menschlichen Seelenlebens hinein in die großen Zusammenhänge des Weltendaseins, des ganzen Kosmos. Und dann bitte ich Sie auch zu berücksichtigen, daß aus einem weiten Gebiete heute ein ganz kurzes Kapitel andeutungsweise herausgehoben wird; daß daher der heutige Vortrag ganz genau auf sein Thema hin angesehen werden muß: «Einiges über den Mond in geisteswissenschaftlicher Beleuchtung!» Nicht aber etwas Erschöpfendes über das Thema kann das sein, was ich werde zu sagen haben.
[ 1 ] With my lecture today as part of this year’s winter series, however, I find myself in a somewhat more difficult position than with all the other lectures. Today I intend to offer insights that deviate considerably from the perspective and mode of thinking currently regarded as “scientific”; and since people’s modes of thinking and perception are shaped by what is customary and accepted in scientific and popular-scientific discourse, it is fair to say: since the subject of today’s lecture is so far removed from that, there is likely little inclination among a wider audience at present to regard such suggestions as anything other than a daydream—arising more from the whims of thought and imagination than from what they actually are: the consequences of spiritual scientific research. Therefore, I ask you to regard today’s lecture within our winter series as a kind of interlude, intended to provide inspiration in a certain direction that has been less explored in the humanities this winter, but which may be addressed in greater depth next year. Yet this stimulus must be provided to show that what we are exploring here this winter as the science of the soul points in all directions, leading out from the immediate sphere of human soul life into the great interconnections of world existence, of the entire cosmos. And I also ask you to bear in mind that today I am briefly touching upon just one aspect of a vast field; therefore, today’s lecture must be viewed strictly in the context of its specific topic: “Some Thoughts on the Moon from a Spiritual Scientific Perspective!” What I have to say, however, cannot be an exhaustive treatment of the subject.
[ 2 ] Über den Mond werden Sie heute in den mannigfaltigsten populären Büchern dieses oder jenes vom Standpunkte der heutigen Wissenschaft lesen. Aber dieser Unterricht, den Sie sich da selber durch Vorträge oder durch die populäre oder sonstige wissenschaftliche Literatur geben können, wird Sie recht unbefriedigt lassen in bezug auf die eigentlichen Fragen über diesen merkwürdigen Begleiter unserer Erde, den wir den Mond nennen. Denn von Jahrzehnt zu Jahrzehnt im Laufe des 19. Jahrhunderts sind die Angaben der äußeren Wissenschaft über den Mond, nach einer gewissen Seite hin, mit Recht immer vorsichtiger und vorsichtiger geworden, aber auch immer spärlicher; und was man sonst in diesen Mitteilungen über den Mond finden kann, wird uns heute am allerwenigsten beschäftigen. Daß das Fernrohr und die astronomische Photographie uns ein gewisses Bild der Mondscheibe gibt, daß man das, was auf der Mondscheibe zu erkennen ist, bezeichnet als kraterförmige Gebilde, als allerlei Rillen, Mondebenen, Mondtäler und dergleichen, daß man sich daraus eine gewisse Anschauung bildet von dem rein räumlichen Antlitz des Mondes, das alles ist es nicht, was uns beschäftigen soll. Aber im wirklich geisteswissenschaftlichen Sinne soll heute die Frage aufgeworfen werden: Hat der Mond irgendeinen besonderen Einfluß, eine besondere Bedeutung für das Erdenleben?
[ 2 ] Today, you will read all sorts of things about the Moon in a wide variety of popular books, each presenting a different perspective based on current scientific knowledge. But this knowledge, which you can acquire on your own through lectures or through popular or other scientific literature, will leave you quite unsatisfied with regard to the actual questions about this remarkable companion of our Earth, which we call the Moon. For, decade by decade throughout the 19th century, the findings of mainstream science regarding the Moon have, in a certain respect, rightly become increasingly cautious—but also increasingly sparse; and what else one might find in these reports about the Moon is of the least concern to us today. The fact that the telescope and astronomical photography provide us with a certain image of the lunar disk; that what can be discerned on the lunar disk is described as crater-like formations, all manner of rilles, lunar plains, lunar valleys, and the like; and that we form a certain conception of the purely spatial appearance of the Moon—none of that is what should concern us. But in the true sense of spiritual science, the question to be raised today is: Does the Moon have any special influence or special significance for life on Earth?
[ 3 ] Von einer solchen Bedeutung des Mondes für das Erdenleben hat man ja in den verschiedenen verflossenen Jahrhunderten nach mancherlei Richtungen hin gesprochen. Und da man, was ja nicht zu leugnen ist, alles, was auf der Erde jahraus, jahrein geschieht, in Zusammenhang bringen muß mit der Stellung der Erde zur Sonne und den verschiedenen Verhältnissen in bezug auf ihre Bewegung zur Sonne, so hat man sich immer gefragt, ob außer den gewaltigen Einflüssen von Sonnenlicht, Sonnenwärme und sonstigen Sonnenwirkungen auf unsere Erde nicht auch das andere Himmelslicht, der Mond, irgendwelche Bedeutung habe für das Erdenleben, insbesondere vielleicht auch für das Menschenleben. Man war in gar nicht ferner Vergangenheit geneigt, von einem ziemlich starken Einfluß des Mondes auf das Erdenleben zu sprechen. Ganz abgesehen davon, daß es ja seit langen Zeiten üblich ist, diejenigen Erscheinungen der Erde, die man als Ebbe und Flut des Meeres bezeichnet, in Zusammenhang zu bringen mit den Anziehungen des Mondes, hat man auch immer von einem Einfluß des Mondes auf die Witterungsverhältnisse unserer Erde gesprochen. Und noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben ganz ernsthafte wissenschaftliche Forscher und Ärzte Zusammenstellungen darüber gemacht, wie der Mond in seinen verschiedenen Erscheinungen bestimmte Wirkungen habe auf diese oder jene Krankheitsfälle beim Menschen, oder auf den Ablauf des menschlichen Lebens überhaupt. Man hatte es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts keineswegs bloß zu tun mit dem, was man Volksglauben oder Volksaberglauben nennen könnte, wenn man zum Beispiel von ‘einem Einfluß der Mondphasen auf Fiebererscheinungen, auf asthmatische Erscheinungen, auf den ominösen Kropf und dergleichen sprach; sondern es gab immer auch Ärzte und wissenschaftliche Naturforscher, die solche Fälle registrierten, weil sie glaubten, annehmen zu müssen, daß der Wechsel der Mondphasen auf den Ablauf des menschlichen Lebens und auf Krankheit und Gesundheit Einfluß habe.
[ 3 ] Over the centuries, people have discussed the moon’s significance for life on Earth from various perspectives. And since—as is undeniable—everything that happens on Earth year in and year out must be related to the Earth’s position relative to the Sun and the various conditions regarding its motion around the Sun, people have always wondered whether, in addition to the powerful influences of sunlight, solar heat, and other effects of the Sun on our Earth, the other celestial light—the Moon—might also have some significance for life on Earth, and perhaps especially for human life. In the not-too-distant past, people were inclined to speak of a fairly strong influence of the Moon on life on Earth. Quite apart from the fact that it has long been customary to associate the phenomena on Earth known as the ebb and flow of the sea with the Moon’s gravitational pull, people have also always spoken of the Moon’s influence on Earth’s weather conditions. And even in the first half of the 19th century, quite serious scientific researchers and physicians compiled studies on how the moon, in its various phases, had certain effects on this or that human illness, or on the course of human life in general. In the first half of the 19th century, this was by no means merely a matter of what one might call folk beliefs or superstitions when, for example, people spoke of “the influence of the lunar phases on feverish symptoms, on asthmatic symptoms, on the ominous goiter, and the like”; but there were always doctors and scientific naturalists who recorded such cases because they believed they had to assume that the changing phases of the moon influenced the course of human life, as well as illness and health.
[ 4 ] Mit dem Heranrücken jener wissenschaftlichen Denkweise, von der klar zu erkennen ist, daß sie ihre Morgenröte und ihren Sonnenaufgang in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat, wurde die Neigung, dem Mond irgendeine Bedeutung für das Erdenleben zuzuschreiben, immer geringer. Einzig und allein blieb die Anschauung, daß der Mond der Veranlasser sei von Ebbe und Flut des Meeres. Dagegen wurde man immer weniger geneigt, dem Mond zum Beispiel irgendeinen Einfluß auf Witterungserscheinungen zuzuschreiben oder gar auf die anderen genannten Erscheinungen des menschlichen oder des sonstigen Lebens auf der Erde. Und insbesondere war es ein auf einem bestimmten Gebiete des naturwissenschaftlichen Erkennens im 19. Jahrhundert außerordentlich bedeutsamer und epochemachender Forscher, der einmal die ganze Schale seines Zornes über diejenigen ausgegossen hat, welche irgendwie noch Miene machten, von einem Einfluß des Mondes zu sprechen, sei es auch nur auf Witterungsverhältnisse oder sonstige Erscheinungen unserer Erde. Dieser hervorragende Forscher war der Entdecker von der Bedeutung der Pflanzenzelle, Schleiden. Er, der auf diesem Gebiete so Epochemachendes geleistet hat, er hat einmal in ganz intensiver Weise das Wort ergriffen gegen einen anderen deutschen Naturforscher, der gerade eine gewisse große Bedeutung erlangt hat da, wo es sich darum handelt, intime oder auch Grenzgebiete der Forschung ins Auge zu fassen, gegen Gustav Theodor Fechner. Es ist heute etwa ein halbes Jahrhundert her, daß jener berühmte «Mondenstreit» ausgefochten wurde zwischen dem bedeutsamen Entdekker der Pflanzenzelle und Gustav Theodor Fechner, der in seiner «Zend-Avesta» versucht hat, zum Beispiel die Anschauung, daß das pflanzliche Leben beseelt sei, durchzuführen; der in seiner Vorschule zur Ästhetik, in seiner «Psychophysik» manches geleistet hat für das intime naturwissenschaftliche Erkennen. Man darf vielleicht über diesen berühmten Mondenstreit nicht sprechen, ohne mit ein paar Worten auch Gustav Theodor Fechner genauer zu charakterisieren.
[ 4 ] With the advent of that scientific way of thinking—which clearly had its dawn and rise in the mid-19th century—the tendency to attribute any significance to the Moon in relation to life on Earth gradually diminished. The only belief that remained was that the moon was the cause of the tides. In contrast, people became less and less inclined to attribute to the moon, for example, any influence on weather phenomena or even on the other phenomena mentioned—those of human life or other forms of life on Earth. And in particular, it was a researcher of extraordinary significance and epoch-making importance in a specific field of scientific inquiry in the 19th century who once poured out the full force of his wrath upon those who still dared to speak of the moon’s influence, even if only on weather conditions or other phenomena on our Earth. This outstanding researcher was Schleiden, the discoverer of the significance of the plant cell. He, who had achieved such epoch-making work in this field, once spoke out very forcefully against another German natural scientist who had just attained a certain degree of prominence in the realm of exploring the innermost or frontier areas of research—against Gustav Theodor Fechner. It has been about half a century since that famous “Moon Controversy” was fought out between the eminent discoverer of the plant cell and Gustav Theodor Fechner, who, in his *Zend-Avesta*, attempted, for example, to develop the view that plant life is animated; who, in his *Introduction to Aesthetics* and his *Psychophysics*, made many contributions to the intimate understanding of the natural sciences. Perhaps one cannot speak of this famous “Moon Controversy” without also characterizing Gustav Theodor Fechner more precisely in a few words.
[ 5 ] Gustav Theodor Fechner war ein Forscher, der auf der einen Seite mit ungeheurer Emsigkeit und mit einer wirklich großen Umsicht und Genauigkeit versuchte, überall die äußeren Tatsachen der Forschung zusammenzustellen; dann aber wandte er eine Methode an, die man nennen könnte die Methode der Analogien, um zu zeigen, wie alle Erscheinungen nicht nur im menschlichen Leben, sondern im pflanzlichen Leben zum Beispiel beseelt seien. Die Methode der Analogie wandte er an, indem er ausging von den Erscheinungen des menschlichen Lebens, indem er zeigte, wie dieses menschliche Leben verläuft, und dann ähnliche Tatsachen und Erscheinungen nahm, die sich der Anschauung, sagen wir als Leben der Erde, als Leben eines ganzen Sonnensystems, als Leben der Pflanzenwelt darbieten. Und indem er dann solche Erscheinungen mit dem menschlichen Leben verglich, bot sich ihm Analogie über Analogie, und er versuchte daraus eine Anschauung zu gewinnen, die er etwa so formulierte: Wenn wir das menschliche Leben verfolgen mit seiner Beseelung, so zeigt sich uns diese Erscheinung; wenn wir die anderen Erscheinungen verfolgen, können wir gewisse Ähnlichkeiten mit dem Menschenleben feststellen. Warum also sollen wir die anderen Erscheinungen nicht auch als «beseelt» anerkennen?
[ 5 ] Gustav Theodor Fechner was a researcher who, on the one hand, sought with tremendous diligence and with truly great prudence and precision to compile all the external facts of research; but then he applied a method that could be called the method of analogies to show how all phenomena—not only in human life but also in plant life, for example—are animated. He applied the method of analogy by taking the phenomena of human life as his starting point, demonstrating how human life unfolds, and then drawing on similar facts and phenomena that present themselves to our perception—such as the life of the Earth, the life of an entire solar system, or the life of the plant world. And as he then compared such phenomena to human life, one analogy after another presented itself to him, and he sought to gain from this a perspective that he formulated something like this: When we observe human life with its animacy, this phenomenon reveals itself to us; when we observe the other phenomena, we can discern certain similarities with human life. Why, then, should we not also recognize the other phenomena as “animated”?
[ 6 ] Wer auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht und gewohnt ist, alles, was sich auf das Geistesleben bezieht, in einem strengen Sinne wissenschaftlich so zu betrachten, wie der Naturforscher gewohnt ist, wissenschaftlich die äußere Erscheinungswelt zu betrachten, dem kommt manches, was Gustav Theodor Fechner in recht geistreicher Weise ausgeführt hat, wie eine bloße geistreiche Spielerei vor; und obwohl eine solche geistreiche Spielerei durchaus anregend sein kann, den Geist flüssig machen kann, so ist es doch notwendig, daß man mit der bloßen Analogiewirtschaft außerordentlich vorsichtig ist. Man kann sagen: Wenn jemand als ein anregender Geist wie Gustav Theodor Fechner so etwas tut, so ist es sehr interessant; wenn aber heute wiederum Leute, die wirklich zu dem Urteil berechtigen, daß sie die Welträtsel mit möglichst wenig Wissen und viel Behagen lösen möchten, sich auf Fechner berufen, und manches von ihm zu ihrer eigenen Vorstellungsart machen, so muß doch betont werden, daß der Nachahmer, der Nachbeter, durchaus nicht immer dieselbe Empfindung und Befriedigung in uns hervorrufen muß wie derjenige, der als erster auf diesem Gebiete eine gewisse Anregung gibt, die wir als geistreich anerkennen, aber durchaus nicht als etwas anderes gelten lassen können.
[ 6 ] To those who stand on the ground of spiritual science and are accustomed to viewing everything related to spiritual life in a strictly scientific sense—just as the natural scientist is accustomed to viewing the external world of phenomena scientifically—much of what Gustav Theodor Fechner has expounded in a quite witty manner appears to be nothing more than a clever intellectual game; and although such a witty play on words can certainly be stimulating and help to free the mind, it is nevertheless necessary to be extremely cautious when relying solely on analogies. One might say: When someone with a stimulating mind like Gustav Theodor Fechner does such a thing, it is very interesting; but when, on the other hand, people today—who truly give reason to believe that they wish to solve the world’s mysteries with as little knowledge as possible and a great deal of ease—invoke Fechner and adopt some of his ideas as their own, it must be emphasized that the imitator, the parrot, by no means always evokes the same feeling and satisfaction in us as the one who, as the first in this field, provides a certain stimulus that we recognize as ingenious, but which we certainly cannot accept as anything else.
[ 7 ] Schleiden braucht man ja nicht anders zu charakterisieren, als daß man sagt: Er ist der bedeutsame Entdekker der Pflanzenzelle. Damit ist es von vornherein begreiflich, daß ein solcher Geist, der alle seine Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten auf das Reale richten muß, auf das, was man eben mit den äußeren Werkzeugen wahrnehmen kann, auch die Neigung hat, auf diesem äußerlich Realen stehen zu bleiben, und nur wenig Sympathie empfinden kann für Analogien oder für alles, was da ausgesprochen wurde, um dasjenige, was — wie Schleiden sagte — zusammengesetzt ist aus einzelnen Pflanzen, und was ihm als dem ersten Entdecker wie ein Wunder vorkommen mußte, um das auf eine durch Analogien gewonnene Weise zu beseelen. So wurde für Schleiden alles ein ziemlicher Greuel, was, von einer solchen geistreichen Form ausgehend, über sozusagen im Kleineren spielende Zusammenhänge in der Natur sprach. Und gerade mit Rücksicht auf Gustav Theodor Fechners Analogien-Denkweise hat Schleiden dann die Schale seines Zornes ergossen und hat dabei auch die Mondfrage berührt. Er sagt mit Rücksicht nicht nur auf Fechner, sondern auf alle, welche gewohnt waren in alter Weise, wie es durch die Jahrhunderte hindurch geschehen war, dem Mond allerlei Einflüsse auf Witterung und andere Verhältnisse zuzuschreiben: Dem Mond geht es so, wie der Katze im Haushalt. Wenn im Haushalt etwas geschehen ist, was man nicht recht erklären kann, dann sagt man: die Katze hat es getan! Ebenso ist es, wenn man in der Natur irgend etwas findet, Witterungsverhältnisse oder dergleichen, was man nicht zurückführen kann auf die Tatsachen des Sonnenumlaufes und so weiter, daß man dann sagt: Nun, der Mond ist es, der sich da einmischt, und der das, was aus anderen Ursachen heraus nicht zu erklären ist, nun seinerseits bewirkt! — So wurde für Schleiden der Mond die Katze der Naturforschung, weil diese Naturforschung, wo sie noch keinen Aufschluß geben kann, sage: Der Mond hat es getan. Und diese Denkweise warf er denen vor, die sozusagen «Mondgläubige» in angedeuteter Art waren.
[ 7 ] There is really no need to characterize Schleiden in any other way than to say: He is the significant discoverer of the plant cell. It is therefore understandable from the outset that such a mind—which must direct all its powers of perception and cognition toward the real, toward that which can be perceived with external instruments—also has a tendency to remain confined to this externally real, and can feel little sympathy for analogies or for anything that was said to animate—in a way derived from analogies—that which, as Schleiden put it, is composed of individual plants, and which, to him as its first discoverer, must have seemed like a miracle. Thus, for Schleiden, everything that—proceeding from such a fanciful form—spoke of connections in nature that played out, so to speak, on a smaller scale became a veritable abomination. And it was precisely with regard to Gustav Theodor Fechner’s mode of thinking based on analogies that Schleiden then poured out the full measure of his wrath, touching upon the question of the moon in the process. He says—with reference not only to Fechner but to all those who were accustomed, in the old way as had been the case throughout the centuries, to attributing all sorts of influences on the weather and other conditions to the moon: The moon is like the cat in the household. When something happens in the household that one cannot quite explain, one says: “The cat did it!” It is the same when one finds something in nature—weather conditions or the like—that cannot be traced back to the facts of the sun’s orbit and so on; then one says: “Well, it is the moon that is interfering here, and that which cannot be explained by other causes is now being brought about by the moon itself!” — Thus, for Schleiden, the moon became the “cat” of natural science, because whenever natural science cannot yet provide an explanation, it says: “The moon did it.” And he reproached those who were, so to speak, “moon believers” in this implied sense.
[ 8 ] Gustav Theodor Fechner fühlte sich natürlich getroffen; denn die Spitze war ja hauptsächlich gegen ihn gerichtet. Und er unternahm jetzt eine Arbeit, die gleichgültig, ob man sie zustimmend oder ablehnend betrachten will — außerordentlich anregend ist; denn trotzdem Einzelheiten heute vielfach überholt sind, ist diese 1856 von Fechner verfaßte Abhandlung «Schleiden und der Mond» eine außerordentlich interessante. Auf die Erscheinungen von Ebbe und Flut brauchte ja Fechner nicht besonders einzugehen, weil ja auch Schleiden sie gelten ließ. Dagegen war schon für alle Witterungsverhältnisse für Schleiden eben der Mond die Katze der Naturforschung. — Fechner machte sich nun daran, ganz genau dasselbe Tatsachenmaterial zu prüfen, das Schleiden angeführt hatte gegen die Katze, gegen die Mondforschung, und er hat aus demselben Material einen sehr merkwürdigen Schluß gezogen. Wer an der Hand dieses Buches die Ausführungen prüft, der wird schon sehen, daß Gustav Theodor Fechner auf diesem Gebiete ein außerordentlich vorsichtiger Mensch ist, der durchaus — eben nur auf einem intimeren Gebiete — naturwissenschaftlich zu Werke ging. Da bekommt Gustav Theodor Fechner denn zunächst heraus — aus einer Unzahl von Tatsachen, die wir einzeln nicht anzuführen brauchen, jeder kann sie nachlesen —, daß Regenmenge und Regenhäufigkeit für viele Beobachtungen sich so zeigten, daß sie mit zunehmendem Monde größer waren als mit abnehmendem Monde; größer, wenn der Mond in Erdnähe war, und kleiner, wenn der Mond in Erdferne war; und zwar so, daß man sogar die Menge der Niederschläge, die Menge des Regens bei zunehmendem Monde zu der Regenmenge bei abnehmendem Monde mit der Verhältniszahl von 107:100 bezeichnen kann. Und Fechner ging sehr vorsichtug zu Werke. — Ich bemerke, daß es sich nicht um Beobachtungen von zwei oder drei Jahren handelte; sondern gewisse Beobachtungsreihen waren auf Jahrzehnte ausgedehnt und bezogen sich nicht auf einen, sondern auf viele europäische Orte. — Aber Fechner sagte, um nun auch auf eine andere Weise den Zufall auszuschließen: Nehmen wir an, das sei ein bloßer Zufall, und es bewirkten andere Verhältnisse, die auf die Witterung einwirken, daß dieses Verhältnis von 107 :100 herauskommt. Da betrachtete Fechner nun auch zum Überfluß noch die Witterungsverhältnisse an allen geraden Tagen während des Mondenlaufes und an allen ungeraden Tagen. Denn er meinte: würde nicht zunehmender und abnehmender Mond die Ursache sein, so müßte, statt daß man die Tage des zunehmenden und des abnehmenden Mondes betrachtete, während der geraden und ungeraden Tage dasselbe Verhältnis herauskommen. Das ist aber nicht der Fall. Da kam eine ganz andere Zahl heraus; durchaus nicht ein konstantes, sondern ein veränderliches Verhältnis, von welchem man sagen kann, es ist dem Zufall unterworfen. Für Fechner war aber auch klar, daß er damit kein welterschütterndes Resultat gewonnen hatte; denn er mußte sich sagen: einen großen, gewaltigen Einfluß hat der Mond auf die Witterung nicht; aber die Tatsachen sprechen so, als ob der Mond doch einen Einfluß auf die Witterung habe. Und wie Sie schon gesehen haben, ging Fechner ganz wissenschaftlich vor, indem er nur die an den einzelnen Beobachtungsorten von strengen Forschern gewonnenen Resultate in Rechnung zog. Dann versuchte er ein Ähnliches in bezug auf Fieber und sonstige Lebenserscheinungen, und bekam auch da — nicht ein negatives, wenn auch nicht bedeutungsvolles, so doch ein Resultat, von dem man sagen kann: es läßt sich durchaus nicht ableugnen, daß solche Erscheinungen, wie das, sagen wir, der Volksglaube annimmt, anders verlaufen bei zunehmendem und anders bei abnehmendem Mond.
[ 8 ] Gustav Theodor Fechner naturally felt targeted; after all, the barb was directed primarily at him. And he now undertook a work that—regardless of whether one views it favorably or critically—is extraordinarily stimulating; for although many of the details are now largely outdated, this treatise written by Fechner in 1856, “Schleiden and the Moon,” is exceptionally interesting. Fechner did not need to go into the phenomena of ebb and flow in any great detail, since Schleiden himself accepted them. On the other hand, for Schleiden, the moon was, as it were, the “cat” of natural science when it came to all weather conditions. — Fechner then set out to examine in great detail the very same factual evidence that Schleiden had cited against the “cat”—that is, against lunar research—and he drew a very remarkable conclusion from that same evidence. Anyone who examines the arguments presented in this book will see that Gustav Theodor Fechner was an extraordinarily cautious man in this field, who proceeded entirely—albeit in a more specialized area—in a scientific manner. From a vast number of facts—which we need not list individually, as anyone can look them up—Gustav Theodor Fechner first established that, according to many observations, both the amount and frequency of rainfall were greater during the waxing moon than during the waning moon; greater when the moon was near the Earth, and smaller when the moon was far from the Earth; indeed, to such an extent that one can even describe the amount of precipitation—the amount of rain—during the waxing moon relative to the amount of rain during the waning moon as a ratio of 107:100. And Fechner proceeded with great caution. — I note that these were not observations spanning just two or three years; rather, certain series of observations extended over decades and covered not just one, but many European locations. — But Fechner said, in order to rule out chance in yet another way: Let us assume that this is mere coincidence, and that other factors affecting the weather are responsible for producing this ratio of 107:100. To be on the safe side, Fechner then also examined the weather conditions on all even-numbered days during the lunar cycle and on all odd-numbered days. For he reasoned: if the waxing and waning moon were not the cause, then—instead of observing the days of the waxing and waning moon—the same ratio would have to result from the even and odd days. But that is not the case. A completely different number emerged; by no means a constant ratio, but a variable one, which can be said to be subject to chance. It was also clear to Fechner, however, that he had not arrived at an earth-shattering result; for he had to admit to himself: the moon does not have a great, powerful influence on the weather; yet the facts suggest that the moon does, after all, have an influence on the weather. And as you have already seen, Fechner proceeded in a thoroughly scientific manner by taking into account only the results obtained at the individual observation sites by rigorous researchers. He then attempted a similar approach with regard to fever and other physiological phenomena, and there, too, he obtained—not a negative result, though perhaps not a significant one—but a result about which one can say: it cannot be denied at all that such phenomena, as, let us say, popular belief assumes, proceed differently during the waxing moon and differently during the waning moon.
[ 9 ] So sehen wir, wie die alte Anschauung über den Mond in einem geistvollen Menschen, in Fechner, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch einen letzten Kampf kämpfte.
[ 9 ] Thus we see how the old view of the Moon fought its final battle in the mind of a brilliant man, Fechner, around the middle of the 19th century.
[ 10 ] Das ist so recht ein Beispiel dafür, daß es total unrichtig ist, wenn heute immer mehr und mehr die Behauptung auftaucht: die Wissenschaft hätte uns gezwungen oder zwänge uns, nicht mehr von irgendwelchen Annahmen über geistige Untergründe der Dinge zu reden, weil heute, um gleich etwas aus den letzten wissenschaftlichen Tagen und Jahren zu erwähnen, die Wissenschaft — so sagt man ja wohl — vor dem Tore derjenigen Kunst stünde, durch die es ihr gelingen werde, einfache Stoffe in irgendeiner Weise zu lebendiger Substanz zu vereinigen. Zwar haben wir — so wird man immer sagen — noch weit bis dahin, wo man zum Beispiel in der einfachsten Form «Eiweiß» werde herstellen können aus den Bestandteilen des Eiweiß: aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und so weiter; aber wir stehen heute sozusagen nach der ganzen Tendenz der Wissenschaft davor, unbedingt zugeben zu müssen, daß das einmal werde geschehen können. Und wenn das einmal wird geschehen können — so sagen diejenigen, welche solche Behauptungen aufstellen —, dann darf überhaupt niemand mehr eine andere Anschauung haben als diejenige, welche in monistischer Weise einzelne materielle Glieder zusammenformen läßt zu dem, was man dann als geistige Wesenheit erkennt. — Wenn man so spricht, dann beruft man sich wohl auf die neueren Ziele und Errungenschaften der Wissenschaft und meint: man könnte gar nicht mehr davon sprechen, daß wir eine Berechtigung haben, hinter dem, was die Sinne wahrnehmen, was die äußere Wissenschaft zu sagen vermag, etwas Geistiges zu erkennen, denn soweit seien wir doch glücklich über die Zeiten hinaus — wird man sagen —, wo man irgendwelche unbestimmte Lebensweisheiten hinter dem, was man sinnlich wahrnehmen kann, behaupten konnte.
[ 10 ] This is a prime example of how completely incorrect it is when the claim is increasingly being made today that: science has forced us—or is forcing us—to stop talking about any assumptions regarding the spiritual foundations of things, because today—to mention just a few recent scientific developments—science, as they say, stands at the threshold of that art through which it will succeed in combining simple substances in some way to form living matter. Admittedly—as people will always say—we still have a long way to go before, for example, we can produce “protein” in its simplest form from its constituent elements: carbon, hydrogen, nitrogen, and so on; but given the overall trend in science today, we are, so to speak, on the verge of having to admit that this will one day be possible. And once that becomes possible—so say those who make such claims—then no one at all may hold any view other than the one that, in a monistic manner, fuses individual material elements into what is then recognized as a spiritual entity. — When one speaks in this way, one is presumably referring to the newer goals and achievements of science and means to say: one could no longer speak of having any justification for recognizing something spiritual beyond what the senses perceive and what external science is able to say, for—so they will say—we have fortunately moved far beyond the times when one could assert any vague wisdom about life beyond what can be perceived by the senses.
[ 11 ] Da darf man doch die Frage aufwerfen: Ist es denn wirklich die Wissenschaft, die dazu zwingt sozusagen, die Geistesforschung abzulehnen? Ist es zum Beispiel ein wissenschaftliches Resultat — und ich möchte mich dabei durchaus auf den Boden derjenigen stellen, die des Glaubens sind, daß es in einer gar nicht so fernen Zukunft gelingen kann, aus einfachen Substanzen lebendiges Eiweiß herzustellen —, ist denn irgend etwas zwingend dafür, zu sagen, daß das Leben materiell zusammengesetzt ist, und daß wir keinen Geist suchen dürfen?
[ 11 ] One might well ask: Is it really science that compels us, so to speak, to reject spiritual research? For example, if there is a scientific finding—and here I would like to stand firmly on the side of those who believe that, in the not-too-distant future, it may be possible to produce living protein from simple substances—is there anything compelling that would lead us to say that life is composed of matter, and that we must not seek the spirit?
[ 12 ] Wie wenig irgend etwas dazu zwingt, kann eigentlich eine gewöhnliche historische Betrachtung lehren. Es gab eine Zeit, in der man nicht nur glaubte, daß man aus Kohlenstoff, Wasserstoff und so weiter lebendiges Eiweiß darstellen kann, sondern in der man sogar geglaubt hat — gleichgültig, welchen Wert dieser Glaube hatte und Sie können die dichterische Darstellung darüber im zweiten Teil des «Faust» lesen —, daß man einen ganzen Menschen aus den Bestandteilen in der Retorte werde herstellen können. Ja, es gab Zeiten, man mag sie für noch so töricht halten, in denen man diesen Glauben hatte, daß man den Menschen selber, den «Homunkulus», aus einzelnen Bestandteilen zusammensetzen kann; daß man nicht nur glaubte, Eiweißklümpchen herstellen zu können. Dennoch hat damals kein Mensch daran gezweifelt, daß hinter dem Sinnlichen der Geist ist. Daraus kann man historisch beweisen, daß keine «Wissenschaft» uns zwingt, den Geist abzulehnen; sondern wo der Geist abgelehnt wird, da hängt das von etwas ganz anderem ab, nämlich von der Möglichkeit des Menschen, den Geist zu spüren, oder nicht zu spüren! Wissenschaft, wie sie heute ist oder immer sein wird, kann uns niemals zwingen, den Geist abzulehnen. Man kann vollkommen auf wissenschaftlichem Standpunkt stehen: Ob man den Geist anerkennt oder ablehnt, das hängt nicht von der Wissenschaft ab, sondern davon, ob man imstande ist, den Geist zu spüren oder nicht zu spüren, zu erkennen oder nicht zu erkennen. Daher können wir, obgleich wir vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft weder Schleiden noch Fechner beizustimmen brauchen, begreifen, daß der auf die sinnliche Welt blickende Schleiden alles ablehnte, was als Geist oder Seele hinter den Erscheinungen gesucht wird. Aber er lehnte es nicht ab aus wissenschaftlichen Gründen, sondern weil seine Anschauungsweise keine Sympathie fand zu dem, was man als Geist hinter den Erscheinungen suchen sollte; er hatte sich zu sehr nur an das Augenfällige gewöhnt. Fechner war eben eine ganz andere Individualität. Er sah auf das Geistige; und wenn er auch Fehler über Fehler machte, war er eben doch ein anders gearteter Mensch, ein Mensch, der sich auf das Geistige richtete. Daher ist auch seine Neigung zu erklären, nicht alles abzulehnen, was intimere Einflüsse der Weltenkörper aufeinander bedeuten. Fechner sagte sich einfach: Wenn ich zu diesem Mond hinaufblicke, ist er für mich nicht bloß das Schlackengebilde, als das er dem Teleskop erscheint; sondern er ist beseelt, wie alle anderen Erscheinungen auch beseelt sind. Daher dürfen wir auch annehmen, daß es Wirkungen von der Mondenseele zu der Erdenseele gibt, die sich äußern in den Untergründen des gewöhnlichen Lebens oder in den Witterungserscheinungen.
[ 12 ] A simple historical analysis can actually show just how little there is to compel such a belief. There was a time when people not only believed that living protein could be produced from carbon, hydrogen, and so on, but when they even believed—regardless of the merit of this belief, and you can read the poetic depiction of it in the second part of *Faust*—that an entire human being could be created from these components in a retort. Yes, there were times—however foolish one may consider them—when people held the belief that one could assemble a human being—the “homunculus”—from individual components; that they did not merely believe they could produce clumps of protein. Nevertheless, no one at that time doubted that behind the sensory realm lies the spirit. From this, one can historically prove that no “science” compels us to reject the spirit; rather, where the spirit is rejected, this depends on something entirely different, namely, on a person’s ability to sense the spirit—or not to sense it! Science, as it is today or as it will always be, can never compel us to reject the spirit. One can stand firmly on a scientific standpoint: whether one acknowledges or rejects the spirit does not depend on science, but on whether one is capable of sensing the spirit or not, of recognizing it or not. Therefore, although from the standpoint of spiritual science we need not agree with either Schleiden or Fechner, we can understand that Schleiden, looking at the sensory world, rejected everything that is sought as spirit or soul behind phenomena. But he did not reject it for scientific reasons; rather, because his way of viewing things found no sympathy for what one should seek as spirit behind phenomena; he had become too accustomed to the merely visible. Fechner, however, was a completely different individual. He looked toward the spiritual; and even though he made mistake after mistake, he was nonetheless a person of a different nature—a person who oriented himself toward the spiritual. This also explains his inclination not to reject everything that the more intimate influences of the celestial bodies on one another signify. Fechner simply told himself: “When I look up at this moon, it is not merely the slag-like formation that it appears to be through the telescope; rather, it is animated, just as all other phenomena are animated. Therefore, we may also assume that there are effects from the soul of the moon to the soul of the earth, which manifest themselves in the depths of ordinary life or in weather phenomena.”
[ 13 ] Nun ist es merkwürdig — und es ist öfters hier darauf hingewiesen worden —, daß gerade eine gewisse geistesforscherische Art auf das Praktische gerichtet ist und immer darauf hinweist, daß die besten Beweise für das, was die Geistesforschung zu sagen hat, durch die Lebenspraxis gewonnen werden können. Das ist eigentümlicherweise auch die Art, wie Fechner seine Anschauung verteidigte, indem er dafür Anwendung und Beleg suchte in der Lebenspraxis. Er sagte ungefähr so: Vielleicht könnten über das, was zwischen Schleiden und mir über den Mond auszufechten ist, besser unsere Frauen entscheiden. Da schlage ich einmal folgendes vor: Man braucht zum Waschen Wasser, und man kann das Wasser sammeln nach den Witterungsverhältnissen. Ich schlage nun vor, weil Schleiden und ich unter einem Dache wohnen, und uns gestattet ist, das Wasser zu bestimmten Zeiten zu sammeln, daß meine Frau das Wasser sammelt während der Zeit des zunehmenden Mondes, daß dagegen Schleidens Frau, die ja ganz gewiß, um die Theorie ihres Mannes nicht gar zu sehr zuschanden zu machen, darauf eingehen wird, weil sie auf all das nichts gibt, ihre Kannen aufstellt bei abnehmenden Mond. Da wird sich zwar herausstellen, daß meine Frau auf je etwa vierzehn Kannen eine Kanne mehr haben wird als Frau Professor Schleiden, aber zur Überwindung einer vorgefaßten Meinung kann diese ja wohl ein solches Opfer bringen.
[ 13 ] Now it is curious—and this has often been pointed out here—that a certain school of spiritual research is focused on practical matters and consistently emphasizes that the best evidence for what spiritual research has to say can be gained through practical experience in daily life. Curiously enough, this is also the way Fechner defended his view, by seeking application and evidence for it in everyday life. He said something like this: Perhaps our wives would be better suited to decide what Schleiden and I are disputing regarding the moon. So I propose the following: Water is needed for washing, and one can collect water depending on the weather conditions. Now, since Schleiden and I live under the same roof and are permitted to collect water at certain times, I propose that my wife collect the water during the waxing moon, while Schleiden’s wife—who, to avoid completely discrediting her husband’s theory, will go along with this—since she doesn’t care about any of it—and set out her jugs during the waning moon. It will turn out, of course, that my wife will have one more jug than Professor Schleiden’s wife for every fourteen jugs or so, but to overcome a preconceived notion, she can surely make such a sacrifice.
[ 14 ] Da hätten wir denn sozusagen charakterisiert aus der Denkweise von Menschen heraus, wie im verflossenen Jahrhundert, also noch vor ganz kurzer Zeit, über den Mond und seinen Einfluß auf die Erde gedacht worden ist. Heute darf man wohl sagen, daß die Menschen, die nun wiederum ein Stück weitergekommen sind in der, wie sie sagen, wissenschaftlichen Weltanschauung, in bezug auf die Schleidensche Vorstellung Fortschritte gemacht haben in der Art, daß sie heute jeden für einen ganz verträumten, abergläubischen Menschen ansehen werden, der auch irgendwie nur festhält an einem solchen Glauben, daß der Mond etwas zu tun haben könnte mit Witterungsverhältnissen und dergleichen. Heute werden Sie auch bei ganz gescheiten Menschen keine andere Anschauung finden als diejenige, daß der Mond nur einen Einfluß habe auf Ebbe und Flut; aber alles übrige gilt als ein überwundener Standpunkt.
[ 14 ] We have thus, so to speak, characterized—from the perspective of human thought—how people in the past century, that is, even quite recently, thought about the Moon and its influence on Earth. Today, one can safely say that people, who have now advanced a bit further in what they call the scientific worldview, have made progress with regard to Schleiden’s theory in such a way that today they would regard anyone who in any way clings to the belief that the Moon might have anything to do with weather conditions and the like as a completely dreamy, superstitious person. Today, even among very intelligent people, you will find no other view than that the moon has an influence only on the tides; but everything else is regarded as an outdated point of view.
[ 15 ] Aber wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, braucht man sich ja nicht auf alles einzuschwören, was einmal Volksglaube war; denn sonst würde man in die Verlegenheit derjenigen kommen, die den Aberglauben mit der Geisteswissenschaft verwechseln. Vielfach tritt uns ja heute auch als Geisteswissenschaft ein gut Stück Aberglaube entgegen, der mißverstandener Volksglaube ist. Auf jenen Mondaberglauben kann man ja billig hinweisen, den man heute an allen Straßenecken sehen kann; denn es ist ja wohl bekannt, daß an unsern Barbierläden überall ein Mond angebracht ist. Warum? Weil es ein allgemeiner Glaube einmal war, daß die Schärfe des Rasiermessers etwas mit dem zunehmenden Monde zu tun habe. Ja, es gab Zeiten, in denen kein Mensch sich entschlossen hätte, ein Schaf zu scheren bei abnehmendem Mond; denn er hätte geglaubt, daß dann die Wolle nicht wieder wächst. Nur wenn er gewollt hat, daß eine Sache nicht weiter wächst, hat er das Schneiden bei abnehmendem Monde besorgt. Über solchen Aberglauben ist ja leicht hinauszukommen. Die Herren, die sich rasieren lassen, werden wissen, daß der Bart auch bei abnehmendem Monde wieder wächst. Es ist also ebenso leicht auf diesem Gebiete zu spotten, wie es auf der andern Seite nicht so leicht ist, ganz klar nach allen Richtungen zu sehen. Denn jetzt kommen wir auf ein sonderbares Gebiet, wo wir erst geisteswissenschaftlichen Boden betreten: auf das Gebiet von Ebbe und Flut.
[ 15 ] But if one stands on the ground of spiritual science, one need not subscribe to everything that was once popular belief; for otherwise one would find oneself in the same predicament as those who confuse superstition with spiritual science. In many cases today, we encounter a fair amount of superstition masquerading as spiritual science—superstition that is actually misunderstood folk belief. One can easily point to that superstition about the moon that can be seen on every street corner today; for it is well known that a moon is displayed at all our barbershops. Why? Because it was once a common belief that the sharpness of the razor had something to do with the waxing moon. Yes, there were times when no one would have dared to shear a sheep during the waning moon; for they would have believed that the wool would not grow back. Only when they wanted something to stop growing would they have carried out the shearing during the waning moon. It is, of course, easy to move beyond such superstitions. Gentlemen who have their beards shaved will know that the beard grows back even during the waning moon. It is therefore just as easy to mock this belief as it is, on the other hand, not so easy to see clearly in all directions. For now we are entering a peculiar realm where we are only just setting foot on the ground of spiritual science: the realm of ebb and flow.
[ 16 ] Das gilt ja heute als unbestreitbares Besitztum der Mondwirkungen. Man sagt: Das ist ganz klar, daß die Flut zusammenhängt mit der Anziehungskraft des Mondes. In der Meridianstellung des Mondes sucht man die Anziehungskraft der Flut, und in dem Heraustreten des Mondes aus dem Meridian sucht man das Abfluten der Flut zur Ebbe. Nun braucht man ja nur darauf hinzuweisen, daß Ebbe und Flut an zahlreichen Orten, wo sie auftreten, zweimal auftreten, und daß der Mond doch nur einmal im Meridian steht. Aber man kann noch auf andere Tatsachen hinweisen. Zahlreiche Reisebeschreibungen werden Ihnen zeigen, daß an den verschiedensten Orten der Erde keineswegs überall mit der Meridianstellung des Mondes die Flut zusammenfällt, daß sie sogar an manchen Orten zwei bis zweieinhalb Stunden später kommt. Allerdings hat man in diesem Falle immer wissenschaftliche Ausflüchte; da sagt man denn: Dann hat sich die Flut eben verspätet! — Es gibt gewisse Brunnen, die auch Ebbe und Flut zeigen, bei denen diese Erscheinung gar nicht wegzuleugnen ist; da kommt es sogar vor, daß dann, wenn im Meere Flut ist, im Brunnen Ebbe auftritt, und bei Ebbe im Meer Flut. Da sagt man dann auch: das ist verspätete Ebbe oder verspätete Flut; dann hat sie sich eben so stark verspätet, daß sie zur andern Phase eintritt. Freilich, wenn man in dieser Weise erklären will, kann man so ziemlich alles erklären.
[ 16 ] This is now considered an indisputable fact regarding the Moon’s effects. It is said: It is quite clear that the tide is related to the Moon’s gravitational pull. The Moon’s passage through the meridian is seen as the cause of the rising tide, and the Moon’s departure from the meridian is seen as the cause of the tide receding to low tide. Now, one need only point out that high and low tides occur twice in many places where they are observed, whereas the Moon passes through the meridian only once. But one can also point to other facts. Numerous travel accounts will show you that in various places around the world, high tide by no means always coincides with the Moon’s meridian position; in fact, in some places it arrives two to two and a half hours later. Of course, in such cases there are always scientific excuses; people then say: “Well, the high tide was simply delayed!” — There are certain wells that also exhibit ebb and flow, where this phenomenon cannot be denied at all; it even happens that when the sea is at high tide, the well is at low tide, and when the sea is at low tide, the well is at high tide. People then say: “That’s a delayed ebb or a delayed flood”; it has simply been delayed so much that it enters the opposite phase. Of course, if one wants to explain things this way, one can explain just about anything.
[ 17 ] Aber mit Recht ist auch gefragt worden, woher der Mond die Kraft nimmt, um eine solche Anziehung auf das Meer auszuüben. Denn da der Mond viel kleiner ist als die Erde, so hat er auch nur ungefähr ein Siebzigstel der Anziehungskraft der Erde; und um solche Massen in Bewegung zu setzen, wie die Meeresmassen, dazu gehören Millionen von Pferdekräften. Julius Robert Mayer hat sehr interessante Berechnungen darüber aufgestellt, woher der Mond diese Kraft nimmt. Und an diese Frage schließen sich zahlreiche andere an. Daher kann man sagen: Was heute wissenschaftlich als unanfechtbar gilt, das gerade ist etwas, trotzdem überall nichts dagegen eingewendet wird, was am alleranfechtbarsten ist. Aber dabei bleibt eines sehr bedeutsam. Wenn man durchaus nachweisen kann, daß Mondenstellung und Mondeinfluß und Verlauf von Ebbe und Flut so sind, daß man von einer unmittelbaren Einwirkung des einen auf das andere schwer sprechen kann, wenn man alle Erscheinungen in Rechnung zieht, so bleibt doch das eine immer noch bestehen: der Verlauf von Ebbe und Flut ist so, daß sich eine bestimmte Flut jeden Tag — in bezug auf den höchsten Stand des Mondes — um etwa fünfzig Minuten verspätet. So daß das Phänomen von Ebbe und Flut in seiner regelmäßigen Aufeinanderfolge schon dem Umlauf des Mondes entspricht. Das ist das Bedeutsamste dabei. — So stehen wir hier vor der merkwürdigen Tatsache, daß wir sagen müssen: Wenn der Mond in seinem Mittagskreise steht, können wir nicht sprechen von seinem Einfluß auf Flut und Ebbe; aber wir können davon sprechen, daß der Verlauf des Mondkreislaufes und der Verlauf von Ebbe und Flut zusammenstimmen, in einer gewissen Korrespondenz stehen.
[ 17 ] But the question has also been rightly asked: Where does the Moon get the force to exert such a gravitational pull on the ocean? For since the Moon is much smaller than the Earth, it has only about one-seventieth of the Earth’s gravitational pull; and to set such masses in motion as the ocean masses requires millions of horsepower. Julius Robert Mayer has presented some very interesting calculations on where the Moon derives this power. And this question is followed by numerous others. Therefore, one can say: What is considered scientifically indisputable today is precisely what—even though no one objects to it anywhere—is the most disputable of all. But one thing remains very significant. Even if one can conclusively demonstrate that the Moon’s position, its influence, and the course of the tides are such that it is difficult to speak of a direct effect of one on the other—when all phenomena are taken into account—one fact still remains: the course of the tides is such that a specific high tide is delayed by about fifty minutes each day—relative to the moon’s highest point. Thus, the phenomenon of the tides, in its regular succession, already corresponds to the moon’s orbit. That is the most significant aspect of it all. — Thus we are faced with the remarkable fact that we must say: When the Moon is at its meridian, we cannot speak of its influence on the tides; but we can say that the course of the Moon’s orbit and the course of the tides coincide, exhibiting a certain correspondence.
[ 18 ] Nun möchte ich, um in den Geist der geisteswissenschaftlichen Denkweise ein wenig hineinzuführen, Sie hinweisen auf eine ähnliche Sache innerhalb unserer Erdenerscheinungen, die Goethe viel Kopfzerbrechen gemacht hat. Die Menschen kennen ja das, was diesen großen Geist der neueren Zeit bewegt hat, so wenig wie möglich. Wer, wie ich, mit den naturwissenschaftlichen Arbeiten Goethes Jahre um Jahre verbracht hat, und Goethes eigene Arbeiten im «Goethe- und Schiller-Archiv» in Weimar gesehen hat, dem wird da manches aufgefallen sein. Zum Beispiel gibt es bei den Goetheschen Arbeiten «vorbereitende Studien» zu dem, was Goethe dann auf wenigen Seiten als seine «Witterungslehre» gibt. Dazu sind vorbereitende Studien von Goethe gemacht worden mit ungeheurem Fleiß, mit ungeheurer Emsigkeit. Immer wieder und wieder hat Goethe seine Freunde engagiert, Studien zu machen, die er dann in Tabellen zusammenstellte. Und der Zweck dieser ausgedehnten Studien war der: nachzuweisen, daß an den verschiedenen Orten der Erde der Verlauf des Barometerstandes nicht Zufälligkeiten unterworfen sei, sondern in einer ganz regelmäßigen Weise geschieht, so daß also das Steigen und Sinken der Quecksilbersäule im Barometer an den verschiedensten Orten der Erde in einer ganz regelmäßigen Weise verläuft. Und Goethe hat auch in seinen Studien viele Belege dafür gebracht, daß an den verschiedenen Orten das Steigen und Sinken des Barometers nicht von Zufälligkeiten abhängt, sondern einer über den ganzen Erdkreis hingehenden GesetzmäRigkeit unterliegt. Goethe wollte damit nachweisen, daß es nicht richtig ist anzunehmen, daß der Druck der Luft von irgendwelchen äußeren Einflüssen abhängt. Er wußte ja, daß die Menschen dem Monde, der Sonne und anderen kosmischen Einflüssen Verdichtung und Verdünnung der Luft und damit eine Veränderung des Luftdruckes zuschreiben. Er aber wollte nachweisen: Wie auch die Konstellation der Gestirne sei, wie auch Sonne und Mond und so weiter auf den Luftkreis wirken, es ist doch eine konstante Regelmäßigkeit über den ganzen Erdball im Steigen und Fallen des Luftdruckes vorhanden. Damit suchte er den Beweis zu erbringen, daß in der Erde selber die Ursachen liegen für das Steigen und Sinken des Barometers. Denn er wollte damit zeigen, daß die Erde nicht jener tote Körper ist, für den sie gewöhnlich angesehen wird, und daß die Erde ebenso von unsichtbaren Gliedern durchdrungen wird, von denen alles Leben ausgeht, wie der Mensch außer seinem physischen Körper unsichtbare Glieder seiner Wesenheit hat, die ihn durchdringen. Und ebenso wie beim Menschen Einatmung und Ausatmung herrscht, wie er die Luft aufnimmt und wieder herausläßt, so hat auch die Erde als ein belebtes Wesen Einatmung und Ausatmung. Und Einatmung und Ausatmung der Erde, also Erscheinungen eines inneren Lebens, drücken sich äußerlich aus in dem steigenden und sinkenden Quecksilber im Barometer. Wie man also das regelmäßige Ein- und Ausatmen beim menschlichen Lebewesen erklären würde aus den inneren Lebensvorgängen heraus, so versuchte Goethe das Steigen und Sinken des Barometers zurückzuführen auf das Ein- und Ausatmen der Erde. Die heutige Wissenschaft weiß ja nichts über die Ursachen des steigenden und sinkenden Barometerstandes; deshalb braucht gar nicht aus der Geisteswissenschaft etwas über ihr Verhältnis zu der äußeren Wissenschaft gesagt zu werden; sondern nur darauf soll hingedeutet werden, daß wir in Goethe einen Menschen vor uns haben, der davon überzeugt war, daß die Erde ein beseeltes Wesen ist und in sich selber Erscheinungen zeigt, die sich vergleichen lassen den mit Atmungserscheinungen des menschlichen Wesens. Aber einmal sprach es Goethe auch zu Eckermann aus, daß er auch die Erscheinung von Ebbe und Flut in ähnlicher Weise ansah als einen Ausdruck der inneren Lebendigkeit, des Lebensprozesses der Erde selber.
[ 18 ] Now, to give you a brief introduction to the spirit of the humanities, I would like to draw your attention to a similar phenomenon within the phenomena of our Earth that caused Goethe a great deal of concern. People know as little as possible about what moved this great mind of modern times. Anyone who, like me, has spent years upon years studying Goethe’s scientific works and has seen Goethe’s own manuscripts in the “Goethe and Schiller Archive” in Weimar will have noticed a number of things. For example, Goethe’s works include “preparatory studies” for what he later presented in just a few pages as his “Theory of Weather.” Goethe conducted these preparatory studies with immense diligence and tremendous zeal. Time and again, Goethe enlisted his friends to carry out studies, which he then compiled into tables. And the purpose of these extensive studies was to demonstrate that, in various locations around the world, changes in barometric pressure are not subject to chance but occur in a completely regular manner—so that the rise and fall of the mercury column in the barometer in the most diverse locations on Earth follow a completely regular pattern. And in his studies, Goethe also provided ample evidence that, in various locations, the rise and fall of the barometer do not depend on chance, but are subject to a regularity that extends across the entire globe. Goethe thus sought to demonstrate that it is incorrect to assume that atmospheric pressure depends on any external influences. He knew, of course, that people attribute the compression and rarefaction of the air—and thus a change in atmospheric pressure—to the Moon, the Sun, and other cosmic influences. But he wanted to demonstrate that, regardless of the constellation of the stars, and regardless of how the sun, moon, and so on affect the atmosphere, there is nevertheless a constant regularity in the rise and fall of air pressure across the entire globe. In this way, he sought to prove that the causes for the rise and fall of the barometer lie within the Earth itself. For he wanted to show that the Earth is not that lifeless body for which it is usually regarded, and that the Earth is likewise permeated by invisible members from which all life emanates, just as human beings, in addition to their physical bodies, have invisible members of their being that permeate them. And just as inhalation and exhalation occur in human beings—as they take in air and release it again—so too does the Earth, as a living being, undergo inhalation and exhalation. And the Earth’s inhalation and exhalation—that is, manifestations of an inner life—are expressed externally in the rising and falling of the mercury in the barometer. Just as one would explain the regular inhalation and exhalation in a human being in terms of inner life processes, so Goethe attempted to attribute the rise and fall of the barometer to the Earth’s inhalation and exhalation. Modern science, after all, knows nothing about the causes of the rising and falling barometer readings; therefore there is no need to say anything from the perspective of spiritual science about its relationship to external science; rather, it should simply be pointed out that in Goethe we have before us a person who was convinced that the Earth is an animated being and exhibits within itself phenomena that can be compared to the respiratory phenomena of the human being. But on one occasion, Goethe also confided to Eckermann that he viewed the phenomenon of ebb and flow in a similar way—as an expression of the inner vitality, of the life process of the Earth itself.
[ 19 ] Mit dieser Anschauung steht Goethe allerdings durchaus nicht vereinzelt da unter den großen Geistern, die ihr geistiges Auge auf solche Dinge gerichtet haben. Die materialistisch denkenden Menschen werden ja das alles lächerlich finden. Aber unter denen, welche einen Sinn für das Leben haben, auch da, wo es sich nicht im engsten Kreise aufdrängt, sondern für das Leben im großen, unter denen hat es immer Menschen gegeben, die ähnliche Ansichten wie Goethe hatten, so zum Beispiel Leonardo da Vinci. In seinem ausgezeichneten Buch, in dem er seine umfassenden naturwissenschaftlichen Anschauungen zusammengestellt hat, die für die damalige Menschheit auf der Höhe der Zeit standen, da finden wir die Bemerkung, daß er wirklich — nicht nur vergleichsweise! — den festen Felsenbau unserer Erde wie ein Knochengerüst der Erde ansieht, und daß ihm die Ströme, Flüsse und Wasserläufe der Erde wirklich etwas sind, was zusammengestellt werden kann mit dem Blutsystem des Menschen. Und da finden Sie ebenfalls darauf hingewiesen, daß Ebbe und Flut zusammenhängen mit einem inneren gesetzmäßigen Leben unserer Erde. — Auch Kepler sprach es einmal aus, indem er seine Anschauung in ein Bild faßte und sagte: Die Erde ist in gewisser Beziehung wie ein Riesenwalfisch anzusehen, und Ebbe und Flut sind wie Ein- und Ausatmungen dieses Riesenwalfisches. Und so könnte noch manches angeführt werden.
[ 19 ] With this view, however, Goethe is by no means alone among the great minds who have turned their spiritual gaze toward such things. People with a materialistic outlook will, of course, find all this ridiculous. But among those who have a sense of life—even where it does not impose itself within the narrowest circle, but rather in the broader context of life—there have always been people who held views similar to Goethe’s, such as Leonardo da Vinci. In his excellent book, in which he compiled his comprehensive scientific views—which were at the cutting edge for humanity at that time—we find the remark that he truly—not just figuratively! —regarded the solid rock structure of our Earth as a sort of skeletal framework, and that to him the streams, rivers, and watercourses of the Earth were truly something that could be compared to the human circulatory system. And there you will also find it pointed out that the tides are connected to an inner, law-governed life of our Earth. — Kepler, too, once expressed this by encapsulating his view in an image, saying: “In a certain sense, the Earth can be regarded as a giant whale, and the tides are like the inhalations and exhalations of this giant whale.” And many more examples could be cited.
[ 20 ] Wie aber wäre es denn, wenn man die vorgenannten Tatsachen vergliche mit einer solchen Anschauung, wie sie uns bei Goethe auch einmal für Ebbe und Flut entgegentritt? Betrachten wir einmal das, was geisteswissenschaftliches Ergebnis ist, und versuchen wir das, was vorhin gesagt worden ist über den Verlauf der Mondphasen und über Ebbe und Flut, auf das zu beziehen, was Goethe zum Beispiel gesagt hat: auf das innere Leben der Erde und ihr Aus- und Einatmen. — Da müssen wir die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse zugrunde legen. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse kann man nur erhalten, wenn man mit geisteswissenschaftlichen Mitteln forscht. Und hier kommen wir eben auf jenes höchst gefährliche Gebiet, wo in bezug auf die heutigen Fragen jeder, der da glaubt auf dem Boden der modernen Wissenschaft zu stehen, von Träumereien der Geisteswissenschaft sprechen wird. Mag er es tun. Besser würde er aber tun, wenn er das, was gegeben wird, als Anregungen betrachtete; die Beweise dafür wird er in einer intimeren Betrachtung des Lebens finden können.
[ 20 ] But what if we were to compare the aforementioned facts with a perspective such as the one Goethe once presented to us regarding the tides? Let us consider what constitutes a result of spiritual science, and let us try to relate what was said earlier about the course of the lunar phases and about the tides to what Goethe, for example, said: to the inner life of the Earth and its inhalation and exhalation. — We must base our understanding on the findings of spiritual science. Such findings can only be obtained by conducting research using the methods of spiritual science. And here we enter precisely that highly dangerous territory where, with regard to today’s questions, anyone who believes they stand on the ground of modern science will speak of the “fantasy” of spiritual science. Let them do so. But he would do better to regard what is presented here as inspiration; he will be able to find the evidence for this in a more intimate contemplation of life.
[ 21 ] Betrachten wir, um in richtiger Weise auf das hinweisen zu können, was der geisteswissenschaftliche Forscher meint, den Menschen selbst in bezug auf seine Umwelt. Geisteswissenschaftlich betrachtet stammt ja der Mensch nicht bloß aus der sinnlichen Welt, sondern aus den geistigen Grundlagen der Welt, die hinter der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt stehen; so daß der Mensch aus der sinnlichen Welt eben nur herausgeboren ist als ein sinnliches Wesen. Insofern aber der sinnliche Menschenleib durchdrungen ist von Geist und Seele, ist der Mensch als Geist und Seele aus Geist und Seele des Kosmos herausgeboren. Und nur wenn wir auf Geist und Seele des Kosmos hinweisen vom Geist und der Seele des Menschen aus, können wir ein wenig hineinblicken in das, was wir als Zusammenhang zwischen Menschen und Kosmos zu nennen berufen sind.
[ 21 ] To properly convey what the researcher in the spiritual sciences means, let us consider human beings themselves in relation to their environment. From a spiritual scientific perspective, human beings do not originate merely from the sensory world, but from the spiritual foundations of the world that lie behind the external sensory realm of facts; thus, human beings are born out of the sensory world merely as sensory beings. But insofar as the physical human body is permeated by spirit and soul, the human being, as spirit and soul, is born out of the spirit and soul of the cosmos. And only when we point to the spirit and soul of the cosmos from the perspective of the human spirit and soul can we gain a glimpse of what we are called upon to call the connection between human beings and the cosmos.
[ 22 ] Wir haben in den vergangenen Vorträgen über mancherlei Erscheinungen des inneren Seelenlebens des Menschen gesprochen. Uns trat des Menschen Seele vor Augen nicht bloß als jenes nebulose Gebilde, das sie für die heutige Psychologie ist. Wir unterschieden zunächst jenes Glied der menschlichen Seele, das wir die «Empfindungsseele» nannten. In der Empfindungsseele wühlt noch dumpf, seiner selbst kaum bewußt, das menschliche Ich und erlebt dort das Getriebe von Lust und Schmerz und von alledem, was ihr an äußeren Erlebnissen von der Außenwelt durch die Vermittlung des Empfindungsleibes zukommt. Innerhalb des Lebens der Empfindungsseele ist das Ich schon vorhanden; aber es weiß noch nichts von sich. Dann entwickelt sich das Ich weiter, und damit schreitet die Seele vor zu dem zweiten Glied, zu der «Verstandesseele» oder «Gemütsseele». Und wenn dann das Ich immer weiter und weiter an der Seele arbeitet und baut, wird aus der Verstandesseele die «Bewußtseinsseele». So unterscheiden wir an dem menschlichen Seelengebilde drei verschiedene Seelenteile: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Das Ich arbeitet an diesen drei Seelengliedern und bringt den Menschen zu einer immer größeren und größeren Vollkommenheit hinauf. Aber diese drei Seelenglieder müssen, so wie sie hier in der Welt, im Menschen leben und durch den Menschen eben ihre Arbeit verrichten, in der äußeren Leiblichkeit des Menschen leben. Durch die äußere Leiblichkeit des Menschen können diese drei Seelenglieder auf unserer Erde einzig und allein wirken; und zwar wirken sie so, daß die Empfindungsseele zunächst zu ihrem Träger und zu ihrem Werkzeug den Empfindungsleib hat, daß die Verstandesseele zu ihrem Träger dasjenige Glied des Menschen hat, das wir als den Ätherleib oder Lebensleib in den verflossenen Vorträgen bezeichneten; und erst die Bewußtseinsseele hat zu ihrem Träger das, was wir nennen konnten den physischen Leib des Menschen. Denn wir unterschieden bei der Leiblichkeit des Menschen wiederum zuerst den physischen Leib, den er gemeinschaftlich hat mit allem, was in der mineralischen Welt ist. Zugleich ist dieser physische Leib der Träger der Bewußtseinsseele, das heißt, nicht die Bewußtseinsseele selber, nur das Werkzeug der Bewußstseinsseele ist er. Dann sehen wir am Menschen ein höheres Glied seiner Leiblichkeit, das er jetzt nur noch gemeinschaftlich hat mit allem Lebenden, mit der Pflanzenwelt. Was in der Pflanze die Wachstums-, Fortpflanzungs- und Ernährungsfunktionen bewirkt, das wirkt auch im Menschen; aber das verbindet sich im Menschen mit der Verstandes- oder Gemütsseele. Während die Pflanze einen Ätherleib hat, der nicht durchdrungen ist von einer Verstandesseele, wird der Ätherleib im Menschen zugleich der Träger und das Werkzeug der Verstandesoder Gemütsseele, wie der physische Leib der Träger der Bewußtseinsseele ist. Was außen im Mineral den Kristall bewirkt, das ist im Menschen von der Bewußtseinsseele durchdrungen. Was im Tier als astralischer Leib existiert und die tierischen Triebe und Leidenschaften vermittelt, das ist im Menschen noch innerlich vertieft, und das ist der Träger dessen, was wir die Empfindungsseele nennen. So lebt des Menschen Seelisches — Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele — in der dreifachen Leiblichkeit, in dem Empfindungsleib, in dem Ätherleib und in dem physischen Leib.
[ 22 ] In our previous lectures, we have spoken about various aspects of the inner life of the human soul. The human soul did not appear to us merely as that nebulous construct that it is for contemporary psychology. We first distinguished that aspect of the human soul that we called the “sensitive soul.” Within the feeling soul, the human “I” still stirs dimly, scarcely aware of itself, and experiences there the interplay of pleasure and pain and all that comes to it in the form of external experiences from the outside world through the mediation of the feeling body. The “I” is already present within the life of the feeling soul; but it is not yet aware of itself. Then the “I” develops further, and with this the soul advances to the second member, the “intellectual soul” or “emotional soul.” And as the “I” continues to work on and build up the soul, the intellectual soul becomes the “consciousness soul.” Thus, we distinguish three different parts of the human soul: the soul of sensation, the soul of understanding or the soul of feeling, and the soul of consciousness. The “I” works on these three parts of the soul and elevates the human being to ever greater and greater perfection. But these three parts of the soul—just as they live here in the world, within the human being, and carry out their work through the human being—must live within the human being’s outer physical body. It is through the human being’s outer physicality that these three soul components can act on our Earth—and they act in such a way that the soul of feeling initially has the body of feeling as its vehicle and instrument; the soul of understanding has as its vehicle that part of the human being which we referred to in previous lectures as the etheric body or life body; and only the consciousness soul has as its vehicle what we might call the human physical body. For, when considering human physicality, we first distinguished the physical body, which the human being shares with everything in the mineral world. At the same time, this physical body is the vehicle of the consciousness soul—that is to say, it is not the consciousness soul itself, but merely the instrument of the consciousness soul. Then we see in the human being a higher aspect of its physical nature, which it now shares only with all living beings, with the plant world. What brings about the functions of growth, reproduction, and nutrition in the plant also operates in the human being; but in the human being, this is combined with the intellectual or emotional soul. While the plant has an etheric body that is not permeated by a mental soul, the etheric body in human beings becomes both the vehicle and the instrument of the mental or emotional soul, just as the physical body is the vehicle of the consciousness soul. What brings about the crystal in the mineral realm is, in human beings, permeated by the consciousness soul. What exists in the animal as the astral body and mediates the animal instincts and passions is, in the human being, further deepened inwardly, and this is the vehicle for what we call the feeling soul. Thus, the human soul—the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the consciousness soul—lives within the threefold body: the feeling body, the etheric body, and the physical body.
[ 23 ] So ist es beim Menschen, wenn er im Wachzustande ist. Anders ist es, wenn der Mensch im Schlafzustande ist. Da läßt er zurück im Bette den physischen Leib und den Ätherleib, und mit dem astralischen Leib und dem Ich und all den seelischen Gliedern — also auch denjenigen seelischen Gliedern, die den physischen Leib und den Ätherleib durchziehen als Verstandesseele und Bewußtseinsseele — dringt er aus dem physischen Leib und dem Ätherleib heraus. Da lebt der Mensch während des Schlafes in einer geistigen Welt, die er nur nicht wahrnehmen kann, weil er hier auf der Erde darauf angewiesen ist, durch die Instrumente des physischen Leibes und des Ätherleibes die Umwelt wahrzunehmen. Sobald er im Schlafe diese Instrumente abgelegt hat, kann er diese geistige Welt nicht wahrnehmen; denn er hat im heutigen normalen Leben keine Werkzeuge dazu. — Nun sind wir in einer besonderen Lage, wenn wir den Menschen einmal betrachten im Wachzustande und einmal im Schlafzustande: Wenn der Mensch im Wachzustande ist, da fällt — zwar für die heutigen Menschen nicht mehr ganz genau, insbesondere nicht in den Städten — dieser Wachzustand zusammen mit der unmittelbaren Wirkung der Sonne auf die Erde. Wir brauchen ja nur noch in das einfache Landleben hinauszugehen, wo der Mensch sich noch in gewisser Beziehung dieses Verhältnis bewahrt hat zwischen der äußeren Natur und seinem Leben; da werden wir finden, daß der Mensch wacht, wenn die Sonne scheint, und daß er schläft im wesentlichen, wenn die Sonne untergegangen ist. Des Menschen regelmäßige Abwechselung zwischen Wachen und Schlafen entspricht damit der regelmäßigen Wirkung des Sonnenscheins auf die Erde und alle dem, was damit im Zusammenhang steht. Und es ist durchaus nicht als ein bloßes Bild, sondern als eine tiefe Wahrheit zu nehmen, wenn gesagt wird: Die Sonne ruft den astralischen Leib und das Ich des Menschen mit Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele am Morgen zurück in den physischen Leib, und während des Wachens sieht der Mensch alles, was in seiner Erdenumgebung ist und dazu gehört, durch die Sonne, durch die Wirkung der Sonne. Die Sonne also ist es, welche den Menschen, wenn er alle seine Wesensglieder vereinigt hat beim Tagwachen, aufruft zu seiner gewöhnlichen Lebensanschauung. Und man wird leicht finden, wenn man das Leben nicht oberflächlich betrachtet, wie die Sonne dieses Verhältnis dem Menschen vermittelt.
[ 23 ] This is how it is for a human being when he is awake. It is different when a human being is asleep. There, leaving the physical body and the etheric body behind in bed, the person emerges from the physical body and the etheric body with the astral body, the “I,” and all the soul members—including those soul members that permeate the physical body and the etheric body as the intellectual soul and the conscious soul. During sleep, the human being lives in a spiritual world that he simply cannot perceive, because here on Earth he is dependent on the instruments of the physical body and the etheric body to perceive his surroundings. As soon as he has laid aside these instruments in sleep, he cannot perceive this spiritual world; for in today’s normal life he has no tools for doing so. — Now we find ourselves in a special situation when we consider the human being both in the waking state and in the sleeping state: When the human being is awake—though this is no longer entirely the case for people today, especially in cities—this waking state coincides with the direct influence of the sun on the Earth. We need only go out into simple rural life, where people have, to a certain extent, preserved this relationship between the external natural world and their own lives; there we will find that people are awake when the sun is shining, and that they essentially sleep when the sun has set. Human beings’ regular alternation between waking and sleeping thus corresponds to the regular effect of sunlight on the Earth and everything connected with it. And it is by no means to be taken as a mere metaphor, but as a profound truth, when it is said: In the morning, the sun calls the astral body and the “I” of the human being—with its sensory soul, intellectual soul, and conscious soul—back into the physical body; and while awake, the human being perceives everything that is in and belongs to their earthly environment through the sun, through the sun’s influence. It is thus the sun that, once a person has united all the members of their being upon waking, calls them back to their ordinary outlook on life. And if one does not view life superficially, one will easily see how the sun mediates this relationship to the human being.
[ 24 ] Drei Dinge haben wir, die uns zeigen können, wie der Mensch in einem bestimmten Verhältnis zur Erde und Sonne steht. In bezug auf seine Seele, in bezug auf Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele ist der Mensch ein innerlich selbständiges Wesen; nicht aber in bezug auf die Träger derselben, in bezug auf physischen Leib, Ätherleib und Empfindungsleib. Diese Hüllen, diese Träger und Werkzeuge der drei Seelenglieder sind ja aufgebaut aus dem äußeren Weltenall. So wie sie dem wachenden Menschen dienen sollen, sind sie aufgebaut durch das Verhältnis von Sonne zur Erde. Und zwar in folgender Weise:
[ 24 ] There are three things that can show us how human beings relate to the Earth and the Sun. With regard to his soul—specifically, the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul—the human being is an inwardly independent being; but not with regard to the vehicles of these souls—that is, the physical body, the etheric body, and the feeling body. These sheaths, these vehicles and instruments of the three soul members, are, after all, built up from the outer universe. Just as they are meant to serve the waking human being, they are structured through the relationship between the Sun and the Earth. Specifically, in the following way:
[ 25 ] Die Empfindungsseele des Menschen lebt im Empfindungsleib. Dieser Empfindungsleib, der das äußere Werkzeug der Empfindungsseele ist, hängt in seiner Eigenart ab von dem Orte auf der Erde, der des Menschen — wenn wir es so nennen wollen — Heimat ist. Der Mensch ist ja auf einem gewissen Punkte der Erde heimisch; und es hängt etwas davon ab, ob ein Mensch geboren ist in Europa oder in Amerika oder Australien. Es hängt nichts davon ab in bezug auf seinen physischen Leib und Lebensleib direkt; aber direkt hängt etwas davon ab in bezug auf seinen Empfindungsleib. Wenn auch der Mensch innerlich immer freier wird in bezug auf diese äußeren Wirkungen, die auf seinen Empfindungsleib gehen, so müssen wir dennoch sagen: Gerade bei denjenigen Menschen, die bodenständig sind, bei denen der Heimatsinn besonders ausgebildet ist, die durch ihre Seele noch nicht die Gewalt ihres Leiblichen überwunden haben, da drückt sich das Heimatgefühl, das Abhängigsein von dem Punkte, wo man geboren ist, dadurch aus, daß diese Menschen, wenn sie in andere Gegenden versetzt sind, nicht nur übellaunisch und mürrisch sind, sondern daß sie durch das Ungewohnte in der Umgebung geradezu krank sein können; und es genügt oft schon die Aussicht, wieder in ihre Heimat zurückzukommen, daß sie wiederum gesund sein können, weil die Ursache der Krankheit nicht im physischen Leib oder im Ätherleib liegt, sondern im Empfindungsleib, der als seine Stimmungen, Leidenschaften, Begierden und so weiter das hat, was unmittelbar von der sinnlichen Umgebung des Ortes kommt, auf dem der Mensch bodenständig ist. Durch seine höhere Entwickelung, indem der Mensch immer freier und freier wird, wird er gerade diese Einflüsse, die ihn an den Boden fesseln, überwinden; aber eine umfassende Betrachtung wird uns zeigen, daß die Stellung des Menschen auf der Erde je nach der Lage dieses Ortes zur Sonne eine andere ist; an jedem Orte der Erde fallen die Sonnenstrahlen unter einem anderen Winkel ein. Wer umfassender die Dinge betrachtet, der wird schon sehen, was im Menschen alles nach der gekennzeichneten Richtung hin abhängt von dem Orte der Erde, wo der Mensch lebt. So kann man es verfolgen, daß ganz gewisse Instinkte, instinktive Handlungen, die dann zu Kulturelementen wurden, auch davon abhingen, wo diese betreffenden Menschen auf der Erde wohnten.
[ 25 ] The human soul of sensation lives in the body of sensation. This body of sensation, which is the outer instrument of the soul of sensation, depends in its nature on the place on Earth that is—if we may call it that—the human being’s home. After all, a human being is at home in a certain part of the Earth; and it does make a difference whether a person is born in Europe, America, or Australia. It has no direct bearing on their physical body or life body; but it does have a direct bearing on their sensory body. Even though human beings are becoming increasingly free inwardly with regard to these external influences that affect their sensory body, we must nevertheless say: Precisely in those people who are down-to-earth, in whom the sense of home is particularly well-developed, who have not yet overcome the power of their physical nature through their soul—in them, the sense of home, the dependence on the place where one was born, is expressed in such a way that when these people are moved to other regions, they are not only bad-tempered and grumpy, but the unfamiliarity of their surroundings can actually make them ill; and often the mere prospect of returning to their homeland is enough for them to recover, because the cause of the illness lies not in the physical body or the etheric body, but in the emotional body, which—in its moods, passions, desires, and so on—derives directly from the sensory environment of the place where the person is rooted. Through his higher development, as the human being becomes freer and freer, he will overcome precisely these influences that bind him to the earth; but a comprehensive consideration will show us that the human being’s position on Earth varies depending on the location’s position relative to the Sun; at every point on Earth, the Sun’s rays strike at a different angle. Anyone who considers things more comprehensively will already see how much of what is characteristic of human beings in the direction described depends on the place on Earth where they live. Thus, one can observe that certain instincts and instinctive actions—which later became cultural elements—also depended on where the people in question lived on Earth.
[ 26 ] Nehmen wir zwei Dinge in der Kulturentwickelung: den Gebrauch des Eisens — und jene Gewohnheit, sich Nahrung zu verschaffen durch das Melken gewisser Tiere. Da finden wir, daß nur auf denjenigen Gebieten, die zu Europa, Asien und Afrika gehören, sich diese zwei Dinge entwickelten: Eisen zu verarbeiten und gewisse Tiere zu melken, um sich Nahrung zu verschaffen. In den anderen Gebieten der Erde war früher nichts davon vorhanden. Erst europäische Einwanderer haben diese zwei Kulturelemente dahin gebracht. Man kann ganz genau verfolgen: Während durch ganz Sibirien hindurch das Melken von Tieren uralt ist, schließt es sich ganz scharf gegen das Beringmeer zu ab, und nichts davon ist bei den Ureinwohnern Amerikas zu finden. Und ebenso ist es mit dem Eisen.
[ 26 ] Let us consider two aspects of cultural development: the use of iron—and the practice of obtaining food by milking certain animals. We find that these two practices—working with iron and milking certain animals to obtain food—developed only in the regions belonging to Europe, Asia, and Africa. In the other regions of the world, neither of these practices existed in the past. It was European immigrants who introduced these two cultural elements there. One can trace this quite precisely: While the milking of animals is an ancient practice throughout Siberia, it comes to an abrupt end near the Bering Sea, and none of it is found among the indigenous peoples of the Americas. And the same is true of iron.
[ 27 ] Hier sieht man, wie bestimmte Instinkte — Instinkte liegen im Empfindungsleib — an den Ort der Erde gebunden sind, von dem der Mensch abhängig ist, und damit in erster Linie abhängen von der Stellung der Erde zur Sonne.
[ 27 ] Here we see how certain instincts—instincts that reside in the sensory body—are bound to the Earth, on which human beings depend, and thus depend primarily on the Earth’s position relative to the Sun.
[ 28 ] Eine zweite Abhängigkeit können wir dadurch bezeichnen, daß der Ätherleib des Menschen, als Träger der Verstandesseele, in der Tat sich abhängig zeigt in seiner Tätigkeit von dem Wechsel der Jahreszeiten; daß er bestimmt ist von dem in dem Wechsel der Jahreszeiten sich ausdrückenden Verhältnis der Erde zur Sonne. Direkt kann man das natürlich nur geisteswissenschaftlich beweisen; aber es gibt eine Möglichkeit, sich durch die äußeren Tatsachen der Erdentwickelung wieder zu überzeugen, daß diese geisteswissenschaftliche Behauptung richtig ist. Denken Sie einmal daran, daß auf der Erde nur dort, wo wirklich ein sich ausgleichender Wechsel in den Jahreszeiten vorhanden ist, eine innere Regsamkeit der Seele als Verstandesseele oder Gemütsseele sich entwickeln kann; das heißt nur in solchen Gegenden, wo wirklich ein regelmäßiger Wechsel zwischen den einzelnen Jahreszeiten vorhanden ist, kann sich ein Träger und ein Instrument für die Verstandes- und Gemütsseele entwickeln in dem Lebens- oder Ätherleib des Menschen. Gehen Sie hinauf nach dem hohen Norden. Da werden Sie finden, wie schwer es der Seele wird, wenn sie Kulturmittel aus anderen Gebieten aufnimmt, gegen den Ätherleib anzukämpfen, der dort unter solchen Verhältnissen steht, welche wir bezeichnen als einen übermäßig langen Winter und einen kurzen Sommer. Da ist es der Verstandesseele nicht möglich, aus dem Ätherleib sich ein solches Instrument zu schaffen, das für sie leicht zu handhaben ist. Und gehen Sie zur heißen Zone, so werden Sie finden, daß durch die nicht geregelte Abwechselung der Jahreszeiten wiederum Apathie hervorgerufen wird. In derselben Weise wie draußen in der Natur die Kräfte im Leben der Pflanzen abwechseln während des Jahres, so wechseln wirklich durch den Wechsel der Jahreszeiten auch im menschlichen Ätherleib jene Kräfte ab, welche sich dann ausdrükken in den Stimmungen Frühlingsfreudigkeit, Sehnsucht nach dem Sommer, Wehmut des Herbstes, Winterödigkeit. Dieser geregelte Wechsel ist es, der notwendig ist, wenn in dem Ätherleib des Menschen ein richtiges Instrument für die Verstandesseele geschaffen werden soll. — Da sehen wir, wie die Sonne in ihrem Verhältnis zur Erde arbeitet an dem Menschen.
[ 28 ] We can describe a second form of dependence in that the human etheric body, as the vehicle of the intellectual soul, is in fact dependent in its activity on the changing of the seasons; that it is determined by the relationship between the Earth and the Sun, as expressed in the changing of the seasons. Of course, this can only be proven directly through spiritual science; but there is a way to confirm once again, through the external facts of Earth’s evolution, that this spiritual-scientific assertion is correct. Consider, for a moment, that on Earth, an inner activity of the soul—whether as the intellectual soul or the emotional soul—can develop only where there is truly a balanced alternation of the seasons; that is to say, only in regions where there is truly a regular alternation between the individual seasons can a vehicle and an instrument for the intellectual and emotional soul develop within the human life body or etheric body. Go up to the far north. There you will find how difficult it becomes for the soul, when it absorbs cultural influences from other regions, to contend with the etheric body, which is subject to conditions we describe as an excessively long winter and a short summer. There, the intellectual soul is unable to create for itself, out of the etheric body, an instrument that is easy for it to handle. And if you go to the tropical zone, you will find that the irregular alternation of the seasons, in turn, gives rise to apathy. Just as the forces in the life of plants alternate throughout the year out in nature, so too do those forces in the human etheric body alternate with the changing of the seasons; these forces then express themselves in the moods of springtime joy, longing for summer, autumnal melancholy, and winter desolation. It is this regular alternation that is necessary if a proper instrument for the intellectual soul is to be created within the human etheric body. — Here we see how the sun, in its relationship to the Earth, works upon the human being.
[ 29 ] Und nun gehen wir zum physischen Leib des Menschen. Damit die Bewußtseinsseele im physischen Leibe in der regelmäßigen Weise arbeiten kann, muß sich der Mensch selber einem ähnlichen Verlauf unterwerfen in bezug auf seine Lebensverhältnisse, wie sie draußen als Tag und Nacht herrschen. Wer niemals schlafen würde, der würde bald merken, wie er nicht in einer brauchbaren Weise Gedanken über seine Umgebung fassen kann. Die regelmäßige Abwechselung von Schlaf und Wachen, die im Menschen selber dem entspricht, was draußen als Wechsel von Tag und Nacht vorhanden ist, das ist dasjenige, was unsern physischen Leib so aufbaut, daß er ein Werkzeug sein kann für die Bewußtseinsseele. So also baut die Sonne dem Menschen seine äußeren Hüllen in der entsprechenden Weise. In dreifacher Art haben wir das gesehen.
[ 29 ] And now let us turn to the human physical body. In order for the soul of consciousness to function properly within the physical body, a person must subject themselves to a rhythm in their daily life that mirrors the natural cycle of day and night. Anyone who never slept would soon realize that they could not form coherent thoughts about their surroundings. The regular alternation of sleep and wakefulness, which corresponds within the human being to the alternation of day and night in the external world, is what builds up our physical body so that it can serve as an instrument for the consciousness soul. Thus, the sun builds up the human being’s outer sheaths in the corresponding way. We have seen this in three ways.
[ 30 ] Wenn der Mensch dann aber im Zustand des Schlafes ist — daß davon die äußere Wissenschaft nicht viel weiß, ist kein Wunder; denn die äußere Wissenschaft beschäftigt sich nur mit dem, was man sehen kann; nur Geistesforschung beschäftigt sich mit dem, was abends herausgeht und in der geistigen Welt vorhanden ist, nur unsichtbar natürlich für die äußere Sinnenwelt —, wenn die Rede von dem ist, was jetzt außerhalb des Ätherleibes und des physischen Leibes des Menschen sich auch entwickeln soll, was hat denn da von außen her Einfluß? Was kommt da in Betracht?
[ 30 ] But when a person is in a state of sleep—it is no wonder that conventional science knows little about this; for conventional science deals only with what can be seen; only spiritual research deals with what emerges in the evening and exists in the spiritual world—though, of course, it is invisible to the external sensory world—when we speak of what is to develop outside the human etheric body and physical body, what external influences are at work there? What factors come into play?
[ 31 ] Da zeigt uns die Geisteswissenschaft in der verschiedensten Art, daß zwar beim tagwachenden Menschen jene eben beschriebenen Einflüsse, die in der Hauptsache Sonneneinflüsse sind, die maßgebenden sind — dann aber treten beim schlafenden Menschen merkwürdige Dinge ein: Der Schlaf hat ja seine Wirkung auch auf die Tageserlebnisse; er gibt uns die durch die Tageserlebnisse verbrauchten Kräfte wieder. Während des Schlafes holen wir uns Ersatz aus einer anderen Welt heraus für dasjenige, was während des Tages verbraucht worden ist. Gibt es nun eine Möglichkeit, in ähnlicher Weise einen äußeren Einfluß nachzuweisen, wie wir es eben beschrieben haben für die tagwachen Verhältnisse? Auch das gibt es. Und was man da findet, das stimmt merkwürdigerweise überein mit der Länge der Mondphasen. Ich behaupte durchaus nicht, daß es zusammenfällt mit den Mondphasen, oder daß die Mondphasen die entsprechende Wirkung haben; ich sage bloß, daß dieser Verlauf der nächtlichen Wirkungen in einem gewissen Ablauf steht, der sich vergleichen läßt mit dem Ablauf der Mondphasen. Und Sie können sich eine Vorstellung davon machen, wenn Sie sich das Folgende denken. Ich will an zwei Beispielen zeigen, wie die Sache ist. Äußere Belege werden Sie nur finden können für das, was ich jetzt sage, und was Ergebnis der Geistesforschung ist, wenn Sie intim in dem, was sich Ihnen manchmal in dem Lebenslauf dieser oder jener Menschen darbietet, diese Belege suchen.
[ 31 ] Here, spiritual science shows us in various ways that, while the influences just described—which are primarily solar influences—are the dominant ones for the waking human being, strange things occur in the sleeping human being: Sleep, after all, also has an effect on our daytime experiences; it restores the forces we have expended through those experiences. During sleep, we draw replenishment from another world for what has been expended during the day. Is there, then, a way to demonstrate an external influence in a similar manner to what we have just described for waking conditions? That, too, exists. And what one finds there, strangely enough, corresponds to the length of the lunar phases. I am by no means claiming that it coincides with the lunar phases, or that the lunar phases have the corresponding effect; I am merely saying that this course of nocturnal effects follows a certain pattern that can be compared to the cycle of the lunar phases. And you can get an idea of this if you consider the following. I want to illustrate the matter with two examples. You will only be able to find external evidence for what I am now saying—and which is the result of spiritual research—if you search intimately for this evidence in what sometimes presents itself to you in the life stories of this or that person.
[ 32 ] Sie werden es schon öfter gehört haben, daß Menschen, die darauf angewiesen sind, produktive Gedanken zu haben und die Phantasie spielen zu lassen, nicht immer in gleicher Weise die Phantasie spielen lassen können. Oder sollten Sie noch nicht gehört haben, daß Dichter, die ehrlich mit sich zu Werke gehen, zuweilen sagen: Es ist jetzt keine Stimmung da — und die dann schweigen? Das weiß man. Nur kann man den Verlauf, weil er zu den Intimitäten des Lebens gehört, nicht verfolgen. Die Menschen, die das bei sich selbst einmal beobachteten, würden sehen, daß jene Perioden der produktiven Gedanken, zu denen der Mensch Stimmung, Phantasie, ein gewisses warmes Gefühl braucht, merkwürdig abwechseln mit anderen, wo er mehr daran gehen kann, diese Stimmungen, diese Gebilde der Phantasie wiederum zu Papier zu bringen oder in Gedanken auszuleben. Diesen Wechsel gibt es durchaus. Die Menschen, welche das zu beobachten verstehen, wissen, daß es eine vierzehntägige produktive Periode der Seele gibt. Wenn die vorbei ist, tritt für jeden Menschen, der mit einer gewissen Produktion der Gedanken zu tun hat, eine Erschöpfung ein, da produzieren die Gedanken weniger. Es mögen einmal Künstler oder Literaten darauf achtgeben; sie werden sehen, wie es sich bestätigt, und wie sie nichts aus sich herauspressen können, wenn diese produktive Periode um ist. Da ist die Seele wie eine ausgepreßte Zitrone. Aber sie kann dann darangehen, das Gewonnene durch den Willen zu verarbeiten. Dichter oder Künstler werden natürlich nicht immer darauf achten; aber sie werden wissen: wenn sie in eine solche Stimmung hineinkommen, dann können sie singen und sagen — oder malen —, aber zu anderen Zeiten will es nicht gehen, weil sie da gerade in einer Zeit der Unproduktivität sind. Darauf haben die Tagesverhältnisse gar keinen Einfluß, sondern die Zeit, in der die menschliche Seele mit dem Ich heraus ist aus dem physischen Leib und Ätherleib. Da werden während einer vierzehntägigen Periode in den Menschen, der unabhängig ist vom physischen Leib und Ätherleib, die produktiven Kräfte gleichsam hineingegossen; während auf der anderen Seite dann keine produktiven Kräfte hineingegossen werden, wenn die anderen vierzehn Tage da sind. So geht der Rhythmus. Es ist das aber eine Erscheinung, die in bezug auf die verschiedenen inneren Seelenkräfte für alle Menschen vorhanden ist; nur bei denjenigen Menschen, von denen eben gesprochen worden ist, drückt es sich deutlicher aus.
[ 32 ] You’ve probably heard many times that people who depend on having productive thoughts and letting their imagination run wild aren’t always able to do so in the same way. Or perhaps you haven’t yet heard that poets who are true to themselves sometimes say, “I’m not in the mood right now”—and then fall silent? That much is known. But because it belongs to the intimate aspects of life, one cannot track its course. People who have observed this in themselves would see that those periods of productive thought—for which a person needs the right mood, imagination, and a certain warm feeling—strangely alternate with others in which they are better able to put these moods and these figments of the imagination down on paper or live them out in their thoughts. This alternation certainly exists. People who know how to observe this are aware that there is a fourteen-day productive period of the soul. When that is over, a state of exhaustion sets in for anyone engaged in creative thought, and their thoughts become less productive. Artists or writers might pay attention to this for once; they will see how it holds true, and how they cannot squeeze anything out of themselves once this productive period is over. The soul is then like a squeezed lemon. But it can then set about processing what it has gained through the power of the will. Poets or artists will, of course, not always pay attention to this; but they will know: when they enter such a mood, they can sing and speak—or paint—but at other times it simply won’t work, because they are then in a period of unproductivity. Daily circumstances have no influence on this at all; rather, it depends on the time when the human soul, together with the “I,” is outside the physical and etheric bodies. During a fourteen-day period, the productive forces are, as it were, poured into the human being who is independent of the physical and etheric bodies; whereas, on the other hand, no productive forces are poured in during the other fourteen days. Such is the rhythm. This, however, is a phenomenon that exists for all human beings with regard to the various inner soul forces; it is simply expressed more clearly in the case of the people just mentioned.
[ 33 ] Einen viel deutlicheren Beleg dafür können Sie aber in dem sehen, was man wahres, echtes geisteswissenschaftliches Forschen nennt. Das ist auch kein solches Forschen, das zu jeder beliebigen Zeit und Stunde vorgenommen werden kann, sondern es hängt auch von einem rhythmischen Verlauf ab. Damit spreche ich etwas aus, was kaum irgendwo ausgesprochen worden ist; aber es ist so. In der geistigen Forschung ist man allerdings nicht in einem Schlafzustand. Den Seinigen gibt es der Weltengeist eben durchaus nicht im Schlafzustand! Man ist da nur in einem Zustand, wo der menschliche physische Leib untätig ist gegenüber dem, was sonst von der Sinneswelt kommt. Aber der Mensch ist da nicht schlafend, obwohl er sozusagen außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes ist. Denn der Mensch hat sich durch Meditation, Konzentration und so weiter die Fähigkeit errungen, daß sein Bewußtsein nicht erstirbt, wenn er herausgeht aus dem physischen Leib und Ätherleib, nicht etwa, daß da ein Schlaf eintreten muß, sondern daß der Mensch dann in der geistigen Welt wahrnehmen kann. Da gibt es nun für den auf der heutigen modernen Höhe stehenden Geistesforscher wiederum zwei streng voneinander geschiedene Epochen: die eine — wiederum eine vierzehntägige — ist eine solche, in welcher er seine Beobachtungen machen kann, wo er sich besonders stark fühlt, wo sich von allen Seiten herandrängen die Ergebnisse der geistigen Welt; dann tritt die andere Periode ein, wo er durch jene Kräfte, die er während der eben charakterisierten Periode aufgenommen hat, nun besonders befähigt ist, diese Erleuchtungen der geistigen Welt, diese Inspirationen und Imaginationen mit seinen Gedanken zu durchdringen, mit seinen Gedanken zu durcharbeiten, so daß sie eine strenge wissenschaftliche Form annehmen können. Gedankentechnik und Inspiration stehen nun wiederum in einem rhythmischen Verlauf. Da ist nun der Geistesforscher nicht auf die Registrierung der äußeren Tatsachen angewiesen; er sieht einfach, wie diese Perioden abwechselnd sich ihm ergeben wie Vollmond- und Neumondwechsel. Aber es ist wiederum dabei zu bemerken, daß nur ihr rhythmischer Verlauf sich vergleichen läßt mit dem Vollmond und dem Neumond; es fällt nicht etwa die inspirierende Periode mit dem Vollmond und die verarbeitende Periode mit dem Neumond zusammen, sondern nur der rhythmische Verlauf läßt sich vergleichen mit Vollmond, Neumond und den dazwischenliegenden Vierteln. Woher kommt das?
[ 33 ] However, you can find much clearer evidence of this in what is called true, genuine spiritual scientific research. This is not the kind of research that can be undertaken at any time or hour; rather, it also depends on a rhythmic course. In saying this, I am expressing something that has hardly ever been spoken of anywhere; but it is true. In spiritual research, however, one is certainly not in a state of sleep. The World Spirit certainly does not reveal itself to its own in a state of sleep! One is merely in a state where the human physical body is inactive in relation to what otherwise comes from the sensory world. But the human being is not asleep there, even though he is, so to speak, outside his physical body and etheric body. For through meditation, concentration, and so on, the human being has acquired the ability to ensure that his consciousness does not die out when he steps out of the physical body and etheric body—not that sleep must necessarily set in, but rather that the human being can then perceive in the spiritual world. For the spiritual researcher standing at today’s modern level, there are now, in turn, two strictly distinct phases: one—again lasting fourteen days—is a phase in which he can make his observations, during which he feels particularly strong, and in which the results from the spiritual world pour in from all sides; then the other period begins, in which, through the forces he has absorbed during the period just described, he is now particularly capable of penetrating these insights from the spiritual world—these inspirations and imaginations—with his thoughts, of working them through with his thoughts, so that they can take on a rigorous scientific form. Thought processes and inspiration now, in turn, follow a rhythmic course. The spiritual researcher is no longer dependent on recording external facts; he simply observes how these periods alternate for him, much like the changing phases of the full moon and the new moon. But it should also be noted that only their rhythmic progression can be compared to the full moon and the new moon; it is not the case that the period of inspiration coincides with the full moon and the period of processing with the new moon, but rather only the rhythmic progression can be compared to the full moon, the new moon, and the quarters in between. Where does this come from?
[ 34 ] Wenn wir unsere Erde betrachten, so ist sie hervorgegangen durch Entwickelung aus einem früheren Zustand. Wie jeder Mensch in seinem Leben hervorgeht seelisch-geistig aus einer früheren Verkörperung, so ist unsere Erde für die Geisteswissenschaft hervorgegangen aus einer früheren planetarischen Verkörperung. Aber es haben sich innerhalb unserer Erde selbst Reste jener Tatsachen erhalten, welche sich in früheren Verhältnissen auf der früheren planetarischen Verkörperung unserer Erde abgespielt haben. Und diese Reste haben wir in dem zu suchen, was sich heute als Mondenumlauf um die Erde herum abspielt. Geisteswissenschaftlich rechnet man den Mond zur Erde. Was ist es uns geisteswissenschaftlich, was den Mond an der Erde hält und ihn umkreisen läßt? Die Erde ist es selber. Und wir stehen dadurch als Geisteswissenschafter mit der äußeren Wissenschaft in einem vollkommenen Einklang. Denn auch für die äußere Wissenschaft ist der Mond einmal von der Erde abgespalten worden, und er hat seine Umlaufskraft dadurch erhalten, daß er einmal physisch zur Erde zugehörig war. Daher stellt uns dasjenige, was Mondenumlauf ist, einfach einen früheren Zustand der Erde dar. So haben wir, indem wir zum Monde hinaufsehen, das Andenken an einen früheren Erdenzustand vor uns. Die Erde selbst ist es, welche sich in ihrem Trabanten diese früheren Zustände erhalten hat, weil sie ihn braucht, weil sie hineinleuchten lassen will in ihre jetzigen Verhältnisse einen früheren Zustand. Können wir auf der Erde Verhältnisse auffinden, deren Notwendigkeit uns dadurch klar wird?
[ 34 ] When we look at our Earth, we see that it has emerged through a process of evolution from an earlier state. Just as every human being, in the course of their life, emerges soul- and spirit-wise from a previous incarnation, so, according to spiritual science, our Earth has emerged from a previous planetary incarnation. But within our Earth itself, remnants have been preserved of those events that took place under earlier conditions on our Earth’s earlier planetary incarnation. And we must seek these remnants in what today takes place as the Moon’s orbit around the Earth. From a spiritual scientific perspective, the Moon is considered part of the Earth. From a spiritual scientific perspective, what is it that holds the Moon to the Earth and causes it to orbit? It is the Earth itself. And as spiritual scientists, we are thus in perfect harmony with conventional science. For conventional science also holds that the Moon was once separated from the Earth, and that it acquired its orbital force precisely because it was once physically part of the Earth. Therefore, the Moon’s orbit simply represents an earlier state of the Earth. Thus, when we look up at the Moon, we have before us the memory of an earlier state of the Earth. It is the Earth itself that has preserved these earlier states in its satellite, because it needs it, because it wants to allow an earlier state to shine into its present conditions. Can we find conditions on Earth whose necessity becomes clear to us through this?
[ 35 ] Nehmen wir dazu den Menschen selber und betrachten wir ihn, wie er als Seele in seinem Leib lebt und dem Gang der Sonne ausgesetzt ist. Da zeigt er sich uns so, daß wir sagen: Zwischen Geburt und Tod ist für das heutige normale Bewußtsein dasjenige erschöpft, was heute der Sonne zugekehrt ist. — Versuchen Sie einmal, ob das, was heute das normale Bewußtsein während des Wachzustandes erlebt in der dreifachen Abhängigkeit von dem Heimatort, von dem Wechsel der Jahreszeiten und dem Wechsel der Tageszeiten, ob das sich nicht erschöpft in dem Leben zwischen Geburt und Tod? Der Mensch würde in seinem Bewußtsein nichts anderes haben können, nichts anderes würde hineinleuchten in sein Bewußtsein, wenn es nur diese Wirkung der Sonne auf die Erde gäbe und nur dieses Verhältnis zwischen Sonne und Erde. Was im Menschen nun hinüberspielt von Inkarnatiion zu Inkarnation, was in einem neuen Leben immer wieder erscheint, das muß gesucht werden in dem, was den äußeren Leib seelisch-geistig durchdringt, was auch im Schlafe als astralischer Leib um das Ich herum ist, und im Ich selber. Was im Schlafe als astralischer Leib und Ich aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht, das geht auch im Tode aus dem physischen Leib heraus, und das erscheint bei einer neuen Verkörperung auf eine neue Weise wiederum im Menschen. Dies hat in sich einen Rhythmus, der uns nun hinweist auf einen ähnlichen Verlauf, wie ihn der Mond hat. Wenn wir die menschliche Entwickelung betrachten, so sagen wir uns: Was der Mensch heute erlebt auf der Erde, was gerade sein Ich ausarbeitet als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, das ist erst auf der Erde entwickelt worden; das entwickelt sich nur unter den Verhältnissen, unter denen die Erde zur Sonne steht. Zum Mond aber steht die Erde in einem Verhältnis, das sie früher gehabt hat, das sie behalten hat aus früheren Zuständen ihrer eigenen Entwickelung. Und so weist uns die Erde in ihrem Verhältnis zu dem, was sie als Mond mit sich schleppt, auf frühere Zustände hin. Der Mensch aber weist uns durch seinen heutigen Zustand, durch Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele auf jene Zeiten zurück, in welchen die Träger dieser Seelenglieder, der physische Leib, Ätherleib und astralische Leib, vorbereitet worden sind. Und wie heute noch immer die Sonnenwirkungen arbeiten müssen, damit diese drei Träger der Seele in entsprechender Weise ausgearbeitet werden können, so mußten die Mondenkräfte einstmals an dem Menschen arbeiten, damit diese Träger vorbereitet werden konnten. Wie heute die Mondenkräfte sich in ihrem Verlaufe rhythmisch geordnet zeigen, und wie der innere Mensch rhythmisch geordnet ist, so waren die Mondenkräfte einst zusammenstimmend mit dem Menschen selber und bereiteten das vor, was der Mensch heute ist — so wie die Erde als Mondzustand dasjenige vorbereitete, was sie heute als Erde ist. — So können wir sagen, daß die niedere Natur des Menschen, auf der sich aufbaut die Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, uns zurückweist auf alte Erdenzustände, welche sich die Erde bewahrt hat in dem, was sich uns als Mondenumlauf heute noch zeigt. Und wir sehen, wie also des Menschen Inneres, indem es von Verkörperung zu Verkörperung geht, einen Rhythmus haben muß, der dem Mondenrhythmus entspricht. So war auf früheren Stufen der Erdenentwickelung nicht das, was das vorübergehende Leibliche ist, sondern dasjenige, was von innen heraus an dieser Leiblichkeit arbeitet, mit dem Monde verknüpft, wie heute das äußere Leibliche mit der Sonne verknüpft ist. Die Erde hat in dem Mond etwas zurückbehalten von ihrem früheren Zustande. Und der Mensch hat in seinem Inneren, in seinem Ewigen auch etwas zurückbehalten von früheren Zuständen. Und gerade in diesem Inneren entwickelt er das Höhere, das früher äußerlicher Einfluß war, wiederum in einer innerlich selbständigen Weise.
[ 35 ] Let us take the human being himself as an example and consider him as a soul living within his body and subject to the course of the sun. He appears to us in such a way that we say: For today’s normal consciousness, what is turned toward the sun is all that remains between birth and death. — Try to consider whether what ordinary consciousness experiences today during the waking state—in its threefold dependence on one’s home, the changing seasons, and the changing times of day—whether that is not exhausted in the life between birth and death? Human beings would have nothing else in their consciousness; nothing else would shine into their consciousness if there were only this effect of the sun on the earth and only this relationship between the sun and the earth. What now carries over in the human being from incarnation to incarnation—what appears again and again in a new life—must be sought in that which permeates the outer body soul- and spirit-wise, in that which is also present around the “I” as the astral body during sleep, and in the “I” itself. What emerges from the physical body and the etheric body during sleep as the astral body and the “I” also emerges from the physical body at death, and reappears in a new form within the human being at a new incarnation. This has an inherent rhythm that points us to a course similar to that of the Moon. When we consider human development, we say to ourselves: What the human being experiences on Earth today—what the “I” is currently working out as the soul of feeling, the soul of understanding, and the soul of consciousness—has only recently been developed on Earth; it develops only under the conditions that exist in the Earth’s relationship to the Sun. The Earth, however, stands in a relationship to the Moon that it once had, one it has retained from earlier stages of its own development. And so the Earth, in its relationship to what it carries with it as the Moon, points us back to earlier states. Human beings, however, through their present condition—through the soul of feeling, the soul of understanding, and the soul of consciousness—point us back to those times in which the vehicles for these soul members—the physical body, the etheric body, and the astral body—were prepared. And just as the forces of the Sun must still work today so that these three vehicles of the soul can be developed in the appropriate way, so too did the forces of the Moon once have to work upon the human being so that these vehicles could be prepared. Just as the lunar forces today manifest themselves in a rhythmically ordered manner in their course, and just as the inner human being is rhythmically ordered, so too were the lunar forces once in harmony with the human being itself and prepared what the human being is today—just as the Earth, in its lunar state, prepared what it is today as the Earth. — Thus we can say that the lower nature of the human being, upon which the soul of feeling, the soul of understanding, and the soul of consciousness are built, points us back to ancient earthly states that the Earth has preserved in what still appears to us today as the lunar cycle. And we see how, therefore, the inner being of the human being, as it passes from one incarnation to the next, must have a rhythm that corresponds to the lunar rhythm. Thus, in earlier stages of the Earth’s development, it was not the transitory physical body but rather that which works upon this physicality from within that was linked to the Moon, just as the outer physical body is linked to the Sun today. The Earth has retained something of its earlier state in the Moon. And the human being has also retained something of earlier states within his inner being, in his eternal self. And it is precisely within this inner being that he develops the higher aspects—which were formerly external influences—once again in an inwardly independent manner.
[ 36 ] Das haben wir ja zu betonen, daß der Mensch hinauswächst über die äußeren Einflüsse. Wir sehen, wie der Mensch immer unabhängiger wird, indem er heute schon imstande ist, bei Tag zu schlafen und bei Nacht zu wachen. Aber er muß noch nach dem Rhythmus der Sonne seinen Wechsel im Schlafen und Wachen ordnen; er muß doch den Rhythmus innehalten. In früheren Zuständen war der innere Tag und die innere Nacht ganz entsprechend dem Sonnentag und der Sonnennacht. Da war der Mensch noch mehr gefesselt an die Scholle. Gerade dadurch wird der Mensch selbständig und frei, daß er schon den Rhythmus, in welchem er drinnen steht, innerlich befreit; daß er ihn zwar als Rhythmus beibehält, aber nicht mehr von der Außenwelt abhängig ist. — Es ist so, wie wenn Sie eine Uhr nehmen, die zwar in vierundzwanzig Stunden umläuft, die Sie aber so stellen, daß sie nicht mit der äußeren Zeit übereinstimmt, so daß es bei ihr nicht «zwölf» ist, wenn es draußen «zwölf» ist. Da ist die Uhr zwar nach dem äußeren Rhythmus geordnet, aber es fällt doch ihre Stundenangabe nicht zusammen mit der äußeren Sonnenzeit.
[ 36 ] We must emphasize that human beings transcend external influences. We see how human beings are becoming increasingly independent, as they are already capable today of sleeping during the day and staying awake at night. But they must still organize their alternation between sleep and wakefulness according to the rhythm of the sun; they must still observe that rhythm. In earlier states, the inner day and the inner night corresponded exactly to the solar day and the solar night. Back then, human beings were even more bound to the earth. It is precisely by freeing themselves internally from the rhythm in which they are embedded—by retaining it as a rhythm but no longer being dependent on the external world—that human beings become independent and free. — It is as if you were to take a clock that completes a cycle in twenty-four hours, but set it so that it does not correspond to external time, so that it does not read “twelve” when it is “twelve” outside. Although the clock is organized according to the external rhythm, its indication of the hour does not coincide with external solar time.
[ 37 ] So macht sich der Mensch innerlich frei, indem er den äußeren Rhythmus zu einem innerlichen macht. So hat sich der Mensch schon längst in bezug auf den Mondenrhythmus, der sich auf sein Inneres bezog, innerlich frei gemacht. Deshalb haben wir es betont, daß der Mensch zwar die Mondenphasen innerlich erlebt, daß sie aber nicht angeregt sind durch den Mond am Himmel; sondern daß der Mond am Himmel nur in einem entsprechenden Rhythmus verläuft, weil der Mensch wohl den inneren Rhythmus behalten, aber sich äußerlich davon unabhängig und frei gemacht hat.
[ 37 ] In this way, human beings free themselves inwardly by making the external rhythm an internal one. Thus, human beings have long since freed themselves inwardly with regard to the lunar rhythm, which related to their inner being. That is why we have emphasized that, although human beings experience the phases of the moon internally, these are not stimulated by the moon in the sky; rather, the moon in the sky merely follows a corresponding rhythm because human beings have retained the inner rhythm while making themselves externally independent of it and free from it.
[ 38 ] Auf diesem Wege, den wir für den Menschen konstatieren konnten, ist nun die Erde selbst als ein ganz lebendiges Wesen zu verstehen. Aber da sie uns äußerlich nur ihren physischen Leib zeigt, sich nicht als lebendig, fühlend und wissend zeigt, steht sie sozusagen noch näher dem Mond. Jetzt können wir begreifen, warum wir gar nicht einmal nach den äußeren Tatsachen von einem unmittelbaren Einfluß des Mondes auf Ebbe und Flut sprechen können, sondern daß wir nur sagen können: Ebbe und Flut in ihrer Zeit entsprechen dem Umlauf des Mondes; aber wir können nicht von einem unmittelbaren äußeren Einfluß des Mondes sprechen, weil der Mond tatsächlich nicht Ebbe und Flut bewirkt; sondern weil Ebbe und Flut und der Mondenumlauf von tieferen geistigen Kräften in der lebendigen Erde bewirkt werden. Mondenumlauf und Ebbe und Flut entsprechen einander; aber sie stehen ebensowenig in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis, wie der heutige Mond in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis steht zu dem, was ich Ihnen als Rhythmus bei dem produktiven und hellsichtigen Menschen angeführt habe.
[ 38 ] In this way, which we have been able to establish for human beings, the Earth itself must now be understood as a fully living being. But since it reveals to us only its physical body outwardly—and does not reveal itself as living, feeling, and knowing—it stands, so to speak, even closer to the Moon. Now we can understand why, based on the external facts alone, we cannot even speak of a direct influence of the Moon on the tides, but can only say: The tides, in their timing, correspond to the Moon’s orbit; but we cannot speak of a direct external influence of the Moon, because the Moon does not actually cause the tides; rather, the tides and the Moon’s orbit are brought about by deeper spiritual forces within the living Earth. The Moon’s orbit and the tides correspond to one another; but they are no more in a direct relationship of dependence than the Moon as we see it today is in a direct relationship of dependence to what I have described to you as the rhythm in the productive and clairvoyant human being.
[ 39 ] So sehen wir, wie gerade aus den geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen heraus die äußeren Tatsachen wunderbar sich uns aufklären: Ebbe und Flut entsprechen einem inneren Vorgang in unserer Erde, der nicht nur Ebbe und Flut, sondern auch den Mondenumlauf bewirkt. Sie entsprechen einander, wie der Gang der Uhr dem Verlauf der äußeren Sonnenzeit entspricht, obwohl keiner behaupten könnte, daß die Sonne die Zeiger der Uhr umdreht. Das sind Entsprechungen, die auf eine gemeinsame Ursache zurückgehen, die aber nicht einander bewirken. Und wenn Sie diese Voraussetzungen der Geisteswissenschaft nehmen, und alle Bücher durchgehen, wo Sie registriert finden alle Erscheinungen von Mond und Erde — und Ebbe und Flut, dann werden Sie die wahren Verhältnisse zwischen Mond und Erde und auch zwischen Mond und Mensch finden.
[ 39 ] Thus we see how, precisely on the basis of the premises of the spiritual sciences, external facts are wonderfully elucidated for us: the tides correspond to an internal process within our Earth that causes not only the tides but also the Moon’s orbit. They correspond to one another just as the ticking of a clock corresponds to the passage of external solar time, although no one could claim that the sun turns the clock’s hands. These are correspondences that stem from a common cause but do not cause one another. And if you take these premises of spiritual science and go through all the books where you will find recorded all the phenomena of the Moon and the Earth—and the tides—then you will discover the true relationships between the Moon and the Earth, and also between the Moon and humankind.
[ 40 ] Sie können sich leicht denken: wenn der Mensch unselbständig wird, heruntergedrückt wird vom vollbewußten Zustande in weniger bewußte Zustände, wenn er versinkt in ein Unbewußtsein, da geht er zurück in frühere Entwickelungsphasen. Der Mensch ist von der Bewußtlosigkeit fortgeschritten zu seiner heutigen Bewußtheit. Von der früheren Mondabhängigkeit und dem Mondeinfluß, der direkt war, ist der Mensch zu der heutigen Unabhängigkeit vom Mond — und zu der Abhängigkeit von der Sonne fortgeschritten. Daher müssen wir sagen: Weil der Mensch früher unmittelbar vom Monde abhängig war, so wird sich dasjenige, was sich dann abspielt, wenn sein Bewußtseinszustand heruntergedämpft ist, nach dem Mondenlauf richten. Das zeigt atavistisch, wie eine alte Erbschaft, noch einen Zusammenhang mit den Mondphasen. Bei medial veranlagten Menschen, bei denen das eigentliche Ich-Bewußtsein so heruntergedrückt ist, daß sie wie eine alte Erbschaft dasjenige zeigen, was früher einmal in der Entwickelung vorhanden war, bei ihnen zeigt sich daher noch der frühere Mondeinfluß. Ebenso wenn bei Menschen durch gewisse Krankheitszustäinde das Bewußtsein heruntergedrückt wird.
[ 40 ] It is easy to imagine: when a person loses their autonomy, is pushed down from a fully conscious state into less conscious states, when they sink into unconsciousness, they regress to earlier stages of development. Humanity has progressed from a state of unconsciousness to its present level of consciousness. From its earlier dependence on the Moon and the Moon’s direct influence, humanity has progressed to its present independence from the Moon—and to dependence on the Sun. Therefore, we must say: Because human beings were once directly dependent on the Moon, what occurs when their state of consciousness is subdued will be governed by the lunar cycle. This reveals, in an atavistic way—like an ancient inheritance—a connection to the phases of the Moon. In people with mediumistic predispositions, whose actual sense of self is so suppressed that they manifest—like an ancient inheritance—what was once present in their evolution, the earlier influence of the Moon is still evident. The same is true when certain medical conditions suppress a person’s consciousness.
[ 41 ] Diese Erscheinungen werden Sie aus der Geisteswissenschaft jetzt voll begreifen können, wenn Sie diese Prinzipien kennen. Überall werden Sie im Leben die Belege für das finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat. Und zum Schluß nun noch eines.
[ 41 ] You will now be able to fully understand these phenomena from the perspective of spiritual science once you are familiar with these principles. Everywhere in life, you will find evidence of what spiritual science has to say. And finally, one more thing.
[ 42 ] Wenn der Mensch herausgeboren wird aus der dunklen Naturgrundlage, nachdem er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durch die geistige Welt durchgegangen ist und wiedererscheint in einer neuen Körperlichkeit, da muß er, bevor er an das Licht des Tages tritt, herausgeboren werden aus Verhältnissen, die an frühere Zustände der Erde erinnern. Und dieses entsprechende Gebiet der Wissenschaft rechnet noch immer den Keimzustand des Menschen nach zehn Mondmonaten. Da haben wir einen Rhythmus, der in zehn aufeinanderfolgenden Mondperioden abläuft. Da sehen wir, wie der Mensch in der Zeit, bevor er an das Licht der Sonne tritt, sich unter Verhältnissen entwickelt, die wir nur erklären können, wenn wir überhaupt an den Rhythmus des Mondes anknüpfen. So sehen wir, wie die Erde in dem Monde und ihrem Rhythmus uns bewahrt hat, was sie selbst vor ihrem Erdendasein durchlebt hat. Und wir betrachten heute die menschliche Entwickelung während der Keimeszeit und sehen, wie in dieser Zeit, in zehn Mondmonaten, jeder Woche — also jeder Mondphase ein ganz besonderer Zustand in der Entwickelung des Embryo entspricht. Wiederum hat sich der Mensch darin erhalten, was wir als Mondrhythmus bezeichnen können.
[ 42 ] When a human being is born out of the dark natural foundation—after having passed through the spiritual world between death and a new birth and reappearing in a new physical form—he must, before stepping into the light of day, be born out of conditions that recall earlier states of the Earth. And this corresponding field of science still calculates the human embryonic state as lasting ten lunar months. Here we have a rhythm that unfolds over ten consecutive lunar periods. Here we see how, in the time before the human being steps into the light of the sun, he develops under conditions that we can only explain by referring to the rhythm of the moon. Thus we see how the Earth, through the Moon and its rhythm, has preserved for us what it itself experienced before its existence on Earth. And today, as we observe human development during the embryonic period, we see how during this time—ten lunar months—each week—that is, each lunar phase—corresponds to a very specific stage in the embryo’s development. Once again, humanity has preserved within itself what we might call the lunar rhythm.
[ 43 ] Und noch eine ganze andere Anzahl von Erscheinungen gibt es, die mit dem Dasein des Menschen zusammenhängen, bevor er aus dunklen Untergründen an das Tageslicht tritt, die zwar durchaus nicht Wirkungen des Mondes sind, auch nicht mit den Mondphasen zusammenfallen, wohl aber denselben Rhythmus widerspiegeln, weil sie zurückführen auf Ursachen, die einmal die Erde hat sehen lassen in Verhältnissen, unter denen sie früher vorhanden war.
[ 43 ] And there is yet another whole range of phenomena connected with human existence before a person emerges from the dark depths into the light of day—phenomena that are by no means effects of the moon, nor do they coincide with the phases of the moon, but which do reflect the same rhythm, because they can be traced back to causes that once allowed the Earth to exist under conditions that prevailed in the past.
[ 44 ] Damit habe ich hineingeleuchtet in ein Gebiet, das sich öffentlich nicht weiter beleuchten läßt. Diejenigen, die nachdenken wollen, werden sehen, daß sich hier eine Perspektive auftut hinein in die Gebiete des Lebens, wo die Geisteswissenschaft tatsächlich eine Richtung angeben kann, die weit, weit aufklärend wirkt in bezug auf dasjenige im Menschen, was sich dem äußeren Sonnenlicht entzieht, was hinter dem äußeren Sonnenlicht liegt — was man also erforschen muß durch ein anderes Licht als dasjenige, was am äußeren Sonnenlicht als Erkenntnislicht herangezüchtet ist: nämlich durch jenes Erkenntnisvermögen, das nicht angewiesen ist auf den Dienst, den Empfindungsleib, Lebensleib und physischer Leib unter dem Einfluß der Sonne zu tun imstande sind. Das hellseherische Vermögen macht sich wiederum unabhängig von diesen drei Leibern, kann sich wiederum in das Innere vertiefen, in die geistige Welt hineinschauen und sich ein Erkenntnisvermögen dessen eröffnen, was hinter dem äußeren Sonnenlicht liegt, was aber darum nicht weniger lichtvoll und erhellt ist. — Auf diese Weise haben Sie gesehen, wie durch die Geisteswissenschaft in verschiedenster Art Anregungen gegeben werden können. Aber ich muß schon aufmerksam darauf machen, daß man für die Geisteswissenschaft in bezug auf die Mondfrage intimere Lichter haben muß, wenn man in die Dinge hineinkommen will.
[ 44 ] With this, I have shed light on an area that cannot be further illuminated in public. Those who are willing to reflect will see that a new perspective opens up here into those realms of life where spiritual science can indeed point the way—a way that sheds far, far greater light on that aspect of the human being which eludes the light of the sun, which lies beyond the light of the sun — which must therefore be explored by a light other than that which has been cultivated from the outer sunlight as the light of knowledge: namely, by that faculty of knowledge that does not depend on the service that the sensory body, the life body, and the physical body are capable of performing under the influence of the sun. The clairvoyant faculty, in turn, becomes independent of these three bodies; it can delve into the inner realm, look into the spiritual world, and open up a capacity for knowledge of that which lies beyond the outer sunlight—which is no less luminous and illuminating for that. —In this way, you have seen how spiritual science can provide inspiration in a wide variety of ways. But I must point out that, when it comes to the question of the Moon, one must have a deeper understanding of spiritual science if one wishes to penetrate to the heart of these matters.
[ 45 ] Es fällt mir am Schlusse noch ein Gedicht ein von dem deutschen Dichter und Lyriker Wilhelm Müller; ein Gedicht, von dem uns hier nur die letzte Strophe interessieren soll. Da wird der Mond angesprochen, und allerlei Intimitäten werden gewechselt zwischen einem Menschen und dem Mond, und dann wird gesagt, weil da die Seele ganz merkwürdige Dinge zu dem Mond gesprochen hat:
[ 45 ] Finally, a poem by the German poet and lyricist Wilhelm Müller comes to mind; a poem of which only the last stanza is of interest to us here. The moon is addressed, and all sorts of intimate exchanges take place between a person and the moon, and then—because the soul has spoken some very strange things to the moon—it is said:
Dies Liedchen ist ein Abendreih’n,
Ein Wandrer sang’s im Vollmondschein;
Und die es lesen bei Kerzenlicht,
Die Leute verstehn das Liedchen nicht,
Und ist doch kinderleicht!
This little song is an evening rhyme,
A wanderer sang it in the full moonlight;
And those who read it by candlelight,
People don’t understand this little song,
And yet it’s as easy as pie!
[ 46 ] So ähnlich müssen wir das aufnehmen, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, wie wir es angedeutet haben über den Mond und seine Bedeutung im Menschenleben. Wir müssen sagen: Das Lied der Geisteswissenschaft über den Mond ist tatsächlich nur zu singen bei einigem Verständnis für die intimeren Begriffe der Geisteswissenschaft. Diejenigen Menschen, die es lesen wollen beim Kerzenlichte — ich meine in diesem Falle das Teleskop —, bei dem, was sich vom Monde zeigt durch die Mondphotographie und all das, was man heute Mondforschung nennt, diese Leute werden schwer dieses Lied der Geisteswissenschaft vom Monde verstehen. Aber dennoch werden diejenigen, die nur ein klein wenig eingehen wollen auf das, was sich von allen Seiten aus dem Leben ergibt, sagen müssen: Im Grunde genommen ist es gar nicht so schwer, die Sache zu verstehen! Wer das Lied der Geisteswissenschaft vom Monde nicht nur verstehen will beim Kerzenlicht des Teleskops, sondern bei dem lebendigen Licht des Geistes, das auch leuchtet, wenn keine äußeren Sinneseindrücke vorhanden sind, für den ist — wenn er nur will — dieses Lied vom Monde und damit von einem wichtigen Bestandteil des Lebens doch recht leicht, wenn auch nicht kinderleicht!
[ 46 ] We must approach what spiritual science has to say in much the same way as we have indicated regarding the moon and its significance in human life. We must say: The song of spiritual science about the moon can truly be sung only with some understanding of the more intimate concepts of spiritual science. Those people who wish to read it by candlelight—I mean, in this case, through the telescope—based on what the moon reveals through lunar photography and all that is today called lunar research, these people will find it difficult to understand this song of spiritual science about the moon. And yet, those who are willing to delve even a little into what emerges from all aspects of life will have to admit: When you get right down to it, it’s not that hard to understand! For those who wish to understand the spiritual science’s song of the moon not merely by the “candlelight” of the telescope, but by the living light of the spirit—which shines even when no external sensory impressions are present—this song of the moon, and thus of an important aspect of life, is quite easy—if they are willing—even if it is not child’s play!
