Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
First Part
GA 58
9 December 1909, Berlin
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Metamorphoses of the Soul. paths of Experience I, tr. Davy, et. al.
9. Einiges über den Mond in geisteswissenschaftlicher Beleuchtung
9. Something about the Moon in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Mit meinem heutigen Vortrag innerhalb unseres diesjährigen Winterzyklus bin ich allerdings in einer etwas schwierigeren Lage als in bezug auf alle übrigen Vorträge. Es sollen heute Andeutungen gegeben werden, welche ziemlich herausfallen aus der Anschauungsweise und Vorstellungsart, die man gegenwärtig als «wissenschaftlich» gelten läßt; und da das Vorstellen und die Anschauungsweise der Menschen sich erzieht an dem, was gewohnt und gebraucht ist im wissenschaftlichen und populär-wissenschaftlichen Verkehr, so darf wohl gesagt werden: weil der Gegenstand des heutigen Vortrages davon so fernab liegt, so kann gegenwärtig bei einem größeren Publikum auch nicht viel Neigung vorhanden sein, solche Andeutungen als etwas anderes anzusehen denn als eine Träumerei, mehr der Willkür des Denkens und Vorstellens entspringend als dem, was sie nun in Wirklichkeit doch sind: Konsequenzen geisteswissenschaftlicher Forschung. Deshalb bitte ich Sie, den heutigen Vortrag innerhalb unseres Winterzyklus als eine Art Episode zu betrachten, daß er eine Anregung geben soll nach einer gewissen Seite hin, die gerade in diesem Winter geisteswissenschaftlich weniger berührt wird, die vielleicht im nächsten Jahre eingehender behandelt werden wird. Es muß aber doch diese Anregung gegeben werden, um zu zeigen, daß dasjenige, was uns in diesem Winter hier beschäftigt als Seelenwissenschaft, überall Richtungen angibt, die hinausführen aus dem unmittelbaren Umkreis des menschlichen Seelenlebens hinein in die großen Zusammenhänge des Weltendaseins, des ganzen Kosmos. Und dann bitte ich Sie auch zu berücksichtigen, daß aus einem weiten Gebiete heute ein ganz kurzes Kapitel andeutungsweise herausgehoben wird; daß daher der heutige Vortrag ganz genau auf sein Thema hin angesehen werden muß: «Einiges über den Mond in geisteswissenschaftlicher Beleuchtung!» Nicht aber etwas Erschöpfendes über das Thema kann das sein, was ich werde zu sagen haben.
[ 1 ] The lecture I am to give today puts me in a difficult position. I want to make some remarks which fall outside the way of thinking now called “scientific”. Since the views of most people are largely formed by the ideas generally current in scientific and popular-scientific circles, and since the subject-matter of this lecture will be far removed from any such ideas, the public at large may be inclined to regard my statements as mere fancies, derived from quite arbitrary cogitations, rather than for what they really are: the outcome of spiritual-scientific research. I would ask you, therefore, to take this lecture as a sort of episode in our winter series, intended to point in a direction to which I am not likely to return this year, though it may occupy us further next year. The reason for touching on it now, is to show that what we are dealing with this winter as a science of the soul, branches out in many ways that lead from the immediate realm of human soul-life to the great connections we find in the wide universe, the whole cosmos. Finally, I must ask you to remember that this lecture will deal only with one short chapter from a very large volume. It must be seen in strict relation to its title, “Something about the Moon in the Light of Spiritual Science”. It will not attempt to be in any way exhaustive.
[ 2 ] Über den Mond werden Sie heute in den mannigfaltigsten populären Büchern dieses oder jenes vom Standpunkte der heutigen Wissenschaft lesen. Aber dieser Unterricht, den Sie sich da selber durch Vorträge oder durch die populäre oder sonstige wissenschaftliche Literatur geben können, wird Sie recht unbefriedigt lassen in bezug auf die eigentlichen Fragen über diesen merkwürdigen Begleiter unserer Erde, den wir den Mond nennen. Denn von Jahrzehnt zu Jahrzehnt im Laufe des 19. Jahrhunderts sind die Angaben der äußeren Wissenschaft über den Mond, nach einer gewissen Seite hin, mit Recht immer vorsichtiger und vorsichtiger geworden, aber auch immer spärlicher; und was man sonst in diesen Mitteilungen über den Mond finden kann, wird uns heute am allerwenigsten beschäftigen. Daß das Fernrohr und die astronomische Photographie uns ein gewisses Bild der Mondscheibe gibt, daß man das, was auf der Mondscheibe zu erkennen ist, bezeichnet als kraterförmige Gebilde, als allerlei Rillen, Mondebenen, Mondtäler und dergleichen, daß man sich daraus eine gewisse Anschauung bildet von dem rein räumlichen Antlitz des Mondes, das alles ist es nicht, was uns beschäftigen soll. Aber im wirklich geisteswissenschaftlichen Sinne soll heute die Frage aufgeworfen werden: Hat der Mond irgendeinen besonderen Einfluß, eine besondere Bedeutung für das Erdenleben?
[ 2 ] In all sorts of popular books you will find this or that said about the moon from the standpoint of science today. But all you can learn from these sources or from the scientific literature will leave you quite unsatisfied as regards the real questions concerning this strange companion of the earth. As the 19th century advanced, the statements of science with regard to the moon became more and more cautious, but also less frequent; but today they will occupy us hardly at all. The picture of the moon's surface given by telescopes and astronomical photography, the descriptions of its surface-markings as crater-like formations, grooves, plains and valleys and suchlike, and the consequent impressions one can gain of the purely spatial countenance of the moon—all this will not concern us. The question for us today is a truly spiritual-scientific one—whether the moon has any special influence on or significance for human life on earth.
[ 3 ] Von einer solchen Bedeutung des Mondes für das Erdenleben hat man ja in den verschiedenen verflossenen Jahrhunderten nach mancherlei Richtungen hin gesprochen. Und da man, was ja nicht zu leugnen ist, alles, was auf der Erde jahraus, jahrein geschieht, in Zusammenhang bringen muß mit der Stellung der Erde zur Sonne und den verschiedenen Verhältnissen in bezug auf ihre Bewegung zur Sonne, so hat man sich immer gefragt, ob außer den gewaltigen Einflüssen von Sonnenlicht, Sonnenwärme und sonstigen Sonnenwirkungen auf unsere Erde nicht auch das andere Himmelslicht, der Mond, irgendwelche Bedeutung habe für das Erdenleben, insbesondere vielleicht auch für das Menschenleben. Man war in gar nicht ferner Vergangenheit geneigt, von einem ziemlich starken Einfluß des Mondes auf das Erdenleben zu sprechen. Ganz abgesehen davon, daß es ja seit langen Zeiten üblich ist, diejenigen Erscheinungen der Erde, die man als Ebbe und Flut des Meeres bezeichnet, in Zusammenhang zu bringen mit den Anziehungen des Mondes, hat man auch immer von einem Einfluß des Mondes auf die Witterungsverhältnisse unserer Erde gesprochen. Und noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben ganz ernsthafte wissenschaftliche Forscher und Ärzte Zusammenstellungen darüber gemacht, wie der Mond in seinen verschiedenen Erscheinungen bestimmte Wirkungen habe auf diese oder jene Krankheitsfälle beim Menschen, oder auf den Ablauf des menschlichen Lebens überhaupt. Man hatte es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts keineswegs bloß zu tun mit dem, was man Volksglauben oder Volksaberglauben nennen könnte, wenn man zum Beispiel von ‘einem Einfluß der Mondphasen auf Fiebererscheinungen, auf asthmatische Erscheinungen, auf den ominösen Kropf und dergleichen sprach; sondern es gab immer auch Ärzte und wissenschaftliche Naturforscher, die solche Fälle registrierten, weil sie glaubten, annehmen zu müssen, daß der Wechsel der Mondphasen auf den Ablauf des menschlichen Lebens und auf Krankheit und Gesundheit Einfluß habe.
[ 3 ] A significance of this kind has been spoken of from various points of view in the course of past centuries. And since everything that happens on earth, year in and year out, is related to the changing position of the earth relative to the sun, and is subject to the vast influence of the sun's light and heat, it was natural to wonder whether that other heavenly luminary, the moon, might not have some importance for life on earth, and especially for human life. In the comparatively recent past, people were inclined to speak of the moon as having a fairly powerful influence on earthly life. Quite apart from the fact that it has long been customary to attribute to the moon's attraction the so-called ebb and flow of the sea, the moon has always been regarded as affecting weather conditions on earth. Moreover, as late as the first half of the 19th century, serious scientists and doctors collated observations of how the moon in its various phases had a definite effect on certain illnesses, and even on the course of human life as a whole. It was then by no means a mere popular superstition to consider the influence of the moon in relation to the ups and downs of fever, of asthma, of goitre and the like; there were still doctors who recorded such cases because they felt compelled to believe that the phases of the moon had some influence on the course of human life and on health and disease in particular.
[ 4 ] Mit dem Heranrücken jener wissenschaftlichen Denkweise, von der klar zu erkennen ist, daß sie ihre Morgenröte und ihren Sonnenaufgang in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat, wurde die Neigung, dem Mond irgendeine Bedeutung für das Erdenleben zuzuschreiben, immer geringer. Einzig und allein blieb die Anschauung, daß der Mond der Veranlasser sei von Ebbe und Flut des Meeres. Dagegen wurde man immer weniger geneigt, dem Mond zum Beispiel irgendeinen Einfluß auf Witterungserscheinungen zuzuschreiben oder gar auf die anderen genannten Erscheinungen des menschlichen oder des sonstigen Lebens auf der Erde. Und insbesondere war es ein auf einem bestimmten Gebiete des naturwissenschaftlichen Erkennens im 19. Jahrhundert außerordentlich bedeutsamer und epochemachender Forscher, der einmal die ganze Schale seines Zornes über diejenigen ausgegossen hat, welche irgendwie noch Miene machten, von einem Einfluß des Mondes zu sprechen, sei es auch nur auf Witterungsverhältnisse oder sonstige Erscheinungen unserer Erde. Dieser hervorragende Forscher war der Entdecker von der Bedeutung der Pflanzenzelle, Schleiden. Er, der auf diesem Gebiete so Epochemachendes geleistet hat, er hat einmal in ganz intensiver Weise das Wort ergriffen gegen einen anderen deutschen Naturforscher, der gerade eine gewisse große Bedeutung erlangt hat da, wo es sich darum handelt, intime oder auch Grenzgebiete der Forschung ins Auge zu fassen, gegen Gustav Theodor Fechner. Es ist heute etwa ein halbes Jahrhundert her, daß jener berühmte «Mondenstreit» ausgefochten wurde zwischen dem bedeutsamen Entdekker der Pflanzenzelle und Gustav Theodor Fechner, der in seiner «Zend-Avesta» versucht hat, zum Beispiel die Anschauung, daß das pflanzliche Leben beseelt sei, durchzuführen; der in seiner Vorschule zur Ästhetik, in seiner «Psychophysik» manches geleistet hat für das intime naturwissenschaftliche Erkennen. Man darf vielleicht über diesen berühmten Mondenstreit nicht sprechen, ohne mit ein paar Worten auch Gustav Theodor Fechner genauer zu charakterisieren.
[ 4 ] With the rise of that scientific way of thinking which had its dawn and sunrise in the middle of the 19th century, the inclination to allow the moon any influence on human life diminished continuously. Only the belief that the moon causes the tides of the sea survived. And there was one very important scientist, Schleiden,65Matthias Jakob Schleiden, 1804–1881, Professor of Botany at the University of Jena. who poured out the vials of his wrath on those who still believed in the influence of the moon, even if it were only on the weather or on some other terrestrial phenomena. Schleiden, who had done outstanding work in his own sphere by his discovery of the significance of the plant-cell, launched a vehement attack on another German natural scientist, Gustav Theodor Fechner,66Gustav Theodor Fechner, 1801–1887, Professor of Physics at the University of Leipzig. See The Riddles of Philosophy, 1973 edition, pp. 279, 375ff., 376, 380, 383. Published by Anthroposophic Press, New York. notable especially for directing attention to certain subtle or frontier aspects of research. Thus in his Zend Avesta Fechner tried to show that the life of plants is endowed with soul, while in his Introduction to Aesthetics and his Elements of Psychophysics he achieved a great deal for the more intimate aspects of natural science. It may be better not to discuss this celebrated controversy about the moon without saying a little more about Fechner himself.
[ 5 ] Gustav Theodor Fechner war ein Forscher, der auf der einen Seite mit ungeheurer Emsigkeit und mit einer wirklich großen Umsicht und Genauigkeit versuchte, überall die äußeren Tatsachen der Forschung zusammenzustellen; dann aber wandte er eine Methode an, die man nennen könnte die Methode der Analogien, um zu zeigen, wie alle Erscheinungen nicht nur im menschlichen Leben, sondern im pflanzlichen Leben zum Beispiel beseelt seien. Die Methode der Analogie wandte er an, indem er ausging von den Erscheinungen des menschlichen Lebens, indem er zeigte, wie dieses menschliche Leben verläuft, und dann ähnliche Tatsachen und Erscheinungen nahm, die sich der Anschauung, sagen wir als Leben der Erde, als Leben eines ganzen Sonnensystems, als Leben der Pflanzenwelt darbieten. Und indem er dann solche Erscheinungen mit dem menschlichen Leben verglich, bot sich ihm Analogie über Analogie, und er versuchte daraus eine Anschauung zu gewinnen, die er etwa so formulierte: Wenn wir das menschliche Leben verfolgen mit seiner Beseelung, so zeigt sich uns diese Erscheinung; wenn wir die anderen Erscheinungen verfolgen, können wir gewisse Ähnlichkeiten mit dem Menschenleben feststellen. Warum also sollen wir die anderen Erscheinungen nicht auch als «beseelt» anerkennen?
[ 5 ] Fechner was an investigator who tried, with immense assiduity and great care and precision, to bring together the external facts in various fields of research; but he also used a method of analogies in order to show, for example, that all the phenomena of plant-life, and not only of human life, are ensouled. Starting with the phenomena of human life as it runs its course, he took similar facts and phenomena as they appear to observation in, let us say, the life of the earth, or of a whole solar system, or of the plant-world. When he compared these phenomena with those of human life, he found one analogy after another. Hence he concluded—to put it roughly—that in studying human life, with its ensoulment, we observe the occurrence of certain phenomena; and if in observing other phenomena we can establish certain similarities with human life, why should we not recognise the other phenomena as being also “ensouled”?
[ 6 ] Wer auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht und gewohnt ist, alles, was sich auf das Geistesleben bezieht, in einem strengen Sinne wissenschaftlich so zu betrachten, wie der Naturforscher gewohnt ist, wissenschaftlich die äußere Erscheinungswelt zu betrachten, dem kommt manches, was Gustav Theodor Fechner in recht geistreicher Weise ausgeführt hat, wie eine bloße geistreiche Spielerei vor; und obwohl eine solche geistreiche Spielerei durchaus anregend sein kann, den Geist flüssig machen kann, so ist es doch notwendig, daß man mit der bloßen Analogiewirtschaft außerordentlich vorsichtig ist. Man kann sagen: Wenn jemand als ein anregender Geist wie Gustav Theodor Fechner so etwas tut, so ist es sehr interessant; wenn aber heute wiederum Leute, die wirklich zu dem Urteil berechtigen, daß sie die Welträtsel mit möglichst wenig Wissen und viel Behagen lösen möchten, sich auf Fechner berufen, und manches von ihm zu ihrer eigenen Vorstellungsart machen, so muß doch betont werden, daß der Nachahmer, der Nachbeter, durchaus nicht immer dieselbe Empfindung und Befriedigung in uns hervorrufen muß wie derjenige, der als erster auf diesem Gebiete eine gewisse Anregung gibt, die wir als geistreich anerkennen, aber durchaus nicht als etwas anderes gelten lassen können.
[ 6 ] Anyone who stands on the ground of Spiritual Science, and is used to examining everything related to the spiritual in as strictly scientific a sense as the natural scientist applies to his studies of external phenomena, will feel that a good deal of what Fechner works out so cleverly is merely an ingenious game; and however stimulating a game of this kind may be, the greatest care must be taken in dealing with mere analogies. When a stimulating thinker such as Fechner employs this method, his work may be very interesting. But there are people of whom it can justly be said that they would like to solve the riddles of the world with as little knowledge and as much comfort as possible. And if they lean on Fechner and make his methods their own, we must remember that an imitator or a copyist does not by any means call forth in us the same feelings of satisfaction as does the man who was first in his own field—a man who we recognise as gifted and stimulating, even though we cannot credit him with anything more.
[ 7 ] Schleiden braucht man ja nicht anders zu charakterisieren, als daß man sagt: Er ist der bedeutsame Entdekker der Pflanzenzelle. Damit ist es von vornherein begreiflich, daß ein solcher Geist, der alle seine Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten auf das Reale richten muß, auf das, was man eben mit den äußeren Werkzeugen wahrnehmen kann, auch die Neigung hat, auf diesem äußerlich Realen stehen zu bleiben, und nur wenig Sympathie empfinden kann für Analogien oder für alles, was da ausgesprochen wurde, um dasjenige, was — wie Schleiden sagte — zusammengesetzt ist aus einzelnen Pflanzen, und was ihm als dem ersten Entdecker wie ein Wunder vorkommen mußte, um das auf eine durch Analogien gewonnene Weise zu beseelen. So wurde für Schleiden alles ein ziemlicher Greuel, was, von einer solchen geistreichen Form ausgehend, über sozusagen im Kleineren spielende Zusammenhänge in der Natur sprach. Und gerade mit Rücksicht auf Gustav Theodor Fechners Analogien-Denkweise hat Schleiden dann die Schale seines Zornes ergossen und hat dabei auch die Mondfrage berührt. Er sagt mit Rücksicht nicht nur auf Fechner, sondern auf alle, welche gewohnt waren in alter Weise, wie es durch die Jahrhunderte hindurch geschehen war, dem Mond allerlei Einflüsse auf Witterung und andere Verhältnisse zuzuschreiben: Dem Mond geht es so, wie der Katze im Haushalt. Wenn im Haushalt etwas geschehen ist, was man nicht recht erklären kann, dann sagt man: die Katze hat es getan! Ebenso ist es, wenn man in der Natur irgend etwas findet, Witterungsverhältnisse oder dergleichen, was man nicht zurückführen kann auf die Tatsachen des Sonnenumlaufes und so weiter, daß man dann sagt: Nun, der Mond ist es, der sich da einmischt, und der das, was aus anderen Ursachen heraus nicht zu erklären ist, nun seinerseits bewirkt! — So wurde für Schleiden der Mond die Katze der Naturforschung, weil diese Naturforschung, wo sie noch keinen Aufschluß geben kann, sage: Der Mond hat es getan. Und diese Denkweise warf er denen vor, die sozusagen «Mondgläubige» in angedeuteter Art waren.
[ 7 ] We have no need to characterise Schleiden any further than by saying that he discovered the significance of the plant-cell. Clearly such a man, who directed all his perceptive and cognitive faculties towards the immediately real—that is, towards what can be perceived with external instruments—will have little sympathy for analogies or with anything else that Fechner spoke of in his endeavours to show that plants are ensouled; for in Schleiden's view they are made up of single cells, and this fact naturally seemed to him, as its discoverer, a wonderful thing. So for Schleiden it was something of an outrage that speculations, with this brilliant model available as a starting-point, should prefer to deal with some even subtler relationships in nature. It was particularly Fechner's method of analogies that aroused Schleiden's wrath, and in this connection he touched on the question of the moon. With reference not only to Fechner but to all those who clung to the centuries-old tradition of attributing to the moon all sorts of influences on the weather, etc., he said that for these people the moon was like a cat in the house, held responsible for everything that cannot be otherwise explained.
[ 8 ] Gustav Theodor Fechner fühlte sich natürlich getroffen; denn die Spitze war ja hauptsächlich gegen ihn gerichtet. Und er unternahm jetzt eine Arbeit, die gleichgültig, ob man sie zustimmend oder ablehnend betrachten will — außerordentlich anregend ist; denn trotzdem Einzelheiten heute vielfach überholt sind, ist diese 1856 von Fechner verfaßte Abhandlung «Schleiden und der Mond» eine außerordentlich interessante. Auf die Erscheinungen von Ebbe und Flut brauchte ja Fechner nicht besonders einzugehen, weil ja auch Schleiden sie gelten ließ. Dagegen war schon für alle Witterungsverhältnisse für Schleiden eben der Mond die Katze der Naturforschung. — Fechner machte sich nun daran, ganz genau dasselbe Tatsachenmaterial zu prüfen, das Schleiden angeführt hatte gegen die Katze, gegen die Mondforschung, und er hat aus demselben Material einen sehr merkwürdigen Schluß gezogen. Wer an der Hand dieses Buches die Ausführungen prüft, der wird schon sehen, daß Gustav Theodor Fechner auf diesem Gebiete ein außerordentlich vorsichtiger Mensch ist, der durchaus — eben nur auf einem intimeren Gebiete — naturwissenschaftlich zu Werke ging. Da bekommt Gustav Theodor Fechner denn zunächst heraus — aus einer Unzahl von Tatsachen, die wir einzeln nicht anzuführen brauchen, jeder kann sie nachlesen —, daß Regenmenge und Regenhäufigkeit für viele Beobachtungen sich so zeigten, daß sie mit zunehmendem Monde größer waren als mit abnehmendem Monde; größer, wenn der Mond in Erdnähe war, und kleiner, wenn der Mond in Erdferne war; und zwar so, daß man sogar die Menge der Niederschläge, die Menge des Regens bei zunehmendem Monde zu der Regenmenge bei abnehmendem Monde mit der Verhältniszahl von 107:100 bezeichnen kann. Und Fechner ging sehr vorsichtug zu Werke. — Ich bemerke, daß es sich nicht um Beobachtungen von zwei oder drei Jahren handelte; sondern gewisse Beobachtungsreihen waren auf Jahrzehnte ausgedehnt und bezogen sich nicht auf einen, sondern auf viele europäische Orte. — Aber Fechner sagte, um nun auch auf eine andere Weise den Zufall auszuschließen: Nehmen wir an, das sei ein bloßer Zufall, und es bewirkten andere Verhältnisse, die auf die Witterung einwirken, daß dieses Verhältnis von 107 :100 herauskommt. Da betrachtete Fechner nun auch zum Überfluß noch die Witterungsverhältnisse an allen geraden Tagen während des Mondenlaufes und an allen ungeraden Tagen. Denn er meinte: würde nicht zunehmender und abnehmender Mond die Ursache sein, so müßte, statt daß man die Tage des zunehmenden und des abnehmenden Mondes betrachtete, während der geraden und ungeraden Tage dasselbe Verhältnis herauskommen. Das ist aber nicht der Fall. Da kam eine ganz andere Zahl heraus; durchaus nicht ein konstantes, sondern ein veränderliches Verhältnis, von welchem man sagen kann, es ist dem Zufall unterworfen. Für Fechner war aber auch klar, daß er damit kein welterschütterndes Resultat gewonnen hatte; denn er mußte sich sagen: einen großen, gewaltigen Einfluß hat der Mond auf die Witterung nicht; aber die Tatsachen sprechen so, als ob der Mond doch einen Einfluß auf die Witterung habe. Und wie Sie schon gesehen haben, ging Fechner ganz wissenschaftlich vor, indem er nur die an den einzelnen Beobachtungsorten von strengen Forschern gewonnenen Resultate in Rechnung zog. Dann versuchte er ein Ähnliches in bezug auf Fieber und sonstige Lebenserscheinungen, und bekam auch da — nicht ein negatives, wenn auch nicht bedeutungsvolles, so doch ein Resultat, von dem man sagen kann: es läßt sich durchaus nicht ableugnen, daß solche Erscheinungen, wie das, sagen wir, der Volksglaube annimmt, anders verlaufen bei zunehmendem und anders bei abnehmendem Mond.
[ 8 ] Fechner naturally felt challenged as he was the main target of these attacks. He at once embarked on a work which—whether or not we agree with it—is highly stimulating. Although many details in it have since been corrected, Fechner's pamphlet, “Schleiden and the Moon”, published in 1856, is remarkably interesting. He had no need to go into the influence of the moon on the ebb and flow of the tides, for this was admitted even by Schleiden. It was the supposed connection of the moon with weather conditions that made the moon, for him, the cat of scientific research. Fechner therefore set out to investigate the very facts that his opponent brought against him, and from this material he drew some notable conclusions. Anyone who cares to check his procedure will find that in this investigation Fechner was an exceptionally cautious worker with a thoroughly scientific approach. His first conclusion from a mass of facts—which I need not repeat, for anyone can read them for himself—was that the quantity and frequency of rainfall were in many cases shown to be greater with a waxing than with a waning moon: greater when the moon approached the earth, smaller when it receded; and the proportion of rainfall during a waxing moon to that during the wane was 107:100. The recorded observations he used did not cover a few years only; some of them extended over many decades and concerned not a single locality but many parts of Europe. In order to exclude chance effects, Fechner now assumed that some other condition, excluding the moon, might have produced this proportion of 107:100. He then studied weather conditions on the odd and even dates of the moon's phases, for he said that if the waning and waxing were not the cause, the odd and even days of the month would produce similar results. But that was not the case. Quite different figures emerged: the relationship was not constant but variable, so that here it could be attributed to chance. Fechner himself realised that he had not achieved any world-shattering result; he had to recognise that the moon had no very great influence on the weather, but the facts did point to some influence. And he had, as you will have seen, proceeded quite scientifically, taking account only of observations carefully recorded for definite places. He made similar researches in relation to fevers and other bodily phenomena, and here too he obtained small positive results. It could hardly be denied that phenomena of this kind may take a different course under the waxing and under the waning moon.
[ 9 ] So sehen wir, wie die alte Anschauung über den Mond in einem geistvollen Menschen, in Fechner, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch einen letzten Kampf kämpfte.
[ 9 ] Thus the old view of the moon fought its last fight in the middle of the 19th century through the work of this highly gifted man, Fechner.
[ 10 ] Das ist so recht ein Beispiel dafür, daß es total unrichtig ist, wenn heute immer mehr und mehr die Behauptung auftaucht: die Wissenschaft hätte uns gezwungen oder zwänge uns, nicht mehr von irgendwelchen Annahmen über geistige Untergründe der Dinge zu reden, weil heute, um gleich etwas aus den letzten wissenschaftlichen Tagen und Jahren zu erwähnen, die Wissenschaft — so sagt man ja wohl — vor dem Tore derjenigen Kunst stünde, durch die es ihr gelingen werde, einfache Stoffe in irgendeiner Weise zu lebendiger Substanz zu vereinigen. Zwar haben wir — so wird man immer sagen — noch weit bis dahin, wo man zum Beispiel in der einfachsten Form «Eiweiß» werde herstellen können aus den Bestandteilen des Eiweiß: aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und so weiter; aber wir stehen heute sozusagen nach der ganzen Tendenz der Wissenschaft davor, unbedingt zugeben zu müssen, daß das einmal werde geschehen können. Und wenn das einmal wird geschehen können — so sagen diejenigen, welche solche Behauptungen aufstellen —, dann darf überhaupt niemand mehr eine andere Anschauung haben als diejenige, welche in monistischer Weise einzelne materielle Glieder zusammenformen läßt zu dem, was man dann als geistige Wesenheit erkennt. — Wenn man so spricht, dann beruft man sich wohl auf die neueren Ziele und Errungenschaften der Wissenschaft und meint: man könnte gar nicht mehr davon sprechen, daß wir eine Berechtigung haben, hinter dem, was die Sinne wahrnehmen, was die äußere Wissenschaft zu sagen vermag, etwas Geistiges zu erkennen, denn soweit seien wir doch glücklich über die Zeiten hinaus — wird man sagen —, wo man irgendwelche unbestimmte Lebensweisheiten hinter dem, was man sinnlich wahrnehmen kann, behaupten konnte.
[ 10 ] This example shows very well how wrong it is to accept the increasingly common assertion that science compels us to talk no more about the spiritual background of things, for science—we are assured—is on the verge of learning how to combine simple materials in such a way as to produce living substance. It is agreed that we have far to go before we can make protein from its constituents—carbon, hydrogen, oxygen and so on—but the whole tendency of science is to make us admit that one day it will be done. When it has been done, the only tenable outlook—so we are told by those who make these assertions—will be a monistic one which holds that a living, thinking being is made up of nothing but an assembly of material elements. Anyone who talks in this vein will have drawn on the latest aims and achievements of science to convince himself that we are not justified in postulating something spiritual behind what we perceive with our senses or are told by external science; for happily—he will feel—we are long past the days when it could be claimed that some kind of vague life-wisdom lies behind the sense-perceptible world.
[ 11 ] Da darf man doch die Frage aufwerfen: Ist es denn wirklich die Wissenschaft, die dazu zwingt sozusagen, die Geistesforschung abzulehnen? Ist es zum Beispiel ein wissenschaftliches Resultat — und ich möchte mich dabei durchaus auf den Boden derjenigen stellen, die des Glaubens sind, daß es in einer gar nicht so fernen Zukunft gelingen kann, aus einfachen Substanzen lebendiges Eiweiß herzustellen —, ist denn irgend etwas zwingend dafür, zu sagen, daß das Leben materiell zusammengesetzt ist, und daß wir keinen Geist suchen dürfen?
[ 11 ] At this point we may well ask. Is it really science that compels us to reject spiritual research? Is that a scientific conclusion? I want to remain entirely on the ground of those who believe that in the not too distant future it will be possible to produce living protein out of simple substances. Is there anything in that which compels us to say that life is materially constituted and that we must not look anywhere for the spirit?
[ 12 ] Wie wenig irgend etwas dazu zwingt, kann eigentlich eine gewöhnliche historische Betrachtung lehren. Es gab eine Zeit, in der man nicht nur glaubte, daß man aus Kohlenstoff, Wasserstoff und so weiter lebendiges Eiweiß darstellen kann, sondern in der man sogar geglaubt hat — gleichgültig, welchen Wert dieser Glaube hatte und Sie können die dichterische Darstellung darüber im zweiten Teil des «Faust» lesen —, daß man einen ganzen Menschen aus den Bestandteilen in der Retorte werde herstellen können. Ja, es gab Zeiten, man mag sie für noch so töricht halten, in denen man diesen Glauben hatte, daß man den Menschen selber, den «Homunkulus», aus einzelnen Bestandteilen zusammensetzen kann; daß man nicht nur glaubte, Eiweißklümpchen herstellen zu können. Dennoch hat damals kein Mensch daran gezweifelt, daß hinter dem Sinnlichen der Geist ist. Daraus kann man historisch beweisen, daß keine «Wissenschaft» uns zwingt, den Geist abzulehnen; sondern wo der Geist abgelehnt wird, da hängt das von etwas ganz anderem ab, nämlich von der Möglichkeit des Menschen, den Geist zu spüren, oder nicht zu spüren! Wissenschaft, wie sie heute ist oder immer sein wird, kann uns niemals zwingen, den Geist abzulehnen. Man kann vollkommen auf wissenschaftlichem Standpunkt stehen: Ob man den Geist anerkennt oder ablehnt, das hängt nicht von der Wissenschaft ab, sondern davon, ob man imstande ist, den Geist zu spüren oder nicht zu spüren, zu erkennen oder nicht zu erkennen. Daher können wir, obgleich wir vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft weder Schleiden noch Fechner beizustimmen brauchen, begreifen, daß der auf die sinnliche Welt blickende Schleiden alles ablehnte, was als Geist oder Seele hinter den Erscheinungen gesucht wird. Aber er lehnte es nicht ab aus wissenschaftlichen Gründen, sondern weil seine Anschauungsweise keine Sympathie fand zu dem, was man als Geist hinter den Erscheinungen suchen sollte; er hatte sich zu sehr nur an das Augenfällige gewöhnt. Fechner war eben eine ganz andere Individualität. Er sah auf das Geistige; und wenn er auch Fehler über Fehler machte, war er eben doch ein anders gearteter Mensch, ein Mensch, der sich auf das Geistige richtete. Daher ist auch seine Neigung zu erklären, nicht alles abzulehnen, was intimere Einflüsse der Weltenkörper aufeinander bedeuten. Fechner sagte sich einfach: Wenn ich zu diesem Mond hinaufblicke, ist er für mich nicht bloß das Schlackengebilde, als das er dem Teleskop erscheint; sondern er ist beseelt, wie alle anderen Erscheinungen auch beseelt sind. Daher dürfen wir auch annehmen, daß es Wirkungen von der Mondenseele zu der Erdenseele gibt, die sich äußern in den Untergründen des gewöhnlichen Lebens oder in den Witterungserscheinungen.
[ 12 ] An ordinary historical observation will show how unnecessary this conclusion is. There was a time when it was believed not only that carbon, hydrogen, etc., could be used to produce living protein, but that a whole man could be built up from the necessary ingredients in a retort. The worth of this belief need not concern us—you can read a poetical treatment of it in the second part of Faust. The point is that there were times when people really believed—however crazy it may seem to us—that Homunculus could be put together out of separate components. Yet in those times no-one doubted that behind the sense-perceptible was the spirit. Hence you can prove historically that no “science” can compel us to reject the spirit, for this depends on something quite different—on whether or not a capacity to discern the spirit is there. Neither the science of today nor the science of tomorrow can ever compel us to reject the spirit. We can take a perfectly scientific standpoint, but whether or not we reject the spirit does not depend on science. It depends on whether or not we are able to discern the spirit, and science cannot determine that. So, without agreeing from the spiritual-scientific point of view either with Schleiden or with Fechner, we can understand that Schleiden, with his eyes fixed on the sense-world, rejected everything that might be sought as soul or spirit behind the phenomena. But it was not on scientific grounds that he took this attitude; he was simply so inured to looking at visible things that he had no sympathy for anything else. Fechner was a quite different sort of man; his outlook embraced the spiritual, and though he made one error after another he was a man of different quality, one who sought the spirit. Hence his tendency was not to reject but to clarify the significance of the subtler influences of the heavenly bodies on one another. He said to himself: When I look at the moon, it is not for me merely the slag-heap it looks like through a telescope; it is ensouled, as are all other bodies. Hence the moon-soul must have effects on the earth-soul, and these come to expression below the surface of ordinary life or in weather phenomena.
[ 13 ] Nun ist es merkwürdig — und es ist öfters hier darauf hingewiesen worden —, daß gerade eine gewisse geistesforscherische Art auf das Praktische gerichtet ist und immer darauf hinweist, daß die besten Beweise für das, was die Geistesforschung zu sagen hat, durch die Lebenspraxis gewonnen werden können. Das ist eigentümlicherweise auch die Art, wie Fechner seine Anschauung verteidigte, indem er dafür Anwendung und Beleg suchte in der Lebenspraxis. Er sagte ungefähr so: Vielleicht könnten über das, was zwischen Schleiden und mir über den Mond auszufechten ist, besser unsere Frauen entscheiden. Da schlage ich einmal folgendes vor: Man braucht zum Waschen Wasser, und man kann das Wasser sammeln nach den Witterungsverhältnissen. Ich schlage nun vor, weil Schleiden und ich unter einem Dache wohnen, und uns gestattet ist, das Wasser zu bestimmten Zeiten zu sammeln, daß meine Frau das Wasser sammelt während der Zeit des zunehmenden Mondes, daß dagegen Schleidens Frau, die ja ganz gewiß, um die Theorie ihres Mannes nicht gar zu sehr zuschanden zu machen, darauf eingehen wird, weil sie auf all das nichts gibt, ihre Kannen aufstellt bei abnehmenden Mond. Da wird sich zwar herausstellen, daß meine Frau auf je etwa vierzehn Kannen eine Kanne mehr haben wird als Frau Professor Schleiden, aber zur Überwindung einer vorgefaßten Meinung kann diese ja wohl ein solches Opfer bringen.
[ 13 ] Now it is noteworthy, and has often been pointed out here, that the method of spiritual-scientific research is directed towards the practical, and that the best proofs of what it has to say can be found in everyday life. And that is just how Fechner set about defending his views. He suggested that the dispute between Schleiden and himself over the moon could perhaps be best settled by their wives. He said: “We both need rainwater for washing, and it could be collected in relation to weather conditions. Since Schleiden and I live under the same roof and can collect water at definite times, I suggest that my wife collects it during the waxing moon and Schleiden's wife during the wane. I am sure she will agree in order not to put her husband's theory to shame, the more so as she sets no great store by it. The result will be that my wife will have an extra can for every fourteen cans collected by Frau Schleiden, but for the sake of overcoming a preconceived opinion she will surely make this sacrifice.”67G. Th. Fechner, Professor Schleiden und der Mond, Leipzig, 1856, p.1 56.
[ 14 ] Da hätten wir denn sozusagen charakterisiert aus der Denkweise von Menschen heraus, wie im verflossenen Jahrhundert, also noch vor ganz kurzer Zeit, über den Mond und seinen Einfluß auf die Erde gedacht worden ist. Heute darf man wohl sagen, daß die Menschen, die nun wiederum ein Stück weitergekommen sind in der, wie sie sagen, wissenschaftlichen Weltanschauung, in bezug auf die Schleidensche Vorstellung Fortschritte gemacht haben in der Art, daß sie heute jeden für einen ganz verträumten, abergläubischen Menschen ansehen werden, der auch irgendwie nur festhält an einem solchen Glauben, daß der Mond etwas zu tun haben könnte mit Witterungsverhältnissen und dergleichen. Heute werden Sie auch bei ganz gescheiten Menschen keine andere Anschauung finden als diejenige, daß der Mond nur einen Einfluß habe auf Ebbe und Flut; aber alles übrige gilt als ein überwundener Standpunkt.
[ 14 ] Here, then, we have drawn on the history of thought to show how the moon and its influence on the earth were regarded not very long ago. Nowadays one might say that people are more advanced in their scientific outlook—as they would call it—and so have gone a step beyond Schleiden in the sense that they would treat as a superstitious dreamer anyone who clung to the belief that the moon could have anything to do with weather conditions and the like. Even among quite sensible people today you will find no other opinion than that the moon has influence only on the tides; all other opinions having been superseded.
[ 15 ] Aber wenn man auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, braucht man sich ja nicht auf alles einzuschwören, was einmal Volksglaube war; denn sonst würde man in die Verlegenheit derjenigen kommen, die den Aberglauben mit der Geisteswissenschaft verwechseln. Vielfach tritt uns ja heute auch als Geisteswissenschaft ein gut Stück Aberglaube entgegen, der mißverstandener Volksglaube ist. Auf jenen Mondaberglauben kann man ja billig hinweisen, den man heute an allen Straßenecken sehen kann; denn es ist ja wohl bekannt, daß an unsern Barbierläden überall ein Mond angebracht ist. Warum? Weil es ein allgemeiner Glaube einmal war, daß die Schärfe des Rasiermessers etwas mit dem zunehmenden Monde zu tun habe. Ja, es gab Zeiten, in denen kein Mensch sich entschlossen hätte, ein Schaf zu scheren bei abnehmendem Mond; denn er hätte geglaubt, daß dann die Wolle nicht wieder wächst. Nur wenn er gewollt hat, daß eine Sache nicht weiter wächst, hat er das Schneiden bei abnehmendem Monde besorgt. Über solchen Aberglauben ist ja leicht hinauszukommen. Die Herren, die sich rasieren lassen, werden wissen, daß der Bart auch bei abnehmendem Monde wieder wächst. Es ist also ebenso leicht auf diesem Gebiete zu spotten, wie es auf der andern Seite nicht so leicht ist, ganz klar nach allen Richtungen zu sehen. Denn jetzt kommen wir auf ein sonderbares Gebiet, wo wir erst geisteswissenschaftlichen Boden betreten: auf das Gebiet von Ebbe und Flut.
[ 15 ] If we take the standpoint of Spiritual Science, we are of course not obliged to swear to everything that was once part of popular belief. That would be to confuse Spiritual Science with superstition. Quite often today we encounter a piece of superstition—which is really a misunderstood popular belief and are told it is part of Spiritual Science. A superstition about the moon can indeed be seen at every street-corner, for it is well known that an emblem of the moon is attached to our barbers' shops—why? Because it was once generally believed that the sharpness of a razor was connected with a waxing moon. In fact there were times when no-one would have cared to shear a sheep during the wane, for he would have believed that the wool would then not grow again. This is a superstition very easy to disprove, for anyone who shaves knows that the beard grows again during the wane. In this realm it is just as easy to mock as it is hard, on the other side, to see clearly. For we are coming now to a particular question where at last we touch on Spiritual Science. It concerns the ebb and flow of the tides, universally regarded as coming under the influence of the moon.
[ 16 ] Das gilt ja heute als unbestreitbares Besitztum der Mondwirkungen. Man sagt: Das ist ganz klar, daß die Flut zusammenhängt mit der Anziehungskraft des Mondes. In der Meridianstellung des Mondes sucht man die Anziehungskraft der Flut, und in dem Heraustreten des Mondes aus dem Meridian sucht man das Abfluten der Flut zur Ebbe. Nun braucht man ja nur darauf hinzuweisen, daß Ebbe und Flut an zahlreichen Orten, wo sie auftreten, zweimal auftreten, und daß der Mond doch nur einmal im Meridian steht. Aber man kann noch auf andere Tatsachen hinweisen. Zahlreiche Reisebeschreibungen werden Ihnen zeigen, daß an den verschiedensten Orten der Erde keineswegs überall mit der Meridianstellung des Mondes die Flut zusammenfällt, daß sie sogar an manchen Orten zwei bis zweieinhalb Stunden später kommt. Allerdings hat man in diesem Falle immer wissenschaftliche Ausflüchte; da sagt man denn: Dann hat sich die Flut eben verspätet! — Es gibt gewisse Brunnen, die auch Ebbe und Flut zeigen, bei denen diese Erscheinung gar nicht wegzuleugnen ist; da kommt es sogar vor, daß dann, wenn im Meere Flut ist, im Brunnen Ebbe auftritt, und bei Ebbe im Meer Flut. Da sagt man dann auch: das ist verspätete Ebbe oder verspätete Flut; dann hat sie sich eben so stark verspätet, daß sie zur andern Phase eintritt. Freilich, wenn man in dieser Weise erklären will, kann man so ziemlich alles erklären.
[ 16 ] The flood-tide is thought to be obviously connected with the attractive force of the moon, and is looked for when the moon reaches its meridian. When the moon leaves the meridian, the flood is expected to change to ebb. But we need only remark that in many places ebb and flow occur twice, while the moon stands at the meridian only once during the same period. And there are other facts. You can learn from travel-books that in many parts of the earth the flood by no means coincides with the moon's meridian; in some places it occurs up to two and a half hours later. Certainly, science has thought up excuses to account for this: we are told that the flood is retarded. But there are also certain springs which show an indubitable ebb and flow; in some cases the well ebbs when the ocean tide is at flood, and vice versa. We are told that these cases, too, are examples of retarded ebb or flow in some cases so retarded as to run into the other phase. Of course this kind of explanation can explain almost anything.
[ 17 ] Aber mit Recht ist auch gefragt worden, woher der Mond die Kraft nimmt, um eine solche Anziehung auf das Meer auszuüben. Denn da der Mond viel kleiner ist als die Erde, so hat er auch nur ungefähr ein Siebzigstel der Anziehungskraft der Erde; und um solche Massen in Bewegung zu setzen, wie die Meeresmassen, dazu gehören Millionen von Pferdekräften. Julius Robert Mayer hat sehr interessante Berechnungen darüber aufgestellt, woher der Mond diese Kraft nimmt. Und an diese Frage schließen sich zahlreiche andere an. Daher kann man sagen: Was heute wissenschaftlich als unanfechtbar gilt, das gerade ist etwas, trotzdem überall nichts dagegen eingewendet wird, was am alleranfechtbarsten ist. Aber dabei bleibt eines sehr bedeutsam. Wenn man durchaus nachweisen kann, daß Mondenstellung und Mondeinfluß und Verlauf von Ebbe und Flut so sind, daß man von einer unmittelbaren Einwirkung des einen auf das andere schwer sprechen kann, wenn man alle Erscheinungen in Rechnung zieht, so bleibt doch das eine immer noch bestehen: der Verlauf von Ebbe und Flut ist so, daß sich eine bestimmte Flut jeden Tag — in bezug auf den höchsten Stand des Mondes — um etwa fünfzig Minuten verspätet. So daß das Phänomen von Ebbe und Flut in seiner regelmäßigen Aufeinanderfolge schon dem Umlauf des Mondes entspricht. Das ist das Bedeutsamste dabei. — So stehen wir hier vor der merkwürdigen Tatsache, daß wir sagen müssen: Wenn der Mond in seinem Mittagskreise steht, können wir nicht sprechen von seinem Einfluß auf Flut und Ebbe; aber wir können davon sprechen, daß der Verlauf des Mondkreislaufes und der Verlauf von Ebbe und Flut zusammenstimmen, in einer gewissen Korrespondenz stehen.
[ 17 ] One question has been rightly asked: whence does the moon get this power to attract the sea? The moon is much smaller than the earth and has only about a seventieth of the earth's attractive power, while to set the great masses of the sea into motion would require millions of horse-power. Julius Robert Mayer68Julius Robert Mayer, 1814–1878, doctor and physicist, discovered the law of conservation of energy in 1842. made some interesting calculations on this question and it leads on to numerous other problems. Hence we can say: Here is something which is regarded as scientifically irrefutable, and yet, although no objections to it are heard, it is in fact highly vulnerable. One very significant fact, however, remains. Although the position and influence of the moon are such that it is hard to speak of an immediate relation of cause and effect, it holds true that a definite flood occurs every day—in relation to the moon's meridian—about fifty minutes later than on the previous day. The regular sequence of ebb and flow does therefore correspond to the course of the moon, and that is the most significant fact of all. Thus we cannot speak of the moon at its meridian as having an actual influence on flow and ebb, but we can say that the course of the moon's orbit does stand in a certain correspondence with the course of the tides.
[ 18 ] Nun möchte ich, um in den Geist der geisteswissenschaftlichen Denkweise ein wenig hineinzuführen, Sie hinweisen auf eine ähnliche Sache innerhalb unserer Erdenerscheinungen, die Goethe viel Kopfzerbrechen gemacht hat. Die Menschen kennen ja das, was diesen großen Geist der neueren Zeit bewegt hat, so wenig wie möglich. Wer, wie ich, mit den naturwissenschaftlichen Arbeiten Goethes Jahre um Jahre verbracht hat, und Goethes eigene Arbeiten im «Goethe- und Schiller-Archiv» in Weimar gesehen hat, dem wird da manches aufgefallen sein. Zum Beispiel gibt es bei den Goetheschen Arbeiten «vorbereitende Studien» zu dem, was Goethe dann auf wenigen Seiten als seine «Witterungslehre» gibt. Dazu sind vorbereitende Studien von Goethe gemacht worden mit ungeheurem Fleiß, mit ungeheurer Emsigkeit. Immer wieder und wieder hat Goethe seine Freunde engagiert, Studien zu machen, die er dann in Tabellen zusammenstellte. Und der Zweck dieser ausgedehnten Studien war der: nachzuweisen, daß an den verschiedenen Orten der Erde der Verlauf des Barometerstandes nicht Zufälligkeiten unterworfen sei, sondern in einer ganz regelmäßigen Weise geschieht, so daß also das Steigen und Sinken der Quecksilbersäule im Barometer an den verschiedensten Orten der Erde in einer ganz regelmäßigen Weise verläuft. Und Goethe hat auch in seinen Studien viele Belege dafür gebracht, daß an den verschiedenen Orten das Steigen und Sinken des Barometers nicht von Zufälligkeiten abhängt, sondern einer über den ganzen Erdkreis hingehenden GesetzmäRigkeit unterliegt. Goethe wollte damit nachweisen, daß es nicht richtig ist anzunehmen, daß der Druck der Luft von irgendwelchen äußeren Einflüssen abhängt. Er wußte ja, daß die Menschen dem Monde, der Sonne und anderen kosmischen Einflüssen Verdichtung und Verdünnung der Luft und damit eine Veränderung des Luftdruckes zuschreiben. Er aber wollte nachweisen: Wie auch die Konstellation der Gestirne sei, wie auch Sonne und Mond und so weiter auf den Luftkreis wirken, es ist doch eine konstante Regelmäßigkeit über den ganzen Erdball im Steigen und Fallen des Luftdruckes vorhanden. Damit suchte er den Beweis zu erbringen, daß in der Erde selber die Ursachen liegen für das Steigen und Sinken des Barometers. Denn er wollte damit zeigen, daß die Erde nicht jener tote Körper ist, für den sie gewöhnlich angesehen wird, und daß die Erde ebenso von unsichtbaren Gliedern durchdrungen wird, von denen alles Leben ausgeht, wie der Mensch außer seinem physischen Körper unsichtbare Glieder seiner Wesenheit hat, die ihn durchdringen. Und ebenso wie beim Menschen Einatmung und Ausatmung herrscht, wie er die Luft aufnimmt und wieder herausläßt, so hat auch die Erde als ein belebtes Wesen Einatmung und Ausatmung. Und Einatmung und Ausatmung der Erde, also Erscheinungen eines inneren Lebens, drücken sich äußerlich aus in dem steigenden und sinkenden Quecksilber im Barometer. Wie man also das regelmäßige Ein- und Ausatmen beim menschlichen Lebewesen erklären würde aus den inneren Lebensvorgängen heraus, so versuchte Goethe das Steigen und Sinken des Barometers zurückzuführen auf das Ein- und Ausatmen der Erde. Die heutige Wissenschaft weiß ja nichts über die Ursachen des steigenden und sinkenden Barometerstandes; deshalb braucht gar nicht aus der Geisteswissenschaft etwas über ihr Verhältnis zu der äußeren Wissenschaft gesagt zu werden; sondern nur darauf soll hingedeutet werden, daß wir in Goethe einen Menschen vor uns haben, der davon überzeugt war, daß die Erde ein beseeltes Wesen ist und in sich selber Erscheinungen zeigt, die sich vergleichen lassen den mit Atmungserscheinungen des menschlichen Wesens. Aber einmal sprach es Goethe auch zu Eckermann aus, daß er auch die Erscheinung von Ebbe und Flut in ähnlicher Weise ansah als einen Ausdruck der inneren Lebendigkeit, des Lebensprozesses der Erde selber.
[ 18 ] Now, to go a little way into the spiritual-scientific way of thinking, I would like to refer to a similar fact which gave Goethe a great deal of trouble. Most people know very little about the preoccupations of this great genius of modern times, but anyone who, like myself, has spent many years in the study of Goethe's scientific writings and has seen his manuscripts in the Goethe-Schiller Archives at Weimar, makes some surprising discoveries. He will, for example, come upon the preliminary notes which Goethe later condensed into a few pages as his meteorology.69Goethes Naturwissenschaftliche Schriften, as note 27, vol. 11, book 3, Meteorology, pp.323–398. He pursued these inquiries with enormous diligence and assiduity. Again and again he got his friends to collect facts and figures for him to tabulate. The purpose of these extensive studies was to show that the level of barometric pressure at various places is not due to chance but varies in some quite regular way. And Goethe did in fact assemble a great deal of evidence which indicated that in all sorts of places the rise and fall of the barometer were subject to a law which extended all round the globe. He hoped to disprove the assumption that air pressure depends entirely on external influences. He knew, of course, that densification and rarefaction of the air, resulting in pressure changes, were generally attributed to the moon, sun and other cosmic factors. He wanted to prove that whatever the positions of the constellations, whatever the effects of sun and moon on the atmosphere, a constant regularity in the rise and fall of air pressure prevails all round the globe. Hence he wished to show that in the earth itself lay the causes of the rise and fall of the barometer, for he believed that the earth is not the dead body it is usually taken to be, but is permeated by invisible elements from which all life flows, just as man has, in addition to his physical body, invisible elements which permeate him. And just as man has his in-breathing and out-breathing, where he draws in or releases air, so does the earth, as a living being, breathe in and out. And this in-breathing and out-breathing of the earth, as manifestations of its inner life, are registered externally in the rise and fall of the mercury in the barometer. Thus we have in Goethe a man who was convinced that the earth is a being imbued with soul and which behaves in ways that are comparable to the breathing process in human beings. Moreover, Goethe once said to Eckermann that he regarded the ebb and flow of the tides as a further expression of the inner vitality, the life-process, of the earth.70Johann Peter Eckermann, Conversations with Goethe in the Last Years of his Life, conversation of 11th April 1827.
[ 19 ] Mit dieser Anschauung steht Goethe allerdings durchaus nicht vereinzelt da unter den großen Geistern, die ihr geistiges Auge auf solche Dinge gerichtet haben. Die materialistisch denkenden Menschen werden ja das alles lächerlich finden. Aber unter denen, welche einen Sinn für das Leben haben, auch da, wo es sich nicht im engsten Kreise aufdrängt, sondern für das Leben im großen, unter denen hat es immer Menschen gegeben, die ähnliche Ansichten wie Goethe hatten, so zum Beispiel Leonardo da Vinci. In seinem ausgezeichneten Buch, in dem er seine umfassenden naturwissenschaftlichen Anschauungen zusammengestellt hat, die für die damalige Menschheit auf der Höhe der Zeit standen, da finden wir die Bemerkung, daß er wirklich — nicht nur vergleichsweise! — den festen Felsenbau unserer Erde wie ein Knochengerüst der Erde ansieht, und daß ihm die Ströme, Flüsse und Wasserläufe der Erde wirklich etwas sind, was zusammengestellt werden kann mit dem Blutsystem des Menschen. Und da finden Sie ebenfalls darauf hingewiesen, daß Ebbe und Flut zusammenhängen mit einem inneren gesetzmäßigen Leben unserer Erde. — Auch Kepler sprach es einmal aus, indem er seine Anschauung in ein Bild faßte und sagte: Die Erde ist in gewisser Beziehung wie ein Riesenwalfisch anzusehen, und Ebbe und Flut sind wie Ein- und Ausatmungen dieses Riesenwalfisches. Und so könnte noch manches angeführt werden.
[ 19 ] Goethe was by no means the only great thinker who looked with a spiritual eye on such things from this point of view. Materialistically minded people will of course find all this laughable; but among men who have a feeling for life, be it on such a particular level or more in general, there will always be those with ideas similar to Goethe's—for example, Leonardo da Vinci. In his outstanding book, where he sets out his comprehensive scientific views, the height of achievement for those times, we find him saying—and not meaning it merely as an analogy—that he really regarded the solid rocks as the skeleton of the earth, and that the rivers, streams and watercourses can truly be compared to the blood circulation in man.71Leonardo da Vinci, der Denker, Forscher und Poet, from the published manuscripts; selection, translation and introduction by Marie Herzfeld (Jena, 1906), p.61 and following chapters. There you will find it stated also that ebb and flow are connected with a regular rhythm in the inner life of the earth. Kepler, too, spoke in a similar vein when he said that the earth could be regarded in certain respects as a gigantic whale and that ebb and flow were the in-breathing and out-breathing of this huge creature.72Johannes Kepler, 1571–1630. Cf. for example in Harmonices Mundi book IV, chapter 7.
[ 20 ] Wie aber wäre es denn, wenn man die vorgenannten Tatsachen vergliche mit einer solchen Anschauung, wie sie uns bei Goethe auch einmal für Ebbe und Flut entgegentritt? Betrachten wir einmal das, was geisteswissenschaftliches Ergebnis ist, und versuchen wir das, was vorhin gesagt worden ist über den Verlauf der Mondphasen und über Ebbe und Flut, auf das zu beziehen, was Goethe zum Beispiel gesagt hat: auf das innere Leben der Erde und ihr Aus- und Einatmen. — Da müssen wir die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse zugrunde legen. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse kann man nur erhalten, wenn man mit geisteswissenschaftlichen Mitteln forscht. Und hier kommen wir eben auf jenes höchst gefährliche Gebiet, wo in bezug auf die heutigen Fragen jeder, der da glaubt auf dem Boden der modernen Wissenschaft zu stehen, von Träumereien der Geisteswissenschaft sprechen wird. Mag er es tun. Besser würde er aber tun, wenn er das, was gegeben wird, als Anregungen betrachtete; die Beweise dafür wird er in einer intimeren Betrachtung des Lebens finden können.
[ 20 ] Let us now compare the facts mentioned earlier with such views as Goethe's on ebb and flow. Let us use the findings of Spiritual Science and our previous conclusions about the phases of the moon and the tides in relation, for example, to Goethe's views on the earth's inner life and breathing. For this we must build on the conclusions of Spiritual Science, which can be established only if researches are pursued by spiritual-scientific methods. Here we enter the highly dangerous realm where those who believe they have a firm foothold in modern science, will talk about the fantasies of Spiritual Science. Well, let them talk. It would be better if they were to take what is given as a stimulus; then they would be able to find proofs through a more intimate consideration of life.
[ 21 ] Betrachten wir, um in richtiger Weise auf das hinweisen zu können, was der geisteswissenschaftliche Forscher meint, den Menschen selbst in bezug auf seine Umwelt. Geisteswissenschaftlich betrachtet stammt ja der Mensch nicht bloß aus der sinnlichen Welt, sondern aus den geistigen Grundlagen der Welt, die hinter der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt stehen; so daß der Mensch aus der sinnlichen Welt eben nur herausgeboren ist als ein sinnliches Wesen. Insofern aber der sinnliche Menschenleib durchdrungen ist von Geist und Seele, ist der Mensch als Geist und Seele aus Geist und Seele des Kosmos herausgeboren. Und nur wenn wir auf Geist und Seele des Kosmos hinweisen vom Geist und der Seele des Menschen aus, können wir ein wenig hineinblicken in das, was wir als Zusammenhang zwischen Menschen und Kosmos zu nennen berufen sind.
[ 21 ] In order to approach in the right way what the spiritual scientist has to say, let us consider man himself in relation to the world around him. As far as Spiritual Science is concerned, man has his origins not in the sense-world, but also in the spiritual foundations which lie behind the external physical world. Thus it is only as a being of the senses that man is born, from out of the sense-world. In so far as he is permeated with soul and spirit, he is born from out of the soul and spirit of the cosmos. And it is only when we find the way from man's soul and spirit to the soul and spirit of the cosmos that we are enabled to see something of the connection between the two.
[ 22 ] Wir haben in den vergangenen Vorträgen über mancherlei Erscheinungen des inneren Seelenlebens des Menschen gesprochen. Uns trat des Menschen Seele vor Augen nicht bloß als jenes nebulose Gebilde, das sie für die heutige Psychologie ist. Wir unterschieden zunächst jenes Glied der menschlichen Seele, das wir die «Empfindungsseele» nannten. In der Empfindungsseele wühlt noch dumpf, seiner selbst kaum bewußt, das menschliche Ich und erlebt dort das Getriebe von Lust und Schmerz und von alledem, was ihr an äußeren Erlebnissen von der Außenwelt durch die Vermittlung des Empfindungsleibes zukommt. Innerhalb des Lebens der Empfindungsseele ist das Ich schon vorhanden; aber es weiß noch nichts von sich. Dann entwickelt sich das Ich weiter, und damit schreitet die Seele vor zu dem zweiten Glied, zu der «Verstandesseele» oder «Gemütsseele». Und wenn dann das Ich immer weiter und weiter an der Seele arbeitet und baut, wird aus der Verstandesseele die «Bewußtseinsseele». So unterscheiden wir an dem menschlichen Seelengebilde drei verschiedene Seelenteile: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. Das Ich arbeitet an diesen drei Seelengliedern und bringt den Menschen zu einer immer größeren und größeren Vollkommenheit hinauf. Aber diese drei Seelenglieder müssen, so wie sie hier in der Welt, im Menschen leben und durch den Menschen eben ihre Arbeit verrichten, in der äußeren Leiblichkeit des Menschen leben. Durch die äußere Leiblichkeit des Menschen können diese drei Seelenglieder auf unserer Erde einzig und allein wirken; und zwar wirken sie so, daß die Empfindungsseele zunächst zu ihrem Träger und zu ihrem Werkzeug den Empfindungsleib hat, daß die Verstandesseele zu ihrem Träger dasjenige Glied des Menschen hat, das wir als den Ätherleib oder Lebensleib in den verflossenen Vorträgen bezeichneten; und erst die Bewußtseinsseele hat zu ihrem Träger das, was wir nennen konnten den physischen Leib des Menschen. Denn wir unterschieden bei der Leiblichkeit des Menschen wiederum zuerst den physischen Leib, den er gemeinschaftlich hat mit allem, was in der mineralischen Welt ist. Zugleich ist dieser physische Leib der Träger der Bewußtseinsseele, das heißt, nicht die Bewußtseinsseele selber, nur das Werkzeug der Bewußstseinsseele ist er. Dann sehen wir am Menschen ein höheres Glied seiner Leiblichkeit, das er jetzt nur noch gemeinschaftlich hat mit allem Lebenden, mit der Pflanzenwelt. Was in der Pflanze die Wachstums-, Fortpflanzungs- und Ernährungsfunktionen bewirkt, das wirkt auch im Menschen; aber das verbindet sich im Menschen mit der Verstandes- oder Gemütsseele. Während die Pflanze einen Ätherleib hat, der nicht durchdrungen ist von einer Verstandesseele, wird der Ätherleib im Menschen zugleich der Träger und das Werkzeug der Verstandesoder Gemütsseele, wie der physische Leib der Träger der Bewußtseinsseele ist. Was außen im Mineral den Kristall bewirkt, das ist im Menschen von der Bewußtseinsseele durchdrungen. Was im Tier als astralischer Leib existiert und die tierischen Triebe und Leidenschaften vermittelt, das ist im Menschen noch innerlich vertieft, und das ist der Träger dessen, was wir die Empfindungsseele nennen. So lebt des Menschen Seelisches — Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele — in der dreifachen Leiblichkeit, in dem Empfindungsleib, in dem Ätherleib und in dem physischen Leib.
[ 22 ] In previous lectures we have discussed various phenomena of the inner soul-life of man. We found the soul to be not merely the nebulous something that it is for modern psychology. Among its members we distinguished, first, what we called the Sentient Soul. In this soul the ego, though dimly and scarcely aware of itself, experiences the impulses of pleasure and pain and everything that comes to it from the outer world through the sentient body. The ego is present within the life of the Sentient Soul, but as yet knows nothing of itself. Then the ego develops further and the soul advances to the stage of the Intellectual Soul or Mind Soul. And when the ego has carried still further its work on the soul, the Intellectual Soul gives rise to the Consciousness Soul. Thus in the structure of the human soul we distinguish three members: Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul. The ego continues to work on these three members and brings man nearer and nearer to the peak of his developments. But these three members, since they carry out their work through man, have to live in his corporeal structure; in that way only can they accomplish their tasks. The Sentient Soul uses as its instrument the sentient body; the Intellectual Soul uses the etheric body. The Consciousness Soul is the first to use the physical body as bearer and instrument. Thus in man's corporeal structure we have first the physical body, which he has in common with the minerals. Next we have in man a higher part which he has in common with the plant world and everything that lives. The functions of growth, nutrition and reproduction in the plant are active also in man, but in man they are connected with the Intellectual Soul. The plant's etheric body is not permeated by the Intellectual Soul, as is the etheric body in man, just as the physical body is permeated by the Consciousness Soul. That which forms crystals in the mineral realm is permeated in man by the Consciousness Soul. In animals the astral body is the bearer of impulses and emotions; in man the astral body is inwardly deepened and is the bearer of the Sentient Soul. Thus the human soul, made up of Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, dwells in his threefold corporeality, in the sentient body, etheric body and physical body respectively.
[ 23 ] So ist es beim Menschen, wenn er im Wachzustande ist. Anders ist es, wenn der Mensch im Schlafzustande ist. Da läßt er zurück im Bette den physischen Leib und den Ätherleib, und mit dem astralischen Leib und dem Ich und all den seelischen Gliedern — also auch denjenigen seelischen Gliedern, die den physischen Leib und den Ätherleib durchziehen als Verstandesseele und Bewußtseinsseele — dringt er aus dem physischen Leib und dem Ätherleib heraus. Da lebt der Mensch während des Schlafes in einer geistigen Welt, die er nur nicht wahrnehmen kann, weil er hier auf der Erde darauf angewiesen ist, durch die Instrumente des physischen Leibes und des Ätherleibes die Umwelt wahrzunehmen. Sobald er im Schlafe diese Instrumente abgelegt hat, kann er diese geistige Welt nicht wahrnehmen; denn er hat im heutigen normalen Leben keine Werkzeuge dazu. — Nun sind wir in einer besonderen Lage, wenn wir den Menschen einmal betrachten im Wachzustande und einmal im Schlafzustande: Wenn der Mensch im Wachzustande ist, da fällt — zwar für die heutigen Menschen nicht mehr ganz genau, insbesondere nicht in den Städten — dieser Wachzustand zusammen mit der unmittelbaren Wirkung der Sonne auf die Erde. Wir brauchen ja nur noch in das einfache Landleben hinauszugehen, wo der Mensch sich noch in gewisser Beziehung dieses Verhältnis bewahrt hat zwischen der äußeren Natur und seinem Leben; da werden wir finden, daß der Mensch wacht, wenn die Sonne scheint, und daß er schläft im wesentlichen, wenn die Sonne untergegangen ist. Des Menschen regelmäßige Abwechselung zwischen Wachen und Schlafen entspricht damit der regelmäßigen Wirkung des Sonnenscheins auf die Erde und alle dem, was damit im Zusammenhang steht. Und es ist durchaus nicht als ein bloßes Bild, sondern als eine tiefe Wahrheit zu nehmen, wenn gesagt wird: Die Sonne ruft den astralischen Leib und das Ich des Menschen mit Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele am Morgen zurück in den physischen Leib, und während des Wachens sieht der Mensch alles, was in seiner Erdenumgebung ist und dazu gehört, durch die Sonne, durch die Wirkung der Sonne. Die Sonne also ist es, welche den Menschen, wenn er alle seine Wesensglieder vereinigt hat beim Tagwachen, aufruft zu seiner gewöhnlichen Lebensanschauung. Und man wird leicht finden, wenn man das Leben nicht oberflächlich betrachtet, wie die Sonne dieses Verhältnis dem Menschen vermittelt.
[ 23 ] That is man's condition while he is awake. During sleep it is different. Then, leaving his physical and etheric bodies behind in bed, he goes out from them with his ego and astral body, together with those parts of his soul which permeate his etheric and physical bodies as Intellectual Soul and Consciousness Soul. Thus during sleep he lives in a spiritual world which he cannot perceive, simply because here on earth he is obliged to use his physical and etheric bodies as instruments for perceiving the surrounding world. When in sleep he lays these instruments aside, he is unable to perceive the spiritual world, since in ordinary life today he lacks the organs for it. Now there is something else to say about these states of waking and sleeping. Our waking life is directly connected with the course of the sun—though indeed this is no longer quite true of people today, especially in towns. But if we look at simple country life, where this relation between outer nature and human living still largely prevails, we find that for most of the time people are awake while the sun is up and asleep while the sun is down. This regular alternation of waking and sleeping corresponds to the regular action of sunlight on the earth and all that springs from it. And it is not merely a picturesque way of speaking but deeply true to say that in the morning the sun recalls into the physical body the astral body and ego, together with the Sentient Soul, the Intellectual Soul and the Consciousness Soul; and while he is awake man sees everything around him by means of the sun and its radiance. And when man has once more united all the members of his being in daylight consciousness, it is the sun which summons him to ordinary life. We shall now easily recognise, if we are not taking a superficial view of these things, how the sun regulates the relationship of man to itself and to the earth. Let us now look more closely at three aspects of this relationship.
[ 24 ] Drei Dinge haben wir, die uns zeigen können, wie der Mensch in einem bestimmten Verhältnis zur Erde und Sonne steht. In bezug auf seine Seele, in bezug auf Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele ist der Mensch ein innerlich selbständiges Wesen; nicht aber in bezug auf die Träger derselben, in bezug auf physischen Leib, Ätherleib und Empfindungsleib. Diese Hüllen, diese Träger und Werkzeuge der drei Seelenglieder sind ja aufgebaut aus dem äußeren Weltenall. So wie sie dem wachenden Menschen dienen sollen, sind sie aufgebaut durch das Verhältnis von Sonne zur Erde. Und zwar in folgender Weise:
[ 24 ] With regard to his threefold soul-nature, comprising Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, man is inwardly independent; but he is not with regard to their bearers, the astral, etheric and physical bodies. These three sheaths are built up from the outer universe, and in order that they may serve man in his waking life, they are built up through the relationship between sun and earth.
[ 25 ] Die Empfindungsseele des Menschen lebt im Empfindungsleib. Dieser Empfindungsleib, der das äußere Werkzeug der Empfindungsseele ist, hängt in seiner Eigenart ab von dem Orte auf der Erde, der des Menschen — wenn wir es so nennen wollen — Heimat ist. Der Mensch ist ja auf einem gewissen Punkte der Erde heimisch; und es hängt etwas davon ab, ob ein Mensch geboren ist in Europa oder in Amerika oder Australien. Es hängt nichts davon ab in bezug auf seinen physischen Leib und Lebensleib direkt; aber direkt hängt etwas davon ab in bezug auf seinen Empfindungsleib. Wenn auch der Mensch innerlich immer freier wird in bezug auf diese äußeren Wirkungen, die auf seinen Empfindungsleib gehen, so müssen wir dennoch sagen: Gerade bei denjenigen Menschen, die bodenständig sind, bei denen der Heimatsinn besonders ausgebildet ist, die durch ihre Seele noch nicht die Gewalt ihres Leiblichen überwunden haben, da drückt sich das Heimatgefühl, das Abhängigsein von dem Punkte, wo man geboren ist, dadurch aus, daß diese Menschen, wenn sie in andere Gegenden versetzt sind, nicht nur übellaunisch und mürrisch sind, sondern daß sie durch das Ungewohnte in der Umgebung geradezu krank sein können; und es genügt oft schon die Aussicht, wieder in ihre Heimat zurückzukommen, daß sie wiederum gesund sein können, weil die Ursache der Krankheit nicht im physischen Leib oder im Ätherleib liegt, sondern im Empfindungsleib, der als seine Stimmungen, Leidenschaften, Begierden und so weiter das hat, was unmittelbar von der sinnlichen Umgebung des Ortes kommt, auf dem der Mensch bodenständig ist. Durch seine höhere Entwickelung, indem der Mensch immer freier und freier wird, wird er gerade diese Einflüsse, die ihn an den Boden fesseln, überwinden; aber eine umfassende Betrachtung wird uns zeigen, daß die Stellung des Menschen auf der Erde je nach der Lage dieses Ortes zur Sonne eine andere ist; an jedem Orte der Erde fallen die Sonnenstrahlen unter einem anderen Winkel ein. Wer umfassender die Dinge betrachtet, der wird schon sehen, was im Menschen alles nach der gekennzeichneten Richtung hin abhängt von dem Orte der Erde, wo der Mensch lebt. So kann man es verfolgen, daß ganz gewisse Instinkte, instinktive Handlungen, die dann zu Kulturelementen wurden, auch davon abhingen, wo diese betreffenden Menschen auf der Erde wohnten.
[ 25 ] As we have seen, the Sentient Soul lives in its instrument, the sentient body. The sentient body owes its characteristics to the region which a man calls his home. Everyone has a home somewhere, and it matters whether he is born in Europe or America or Australia. For the physical and etheric bodies it makes no direct difference, but it does matter directly for the sentient body. Although man is gradually becoming more free from these effects on his sentient body, we still have to say: human beings whose roots are in their native soil, human beings in whom a feeling for their homeland is particularly strong, who have not yet overcome by strength of soul the power of the physical and are drawn to their place of birth—if such human beings have to move to another region, they are not only apt to become bad-tempered and morose, but may actually fall ill. Sometimes, then, the mere prospect of returning home is enough to restore them to health, for the source of their illness is not in the physical body or in the etheric body but in their sentient body, whose moods, emotions and desires spring directly from the environment of their native land. Through higher development, which enhances his freedom, man will overcome the influences which bind him to his native soil; but a comprehensive view shows that a man's situation on earth varies in accordance with the relation of the place where he lives to the sun; for the angle at which the sun's rays strike the earth varies from place to place. We can indeed trace in certain instinctive activities, which then become culturally assimilated, that they derive partially from the homeland of the people concerned.
[ 26 ] Nehmen wir zwei Dinge in der Kulturentwickelung: den Gebrauch des Eisens — und jene Gewohnheit, sich Nahrung zu verschaffen durch das Melken gewisser Tiere. Da finden wir, daß nur auf denjenigen Gebieten, die zu Europa, Asien und Afrika gehören, sich diese zwei Dinge entwickelten: Eisen zu verarbeiten und gewisse Tiere zu melken, um sich Nahrung zu verschaffen. In den anderen Gebieten der Erde war früher nichts davon vorhanden. Erst europäische Einwanderer haben diese zwei Kulturelemente dahin gebracht. Man kann ganz genau verfolgen: Während durch ganz Sibirien hindurch das Melken von Tieren uralt ist, schließt es sich ganz scharf gegen das Beringmeer zu ab, und nichts davon ist bei den Ureinwohnern Amerikas zu finden. Und ebenso ist es mit dem Eisen.
[ 26 ] Let us take two examples: the use of iron and the milking of animals for food. We shall find that it is only in certain areas of Europe, Asia and Africa that these two practices developed. In other areas they were unknown in early times. And where they came into use later on, they were introduced by emigrants from Europe. We can trace exactly how throughout Siberia the milking of animals dates from remote antiquity, and extends only as far as the Behring Sea; there is no record of it among the original inhabitants of America. It is similar with iron.
[ 27 ] Hier sieht man, wie bestimmte Instinkte — Instinkte liegen im Empfindungsleib — an den Ort der Erde gebunden sind, von dem der Mensch abhängig ist, und damit in erster Linie abhängen von der Stellung der Erde zur Sonne.
[ 27 ] Thus we can see how certain instincts which exist in the sentient body are connected with a particular region where people live, and how they are therefore dependent in the first place on the relation of sun to earth.
[ 28 ] Eine zweite Abhängigkeit können wir dadurch bezeichnen, daß der Ätherleib des Menschen, als Träger der Verstandesseele, in der Tat sich abhängig zeigt in seiner Tätigkeit von dem Wechsel der Jahreszeiten; daß er bestimmt ist von dem in dem Wechsel der Jahreszeiten sich ausdrückenden Verhältnis der Erde zur Sonne. Direkt kann man das natürlich nur geisteswissenschaftlich beweisen; aber es gibt eine Möglichkeit, sich durch die äußeren Tatsachen der Erdentwickelung wieder zu überzeugen, daß diese geisteswissenschaftliche Behauptung richtig ist. Denken Sie einmal daran, daß auf der Erde nur dort, wo wirklich ein sich ausgleichender Wechsel in den Jahreszeiten vorhanden ist, eine innere Regsamkeit der Seele als Verstandesseele oder Gemütsseele sich entwickeln kann; das heißt nur in solchen Gegenden, wo wirklich ein regelmäßiger Wechsel zwischen den einzelnen Jahreszeiten vorhanden ist, kann sich ein Träger und ein Instrument für die Verstandes- und Gemütsseele entwickeln in dem Lebens- oder Ätherleib des Menschen. Gehen Sie hinauf nach dem hohen Norden. Da werden Sie finden, wie schwer es der Seele wird, wenn sie Kulturmittel aus anderen Gebieten aufnimmt, gegen den Ätherleib anzukämpfen, der dort unter solchen Verhältnissen steht, welche wir bezeichnen als einen übermäßig langen Winter und einen kurzen Sommer. Da ist es der Verstandesseele nicht möglich, aus dem Ätherleib sich ein solches Instrument zu schaffen, das für sie leicht zu handhaben ist. Und gehen Sie zur heißen Zone, so werden Sie finden, daß durch die nicht geregelte Abwechselung der Jahreszeiten wiederum Apathie hervorgerufen wird. In derselben Weise wie draußen in der Natur die Kräfte im Leben der Pflanzen abwechseln während des Jahres, so wechseln wirklich durch den Wechsel der Jahreszeiten auch im menschlichen Ätherleib jene Kräfte ab, welche sich dann ausdrükken in den Stimmungen Frühlingsfreudigkeit, Sehnsucht nach dem Sommer, Wehmut des Herbstes, Winterödigkeit. Dieser geregelte Wechsel ist es, der notwendig ist, wenn in dem Ätherleib des Menschen ein richtiges Instrument für die Verstandesseele geschaffen werden soll. — Da sehen wir, wie die Sonne in ihrem Verhältnis zur Erde arbeitet an dem Menschen.
[ 28 ] A second dependence concerns the etheric body. As the bearer of the Intellectual Soul, the etheric body shows itself to be dependent in its activity on the seasons of the year; hence on the relation of sun to earth expressed in the course of the seasons. A direct proof of this can of course come only through Spiritual Science, but you can convince yourselves by external facts that this statement is correct. For example, it is only in regions where a balanced alternation of seasons occurs that the inner activity of the soul as Intellectual Soul can develop; this means that only in such regions can a necessary bearer or instrument of the Intellectual Soul evolve in the etheric body of man. In the far north we find that when elements of culture are brought in from elsewhere, the soul has great difficulty in struggling with the etheric body, which is having to live under conditions characterised by excessively long winters and short summers. The Intellectual Soul will then find it impossible to forge out of the etheric body an instrument it can easily handle. If we go to the tropics, we find that the lack of regular seasons produces a kind of apathy. Just as the forces of plant life vary in the course of the year, so do the forces in man's etheric body: they find expression in the joy of spring, the longing for summer, the melancholy of autumn, the desolation of winter. These regular changes are necessary if a proper instrument for the Intellectual Soul is to be created in the human etheric body. Thus we see again how the sun affects human beings through its changing relation to the earth.
[ 29 ] Und nun gehen wir zum physischen Leib des Menschen. Damit die Bewußtseinsseele im physischen Leibe in der regelmäßigen Weise arbeiten kann, muß sich der Mensch selber einem ähnlichen Verlauf unterwerfen in bezug auf seine Lebensverhältnisse, wie sie draußen als Tag und Nacht herrschen. Wer niemals schlafen würde, der würde bald merken, wie er nicht in einer brauchbaren Weise Gedanken über seine Umgebung fassen kann. Die regelmäßige Abwechselung von Schlaf und Wachen, die im Menschen selber dem entspricht, was draußen als Wechsel von Tag und Nacht vorhanden ist, das ist dasjenige, was unsern physischen Leib so aufbaut, daß er ein Werkzeug sein kann für die Bewußtseinsseele. So also baut die Sonne dem Menschen seine äußeren Hüllen in der entsprechenden Weise. In dreifacher Art haben wir das gesehen.
[ 29 ] Now let us take the physical body. If the Consciousness Soul is to work right into the physical body, we must follow in ordinary life a rhythm similar to the alternation of day and night. Anyone who never slept would soon notice that he was unable to control effectively his thoughts about the world around him. A regular alternation of waking and sleeping builds up our physical body in a way that can provide an instrument for the Consciousness Soul. Thus we have now seen how man's three bodies, astral, etheric and physical, are built up by the sun.
[ 30 ] Wenn der Mensch dann aber im Zustand des Schlafes ist — daß davon die äußere Wissenschaft nicht viel weiß, ist kein Wunder; denn die äußere Wissenschaft beschäftigt sich nur mit dem, was man sehen kann; nur Geistesforschung beschäftigt sich mit dem, was abends herausgeht und in der geistigen Welt vorhanden ist, nur unsichtbar natürlich für die äußere Sinnenwelt —, wenn die Rede von dem ist, was jetzt außerhalb des Ätherleibes und des physischen Leibes des Menschen sich auch entwickeln soll, was hat denn da von außen her Einfluß? Was kommt da in Betracht?
[ 30 ] But what external influences play into the human being while he is asleep, while he is living in the spiritual world and has left his physical and etheric bodies behind?
[ 31 ] Da zeigt uns die Geisteswissenschaft in der verschiedensten Art, daß zwar beim tagwachenden Menschen jene eben beschriebenen Einflüsse, die in der Hauptsache Sonneneinflüsse sind, die maßgebenden sind — dann aber treten beim schlafenden Menschen merkwürdige Dinge ein: Der Schlaf hat ja seine Wirkung auch auf die Tageserlebnisse; er gibt uns die durch die Tageserlebnisse verbrauchten Kräfte wieder. Während des Schlafes holen wir uns Ersatz aus einer anderen Welt heraus für dasjenige, was während des Tages verbraucht worden ist. Gibt es nun eine Möglichkeit, in ähnlicher Weise einen äußeren Einfluß nachzuweisen, wie wir es eben beschrieben haben für die tagwachen Verhältnisse? Auch das gibt es. Und was man da findet, das stimmt merkwürdigerweise überein mit der Länge der Mondphasen. Ich behaupte durchaus nicht, daß es zusammenfällt mit den Mondphasen, oder daß die Mondphasen die entsprechende Wirkung haben; ich sage bloß, daß dieser Verlauf der nächtlichen Wirkungen in einem gewissen Ablauf steht, der sich vergleichen läßt mit dem Ablauf der Mondphasen. Und Sie können sich eine Vorstellung davon machen, wenn Sie sich das Folgende denken. Ich will an zwei Beispielen zeigen, wie die Sache ist. Äußere Belege werden Sie nur finden können für das, was ich jetzt sage, und was Ergebnis der Geistesforschung ist, wenn Sie intim in dem, was sich Ihnen manchmal in dem Lebenslauf dieser oder jener Menschen darbietet, diese Belege suchen.
[ 31 ] While we are asleep we get something from the spiritual world to replace the forces that have been used up by our activities during the preceding day. Is it possible in this case also to point to an external influence as we did with regard to the daytime waking hours? Yes, it is, and what we find is in remarkable accord with the length of the phases of the moon. I am not maintaining that this external influence coincides exactly with the moon's phases, or that the phases themselves produce corresponding effects, but only that the course of these effects is comparable with the course of the phases of the moon. I will give two examples to show what I mean.
[ 32 ] Sie werden es schon öfter gehört haben, daß Menschen, die darauf angewiesen sind, produktive Gedanken zu haben und die Phantasie spielen zu lassen, nicht immer in gleicher Weise die Phantasie spielen lassen können. Oder sollten Sie noch nicht gehört haben, daß Dichter, die ehrlich mit sich zu Werke gehen, zuweilen sagen: Es ist jetzt keine Stimmung da — und die dann schweigen? Das weiß man. Nur kann man den Verlauf, weil er zu den Intimitäten des Lebens gehört, nicht verfolgen. Die Menschen, die das bei sich selbst einmal beobachteten, würden sehen, daß jene Perioden der produktiven Gedanken, zu denen der Mensch Stimmung, Phantasie, ein gewisses warmes Gefühl braucht, merkwürdig abwechseln mit anderen, wo er mehr daran gehen kann, diese Stimmungen, diese Gebilde der Phantasie wiederum zu Papier zu bringen oder in Gedanken auszuleben. Diesen Wechsel gibt es durchaus. Die Menschen, welche das zu beobachten verstehen, wissen, daß es eine vierzehntägige produktive Periode der Seele gibt. Wenn die vorbei ist, tritt für jeden Menschen, der mit einer gewissen Produktion der Gedanken zu tun hat, eine Erschöpfung ein, da produzieren die Gedanken weniger. Es mögen einmal Künstler oder Literaten darauf achtgeben; sie werden sehen, wie es sich bestätigt, und wie sie nichts aus sich herauspressen können, wenn diese produktive Periode um ist. Da ist die Seele wie eine ausgepreßte Zitrone. Aber sie kann dann darangehen, das Gewonnene durch den Willen zu verarbeiten. Dichter oder Künstler werden natürlich nicht immer darauf achten; aber sie werden wissen: wenn sie in eine solche Stimmung hineinkommen, dann können sie singen und sagen — oder malen —, aber zu anderen Zeiten will es nicht gehen, weil sie da gerade in einer Zeit der Unproduktivität sind. Darauf haben die Tagesverhältnisse gar keinen Einfluß, sondern die Zeit, in der die menschliche Seele mit dem Ich heraus ist aus dem physischen Leib und Ätherleib. Da werden während einer vierzehntägigen Periode in den Menschen, der unabhängig ist vom physischen Leib und Ätherleib, die produktiven Kräfte gleichsam hineingegossen; während auf der anderen Seite dann keine produktiven Kräfte hineingegossen werden, wenn die anderen vierzehn Tage da sind. So geht der Rhythmus. Es ist das aber eine Erscheinung, die in bezug auf die verschiedenen inneren Seelenkräfte für alle Menschen vorhanden ist; nur bei denjenigen Menschen, von denen eben gesprochen worden ist, drückt es sich deutlicher aus.
[ 32 ] You will be well aware that people who are given to creative thoughts and the free play of imagination are not equally productive at all times. Poets, for example, if they are honest with themselves, have to admit now and then that they are out of tune, unable to write anything. People who observe this in themselves know that the productive periods, for which a certain imaginative frame of mind and a warmth of feeling are necessary, alternate in a remarkable way with periods when nothing can be accomplished. They know, too, that the soul has a fourteen day period of productivity, after which anyone who has to do with creative thinking goes through an empty period, when the soul is like a squeezed out lemon. During this empty period, however, he can apply himself to working over what he has done. If artists and authors would take note of this, they would soon see how true it is. This alternation of periods is influenced not by daytime conditions, but by the times when the soul and the ego are outside the physical and etheric bodies. And so, for a fourteen-day period, productive forces are, as it were, poured into the human being while he is independent of his physical and etheric bodies, and then, during the next fourteen days, no such forces are poured in. That is the rhythm. It applies to all human beings, but is more clearly evident in the sort of people we have just mentioned.
[ 33 ] Einen viel deutlicheren Beleg dafür können Sie aber in dem sehen, was man wahres, echtes geisteswissenschaftliches Forschen nennt. Das ist auch kein solches Forschen, das zu jeder beliebigen Zeit und Stunde vorgenommen werden kann, sondern es hängt auch von einem rhythmischen Verlauf ab. Damit spreche ich etwas aus, was kaum irgendwo ausgesprochen worden ist; aber es ist so. In der geistigen Forschung ist man allerdings nicht in einem Schlafzustand. Den Seinigen gibt es der Weltengeist eben durchaus nicht im Schlafzustand! Man ist da nur in einem Zustand, wo der menschliche physische Leib untätig ist gegenüber dem, was sonst von der Sinneswelt kommt. Aber der Mensch ist da nicht schlafend, obwohl er sozusagen außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes ist. Denn der Mensch hat sich durch Meditation, Konzentration und so weiter die Fähigkeit errungen, daß sein Bewußtsein nicht erstirbt, wenn er herausgeht aus dem physischen Leib und Ätherleib, nicht etwa, daß da ein Schlaf eintreten muß, sondern daß der Mensch dann in der geistigen Welt wahrnehmen kann. Da gibt es nun für den auf der heutigen modernen Höhe stehenden Geistesforscher wiederum zwei streng voneinander geschiedene Epochen: die eine — wiederum eine vierzehntägige — ist eine solche, in welcher er seine Beobachtungen machen kann, wo er sich besonders stark fühlt, wo sich von allen Seiten herandrängen die Ergebnisse der geistigen Welt; dann tritt die andere Periode ein, wo er durch jene Kräfte, die er während der eben charakterisierten Periode aufgenommen hat, nun besonders befähigt ist, diese Erleuchtungen der geistigen Welt, diese Inspirationen und Imaginationen mit seinen Gedanken zu durchdringen, mit seinen Gedanken zu durcharbeiten, so daß sie eine strenge wissenschaftliche Form annehmen können. Gedankentechnik und Inspiration stehen nun wiederum in einem rhythmischen Verlauf. Da ist nun der Geistesforscher nicht auf die Registrierung der äußeren Tatsachen angewiesen; er sieht einfach, wie diese Perioden abwechselnd sich ihm ergeben wie Vollmond- und Neumondwechsel. Aber es ist wiederum dabei zu bemerken, daß nur ihr rhythmischer Verlauf sich vergleichen läßt mit dem Vollmond und dem Neumond; es fällt nicht etwa die inspirierende Periode mit dem Vollmond und die verarbeitende Periode mit dem Neumond zusammen, sondern nur der rhythmische Verlauf läßt sich vergleichen mit Vollmond, Neumond und den dazwischenliegenden Vierteln. Woher kommt das?
[ 33 ] Much clearer still is the evidence from genuine spiritual research. This is not the kind of research that can be undertaken whenever one chooses, but it is dependent on a rhythmical pattern. This point has hardly ever been mentioned anywhere, but it is so. During spiritual research one is not sleeping—the world-spirit does not bestow its gifts in sleep! The physical body is inactive with regard to the outer world, yet one is not asleep, although the physical and etheric bodies have been left behind; Meditation, concentration and so on have strengthened the researcher's faculties to such a degree that consciousness is not blotted out when it goes forth from the physical body. Sleep does not supervene and the spiritual world can be perceived. For the modern spiritual researcher there are two periods: one of fourteen days when he can make observations: he feels particularly strong and communications from the spiritual world press in on him from all sides. Then comes a period during which he is particularly well able, thanks to the forces just received, to penetrate with his thinking the illuminations, the imaginations and inspirations that have come to him from the spiritual world, to work over them so that they may acquire a strictly scientific form. Inspiration and the technique of thinking follow a rhythmical course. The spiritual researcher does not need to bring about a co-ordination with external facts; he simply sees how these periods occur in alternation, as do full moon and new moon, with their intervening quarters. But it is only their rhythmical course that has a parallel in the alternation of full and new moon. The period of inspiration does not coincide with full moon or the working over period with new moon. All we can say is that a comparison is possible between the two periods and full and new moon. Why should this be so?
[ 34 ] Wenn wir unsere Erde betrachten, so ist sie hervorgegangen durch Entwickelung aus einem früheren Zustand. Wie jeder Mensch in seinem Leben hervorgeht seelisch-geistig aus einer früheren Verkörperung, so ist unsere Erde für die Geisteswissenschaft hervorgegangen aus einer früheren planetarischen Verkörperung. Aber es haben sich innerhalb unserer Erde selbst Reste jener Tatsachen erhalten, welche sich in früheren Verhältnissen auf der früheren planetarischen Verkörperung unserer Erde abgespielt haben. Und diese Reste haben wir in dem zu suchen, was sich heute als Mondenumlauf um die Erde herum abspielt. Geisteswissenschaftlich rechnet man den Mond zur Erde. Was ist es uns geisteswissenschaftlich, was den Mond an der Erde hält und ihn umkreisen läßt? Die Erde ist es selber. Und wir stehen dadurch als Geisteswissenschafter mit der äußeren Wissenschaft in einem vollkommenen Einklang. Denn auch für die äußere Wissenschaft ist der Mond einmal von der Erde abgespalten worden, und er hat seine Umlaufskraft dadurch erhalten, daß er einmal physisch zur Erde zugehörig war. Daher stellt uns dasjenige, was Mondenumlauf ist, einfach einen früheren Zustand der Erde dar. So haben wir, indem wir zum Monde hinaufsehen, das Andenken an einen früheren Erdenzustand vor uns. Die Erde selbst ist es, welche sich in ihrem Trabanten diese früheren Zustände erhalten hat, weil sie ihn braucht, weil sie hineinleuchten lassen will in ihre jetzigen Verhältnisse einen früheren Zustand. Können wir auf der Erde Verhältnisse auffinden, deren Notwendigkeit uns dadurch klar wird?
[ 34 ] When we study our earth, we find that it has evolved out of an earlier state. Just as each one of us has come in soul and spirit from a former incarnation, so has the earth emerged from a former planetary incarnation. But our earth retains relics of events which occurred under earlier conditions during its previous incarnation. And these relics are to be found in the course of the moon round the earth, as we see it today. From a spiritual-scientific point of view the moon is reckoned as part of the earth. For what is it that keeps the moon circling round the earth? It is the earth itself, and here spiritual science and external science are in complete agreement. External science, too, regards the moon as having been split off from the earth, and having gained the force which keeps it in orbit through having once formed part of the earth. Thus the orbiting moon represents simply an earlier condition of the earth. The earth itself has retained in its satellite these earlier conditions because it needs to have them shining into the present. Can we find any reason for this need?
[ 35 ] Nehmen wir dazu den Menschen selber und betrachten wir ihn, wie er als Seele in seinem Leib lebt und dem Gang der Sonne ausgesetzt ist. Da zeigt er sich uns so, daß wir sagen: Zwischen Geburt und Tod ist für das heutige normale Bewußtsein dasjenige erschöpft, was heute der Sonne zugekehrt ist. — Versuchen Sie einmal, ob das, was heute das normale Bewußtsein während des Wachzustandes erlebt in der dreifachen Abhängigkeit von dem Heimatort, von dem Wechsel der Jahreszeiten und dem Wechsel der Tageszeiten, ob das sich nicht erschöpft in dem Leben zwischen Geburt und Tod? Der Mensch würde in seinem Bewußtsein nichts anderes haben können, nichts anderes würde hineinleuchten in sein Bewußtsein, wenn es nur diese Wirkung der Sonne auf die Erde gäbe und nur dieses Verhältnis zwischen Sonne und Erde. Was im Menschen nun hinüberspielt von Inkarnatiion zu Inkarnation, was in einem neuen Leben immer wieder erscheint, das muß gesucht werden in dem, was den äußeren Leib seelisch-geistig durchdringt, was auch im Schlafe als astralischer Leib um das Ich herum ist, und im Ich selber. Was im Schlafe als astralischer Leib und Ich aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht, das geht auch im Tode aus dem physischen Leib heraus, und das erscheint bei einer neuen Verkörperung auf eine neue Weise wiederum im Menschen. Dies hat in sich einen Rhythmus, der uns nun hinweist auf einen ähnlichen Verlauf, wie ihn der Mond hat. Wenn wir die menschliche Entwickelung betrachten, so sagen wir uns: Was der Mensch heute erlebt auf der Erde, was gerade sein Ich ausarbeitet als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, das ist erst auf der Erde entwickelt worden; das entwickelt sich nur unter den Verhältnissen, unter denen die Erde zur Sonne steht. Zum Mond aber steht die Erde in einem Verhältnis, das sie früher gehabt hat, das sie behalten hat aus früheren Zuständen ihrer eigenen Entwickelung. Und so weist uns die Erde in ihrem Verhältnis zu dem, was sie als Mond mit sich schleppt, auf frühere Zustände hin. Der Mensch aber weist uns durch seinen heutigen Zustand, durch Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele auf jene Zeiten zurück, in welchen die Träger dieser Seelenglieder, der physische Leib, Ätherleib und astralische Leib, vorbereitet worden sind. Und wie heute noch immer die Sonnenwirkungen arbeiten müssen, damit diese drei Träger der Seele in entsprechender Weise ausgearbeitet werden können, so mußten die Mondenkräfte einstmals an dem Menschen arbeiten, damit diese Träger vorbereitet werden konnten. Wie heute die Mondenkräfte sich in ihrem Verlaufe rhythmisch geordnet zeigen, und wie der innere Mensch rhythmisch geordnet ist, so waren die Mondenkräfte einst zusammenstimmend mit dem Menschen selber und bereiteten das vor, was der Mensch heute ist — so wie die Erde als Mondzustand dasjenige vorbereitete, was sie heute als Erde ist. — So können wir sagen, daß die niedere Natur des Menschen, auf der sich aufbaut die Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, uns zurückweist auf alte Erdenzustände, welche sich die Erde bewahrt hat in dem, was sich uns als Mondenumlauf heute noch zeigt. Und wir sehen, wie also des Menschen Inneres, indem es von Verkörperung zu Verkörperung geht, einen Rhythmus haben muß, der dem Mondenrhythmus entspricht. So war auf früheren Stufen der Erdenentwickelung nicht das, was das vorübergehende Leibliche ist, sondern dasjenige, was von innen heraus an dieser Leiblichkeit arbeitet, mit dem Monde verknüpft, wie heute das äußere Leibliche mit der Sonne verknüpft ist. Die Erde hat in dem Mond etwas zurückbehalten von ihrem früheren Zustande. Und der Mensch hat in seinem Inneren, in seinem Ewigen auch etwas zurückbehalten von früheren Zuständen. Und gerade in diesem Inneren entwickelt er das Höhere, das früher äußerlicher Einfluß war, wiederum in einer innerlich selbständigen Weise.
[ 35 ] Let us take man himself and observe how he lives as a soul in his body and how he is exposed to the course of the sun. We then must say: For normal consciousness today, everything associated with the sun is restricted to the life between birth and death. This is something you can test—ask yourselves whether what normal consciousness experiences during waking hours, in its threefold dependence on native place, the changing seasons and the alternation of day and night, is not restricted to the life between birth and death. Man would have nothing else in his consciousness, nothing more would illuminate it, if there were only this action of the sun on the earth and only this relation between earth and sun. That which plays over from one incarnation to the next and appears again in a new life, must be sought in the soul-spiritual element which permeates man's outer body and during sleep passes as astral body and ego out of the physical and etheric bodies. At death also it leaves the body, and reappears in a new form at the next incarnation. Here there is a rhythm which directs our attention to a similar rhythm associated with the moon. If now we consider human evolution, we see that the work of the ego on the Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul has developed only on earth under the conditions that prevail between earth and sun. But the earth's relation to the moon reflects a former condition in its own evolution. Man's present phase of evolution, through Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, points to a period during which the bearers of the above soul-members, the astral, etheric and physical bodies, were being prepared. Then, just as the action of the sun is now still necessary for the proper development of these three bearers, the moon forces were at work in preparing them. Today the moon forces were once in harmony with man and prepared him to be what he is today; likewise the earth during its moon condition prepared our present earth. Thus we can say that the lower nature of man, on which are built the Sentient Soul, Intellectual Soul and Consciousness Soul, points back to earlier conditions which the earth has preserved in the orbit of the moon as we see it today. We can see, too, how man's inner being, as he passes from one incarnation to the next, must have a rhythm corresponding to the moon's. During earlier stages of the earth's evolution, it was not the transitory physical that was associated with the moon, but the inner activity which was working on this physical, just as the external physical is today being worked on by the sun. The earth has preserved in the moon something of its earlier conditions, and so has man in his inner, eternal being. In this inner being he is now evolving those higher qualities which were formerly an external influence and which are now to be developed by his own inner capacities.
[ 36 ] Das haben wir ja zu betonen, daß der Mensch hinauswächst über die äußeren Einflüsse. Wir sehen, wie der Mensch immer unabhängiger wird, indem er heute schon imstande ist, bei Tag zu schlafen und bei Nacht zu wachen. Aber er muß noch nach dem Rhythmus der Sonne seinen Wechsel im Schlafen und Wachen ordnen; er muß doch den Rhythmus innehalten. In früheren Zuständen war der innere Tag und die innere Nacht ganz entsprechend dem Sonnentag und der Sonnennacht. Da war der Mensch noch mehr gefesselt an die Scholle. Gerade dadurch wird der Mensch selbständig und frei, daß er schon den Rhythmus, in welchem er drinnen steht, innerlich befreit; daß er ihn zwar als Rhythmus beibehält, aber nicht mehr von der Außenwelt abhängig ist. — Es ist so, wie wenn Sie eine Uhr nehmen, die zwar in vierundzwanzig Stunden umläuft, die Sie aber so stellen, daß sie nicht mit der äußeren Zeit übereinstimmt, so daß es bei ihr nicht «zwölf» ist, wenn es draußen «zwölf» ist. Da ist die Uhr zwar nach dem äußeren Rhythmus geordnet, aber es fällt doch ihre Stundenangabe nicht zusammen mit der äußeren Sonnenzeit.
[ 36 ] An essential point we must emphasise is that man grows out of these external influences. He becomes more independent all the time—e.g. he can sleep by day and stay awake at night. But he still has to order his waking and sleeping in accordance with the rhythm of the sun; he has to maintain the rhythm within himself. In earlier times, inner day and night corresponded closely to the sun's day and night; man was then more closely bound to his native soil. He becomes free and independent precisely by inwardly liberating the rhythm under which he lives; by retaining it as a rhythm, but no longer dependent on the outer world. It is as if we had a clock marked for 24 hours but set in such a way that it does not correspond with external time; e.g., when the clock says it is 12 o'clock, it is not 12 o'clock by the sun. Thus although the clock follows a 24-hour rhythm, the time it shows is its own, not that of the sun.
[ 37 ] So macht sich der Mensch innerlich frei, indem er den äußeren Rhythmus zu einem innerlichen macht. So hat sich der Mensch schon längst in bezug auf den Mondenrhythmus, der sich auf sein Inneres bezog, innerlich frei gemacht. Deshalb haben wir es betont, daß der Mensch zwar die Mondenphasen innerlich erlebt, daß sie aber nicht angeregt sind durch den Mond am Himmel; sondern daß der Mond am Himmel nur in einem entsprechenden Rhythmus verläuft, weil der Mensch wohl den inneren Rhythmus behalten, aber sich äußerlich davon unabhängig und frei gemacht hat.
[ 37 ] Thus man frees himself inwardly by making the external rhythm into an inner one. He has long since freed himself from the rhythm which connected his inner being with the moon. Hence we have emphasised that man lives through the phases of the moon inwardly, but these experiences are not caused by the moon in the sky. The course of the moon shows a similar rhythm because man has retained the rhythm inwardly, though outwardly he has made himself free and independent of it.
[ 38 ] Auf diesem Wege, den wir für den Menschen konstatieren konnten, ist nun die Erde selbst als ein ganz lebendiges Wesen zu verstehen. Aber da sie uns äußerlich nur ihren physischen Leib zeigt, sich nicht als lebendig, fühlend und wissend zeigt, steht sie sozusagen noch näher dem Mond. Jetzt können wir begreifen, warum wir gar nicht einmal nach den äußeren Tatsachen von einem unmittelbaren Einfluß des Mondes auf Ebbe und Flut sprechen können, sondern daß wir nur sagen können: Ebbe und Flut in ihrer Zeit entsprechen dem Umlauf des Mondes; aber wir können nicht von einem unmittelbaren äußeren Einfluß des Mondes sprechen, weil der Mond tatsächlich nicht Ebbe und Flut bewirkt; sondern weil Ebbe und Flut und der Mondenumlauf von tieferen geistigen Kräften in der lebendigen Erde bewirkt werden. Mondenumlauf und Ebbe und Flut entsprechen einander; aber sie stehen ebensowenig in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis, wie der heutige Mond in einem unmittelbaren Abhängigkeitsverhältnis steht zu dem, was ich Ihnen als Rhythmus bei dem produktiven und hellsichtigen Menschen angeführt habe.
[ 38 ] We are led in this way to regard the earth as a living being, but since it shows us only its physical body, with no evident signs of life or feeling or knowledge, its condition is nearer to that of the moon. Now we can understand why it is wrong, even taking only the external facts, to speak of a direct influence of the moon on the tides, and why we can say only that the ebb and flow of the tides corresponds to the phases of the moon. The tides, as well as the course of the moon are caused by deeper spiritual forces in the living earth.
[ 39 ] So sehen wir, wie gerade aus den geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen heraus die äußeren Tatsachen wunderbar sich uns aufklären: Ebbe und Flut entsprechen einem inneren Vorgang in unserer Erde, der nicht nur Ebbe und Flut, sondern auch den Mondenumlauf bewirkt. Sie entsprechen einander, wie der Gang der Uhr dem Verlauf der äußeren Sonnenzeit entspricht, obwohl keiner behaupten könnte, daß die Sonne die Zeiger der Uhr umdreht. Das sind Entsprechungen, die auf eine gemeinsame Ursache zurückgehen, die aber nicht einander bewirken. Und wenn Sie diese Voraussetzungen der Geisteswissenschaft nehmen, und alle Bücher durchgehen, wo Sie registriert finden alle Erscheinungen von Mond und Erde — und Ebbe und Flut, dann werden Sie die wahren Verhältnisse zwischen Mond und Erde und auch zwischen Mond und Mensch finden.
[ 39 ] Thus we see how Spiritual Science helps us to clarify external facts in a wonderful way. The tides correspond to an inner process in the living earth, which produces them and also the orbit of the moon.73The correspondence between the moon's orbit and the tides can be led back to a joint cause, but the former does not cause the latter, just as the hand moving round the clock corresponds to the path of the sun, although no-one would suggest that the sun caused the clock-hand to move round. If you take the findings of Spiritual Science and then go through all the books where the phases of moon and earth and tides are recorded, you will understand the true relations between moon and earth and moon and man.
[ 40 ] Sie können sich leicht denken: wenn der Mensch unselbständig wird, heruntergedrückt wird vom vollbewußten Zustande in weniger bewußte Zustände, wenn er versinkt in ein Unbewußtsein, da geht er zurück in frühere Entwickelungsphasen. Der Mensch ist von der Bewußtlosigkeit fortgeschritten zu seiner heutigen Bewußtheit. Von der früheren Mondabhängigkeit und dem Mondeinfluß, der direkt war, ist der Mensch zu der heutigen Unabhängigkeit vom Mond — und zu der Abhängigkeit von der Sonne fortgeschritten. Daher müssen wir sagen: Weil der Mensch früher unmittelbar vom Monde abhängig war, so wird sich dasjenige, was sich dann abspielt, wenn sein Bewußtseinszustand heruntergedämpft ist, nach dem Mondenlauf richten. Das zeigt atavistisch, wie eine alte Erbschaft, noch einen Zusammenhang mit den Mondphasen. Bei medial veranlagten Menschen, bei denen das eigentliche Ich-Bewußtsein so heruntergedrückt ist, daß sie wie eine alte Erbschaft dasjenige zeigen, was früher einmal in der Entwickelung vorhanden war, bei ihnen zeigt sich daher noch der frühere Mondeinfluß. Ebenso wenn bei Menschen durch gewisse Krankheitszustäinde das Bewußtsein heruntergedrückt wird.
[ 40 ] You can easily see that if a man loses his independence and sinks from a fully conscious into a less conscious or unconscious condition, he will regress to earlier stages of evolution. Man advanced from unconsciousness to his present state of consciousness, from his earlier dependence on the moon and its influence to his present independence from the moon and his dependence on the sun.
[ 41 ] Diese Erscheinungen werden Sie aus der Geisteswissenschaft jetzt voll begreifen können, wenn Sie diese Prinzipien kennen. Überall werden Sie im Leben die Belege für das finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat. Und zum Schluß nun noch eines.
[ 41 ] Because man was once directly dependent on the moon, it follows that if his consciousness is damped down, its functioning will be ordered by the course of the moon. This is an atavistic effect which brings out man's old connection with the moon's phases. A characteristic of mediums is that their consciousness is so far lowered that they revert to an earlier stage of evolution, and the old influence of the moon makes itself felt in them. It is similar in certain cases of illness where the consciousness is lowered. If you bear in mind the principles of Spiritual Science, you will be well able to understand these phenomena. The evidence for what Spiritual Science has to say can be found in all aspects of life.
[ 42 ] Wenn der Mensch herausgeboren wird aus der dunklen Naturgrundlage, nachdem er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durch die geistige Welt durchgegangen ist und wiedererscheint in einer neuen Körperlichkeit, da muß er, bevor er an das Licht des Tages tritt, herausgeboren werden aus Verhältnissen, die an frühere Zustände der Erde erinnern. Und dieses entsprechende Gebiet der Wissenschaft rechnet noch immer den Keimzustand des Menschen nach zehn Mondmonaten. Da haben wir einen Rhythmus, der in zehn aufeinanderfolgenden Mondperioden abläuft. Da sehen wir, wie der Mensch in der Zeit, bevor er an das Licht der Sonne tritt, sich unter Verhältnissen entwickelt, die wir nur erklären können, wenn wir überhaupt an den Rhythmus des Mondes anknüpfen. So sehen wir, wie die Erde in dem Monde und ihrem Rhythmus uns bewahrt hat, was sie selbst vor ihrem Erdendasein durchlebt hat. Und wir betrachten heute die menschliche Entwickelung während der Keimeszeit und sehen, wie in dieser Zeit, in zehn Mondmonaten, jeder Woche — also jeder Mondphase ein ganz besonderer Zustand in der Entwickelung des Embryo entspricht. Wiederum hat sich der Mensch darin erhalten, was wir als Mondrhythmus bezeichnen können.
[ 42 ] One thing more. When someone is to be born again on earth after his sojourn in the spiritual world between death and a new birth, then, during the embryonic period, he passes through conditions which recall an earlier state of the earth. The embryonic period is still reckoned by science as covering ten lunar months; thus we have here a rhythm which runs its course through ten successive moon periods. We find also that each week in the ten-month period—that is, each phase of the moon—corresponds to a particular condition in the development of the embryo. Here, too, man has retained in himself the moon rhythm, as we may call it.
[ 43 ] Und noch eine ganze andere Anzahl von Erscheinungen gibt es, die mit dem Dasein des Menschen zusammenhängen, bevor er aus dunklen Untergründen an das Tageslicht tritt, die zwar durchaus nicht Wirkungen des Mondes sind, auch nicht mit den Mondphasen zusammenfallen, wohl aber denselben Rhythmus widerspiegeln, weil sie zurückführen auf Ursachen, die einmal die Erde hat sehen lassen in Verhältnissen, unter denen sie früher vorhanden war.
[ 43 ] We could indeed mention a whole series of other phenomena connected with man's embryonic existence, before he emerges from the depths of nature into the light of day; they are of course not caused by the moon and do not coincide with the moon's phases but reflect the same rhythm, because they go back to primary causes which were present while the earth was passing through earlier conditions of existence.
[ 44 ] Damit habe ich hineingeleuchtet in ein Gebiet, das sich öffentlich nicht weiter beleuchten läßt. Diejenigen, die nachdenken wollen, werden sehen, daß sich hier eine Perspektive auftut hinein in die Gebiete des Lebens, wo die Geisteswissenschaft tatsächlich eine Richtung angeben kann, die weit, weit aufklärend wirkt in bezug auf dasjenige im Menschen, was sich dem äußeren Sonnenlicht entzieht, was hinter dem äußeren Sonnenlicht liegt — was man also erforschen muß durch ein anderes Licht als dasjenige, was am äußeren Sonnenlicht als Erkenntnislicht herangezüchtet ist: nämlich durch jenes Erkenntnisvermögen, das nicht angewiesen ist auf den Dienst, den Empfindungsleib, Lebensleib und physischer Leib unter dem Einfluß der Sonne zu tun imstande sind. Das hellseherische Vermögen macht sich wiederum unabhängig von diesen drei Leibern, kann sich wiederum in das Innere vertiefen, in die geistige Welt hineinschauen und sich ein Erkenntnisvermögen dessen eröffnen, was hinter dem äußeren Sonnenlicht liegt, was aber darum nicht weniger lichtvoll und erhellt ist. — Auf diese Weise haben Sie gesehen, wie durch die Geisteswissenschaft in verschiedenster Art Anregungen gegeben werden können. Aber ich muß schon aufmerksam darauf machen, daß man für die Geisteswissenschaft in bezug auf die Mondfrage intimere Lichter haben muß, wenn man in die Dinge hineinkommen will.
[ 44 ] Now I have thrown light on a subject which cannot be further illuminated in public. Thoughtful people will see that here a perspective is opened up into realms of life where Spiritual Science can indeed point the way to a great clarification of much in man that is hidden from external sunlight, that lies behind it. They are realms which have to be explored by a light different from the light of knowledge we have acquired through the light of the sun; namely by faculties which are not dependent on the service rendered by the sentient, etheric and physical bodies under the influence of the sun. A clairvoyant faculty makes itself independent of these three bodies; it can sink itself in inwardness and see into the spiritual world, and thus can open up a capacity for knowledge of what lies behind external sunlight and yet is full of light and clarity. But I must again emphasise that on the question of the moon an even more intimate light is needed if we are to get to the heart of it.
[ 45 ] Es fällt mir am Schlusse noch ein Gedicht ein von dem deutschen Dichter und Lyriker Wilhelm Müller; ein Gedicht, von dem uns hier nur die letzte Strophe interessieren soll. Da wird der Mond angesprochen, und allerlei Intimitäten werden gewechselt zwischen einem Menschen und dem Mond, und dann wird gesagt, weil da die Seele ganz merkwürdige Dinge zu dem Mond gesprochen hat:
[ 45 ] In conclusion, I am reminded of some verses by the German lyrical poet Wilhelm Muller: we are here concerned only with the last stanza. The moon is addressed and all sorts of intimate words pass between man and moon; and then, because the soul has spoken to the moon in a wonderful way:
Dies Liedchen ist ein Abendreih’n,
Ein Wandrer sang’s im Vollmondschein;
Und die es lesen bei Kerzenlicht,
Die Leute verstehn das Liedchen nicht,
Und ist doch kinderleicht!
This little song, an evening round,
A wanderer sings in full moonshine;
Those who read it by candlelight
Will always fail to get it right,
Childishly simple though it is.74Wilhelm Müller, 1794–1827, known for the cycles of poems “Die Winterreise” and “Die schöne Müllerin” which were set to music by Franz Schubert. This poem is the last verse from “Mondlied”, from Liederder Griechen, 2nd edition, Leipzig, 1844.
[ 46 ] So ähnlich müssen wir das aufnehmen, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, wie wir es angedeutet haben über den Mond und seine Bedeutung im Menschenleben. Wir müssen sagen: Das Lied der Geisteswissenschaft über den Mond ist tatsächlich nur zu singen bei einigem Verständnis für die intimeren Begriffe der Geisteswissenschaft. Diejenigen Menschen, die es lesen wollen beim Kerzenlichte — ich meine in diesem Falle das Teleskop —, bei dem, was sich vom Monde zeigt durch die Mondphotographie und all das, was man heute Mondforschung nennt, diese Leute werden schwer dieses Lied der Geisteswissenschaft vom Monde verstehen. Aber dennoch werden diejenigen, die nur ein klein wenig eingehen wollen auf das, was sich von allen Seiten aus dem Leben ergibt, sagen müssen: Im Grunde genommen ist es gar nicht so schwer, die Sache zu verstehen! Wer das Lied der Geisteswissenschaft vom Monde nicht nur verstehen will beim Kerzenlicht des Teleskops, sondern bei dem lebendigen Licht des Geistes, das auch leuchtet, wenn keine äußeren Sinneseindrücke vorhanden sind, für den ist — wenn er nur will — dieses Lied vom Monde und damit von einem wichtigen Bestandteil des Lebens doch recht leicht, wenn auch nicht kinderleicht!
[ 46 ] That is rather how we should take what Spiritual Science has to say, as shown in our treatment of the moon and its significance for human life. The song of Spiritual Science about the moon can indeed be sung only if we have some understanding of the more intimate ideas of Spiritual Science. People who try to read the song by candlelight, by which I mean the telescope, and employ photographs of the moon, for so-called research—these people will hardly understand our song. But those who are ready to go even a little way into what life can tell us in all its aspects will say to themselves: It is really not so difficult! Anyone who seeks to understand the song that Spiritual Science sings about the moon—not by the candlelight of the telescope, but by the living light of the spirit, which shines even when all sense-impressions are absent—he will find that this song about the moon, and therefore about an important aspect of life, is truly quite easy, even if not childishly easy!
