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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
Second Part
GA 59

20 January 1910, Berlin

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1. Die Geisteswissenschaft und die Sprache

1. Spiritual Science and Language

[ 1 ] Es ist reizvoll, die verschiedenen Äußerungen der menschlichen Wesenheit vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt, so wie hier Geisteswissenschaft gemeint ist, zu betrachten. Denn indem wir gleichsam um das menschliche Leben herumgehen, wie es im Verlaufe dieser Vorträge geschehen ist, und es von seinen verschiedenen Seiten betrachten, können wir uns einen Gesamteindruck von demselben verschaffen. Heute soll von jener universellen Äußerung des menschlichen Geistes die Rede sein, die sich in der Sprache zu erkennen gibt, und das nächste Mal soll dann unter dem Titel «Lachen und Weinen» gleichsam eine Abart der menschlichen Ausdrucksfähigkeit betrachtet werden, die zwar mit der Sprache verbunden, aber doch wieder grundverschieden von ihr ist.

[ 1 ] It is fascinating to examine the various manifestations of the human being from the perspective of spiritual science—as that term is used here. For by circling, as it were, around human life—as we have done in the course of these lectures—and viewing it from its various aspects, we can gain an overall impression of it. Today we shall discuss that universal expression of the human spirit which manifests itself in language, and next time, under the title “Laughter and Tears,” we shall examine, as it were, a variant of human expressiveness that, while connected to language, is nevertheless fundamentally different from it.

[ 2 ] Wenn von der menschlichen Sprache die Rede ist, dann fühlen wir wohl hinlänglich, wie sehr die ganze Bedeutung und Würde und das ganze Wesen des Menschen mit dem zusammenhängt, was eben als Sprache bezeichnet wird. Unser innerstes Leben, alle unsere Gedanken, Gefühle und Willensimpulse fließen gleichsam nach außen zu unseren Mitmenschen hin und verbinden uns mit denselben durch die Sprache. So fühlen wir eine unendliche Erweiterungsfähigkeit unseres Wesens, eine Möglichkeit des Ausstrahlens dieses Wesens in die Umgebung durch die Sprache. Auf der anderen Seite allerdings wird gerade derjenige, der das menschliche Innen O leben einer bedeutungsvollen Individualität zu durchdringen vermag, empfinden können, wie die menschliche Sprache doch wiederum eine Art Tyrann ist, eine Macht, die auf unser Innenleben ausgeübt wird. Fühlen wir es doch, wenn wir nur wollen, daß dasjenige, was wir uns selber zu sagen haben über unsere Gefühle und Gedanken, über das, was durch die Seele zieht mit all seiner Intimität und Besonderheit, nur spärlich und schwach in dem Wort, in der Sprache zum Ausdruck kommen kann. Und fühlen wir doch auch, wie die Sprache, in die wir hineingestellt sind, uns sogar ein bestimmtes Denken aufzwingt. Wer sollte es denn nicht wissen, wie der Mensch in bezug auf sein Denken abhängig ist von der Sprache! Worte sind es vielfach, an die sich unsere Begriffe heften, und in einem unvollkommenen Entwikkelungszustand wird der Mensch sogar leicht das Wort oder das, was ihm das Wort einimpft, mit dem Begriffe verwechseln können. Daher die Unmöglichkeit mancher Menschen, sich eine Begriffswelt aufzubauen, welche hinausreicht über das, was ihnen die Worte geben, die in ihrer Umgebung üblich sind. Und wissen wir doch auch, wie der Charakter eines ganzen Volkes, das eine gemeinsame Sprache spricht, in gewisser Weise von dieser Sprache abhängig ist. Wenigstens muß derjenige, der intimer die Volkscharaktere, die Sprachencharaktere in ihren Zusammenhängen betrachtet, einsehen, wie die Art und Weise, in welcher der Mensch das, was in seiner Seele liegt, in Laute umzuprägen vermag, wiederum zurückwirkt auf die Stärke und Schwäche seines Charakters, auf den Ausdruck seines Temperamentes, ja auf seine ganze Lebensauffassung. Und der Kenner wird imstande sein, aus der Konfiguration der Sprache eines Volkes mancherlei entnehmen zu können in bezug auf den Charakter eines Volkes. Da aber die Sprache einem Volke gemeinschaftlich ist, so ist der einzelne von einer Gemeinsamkeit abhängig, gleichsam von einem Durchschnittsmaß, wie es in dem Volke herrscht. Er steht dadurch gewissermaßen unter der Tyrannei, unter der Macht der Gemeinsamkeit. Wenn man aber fühlt, daß auf der einen Seite unser individuelles Geistesleben, auf der anderen Seite das Geistesleben von Gemeinsamkeiten sozusagen in der Sprache niedergelegt ist, so erscheint einem dasjenige, was man das Geheimnis der Sprache nennen könnte, als etwas ganz besonders Bedeutungsvolles. Man kann sagen, daß man gewiß einiges über das Seelenleben des Menschen erfahren kann, wenn man die Äußerungen betrachtet, wie dieses menschliche Wesen gerade in der Sprache sich gibt.

[ 2 ] When we speak of human language, we surely feel keenly how deeply the entire meaning, dignity, and very essence of the human being are connected to what we call language. Our innermost life—all our thoughts, feelings, and impulses of will—flow, as it were, outward toward our fellow human beings and connect us with them through language. In this way, we sense an infinite capacity for expansion within our being, a possibility of radiating this being into our surroundings through language. On the other hand, however, it is precisely those who are able to penetrate the inner life of a meaningful individuality who will be able to sense how human language is, in turn, a kind of tyrant—a power exerted upon our inner life. After all, if we only wish to, we can sense that what we have to say to ourselves about our feelings and thoughts—about what stirs within the soul with all its intimacy and uniqueness—can be expressed only sparsely and weakly through words and language. And we also sense how the language in which we are immersed even imposes a certain way of thinking upon us. Who, after all, is not aware of how much human thinking depends on language! Words are often the vehicles for our concepts, and at an imperfect stage of development, a person may even easily confuse the word—or what the word instills in them—with the concept itself. Hence the inability of some people to construct a conceptual world that extends beyond what is conveyed to them by the words commonly used in their environment. And we also know how the character of an entire people who speak a common language is, in a certain sense, dependent on that language. At the very least, anyone who examines national characters and linguistic characteristics more closely in their contexts must recognize how the manner in which a person is able to translate what lies within their soul into sounds, in turn, affects the strengths and weaknesses of their character, the expression of their temperament, and indeed their entire outlook on life. And the connoisseur will be able to glean much from the structure of a people’s language regarding the character of that people. But since language is shared by a people as a whole, the individual is dependent on a commonality—as it were, on an average standard—that prevails within the people. He is thereby, in a sense, subject to the tyranny, to the power, of this commonality. But when one senses that, on the one hand, our individual spiritual life and, on the other hand, the spiritual life of the collective are, so to speak, embodied in language, then what one might call the mystery of language appears to be something of particular significance. One can say that one can certainly learn a great deal about the inner life of the human being by observing the ways in which this human being expresses itself through language.

[ 3 ] Das Geheimnis der Sprache, ihre Entstehung, ihre Fortentwickelung in den verschiedenen Zeiten, war von jeher eine Rätselfrage für gewisse fachwissenschaftliche Gebiete. Aber man kann nicht sagen, daß diese fachwissenschaftlichen Gebiete in unserem Zeitalter besonders glücklich darin waren, hinter das Geheimnis der Sprache zu kommen. Deshalb soll heute sozusagen aphoristisch, skizzenhaft von dem Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, wie wir ihn gewohnt sind auf den Menschen und seine Entwickelung anzuwenden, einiges Licht auf die Sprache, ihre Entwickelung und ihren Zusammenhang mit dem Menschen geworfen werden.

[ 3 ] The mystery of language—its origins and its evolution over time—has always been a puzzle for certain academic disciplines. But it cannot be said that these academic disciplines have been particularly successful in our time at unraveling the mystery of language. Therefore, today we shall shed some light—in an aphoristic, sketch-like manner, so to speak—on language, its development, and its connection to humanity from the perspective of the humanities, as we are accustomed to applying it to human beings and their development.

[ 4 ] Das ist es ja, was zunächst so geheimnisvoll erscheint, wenn wir irgendein Ding, eine Sache, einen Vorgang mit einem Worte bezeichnen. Wie hängt da jene eigentümliche Lautzusammensetzung, die das Wort oder den Satz bildet, mit dem zusammen, was aus uns kommt und als Wort das Ding bedeutet? Da hat man vom Standpunkte der äußeren Wissenschaft die mannigfaltigsten Erfahrungen zu den verschiedensten Kombinationen zusammenzufügen versucht. Man hat aber auch das Unbefriedigende einer solchen Betrachtungsweise empfunden. Die Frage ist ja so einfach und dennoch so schwierig zu beantworten: Wie kam der Mensch dazu, wenn ihm irgend etwas in der Außenwelt entgegentrat, gerade aus sich heraus, wie ein Echo dieses oder jenes Gegenstandes oder Vorganges, nun diesen oder jenen besonderen Laut hervorzubringen?

[ 4 ] That is precisely what seems so mysterious at first when we designate any object, thing, or process with a word. How does that peculiar combination of sounds—which forms the word or sentence—relate to what comes from within us and, as a word, signifies the thing? From the standpoint of external science, attempts have been made to synthesize the most diverse experiences into the widest variety of combinations. But people have also sensed the inadequacy of such an approach. The question is, after all, so simple and yet so difficult to answer: How did human beings come to produce—when confronted with something in the external world—precisely this or that particular sound from within themselves, as an echo of this or that object or event?

[ 5 ] Von einem gewissen Gesichtspunkte aus stellte man sich die Sache recht einfach vor. Man dachte zum Beispiel daran, daß die Sprachbildung davon ausgegangen sei, dasjenige, was man äußerlich schon als Laut hört wie den Laut gewisser Tiere, oder wenn etwas an ein anderes anschlägt, durch die innere Fähigkeit unserer Sprachorgane nachzuahmen, etwa so wie das Kind, wenn es den Hund «wau-wau!» bellen hört und diesen Laut nachahmt, den Hund den «Wauwau» nennt. Eine solche Wortbildung könnte man eine onomatopoetische nennen, eine Nachahmung des Tones. Eine derartige Nachahmung sollte der ursprünglichen Laut- und Wortbildung — so ist es von gewissen Gesichtspunkten aus behauptet worden — zugrunde liegen. Natürlich bleibt die Frage ganz unbeantwortet: Wie kommt der Mensch dann dazu, jene stummen Wesenheiten, die keinen Ton von sich geben, zu benennen? Wie steigt er auf von dem Lautausdruck eines Tieres oder eines Vorganges, den man hören kann, zu einem solchen, den man nicht hören kann? — Der große Sprachforscher Max Müller hat diese Theorie, weil er das Unbefriedigende einer solchen Spekulation einsah, verspottet und sie die «Wauwau-Theorie» genannt. Dafür hat er eine andere Theorie aufgestellt, welche die Gegner nun ihrerseits — und hier ist das Wort in dem Sinne gebraucht, wie es nicht gebraucht werden sollte — «mystisch» genannt haben. Max Müller meint nämlich, daß einem jeden Ding in sich selber sozusagen etwas zukomme, was wie Klang sei. Alles habe in gewisser Weise einen Klang, nicht nur ein Glas, das man fallen läßt, nicht nur die Glocke, die angeschlagen wird, sondern jedes Ding. Und die Fähigkeit des Menschen, eine Beziehung herzustellen zwischen seiner Seele und diesem, gleichsam als inneres Wesen an dem Dinge befindlichen Klange, ruft in der Seele die Möglichkeit hervor, dieses innere Klangwesen des Dinges auszudrücken, wie man etwa das Innere der Glocke ausdrücken kann, wenn man ihren Ton in «Bim-bam» nachfühlt. Und die Gegner Max Müllers haben ihm seinen Spott zurückgegeben, indem sie nun seine Theorie die «Bimbam-Theorie» nannten. Wenn wir fortfahren wollten, von den mit großem Fleiß gemachten Zusammenstellungen weiteres aufzuzählen, so würden wir sehen, daß immer etwas Unbefriedigendes bleiben müßte, wenn man dasjenige, was der Mensch gleichsam wie ein Echo seiner Seele dem Wesen der Dinge entgegentönen läßt, in dieser Weise äußerlich charakterisieren wollte. Da muß man schon tiefer hineindringen in das Innere des Menschen.

[ 5 ] From a certain point of view, the matter was conceived of as quite simple. For example, it was thought that language development was based on the idea of imitating, through the innate ability of our speech organs, sounds that we already hear externally—such as the sounds made by certain animals, or the sound of one object striking another—much like a child who, upon hearing a dog bark “woof-woof!”, imitates this sound and calls the dog “Woofwoof.” Such word formation could be called onomatopoeic—an imitation of sound. It has been claimed from certain perspectives that this kind of imitation underlies the original formation of sounds and words. Of course, the question remains entirely unanswered: How, then, does a person come to name those silent entities that make no sound? How does one progress from the vocal expression of an animal or a process that can be heard to one that cannot be heard? — The great linguist Max Müller, recognizing the unsatisfactory nature of such speculation, mocked this theory and called it the “woof-woof theory.” In its place, he proposed another theory, which his opponents, for their part—and here the word is used in a sense in which it should not be used—have called “mystical.” Max Müller believes, in fact, that every thing possesses, so to speak, something inherent within itself that is like sound. Everything has a sound in a certain sense—not just a glass that is dropped, not just a bell that is rung, but every single thing. And the human capacity to establish a connection between one’s soul and this sound—which, as it were, resides within the thing as its inner essence—gives rise in the soul to the possibility of expressing this inner sound essence of the thing, just as one might express the inner nature of a bell by sensing its tone as “bim-bam.” And Max Müller’s opponents returned his mockery by dubbing his theory the “Bim-bam theory.” If we were to continue listing further examples from these meticulously compiled compilations, we would see that something unsatisfactory would always remain if one were to attempt to characterize externally, in this way, that which human beings, as it were, let resound toward the essence of things like an echo of their soul. One must delve much deeper into the innermost being of the human person.

[ 6 ] Für die Geisteswissenschaft ist der Mensch im Grunde genommen ein sehr kompliziertes Wesen. So wie er vor uns steht, hat er zunächst seinen physischen Leib, der in sich dieselben Gesetze und Substantialitäten hat, die wir auch in der mineralischen Welt finden. Dann hat der Mensch für die Geisteswissenschaft als ein zweites, höheres Glied seiner Wesenheit den Ätherleib oder Lebensleib. Sodann dasjenige Glied, das wir den Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Trieb, Begierde und Leidenschaft nennen, den astralischen Leib, der für die Geisteswissenschaft ein ebenso reales, ja realeres Glied der Menschennatur ist als das, was man mit Augen sehen und mit Händen greifen kann. Und das vierte Glied der menschlichen Wesenheit haben wir den Träger des Ich genannt. Wir haben ferner gesehen, daß die Entwickelung des Menschen auf der gegenwärtigen Stufe darinnen besteht, daß er von seinem Ich aus an der Umgestaltung der drei anderen Glieder seiner Wesenheit arbeitet. Wir haben auch darauf hingedeutet, daß in einer fernen Zukunft das menschliche Ich diese drei Glieder so umgestaltet haben wird, daß nichts mehr von dem zurückgeblieben sein wird, was die Natur oder die in der Natur liegenden geistigen Mächte aus diesen drei menschlichen Gliedern gemacht haben.

[ 6 ] From the perspective of spiritual science, human beings are, at their core, very complex beings. As we see them, they first have their physical body, which is governed by the same laws and substances that we also find in the mineral world. Then, for spiritual science, human beings have, as a second, higher aspect of their being, the etheric body or life body. Next is the aspect we call the bearer of pleasure and suffering, joy and pain, of instinct, desire, and passion—the astral body, which, for spiritual science, is just as real, indeed more real, a component of human nature than that which can be seen with the eyes and grasped with the hands. And we have called the fourth aspect of the human being the bearer of the “I.” We have further seen that human development at the present stage consists in the human being working, from the perspective of the “I,” to transform the other three components of his being. We have also indicated that in the distant future, the human “I” will have transformed these three components to such an extent that nothing will remain of what nature—or the spiritual forces inherent in nature—have made of these three human components.

[ 7 ] Der astralische Leib, der Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von allen auf und ab wogenden Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen, ist zunächst ohne unser Zutun, das heißt, ohne die Arbeit unseres Ich zustande gekommen. Nun aber arbeitet das Ich an ihm, und es arbeitet so, daß es läutert und reinigt und unter seine Herrschaft alles bringt, was Eigenschaften und Tätigkeiten des astralischen Leibes sind. Wenn das Ich nur wenig an dem astralischen Leibe gearbeitet hat, ist der Mensch ein Sklave seiner Triebe und Begierden; wenn es aber Triebe und Begierden läutert zu Tugenden, wenn es das, was irrlichtelierendes Denken ist, an dem Faden der Logik geordnet hat, dann ist ein Teil des astralischen Leibes umgewandelt, er ist aus einem Produkte, an dem das Ich noch nichts gearbeitet hat, zu einem Produkte des Ich geworden. Wenn das Ich diese Arbeit bewußt vollbringt, wozu heute in der menschlichen Entwickelung erst der Anfang gemacht ist, nennen wir diesen vom Ich aus bewußt umgearbeiteten Teil des astralischen Leibes Geistselbst oder mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie Manas. Wenn das Ich in einer anderen, intensiveren Weise nicht nur in den astralischen Leib, sondern auch in den Ätherleib hineinarbeitet, nennen wir den vom Ich aus umgearbeiteten Teil des Ätherleibes den Lebensgeist oder mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie die Buddhi. Und wenn das Ich endlich so stark geworden ist, was aber erst einer fernen Zukunft angehört, daß es den physischen Leib umwandelt und seine Gesetze reguliert, so daß das Ich überall dabei ist und der Herrscher dessen ist, was im physischen Leibe lebt, dann nennen wir diesen so unter die Herrschaft des Ich gelangten Teil des physischen Leibes den Geistesmenschen oder auch, weil jene Arbeit mit einem Regulieren des Atmungsprozesses beginnt, mit einem Worte der orientalischen Philosophie Atman, was mit dem Atmen zusammenhängt.

[ 7 ] The astral body—the vessel of pleasure and suffering, of joy and pain, of all the fluctuating thoughts, feelings, and perceptions—came into being initially without our intervention, that is, without the work of our “I.” Now, however, the “I” works upon it, and it works in such a way that it refines and purifies, bringing everything—the qualities and activities of the astral body—under its control. If the “I” has worked only a little on the astral body, the human being is a slave to his or her instincts and desires; but when it refines these drives and desires into virtues, when it has ordered what is erratic, will-o’-the-wisp-like thinking along the thread of logic, then a part of the astral body has been transformed; it has become, from a product on which the ego has not yet worked, a product of the ego. When the “I” consciously accomplishes this work—a process that has only just begun in human evolution today—we call this part of the astral body, consciously transformed by the “I,” the “spirit-self,” or, using a term from Eastern philosophy, “Manas.” When the “I” works in a different, more intense way not only into the astral body but also into the etheric body, we call the part of the etheric body transformed by the “I” the “life spirit,” or, to use a term from Eastern philosophy, “Buddhi.” And when the “I” has finally become so strong—though this belongs to a distant future—that it transforms the physical body and regulates its laws, so that the “I” is present everywhere and is the ruler of what lives in the physical body, then we call this part of the physical body—which has thus come under the rule of the “I”—the “spiritual human being”; or, because this work begins with the regulation of the respiratory process, we call it, using a term from Eastern philosophy, “Atman,” which is connected with breathing.

[ 8 ] So haben wir zunächst den Menschen als eine viergliedrige Wesenheit: bestehend aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. Und so wie wir drei aus der Vergangenheit herrührende Glieder unserer Wesenheit haben, so können wir — durch die Arbeit des Ich auch sprechen von drei in die Zukunft hinein sich entwickelnden Gliedern des Menschen. Und wir sprechen so von einer siebengliedrigen Natur der menschlichen Wesenheit, indem wir zu physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich noch hinzuzählen Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. Wenn wir aber auf diese drei letzteren Glieder als auf etwas Fernes, Zukünftiges der menschlichen Entwickelung hinschauen, so müssen wir sagen, daß doch in einer gewissen Weise der Mensch heute für diese Entwickelung schon vorbereitet ist. Bewußt wird der Mensch erst in einer fernen Zukunft von seinem Ich aus diese drei Glieder — physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib — bearbeiten. Unterbewußt aber, das heißt ohne sein volles Bewußtsein, hat das Ich aus einer dumpfen Tätigkeit heraus diese drei Glieder seiner Wesenheit schon umgestaltet. Das ist schon als Resultat vorhanden. Was wir in den vergangenen Vorträgen als innere Wesensglieder des Menschen erwähnten, konnte nur dadurch entstehen, daß das Ich an den drei Gliedern gearbeitet hat. An dem, was wir den astralischen Leib nennen, hat es die Empfindungsseele herausgearbeitet, gleichsam als inneres Spiegelbild des Empfindungsleibes. Während uns der Empfindungsleib dasjenige vermittelt, was wir Genuß nennen — Empfindungsleib und astralischer Leib ist für den Menschen dasselbe, ohne Empfindungsleib würden wir keine Genüsse haben können —, spiegelt sich der Genuß im Inneren, Seelenhaften als die Begierde, und Begierden schreiben wir dann der Seele zu. So gehören die beiden Dinge, der Astralleib und der umgewandelte Astralleib oder die Empfindungsseele, zusammen, wie Genuß und Begierde zusammengehören. Ebenso hat das Ich in der Vergangenheit bereits am Ätherleibe gearbeitet. Was es da gearbeitet hat, führt im Inneren, Seelenhaften des Menschen dazu, daß er in sich die Verstandesseele oder Gemütsseele trägt, so daß die Verstandesseele, die zugleich auch der Träger des Gedächtnisses ist, mit einer unterbewußten Umarbeitung des Ätherleibes vom Ich aus zusammenhängt. Und endlich hat das Ich in Zeiten der Vergangenheit, um den Menschen in der gegenwärtigen Gestalt möglich zu machen, auch schon an der Umgestaltung des physischen Leibes gearbeitet, und was dadurch entstanden ist, nennen wir die Bewußtseinsseele, durch die der Mensch zu einem Wissen über die Dinge der Außenwelt kommt. So können wir also auch in dieser Weise von einem siebengliedrigen Menschen sprechen, indem wir sagen: Durch eine vorbereitende, unterbewußte Tätigkeit des Ich sind die drei Seelenglieder, Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele entstanden. Aber alles dies ist eine unbewußte oder unterbewußte Arbeit des Ich an seinen Umhüllungen.

[ 8 ] Thus, we first have the human being as a fourfold entity: consisting of the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. And just as we have three aspects of our being that originate in the past, so too—through the work of the I—can we speak of three aspects of the human being that are developing into the future. And we speak of a sevenfold nature of the human being by adding the Spiritual Self, the Life Spirit, and the Spiritual Human to the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.” But when we look at these last three aspects as something distant, something in the future of human development, we must say that, in a certain sense, human beings today are already prepared for this development. It is only in the distant future that human beings will consciously work on these three aspects—the physical body, the etheric body, and the astral body—from the perspective of their “I.” Subconsciously, however—that is, without their full awareness—the “I” has already transformed these three aspects of their being through a latent activity. This transformation already exists as a result. What we mentioned in previous lectures as the inner constituents of the human being could only come into being through the ego’s work on these three constituents. From what we call the astral body, the feeling soul has fashioned a reflection, as it were, of the feeling body. While the sensory body conveys to us what we call pleasure—the sensory body and the astral body are one and the same for human beings; without the sensory body, we could not experience any pleasures—this pleasure is reflected inwardly, in the soul, as desire, and we then attribute these desires to the soul. Thus, these two things—the astral body and the transformed astral body, or the sensory soul—belong together just as pleasure and desire belong together. Likewise, the “I” has already worked on the etheric body in the past. What it accomplished there leads, within the inner, soul-level aspect of the human being, to the fact that the human being carries within themselves the intellectual soul or emotional soul, so that the intellectual soul—which is also the bearer of memory—is connected to a subconscious transformation of the etheric body initiated by the “I.” And finally, in times past, in order to make the human being in its present form possible, the “I” has also already worked on the transformation of the physical body, and what has arisen through this we call the “consciousness soul,” through which the human being gains knowledge of the things of the external world. Thus, we can also speak in this way of a sevenfold human being by saying: Through a preparatory, subconscious activity of the “I,” the three soul elements—the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul—have come into being. But all of this is an unconscious or subconscious work of the “I” upon its sheaths.

[ 9 ] Nun fragen wir uns: Sind denn nicht die drei Glieder — der physische Leib, der Ätherleib und der Astralleib komplizierte Wesenheiten? — Oh, welcher Wunderbau ist dieser physische Menschenleib! Und wenn wir ihn näher prüfen, würden wir finden, daß dieser physische Leib viel komplizierter ist als nur jener Teil, den sich das Ich zur Bewußtseinsseele herausgearbeitet hat und den wir den physischen Träger der Bewußtseinsseele nennen können. Ebenso ist der Ätherleib viel komplizierter als dasjenige, was man den Träger der Verstandes- oder Gemütsseele nennen könnte. Und auch der astralische Leib ist komplizierter als dasjenige, was wir den Träger der Empfindungsseele nennen können. Geradezu arm sind diese Teile gegenüber dem, was schon da war, bevor der Mensch ein Ich hatte. Daher sprechen wir in der Geisteswissenschaft davon, daß der Mensch sich so entwickelt hat, daß in einer urfernen Vergangenheit die erste Anlage des physischen Leibes, und zwar aus geistigen Wesenheiten heraus, entstanden ist. Dann ist hinzugekommen der Ätherleib, noch später der astralische Leib und zuletzt erst das Ich. Daher hat der physische Leib des Menschen vier Stufen der Entwickelung hinter sich. Erst war der physische Leib in unmittelbarer Korrespondenz mit der geistigen Welt, dann wurde er herausgearbeitet und durchwoben und durchwirkt mit dem Ätherleib; dadurch wurde er komplizierter. Dann wurde. er durchsetzt mit dem astralischen Leib, wodurch er wieder komplizierter wurde. Dann kam das Ich hinzu. Und erst, was dieses an dem physischen Leibe getan hat, formte einen Teil des physischen Leibes heraus und machte ihn zum Träger dessen, was man menschliches Bewußtsein nennt, die Fähigkeit, daß wir uns ein Wissen von der Außenwelt verschaffen. Aber dieser physische Leib hat weit mehr zu tun, als uns durch unsere Sinne und unser Gehirn ein Wissen von der Außenwelt zu verschaffen, er hat eine Anzahl von Tätigkeiten zu verrichten, welche die Grundlage des Bewußstseins sind, die aber völlig außerhalb des Bereiches des Gehirns ablaufen. So ist es auch mit dem Ätherleib und dem Astralleib.

[ 9 ] Now let us ask ourselves: Are not the three bodies—the physical body, the etheric body, and the astral body—complex entities? — Oh, what a marvel this human physical body is! And if we examine it more closely, we would find that this physical body is much more complex than just that part which the “I” has developed into the soul of consciousness—and which we might call the physical vehicle of the soul of consciousness. Likewise, the etheric body is much more complex than what one might call the vehicle of the soul of understanding or the soul of feeling. And the astral body, too, is more complex than what we might call the vehicle of the feeling soul. These parts are downright meager compared to what was already there before the human being had an “I.” That is why, in spiritual science, we speak of the human being having developed in such a way that, in a very distant past, the first rudiment of the physical body arose—specifically, out of spiritual beings. Then the etheric body was added, later still the astral body, and finally the “I.” Thus, the human physical body has undergone four stages of development. At first, the physical body was in direct correspondence with the spiritual world; then it was shaped out and interwoven with the etheric body, thereby becoming more complex. Then it was interwoven with the astral body, which made it even more complex. Then the “I” was added. And it was precisely what the “I” did to the physical body that shaped out a part of the physical body and made it the bearer of what is called human consciousness—the ability to acquire knowledge of the external world. But this physical body has far more to do than to provide us with knowledge of the external world through our senses and our brain; it has a number of activities to perform that are the foundation of consciousness, but which take place entirely outside the realm of the brain. The same is true of the etheric body and the astral body.

[ 10 ] Wenn wir uns nun klar darüber sind, daß alles, was wir in der Außenwelt um uns herum haben, Geist ist, daß Geist, wie wir so oft betont haben, allem Materiellen, allem Ätherischen und Astralischen zugrunde liegt, dann müssen wir uns sagen: Gerade so, wie das Ich selber als ein Geistiges von innen heraus arbeitet, indem der Mensch sich entwickelt in seinen drei Wesensgliedern, so müssen — nennen wir es nun geistige Wesenheiten oder geistige Tätigkeiten, darauf kommt es nicht an — gearbeitet haben an unserem physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, bevor das Ich sich geltend machte und in dem schon Bearbeiteten ein Stück weiterarbeitete. Wir schauen damit zurück in Zeiten, in denen sozusagen eine ebensolche Tätigkeit auf unseren Astralleib, Ätherleib und physischen Leib stattgefunden hat, wie heute eine Tätigkeit stattfindet vom Ich nach außen in diese drei Glieder hinein. Das heißt, wir müssen davon sprechen, daß geistiges Schaffen, geistige Tätigkeit an dem gearbeitet hat, worinnen wir eingehüllt sind, und Form, Bewegung, Gestalt und alles gegeben haben, bevor das Ich in die Lage kam, sich darinnen festzusetzen. Wir müssen davon sprechen, daß es geistige Betätigungen im Menschen gibt, die vor der Tätigkeit des Ich liegen, und daß wir geistige Tätigkeiten in uns tragen, welche die Voraussetzung für die Ich-Tätigkeit sind, und die vorhanden waren, bevor das Ich eingreifen konnte. Scheiden wir daher für einen Augenblick alles aus, was unser Ich herausgearbeitet hat aus den drei Gliedern unserer Wesenheit als Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und betrachten wir den Bau, die innere Bewegung und Tätigkeit dieser drei Hüllen der menschlichen Wesenheit, so müssen wir sagen, daß vor der Tätigkeit des Ich eine geistige Tätigkeit auf uns ausgeübt worden ist.

[ 10 ] Now that we are clear that everything we have in the external world around us is spirit—that spirit, as we have so often emphasized, underlies all that is material, all that is etheric, and all that is astral—we must tell ourselves: Just as the “I” itself works from within as a spiritual entity—through the development of the human being in its three constitutional members—so too must—whether we call them spiritual beings or spiritual activities, it does not matter—have worked upon our physical body, etheric body, and astral body before the “I” asserted itself and continued its work within what had already been shaped. We are thus looking back to times when, so to speak, an activity of the same kind took place on our astral body, etheric body, and physical body as the activity that takes place today from the “I” outward into these three members. This means we must speak of spiritual creation and spiritual activity having worked upon that which envelops us, and having given it form, movement, shape, and everything else before the “I” was able to establish itself within it. We must speak of the fact that there are spiritual activities within the human being that precede the activity of the “I,” and that we carry within us spiritual activities which are the prerequisite for the activity of the “I” and which were present before the “I” could intervene. If we therefore set aside for a moment everything that our “I” has worked out from the three members of our being—the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul—and consider the structure, the inner movement, and the activity of these three sheaths of the human being, we must say that a spiritual activity was exerted upon us prior to the activity of the “I.”

[ 11 ] Daher sprechen wir in der Geisteswissenschaft davon, daß wir es beim Menschen, so wie er heute ist, mit einer individuellen Seele zu tun haben, mit einer von einem Ich durchwobenen Seele, wodurch jeder Mensch eine in sich selbst geschlossene Individualität ist. Und wir sprechen davon, daß, bevor der Mensch eine solche in sich geschlossene Ich-Wesenheit geworden ist, er das Ergebnis war einer Gruppenseele, einer Seelenhaftigkeit, so wie wir heute in der Tierwelt von Gruppenseelen noch sprechen. Da sagen wir: Was wir beim Menschen in jeder einzelnen Wesenheit als individuelle Seele suchen, das finden wir beim Tier in demjenigen, was einer ganzen Art oder Gattung im Tierreich zugrunde liegt. Eine ganze Tiergattung hat eine gemeinsame tierische Gruppenseele. Was beim Menschen die individuelle Seele ist, das ist beim Tier die Gattungsseele.

[ 11 ] Therefore, in spiritual science, we speak of the human being as he is today as having an individual soul—a soul interwoven with an “I”—through which every human being is a self-contained individuality. And we speak of the fact that, before human beings became such self-contained “I”-beings, they were the result of a group soul, a collective soul, just as we still speak of group souls in the animal world today. There we say: What we seek in each individual human being as an individual soul, we find in animals in that which underlies an entire species or genus in the animal kingdom. An entire animal genus has a common animal group soul. What is the individual soul in human beings is the generic soul in animals.

[ 12 ] So arbeitete beim Menschen in seinen drei Wesensgliedern, bevor er eine individuelle Seele wurde, eine andere Seele — von der wir heute nur noch durch die Geisteswissenschaft Kunde erhalten —, welche die Vorgängerin unseres eigenen Ich war. Und diese Vorgängerin unseres Ich, diese Gruppen- oder Gattungsseele des Menschen, welche dann dem Ich die von ihr bearbeiteten drei Wesensglieder übergab, den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, um sie vom Ich weiter bearbeiten zu lassen, hat in ganz ähnlicher Art von ihrem Inneren, Seelenhaften heraus den physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib umgestaltet, bearbeitet, nach sich geregelt. Und die letzte Tätigkeit, die dem menschlichen Wesen zugrunde liegt, bevor es mit einem Ich begabt worden ist, die letzten Einflüsse, die vor der Geburt des Ich liegen, sie sind heute in dem niedergelegt, was wir die menschliche Sprache nennen. Wenn wir daher von unserem Bewufßtseinsleben, von unserem Verstandes- und Gemütsleben, von unserem Empfindungsleben ausgehen und auf das schauen, was seine Voraussetzungen sind, so kommen wir zu einer Seelenarbeit, die noch nicht von unserem Ich durchwirkt war, und deren Ergebnis wir in dem niedergelegt finden, was heute in der Sprache zum Ausdruck kommt.

[ 12 ] Thus, before human beings became individual souls, another soul—of which we today learn only through spiritual science—was at work within their three constitutional elements; this soul was the predecessor of our own “I.” And this predecessor of our “I”—this group or species soul of humanity, which then handed over to the “I” the three constitutional elements it had shaped—the physical body, the etheric body, and the astral body—so that the “I” could continue to shape them—shaped, worked upon, and adjusted the physical body, etheric body, and astral body from within, through its soul-like nature. And the final activity underlying the human being before it was endowed with an “I”—the final influences preceding the birth of the “I”—are preserved today in what we call human language. Therefore, when we start from our life of consciousness, from our intellectual and emotional life, and from our life of feeling, and look at what constitutes its prerequisites, we arrive at a soul process that was not yet permeated by our “I,” and whose result we find preserved in what is expressed today through language.

[ 13 ] Worin beruht denn äußerlich das, was wir als die vier Glieder der menschlichen Wesenheit bezeichnen? Wie drückt es sich im physischen Leibe rein äußerlich aus? Der physische Leib einer Pflanze sieht anders aus als der physische Leib eines Menschen. Warum? Weil in der Pflanze nur der physische Leib und der Ätherleib vorhanden sind, während im menschlichen physischen Leibe noch der astralische Leib und das Ich wirken. Was da innerlich wirkt, das formt und gestaltet auch den physischen Leib entsprechend um. Was hat denn in unseren physischen Leib hineingewirkt, indem er von einem Ätherleib oder Lebensleib durchsetzt worden ist?

[ 13 ] What, then, is the external basis of what we call the four members of the human being? How is this expressed purely externally in the physical body? The physical body of a plant looks different from that of a human being. Why? Because in a plant only the physical body and the etheric body are present, whereas in the human physical body the astral body and the “I” are also at work. What is at work internally also shapes and forms the physical body accordingly. What, then, has worked into our physical body by permeating it with an etheric body or life body?

[ 14 ] Was wir in uns das Gefäß- oder Drüsensystem nennen, ist beim Menschen und auch beim Tier der äußere physische Ausdruck des Äther- oder Lebensleibes, das heißt, der Ätherleib ist der Architekt oder Bildner von dem, was wir das Drüsen- oder Gefäßsystem nennen. Der astralische Leib ist wiederum der Bildner von dem, was wir das Nervensystem nennen. Daher haben wir nur dort ein Recht von einem Nervensystem zu sprechen, wo ein astralischer Leib in einem Wesen vorhanden ist. Was ist nun beim Menschen der Ausdruck seines Ich? Das ist das Blutsystem, und zwar beim Menschen speziell das, was wir Blut unter dem Einfluß der inneren Lebenswärme nennen können. Alles, was das Ich am Menschen arbeitet, geht, wenn es in den physischen Leib hineingestaltet werden soll, auf dem Umwege durch das Blut. Deshalb ist das Blut ein so ganz «besonderer Saft». Wenn das Ich die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele ausarbeitet, so dringt das, was das Ich vermag auszugestalten, zu konfigurieren, nur dadurch in den physischen Leib, daß das Ich die Fähigkeit hat, auf dem Umwege durch das Blut in den physischen Leib arbeitend einzugreifen. Unser Blut ist der Vermittler für astralischen Leib und Ich und alle ihre Tätigkeiten.

[ 14 ] What we call the vascular or glandular system within us is, in both humans and animals, the outer physical expression of the etheric or life body; that is to say, the etheric body is the architect or creator of what we call the glandular or vascular system. The astral body, in turn, is the shaper of what we call the nervous system. Therefore, we are justified in speaking of a nervous system only where an astral body is present in a being. What, then, is the expression of the “I” in human beings? It is the blood system—specifically, in human beings, what we might call blood under the influence of the inner life warmth. Everything that the “I” works on in a human being, when it is to be shaped within the physical body, takes a detour through the blood. That is why blood is such a “special fluid.” When the “I” develops the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul, what the “I” is able to shape and configure penetrates into the physical body only because the “I” has the ability to intervene in the physical body by working indirectly through the blood. Our blood is the mediator between the astral body and the “I,” and all their activities.

[ 15 ] Wer wird nun daran zweifeln, wenn er das menschliche Leben auch nur oberflächlich betrachtet, daß der Mensch, so wie er von seinem Ich aus in der Bewußtseinsseele, Verstandesseele und Empfindungsseele arbeitet, auch seinen physischen Leib umformt und umgestaltet? Wer würde nicht in dem physiognomischen Ausdruck eine Ausgestaltung dessen sehen, was im Inneren wirkt und lebt? Und wer würde nicht zugeben, daß selbst das, was innere Gedankenarbeit ist, wenn es die ganze Seele ergreift, auch noch im Verlaufe eines Menschenlebens umgestaltend auf unser Gehirn wirkt? Unser Gehirn paßt sich unserem Denken an; es ist ein Werkzeug, das sich nach den Bedürfnissen unseres Denkens formt. Aber wenn wir uns das anschauen, was der Mensch heute schon von seinem Ich aus an seiner eigenen äußeren Wesenheit auszuarbeiten, gleichsam künstlerisch zu gestalten vermag, so ist es sehr wenig. Es ist wenig, was wir von unserem Blut aus dadurch zu tun vermögen, daß wir das Blut von dem aus, was wir unsere innerliche Wärme nennen, in Bewegung setzen.

[ 15 ] Who, even upon a superficial examination of human life, would doubt that human beings, just as they work from their “I” within the soul of consciousness, the soul of understanding, and the soul of feeling, also transform and reshape their physical bodies? Who would not see in a person’s facial expression a manifestation of what is active and alive within? And who would not admit that even the inner workings of thought, when they engage the whole soul, have a transformative effect on our brain over the course of a human life? Our brain adapts to our thinking; it is a tool that shapes itself according to the needs of our thinking. But when we look at what human beings today are already capable of shaping—as it were, artistically crafting—in their own outer being from the perspective of their “I,” it is very little. There is little that we are able to accomplish through our blood by setting it in motion from what we call our inner warmth.

[ 16 ] Mehr haben diejenigen geistigen Wesenheiten vermocht, welche der Arbeit unseres Ich vorangegangen sind. Denn sie haben sich sozusagen eines wirksameren Mittels bedienen können, und so bildete sich unter ihrem Einfluß die menschliche Form so aus, daß sie im ganzen ein Ausdruck dessen ist, was diese vor dem menschlichen Ich arbeitenden geistigen Wesenheiten aus dem Menschen gemacht haben. In welchem Mittel arbeiteten denn diese Wesenheiten? Sie arbeiteten in keinem anderen Mittel als in der Luft. Wie wir in der innerlichen Wärme arbeiten und unser Blut pulsieren machen und dadurch das Blut in unserer eigenen Form zur Wirkung bringen, so brachten die vor unserem Ich an uns arbeitenden Wesenheiten die Luft zur Wirkung. Und von der Arbeit dieser Wesenheiten durch die Luft an uns selber ging etwas aus, was uns als Menschen eigentlich unsere Gestalt gegeben hat.

[ 16 ] Those spiritual beings who preceded the work of our “I” were able to accomplish even more. For they were able, so to speak, to make use of a more effective medium, and thus, under their influence, the human form developed in such a way that, on the whole, it is an expression of what these spiritual beings—working prior to the human “I”—made of the human being. In what medium, then, did these beings work? They worked in no other medium than the air. Just as we work through our inner warmth, causing our blood to pulse and thereby bringing the blood to bear within our own form, so too did the beings working on us before our ego bring the air to bear. And from the work of these beings through the air upon ourselves, something emanated that actually gave us our form as human beings.

[ 17 ] Es kann sonderbar erscheinen, wenn hier davon gesprochen wird, daß geistige Tätigkeiten durch die Luft am Menschen in urferner Vergangenheit gearbeitet haben. Ich habe schon einmal gesagt: Was in unserem Inneren auflebt als unser eigenes geistig-seelisches Leben, das würden wir verkennen, wenn wir es als bloße Vorstellungen aufnähmen und nicht wüßten, daß es aus der ganzen Außenwelt genommen ist. Wer da behaupten wollte, daß in uns Begriffe und Ideen entständen, wenn es auch draußen keine Ideen gäbe, der sollte auch nur gleich behaupten, daß er Wasser aus einem Glase schöpfen kann, in welchem kein Wasser ist. Unsere Begriffe wären Schaumgebilde, wenn sie etwas anderes wären als das, was auch in den Dingen draußen lebt, und was an den Dingen als ihre Gesetze vorhanden ist. Wir holen das, was wir in unserer Seele aufleben lassen, aus unserer Umgebung heraus. Deshalb können wir sagen: Alles, was uns materiell umgibt, ist durchwirkt und durchwoben von geistigen Wesenheiten.

[ 17 ] It may seem strange to speak here of spiritual activities that worked through the air to influence human beings in the distant past. I have said before: We would fail to recognize what comes to life within us as our own spiritual and soul life if we regarded it as mere concepts and did not know that it is drawn from the entire external world. Anyone who would claim that concepts and ideas arise within us even if there were no ideas outside should just as well claim that they can scoop water from a glass in which there is no water. Our concepts would be mere illusions if they were anything other than what also lives in the things outside us and what exists in those things as their laws. We draw what we allow to come to life in our soul from our surroundings. That is why we can say: Everything that surrounds us materially is interwoven and permeated by spiritual beings.

[ 18 ] So sonderbar es klingen mag: Was uns als Luft umgibt, ist nicht nur der Stoff, den uns die Chemie zeigt, sondern darinnen wirken geistige Wesenheiten und geistige Tätigkeiten. — Und so wie wir durch die Blutwärme, die von unserem Ich ausgeht — denn das ist das Wesentliche dabei —, unseren physischen Leib ein klein wenig formen können, so formten in mächtiger Weise diese Wesenheiten, die dem Ich vorangingen, an der äußeren Gestalt unseres physischen Menschen durch die Luft. Das ist für uns das Wesentliche. Wir sind Menschen durch unsere Kehlkopfeinrichtung und durch alles, was damit zusammenhängt. Was uns von außen als dieses wunderbare künstlerische Organ des Kehlkopfes im Zusammenhange mit den übrigen Stimm- und Sprachwerkzeugen eingeformt ist, ist aus dem herausgearbeitet, was die Luft geistig ist. Goethe hat so schön in bezug auf das Auge gesagt: Das Auge ist am Lichte für das Licht gebildet! — Wenn man im Schopenhauerischen Sinne nur betont: Ohne ein lichtempfindendes Auge wäre für uns der Lichteindruck nicht da —, so sagt man damit nur eine halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist die, daß wir kein Auge haben würden, wenn nicht aus unbestimmten Organen in urferner Vergangenheit das Licht gleichsam plastisch aus uns das Auge herausgebildet hätte. Wir haben daher im Lichte nicht bloß jene abstrakte Wesenheit zu sehen, die man heute physikalisch als Licht beschreibt, sondern im Lichte haben wir jene verborgene Wesenheit zu suchen, die imstande ist, sich ein Auge zu schaffen.

[ 18 ] As strange as it may sound: What surrounds us as air is not merely the substance that chemistry reveals to us, but spiritual beings and spiritual activities are at work within it. — And just as we are able to shape our physical body ever so slightly through the warmth of the blood emanating from our “I”—for that is the essential point here—so, in a powerful way, these beings who preceded the “I” shaped the outer form of our physical human being through the air. That is the essential point for us. We are human beings through the structure of our larynx and everything connected with it. What is formed for us from the outside as this marvelous, artistic organ of the larynx, in connection with the other instruments of voice and speech, is fashioned out of the spiritual nature of air. Goethe so beautifully said of the eye: “The eye is formed in the light for the light!” — If, in the Schopenhauerian sense, one merely emphasizes that without a light-sensitive eye, the impression of light would not exist for us—one is stating only half the truth. The other half is that we would not have an eye if light had not, as it were, sculpted the eye out of us from indeterminate organs in the distant past. We must therefore see in light not merely that abstract essence which is described today in physics as light, but rather we must seek in light that hidden essence which is capable of creating an eye for itself.

[ 19 ] Das ist auf einem anderen Gebiete dasselbe, als wenn wir davon sprechen, daß die Luft von einer Wesenheit durchwirkt und durchlebt ist, die imstande war, in einer gewissen Zeit dem Menschen das kunstvolle Organ des Kehlkopfes und alles, was damit zusammenhängt, einzuprägen. Und alle übrige menschliche Gestalt — bis ins Kleinste hinein — ist so geformt und plastisch gestaltet worden, daß der Mensch auf der gegenwärtigen Stufe gleichsam eine weitere Ausführung seiner Sprachwerkzeuge ist. Die Sprachwerkzeuge sind etwas, was zunächst für die Form des Menschen das eigentlich maßgebende ist. Daher hebt gerade die Sprache den Menschen “über die Tierheit hinaus, weil jenes geistige Wesen, das wir den Geist der Luft nennen, zwar auch in der Tierheit geformt und gearbeitet hat, aber nicht so, daß diese Wirksamkeit bis dahin gelangt wäre, wo sich ein Sprachorganismus entwickeln konnte, wie ihn der Mensch hat. Alles, mit Ausnahme dessen, was das Ich unbewußt, zum Beispiel als Gehirn herausgearbeitet hat, was es an den Sinnen vervollkommnet hat, alles, mit Ausnahme dessen, was Ich-Tätigkeit ist, ist eine vor dieser Ich-Tätigkeit des Menschen liegende Tätigkeit, die darauf bedacht war, den Menschenleib so auszubilden, daß er ein weiterer Ausdruck dieses Sprachorganes ist. Es ist jetzt keine Zeit dazu, auszuführen, warum zum Beispiel die Vögel trotz ihres vollkommenen Gesanges auf einer Stufe stehengeblieben sind, auf der sie in ihrer Form nicht ein Ausdruck desjenigen Organes sein können, das wir im weitesten Umfange das Stimmorgan nennen.

[ 19 ] In another realm, this is the same as when we speak of the air being permeated and animated by a being that was able, over a certain period of time, to imprint upon humankind the intricate organ of the larynx and everything associated with it. And the rest of the human form—down to the smallest detail—has been shaped and sculpted in such a way that, at the present stage, the human being is, as it were, a further elaboration of his speech organs. The speech organs are what, first and foremost, actually determine the form of the human being. That is why speech, in particular, elevates the human being “beyond the animal realm,” because that spiritual being we call the Spirit of the Air has indeed also shaped and worked within the animal realm, but not to the extent that this activity could have reached the point where a speech organism such as that possessed by the human being could develop. Everything—with the exception of what the “I” has unconsciously developed, for example, as the brain, and what it has perfected in the senses—everything, with the exception of what constitutes “I”-activity, is an activity preceding this “I”-activity of the human being, which was directed toward shaping the human body so that it is a further expression of this speech organ. There is no time now to explain why, for example, birds—despite their perfect song—have remained at a stage where, in their form, they cannot be an expression of that organ which we, in the broadest sense, call the vocal organ.

[ 20 ] So sehen wir, wie der Mensch innerlich schon in seinen Sprachorganen organisiert gewesen ist, bevor er zu seinem jetzigen Denken, zu seinem Gemüt und seinem Willen gekommen ist, das heißt zu allem, was mit dem Ich zusammenhängt. Nun werden wir es begreiflich finden, daß diese geistigen Tätigkeiten nur so am physischen Leib formen konnten, daß der Mensch zuletzt gleichsam ein Anhangorgan seiner Sprachwerkzeuge wurde, indem sie den astralischen Leib, den Ätherleib, den physischen Leib durch die Einflüsse, durch die Konfiguration der Luft ausbauten. Nachdem der Mensch so fähig geworden war, in sich ein Organ zu haben, das dem entspricht, was wir die geistige Wesenheit der Luft nennen, geradeso wie das Auge der geistigen Wesenheit des Lichtes entspricht, konnte er da hineinkonfigurieren, was sein Ich als Verstand, als Bewußtsein, Empfindung, Gemüt sich selber einprägte. So müssen wir eine dreifache Tätigkeit im Unterbewußten suchen, eine gleichsam vor dem Ich liegende Tätigkeit für den physischen Leib, den Ätherleib und den astralischen Leib. Wir finden Anhaltspunkte dazu, indem wir wissen, daß dies die Gruppenseele gewesen ist, und daß die Gruppenseele in einer unvollkommenen Tätigkeit am Tier gearbeitet hat.

[ 20 ] Thus we see how the human being was already internally organized within his speech organs before he developed his present thinking, his mind, and his will—that is, everything connected with the “I.” Now we will find it understandable that these spiritual activities could only shape the physical body in such a way that human beings ultimately became, as it were, an appendage to their speech organs, as these organs built up the astral body, the etheric body, and the physical body through the influences and the configuration of the air. Once human beings had thus become capable of possessing within themselves an organ corresponding to what we call the spiritual essence of air—just as the eye corresponds to the spiritual essence of light—they were able to shape within it whatever their “I” imprinted upon itself as intellect, consciousness, sensation, and mood. Thus we must look for a threefold activity in the subconscious—an activity, as it were, lying before the “I,” working for the physical body, the etheric body, and the astral body. We find clues to this in the knowledge that this was the group soul, and that the group soul worked on the animal in an imperfect manner.

[ 21 ] Das müssen wir betrachten, wenn wir die Arbeit dieser vor dem Ich liegenden geistigen Tätigkeit im astralischen Leib ins Auge fassen. Da müssen wir alles Ich ausgeschaltet denken, aber dabei das ins Auge fassen, was das Gruppen-Ich wie aus einem dunklen Untergrunde heraus gearbeitet hat. Da stehen sich im astralischen Leib auf einer unvollkommenen Stufe gegenüber Begierde und Genuß. Und die Begierde konnte dadurch gleichsam verseelt werden, in eine innere Fähigkeit umgearbeitet werden, daß sie schon einen Vorläufer in dem astralischen Leib des Menschen hatte.

[ 21 ] We must consider this when we examine the work of this spiritual activity in the astral body that lies before the “I.” Here we must set aside the “I” entirely, while focusing on what the group “I” has worked out, as it were, from a dark, subterranean source. In the astral body, desire and pleasure stand opposite one another on an imperfect level. And desire could thereby be, as it were, spiritualized—transformed into an inner capacity—in that it already had a precursor in the human astral body.

[ 22 ] Wie Begierde und Genuß im astralischen Leib, so stehen sich gegenüber im Ätherleibe Bildhaftigkeit, Symbolik und äußerer Reiz. Das ist das Wesentliche, daß wir diese vor dem Ich liegende Tätigkeit unseres Ätherleibes so auffassen, daß sie sich von der Ich-Tätigkeit im Ätherleib unterscheidet. Wenn unser Ich tätig ist als Verstandesseele oder Gemütsseele, so sucht es auf der heutigen Entwickelungsstufe des Menschen sozusagen eine Wahrheit, die möglichst ein getreues Abbild der äußeren Dinge ist. Was nicht genau den äußeren Dingen entspricht, nennt man nicht wahr. Diejenigen geistigen Tätigkeiten, die vor der Wirksamkeit unseres Ich liegen, arbeiteten nicht so; sie arbeiteten mehr symbolisch, mehr bildhaft, wie etwa der Traum arbeitet. Der Traum arbeitet zum Beispiel so, daß jemand träumt, es werde ein Schuß abgefeuert, und wenn er aufwacht, sieht er, daß der Stuhl neben seinem Bett umgefallen ist. Was äußerliches Geschehnis und äußerer Eindruck ist — der umgefallene Stuhl —, wird im Traum in ein Sinnbild umgewandelt, in den abgefeuerten Schuß. So arbeiteten die vor dem Ich liegenden geistigen Wesenheiten symbolisch, wie wir wiederum arbeiten, wenn wir uns zu einer höheren geistigen Tätigkeit durch die Initiation oder Einweihung hinaufarbeiten, wo wir wiederum versuchen — jetzt aber mit vollem Bewußtsein —, von der bloßen abstrakten Außenwelt uns in die Symbolik, in die Bildhaftigkeit hineinzuarbeiten.

[ 22 ] Just as desire and pleasure are found in the astral body, so too do imagery, symbolism, and external appeal stand in opposition to one another in the etheric body. The essential point is that we understand this activity of our etheric body—which lies prior to the ego—in such a way that it is distinct from the ego’s activity within the etheric body. When our ego is active as the intellectual soul or the emotional soul, it seeks—at the present stage of human development—a truth, so to speak, that is as faithful a representation of external things as possible. That which does not correspond exactly to external things is not called true. Those spiritual activities that precede the activity of our ego do not function in this way; they operate more symbolically, more pictorially, much as a dream does. A dream, for example, works in such a way that someone dreams a shot is fired, and when they wake up, they see that the chair next to their bed has fallen over. What is an external event and an external impression—the fallen chair—is transformed in the dream into a symbol, the fired shot. This is how the spiritual beings standing before the “I” worked symbolically—just as we, in turn, work when we strive toward a higher spiritual activity through initiation, where we again attempt—but now with full consciousness—to move from the mere abstract external world into symbolism and imagery.

[ 23 ] Dann arbeiteten diese geistigen Wesenheiten an dem menschlichen physischen Leib, indem sie den Menschen zu dem machten, was man nennen kann Entsprechung von äußeren Geschehnissen, äußeren Tatsachen und Nachahmung. Nachahmung ist etwas, was wir zum Beispiel beim Kind finden, wenn noch die anderen Seelenglieder wenig entwickelt sind. Nachahmung ist etwas, was zum unterbewußten Wesen der Menschennatur gehört. Daher sollen wir die erste Erziehung auf Nachahmung begründen, weil im Menschen, bevor das Ich beginnt, in seinen inneren Tätigkeiten Ordnung zu schaffen, der Nachahmungstrieb wie ein natürlicher Trieb vorhanden ist.

[ 23 ] Then these spiritual beings worked on the human physical body by making human beings what might be called a reflection of external events, external facts, and imitation. Imitation is something we find, for example, in children, when the other soul elements are still underdeveloped. Imitation is part of the subconscious nature of human beings. Therefore, we should base early education on imitation, because in human beings—before the “I” begins to bring order to their inner activities—the impulse to imitate is present as a natural instinct.

[ 24 ] Was jetzt auseinandergesetzt worden ist: der Nachahmungstrieb im physischen Leibe gegenüber den äußeren Tätigkeiten, das Symbolisieren im Ätherleibe gegenüber dem äußeren Reiz, und das, was wir nennen können das Entsprechen von Begierde und Genuß im astralischen Leib, das alles denken wir uns ausgearbeitet mit Hilfe des Werkzeuges der Luft und hineingearbeitet in uns so, daß gleichsam ein plastischer, ein künstlerischer Eindruck davon entstanden ist in unserem Kehlkopf und in unserem ganzen Stimmapparat. Dann werden wir uns sagen können: Diese vor dem Ich liegenden Wesenheiten arbeiteten am Menschen so, daß sie durch die Luft an dem Menschen in der Weise formten und gliederten, daß nach dieser dreifachen Richtung hin die Luft im Menschen zum Ausdruck kommen konnte.

[ 24 ] What has now been discussed: the impulse to imitate in the physical body in response to external activities, the process of symbolization in the etheric body in response to external stimuli, and what we might call the correspondence between desire and pleasure in the astral body—we imagine all of this to have been shaped with the aid of air and woven into us in such a way that, as it were, a plastic, artistic impression of it has arisen in our larynx and throughout our entire vocal apparatus. Then we will be able to say to ourselves: These beings standing before the “I” worked upon the human being in such a way that, through the air, they shaped and structured the human being so that the air within the human being could find expression in these threefold directions.

[ 25 ] Wenn wir nämlich im wahren Sinne des Wortes das Sprachvermögen betrachten, so müssen wir fragen: Ist es der Ton, was wir hervorbringen? — Nein, der Ton ist es nicht. Was wir tun, das ist, daß wir von unserem Ich aus dasjenige in Bewegung setzen und formen, was durch die Luft in uns hineingeformt und hineingegliedert ist. Gerade so, wie wir das Auge in Bewegung setzen, um das aufzunehmen, was äußerlich als Licht wirkt, während das Auge selbst zu dieser Aufnahme von Licht da ist, so sehen wir, wie in uns selber vom Ich aus jene Organe in Bewegung gesetzt werden, die aus dem Geistigen der Luft heraus gebildet worden sind. Wir setzen die Organe in Bewegung durch das Ich; wir greifen in die Organe ein, die dem Geist der Luft entsprechen, und wir müssen abwarten, bis der Geist der Luft, von dem die Organe gebildet sind, uns selber — als Echo unserer Lufträtigkeit — den Ton entgegentönt. Den Ton erzeugen wir nicht, wie auch nicht die einzelnen Teile einer Pfeife den Ton erzeugen. Wir erzeugen von uns aus dasjenige, was unser Ich als Tätigkeit entfalten kann durch die Benutzung jener Organe, die aus dem Geiste der Luft heraus gebildet sind. Dann müssen wir es dem Geist der Luft überlassen, daß die Luft wieder in Bewegung kommt durch jene Tätigkeit, durch welche die Organe erzeugt worden sind, so daß das Wort erklingt.

[ 25 ] For when we consider the faculty of speech in the true sense of the word, we must ask: Is it the sound that we produce? — No, it is not the sound. What we do is set in motion and shape, from our “I,” that which has been formed and structured within us by the air. Just as we set the eye in motion to take in what appears externally as light, while the eye itself exists for this reception of light, so we see how, within ourselves and from the “I,” those organs are set in motion that have been formed out of the spiritual essence of air. We set the organs in motion through the “I”; we intervene in the organs that correspond to the spirit of the air, and we must wait until the spirit of the air, from which the organs are formed, resonates the sound back to us—as an echo of our activity in the air. We do not produce the sound, just as the individual parts of a pipe do not produce the sound. We generate from within ourselves that which our “I” can unfold as activity through the use of those organs that have been formed from the spirit of air. Then we must leave it to the spirit of air to set the air in motion again through that activity by which the organs were produced, so that the word resounds.

[ 26 ] So sehen wir in der Tat, wie die menschliche Sprache auf diesem dreifachen Entsprechen, das wir angeführt haben, beruhen muß. Aber, was soll sich entsprechen? Worauf soll gerade die Nachahmung im physischen Leibe beruhen? Die Nachahmung im physischen Leibe muß darauf beruhen, daß wir dasjenige, was wir als äußerliche Tätigkeiten, als äußere Dinge wahrnehmen, was einen Eindruck auf uns macht, in den Bewegungen unserer Stimmorgane nachahmen, daß wir alles, was wir zunächst als Ton widerklingend hören, hervorbringen, indem wir durch das Prinzip des physischen Leibes Nachahmende dessen sind, was einen äußeren Eindruck auf uns macht, geradeso wie der Maler eine Szene nachahmt, die in ganz anderen Elementen als Farbe und Leinwand, Hell und Dunkel besteht. Wie der Maler mit Hell und Dunkel nachahmt, so ahmen wir nach, was äußerlich an uns herantritt, indem wir unsere Organe nachahmend in Bewegung setzen, jene Organe, die aus dem Element der Luft gebildet worden sind. Deshalb ist das, was wir im Laut hervorbringen, eine wirkliche Nachahmung des Wesens der Dinge, und unsere Konsonanten und Vokale sind nichts anderes als Abbilder und Nachahmungen dessen, was von außen einen Eindruck auf uns macht.

[ 26 ] We do indeed see how human language must be based on this threefold correspondence that we have described. But what is to correspond? On what, specifically, should imitation in the physical body be based? Imitation in the physical body must be based on the fact that we imitate—through the movements of our vocal organs—what we perceive as external activities and external things, that which makes an impression on us; that we produce everything we initially hear as a resounding sound by being, through the principle of the physical body, imitators of that which makes an external impression on us, just as a painter imitates a scene that consists of elements entirely different from color and canvas, light and dark. Just as the painter imitates with light and dark, so do we imitate what approaches us from the outside by setting our organs in imitative motion—those organs that have been formed from the element of air. Therefore, what we produce in sound is a true imitation of the essence of things, and our consonants and vowels are nothing other than images and imitations of what makes an impression on us from the outside.

[ 27 ] Was wir dann im Ätherleib haben, ist eine bildhafte Arbeit. Da wird in den Ätherleib hineingearbeitet, was wir Symbolik nennen können. Daher müssen wir es begreiflich finden, daß allerdings zuerst durch Nachahmung dasjenige entstanden ist, was die ersten Elemente unserer Sprache sind, daß dies dann aber fortgebildet wurde, indem es sich gleichsam losriß von den äußeren Eindrücken und dann weiterverarbeitet wurde. Da verarbeitet der Ätherleib in der Symbolik, wie beim Traum, dasjenige, was den äußeren Eindrücken nicht mehr ähnlich ist, und darinnen besteht das Fortwirkende des Lautes. Zunächst verarbeitet der Ätherleib dasjenige, was eine bloße Nachahmung ist, dann arbeitet sich das, was bloße Nachahmung ist, im AÄtherleib selbständig um, so daß es dadurch ein Selbständiges wird. So ist das, was wir innerlich verarbeitet haben, nur noch symbolisch, sinnbildlich den äußeren Eindrücken entsprechend. Da sind wir nicht mehr bloße Nachahmende.

[ 27 ] What we then have in the etheric body is a pictorial structure. What we might call symbolism is woven into the etheric body. We must therefore understand that, while the earliest elements of our language did indeed arise initially through imitation, they were subsequently developed further by, as it were, breaking away from external impressions and being further processed. There, in the realm of symbolism—as in a dream—the etheric body processes what no longer resembles external impressions, and therein lies the enduring effect of sound. At first, the etheric body processes what is mere imitation; then what is mere imitation is transformed independently within the etheric body itself, so that it thereby becomes something independent. Thus, what we have processed internally corresponds to external impressions only symbolically, allegorically. We are no longer mere imitators.

[ 28 ] Und endlich kommt ein Drittes. Begierde, Affekt, alles, was innerlich lebt, drückt sich im astralischen Leib aus, und das wirkt wieder so, daß es den Ton weiter umformt. Das heißt, die innerlichen Erlebnisse strahlen gleichsam von innen heraus in den Ton ein. Schmerz und Freude, Lust und Leid, Begierde, Wunsch, das alles strahlt in den Ton ein, und dadurch kommt das subjektive Element in den Ton hinein. Was bloße Nachahmung ist, was weitergebildet ist als Sprachsymbolum in dem selbständig gewordenen Tonbild oder Wortbild, das wird jetzt weiter umgebildet, indem es durchstrahlt wird von dem, was der Mensch innerlich erlebt als Schmerz und Freude, Lust und Leid, Entsetzen und Furcht und so weiter. Immer muß es ein äußerliches Entsprechen sein, was sich im Ton von der Seele losringt. Aber wenn die Seele innerlich das, was sie erlebt, ausdrückt, es gleichsam im Ton ausklingen läßt, dann muß sie das äußere Erlebnis erst dazu suchen. Daher müssen wir sagen: Das dritte Element, wo sich innerlich, seelenhaft, Lust und Leid, Schmerz und Freude, Entsetzen und so weiter im Ton ausdrückt, das muß erst suchen, was ihm entspricht. Bei der Nachahmung ist der äußere Eindruck nachgeahmt, das innere Tonbild oder dasjenige, was als Symbol entstanden ist, ist eine Weiterbildung. Aber dasjenige, was der Mensch nur aus innerer Freude, Schmerz und so weiter ertönen ließe, das würde ja nur eine Ausstrahlung sein, dem nichts entsprechen könnte. Was hier die Entsprechung zwischen äußerem Wesen und innerem Erleben ist, das heißt, was hier geschieht, das können wir fortwährend bei unseren Kindern beobachten, wenn sie sprechen lernen. Da können wir sehen, wie das Kind beginnt, irgend etwas, was es fühlt, in den Ton umzusetzen. Wenn das Kind zuerst Ma und Pa schreit, so ist das nichts anderes als ein innerliches Umgießen des Affektes in den Laut. Es ist nur die Äußerung eines Inneren. Wenn aber dieses Kind sich so äußert, dann kommt zum Beispiel die Mutter herbei, und das Kind merkt dann, daß demjenigen, was sich innerlich als Freude äußert, indem es sich umgießt in den Laut Ma, ein äußeres Ereignis entspricht. Das Kind fragt natürlich nicht, wie das geschieht, daß es in diesem Falle dem Herbeieilen der Mutter entspricht. Da gesellt sich zusammen inneres Erlebnis von Freude oder Schmerz und äußerer Eindruck, und es verbindet sich das, was von innen hervorstrahlt mit dem äußeren Eindruck. Das ist eine dritte Art, wie die Sprache wirkt. Daher können wir sagen: Die Sprache ist ebensosehr von außen nach innen durch Nachahmung entstanden, wie sie entstanden ist durch das, was man nennen kann das Hinzugesellen der äußeren Wirklichkeit zu dem, was unser Inneres äußert. Denn das, was dazu geführt hat aus einer inneren Äußerung — Ma, Pa — die Worte Mama und Papa zu bilden, weil diese Äußerung sich im Herbeieilen von Mutter oder Vater befriedigt fühlte, das geschieht in unzähligen Fällen. Überall, wo der Mensch sieht, daß irgend etwas auf eine innere Äußerung folgt, da verbindet sich für ihn das, was der Ausdruck der inneren Wesenheit ist, mit einem Äußeren.

[ 28 ] And finally, there is a third factor. Desire, emotion—everything that lives within—is expressed in the astral body, and this, in turn, further shapes the tone. In other words, inner experiences radiate, as it were, from within into the tone. Pain and joy, pleasure and suffering, desire, longing—all of this radiates into the sound, and through this the subjective element enters the sound. What is mere imitation—what has been further developed into a linguistic symbol in the sound image or word image that has become independent—is now further transformed by being permeated by what the human being experiences inwardly as pain and joy, pleasure and suffering, horror and fear, and so on. There must always be an external counterpart that breaks free from the soul in the sound. But when the soul expresses inwardly what it experiences—allowing it, as it were, to resonate out in sound—it must first seek the external experience that corresponds to it. Therefore, we must say: The third element, in which pleasure and suffering, pain and joy, horror, and so on are expressed inwardly, in a soulful way, through sound, must first seek what corresponds to it. In imitation, the external impression is imitated; the inner sound image—or that which has arisen as a symbol—is a further development. But that which a person would allow to resound solely out of inner joy, pain, and so on would be nothing more than a radiating force to which nothing could correspond. What constitutes the correspondence here between external reality and inner experience—that is, what happens here—we can observe continuously in our children as they learn to speak. There we can see how the child begins to translate whatever it feels into sound. When the child first cries out “Ma” and “Pa,” this is nothing other than an inner transformation of emotion into sound. It is merely the expression of an inner state. But when this child expresses itself in this way, the mother, for example, comes over, and the child then realizes that what is expressed inwardly as joy—by transforming itself into the sound “Ma”—corresponds to an external event. Of course, the child does not ask how it happens that, in this case, it corresponds to the mother’s rushing over. Here, the inner experience of joy or pain and the external impression come together, and what radiates from within connects with the external impression. This is a third way in which language functions. Therefore, we can say: Language arose just as much from the outside in through imitation as it did through what might be called the joining of external reality to what our inner self expresses. For what led to the formation of the words “Mama” and “Papa” from an inner utterance—“Ma,” “Pa”—because this utterance was satisfied by the arrival of the mother or father—this occurs in countless instances. Wherever a person sees that something follows an inner utterance, the expression of the inner being connects for them with something external.

[ 29 ] Das alles geschieht ohne Zutun des Ich. Erst später übernimmt das Ich diese Tätigkeit. Auf diese Art sehen wir das, was vor dem Ich liegt, an jener Konfiguration arbeiten, welche der menschlichen Sprachausdrucksfähigkeit zugrunde liegt. Und dadurch, daß das Ich da hineintritt, nachdem die Grundlage zur Sprache bereits geschaffen ist, gliedert sich entsprechend dem Wesen des Ich wiederum die Sprache. Dadurch werden die Äußerungen, welche dem Empfindungsleib entsprechen, von der Empfindungsseele durchdrungen; die Bilder und Symbole, weiche dem Ätherleib entsprechen, werden von der Verstandesseele durchdrungen. Der Mensch gießt hinein in den Laut, was er in der Verstandesseele erlebt, und er gießt ebenso hinein, was er in der Bewußtseinsseele erlebt, was zunächst bloße Nachahmung war. Auf diese Weise sind dann nach und nach jene Gebiete unserer Sprache entstanden, welche Wiedergaben dessen sind, was innere Erlebnisse der Seele darstellen.

[ 29 ] All of this happens without any intervention by the “I.” Only later does the “I” take over this activity. In this way, we see what lies before the “I” working on the configuration that underlies human linguistic expression. And because the “I” enters into this process after the foundation for language has already been laid, language is in turn structured in accordance with the nature of the “I.” As a result, the expressions corresponding to the sensory body are permeated by the sensory soul; the images and symbols corresponding to the etheric body are permeated by the intellectual soul. Human beings pour into sound what they experience in the intellectual soul, and they likewise pour into it what they experience in the conscious soul—which was initially mere imitation. In this way, the areas of our language that represent the inner experiences of the soul have gradually come into being.

[ 30 ] So müssen wir uns klar sein, um das Wesen der Sprache zu verstehen, daß sozusagen in uns etwas lebt, was vor dem Ich und vor aller Tätigkeit des Ich wirkte, und daß darin erst das Ich hineingegossen hat, was es ausbilden kann. Dann müssen wir aber auch keinen Anspruch darauf machen, daß die Sprache genau dem entspreche, was aus dem Ich stammt, und daß unserem Geistigen, allem Intimeren unserer individuellen Wesenheit genau die Sprache entspricht, sondern wir müssen uns klar sein, daß wir in der Sprache niemals den unmittelbaren Ausdruck des Ich sehen können. Symbolisch zum Beispiel arbeitet der Sprachgeist in dem Ätherleib, nachahmend in dem physischen Leib, das alles zusammen mit dem, was der Sprachgeist aus der Empfindungsseele herausarbeitet, indem er die innerlichen Erlebnisse aus ihr herauspreßt, so daß wir in dem Laut eine Ausstrahlung des Innenlebens haben. Das alles zusammengenommen soll uns rechtfertigen, wenn wir sagen: Nicht nach der Art des im heutigen Sinne bewußten Ich ist die Sprache ausgearbeitet, sondern, wenn wir die Ausarbeitung der Sprache mit irgend etwas vergleichen wollen, können wir sie nur mit dem künstlerischen Arbeiten vergleichen. Ebensowenig wie wir von der Nachahmung, die der Künstler gibt, verlangen können, daß sie der Wirklichkeit entspricht, ebensowenig können wir verlangen, daß die Sprache dasjenige nachbildet, was sie darstellen soll. — Wir haben in der Sprache etwas, was nur so wiedergibt, was draußen ist, wie das Bild, wie der Künstler überhaupt wiedergibt, was draußen ist. Und wir dürfen sagen: Ehe der Mensch ein selbstbewußter Geist im heutigen Sinne war, war in ihm ein Künstler tätig, der als Sprachgeist gewirkt hat. — Wir haben unser Ich hineingelegt in eine Stätte, wo vorher ein Künstler seine Tätigkeit ausgeübt hat. Das ist zwar selbst wieder etwas bildhaft gesprochen, aber es gibt die Wahrheit auf diesem Gebiete wieder. Wir sehen in eine unterbewußte Tätigkeit und fühlen, daß wir da etwas haben, was aus uns selber den sprechenden Menschen als künstlerisches Werk gemacht hat. Und die Sprache müssen wir daher nach Analogie eines Kunstwerkes auffassen. Dazu müssen wir nicht vergessen, daß wir jedes Kunstwerk nur so auffassen können, wie es die Mittel der betreffenden Kunst gestatten. Daher wird uns auch die Sprache gewisse Beschränkungen auferlegen müssen. Wenn man das berücksichtigte, würde es von vornherein ausgeschlossen sein, daß ein aus einem pedantischen Wurf hervorgegangenes Werk zustande kommen könnte wie die «Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner. Da geht die Sprachkritik von ganz falschen Voraussetzungen aus, nämlich davon, daß, wenn man die Sprachen der Menschen übersieht, sie einem in keiner Weise die objektive Wirklichkeit richtig geben. Sollen sie diese denn geben? Ist denn eine Möglichkeit, daß sie diese geben? Geradesowenig ist eine Möglichkeit dafür vorhanden, daß die Sprache die Wirklichkeit wiedergibt, als das Bild, wenn es auf der Leinwand mit Farben und Hell und Dunkel die äußere Wirklichkeit darstellen soll. Mit künstlerischem Sinn muß aufgefaßt werden, was als der Sprachgeist dem Menschenwirken zugrunde liegt.

[ 30 ] To understand the nature of language, we must realize that there is, so to speak, something living within us that was active before the “I” and before any activity of the “I,” and that it is into this that the “I” has poured what it is capable of developing. But then we must also not claim that language corresponds exactly to what originates from the “I,” or that language corresponds precisely to our spiritual nature—to the most intimate aspects of our individual being—but rather we must realize that we can never see language as the direct expression of the “I.” Symbolically, for example, the spirit of language works in the etheric body and imitates in the physical body; all of this, together with what the spirit of language draws out of the feeling soul by pressing the inner experiences out of it, so that we have a radiating expression of inner life in the sound. All of this taken together should justify us when we say: Language is not formed in the manner of the “I” as we consciously understand it today; rather, if we wish to compare the formation of language to anything, we can only compare it to artistic work. Just as we cannot demand that the artist’s imitation correspond to reality, neither can we demand that language replicate what it is meant to represent. — In language, we have something that merely reproduces what is outside, just as a painting—or the artist in general—reproduces what is outside. And we may say: Before human beings were self-conscious spirits in the modern sense, an artist was at work within them, acting as a spirit of language. — We have placed our “I” in a place where an artist previously exercised his activity. This, too, is expressed in figurative terms, but it reflects the truth in this realm. We look into a subconscious activity and sense that we have something there that has, from within ourselves, made the speaking human being an artistic work. And we must therefore conceive of language by analogy with a work of art. In doing so, we must not forget that we can only understand any work of art to the extent that the means of the art in question permit. Therefore, language, too, will have to impose certain limitations on us. If one took this into account, it would be ruled out from the outset that a work born of a pedantic impulse—such as Fritz Mauthner’s *Critique of Language*—could ever come into being. In that work, the critique of language proceeds from entirely false premises, namely that, if one surveys human languages, they do not in any way accurately convey objective reality. Are they supposed to convey it? Is there any possibility that they do? There is just as little possibility that language reflects reality as there is for a painting—when it is meant to depict external reality on the canvas using colors, light, and shadow—to do so. What underlies human activity as the “spirit of language” must be understood with artistic sensibility.

[ 31 ] Das alles konnte nur skizzenhaft dargestellt werden. Wenn man aber weiß, daß ein Künstler in der Menschheit wirkt, der die Sprache formt, dann wird man verstehen — so verschieden auch die einzelnen Sprachen sich ausnehmen mögen —, daß selbst in den einzelnen Sprachen der Menschheit der künstlerische Sinn in der verschiedensten Weise gearbeitet hat. Da werden wir verstehen, wie dieser Sprachgeist — nennen wir jetzt diese durch die Luft wirkende Wesenheit den Sprachgeist —, wenn er sich auf einer verhältnismäßig niederen Stufe im Menschen manifestierte, so arbeitete wie der atomistische Geist, der alles aus den einzelnen Teilen zusammensetzen möchte. Da haben wir denn die Möglichkeit, daß eine Sprache so gefügt ist, daß aus einzelnen Lautbildern der ganze Satz sich zusammensetzt.

[ 31 ] All of this could only be outlined in broad strokes. But if one knows that there is an artist at work within humanity who shapes language, then one will understand—no matter how different the individual languages may appear—that even within the individual languages of humanity, the artistic spirit has been at work in the most diverse ways. Then we will understand how this “spirit of language”—let us now call this entity, which acts through the air, the “spirit of language”—when it manifested itself at a relatively lower level in human beings, worked in the same way as the atomistic spirit, which seeks to compose everything from its individual parts. Thus we have the possibility that a language is structured in such a way that the entire sentence is composed of individual sound patterns.

[ 32 ] Wenn wir zum Beispiel im Chinesischen den Laut sch: und king haben, so haben wir darin zwei Atome der Sprachbildung. Die eine Silbe schi = Lied, Gesang; die andere würde bedeuten: Buch. Wenn wir die beiden Lautbilder zusammensetzten: schi-king, dann würde man es so gemacht haben, wie wenn wir im Deutschen zusammensetzen Lied-Buch, dann würde sich durch diese Atomisierung etwas ergeben, was nun — als Ganzes erfaßt — Lieder-Buch wird. Das würde ein kleines Beispiel dafür geben, wie die chinesische Sprache ihre Begriffe und Vorstellungen bildet.

[ 32 ] For example, in Chinese, when we have the sounds “schi” and “king,” we have two building blocks of language formation. One syllable, “schi,” means “song”; the other would mean “book.” If we were to combine these two sound units—schi-king—it would be similar to how we combine “Lied” (song) and “Buch” (book) in German; through this “atomization,” something would emerge that—when taken as a whole—becomes “Lieder-Buch” (songbook). This would serve as a small example of how the Chinese language forms its concepts and ideas.

[ 33 ] Wenn wir das, was wir heute betrachtet haben, in unserer Seele verarbeiten, können wir nun auch begreifen, wie eine so wunderbar gebildete Sprache wie die semitische zum Beispiel in ihrem Geiste zu betrachten ist. In der semitischen Sprache haben wir als Grundlage gewisse Tonbilder, welche eigentlich nur aus Konsonanten bestehen. Und nun setzt der Mensch in diese Tonbilder Vokale hinein. Wenn wir also, um das nur durch ein Beispiel zu erklären, die Konsonanten nehmen \(g\), \(t\), \(l\), und da hineinsetzen ein \(a\) und wiederum ein \(a\), dann wäre, während das nur aus den Konsonanten gebildete Wort die bloße Nachahmung eines äußeren Lauteindruckes ist, durch das Hineinfügen der Vokale entstanden: qatal = töten.

[ 33 ] If we reflect on what we have considered today, we can now also understand how a language as wonderfully structured as a Semitic language, for example, should be viewed in its essence. In Semitic languages, we have as a foundation certain sound patterns that actually consist only of consonants. And now the human being inserts vowels into these sound patterns. So if, just to explain this with an example, we take the consonants \(g\), \(t\), \(l\), and insert an \(a\) and then another \(a\), then—while the word formed solely from the consonants is merely an imitation of an external sound impression—the insertion of the vowels results in: qatal = to kill.

[ 34 ] So haben wir hier ein merkwürdiges Durchdringen, indem töten als Tonbild dadurch entstanden ist, daß der äußere Vorgang einfach durch die Sprachorgane nachgeahmt worden ist; das ist zunächst das ursprüngliche Tonbild. Dann wird das, was die Seele weiter zu bilden hat und was nur innerlich erlebt werden kann, weitergebildet, indem aus dem Inneren noch etwas hinzugefügt wird. Es wird das Tonbild weitergebildet, damit das Töten auf ein Subjekt zurückgeht. In dieser Weise ist im Grunde genommen die ganze semitische Sprache zusammengesetzt, und es drückt sich in ihr aus, was wir als das Zusammenwirken der verschiedenen Elemente der Sprachbildung in dem ganzen Bau der Sprache aufgezählt haben. In der Symbolik, die vorzugsweise in der semitischen Sprache wirksam ist — also, was wir im Ätherleib als Sprachgeist wirksam gefunden haben —, zeigt sich uns die ganze Eigentümlichkeit der semitischen Sprache, die alle die nachgeahmten einzelnen Tonbilder weiterbildet und durch die Einfügung von Vokalen zu Sinnbildern umbildet.

[ 34 ] Here, then, we have a curious interpenetration, in which “killing” as a sound image has come into being simply because the external process has been imitated by the speech organs; this is, at first, the original sound image. Then, what the soul must further develop—and which can only be experienced inwardly—is further shaped by adding something from within. The sound image is further developed so that the act of killing can be traced back to a subject. In this way, the entire Semitic language is essentially composed, and it expresses what we have described as the interplay of the various elements of language formation throughout the entire structure of language. In the symbolism that is particularly active in the Semitic language—that is, what we have found active in the etheric body as the spirit of language—the entire distinctive character of the Semitic language reveals itself to us; it further develops all the imitated individual sound images and transforms them into symbols through the insertion of vowels.

[ 35 ] Daher sind im Grunde genommen alle Worte der semitischen Sprache so gebildet, daß sie sich wie Sinnbilder auf das beziehen, was uns in der Außenwelt umgibt. Dagegen ist alles, was in den indogermanischen Sprachen auftritt, mehr angeregt von dem, was wir innere Äußerung des astralischen Leibes genannt haben, der inneren Wesenheit. Der Astralleib ist schon etwas, was mit dem Bewußtsein zusammenhängt. Wenn man sich der Außenwelt entgegenstellt, unterscheidet man sich von der Außenwelt. Wenn man sich nur vom Gesichtspunkte des Ätherleibes der Außenwelt gegenüberstellt, verschmilzt man mit ihr, ist mit ihr eins. Erst wenn sich die Dinge im Bewußtsein spiegeln, unterscheidet man sich von den Dingen. Dieses Arbeiten des astralischen Leibes mit seinen ganzen inneren Erlebnissen ist in den indogermanischen Sprachen im Unterschiede zu den semitischen Sprachen dadurch wunderbar ausgedrückt, daß sie das Verbum sein haben, das Konstatieren dessen, was ohne unser Zutun vorhanden ist. Das ist dadurch möglich, daß man sich mit seinem Bewußtsein unterscheidet von dem, was einen äußeren Eindruck macht. Wenn daher im Semitischen zum Beispiel ausgedrückt werden sollte: Gott ist gut —, so würde man das nicht unmittelbar können, denn man kann das Wort :st, welches das Sein ausdrückt, nicht wiedergeben, weil es schon von der Entgegensetzung des astralischen Leibes und der Außenwelt herkommt. Der Ätherleib stellt die Dinge einfach hin. Daher würde man in der semitischen Sprache zu sagen haben: Gott, der Gute. — Es wird nicht die Gegenüberstellung des Subjektes und des Objektes charakterisiert. Diese sich von der Außenwelt unterscheidenden Sprachen, welche als ein Wesentliches enthalten, daß ein Teppich von Wahrnehmungen über die Außenwelt ausgegossen wird, sind vorzugsweise die indogermanischen Sprachen. Diese wirken nun auch wieder so auf den Menschen zurück, daß sie die Innerlichkeit, das heißt alles, was man die Anlage nennen kann, um eine starke Individualität, ein starkes Ich auszubilden, unterstützen. Das liegt hier schon in der Sprache ausgedrückt.

[ 35 ] Therefore, essentially all words in the Semitic language are formed in such a way that they refer, like symbols, to what surrounds us in the external world. In contrast, everything that appears in the Indo-European languages is inspired more by what we have called the inner expression of the astral body, the inner being. The astral body is, after all, something connected to consciousness. When one confronts the external world, one distinguishes oneself from it. When one confronts the external world solely from the perspective of the etheric body, one merges with it; one is one with it. Only when things are reflected in consciousness do we distinguish ourselves from them. This functioning of the astral body, with all its inner experiences, is wonderfully expressed in the Indo-European languages—in contrast to the Semitic languages—by the verb “to be,” which affirms that which exists independently of our intervention. This is possible because one distinguishes oneself with one’s consciousness from that which makes an external impression. If, therefore, one were to express in a Semitic language, for example, “God is good,” one would not be able to do so directly, for one cannot render the word :st, which expresses being, because it already arises from the opposition between the astral body and the external world. The etheric body simply presents things as they are. Therefore, in a Semitic language one would have to say: “God, the Good.”—The juxtaposition of subject and object is not characterized. These languages, which are distinct from the external world and whose essential feature is that a tapestry of perceptions is spread over the external world, are primarily the Indo-European languages. These, in turn, influence human beings in such a way that they support inner life—that is, everything that can be called the predisposition to develop a strong individuality, a strong “I.” This is already expressed in the language itself.

[ 36 ] Das alles, was ich Ihnen geben konnte, wird von manchen vielleicht nur wie unbefriedigende Andeutungen hingenommen werden, aus dem einfachen Grunde, weil man ja vierzehn Tage reden müßte, wenn man auf diesem Gebiet alles ausführlicher darstellen wollte. Allein, wer öfter hier diese Vorträge gehört hat und in den Geist der Sache eingedrungen ist, wird sehen, daß eine solche Anregung, wie sie heute gegeben worden ist, nicht unberechtigt ist. Sie soll nur zeigen, wie eine geisteswissenschaftliche Sprachbetrachtung angeregt werden kann, welche im Grunde genommen zu dem Resultat führt, daß die Sprache gar nicht anders verstanden werden kann, als daß man sie mit einem künstlerischen Sinn zu begreifen versucht, den man sich zu eigen gemacht haben muß. Daher wird alle Gelehrsamkeit scheitern, wenn sie nicht nachschaffen will, was der Sprachkünstler im Menschen getan hat, bevor das Ich in uns wirken konnte. Künstlerischer Sinn allein kann die Geheimnisse der Sprache erfassen, wie auch künstlerischer Sinn überhaupt nur nachschaffen kann. Nicht gelehrte Abstraktionen können jemals ein Kunstwerk begreiflich machen. Erst jene Ideen leuchten hinein in die Kunstwerke, welche als Ideen in fruchtbarer Art dasjenige nachzuschaffen imstande sind, was der Künstler mit anderen Mitteln, mit Farbe, Ton und so weiter zum Ausdruck gebracht hat. Künstlerischer Sinn begreift allein den Künstler, und Sprachkünstler allein begreifen das Schöpferisch-Geistige im Entstehen der Sprache. Das ist das eine, was die Geisteswissenschaft in bezug auf die Sprache zu leisten hat.

[ 36 ] Everything I have been able to offer you may be regarded by some as merely unsatisfactory hints, for the simple reason that it would take fourteen days to present everything in this field in greater detail. However, anyone who has frequently attended these lectures here and has grasped the spirit of the matter will see that a suggestion such as the one offered today is not without merit. It is intended only to show how a spiritual-scientific approach to language can be stimulated—an approach that ultimately leads to the conclusion that language cannot be understood in any other way than by attempting to grasp it with an artistic sensibility that one must have made one’s own. Therefore, all scholarship will fail if it is not willing to recreate what the linguistic artist has done within the human being before the “I” could begin to act within us. An artistic sensibility alone can grasp the mysteries of language, just as an artistic sensibility is the only means by which one can recreate them at all. Scholarly abstractions can never make a work of art comprehensible. Only those ideas shed light on works of art that, as ideas, are capable of fruitfully recreating what the artist has expressed through other means—such as color, sound, and so on. Artistic sensibility alone comprehends the artist, and masters of language alone comprehend the creative-spiritual aspect in the genesis of language. This is the one thing that spiritual science has to accomplish with regard to language.

[ 37 ] Das andere ist etwas, was im Praktischen seine Bedeutung hat. Wenn wir verstehen, wie die Sprache aus einem inneren, vormenschlichen Künstler entstanden ist, werden wir uns auch dazu aufschwingen können, daß wir da, wo wir etwas sprechen wollen oder etwas durch die Sprache darstellen wollen, was Anspruch darauf macht, Geltung zu erhalten, auch diesen künstlerischen Sinn müssen wirken lassen. Dafür ist aber in unserer heutigen Zeit, wo man in bezug auf das lebendige Fühlen der Sprache nicht besonders weit ist, nur wenig Sinn vorhanden. Heute glaubt ein jeder, wenn er nur überhaupt reden kann, alles ausdrücken zu dürfen. Aber wir müssen uns darüber klar sein, daß wir wieder in unserer Seele einen unmittelbaren Zusammenhang schaffen müssen zwischen dem, was wir durch die Sprache ausdrükken wollen, und dem, wie wir es ausdrücken. Wir müssen den Sprachkünstler in uns auf allen Gebieten wiedererwecken. Heute sind die Menschen zufrieden, wenn in einer noch so beliebigen Form dasjenige ausgedrückt wird, was sie sagen wollen. Und wie viele Menschen haben einen Begriff davon, was auf geisteswissenschaftlichem Gebiet unbedingt notwendig ist, daß sprachkünstlerischer Sinn für eine jegliche Darstellung nötig wäre! Versuchen Sie einmal, wirkliche Darstellungen der geisteswissenschaftlichen Materie zu prüfen. Da werden Sie finden, daß derjenige, der als wahrer, echter Geisteswissenschafter solche Dinge geschrieben hat, auch wirklich daran gearbeitet hat, um künstlerisch einen jeden Satz auszugestalten, und daß da nicht in beliebiger Weise ein Zeitwort am Ende oder am Anfang steht. Da werden Sie finden, daß ein jeder solcher Satz eine Geburt ist, weil er innerlich, seelisch, nicht bloß als Gedanke, sondern als unmittelbare Form erlebt werden soll. Und wenn Sie den Zusammenhang des Dargestellten verfolgen, dann werden Sie sehen, daß bei drei aufeinanderfolgenden Sätzen der mittlere nicht bloß an den ersten angehängt ist und der dritte wiederum an den vorhergehenden, sondern Sie werden finden, daß derjenige, der Geisteswissenschaftliches darstellt, nicht bloß den ersten Satz, sondern auch den dritten Satz bereits fertig in seiner Anlage hat, bevor er den mittleren gestaltet, weil die Wirkung des mittleren Satzes von dem abhängen soll, was als Wirkung des ersten Satzes zurückbleibt und wiederum auf den nächstfolgenden Satz übergehen kann.

[ 37 ] The other point is something that has practical significance. If we understand how language arose from an inner, pre-human artist, we will also be able to rise to the level where, whenever we want to say something or express something through language that claims to be valid, we must also allow this artistic sense to take effect. However, in our present age—where people have not progressed very far in terms of a living sense of language—there is little appreciation for this. Today, everyone believes that as long as they can speak at all, they are entitled to express anything. But we must be clear that we need to reestablish within our souls a direct connection between what we wish to express through language and how we express it. We must reawaken the linguistic artist within us in all fields. Today, people are satisfied when what they want to say is expressed in any form whatsoever. And how many people have any concept of what is absolutely necessary in the field of spiritual science—namely, that a sense of linguistic artistry is essential for any presentation! Try examining genuine presentations of spiritual scientific material. There you will find that whoever, as a true, genuine spiritual scientist, has written such things has also truly worked to shape every sentence artistically, and that a verb is not placed at the end or beginning in just any way. You will find that each such sentence is a creation, because it is meant to be experienced inwardly, spiritually—not merely as a thought, but as an immediate form. And if you follow the flow of the presentation, you will see that in a sequence of three consecutive sentences, the middle one is not merely appended to the first and the third to the preceding one; rather, you will find that the one who presents spiritual-scientific ideas has not only the first sentence but also the third sentence already fully formed in his mind before he formulates the middle one, because the effect of the middle sentence is to depend on what remains as the effect of the first sentence and can in turn pass on to the next sentence.

[ 38 ] In der Geisteswissenschaft ist nicht ohne künstlerisch wirkenden Sprachsinn zu schaffen. Alles andere ist vom Übel. Da handelt es sich darum, daß wir loskommen von dem sklavischen Gekettetsein an die Worte. Das können wir aber nicht, wenn wir denken, daß irgendein Wort den Gedanken ausdrücken könnte, den wir haben, denn dann sind wir schon im Irrtum mit unserer Sprachbildung. Aus den Worten, die ganz auf die Sinneswelt hin geprägt sind, können wir nimmermehr gewinnen, was Ausdruck für übersinnliche Tatsachen sein soll. Wer fragen kann: Wie soll man den Ätherleib oder den astralischen Leib in Wirklichkeit ganz konkret durch ein Wort ausdrücken? — hat noch nichts davon verstanden. Erst der hat etwas verstanden, der so zu Werke geht, daß er sich sagt: Ich werde erfahren, was der Ätherleib ist, wenn ich mir zuerst einmal von der einen Seite darüber etwas erzählen lasse, und mir bewußt bin, daß es sich dabei um künstlerisch gebildete Reflexbilder handelt; und dann lasse ich mir dasselbe von drei anderen Seiten darstellen. — Da haben wir dieselbe Sache von vier verschiedenen Seiten her dargestellt, so daß wir in den Darstellungen, die wir durch die Sprache geben, indem wir gleichsam um die Sache herumgehen, künstlerische Reflexbilder der Sache darstellen. Wenn man sich dessen nicht bewußt ist, wird man nichts anderes herausbekommen als Abstraktionen und eine verknöcherte Wiedergabe dessen, was man schon weiß. Daher wird Entwickelung in der Geisteswissenschaft immer verbunden sein mit dem, was wir Fortbildung des inneren Sinnes und der inneren Gestaltungskraft unserer Sprache nennen können.

[ 38 ] In the humanities, it is impossible to create without an artistic sense of language. Anything else is a mistake. The point is that we must free ourselves from our slavish bondage to words. But we cannot do this if we think that any word could express the thought we have, for then we are already mistaken in our use of language. From words that are entirely shaped by the sensory world, we can never derive what is meant to be an expression of supersensory realities. Anyone who asks, “How is one supposed to express the etheric body or the astral body in reality, in concrete terms, through a single word?”—has not yet understood anything about it. Only the person who proceeds in this way has understood something: they say to themselves, “I will come to know what the etheric body is if I first allow myself to be told about it from one perspective, while being aware that these are artistically formed reflections; and then I will have the same thing presented to me from three other perspectives.” — There we have depicted the same thing from four different angles, so that in the descriptions we convey through language—by, as it were, circling around the subject—we present artistic reflections of the subject. If one is not aware of this, one will produce nothing but abstractions and a rigid reproduction of what one already knows. Therefore, development in spiritual science will always be connected with what we might call the further development of the inner meaning and the inner creative power of our language.

[ 39 ] In diesem Sinne wird Geisteswissenschaft befruchtend auf den heutigen Sprachstil wirken, wird umgestaltend auf unseren heutigen entsetzlichen Sprachstil wirken, der gar keine Ahnung davon hat, was sprachkünstlerisches Vermögen ist. Denn sonst würden nicht so viele Leute, die kaum sprechen und schreiben können, anfangen schriftstellerisch tätig zu sein. Das ist heute längst abgekommen, daß man sich dessen bewußt ist, daß zum Beispiel Prosa schreiben etwas viel Höheres ist als Verse schreiben; nur ist die Prosa, die heute geschrieben wird, selbstverständlich eine viel niedrigere Prosa. Aber die Geisteswissenschaft ist dazu da, auf jenen Gebieten die Anregungen zu geben, die mit den tiefsten Gebieten der Menschheit zusammenhängen. Denn Geisteswissenschaft wird auf diesen Gebieten so wirken, daß sie erfüllt, was die größten Persönlichkeiten werden geträumt haben. Geisteswissenschaft wird durch den Gedanken die übersinnlichen Welten erobern können, wird vermögend werden, den Gedanken so in das Lautbild umzugießen, daß auch unsere Sprache wieder ein Mitteilungsmittel dessen werden kann, was die Seele im Übersinnlichen erschaut. Dann wird Geisteswissenschaft das sein, was bewirken wird, daß in einem großen Umkreise zur Wahrheit werden wird, was für ein wichtigstes Gebiet des menschlichen Inneren der Spruch sagt:

[ 39 ] In this sense, the humanities will have a stimulating effect on today’s style of language; they will transform our current appalling style of language, which has absolutely no idea what artistic linguistic ability is. Otherwise, so many people who can barely speak or write would not be starting to work as writers. The awareness that, for example, writing prose is something far loftier than writing verse has long since been lost; yet the prose written today is, of course, a much lower form of prose. But spiritual science is there to provide inspiration in those areas connected to the deepest realms of humanity. For spiritual science will work in these areas in such a way that it fulfills what the greatest personalities may have dreamed of. Spiritual science will be able to conquer the supersensible worlds through thought; it will become capable of casting thought into sound forms in such a way that our language, too, can once again become a means of communicating what the soul beholds in the supersensible. Then spiritual science will be the force that brings to truth, on a vast scale, what the saying expresses regarding one of the most important realms of the human inner life:

Unermeßlich tief ist der Gedanke,
Und sein geflügelt Werkzeug ist das Wort!

The thought is immeasurably deep,
And its winged instrument is the word!