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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
Second Part
GA 59

20 January 1910, Berlin

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1. Die Geisteswissenschaft und die Sprache

1. Spiritual Science and Language

[ 1 ] Es ist reizvoll, die verschiedenen Äußerungen der menschlichen Wesenheit vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt, so wie hier Geisteswissenschaft gemeint ist, zu betrachten. Denn indem wir gleichsam um das menschliche Leben herumgehen, wie es im Verlaufe dieser Vorträge geschehen ist, und es von seinen verschiedenen Seiten betrachten, können wir uns einen Gesamteindruck von demselben verschaffen. Heute soll von jener universellen Äußerung des menschlichen Geistes die Rede sein, die sich in der Sprache zu erkennen gibt, und das nächste Mal soll dann unter dem Titel «Lachen und Weinen» gleichsam eine Abart der menschlichen Ausdrucksfähigkeit betrachtet werden, die zwar mit der Sprache verbunden, aber doch wieder grundverschieden von ihr ist.

[ 1 ] It is of some interest to observe from the point of view of spiritual science in the sense that the word is used here, the various ways by which the human being expresses himself.1 Cf. the lecture “Sprachwissenschaft”, Dornach, 7th April 1921, in: Die Befruchtende Wirkung der Anthroposophie auf die Fachwissenschaften, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Switzerland. (GA 76) For in approaching human life from different sides, as it were, and observing its different aspects as we have done in these lectures, a comprehensive view of it can be gained. Today let us deal with that universal expression of the human spirit which is manifest in language; and next time, under the heading “Laughing and Weeping”, we will then look at a variation, as it were, of human expression which is connected with language but is fundamentally different from it all the same.

[ 2 ] Wenn von der menschlichen Sprache die Rede ist, dann fühlen wir wohl hinlänglich, wie sehr die ganze Bedeutung und Würde und das ganze Wesen des Menschen mit dem zusammenhängt, was eben als Sprache bezeichnet wird. Unser innerstes Leben, alle unsere Gedanken, Gefühle und Willensimpulse fließen gleichsam nach außen zu unseren Mitmenschen hin und verbinden uns mit denselben durch die Sprache. So fühlen wir eine unendliche Erweiterungsfähigkeit unseres Wesens, eine Möglichkeit des Ausstrahlens dieses Wesens in die Umgebung durch die Sprache. Auf der anderen Seite allerdings wird gerade derjenige, der das menschliche Innen O leben einer bedeutungsvollen Individualität zu durchdringen vermag, empfinden können, wie die menschliche Sprache doch wiederum eine Art Tyrann ist, eine Macht, die auf unser Innenleben ausgeübt wird. Fühlen wir es doch, wenn wir nur wollen, daß dasjenige, was wir uns selber zu sagen haben über unsere Gefühle und Gedanken, über das, was durch die Seele zieht mit all seiner Intimität und Besonderheit, nur spärlich und schwach in dem Wort, in der Sprache zum Ausdruck kommen kann. Und fühlen wir doch auch, wie die Sprache, in die wir hineingestellt sind, uns sogar ein bestimmtes Denken aufzwingt. Wer sollte es denn nicht wissen, wie der Mensch in bezug auf sein Denken abhängig ist von der Sprache! Worte sind es vielfach, an die sich unsere Begriffe heften, und in einem unvollkommenen Entwikkelungszustand wird der Mensch sogar leicht das Wort oder das, was ihm das Wort einimpft, mit dem Begriffe verwechseln können. Daher die Unmöglichkeit mancher Menschen, sich eine Begriffswelt aufzubauen, welche hinausreicht über das, was ihnen die Worte geben, die in ihrer Umgebung üblich sind. Und wissen wir doch auch, wie der Charakter eines ganzen Volkes, das eine gemeinsame Sprache spricht, in gewisser Weise von dieser Sprache abhängig ist. Wenigstens muß derjenige, der intimer die Volkscharaktere, die Sprachencharaktere in ihren Zusammenhängen betrachtet, einsehen, wie die Art und Weise, in welcher der Mensch das, was in seiner Seele liegt, in Laute umzuprägen vermag, wiederum zurückwirkt auf die Stärke und Schwäche seines Charakters, auf den Ausdruck seines Temperamentes, ja auf seine ganze Lebensauffassung. Und der Kenner wird imstande sein, aus der Konfiguration der Sprache eines Volkes mancherlei entnehmen zu können in bezug auf den Charakter eines Volkes. Da aber die Sprache einem Volke gemeinschaftlich ist, so ist der einzelne von einer Gemeinsamkeit abhängig, gleichsam von einem Durchschnittsmaß, wie es in dem Volke herrscht. Er steht dadurch gewissermaßen unter der Tyrannei, unter der Macht der Gemeinsamkeit. Wenn man aber fühlt, daß auf der einen Seite unser individuelles Geistesleben, auf der anderen Seite das Geistesleben von Gemeinsamkeiten sozusagen in der Sprache niedergelegt ist, so erscheint einem dasjenige, was man das Geheimnis der Sprache nennen könnte, als etwas ganz besonders Bedeutungsvolles. Man kann sagen, daß man gewiß einiges über das Seelenleben des Menschen erfahren kann, wenn man die Äußerungen betrachtet, wie dieses menschliche Wesen gerade in der Sprache sich gibt.

[ 2 ] When we speak of human language, we feel sufficiently how all the significance, dignity and the whole of the human being are connected with that which we call language. Our innermost existence, all our thoughts, feelings and impulses of the will flow outward to our fellow human beings and unite us with them through language. Thus we feel the possibility of expanding our being infinitely, the ability to make our being extend into our environment through language. On the other hand, anyone who can enter into the inner life of significant personalities will be able to feel particularly how language can also become a tyrant, a force which exercises power over our inner life. We can feel how our feelings and thoughts, those things of a special and intimate nature which pass through our soul, can be expressed only poorly and inadequately in the word, in language. And we can also feel how even the language within which we are placed forces us into specific modes of thinking. Everyone must be aware how the human being is dependent on language as far as his thinking is concerned. It is words to which our concepts are generally attached; and in an imperfect stage of development the human being will readily confuse the word or that which the word inculcates in him with the concept. Here lies the cause for the inability of some people to construct for themselves a conceptual framework which reaches beyond what is contained in the words commonly used in their environment. And we are aware how the character of a whole people who speak a common language is in a certain way dependent on that language. The person who observes national character more closely, the character of languages in their context, must realise that the way in which the human being is able to transform the content of his soul into sounds in turn acts back on the strengths and weaknesses of his character, on the way his temperament is expressed, even on his conception of existence as a whole. The configuration of a language can tell much about the character of a people. And since a language is common to a people, the individual is dependent on a common element, an average quantity, as it were, which prevails among that people. He is thus subject to a certain tyranny, to the rule of commonality. But if one realises that language contains on the one hand our individual spiritual life and on the other the spiritual life of the community, then one comes to see what might be called the “secret of language” as something of special significance. A considerable amount can be learnt about the soul-life of the human being if one observes how this being expresses itself in language.

[ 3 ] Das Geheimnis der Sprache, ihre Entstehung, ihre Fortentwickelung in den verschiedenen Zeiten, war von jeher eine Rätselfrage für gewisse fachwissenschaftliche Gebiete. Aber man kann nicht sagen, daß diese fachwissenschaftlichen Gebiete in unserem Zeitalter besonders glücklich darin waren, hinter das Geheimnis der Sprache zu kommen. Deshalb soll heute sozusagen aphoristisch, skizzenhaft von dem Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, wie wir ihn gewohnt sind auf den Menschen und seine Entwickelung anzuwenden, einiges Licht auf die Sprache, ihre Entwickelung und ihren Zusammenhang mit dem Menschen geworfen werden.

[ 3 ] The secret of language, its origin and development at different periods, has always been the subject of investigation by certain specialist scientific disciplines. But it cannot be said that these disciplines have been particularly successful in our century in uncovering the secret of language. That is why today we will try to illuminate aphoristically so to speak, in broad outline, language, its development and its connection with the human being from a spiritual-scientific point of view as we have been applying it to man and his development.

[ 4 ] Das ist es ja, was zunächst so geheimnisvoll erscheint, wenn wir irgendein Ding, eine Sache, einen Vorgang mit einem Worte bezeichnen. Wie hängt da jene eigentümliche Lautzusammensetzung, die das Wort oder den Satz bildet, mit dem zusammen, was aus uns kommt und als Wort das Ding bedeutet? Da hat man vom Standpunkte der äußeren Wissenschaft die mannigfaltigsten Erfahrungen zu den verschiedensten Kombinationen zusammenzufügen versucht. Man hat aber auch das Unbefriedigende einer solchen Betrachtungsweise empfunden. Die Frage ist ja so einfach und dennoch so schwierig zu beantworten: Wie kam der Mensch dazu, wenn ihm irgend etwas in der Außenwelt entgegentrat, gerade aus sich heraus, wie ein Echo dieses oder jenes Gegenstandes oder Vorganges, nun diesen oder jenen besonderen Laut hervorzubringen?

[ 4 ] It is this connection which in the first instance seems so mysterious when we use a word to describe an object, an event, a process. What is the link between a particular combination of sounds which form a word or sentence and that which is within us which the object, expressed as word, means? In this respect outward science has tried to unite a wide range of observations in all kinds of ways. But the unsatisfactory nature of such a method has also been felt. The question is quite simple, and yet it is so difficult to answer: why did the human being, when faced with some object or event in the outside world, produce this or that particular sound from within himself as an echo of that object or event?

[ 5 ] Von einem gewissen Gesichtspunkte aus stellte man sich die Sache recht einfach vor. Man dachte zum Beispiel daran, daß die Sprachbildung davon ausgegangen sei, dasjenige, was man äußerlich schon als Laut hört wie den Laut gewisser Tiere, oder wenn etwas an ein anderes anschlägt, durch die innere Fähigkeit unserer Sprachorgane nachzuahmen, etwa so wie das Kind, wenn es den Hund «wau-wau!» bellen hört und diesen Laut nachahmt, den Hund den «Wauwau» nennt. Eine solche Wortbildung könnte man eine onomatopoetische nennen, eine Nachahmung des Tones. Eine derartige Nachahmung sollte der ursprünglichen Laut- und Wortbildung — so ist es von gewissen Gesichtspunkten aus behauptet worden — zugrunde liegen. Natürlich bleibt die Frage ganz unbeantwortet: Wie kommt der Mensch dann dazu, jene stummen Wesenheiten, die keinen Ton von sich geben, zu benennen? Wie steigt er auf von dem Lautausdruck eines Tieres oder eines Vorganges, den man hören kann, zu einem solchen, den man nicht hören kann? — Der große Sprachforscher Max Müller hat diese Theorie, weil er das Unbefriedigende einer solchen Spekulation einsah, verspottet und sie die «Wauwau-Theorie» genannt. Dafür hat er eine andere Theorie aufgestellt, welche die Gegner nun ihrerseits — und hier ist das Wort in dem Sinne gebraucht, wie es nicht gebraucht werden sollte — «mystisch» genannt haben. Max Müller meint nämlich, daß einem jeden Ding in sich selber sozusagen etwas zukomme, was wie Klang sei. Alles habe in gewisser Weise einen Klang, nicht nur ein Glas, das man fallen läßt, nicht nur die Glocke, die angeschlagen wird, sondern jedes Ding. Und die Fähigkeit des Menschen, eine Beziehung herzustellen zwischen seiner Seele und diesem, gleichsam als inneres Wesen an dem Dinge befindlichen Klange, ruft in der Seele die Möglichkeit hervor, dieses innere Klangwesen des Dinges auszudrücken, wie man etwa das Innere der Glocke ausdrücken kann, wenn man ihren Ton in «Bim-bam» nachfühlt. Und die Gegner Max Müllers haben ihm seinen Spott zurückgegeben, indem sie nun seine Theorie die «Bimbam-Theorie» nannten. Wenn wir fortfahren wollten, von den mit großem Fleiß gemachten Zusammenstellungen weiteres aufzuzählen, so würden wir sehen, daß immer etwas Unbefriedigendes bleiben müßte, wenn man dasjenige, was der Mensch gleichsam wie ein Echo seiner Seele dem Wesen der Dinge entgegentönen läßt, in dieser Weise äußerlich charakterisieren wollte. Da muß man schon tiefer hineindringen in das Innere des Menschen.

[ 5 ] From a certain point of view the matter was thought to be quite simple. It was thought, for example, that language was originally formed by an inner ability of our speech organs. This imitated those things which were heard outwardly as sound—the sounds of certain animals for example, or something knocking against something else; rather like when the child hears the dog bark “bow-wow” it calls the dog a “bow-wow”. Such word formation is called onomatopoeic, an imitation of the sound. This was held by certain directions of thought to be the original foundation of sound and word formation. Of course the question how the human being came to name beings which did not emit a sound remains unanswered. The great linguistic researcher Max Müller,2 Max Müller, 1823–1900. Noted Orientalist, religious and linguistic researcher. realising the unsatisfactory nature of such a theory, ridiculed it by calling it the “bow-wow” theory. He set up another theory which his opponents in turn called “mystical” (giving the word a sense in which it should not be used). For Max Müller holds the view that each object contains within itself, as it were, something which is like a sound; everything in a certain sense has a sound, not only the glass which is dropped, not only the bell which is struck, but everything. And the ability of the human being to establish a relationship between his soul and this expressive element, which is like the essential nature of the object, calls forth the ability in the soul to express this inner sound-being of the object. Thus the essence of a bell can be experienced in the sounding of the “bim-bam”. And Max Müller's opponents returned his ridicule and called his theory the “bim-bam” theory. A more detailed examination would show that something unsatisfactory always remains in trying to characterise outwardly in this way the things which the human being experiences of the nature of things like an echo in his soul. A deeper penetration of the inner being of man is required.

[ 6 ] Für die Geisteswissenschaft ist der Mensch im Grunde genommen ein sehr kompliziertes Wesen. So wie er vor uns steht, hat er zunächst seinen physischen Leib, der in sich dieselben Gesetze und Substantialitäten hat, die wir auch in der mineralischen Welt finden. Dann hat der Mensch für die Geisteswissenschaft als ein zweites, höheres Glied seiner Wesenheit den Ätherleib oder Lebensleib. Sodann dasjenige Glied, das wir den Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Trieb, Begierde und Leidenschaft nennen, den astralischen Leib, der für die Geisteswissenschaft ein ebenso reales, ja realeres Glied der Menschennatur ist als das, was man mit Augen sehen und mit Händen greifen kann. Und das vierte Glied der menschlichen Wesenheit haben wir den Träger des Ich genannt. Wir haben ferner gesehen, daß die Entwickelung des Menschen auf der gegenwärtigen Stufe darinnen besteht, daß er von seinem Ich aus an der Umgestaltung der drei anderen Glieder seiner Wesenheit arbeitet. Wir haben auch darauf hingedeutet, daß in einer fernen Zukunft das menschliche Ich diese drei Glieder so umgestaltet haben wird, daß nichts mehr von dem zurückgeblieben sein wird, was die Natur oder die in der Natur liegenden geistigen Mächte aus diesen drei menschlichen Gliedern gemacht haben.

[ 6 ] From the point of view of spiritual science the human being is fundamentally a very complex being. He has his physical body, which is governed by the same laws and has the same constitution as the mineral world. Then, from a spiritual-scientific aspect, the human being has a second, higher member of his being, the ether body or life body. Then there is the astral body, the bearer of pleasure and pain, joy and sorrow, of instincts, desires and passions; this is just as real a member of the human being for spiritual science, if not more real, than the one which one can see with the eyes and touch with the hands. And the fourth member of the human being we called the bearer of the ego. We further saw that at his present stage the development of the human being consists of the ego working on the transformation of the other three members of his being. We also pointed out that at a future time the ego will have transformed these three members in such a way that nothing will remain of what nature, or the spiritual forces which are active in nature, has made of these three human members.

[ 7 ] Der astralische Leib, der Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz, von allen auf und ab wogenden Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen, ist zunächst ohne unser Zutun, das heißt, ohne die Arbeit unseres Ich zustande gekommen. Nun aber arbeitet das Ich an ihm, und es arbeitet so, daß es läutert und reinigt und unter seine Herrschaft alles bringt, was Eigenschaften und Tätigkeiten des astralischen Leibes sind. Wenn das Ich nur wenig an dem astralischen Leibe gearbeitet hat, ist der Mensch ein Sklave seiner Triebe und Begierden; wenn es aber Triebe und Begierden läutert zu Tugenden, wenn es das, was irrlichtelierendes Denken ist, an dem Faden der Logik geordnet hat, dann ist ein Teil des astralischen Leibes umgewandelt, er ist aus einem Produkte, an dem das Ich noch nichts gearbeitet hat, zu einem Produkte des Ich geworden. Wenn das Ich diese Arbeit bewußt vollbringt, wozu heute in der menschlichen Entwickelung erst der Anfang gemacht ist, nennen wir diesen vom Ich aus bewußt umgearbeiteten Teil des astralischen Leibes Geistselbst oder mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie Manas. Wenn das Ich in einer anderen, intensiveren Weise nicht nur in den astralischen Leib, sondern auch in den Ätherleib hineinarbeitet, nennen wir den vom Ich aus umgearbeiteten Teil des Ätherleibes den Lebensgeist oder mit einem Ausdruck der orientalischen Philosophie die Buddhi. Und wenn das Ich endlich so stark geworden ist, was aber erst einer fernen Zukunft angehört, daß es den physischen Leib umwandelt und seine Gesetze reguliert, so daß das Ich überall dabei ist und der Herrscher dessen ist, was im physischen Leibe lebt, dann nennen wir diesen so unter die Herrschaft des Ich gelangten Teil des physischen Leibes den Geistesmenschen oder auch, weil jene Arbeit mit einem Regulieren des Atmungsprozesses beginnt, mit einem Worte der orientalischen Philosophie Atman, was mit dem Atmen zusammenhängt.

[ 7 ] For the astral body, the bearer of pain and pleasure, of joy and sorrow, of all the surging power of the imagination, feelings and perceptions, was created initially without our participation, that is, without any contribution by our ego. But now the ego has become active and it works in such a manner that it purifies and cleanses and subordinates all the qualities and activities of the astral body. If the ego has worked only a small amount on the astral body, the human being is dominated by his instincts and desires; but if it purifies the instincts and desires into virtues, if it orders muddled thinking by the thread of logic, then a part of the astral body has become transformed. It has become transformed from a product in which the ego takes no part into a product of the ego. If the ego fulfils this work consciously, of which today only a start has been made in human evolution, we call this part of the astral body which has been consciously transformed by the ego the “spirit-self”, or, using a term from Oriental philosophy, “Manas”. When the ego works not only on the astral body, but in a different and more intensive way on the ether body, we call this part of the ether body transformed by the ego the “life-spirit”, or, with a term from Oriental philosophy, “Budhi”. And when finally the ego has become so strong—and this will happen only in the far distant future—that it transforms the physical body and regulates its laws and permeates it so that it rules over everything which lives in the physical body, we call this part of the physical body “spirit-man”, or also, because this work begins with controlling the breathing processes, with a term from Oriental philosophy, “Atman”. (Cf. German “atmen”—to breathe.)

[ 8 ] So haben wir zunächst den Menschen als eine viergliedrige Wesenheit: bestehend aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich. Und so wie wir drei aus der Vergangenheit herrührende Glieder unserer Wesenheit haben, so können wir — durch die Arbeit des Ich auch sprechen von drei in die Zukunft hinein sich entwickelnden Gliedern des Menschen. Und wir sprechen so von einer siebengliedrigen Natur der menschlichen Wesenheit, indem wir zu physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich noch hinzuzählen Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen. Wenn wir aber auf diese drei letzteren Glieder als auf etwas Fernes, Zukünftiges der menschlichen Entwickelung hinschauen, so müssen wir sagen, daß doch in einer gewissen Weise der Mensch heute für diese Entwickelung schon vorbereitet ist. Bewußt wird der Mensch erst in einer fernen Zukunft von seinem Ich aus diese drei Glieder — physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib — bearbeiten. Unterbewußt aber, das heißt ohne sein volles Bewußtsein, hat das Ich aus einer dumpfen Tätigkeit heraus diese drei Glieder seiner Wesenheit schon umgestaltet. Das ist schon als Resultat vorhanden. Was wir in den vergangenen Vorträgen als innere Wesensglieder des Menschen erwähnten, konnte nur dadurch entstehen, daß das Ich an den drei Gliedern gearbeitet hat. An dem, was wir den astralischen Leib nennen, hat es die Empfindungsseele herausgearbeitet, gleichsam als inneres Spiegelbild des Empfindungsleibes. Während uns der Empfindungsleib dasjenige vermittelt, was wir Genuß nennen — Empfindungsleib und astralischer Leib ist für den Menschen dasselbe, ohne Empfindungsleib würden wir keine Genüsse haben können —, spiegelt sich der Genuß im Inneren, Seelenhaften als die Begierde, und Begierden schreiben wir dann der Seele zu. So gehören die beiden Dinge, der Astralleib und der umgewandelte Astralleib oder die Empfindungsseele, zusammen, wie Genuß und Begierde zusammengehören. Ebenso hat das Ich in der Vergangenheit bereits am Ätherleibe gearbeitet. Was es da gearbeitet hat, führt im Inneren, Seelenhaften des Menschen dazu, daß er in sich die Verstandesseele oder Gemütsseele trägt, so daß die Verstandesseele, die zugleich auch der Träger des Gedächtnisses ist, mit einer unterbewußten Umarbeitung des Ätherleibes vom Ich aus zusammenhängt. Und endlich hat das Ich in Zeiten der Vergangenheit, um den Menschen in der gegenwärtigen Gestalt möglich zu machen, auch schon an der Umgestaltung des physischen Leibes gearbeitet, und was dadurch entstanden ist, nennen wir die Bewußtseinsseele, durch die der Mensch zu einem Wissen über die Dinge der Außenwelt kommt. So können wir also auch in dieser Weise von einem siebengliedrigen Menschen sprechen, indem wir sagen: Durch eine vorbereitende, unterbewußte Tätigkeit des Ich sind die drei Seelenglieder, Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele entstanden. Aber alles dies ist eine unbewußte oder unterbewußte Arbeit des Ich an seinen Umhüllungen.

[ 8 ] Thus we see the human being initially as a four membered being, consisting of a physical body, an ether body, an astral body and an ego. And similarly to the three members of our being which derive from the past, we are able to speak of three members of the human being developing into the future, created by the work of our ego. We can therefore speak of the seven-membered human being by adding to the physical body, ether body, astral body and ego the spirit-self, life-body and spirit-man. But when we consider these last three members as something distant, belonging to the future evolution of mankind, it must be added that the human being is prepared for such a development in a certain way already in the present. Consciously the human being will work with his ego on the physical, ether and astral bodies only in the far distant future; but in the subconscious, that is, without full consciousness, the ego is already transforming these three members of its being on the basis of a still dulled activity. The results are already in existence. What we described in previous lectures as inner members of the human being were only able to come about because of this work by the ego. From the astral body it fashioned the sentient soul as inner mirror-image, as it were, of the sentient body. Whilst the sentient body transmits gratification (sentient body and astral body are synonymous as regards man; without the sentient body we would have no gratification), this is mirrored internally in the soul as desire—and it is desire which we then ascribe to the soul. Thus the two things belong together: the astral body and the transformed astral body or sentient soul, as gratification and desire belong together. In a similar way the ego was working in the past already on the ether body. This created internally in the soul of the human being the intellectual or mind soul. Thus the intellectual soul, which is also the bearer of memory, is linked with the subconscious transformation of the ether body by the ego. And finally, the ego has been working in the past also on the transformation of the physical body in order to enable the existence of the human being in his present form. The result of that transformation is the consciousness soul, which permits the human being to gain knowledge about the things of the outside world. The seven-membered human being can therefore be characterised as follows: through the preparative, subconscious activity of the ego the three soul members have been created; the sentient soul, the intellectual soul and the consciousness soul.

[ 9 ] Nun fragen wir uns: Sind denn nicht die drei Glieder — der physische Leib, der Ätherleib und der Astralleib komplizierte Wesenheiten? — Oh, welcher Wunderbau ist dieser physische Menschenleib! Und wenn wir ihn näher prüfen, würden wir finden, daß dieser physische Leib viel komplizierter ist als nur jener Teil, den sich das Ich zur Bewußtseinsseele herausgearbeitet hat und den wir den physischen Träger der Bewußtseinsseele nennen können. Ebenso ist der Ätherleib viel komplizierter als dasjenige, was man den Träger der Verstandes- oder Gemütsseele nennen könnte. Und auch der astralische Leib ist komplizierter als dasjenige, was wir den Träger der Empfindungsseele nennen können. Geradezu arm sind diese Teile gegenüber dem, was schon da war, bevor der Mensch ein Ich hatte. Daher sprechen wir in der Geisteswissenschaft davon, daß der Mensch sich so entwickelt hat, daß in einer urfernen Vergangenheit die erste Anlage des physischen Leibes, und zwar aus geistigen Wesenheiten heraus, entstanden ist. Dann ist hinzugekommen der Ätherleib, noch später der astralische Leib und zuletzt erst das Ich. Daher hat der physische Leib des Menschen vier Stufen der Entwickelung hinter sich. Erst war der physische Leib in unmittelbarer Korrespondenz mit der geistigen Welt, dann wurde er herausgearbeitet und durchwoben und durchwirkt mit dem Ätherleib; dadurch wurde er komplizierter. Dann wurde. er durchsetzt mit dem astralischen Leib, wodurch er wieder komplizierter wurde. Dann kam das Ich hinzu. Und erst, was dieses an dem physischen Leibe getan hat, formte einen Teil des physischen Leibes heraus und machte ihn zum Träger dessen, was man menschliches Bewußtsein nennt, die Fähigkeit, daß wir uns ein Wissen von der Außenwelt verschaffen. Aber dieser physische Leib hat weit mehr zu tun, als uns durch unsere Sinne und unser Gehirn ein Wissen von der Außenwelt zu verschaffen, er hat eine Anzahl von Tätigkeiten zu verrichten, welche die Grundlage des Bewußstseins sind, die aber völlig außerhalb des Bereiches des Gehirns ablaufen. So ist es auch mit dem Ätherleib und dem Astralleib.

[ 9 ] The question may now be asked: are not the physical body, ether body and astral body complex entities? What a miracle of construction is the physical human body! And if we examined it more closely, we would find that this physical body is much more complex than that part alone which the ego has transformed into the consciousness soul and which can be called the physical form of the consciousness soul. Similarly the ether body is much more complex than that which might be called the form of the intellectual or mind soul. And the astral body too is much more complex than the form of the sentient soul. These parts are poor in comparison to what was in existence before the human being had an ego. That is why in spiritual science we speak of the human being as having developed in the distant past from spiritual beings the first predisposition for a physical body. To this was added the ether body, then still later the astral body, and finally the ego. The physical body of the human being has thus passed through four stages of development. First there was a direct correspondence with the spiritual world; then it developed and was interwoven and transfused with the ether body. It therefore became more complex. Then it became interwoven with the astral body which made it more complex again. Then the ego was added. And only the work of the latter on the physical body transformed part of the physical body and made it into the bearer of human consciousness: the ability to gain knowledge of the outer world. But this physical body has more functions than providing us with a knowledge of the outside world by means of our senses and our brain. It has to fulfil a number of activities which form the basis of our consciousness but which take place completely outside the sphere of the brain. The same applies to the ether body and the astral body.

[ 10 ] Wenn wir uns nun klar darüber sind, daß alles, was wir in der Außenwelt um uns herum haben, Geist ist, daß Geist, wie wir so oft betont haben, allem Materiellen, allem Ätherischen und Astralischen zugrunde liegt, dann müssen wir uns sagen: Gerade so, wie das Ich selber als ein Geistiges von innen heraus arbeitet, indem der Mensch sich entwickelt in seinen drei Wesensgliedern, so müssen — nennen wir es nun geistige Wesenheiten oder geistige Tätigkeiten, darauf kommt es nicht an — gearbeitet haben an unserem physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, bevor das Ich sich geltend machte und in dem schon Bearbeiteten ein Stück weiterarbeitete. Wir schauen damit zurück in Zeiten, in denen sozusagen eine ebensolche Tätigkeit auf unseren Astralleib, Ätherleib und physischen Leib stattgefunden hat, wie heute eine Tätigkeit stattfindet vom Ich nach außen in diese drei Glieder hinein. Das heißt, wir müssen davon sprechen, daß geistiges Schaffen, geistige Tätigkeit an dem gearbeitet hat, worinnen wir eingehüllt sind, und Form, Bewegung, Gestalt und alles gegeben haben, bevor das Ich in die Lage kam, sich darinnen festzusetzen. Wir müssen davon sprechen, daß es geistige Betätigungen im Menschen gibt, die vor der Tätigkeit des Ich liegen, und daß wir geistige Tätigkeiten in uns tragen, welche die Voraussetzung für die Ich-Tätigkeit sind, und die vorhanden waren, bevor das Ich eingreifen konnte. Scheiden wir daher für einen Augenblick alles aus, was unser Ich herausgearbeitet hat aus den drei Gliedern unserer Wesenheit als Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und betrachten wir den Bau, die innere Bewegung und Tätigkeit dieser drei Hüllen der menschlichen Wesenheit, so müssen wir sagen, daß vor der Tätigkeit des Ich eine geistige Tätigkeit auf uns ausgeübt worden ist.

[ 10 ] If the fact is now quite clear that everything which surrounds us in the outside world is spirit, that there is a spiritual foundation to everything material, etheric and astral, as we have emphasised so often, then we have to say: the ego works as a spiritual being from the inside outwards, as the human being develops the three members of his being; in a similar manner—whether we call them spiritual beings or spiritual actions is not important—must have been working on our physical, ether and astral bodies before the ego emerged, which then took over this development. We are looking back at a time in which the same action on our astral body, ether body and physical body occurred as today is done by the ego outwards into these three members. That is to say, before the ego was ready to establish itself within them, spiritual creation, spiritual actions, worked on our sheaths and gave them form, movement, shape. There are spiritual actions in the human being which occur before the activities of the ego, if we exclude for a moment all that which our ego has transformed in the three members of our being as sentient soul, intellectual soul and consciousness soul, and regard the construction, the inner movement and action of these three sheaths of the human being.

[ 11 ] Daher sprechen wir in der Geisteswissenschaft davon, daß wir es beim Menschen, so wie er heute ist, mit einer individuellen Seele zu tun haben, mit einer von einem Ich durchwobenen Seele, wodurch jeder Mensch eine in sich selbst geschlossene Individualität ist. Und wir sprechen davon, daß, bevor der Mensch eine solche in sich geschlossene Ich-Wesenheit geworden ist, er das Ergebnis war einer Gruppenseele, einer Seelenhaftigkeit, so wie wir heute in der Tierwelt von Gruppenseelen noch sprechen. Da sagen wir: Was wir beim Menschen in jeder einzelnen Wesenheit als individuelle Seele suchen, das finden wir beim Tier in demjenigen, was einer ganzen Art oder Gattung im Tierreich zugrunde liegt. Eine ganze Tiergattung hat eine gemeinsame tierische Gruppenseele. Was beim Menschen die individuelle Seele ist, das ist beim Tier die Gattungsseele.

[ 11 ] That is why in spiritual science we talk of the human being as he is today as being an individual soul, a soul transfused with an ego, which makes every human being into a self-contained individuality. Before the human being became such a self-contained ego-being, he was part of a “group-soul”, part of a quality of soul which we still refer to today in the animal world as group-soul.3 Cf. the lecture “Die Seele der Tiere im Lichte der Geisteswissenschaft”, Berlin, 23rd January 1908, in: Die Erkenntnis der Seele und, des Geistes, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Switzerland. (GA 56) What occurs in the human being as individual soul in each person, that occurs in the animal world as the basis of the whole species or family. A whole species of animal has a common group-soul. The individual human soul is equivalent to the soul of the species in the animal.

[ 12 ] So arbeitete beim Menschen in seinen drei Wesensgliedern, bevor er eine individuelle Seele wurde, eine andere Seele — von der wir heute nur noch durch die Geisteswissenschaft Kunde erhalten —, welche die Vorgängerin unseres eigenen Ich war. Und diese Vorgängerin unseres Ich, diese Gruppen- oder Gattungsseele des Menschen, welche dann dem Ich die von ihr bearbeiteten drei Wesensglieder übergab, den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib, um sie vom Ich weiter bearbeiten zu lassen, hat in ganz ähnlicher Art von ihrem Inneren, Seelenhaften heraus den physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib umgestaltet, bearbeitet, nach sich geregelt. Und die letzte Tätigkeit, die dem menschlichen Wesen zugrunde liegt, bevor es mit einem Ich begabt worden ist, die letzten Einflüsse, die vor der Geburt des Ich liegen, sie sind heute in dem niedergelegt, was wir die menschliche Sprache nennen. Wenn wir daher von unserem Bewufßtseinsleben, von unserem Verstandes- und Gemütsleben, von unserem Empfindungsleben ausgehen und auf das schauen, was seine Voraussetzungen sind, so kommen wir zu einer Seelenarbeit, die noch nicht von unserem Ich durchwirkt war, und deren Ergebnis wir in dem niedergelegt finden, was heute in der Sprache zum Ausdruck kommt.

[ 12 ] Thus before man became an individual soul another soul was working in the three members of his being of which we have knowledge today only through spiritual science, a soul which was the precursor of our individual ego. And this precursor of our ego, which then passed on to the ego the physical body, ether body and astral body in order that the ego might continue to transform them, this group-soul also transformed from within itself the physical body, ether body and astral body and ordered them according to itself. And the final activity of the human being before he was endowed with an ego, the final influence which lies before the birth of the ego, is present today in what we call human language. When we therefore consider what preceded the life of our consciousness soul, our intellectual or mind soul and our sentient soul, we come across an activity of the soul which is not yet transfused by the ego and its result is present today in the expression of language.

[ 13 ] Worin beruht denn äußerlich das, was wir als die vier Glieder der menschlichen Wesenheit bezeichnen? Wie drückt es sich im physischen Leibe rein äußerlich aus? Der physische Leib einer Pflanze sieht anders aus als der physische Leib eines Menschen. Warum? Weil in der Pflanze nur der physische Leib und der Ätherleib vorhanden sind, während im menschlichen physischen Leibe noch der astralische Leib und das Ich wirken. Was da innerlich wirkt, das formt und gestaltet auch den physischen Leib entsprechend um. Was hat denn in unseren physischen Leib hineingewirkt, indem er von einem Ätherleib oder Lebensleib durchsetzt worden ist?

[ 13 ] What is the outward appearance of the four members of the human being? How are they expressed purely outwardly in the physical body? The physical body of a plant looks different from the physical body of a human being. Why? Because in the plant only the physical body and the ether body are present, whereas in the human physical body the astral body and the ego are present as well. This inward activity forms and refashions the physical body correspondingly. How is the physical body affected when it is permeated by an ether or life body?

[ 14 ] Was wir in uns das Gefäß- oder Drüsensystem nennen, ist beim Menschen und auch beim Tier der äußere physische Ausdruck des Äther- oder Lebensleibes, das heißt, der Ätherleib ist der Architekt oder Bildner von dem, was wir das Drüsen- oder Gefäßsystem nennen. Der astralische Leib ist wiederum der Bildner von dem, was wir das Nervensystem nennen. Daher haben wir nur dort ein Recht von einem Nervensystem zu sprechen, wo ein astralischer Leib in einem Wesen vorhanden ist. Was ist nun beim Menschen der Ausdruck seines Ich? Das ist das Blutsystem, und zwar beim Menschen speziell das, was wir Blut unter dem Einfluß der inneren Lebenswärme nennen können. Alles, was das Ich am Menschen arbeitet, geht, wenn es in den physischen Leib hineingestaltet werden soll, auf dem Umwege durch das Blut. Deshalb ist das Blut ein so ganz «besonderer Saft». Wenn das Ich die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele ausarbeitet, so dringt das, was das Ich vermag auszugestalten, zu konfigurieren, nur dadurch in den physischen Leib, daß das Ich die Fähigkeit hat, auf dem Umwege durch das Blut in den physischen Leib arbeitend einzugreifen. Unser Blut ist der Vermittler für astralischen Leib und Ich und alle ihre Tätigkeiten.

[ 14 ] The glandular system is the outward physical expression in man and animal of the ether or life body; that is to say, the ether body is the architect of the glandular system. The astral body formed the nervous system. That is why it is correct to talk of a nervous system only in those beings where an astral body is present. What, now, is the expression in the human being of his ego? It is the circulatory system and specifically what might be called the blood under the special influence of the inner life warmth. All the work which the ego does on the human being when it transforms the physical body is channelled via the blood. That is why the blood is of such special nature. When the ego transforms the sentient soul, the intellectual soul and the consciousness soul, then all the work that the ego achieves only penetrates into the physical body because the ego has the ability to affect the physical body via the blood. Our blood is the mediator for the astral body and the ego and all their activity.

[ 15 ] Wer wird nun daran zweifeln, wenn er das menschliche Leben auch nur oberflächlich betrachtet, daß der Mensch, so wie er von seinem Ich aus in der Bewußtseinsseele, Verstandesseele und Empfindungsseele arbeitet, auch seinen physischen Leib umformt und umgestaltet? Wer würde nicht in dem physiognomischen Ausdruck eine Ausgestaltung dessen sehen, was im Inneren wirkt und lebt? Und wer würde nicht zugeben, daß selbst das, was innere Gedankenarbeit ist, wenn es die ganze Seele ergreift, auch noch im Verlaufe eines Menschenlebens umgestaltend auf unser Gehirn wirkt? Unser Gehirn paßt sich unserem Denken an; es ist ein Werkzeug, das sich nach den Bedürfnissen unseres Denkens formt. Aber wenn wir uns das anschauen, was der Mensch heute schon von seinem Ich aus an seiner eigenen äußeren Wesenheit auszuarbeiten, gleichsam künstlerisch zu gestalten vermag, so ist es sehr wenig. Es ist wenig, was wir von unserem Blut aus dadurch zu tun vermögen, daß wir das Blut von dem aus, was wir unsere innerliche Wärme nennen, in Bewegung setzen.

[ 15 ] There can be no doubt if we look at human life, even on a superficial level only, that the human being transforms the physical body with the ego in the same way as he transforms the consciousness soul, the intellectual soul and the sentient soul. Who would deny that the physiognomy expresses what lives and works inwardly. And who would deny that inward thinking, if it takes hold completely of the soul, transforms the brain even in the course of one life. Our brain is a tool which adapts to the requirements of our thinking. But if we consider the amount which the human being can transform, artistically fashion as it were, his outer being through the ego, it is very small. It is very little which we can do with our blood by setting the blood in motion with what we call our inner warmth.

[ 16 ] Mehr haben diejenigen geistigen Wesenheiten vermocht, welche der Arbeit unseres Ich vorangegangen sind. Denn sie haben sich sozusagen eines wirksameren Mittels bedienen können, und so bildete sich unter ihrem Einfluß die menschliche Form so aus, daß sie im ganzen ein Ausdruck dessen ist, was diese vor dem menschlichen Ich arbeitenden geistigen Wesenheiten aus dem Menschen gemacht haben. In welchem Mittel arbeiteten denn diese Wesenheiten? Sie arbeiteten in keinem anderen Mittel als in der Luft. Wie wir in der innerlichen Wärme arbeiten und unser Blut pulsieren machen und dadurch das Blut in unserer eigenen Form zur Wirkung bringen, so brachten die vor unserem Ich an uns arbeitenden Wesenheiten die Luft zur Wirkung. Und von der Arbeit dieser Wesenheiten durch die Luft an uns selber ging etwas aus, was uns als Menschen eigentlich unsere Gestalt gegeben hat.

[ 16 ] Those spiritual beings which preceded our ego managed to achieve more, for they were able to make use of a more effective means; thus the human form took shape under their influence in such a way that it is an overall expression of what those forces made of the human being. These beings used the substance of air. In the same way that we use the inner warmth to make our blood pulse—thus making the blood active in our own form—the beings working on us previous to our ego made the air serve their purpose. And the work of these beings on us through air created what gives us our form as human beings.

[ 17 ] Es kann sonderbar erscheinen, wenn hier davon gesprochen wird, daß geistige Tätigkeiten durch die Luft am Menschen in urferner Vergangenheit gearbeitet haben. Ich habe schon einmal gesagt: Was in unserem Inneren auflebt als unser eigenes geistig-seelisches Leben, das würden wir verkennen, wenn wir es als bloße Vorstellungen aufnähmen und nicht wüßten, daß es aus der ganzen Außenwelt genommen ist. Wer da behaupten wollte, daß in uns Begriffe und Ideen entständen, wenn es auch draußen keine Ideen gäbe, der sollte auch nur gleich behaupten, daß er Wasser aus einem Glase schöpfen kann, in welchem kein Wasser ist. Unsere Begriffe wären Schaumgebilde, wenn sie etwas anderes wären als das, was auch in den Dingen draußen lebt, und was an den Dingen als ihre Gesetze vorhanden ist. Wir holen das, was wir in unserer Seele aufleben lassen, aus unserer Umgebung heraus. Deshalb können wir sagen: Alles, was uns materiell umgibt, ist durchwirkt und durchwoben von geistigen Wesenheiten.

[ 17 ] It might seem strange that we speak of spiritual forces working on the human being in the far distant past through air. But it is not the first time I have said that it is a misjudgement to think of the soul and spirit life of our inner being only as product of the imagination, and not to realise that it has been taken from the outside world as a whole. Whoever states that concepts and ideas could arise in us without ideas existing in the outside world might just as well say that he can take water from a glass in which there is none. Our concepts would be nothing more than froth if they were anything other than what lives in outside things and what is present in those things as their laws. We fetch that which we allow to develop in our souls from our environment. That is why we can say: everything material which surrounds us is interwoven with spiritual beings.

[ 18 ] So sonderbar es klingen mag: Was uns als Luft umgibt, ist nicht nur der Stoff, den uns die Chemie zeigt, sondern darinnen wirken geistige Wesenheiten und geistige Tätigkeiten. — Und so wie wir durch die Blutwärme, die von unserem Ich ausgeht — denn das ist das Wesentliche dabei —, unseren physischen Leib ein klein wenig formen können, so formten in mächtiger Weise diese Wesenheiten, die dem Ich vorangingen, an der äußeren Gestalt unseres physischen Menschen durch die Luft. Das ist für uns das Wesentliche. Wir sind Menschen durch unsere Kehlkopfeinrichtung und durch alles, was damit zusammenhängt. Was uns von außen als dieses wunderbare künstlerische Organ des Kehlkopfes im Zusammenhange mit den übrigen Stimm- und Sprachwerkzeugen eingeformt ist, ist aus dem herausgearbeitet, was die Luft geistig ist. Goethe hat so schön in bezug auf das Auge gesagt: Das Auge ist am Lichte für das Licht gebildet! — Wenn man im Schopenhauerischen Sinne nur betont: Ohne ein lichtempfindendes Auge wäre für uns der Lichteindruck nicht da —, so sagt man damit nur eine halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist die, daß wir kein Auge haben würden, wenn nicht aus unbestimmten Organen in urferner Vergangenheit das Licht gleichsam plastisch aus uns das Auge herausgebildet hätte. Wir haben daher im Lichte nicht bloß jene abstrakte Wesenheit zu sehen, die man heute physikalisch als Licht beschreibt, sondern im Lichte haben wir jene verborgene Wesenheit zu suchen, die imstande ist, sich ein Auge zu schaffen.

[ 18 ] Strange as it may sound, what surrounds us as air is not merely the substance as shown by chemistry, but spiritual beings and spiritual forces are active in it. And in the same way that we can transform our physical body a small amount by the warmth which streams forth from our ego—that is the essential element—in the blood, the beings which preceded the ego formed in a powerful way the outer form of our physical being by means of the air. We are human beings because of our larynx and everything connected with that. The larynx, sculpted from outside into us as this wonderful artistic organ and connected with the other vocal and speech organs, was created from the spiritual element in the air. Goethe said very aptly with reference to the eye: “The eye is fashioned by the light for the light!”4 Johann Wolfgang von Goethe, “Entwurf einer Farbenlehre”, des ersten Bandes erster, didaktischer Teil, in: Goethes Naturwissenschaftliche Schriften, ed. Rudolf Steiner, reprint Dornach 1975, vol. 111, P.88. If, in the sense of Schopenhauer,5 Arthur Schopenhauer, 1788–1860, German philosopher. it is now stressed that without an eye sensitive to light there would be no impression of light for us, then this is only half the truth. The other half is that we would have no eye if the light had not sculpted, as it were, our eyes from undefined organs in the far distant past. Light must therefore be seen not only as the abstract entity which is described today as physical light; but in light we have to search for that hidden being which is capable of creating the eye for itself.

[ 19 ] Das ist auf einem anderen Gebiete dasselbe, als wenn wir davon sprechen, daß die Luft von einer Wesenheit durchwirkt und durchlebt ist, die imstande war, in einer gewissen Zeit dem Menschen das kunstvolle Organ des Kehlkopfes und alles, was damit zusammenhängt, einzuprägen. Und alle übrige menschliche Gestalt — bis ins Kleinste hinein — ist so geformt und plastisch gestaltet worden, daß der Mensch auf der gegenwärtigen Stufe gleichsam eine weitere Ausführung seiner Sprachwerkzeuge ist. Die Sprachwerkzeuge sind etwas, was zunächst für die Form des Menschen das eigentlich maßgebende ist. Daher hebt gerade die Sprache den Menschen “über die Tierheit hinaus, weil jenes geistige Wesen, das wir den Geist der Luft nennen, zwar auch in der Tierheit geformt und gearbeitet hat, aber nicht so, daß diese Wirksamkeit bis dahin gelangt wäre, wo sich ein Sprachorganismus entwickeln konnte, wie ihn der Mensch hat. Alles, mit Ausnahme dessen, was das Ich unbewußt, zum Beispiel als Gehirn herausgearbeitet hat, was es an den Sinnen vervollkommnet hat, alles, mit Ausnahme dessen, was Ich-Tätigkeit ist, ist eine vor dieser Ich-Tätigkeit des Menschen liegende Tätigkeit, die darauf bedacht war, den Menschenleib so auszubilden, daß er ein weiterer Ausdruck dieses Sprachorganes ist. Es ist jetzt keine Zeit dazu, auszuführen, warum zum Beispiel die Vögel trotz ihres vollkommenen Gesanges auf einer Stufe stehengeblieben sind, auf der sie in ihrer Form nicht ein Ausdruck desjenigen Organes sein können, das wir im weitesten Umfange das Stimmorgan nennen.

[ 19 ] Similarly we can say in another respect that the air is full of beings which were able at certain times to create in the human being the intricate organ of the larynx and all that is connected with it. And the rest of the human form to the smallest detail has been formed and sculpted in such a manner that man in his present stage is a further development of his speech organs, as it were. The speech organs are something decisive for the human form in the first instance. That is why it is speech that transcends man above the animals. For the spiritual being which we call the spirit of the air also fashioned the animals, but not to such a level where they could develop the facility of speech such as the human being has it.

[ 20 ] So sehen wir, wie der Mensch innerlich schon in seinen Sprachorganen organisiert gewesen ist, bevor er zu seinem jetzigen Denken, zu seinem Gemüt und seinem Willen gekommen ist, das heißt zu allem, was mit dem Ich zusammenhängt. Nun werden wir es begreiflich finden, daß diese geistigen Tätigkeiten nur so am physischen Leib formen konnten, daß der Mensch zuletzt gleichsam ein Anhangorgan seiner Sprachwerkzeuge wurde, indem sie den astralischen Leib, den Ätherleib, den physischen Leib durch die Einflüsse, durch die Konfiguration der Luft ausbauten. Nachdem der Mensch so fähig geworden war, in sich ein Organ zu haben, das dem entspricht, was wir die geistige Wesenheit der Luft nennen, geradeso wie das Auge der geistigen Wesenheit des Lichtes entspricht, konnte er da hineinkonfigurieren, was sein Ich als Verstand, als Bewußtsein, Empfindung, Gemüt sich selber einprägte. So müssen wir eine dreifache Tätigkeit im Unterbewußten suchen, eine gleichsam vor dem Ich liegende Tätigkeit für den physischen Leib, den Ätherleib und den astralischen Leib. Wir finden Anhaltspunkte dazu, indem wir wissen, daß dies die Gruppenseele gewesen ist, und daß die Gruppenseele in einer unvollkommenen Tätigkeit am Tier gearbeitet hat.

[ 20 ] We see that the human being had internally already developed his speech organs by the time that he developed his present thinking, his feelings and his will, that is to say, everything connected with his ego. Now it can be understood why these spiritual forces could only work on the physical body in such a manner that the human being finally became like an appendix to his speech organs, because they developed the astral body, ether body and physical body through the influence, the configuration of the air. After the human being had become capable of having within him an organ which corresponded to what we have called the spiritual beings of the air, in the same way that the eye corresponds to the spiritual beings of the light, he could fashion into this what the ego developed in itself as reason, as consciousness, feeling, emotion. Thus there is a threefold activity in the subconscious; activity on the physical body, the ether body and the astral body which existed previous to the ego. We can recognise this if we know that it was the group-soul and that the group-soul worked in an imperfect manner in the animal.

[ 21 ] Das müssen wir betrachten, wenn wir die Arbeit dieser vor dem Ich liegenden geistigen Tätigkeit im astralischen Leib ins Auge fassen. Da müssen wir alles Ich ausgeschaltet denken, aber dabei das ins Auge fassen, was das Gruppen-Ich wie aus einem dunklen Untergrunde heraus gearbeitet hat. Da stehen sich im astralischen Leib auf einer unvollkommenen Stufe gegenüber Begierde und Genuß. Und die Begierde konnte dadurch gleichsam verseelt werden, in eine innere Fähigkeit umgearbeitet werden, daß sie schon einen Vorläufer in dem astralischen Leib des Menschen hatte.

[ 21 ] This has to be taken into consideration if we regard the work of the spiritual forces occurring before the ego in the astral body. We have to exclude everything concerning the self and observe the work done by the group-self from dark foundations. Desire and gratification face each other in the astral body on a level of imperfection. Desire was able to become a soul quality, an inner faculty, because it already had a precursor in the astral body of the human being.

[ 22 ] Wie Begierde und Genuß im astralischen Leib, so stehen sich gegenüber im Ätherleibe Bildhaftigkeit, Symbolik und äußerer Reiz. Das ist das Wesentliche, daß wir diese vor dem Ich liegende Tätigkeit unseres Ätherleibes so auffassen, daß sie sich von der Ich-Tätigkeit im Ätherleib unterscheidet. Wenn unser Ich tätig ist als Verstandesseele oder Gemütsseele, so sucht es auf der heutigen Entwickelungsstufe des Menschen sozusagen eine Wahrheit, die möglichst ein getreues Abbild der äußeren Dinge ist. Was nicht genau den äußeren Dingen entspricht, nennt man nicht wahr. Diejenigen geistigen Tätigkeiten, die vor der Wirksamkeit unseres Ich liegen, arbeiteten nicht so; sie arbeiteten mehr symbolisch, mehr bildhaft, wie etwa der Traum arbeitet. Der Traum arbeitet zum Beispiel so, daß jemand träumt, es werde ein Schuß abgefeuert, und wenn er aufwacht, sieht er, daß der Stuhl neben seinem Bett umgefallen ist. Was äußerliches Geschehnis und äußerer Eindruck ist — der umgefallene Stuhl —, wird im Traum in ein Sinnbild umgewandelt, in den abgefeuerten Schuß. So arbeiteten die vor dem Ich liegenden geistigen Wesenheiten symbolisch, wie wir wiederum arbeiten, wenn wir uns zu einer höheren geistigen Tätigkeit durch die Initiation oder Einweihung hinaufarbeiten, wo wir wiederum versuchen — jetzt aber mit vollem Bewußtsein —, von der bloßen abstrakten Außenwelt uns in die Symbolik, in die Bildhaftigkeit hineinzuarbeiten.

[ 22 ] Similar to desire and gratification in the astral body, imagery, symbolism, and outer stimulus face each other in the ether body. It is most important to distinguish the activity of our ether body preceding the ego from the activity of the ego in the ether body. When the ego is active as intellectual or mind soul, then, at the present stage of development of the human being, it seeks a truth which is as nearly as possible a true picture of the outer world. Those things which do not exactly correspond to outward things are not called “true”. The spiritual activities which lie before the advent of our ego do not work in this manner; they work more symbolically, in the image, rather like a dream works. A dream works in the following manner, for example, that someone dreams of a shot being fired; and when he wakes up he sees that the chair next to the bed has fallen over. What is outer happening and outer impression—the falling over of the chair—is transformed into an image in the dream, into the shot. In this way the spiritual beings preceding the ego work symbolically in the same way that we will work again when we achieve a higher spiritual activity by initiation; here we try—but this time with full consciousness—to work towards a symbolic view, an imaginative conception, away from the purely abstract outside world.

[ 23 ] Dann arbeiteten diese geistigen Wesenheiten an dem menschlichen physischen Leib, indem sie den Menschen zu dem machten, was man nennen kann Entsprechung von äußeren Geschehnissen, äußeren Tatsachen und Nachahmung. Nachahmung ist etwas, was wir zum Beispiel beim Kind finden, wenn noch die anderen Seelenglieder wenig entwickelt sind. Nachahmung ist etwas, was zum unterbewußten Wesen der Menschennatur gehört. Daher sollen wir die erste Erziehung auf Nachahmung begründen, weil im Menschen, bevor das Ich beginnt, in seinen inneren Tätigkeiten Ordnung zu schaffen, der Nachahmungstrieb wie ein natürlicher Trieb vorhanden ist.

[ 23 ] Then the spiritual beings working in the human physical body transformed it into what might be called a correspondence of outer events, outer facts, and imitation. Imitation is something which we find in the child, for example, when the other soul members are still hardly developed. Imitation is something that belongs to the subconscious human nature. That is why education should start with imitation, because before the ego begins to create order in the human being, the drive to imitate is present as a natural drive.

[ 24 ] Was jetzt auseinandergesetzt worden ist: der Nachahmungstrieb im physischen Leibe gegenüber den äußeren Tätigkeiten, das Symbolisieren im Ätherleibe gegenüber dem äußeren Reiz, und das, was wir nennen können das Entsprechen von Begierde und Genuß im astralischen Leib, das alles denken wir uns ausgearbeitet mit Hilfe des Werkzeuges der Luft und hineingearbeitet in uns so, daß gleichsam ein plastischer, ein künstlerischer Eindruck davon entstanden ist in unserem Kehlkopf und in unserem ganzen Stimmapparat. Dann werden wir uns sagen können: Diese vor dem Ich liegenden Wesenheiten arbeiteten am Menschen so, daß sie durch die Luft an dem Menschen in der Weise formten und gliederten, daß nach dieser dreifachen Richtung hin die Luft im Menschen zum Ausdruck kommen konnte.

[ 24 ] The drive to imitate in the physical body in contrast to outer activities, symbolising in the ether body in contrast to outer stimulus, and the correspondence of desire and gratification in the astral body all have to be considered as having been created with the aid of the tool of air—and having been created in such a manner that a sculpted, an artistic impression as it were, has been created in our larynx and in the whole of the speech apparatus. It can then be said: these beings preceding the ego worked on the human being in such a manner that they formed and ordered him such that the air could come to expression in him in this threefold direction.

[ 25 ] Wenn wir nämlich im wahren Sinne des Wortes das Sprachvermögen betrachten, so müssen wir fragen: Ist es der Ton, was wir hervorbringen? — Nein, der Ton ist es nicht. Was wir tun, das ist, daß wir von unserem Ich aus dasjenige in Bewegung setzen und formen, was durch die Luft in uns hineingeformt und hineingegliedert ist. Gerade so, wie wir das Auge in Bewegung setzen, um das aufzunehmen, was äußerlich als Licht wirkt, während das Auge selbst zu dieser Aufnahme von Licht da ist, so sehen wir, wie in uns selber vom Ich aus jene Organe in Bewegung gesetzt werden, die aus dem Geistigen der Luft heraus gebildet worden sind. Wir setzen die Organe in Bewegung durch das Ich; wir greifen in die Organe ein, die dem Geist der Luft entsprechen, und wir müssen abwarten, bis der Geist der Luft, von dem die Organe gebildet sind, uns selber — als Echo unserer Lufträtigkeit — den Ton entgegentönt. Den Ton erzeugen wir nicht, wie auch nicht die einzelnen Teile einer Pfeife den Ton erzeugen. Wir erzeugen von uns aus dasjenige, was unser Ich als Tätigkeit entfalten kann durch die Benutzung jener Organe, die aus dem Geiste der Luft heraus gebildet sind. Dann müssen wir es dem Geist der Luft überlassen, daß die Luft wieder in Bewegung kommt durch jene Tätigkeit, durch welche die Organe erzeugt worden sind, so daß das Wort erklingt.

[ 25 ] For when we look at language capability in the true sense of the word, we have to ask: does it consist of the sound which we utter? No, it is not the sound. Our ego sets in motion what has been created into us by the air. In the same way that we move the eye to take in the outward light, whilst the eye itself exists to take light in, our ego within us sets in motion those organs which have been formed by the spiritual beings in the air. We set the organs in motion by the ego; we activate the organs which correspond to the spirit of the air and we have to wait until the spirit of the air who formed the organs sounds back at us the tone as an echo of our action on the air. We do not produce the tone, just as the individual parts of a pipe do not produce the tone. Our ego develops activity by the use of those organs which have been created from the spirit of the air. Then we have to wait for the latter to set the air in motion again such that the word sounds by the original activity which produced the organs.

[ 26 ] So sehen wir in der Tat, wie die menschliche Sprache auf diesem dreifachen Entsprechen, das wir angeführt haben, beruhen muß. Aber, was soll sich entsprechen? Worauf soll gerade die Nachahmung im physischen Leibe beruhen? Die Nachahmung im physischen Leibe muß darauf beruhen, daß wir dasjenige, was wir als äußerliche Tätigkeiten, als äußere Dinge wahrnehmen, was einen Eindruck auf uns macht, in den Bewegungen unserer Stimmorgane nachahmen, daß wir alles, was wir zunächst als Ton widerklingend hören, hervorbringen, indem wir durch das Prinzip des physischen Leibes Nachahmende dessen sind, was einen äußeren Eindruck auf uns macht, geradeso wie der Maler eine Szene nachahmt, die in ganz anderen Elementen als Farbe und Leinwand, Hell und Dunkel besteht. Wie der Maler mit Hell und Dunkel nachahmt, so ahmen wir nach, was äußerlich an uns herantritt, indem wir unsere Organe nachahmend in Bewegung setzen, jene Organe, die aus dem Element der Luft gebildet worden sind. Deshalb ist das, was wir im Laut hervorbringen, eine wirkliche Nachahmung des Wesens der Dinge, und unsere Konsonanten und Vokale sind nichts anderes als Abbilder und Nachahmungen dessen, was von außen einen Eindruck auf uns macht.

[ 26 ] Thus we can indeed see that human language must rest on the threefold correspondence which was mentioned. How does this correspondence work? Imitation in the physical body rests on the speech organs imitating those things which are outward activities, outward objects which make an impression on us, and producing them as sound in the same way that a painter imitates a scene which consists of quite different constituents than paint, canvas, light and dark. Similar to the painter who imitates with light and dark we imitate the environment with our organs which were formed from elements of the air. That is why what we produce in sound is a true imitation of the essence of an object; and our vowels and consonants are nothing but images and imitations of those things which make an impression on us from the outside.

[ 27 ] Was wir dann im Ätherleib haben, ist eine bildhafte Arbeit. Da wird in den Ätherleib hineingearbeitet, was wir Symbolik nennen können. Daher müssen wir es begreiflich finden, daß allerdings zuerst durch Nachahmung dasjenige entstanden ist, was die ersten Elemente unserer Sprache sind, daß dies dann aber fortgebildet wurde, indem es sich gleichsam losriß von den äußeren Eindrücken und dann weiterverarbeitet wurde. Da verarbeitet der Ätherleib in der Symbolik, wie beim Traum, dasjenige, was den äußeren Eindrücken nicht mehr ähnlich ist, und darinnen besteht das Fortwirkende des Lautes. Zunächst verarbeitet der Ätherleib dasjenige, was eine bloße Nachahmung ist, dann arbeitet sich das, was bloße Nachahmung ist, im AÄtherleib selbständig um, so daß es dadurch ein Selbständiges wird. So ist das, was wir innerlich verarbeitet haben, nur noch symbolisch, sinnbildlich den äußeren Eindrücken entsprechend. Da sind wir nicht mehr bloße Nachahmende.

[ 27 ] The next thing is the image in the ether body, what we might call symbolism. The first elements of our language were created by imitation, but then this developed further by tearing itself away, as it were, from outward impressions. The ether body assimilates—such as in the dream—those things which no longer correspond to outer experiences; that is the developing element in sound. Initially the ether body assimilates the pure imitation; then the imitation is transformed in the ether body so that it becomes something independent and, because it has been through an internal process, corresponds to outward impressions only symbolically as image: we are no longer merely imitators.

[ 28 ] Und endlich kommt ein Drittes. Begierde, Affekt, alles, was innerlich lebt, drückt sich im astralischen Leib aus, und das wirkt wieder so, daß es den Ton weiter umformt. Das heißt, die innerlichen Erlebnisse strahlen gleichsam von innen heraus in den Ton ein. Schmerz und Freude, Lust und Leid, Begierde, Wunsch, das alles strahlt in den Ton ein, und dadurch kommt das subjektive Element in den Ton hinein. Was bloße Nachahmung ist, was weitergebildet ist als Sprachsymbolum in dem selbständig gewordenen Tonbild oder Wortbild, das wird jetzt weiter umgebildet, indem es durchstrahlt wird von dem, was der Mensch innerlich erlebt als Schmerz und Freude, Lust und Leid, Entsetzen und Furcht und so weiter. Immer muß es ein äußerliches Entsprechen sein, was sich im Ton von der Seele losringt. Aber wenn die Seele innerlich das, was sie erlebt, ausdrückt, es gleichsam im Ton ausklingen läßt, dann muß sie das äußere Erlebnis erst dazu suchen. Daher müssen wir sagen: Das dritte Element, wo sich innerlich, seelenhaft, Lust und Leid, Schmerz und Freude, Entsetzen und so weiter im Ton ausdrückt, das muß erst suchen, was ihm entspricht. Bei der Nachahmung ist der äußere Eindruck nachgeahmt, das innere Tonbild oder dasjenige, was als Symbol entstanden ist, ist eine Weiterbildung. Aber dasjenige, was der Mensch nur aus innerer Freude, Schmerz und so weiter ertönen ließe, das würde ja nur eine Ausstrahlung sein, dem nichts entsprechen könnte. Was hier die Entsprechung zwischen äußerem Wesen und innerem Erleben ist, das heißt, was hier geschieht, das können wir fortwährend bei unseren Kindern beobachten, wenn sie sprechen lernen. Da können wir sehen, wie das Kind beginnt, irgend etwas, was es fühlt, in den Ton umzusetzen. Wenn das Kind zuerst Ma und Pa schreit, so ist das nichts anderes als ein innerliches Umgießen des Affektes in den Laut. Es ist nur die Äußerung eines Inneren. Wenn aber dieses Kind sich so äußert, dann kommt zum Beispiel die Mutter herbei, und das Kind merkt dann, daß demjenigen, was sich innerlich als Freude äußert, indem es sich umgießt in den Laut Ma, ein äußeres Ereignis entspricht. Das Kind fragt natürlich nicht, wie das geschieht, daß es in diesem Falle dem Herbeieilen der Mutter entspricht. Da gesellt sich zusammen inneres Erlebnis von Freude oder Schmerz und äußerer Eindruck, und es verbindet sich das, was von innen hervorstrahlt mit dem äußeren Eindruck. Das ist eine dritte Art, wie die Sprache wirkt. Daher können wir sagen: Die Sprache ist ebensosehr von außen nach innen durch Nachahmung entstanden, wie sie entstanden ist durch das, was man nennen kann das Hinzugesellen der äußeren Wirklichkeit zu dem, was unser Inneres äußert. Denn das, was dazu geführt hat aus einer inneren Äußerung — Ma, Pa — die Worte Mama und Papa zu bilden, weil diese Äußerung sich im Herbeieilen von Mutter oder Vater befriedigt fühlte, das geschieht in unzähligen Fällen. Überall, wo der Mensch sieht, daß irgend etwas auf eine innere Äußerung folgt, da verbindet sich für ihn das, was der Ausdruck der inneren Wesenheit ist, mit einem Äußeren.

[ 28 ] And thirdly, desire, emotion, everything which lives internally is expressed in the astral body. This works in such a manner that it continues to transform the sound. The internal experiences flow from the inside into the sound: pain and pleasure, joy and sorrow, desires, wishes; all these things stream into the sound and bring the subjective element into it. What started as pure imitation was then transformed into the language symbol in the independent sound or word image and is now transformed further by the infusion of the human being's internal experiences. It always has to be an outward correspondence which provokes the sound in the soul; when the soul expresses its inward experiences, pleasure and pain, joy and sorrow and all the others, in sound it has to search for a corresponding outer form. At the first stage the outer impression is imitated. The inner sound image or the creation of the symbol is the next step. But the inner experiences, such as joy and sorrow, by their nature have no outer equivalent. This correspondence between outer being and inner experience can be observed with children as they learn to speak. One can see how the child begins to transform a feeling into a sound. When the child initially calls “ma” or “pa” then this is only the inner transformation of an emotion into sound. It is only the expression of something inward. But when the child expresses itself in this way and the mother, for example, comes, the child notices how its inward feeling of pleasure, which is transformed into the sound “ma”, corresponds to an outer event. Of course the child does not enquire how it happens that in this case there is a correspondence with the coming of the mother. The inner experience of pleasure or pain is allied with an outward impression and thus what streams out from the inside is united with the outer impression. That is the third way in which language acts. It is therefore true to say that language originated equally by internal imitation of the outside and by outward reality being linked to our inner experience. The process which happens in innumerable cases, and which is completed when the inner expression “ma” or “pa” is formed into the words “mama” or “papa”, and is satisfied when the father or mother responds. Every time that the human being realises that something happens as a result of an inner expression, the expression of that inner event unites for him with something outward.

[ 29 ] Das alles geschieht ohne Zutun des Ich. Erst später übernimmt das Ich diese Tätigkeit. Auf diese Art sehen wir das, was vor dem Ich liegt, an jener Konfiguration arbeiten, welche der menschlichen Sprachausdrucksfähigkeit zugrunde liegt. Und dadurch, daß das Ich da hineintritt, nachdem die Grundlage zur Sprache bereits geschaffen ist, gliedert sich entsprechend dem Wesen des Ich wiederum die Sprache. Dadurch werden die Äußerungen, welche dem Empfindungsleib entsprechen, von der Empfindungsseele durchdrungen; die Bilder und Symbole, weiche dem Ätherleib entsprechen, werden von der Verstandesseele durchdrungen. Der Mensch gießt hinein in den Laut, was er in der Verstandesseele erlebt, und er gießt ebenso hinein, was er in der Bewußtseinsseele erlebt, was zunächst bloße Nachahmung war. Auf diese Weise sind dann nach und nach jene Gebiete unserer Sprache entstanden, welche Wiedergaben dessen sind, was innere Erlebnisse der Seele darstellen.

[ 29 ] All this takes place without any participation by the ego. It is only at a later stage that the ego takes over this activity. Thus the forces in existence previous to the ego were at work in the configuration which lies at the base of the human language ability. And because the ego took over when the basis for human language had already been created, language then ordered itself according to the ego. Therefore the expression connected with the sentient body is transfused by the sentient soul; the images and symbols connected with the ether body are transfused by the intellectual soul: the human being fills the sound with the experiences of the intellectual soul, and similarly he fills it with the experiences of the consciousness soul, which were initially only imitation. By this process gradually those areas of our language came into existence which represents inner experiences of the soul.

[ 30 ] So müssen wir uns klar sein, um das Wesen der Sprache zu verstehen, daß sozusagen in uns etwas lebt, was vor dem Ich und vor aller Tätigkeit des Ich wirkte, und daß darin erst das Ich hineingegossen hat, was es ausbilden kann. Dann müssen wir aber auch keinen Anspruch darauf machen, daß die Sprache genau dem entspreche, was aus dem Ich stammt, und daß unserem Geistigen, allem Intimeren unserer individuellen Wesenheit genau die Sprache entspricht, sondern wir müssen uns klar sein, daß wir in der Sprache niemals den unmittelbaren Ausdruck des Ich sehen können. Symbolisch zum Beispiel arbeitet der Sprachgeist in dem Ätherleib, nachahmend in dem physischen Leib, das alles zusammen mit dem, was der Sprachgeist aus der Empfindungsseele herausarbeitet, indem er die innerlichen Erlebnisse aus ihr herauspreßt, so daß wir in dem Laut eine Ausstrahlung des Innenlebens haben. Das alles zusammengenommen soll uns rechtfertigen, wenn wir sagen: Nicht nach der Art des im heutigen Sinne bewußten Ich ist die Sprache ausgearbeitet, sondern, wenn wir die Ausarbeitung der Sprache mit irgend etwas vergleichen wollen, können wir sie nur mit dem künstlerischen Arbeiten vergleichen. Ebensowenig wie wir von der Nachahmung, die der Künstler gibt, verlangen können, daß sie der Wirklichkeit entspricht, ebensowenig können wir verlangen, daß die Sprache dasjenige nachbildet, was sie darstellen soll. — Wir haben in der Sprache etwas, was nur so wiedergibt, was draußen ist, wie das Bild, wie der Künstler überhaupt wiedergibt, was draußen ist. Und wir dürfen sagen: Ehe der Mensch ein selbstbewußter Geist im heutigen Sinne war, war in ihm ein Künstler tätig, der als Sprachgeist gewirkt hat. — Wir haben unser Ich hineingelegt in eine Stätte, wo vorher ein Künstler seine Tätigkeit ausgeübt hat. Das ist zwar selbst wieder etwas bildhaft gesprochen, aber es gibt die Wahrheit auf diesem Gebiete wieder. Wir sehen in eine unterbewußte Tätigkeit und fühlen, daß wir da etwas haben, was aus uns selber den sprechenden Menschen als künstlerisches Werk gemacht hat. Und die Sprache müssen wir daher nach Analogie eines Kunstwerkes auffassen. Dazu müssen wir nicht vergessen, daß wir jedes Kunstwerk nur so auffassen können, wie es die Mittel der betreffenden Kunst gestatten. Daher wird uns auch die Sprache gewisse Beschränkungen auferlegen müssen. Wenn man das berücksichtigte, würde es von vornherein ausgeschlossen sein, daß ein aus einem pedantischen Wurf hervorgegangenes Werk zustande kommen könnte wie die «Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner. Da geht die Sprachkritik von ganz falschen Voraussetzungen aus, nämlich davon, daß, wenn man die Sprachen der Menschen übersieht, sie einem in keiner Weise die objektive Wirklichkeit richtig geben. Sollen sie diese denn geben? Ist denn eine Möglichkeit, daß sie diese geben? Geradesowenig ist eine Möglichkeit dafür vorhanden, daß die Sprache die Wirklichkeit wiedergibt, als das Bild, wenn es auf der Leinwand mit Farben und Hell und Dunkel die äußere Wirklichkeit darstellen soll. Mit künstlerischem Sinn muß aufgefaßt werden, was als der Sprachgeist dem Menschenwirken zugrunde liegt.

[ 30 ] That is why, regarding the nature of language, it must be quite clearly understood that there is something in us which was there before the ego, which was then developed by the ego. But then, also, it cannot be claimed that language directly represents the ego, that it represents the spiritual aspect in us, everything which is intimate to our personality; but it must be understood that we can never see in language an immediate expression of the ego. The spirit of language works symbolically in the ether body, imitatively in the physical body; and this is linked with its creative activity in the sentient soul, forcing the inward experiences from it in such a manner that the sound is an expression of the inner life. In sum, language did not develop according to the conscious ego as it is today, but, if the development of language is to be compared to anything at all, its development can only be compared to artistic creation. Just as we cannot demand that the imitation of the artist corresponds to reality, we cannot demand that language copies those things which it is meant to represent. Language only imitates the outside world in a way similar to the picture, to the way that the artist as such imitates outside reality. Before the human being was a self-conscious being in the way that he is today, an artist was at work in him, active as the spirit of language, and our ego is embedded in a place where previously an artist was at work. This in itself is put rather in the form of an image, but it expresses the truth in this field. We observe an unconscious activity and feel that here there is something which created the human being as a work of art. In this respect we must not forget that we can only examine each work of art as permitted by the methods of that art. If this were born in mind, it would preclude from the beginning such pedantic works as Fritz Mauthner's “Kritik der Sprache”.6 Fritz Mauthner, 1849–1923. A new edition of this work, Die Kritik der Sprache, was just being published in 1910. Here the critique of language is based on quite wrong premises; namely, that if we regard human languages they do not in any way represent objective reality. But is that their function in the first place? There is just as little possibility for language to represent reality as there is of the picture representing outward reality in the colours on the canvas and the use of light and shadow. The spirit of language which lies at the foundation of human activity has to be grasped with artistic feeling.

[ 31 ] Das alles konnte nur skizzenhaft dargestellt werden. Wenn man aber weiß, daß ein Künstler in der Menschheit wirkt, der die Sprache formt, dann wird man verstehen — so verschieden auch die einzelnen Sprachen sich ausnehmen mögen —, daß selbst in den einzelnen Sprachen der Menschheit der künstlerische Sinn in der verschiedensten Weise gearbeitet hat. Da werden wir verstehen, wie dieser Sprachgeist — nennen wir jetzt diese durch die Luft wirkende Wesenheit den Sprachgeist —, wenn er sich auf einer verhältnismäßig niederen Stufe im Menschen manifestierte, so arbeitete wie der atomistische Geist, der alles aus den einzelnen Teilen zusammensetzen möchte. Da haben wir denn die Möglichkeit, daß eine Sprache so gefügt ist, daß aus einzelnen Lautbildern der ganze Satz sich zusammensetzt.

[ 31 ] Only a brief outline of these things has been given. But if one knows that an artist who formed language was active in mankind then one can understand—as different as the various languages may be—that even in the individual human languages the artistic element was at work in all sorts of differing ways. Then it can be understood how the spirit of language—let us call this being working in the air the spirit of language—when it reveals itself on a relatively low level in the human being works in an atomistic way by wanting to construct everything from the single parts. That is how it comes about that the individual sounds combine to form a whole sentence.

[ 32 ] Wenn wir zum Beispiel im Chinesischen den Laut sch: und king haben, so haben wir darin zwei Atome der Sprachbildung. Die eine Silbe schi = Lied, Gesang; die andere würde bedeuten: Buch. Wenn wir die beiden Lautbilder zusammensetzten: schi-king, dann würde man es so gemacht haben, wie wenn wir im Deutschen zusammensetzen Lied-Buch, dann würde sich durch diese Atomisierung etwas ergeben, was nun — als Ganzes erfaßt — Lieder-Buch wird. Das würde ein kleines Beispiel dafür geben, wie die chinesische Sprache ihre Begriffe und Vorstellungen bildet.

[ 32 ] If, for example, we take the sounds “shi” and “pian” in Chinese, we have two atoms of language formation; the one syllable “shi” means song, poem, and “pian” means book. If we combine the two sounds, “shi-pian”, then this would be the same as creating the combination “poem-book” in English; something results from the particles which, seen as a whole, produces poetry book. This is only one example of how the Chinese language forms its concepts and ideas.

[ 33 ] Wenn wir das, was wir heute betrachtet haben, in unserer Seele verarbeiten, können wir nun auch begreifen, wie eine so wunderbar gebildete Sprache wie die semitische zum Beispiel in ihrem Geiste zu betrachten ist. In der semitischen Sprache haben wir als Grundlage gewisse Tonbilder, welche eigentlich nur aus Konsonanten bestehen. Und nun setzt der Mensch in diese Tonbilder Vokale hinein. Wenn wir also, um das nur durch ein Beispiel zu erklären, die Konsonanten nehmen \(g\), \(t\), \(l\), und da hineinsetzen ein \(a\) und wiederum ein \(a\), dann wäre, während das nur aus den Konsonanten gebildete Wort die bloße Nachahmung eines äußeren Lauteindruckes ist, durch das Hineinfügen der Vokale entstanden: qatal = töten.

[ 33 ] If we reflect on the things which we have considered today, we can also now understand how a wonderfully formed language such as a Semitic one must be considered in its essence. In Semitic languages we have certain sounds as a foundation which are really only constituted of consonants. And then the human being inserts vowels in between these consonants. If we thus take the consonants q, t, l, just as an example, and insert an a and then another a, then, whilst the word formed purely from the consonants is only an imitation of an outward sound, the word “qatal”, to kill, is created by the addition of the vowels.

[ 34 ] So haben wir hier ein merkwürdiges Durchdringen, indem töten als Tonbild dadurch entstanden ist, daß der äußere Vorgang einfach durch die Sprachorgane nachgeahmt worden ist; das ist zunächst das ursprüngliche Tonbild. Dann wird das, was die Seele weiter zu bilden hat und was nur innerlich erlebt werden kann, weitergebildet, indem aus dem Inneren noch etwas hinzugefügt wird. Es wird das Tonbild weitergebildet, damit das Töten auf ein Subjekt zurückgeht. In dieser Weise ist im Grunde genommen die ganze semitische Sprache zusammengesetzt, und es drückt sich in ihr aus, was wir als das Zusammenwirken der verschiedenen Elemente der Sprachbildung in dem ganzen Bau der Sprache aufgezählt haben. In der Symbolik, die vorzugsweise in der semitischen Sprache wirksam ist — also, was wir im Ätherleib als Sprachgeist wirksam gefunden haben —, zeigt sich uns die ganze Eigentümlichkeit der semitischen Sprache, die alle die nachgeahmten einzelnen Tonbilder weiterbildet und durch die Einfügung von Vokalen zu Sinnbildern umbildet.

[ 34 ] We thus have a noteworthy development in that “to kill” as a complex of sounds comes about initially by the speech organs simply imitating the outward process. Then the soul continues the process and the inward experience is added with the vowels: the complex of sounds is further developed so that “to kill” is referred back to a subject. This is basically the constitution of the Semitic languages and in it is expressed the combination of the various elements in language formation within the framework of language. Symbolism (i.e. that which is found at work in the ether body as the spirit of language), which is the primary agent in Semitic languages, demonstrates the particular aspect of the Semitic languages which takes the individual imitative sounds one step further and transforms them into symbols by the insertion of vowels.

[ 35 ] Daher sind im Grunde genommen alle Worte der semitischen Sprache so gebildet, daß sie sich wie Sinnbilder auf das beziehen, was uns in der Außenwelt umgibt. Dagegen ist alles, was in den indogermanischen Sprachen auftritt, mehr angeregt von dem, was wir innere Äußerung des astralischen Leibes genannt haben, der inneren Wesenheit. Der Astralleib ist schon etwas, was mit dem Bewußtsein zusammenhängt. Wenn man sich der Außenwelt entgegenstellt, unterscheidet man sich von der Außenwelt. Wenn man sich nur vom Gesichtspunkte des Ätherleibes der Außenwelt gegenüberstellt, verschmilzt man mit ihr, ist mit ihr eins. Erst wenn sich die Dinge im Bewußtsein spiegeln, unterscheidet man sich von den Dingen. Dieses Arbeiten des astralischen Leibes mit seinen ganzen inneren Erlebnissen ist in den indogermanischen Sprachen im Unterschiede zu den semitischen Sprachen dadurch wunderbar ausgedrückt, daß sie das Verbum sein haben, das Konstatieren dessen, was ohne unser Zutun vorhanden ist. Das ist dadurch möglich, daß man sich mit seinem Bewußtsein unterscheidet von dem, was einen äußeren Eindruck macht. Wenn daher im Semitischen zum Beispiel ausgedrückt werden sollte: Gott ist gut —, so würde man das nicht unmittelbar können, denn man kann das Wort :st, welches das Sein ausdrückt, nicht wiedergeben, weil es schon von der Entgegensetzung des astralischen Leibes und der Außenwelt herkommt. Der Ätherleib stellt die Dinge einfach hin. Daher würde man in der semitischen Sprache zu sagen haben: Gott, der Gute. — Es wird nicht die Gegenüberstellung des Subjektes und des Objektes charakterisiert. Diese sich von der Außenwelt unterscheidenden Sprachen, welche als ein Wesentliches enthalten, daß ein Teppich von Wahrnehmungen über die Außenwelt ausgegossen wird, sind vorzugsweise die indogermanischen Sprachen. Diese wirken nun auch wieder so auf den Menschen zurück, daß sie die Innerlichkeit, das heißt alles, was man die Anlage nennen kann, um eine starke Individualität, ein starkes Ich auszubilden, unterstützen. Das liegt hier schon in der Sprache ausgedrückt.

[ 35 ] That is why fundamentally all words in Semitic languages are formed in such a way that they relate to the surroundings of the outside world as symbols. In contrast, everything which appears in the Indo-Germanic languages is prompted more by what we have called the inner expression of the astral body, the inner being. For the astral body is something which is already connected with the consciousness. When one faces the outside world one contrasts oneself with it. If one faces the outside world from the point of view of the ether body one fuses with it, is one with it. Only when things are reflected in the consciousness does a difference exist between oneself and things. This working of the astral body with all its inner experiences can be seen in the Indo-Germanic languages in contrast to the Semitic languages in that they have the verb “to be”: a reflection of independent existence. That is possible because we are able to separate ourselves from outward impressions with our consciousness. If, therefore, we want to say for example “God is good” in Semitic, then this is not immediately possible because there is no way of producing the word “is” as an expression of being, for this originates in the contrast of astral body and outside world. The ether body simply states. That is why in the Semitic languages one would have to say “God the good”. The contrast of subject and object is not a characteristic element. The languages which are in contrast with the outside world, which contain as an essential element the perception of an outside world, are particularly the Indo-Germanic languages. They in turn affect the human being in such a way that they support inwardness, i.e. all those things which provide the foundations for developing a strong personality, a strong ego. This is already evident in the language.

[ 36 ] Das alles, was ich Ihnen geben konnte, wird von manchen vielleicht nur wie unbefriedigende Andeutungen hingenommen werden, aus dem einfachen Grunde, weil man ja vierzehn Tage reden müßte, wenn man auf diesem Gebiet alles ausführlicher darstellen wollte. Allein, wer öfter hier diese Vorträge gehört hat und in den Geist der Sache eingedrungen ist, wird sehen, daß eine solche Anregung, wie sie heute gegeben worden ist, nicht unberechtigt ist. Sie soll nur zeigen, wie eine geisteswissenschaftliche Sprachbetrachtung angeregt werden kann, welche im Grunde genommen zu dem Resultat führt, daß die Sprache gar nicht anders verstanden werden kann, als daß man sie mit einem künstlerischen Sinn zu begreifen versucht, den man sich zu eigen gemacht haben muß. Daher wird alle Gelehrsamkeit scheitern, wenn sie nicht nachschaffen will, was der Sprachkünstler im Menschen getan hat, bevor das Ich in uns wirken konnte. Künstlerischer Sinn allein kann die Geheimnisse der Sprache erfassen, wie auch künstlerischer Sinn überhaupt nur nachschaffen kann. Nicht gelehrte Abstraktionen können jemals ein Kunstwerk begreiflich machen. Erst jene Ideen leuchten hinein in die Kunstwerke, welche als Ideen in fruchtbarer Art dasjenige nachzuschaffen imstande sind, was der Künstler mit anderen Mitteln, mit Farbe, Ton und so weiter zum Ausdruck gebracht hat. Künstlerischer Sinn begreift allein den Künstler, und Sprachkünstler allein begreifen das Schöpferisch-Geistige im Entstehen der Sprache. Das ist das eine, was die Geisteswissenschaft in bezug auf die Sprache zu leisten hat.

[ 36 ] All the things which I have spoken about might be considered by some to be only unsatisfactory indications for the simple reason that one would have to speak for two weeks if one wanted to describe everything in this field in detail. Nevertheless, those who have attended these lectures more regularly and who have penetrated into the essential nature of the matter will see that such indications are not unjustified. They are only intended to show how a spiritual-scientific view of language can be provoked which fundamentally shows that language cannot be understood in any other way than in an artistic sense, which must be developed. That is why all scholarship must fail if it is not willing to participate in the creative act which was undertaken by the forces creating language in the human being before the ego became active in us. Only a creative faculty can grasp the secret of language, because only a creative faculty as such can recreate. No learned abstraction can ever bring about comprehension of a work of art. Only those ideas illuminate a work of art which are able to recreate in a fruitful way as ideas the things which the artist expresses by other means paint, sound, etc. Creative feeling alone can comprehend the artist, and a creative feeling for language alone can understand the spiritual creativity in the origin of language. That is one of the tasks which spiritual science is called upon to do in respect of language.

[ 37 ] Das andere ist etwas, was im Praktischen seine Bedeutung hat. Wenn wir verstehen, wie die Sprache aus einem inneren, vormenschlichen Künstler entstanden ist, werden wir uns auch dazu aufschwingen können, daß wir da, wo wir etwas sprechen wollen oder etwas durch die Sprache darstellen wollen, was Anspruch darauf macht, Geltung zu erhalten, auch diesen künstlerischen Sinn müssen wirken lassen. Dafür ist aber in unserer heutigen Zeit, wo man in bezug auf das lebendige Fühlen der Sprache nicht besonders weit ist, nur wenig Sinn vorhanden. Heute glaubt ein jeder, wenn er nur überhaupt reden kann, alles ausdrücken zu dürfen. Aber wir müssen uns darüber klar sein, daß wir wieder in unserer Seele einen unmittelbaren Zusammenhang schaffen müssen zwischen dem, was wir durch die Sprache ausdrükken wollen, und dem, wie wir es ausdrücken. Wir müssen den Sprachkünstler in uns auf allen Gebieten wiedererwecken. Heute sind die Menschen zufrieden, wenn in einer noch so beliebigen Form dasjenige ausgedrückt wird, was sie sagen wollen. Und wie viele Menschen haben einen Begriff davon, was auf geisteswissenschaftlichem Gebiet unbedingt notwendig ist, daß sprachkünstlerischer Sinn für eine jegliche Darstellung nötig wäre! Versuchen Sie einmal, wirkliche Darstellungen der geisteswissenschaftlichen Materie zu prüfen. Da werden Sie finden, daß derjenige, der als wahrer, echter Geisteswissenschafter solche Dinge geschrieben hat, auch wirklich daran gearbeitet hat, um künstlerisch einen jeden Satz auszugestalten, und daß da nicht in beliebiger Weise ein Zeitwort am Ende oder am Anfang steht. Da werden Sie finden, daß ein jeder solcher Satz eine Geburt ist, weil er innerlich, seelisch, nicht bloß als Gedanke, sondern als unmittelbare Form erlebt werden soll. Und wenn Sie den Zusammenhang des Dargestellten verfolgen, dann werden Sie sehen, daß bei drei aufeinanderfolgenden Sätzen der mittlere nicht bloß an den ersten angehängt ist und der dritte wiederum an den vorhergehenden, sondern Sie werden finden, daß derjenige, der Geisteswissenschaftliches darstellt, nicht bloß den ersten Satz, sondern auch den dritten Satz bereits fertig in seiner Anlage hat, bevor er den mittleren gestaltet, weil die Wirkung des mittleren Satzes von dem abhängen soll, was als Wirkung des ersten Satzes zurückbleibt und wiederum auf den nächstfolgenden Satz übergehen kann.

[ 37 ] The other task is something which is of significance on a practical level. If we understand how language originated from an inner pre-human artist, then we can also elevate ourselves to make this creative feeling become active where we want to express something of validity in language. But there is little feeling for that in our present time, where not much progress has been achieved in fostering a living feeling for language.7 In 1898 already Rudolf Steiner wrote in his essay “Noch ein Wort über die Vortragskunst”: “Artistic speech is often considered today to be failed idealism”. In: Gesammelte Aufsätze zur Dramaturgie 1889–1900, Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Switzerland. (GA 29) Today everyone who opens his mouth feels that he is able to express all things. But it must be understood quite clearly that we have to create again in our soul an immediate connection between what we want to express and how we want to express it. We have to re-awaken the linguistic artist in us in all areas. Today human beings are satisfied if what they want to say comes out in any way, no matter what form it takes. How many people realise—which is absolutely necessary in the field of spiritual science—that an artistic feeling for language is necessary to express anything? If true presentations of spiritual-scientific material, for example, are examined,8 Cf. also chapter 33 of Rudolf Steiner, An Autobiography, Steiner Books, New York, 1980. it will be found that the true spiritual scientists who have written these things also seriously worked on them to form each sentence creatively, that the position of the verb is not an arbitrary decision. Each sentence will be seen as a birth, because it must be experienced inwardly in the soul as immediate form, not simply as a thought. And the sentences are connected not only consecutively, but the third one has to be formed in essence at the same time as the first one because they are interconnected in their effect.

[ 38 ] In der Geisteswissenschaft ist nicht ohne künstlerisch wirkenden Sprachsinn zu schaffen. Alles andere ist vom Übel. Da handelt es sich darum, daß wir loskommen von dem sklavischen Gekettetsein an die Worte. Das können wir aber nicht, wenn wir denken, daß irgendein Wort den Gedanken ausdrücken könnte, den wir haben, denn dann sind wir schon im Irrtum mit unserer Sprachbildung. Aus den Worten, die ganz auf die Sinneswelt hin geprägt sind, können wir nimmermehr gewinnen, was Ausdruck für übersinnliche Tatsachen sein soll. Wer fragen kann: Wie soll man den Ätherleib oder den astralischen Leib in Wirklichkeit ganz konkret durch ein Wort ausdrücken? — hat noch nichts davon verstanden. Erst der hat etwas verstanden, der so zu Werke geht, daß er sich sagt: Ich werde erfahren, was der Ätherleib ist, wenn ich mir zuerst einmal von der einen Seite darüber etwas erzählen lasse, und mir bewußt bin, daß es sich dabei um künstlerisch gebildete Reflexbilder handelt; und dann lasse ich mir dasselbe von drei anderen Seiten darstellen. — Da haben wir dieselbe Sache von vier verschiedenen Seiten her dargestellt, so daß wir in den Darstellungen, die wir durch die Sprache geben, indem wir gleichsam um die Sache herumgehen, künstlerische Reflexbilder der Sache darstellen. Wenn man sich dessen nicht bewußt ist, wird man nichts anderes herausbekommen als Abstraktionen und eine verknöcherte Wiedergabe dessen, was man schon weiß. Daher wird Entwickelung in der Geisteswissenschaft immer verbunden sein mit dem, was wir Fortbildung des inneren Sinnes und der inneren Gestaltungskraft unserer Sprache nennen können.

[ 38 ] In spiritual science it is impossible to work without a creatively active sense of language. Everything else is inadequate. It is important to free oneself of being slavishly tied to words. But we cannot do that if we think that any word is suitable to express a given thought; that already is an error in our linguistic creativity. The expression of super-sensible facts cannot be gained from words which are coined only with a view to the sense world. If the question is asked “How is one to express the ether body or the astral body in a concrete manner in reality by means of a word?” nothing of this has been understood. Only the person has understood something of this who says: I will understand what the ether body is if in the first instance I investigate from one particular aspect and it is quite clear that I am dealing with artistically formed reflected images; and then I investigate three more aspects. The matter has then been presented from four different sides. When it is thereafter expressed in language, in walking round the topic as it were, we are presenting an artistic image of the matter. If one is not aware of this, nothing will be achieved but abstractions and a sclerotic reproduction of what is previously known. That is why development in spiritual science will always be connected with what might be called “development of the inward sense and the inward creative power of language”.

[ 39 ] In diesem Sinne wird Geisteswissenschaft befruchtend auf den heutigen Sprachstil wirken, wird umgestaltend auf unseren heutigen entsetzlichen Sprachstil wirken, der gar keine Ahnung davon hat, was sprachkünstlerisches Vermögen ist. Denn sonst würden nicht so viele Leute, die kaum sprechen und schreiben können, anfangen schriftstellerisch tätig zu sein. Das ist heute längst abgekommen, daß man sich dessen bewußt ist, daß zum Beispiel Prosa schreiben etwas viel Höheres ist als Verse schreiben; nur ist die Prosa, die heute geschrieben wird, selbstverständlich eine viel niedrigere Prosa. Aber die Geisteswissenschaft ist dazu da, auf jenen Gebieten die Anregungen zu geben, die mit den tiefsten Gebieten der Menschheit zusammenhängen. Denn Geisteswissenschaft wird auf diesen Gebieten so wirken, daß sie erfüllt, was die größten Persönlichkeiten werden geträumt haben. Geisteswissenschaft wird durch den Gedanken die übersinnlichen Welten erobern können, wird vermögend werden, den Gedanken so in das Lautbild umzugießen, daß auch unsere Sprache wieder ein Mitteilungsmittel dessen werden kann, was die Seele im Übersinnlichen erschaut. Dann wird Geisteswissenschaft das sein, was bewirken wird, daß in einem großen Umkreise zur Wahrheit werden wird, was für ein wichtigstes Gebiet des menschlichen Inneren der Spruch sagt:

[ 39 ] In this sense spiritual science will have a fruitful effect on style in language, will transform the terrible linguistic style of today which is ignorant of the creativity of language, and fewer people, who can hardly speak and write, will embark on literary careers. The awareness has been lost today, for example, that to write prose is something much more elevated than writing in verse; only the prose which is written today is on a much lower level. But it is the purpose of spiritual science to act as a stimulus in those fields which are connected with the deepest secrets of mankind. For spiritual science will be active in those areas in such a way that it fulfils the visions of the greatest personalities. Spiritual science will conquer the super-sensible worlds through the thinking, will become capable of decanting the thought in such a way into the sound structure that our language too can again become a means of communication of the experiences of the soul in the super-sensible.9 Rudolf Steiner repeatedly noted in his later work that for example the 7th scene of his mystery drama “The Portal of Initiation” (in: Rudolf Steiner, Four Mystery Plays, Rudolf Steiner Press, London, 1983) showed in the most direct sense this transformation of spiritual experience into sound. Then spiritual science will have become the agent which makes real what is expressed about an important realm of the inner human being in the words:

Unermeßlich tief ist der Gedanke,
Und sein geflügelt Werkzeug ist das Wort!

Unmeasurably deep is the thought;
And its winged agent is the word.10Friedrich von Schiller, Poetry in Homage to the Arts (Die Huldigung der Künste).