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The Rudolf Steiner Archive

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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
Second Part
GA 59

3 February 1910, Berlin

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2. Lachen und Weinen

2. Laughing and Weeping

[ 1 ] In einem Zyklus von Vorträgen über geisteswissenschaftliche Tatsachen könnte es manchem erscheinen, als ob der Gegenstand, der heute besprochen werden soll, unbedeutend wäre. Das aber ist gerade oftmals als ein Fehler solcher Betrachtungen zu bezeichnen, die ihren Weg hinaufnehmen in die höheren Gebiete des Daseins, daß die Einzelheiten des Lebens, die unmittelbaren Wirklichkeiten des Tages von den Betrachtenden vernachlässigt werden. Im allgemeinen haben es die Menschen ja gern, wenn in Vorträgen dieser Art von der Unendlichkeit oder Endlichkeit des Lebens gesprochen wird, von den höchsten Eigenschaften der Seele, von den großen Fragen der Welt- und Menschheitsentwickelung — und vielleicht von noch höheren Dingen; und gern läßt man sich nicht auf sogenannte Alltäglichkeiten ein, wie diejenigen sind, wenigstens scheinbar, die uns heute beschäftigen sollen. Wer aber auf dem Wege, der in diesen Vorträgen geschildert wird, einzudringen versucht in die Gebiete des geistigen Lebens, der wird sich immer mehr davon überzeugen, daß gerade das ruhige Vordringen Schritt für Schritt — von dem Allerbekanntesten in die unbekannteren Gebiete — sehr vom Heile ist. Im übrigen können Sie es schon aus der Erinnerung an so manche Erscheinung entnehmen, daß die bedeutendsten Geister der Menschheit, daß das Bewußtsein der Menschheit überhaupt in dem, was man gewöhnlich als Lachen und Weinen bezeichnet, keineswegs etwas nur Alltägliches sieht. Hat doch jenes Bewußtsein, welches in den Legenden und in den großen Überlieferungen der Menschheit arbeitet — und so oft viel weiser als das einzelne individuelle menschliche Bewußtsein arbeitet —, die große Persönlichkeit, die für die morgenländische Kultur von so großer Bedeutung geworden ist, den Zarathustra, ausgestattet mit dem berühmten «Zarathustra-Lächeln»; und das Legenden-Bewußtsein sieht etwas Besonderes darin, daß dieser große Geist lächelnd in die Welt getreten ist. Und aus einem welthistorischen Tiefsinn heraus knüpft es an diese Tatsache des Zarathustra-Lächelns die andere Bemerkung, daß durch dieses Lächeln aufgejauchzt hätten alle Geschöpfe des Erdenrundes, und daß geflohen wären vor dem Zarathustra-Lächeln alle die bösen Geister und Widersacher des Erdenrundes. Wenn wir nun von einem solchen, in Legenden-Überlieferung wirkenden Bewußtsein zu den Schöpfungen eines einzelnen großen Geistes übergehen, dürfen wir uns auch erinnern an jene Gestalt, in welche Goethe am meisten von seinem eigenen Fühlen und Vorstellen hineingelegt hat, an die «Faust»-Gestalt. Nachdem Faust in die tiefste Verzweiflung an allem Dasein gefallen ist und nahe war der Vernichtung des eigenen Daseins, da läßt Goethe diese Gestalt beim Anhören der Osterglocken ausrufen: «Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!» Als das Symbolum der Seelenverfassung, die es Faust möglich macht, nach den Gedanken schlimmster, ärgster Verzweiflung sozusagen wieder zurückzukehren in die Welt: als das Symbolum des Sich-Wiederfindens eines Menschen in irdische Verhältnisse stellt uns hier Goethe, der Dichter, die Träne hin.

[ 1 ] In a series of lectures on spiritual science, our subject today might well appear insignificant. But considerations which lead into the higher realms of being are often at fault in leaving aside the details of life and its immediate, everyday realities. When lectures set out to deal with eternal life, with the highest qualities of the soul or with great questions concerning the evolution of world and man, people generally are pleased, and well content to leave alone such apparently commonplace matters as those we are to examine today. But everyone who follows the path indicated here for penetrating into the spiritual worlds, will be convinced that to advance quietly, step by step, from the well known to the less known, is a very healthy way. Moreover, we can draw on many examples to show that eminent men have by no means regarded laughter and tears as merely commonplace. After all, the consciousness which is achieved in the legends and the great traditions of mankind—so often much wiser than the individual human consciousness—has endowed the great Zarathustra, who became so immensely important for Eastern culture, with the famous “Zarathustra smile”, for this consciousness it was particularly significant that this great spirit came smiling into the world. And with a deep understanding of world history, tradition adds that on account of this smile all creatures in the world exulted, while evil spirits and adversaries in all parts of the earth fled away from it. If we pass from these legends and traditions to the works of a single great genius, we might well call to mind the figure of Faust, into whom Goethe poured so many of his own feelings and ideas. When Faust, despairing of all existence, comes near to killing himself, he hears the Easter bells ring out and cries: “Tears spring forth, the earth holds me again.”11Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, 1.784. Tears are used here by Goethe to symbolise the state of soul which enables Faust, after experiencing the most bitter despair, to find his way back into the world.

[ 2 ] So sehen wir, daß eigentlich, wenn man nur daran denken wollte, bedeutungsvoll angeknüpft werden kann an das, was durch Lachen und Weinen bezeichnet wird. Aber es mag schon geglaubt werden, daß es bequemer ist, gleich über das Wesen des Geistes zu spekulieren, als den Geist in solchen Offenbarungen aufzusuchen, in denen wir ihn finden, wenn wir die Welt, wie sie unmittelbar um uns herum ist, betrachten. Und wir können den Geist — und zunächst den Geist des Menschen — in seiner Wesenheit gerade in jenem Ausdrucke der menschlichen Seele finden, der sich im Lachen und Weinen kundgibt. Verstehen kann man das, was uns in dieser eigenartigen Seelenoffenbarung vor das Auge tritt, nur wenn man wirklich diese beiden Äußerungen des Menschen als Ausdruck seines inneren geistigen Lebens betrachtet. Da muß man aber ein solches geistiges Wesen nicht nur anerkennen, sondern verstehen. Dem Verständnis dieses geistigen Wesens des Menschen waren ja alle die Vorträge gewidmet, die gerade in diesem Winterzyklus hier gehalten worden sind. Nur flüchtig braucht daher heute darauf hingedeutet zu werden, wie wir geisteswissenschaftlich das Wesen des Menschen betrachten. Denn auch um Lachen und Weinen zu verstehen, müssen wir diese Wesenheit des Menschen im geisteswissenschaftlichen Sinne zugrunde legen.

[ 2 ] Thus we can see, if we will only think about it, that laughing and weeping are related to things of great significance. But to speculate on the nature of spirit is easier than to seek the spirit where it is revealed in the world immediately around us. And we can find the spirit—and the human spirit in the first instance—precisely in those gestures of the soul that we call laughing and weeping. They cannot be understood unless we regard them as expressions of a person's inner spiritual life. But in order to do this we must not only accept man as a spiritual being, we have also to understand him. All the lectures in our present winter series have been devoted to this task. Hence we need give only a passing glance now at the being of man as seen by spiritual science. But that is the foundation on which we must build if we are to understand laughing and weeping.

[ 3 ] Wir haben gesehen, wie sich der Mensch uns darstellt, wenn wir ihn in seiner vollständigen Wesenheit betrachten, bestehend aus seinem physischen Leib, den er gemeinschaftlich hat mit der ganzen mineralischen Natur; aus seinem Äther- oder Lebensleib, den er gemeinschaftlich hat mit der ganzen pflanzlichen Natur; weiter aus dem astralischen Leib, den er mit der tierischen Natur gemeinsam hat, und der der Träger ist von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Entsetzen und Verwunderung und auch von all den Ideen, welche täglich vom Aufwachen bis zum Einschlafen in unserem Seelenleben auf und ab fluten. So besteht für uns die Wesenheit des Menschen zunächst aus diesen drei äußeren Umhüllungen; und in dieser Umhüllung lebt erst dasjenige, wodurch der Mensch die Krone der Erdenschöpfung wird, das menschliche Ich. Dieses Ich arbeitet nun wieder in dem Seelenleben, das aus den drei Seelengliedern aufgebaut ist, aus der Empfindungsseele als dem untersten Glied, aus dem nächsten Glied, der Verstandesoder Gemütsseele, und aus dem dritten Glied, der Bewußtseinsseele; und wir haben auch gesehen, wie das Ich an diesen Seelengliedern arbeitet, um den Menschen zu immer höherer Vollkommenheit zu bringen.

[ 3 ] We have seen that man, when we observe him in his totality, possesses a physical body, which he has in common with the mineral realm; an etheric or life-body, which he has in common with the plants; and an astral body which he has in common with the animal kingdom. The astral body is the bearer of pleasure and pain, joy and sorrow, terror and amazement, and also of all the ideas which flow into and out of his soul from waking until he falls asleep. These are man's three external sheaths and within them lives the ego which makes him the crown of creation. The ego works in the soul-life on its three components, the sentient soul, intellectual soul and consciousness soul, and we have seen how it works to bring man ever nearer to fulfilment.

[ 4 ] Was liegt denn diesem ganzen Arbeiten des Ich innerhalb der Seele des Menschen zugrunde?

[ 4 ] What, then, is the basis of the ego's activities within the human soul?

[ 5 ] Betrachten wir einmal dieses Ich in verschiedenen seiner Äußerungen. Es tritt vor dieses Ich des Menschen, vor das tiefste Zentrum seines geistigen Lebens irgendeine Erscheinung, irgendein Gegenstand oder Wesen der Außenwelt. Das Ich bleibt diesem Wesen oder Gegenstand gegenüber nicht gleichgültig, sondern es äußert sich in einer gewissen Weise; es erlebt innerlich, in der Seele, dieses oder jenes. Ein Gegenstand gefällt oder mißfällt dem Ich. Das Ich kann aufjauchzen bei irgendeinem Ereignis, oder es kann in tiefste Betrübnis verfallen; es kann in Entsetzen und Furcht zurückbeben, oder es kann das Ereignis oder das Wesen liebevoll anschauen oder umfassen. Es kann innerlich das Erlebnis haben: Ich verstehe einen Vorgang, der mir gegenübertritt, oder: Ich verstehe ihn nicht.

[ 5 ] Let us look at some examples of its behaviour. Suppose that the ego, this deepest centre of man's spiritual life, encounters some object or being in the outer world. The ego does not remain indifferent towards the object or the being; it expresses itself in some way and experiences something inwardly, according to whether the encounter pleases or displeases it. The ego may exult at some occurrence or it may fall into deepest sadness; it may recoil in terror, or it may lovingly contemplate or embrace the source of the event. And the ego can also have the experience of understanding or not understanding whatever is involved.

[ 6 ] Wenn wir das Ich in seiner Tätigkeit belauschen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, dann sehen wir, wie es sich in Einklang zu bringen versucht mit der Außenwelt. Wenn ihm irgendein Gegenstand gefällt, wenn jenes Gefühl in uns aufsteigt: Das ist ein uns erwärmendes Wesen — dann ist ein Band geflochten zwischen uns und dem Gegenstand; dann schlingt sich etwas hinüber von uns zu dem Gegenstand. Das tun wir im Grunde genommen mit der ganzen um uns herum liegenden Welt. Unser ganzes Tagesleben erscheint uns in bezug auf die inneren Seelenvorgänge als die Schöpfung eines Einklanges zwischen unserem Ich und der übrigen Welt. Was wir erleben an den Gegenständen und Wesenheiten der Außenwelt, und was sich in den Vorgängen unseres Seelenlebens spiegelt, das wirkt nicht bloß auf unsere drei Seelenglieder, weil in ihnen gerade das Ich wohnt, sondern das wirkt auch auf den astralischen Leib, auf den Ätherleib und den physischen Leib. Wir haben schon öfter beispielsweise angeführt, wie jenes Verhältnis, das das Ich herstellt zwischen sich und irgendeiner Wesenheit oder einem Gegenstand, nicht nur die Emotionen des astralischen Leibes aufrüttelt, nicht nur die Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes in einen Umschwung bringt, sondern auch bis in den physischen Leib hineinwirkt. Oder sollte nicht der Mensch Gelegenheit haben, zu beobachten, wie zum Beispiel eine menschliche Persönlichkeit erbleichen kann, wenn irgend etwas Furchtbares in ihre Nähe tritt? Was ist da anderes geschehen, als daß das Verhältnis, welches das Ich hergestellt hat zwischen sich und dem Furchtbaren, das Band, das es geschlungen hat zwischen sich und dem Gegenstand, hineingewirkt hat bis in den physischen Leib und das Blut in andere Bewegung gebracht hat, als es sonst der Fall ist? Es hat sich gleichsam das Blut zurückgezogen von der äußeren Leiblichkeit und hat dadurch das Erbleichen bewirkt. Auch das andere, besonders charakteristische Beispiel ist schon angeführt worden: die Schamröte. Wenn wir irgendein derartiges Verhältnis glauben herstellen zu müssen zwischen uns und der betreffenden Wesenheit der Umgebung, daß wir am liebsten uns für einen Augenblick selbst auslöschen möchten, daß man uns nicht sieht, da steigt das Blut ins Gesicht. Da wird in diesen beiden Fällen eine bestimmte Wirkung auf das Blut hervorgebracht durch dasjenige, was sich als das Verhältnis des Ich zur Außenwelt darstellt. — So könnten wir viele Beispiele anführen, wie dasjenige, was das Ich an der Außenwelt erlebt, sich ausdrückt im astralischen Leib, im Ätherleib und im physischen Leib.

[ 6 ] From our observation of the ego's activities between waking and falling asleep we can see how it tries to bring itself into harmony with the external world. If some entity pleases us and makes us feel that here we have something that warms us, we weave a bond with it; something from ourselves connects with it. That is what we do with our whole environment. During our entire waking life we are concerned, as regards our inner soul-processes, with creating harmony between our ego and the rest of the world. The experiences that come to us through objects or beings in the outer world and are reflected in our soul-life, work on the three constituents of the soul where the ego dwells but also on the astral, etheric and physical bodies. We have already given several examples of how the relation established by the ego between itself and any object or being not only stirs the emotions of the astral body and corrects the currents and movements of the etheric body but affects the physical body also. Who has not noticed how someone will turn pale when something frightening approaches? This means that the bond formed by the ego between itself and the frightening entity works into the physical body and affects the flow of the blood, so that the person concerned turns pale. We have mentioned also an opposite effect, the blush of shame. When we feel that our relationship with someone in our environment is such that we would like to disappear for a moment, the blood mounts to the face. Here we have two examples of a definite influence on the blood caused by the ego's relation to the outer world. Many other examples could be given of how the ego expresses itself in the astral, etheric and physical bodies.

[ 7 ] Indem nun das Ich den Einklang oder ein bestimmtes Verhältnis sucht zwischen sich und der Umgebung, sind wieder ganz besondere Fälle möglich in bezug auf solche Verhältnisse. So könnten wir von gewissen Verhältnissen zu unserer Umgebung sagen: Wir finden die richtige Stellung des Ich gegenüber diesem oder jenem Gegenstand oder Wesen. Selbst wenn wir Furcht vor einem Wesen haben, vor dem es begründet ist, Furcht zu haben, können wir sagen: Unser Ich fühlt, wenn es nur hinterher Gelegenheit hat, in der richtigen Weise dieses Verhältnis zu beachten, daß es in einem Einklang gestanden hat auch im Furchtgefühl mit seiner Umgebung. Insbesondere aber fühlt unser Ich seinen Einklang mit seiner Umgebung, wenn es zum Beispiel danach trachtet, diese oder jene Dinge der Außenwelt zu verstehen, und imstande ist, durch seine Begriffe, Gefühle, Empfindungen und so weiter über diejenigen Gegenstände, über die es Verständnis sucht, wirklich sich aufzuklären. Da fühlt sich das Ich wie vereint mit den Gegenständen, über die es sich aufklärt. Da fühlt es sich wie über sich hinausgehend, wie wenn es untergetaucht ist in die Gegenstände, und fühlt, daß das Band ein richtiges ist. Oder aber das Ich lebt mit anderen Menschen zusammen, zu denen es in ganz bestimmte Verhältnisse tritt, die es lieb hat. Das Ich fühlt sich jedem dieser anderen Menschen gegenüber in dem Verhältnis, das es angesponnen hat, befriedigt, beseligt; fühlt, daß ein harmonisches Verhältnis zwischen sich und der Außenwelt besteht. Dieses Verhältnis prägt sich zunächst in dem Ich darin aus, daß sich das Ich behaglich fühlt und diese Behaglichkeit auf seine Hüllen, astralischen Leib oder Ätherleib, überträgt.

[ 7 ] This search by the ego for harmony, or for a definite relationship between itself and its environment, results in certain consequences. In some cases we may feel that we have established a right relationship between the ego and the object or being. Even if we have good reason for feeling fear of a being, our ego may still feel that it has been in harmony with its environment, including fear itself—though we may not be able to see it in that light until afterwards. The ego feels especially in tune with its environment if it has been trying to understand certain things in the outer world and finally succeeds. Then it feels united with these things, as though it had gone out of itself and immersed itself in them, and can feel itself rightly related to them. Or it may be that the ego lives with other people in an affectionate relationship: then it feels happy and satisfied and in harmony with its surroundings. These feelings of contentment then pass over into its astral and etheric bodies.

[ 8 ] Es kann aber auch eintreten, daß das Ich einmal nicht imstande ist, diesen Einklang, das heißt, das Verhältnis, das man in einem gewissen Sinne ein normales nennen könnte, zu schaffen. Kann es dieses normale Verhältnis nicht sogleich finden, dann kann das Ich dadurch in eine besondere Lage kommen. Nehmen wir an, das Ich findet etwas in der Außenwelt, irgendeinen Gegenstand oder eine Wesenheit, dem gegenüber es nicht in ein solches Verhältnis treten kann, daß es zum Beispiel die Sache versteht, daß es mit seinen Begriffen und Vorstellungen das Dasein dieser Wesenheit oder Tatsache als ein berechtigtes anerkennt. Nehmen wir an, das Ich ist auf der Suche, ein Verhältnis zur Außenwelt zu finden; aber es kommt nicht in die Lage, wirklich ein solches Verhältnis, das ein normales Band bildet zwischen Ich und Außenwelt, zu finden. In einer solchen Lage wird unser Ich nötig haben, dennoch in sich selber eine gewisse Stellung gegenüber diesem Ding der Außenwelt zu gewinnen. Nehmen wir einen konkreten Fall an: Wir treten irgendeinem Wesen der Außenwelt gegenüber, welches wir aus dem Grunde nicht verstehen wollen, weil in sein Wesen einzudringen unserem Ich nicht der Mühe wert erscheint, weil wir sozusagen fühlen, wir würden, wenn wir in sein Wesen eindringen wollten, zu viel hingeben von unserer eigenen Erkenntnis- und unserer eigenen Verständniskraft. Während wir einem anderen Wesen so gegenübertreten, daß wir sagen: Ich will meine Kraft aufwenden, um dich zu verstehen, will in dich untertauchen, was in mir ist, mit dir vereinigen — halten wir es bei dieser Wesenheit so, daß es uns nicht der Mühe wert ist, unterzutauchen. Wir würden die Kräfte unseres Verständnisses verschwenden, wenn wir darin untertauchen wollten. Dann haben wir nötig, eine ganz besondere Stellung zu gewinnen, haben nötig, eine Art Scheidewand aufzurichten. Einem solchen Wesen wie dem geschilderten gegenüber wollen wir jene Hingabe nicht üben; wir wollen nicht in dasselbe untertauchen; das heißt, wir wollen uns von diesem vor uns stehenden Wesen befreien, uns frei halten; wir wollen uns in uns selber finden, nicht durch Untertauchen, sondern dadurch, daß wir unsere Kraft von diesem Wesen ablenken und, in unserem eigenen Selbstbewußtsein uns über das Wesen erhebend, sie gewahr werden. Wenn wir in einem solchen Verhältnis zu einem Wesen stehen, dann ist das Gefühl, das uns beschleichen muß, dasjenige einer Befreiung von einem Wesen.

[ 8 ] It may happen, however, that the ego fails to establish this harmony and so falls short of what we may call, in a certain sense, the normal. Then it may find itself in a difficult situation. Suppose the ego encounters some object or being it cannot understand; suppose it tries in vain to find a right relationship to this entity; yet it has to take up a definite attitude towards it. A concrete example: suppose we meet in the outer world a being we do not want to understand, because it seems not worthwhile for our ego to penetrate into its nature; we feel that to do so would mean surrendering too much of our own force of knowledge and understanding. In such a case we have to set up a sort of barrier against it so as to keep ourselves free from it. By turning our forces away from it we become conscious of them, while we enhance our own self-consciousness. The feeling that comes over us then is one of liberation.

[ 9 ] Bei einem Wesen, das wir verstehen, und in das wir untertauchen entweder durch Erkenntniskraft oder durch Liebe oder Mitleid —, da fühlen wir nicht das Zurückziehen des Ich; im Gegenteil da fühlen wir uns zu diesem Wesen hingezogen. Bei einem solchen Wesen aber, wie es eben geschildert worden ist, fühlen wir: Unser Ich würde etwas verlieren, wenn es in das andere Wesen untertauchte; da müssen wir unsere Kräfte zusammenhalten. Bei einem solchen Bewußtsein kann die hellseherische Beobachtung bemerken, wie das Ich gleichsam den astralischen Leib zurückzieht vor den Eindrücken, die auf ihn gemacht werden könnten aus der Umgebung oder von diesem anderen Wesen. Dieses Wesen wird natürlich einen Eindruck auf unseren physischen Leib machen, wenn wir nicht die Augen verschließen oder die Ohren verstopfen. Aber weil wir unseren physischen Leib weniger in der Hand haben als unseren astralischen Leib, ziehen wir unseren astralischen Leib für einen Augenblick zurück aus dem physischen Leib, ja auch aus dem Ätherleib heraus und bewahren ihn dadurch davor, daß er sich berühren läßt von dem anderen Wesen. Dieses Zurückziehen des astralischen Leibes, der sonst seine Kraft im physischen Leibe verbraucht, um dessen Kräfte zusammenzuhalten, stellt sich für das hellseherische Bewußtsein so dar, daß der astralische Leib sich ausdehnt; er geht gleichsam auseinander bei einer solchen Befreiung. Wo wir uns über ein Wesen erheben, lassen wir unseren astralischen Leib wie eine elastische Substanz sich erweitern, schlaff werden, während wir ihn sonst angespannt haben. Indem sich der astralische Leib erweitert, befreien wir uns von irgendeinem Bande mit der betreffenden Wesenheit; wir ziehen uns gleichsam in uns selber zurück, erheben uns über die ganze Situation. Und weil alles, was im astralischen Leibe geschieht, sich im physischen Leibe ausdrückt, so drückt sich auch dieses Zurückziehen des astralischen Leibes im physischen Leibe aus; und der Ausdruck der Erweiterung des astralischen Leibes im physischen Leibe ist das Lachen oder das Lächeln; so daß mit jedem Lachen oder Lächeln, das aus keiner anderen Stimmung als aus der geschilderten hervorgehen kann, verbunden ist ein elastisches Ausdehnen des astralischen Leibes. — Wir dürfen also sagen: Was durch das Ausdehnen des astralischen Leibes und seinen physiognomischen Ausdruck als Lachen oder Lächeln an der menschlichen Wesenheit auftritt, ist ein Sich-Erheben über das, was in der Umgebung geschieht, weil wir nicht Verständnis aufwenden wollen, und nach der ganzen Art, wie wir zu der betreffenden Sache stehen, dafür auch nicht Verständnis aufwenden sollen. Im Extrem muß daher alles, was uns kein Verständnis abringen soll, eine solche Erweiterung des astralischen Leibes nach sich ziehen und damit das Lachen hervorrufen. — Witzblätter haben die Gewohnheit gehabt, daß sie gewisse Personen des öffentlichen Lebens abbildeten mit riesigen Köpfen und sehr kleinen Körpern, wodurch grotesk ausgedrückt werden sollte, was der Betreffende für seine Zeit bedeutet. Dies zu verstehen, würde ein Unding sein, denn es gibt kein Gesetz, was einen so großen Kopf und einen so kleinen Körper verbinden würde. Wenn wir in diesen Gegenstand mit unserer Erkenntniskraft untertauchten, so wäre das eine verlorene Kraft, denn wir würden unsere Verständniskraft dabei verschwenden. Die einzige Befriedigung dabei soll eben die sein, sich zu erheben über das Objekt, beziehungsweise von dem Eindruck, der auf unseren physischen Leib gemacht wird, frei zu werden in dem Ich, und den astralischen Leib auszudehnen. Denn was das Ich erlebt, setzt es zunächst fort auf die intimste Hülle, auf den astralischen Leib; und der physiognomische Ausdruck dafür ist das Lachen.

[ 9 ] When this occurs, clairvoyant observation can see how the ego withdraws the astral body from the impressions which the environment or the being might make on it. The impressions will, of course, be made on our physical body unless we close our eyes or stop up our ears. The physical body is less under our control than the astral, so we draw back the astral from the physical and thus save it from being touched by impressions from the outer world. This withdrawal of the astral body, which would otherwise expend its energy on the physical body, appears to clairvoyant observation as an expansion of the astral: at the moment of its liberation it spreads out. When we raise ourselves above a being, we cause our astral body to expand like an elastic substance: we relax its normal tension. By so doing we liberate ourselves from any bond with the being we wish to turn away from. We withdraw into ourselves, as it were, and raise ourselves above the whole situation. Everything that occurs in the astral body comes to expression in the physical, and the physical expression of this expansion of the astral body is laughing or smiling. These facial gestures, accordingly, indicate that we are raising ourselves above what is happening around us because we do not want to apply our understanding to it and from our standpoint are right not to do so. It would be true to say, therefore, that anything we are not intending to understand will cause an expansion of our astral body and thus give rise to laughter. Satirical papers often depict public men with huge heads and tiny bodies, which is a way of expressing grotesquely the significance of these men for their time. To try to make sense of this would be futile, for there is no law which could unite a huge head with a tiny body. Any attempt to apply our reason to it would be a waste of energy and mental power. The only satisfying thing is to raise ourselves above the impression it makes on our physical body, to become free in the ego and to expand the astral body. For what the ego experiences is passed on in the first place to the astral body, and the corresponding facial gesture is laughter. It may happen, however, that we cannot find the relationship to our environment that our soul needs. Suppose that for a long time we have loved someone who is not only closely related to our daily life but is associated with particular soul-experiences that arise from this close attachment. Suppose, then, that this person is torn from us for a while. With that loss, a part of our soul-experiences is torn away; a bond between ourselves and a being in the outer world is broken. Because of the soul-condition created by our relationship with this other person, our soul has good reason to suffer from this breaking of a bond it has long cherished. Something is torn from the ego, and the effect on the ego passes over into the astral body. Since in this case something is taken from the astral, it contracts: or, more exactly, the ego presses the astral body together.

[ 10 ] Es kann aber auch der Fall eintreten, daß wir ein Verhältnis, das wir zu unserer Umgebung suchen und nach unserer ganzen Seelenverfassung berechtigt sind zu suchen, nicht finden können. Nehmen wir an, wir haben eine Zeitlang eine Persönlichkeit geliebt; dieselbe steht nicht nur zu unseren Handlungen in Beziehung, sondern ganz bestimmte Seelenerlebnisse knüpfen sich an das Dasein dieser Persönlichkeit an und an das Verbundensein unserer Persönlichkeit mit ihr. Nehmen wir an, die Persönlichkeit wird uns eine Zeitlang entrissen. Mit dem Entreißen dieser Persönlichkeit fällt ein Teil unserer eigenen Seelenerlebnisse fort; etwas, was ein Band bedeutet zwischen uns und einer Wesenheit der Außenwelt, fällt fort. Unsere Seele ist durch jene Seelenverfassung, die sich durch die Beziehung zu dieser Persönlichkeit herangebildet hat, berechtigt, dieses Band zu suchen, weil sie sich erzogen hat, dieses Band zu haben. Jetzt kann sie es nicht mehr haben. Es ist etwas herausgerissen aus diesem Ich, und was da herausgerissen ist, bewirkt in dem letzteren etwas, was sich wiederum überträgt auf den astralischen Leib. Und weil jetzt dem astralischen Leib etwas entzogen ist, weil er ein Verhältnis zur Außenwelt sucht, das er nicht finden kann, so zieht er sich jetzt in sich selber zusammen; oder besser gesagt, das Ich preßt diesen astralischen Leib zusammen.

[ 10 ] This can always be clairvoyantly observed when a person suffers pain or grief from some loss. Just as the expanded astral body loses tension and creates in the physical body the gesture of laughing or smiling, so a contracted astral body penetrates more deeply into all the forces of the physical body and contracts it along with itself. The bodily expression of this contraction is a flow of tears. The astral body, having been left with gaps as it were, wants to fill them by contracting, while making use of substances from its environment. In so doing, it also contracts the physical body and squeezes out the latter's substances in the form of tears. What, then, are these tears?

[ 11 ] Das können wir mit dem hellseherischen Bewußtsein immer beobachten, wenn im Menschen Trauer oder Schmerz eintritt über einen Verlust, wie das Ich, dem etwas entzogen ist, den astralischen Leib zusammenpreßt. Gerade so wie der auseinandergetriebene astralische Leib schlaff wird und sich dadurch den physiognomischen Ausdruck im physischen Leibe verschafft, der eben als Lachen oder Lächeln bezeichnet werden muß, so wird ein astralischer Leib, der sich zusammenprefßt, gleichsam tiefer eindringen in alle Kräfte des physischen Leibes. Das ist auch der Fall. Wenn der astralische Leib sich zusammenpreßt, so preßt er den physischen Leib mit zusammen. Und der physische Ausdruck des Zusammenpressens des Ich in sich selber, damit des astralischen Leibes in sich selber, und damit des physischen Leibes in sich selber, das ist das Hervorquellen der Tränen. Der astralische Leib, der gleichsam in sich Lükken erhalten hat, und diese Lücken durch sein Zusammenpressen ausfüllen will, indem er die Substanzen aus der Umgebung heranzieht, er preßt dadurch den physischen Leib mit zusammen und treibt die Substanzen des physischen Leibes in der Träne nach außen. Was ist die Träne dadurch zugleich? — Das Ich hat etwas verloren in der Trauer, in dem Verlust. Es preßt sich zusammen, weil es ärmer geworden ist, weil es seine Selbstheit weniger stark fühlen kann als früher; denn es fühlt seine Eigenheit um so stärker, je reicher es ist an Erlebnissen mit der umgebenden Welt. Wir geben nicht nur etwas den Dingen, die wir lieben, sondern wir bereichern unsere Seele selber durch unsere Liebe. Und indem uns die Erlebnisse unserer Liebe entrissen werden, und der astralische Leib Lücken erhält und sich zusammenpreßt, sucht er durch diesen gleichsam in sich selber ausgeübten Druck die Kräfte wiederzugewinnen, die er verloren hat durch den Verlust. Er sucht sich durch ein Zusammennehmen in sich selber reicher zu machen, weil er ärmer geworden ist durch das, was er verloren hat. Was in der Träne zum Vorschein kommt, ist nicht nur ein Abfließenlassen der Tränen, nicht nur eine Öffnung nach außen, sondern etwas, was man einen Ersatz nennen könnte für das ärmer gewordene Ich. Während sich früher das Ich bereichert fühlte an der Außenwelt, fühlt es sich jetzt in der Produktion, die es selber hervorbringt, stärker, fühlt sich als etwas, indem es die Tränen hervorpreßt. Was die Persönlichkeit an Selbstbewußtsein geistig verloren hat, sucht sie sich zu ersetzen, indem sie sich zu einer innerlichen Schöpfung, zu dem Hervorbringen der Tränen anspornt. Daher ist die Träne in gewisser Beziehung ein Ausgleich, ein Ersatz für das Ärmerwerden des Ich. Deshalb können wir sagen: Wenn das Ich, das einen Verlust erlebt hat, vordringen kann bis zur Iräne, wenn es sein Bewußtsein hebt durch das Gewahrwerden seines Verlustes in der Träne, dann gibt diese Träne dem Ich ein gewisses unterbewußtes Wohlgefühl. Man könnte sogar sagen: Die Träne ist in gewisser Beziehung ein Anlaß zu einer Art innerer Wollust. Ein Ausgleich wird durch die Träne geschaffen. Es wird Ihnen ja bekannt sein, wie der Mensch, wenn er sich so recht in der Trauer elend fühlt, in der Träne eine Art von Trost hat, weil die Träne etwas ist, was ihm einen gewissen Ersatz bieten kann. Und Sie werden auch wissen, wie es für gewisse Menschen, von denen man sagt, sie können nicht weinen, viel schwieriger ist, die Trauer und den Schmerz zu ertragen als für diejenigen, welche sich das innere Wohlbehagen durch die Träne bei jeder Gelegenheit verschaffen können.

[ 11 ] The ego has lost something in its grief and deprivation. It draws itself together, because it is impoverished and feels its selfhood less strongly than usual, for the strength of this feeling is related to the richness of its experiences in the surrounding world. We not only give something to those we love; we enrich our own souls by so doing. And when the experiences that love gives us are taken away and the astral body contracts, it seeks to regain by this pressure on itself the forces it has lost. Because it feels impoverished, it tries to make itself richer again. The tears are not merely an outflow; they are a sort of compensation for the stricken ego. The ego had formerly felt itself enriched by the outer world; now it feels strengthened by itself producing the tears. If someone suffers a weakening of self-consciousness, he tries to compensate for this by spurring himself on to an inward act of creation, manifest in the flow of tears. The tears give the ego a subconscious feeling of well-being; a certain balance is restored. You all know how people, when they are in the depths of grief and misery, find consolation, a kind of compensation, in tears. You will know, too, how people who cannot weep find sorrow and pain much harder to endure.

[ 12 ] So sehen wir, daß das Ich es ist, das ein gesuchtes Verhältnis zur Außenwelt nicht finden kann, und sich entweder erheben muß zu einer inneren Freiheit, oder in sich untertauchen muß, um sich zu stärken über einen inneren Verlust. Wir sehen, wie das Ich es ist, das Mittelpunktswesen des Menschen, das sich ausdrückt in Lachen und Weinen. Daher können wir es auch begreiflich finden, daß das Ich, das den Menschen zum Menschen macht, in gewisser Weise Voraussetzung ist des wahren Lachens und des wahren Weinens.

[ 12 ] The ego, then if it cannot achieve a satisfying relationship with the outer world, will either raise itself to inner freedom through laughter, or it will sink into itself in order to gain strength after a deprivation. We have seen how it is the ego, the central point in man, which expresses itself in laughing and weeping. Hence you will find it easy to understand that in a certain sense the ego is a necessary precondition of laughter and tears.

[ 13 ] Wenn wir das Kind beobachten, wie es geboren wird, so finden wir, daß es in den ersten Tagen weder lachen noch weinen kann. Wahres Lachen und wahres Weinen tritt erst auf vom sechsunddreißigsten oder vierzigsten Lebenstage an. Vorher kann das Kind nicht lachen und nicht weinen; und der Grund dafür ist der: Obwohl es entschieden ist, was für ein Ich aus einer vorhergehenden Verkörperung gerade in diesem Kinde lebt, so wirkt dieses Ich doch nicht gleich in den ersten Lebenstagen in dem Menschen gestaltend; es wirkt nicht gleich so, daß es Beziehungen zur Außenwelt sucht. Der Mensch ist ja in das Leben so hineingestellt, daß dasjenige, was in ihm und an ihm ist, von zwei Seiten herstammt. Die eine Seite ist die, welche alle Eigenschaften und Betätigungen des Menschen enthält, die er von Vater, Mutter, Großvater und so weiter erbt, kurz, die Eigenschaften und Betätigungen aus der Vererbungslinie. Aber darinnen arbeitet die Individualität, das Ich des Menschen, das von Leben zu Leben geht, von Verkörperung zu Verkörperung, seine seelischen Eigenschaften hinein. Wenn wir einen Menschen mit der Geburt ins Dasein treten sehen, zeigt sich uns zunächst das Unbestimmte der Physiognomie des Menschen, und wie unbestimmt dasjenige ist, was der Mensch einmal als Talente, Anlagen und besondere Eigenschaften darleben wird. Aber wir sehen auch, wie das schaffende, wirkende Ich, das sich Entwickelungskräfte aus den vorhergehenden Leben hereingebracht hat, die unbestimmten Züge immer bestimmter und bestimmter herausarbeitet und dasjenige modifiziert, was durch die Vererbung gegeben worden ist. So sehen wir zusammenfließend die vererbten Eigenschatten mit denen, die von Verkörperung zu Verkörperung gehen. — Ein Genaueres über den Werdegang des Menschen können Sie jetzt mit einer gewissen Deutlichkeit in meinem eben erschienenen Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß» finden, wo in den ersten Partien diese Dinge gerade so besprochen sind, wie es dem heutigen Verständnisse der Menschen angemessen ist.

[ 13 ] If we observe a new-born child, we find that during its first days it can neither laugh nor weep. True laughing or weeping begins only around the 36th or 40th day. The reason is that although an ego from a former incarnation is living in the child, it does not immediately seek to relate itself to the outer world. A human being is placed into the world in such a way that he is built up from two sides. From one side he derives all the attributes and facilities acquired by heredity from father, mother, grandfather and so on. All this is worked on by the individuality, the ego that goes on from life to life, bearing with it its own soul-qualities. When a child enters existence at birth, we see at first only an undefined physiognomy, and quite undefined also are the talents, capacities and special characteristics which will emerge later on. But presently we are able to observe how the ego, with the powers of development it has brought from previous lives, works unceasingly on the infant organism and modifies the inherited elements. Thus the inherited qualities are blended with those which pass from one incarnation to another.

[ 14 ] So sehen wir, wie in dem Kind das Ich sich herausarbeitet. Aber es dauert eine Zeit, bis das Ich aus dem Kinde heraus umgestaltet an dem Körperlichen und an dem Seelischen. Daher tritt der Mensch so ins Dasein hinein, daß er in den ersten Tagen einzig und allein die vererbten Merkmale zeigt. Das Ich sitzt in den ersten Tagen noch tief verborgen darinnen und wartet, bis es in die unbestimmte Physiognomie dasjenige hineinarbeiten kann, was es aus den früheren Leben herübergetragen hat, was es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr herausarbeiten kann.

[ 14 ] That is how the ego is active in the child, but it is some time before the ego can begin to transform body and soul. During its early days, the child shows only its inherited characteristics. The ego, meanwhile, remains deeply hidden, waiting until it can impress on the undefined physiognomy the qualities it has brought from previous lives and will develop from day to day and year to year.

[ 15 ] Bevor nun das Kind den individuellen, nur für diesen Menschen geltenden Charakter annimmt, ist es nicht möglich, daß das Ich irgendeine Beziehung zur Außenwelt ausdrücken kann durch Lachen und Weinen. Denn auf das Ich kommt es an, auf das Individuellste, das ein Band sucht, das sich in Harmonie, in Einklang bringen will mit der Umgebung. Das Ich muß es sein, was im Lachen oder Lächeln sich zu befreien sucht von den Gegenständen; das Ich muß es sein, das bei einem gesuchten Verhältnis, das es nicht finden kann, in dem Verlust zusammenpreßt das Innere der menschlichen Wesenheit. Das Ich nur kann sich ausdrücken im Lachen oder Weinen. Wir sehen daraus, daß wir es mit der tiefinnersten Geistigkeit des Menschen zu tun haben, wenn wir die Offenbarungen des Menschen im Lachen oder Weinen vor uns haben.

[ 15 ] Before the child has taken on the individual character that belongs to it, it cannot express a relationship to the outer world through laughing or crying. For this requires the ego, the individuality, which tries to place itself in harmony with the outer world. Only the ego can express itself in laughter or tears. So it is that when we consider laughing and weeping, we are dealing with the deepest and most inward spirituality of man.

[ 16 ] Diejenigen, die gern alles mit allem zusammenwerfen und deshalb keine wirklichen realen Unterschiede zugeben wollen zwischen Mensch und Tier, werden natürlich auch noch Analogien für Lachen und Weinen im Tierreich finden. Wer aber die Dinge richtig versteht, wird dem deutschen Dichter recht geben, der sagt, daß es das Tier nicht bis zum Weinen bringt, sondern höchstens bis zum Heulen, und nicht bis zum Lachen, sondern nur bis zum Grinsen. Darinnen liegt eine tiefe Wahrheit, die sich, wenn sie in Worte gebracht wird, dadurch ausdrückt, daß das Tier sich nicht erhebt zu jener individuellen Ichheit, die in dem Wesen selber sitzt, sondern daß das Tier von Gesetzen beherrscht wird, die zwar dem Ich-Menschen ähnlich sehen, die aber dem Tier so eingepflanzt sind, daß sie ihm zeitlebens als äußere verbleiben. Das Tier bringt es nicht zur Individualität. Es ist hier schon dieser bedeutsame Unterschied des Menschen von der tierischen Wesenheit erwähnt worden. Es ist gesagt worden, was uns am Tier interessiert, läßt sich zusammenfassen in dem Gattungs- oder Artcharakter. Versuchen Sie sich klar zu machen, ob das, was uns am Tier hauptsächlich interessiert, auch so große Unterschiede aufweist — zum Beispiel zwischen Löwensöhnchen, Löwenvater, Löwengroßvater und so weiter —, wie wir es beim Menschen finden. Was sich uns beim Tier zeigt, das geht im Artcharakter auf. Im Menschenreiche ist aber jeder Mensch für sich eine eigene Gattung, und was uns am Tier in der Art oder Gattung erscheint, das muß uns beim Menschen in jedem einzelnen Menschen interessieren. Das heißt: Bei den Menschen hat jeder Mensch seine einzelne Biographie. Die interessiert uns so stark wie die Art- oder Gattungsbiographie beim Tier. Gewiß, es hat auch manchen Hundevater und manche Katzenmutter gegeben, die behaupteten, sie könnten auch eine Hunde- oder Katzenbiographie schreiben. Aber ich habe auch einen Schullehrer gekannt, der seinen Schülern regelmäßig die Aufgabe gegeben hat, die Biographie ihrer Stahlfeder zu schreiben. Nicht darauf kommt es an, daß sich ein Gedanke auf alles anwenden läßt, sondern darauf, daß sich unser Verständnis dazu hindurchringt, was an einer Sache oder Wesenheit das Wesentliche ist. Bis zum Tier herauf ist das biographisch Individuelle das Unwesentliche; beim Menschen aber wird es das Wesentliche, weil beim Menschen ja die Hauptsache dasjenige ist, was sich als Individualität von Leben zu Leben weiter entwickelt, was beim Tier nur von Gattung zu Gattung geht. Wenn eine solche Wichtigkeit des biographischen Elementes nicht zugegeben wird, so liegt es nicht daran, daß diese Wichtigkeit nicht eine ebenso bedeutungsvolle ist wie die, welche wir naturwissenschaftlichen Gesetzen der Außenwelt beilegen, sondern daran, daß derjenige, der sie nicht zugibt, nicht das Gewicht von irgendwelchen Erscheinungen empfinden kann.

[ 16 ] Those who refuse to admit any real distinction between men and animals will of course try to find analogies to laughing and weeping in the animal kingdom. But anyone who understands these things rightly will agree with the German poet who says that animals can rise at most only to howling, never to weeping; they can show their teeth in a grin but they never smile. Herein lies a deep truth which we can express in words by saying that the animal does not raise itself to the individual egohood which dwells in every human being. The animal is ruled by laws which appear to resemble those appertaining to human selfhood but remain external to the animal throughout its life. This essential difference between human beings and animals has already been mentioned here, and it was said that what interests us in the animal is comprised in the species to which it belongs. For example, there are no such great difference between lions and their progeny as we may find between human parents and their offspring. The main characteristics of an animal are those of its type or species. In the human realm every person has his own individual characteristics and his own biography, and this is what concerns us, whereas in animals it is the history of the species. Certainly there are many dog-owners and cat-owners who aver that they could write a biography of their pet, and I even knew a schoolmaster who regularly set his pupils the exercise of writing the biography of a pen. The fact that a thought can be applied to anything is not important; what matters is that we should penetrate with our understanding the essential nature of a being or a thing. Individual biography is significant for man, but not for animals, for the essential part of man is the individuality which goes on and develops from life to life, whereas in animals it is the species that lives on and evolves.

[ 17 ] In der Geisteswissenschaft nennen wir das, was beim Tier von Art zu Art geht, was sich von Gattung zu Gattung fortlebt, des Tieres Gruppen-Seele oder Gruppen-Ich, das wir aber als etwas Reales ansehen. Und wir sprechen davon, daß das Tier sein Ich nicht in sich hat, sondern außer sich. Wir verneinen auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft nicht etwa das tierische Ich, sondern wir sprechen von einem Gruppen-Ich, welches das Tier von außen her dirigiert. Beim Menschen dagegen sprechen wir von einem individuellen Ich, das in das Innerste der menschlichen Wesenheit hineingeht und von innen heraus jede einzelne menschliche Wesenheit als die ihm zugrunde liegende Individualität so dirigiert, daß der Mensch in ein persönliches Verhältnis zu den Wesen seiner Umgebung tritt. Dasjenige allgemeine Verhältnis, welches sich die Tierheit herstellen kann nach ihrer Lenkung durch das äußere Gruppen-Ich, hat auch einen typischen, allgemeinen Charakter. Was dieses oder jenes Tier liebt oder haßt, wovor dieses oder jenes Tier sich fürchtet, hat einen allgemeinen, einen typischen Charakter und modifiziert sich nur für gewisse Kleinigkeiten, zum Beispiel bei unsern Haustieren oder bei den Tieren, die mit dem Menschen zusammenleben. Was aber beim Menschen Liebe und Haß in bezug auf seine Umgebung, was Furcht und Schrecken für die Seele bedeuten, was Sympathie und Antipathie ist, das erzieht sich der Mensch in seiner Individualität, in der Ichheit, die von Verkörperung zu Verkörperung geht, auf individuelle Art. Daher ist das besondere Verhältnis, durch das der Mensch sich von irgendeinem Wesen der Umgebung befreit, das dann physiognomisch im Lachen zum Ausdruck kommt, oder das andere Verhältnis, wo wir etwas suchen und nicht mehr finden können, und was sich im Weinen seinen physiognomischen Ausdruck sucht, immer etwas, was das menschliche Ich allein entfalten kann. Daher können wir auch sagen: Je mehr das Kind sich herauswindet aus dem bloß Animalischen, aus dem bloß Tierischen, je mehr sich seine Individualität zeigt, desto mehr zeigt sich seine Menschlichkeit im Lachen oder in den aus den Augen quillenden Tränen. Wenn wir das Leben in seiner Wahrheit betrachten, müssen wir nicht in den groben Tatsachen des Lebens, nicht in der Ähnlichkeit der Knochen und Muskeln zwischen Mensch und Tier, oder in der bis zu einem gewissen Grade vorhandenen Ähnlichkeit der anderen Organe das Wichtigste suchen, wenn wir die Entscheidung treffen wollen für die höhere Stellung des Menschen über die Erdenwesen; sondern wir müssen da, wo wir die feineren Tatsachen erblicken, das Wesentliche zur Charakteristik der Menschennatur suchen. Wem solche Tatsachen wie Lachen und Weinen zu unbedeutend erscheinen, um sie für die eigentliche Charakteristik der Menschheit und der Tierheit anzuwenden, dem muß man sagen: Nicht zu helfen ist dem, der nicht vermag sich aufzuschwingen zu den Tatsachen, auf die es ankommt, wenn wir den Menschen in seiner Geistigkeit verstehen wollen.

[ 17 ] In spiritual science, the enduring element that informs the species is called the animal's group-soul or group-ego, and we regard it as a reality. Thus we say that the animal has its ego outside itself. We do not deny the animal an ego, but we speak of the group-ego which directs the animal from outside. With man, by contrast, we speak of an individual penetrating right into his inmost part and directing each human being from within in such a way that he can enter into a personal relationship with the beings in his environment. The relationships that animals establish through the guidance of the external group-ego have a general character. What this or that animal likes or hates or fears is typical for its species, modified only in minor details among domestic animals and those which live with men. In human beings, what a person feels by way of love and hate, fear, sympathy or antipathy in relation to his environment springs from his individual ego. Thus the special relationship whereby man liberates himself from something in his environment and expresses his relief in laughter, or, in the opposite case, when he seeks for a relationship he cannot find and expresses his frustration in tears—all this can occur in man only. The more the individuality of the child makes itself evident above the animal level, the more does it show its humanity through laughter and tears. If we are to take a true view of life, we must not attach primary importance to such crude facts as the similarities of bone and muscle in men and animals or the resemblances between some other organs. We must look for man's essential characteristics as evidence of his status as the highest of earthly beings in subtler aspects of his nature. If anyone cannot see the significance of such facts as laughter and tears for bringing out the difference between men and animals, one has to say: Nothing can be done to help a person who cannot rise to the facts which matter most in coming to understand man in his spirituality.

[ 18 ] Diese Tatsachen, die uns hier geisteswissenschaftlich entgegentreten, können uns nun allerdings auch hineinleuchten in gewisse naturwissenschaftliche Errungenschaften, aber nur dann, wenn diese Tatsachen wieder hineingestellt werden in ein großes und geisteswissenschaftliches Ganzes. Mit Lachen und Weinen ist beim Menschen noch etwas anderes verbunden. Wer Lachen und Weinen beim Menschen beobachtet, der wird finden, daß bei diesen Äußerungen der menschlichen Wesenheit nicht nur der physiognomische Ausdruck des Lachens oder der Trauer vorhanden ist, sondern daß dabei auch eine Änderung, eine Modifikation des Atmungsprozesses auftritt. Wenn der Mensch traurig ist bis zum Vergießen von Tränen, und wenn seine Traurigkeit zu einem solchen Zusammenpressen des astralischen Leibes führt, daß der physische Leib mit zusammengepreßt wird, dann kann man beobachten, daß das Einatmen immer kürzer und kürzer wird, und daß das Ausatmen in langen Atemzügen geschieht. Und beim Lachen ist das Umgekehrte der Fall; da bemerken wir ein langes Einatmen und ein kurzes Ausatmen. In dieser Weise wird der Atmungsprozeß modifiziert. Und es ist nicht bloß ein Bild, sondern es entspricht einer tieferen Wirklichkeit, wenn wir sagen: Wenn beim lachenden Menschen der astralische Leib schlaff wird, und wenn der physische Leib in seiner feineren Gliederung auch erschlafft, dann tritt so etwas ähnliches ein, wie wenn wir einen leeren Raum erzeugen, indem wir die Luft aus ihm auspumpen und diesen leergemachten Raum dann der äußeren Luft aussetzen: dann pfeift die Luft da hinein. Eine Art Freimachen der äußeren Leiblichkeit tritt also im Lachen ein, und dann dringt in einem langen Atemzuge die Luft nach innen. Beim Weinen ist das umgekehrt der Fall: Wir pressen den astralischen Leib zusammen — und auch den physischen Leib, und die Folge ist, daß das lange Ausatmen durch das Zusammenpressen wie in einem Zuge bewirkt wird.

[ 18 ] The facts we are now considering in the light of spiritual science can illuminate certain scientific findings, but only if the facts are placed in the context of a great spiritual-scientific whole. If we observe a person laughing or weeping, we can see that a change in the breathing process occurs. When sorrow goes as deep as tears, leading to a contraction of the astral body, and hence to a contraction also of the physical body, the in-breathing becomes shorter and shorter and the out-breathing longer and longer. In laughter the opposite occurs: the in-breathing is long and the out-breathing short. When a person's astral body is relaxed, and with it the finer parts of the physical body, the situation resembles that of a hollow space from which all the air is pumped out and immediately the outside air rushes in. A kind of liberation of the outer corporeality occurs in laughter, and then a long breath of air is drawn in. In weeping the opposite occurs. We press the astral together and with it the physical body, and the contraction causes an out-breathing in one long stretch.

[ 19 ] So sehen wir, wie wiederum mit den physischen Lebensäußerungen und bis in das äußere Physische hinein dasjenige zusammenhängt, was seelisch im Menschen erlebt wird durch die Anwesenheit des Ich.

[ 19 ] Here, again, we have an instance where a soul-experience is brought by the ego into connection with the physical, right down into the physical body of man.

[ 20 ] Wenn wir diese physiologischen Tatsachen nehmen, so wird uns in merkwürdiger Weise eine geisteswissenschaftliche Tatsache beleuchtet, welche bildlich ihren Ausdruck gefunden hat — wie in der Regel geisteswissenschaftliche Tatsachen bildlich ihren Ausdruck finden — in den religiösen Urkunden der Menschheit. Erinnern wir uns an jene bedeutungsvolle Stelle des Alten Testamentes, wo dargestellt wird, daß der Mensch zu seiner gegenwärtigen Menschlichkeit heraufgehoben wird, indem ihm Jahve oder Jehova einströmen läßt den lebendigen Odem und ihn dadurch zu einer in sich lebendigen Seele macht. Das ist der Moment, wo auf das Werden der Ichheit im großen hingedeutet wird. Es wird im Alten Testament die Art und Weise des Atmungsprozesses hingestellt als der Ausdruck der eigentlichen Ichheit des Menschen; das Atmen wird in Zusammenhang gebracht mit der inneren Seelenhaftigkeit des Menschen. Wenn wir nun sehen, wie das menschliche Ich sich im Lachen und Weinen einen besonderen Ausdruck verschafft, dann zeigt sich uns schon der intime Zusammenhang zwischen dem menschlichen Atmungsprozeß und der inneren Beseelung des Menschen, und wir blicken dann von einer solchen Erkenntnis aus auf die religiösen Urkunden mit jener Demut, die uns ein solches tieferes, wahres Verständnis gibt.

[ 20 ] If we take these physiological facts, they will wonderfully illuminate an event which is recorded symbolically in the ancient religious records of mankind. You will remember the passage in the Old Testament which tells how man was raised to fully human status when Jahve or Jehovah breathed into him the breath of life and thereby endowed him with a living soul.12Genesis 2, 7 That is the moment when the birth of selfhood is impressed on our attention. Thus in the Old Testament the breathing process is shown as an expression of true ego-hood and brought into relation with the soul-quality of man. If we then recall how laughing and weeping are a unique expression of the human ego, we see at once the intimate connection between the breathing process and the soul-nature in man; and then, in the light of this knowledge, we come to look on the ancient religious records with the humility that such a deep and true understanding must instil in us.

[ 21 ] In der Geisteswissenschaft gehen uns zunächst alle diese Urkunden nichts an. Denn selbst wenn auch durch eine große Katastrophe alle diese Urkunden zugrunde gehen würden, die Geistesforschung hat die Mittel, daß sie dasjenige, was ihnen zugrunde liegt, durch die Geistesforschung selbst finden kann. Nie ist die Geistesforschung auf Urkunden angewiesen. Wenn aber die Tatsachen gefunden sind, und man nachher in den Urkunden den unzweifelhaften bildlichen Ausdruck dessen wiedererkennt, was man vorher mit der Geisteswissenschaft unabhängig von den Urkunden gefunden hat, dann wächst unser Verständnis für diese Urkunden. Dann sagt man sich: Es kann dasjenige, was da besprochen ist, nicht anders hineingekommen sein als durch Wesenheiten, die das gewußt haben, was der Geistesforscher in ihnen wiederfinden kann; und es spricht durch die Jahrtausende Geistesforscher zu Geistesforscher, Geistesblick zu Geistesblick! Dadurch gewinnt man gerade aus der Erkenntnis heraus die richtige Stellung zu diesen Urkunden. Und wenn erzählt wird, wie der Gott einprägte dem Menschen seinen lebendigen Odem, wodurch der Mensch eine sich innerlich findende Ichheit wurde, so finden wir gerade aus einer solchen Betrachtung, wie diese über «Lachen und Weinen», wie wahr eine solche bildlich dargestellte Tatsache in bezug auf die Menschennatur ist.

[ 21 ] For spiritual science these records are not necessary. Even if they were all destroyed in a great catastrophe, spiritual-scientific research has the means to discover for itself what lies at the root of them. But when the facts have been ascertained by this means, and when later the same facts are found to be unmistakably rendered in the symbolic-pictorial language of the old records, our understanding of the records is greatly enhanced. We feel that they must originate from seers who knew what the spiritual-scientific researcher discovers—spiritual vision meets spiritual vision across thousands of years, and from this knowledge we gain the right attitude towards these records. When we are told how God breathed his own living breath into man, whereby man would find his own in-dwelling ego, we can see from our study of laughter and tears how true to human nature is this symbolically recorded event.

[ 22 ] Nur auf einzelnes soll jetzt noch hingewiesen werden, weil es uns sonst zu weit führen würde. Es könnte zum Beispiel jetzt jemand sagen: Du hast die ganze Betrachtung an einem falschen Ende angefaßt, denn du hättest dort anfangen müssen, wo die äußeren Tatsachen sprechen. Das geistige Element mußt du dort suchen, wo es nur als eine reine Naturwirkung auftritt, zum Beispiel wenn der Mensch gekitzelt wird. Da haben wir die elementarste Tatsache des Lachens. Wie kommst du da zurecht mit all deinen Phantastereien über das Ausdehnen des astralischen Leibes — und so weiter?

[ 22 ] There is one other point I will mention, but only briefly, or it would lead us too far afield. Someone might say to me: you have started at the wrong end, you ought to have started with the external facts. The spiritual element should be sought where it appears purely as a natural occurrence—for example when a person is tickled. That is the most elementary fact about laughter. How do you reconcile that with all your fantasies about the expansion of the astral body and so forth?

[ 23 ] Oh, dann vollzieht sich gerade erst recht das Ausdehnen des astralischen Leibes. Denn alle die Dinge, die als Charakteristik angeführt sind, sind dann vorhanden, wenn auch auf untergeordneter Stufe. Wenn der Mensch gekitzelt wird an der Fußsohle, so ist das eine Tatsache, auf die er sich nicht einlassen kann mit seinem Verstande. Er will es nicht, lehnt es ab. Er wird sie nur dann mit seinem Verständnis umfassen, wenn er sich selber kitzelt. Aber dann lacht er nicht; denn dann kennt er den Urheber. Wenn ihn aber ein anderer kitzelt, hat es für ihn etwas Unverständliches. Darüber erhebt sich das Ich, sucht davon frei zu werden und sucht den astralischen Leib davon loszubekommen. Und gerade das Loskommen des astralischen Leibes von einer unpassenden Berührung drückt sich aus durch das nicht motivierte Lachen. Das ist gerade eine Befreiung, eine Rettung des Ich auf elementarer Stufe von jener Attacke, die auf uns ausgeübt wird, wenn wir an der Fußsohle gekitzelt werden, wo wir mit unserem Verständnis der Sache doch nicht beikommen können.

[ 23 ] Well, it is just in such a case that an expansion of the astral body occurs, and everything I have described comes to pass, though on a lower level. If someone tickles himself on the soles of his feet, he knows very well what is happening and is not impelled to laugh. But if he is tickled on the sole by someone else, he will reject it as an alien incursion, not to be rationally understood. Then his ego will try to rise above it, to liberate itself and set the astral body free. This freeing of the astral from an inappropriate contact expresses itself in laughter without motive. That signifies precisely a liberation, a rescue of the ego on a fundamental level, from the attack made on us by the tickling of our feet.

[ 24 ] Jedes Lachen über einen Witz oder über etwas, was komisch ist, steht auf derselben Stufe. Wir lachen über den Witz, weil wir durch das Lachen in das richtige Verhältnis zu ihm kommen. Im Witz werden Dinge zusammengebracht, die im ernsten Leben nicht zusammengebracht werden können; denn wenn sie logisch zu begreifen wären, würden sie nicht witzig sein. Im Witz werden Verhältnisse zusammengebracht, die, wenn man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, nicht unser Verständnis unbedingt herausfordern, sondern nur von uns gerade das herausfordern, daß wir mit einem gewissen Spiel des geistigen Lebens die Dinge zusammenbringen, die da zusammengebracht sind. In dem Augenblick, wo wir uns als im Besitz dieses Spieles fühlen, machen wir uns frei und erheben uns über den Inhalt, der im Witz liegt. Die Tatsache des Sich-Freimachens, des Sich-Erhebens über irgendeine Erscheinung werden Sie überall finden, wo Lachen zutage tritt. Und ebenso werden Sie die Tatsache, daß der Mensch etwas sucht, was er nicht finden kann, und sich daher in sich selber zusammenpreßt, beim Weinen zugrunde liegen sehen.

[ 24 ] Laughing at a joke or at something comic is on the same level. We laugh at a joke because laughter brings us into a right relationship with it. A joke associates things which in serious life are kept apart; if the connection between them could be logically grasped, it would not be comic. A joke sets up relationships which—unless we are topsy-turvy minded—do not call for understanding but only for playing a sort of game. Directly we feel masters of the game, we free ourselves and rise above the content of the joke. This liberation, this raising ourselves above something, we shall always find when laughter breaks out.

[ 25 ] Es kann aber diese Art des Verhältnisses zur Außenwelt, wie sie jetzt geschildert worden ist, berechtigt oder unberechtigt sein. Wir können uns aus einer gewissen Berechtigung frei machen wollen im Lachen; oder aber durch unsere Eigentümlichkeit den betreffenden Vorgang auch nicht verstehen wollen oder nicht verstehen können. Dann liegt das Lachen nicht in der Natur der Tatsachen, sondern in unserer Unvollkommenheit. Das tritt überall dort zutage, wo irgendein unentwickelter Mensch über einen andern lacht, weil er ihn nicht verstehen kann. Wenn ein unentwickelter Mensch bei einem andern das Alltägliche und Philiströse, das er für das richtige hält, nicht findet, dann denkt er, es sei nicht nötig, da mit dem Verständnis heranzukommen; er sucht sich davon frei zu machen — vielleicht gerade deshalb, weil er es nicht verstehen will. Daher überträgt es sich leicht bei uns in die Gewohnheit, sich durch Lachen von allem frei zu machen. Das ist auch oft die Natur gewisser Menschen: sie lachen und meckern über alles; sie wollen gar nichts verstehen; sie plustern sich auf in ihrem Astralleib und kommen dadurch immerfort zum Lachen. Das ist durchaus dieselbe Grundtatsache. Nur kann es auf der einen Seite berechtigt erscheinen, nicht eindringen zu wollen in das Verständnis einer Sache, und auf der andern Seite kann es unberechtigt sein. Es kann auch an den Unvollkommenheiten der Mode liegen, daß etwas dem gewöhnlichen Betragen nicht ganz geeignet erscheint, um dafür Verständnis zu haben. Da hat man dann ein Lächeln, indem man sich erhaben dünkt über das eine oder andere. Es braucht also das Lachen nicht ein berechtigtes Gefühl des Sich-Zurückziehens auszudrücken, sondern es kann auch ein unberechtigtes Zurückziehen ausdrücken. Damit wird aber die Grundtatsache nicht geändert, wodurch das Lachen charakterisiert worden ist.

[ 25 ] But this kind of relationship to the outer world may or may not be justified. We may rightly wish to liberate ourselves through laughter; or alternatively our own cast of mind may make us unwilling or unable to understand what is going on. Laughter will then derive from our own limitations, not from the nature of things. This is what happens when an undeveloped human being laughs at someone because he cannot understand him. If an undeveloped human being fails to find in another the commonplace or philistine qualities that he regards as right and proper, he may think he need not try to understand the other person and so he tries to free himself—perhaps because he does not want to understand. So it can easily become a habit to liberate oneself through laughter on all occasions. There are indeed certain people for whom it is quite natural to laugh and bleat at everything, without ever trying to understand anything; they fluff out their astral and so are continually laughing. Or it may be that attitudes currently in fashion make it seem that some everyday behaviour is not worth any attempt to understand it. Then people will allow themselves a smile, feeling that they are superior to this or that. Hence you will see that laughter does not always express a feeling of justified withdrawal; the withdrawal can also be unjustified. But the fundamental facts concerning laughter are not affected either way.

[ 26 ] Es kann aber auch vorkommen, daß jemand auf dasjenige, was menschliche Lebensäußerung ist, rechnet. Nehmen wir an, irgend jemand rechnet als Redner mit dem, was durch seine Rede aufgehen soll, als Zustimmung oder dergleichen. Da rechnet er selbstverständlich mit dem, was die menschliche Seele erleben kann. Nun wird es in einzelnen Fällen vielleicht berechtigt sein, auf Dinge hinzuweisen, die so minderwertig sind oder so unter dem Kreise des Verständnisses von gewissen Zuhörern, daß man sie charakterisieren darf, ohne daß ein besonders intimes Band von der Seele der Zuhörer zu diesen Gegenständen geschlungen wird; sondern man wird gerade den Zuhörern helfen, sich zu befreien von dem, was unter dem Kreise dessen liegt, worüber der Redner Verständnis ausgießen soll. Da wird der Redner damit rechnen dürfen, daß die Zuhörer seine Stellung der Ablehnung der betreffenden Gegenstände teilen. Es gibt aber auch Redner, die immer die Lacher auf ihrer Seite haben wollen. Ich habe schon gehört, daß Redner sagten: Ich werde da, wo ich siegen will, die Lachmuskeln antreiben, so daß ich die Lacher auf meiner Seite habe — und wer die Lacher auf seiner Seite hat, der hat eben gesiegt! Das kann aber auch aus einer inneren Unehrlichkeit kommen. Denn appelliert man an das Lachen, so appelliert man an etwas, wodurch sich der Mensch über eine Sache erheben soll. Man rechnet aber auch mit der Eitelkeit der Menschen — wenn sie sich dessen auch nicht bewußt sind —, wenn man die Sache so darstellt, daß sie nicht angewiesen sind, in ihr unterzutauchen und bloß deswegen darüber lachen dürfen, weil sie auf ein Niveau gerückt wird, wo sie zu minderwertig erscheint. Es kann also das Rechnen auf das Lachen einem Prinzip der Unehrlichkeit entspringen. Und man wird in einer gewissen Weise zuweilen auch dadurch den Menschen gewinnen können, daß man in ihm jenes Wohlbehagen und Wohlgefühl erregt, das in dem heutigen Vortrage geschildert worden ist als mit der Träne verbunden. Der Mensch fühlt dann, wenn ihm sozusagen ein Verlust nur für die Phantasie vorgeführt wird, daß er sich sagen könnte: Du darfst jetzt etwas suchen, was du eigentlich nicht findest! Er fühlt sich durch das Zusammenpressen des Ich in seiner Egoität, in seiner Selbstsucht bestärkt; und manches Rechnen auf die Rührung ist oft im großen nichts anderes als ein Rechnen auf die Selbstsucht des Menschen. Alle diese Dinge können daher arg mißbraucht werden, weil Rührung und Schmerz, Trauer, Hohn und Spott, die von Lachen oder Weinen begleitet sind, mit dem zusammenhängen, was das Ich stärkt und befreit, also mit der menschlichen Ichheit, der Egoität. Es kann daher auch, wenn diese Dinge sich geltend machen, die Selbstsucht angesprochen werden, an die Selbstsucht appelliert werden; und dann ist es die Selbstsucht, die ebenso zerstören kann, was Mensch an Mensch bindet.

[ 26 ] It may happen also that someone makes calculated use of this form of human expression. Consider a speaker who calculates the effect his words will have on his hearers, whether they agree with him or not. Now it may be justified for him to refer to things so trivial or so far below the level of his audience that they can be described without weaving any intimate link between them and the souls of his hearers. In fact, by so doing he may help them to free themselves from the trivialities that surround the subject which he really wants to get them to understand. But there are also speakers who always want to get the laugh on their side. I have heard them saying: If I am to win I must stimulate laughter, so that I will have the laughers on my side—for if anyone has the laughers on his side, his case is as good as won! That may spring from inward dishonesty. For anyone who appeals to laughter is evoking a response which is intended to raise his hearers above something. But if he presents the matter in such a way that his hearers need not try to understand it but can laugh at it only because it has been brought down to a level where it appears trivial—then he is counting on human vanity, even though his hearers may not be aware of it. So you can see that this counting on laughter may involve a certain dishonesty. In the same way it is sometimes possible to win people over by stirring in them the feelings of comfort and well-being which I have described as being associated with tears. In such cases, when some loss is brought before a person in imagination only, he may indulge himself in craving for something he knows he cannot find. By contracting his ego he feels his selfhood strengthened; and often this kind of appeal to the emotions is really an appeal to human selfishness. All these forms of appeal can thus be grossly misused, because pain and grief, mockery and scorn, which may be accompanied by tears or laughter, are all connected with strengthening or liberating the ego and so with human egohood. When therefore such appeals are made, it may be our selfishness that is addressed, and it is selfishness that destroys the bonds between man and man.

[ 27 ] Da sehen wir also, daß das menschliche Ich im Lachen und dem, was dem Lachen zugrunde liegt, frei sich hinaufgehoben fühlt, und daß die Selbstheit sich zusammengedrängt fühlt in der Träne und dem, was damit verbunden ist. Wir haben aber in anderen Vorträgen auch gesehen, wie das Ich nicht nur an der Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele arbeitet, sondern wie es durch diese Arbeit selbst immer vollkommener und stärker werden soll. Wir werden daher leicht begreifen, daß Lachen und Weinen in gewisser Weise Erziehungsmittel sein können. Indem das Ich sich zum Lachen erhebt, wird es die Kräfte aufrufen seiner Selbstbefreiung, seines Erhabenseins und Insichgeschlossenseins in der Welt. In der Träne kann es sich dazu erziehen, sich zu verbinden mit dem, wozu es gehört; und indem es den Mangel fühlt gegenüber dem, wozu es gehört, bereichert es sich doch in anderer Weise mit seiner eigenen Ichheit, indem es sich zusammenpreßt. Oh, im Lachen und Weinen liegen damit zu gleicher Zeit Erziehungsmittel des Ich und der Kräfte des Ich. Das Ich steigt sozusagen herauf in seiner Freiheit und Zusammengeschlossenheit mit der Welt, indem es sich äußert im Lachen und Weinen. Daher ist es kein Wunder, daß zu den großen Erziehungsmitteln der menschlichen Entwickelung diejenigen Produktionen und menschl:chen Schöpfungen gehören, die gerade auf die Erregung derjenigen Seelenkräfte hinarbeiten, die dem Lachen und Weinen zugrunde liegen.

[ 27 ] In other lectures we have seen that the ego not only works on the sentient soul, the intellectual soul and the consciousness soul, but through this work is itself made stronger and brought nearer fulfilment. Hence we can readily understand that laughing and weeping can be a means whereby the ego can educate itself and further strengthen its powers. No wonder, then, that among the great sources of education for human development we rank those dramatic creations which stimulate the soul-forces that find expression in laughter and tears.

[ 28 ] Wir sehen im Trauerspiel, in der Tragödie etwas hingestellt, was tatsächlich den astralischen Leib zusammenpreßt, um in unser Ich Festigkeit, innere Geschlossenheit hineinzubringen, während im Lustspiel das hingestellt wird, was den astralischen Leib weitet, indem sich der Mensch erhebt über das Törichte, über das in sich selbst Zusammenfallende und dadurch das Ich zur Befreiung bringen will. Wir sehen, wie es mit der Entwickelung des Menschen zusammenhängt, daß durch das Trauerspiel, das Lustspiel künstliche Schöpfungen vor seine Seele hingestellt werden.

[ 28 ] Our experience of tragic drama does in fact have the effect of pressing the astral body together and so imparting firmness and inner cohesion to the ego. Comedy expands the astral body, inasmuch as a person raises himself above follies and coincidences and thereby liberates the ego. Hence we can see how closely connected with human development are tragedy and comedy, when through artistic creations they come before our souls.

[ 29 ] Wer die menschliche Natur und Wesenheit auch in den kleinsten Dingen beobachten kann, der wird sehen, daß ihn die alltäglichen Erlebnisse auch zum Verständnis der großen Tatsachen führen können. Solche Dinge, die uns zum Beispiel in der Kunst vor Augen treten, zeigen uns, daß wir in der menschlichen Natur etwas haben, was wie ein Pendel hin und her zu schlagen hat zwischen dem, was in der Träne und was im Lachen sich äußert. Nur dadurch, daß das Ich in der Bewegung ist, entwikkelt es sich weiter. In der ruhigen Pendellage würde es sich nicht vergrößern und weiter entwickeln, würde dem inneren Tode verfallen müssen. Recht ist es für die menschliche Entwickelung, daß das Ich sich auf der einen Seite befreien kann durch das Lachen und auf der anderen Seite sich selber sucht noch in seinem Verlust, in der Träne. Allerdings, wenn zwischen zwei Polen der Ausgleich gesucht werden soll, so muß er auch gefunden werden. Daher wird das Ich sich voll finden können nur im Ausgleich, niemals in dem Hinundherpendeln zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zu Tode betrübt»; es wird sich nur finden können in der Ruhelage, die sowohl zu dem einen wie zu dem andern hingehen kann.

[ 29 ] Anyone who can observe human nature in its smallest details will find that everyday experiences can lead to an understanding of the greatest facts. Artistic productions, for example, can make us see that in human life there is a kind of pendulum which swings to and fro between laughter and tears. The ego can progress only by being in motion. If the pendulum were at rest, the ego would not be able to expand or develop; it would succumb to inward death. It is right for human development that the ego should be able to free itself through laughter and on the other hand to search for itself through tears. Certainly a balance between the two poles must be found: the ego will find completion only in the balance, never in swinging to and fro between exultation and despair. It will find itself only at the point of rest, which can swing over as easily to one extreme as to the other.

[ 30 ] Lenker und Leiter seines Daseins muß der Mensch allmählich im Laufe seiner Entwickelung werden. Wenn wir Lachen und Weinen verstehen, begreifen wir sie gerade als Geist-Offenbarungen und werden sagen: Der Mensch wird uns so recht durchsichtig, wenn wir sehen, wie er sich im Lachen einen äußeren Ausdruck für ein inneres Befreiungsgefühl sucht, und wie sich in der Träne ein inneres Befestigungsgefühl ausdrückt, wenn das Ich in der Außenwelt etwas verloren hat. — So haben wir im Lachen und Weinen zwei Pole, an denen sich uns die Geheimnisse der Welt zum Ausdruck bringen.

[ 30 ] The human being must gradually become the guide and leader of his own development. If we understand laughter and tears, we can see them as revelations of the spirit, for a human being becomes transparent, as it were, if we know how in laughter he seeks an outward expression of inner liberation, while in tears he experiences an inner strengthening after the ego has suffered a loss in the external world.

[ 31 ] Und fragen wir uns: Was ist im letzten Grunde das Lachen auf dem Menschenantlitz? — so wissen wir, es ist die geistige Offenbarung dafür, daß der Mensch heranstrebt zur Befreiung, daß er sich nicht umschlingen läßt von den Dingen, die seiner nicht würdig sind, sondern sich mit Lächeln im Antlitz erhebt über das, dessen Sklave er nie werden darf. Und die Träne auf dem Antlitz des Menschen ist uns der geistige Ausdruck für die geistige Tatsache, daß der Mensch selbst dann, wenn er den Faden zerrissen fühlt zwischen sich und irgendeinem Wesen der Außenwelt, diesen Faden noch sucht im Verlust; daß er dann, wenn er sein Ich verfestigen will in der Träne, gerade darin zum Ausdruck bringen will: Ich gehöre der Welt, und die Welt gehört zu mir, denn ich kann nicht ertragen das Losgerissensein von der Welt.

[ 31 ] To the question as to what laughter fundamentally is, we can reply: It is a spiritual expression of man's striving for liberation, in order that he may not be entangled in things unworthy of him but with a smile may rise above things to which he should never be enslaved. Similarly, tears are an expression of the fact that when the thread linking him to someone in the outer world has been broken, he still seeks for such a link in the midst of his tears. When he strengthens his ego through weeping, he is in effect saying to himself, I belong to the world and the world to me, for I cannot endure being torn away from it.

[ 32 ] Nun verstehen wir, wie die Befreiung, die sich über alles Niedere und Böse erhebt, ausgedrückt werden durfte durch das «Zarathustra-Lächeln», und wie man sagen konnte: bei diesem Lächeln jauchzten alle Geschöpfe der Erde, und es flohen die Geister des Bösen! Denn dieses Lächeln ist das weltgeschichtliche Symbolum der geistigen Erhebung der freien Ich-Wesenheit über das, worinnen sie nicht verstrickt werden soll. Und alles, was auf der Erde ist, darf aufjauchzen, wenn das, was seine Wesenheit ist, sich mit dem Lächeln der ZarathustraWesenheit erheben kann. Dann aber, wenn das Ich einen Augenblick hat, wo es sagt: Das Dasein ist nichts wert; ich will nichts mehr gemein haben mit der Welt! — Und wenn dann in seiner Seele aufzucken soll die Kraft, welche die Worte zum Bewußtsein bringen soll: Die Welt gehört zu mir, ich gehöre der Welt! — dann darf ein solcher Ausdruck gefunden werden in den Worten Goethes: «Die Träne quillt! Die Erde hat mich wieder!» Darin wird gefühlt, daß wir nicht ausgeschlossen sein dürfen von allem, was die Erde ist, daß wir die Zusammengehörigkeit mit der Welt fühlen dürfen, die sich in der Träne einen Ausdruck verschafft, wenn sie uns genommen wird. Das ist berechtigt in den tiefen Geheimnissen der Welt.

[ 32 ] Now at last we can understand how this liberation, rising above everything base and evil, could be expressed in the “Zarathustra smile”, at which all creatures on earth exulted, while the spirits of evil fled away. That smile is the symbol in world-history of the spiritual elevation of the ego above everything that might strangle it. And if the ego comes to an occasion when it feels that existence is worthless and that it wants to have no more to do with the world, and if then a power rises up in the soul which impels the ego to affirm, “The world belongs with me and I with the world”, then this feeling is rendered in Goethe's “The tears flow forth—the earth holds me again!” These words give voice to a conviction that we cannot be shut off from the earth and that even in our tears we assert our intimate connection with the world at the very moment when it seems to be taken from us. And for this assertion there is justification in the deep secrets of the world.

[ 33 ] Die Zusammengehörigkeit des Menschen mit der Welt kann uns die Träne auf seinem Antlitz verkündigen, und des Menschen Befreiung von allem Niedrigen, das seiner habhaft werden will, kann uns das Lachen auf seinem Antlitz verkünden.

[ 33 ] Man's connection with the world is made known to us by the tears on his face, and his liberation from everything base by the smile upon his countenance.