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The Rudolf Steiner Archive

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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
Second Part
GA 59

3 February 1910, Berlin

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2. Lachen und Weinen

2. Laughter and Tears

[ 1 ] In einem Zyklus von Vorträgen über geisteswissenschaftliche Tatsachen könnte es manchem erscheinen, als ob der Gegenstand, der heute besprochen werden soll, unbedeutend wäre. Das aber ist gerade oftmals als ein Fehler solcher Betrachtungen zu bezeichnen, die ihren Weg hinaufnehmen in die höheren Gebiete des Daseins, daß die Einzelheiten des Lebens, die unmittelbaren Wirklichkeiten des Tages von den Betrachtenden vernachlässigt werden. Im allgemeinen haben es die Menschen ja gern, wenn in Vorträgen dieser Art von der Unendlichkeit oder Endlichkeit des Lebens gesprochen wird, von den höchsten Eigenschaften der Seele, von den großen Fragen der Welt- und Menschheitsentwickelung — und vielleicht von noch höheren Dingen; und gern läßt man sich nicht auf sogenannte Alltäglichkeiten ein, wie diejenigen sind, wenigstens scheinbar, die uns heute beschäftigen sollen. Wer aber auf dem Wege, der in diesen Vorträgen geschildert wird, einzudringen versucht in die Gebiete des geistigen Lebens, der wird sich immer mehr davon überzeugen, daß gerade das ruhige Vordringen Schritt für Schritt — von dem Allerbekanntesten in die unbekannteren Gebiete — sehr vom Heile ist. Im übrigen können Sie es schon aus der Erinnerung an so manche Erscheinung entnehmen, daß die bedeutendsten Geister der Menschheit, daß das Bewußtsein der Menschheit überhaupt in dem, was man gewöhnlich als Lachen und Weinen bezeichnet, keineswegs etwas nur Alltägliches sieht. Hat doch jenes Bewußtsein, welches in den Legenden und in den großen Überlieferungen der Menschheit arbeitet — und so oft viel weiser als das einzelne individuelle menschliche Bewußtsein arbeitet —, die große Persönlichkeit, die für die morgenländische Kultur von so großer Bedeutung geworden ist, den Zarathustra, ausgestattet mit dem berühmten «Zarathustra-Lächeln»; und das Legenden-Bewußtsein sieht etwas Besonderes darin, daß dieser große Geist lächelnd in die Welt getreten ist. Und aus einem welthistorischen Tiefsinn heraus knüpft es an diese Tatsache des Zarathustra-Lächelns die andere Bemerkung, daß durch dieses Lächeln aufgejauchzt hätten alle Geschöpfe des Erdenrundes, und daß geflohen wären vor dem Zarathustra-Lächeln alle die bösen Geister und Widersacher des Erdenrundes. Wenn wir nun von einem solchen, in Legenden-Überlieferung wirkenden Bewußtsein zu den Schöpfungen eines einzelnen großen Geistes übergehen, dürfen wir uns auch erinnern an jene Gestalt, in welche Goethe am meisten von seinem eigenen Fühlen und Vorstellen hineingelegt hat, an die «Faust»-Gestalt. Nachdem Faust in die tiefste Verzweiflung an allem Dasein gefallen ist und nahe war der Vernichtung des eigenen Daseins, da läßt Goethe diese Gestalt beim Anhören der Osterglocken ausrufen: «Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!» Als das Symbolum der Seelenverfassung, die es Faust möglich macht, nach den Gedanken schlimmster, ärgster Verzweiflung sozusagen wieder zurückzukehren in die Welt: als das Symbolum des Sich-Wiederfindens eines Menschen in irdische Verhältnisse stellt uns hier Goethe, der Dichter, die Träne hin.

[ 1 ] In a series of lectures on facts in the humanities, it might seem to some that the topic to be discussed today is insignificant. But this is precisely what is often a flaw in such reflections, which ascend into the higher realms of existence: that the details of life, the immediate realities of the day, are neglected by those who engage in them. In general, people do, after all, like it when lectures of this kind speak of the infinity or finitude of life, of the highest qualities of the soul, of the great questions of the development of the world and humanity—and perhaps of even higher things; and they are not inclined to engage with so-called everyday matters, such as those—at least seemingly—that are to occupy us today. But anyone who attempts to penetrate the realms of spiritual life along the path described in these lectures will become increasingly convinced that it is precisely this calm, step-by-step advance—from the most familiar to the less familiar realms—that is of great benefit. Moreover, you can already gather from the memory of many such phenomena that the greatest minds of humanity—indeed, the consciousness of humanity as a whole—by no means regards what is commonly called laughter and tears as merely mundane. For that consciousness which works within the legends and the great traditions of humanity—and which so often works far more wisely than individual human consciousness—endowed the great personality who has become so significant for Eastern culture, Zarathustra, with the famous “Zarathustra smile”; and the consciousness of legend sees something special in the fact that this great spirit entered the world with a smile. And drawing on a profound understanding of world history, it links this fact of the Zarathustra smile to the further observation that all creatures of the earth rejoiced at this smile, and that all the evil spirits and adversaries of the earth fled from the Zarathustra smile. When we now turn from such a consciousness—which is active in the tradition of legends—to the creations of a single great spirit, we may also recall that figure into whom Goethe poured most of his own feelings and imagination: the figure of “Faust.” After Faust has fallen into the deepest despair over all existence and was on the verge of destroying his own being, Goethe has this character exclaim, upon hearing the Easter bells: “Tears well up; the earth has me again!” As the symbol of the state of mind that enables Faust, after thoughts of the worst, most bitter despair, to return, so to speak, to the world—as the symbol of a person’s rediscovery of himself within earthly circumstances—Goethe, the poet, presents us here with the tear.

[ 2 ] So sehen wir, daß eigentlich, wenn man nur daran denken wollte, bedeutungsvoll angeknüpft werden kann an das, was durch Lachen und Weinen bezeichnet wird. Aber es mag schon geglaubt werden, daß es bequemer ist, gleich über das Wesen des Geistes zu spekulieren, als den Geist in solchen Offenbarungen aufzusuchen, in denen wir ihn finden, wenn wir die Welt, wie sie unmittelbar um uns herum ist, betrachten. Und wir können den Geist — und zunächst den Geist des Menschen — in seiner Wesenheit gerade in jenem Ausdrucke der menschlichen Seele finden, der sich im Lachen und Weinen kundgibt. Verstehen kann man das, was uns in dieser eigenartigen Seelenoffenbarung vor das Auge tritt, nur wenn man wirklich diese beiden Äußerungen des Menschen als Ausdruck seines inneren geistigen Lebens betrachtet. Da muß man aber ein solches geistiges Wesen nicht nur anerkennen, sondern verstehen. Dem Verständnis dieses geistigen Wesens des Menschen waren ja alle die Vorträge gewidmet, die gerade in diesem Winterzyklus hier gehalten worden sind. Nur flüchtig braucht daher heute darauf hingedeutet zu werden, wie wir geisteswissenschaftlich das Wesen des Menschen betrachten. Denn auch um Lachen und Weinen zu verstehen, müssen wir diese Wesenheit des Menschen im geisteswissenschaftlichen Sinne zugrunde legen.

[ 2 ] Thus we see that, in fact, if one were only willing to consider it, one could meaningfully connect with what is expressed through laughter and tears. But one might well believe that it is more convenient to speculate directly about the nature of the spirit than to seek out the spirit in such manifestations as those in which we find it when we observe the world as it is immediately around us. And we can find the spirit—and first and foremost the human spirit—in its very essence precisely in that expression of the human soul which manifests itself in laughter and tears. One can understand what presents itself to our eyes in this peculiar revelation of the soul only if one truly regards these two human expressions as manifestations of one’s inner spiritual life. But this requires not only acknowledging such a spiritual nature, but also understanding it. All the lectures held here during this very winter cycle were, after all, devoted to understanding this spiritual nature of the human being. Therefore, we need only briefly touch upon today how we view the human being from a spiritual-scientific perspective. For even in order to understand laughter and tears, we must take this essence of the human being as our foundation in the spiritual-scientific sense.

[ 3 ] Wir haben gesehen, wie sich der Mensch uns darstellt, wenn wir ihn in seiner vollständigen Wesenheit betrachten, bestehend aus seinem physischen Leib, den er gemeinschaftlich hat mit der ganzen mineralischen Natur; aus seinem Äther- oder Lebensleib, den er gemeinschaftlich hat mit der ganzen pflanzlichen Natur; weiter aus dem astralischen Leib, den er mit der tierischen Natur gemeinsam hat, und der der Träger ist von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Entsetzen und Verwunderung und auch von all den Ideen, welche täglich vom Aufwachen bis zum Einschlafen in unserem Seelenleben auf und ab fluten. So besteht für uns die Wesenheit des Menschen zunächst aus diesen drei äußeren Umhüllungen; und in dieser Umhüllung lebt erst dasjenige, wodurch der Mensch die Krone der Erdenschöpfung wird, das menschliche Ich. Dieses Ich arbeitet nun wieder in dem Seelenleben, das aus den drei Seelengliedern aufgebaut ist, aus der Empfindungsseele als dem untersten Glied, aus dem nächsten Glied, der Verstandesoder Gemütsseele, und aus dem dritten Glied, der Bewußtseinsseele; und wir haben auch gesehen, wie das Ich an diesen Seelengliedern arbeitet, um den Menschen zu immer höherer Vollkommenheit zu bringen.

[ 3 ] We have seen how human beings appear to us when we consider them in their entirety, consisting of their physical body, which they share with the entire mineral kingdom; their etheric or life body, which they share with the entire plant kingdom; furthermore, from the astral body, which they share with the animal kingdom and which is the bearer of pleasure and suffering, joy and pain, of horror and wonder, and also of all the ideas that ebb and flow in our soul life every day from waking until falling asleep. Thus, for us, the essence of the human being consists first and foremost of these three outer sheaths; and it is within this sheath that what makes the human being the crown of earthly creation—the human “I”—truly lives. This “I” in turn works within the soul life, which is composed of the three soul members: the feeling soul as the lowest member, the next member, the intellectual or emotional soul, and the third member, the conscious soul; and we have also seen how the “I” works through these soul members to lead the human being to ever greater perfection.

[ 4 ] Was liegt denn diesem ganzen Arbeiten des Ich innerhalb der Seele des Menschen zugrunde?

[ 4 ] What, then, underlies all this activity of the “I” within the human soul?

[ 5 ] Betrachten wir einmal dieses Ich in verschiedenen seiner Äußerungen. Es tritt vor dieses Ich des Menschen, vor das tiefste Zentrum seines geistigen Lebens irgendeine Erscheinung, irgendein Gegenstand oder Wesen der Außenwelt. Das Ich bleibt diesem Wesen oder Gegenstand gegenüber nicht gleichgültig, sondern es äußert sich in einer gewissen Weise; es erlebt innerlich, in der Seele, dieses oder jenes. Ein Gegenstand gefällt oder mißfällt dem Ich. Das Ich kann aufjauchzen bei irgendeinem Ereignis, oder es kann in tiefste Betrübnis verfallen; es kann in Entsetzen und Furcht zurückbeben, oder es kann das Ereignis oder das Wesen liebevoll anschauen oder umfassen. Es kann innerlich das Erlebnis haben: Ich verstehe einen Vorgang, der mir gegenübertritt, oder: Ich verstehe ihn nicht.

[ 5 ] Let us consider this “I” in some of its various manifestations. Some phenomenon, some object, or some being from the external world appears before this “I” of the human being—before the deepest center of his spiritual life. The “I” does not remain indifferent to this being or object, but expresses itself in a certain way; it experiences this or that inwardly, in the soul. An object may please or displease the “I.” The “I” may exult at some event, or it may sink into the deepest sorrow; it may recoil in horror and fear, or it may gaze upon or embrace the event or being with love. It may have the inner experience: “I understand a process that confronts me,” or: “I do not understand it.”

[ 6 ] Wenn wir das Ich in seiner Tätigkeit belauschen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, dann sehen wir, wie es sich in Einklang zu bringen versucht mit der Außenwelt. Wenn ihm irgendein Gegenstand gefällt, wenn jenes Gefühl in uns aufsteigt: Das ist ein uns erwärmendes Wesen — dann ist ein Band geflochten zwischen uns und dem Gegenstand; dann schlingt sich etwas hinüber von uns zu dem Gegenstand. Das tun wir im Grunde genommen mit der ganzen um uns herum liegenden Welt. Unser ganzes Tagesleben erscheint uns in bezug auf die inneren Seelenvorgänge als die Schöpfung eines Einklanges zwischen unserem Ich und der übrigen Welt. Was wir erleben an den Gegenständen und Wesenheiten der Außenwelt, und was sich in den Vorgängen unseres Seelenlebens spiegelt, das wirkt nicht bloß auf unsere drei Seelenglieder, weil in ihnen gerade das Ich wohnt, sondern das wirkt auch auf den astralischen Leib, auf den Ätherleib und den physischen Leib. Wir haben schon öfter beispielsweise angeführt, wie jenes Verhältnis, das das Ich herstellt zwischen sich und irgendeiner Wesenheit oder einem Gegenstand, nicht nur die Emotionen des astralischen Leibes aufrüttelt, nicht nur die Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes in einen Umschwung bringt, sondern auch bis in den physischen Leib hineinwirkt. Oder sollte nicht der Mensch Gelegenheit haben, zu beobachten, wie zum Beispiel eine menschliche Persönlichkeit erbleichen kann, wenn irgend etwas Furchtbares in ihre Nähe tritt? Was ist da anderes geschehen, als daß das Verhältnis, welches das Ich hergestellt hat zwischen sich und dem Furchtbaren, das Band, das es geschlungen hat zwischen sich und dem Gegenstand, hineingewirkt hat bis in den physischen Leib und das Blut in andere Bewegung gebracht hat, als es sonst der Fall ist? Es hat sich gleichsam das Blut zurückgezogen von der äußeren Leiblichkeit und hat dadurch das Erbleichen bewirkt. Auch das andere, besonders charakteristische Beispiel ist schon angeführt worden: die Schamröte. Wenn wir irgendein derartiges Verhältnis glauben herstellen zu müssen zwischen uns und der betreffenden Wesenheit der Umgebung, daß wir am liebsten uns für einen Augenblick selbst auslöschen möchten, daß man uns nicht sieht, da steigt das Blut ins Gesicht. Da wird in diesen beiden Fällen eine bestimmte Wirkung auf das Blut hervorgebracht durch dasjenige, was sich als das Verhältnis des Ich zur Außenwelt darstellt. — So könnten wir viele Beispiele anführen, wie dasjenige, was das Ich an der Außenwelt erlebt, sich ausdrückt im astralischen Leib, im Ätherleib und im physischen Leib.

[ 6 ] When we observe the self at work—from the moment we wake up until we fall asleep—we see how it tries to harmonize itself with the outside world. When it takes a liking to an object, when that feeling wells up within us: “This is a being that warms us”—then a bond is woven between us and the object; then something reaches out from us to the object. Essentially, we do this with the entire world around us. Our entire daily life appears to us, in terms of inner soul processes, as the creation of harmony between our “I” and the rest of the world. What we experience in the objects and beings of the external world, and what is reflected in the processes of our soul life, affects not only our three soul members—because the “I” dwells within them—but also the astral body, the etheric body, and the physical body. We have often cited, for example, how the relationship that the “I” establishes between itself and any being or object not only stirs the emotions of the astral body, not only brings about a shift in the currents and movements of the etheric body, but also affects the physical body itself. Or should not a person have the opportunity to observe, for example, how a human personality can turn pale when something terrible comes near them? What else has happened here other than that the relationship the “I” has established between itself and the terrifying thing—the bond it has forged between itself and the object—has penetrated all the way into the physical body and set the blood in motion differently than is usually the case? The blood has, as it were, withdrawn from the outer physical body, thereby causing the pallor. The other, particularly characteristic example has also already been cited: the blush of shame. When we feel compelled to establish such a relationship between ourselves and a particular entity in our surroundings that we would prefer to make ourselves vanish for a moment so that no one can see us, the blood rushes to our face. In both of these cases, a specific effect on the blood is brought about by what manifests as the relationship of the “I” to the external world. — We could cite many examples of how what the “I” experiences in the external world is expressed in the astral body, the etheric body, and the physical body.

[ 7 ] Indem nun das Ich den Einklang oder ein bestimmtes Verhältnis sucht zwischen sich und der Umgebung, sind wieder ganz besondere Fälle möglich in bezug auf solche Verhältnisse. So könnten wir von gewissen Verhältnissen zu unserer Umgebung sagen: Wir finden die richtige Stellung des Ich gegenüber diesem oder jenem Gegenstand oder Wesen. Selbst wenn wir Furcht vor einem Wesen haben, vor dem es begründet ist, Furcht zu haben, können wir sagen: Unser Ich fühlt, wenn es nur hinterher Gelegenheit hat, in der richtigen Weise dieses Verhältnis zu beachten, daß es in einem Einklang gestanden hat auch im Furchtgefühl mit seiner Umgebung. Insbesondere aber fühlt unser Ich seinen Einklang mit seiner Umgebung, wenn es zum Beispiel danach trachtet, diese oder jene Dinge der Außenwelt zu verstehen, und imstande ist, durch seine Begriffe, Gefühle, Empfindungen und so weiter über diejenigen Gegenstände, über die es Verständnis sucht, wirklich sich aufzuklären. Da fühlt sich das Ich wie vereint mit den Gegenständen, über die es sich aufklärt. Da fühlt es sich wie über sich hinausgehend, wie wenn es untergetaucht ist in die Gegenstände, und fühlt, daß das Band ein richtiges ist. Oder aber das Ich lebt mit anderen Menschen zusammen, zu denen es in ganz bestimmte Verhältnisse tritt, die es lieb hat. Das Ich fühlt sich jedem dieser anderen Menschen gegenüber in dem Verhältnis, das es angesponnen hat, befriedigt, beseligt; fühlt, daß ein harmonisches Verhältnis zwischen sich und der Außenwelt besteht. Dieses Verhältnis prägt sich zunächst in dem Ich darin aus, daß sich das Ich behaglich fühlt und diese Behaglichkeit auf seine Hüllen, astralischen Leib oder Ätherleib, überträgt.

[ 7 ] Since the “I” seeks harmony or a specific relationship between itself and its environment, very special cases are again possible with regard to such relationships. Thus, we could say of certain relationships to our environment: We find the correct position of the “I” in relation to this or that object or being. Even if we feel fear toward a being that justifies such fear, we can say: Our “I” feels—provided it has the opportunity afterward to reflect on this relationship in the proper way—that it was in harmony with its surroundings even in the feeling of fear. In particular, however, our “I” feels its harmony with its surroundings when, for example, it strives to understand this or that aspect of the external world and is able, through its concepts, feelings, sensations, and so on, to truly gain insight into those objects about which it seeks understanding. Then the ego feels as if it were united with the objects it is seeking to understand. Then it feels as if it were transcending itself, as if it were immersed in the objects, and feels that the bond is a genuine one. Or else the ego lives together with other people with whom it enters into very specific relationships that it cherishes. The “I” feels satisfied and blissful in its relationship with each of these other people—the relationship it has established—and feels that a harmonious relationship exists between itself and the outside world. This relationship is initially expressed within the “I” in such a way that the “I” feels at ease and transfers this sense of ease to its sheaths—the astral body or etheric body.

[ 8 ] Es kann aber auch eintreten, daß das Ich einmal nicht imstande ist, diesen Einklang, das heißt, das Verhältnis, das man in einem gewissen Sinne ein normales nennen könnte, zu schaffen. Kann es dieses normale Verhältnis nicht sogleich finden, dann kann das Ich dadurch in eine besondere Lage kommen. Nehmen wir an, das Ich findet etwas in der Außenwelt, irgendeinen Gegenstand oder eine Wesenheit, dem gegenüber es nicht in ein solches Verhältnis treten kann, daß es zum Beispiel die Sache versteht, daß es mit seinen Begriffen und Vorstellungen das Dasein dieser Wesenheit oder Tatsache als ein berechtigtes anerkennt. Nehmen wir an, das Ich ist auf der Suche, ein Verhältnis zur Außenwelt zu finden; aber es kommt nicht in die Lage, wirklich ein solches Verhältnis, das ein normales Band bildet zwischen Ich und Außenwelt, zu finden. In einer solchen Lage wird unser Ich nötig haben, dennoch in sich selber eine gewisse Stellung gegenüber diesem Ding der Außenwelt zu gewinnen. Nehmen wir einen konkreten Fall an: Wir treten irgendeinem Wesen der Außenwelt gegenüber, welches wir aus dem Grunde nicht verstehen wollen, weil in sein Wesen einzudringen unserem Ich nicht der Mühe wert erscheint, weil wir sozusagen fühlen, wir würden, wenn wir in sein Wesen eindringen wollten, zu viel hingeben von unserer eigenen Erkenntnis- und unserer eigenen Verständniskraft. Während wir einem anderen Wesen so gegenübertreten, daß wir sagen: Ich will meine Kraft aufwenden, um dich zu verstehen, will in dich untertauchen, was in mir ist, mit dir vereinigen — halten wir es bei dieser Wesenheit so, daß es uns nicht der Mühe wert ist, unterzutauchen. Wir würden die Kräfte unseres Verständnisses verschwenden, wenn wir darin untertauchen wollten. Dann haben wir nötig, eine ganz besondere Stellung zu gewinnen, haben nötig, eine Art Scheidewand aufzurichten. Einem solchen Wesen wie dem geschilderten gegenüber wollen wir jene Hingabe nicht üben; wir wollen nicht in dasselbe untertauchen; das heißt, wir wollen uns von diesem vor uns stehenden Wesen befreien, uns frei halten; wir wollen uns in uns selber finden, nicht durch Untertauchen, sondern dadurch, daß wir unsere Kraft von diesem Wesen ablenken und, in unserem eigenen Selbstbewußtsein uns über das Wesen erhebend, sie gewahr werden. Wenn wir in einem solchen Verhältnis zu einem Wesen stehen, dann ist das Gefühl, das uns beschleichen muß, dasjenige einer Befreiung von einem Wesen.

[ 8 ] However, it may also happen that the ego is, for once, unable to establish this harmony—that is, the relationship that, in a certain sense, could be called normal. If it cannot immediately find this normal relationship, the ego may thereby find itself in a particular situation. Let us suppose that the ego encounters something in the external world—some object or entity—with which it cannot establish such a relationship that, for example, it understands the thing or, through its concepts and ideas, recognizes the existence of this entity or fact as legitimate. Let us assume that the ego is seeking to establish a relationship with the external world; but it is unable to actually find such a relationship that forms a normal bond between the ego and the external world. In such a situation, our ego will nevertheless need to adopt a certain stance within itself toward this thing in the external world. Let us consider a concrete case: We encounter some entity in the external world that we, for the most part, do not wish to understand, because penetrating its essence does not seem worth the effort to our “I”—because we feel, so to speak, that if we were to attempt to penetrate its essence, we would have to devote too much of our own cognitive and comprehension powers. Whereas we approach another being in such a way that we say: “I want to expend my energy to understand you; I want to immerse myself in you and unite what is within me with you”—with this particular being, we take the attitude that it is not worth the effort to immerse ourselves. We would be wasting the powers of our understanding if we were to immerse ourselves in it. In that case, we need to adopt a very special stance; we need to erect a kind of barrier. Faced with a being such as the one described, we do not wish to practice that kind of devotion; we do not wish to immerse ourselves in it; that is to say, we wish to free ourselves from this being standing before us, to keep ourselves free; we want to find ourselves within ourselves, not through immersion, but by diverting our energy away from this being and, by rising above it in our own self-awareness, becoming aware of that energy. When we stand in such a relationship to a being, the feeling that must come over us is that of liberation from that being.

[ 9 ] Bei einem Wesen, das wir verstehen, und in das wir untertauchen entweder durch Erkenntniskraft oder durch Liebe oder Mitleid —, da fühlen wir nicht das Zurückziehen des Ich; im Gegenteil da fühlen wir uns zu diesem Wesen hingezogen. Bei einem solchen Wesen aber, wie es eben geschildert worden ist, fühlen wir: Unser Ich würde etwas verlieren, wenn es in das andere Wesen untertauchte; da müssen wir unsere Kräfte zusammenhalten. Bei einem solchen Bewußtsein kann die hellseherische Beobachtung bemerken, wie das Ich gleichsam den astralischen Leib zurückzieht vor den Eindrücken, die auf ihn gemacht werden könnten aus der Umgebung oder von diesem anderen Wesen. Dieses Wesen wird natürlich einen Eindruck auf unseren physischen Leib machen, wenn wir nicht die Augen verschließen oder die Ohren verstopfen. Aber weil wir unseren physischen Leib weniger in der Hand haben als unseren astralischen Leib, ziehen wir unseren astralischen Leib für einen Augenblick zurück aus dem physischen Leib, ja auch aus dem Ätherleib heraus und bewahren ihn dadurch davor, daß er sich berühren läßt von dem anderen Wesen. Dieses Zurückziehen des astralischen Leibes, der sonst seine Kraft im physischen Leibe verbraucht, um dessen Kräfte zusammenzuhalten, stellt sich für das hellseherische Bewußtsein so dar, daß der astralische Leib sich ausdehnt; er geht gleichsam auseinander bei einer solchen Befreiung. Wo wir uns über ein Wesen erheben, lassen wir unseren astralischen Leib wie eine elastische Substanz sich erweitern, schlaff werden, während wir ihn sonst angespannt haben. Indem sich der astralische Leib erweitert, befreien wir uns von irgendeinem Bande mit der betreffenden Wesenheit; wir ziehen uns gleichsam in uns selber zurück, erheben uns über die ganze Situation. Und weil alles, was im astralischen Leibe geschieht, sich im physischen Leibe ausdrückt, so drückt sich auch dieses Zurückziehen des astralischen Leibes im physischen Leibe aus; und der Ausdruck der Erweiterung des astralischen Leibes im physischen Leibe ist das Lachen oder das Lächeln; so daß mit jedem Lachen oder Lächeln, das aus keiner anderen Stimmung als aus der geschilderten hervorgehen kann, verbunden ist ein elastisches Ausdehnen des astralischen Leibes. — Wir dürfen also sagen: Was durch das Ausdehnen des astralischen Leibes und seinen physiognomischen Ausdruck als Lachen oder Lächeln an der menschlichen Wesenheit auftritt, ist ein Sich-Erheben über das, was in der Umgebung geschieht, weil wir nicht Verständnis aufwenden wollen, und nach der ganzen Art, wie wir zu der betreffenden Sache stehen, dafür auch nicht Verständnis aufwenden sollen. Im Extrem muß daher alles, was uns kein Verständnis abringen soll, eine solche Erweiterung des astralischen Leibes nach sich ziehen und damit das Lachen hervorrufen. — Witzblätter haben die Gewohnheit gehabt, daß sie gewisse Personen des öffentlichen Lebens abbildeten mit riesigen Köpfen und sehr kleinen Körpern, wodurch grotesk ausgedrückt werden sollte, was der Betreffende für seine Zeit bedeutet. Dies zu verstehen, würde ein Unding sein, denn es gibt kein Gesetz, was einen so großen Kopf und einen so kleinen Körper verbinden würde. Wenn wir in diesen Gegenstand mit unserer Erkenntniskraft untertauchten, so wäre das eine verlorene Kraft, denn wir würden unsere Verständniskraft dabei verschwenden. Die einzige Befriedigung dabei soll eben die sein, sich zu erheben über das Objekt, beziehungsweise von dem Eindruck, der auf unseren physischen Leib gemacht wird, frei zu werden in dem Ich, und den astralischen Leib auszudehnen. Denn was das Ich erlebt, setzt es zunächst fort auf die intimste Hülle, auf den astralischen Leib; und der physiognomische Ausdruck dafür ist das Lachen.

[ 9 ] When it comes to a being we understand, and into whom we immerse ourselves either through the power of knowledge or through love or compassion—in such cases we do not feel the “I” withdrawing; on the contrary, we feel drawn to that being. With a being such as the one just described, however, we feel: Our “I” would lose something if it were to immerse itself in the other being; therefore, we must hold our forces together. With such a state of consciousness, clairvoyant observation can perceive how the “I,” as it were, withdraws the astral body from the impressions that might be made upon it from the surroundings or from this other being. This being will, of course, make an impression on our physical body unless we close our eyes or plug our ears. But because we have less control over our physical body than over our astral body, we withdraw our astral body for a moment from the physical body—and indeed from the etheric body as well—thereby preventing it from being touched by the other being. This withdrawal of the astral body—which otherwise expends its energy within the physical body to hold its forces together—appears to the clairvoyant consciousness as if the astral body were expanding; it, as it were, spreads out during such a liberation. When we rise above a being, we allow our astral body—like an elastic substance—to expand and become limp, whereas we would otherwise have kept it taut. As the astral body expands, we free ourselves from any bond with the being in question; we withdraw, as it were, into ourselves and rise above the entire situation. And because everything that happens in the astral body is expressed in the physical body, this withdrawal of the astral body is also expressed in the physical body; and the expression of the expansion of the astral body in the physical body is laughter or a smile; so that every laugh or smile—which can arise from no other state of mind than the one described—is accompanied by an elastic expansion of the astral body. — We may therefore say: What appears in the human being through the expansion of the astral body and its physiognomic expression as laughter or a smile is a rising above what is happening in the surroundings, because we do not wish to exert our understanding, and, given the entire nature of our attitude toward the matter in question, we should not exert our understanding for it either. In the extreme, therefore, everything that is not meant to elicit our understanding must entail such an expansion of the astral body and thereby provoke laughter. — Satirical publications have had the habit of depicting certain public figures with enormous heads and very small bodies, thereby grotesquely expressing what the person in question represents for his or her time. To try to understand this would be absurd, for there is no law that would combine such a large head with such a small body. If we were to immerse ourselves in this subject with our power of cognition, it would be a waste of energy, for we would be squandering our power of understanding in the process. The only satisfaction in this should be precisely to rise above the object—or rather, to free the “I” from the impression made on our physical body and to expand the astral body. For what the “I” experiences, it first projects onto its innermost sheath, the astral body; and the physiognomic expression of this is laughter.

[ 10 ] Es kann aber auch der Fall eintreten, daß wir ein Verhältnis, das wir zu unserer Umgebung suchen und nach unserer ganzen Seelenverfassung berechtigt sind zu suchen, nicht finden können. Nehmen wir an, wir haben eine Zeitlang eine Persönlichkeit geliebt; dieselbe steht nicht nur zu unseren Handlungen in Beziehung, sondern ganz bestimmte Seelenerlebnisse knüpfen sich an das Dasein dieser Persönlichkeit an und an das Verbundensein unserer Persönlichkeit mit ihr. Nehmen wir an, die Persönlichkeit wird uns eine Zeitlang entrissen. Mit dem Entreißen dieser Persönlichkeit fällt ein Teil unserer eigenen Seelenerlebnisse fort; etwas, was ein Band bedeutet zwischen uns und einer Wesenheit der Außenwelt, fällt fort. Unsere Seele ist durch jene Seelenverfassung, die sich durch die Beziehung zu dieser Persönlichkeit herangebildet hat, berechtigt, dieses Band zu suchen, weil sie sich erzogen hat, dieses Band zu haben. Jetzt kann sie es nicht mehr haben. Es ist etwas herausgerissen aus diesem Ich, und was da herausgerissen ist, bewirkt in dem letzteren etwas, was sich wiederum überträgt auf den astralischen Leib. Und weil jetzt dem astralischen Leib etwas entzogen ist, weil er ein Verhältnis zur Außenwelt sucht, das er nicht finden kann, so zieht er sich jetzt in sich selber zusammen; oder besser gesagt, das Ich preßt diesen astralischen Leib zusammen.

[ 10 ] However, it may also happen that we are unable to find a relationship with our surroundings—one that we seek and are fully justified in seeking, given our entire state of mind. Let us suppose we have loved a person for some time; this person is not only connected to our actions, but very specific soul experiences are linked to this person’s existence and to the bond between our own personality and theirs. Let us suppose that this person is taken away from us for a time. With the removal of this person, a part of our own soul experiences is lost; something that serves as a bond between us and a being in the external world is lost. Our soul, through the state of mind that has developed through the relationship with this person, is entitled to seek this bond, because it has trained itself to have this bond. Now it can no longer have it. Something has been torn away from this “I,” and what has been torn away causes a reaction within the “I” that in turn is transmitted to the astral body. And because something has now been taken away from the astral body—because it seeks a relationship with the outside world that it cannot find—it now withdraws into itself; or rather, the “I” compresses this astral body.

[ 11 ] Das können wir mit dem hellseherischen Bewußtsein immer beobachten, wenn im Menschen Trauer oder Schmerz eintritt über einen Verlust, wie das Ich, dem etwas entzogen ist, den astralischen Leib zusammenpreßt. Gerade so wie der auseinandergetriebene astralische Leib schlaff wird und sich dadurch den physiognomischen Ausdruck im physischen Leibe verschafft, der eben als Lachen oder Lächeln bezeichnet werden muß, so wird ein astralischer Leib, der sich zusammenprefßt, gleichsam tiefer eindringen in alle Kräfte des physischen Leibes. Das ist auch der Fall. Wenn der astralische Leib sich zusammenpreßt, so preßt er den physischen Leib mit zusammen. Und der physische Ausdruck des Zusammenpressens des Ich in sich selber, damit des astralischen Leibes in sich selber, und damit des physischen Leibes in sich selber, das ist das Hervorquellen der Tränen. Der astralische Leib, der gleichsam in sich Lükken erhalten hat, und diese Lücken durch sein Zusammenpressen ausfüllen will, indem er die Substanzen aus der Umgebung heranzieht, er preßt dadurch den physischen Leib mit zusammen und treibt die Substanzen des physischen Leibes in der Träne nach außen. Was ist die Träne dadurch zugleich? — Das Ich hat etwas verloren in der Trauer, in dem Verlust. Es preßt sich zusammen, weil es ärmer geworden ist, weil es seine Selbstheit weniger stark fühlen kann als früher; denn es fühlt seine Eigenheit um so stärker, je reicher es ist an Erlebnissen mit der umgebenden Welt. Wir geben nicht nur etwas den Dingen, die wir lieben, sondern wir bereichern unsere Seele selber durch unsere Liebe. Und indem uns die Erlebnisse unserer Liebe entrissen werden, und der astralische Leib Lücken erhält und sich zusammenpreßt, sucht er durch diesen gleichsam in sich selber ausgeübten Druck die Kräfte wiederzugewinnen, die er verloren hat durch den Verlust. Er sucht sich durch ein Zusammennehmen in sich selber reicher zu machen, weil er ärmer geworden ist durch das, was er verloren hat. Was in der Träne zum Vorschein kommt, ist nicht nur ein Abfließenlassen der Tränen, nicht nur eine Öffnung nach außen, sondern etwas, was man einen Ersatz nennen könnte für das ärmer gewordene Ich. Während sich früher das Ich bereichert fühlte an der Außenwelt, fühlt es sich jetzt in der Produktion, die es selber hervorbringt, stärker, fühlt sich als etwas, indem es die Tränen hervorpreßt. Was die Persönlichkeit an Selbstbewußtsein geistig verloren hat, sucht sie sich zu ersetzen, indem sie sich zu einer innerlichen Schöpfung, zu dem Hervorbringen der Tränen anspornt. Daher ist die Träne in gewisser Beziehung ein Ausgleich, ein Ersatz für das Ärmerwerden des Ich. Deshalb können wir sagen: Wenn das Ich, das einen Verlust erlebt hat, vordringen kann bis zur Iräne, wenn es sein Bewußtsein hebt durch das Gewahrwerden seines Verlustes in der Träne, dann gibt diese Träne dem Ich ein gewisses unterbewußtes Wohlgefühl. Man könnte sogar sagen: Die Träne ist in gewisser Beziehung ein Anlaß zu einer Art innerer Wollust. Ein Ausgleich wird durch die Träne geschaffen. Es wird Ihnen ja bekannt sein, wie der Mensch, wenn er sich so recht in der Trauer elend fühlt, in der Träne eine Art von Trost hat, weil die Träne etwas ist, was ihm einen gewissen Ersatz bieten kann. Und Sie werden auch wissen, wie es für gewisse Menschen, von denen man sagt, sie können nicht weinen, viel schwieriger ist, die Trauer und den Schmerz zu ertragen als für diejenigen, welche sich das innere Wohlbehagen durch die Träne bei jeder Gelegenheit verschaffen können.

[ 11 ] We can always observe this through clairvoyant awareness whenever grief or pain arises in a person due to a loss, as the “I”—from which something has been taken away—contracts the astral body. Just as the astral body, when driven apart, becomes limp and thereby gives rise to the physiognomic expression in the physical body that must be described as laughter or a smile, so an astral body that contracts penetrates, as it were, more deeply into all the forces of the physical body. This is indeed the case. When the astral body contracts, it presses the physical body together with it. And the physical expression of the ego’s contraction into itself—and thus of the astral body’s contraction into itself, and consequently of the physical body’s contraction into itself—is the welling up of tears. The astral body, which has, as it were, developed gaps within itself and seeks to fill these gaps through its contraction by drawing in substances from the surroundings, thereby compresses the physical body along with it and drives the substances of the physical body outward in the form of tears. What, then, is the tear at the same time? — The “I” has lost something in grief, in loss. It contracts because it has become poorer, because it can feel its individuality less strongly than before; for the richer it is in experiences with the surrounding world, the more strongly it feels its own uniqueness. We do not merely give something to the things we love; rather, we enrich our own soul through our love. And as the experiences of our love are torn from us, and the astral body develops gaps and contracts, it seeks—through this pressure exerted, as it were, upon itself—to regain the forces it has lost through that loss. It seeks to enrich itself by drawing inward, because it has been impoverished by what it has lost. What emerges in the tear is not merely the flow of tears, not merely an opening outward, but something that could be called a substitute for the self that has been impoverished. Whereas the self once felt enriched by the outside world, it now feels stronger in the process it brings forth itself; it feels whole by forcing out the tears. What the personality has lost spiritually in terms of self-awareness, it seeks to replace by spurring itself on to an inner creation—the production of tears. Thus, in a certain sense, the tear is a form of compensation, a substitute for the self’s impoverishment. That is why we can say: When the self, having experienced a loss, is able to reach the point of the tear—when it elevates its consciousness by becoming aware of its loss through the tear—then this tear gives the self a certain subconscious sense of well-being. One could even say: In a certain sense, the tear is a catalyst for a kind of inner pleasure. A form of compensation is created through the tear. You are surely aware of how a person, when feeling truly miserable in grief, finds a kind of comfort in the tear, because the tear is something that can offer them a certain substitute. And you will also know how much more difficult it is for certain people—those said to be unable to cry—to endure grief and pain than it is for those who can derive inner comfort from tears at every opportunity.

[ 12 ] So sehen wir, daß das Ich es ist, das ein gesuchtes Verhältnis zur Außenwelt nicht finden kann, und sich entweder erheben muß zu einer inneren Freiheit, oder in sich untertauchen muß, um sich zu stärken über einen inneren Verlust. Wir sehen, wie das Ich es ist, das Mittelpunktswesen des Menschen, das sich ausdrückt in Lachen und Weinen. Daher können wir es auch begreiflich finden, daß das Ich, das den Menschen zum Menschen macht, in gewisser Weise Voraussetzung ist des wahren Lachens und des wahren Weinens.

[ 12 ] Thus we see that it is the “I” that cannot find the connection it seeks with the outside world, and must either rise to a state of inner freedom or withdraw into itself to regain strength in the face of an inner loss. We see how the “I” is the central being of the human person, expressing itself in laughter and tears. Therefore, we can also understand that the “I”—which makes a person a person—is, in a certain sense, a prerequisite for true laughter and true tears.

[ 13 ] Wenn wir das Kind beobachten, wie es geboren wird, so finden wir, daß es in den ersten Tagen weder lachen noch weinen kann. Wahres Lachen und wahres Weinen tritt erst auf vom sechsunddreißigsten oder vierzigsten Lebenstage an. Vorher kann das Kind nicht lachen und nicht weinen; und der Grund dafür ist der: Obwohl es entschieden ist, was für ein Ich aus einer vorhergehenden Verkörperung gerade in diesem Kinde lebt, so wirkt dieses Ich doch nicht gleich in den ersten Lebenstagen in dem Menschen gestaltend; es wirkt nicht gleich so, daß es Beziehungen zur Außenwelt sucht. Der Mensch ist ja in das Leben so hineingestellt, daß dasjenige, was in ihm und an ihm ist, von zwei Seiten herstammt. Die eine Seite ist die, welche alle Eigenschaften und Betätigungen des Menschen enthält, die er von Vater, Mutter, Großvater und so weiter erbt, kurz, die Eigenschaften und Betätigungen aus der Vererbungslinie. Aber darinnen arbeitet die Individualität, das Ich des Menschen, das von Leben zu Leben geht, von Verkörperung zu Verkörperung, seine seelischen Eigenschaften hinein. Wenn wir einen Menschen mit der Geburt ins Dasein treten sehen, zeigt sich uns zunächst das Unbestimmte der Physiognomie des Menschen, und wie unbestimmt dasjenige ist, was der Mensch einmal als Talente, Anlagen und besondere Eigenschaften darleben wird. Aber wir sehen auch, wie das schaffende, wirkende Ich, das sich Entwickelungskräfte aus den vorhergehenden Leben hereingebracht hat, die unbestimmten Züge immer bestimmter und bestimmter herausarbeitet und dasjenige modifiziert, was durch die Vererbung gegeben worden ist. So sehen wir zusammenfließend die vererbten Eigenschatten mit denen, die von Verkörperung zu Verkörperung gehen. — Ein Genaueres über den Werdegang des Menschen können Sie jetzt mit einer gewissen Deutlichkeit in meinem eben erschienenen Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß» finden, wo in den ersten Partien diese Dinge gerade so besprochen sind, wie es dem heutigen Verständnisse der Menschen angemessen ist.

[ 13 ] When we observe a child as it is born, we find that in the first few days it can neither laugh nor cry. True laughter and true crying do not occur until the thirty-sixth or fortieth day of life. Before that, the child cannot laugh or cry; and the reason for this is as follows: Although it is determined what kind of “I” from a previous incarnation lives in this particular child, this “I” does not immediately begin to shape the human being in the first days of life; it does not immediately seek to establish relationships with the outside world. After all, the human being is placed into life in such a way that what is within and upon them originates from two sources. One source is that which contains all the qualities and activities the human being inherits from their father, mother, grandfather, and so on—in short, the qualities and activities derived from the hereditary line. But within this, the individuality—the human “I” that passes from life to life, from incarnation to incarnation—works to shape its soul qualities. When we see a human being enter existence at birth, what first presents itself to us is the indeterminacy of the person’s physiognomy, and how indeterminate are those qualities that the person will one day manifest as talents, aptitudes, and distinctive characteristics. But we also see how the creative, active “I”—which has brought developmental forces with it from previous lives—works these indeterminate traits out with ever greater clarity and modifies what has been given through heredity. Thus we see the inherited traits merging with those that pass from incarnation to incarnation. — You can now find more detailed information about the course of human development with a certain degree of clarity in my recently published book *An Outline of Esoteric Science*, where these matters are discussed in the first sections in a way that is appropriate to people’s understanding today.

[ 14 ] So sehen wir, wie in dem Kind das Ich sich herausarbeitet. Aber es dauert eine Zeit, bis das Ich aus dem Kinde heraus umgestaltet an dem Körperlichen und an dem Seelischen. Daher tritt der Mensch so ins Dasein hinein, daß er in den ersten Tagen einzig und allein die vererbten Merkmale zeigt. Das Ich sitzt in den ersten Tagen noch tief verborgen darinnen und wartet, bis es in die unbestimmte Physiognomie dasjenige hineinarbeiten kann, was es aus den früheren Leben herübergetragen hat, was es von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr herausarbeiten kann.

[ 14 ] Thus we see how the “I” takes shape within the child. But it takes time for the “I” to reshape both the physical and the psychological aspects of the child. Therefore, a human being enters existence in such a way that, in the first few days, he or she exhibits solely the inherited characteristics. In the first few days, the “I” still lies deeply hidden within, waiting until it can shape the child’s indeterminate physiognomy with what it has carried over from previous lives—what it can develop day by day, year by year.

[ 15 ] Bevor nun das Kind den individuellen, nur für diesen Menschen geltenden Charakter annimmt, ist es nicht möglich, daß das Ich irgendeine Beziehung zur Außenwelt ausdrücken kann durch Lachen und Weinen. Denn auf das Ich kommt es an, auf das Individuellste, das ein Band sucht, das sich in Harmonie, in Einklang bringen will mit der Umgebung. Das Ich muß es sein, was im Lachen oder Lächeln sich zu befreien sucht von den Gegenständen; das Ich muß es sein, das bei einem gesuchten Verhältnis, das es nicht finden kann, in dem Verlust zusammenpreßt das Innere der menschlichen Wesenheit. Das Ich nur kann sich ausdrücken im Lachen oder Weinen. Wir sehen daraus, daß wir es mit der tiefinnersten Geistigkeit des Menschen zu tun haben, wenn wir die Offenbarungen des Menschen im Lachen oder Weinen vor uns haben.

[ 15 ] Before the child assumes the individual character that applies only to that person, it is not possible for the “I” to express any relationship to the outside world through laughter and crying. For it is the “I” that matters—the most individual aspect, which seeks a bond and wishes to bring itself into harmony and accord with its surroundings. It must be the “I” that, in laughter or a smile, seeks to free itself from objects; it must be the “I” that, when seeking a relationship it cannot find, compresses the inner core of the human being in that sense of loss. Only the “I” can express itself through laughter or crying. We can see from this that we are dealing with the deepest spirituality of the human being when we are faced with the revelations of the human being in laughter or tears.

[ 16 ] Diejenigen, die gern alles mit allem zusammenwerfen und deshalb keine wirklichen realen Unterschiede zugeben wollen zwischen Mensch und Tier, werden natürlich auch noch Analogien für Lachen und Weinen im Tierreich finden. Wer aber die Dinge richtig versteht, wird dem deutschen Dichter recht geben, der sagt, daß es das Tier nicht bis zum Weinen bringt, sondern höchstens bis zum Heulen, und nicht bis zum Lachen, sondern nur bis zum Grinsen. Darinnen liegt eine tiefe Wahrheit, die sich, wenn sie in Worte gebracht wird, dadurch ausdrückt, daß das Tier sich nicht erhebt zu jener individuellen Ichheit, die in dem Wesen selber sitzt, sondern daß das Tier von Gesetzen beherrscht wird, die zwar dem Ich-Menschen ähnlich sehen, die aber dem Tier so eingepflanzt sind, daß sie ihm zeitlebens als äußere verbleiben. Das Tier bringt es nicht zur Individualität. Es ist hier schon dieser bedeutsame Unterschied des Menschen von der tierischen Wesenheit erwähnt worden. Es ist gesagt worden, was uns am Tier interessiert, läßt sich zusammenfassen in dem Gattungs- oder Artcharakter. Versuchen Sie sich klar zu machen, ob das, was uns am Tier hauptsächlich interessiert, auch so große Unterschiede aufweist — zum Beispiel zwischen Löwensöhnchen, Löwenvater, Löwengroßvater und so weiter —, wie wir es beim Menschen finden. Was sich uns beim Tier zeigt, das geht im Artcharakter auf. Im Menschenreiche ist aber jeder Mensch für sich eine eigene Gattung, und was uns am Tier in der Art oder Gattung erscheint, das muß uns beim Menschen in jedem einzelnen Menschen interessieren. Das heißt: Bei den Menschen hat jeder Mensch seine einzelne Biographie. Die interessiert uns so stark wie die Art- oder Gattungsbiographie beim Tier. Gewiß, es hat auch manchen Hundevater und manche Katzenmutter gegeben, die behaupteten, sie könnten auch eine Hunde- oder Katzenbiographie schreiben. Aber ich habe auch einen Schullehrer gekannt, der seinen Schülern regelmäßig die Aufgabe gegeben hat, die Biographie ihrer Stahlfeder zu schreiben. Nicht darauf kommt es an, daß sich ein Gedanke auf alles anwenden läßt, sondern darauf, daß sich unser Verständnis dazu hindurchringt, was an einer Sache oder Wesenheit das Wesentliche ist. Bis zum Tier herauf ist das biographisch Individuelle das Unwesentliche; beim Menschen aber wird es das Wesentliche, weil beim Menschen ja die Hauptsache dasjenige ist, was sich als Individualität von Leben zu Leben weiter entwickelt, was beim Tier nur von Gattung zu Gattung geht. Wenn eine solche Wichtigkeit des biographischen Elementes nicht zugegeben wird, so liegt es nicht daran, daß diese Wichtigkeit nicht eine ebenso bedeutungsvolle ist wie die, welche wir naturwissenschaftlichen Gesetzen der Außenwelt beilegen, sondern daran, daß derjenige, der sie nicht zugibt, nicht das Gewicht von irgendwelchen Erscheinungen empfinden kann.

[ 16 ] Those who like to lump everything together and therefore refuse to acknowledge any real differences between humans and animals will, of course, also find analogies for laughter and crying in the animal kingdom. But anyone who understands these things correctly will agree with the German poet who says that an animal does not go so far as to cry, but at most to howl; and it does not go so far as to laugh, but only to grin. Therein lies a profound truth which, when put into words, is expressed by the fact that the animal does not rise to that individual selfhood which resides within the being itself, but rather that the animal is governed by laws which, though they resemble those of the self-aware human, are so ingrained in the animal that they remain external to it throughout its life. The animal does not attain individuality. This significant difference between human beings and animal beings has already been mentioned here. It has been said that what interests us about animals can be summarized in the generic or species character. Try to determine for yourself whether what interests us most about animals also exhibits such great differences—for example, between a lion cub, a lion father, a lion grandfather, and so on—as we find in human beings. What we observe in animals is subsumed within the species character. In the human realm, however, every human being is a distinct genus in and of themselves, and what appears to us in animals as the species or genus must, in the case of humans, interest us in each individual human being. This means that, among humans, every person has their own individual biography. This interests us just as much as the species- or genus-level biography in animals. Certainly, there have been many a dog father and cat mother who claimed they could also write a dog or cat biography. But I also knew a schoolteacher who regularly assigned his students the task of writing the biography of their steel nib. What matters is not that a thought can be applied to everything, but that our understanding strives to grasp what is essential in a thing or being. Up to the level of animals, the biographical individuality is the non-essential; in humans, however, it becomes the essential, because in humans the main thing is that which develops as individuality from one life to the next, whereas in animals it merely passes from one species to the next. If such importance of the biographical element is not acknowledged, it is not because this importance is any less significant than that which we attribute to the natural laws of the external world, but because the person who does not acknowledge it is unable to perceive the significance of any phenomena.

[ 17 ] In der Geisteswissenschaft nennen wir das, was beim Tier von Art zu Art geht, was sich von Gattung zu Gattung fortlebt, des Tieres Gruppen-Seele oder Gruppen-Ich, das wir aber als etwas Reales ansehen. Und wir sprechen davon, daß das Tier sein Ich nicht in sich hat, sondern außer sich. Wir verneinen auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft nicht etwa das tierische Ich, sondern wir sprechen von einem Gruppen-Ich, welches das Tier von außen her dirigiert. Beim Menschen dagegen sprechen wir von einem individuellen Ich, das in das Innerste der menschlichen Wesenheit hineingeht und von innen heraus jede einzelne menschliche Wesenheit als die ihm zugrunde liegende Individualität so dirigiert, daß der Mensch in ein persönliches Verhältnis zu den Wesen seiner Umgebung tritt. Dasjenige allgemeine Verhältnis, welches sich die Tierheit herstellen kann nach ihrer Lenkung durch das äußere Gruppen-Ich, hat auch einen typischen, allgemeinen Charakter. Was dieses oder jenes Tier liebt oder haßt, wovor dieses oder jenes Tier sich fürchtet, hat einen allgemeinen, einen typischen Charakter und modifiziert sich nur für gewisse Kleinigkeiten, zum Beispiel bei unsern Haustieren oder bei den Tieren, die mit dem Menschen zusammenleben. Was aber beim Menschen Liebe und Haß in bezug auf seine Umgebung, was Furcht und Schrecken für die Seele bedeuten, was Sympathie und Antipathie ist, das erzieht sich der Mensch in seiner Individualität, in der Ichheit, die von Verkörperung zu Verkörperung geht, auf individuelle Art. Daher ist das besondere Verhältnis, durch das der Mensch sich von irgendeinem Wesen der Umgebung befreit, das dann physiognomisch im Lachen zum Ausdruck kommt, oder das andere Verhältnis, wo wir etwas suchen und nicht mehr finden können, und was sich im Weinen seinen physiognomischen Ausdruck sucht, immer etwas, was das menschliche Ich allein entfalten kann. Daher können wir auch sagen: Je mehr das Kind sich herauswindet aus dem bloß Animalischen, aus dem bloß Tierischen, je mehr sich seine Individualität zeigt, desto mehr zeigt sich seine Menschlichkeit im Lachen oder in den aus den Augen quillenden Tränen. Wenn wir das Leben in seiner Wahrheit betrachten, müssen wir nicht in den groben Tatsachen des Lebens, nicht in der Ähnlichkeit der Knochen und Muskeln zwischen Mensch und Tier, oder in der bis zu einem gewissen Grade vorhandenen Ähnlichkeit der anderen Organe das Wichtigste suchen, wenn wir die Entscheidung treffen wollen für die höhere Stellung des Menschen über die Erdenwesen; sondern wir müssen da, wo wir die feineren Tatsachen erblicken, das Wesentliche zur Charakteristik der Menschennatur suchen. Wem solche Tatsachen wie Lachen und Weinen zu unbedeutend erscheinen, um sie für die eigentliche Charakteristik der Menschheit und der Tierheit anzuwenden, dem muß man sagen: Nicht zu helfen ist dem, der nicht vermag sich aufzuschwingen zu den Tatsachen, auf die es ankommt, wenn wir den Menschen in seiner Geistigkeit verstehen wollen.

[ 17 ] In spiritual science, we call that which extends from one species of animal to another—that which lives on from genus to genus—the animal’s group soul or group ego, which we regard as something real. And we say that the animal does not have its ego within itself, but outside itself. In the field of spiritual science, we do not deny the existence of the animal “I”; rather, we speak of a group “I” that directs the animal from the outside. In the case of human beings, on the other hand, we speak of an individual “I” that penetrates into the innermost core of the human being and, from within, directs each individual human being as the underlying individuality in such a way that the human being enters into a personal relationship with the beings in their environment. The general relationship that the animal realm can establish under the guidance of the external group ego also has a typical, general character. What this or that animal loves or hates, what this or that animal fears, has a general, typical character and varies only in certain minor details—for example, in the case of our domestic animals or those that live alongside humans. But what love and hate mean for human beings in relation to their surroundings, what fear and terror signify for the soul, and what sympathy and antipathy are—these are cultivated by human beings in their individuality, in the sense of self that passes from one incarnation to the next, in an individual manner. Therefore, the special relationship through which a human being frees themselves from some being in their surroundings—which is then physiognomically expressed in laughter—or the other relationship, where we seek something and can no longer find it, and which seeks its physiognomic expression in weeping, is always something that only the human “I” can unfold. Therefore, we can also say: The more the child extricates itself from the merely animal, from the merely bestial, the more its individuality reveals itself, the more its humanity is revealed in laughter or in the tears welling up from its eyes. If we consider life in its truth, we must not seek what is most important in the crude facts of life, nor in the similarity of bones and muscles between humans and animals, nor in the similarity of other organs that exists to a certain degree, if we wish to affirm the higher position of humans above earthly beings; but rather we must seek the essential characteristics of human nature where we perceive the more subtle realities. To those who consider facts such as laughter and weeping too insignificant to apply them as the true characteristics of humanity and animality, one must say: There is no help for those who are unable to rise to the facts that matter if we wish to understand human beings in their spiritual nature.

[ 18 ] Diese Tatsachen, die uns hier geisteswissenschaftlich entgegentreten, können uns nun allerdings auch hineinleuchten in gewisse naturwissenschaftliche Errungenschaften, aber nur dann, wenn diese Tatsachen wieder hineingestellt werden in ein großes und geisteswissenschaftliches Ganzes. Mit Lachen und Weinen ist beim Menschen noch etwas anderes verbunden. Wer Lachen und Weinen beim Menschen beobachtet, der wird finden, daß bei diesen Äußerungen der menschlichen Wesenheit nicht nur der physiognomische Ausdruck des Lachens oder der Trauer vorhanden ist, sondern daß dabei auch eine Änderung, eine Modifikation des Atmungsprozesses auftritt. Wenn der Mensch traurig ist bis zum Vergießen von Tränen, und wenn seine Traurigkeit zu einem solchen Zusammenpressen des astralischen Leibes führt, daß der physische Leib mit zusammengepreßt wird, dann kann man beobachten, daß das Einatmen immer kürzer und kürzer wird, und daß das Ausatmen in langen Atemzügen geschieht. Und beim Lachen ist das Umgekehrte der Fall; da bemerken wir ein langes Einatmen und ein kurzes Ausatmen. In dieser Weise wird der Atmungsprozeß modifiziert. Und es ist nicht bloß ein Bild, sondern es entspricht einer tieferen Wirklichkeit, wenn wir sagen: Wenn beim lachenden Menschen der astralische Leib schlaff wird, und wenn der physische Leib in seiner feineren Gliederung auch erschlafft, dann tritt so etwas ähnliches ein, wie wenn wir einen leeren Raum erzeugen, indem wir die Luft aus ihm auspumpen und diesen leergemachten Raum dann der äußeren Luft aussetzen: dann pfeift die Luft da hinein. Eine Art Freimachen der äußeren Leiblichkeit tritt also im Lachen ein, und dann dringt in einem langen Atemzuge die Luft nach innen. Beim Weinen ist das umgekehrt der Fall: Wir pressen den astralischen Leib zusammen — und auch den physischen Leib, und die Folge ist, daß das lange Ausatmen durch das Zusammenpressen wie in einem Zuge bewirkt wird.

[ 18 ] These facts, which we encounter here from the perspective of the spiritual sciences, can indeed shed light on certain achievements of the natural sciences—but only if these facts are reintegrated into a larger, spiritual-scientific whole. There is something else connected with laughter and crying in human beings. Anyone who observes laughter and crying in human beings will find that these expressions of the human being involve not only the physiognomic expression of laughter or grief, but also a change, a modification of the breathing process. When a person is so sad as to shed tears, and when their sadness leads to such a compression of the astral body that the physical body is compressed along with it, one can observe that the inhalation becomes shorter and shorter, and that the exhalation occurs in long breaths. And when laughing, the opposite is true; there we notice a long inhalation and a short exhalation. In this way, the breathing process is modified. And it is not merely a metaphor, but corresponds to a deeper reality, when we say: When the astral body of a laughing person becomes limp, and when the physical body also relaxes in its finer structure, something similar occurs to what happens when we create a vacuum by pumping the air out of a space and then exposing that evacuated space to the outside air: the air then whistles into it. A kind of clearing of the outer physicality thus occurs during laughter, and then, in a long exhalation, the air flows inward. When we cry, the opposite is true: we compress the astral body—and also the physical body—and the result is that the long exhalation is brought about by this compression as if in a single breath.

[ 19 ] So sehen wir, wie wiederum mit den physischen Lebensäußerungen und bis in das äußere Physische hinein dasjenige zusammenhängt, was seelisch im Menschen erlebt wird durch die Anwesenheit des Ich.

[ 19 ] Thus we see how what is experienced in the human soul through the presence of the “I” is connected, once again, to the physical manifestations of life and extends all the way into the outer physical realm.

[ 20 ] Wenn wir diese physiologischen Tatsachen nehmen, so wird uns in merkwürdiger Weise eine geisteswissenschaftliche Tatsache beleuchtet, welche bildlich ihren Ausdruck gefunden hat — wie in der Regel geisteswissenschaftliche Tatsachen bildlich ihren Ausdruck finden — in den religiösen Urkunden der Menschheit. Erinnern wir uns an jene bedeutungsvolle Stelle des Alten Testamentes, wo dargestellt wird, daß der Mensch zu seiner gegenwärtigen Menschlichkeit heraufgehoben wird, indem ihm Jahve oder Jehova einströmen läßt den lebendigen Odem und ihn dadurch zu einer in sich lebendigen Seele macht. Das ist der Moment, wo auf das Werden der Ichheit im großen hingedeutet wird. Es wird im Alten Testament die Art und Weise des Atmungsprozesses hingestellt als der Ausdruck der eigentlichen Ichheit des Menschen; das Atmen wird in Zusammenhang gebracht mit der inneren Seelenhaftigkeit des Menschen. Wenn wir nun sehen, wie das menschliche Ich sich im Lachen und Weinen einen besonderen Ausdruck verschafft, dann zeigt sich uns schon der intime Zusammenhang zwischen dem menschlichen Atmungsprozeß und der inneren Beseelung des Menschen, und wir blicken dann von einer solchen Erkenntnis aus auf die religiösen Urkunden mit jener Demut, die uns ein solches tieferes, wahres Verständnis gibt.

[ 20 ] When we consider these physiological facts, a spiritual-scientific fact is illuminated for us in a remarkable way—a fact that has found its expression in symbolic form—as spiritual-scientific facts generally do—in the religious records of humanity. Let us recall that significant passage in the Old Testament where it is described that human beings are raised to their present humanity when Yahweh or Jehovah breathes the living breath into them, thereby making them a soul that lives within itself. This is the moment that points, in a broader sense, to the emergence of the “I.” In the Old Testament, the nature of the breathing process is presented as the expression of the human being’s true self; breathing is linked to the inner soulfulness of the human being. When we observe how the human “I” finds a particular expression in laughter and weeping, the intimate connection between the human breathing process and the inner animation of the human being becomes evident to us; and from this insight, we then look upon the religious texts with the humility that such a deeper, true understanding bestows upon us.

[ 21 ] In der Geisteswissenschaft gehen uns zunächst alle diese Urkunden nichts an. Denn selbst wenn auch durch eine große Katastrophe alle diese Urkunden zugrunde gehen würden, die Geistesforschung hat die Mittel, daß sie dasjenige, was ihnen zugrunde liegt, durch die Geistesforschung selbst finden kann. Nie ist die Geistesforschung auf Urkunden angewiesen. Wenn aber die Tatsachen gefunden sind, und man nachher in den Urkunden den unzweifelhaften bildlichen Ausdruck dessen wiedererkennt, was man vorher mit der Geisteswissenschaft unabhängig von den Urkunden gefunden hat, dann wächst unser Verständnis für diese Urkunden. Dann sagt man sich: Es kann dasjenige, was da besprochen ist, nicht anders hineingekommen sein als durch Wesenheiten, die das gewußt haben, was der Geistesforscher in ihnen wiederfinden kann; und es spricht durch die Jahrtausende Geistesforscher zu Geistesforscher, Geistesblick zu Geistesblick! Dadurch gewinnt man gerade aus der Erkenntnis heraus die richtige Stellung zu diesen Urkunden. Und wenn erzählt wird, wie der Gott einprägte dem Menschen seinen lebendigen Odem, wodurch der Mensch eine sich innerlich findende Ichheit wurde, so finden wir gerade aus einer solchen Betrachtung, wie diese über «Lachen und Weinen», wie wahr eine solche bildlich dargestellte Tatsache in bezug auf die Menschennatur ist.

[ 21 ] In spiritual science, all these documents are, at first glance, of no concern to us. For even if a great catastrophe were to destroy all these documents, spiritual research has the means to discover, through spiritual research itself, that which underlies them. Spiritual research is never dependent on documents. But when the facts have been discovered, and one subsequently recognizes in the documents the unmistakable pictorial expression of what one had previously discovered through spiritual science independently of the documents, then our understanding of these documents deepens. Then one says to oneself: What is discussed there could not have found its way into the texts in any other way than through beings who knew what the spiritual researcher can rediscover in them; and across the millennia, it speaks from spiritual researcher to spiritual researcher, from spiritual insight to spiritual insight! In this way, one gains the correct perspective on these documents precisely through this insight. And when it is recounted how God breathed His living breath into humankind, thereby enabling humankind to become an “I” found within itself, we find—precisely through a contemplation such as this one on “Laughter and Tears”—just how true such a figuratively depicted fact is with regard to human nature.

[ 22 ] Nur auf einzelnes soll jetzt noch hingewiesen werden, weil es uns sonst zu weit führen würde. Es könnte zum Beispiel jetzt jemand sagen: Du hast die ganze Betrachtung an einem falschen Ende angefaßt, denn du hättest dort anfangen müssen, wo die äußeren Tatsachen sprechen. Das geistige Element mußt du dort suchen, wo es nur als eine reine Naturwirkung auftritt, zum Beispiel wenn der Mensch gekitzelt wird. Da haben wir die elementarste Tatsache des Lachens. Wie kommst du da zurecht mit all deinen Phantastereien über das Ausdehnen des astralischen Leibes — und so weiter?

[ 22 ] I’ll just point out one thing here, because otherwise we’d go too far off on a tangent. For example, someone might say: “You’ve approached this whole discussion from the wrong end, because you should have started where the external facts speak for themselves.” You must look for the spiritual element where it appears solely as a pure natural phenomenon—for example, when a person is tickled. There we have the most elementary fact of laughter. How do you reconcile that with all your fanciful notions about the expansion of the astral body—and so on?

[ 23 ] Oh, dann vollzieht sich gerade erst recht das Ausdehnen des astralischen Leibes. Denn alle die Dinge, die als Charakteristik angeführt sind, sind dann vorhanden, wenn auch auf untergeordneter Stufe. Wenn der Mensch gekitzelt wird an der Fußsohle, so ist das eine Tatsache, auf die er sich nicht einlassen kann mit seinem Verstande. Er will es nicht, lehnt es ab. Er wird sie nur dann mit seinem Verständnis umfassen, wenn er sich selber kitzelt. Aber dann lacht er nicht; denn dann kennt er den Urheber. Wenn ihn aber ein anderer kitzelt, hat es für ihn etwas Unverständliches. Darüber erhebt sich das Ich, sucht davon frei zu werden und sucht den astralischen Leib davon loszubekommen. Und gerade das Loskommen des astralischen Leibes von einer unpassenden Berührung drückt sich aus durch das nicht motivierte Lachen. Das ist gerade eine Befreiung, eine Rettung des Ich auf elementarer Stufe von jener Attacke, die auf uns ausgeübt wird, wenn wir an der Fußsohle gekitzelt werden, wo wir mit unserem Verständnis der Sache doch nicht beikommen können.

[ 23 ] Oh, then the expansion of the astral body is taking place all the more. For all the characteristics listed are present, albeit at a lower level. When a person is tickled on the sole of the foot, this is a fact that he cannot come to terms with using his intellect. He does not want it; he rejects it. He will only comprehend it with his intellect when he tickles himself. But then they do not laugh; for then they know the source. When someone else tickles them, however, it is something incomprehensible to them. The “I” rises above it, seeks to free itself from it, and tries to detach the astral body from it. And it is precisely the astral body’s liberation from an inappropriate touch that is expressed through unmotivated laughter. This is precisely a liberation, a rescue of the “I” at an elemental level from that attack which is exerted upon us when we are tickled on the soles of our feet—a situation we cannot grasp with our understanding of the matter.

[ 24 ] Jedes Lachen über einen Witz oder über etwas, was komisch ist, steht auf derselben Stufe. Wir lachen über den Witz, weil wir durch das Lachen in das richtige Verhältnis zu ihm kommen. Im Witz werden Dinge zusammengebracht, die im ernsten Leben nicht zusammengebracht werden können; denn wenn sie logisch zu begreifen wären, würden sie nicht witzig sein. Im Witz werden Verhältnisse zusammengebracht, die, wenn man nicht gerade auf den Kopf gefallen ist, nicht unser Verständnis unbedingt herausfordern, sondern nur von uns gerade das herausfordern, daß wir mit einem gewissen Spiel des geistigen Lebens die Dinge zusammenbringen, die da zusammengebracht sind. In dem Augenblick, wo wir uns als im Besitz dieses Spieles fühlen, machen wir uns frei und erheben uns über den Inhalt, der im Witz liegt. Die Tatsache des Sich-Freimachens, des Sich-Erhebens über irgendeine Erscheinung werden Sie überall finden, wo Lachen zutage tritt. Und ebenso werden Sie die Tatsache, daß der Mensch etwas sucht, was er nicht finden kann, und sich daher in sich selber zusammenpreßt, beim Weinen zugrunde liegen sehen.

[ 24 ] Every laugh at a joke or at something funny is on the same level. We laugh at the joke because laughing helps us put it into proper perspective. A joke brings together things that cannot be brought together in serious life; for if they were logically comprehensible, they would not be funny. In a joke, relationships are brought together that—unless one has fallen on one’s head—do not necessarily challenge our understanding, but rather challenge us precisely to use a certain playfulness of the mind to bring together the things that are brought together there. The moment we feel we possess this playfulness, we free ourselves and rise above the content contained in the joke. You will find the act of freeing oneself, of rising above any phenomenon, wherever laughter occurs. And likewise, you will see that the fact that a person is searching for something they cannot find—and therefore contracts within themselves—lies at the root of crying.

[ 25 ] Es kann aber diese Art des Verhältnisses zur Außenwelt, wie sie jetzt geschildert worden ist, berechtigt oder unberechtigt sein. Wir können uns aus einer gewissen Berechtigung frei machen wollen im Lachen; oder aber durch unsere Eigentümlichkeit den betreffenden Vorgang auch nicht verstehen wollen oder nicht verstehen können. Dann liegt das Lachen nicht in der Natur der Tatsachen, sondern in unserer Unvollkommenheit. Das tritt überall dort zutage, wo irgendein unentwickelter Mensch über einen andern lacht, weil er ihn nicht verstehen kann. Wenn ein unentwickelter Mensch bei einem andern das Alltägliche und Philiströse, das er für das richtige hält, nicht findet, dann denkt er, es sei nicht nötig, da mit dem Verständnis heranzukommen; er sucht sich davon frei zu machen — vielleicht gerade deshalb, weil er es nicht verstehen will. Daher überträgt es sich leicht bei uns in die Gewohnheit, sich durch Lachen von allem frei zu machen. Das ist auch oft die Natur gewisser Menschen: sie lachen und meckern über alles; sie wollen gar nichts verstehen; sie plustern sich auf in ihrem Astralleib und kommen dadurch immerfort zum Lachen. Das ist durchaus dieselbe Grundtatsache. Nur kann es auf der einen Seite berechtigt erscheinen, nicht eindringen zu wollen in das Verständnis einer Sache, und auf der andern Seite kann es unberechtigt sein. Es kann auch an den Unvollkommenheiten der Mode liegen, daß etwas dem gewöhnlichen Betragen nicht ganz geeignet erscheint, um dafür Verständnis zu haben. Da hat man dann ein Lächeln, indem man sich erhaben dünkt über das eine oder andere. Es braucht also das Lachen nicht ein berechtigtes Gefühl des Sich-Zurückziehens auszudrücken, sondern es kann auch ein unberechtigtes Zurückziehen ausdrücken. Damit wird aber die Grundtatsache nicht geändert, wodurch das Lachen charakterisiert worden ist.

[ 25 ] However, this kind of relationship to the outside world, as it has just been described, may be justified or unjustified. We may wish to free ourselves from a certain sense of justification through laughter; or, due to our own peculiarities, we may not wish to understand—or be unable to understand—the event in question. In that case, the laughter does not lie in the nature of the facts, but in our own imperfection. This becomes evident wherever an undeveloped person laughs at another because he cannot understand him. When an undeveloped person does not find in another the mundane and philistine qualities that he considers to be correct, he thinks it is unnecessary to approach the matter with understanding; he seeks to free himself from it—perhaps precisely because he does not want to understand it. Consequently, it easily becomes a habit among us to free ourselves from everything through laughter. This is also often the nature of certain people: they laugh and grumble about everything; they do not want to understand anything at all; they puff themselves up in their astral body and thereby find themselves laughing constantly. This is precisely the same fundamental fact. However, while on the one hand it may seem justified not to want to delve into the understanding of a matter, on the other hand it may be unjustified. It may also be due to the imperfections of fashion that something does not seem entirely appropriate to ordinary behavior, making it difficult to understand. In such cases, one smiles, imagining oneself to be above one thing or another. Laughter, therefore, need not express a justified sense of withdrawal; rather, it can also express an unjustified withdrawal. This, however, does not alter the fundamental fact that has characterized laughter.

[ 26 ] Es kann aber auch vorkommen, daß jemand auf dasjenige, was menschliche Lebensäußerung ist, rechnet. Nehmen wir an, irgend jemand rechnet als Redner mit dem, was durch seine Rede aufgehen soll, als Zustimmung oder dergleichen. Da rechnet er selbstverständlich mit dem, was die menschliche Seele erleben kann. Nun wird es in einzelnen Fällen vielleicht berechtigt sein, auf Dinge hinzuweisen, die so minderwertig sind oder so unter dem Kreise des Verständnisses von gewissen Zuhörern, daß man sie charakterisieren darf, ohne daß ein besonders intimes Band von der Seele der Zuhörer zu diesen Gegenständen geschlungen wird; sondern man wird gerade den Zuhörern helfen, sich zu befreien von dem, was unter dem Kreise dessen liegt, worüber der Redner Verständnis ausgießen soll. Da wird der Redner damit rechnen dürfen, daß die Zuhörer seine Stellung der Ablehnung der betreffenden Gegenstände teilen. Es gibt aber auch Redner, die immer die Lacher auf ihrer Seite haben wollen. Ich habe schon gehört, daß Redner sagten: Ich werde da, wo ich siegen will, die Lachmuskeln antreiben, so daß ich die Lacher auf meiner Seite habe — und wer die Lacher auf seiner Seite hat, der hat eben gesiegt! Das kann aber auch aus einer inneren Unehrlichkeit kommen. Denn appelliert man an das Lachen, so appelliert man an etwas, wodurch sich der Mensch über eine Sache erheben soll. Man rechnet aber auch mit der Eitelkeit der Menschen — wenn sie sich dessen auch nicht bewußt sind —, wenn man die Sache so darstellt, daß sie nicht angewiesen sind, in ihr unterzutauchen und bloß deswegen darüber lachen dürfen, weil sie auf ein Niveau gerückt wird, wo sie zu minderwertig erscheint. Es kann also das Rechnen auf das Lachen einem Prinzip der Unehrlichkeit entspringen. Und man wird in einer gewissen Weise zuweilen auch dadurch den Menschen gewinnen können, daß man in ihm jenes Wohlbehagen und Wohlgefühl erregt, das in dem heutigen Vortrage geschildert worden ist als mit der Träne verbunden. Der Mensch fühlt dann, wenn ihm sozusagen ein Verlust nur für die Phantasie vorgeführt wird, daß er sich sagen könnte: Du darfst jetzt etwas suchen, was du eigentlich nicht findest! Er fühlt sich durch das Zusammenpressen des Ich in seiner Egoität, in seiner Selbstsucht bestärkt; und manches Rechnen auf die Rührung ist oft im großen nichts anderes als ein Rechnen auf die Selbstsucht des Menschen. Alle diese Dinge können daher arg mißbraucht werden, weil Rührung und Schmerz, Trauer, Hohn und Spott, die von Lachen oder Weinen begleitet sind, mit dem zusammenhängen, was das Ich stärkt und befreit, also mit der menschlichen Ichheit, der Egoität. Es kann daher auch, wenn diese Dinge sich geltend machen, die Selbstsucht angesprochen werden, an die Selbstsucht appelliert werden; und dann ist es die Selbstsucht, die ebenso zerstören kann, was Mensch an Mensch bindet.

[ 26 ] However, it can also happen that someone counts on what constitutes human expression. Let’s assume that a speaker counts on what his speech is intended to evoke—such as approval or the like. In that case, he is naturally counting on what the human soul is capable of experiencing. Now, in certain cases, it may be justified to point out things that are so trivial or so far beyond the grasp of certain listeners that one may describe them without forging a particularly intimate bond between the listeners’ souls and these subjects; but rather, one will help the listeners free themselves from what lies outside the scope of what the speaker is meant to elucidate. In such cases, the speaker may expect the listeners to share his stance of rejecting the subjects in question. However, there are also speakers who always want to have the audience laughing on their side. I have heard speakers say: “Where I want to prevail, I will stimulate the laughter muscles so that I have the audience on my side—and whoever has the audience on their side has prevailed!” But this can also stem from an inner dishonesty. For when one appeals to laughter, one appeals to something that is meant to lift a person above a matter. But one also counts on people’s vanity—even if they aren’t aware of it—when one presents the matter in such a way that they aren’t required to immerse themselves in it and are allowed to laugh at it simply because it is brought down to a level where it appears inferior. Thus, relying on laughter can stem from a principle of dishonesty. And in a certain way, one can sometimes win people over by arousing in them that sense of well-being and comfort which was described in today’s lecture as being connected to tears. When a person is presented, so to speak, with a loss that exists only in the imagination, they feel as though they could say to themselves: “You may now search for something you cannot actually find!” They feel reinforced in their egoism, in their self-interest, by the compression of the ego; and much of this calculation based on emotion is often, in the grand scheme of things, nothing other than a calculation based on human self-interest. All these things can therefore be seriously abused, because emotion and pain, grief, scorn, and mockery—accompanied by laughter or tears—are connected to what strengthens and liberates the ego, that is, to human egotism. Consequently, when these things come to the fore, selfishness can be addressed and appealed to; and then it is selfishness that can just as easily destroy what binds one person to another.

[ 27 ] Da sehen wir also, daß das menschliche Ich im Lachen und dem, was dem Lachen zugrunde liegt, frei sich hinaufgehoben fühlt, und daß die Selbstheit sich zusammengedrängt fühlt in der Träne und dem, was damit verbunden ist. Wir haben aber in anderen Vorträgen auch gesehen, wie das Ich nicht nur an der Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele arbeitet, sondern wie es durch diese Arbeit selbst immer vollkommener und stärker werden soll. Wir werden daher leicht begreifen, daß Lachen und Weinen in gewisser Weise Erziehungsmittel sein können. Indem das Ich sich zum Lachen erhebt, wird es die Kräfte aufrufen seiner Selbstbefreiung, seines Erhabenseins und Insichgeschlossenseins in der Welt. In der Träne kann es sich dazu erziehen, sich zu verbinden mit dem, wozu es gehört; und indem es den Mangel fühlt gegenüber dem, wozu es gehört, bereichert es sich doch in anderer Weise mit seiner eigenen Ichheit, indem es sich zusammenpreßt. Oh, im Lachen und Weinen liegen damit zu gleicher Zeit Erziehungsmittel des Ich und der Kräfte des Ich. Das Ich steigt sozusagen herauf in seiner Freiheit und Zusammengeschlossenheit mit der Welt, indem es sich äußert im Lachen und Weinen. Daher ist es kein Wunder, daß zu den großen Erziehungsmitteln der menschlichen Entwickelung diejenigen Produktionen und menschl:chen Schöpfungen gehören, die gerade auf die Erregung derjenigen Seelenkräfte hinarbeiten, die dem Lachen und Weinen zugrunde liegen.

[ 27 ] So we see that the human “I” feels freely uplifted in laughter and in what underlies laughter, and that the sense of self feels constricted in tears and in what is associated with them. But we have also seen in other lectures how the “I” not only works on the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul, but how, through this very work, it is meant to become ever more perfect and stronger. We will therefore easily understand that laughter and tears can, in a certain sense, be means of education. As the “I” rises to laughter, it summons the forces of its self-liberation, its sublimity, and its self-containment in the world. In tears, it can train itself to connect with that to which it belongs; and by feeling a sense of lack in relation to that to which it belongs, it nevertheless enriches itself in another way through its own sense of self, by drawing itself together. Oh, in laughter and tears lie, at the same time, means of education for the “I” and the powers of the “I.” The self, so to speak, rises in its freedom and unity with the world by expressing itself through laughter and tears. It is therefore no wonder that among the great educational means of human development are those productions and human creations that work specifically to stir the very soul forces underlying laughter and tears.

[ 28 ] Wir sehen im Trauerspiel, in der Tragödie etwas hingestellt, was tatsächlich den astralischen Leib zusammenpreßt, um in unser Ich Festigkeit, innere Geschlossenheit hineinzubringen, während im Lustspiel das hingestellt wird, was den astralischen Leib weitet, indem sich der Mensch erhebt über das Törichte, über das in sich selbst Zusammenfallende und dadurch das Ich zur Befreiung bringen will. Wir sehen, wie es mit der Entwickelung des Menschen zusammenhängt, daß durch das Trauerspiel, das Lustspiel künstliche Schöpfungen vor seine Seele hingestellt werden.

[ 28 ] In the tragedy, we see something presented that actually compresses the astral body in order to bring firmness and inner cohesion into our “I,” whereas in the comedy, what is presented is that which expands the astral body, as the human being rises above folly, above that which collapses within itself, and thereby seeks to liberate the “I.” We see how this is connected to human development: through the tragedy and the comedy, artificial creations are set before the soul.

[ 29 ] Wer die menschliche Natur und Wesenheit auch in den kleinsten Dingen beobachten kann, der wird sehen, daß ihn die alltäglichen Erlebnisse auch zum Verständnis der großen Tatsachen führen können. Solche Dinge, die uns zum Beispiel in der Kunst vor Augen treten, zeigen uns, daß wir in der menschlichen Natur etwas haben, was wie ein Pendel hin und her zu schlagen hat zwischen dem, was in der Träne und was im Lachen sich äußert. Nur dadurch, daß das Ich in der Bewegung ist, entwikkelt es sich weiter. In der ruhigen Pendellage würde es sich nicht vergrößern und weiter entwickeln, würde dem inneren Tode verfallen müssen. Recht ist es für die menschliche Entwickelung, daß das Ich sich auf der einen Seite befreien kann durch das Lachen und auf der anderen Seite sich selber sucht noch in seinem Verlust, in der Träne. Allerdings, wenn zwischen zwei Polen der Ausgleich gesucht werden soll, so muß er auch gefunden werden. Daher wird das Ich sich voll finden können nur im Ausgleich, niemals in dem Hinundherpendeln zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zu Tode betrübt»; es wird sich nur finden können in der Ruhelage, die sowohl zu dem einen wie zu dem andern hingehen kann.

[ 29 ] Anyone who can observe human nature and essence even in the smallest things will see that everyday experiences can also lead to an understanding of the great truths. Such things, which we encounter, for example, in art, show us that there is something in human nature that swings back and forth like a pendulum between what is expressed in tears and what is expressed in laughter. It is only through this movement that the “I” continues to develop. In a state of static equilibrium, it would not expand or develop further; it would be doomed to inner death. It is right for human development that the self can, on the one hand, liberate itself through laughter and, on the other hand, seek itself even in its loss, in tears. However, if a balance is to be sought between two poles, it must also be found. Therefore, the self can find its fullness only in balance, never in the back-and-forth oscillation between “ecstatic joy” and “deepest sorrow”; it can find itself only in a state of equilibrium that can move toward both one and the other.

[ 30 ] Lenker und Leiter seines Daseins muß der Mensch allmählich im Laufe seiner Entwickelung werden. Wenn wir Lachen und Weinen verstehen, begreifen wir sie gerade als Geist-Offenbarungen und werden sagen: Der Mensch wird uns so recht durchsichtig, wenn wir sehen, wie er sich im Lachen einen äußeren Ausdruck für ein inneres Befreiungsgefühl sucht, und wie sich in der Träne ein inneres Befestigungsgefühl ausdrückt, wenn das Ich in der Außenwelt etwas verloren hat. — So haben wir im Lachen und Weinen zwei Pole, an denen sich uns die Geheimnisse der Welt zum Ausdruck bringen.

[ 30 ] Human beings must gradually become the guides and leaders of their own existence as they develop. When we understand laughter and tears, we perceive them precisely as manifestations of the spirit and will say: Human beings become truly transparent to us when we see how, in laughter, they seek an outward expression for an inner sense of liberation, and how a tear expresses an inner sense of fortitude when the “I” has lost something in the outer world. — Thus, in laughter and tears, we have two poles through which the mysteries of the world reveal themselves to us.

[ 31 ] Und fragen wir uns: Was ist im letzten Grunde das Lachen auf dem Menschenantlitz? — so wissen wir, es ist die geistige Offenbarung dafür, daß der Mensch heranstrebt zur Befreiung, daß er sich nicht umschlingen läßt von den Dingen, die seiner nicht würdig sind, sondern sich mit Lächeln im Antlitz erhebt über das, dessen Sklave er nie werden darf. Und die Träne auf dem Antlitz des Menschen ist uns der geistige Ausdruck für die geistige Tatsache, daß der Mensch selbst dann, wenn er den Faden zerrissen fühlt zwischen sich und irgendeinem Wesen der Außenwelt, diesen Faden noch sucht im Verlust; daß er dann, wenn er sein Ich verfestigen will in der Träne, gerade darin zum Ausdruck bringen will: Ich gehöre der Welt, und die Welt gehört zu mir, denn ich kann nicht ertragen das Losgerissensein von der Welt.

[ 31 ] And let us ask ourselves: What, ultimately, is the smile on a person’s face? — we know that it is the spiritual revelation that man strives for liberation, that he does not allow himself to be ensnared by things unworthy of him, but rather, with a smile on his face, rises above that of which he must never become a slave. And the tear on a person’s face is for us the spiritual expression of the spiritual fact that even when a person feels the thread between themselves and some being in the outside world has been severed, they still seek that thread in their loss; that when they wish to strengthen their self in the tear, they wish to express precisely this: I belong to the world, and the world belongs to me, for I cannot bear to be torn away from the world.

[ 32 ] Nun verstehen wir, wie die Befreiung, die sich über alles Niedere und Böse erhebt, ausgedrückt werden durfte durch das «Zarathustra-Lächeln», und wie man sagen konnte: bei diesem Lächeln jauchzten alle Geschöpfe der Erde, und es flohen die Geister des Bösen! Denn dieses Lächeln ist das weltgeschichtliche Symbolum der geistigen Erhebung der freien Ich-Wesenheit über das, worinnen sie nicht verstrickt werden soll. Und alles, was auf der Erde ist, darf aufjauchzen, wenn das, was seine Wesenheit ist, sich mit dem Lächeln der ZarathustraWesenheit erheben kann. Dann aber, wenn das Ich einen Augenblick hat, wo es sagt: Das Dasein ist nichts wert; ich will nichts mehr gemein haben mit der Welt! — Und wenn dann in seiner Seele aufzucken soll die Kraft, welche die Worte zum Bewußtsein bringen soll: Die Welt gehört zu mir, ich gehöre der Welt! — dann darf ein solcher Ausdruck gefunden werden in den Worten Goethes: «Die Träne quillt! Die Erde hat mich wieder!» Darin wird gefühlt, daß wir nicht ausgeschlossen sein dürfen von allem, was die Erde ist, daß wir die Zusammengehörigkeit mit der Welt fühlen dürfen, die sich in der Träne einen Ausdruck verschafft, wenn sie uns genommen wird. Das ist berechtigt in den tiefen Geheimnissen der Welt.

[ 32 ] Now we understand how liberation—which rises above all that is base and evil—could be expressed through the “smile of Zarathustra,” and how it could be said: at this smile, all creatures of the earth rejoiced, and the spirits of evil fled! For this smile is the symbol in world history of the spiritual elevation of the free “I”-being above that in which it must not become entangled. And everything on earth may rejoice when that which constitutes its essence can rise with the smile of the Zarathustra-being. But then, when the “I” has a moment when it says: “Existence is worthless; I want nothing more to do with the world!”—and when the power is to surge up in its soul to bring these words to consciousness: “The world belongs to me, I belong to the world!”—then such an expression may be found in Goethe’s words: “The tear wells up! The earth has me again!” In this, we sense that we must not be excluded from all that the earth is, that we may feel a sense of belonging to the world, which finds expression in the tear when it is taken from us. This is justified in the deep mysteries of the world.

[ 33 ] Die Zusammengehörigkeit des Menschen mit der Welt kann uns die Träne auf seinem Antlitz verkündigen, und des Menschen Befreiung von allem Niedrigen, das seiner habhaft werden will, kann uns das Lachen auf seinem Antlitz verkünden.

[ 33 ] The tear on a person’s face can reveal to us their oneness with the world, and the laughter on their face can reveal to us their liberation from all that is base and seeks to ensnare them.