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The Rudolf Steiner Archive

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Metamorphoses of the Inner Life
Paths of Spiritual Experience
Second Part
GA 59

3 March 1910, Berlin

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5. Krankheit und Heilung

5. Illness and Healing

[ 1 ] Aus den Vorträgen, welche ich in diesem Winter hier habe halten dürfen, ging wohl denjenigen, welche mehr oder weniger ständige Zuhörer waren, mit Deutlichkeit hervor, daß es sich in diesem Vortragszyklus um eine Reihe von einschneidenden Seelenfragen handelte. Von dem Gesichtspunkte einer Seelenfrage soll auch die heutige Darstellung gegeben sein, die Darstellung über das Wesen von Krankheit und das Wesen von Heilung.

[ 1 ] From the lectures I had the privilege of delivering here this winter, it was likely clear to those who were more or less regular attendees that this lecture series dealt with a series of profound questions of the soul. Today’s presentation—on the nature of illness and the nature of healing—will also be approached from the perspective of a spiritual question.

[ 2 ] Was vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft über die entsprechenden Tatsachen des Lebens zu sagen ist, insofern sie bloß physische Ausdrücke geistiger Ursachen sind, das wurde in früheren Vorträgen — zum Beispiel in dem Vortrage «Wie begreift man Krankheit und Tod?», über den «Krankheitswahn» und das «Gesundheitsfieber» — hier auseinandergesetzt. Heute soll es sich um wesentlich tiefere Fragen in der Erkenntnis von Krankheit und Heilung handeln.

[ 2 ] What can be said from the perspective of spiritual science about the corresponding facts of life—insofar as they are merely physical expressions of spiritual causes—has been discussed in earlier lectures—for example, in the lecture “How Do We Understand Illness and Death?”— on the “delusion of illness” and the “fever of health”—has been discussed here. Today we will address significantly deeper questions regarding the understanding of illness and healing.

[ 3 ] Krankheit, Heilung oder wohl auch der tödliche Ausgang dieser oder jener Krankheit greifen ja tief in das Menschenleben ein. Und wenn wir uns nach den ganzen Vorbedingungen, nach den geistigen Untergründen der Dinge, die unseren Betrachtungen hier zugrunde liegen, immer wieder gefragt haben, so dürfen wir wohl auch gegenüber diesen einschneidenden Tatsachen und Erlebnissen des menschlichen Daseins nach den geistigen Ursachen fragen. Mit andern Worten, wir dürfen die Frage aufwerfen: Was hat die Geisteswissenschaft zu diesen Erlebnissen zu sagen?

[ 3 ] Illness, recovery, or indeed the fatal outcome of this or that illness have a profound impact on human life. And if we have repeatedly asked ourselves about the underlying conditions—the spiritual foundations of the things that form the basis of our considerations here—then we may well also inquire into the spiritual causes behind these profound facts and experiences of human existence. In other words, we may raise the question: What does spiritual science have to say about these experiences?

[ 4 ] Da werden wir allerdings wieder einmal tief hineinschauen müssen in den ganzen Sinn der Entwickelung dieses menschlichen Lebens, um uns klar zu werden, wie in den normalen Gang der Entwickelung des Menschen sich hineinstellen können Krankheit, Gesundheit, Tod, Heilung. Denn im Grunde genommen sehen wir die genannten Erscheinungen sich gleichsam hineinstellen in die normale Entwickelung des Menschen. Tragen sie vielleicht etwas bei zu unserer Entwickelung? Mit andern Worten, treiben sie uns in der Entwickelung nach vorwärts oder nach rückwärts? Wir kommen zu einem klaren Begriff von diesen Erscheinungen nur, wenn wir auch hier die Gesamtnatur des Menschen ins Auge fassen.

[ 4 ] Here, however, we will once again have to look deeply into the overall meaning of the development of human life in order to understand how illness, health, death, and healing can fit into the normal course of human development. For, fundamentally speaking, we see these phenomena as, so to speak, fitting into the normal development of the human being. Do they perhaps contribute something to our development? In other words, do they propel us forward or backward in our development? We can only arrive at a clear understanding of these phenomena if we also take into account the overall nature of the human being here.

[ 5 ] Diese Gesamtnatur haben wir schon öfter hier so dargestellt, daß sie sich zusammensetzt aus den realen vier Gliedern des menschlichen Wesens: erstens aus dem physischen Leib, den der Mensch gemeinschaftlich hat mit allen mineralischen Wesen seiner Umgebung, welche ihre Formen von den ihnen innewohnenden physischen und chemischen Kräften und Gesetzen haben. Das zweite Glied der menschlichen Wesenheit nannten wir immer den Äther- oder Lebensleib und konnten sagen, daß ihn der Mensch in der Art, wie wir von ihm sprechen, gemeinschaftlich hat mit allem Lebendigen, also mit den pflanzlichen und tierischen Wesenheiten seiner Umgebung. Dann haben wir hingewiesen auf den astralischen Leib, den der Mensch als drittes Glied seiner Wesenheit hat; er ist der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von allen vom Morgen bis zum Abend in uns auf und ab wogenden Empfindungen, Vorstellungen, Gedanken und so weiter. Diesen astralischen Leib hat der Mensch nur noch gemeinschaftlich mit der tierischen Welt seiner Umgebung. Und dann haben wir immer betrachtet das höchste Glied der menschlichen Wesenheit, das ihn zur Krone der Erdenschöpfung macht, den Träger seines Ich, seines Selbstbewußtseins. Wenn wir diese vier Glieder ins Auge fassen, so können wir uns zunächst sagen: Es erscheint uns — auch bei einer oberflächlichen Betrachtung — eine gewisse Verschiedenheit zwischen diesen vier Gliedern. Den physischen menschlichen Leib haben wir vor uns, wenn wir den Menschen, wenn wir uns selber von außen betrachten. Die äußeren physischen Sinnesorgane können wahrnehmen, was wir als physischen Menschenleib bezeichnen. Mit dem an diese physischen Organe gebundenen Denken, das heißt mit jenem Denken, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist, können wir diesen physischen Leib des Menschen begreifen. Er zeigt sich uns daher, wenn wir ihn von außen betrachten.

[ 5 ] We have often described this total nature here as consisting of the four real aspects of the human being: first, the physical body, which humans share with all mineral beings in their environment, whose forms are determined by the physical and chemical forces and laws inherent in them. We have always referred to the second aspect of the human being as the etheric or life body, and we have noted that, in the sense in which we speak of it, human beings share this body with all living things—that is, with the plant and animal beings in their environment. Then we pointed to the astral body, which the human being possesses as the third member of his being; it is the bearer of pleasure and suffering, joy and pain, of all the feelings, impressions, thoughts, and so on that ebb and flow within us from morning to night. The human being shares this astral body only with the animal world of his surroundings. And then we have always considered the highest member of the human being, which makes him the crown of earthly creation—the bearer of his “I,” his self-consciousness. When we consider these four members, we can say to ourselves at first: Even upon superficial observation, a certain difference between these four members appears to us. We have the physical human body before us when we look at a human being—when we look at ourselves—from the outside. The external physical sense organs can perceive what we call the physical human body. Through thinking bound to these physical organs—that is, through the thinking bound to the instrument of the brain—we can comprehend this physical human body. It therefore reveals itself to us when we observe it from the outside.

[ 6 ] Ganz anders ist das Verhältnis zu dem menschlichen Astralleib. Wir haben aus den vorhergehenden Darstellungen schon erkannt, daß nur für das wahre hellsichtige Bewußtsein der astralische Leib sozusagen eine äußere Tatsache ist; daß nur dieses, durch die schon öfter charakterisierte Schulung des Bewußtseins, den astralischen Leib in gewisser Art so sehen kann wie den physischen Leib. Für das normale Leben ist der astralische Leib des Menschen nicht von außen wahrnehmbar; von den in ihm auf und ab wogenden Trieben, Begierden, Leidenschaften, Gedanken, Gefühlen und so weiter kann das Auge nur die Äußerungen sehen. Dagegen nimmt der Mensch selber in seinem Innern diese Erlebnisse seines astralischen Leibes wahr. Er nimmt wahr, was wir Triebe, Begierden, Leidenschaften, Freude und Schmerz, Lust und Leid nennen. Daher können wir sagen, daß sich der astralische Leib zum physischen Leib verhält so, daß wir den ersteren im normalen Menschenleben von innen anschauen, den physischen Leib aber von außen.

[ 6 ] The relationship to the human astral body is quite different. We have already seen from the preceding descriptions that only for the true clairvoyant consciousness is the astral body, so to speak, an external reality; that only this consciousness, through the training of consciousness already described on several occasions, can perceive the astral body in a certain way just as it perceives the physical body. In ordinary life, the human astral body is not perceptible from the outside; of the impulses, desires, passions, thoughts, feelings, and so on that surge within it, the eye can see only their outward manifestations. In contrast, the human being himself perceives these experiences of his astral body from within. He perceives what we call drives, desires, passions, joy and pain, pleasure and suffering. Therefore, we can say that the astral body relates to the physical body in such a way that, in normal human life, we view the former from within, but the physical body from without.

[ 7 ] In einer gewissen Beziehung stehen nun die andern beiden Glieder der menschlichen Natur, der Ätherleib und der Träger des Ich, zwischen diesen äußersten Extremen. Der physische Leib ist rein äußerlich wahrzunehmen, der astralische Leib rein innerlich. Aber das Mittelglied zwischen dem physischen Leib und dem Astralleib ist der Ätherleib. Er ist von außen nicht wahrzunehmen, wirkt aber nach außen. Er wirkt im gewöhnlichen Leben des Menschen so nach außen, daß wir sagen können: Was der astralische Leib an Kräften, an inneren Erlebnissen entwickelt, das muß zunächst auf den Ätherleib übertragen werden; dann kann es erst eingreifen in die physischen Werkzeuge, in den physischen Leib. So wirkt zwischen dem astralischen Leib und dem physischen Leib der Ätherleib als Mittelglied. Es führt also von außen nach innen dieser Äther- oder Lebensleib. Wir können ihn nicht mehr mit physischen Augen sehen. Aber was wir mit physischen Augen sehen können, ist nur dadurch ein Werkzeug des astralischen Leibes, daß der Ätherleib nach außen in den physischen Leib hineinwirkt.

[ 7 ] In a certain sense, the other two components of human nature—the etheric body and the bearer of the “I”—lie between these two extremes. The physical body can be perceived purely externally, while the astral body can be perceived purely internally. But the middle link between the physical body and the astral body is the etheric body. It cannot be perceived from the outside, but it acts outwardly. In the ordinary life of a human being, it acts outwardly in such a way that we can say: Whatever the astral body develops in terms of forces and inner experiences must first be transferred to the etheric body; only then can it take effect in the physical instruments, in the physical body. Thus, the etheric body acts as a mediating link between the astral body and the physical body. This etheric or life body therefore leads from the outside to the inside. We can no longer see it with our physical eyes. But what we can see with our physical eyes is only an instrument of the astral body because the etheric body acts outwardly into the physical body.

[ 8 ] In gewisser Beziehung geht nun dasjenige, was wir das menschliche Ich nennen, wieder von innen nach außen — während der Ätherleib von außen nach innen zum Astralleib geht. Denn durch das Ich, und was es aus dem astralischen Leib macht, wird der Mensch ein Erkenner der äußeren Welt, der physischen Umwelt, aus der der physische Leib selbst entnommen ist. Das tierische Leben geht ohne individuelle, ohne persönliche Erkenntnis vor sich, weil das Tier dieses persönliche Ich nicht hat; weil das Tier alle seine Erlebnisse des astralischen Leibes innerlich durchlebt, aber nicht seine Lust und sein Leid, Sympathie oder Antipathie dazu benutzt, um sich Erkenntnis der äußeren Welt zu verschaffen. Was wir Lust und Leid nennen, Freude und Schmerz, Sympathie oder Antipathie, das sind allerdings Erlebnisse des astralischen Leibes im Tier; aber das Tier benutzt seine Lust nicht dazu, um zu jauchzen über die Schönheit der Welt, sondern es bleibt innerhalb desjenigen Elementes, das ihm Wohlbehagen gibt. Das Tier lebt in seinem Schmerz unmittelbar; den Menschen führt sein Schmerz hinaus über sich selbst zur Aufklärung über die Welt, weil das Ich ihn wieder hinausleitet und zusammenbringt mit der äußeren Welt. So sehen wir, wie auf der einen Seite der Ätherleib nach dem Innern des Menschen weist zum Astralleib hin, wie das Ich des Menschen aber nach der Außenwelt hinführt, zu der uns umgebenden physischen Welt.

[ 8 ] In a certain sense, what we call the human “I” now moves from the inside out—while the etheric body moves from the outside in toward the astral body. For it is through the “I,” and what it makes of the astral body, that the human being becomes a perceiver of the external world, the physical environment from which the physical body itself is derived. Animal life proceeds without individual, without personal awareness, because the animal does not possess this personal “I”; because the animal experiences all the sensations of the astral body internally, but does not use its pleasure and pain, sympathy, or antipathy to gain knowledge of the external world. What we call pleasure and pain, joy and sorrow, sympathy or antipathy—these are indeed experiences of the astral body in the animal; but the animal does not use its pleasure to rejoice in the beauty of the world, but rather remains within that element which gives it comfort. The animal lives directly within its pain; for the human being, however, pain leads him beyond himself toward an understanding of the world, because the “I” guides him outward again and brings him into contact with the external world. Thus we see how, on the one hand, the etheric body points inward toward the astral body, while the human “I” leads outward toward the external world, toward the physical world that surrounds us.

[ 9 ] Nun haben wir auch schon öfter betont, daß der Mensch ein Wechselleben führt. Dieses Wechselleben können wir jeden Tag betrachten. Wir sehen in der Seele des Menschen von dem Augenblick, wo er morgens aufwacht, alle die auf und ab flutenden Erlebnisse des astralischen Leibes, Freude und Schmerz, Lust und Leid, Empfindungen, Vorstellungen und so weiter. Wir sehen, wie des Abends diese Erlebnisse in ein unbestimmtes Dunkel hinuntersinken, wie der astralische Leib und das Ich in den Zustand der Unbewußtheit oder, vielleicht besser gesagt, der Unterbewußtheit übergehen. Wir haben auch schon betont, worauf das beruht, daß der Mensch diese Wechselzustände tagtäglich durchmacht. Wenn wir den wachenden Menschen ins Auge fassen, wie er sich vom Morgen bis zum Abend darstellt, so sind ineinander verschlungen, in ihren Wirkungen ineinandergegliedert physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich. Wenn der Mensch des Abends einschläft, zeigt sich dem okkulten Bewußtsein, daß im Bette liegen bleiben physischer Leib und Ätherleib, und wie in ihre eigentliche Heimat, in die geistige Welt, einkehren astralischer Leib und Ich, die sich aus physischem Leib und Ätherleib herausziehen. Nun können wir uns in gewisser Weise noch eine andere Bezeichnungsweise zurechtrücken, die es möglich machen wird, uns über unsere heutigen Auseinandersetzungen in entsprechender Weise zu verständigen.

[ 9 ] We have often emphasized that human beings lead a life of constant change. We can observe this life of change every day. From the moment a person wakes up in the morning, we see in the human soul all the experiences of the astral body ebbing and flowing—joy and pain, pleasure and suffering, sensations, images, and so on. We see how, in the evening, these experiences sink into an indeterminate darkness, how the astral body and the “I” pass into a state of unconsciousness—or, perhaps better said, of subconsciousness. We have also already emphasized the reason why human beings undergo these alternating states day after day. When we observe the waking human being—how he presents himself from morning to evening—we see that the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I” are intertwined and interlinked in their effects. When a person falls asleep in the evening, it becomes apparent to occult consciousness that the physical body and etheric body remain lying in bed, while the astral body and the “I,” withdrawing from the physical and etheric bodies, return to their true home, the spiritual world. Now, in a certain sense, we can adopt yet another system of terminology that will enable us to communicate effectively about our current discussions.

[ 10 ] Wir können sagen, was wir den physischen Leib genannt haben, und was wir bezeichnen mußten als dasjenige, was uns nur seine Außenseite darbietet, geht als der äußere Mensch im Schlafe nach außen in die physische Welt und nimmt den Ätherleib mit, den Vermittler zwischen dem Äußeren und dem Innern. Daher kann im schlafenden Menschen keine Vermittlung sein zwischen dem Äußeren und dem Innern, weil der Ätherleib, der Vermittler, in die äußere Welt gegangen ist. Wir können daher in gewisser Beziehung sagen, beim schlafenden Menschen sind physischer Leib und Ätherleib eben nur der äußere Mensch; wir können gewissermaßen physischen Leib und Ätherleib überhaupt als den «äußeren Menschen» bezeichnen, wenn auch der Ätherleib von dem Äußeren nach dem Innern der Vermittler ist. Dagegen können wir den astralischen Leib und das Ich beim schlafenden Menschen als den «inneren Menschen» bezeichnen. Und wir können das auch beim wachenden Menschen tun, aus dem Grunde, weil alle Erlebnisse des astralischen Leibes im normalen Zustande innerlich erlebt werden, und weil ja auch dasjenige, was das Ich im wachen Leben von der äußeren Welt erkennen kann, von dem menschlichen Innern aufgenommen wird, um da als Erkenntnis verarbeitet zu werden. Das Äußere wird ein Inneres durch das Ich. Das alles zeigt, daß wir von einem «äußeren» und einem «inneren» Menschen sprechen können; der äußere Mensch aus dem physischen Leib und dem Ätherleib bestehend, der innere Mensch aus Ich und astralischem Leib.

[ 10 ] We can say that what we have called the physical body—and what we had to describe as that which presents itself to us only from the outside—goes out into the physical world during sleep as the outer human being, taking with it the etheric body, the mediator between the outer and the inner. Therefore, in the sleeping human being there can be no mediation between the outer and the inner, because the etheric body—the mediator—has gone into the outer world. We can therefore say, in a certain sense, that in the sleeping human being, the physical body and the etheric body are simply the outer human being; we can, so to speak, designate the physical body and the etheric body as the “outer human being” in general, even though the etheric body acts as the mediator from the outer to the inner. In contrast, we can designate the astral body and the “I” in the sleeping person as the “inner human being.” And we can do the same with regard to the waking human being, for the reason that all experiences of the astral body in the normal state are experienced inwardly, and because what the “I” can perceive of the external world in waking life is also taken up by the human inner being to be processed there as knowledge. The external becomes internal through the “I.” All of this shows that we can speak of an “external” and an “internal” human being; the external human being consisting of the physical body and the etheric body, the internal human being consisting of the “I” and the astral body.

[ 11 ] Nun wollen wir einmal das sogenannte normale Menschenleben seinem Sinn nach in seiner Entwickelung betrachten. Wir wollen uns einmal fragen: Warum eigentlich kehrt denn jede Nacht der Mensch mit seinem astralischen Leib und seinem Ich in eine geistige Welt zurück? Hat das einen gewissen Sinn? Hat die Einkehr in den Schlafzustand für den Menschen einen Sinn? — Solche Dinge sind ja hier schon angedeutet worden, aber wir brauchen sie ganz notwendig für unsere heutigen — Auseinandersetzungen. Wir müssen die normale Entwikkelung kennen lernen, um die scheinbar abnormen Naturgesetze, die sich in Krankheit und Heilung darleben, durchschauen zu können. Warum kehrt jede Nacht der Mensch in einen Schlafzustand ein?

[ 11 ] Now let us consider the so-called normal human life in terms of its meaning and development. Let us ask ourselves: Why, in fact, does a person return every night to a spiritual world with their astral body and their “I”? Does this have a specific meaning? Does entering the state of sleep have a purpose for human beings? — Such matters have already been touched upon here, but we absolutely need them for our discussions today. We must come to understand normal development in order to be able to see through the seemingly abnormal laws of nature that manifest themselves in illness and healing. Why does a person enter a state of sleep every night?

[ 12 ] Das können wir nur verstehen, wenn wir das ganze Verhältnis des astralischen Leibes und des Ich zu dem, was wir den «äußeren Menschen» genannt haben, uns einmal vor Augen rücken. — Wir haben den astralischen Leib den Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz, von Trieb, Begierde, Leidenschaft genannt, von all den auf und ab wogenden Vorstellungen, Wahrnehmungen, Ideen und Empfindungen. Wenn aber der astralische Leib von all dem der Träger ist, wie kommt es denn, daß in der Nacht der Mensch diese Erlebnisse gar nicht hat, wo doch der eigentliche innere Mensch mit seinem astralischen Leib so zusammen ist, daß physischer Leib und Ätherleib nicht dabei sind? Wie kommt es, daß dann diese Erlebnisse heruntersinken in ein unbestimmtes Dunkel? Was ist der Grund? — Der Grund ist der, daß astralischer Leib und Ich, obwohl sie Träger sind von Freude und Schmerz, Urteil, Vorstellung und so weiter, nicht alles das direkt erleben können, wovon sie der Träger sind. In unserem Menschenleben sind astralischer Leib und Ich, um ihre eigenen Erlebnisse zu haben, im normalen Zustand darauf angewiesen, in den physischen Leib und Ätherleib unterzutauchen. Was wir als unser Seelenleben vor uns haben, ist nicht etwas, was der astralische Leib unmittelbar erlebt. Wäre es das, so müßten wir es auch in der Nacht erleben, wo wir mit dem astralischen Leib zusammen sind. Es ist gleichsam ein Echo oder Spiegelbild, was wir im Seelenleben des Tages vor uns haben. Physischer Leib und Ätherleib werfen uns wie durch einen Spiegel oder durch ein Echo dasjenige zurück, was wir im astralischen Leibe erleben. Alles was uns unsere Seele vom Augenblicke des Aufwachens bis zum Einschlafen vorzaubert, kann sie uns nur vorzaubern, indem sie ihre eigenen Erlebnisse in jenem Spiegel erblickt, der geformt ist aus dem physischen Leib und dem Äther- oder Lebensleib. In dem Augenblick, wo wir den physischen Leib und Ätherleib in der Nacht verlassen, haben wir zwar in uns alle Erlebnisse des astralischen Leibes, wir sind uns aber ihrer nicht bewußt, weil zum Bewußtwerden die Spiegelung oder Echowirkung von physischem Leib und Ätherleib gehört.

[ 12 ] We can only understand this if we take a moment to consider the entire relationship between the astral body and the “I” in relation to what we have called the “outer human being.” — We have called the astral body the vehicle of pleasure and suffering, joy and pain, of instinct, desire, and passion, of all the ebbing and flowing thoughts, perceptions, ideas, and sensations. But if the astral body is the bearer of all this, how is it that at night a person does not experience any of these things at all, even though the actual inner human being is so united with its astral body that the physical body and the etheric body are not involved? How is it that these experiences then sink into an indeterminate darkness? What is the reason? — The reason is that the astral body and the “I,” although they are the bearers of joy and pain, judgment, imagination, and so on, cannot directly experience everything of which they are the bearers. In our human life, in order to have their own experiences, the astral body and the “I” are, in their normal state, dependent on immersing themselves in the physical body and the etheric body. What we experience as our soul life is not something that the astral body experiences directly. If it were, we would also have to experience it at night, when we are united with the astral body. What we experience in our daily soul life is, as it were, an echo or a reflection. The physical body and the etheric body reflect back to us, as through a mirror or an echo, what we experience in the astral body. Everything our soul conjures up for us from the moment we wake up until we fall asleep, it can only do so by beholding its own experiences in that mirror, which is formed from the physical body and the etheric or life body. At the moment when we leave the physical body and the etheric body at night, we do indeed carry within us all the experiences of the astral body, but we are not conscious of them because becoming conscious requires the reflection or echo effect of the physical body and the etheric body.

[ 13 ] So sehen wir in unserem ganzen Leben, wie es vom Morgen, wo wir aufwachen, bis zum Abend, wo wir einschlafen, abläuft, eine Wechselwirkung zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen, zwischen Ich und astralischem Leib auf der einen Seite und dem physischen Leib und Ätherleib auf der andern Seite. Die Kräfte nun, welche dabei wirken, sind die Kräfte des astralischen Leibes und des Ich. Denn nimmermehr könnte der physische Leib, als eine Summe von physischen Einrichtungen, unser Seelenleben aus sich hervorbringen, und ebensowenig könnte es der Ätherleib. Die Kräfte zum Herauslocken dieses Spiegelbildes kommen aus dem astralischen Leib und dem Ich, geradeso wie das, was wir im Spiegel sehen, nicht aus dem Spiegel kommt, sondern von dem, was sich im Spiegel beschaut. So liegen alle die Kräfte, welche unser Seelenleben bewirken, im astralischen Leib und im Ich, im innern Menschen; und sie betätigen sich in der Wechselwirkung von Außen- und Innenwelt. Diese Kräfte sehen wir während des Tages arbeiten an unserem Seelenleben, in Wechselwirkung treten, gleichsam ausstrahlen nach dem physischen Leib und Ätherleib. Wir sehen sie aber auch gegen den Abend in den Zustand eintreten, den wir die «Ermüdung» nennen. Wir sehen sie abgenutzt gegen den Abend, verbraucht. Und wir würden unser Leben nicht fortführen können, wenn wir nicht in der Lage wären, jeden Abend in eine andere Welt einzukehren als die, in der wir vom Morgen bis zum Abend leben. In dieser Welt, in der wir vom Morgen bis zum Abend leben, können wir das Seelenleben sozusagen aufbauen, vor unsere Seele hinzaubern. Das vermögen wir mit den Kräften des astralischen Leibes. Aber wir verbrauchen auch diese Kräfte und können sie nicht aus dem Tagesleben heraus ersetzen. Ersetzen können wir sie nur aus der geistigen Welt heraus; aus der Welt heraus, in die wir einkehren an jedem Abend. Das ist der Sinn des Schlafes. Wir könnten nicht leben, ohne in die nächtliche Welt einzukehren und von dort her die Kräfte zu holen, die wir tagsüber verbrauchen. So können wir sagen, wir holen uns jede Nacht aus der geistigen Welt diejenigen Kräfte, die wir vom Morgen bis zum Abend verbrauchen. Damit beantworten wir die Frage: Was bringen wir in die physische Welt hinein, wenn wir in unsern Ätherleib und physischen Leib einkehren? — Das also wissen wir jetzt.

[ 13 ] Thus, throughout our entire life—from the morning when we wake up to the evening when we fall asleep—we see an interaction between the inner and outer human beings, between the “I” and the astral body on the one hand, and the physical body and etheric body on the other. The forces at work here are the forces of the astral body and the “I.” For the physical body, as a sum of physical mechanisms, could never produce our soul life on its own, nor could the etheric body. The forces that bring forth this mirror image come from the astral body and the “I,” just as what we see in the mirror does not come from the mirror itself, but from that which is gazing into the mirror. Thus, all the forces that bring about our soul life lie in the astral body and the “I,” in the inner human being; and they are active in the interaction between the outer and inner worlds. During the day, we see these forces at work in our soul life, interacting with one another and, as it were, radiating out toward the physical body and the etheric body. But we also see them, toward evening, entering the state we call “fatigue.” We see them worn out toward evening, exhausted. And we would not be able to continue our lives if we were not able to enter, every evening, into a world other than the one in which we live from morning to evening. In this world, in which we live from morning to evening, we can, so to speak, build up our soul life, conjure it up before our soul. We are able to do this with the forces of the astral body. But we also use up these forces and cannot replenish them from our daily life. We can replenish them only from the spiritual world—from the world into which we enter every evening. That is the purpose of sleep. We could not live without entering the night world and drawing from it the forces that we use up during the day. Thus we can say that every night we draw from the spiritual world the very forces that we use up from morning to evening. This answers the question: What do we bring into the physical world when we enter our etheric and physical bodies? — That, then, is what we now know.

[ 14 ] Tragen wir nun nichts aus der physischen Welt umgekehrt in die nächtliche Welt hinein? — Das ist die andere Frage, und sie ist ebenso wichtig wie die erste.

[ 14 ] Do we not, in turn, carry anything from the physical world into the world of the night? — That is the other question, and it is just as important as the first.

[ 15 ] Um uns diese Frage zu beantworten, müssen wir allerdings auf einiges eingehen, das uns aber schon das gewöhnliche Menschenleben zeigt. Im gewöhnlichen Leben haben wir sogenannte Erlebnisse. Diese Erlebnisse nehmen einen merkwürdigen Gang in unserem Leben zwischen der Geburt und dem Tode an. Wie stellt sich uns dieser Gang dar? Das können wir an einem Beispiel betrachten, das öfter hier erwähnt worden ist: an dem Beispiel des Schreibenlernens. — Wenn wir die Feder ansetzen, um unsere Gedanken auszudrücken, üben wir die Kunst des Schreibens. Wir können schreiben. Was setzt das aber voraus? Es setzt voraus, daß wir in einer gewissen Zeit des Daseins zwischen Geburt und Tod eine ganze Reihe von Erlebnissen gehabt haben. Denken wir daran, was wir erleben mußten, um imstande zu sein, unsere Gedanken auszudrücken, indem wir die Feder ansetzen und eben «schreiben». Stellen Sie sich vor, was Sie alles als Kind durchgemacht haben, von dem ersten ungeschickten Versuch an, die Feder zu halten und auf dem Papier anzusetzen und so weiter. Da werden Sie vielleicht sagen: Gott sei Dank, daß wir das nicht wieder alles in die Erinnerung zurückrufen müssen! Denn es wäre schlimm, wenn wir uns jedes Mal beim Schreiben an alles erinnern müßten, an alle die verunglückten Versuche, Striche zu machen, vielleicht auch an die Strafen, die damit verbunden waren, und so weiter, um das zu entwickeln, was wir die Kunst des Schreibens nennen. Was ist denn da geschehen? Dasjenige, was wir im eminenten Sinne im Menschenleben eine Entwickelung nennen zwischen Geburt und Tod. Wir haben eine ganze Summe von Erlebnissen durchgemacht. Diese Erlebnisse haben eine lange Zeit in Anspruch genommen; dann sind sie gleichsam zusammengeronnen, haben einen Extrakt gebildet, und dieser Extrakt ist das, was wir als das «Können» des Schreibens bezeichnen. Alles andere ist in ein unbestimmtes Dunkel der Vergessenheit heruntergesunken. Aber wir brauchen uns nicht daran erinnern, weil sich eine Entwickelungsstufe unserer Seele da heraus entwickelt hat. So rinnen unsere Erlebnisse zusammen in Extrakte, in Essenzen, die als unser Können, als unsere Tüchtigkeit und unsere Fähigkeiten im Leben auftreten. Das ist unsere Entwickelung im Dasein zwischen Geburt und Tod. Erlebnisse werden umgewandelt in seelische Fähigkeiten zunächst, die sich allerdings durch äußere körperliche Werkzeuge ausleben können. Alles persönliche Erleben zwischen Geburt und Tod geht so vor sich, daß sich Erlebnisse umwandeln in Fähigkeiten oder auch in das, was wir Weisheit nennen.

[ 15 ] To answer this question, however, we must consider a few things that are already evident in ordinary human life. In ordinary life, we have what are called experiences. These experiences take a remarkable course in our lives between birth and death. How does this course of events present itself to us? We can examine this using an example that has been mentioned here frequently: the example of learning to write. — When we put pen to paper to express our thoughts, we are practicing the art of writing. We are able to write. But what does this require? It requires that, during a certain period of our existence between birth and death, we have had a whole series of experiences. Let us think about what we had to go through to be able to express our thoughts by putting pen to paper and simply “writing.” Imagine everything you went through as a child, starting with that first clumsy attempt to hold the pen and put it to the paper, and so on. You might say: Thank goodness we don’t have to recall all of that again! For it would be terrible if, every time we wrote, we had to remember everything—all those failed attempts to make strokes, perhaps even the punishments associated with them, and so on—in order to develop what we call the art of writing. What, then, has happened here? It is what we call, in the highest sense, a development in human life between birth and death. We have gone through a whole series of experiences. These experiences took a long time; then they coalesced, as it were, forming an essence, and this essence is what we refer to as the “ability” to write. Everything else has sunk into the indeterminate darkness of oblivion. But we need not remember it, because a stage of our soul’s development has emerged from it. Thus our experiences coalesce into extracts, into essences, which manifest as our skill, our competence, and our abilities in life. This is our development in existence between birth and death. Experiences are first transformed into spiritual abilities, which, however, can be expressed through external physical tools. All personal experience between birth and death proceeds in such a way that experiences are transformed into abilities or even into what we call wisdom.

[ 16 ] Wie die Umwandlung vor sich geht, können wir uns vor die Seele stellen, wenn wir auf den Zeitraum vom Jahre 1770 bis 1815 hinblicken. In ihn fiel ein großes, gewaltiges Ereignis der Weltgeschichte. Eine große Anzahl von Menschen waren Zeitgenossen dieses Ereignisses. Fragen wir uns einmal, wie diese Zeitgenossen sich dazu gestellt haben? — An dem einen sind die Erlebnisse vorübergegangen, ohne daß er sie bemerkt hat — stumpf. Er hat die Erlebnisse nicht umgewandelt in Welterkenntnis, in Weltweisheit. Andere haben tiefe Lebensweisheit, also einen Extrakt sich daraus gebildet.

[ 16 ] We can visualize how this transformation took place by looking back at the period from 1770 to 1815. This period witnessed a major, momentous event in world history. A large number of people were contemporaries of this event. Let us ask ourselves: How did these contemporaries respond to it? — For some, the experiences passed them by without their noticing them—they remained oblivious. They did not transform these experiences into an understanding of the world or into worldly wisdom. Others, however, gained deep wisdom about life—that is, they distilled an essence from it.

[ 17 ] Wodurch werden aus Erlebnissen Fähigkeiten und Weisheit in der Seele gebildet? Dadurch, daß wir die Erlebnisse, wie sie zunächst an uns herantreten, Abend für Abend mitnehmen in unsern Schlafzustand; in jene Sphären, in denen die Seele oder der innere Mensch weilt zwischen Abend und Morgen. Da wandelt er in Extrakte, in Essenzen um, was Erlebnis über eine gewisse Zeit ist. Wer das Leben beobachten kann, der weiß, wenn er eine Reihe von Erlebnissen beherrschen und zusammenreihen soll in einer einzelnen Kunst, dann ist es notwendig diese Erlebnisse in entsprechenden Schlafzeiten umzuwandeln. Er kann zum Beispiel am besten dadurch etwas auswendig lernen, daß er etwas lernt, es überschläft, es wieder lernt, es wieder überschläft. Wenn er nicht die Erlebnisse eintauchen kann in den Schlafzustand, um sie herauskommen zu lassen als Fähigkeiten oder in der Form von Weisheit oder Kunst, dann ist er nicht imstande, eine Entwickelung in diesen Erlebnissen durchzumachen.

[ 17 ] How are experiences transformed into abilities and wisdom within the soul? By taking these experiences—as they first come to us—with us evening after evening into our sleep state; into those spheres where the soul, or the inner person, dwells between evening and morning. There, the soul transforms what has been experienced over a certain period of time into extracts and essences. Anyone who can observe life knows that if one is to master a series of experiences and string them together into a single art, it is necessary to transform these experiences during appropriate periods of sleep. For example, the best way to memorize something is to learn it, sleep on it, learn it again, and sleep on it again. If one cannot immerse these experiences in the state of sleep in order to allow them to emerge as abilities or in the form of wisdom or art, then one is unable to undergo a process of development through these experiences.

[ 18 ] Da tritt uns auf einer höheren Stufe entgegen, was notwendig ist auf einer niederen Stufe: die Pflanze dieses Jahres kann nicht zu der Pflanze des nächsten Jahres werden, wenn sie nicht in das Unbestimmte des Erdenschoßes zurückkehrt und das nächste Jahr wieder wächst. Hier bleibt die Entwickelung eine Wiederholung. Da wo wir es beim Menschen beleuchtet haben, ist es eine wirkliche «Entwickelung»; da werden die Erlebnisse versenkt in den nächtlichen Schoß des Unbewußten, und sie werden wieder herausgeholt — allerdings in einer Wiederholung, aber um endlich so weit umgewandelt zu sein, daß sie als Weisheit, als Fähigkeiten, als Lebenserfahrungen zutage treten können.

[ 18 ] Here, what is necessary at a lower level confronts us at a higher level: this year’s plant cannot become next year’s plant unless it returns to the indeterminate depths of the earth’s womb and grows again the following year. Here, development remains a repetition. Where we have examined this in relation to human beings, it is a true “development”; there, experiences are immersed in the nocturnal bosom of the unconscious, and they are brought forth again—admittedly as a repetition, but ultimately transformed to such an extent that they can emerge as wisdom, as abilities, and as life experiences.

[ 19 ] So hat man das Leben zu Zeiten verstanden, in denen man tiefer in die geistigen Welten hineinschauen konnte, als das heute eine äußere Betrachtung kann. Daher finden wir da, wo uns Kulturführer der alten Zeiten besondere Dinge im Bilde mitteilen wollen, gerade auf solche merkwürdigen Grundsätze des menschlichen Lebens hingedeutet. Fragen wir uns: Was müßte denn jemand tun, der verhindern wollte, daß eine Reihe von Erlebnissen des Tages nicht in seiner Seele Feuer fangen und sich umwandeln in irgendeine Fähigkeit? Fragen wir das zum Beispiel einem sehr bedeutsamen Erlebnis der Seele gegenüber, jenem Erlebnis, das sich herausbildet, wenn jemand längere Zeit hindurch eine gewisse Beziehung zu einer andern Persönlichkeit erlebt. Diese Erlebnisse mit einer andern Persönlichkeit senken sich in das nächtliche Bewußtsein ein und werden wieder herausgeboren aus dem nächtlichen Bewußtsein als das, was wir die Liebe zu der andern Persönlichkeit nennen, die, wenn sie gesund ist, gleichsam ein Extrakt ist, der aufeinanderfolgenden Erlebnisse. Das Gefühl der Liebe zu der andern Persönlichkeit ist dadurch entstanden, daß sich die Summe der Erlebnisse in einen Extrakt zusammengezogen hat, wie wenn wir die Erlebnisse zu einem Gewebe zusammenformen. — Was müßte nun jemand tun, wenn er verhindern wollte, daß eine Reihe von Erlebnissen zur Liebe werden? — Er müßte eine besondere Kunst anwenden: Er müßte verhindern den naturgemäßen Vorgang in der Nacht, daß sich unsere Erlebnisse umgestalten zu der Essenz, zu dem Liebesgefühl; er müßte das, was das Gewebe der Tageserlebnisse ist, wieder auflösen in der Nacht. Wenn er dazu imstande ist, dann erreicht er das, daß an seiner Seele spurlos vorübergeht, was dazu angetan ist, das Erlebnis zu der andern Persönlichkeit in seiner Seele in Liebesgefühl zu verwandeln.

[ 19 ] This is how life was understood in times when people could look more deeply into the spiritual worlds than an external observation can today. That is why, whenever cultural guides of ancient times sought to convey special insights through imagery, they pointed precisely to such remarkable principles of human life. Let us ask ourselves: What would someone have to do to prevent a series of daily experiences from igniting a fire in their soul and transforming into some kind of ability? Let us ask this, for example, in relation to a very significant experience of the soul—that experience which develops when someone maintains a certain relationship with another personality over a prolonged period of time. These experiences with another person sink into the night consciousness and are reborn from it as what we call love for that other person—which, when healthy, is, as it were, an essence distilled from the succession of experiences. The feeling of love for the other person arises because the sum of these experiences has condensed into an essence, as if we were weaving the experiences together into a fabric. — What, then, would a person have to do if they wanted to prevent a series of experiences from becoming love? — They would have to employ a special art: They would have to prevent the natural process that occurs at night, whereby our experiences are transformed into the essence, into the feeling of love; they would have to dissolve the fabric of the day’s experiences again during the night. If they are capable of doing this, then they will ensure that whatever is destined to transform the experience of the other person into a feeling of love within their soul passes by their soul without leaving a trace.

[ 20 ] In diese Tiefen des menschlichen Seelenlebens wollte Homer hineinweisen, indem er das Bild der Penelope hinstellte, die das Erlebnis mit der Ereierschar hat: Sie verspricht einem jeden die Heirat, wenn sie ein bestimmtes Gewebe fertig habe; sie entgeht der Einhaltung des Versprechens nur dadurch, daß sie stets in der Nacht wieder auflöst, was sie bei Tage gewebt hat. — Ungeheure Tiefen der Erlebnisse erblicken wir da, wo Seher zugleich Künstler sind. Man hat heute dafür wenig Gefühl und wird derartige Interpretationen solcher Dichter, die zugleich Seher waren, als willkürlich erklären oder sie wohl auch als Phantastereien auslegen. Das tut den alten Dichtern nichts und auch der Wahrheit nichts, sondern höchstens unserer Zeit, die dadurch verhindert wird, in die Tiefen des menschlichen Lebens hineinzugehen.

[ 20 ] Homer sought to shed light on these depths of the human soul by presenting the image of Penelope and her experience with the suitors: She promises each of them marriage once she has finished a certain piece of weaving; she avoids having to keep her promise only by unraveling at night what she has woven during the day. — We glimpse immense depths of experience where seers are also artists. People today have little feeling for this and tend to dismiss such interpretations of poets who were also seers as arbitrary, or perhaps even interpret them as mere flights of fancy. This does no harm to the ancient poets, nor to the truth itself, but at most to our own time, which is thereby prevented from delving into the depths of human life.

[ 21 ] Wir nehmen also des Abends etwas mit hinein in die Seele, was wir auch wieder mit heraus bringen. Wir nehmen mit hinein, was die Seele entwickelt zwischen Geburt und Tod und sie zu immer höheren Stufen von Fähigkeiten erhebt. Nun fragen wir uns aber: Wo liegt die Grenze dieser Entwickelung des Menschen? — Diese Grenze können wir kennenlernen, wenn wir uns vor Augen führen, wie der Mensch, wenn er des Morgens aufwacht, jedesmal denselben physischen Leib und denselben Ätherleib vorfindet mit jenen Fähigkeiten und Anlagen, mit jener Konfiguration im Innern, mit denen sie ausgestattet waren von der Geburt des Menschen an. An dieser Konfiguration, an diesen Gestaltungen und inneren Formen des physischen Leibes und des Ätherleibes kann der Mensch nichts ändern. Könnte er in den schlafenden Zustand hinein den physischen Leib, oder wenigstens den Ätherleib mitnehmen, dann könnte er ändern an ihnen. Er trifft sie des Morgens an, wie er sie des Abends verlassen hat. Da haben wir eine deutliche Grenze dessen, was die Entwickelung vermag in dem Leben zwischen Geburt und Tod. Es ist diese Entwickelung zwischen Geburt und Tod im wesentlichen auf das seelische Erleben beschränkt; sie kann nicht übergreifen auf das körperliche Erleben.

[ 21 ] So in the evening we take something into our soul that we also bring out again. We take in what the soul develops between birth and death and what elevates it to ever higher levels of ability. But now we ask ourselves: Where is the limit of this human development? — We can come to understand this limit when we consider how, upon waking each morning, a human being finds the same physical body and the same etheric body, with the same abilities and predispositions, and the same inner configuration, with which they were endowed from the moment of birth. Human beings cannot change this configuration, these structures, and these inner forms of the physical body and the etheric body. If they could take the physical body—or at least the etheric body—with them into the state of sleep, then they could alter them. They find them in the morning just as they left them in the evening. Here we have a clear limit to what development can achieve in the life between birth and death. This development between birth and death is essentially limited to the soul’s experience; it cannot extend to the physical experience.

[ 22 ] Wir brauchen uns nur klar zu sein, wenn jemand noch so viel Gelegenheit hätte, äußere Erlebnisse durchzumachen, die ihn musikalisch vertiefen könnten, die geeignet wären in seiner Seele ein tiefes musikalisches Leben zu entwickeln, er könnte es nicht entwickeln, wenn er kein musikalisches Ohr mitbekommen hätte, wenn die physisch-ätherische Formung seines Ohres es ihm nicht möglich machte, den Einklang herzustellen zwischen dem äußeren und dem inneren Menschen. Wir müssen uns aber darüber klar sein: Damit der Mensch ein Ganzes ist, müssen alle einzelnen Glieder seiner Natur eine Einheit, eine Harmonie bilden. Daher werden wir uns sagen können: Alles was ein Mensch mit einem unmusikalischen Ohr an Gelegenheit hat, Erlebnisse in sich zu empfangen, die ihn hinaufheben können auf eine höhere Stufe des musikalischen Erlebens, das muß in der Seele drinnen bleiben, muß resignieren; es kann nicht heraus, weil die Grenze jeden Morgen gezogen ist in dem, was die mitgebrachte Gestalt und Form der inneren Organe ist. Verstehen werden wir eine solche Sache dann, wenn wir uns klar sind, daß es nicht bloß auf die gröbere Gestaltung des Ätherleibes und des physischen Leibes ankommt, sondern auf ganz feine Konfigurationen dabei. Man muß sich klar sein, daß eine jede Seelenfähigkeit des Menschen in unserem jetzigen normalen Leben sich ausleben muß durch ein Organ; und wenn das Organ nicht in entsprechender Weise geformt ist, kann sie sich nicht ausleben. Was Physiologie, was Anatomie nicht nachweisen können, die feine plastische Gestaltung in den Organen, das ist gerade das Wesentliche; sie entgehen natürlich der Anatomie und Physiologie; aber gerade sie sind es, die einer Umformung zwischen Geburt und Tod nicht fähig sind.

[ 22 ] We need only realize that no matter how many opportunities someone might have to undergo external experiences that could deepen his musical sensibility—experiences that would be suitable for developing a deep musical life within his soul— they could not develop it if they had not been born with a musical ear, if the physical-etheric structure of their ear did not enable them to establish harmony between the outer and inner human beings. But we must be clear about this: for a human being to be whole, all the individual aspects of their nature must form a unity, a harmony. Therefore, we can say to ourselves: Everything a person with an unmusical ear has the opportunity to experience—experiences that could elevate him to a higher level of musical experience—must remain within the soul; it must be resigned to this; it cannot emerge, because the boundary is drawn every morning by the inherent structure and form of the inner organs. We will understand such a thing when we realize that it depends not merely on the coarser structure of the etheric body and the physical body, but on very fine configurations within them. One must realize that every soul capacity of the human being in our present normal life must express itself through an organ; and if the organ is not formed in the appropriate way, it cannot express itself. What physiology and anatomy cannot demonstrate—the fine, plastic structure within the organs—is precisely what is essential; naturally, these escape the scope of anatomy and physiology; yet it is precisely these that are incapable of transformation between birth and death.

[ 23 ] Ist nun der Mensch gänzlich ohnmächtig, dasjenige in seinen physischen Leib und Ätherleib hineinzuarbeiten, was er an Erlebnissen und Erfahrungen in seinem astralischen Leib und seinem Ich aufnimmt?

[ 23 ] Is the human being completely powerless to incorporate into his physical body and etheric body the experiences and lessons he absorbs in his astral body and through his I?

[ 24 ] Wir wissen ja, wenn wir den Menschen betrachten, daß bis zu einem gewissen Grade der Mensch auch an seinem physischen Leibe sogar formen kann. Man braucht nur einen Menschen zu betrachten, der zehn Jahre hindurch sein Leben mit einer tiefen inneren Gedankenarbeit zugebracht hat; da werden sich Gesten und Physiognomien geändert haben. Aber das alles ist gebunden an engste Grenzen. Ist es nun immer an solche engste Grenzen gebunden?

[ 24 ] We know, of course, when we observe human beings, that to a certain extent a person can even reshape their own physical body. One need only observe a person who has spent ten years of his life engaged in deep inner mental work; his gestures and facial features will have changed. But all of this is bound by very narrow limits. Is it always bound by such narrow limits?

[ 25 ] Daß es nicht immer an engste Grenzen gebunden ist, das können wir nur verstehen, wenn wir an ein Gesetz appellieren, von dem hier auch schon öfter gesprochen wurde, worauf aber immer wieder hingewiesen werden muß, weil es unserm zeitgenössischen Leben so fern liegt — ein Gesetz, das sich vergleichen läßt mit dem andern Gesetz, das im 17. Jahrhundert auf einem niedrigeren Gebiete für die Menschheit erobert worden ist.

[ 25 ] We can only understand that it is not always bound by the narrowest limits if we appeal to a law that has already been mentioned here on several occasions, but which must be pointed out again and again because it is so far removed from our contemporary lives—a law that can be compared to the other law that was won for humanity in the 17th century in a lesser sphere.

[ 26 ] Bis ins 17. Jahrhundert hinein haben die Menschen geglaubt, es könnten niedere Tiere, Insekten und so weiter aus Flußschlamm herauswachsen. Sie glaubten, daß es bloße Materie sei, welche den Regenwurm und Insekten aus sich herauswachsen ließe. Das war nicht nur ein Glaube von Laien, sondern auch von Gelehrten. Wenn wir in frühere Zeiten zurückgehen, können wir finden, wie alles so systematisiert wurde, daß zum Beispiel angegeben wurde, was man zu tun habe, um rein aus der Umgebung heraus Leben entstehen zu lassen. Da wird zum Beispiel in einem Buche des 7. nachchristlichen Jahrhunderts beschrieben, daß man nur einen Pferdeleichnam mürbe zu schlagen brauche, um Bienen zu erhalten; von Ochsen bekäme man Hornissen, Wespen von Eseln. Da glaubte man, es wächst aus der Substanz der unmittelbaren Umgebung das Lebendige heraus. Und es war erst im 17. Jahrhundert der große Naturforscher Francesco Redi, der zuerst den Satz ausgesprochen hat: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen! Wegen dieser Wahrheit, die heute als eine selbstverständliche gilt, so daß kein Mensch begreifen kann, daß man jemals etwas anderes geglaubt hat, wegen dieses Satzes wurde Redi noch im 17. Jahrhundert als ein arger Ketzer betrachtet, der nur mit Mühe und Not dem Schicksal des Giordano Bruno entgangen ist.

[ 26 ] Well into the 17th century, people believed that lower animals, insects, and so on could grow out of river mud. They believed that it was mere matter that caused earthworms and insects to grow out of it. This was not merely a belief held by laypeople, but also by scholars. If we look back to earlier times, we can see how everything was systematized to such an extent that, for example, instructions were given on what one had to do to create life purely from the surrounding environment. For example, a book from the 7th century A.D. describes how one need only beat a horse’s carcass to a pulp to obtain bees; hornets would come from oxen, and wasps from donkeys. It was believed then that living things grew out of the substance of the immediate environment. And it was not until the 17th century that the great naturalist Francesco Redi was the first to articulate the principle: Life can only arise from life! Because of this truth—which is taken for granted today, to the point that no one can comprehend that people ever believed otherwise—Redi was still regarded in the 17th century as a dangerous heretic who only narrowly escaped the fate of Giordano Bruno.

[ 27 ] So ist es überhaupt mit solchen Wahrheiten: Zuerst galten die, welche sie zu verkünden hatten, als Ketzer, und sie verfielen der Inquisition. Damals kam man mit Verbrennung oder drohte damit. Heute ist man von dieser Art der Inquisition abgekommen. Man verbrennt nicht mehr. Aber diejenigen, welche heute auf dem kurulischen Stuhl der Wissenschaft sitzen, sie betrachten jene Menschen, welche auf einer höheren Stufe eine neue Wahrheit mitteilen, als Narren und Träumer. Als Narren und Träumer werden heute diejenigen betrachtet, welche den Satz, den Francesco Redi im 17. Jahrhundert für das Lebendige aufgestellt hat, in anderer Weise vertreten. Wie Redi darauf hingewiesen hat, daß es eine ungenaue Betrachtungsweise ist, wenn man glaubt, daß aus dem Unlebendigen unmittelbar das Lebendige herauswachsen könne, sondern daß man zurückgehen muß auf ein gleichartiges Lebendiges, auf den Keim, der aus der Umgebung die Substanzen und Kräfte heranzieht, um sich in seinem Sinne zu entfalten — so hat derjenige, der heute auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, zu zeigen, daß das, was mit der Geburt ins Dasein tritt als ein Seelisch-Geistiges, von einem Seelisch-Geistigen gleicher Art herrührt, und daß es sich nicht nur zusammensetzt aus den vererbten Merkmalen. Wie der Regenwurmkeim die Substanzen heranzieht, um sich zu entwickeln, so muß der seelisch-geistige Keim ebenfalls die Substanzen seiner Umgebung heranziehen, um sich zu entfalten. Mit andern Worten, wenn wir das SeelischGeistige im Menschen zurückverfolgen, kommen wir zu einem früheren Seelisch-Geistigen, das vor der Geburt da ist, und das nichts zu tun hat mit Vererbung. Was in letzter Instanz aus dem Satze folgt: Geistig-Seelisches kann nur aus Geistig-Seelischem kommen — das führt hin zu dem Satze von den wiederholten Erdenleben, von dem Sie sich überzeugen können, wenn Sie sich tiefer einlassen auf Geisteswissenschaft. Unser Leben zwischen Geburt und Tod führt zurück auf andere Leben, die wir früher durchgemacht haben. Geistig-Seelisches kommt von Geistig-Seelischem, und in dem Geistig-Seelischen der Vorzeit liegen die Ursachen zu dem, was wir jetzt zwischen Geburt und Tod erleben. Und wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, nehmen wir mit, was wir in diesem Leben aufgenommen und aus Ursachen zu Fähigkeiten ausgebildet haben. Das, was wir mitnehmen, wenn wir durch die Pforte des Todes in eine geistig-seelische Welt eintreten, das bringen wir wieder zurück, wenn wir in künftiger Zeit durch eine neue Geburt ins Dasein treten.

[ 27 ] That is how it always is with such truths: At first, those who proclaimed them were considered heretics and fell prey to the Inquisition. Back then, people were burned at the stake or threatened with it. Today, this form of inquisition has been abandoned. People are no longer burned at the stake. But those who today sit on the curial throne of science regard those who, from a higher level, communicate a new truth as fools and dreamers. Today, those who advocate—in a different way—the principle that Francesco Redi established in the 17th century regarding living beings are regarded as fools and dreamers. Just as Redi pointed out that it is an inaccurate way of looking at things to believe that the living can grow directly out of the non-living, but rather that one must go back to a living entity of the same kind—to the seed that draws substances and forces from its surroundings in order to unfold in its own way— — so too must those who stand today on the ground of spiritual science demonstrate that what enters into existence at birth as a soul-spiritual entity originates from a soul-spiritual entity of the same kind, and that it is not composed solely of inherited characteristics. Just as the earthworm embryo draws in substances to develop, so too must the soul-spiritual embryo draw in the substances of its environment in order to unfold. In other words, when we trace the soul-spiritual in the human being back, we arrive at an earlier soul-spiritual entity that exists before birth and has nothing to do with heredity. What ultimately follows from this statement—that the soul-spiritual can come only from the soul-spiritual—leads to the doctrine of repeated earthly lives, of which you can become convinced if you delve more deeply into spiritual science. Our life between birth and death traces back to other lives we have lived in the past. The soul-spiritual arises from the soul-spiritual, and in the soul-spiritual of the past lie the causes of what we now experience between birth and death. And when we pass through the gate of death, we take with us what we have absorbed in this life and developed into abilities from these causes. What we take with us when we pass through the gate of death into a spiritual-soul world, we bring back again when we enter into existence through a new birth in the future.

[ 28 ] Da sind wir zwischen dem Tode und der neuen Geburt in einer andern Lage, als wenn wir jeden Abend durch den Schlafzustand in die geistige Welt hineingehen, aus der wir morgens wieder aufwachen. Wenn wir morgens aufwachen, finden wir unsern Ätherleib und physischen Leib so wieder, wie sie am Abend waren. Wir können in sie nicht hineinarbeiten, was an uns vorübergegangen ist im Leben zwischen Geburt und Tod. Wir haben eine Grenze gefunden an dem fertigen Ätherleib und physischen Leib. Wenn wir aber durch die Pforte des Todes gehen in eine geistige Welt, legen wir den physischen und Ätherleib ab und nehmen vom Ätherleib nur die Essenz mit. Jetzt sind wir in der geistigen Welt und sind jetzt nicht in die Notwendigkeit versetzt, Rücksicht zu nehmen auf einen bestehenden physischen Leib und Ätherleib. In der ganzen Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt kann der Mensch mit rein geistigen Kräften arbeiten; denn er hat es da mit rein geistigen Substanzen zu tun. Er nimmt aus der geistigen Welt dasjenige heraus, was er braucht, um ein Urbild eines neuen physischen Leibes und Ätherleibes zu formen, in welches jetzt die Dinge hineingearbeitet werden, die er in den früheren physischen und Ätherleib nicht hineinarbeiten konnte. So bildet der Mensch ein Urbild seines physischen Leibes und Ätherleibes bis zur neuen Geburt heran, ein rein geistiges Urbild, in das hineinverwoben sind die Erlebnisse, in bezug auf welche die Seele resignieren mußte zwischen Geburt und Tod. Dann tritt der Moment ein, wo das Urbild bei seinem Abschluß angelangt ist, und wo der Mensch imstande sein wird, dasjenige, was er in sein Urbild aufgenommen hat, in den plastischen physischen und ätherischen Leib hineinzubilden; dann arbettet das geistige Urbild mit an jenem Schlafzustand, den der Mensch jetzt durchmacht.

[ 28 ] Between death and rebirth, we find ourselves in a different situation than when we enter the spiritual world every evening through sleep, from which we awaken again in the morning. When we wake up in the morning, we find our etheric body and physical body just as they were in the evening. We cannot incorporate into them what has passed us by in the life between birth and death. We have encountered a limit in the completed etheric and physical bodies. But when we pass through the gate of death into the spiritual world, we shed the physical and etheric bodies and take with us only the essence of the etheric body. Now we are in the spiritual world and are no longer compelled to take into account an existing physical and etheric body. Throughout the entire period from death to the new birth, the human being can work with purely spiritual forces; for there he is dealing with purely spiritual substances. From the spiritual world, the human being draws what is needed to form an archetype of a new physical and etheric body, into which are now woven the elements that could not be woven into the previous physical and etheric bodies. In this way, the human being develops an archetype of his physical and etheric bodies up to the time of his new birth—a purely spiritual archetype into which are woven the experiences with regard to which the soul had to resign itself between birth and death. Then comes the moment when the archetype has reached its completion, and when the human being will be able to shape what he has incorporated into his archetype into the malleable physical and etheric bodies; then the spiritual archetype contributes to that state of sleep which the human being is now undergoing.

[ 29 ] Könnte der Mensch den physischen Leib und den ätherischen Leib jeden Morgen beim Aufwachen mitbringen, dann könnte er ihn aus der geistigen Welt heraus formen; dann müßte er ihn aber auch umbilden. Aber mit der Geburt wacht der Mensch aus einem Schlafzustand auf; denn Geburt bedeutet aufwachen aus einem Schlafzustand, der in der Tat den physischen Leib und den Ätherleib im vorgeburtlichen Zustand mitumfaßt. Hier ist es, wo astralischer Leib und Ich hinuntersteigen in die physische Welt, in physischen Leib und Ätherleib, die sie jetzt plastisch ausgestalten können, und wo sie hineinformen können alles, was sie im früheren Leben nicht hineinformen konnten in den fertigen Leib. Jetzt können sie in einem neuen Leben am physischen Leib und Ätherleib das zum Ausdruck bringen, was sie als eine höhere Entwickelungsstufe erklimmen können, was sie aber in dem früheren Leben nicht erklimmen konnten, weil sie der fertige Ätherleib und physische Leib daran gehindert haben.

[ 29 ] If a person could bring the physical body and the etheric body with them every morning upon waking, they could shape them from the spiritual world; but then they would also have to transform them. But at birth, a human being awakens from a state of sleep; for birth means awakening from a state of sleep that in fact encompasses the physical body and the etheric body in their prenatal state. This is where the astral body and the “I” descend into the physical world, into the physical body and the etheric body, which they can now shape plastically, and where they can mold into them everything they were unable to mold into the fully formed body in their previous life. Now, in a new life, they can express in the physical and etheric bodies what they are able to attain as a higher stage of development—something they were unable to attain in their previous life because the fully formed etheric and physical bodies prevented them from doing so.

[ 30 ] So sehen wir, wie der Mensch mit der Geburt in der Tat aus der geistigen Welt heraus aufwacht, aber so, daß er sich jetzt andere Kräfte mitbringt, als er sich sonst am Morgen aus dieser selben geistigen Welt heraus mitbringt. Morgens bringen wir uns nur die Kräfte mit, die unser Seelenleben entwickeln können zwischen Geburt und Tod. Da vermögen wir nicht auf unsere anderen Wesensglieder einzuwirken. Wenn wir aber mit der Geburt aus der geistigen Welt heraus ins Dasein treten, bringen wir uns die Kräfte mit, die plastisch umgestaltend wirken auf physischen Leib und Ätherleib, das heißt, die für eine Entwickelung sorgen, in welche physischer Leib und Ätherleib einbezogen werden.

[ 29 ] If a person could bring the physical body and the etheric body with them every morning upon waking, they could shape them from the spiritual world; but then they would also have to transform them. But at birth, a human being awakens from a state of sleep; for birth means awakening from a state of sleep that in fact encompasses the physical body and the etheric body in their prenatal state. This is where the astral body and the “I” descend into the physical world, into the physical body and the etheric body, which they can now shape plastically, and where they can mold into them everything they were unable to mold into the fully formed body in their previous life. Now, in a new life, they can express in the physical and etheric bodies what they are able to attain as a higher stage of development—something they were unable to attain in their previous life because the fully formed etheric and physical bodies prevented them from doing so.

[ 31 ] Könnten wir den physischen Leib und Ätherleib nicht zertrümmern, könnte der physische Leib nicht durch den Tod durchgehen, so könnten wir unsere Erlebnisse nicht in die Entwickelung einbeziehen. Hier ist der Punkt, wo wir sagen müssen, wenn wir auch noch so sehr mit Furcht und Schrecken dem Tode entgegenschauen und Leid und Schmerz empfinden vor dem Tode, der uns selber treffen soll, so können wir nur sagen, wenn wir die Welt von einem überpersönlichen Standpunkt aus betrachten: Wir müssen den Tod geradezu wollen! Denn er allein gibt uns die Möglichkeit, diesen Leib zu zertrümmern, um uns einen neuen im nächsten Leben aufzubauen, damit wir alle unsere Erdenfrüchte hineinbringen ins Leben.

[ 29 ] If a person could bring the physical body and the etheric body with them every morning upon waking, they could shape them from the spiritual world; but then they would also have to transform them. But at birth, a human being awakens from a state of sleep; for birth means awakening from a state of sleep that in fact encompasses the physical body and the etheric body in their prenatal state. This is where the astral body and the “I” descend into the physical world, into the physical body and the etheric body, which they can now shape plastically, and where they can mold into them everything they were unable to mold into the fully formed body in their previous life. Now, in a new life, they can express in the physical and etheric bodies what they are able to attain as a higher stage of development—something they were unable to attain in their previous life because the fully formed etheric and physical bodies prevented them from doing so.

[ 32 ] So wirken in dem normalen Gang der Menschheitsentwickelung zwei Ströme zusammen: ein innerer und ein äußerer. Diese beiden Strömungen zeigen sich uns nebeneinanderstehend im physischen Leib und Ätherleib auf der einen Seite und im astralischen Leib und Ich auf der andern Seite. — Was kann der Mensch nun tun zwischen Geburt und Tod in bezug auf physischen Leib und Ätherleib? Nicht nur wird der astralische Leib abgenutzt durch das Seelenleben, sondern es werden auch die Organe des physischen Leibes und des Ätherleibes abgenutzt. Da zeigt sich nun folgendes: Während der astralische Leib in der Nacht in einer geistigen Welt ist, arbeitet er auch zugleich am physischen Leib und am Ätherleib, um sie in jenen Zustand wieder zu bringen, in dem sie normalerweise sind. Nur im nachtschlafenden Zustand kann wieder hergestellt werden im physischen Leib und Ätherleib, was während des Tages zerstört worden ist. So sehen wir, wie allerdings auch an dem physischen Leib und an dem Ätherleib aus der geistigen Welt heraus geschaffen wird. Aber es ist eine Grenze vorhanden: die Anlage und Konfiguration des physischen Leibes und des Ätherleibes sind mit der Geburt gegeben und bleiben innerhalb enger Grenzen dieselben. Wir sehen da gleichsam in der Weltentwickelung zusammenarbeiten zwei Strömungen, welche wir nicht ohne weiteres in abstrakter Weise in Harmonie bringen können. Wer versuchen wollte, mit abstrakten Gedanken diese beiden Strömungen zusammenzudenken, wer leichten Herzens eine Philosophie entwickeln wollte und sagen würde: Nun ja, harmonisch muß der Mensch sein; also müssen die zwei Strömungen beim Menschen in einer Harmonie sein — der würde sich gewaltig irren. Das Leben arbeiter nicht nach Abstraktionen; das Leben arbeitet so, daß dasjenige, was wir in unsern Abstraktionen erträumen, erst nach langen Entwickelungen erreicht werden kann. Das Leben arbeitet so, daß es Gleichgewichtszustände, Harmonien erst dadurch hervorbringt, daß durch Disharmonien hindurchgegangen wird. So ist das lebendige Spiel im Menschen, das durch Gedanken auch gar nicht so ohne weiteres in Einklang gebracht werden soll. Es bedeutet immer ein abstraktes, nüchternes Denken, wenn wir Harmonie hineinträumen wollen, wo sich das Leben durch Disharmonien hindurch zu Gleichgewichtslagen entwickelt. Das ist aber überhaupt das Schicksal der menschlichen Entwickelung, daß uns die Harmonie vorschweben muß als Ziel, das wir aber nicht erreichen, wenn wir es in irgendeimen Zustand der menschlichen Entwickelung bloß hineinträumen.

[ 32 ] Thus, in the normal course of human evolution, two currents interact: an inner one and an outer one. These two currents manifest themselves side by side in the physical body and etheric body on the one hand, and in the astral body and the “I” on the other. — What, then, can a human being do between birth and death with regard to the physical body and the etheric body? Not only is the astral body worn down by the life of the soul, but the organs of the physical body and the etheric body are also worn down. The following becomes apparent here: While the astral body is in a spiritual world at night, it simultaneously works on the physical body and the etheric body to restore them to their normal state. Only during the state of nighttime sleep can what has been destroyed during the day be restored in the physical body and the etheric body. Thus we see how, indeed, the physical body and the etheric body are also shaped from within the spiritual world. But there is a limit: the structure and configuration of the physical body and the etheric body are given at birth and remain the same within narrow limits. We see, as it were, two currents working together in the development of the world, which we cannot readily bring into harmony in an abstract sense. Anyone who were to attempt to reconcile these two currents through abstract thought, anyone who were to develop a philosophy lightly and say: “Well, human beings must be harmonious; therefore, these two currents must be in harmony within the human being”—such a person would be gravely mistaken. Life does not operate according to abstractions; life works in such a way that what we dream of in our abstractions can only be achieved after long processes of development. Life works in such a way that it brings about states of equilibrium and harmony only by passing through disharmonies. Such is the living interplay within the human being, which cannot be easily brought into harmony through thought alone. It always amounts to abstract, sober thinking when we try to imagine harmony where life develops toward states of equilibrium by passing through disharmony. But this is, in fact, the very fate of human development: harmony must remain a goal we envision, yet one we cannot attain merely by imagining it into any given stage of human development.

[ 33 ] So wird uns vielleicht auch nicht unverständlich sein, wenn die Geisteswissenschaft sagt, daß das Leben allerdings sich anders ausnimmt, je nachdem wir es betrachten vom Gesichtspunkt des inneren oder des äußeren Menschen aus. Das sind zwei verschiedene Gesichtspunkte. Wer mit irgendeiner Abstraktion diese zwei Gesichtspunkte vereinigen wollte, der würde nicht berücksichtigen, daß es nicht bloß ein Ideal, ein Urteil gibt, sondern so viele Urteile wie Gesichtspunkte, und daß gerade durch das Zusammenwirken der verschiedenen Urteile erst die Wahrheit gefunden werden kann. Daher dürfen wir vermuten, daß der Gesichtspunkt des Lebens in bezug auf den inneren Menschen vielleicht ein anderer ist als in bezug auf den äußeren Menschen. Man könnte ja vielleicht durch einen Vergleich klarmachen, daß die Wahrheiten ganz relative sind, je nach dem sie von da oder dort her betrachtet werden. —

[ 33 ] Thus, it may not be difficult for us to understand when spiritual science states that life does indeed appear different depending on whether we view it from the perspective of the inner or the outer human being. These are two different perspectives. Anyone who sought to unite these two perspectives through some form of abstraction would fail to take into account that there is not merely one ideal, one judgment, but as many judgments as there are perspectives, and that it is precisely through the interplay of these various judgments that the truth can be found. We may therefore surmise that the perspective on life with regard to the inner human being is perhaps different from that with regard to the outer human being. One could perhaps use a comparison to illustrate that truths are entirely relative, depending on whether they are viewed from one perspective or another. —

[ 34 ] Es ziemt sich ganz gewiß für einen Riesen, der eine Faust hat so groß wie ein kleines Kind, zu sagen: Ich lache mir ins Fäustchen! Ob aber der Zwerg, der geradeso groß ist wie ein kleines Kind, vom Riesen sagen kann: Er lacht sich ins Fäustchen — das ist eine andere Frage. Die Dinge nehmen sich notwendig wie sich ergänzende Wahrheiten aus. Es gibt keine absolute Wahrheit in bezug auf äußere Dinge. Die Dinge müssen von den verschiedensten Gesichtspunkten betrachtet werden, und die Wahrheit muß gefunden werden durch die einzelnen Wahrheiten, die sich gegenseitig beleuchten.

[ 34 ] It is certainly fitting for a giant whose fist is as big as a small child to say, “I’m laughing up my sleeve!” But whether the dwarf, who is just as tall as a small child, can say of the giant, “He’s laughing up his sleeve”—that is another question. Things necessarily appear as complementary truths. There is no absolute truth with regard to external things. Things must be viewed from a wide variety of perspectives, and the truth must be found through the individual truths that shed light on one another.

[ 35 ] Daher brauchen auch nicht in dem Leben, wie es uns vor Augen tritt, der äußere Mensch, physischer Leib und Ätherleib, und der innere Mensch, Astralleib und Ich, in irgendeiner Entwickelungsepoche des Lebens in einem vollkommenen Einklang zu stehen. Würde der Einklang ein vollkommener sein, dann wäre es so, daß der Mensch, wenn er sich des Abends in die geistige Welt hineinbegibt, die Erlebnisse des Tages mitnähme und sie umgestaltete in regelmäßiger Weise in die Essenzen des Könnens, der Weisheit und so weiter. Es würde dann so sein, daß er die Kräfte, die er aus der geistigen Welt des Morgens, hineinbringt in die physische Welt, in bezug auf das Seelenleben anwendete; aber niemals würde die Grenze überschritten werden, die wir charakterisiert haben, und welche für den physischen Leib gezogen ist. Dann gäbe es aber auch keine menschliche Entwickelung. Der Mensch muß lernen, diese Grenzen selbst zu beachten; er muß sie in sein Urteil aufnehmen. Es muß für ihn im breitesten Umfange die Möglichkeit geben, diese Grenzen zu überschreiten.

[ 35 ] Therefore, even in the life as it appears to us, the outer human being—the physical body and the etheric body—and the inner human being—the astral body and the I—do not need to be in perfect harmony at any stage of life’s development. If the harmony were perfect, then when a person entered the spiritual world in the evening, they would take the experiences of the day with them and transform them in a systematic way into the essences of skill, wisdom, and so on. It would then be the case that they would apply the forces they bring from the spiritual world in the morning into the physical world in relation to their soul life; but the boundary we have described—which is drawn for the physical body—would never be crossed. Yet then there would be no human development either. Human beings must learn to observe these boundaries themselves; they must incorporate them into their judgment. There must be the widest possible scope for them to cross these boundaries.

[ 36 ] Und er überschreitet sie fortwährend! Im wirklichen Leben finden fortwährend Grenzüberschreitungen statt, so daß zum Beispiel der astralische Leib und das Ich, wenn sie auf den physischen Leib wirken, die Grenzen nicht einhalten. Dadurch aber übertreten sie die dem physischen Leibe eingepflanzte Geserzmäßigkeit. Wir schauen dann dasjenige, was an solchen Grenzüberschreitungen geschehen ist, in Unregelmäßigkeiten, in Desorganisationen des physischen Leibes, in dem Hervortreten dessen, was sich darstellt als die Krankheiten, die aus dem Geiste, aus Astralleb und Ich heraus, bewirkt worden sind. — Noch in anderer Weise kann eine Grenze überschritten werden, nämlich dadurch, daß der Mensch als innerer Mensch die Zusammenstimmung mit der äußeren Welt nicht trifft, daß er versagt in bezug auf den vollständigen Einklang mit der äußeren Welt. Wir können uns das an einem drastischen Beispiel klarmachen.

[ 36 ] And it constantly crosses them! In real life, boundaries are constantly being crossed, so that, for example, when the astral body and the “I” act upon the physical body, they do not respect the boundaries. In doing so, however, they transgress the regularity inherent in the physical body. We then see the effects of such boundary crossings in irregularities, in disorganization of the physical body, and in the manifestation of what presents itself as illnesses that have been brought about from the spirit, the astral life, and the ego. — A boundary can also be crossed in another way, namely when the inner human being fails to achieve harmony with the outer world, when he falls short of complete harmony with the outer world. We can illustrate this with a striking example.

[ 37 ] Als vor wenigen Jahren der berühmte Ausbruch des Mont Pel& in Zentralamerika stattgefunden hatte, fand man nachher in den Trümmern ganz merkwürdige, sehr lehrreiche Dokumente. Auf einem stand: Ihr braucht euch nicht mehr zu fürchten, denn die Gefahren sind alle vorüber; es werden keine weiteren Ausbrüche mehr erfolgen! Das zeigen uns die Gesetze, die wir als Naturgesetze erkannt haben. — Diese Dokumente, auf denen geschrieben war, daß weitere vulkanische Ausbrüche unmöglich wären nach der Naturerkenntnis, waren verschüttet worden — und mit ihnen die Gelehrten, die diese Dokumente verfaßt hatten aus der gewöhnlichen Gelehrtenerkenntnis. Wir sehen hier sich ein tragisches Ereignis vollziehen. Aber gerade daran können wir die Disharmonie des Menschen mit der physischen Welt ganz klar sehen. Niemand kann zweifeln, daß der Verstand derjenigen Gelehrten, die diese Naturgesetze erforscht haben, ausgereicht hätte, die Wahrheit zu finden, wenn er nur gehörig ausgebildet worden wäre. Denn an Verstand hat es ihnen nicht gemangelt. Merkwürdig ist es, daß der Verstand dazu gehört, aber daß er doch allein gar nichts machen kann. Denn die Tiere, die vor solchen Katastrophen stehen, wandern aus! Das ist eine bekannte Tatsache. Nur die Haustiere gehen mit dem Menschen zugrunde. Es genügt also der sogenannte tierische Instinkt, um weit mehr an Weisheit gegenüber solchen kommenden Ereignissen zu entwickeln, als die heutige menschliche Weisheit. Dasjenige, was «Verstand» ist, macht es nicht aus; unser heutiger Verstand ist auch bei denjenigen genügend vorhanden, welche die größten Torheiten begehen. Unser Verstand reichte also wohl aus; aber es reichen nicht aus die Erfahrungen aus den Erlebnissen, weil diese nicht gereift sind. In dem Augenblick, wo der Verstand mit engbegrenzten Erlebnissen etwas festsetzt, was ihm plausibel erscheint, da kann er in diese Disharmonie kommen mit den wirklichen äußeren Erlebnissen, und dann brechen die äußeren Erlebnisse über ihm zusammen. Denn es besteht ein Verhältnis zwischen dem physischen Leib und der Welt, das der Mensch nach und nach erkennen und überschauen wird mit den Kräften, die er heute schon hat; aber erst dann wird er es können, wenn er sich Erlebnis über Erlebnis aus der äußeren Welt gesammelt hat und diese Erlebnisse verarbeitet hat. Dann wird an dem, was er aus diesen Erlebnissen entwickelt hat, um völlige Harmonie herzustellen, auch kein anderer Verstand mitgearbeitet haben als der heutige; denn der Verstand ist gerade heute auf einer gewissen Höhe angelangt. Was fehlt, ist die Ausreifung der Erfahrungen und Erlebnisse. Wenn diese Ausreifung der Erlebnisse nicht dem Äußeren entspricht, dann kommt der Mensch in Disharmonie mit der Außenwelt und kann an den Ereignissen der Außenwelt zerbrechen.

[ 37 ] When the famous eruption of Mount Pel& in Central America occurred a few years ago, some very strange and highly instructive documents were found among the rubble afterward. One of them read: “You need no longer be afraid, for the dangers are all over; there will be no further eruptions!” This is shown to us by the laws we have recognized as the laws of nature. — These documents, on which it was written that further volcanic eruptions would be impossible according to our understanding of nature, had been buried—and with them the scholars who had composed these documents based on conventional scholarly understanding. We see a tragic event unfolding here. But it is precisely in this that we can clearly see humanity’s disharmony with the physical world. No one can doubt that the intellect of those scholars who researched these laws of nature would have been sufficient to discover the truth, had it only been properly trained. For they did not lack intellect. It is remarkable that intellect is a factor here, yet it alone can accomplish nothing. For animals facing such catastrophes migrate! This is a well-known fact. Only domesticated animals perish alongside humans. Thus, so-called animal instinct is sufficient to develop far greater wisdom in the face of such impending events than today’s human wisdom. What constitutes “intellect” is not the issue; our present-day intellect is also sufficiently present even in those who commit the greatest follies. Our intellect was therefore sufficient enough; but the experiences gained from life are not sufficient, because they have not matured. The moment the intellect, based on narrowly limited experiences, establishes something that seems plausible to it, it can fall into disharmony with actual external experiences, and then those external experiences come crashing down upon it. For there is a relationship between the physical body and the world that human beings will gradually come to recognize and comprehend using the powers they already possess today; but they will only be able to do so once they have gathered experience upon experience from the external world and have processed these experiences. Then, in what they have developed from these experiences to establish complete harmony, no other mind will have contributed than the one they possess today; for the mind has reached a certain level precisely today. What is lacking is the maturing of experiences. If this maturing of experiences does not correspond to the external world, then human beings fall into disharmony with the external world and may be shattered by the events of the external world.

[ 38 ] Wir haben an einem drastischen Beispiel gesehen, wie die Disharmonie eingetreten ist zwischen dem physischen Leib der betreffenden Gelehrten und dem, was sie in ihrem Innern als ihre Seelenentwickelungs-Stufe erreicht haben. Wir haben dieses Beispiel herangezogen, um unsere Betrachtungen zu verdeutlichen. Diese Disharmonie braucht nicht dadurch aufzutreten, daß gewaltige Ereignisse über uns hereinbrechen; sondern eine solche Disharmonie ist prinzipiell und wesentlich immer dann gegeben, wenn irgendwelche äußeren Schädigungen unsern physischen und Ätherleib treffen; wenn äußere Schädigungen den äußeren Menschen so treffen, daß er nicht imstande ist, durch seine Kräfte von innen diesen äußeren Schädigungen entgegenzuarbeiten, sie aus seinem Leben zu verbannen. Dasselbe ist jedesmal der Fall, wenn irgendeine äußere Schädigung an uns herantritt, sei sie nun äußerlich sichtbar, oder sei sie eine sogenannte innere Schädigung, die aber doch eigentlich eine äußerliche ist; denn wenn wir uns den Magen verderben, so ist das dem Wesen nach ganz dasselbe, als wenn uns ein Ziegelstein auf den Kopf fällt. Es ist der Fall, wenn der Konflikt entsteht, oder entstehen kann zwischen dem inneren Menschen und dem, was von außen an ihn herantritt; wenn der innere Mensch diesem äußeren Menschen nicht gewachsen ist.

[ 38 ] We have seen, through a striking example, how disharmony has arisen between the physical bodies of the scholars in question and what they have attained internally as their stage of soul development. We have cited this example to illustrate our observations. This disharmony need not arise from violent events befalling us; rather, such disharmony is, in principle and essentially, always present whenever any external harm befalls our physical and etheric bodies; when external harm affects the outer human being in such a way that he is unable to counteract this external harm from within through his own inner powers and banish it from his life. The same is true whenever any external harm comes upon us, whether it is outwardly visible or is a so-called internal harm that is, in fact, an external one; for if we upset our stomachs, this is, in essence, exactly the same as if a brick were to fall on our heads. This is the case when a conflict arises—or can arise—between the inner person and what approaches him from the outside; when the inner person is no match for this external influence.

[ 39 ] Und im Grunde ist jede Krankheit eine solche Diisharmonie, eine solche Grenzüberschreitung zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Was in einer fernen Zukunft als eine Harmonie erst erreicht werden muß, was ein abstrakter Gedanke bleiben würde, wenn wir es hineinträumen wollten in das Leben, das stellt sich dadurch her, daß tatsächlich fortwährend Grenzüberschreitungen stattfinden. Der Mensch lernt erst dadurch immer reifer in bezug auf sein inneres Leben zu werden, wenn er allmählich sieht, wie er durch das, was er schon erlangt hat, dem äußeren Leben nicht gewachsen ist. Das bezieht sich nicht nur auf die Dinge, welche das Ich durchdringt, sondern auch auf dasjenige, was der astralische Leib durchdringt. Was das Ich durchdringt, erlebt der Mensch bewußt vom Aufwachen bis zum Einschlafen; wie der astralische Leib wirkt, wie er seine Grenzen überschreiten kann und sich ohnmächtig erweisen kann, um eine richtige Harmonie herzustellen zwischen innerem und äußerem Menschen, das entzieht sich zwar dem gewöhnlichen Bewußtsein des Menschen, ist aber dennoch vorhanden. In allen diesen Dingen haben wir das tiefere innere Wesen der Krankheit gegeben.

[ 39 ] And fundamentally, every illness is such a disharmony, such a transgression of the boundary between the inner and outer self. What must first be achieved as harmony in the distant future—what would remain an abstract idea if we were to dream it into life—is brought about by the fact that such boundary crossings are in fact taking place continuously. It is only through this process that a person learns to become increasingly mature in regard to their inner life, as they gradually come to see how, through what they have already attained, they are not yet a match for outer life. This applies not only to the things that the ego permeates, but also to what the astral body permeates. What the ego permeates, a person experiences consciously from the moment of waking until falling asleep; how the astral body functions, how it can cross its boundaries and prove powerless to establish a proper harmony between the inner and outer human being—this eludes a person’s ordinary consciousness, yet it is nevertheless present. In all these things, we have described the deeper inner nature of the illness.

[ 40 ] Welches sind nun die zwei möglichen Ausgänge der Krankheit? — Entweder es tritt Heilung ein, oder die Krankheit endet mit dem Tode. Wie wir die Entwickelung des normalen Lebens betrachten, so können wir hineinstellen Tod auf der einen Seite, Heilung auf der andern Seite.

[ 40 ] What, then, are the two possible outcomes of the illness? — Either a cure occurs, or the illness ends in death. When we consider the course of normal life, we can place death on one side and recovery on the other.

[ 41 ] Was bedeutet nun für die gesamte Entwickelung des Menschen eine Heilung? — Da müssen wir uns klar sein, was für die Gesamtentwickelung des Menschen zunächst die Krankheit ist.

[ 41 ] What, then, does healing mean for the overall development of the human being? — We must first be clear about what illness means for the overall development of the human being.

[ 42 ] Die Krankheit stellt dar eine Disharmonie zwischen innerem und äußerem Menschen; der innere Mensch kann nicht in Harmonie kommen mit dem äußeren Menschen, wenn Krankheit gegeben ist. Es muß sich in gewisser Weise der innere Mensch zurückziehen aus dem äußeren Menschen. Wir können das am einfachsten sehen, wenn wir uns in den Finger schneiden. — Wir können nur den physischen Leib zerschneiden, nicht den Astralleib. Aber der Astralleib muß fortwährend eingreifen in das gewöhnliche Getriebe, und die Folge ist jetzt, daß der astralische Leib in dem zerschnittenen Finger nicht dasjenige findet, was er finden müßte, wenn er bis in die kleinsten Teile den Finger durchdringen will. Er fühlt sich zurückgestoßen aus dem physischen Fingerteil. Das ist das Wesentliche einer ganzen Summe von Krankheiten, daß der innere Mensch sich vom äußeren zurückgestoßen fühlt, daß er nicht Anteil nehmen kann an dem äußeren Menschen, weil er zerstört ist, weil er ihm durch Schädigung entrissen ist. Nun können wir die Sache so weit bringen, daß wir entweder durch äußere Einwirkungen den äußeren Menschen herstellen — oder den inneren Menschen so stark machen, daß er selbst den äußeren Menschen herstellt; das heißt, es kann Heilung eintreten. Dann wird in einer schwächeren oder stärkeren Art die Verbindung von äußerem und innerem Menschen nach der Heilung wiederum da sein; das heißt, es kann jetzt der innere Mensch in gewisser Weise die Möglichkeit finden, in dem korrigierten äußeren Menschen doch weiter zu leben; er kann wieder eingreifen.

[ 42 ] Illness represents a disharmony between the inner and outer self; the inner self cannot come into harmony with the outer self when illness is present. In a certain sense, the inner self must withdraw from the outer self. We can see this most clearly when we cut our finger. — We can only cut the physical body, not the astral body. But the astral body must constantly intervene in the ordinary workings of the body, and the result is that the astral body does not find in the cut finger what it would expect to find if it were to penetrate the finger down to its smallest parts. It feels repelled from the physical part of the finger. This is the essence of a whole range of illnesses: that the inner human being feels repelled by the outer one, that it cannot participate in the outer human being because it is destroyed, because it has been torn away from it through injury. Now we can take the matter so far that we either restore the outer human being through external influences—or strengthen the inner human being to such an extent that it itself restores the outer human being; that is, healing can take place. Then, to a greater or lesser extent, the connection between the outer and inner self will be restored after healing; that is, the inner self can now, in a certain sense, find a way to continue living within the restored outer self; it can intervene once more.

[ 43 ] Das ist ein Vorgang, der sich vergleichen läßt mit dem Aufwachen. Es war ein künstliches Zurückgezogensein des inneren Menschen. Jetzt ist ihm neuerdings die Möglichkeit gegeben, im äußeren Menschen das zu erleben, was der Mensch nur in der äußeren Welt erleben kann. Die Heilung gibt dem Menschen die Möglichkeit, zurückzukehren und das hineinzutragen, was er nicht hineintragen könnte, wenn er nicht zurückkehren könnte. Daher wird das, was den Heilungsprozeß ausmacht, aufgenommen in den inneren Menschen und bildet jetzt einen inneren Bestandteil dieses inneren Menschen. Genesung, Heilung ist das, worauf wir mit Befriedigung, mit Genugtuung zurückblicken können, weil wir uns sagen können: Ebenso wie wir beim Einschlafen etwas mitnehmen für den inneren Menschen, wodurch wir ihn höher bringen, so nehmen wir durch die Heilung etwas mit, wodurch wir den inneren Menschen höher bringen. Wenn es auch nicht gleich sichtbar ist, vorhanden ist es: wir werden in unserem inneren Menschen, in unserem seelischen Erleben unter allen Umständen erhöht; wir erfahren eine Steigerung unseres inneren Menschen durch die Genesung. Wir nehmen in die geistige Welt, die wir während des Schlafes durchleben, dasjenige mit, was wir durch die Genesung haben. Die Heilung ist also etwas, was mit hineingeht in den Schlafzustand, was uns stärkt in bezug auf die Kräfte, die wir heranbilden während des Schlafzustandes. — Alles was die geheimnisvollen Beziehungen von Heilung und Schlaf sind, würde sich erläutern lassen, wenn wir Zeit hätten, diese angedeuteten Gedanken ganz auszubreiten. Daraus können Sie schon sehen, wie wir die Heilung gleichstellen können dem, was wir des Abends mit hineinnehmen in die geistige Welt, und was die Entwickelungsvorgänge fördert, insofern sie zwischen Geburt und Tod überhaupt gefördert werden können. Was wir aber aus den äußeren Erlebnissen im normalen Erleben nach innen hineinziehen, das muß in unserem Seelenleben zwischen Geburt und Tod als höhere Entwickelung herauskommen. Doch nicht immer muß dasjenige, was wir als Heilung aufnehmen, herauskommen; wir können es sehr wohl mitnehmen durch die Pforte des Todes, und es kann uns erst in einem nächsten Leben zugute kommen. Was uns aber die Geisteswissenschaft zeigt, ist dies, daß wir einer jeglichen Heilung dankbar sein müssen, denn eine jede Heilung bedeutet eine Erhöhung des inneren Menschen, die wir nur mit den Kräften erreichen, die im Innern aufgenommen werden.

[ 43 ] This is a process that can be compared to waking up. It was an artificial withdrawal of the inner self. Now, once again, the inner self has been given the opportunity to experience within the outer self what a person can only experience in the outer world. Healing gives a person the opportunity to return and bring back what they could not bring back if they were unable to return. Therefore, what constitutes the healing process is absorbed into the inner self and now forms an integral part of that inner self. Recovery and healing are what we can look back on with satisfaction and contentment, because we can say to ourselves: Just as we take something with us into our inner self when we fall asleep—thereby elevating it—so too do we take something with us through healing that elevates our inner self. Even if it is not immediately visible, it is there: we are elevated in our inner self, in our soul experience, under all circumstances; we experience an elevation of our inner self through recovery. We take with us into the spiritual world—which we experience during sleep—that which we have gained through recovery. Healing is thus something that enters into the state of sleep, something that strengthens us with regard to the forces we develop during sleep. — All the mysterious connections between healing and sleep could be explained if we had time to fully elaborate on these hinted-at thoughts. From this you can already see how we can equate healing with what we take with us into the spiritual world each evening, and what promotes the processes of development—insofar as they can be promoted at all between birth and death. However, what we draw inward from our external experiences in ordinary life must emerge in our soul life between birth and death as higher development. Yet what we take in as healing does not always have to emerge; we may very well carry it with us through the gate of death, and it may only benefit us in a future life. What spiritual science shows us, however, is that we must be grateful for every healing, for every healing signifies an elevation of the inner human being, which we can achieve only through the forces absorbed within.

[ 44 ] Die andere Frage ist die: Was bedeutet für den Menschen eine Krankheit, die mit dem Tode endet?

[ 44 ] The other question is this: What does an illness that ends in death mean for a person?

[ 45 ] In gewisser Weise bedeutet sie das Umgekehrte, daß wir nicht imstande sind, die zerstörte Harmonie zwischen innerem und äußerem Menschen wieder herzustellen; daß wir die Grenze nicht überschreiten können in diesem Leben zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen; daß dieses Überschreiten der Grenze in richtiger Art uns in diesem Leben unmöglich ist. Wie wir stille stehen müssen vor dem gesunden Leib am Morgen, wenn wir aufwachen, so müssen wir, wenn eine Krankheit mit dem Tode endet, stille stehen vor dem geschädigten Leib, können nicht wieder eine Änderung an ihm hervorrufen. Wie der gesunde Leib bleibt, wie er ist, und uns am Morgen aufnimmt, so nimmt uns der geschädigte Leib nicht auf, das heißt, wir müssen mit dem Tode endigen. Wir müssen diesen Leib verlassen, weil wir nicht imstande sind, die Harmonie wieder herzustellen. Dafür aber nehmen wir diese Erlebnisse nunmehr mit in die geistige Welt, die wir betreten, ohne daß wir einen äußeren Leib zur Verfügung haben. Was wir als Frucht in uns aufgenommen haben, daß uns ein geschädigter Körper nicht wieder aufnimmt, das wird eine Bereicherung desjenigen Lebens, das zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verläuft. So müssen wir also auch einer Krankheit, die mit dem Tode endet, dankbar sein, weil sie uns die Möglichkeit bietet zu einer Steigerung unseres Lebens zwischen Tod und neuer Geburt, um die Kräfte und Erfahrungen zu sammeln, die nur zwischen Tod und neuer Geburt ausreifen können.

[ 45 ] In a certain sense, it means the opposite—that we are unable to restore the harmony between the inner and outer self that has been destroyed; that we cannot cross the boundary between the inner and outer self in this life; that crossing this boundary in the proper way is impossible for us in this life. Just as we must stand in silence before the healthy body in the morning when we wake up, so too, when an illness ends in death, must we stand in silence before the damaged body; we cannot bring about a change in it again. Just as the healthy body remains as it is and receives us in the morning, so the damaged body does not receive us—that is to say, we must end in death. We must leave this body because we are unable to restore harmony. In return, however, we now take these experiences with us into the spiritual world, which we enter without having an external body at our disposal. What we have taken in as fruit—the fact that a damaged body no longer accepts us—becomes an enrichment of the life that unfolds between death and a new birth. Thus, we must also be grateful for an illness that ends in death, because it offers us the opportunity to elevate our life between death and a new birth, in order to gather the strengths and experiences that can only mature during that time.

[ 46 ] Da haben wir die seelische Konsequenz einer Krankheit, die mit dem Tode endet, und die seelische Konsequenz einer Krankheit, die mit Heilung endet. In das ganze innere Leben greifen die Heilungsprozesse ein und bringen uns vorwärts; in alles, was die Entwickelung in einer äußeren Welt bedeutet, greifen die Krankheiten ein, die mit dem Tode enden. Das gibt uns zwei Gesichtspunkte: Wir können einer Krankheit, die mit einer Heilung endet, dankbar sein, weil wir durch sie in unserem Innern stärker geworden sind; und wir können einer Krankheit, die mit dem Tode endet, dankbar sein, weil wir wissen: Wenn wir uns auf eine höhere Stufe erheben in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, so wird der Tod für uns von unendlicher Wichtigkeit sein, und wir haben dann gelernt, daß unser Leib nicht so sein darf, wenn wir ihn wieder aufbauen. Und wir werden jene Schädigungen vermeiden, an denen wir gescheitert sind.

[ 46 ] Here we have the psychological consequence of an illness that ends in death, and the psychological consequence of an illness that ends in healing. The healing processes intervene in our entire inner life and move us forward; illnesses that end in death intervene in everything that development in the outer world entails. This gives us two perspectives: We can be grateful for an illness that ends in healing, because through it we have become stronger within; and we can be grateful for an illness that ends in death, because we know: When we rise to a higher level in the life between death and rebirth, death will be of infinite importance to us, and we will then have learned that our body must not be the same when we rebuild it. And we will avoid those flaws that caused us to fail.

[ 47 ] So haben wir in der Tat die Notwendigkeit, uns auf zwei Gesichtspunkte zu stellen. Keinem Menschen sollte es einfallen, etwa aus der Geisteswissenschaft heraus zu sagen: Wenn der Tod, mit dem eine Krankheit endet, etwas ist, dem wir dankbar sein müssen, wenn der tödliche Ausgang einer Krankheit etwas ist, was uns im nächsten Leben höher bringt, dann müßten wir die Krankheit mit dem Tode endigen lassen und sie nicht heilen! — Wer das sagte, spräche nicht im Sinne wahrer Geisteswissenschaft, denn eine solche hat es nicht mit Abstraktionen zu tun, sondern mit denjenigen Wahrheiten, die von den verschiedensten Gesichtspunkten gewonnen werden. Wir haben die Pflicht, mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, für die Heilung zu sorgen. Innerhalb des menschlichen Bewußtseins liegt die Aufgabe zu heilen, so viel man kann. Denn der Standpunkt, daß wir auch dem Tode dankbar sein können, wenn er eingetreten ist, ist nicht ein solcher, der in das gewöhnliche menschliche Bewußtsein hineinfällt, sondern der nur gewonnen werden kann, wenn man über das gewöhnliche Menschheitsbewußtsein sich erhebt. Von einem «Götter-Standpunkt» aus ist es berechtigt, diese oder jene Krankheit mit dem Tode endigen zu lassen; vom menschlichen Standpunkt aus ist es nur berechtigt, alles aufzuwenden, was die Heilung herbeiführen kann. Eine Krankheit, die mit dem Tode endet, muß von einem andern Gesichtspunkt aus beurteilt werden. Zwischen diesen zwei Gesichtspunkten gibt es zunächst keine Vereinigung; sie müssen nebeneinander hergehen. Alles abstrakte Harmonisieren nützt hier nichts. Die Geisteswissenschaft muß vordringen zu der Anerkennung solcher Wahrheiten, die von einer gewissen Seite das Leben darstellen, und anderer Wahrheiten, die es von einer andern Seite darstellen.

[ 47 ] Thus, we do indeed need to adopt two perspectives. It should never occur to anyone, for example from the perspective of spiritual science, to say: If death, which brings an illness to an end, is something for which we must be grateful, if the fatal outcome of an illness is something that elevates us in the next life, then we should let the illness end in death and not cure it! — Anyone who said that would not be speaking in the spirit of true spiritual science, for such a science does not deal with abstractions, but with those truths that are gained from the most diverse perspectives. We have a duty to ensure healing by all means at our disposal. Within human consciousness lies the task of healing as much as possible. For the view that we can also be grateful for death once it has occurred is not one that falls within ordinary human consciousness, but one that can only be attained by rising above ordinary human consciousness. From a “divine perspective,” it is justified to allow this or that illness to end in death; from a human perspective, it is justified only to employ everything that can bring about healing. An illness that ends in death must be judged from a different perspective. At first, there is no reconciliation between these two perspectives; they must coexist side by side. Any abstract attempt at harmonization is of no use here. Spiritual science must advance toward the recognition of truths that depict life from one certain perspective, and other truths that depict it from another perspective.

[ 48 ] Richtig ist der Satz: Heilung ist gut! Heilung ist Pflicht! — Richtig ist aber auch der andere Satz: Der Tod ist gut, wenn er als das Ende einer Krankheit auftritt; der Tod ist wohltätig für die gesamte menschliche Entwickelung! — Trotzdem sich beide Sätze widersprechen, enthalten sie beide lebendige Wahrheiten für das lebendige Erkennen. Gerade wo in das Menschenleben zwei solche Strömungen hineinleuchten, die sich erst harmonisieren müssen, sehen wir, wie wir nicht schablonisieren und systematisieren dürfen, sondern daß wir das Leben im breitesten Umfange betrachten müssen. Klar müssen wir uns sein, daß sogenannte Widersprüche, wenn sie nur auf Erfahrung, auf Erleben und auf tieferer Erkenntnis der Sache beruhen, unsere Erkenntnis nicht beeinträchtigen, sondern daß sie uns gerade nach und nach in eine lebensvolle Erkenntnis hineinführen, weil das Leben selber sich zu Harmonie entwickelt.

[ 48 ] The statement “Healing is good! Healing is a duty!” is true. — But the other statement is also true: “Death is good when it comes as the end of an illness; death is beneficial for the entire course of human development!” — Even though these two statements contradict each other, they both contain living truths for living understanding. Precisely where two such currents shine into human life—currents that must first harmonize—we see that we must not resort to stereotypes or systematization, but rather that we must view life in its broadest sense. We must be clear that so-called contradictions—provided they are based solely on experience, lived reality, and a deeper understanding of the matter—do not impair our understanding, but rather gradually lead us into a vibrant understanding, because life itself develops into harmony.

[ 49 ] Das normal verlaufende Leben schlingt sich so fort, daß wir aus Erlebnissen uns Fähigkeiten bilden, und daß wir aus dem, was wir zwischen Geburt und Tod nicht innerlich verarbeiten können, dasjenige weben, was wir dann zwischen Tod und neuer Geburt verarbeiten können. In diesen normalen Gang des Menschenlebens schlingen sich Heilung und tödliche Krankheit so hinein, daß eine jede Heilung ein Beitrag ist, um den Menschen hiinaufzuführen zu höheren Stufen, und daß eine jede tödliche Krankheit den Menschen wiederum hinaufführt auf eine höhere Stufe; einmal in bezug auf den inneren, das andere Mal in bezug auf den äußeren Menschen. So schreitet die Welt vorwärts, indem sie nicht in einer, sondern in zwei entgegengesetzten Strömungen fortschreitet. Gerade an Krankheit und Heilung zeigt sich uns die ganze Kompliziertheit des menschlichen Lebens. Wäre nicht Krankheit und nicht Heilung, so würde das normale Leben nur so verlaufen können, daß der Mensch am Gängelbande des Daseins sein Leben fortspänne, immer an der Grenze stehen bliebe, und sozusagen aus der geistigen Welt heraus zwischen Tod und neuer Geburt sich die Kräfte geben lassen müßte, um seinen Organismus neu aufzubauen. Da würde der Mensch nie die Früchte seiner eigenen Arbeit an der Weltentwickelung entfalten können. Diese Früchte kann der Mensch in den engeren Grenzen des Lebens nur dadurch entfalten, daß er irren kann; denn nur dadurch, daß man weiß, welches der Irrtum ist, kommt man zu einer Überzeugung der Wahrheit. Die Wahrheit so aufnehmen, daß sie die eigene Angelegenheit der Seele wird, daß sie hineingreift in die Entwickelung, das kann man nur, wenn man die Wahrheit aus dem Mutterboden des Irrtums herausholt. Gesundheit könnte der Mensch auch haben, wenn er nicht mit seinen eigenen Fehlern und Unvollkommenheiten durch Grenzüberschreitungen eingriffe ins Leben. Eine Gesundheit, die so zustande kommt wie die innerlich erkannte Wahrheit, eine Gesundheit, die sich der Mensch von Inkarnation zu Inkarnation durch sein eigenes Leben selbst erringt, eine solche Gesundheit kommt durch die realen Irrtümer, durch die Krankheiten zustande, also dadurch, daß der Mensch auf der einen Seite lernt, seine realen Irrtümer und Fehler in der Heilung zu überwinden, und auf der andern Seite dadurch, daß er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt auf diejenigen Fehler hingestoßen wird, die er in einem Leben nicht gutmachen konnte, damit er lernt, sie in dem nächsten Leben gut zu machen.

[ 49 ] The normal course of life unfolds in such a way that we develop abilities from our experiences, and that from what we cannot process internally between birth and death, we weave together what we can then process between death and a new birth. Healing and fatal illness are woven into this normal course of human life in such a way that every healing is a contribution toward leading the human being up to higher levels, and that every fatal illness, in turn, leads the human being up to a higher level—sometimes with regard to the inner self, and sometimes with regard to the outer self. Thus the world moves forward, progressing not in one but in two opposing currents. It is precisely in illness and healing that the full complexity of human life is revealed to us. Were it not for illness and healing, normal life could only proceed in such a way that human beings would drag out their lives on the leash of existence, always remaining at the threshold, and would, so to speak, have to receive the forces from the spiritual world—between death and new birth—in order to rebuild their organism. In that case, human beings would never be able to bring forth the fruits of their own work in the development of the world. Within the narrower limits of life, human beings can bring forth these fruits only by being able to err; for it is only by knowing what error is that one arrives at a conviction of the truth. To take in the truth in such a way that it becomes the soul’s own concern, that it intervenes in one’s development—this is possible only when one draws the truth from the fertile soil of error. Human beings could also enjoy good health if they did not interfere with life by transgressing boundaries with their own faults and imperfections. A state of health that comes about in the same way as truth recognized within—a state of health that a person achieves for themselves from incarnation to incarnation through their own life—such a state of health arises through actual errors and illnesses; that is, on the one hand, by a person learning to overcome their actual errors and faults through the healing process, and, on the other hand, by being confronted in the life between death and rebirth with those faults that they were unable to make amends for in one lifetime, so that they may learn to make amends for them in the next life.

[ 50 ] Wir können jetzt wiederum anknüpfen an unser drastisches Beispiel und können sagen: Der Verstand jener Gelehrten, welche damals so falsch prophezeit haben, wird nicht bloß vorsichtig werden, um nicht so schnell zu urteilen, sondern er wird die Erlebnisse ausreifen lassen, um nach und nach Harmonie herzustellen mit dem Leben.

[ 50 ] We can now return to our striking example and say: The minds of those scholars who made such erroneous predictions back then will not only become more cautious so as not to judge too quickly, but they will allow their experiences to mature in order to gradually bring about harmony with life.

[ 51 ] So sehen wir, wie Heilung und Krankheit in das Menschenleben eingreifen und zu dem führen, ohne das der Mensch sein Ziel nie als sein eigenes erreichen könnte. Wenn wir so Krankheit und Heilung betrachten, können wir sehen, wie das scheinbar abnorme Eingreifen in unsere Entwickelung — und dazu gehört Krankheit und Heilung und der tödliche Ausgang der Krankheit zum menschlichen Dasein gehört, wie der Irrtum dazu gehört, wenn wir die Wahrheit erkennen wollen. Wir könnten in bezug auf Krankheit und Heilung dasselbe sagen, was ein großer Dichter in einer wichtigen Epoche über den menschlichen Irrtum gesagt hat: «Es irrt der Mensch, so lang’ er strebt!» Das könnte unter Umständen so erscheinen, als ob der Dichter hätte sagen wollen: Es irrt der Mensch immer! — Der Satz ist aber umkehrbar, und wir können ihn so aussprechen: Es strebe der Mensch, so lange er irrt! — Der Irrtum gebiert ein neues Streben. Der Satz: «Es irrt der Mensch, so lang’ er strebt!» braucht uns daher durchaus nicht mit Trostlosigkeit zu erfüllen; denn jeder Irrtum erzeugt neues Streben, und der Mensch wird so lange streben, bis er über den Irrtum hinaus ist. Das heißt, der Irrtum selber führt über sich hinaus zur menschlichen Wahrheit! Und ebenso können wir sagen: Es mag der Mensch erkranken, so lange er sich entwickelt! Durch die Krankheit entwickelt er sich zugleich zur Gesundheit. So strebt die Krankheit in der Heilung, und sogar im Tode über sich selbst hinaus und erzeugt die Gesundheit nicht als ein dem Menschen Fremdes, sondern als eine aus dem Menschenwesen selbst herausgewachsene, mit diesem Menschenwesen übereinstimmende Gesundheit.

[ 51 ] Thus we see how healing and illness intervene in human life and lead to that without which a person could never achieve their goal as their own. When we view illness and healing in this way, we can see how this seemingly abnormal intervention in our development—which includes illness, healing, and the fatal outcome of illness—is as much a part of human existence as error is when we seek to recognize the truth. We could say the same thing about illness and healing that a great poet of an important era said about human error: “Man errs as long as he strives!” Under certain circumstances, this might seem as though the poet had meant to say: Man always errs! — But the sentence is reversible, and we can phrase it this way: Let man strive as long as he errs! — Error gives birth to a new striving. The statement, “Man errs as long as he strives!” therefore need not fill us with despair; for every error generates a new striving, and man will strive until he has transcended the error. That is to say, error itself leads beyond itself to human truth! And in the same way, we can say: Man may fall ill as long as he is developing! Through illness, he simultaneously develops toward health. Thus, illness strives beyond itself in healing—and even in death—and brings about health not as something foreign to the human being, but as a health that has grown out of the human being’s very nature and is in harmony with that nature.

[ 52 ] Alles, was in solch merkwürdigen und bedeutungsvollen Gebieten erscheint, ist wohl geeignet, uns zu zeigen, wie die ganze Welt in ihrer Weisheit so eingerichtet ist, daß der Mensch in allen Entwickelungsmomenten die Gelegenheit findet, über sich selbst hinauszuwachsen — ganz im Sinne jenes Satzes von Angelus Silesius, mit dem wir den Vortrag «Was ist Mystik?» beschließen konnten. Wir wandten ihn damals auf die intimere Entwickelung an; jetzt können wir ihn ausdehnen in bezug auf das weite Gebiet von Krankheit und Heilung und können sagen, selbst da zeigt sich uns wahrhaftig:

[ 52 ] Everything that appears in such remarkable and significant realms is well suited to show us how the entire world, in its wisdom, is arranged in such a way that human beings find the opportunity at every stage of their development to transcend themselves—entirely in the spirit of that sentence by Angelus Silesius with which we were able to conclude the lecture “What Is Mysticism?” At that time, we applied it to inner development; now we can extend it to the broad realm of illness and healing and say that even there it is truly revealed to us:

Wann du dich über dich erhebst und Gott läßt walten:
So wird in deinem Geist die Himmelfahrt gehalten!

When you rise above yourself and let God take the reins:
That is how the Ascension is celebrated in your spirit!