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The Rudolf Steiner Archive

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Answers of Spiritual Science
to the Great Questions of Existence
GA 60

10 November 1910, Berlin

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3. Menschenseele und Tierseele

3. The Human Soul and the Animal Soul

[ 1 ] Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, daß im Anschluß an den heutigen Vortrag hier in acht Tagen ein Vortrag gehalten werden soll über «Menschengeist und Tiergeist», während heute der Gegenstand, über den wir sprechen wollen, «Menschenseele und Tierseele» heißt. Warum das geschehen ist, daß über Geist und Seele in zwei getrennten Vorträgen gesprochen werden soll, kann allerdings erst im nächsten Vortrage vollständig deutlich zutage treten. Vorläufig kann nur darauf aufmerksam gemacht werden: wenn man geisteswissenschaftlich Leben und Dasein betrachtet, hat man es in einer gewissen Beziehung allerdings nicht so leicht wie bei der anderen wissenschaftlichen Betrachtung, die in der Gegenwart üblich ist, wo Begriffe und Ideen, die durchaus zu einer wirklichen Erfassung der Dinge auseinandergehalten werden müssen, eben zusammengeworfen werden. Und wir werden sehen, daß wir mit den Rätseln, die sich auf Seele und Geist bei Tieren und Menschen beziehen, nicht zurechtkommen könnten, wenn wir nicht die Unterscheidung zwischen Seele und Geist klar und sicher machen könnten.

[ 1 ] You may have noticed that, following today’s lecture, a lecture is to be given here in eight days on “The Human Spirit and the Animal Spirit,” whereas the topic we intend to discuss today is “The Human Soul and the Animal Soul.” Why it has come to pass that spirit and soul are to be discussed in two separate lectures, however, will only become fully clear in the next lecture. For now, I can only point out the following: when one considers life and existence from the perspective of spiritual science, it is, in a certain sense, not as straightforward as in the other scientific approach that is common today, where concepts and ideas—which must be kept distinct for a true understanding of things—are simply lumped together. And we shall see that we could not come to terms with the mysteries pertaining to the soul and spirit in animals and humans if we were unable to make the distinction between soul and spirit clearly and definitively.

[ 2 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich, wie es hier geschehen soll, von Seele sprechen, dann ist mit dem Begriff der Seele immer der andere Begriff der Innerlichkeit, des innerlichen Erlebens verbunden. Und wenn wir in bezug auf die uns umgebende Welt vom Geist reden, sind wir uns darüber klar, daß wir in allem, was uns nur erscheinen, entgegen D treten kann, etwas wie eine Offenbarung desGeistes haben. Es ist das auch schon öfter erwähnt worden, daß sich der Mensch in einem sonderbaren Selbstwiderspruch befinden würde, wenn er den Geist nicht voraussetzen würde in allenErscheinungen desDaseins, die ihn umgeben. Nur derjenige Mensch kann eigentlich, ohne in einen sich tötenden Selbstwiderspruch zu kommen, erkennend an die Außenwelt herantreten, der zugibt, daß das, was er in seinem Geiste zuletzt über die Außenwelt findet, was er erkennend sich an Begriffen und Ideen aneignet, um die Außenwelt zu erfassen, mit den Dingen selbst etwas zu tun hat. Wer nicht zugeben wollte — womit er dann von den Dingen ausgeht, wenn er glaubt, in irgendeiner Weise etwas erkannt zu haben, wenn er sich Begriffe von den Dingen gemacht hat —, wer nicht zugeben wollte, daß in diesen Begriffen etwas lebt, was in den Dingen selber ist, der dürfte, wenn er mit sich selbst in Übereinstimmung lebt und sein erkennendes Leben selber logisch auffassen will, gar nicht an das Erkennen schreiten. Nur der kann Erkenntnis als etwas Wirkliches betrachten, der sich sagt: Was ich zuletzt in meinem Geist in der Erkenntnis finden und behalten, gegenwärtig machen kann, das muß zuerst in den Dingen enthalten sein. Insofern ich in meinem Geist von den Dingen etwas hereinnehme, gleichgültig welchem Reiche sie angehören, setze ich in allen Reichen den Geist voraus.

[ 2 ] When we speak of the soul from a spiritual-scientific perspective, as we shall do here, the concept of the soul is always linked to the related concept of inner life, of inner experience. And when we speak of the spirit in relation to the world around us, we are aware that in everything that merely appears to us—that is, in everything that can confront us—we have something like a revelation of the spirit. It has also been mentioned frequently that human beings would find themselves in a peculiar self-contradiction if they did not presuppose the spirit in all the manifestations of existence that surround them. Only the person who admits that what he ultimately finds in his mind regarding the external world—what he acquires through cognition in the form of concepts and ideas in order to grasp the external world—has something to do with the things themselves can actually approach the external world with understanding without falling into a self-destructive contradiction. Anyone who refuses to admit—and in doing so proceeds from the things themselves when he believes he has recognized something in any way, when he has formed concepts of the things— who would not admit that there is something alive in these concepts that is found in the things themselves—such a person, if he lives in harmony with himself and wishes to conceive of his cognitive life logically, should not proceed to cognition at all. Only those who say to themselves: “What I can ultimately find, retain, and bring to mind in my mind through cognition must first be contained in things” can regard cognition as something real. To the extent that I take something of things into my mind, regardless of the realm to which they belong, I presuppose the spirit in all realms.

[ 3 ] Gewiß, diese Anerkennung, die jetzt ausgesprochen worden ist, wird nicht überall gemacht. Aber sie wird nur dann nicht gemacht, wenn man sich in den charakterisierten Selbstwiderspruch versetzt hat. Deshalb sprechen wir von Geist, indem wir uns klar sind, daß er sich in allen Welten offenbart, und wir suchen zu erkennen, wie er sich in die Welten hineingießt und in ihnen erscheint. Anders sprechen wir, wenn wir von Seele sprechen. Von Seele sprechen wir nur, wenn das Geistige, von dem eben jetzt gesprochen worden ist, das wir als Menschen uns durch unseren Intellekt, durch unsere Vernunft und andere Mittel aneignen, durch die wir die Dinge erkennend durchdringen, in einem Wesen selber innerlich lebt und erlebt wird. Wir sprechen einem Wesen Seele zu, das den Geist nicht nur in sich aufnimmt, sondern das den Geist in sich erlebt und aus dem Geist heraus in sich selber schaffend ist. Also nur dann sprechen wir von Seele, wenn Geist innerlich in einem Wesen ist, das uns entgegentritt. So aber — innerlich schaffend — finden wir den Geist bei Mensch und Tier.

[ 3 ] Certainly, this acknowledgment, which has now been expressed, is not made everywhere. But it is not extended only when one has placed oneself in the self-contradiction described above. That is why we speak of Spirit, being clear that it reveals itself in all worlds, and we seek to understand how it pours itself into the worlds and manifests itself within them. We speak differently when we speak of the soul. We speak of the soul only when the spiritual—of which we have just spoken, and which we as human beings appropriate through our intellect, our reason, and other means, through which we penetrate things in order to understand them—lives and is experienced inwardly within a being itself. We attribute a soul to a being that not only takes in the spirit but also experiences the spirit within itself and is creative within itself out of the spirit. Thus, we speak of a soul only when the spirit is inwardly present in a being that stands before us. But in this way—as an inwardly creative force—we find the spirit in both humans and animals.

[ 4 ] Wie es sozusagen leicht wird, manches andere zu widerlegen — was in dem ersten Vortrag dieser Serie gesagt und gezeigt worden ist —, wenn man sich an landläufige Begriffe hält, ebenso ist es auch kinderleicht, sich über das widerlegend herzumachen, was sozusagen fundamentale Ergebnisse der Geistesforschung sind, die sich darin ausdrücken, daß man auf dem Boden der Geisteswissenschaft innerhalb der menschlichen Natur nicht bloß ein eingliedriges Wesen, sondern eine mehrgliederige Wesenheit unterscheiden muß. Gewiß, es gibt heute noch weite, weite Kreise, welche — und man kann das ganz gut verstehen und sich in solche Menschen hineindenken, kann mit ihnen fühlen und nachempfinden, was sie eigentlich wollen — sozusagen ein Hohngelächter der Hölle anfangen, von ihrem Standpunkt aus mit vollem Recht, wenn von geisteswissenschaftlicher Seite folgendes gesagt wird: Der Mensch muß zusammengesetzt gedacht werden nicht nur aus dem physischen Leib, den man in der äußeren Welt durch die Sinneswahrnehmung sieht, den man anerkennt in der äußeren Wissenschaft und auch untersucht, sondern dem Menschen muß auch zugeschrieben werden ein höherer Leib, der sogenannte Äther- oder Lebensleib, wobei nicht an den hypothetischen Äther der Physik zu denken ist. Ebenso muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit anerkannt werden, der Astralleib, und ein viertes Glied des Menschen, sein Ich. Wenn diese Glieder als etwas Reales anerkannt werden, so ist es vom Standpunkt der gegenwärtigen Forschung außerordentlich leicht zu widerlegen, was so von der Geisteswissenschaft gesagt wird, und zwar deshalb leicht — das kann gerade aus dieser Serie von Vorträgen ersichtlich werden —, weil man in die ganze Art und Weise des geisteswissenschaftlichen Forschens erst einen Blick hineintun muß, um die Berechtigung dieser Dinge anzuerkennen.

[ 4 ] Just as it becomes, so to speak, easy to refute certain other things—what was said and demonstrated in the first lecture of this series — when one adheres to common notions; likewise, it is child’s play to set about refuting what are, so to speak, fundamental findings of spiritual research, which are expressed in the fact that, on the basis of spiritual science, one must distinguish within human nature not merely a single-membered being, but a multi-membered entity. Certainly, there are still vast, vast circles today who—and one can understand this quite well and put oneself in such people’s shoes, empathize with them, and appreciate what they actually want—burst into, so to speak, a hellish cackle of derision, quite rightly from their standpoint, when the following is stated from the perspective of spiritual science: Human beings must be conceived as composed not only of the physical body—which is seen in the external world through sensory perception, recognized in the external sciences, and also studied—but a higher body, the so-called etheric or life body, must also be attributed to them, though this is not to be confused with the hypothetical ether of physics. Likewise, when speaking from the perspective of spiritual science, a third component of the human being must be recognized—the astral body—as well as a fourth component of the human being: the “I.” If these aspects are recognized as something real, then from the standpoint of current research it is extraordinarily easy to refute what spiritual science asserts—and it is easy precisely because, as can be seen from this very series of lectures, one must first gain an insight into the entire nature of spiritual scientific research in order to recognize the validity of these things.

[ 5 ] Vom Standpunkte des Geistesforschers selbst sind diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit — physischer Leib, Ätherleib oder Lebensleib, Astralleib und Ich, das heißt also ein sichtbares und drei unsichtbare, übersinnliche Glieder der menschlichen Wesenheit — Realitäten, weil der Geistesforscher seine Seele in bezug auf die in ihr schlummernden Kräfte in einer solchen Weise entwickelt hat, daß er die höheren Leiber des Menschen so wahrnehmen kann, wie die gewöhnlichen Augen den physischen Leib wahrnehmen. Diese höheren Glieder sind also Realitäten und, insofern sie unsichtbare Glieder sind, gerade dem sichtbaren Glied, dem physischen Leib zugrunde liegend. Aber wenn sie wahrnehmbare Realitäten auch nur für den Geistesforscher sind, so kann man doch sagen, daß sich dem Denken verständlich machen kann, was gemeint ist, wenn von diesen höheren Gliedern der menschlichen Natur gesprochen wird. In dem Ätherleib erkennt der Geistesforscher zunächst eine Realität, den Träger aller Lebenserscheinungen des Menschen. Und der Geistesforscher zeigt, daß der Tod dann eintritt, wenn der physische Leib verlassen wird von seinem Äther- oder Lebensleib. Deshalb sieht der Geistesforscher in dem AÄther- oder Lebensleib dasjenige, was den physischen Leib davor bewahrt, den physischen und chemischen Kräften zu folgen, die ja im physischen Leibe des Menschen tätig sind. In dem Augenblicke, da der Tod eingetreten ist, ist der physische Leib eine nicht mehr mögliche Zusammenfügung von chemischen und physischen Vorgängen. Daß der menschliche Leib zeitlebens herausgerissen ist aus diesen physischen und chemischen Vorgängen, die sich seiner sofort bemächtigen, wenn der Tod eintritt, das verdankt er dem Äther- oder LebensJeib. Mit demselben haben wir etwas gegeben, was die chemischen und physischen Stoffe und Kräfte aus ihrer Wirksamkeit herausreißt und sie erst wieder im Moment des Todes dieser physischen Wirksamkeit übergibt.

[ 5 ] From the perspective of the spiritual researcher himself, these four aspects of the human being—the physical body, the etheric body or life body, the astral body, and the I—that is, one visible and three invisible, supersensible aspects of the human being — are realities, because the spiritual researcher has developed his soul—with regard to the powers slumbering within it—in such a way that he can perceive the higher bodies of the human being just as the ordinary eyes perceive the physical body. These higher components are therefore realities and, insofar as they are invisible components, lie precisely at the foundation of the visible component, the physical body. But even if they are perceptible realities only to the spiritual researcher, one can still say that the mind can grasp what is meant when these higher aspects of human nature are discussed. In the etheric body, the spiritual researcher first recognizes a reality—the vehicle of all human life phenomena. And the spiritual researcher shows that death occurs when the physical body is abandoned by its etheric or life body. Therefore, the spiritual researcher sees in the etheric or life body that which prevents the physical body from succumbing to the physical and chemical forces that are at work within the human physical body. At the moment death occurs, the physical body is no longer a viable combination of chemical and physical processes. The fact that the human body is, throughout life, shielded from these physical and chemical processes—which immediately take hold of it upon death—is due to the etheric or life body. With this, we have provided something that tears the chemical and physical substances and forces away from their active influence and only returns them to this physical influence at the moment of death.

[ 6 ] Wir haben öfter gesagt, was dagegen eingewendet werden kann, das ist kinderleicht vorzubringen. Aber diese Einwände sind auch solche, die bei einer tieferen Erfassung der Sache wegfallen. Ganz abgesehen davon, daß der Ätherleib für den Geistesforscher eine Tatsache ist, zeigt auch eine wirkliche Logik, daß es unmöglich ist, einen lebendigen Organismus ohne einen solchen Äther- oder Lebensleib zu denken. Einen solchen Ätherleib schreiben wir daher im geisteswissenschaftlichen Sinne auch den Pflanzen zu und sagen: Während der Mensch noch höhere Glieder übersinnlicher Art hat — den astralischen Leib und das Ich —, ist die Pflanze eine Wesenheit, die nur physischen und Ätherleib hat, während ein Mineral nur aus physischem Leib besteht, soweit es sich uns in der Außenwelt darstellt. Treten wir zum Tier heran, so sprechen wir nur davon, daß sich beim Tier in physischen Leib und Ätherleib eingliedert — indem wir uns bei diesem Worte nichts anderes denken wollen, als was jetzt gesagt wird — der Astralleib.

[ 6 ] We have often said that the objections that can be raised against this are very easy to put forward. But these objections are also the kind that fall away when one gains a deeper understanding of the matter. Quite apart from the fact that the etheric body is a reality for the spiritual researcher, true logic also shows that it is impossible to conceive of a living organism without such an etheric or life body. We therefore also attribute such an etheric body to plants in the spiritual-scientific sense and say: While the human being has even higher members of a supersensible nature—the astral body and the “I”—the plant is a being that has only a physical and an etheric body, whereas a mineral consists solely of a physical body, insofar as it appears to us in the external world. When we turn to the animal, we speak only of the astral body being integrated into the animal’s physical and etheric bodies—understanding this term to mean nothing other than what has just been stated.

[ 7 ] Nun schreiben wir dem Astralleib die Fähigkeit zu, daß dasjenige, was zum Beispiel beim Kristall die Gestaltung hervorruft, also das Geistige, in dem Wesen selber innerlich, organbildend wird. Und wenn wir sehen, daß in einem tierischen Wesen aus der innerlichen Organisation heraus sich die Sinnesorgane, die Funktionen der tierischen Seele aufbauen, so sagen wir: Während beim Mineral sich der Geist erschöpft in der Ausgestaltung der Form, ist er innerlich lebendig im Tier. Dieses Innerlich-lebendig-Sein, dieses Dasein des Geistes innerhalb der tierischen Organisation selber bezeichnen wir als eine Tätigkeit des AstralJeibes. Beim Menschen aber sprechen wir davon, daß dieser Astralleib noch durchdrungen ist von einem Ich-Leib, und wir werden gleich nachher sehen, welche Bedeutung dieser Ich-Leib für das Menschenleben hat.

[ 7 ] Now we attribute to the astral body the ability for that which, for example, gives rise to the form of a crystal—that is, the spiritual—to become organ-forming within the being itself. And when we see that in an animal being, the sense organs and the functions of the animal soul develop out of its inner organization, we say: While in the mineral the spirit is limited to the shaping of form, it is inwardly alive in the animal. We describe this inner liveliness, this presence of the spirit within the animal’s own organization, as an activity of the astral body. In the case of human beings, however, we speak of this astral body as being further permeated by an “I-body,” and we will see shortly what significance this “I-body” has for human life.

[ 8 ] Was sprechen wir denn dem Geiste eigentlich zu, wenn wir von Geist reden? Wir sprechen ihm dasjenige als Realität, als äußere Wirklichkeit zu, was wir sozusagen in uns selber in unserer Intelligenz erleben. Wir führen durch unsere Intelligenz dieses oder jenes aus, wir bringen die Kräfte der Wesenheiten in ein Zusammenspiel durch unsere Intelligenz. Diese unsere schöpferische Intelligenz hat eine gewisse Art. Indem sie in uns gleichsam in ein zeitliches Dasein tritt, schöpferisch auftritt, bilden wir uns einen Begriff von Intelligenz, von vernünftigem Erleben, von vernunftgemäßem Schaffen, und schauen uns ringsherum das Weltall an. Wir müßten sehr kurzsichtig sein, wenn: wir Intelligenz, alles was wir Geist nennen, nur uns selbst zuschreiben wollten. Das ist gerade die GrundJlage für die Unmöglichkeit, in die Rätsel des Daseins einzudringen, daß der Mensch leicht geneigt ist, das Wesen der Intelligenz nur sich selber zuzuschreiben, und sich gar nicht die Frage beantworten kann: Wie bin ich berechtigt, die Intelligenz auf das Dasein anzuwenden? Wenn wir aber hinausschauen und sehen, daß die Dinge des Raumes und der Zeit sich so aussprechen, daß unsere Intelligenz die Gesetzmäßigkeit umfassen kann, dann sagen wir: Was in uns als Intelligenz lebt, das ist ausgebreitet in Raum und Zeit und wirkt dort in Raum und Zeit. Wenn wir uns umsehen im weiten, toten Naturreich, sprechen wir davon, daß der Geist in diesem weiten, toten Naturreich gleichsam im Stoffe erstarrt ist, und daß wir das, was in den Formen, in der gesetzmäßigen Wirksamkeit des Stoffes sich ausprägt, hereinlassen, auffangen können in unserer Intelligenz, und dadurch in unserer Intelligenz eine Art Spiegelung des die Welt durchwebenden und durchwirkenden Geistes haben.

[ 8 ] What, then, do we actually attribute to the spirit when we speak of the spirit? We attribute to it, as a reality, as an external reality, that which we experience, so to speak, within ourselves in our intelligence. Through our intelligence, we carry out this or that; through our intelligence, we bring the forces of the beings into interaction. This creative intelligence of ours has a certain character. As it enters, as it were, into a temporal existence within us and manifests itself creatively, we form a concept of intelligence, of rational experience, of rational creation, and look out at the universe around us. We would be very short-sighted if we were to attribute intelligence—everything we call spirit—only to ourselves. This is precisely the basis for the impossibility of penetrating the mysteries of existence: that human beings are easily inclined to attribute the essence of intelligence only to themselves, and cannot even answer the question: How am I justified in applying intelligence to existence? But when we look out and see that the things of space and time manifest themselves in such a way that our intelligence can grasp their laws, then we say: What lives within us as intelligence is spread out in space and time and acts there in space and time. When we look around at the vast, lifeless realm of nature, we speak of the spirit in this vast, lifeless realm of nature as being, as it were, frozen in matter, and that we can take in and receive within our intelligence that which is expressed in the forms and in the lawful activity of matter, and thereby have in our intelligence a kind of reflection of the spirit that interweaves and permeates the world.

[ 9 ] Wenn wir so den Geist im ganzen Weltall verfolgen und ihn jetzt vergleichen, wie er gleichsam in den toten Wesen des Daseins erstarrt ist, mit der Art, wie er uns im Tierreich entgegentritt, dann sagen wir uns: Sehen wir ein einzelnes tierisches Wesen an, so erscheint uns in ihm ein in sich geschlossenes Dasein, das in derselben Art schafft wie der Geist, der ausgebreitet ist in Raum und Zeit. Wir können uns vorläufig ein Gefühl dafür aneignen, warum die Menschen, welche die Gründe dafür wußten, diesen im Tier wirksamen Geist den «Astralleib» nannten. Sie richteten den Blick in die große Welt des Daseins, durch welche die Sterne in ihren Bahnen sich bewegen, die der Mensch durch seine Intelligenz begreift, und sagten sich: In der Gesetzmäßigkeit der ganzen Welt lebt der Geist, und wir sehen einen gewissen Abschluß in einem einzelnen tierischen Organismus, sehen ihn in dem Raum, der durch die tierische Haut begrenzt wird, eingeschlossen. — Was so im Tiere wirkt und gleichartig ist dem, was sich sonst ausbreitet in Raum und Zeit, das bezeichneten sie im einzelnen tierischen Organismus als astralischen Leib.

[ 9 ] When we thus trace the spirit throughout the entire universe and now compare how it is, as it were, frozen in the lifeless beings of existence with the way it appears to us in the animal kingdom, we say to ourselves: When we look at a single animal being, we perceive in it a self-contained existence that creates in the same way as the spirit that is spread out in space and time. For the time being, we can gain a sense of why those who understood the reasons for this called this spirit active in animals the “astral body.” They turned their gaze to the vast world of existence through which the stars move in their orbits—a world that human beings comprehend through their intelligence—and said to themselves: The spirit lives within the laws governing the entire world, and we see a certain self-contained entity in an individual animal organism, enclosed within the space bounded by the animal’s skin. — What thus acts within the animal and is similar to that which otherwise extends throughout space and time—they designated this within the individual animal organism as the astral body.

[ 10 ] Ob nun ein dunkles Gefühl, nur eine Ahnung die Verwandtschaft dessen fühlt, was sich da im Tiere ausspricht, mit dem, was in Raum und Zeit ergossen ist, oder ob die auf Geisteswissenschaft beruhende strenge Forschung dies erkennt — zwischen diesem beiden ist ein weiter Weg. Aber das Gefühl ist ein sicherer Führer, und es zeigt manchem, bevor er in das Wesen der Geistesforschung eindringen kann, daß es eine Wahrheit ist, was vom Geistesforscher gesagt wird.

[ 10 ] Whether it is a vague feeling, merely a hunch that senses a kinship between what is expressed in the animal and what is spread out in space and time, or whether rigorous research based on spiritual science recognizes this—there is a long way between these two. But this feeling is a sure guide, and it shows many people—even before they can penetrate the essence of spiritual research—that what the spiritual researcher says is true.

[ 11 ] Wenn wir jetzt diesen Geist, den wir bewundern können in seinem Ergossensein in Raum und Zeit, betrachten, wie er wirkt im Tier, dann dürfen wir sagen: Wir sehen an dem Tier, wo wir es auch betrachten, wie aus seiner Organisation die geistige Wirksamkeit heraussprießt, die wir sonst herausholen müssen aus allen Gesetzen des Raum- und Zeitdaseins. Dazu brauchen wir nicht absonderliche Erscheinungen zu betrachten, sondern dazu genügen die allernächstliegenden Erscheinungen. Der sinnige Mensch braucht nicht weit zu gehen, und er wird aus der tierischen Tätigkeit die geistige Wirksamkeit heraussprießen sehen, wie er sie sonst aufsuchen muß in den Weiten des Daseins. Wenn er die Wespe das Wespennest aufbauen sieht, kann er sich sagen: Da sehe ich gleichsam Intelligenz aus der tierischen Organisation heraussprießen. Die Intelligenz, die ich draußen im Weltenall finde, wenn ich meine eigene Intelligenz auf die Gesetze des Daseins anwende, sehe ich in dem an der tierischen Organisation wirksamen Geist. Wenn der Mensch diesen in der tierischen Organisation wirksamen Geist betrachtet — gleichgültig wo er ihm entgegentritt —, dann kann er sich wahrhaft sagen: Zuweilen ist wirklich dieser in der tierischen Organisation wirksame Geist, diese Verinnerlichung des Geistes im Tier weit über das hinaus, was der Mensch in bezug auf Intelligenz zu erschaffen vermag! Wir haben ein naheliegendes Beispiel schon öfter erwähnt. Wie lange hat der Mensch im ‚VerJaufe seines geschichtlichen Daseins warten müssen, bis ihn die eigene Intelligenz dazu befähigte, Papier zu bereiten! Untersuchen wir die Kräfte der Intelligenz, die der Mensch aufwenden und seinem eigenen Seelenleben einverleiben mußte, um Papier bereiten zu können. Sie können in jeder Schulgeschichte nachlesen, was es für ein großes Ereignis gewesen ist, daß der Mensch zur Papierbereitung aufstieg. Nun — die Wespe kann das schon seit Jahrtausenden! Denn das ist ganz dasselbe, was uns im Wespennest entgegentritt, und was der Mensch als Papier herstellt.

[ 11 ] When we now consider this spirit—which we can admire as it unfolds in space and time—and observe how it works within the animal, we may say: We see in the animal, wherever we observe it, how spiritual activity springs forth from its very organization—an activity we would otherwise have to extract from all the laws of existence in space and time. To do this, we need not examine unusual phenomena; the most obvious phenomena suffice. The discerning person need not go far, and will see spiritual activity spring forth from animal activity—the very activity he would otherwise have to seek in the vastness of existence. When he sees the wasp building its nest, he can say to himself: Here I see, as it were, intelligence springing forth from the animal’s organization. The intelligence that I find out there in the universe—when I apply my own intelligence to the laws of existence—I see in the spirit at work within the animal organism. When a person observes this spirit at work in the animal organism—no matter where it appears—then he can truly say to himself: At times, this spirit at work in the animal organism, this internalization of the spirit in the animal, truly goes far beyond what human beings are capable of creating in terms of intelligence! We have already mentioned an obvious example on several occasions. How long did humankind have to wait in the course of its historical existence until its own intelligence enabled it to make paper! Let us examine the powers of intelligence that humankind had to expend and incorporate into its own soul life in order to be able to make paper. You can read in any school history textbook what a momentous event it was when humans mastered the art of papermaking. Well—the wasp has been able to do this for millennia! For what we encounter in a wasp nest is exactly the same as what humans produce as paper.

[ 12 ] So sehen wir förmlich, was der Mensch im Kampf ums Dasein aus seiner Intelligenz herausfließen läßt, in aller Lebendigkeit aus dem tierischen Organismus heraussprießen. Da man die Dinge gewöhnlich am verkehrten Ende anfaßt, so hat man sich lange Zeit hindurch in der sonderbaren Redensart ergangen, ob das Tier intelligent oder nicht intelligent ist, — gar nicht darauf achtend, daß man den Punkt, worauf es eigentlich ankommt, verkannte. Denn die Frage kann nicht lauten, ob das Tier intelligent ist oder nicht, sondern ob das Tier in allem, was es zustande bringt, das entfaltet, was der Mensch nur durch seine Intelligenz kann. Dann wird man sich die Antwort geben, daß in dem Tier innerlich schaffende und waltende Intelligenz ist, die unmittelbar aus dem tierischen Leben heraus wirkt. Man wird sich dann ein Gefühl aneignen von dem, was dem Geistesforscher in dem Astralleib als Wahrnehmung vorliegt und was er innerlich und äußerlich im Tier wirksam sieht, indem die Intelligenz in dem Organismus selber schöpferisch ist und aus ihm heraus schafft. Denn der Geistesforscher spricht vom Astralleib, wenn solche Organe veranlagt sind, durch deren Tätigkeit etwas zustande kommt, was der Mensch nur durch seine Intelligenz vollbringen kann. Und wir sehen auf die verschiedenen Tiere verteilt sozusagen dieses innerliche geistige Wirken, sehen es in den Geschicklichkeiten der einzelnen Arten hervortreten. Die eine Tierart kann dieses, die andere jenes, was wir dann als eine Verschiedenartigkeit des Astralleibes bei den verschiedenen Tierarten ansehen. So sind wir sozusagen dabei, die individuelle Wirksamkeit des Geistes in dem tierischen Organismus zu betrachten. Dieses innerliche Wirken des Geistes in einem Organismus, dieses Sich-Erleben des Geistes in seiner Tätigkeit, das ist es, was wir als seelisches Erleben bezeichnen. Dieses seelische Erleben finden wir nun, wenn wir es vorurteilslos betrachten, in einer ganz verschiedenen Art beim Menschen und beim Tier ausgebildet. Man hat viel gesprochen und spricht heute noch von dem, was in dem Tier Instinkte sind, und was beim Menschen bewußte Tätigkeit ist. Man täte gut, wenn man sich in dieser Beziehung weniger an Worte hielte und mehr die Sache ins Auge faßte, wenn man mehr darauf einginge, das Wesen der Instinkte zu verstehen. Vor allem zeigt die Betrachtung, die wir jetzt gepflogen haben, daß die Instinkte etwas sein können, was weit der Intelligenz des Menschen voraus sein kann, und daß wir die Qualität, die hervorgebracht wird, durchaus nicht auf das Wort Instinkt beziehen dürfen. Der Mensch fragt so leicht — man möchte sagen in seinem universellen Hochmut: Was habe ich vor den Tieren voraus? Vielleicht könnte er auch, wenn er wollte, einmal fragen: Worin bin ich hinter den Tieren zurückgeblieben? Da könnte er finden, daß er vor allem hinter den Tieren in vielen, vielen Verrichtungen und Geschicklichkeiten zurückgeblieben ist, welche wir beim Tier einfach vorfinden, die der Mensch aber, wenn er sie in bezug auf sich selber ausbilden will, sich erst aneignen, erst erlernen muß.

[ 12 ] Thus we can literally see what human beings, in the struggle for existence, draw from their intelligence—sprouting with all its vitality from the animal organism. Since people usually approach things from the wrong end, they have long indulged in the peculiar debate over whether animals are intelligent or not—without realizing that they were missing the point that really matters. For the question cannot be whether the animal is intelligent or not, but whether, in everything it accomplishes, the animal unfolds what human beings can achieve only through their intelligence. Then one will answer that within the animal there is an inwardly creative and governing intelligence that acts directly out of animal life itself. One will then gain a sense of what the spiritual researcher perceives in the astral body and what he sees at work both internally and externally in the animal, in that the intelligence within the organism itself is creative and works from within it. For the spiritual researcher speaks of the astral body when such organs are endowed with the capacity to bring about, through their activity, something that humans can accomplish only through their intelligence. And we see this inner spiritual activity distributed, so to speak, among the various animals; we see it manifesting in the skills of the individual species. One animal species can do this, another that—which we then regard as a diversity of the astral body among the various animal species. Thus, we are, so to speak, in the process of observing the individual activity of the spirit within the animal organism. This inner activity of the spirit within an organism, this self-experience of the spirit in its activity—that is what we call a soul experience. When we observe this psychological experience without prejudice, we find that it is developed in a very different way in humans and in animals. Much has been said—and is still said today—about what constitutes instincts in animals and what constitutes conscious activity in humans. We would do well in this regard to rely less on words and focus more on the matter at hand, to delve more deeply into understanding the nature of instincts. Above all, the consideration we have just undertaken shows that instincts can be something that far surpasses human intelligence, and that we must by no means apply the term “instinct” to the quality that is brought forth. Humans are so quick to ask—one might say out of their universal arrogance—“What advantage do I have over animals?” Perhaps, if he were so inclined, he might also ask: “In what ways have I fallen behind the animals?” He might then discover that, above all, he has fallen behind the animals in many, many tasks and skills that we simply find in animals, but which humans, if they wish to develop them for themselves, must first acquire and learn.

[ 13 ] Der Mensch, das ist oft gesagt worden, kommt hilflos durch die Geburt ins Dasein. Das Tier kommt so auf die Welt, daß die Natur ihm aus dem Innern herausstrotzt und daß es als vererbtes Kapital mitbringt, was ihm das Leben so, wie es leben soll, möglich macht. Gewiß, wir wollen nicht verkennen, daß das Tier auch erst manches wird lernen müssen, daß das Küchlein zwar gleich pickt, aber nicht gleich unterscheiden kann zwischen dem, was genießbar ist oder nicht, was verdaubar ist oder nicht. Aber das ist so nur kurze Zeit. Darauf kommt es jedoch an, daß gewisse tierische Fähigkeiten so auftreten, daß wir deutlich sehen, sie liegen in der ganzen Vererbungslinie, sind wirklich angeboren und kommen zu ihrer Zeit heraus. Daß irgendeine Fähigkeit erst zu einer bestimmten Zeit auftritt, ist kein Beweis dafür, daß sie eine anerzogene ist und etwa erst erlernt werden mußte. Die ganze tierische und auch pflanzliche Organisation zeigt, daß etwas, was in der Vererbungslinie liegt, erst auftreten kann, lange nachdem die Organisation des betreffenden Wesens schon da ist. Geradeso wie der Mensch die Fähigkeit, die zweiten Zähne zu bekommen, auch nicht erst erwirbt — er hat sie, wenn auch die zweiten Zähne erst später auftreten —, so treten gewisse Geschicklichkeiten und Fähigkeiten beim Tier auch erst später auf, die aber doch in die Vererbung gehören. Betrachten wir als ein Beispiel dafür den Einsiedlerkrebs. Er zeigt die Eigentümlichkeit, wenn er eine Weile gelebt hat, daß er dazu getrieben wird,einSchneckenhaus aufzusuchen, weil sein Hinterleib zu weich ist und sich so nicht halten kann. Dieses Aufsuchen eines Schneckenhauses, um einen Schutz für seinen Hinterleib zu haben, geschieht in einem bestimmten Zeitpunkt aus Selbsterhaltungstrieb, tritt aber da mit Sicherheit auf, das heißt, es ist seiner Organisation eingeboren. So müssen wir sagen, daß wir den Umkreis des tierischen Lebens in weitestem Maße in dem Augenblick umrissen sehen, wo das Tier ins Dasein tritt, und daß die Art, wie sich das Tier weiterentwickelt, mit dem Augenblick seiner Geburt gegeben ist und dann sich ausgestaltet. In diesem Ausgestalten erkennen wir die Wirksamkeit des Geistes an, und in dem Dabeisein des Tieres bei diesem Ausgestalten erkennen wir das seelische Leben des Tieres,

[ 13 ] It has often been said that human beings come into existence helpless at birth. An animal comes into the world in such a way that nature bursts forth from within it, and it brings with it, as inherited capital, what enables it to live the life it is meant to live. Certainly, we must not overlook the fact that an animal, too, must first learn many things—that a chick may peck right away, but cannot immediately distinguish between what is edible and what is not, or what is digestible and what is not. But this is only for a short time. What matters, however, is that certain animal abilities emerge in such a way that we can clearly see they are embedded in the entire genetic lineage, are truly innate, and emerge in due course. The fact that a particular ability does not appear until a certain time is no proof that it is an acquired one and had to be learned. The entire animal and plant organism demonstrates that something inherent in the genetic lineage can only emerge long after the organism in question has already come into being. Just as humans do not first acquire the ability to grow their permanent teeth—they possess it, even if the permanent teeth do not appear until later—so, too, certain skills and abilities in animals do not appear until later, yet they are still part of the genetic makeup. Let us consider the hermit crab as an example. It exhibits the peculiarity that, after living for a while, it is driven to seek out a snail shell because its abdomen is too soft and cannot support itself. This search for a snail shell to provide protection for its abdomen occurs at a specific point in time as a result of the instinct for self-preservation, but it occurs with certainty—that is, it is innate to its organism. Thus, we must say that we see the scope of animal life outlined to the greatest extent at the very moment the animal comes into existence, and that the way in which the animal develops is given at the moment of its birth and then unfolds. In this unfolding, we recognize the activity of the spirit, and in the animal’s participation in this unfolding, we recognize the animal’s soul life,

[ 14 ] Man könnte, wenn man wollte und das Wort nicht mißverstünde, das seelische Leben des Tieres nennen ein «Genießen des Geistes innerhalb des Organismus». Man wird im großen Umfange zurechtkommen, wenn man an diesem Begriffe festhält,um das seelische Leben zu charakterisieren. Dann aber wird man sehen — und wir wollen vorläufig bei den höheren Tieren bleiben —, daß dieses Erleben der geistigen Wirksamkeit, dieses seelische Erleben des Tieres in einem hohen Maße sich innerlich erschöpft, daß es sozusagen sich innerlich auslebt. Ja, seelisches Erleben des Tieres liegt in dem Haben seiner Organe, in dem Begehren seiner Organe, namentlich in der Tätigkeit dieser Organe, die auf das innere Leben gerichtet ist. Eine Ahnung davon, was sich allerdings erst im vollen Umfange der Geistesforschung ergibt, wie das Tier sozusagen die Arbeit des Geistes in sich selber genießt, kann der bekommen, der den Blick auf ein in der Verdauung begriffenes Tier richtet. Ein Tier, das verdaut, also die innere Tätigkeit des Geistes in sich erlebt, fühlt darin sein besonderes Wohlbehagen. Das ist seelisches Erleben der inneren Leiblichkeit, in der der Geist unmittelbar wirkt. Und in dieser Weise ist das seelische Erleben an die Leiblichkeit durch die Tierreiche in einer gewissen Weise gebunden. Es ist sogar reizvoll, möchte man sagen, eine Herde Rinder zu betrachten, unmittelbar nachdem sie geweidet hat und sich nun hinlagert und verdaut, und wenn man dann das seelische Leben beobachten kann, das in jedem Tiere vorgeht. Erhöht ist das sogar noch bei denjenigen Tieren vorhanden, die in eine Art Verdauungsschlaf versinken. Dann erleben sie die Wirksamkeit des Geistes in den Organen.

[ 14 ] If one were so inclined—and provided one did not misunderstand the term—one could describe the animal’s mental life as a “enjoyment of the spirit within the organism.” One will get by quite well by adhering to this concept to characterize the animal’s inner life. But then one will see—and let us stick to the higher animals for the time being—that this experience of spiritual activity, this inner experience of the animal, is to a large extent internally self-contained; that it, so to speak, plays itself out internally. Indeed, the animal’s soul life lies in the possession of its organs, in the desires of its organs, and specifically in the activity of these organs, which is directed toward its inner life. One can gain a glimpse of what will, however, only become fully apparent through spiritual research—namely, how the animal, so to speak, enjoys the work of the spirit within itself—by observing an animal in the process of digestion. An animal that is digesting—that is, experiencing the inner activity of the spirit within itself—feels a special sense of well-being in this process. This is a spiritual experience of inner physicality, in which the spirit acts directly. And in this way, spiritual experience is, in a certain sense, bound to physicality throughout the animal kingdom. It is even captivating, one might say, to observe a herd of cattle immediately after they have grazed and are now lying down and digesting, and to be able to observe the soul life taking place within each animal. This is even more pronounced in those animals that sink into a kind of digestive sleep. Then they experience the activity of the spirit within their organs.

[ 15 ] Aber die Wirksamkeit des Geistes ist beim Tier noch eng gebunden an die Organisation. Das Tier hat, indem der Geist eine gewisse Summe von Organen aufgebaut hat, diesen Geist zur Darstellung zu bringen, wie er in den Organen gewirkt hat, wie er sich in den Organen darlebt; es hat keine Möglichkeit, hinauszugehen über das Maß dieses Geistes, wie er sich in den Organen darlebt. Wenn man die äußeren seelischen Lebensfunktionen, die äußeren Lebensvorgänge des Tieres bei dieser oder jener Tiergattung betrachtet, wird man sehen, wie eng an die Organisation des Tieres, also an das, was der Geist an dem Tier gemacht hat, die seelischen Außerungen gebunden sind. Beobachtet man einmal, unter welchen Umständen ein Tier Furcht zeigt, so kann man sagen: Wo es Furcht zeigt, hat es diese eben wegen seiner besonderen Organisation. Und ebenso wenn ein Tier einen Diebessinn zeigt, kann man sagen: es zeigt ihn wegen seiner Organisation.

[ 15 ] But in animals, the activity of the spirit is still closely bound to the organism. Since the spirit has built up a certain set of organs, the animal must express this spirit—how it has acted within the organs, how it manifests itself in the organs; it has no way of going beyond the limits of this spirit as it manifests itself in the organs. If one observes the external mental functions, the external life processes of the animal in this or that species, one will see how closely the mental expressions are bound to the animal’s organization—that is, to what the spirit has made of the animal. If one observes the circumstances under which an animal displays fear, one can say: Where it displays fear, it does so precisely because of its particular organization. And likewise, when an animal displays a tendency to steal, one can say: it displays this tendency because of its organization.

[ 16 ] Was hier geisteswissenschaftlich angeführt ist, das finden Sie schön zusammengestellt in dem Schriftchen des um die Erforschung der Tierseele verdienstvollen Schriftstellers Zell: «Ist das Tier unvernünftig?» Wenn auch das kleine Schriftchen von einem anderen Gesichtspunkt aus geschrieben ist, so ist es doch gut, um Beispiele zu geben, wie das seelische Erleben des Tieres an die Organisation gebunden ist, und es kann geradezu ein Beleg für das sein, was die Geistesforschung von einer ganz anderen Seite herzuholen hat. Deshalb zeigt sich uns das seelische Leben des Tieres bei den verschiedenen Tieren in der verschiedensten Art abgestuft, weil sich der Geist in seinen besonderen Arten seine Organe geschaffen hat. Aber wir sehen, daß das geistige Schaffen, also das, was wir im Astralleib verankert finden, sich erschöpft in Organbildungen, in dem, was die Tiere unmittelbar auf die Welt bringen. In dem Artgemäßen hat es sich erschöpft. Das Tier bringt, was es kann und was es das Dasein erleben läßt, mit auf die Welt. Es kann wenig darüber hinausgehen. Damit zeigt es zugleich, daß sich der Geist in der Organbildung des Tieres erschöpft, sich ausgegossen hat. In der Organbildung liegt uns aber die Art des Tieres vor. Daher können wir die Frage: Was erlebt, was genießt das Tier seelisch? dahin beantworten: Von der Geburt bis zum Tode erlebt es seine Art. Es erlebt dasjenige an seinem eigenen Organismus seelisch, was ihm der Geist mit in das Dasein gegeben hat.

[ 16 ] What is presented here from a spiritual-scientific perspective is beautifully compiled in the short work by Zell, a writer who has made significant contributions to the study of the animal soul: “Is the Animal Irrational?” Although this short work is written from a different perspective, it is nevertheless useful for providing examples of how the animal’s spiritual experience is bound to its physical organization, and it can serve as evidence for what spiritual research must approach from an entirely different angle. That is why the soul life of animals appears to us to be graded in the most varied ways among different species, because the spirit has created its organs in their specific forms. But we see that spiritual creation—that is, what we find anchored in the astral body—is exhausted in the formation of organs, in what the animals bring directly into the world. It has been exhausted within the bounds of their species. The animal brings into the world what it is capable of and what its existence allows it to experience. It can go little beyond that. In this way, it also shows that the spirit is exhausted in the animal’s organ formation; it has poured itself out. Yet the nature of the animal is present in the formation of its organs. Therefore, we can answer the question, “What does the animal experience and enjoy on a soul level?” as follows: From birth to death, it experiences its own nature. It experiences on a soul level, through its own organism, what the spirit has given it as part of its existence.

[ 17 ] Einer, der viel, viel nachgedacht hat über das Leben der Tiere und des Menschen, und der aus einem tiefen Bewußtsein heraus gesprochen hat, nämlich Goethe, hat das schöne Wort geprägt: «Die Tiere werden durch ihre Organe beJehrt, sagten die Alten; ich setze hinzu: die Menschen gleichfalls, sie haben jedoch den Vorzug, ihre Organe dagegen wieder zu belehren.»

[ 17 ] Someone who has thought long and hard about the lives of animals and humans, and who spoke from a place of deep awareness—namely, Goethe—coined this beautiful phrase: “Animals are governed by their organs, said the ancients; I would add: humans as well; yet they have the advantage of being able to teach their organs otherwise.”

[ 18 ] Da mir ist ein ungeheuer tiefes Wort gesprochen. Was kann ein Tier im Leben? Was seine Organe ihm möglich machen, das kann ein Tier. Und so ängstigt sich ein Tier, ist mutig oder feige, raubsüchtig oder sanftmütig, wie sich der Geist in seine Organisation ergossen hat. Es spiegelt sich in dem seelischen Erleben des Tieres das Schaffen des Geistes in den Organen. Damit aber ist das seelische Erleben des Tieres auch eingeschlossen in seine Gattung, es kann nicht heraus aus der Gattung, aus der Art, es genießt sich als Gattung, als Art.

[ 18 ] Here, a profoundly deep truth has been spoken to me. What can an animal do in life? An animal can do whatever its organs make possible for it. And so an animal is fearful, brave, or cowardly, predatory or gentle, depending on how the spirit has poured itself into its organism. The work of the spirit in the organs is reflected in the animal’s psychological experience. Consequently, the animal’s psychological experience is also bound within its genus; it cannot step outside the genus or the species; it experiences itself as a genus, as a species.

[ 19 ] Stellen wir das seelische Leben des Menschen dagegen. Dieses seelische Leben oder, wir könnten besser sagen dieses seelische Erleben des Menschen, wie es sich in des Menschen Wollen, Fühlen und Denken darlebt, wie es sich in des Menschen Begehrungen, Interessen, in seiner Intelligenz darlebt, ist etwas, was in dem Augenblick, wo der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, nicht durch das gegeben ist, was er durch die Vererbung hat, es ist etwas, was der Mensch auch selber nicht durch die Vererbung an seine Nachkommen abgeben kann. Auf den letzteren Umstand wird eigentlich viel zu wenig gesehen. Aber es ist eine ganz unendlich wichtige Tatsache, die eigentlich aller Betrachtung des Lebens zugrunde liegen sollte, und die man etwa in folgender Weise ausdrücken kann. In dem Moment, wo ein tierisches, ein menschliches Wesen die Fähigkeit erlangt hat, seinesgleichen hervorzubringen, da ist in ihm das, was wir vorhin den Ätherleib genannt haben, bis zu einem gewissen Punkte abgeschlossen. Dieser Ätherleib trägt die Fähigkeit in sich, das, was er in sich hat, auf die Nachkommen zu vererben. Entwickelt sich nun der Mensch über diesen Zeitpunkt hinaus, wächst er darüber hinaus, so kann er das, was noch zu entwickelnde Fähigkeiten über diesen Zeitpunkt bleiben, nicht vererben. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Der Mensch muß in dem Augenblick, wo er geschlechtsreif ist, alle die Fähigkeiten an sich haben, welche die Vererbbarkeit bedingen. Also kann er die Fähigkeiten, die über den Zeitpunkt der Geschlechtsreife hinaus entwickelbare Fähigkeiten bleiben, nicht als solches haben, was in den Ätherleib zurücktritt, was vererbbar ist. Das ist eine Kapitalwahrheit, die durchaus berücksichtigt werden muß.

[ 19 ] Let us contrast this with the human soul life. This spiritual life—or, we might better say, this spiritual experience of the human being, as it manifests itself in human volition, feeling, and thought, as it manifests itself in human desires, interests, and intelligence—is something that, at the very moment the human being enters into existence through birth, is not given through what he inherits; it is something that a human being cannot pass on to their offspring through heredity either. Far too little attention is actually paid to this latter fact. But it is an infinitely important fact that should actually underlie all contemplation of life, and which can be expressed roughly as follows. At the moment when an animal or human being has acquired the ability to produce offspring, what we previously called the etheric body is, to a certain extent, complete within that being. This etheric body carries within it the ability to pass on to its offspring what it possesses. If, however, a human being develops beyond this point—if they grow beyond it—they cannot pass on the capacities that remain to be developed beyond this point. This goes without saying. At the moment a person reaches sexual maturity, they must possess all the capacities that determine heritability. Thus, they cannot possess as such—in a way that is incorporated into the etheric body and is heritable—those capacities that remain to be developed beyond the point of sexual maturity. This is a fundamental truth that must be taken fully into account.

[ 20 ] Das ist ja gerade das Bedeutsame in der Betrachtung des Menschenlebens, daß der Mensch von der Geburt bis zum Tode fähig ist, neue Sprachen zu lernen, und daß es ebenfalls etwas so Bedeutsames ist, was hier auch schon erwähnt worden ist, daß der Mensch, wenn er auf einer fernen, einsamen Insel aufwachsen würde, überhaupt sich nicht entwickeln könnte. Ebenso steht es mit der Fähigkeit der Begriffsbildung und der Entwickelung der Ich-Vorstellung. Das sind Dinge, die mit der Vererbung nichts zu tun haben, die der Mensch aber auch nicht an die Vererbung abgeben kann, weil sie nicht zur Art und Gattung gehören. Was nicht zum Vererbbaren gehört, was Entwickelungsfähigkeiten bleiben über die Vererbung hinaus, mit dem hat der Mensch etwas, was nicht in seiner Art, in der Gattung bedingt ist, sondern das der Individualität angehört. Und gerade in der Fähigkeit der Sprache, in der Möglichkeit der Begriffsbildung und in dem Erleben der Ich-Vorstellung liegt das, was sich der Mensch so in die Welt hereinbringt, daß er durch dieses — umgekehrt — wieder seine Organe belehren und präparieren muß, daß er sie darin belehrt, was sie noch nicht mitbekommen haben, was sie aber haben sollen.

[ 20 ] This is precisely what is significant when considering human life: that from birth to death, humans are capable of learning new languages; and that it is also something so significant—as has already been mentioned here—that if a human were to grow up on a distant, lonely island, they would be unable to develop at all. The same is true of the ability to form concepts and the development of the sense of self. These are things that have nothing to do with heredity, yet which human beings cannot attribute to heredity either, because they do not belong to the species or genus. What does not belong to the hereditary—what remains as developmental capacities beyond heredity—is something that human beings possess that is not determined by their species or genus, but rather belongs to their individuality. And it is precisely in the capacity for language, in the ability to form concepts, and in the experience of the sense of self that lies what human beings bring into the world in such a way that—conversely—they must use this to instruct and prepare their organs, teaching them what they have not yet grasped but what they are meant to possess.

[ 21 ] Das ist eine Auseinandersetzung des Menschen mit dem Geiste außerhalb dessen, was Vererbung sein kann. Das ist eine Auseinandersetzung in einer solchen Weise, daß die Erfolge dieser Auseinandersetzung nicht vererbbar sind, nicht in die Eigenschaften, die in der Vererbungslinie liegen, aufgenommen werden können. Der Mensch entwickelt etwas, was nicht in das Gattungsmäßige einfließen kann, was dem Gattungsmäßigen enthoben ist. Insofern der Mensch ein Gattungswesen ist, hat er alle Fähigkeiten, die ihm als Gattungswesen zukommen, geradeso vererbt, wie sie das Tier vererbt hat. Nur vererbt man ihm nicht soviel Geschicklichkeit, nicht soviel. Geist, wie man dem Tier vererbt; sondern man läßt noch etwas übrig, was er sich als Individualität aneignen kann. Und das Leben des Geistes in bezug auf die nicht vererbbaren Eigenschaften ist das über das Tier hinausgehende menschliche seelische Erleben. Indem der Mensch die Produkte seiner Arbeit und Tätigkeit genießt, insofern sie durch nicht vererbbare Eigenschaften im Leben erworben werden, entwickelt er ein seelisches Leben, das über das tierische Leben hinausgeht.

[ 21 ] This is a human engagement with the spirit that lies beyond the realm of heredity. It is an engagement of such a nature that the results of this engagement are not inheritable; they cannot be incorporated into the characteristics that lie within the hereditary line. Human beings develop something that cannot be incorporated into the species-specific, something that is removed from the species-specific. Insofar as human beings are members of the human species, they have inherited all the abilities that pertain to them as such, just as animals have inherited theirs. However, they do not inherit as much dexterity or as much spirit as animals do; rather, something is left over that they can acquire as individuals. And the life of the spirit, in relation to the non-hereditary qualities, is the human psychological experience that transcends the animal realm. By enjoying the products of his labor and activity—insofar as they are acquired through non-hereditary qualities in life—human beings develop a psychological life that transcends animal life.

[ 22 ] So tritt der Mensch ungeschickter ins Dasein als das Tier. Der Mensch ist ungeschickter, da das Tier jene Auseinandersetzung, welche der Mensch erst nach der Geburt mit dem Geiste zu pflegen hat, schon vorher gehabt hat und fertig geworden ist. So genießt das Tier in seinem seelischen Erleben dasjenige, was ihm vererbt werden kann;das heißt, das seelische Leben des Tieres weist auf die Vergangenheit hin. Und in dem Augenblick, wo wir das seelische Erleben des Tieres in den Tod sinken sehen, sehen wir das, was das Tier von sich als Gattung erleben kann, mit in den Tod versinken. Alles, was am Tier individuell ist, indem es Seelisches erlebt, erlebt es als etwas, was es überkommen hat, was ihm von der Vergangenheit zugekommen ist. Es erschöpft im Leben das seelische Leben. Und es ist kein Anhaltspunkt da für eine Unsterblichkeit. Dagegen sehen wir, was das Tier seelisch erlebt, immer wieder und wieder im Gattungsleben weiterleben. Daher sprechen wir beim Tier, wenn wir geisteswissenschaftlich sprechen, von einer Gattungsseele, die in der Gattung stets von neuem aufersteht, in der Gattung stets weiterlebt. Und niemand, der in klaren Begriffen leben will, kann verkennen, welche Berechtigung dieser Satz hat. Was der Geist in der tierischen Art und Gattung schafft, das sehen wir in der einzelnen tierischen Individualität erlebt werden. Wir sehen aber auch, daß dieses Erleben auf das Vergangene hinweist und daß es in dem Augenblick, wo das Vergangene erschöpft ist, wo das seelische Erleben sich dem Tod zuneigt, zu Ende gehen muß, daß die Abendröte damit beginnt.

[ 22 ] Thus, human beings enter existence in a more unskilled manner than animals. Human beings are less skilled because animals have already undergone and completed the process of coming to terms with the spirit—a process that human beings must engage in only after birth. Thus, in its soul life, the animal enjoys what can be inherited by it; that is to say, the animal’s soul life points to the past. And at the very moment when we see the animal’s soul life sink into death, we see what the animal can experience of itself as a species also sink into death. Everything that is individual in the animal, insofar as it experiences the soul, is experienced as something it has inherited, something that has come to it from the past. It exhausts its soul life during its lifetime. And there is no indication of immortality. In contrast, we see what the animal experiences soul-wise continuing to live on, again and again, in the life of the species. Therefore, when speaking from the perspective of spiritual science, we speak of a species soul in the animal, one that is constantly reborn within the species and continues to live on within it. And no one who wishes to think in clear terms can fail to recognize the validity of this statement. What the spirit creates in the animal species and genus, we see experienced in the individual animal. But we also see that this experience points to the past and that, at the moment when the past is exhausted—when the soul’s experience draws toward death—it must come to an end, and that the twilight begins with it.

[ 23 ] Anders ist es, wenn wir unbefangen das menschliche seelische Leben betrachten. Da sehen wir in dem Sinne, wie es vorhin charakterisiert worden ist, daß der Mensch, indem er mit der Geburt ins Dasein tritt, etwas miterhält, was sich noch nicht in seinen Organen erschöpft hat. Wir sehen, wie er weiter an seinen Organen arbeitet, wie er wirklich seine Organe belehrt. Daran sehen wir aber, daß der Mensch in einer unmittelbaren Weise im individuellen Leben mit dem Geist in Wechselwirkung steht. Der Mensch erlebt seelisch nicht nur das, was ihm sozusagen von der Vergangenheit überliefert ist, sondern auch dasjenige, was ihm im Leben entgegentritt, was von außen an ihn herantritt, was unmittelbar als Geist sich ihm darstellt.

[ 23 ] The situation is different when we observe human spiritual life with an open mind. There we see, in the sense described earlier, that when a human being enters into existence at birth, they receive something that is not yet exhausted in their physical organs. We see how they continue to work on their organs, how they truly train their organs. In this, however, we see that human beings interact with the spirit in a direct way within their individual lives. Psychologically, a human being experiences not only what has been handed down to them, so to speak, from the past, but also what they encounter in life, what approaches them from the outside, what presents itself to them directly as spirit.

[ 24 ] So zerfällt des Menschen seelisches Leben in zwei genau voneinander zu trennende Glieder: einmal in das, was er als Seelisches so wie ein Tier erlebt. Was er von der Art, der Menschen-Art, mitbekommen hat, das lebt er als ein Wesen der Vergangenheit aus, das dem Tode entgegengeht, wo sich der Geist aus den Organen zurückzieht, wo die Organe zu verholzen, zu verdorren beginnen. Was aber eigene Auseinandersetzung ist mit dem Geist, das gehört nicht den Organen, das ist etwas, was der Mensch unabhängig von den Organen in seinen Ätherleib aufgenommen hat. Das ist daher etwas, was nicht in die Vergangenheit, die vererbt ist, den Menschen hineinverweist, sondern was unmittelbarer Same für das Weiterleben ist. In dem Maße, als wir sehen, daß des Menschen Innerlichkeit sich von den Organen losreißt, das heißt individuell wird, in dem Maße können wir logisch davon sprechen, daß wir das Unsterbliche des Menschen seelisch sich herauskristallisieren sehen aus dem leiblichen Leben. So lernen wir fühlen, daß dieses gerade im Menschen wächst, während er in bezug auf das Vererbte das Vergangene seelisch erlebt. So wächst im Menschen etwas der Zukunft entgegen, von dem wir sagen müssen, daß es nicht in die Vererbungslinie aufgenommen werden kann. Das zeigt sich aber auch, wenn wir unbefangen das seelische Leben bei Mensch und Tier beobachten. Sehen wir nur einmal, wie das seelische Erleben beim Tier eng an die Organisation gebunden ist, wie eng die Geschicklichkeit eines Tieres, das ganze Erleben des Tieres an seine Organe und an die vererbten Merkmale gebunden ist. So recht können wir das seelische Leben des Tieres nur betrachten, wenn wir es im Selbstgenuß seiner Leiblichkeit belauschen. Das ist das Wesentliche. Wir merken das Wesentliche eines Tieres sehr wenig, wenn wir darauf sehen, wie es sich an der Außenwelt freut, wohl aber dann, wenn wir beobachten, wie es seine eigene Verdauung erlebt. Man muß innerhalb der Grenzen seiner Organe stehenbleiben, wenn man das Höchste des seelischen Erlebens beim Tier haben will. Das Tier erschöpft sich geradezu innerhalb seiner Organisation in seinem seelischen Erleben, und was es nach außen noch übrig hat, ist doch für das Tier nur insofern bedeutsam, als es sich im inneren Seelischen des Tieres ausleben kann. Gewiß, es ist vorauszusetzen und zu sagen und durch die Geistesforschung auch zu dokumentieren, daß der Adler seelisches Erleben an der Höhe hat, in der er sein Dasein hat. Aber er hat es in der Betätigung, in dem, was in seinen Organen lebt, was innerhalb seiner Organe zum Ausdruck kommt. Beim Menschen löst sich das seelische Erleben von dem innerlichen Genießen los, von dem innerlichen Sich-Erleben. Das muß der Mensch, wenn man so sagen darf, auch büßen. Beim Tier ist eine gewisse Instinktsicherheit vorhanden, das Tier weiß, welche Nahrungsmittel ihm schaden, welche ihm nützen. Das Tier verdirbt sich viel weniger, als es durch den Menschen verdorben wird. Es wird höchstens verdorben, wenn der Mensch die Tiere in Käfigen zusammenhält. Aber in der freien Natur, wenn das Tier dem folgt, was seiner Organisation eingeboren ist, entfaltet es eine große Instinktsicherheit, weil es mit seinen Organen verbunden bleibt. Der Mensch dagegen löst sich von seinen Organen los. Die Folge davon ist, daß er jetzt nicht mehr unmittelbar dem folgen kann, was für ihn gut oder schlecht ist. Er wird unsicher. Und während die Tiere Leidenschaften zeigen, welche mit den Organen zusammenfallen, zeigt der Mensch Leidenschaften, die vielleicht sehr viel verwüstender sind und gar nicht mit seinen Organen zusammenfallen. Während die Spinne mit Sicherheit ihr Netz baut und es unsinnig wäre, ihr von Logik zu reden, muß sich der Mensch gar sehr bedenken, wenn er seine Bauten zusammenfügen soll. Da kann er sehr irren.Das seelische Leben des Menschen hat sich losgelöst, hat sich von der Leiblichkeit emanzipiert. Das muß der Mensch aber auch büßen.

[ 24 ] Thus, a person’s spiritual life breaks down into two distinct components: first, what they experience as a spiritual being, just like an animal. What they have absorbed from their species—the human species—they live out as a being of the past, one who is moving toward death, where the spirit withdraws from the organs, where the organs begin to harden and wither. But what constitutes their own engagement with the spirit does not belong to the organs; it is something that human beings have taken up into their etheric body independently of the organs. This is therefore something that does not refer the human being back to the inherited past, but rather serves as the immediate seed for continued life. To the extent that we see the human being’s inner life breaking away from the organs—that is, becoming individual—to that extent we can logically speak of seeing the immortal aspect of the human being crystallize out of physical life on a soul level. Thus we learn to sense that this is growing within the human being precisely as he or she experiences the past in a soulful way in relation to what has been inherited. Thus something grows within the human being toward the future, of which we must say that it cannot be incorporated into the line of inheritance. But this also becomes evident when we observe the soul life of humans and animals with an open mind. Let us just consider how closely the animal’s soul experience is bound to its physical organization, how closely an animal’s dexterity—and indeed its entire experience—is bound to its organs and to its inherited characteristics. We can truly observe the animal’s soul life only when we listen in on it as it takes pleasure in its own physicality. That is the essential point. We perceive very little of what is essential in an animal when we observe how it takes pleasure in the external world, but we do perceive it when we observe how it experiences its own digestion. One must remain within the limits of its organs if one wishes to grasp the highest form of spiritual experience in an animal. The animal’s spiritual experience is virtually entirely contained within its own organism, and whatever remains for the outside world is significant to the animal only insofar as it can be lived out within the animal’s inner spiritual life. Certainly, it must be assumed, stated, and documented through spiritual research that the eagle has a spiritual experience at the height at which it lives. But it has this experience in its activity, in what lives within its organs, in what finds expression within its organs. In humans, the soul experience becomes detached from inner enjoyment, from the inner experience of the self. For this, if one may say so, the human being must also atone. In animals, there is a certain instinctive certainty; the animal knows which foods harm it and which benefit it. Animals corrupt themselves far less than they are corrupted by humans. They are corrupted, at most, when humans keep them confined in cages. But in the wild, when an animal follows what is innate to its constitution, it displays a great instinctive certainty because it remains connected to its organs. Humans, on the other hand, detach themselves from their organs. The consequence of this is that humans can no longer directly follow what is good or bad for them. They become uncertain. And while animals exhibit passions that correspond to their organs, humans exhibit passions that are perhaps far more destructive and do not correspond to their organs at all. While the spider builds its web with certainty—and it would be nonsensical to speak to it of logic—human beings must think very carefully when they are to construct their own structures. In doing so, they can err greatly. The human soul has become detached; it has emancipated itself from the physical body. But human beings must also pay the price for this.

[ 25 ] Dagegen kann sich der Mensch aber auch wieder nach der anderen Seite mit dem Geist verbinden und in die Seele aufnehmen, was ihm derGeist vermittelt. Er ist fähig, Geist aufzunehmen, ohne daß dieser sich erst durch die Organe, durch die Leiblichkeit ergießen muß, während das Tier darauf angewiesen ist, wie sich der Geist in die Organe ergießt. Das Tier erlebt in sich den Geist, wie er in die Organe einfließt. Der Mensch dagegen reißt seine Organe von dem Seelischen los und erlebt unmittelbar das Einfließen des Geistes in seine Seele. Diese Dinge sind, wenn man wirklich hinter die Bedeutung des Geistes gekommen ist und hinter die Art, wie sich der Geist in der Seele auslebt, von einer unendlichen Bedeutung.Eine vollständige Klarheit wird sich uns erst heute über acht Tage bei dem Vortrag «Menschengeist und Tiergeist» ergeben. Aber gerade wenn wir das Seelische, das Innere betrachten, bekommen wir einGefühl für den Unterschied zwischen Mensch und Tier, wenn wir gegenüberstelJen die leibliche Innerlichkeit der tierischen Seele der leiblichen Außerlichkeit der menschlichen Seele. Dafür kann die menschliche Seele geistig innerlicher werden. Daß sie sich freuen kann an den Dingen der Außenwelt, daß sie dringen kann zu dem, was äußerlich erscheint, was als Geist zu der Seele spricht, das verdankt der Mensch allerdings dem Umstande, daß sich seine Seele von der Leiblichkeit emanzipiert hat, sich von dem innerlichen Erleben des Geistes getrennt hat — und die Sicherheit, den Geist selbst zu erleben, sich mit einer Unsicherheit und Ungeschicklichkeit, ja Unvollendetheit in den Instinkten erkauft hat.

[ 25 ] On the other hand, however, human beings can also connect with the Spirit from the other side and take into their soul what the Spirit conveys to them. They are capable of receiving the Spirit without it first having to flow through the organs or through the physical body, whereas animals are dependent on the Spirit flowing into their organs. The animal experiences the Spirit within itself as it flows into the organs. Human beings, on the other hand, detach their organs from the soul and experience the Spirit’s inflow into their soul directly. Once one has truly grasped the meaning of the Spirit and the way in which the Spirit manifests itself in the soul, these things take on infinite significance. Complete clarity will only become apparent to us today, eight days from now, during the lecture “The Human Spirit and the Animal Spirit.” But it is precisely when we consider the soul, the inner world, that we gain a sense of the difference between human and animal—when we contrast the physical inwardness of the animal soul with the physical outwardness of the human soul. In return, the human soul can become more inward in a spiritual sense. The fact that it can take joy in the things of the external world, that it can penetrate to what appears externally—what speaks to the soul as spirit—is something humanity owes, of course, to the fact that its soul has emancipated itself from physicality, has separated itself from the inner experience of the spirit — and has paid for the certainty of experiencing the spirit itself with a sense of uncertainty and clumsiness, indeed, with an incompleteness in the instincts.

[ 26 ] Es ist ziemlich leicht, zu sagen: Wie kann man überhaupt von einer tierischen Seele reden, da «Seele» den Begriff der Innerlichkeit in sich schließt, und da im Grunde genommen in das Innere eines anderen Wesens der Mensch zunächst nicht hineinschauen kann? Auf diesen leichtfüßigen Einwand stützen sich ja gerade die, welche es überhaupt verbieten wollen, über seelisches Erleben zu sprechen, weil seelisches Erleben nur in uns erlebt werden kann und daher im Grunde genommen bei anderen Wesen nur durch Analogie erschlossen werden kann. Aber wenn man nicht in ganz abstrakter Weise solche Dinge hinspricht, sondern die Dinge nimmt, wie sie sind, dann muß man sagen: Wie sich ein Wesen darlebt, darin zeigt es, was es unmittelbar innerlich erlebt. Und wer nicht glauben will, daß sich ein Wesen unmittelbar darlebt nach dem, was es innerlich erlebt, der wird überhaupt für eine Weltbetrachtung taub sein. Wir haben ja gewiß in der unmittelbaren Beobachtung keine rechte Garantie, wenn wir nicht nachweisen — was noch geschehen soll, um zu zeigen, wie man geisteswissenschaftlich die Sachen dokumentieren soll —, daß das Tier wirklich etwas Innerlich-Seelisches erlebt, wenn es in der Verdauung behaglich sich darlebt. Aber wer die Dinge in der Welt vergleicht und nicht nur eine Sache betrachtet, der wird schon sehen, daß recht viel Gründe vorhanden sind, um in dieser Weise über das Innere zu sprechen. Und wenn man sich dann ein Gefühl von dem Unterschied des seelischen Erlebens im Tier und im Menschen verschafft hat, so wird man auch sein Fühlen und sein Empfinden über das SeeJische des Tieres in einer richtigen Weise ausdehnen können. Man wird dann vor allen Dingen immer mehr und mehr ein Gefühl dafür erhalten, wie beim Menschen sich das Seelische emanzipiert von dem, was innerlich-leiblich erJebter Geist ist. Der Geist ist es, der die Organe schafft, der in der Organisation wirkt und dieselbe so aufbaut, wie sie ist. Und wir sprechen vom Geist, der im Ätherleib wirkt, wenn wir vom Aufbauen der Organe sprechen. Dieser Geist, der da innerlich erlebt wird, kann nun, wenn der Astralleib sich einschiebt in die Organisation, unter gewissen Voraussetzungen in einer ganz besonderen Weise erlebt werden. Wenn wir das ernst nehmen können, was vorhin über den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib ausgesprochen wurde, so können wir uns sagen: Der physische Leib ist bei den Menschen und Tieren zunächst das unterste Glied ihrer Wesenheit. Der Ätherleib ist der, welcher die chemischen und physischen Stoffe so formt, daß sie Lebensprozesse werden. Dadurch lebt der Ätherleib in dem physischen Leibe darinnen, faßt in sich, umspannt die chemischen und physischen Prozesse. In alledem lebt wieder der Astralleib und erlebt im AÄtherleib als seelisches Erleben alles, was im Ätherleib vorgeht. So ist also der Ätherleib der Tätige, der Schaffende am physischen Leib, und der Astralleib ist der die Taten des Ätherleibes seelisch erlebende Teil einer tierischen oder menschlichen Wesenheit. So ist der physische Leib mit dem Ätherleibe in dem Aufbauen der Organe verbunden — und der Ätherleib ist verbunden mit dem Astralleib in dem innerlichen Erleben dieses Aufbauens und dieser Tätigkeit der Organe. So haben wir alles, was im physischen Leib, Ätherleib und Astralleib sich darstellt, in gegenseitigen Bezug zueinander zu stellen.

[ 26 ] It is quite easy to say: How can one even speak of an animal soul, since “soul” implies the concept of inner life, and since, strictly speaking, a human being cannot initially look into the inner life of another being? It is precisely this flippant objection that is invoked by those who wish to prohibit any discussion of spiritual experience at all, because spiritual experience can only be experienced within ourselves and can therefore, in essence, only be inferred in other beings by analogy. But if one does not address such matters in a wholly abstract manner, but rather takes things as they are, then one must say: The way a being conducts its life reveals what it directly experiences inwardly. And anyone who refuses to believe that a being conducts its life directly in accordance with what it experiences inwardly will be utterly deaf to any worldview. We certainly have no real guarantee in direct observation unless we demonstrate—which is still to be done, to show how such matters should be documented from a spiritual-scientific perspective—that the animal truly experiences something inner and spiritual when it is comfortably going about its business during digestion. But anyone who compares things in the world—rather than considering just one thing—will see that there are quite a few reasons to speak of the inner life in this way. And once one has gained a sense of the difference between the soul experiences of animals and humans, one will also be able to extend one’s feelings and perceptions regarding the animal’s soul life in a proper way. Above all, one will then increasingly gain a sense of how, in human beings, the soul emancipates itself from what is the spirit experienced as an inner-physical reality. It is the spirit that creates the organs, that works within the organism and builds it up as it is. And we speak of the spirit working in the etheric body when we speak of the formation of the organs. This spirit, which is experienced inwardly, can now—when the astral body interposes itself within the organism—be experienced in a very special way under certain conditions. If we can take seriously what was said earlier about the physical body, the etheric body, and the astral body, then we can say to ourselves: In humans and animals, the physical body is, first and foremost, the lowest link in their being. The etheric body is the one that shapes the chemical and physical substances in such a way that they become life processes. Through this, the etheric body lives within the physical body, encompassing and embracing the chemical and physical processes. Within all of this, the astral body lives and experiences everything that takes place in the etheric body as a soul experience. Thus, the etheric body is the active, creative force within the physical body, and the astral body is the part of an animal or human being that experiences the actions of the etheric body as a soul experience. Thus, the physical body is connected to the etheric body in the formation of the organs—and the etheric body is connected to the astral body in the inner experience of this formation and the activity of the organs. Thus, we must place everything that manifests in the physical body, the etheric body, and the astral body in relation to one another.

[ 27 ] Was ruft denn nun ein ganz besonderes seelisches Erleben hervor? Dasjenige, was sich bei Mensch und Tier über die gesamte innere Organisation ausgießt. Dieses besondere seelische Erleben können wir am besten dann fassen, wenn wir es in einem gewissen Zustand erfassen. Wer kennt denn nicht jene eigentümliche Art des seelischen Erlebens, die nur vorhanden ist, solange das Tier wächst, seine Organe vergrößert, und die aufhört, wenn das Wachstum abgeschlossen ist? Was sich da in dem Erleben ausdrückt von strotzender Kraft, das ist verbunden mit einem gewissen Arbeiten des Ätherleibes am physischen Leib, und es ist der Ausdruck dafür, daß dieses Arbeiten in gehöriger Weise vor sich geht. Was wir aber in diesem Zustande hervorheben können, das ist immer vorhanden als ein gewisses Wohlgefühl der Seele, als ein Lebensgefühl, als Behaglichkeit oder Unbehaglichkeit, und das kommt davon her, wie der ÄtherJeib bezwingt oder nicht bezwingt, mächtig oder ohnmächtig ist gegenüber der physischen Organisation. Ist er nicht imstande, sich wirklich in den physischen Organen zur Geltung zu bringen, so kommt das in der astralischen Organisation, in dem Unbehagen, zum Ausdruck. Wenn aber der Ätherleib in seiner Tätigkeit überall an die physischen Organe herankann, wenn alles, was Tätigkeit werden soll, wirklich mit Hilfe der physischen Organe ausgeführt werden kann, dann ruft dies das weiteste Wohlgefühl im Menschen hervor. Man kann es im Feineren und im Gröberen spüren. Wenn der Magen verdorben ist, was heißt das anders, als daß der Ätherleib eine Tätigkeit, die er sonst ausführen soll, nicht ausführen kann? Das gibt sich dann in dem damit verbundenen Unbehagen kund. Oder nehmen wir an, es hat sich jemand mit seinem Denken so weit abgemüht, daß das Organ des Gehirns nicht mehr mit will. Der Ätherleib kann dann wohl noch denken, aber das Gehirn kann nicht mehr mit. Da fängt das Denken an, Kopfschmerzen zu machen. Und davon geht das Unbehagen aus im allgemeinen Lebensgefühl. Das erfährt seine besondere Steigerung, wenn der Teil, der vom Ätherleib aufgebaut ist, eine völlige Störung erfährt. Dann sagen wir: Uns ist, wie wenn die Haut, die vom Ätherleib aufgebaut ist, sich nicht dehnen kann, wenn sie durch äußere Hitze sich dehnen will, oder: Es ist mir, als wenn ich einen brennenden Pfahl daranhalte.Dann trifft der Ätherleib auf einen Widerstand eben auf. Der Ätherleib, der vom äußeren Eindruck nicht verzehrt, nicht ergriffen wird, ist dann auf einen physischen Leib getroffen, zu dem er nicht paßt. Das drückt sich im astralischen Leib als Schmerzgefühl aus.

[ 27 ] What, then, gives rise to a very special psychological experience? It is that which permeates the entire inner organization of both humans and animals. We can best grasp this special psychological experience when we observe it in a certain state. Who is not familiar with that peculiar kind of spiritual experience that exists only as long as the animal is growing and its organs are enlarging, and that ceases when growth is complete? What is expressed in that experience as bursting energy is connected to a certain activity of the etheric body on the physical body, and it is an expression of the fact that this activity is proceeding as it should. What we can, however, highlight in this state is always present as a certain sense of well-being in the soul, as a sense of vitality, as comfort or discomfort, and this stems from whether the etheric body dominates or is dominated, is powerful or powerless in relation to the physical organization. If it is unable to truly assert itself in the physical organs, this is expressed in the astral body as a sense of discomfort. But when the etheric body can access the physical organs in all its activities, when everything that is to become activity can truly be carried out with the help of the physical organs, this evokes the deepest sense of well-being in the human being. One can sense this on both the finer and coarser levels. If the stomach is upset, what does that mean other than that the etheric body is unable to perform an activity it is otherwise supposed to carry out? This then manifests itself in the associated discomfort. Or let us suppose that someone has strained their thinking to such an extent that the brain can no longer keep up. The etheric body may still be able to think, but the brain can no longer keep up. That is when thinking begins to cause headaches. And this is the source of the discomfort in one’s general sense of well-being. This reaches a particular peak when the part composed of the etheric body experiences a complete disruption. Then we say: It feels as if the skin, which is composed of the etheric body, cannot stretch when it wants to expand due to external heat, or: It feels to me as if I were holding a burning stake against it. Then the etheric body simply encounters resistance. The etheric body, which is not consumed or affected by the external impression, then encounters a physical body to which it does not fit. This is expressed in the astral body as a sensation of pain.

[ 28 ] So haben wir den Schmerz im astralischen Leibe begriffen, indem wir ihn als den Ausdruck für eine Ohnmacht des Ätherleibes gegenüber dem physischen Leib zu erfassen verstehen. Ein Ätherleib, der mit seinem physischen Leib zurechtkommt, wirkt auf seinen Astralleib so zurück, daß in diesem Behagen gesundes inneres Erleben auftritt. Ein Ätherleib, der dagegen nicht mit seinem physischen Leib zurechtkommt, wirkt so auf den Astralleib zurück, daß in demselben Schmerz und Unbehagen auftreten muß. Jetzt werden wir einsehen können, wie gerade bei den höheren Tieren — von den niederen Tieren werden wir besser das nächste Mal sprechen, weil da das seelische Erleben so innig an die Leiblichkeit gebunden ist — dieses seelische Erleben auch in die gestörte Leiblichkeit sich viel tiefer hineinleben wird, als es sich beim Menschen in die gestörte Leiblichkeit hineinleben kann. Weil sich das seelische Leben des Menschen von dem inneren leiblichen Erleben so emanzipiert, deshalb ist beim Menschen ganz gewiß gegenüber dem höheren Tier der Schmerz, der durch die bloßen leiblichen Verhältnisse herbeigeführt wird, kein so peinigender und in der Seele fressender als beim Tier. Wir können das noch bei Kindern beobachten, wie leiblicher Schmerz noch ein viel größerer seelischer Schmerz ist als in den späteren Jahren, weil der Mensch in dem Maße, als er von der leiblichen Organisation unabhängig wird, in den Eigenschaften seiner Seele, die ihm unmittelbar aus der Seele kommen müssen, auch die Mittel findet gegen den leiblichen Schmerz, während das höhere Tier, das so eng an seine Leiblichkeit gebunden ist, auch mit alledem, was Schmerz bedeutet, in einem unendlich. viel höheren Maße zusammenhängt als der Mensch. Das alles sind auf nichts basierende Redensarten, welche davon sprechen, daß beim Menschen ein Schmerz höher sein könnte als beim Tier. Der Schmerz ist beim Tier ein viel tieferer und viel mehr seelenerfüllend, als es beim rein leiblichen Schmerz für den Menschen der Fall sein kann.

[ 28 ] Thus we have come to understand pain in the astral body by recognizing it as an expression of the etheric body’s powerlessness in relation to the physical body. An etheric body that is in harmony with its physical body exerts a reciprocal effect on its astral body such that a healthy inner experience arises within it. An etheric body, on the other hand, that is not in harmony with its physical body exerts a reciprocal effect on the astral body such that pain and discomfort must arise within it. Now we will be able to see how, particularly in the case of higher animals—we will discuss lower animals next time, since in their case the soul experience is so intimately bound to physicality—this soul experience will penetrate much more deeply into disturbed physicality than it can in the case of human beings. Because human psychological life is so emancipated from inner physical experience, the pain caused by mere physical conditions is certainly not as agonizing or as soul-consuming in humans as it is in higher animals. We can still observe this in children, where physical pain is still a much greater psychological pain than in later years, because as human beings become independent of their physical constitution, they find within the qualities of their soul—which must arise directly from the soul itself—the means to cope with physical pain, whereas the higher animal, which is so closely bound to its physicality, is also connected to everything that constitutes pain to an infinitely greater degree than humans are. All of these are baseless clichés that suggest that pain in humans could be greater than in animals. Pain in animals is much deeper and much more soul-pervading than purely physical pain can ever be for humans.

[ 29 ] So sehen wir, daß sich der Mensch in der Erhebung über das Leibliche etwas herausholt in bezug auf das Tiefste seines Wesens aus seiner Innerlichkeit selbst. Was sich der Mensch da herausholt, das bezeichnen wir als sein eigentliches Ich. Was er nicht vererbt, was sich über den Verlauf des Gattungsmäßigen erhalten kann, was er durch seine Individualität immer mehr ausbilden muß, nennen wir gebunden an sein Ich. Das ist es, was in das Menschendasein hineinkommen muß — da es nicht durch die Vererbung gegeben werden kann — als von der menschlichen Individualität kommend, was mit der Geburt aus den geistigen Reichen ins Dasein tritt, was nach erfolgtem Tode dem Geistigen wieder zurückgegeben wird. Wir reden deshalb von einem von Leben zu Leben durch immer wiederkehrendes Dasein gehenden menschlichen Wesenskern, weil wir ihn im unmittelbaren Dasein erfassen können, wenn wir das Leben nur vorurteilslos betrachten.

[ 29 ] Thus we see that, in rising above the physical, human beings draw something from their very innermost being—from the depths of their essence—through their inner life. What the human being draws out in this way we designate as his true “I.” What he does not pass on through heredity, what can be preserved beyond the course of the generic, what he must develop more and more through his individuality—we call this “bound to his I.” This is what must enter human existence—since it cannot be provided through heredity—as originating from human individuality; it is what enters into existence at birth from the spiritual realms and is returned to the spiritual realm after death. We therefore speak of a human core that passes from life to life through ever-recurring existence, because we can grasp it in immediate experience if we merely observe life without prejudice.

[ 30 ] Ich habe heute in einer Art versucht, aus der unmittelbaren Erfahrung heraus einen kleinen Hinweis auf das zu geben, was es begründet, daß man im Menschen von einer Wesenheit sprechen kann, die nicht vererbt ist, sondern die von ganz anderer Seite her in das Menschenleben eintritt, und die wieder, wenn der Mensch das, was in ihm vererbt ist, mit dem Tode aufgelöst sieht, nach dem Tode in ein anderes, geistiges Dasein eintreten kann. Ich habe das in einer Weise heute gezeigt, wie es, wenn weitere Voraussetzungen der Geisteswissenschaft gemacht worden sind, im Grunde genommen nicht mehr gezeigt zu werden braucht, weil die Geistesforschung auf der unmittelbaren Anschauung fußt und noch von ganz anderer Seite her die Beweise und Belege für das bringen kann, was heute aus dem unmittelbaren Erleben des Alltags heraus veranschaulicht werden sollte. In der Geisteswissenschaft liegen aber auch die Möglichkeiten, die Erlebnisse des Alltags so zu gruppieren, in Beziehung zu bringen, daß sie uns zeigen, was in dem Menschen eine auf die Beobachtung der Tatsachen gestützte Hoffnung auf ein dauerndes, über das leibliche Dasein hinausgehendes Leben der Seele begründen kann. So sehen wir, wie eine Beobachtung des Daseins überall das erwähnte Goethe-Wort beweist. Das tierische seelische Erleben ist ein solches, das wir eingeschlossen sehen in den Kreis der tierischen Organe. Wir sehen überall die Organe als die Meister, die der Geist geformt hat, damit sich das Tier nach Maßgabe der Organe seelisch erleben und ihrer bedienen kann. Und wir sehen den Menschen in bezug auf dasjenige hilflos ins Dasein treten, worüber ihm seine Organe keine Richtung geben, was er aus dem Leben heraus seinem seelischen Erleben einprägen muß. Aber gerade in dem letzteren finden wir das, was des Menschen Anwartschaft auf Unsterblichkeit bedeutet, was ewig ist, weil es nicht auf Vererbung zurückgeführt werden kann. Das ist es, was Goethe meinte mit dem Satz: Das Tier werde durch seine Organe belehrt; der Mensch aber hätte den Vorzug, seineOrgane wieder belehren zu können. Und wer in richtiger Weise diesen letzten Satz auffaßt, daß der Mensch im Verlaufe seines Daseins fähig ist, seine Organe wieder zurückzubelehren, der wird sich sagen: In dem Umkreise des seelischen Lebens, wo sich darstellt, wie der Mensch seine Organe belehrt, zeigt sich die Verbindung, welche der Mensch mit dem Geiste eingeht, und die unaufJöslich sein muß, weil sie sich nicht erschöpft und aus der Vergangenheit kommt, sondern in die Zukunft hinweist und der Same für sie ist, durch welche der Mensch wirklich erreichen kann, was in seinem seelischen Erleben innerlich bilden wird die Kraft, durch die er in stets neuen Leben den alten Tod besiegen kann.

[ 30 ] Today I have attempted, in a way, to draw on my immediate experience to offer a small hint as to what justifies speaking of a being within the human being that is not inherited, but rather enters human life from an entirely different source, and which, when a person sees what is inherited within them dissolve at death, can enter into a different, spiritual existence after death. I have illustrated this today in a way that, once further premises of spiritual science have been established, will essentially no longer need to be demonstrated, because spiritual research is based on direct perception and can provide evidence and proof from an entirely different perspective for what was intended to be illustrated today through the direct experience of everyday life. Spiritual science, however, also offers the possibility of grouping and relating everyday experiences in such a way that they show us what within the human being can give rise to a hope—grounded in the observation of facts—for a lasting life of the soul that extends beyond physical existence. Thus we see how an observation of existence everywhere confirms the aforementioned words of Goethe. Animal soul experience is one that we see confined within the sphere of the animal organs. Everywhere we see the organs as the masters that the spirit has fashioned so that the animal can experience itself soulfully in accordance with the organs and make use of them. And we see human beings entering existence helplessly in regard to that aspect for which their organs provide no guidance—that which they must imprint upon their soul experience from life itself. But it is precisely in the latter that we find what constitutes humanity’s claim to immortality—that which is eternal because it cannot be attributed to heredity. This is what Goethe meant by the statement: “The animal is instructed by its organs; but the human being has the advantage of being able to instruct his organs in return.” And whoever correctly understands this last statement—that in the course of his existence, a human being is capable of teaching his organs in return—will say to himself: Within the sphere of spiritual life, where it is revealed how a human being teaches his organs, the connection that a human being enters into with the spirit becomes apparent, and which must be indissoluble, because it is not exhausted and does not come from the past, but points toward the future and is the seed through which human beings can truly attain what will be formed inwardly in their soul experience—the power by which they can overcome the old death in ever-new lives.