Answers of Spiritual Science
to the Great Questions of Existence
GA 60
15 December 1910, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Answers of Spiritual Science to the Great Questions of Existence, tr. SOL
7. Wie erlangt Man Erkenntnis der Geistigen Welt?
7. How Does One Gain Insight into the Spiritual World?
[ 1 ] Bevor mit dem heutigen Thema von mir begonnen werden soll, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß diese heutigen Auseinandersetzungen der Anfang sein werden einer ganzen Reihe von solchen Auseinandersetzungen, und daß im Grunde genommen alle nächstfolgenden Themen für diesen Winter genau denselben Titel tragen könnten wie das heutige Thema. Es wird in Anlehnung an die verschiedensten Erscheinungen des menschlichen Lebens und des wissenschaftlichen Lebens, an die verschiedensten KulturPersönlichkeiten der Menschheit überhaupt im Laufe der nächsten Vorträge zur Erörterung kommen der Weg, den der Mensch zu gehen hat, wenn er zur Erkenntnis der geistigen Welt kommen will.
[ 1 ] Before I begin today’s topic, I would like to point out that today’s discussion will be the first in a whole series of such discussions, and that, essentially, all of the subsequent topics for this winter could bear exactly the same title as today’s topic. Drawing on the most diverse aspects of human life and scientific life, as well as on the most diverse cultural figures of humanity as a whole, the next series of lectures will explore the path that a person must take if they wish to gain insight into the spiritual world.
[ 2 ] Gestatten Sie mir — obwohl dieses Thema, diese Betrachtung, sozusagen in die Region des Allerunpersönlichsten, des Objektiv-Geisteswissenschaftlichen führen soll —, daß ich trotzdem in der Einleitung von etwas Persönlichem ausgehe, denn der Weg in die geistige Welt ist ja ein solcher, der durch das Persönlichste ins Unpersönliche führen muß. Daher wird trotz des Unpersönlichen das Persönliche oftmals sinnbildliches Kennzeichen für diesen Weg sein, und man erlangt so auch die Möglichkeit, auf mancherlei Bedeutsames gerade dadurch hinzuweisen, daß man gewissermaßen von dem intimeren unmittelbaren Erleben ausgeht. Dem Betrachter der geistigen Welten wird mancherlei im Leben sinnbildlich wichtiger sein, als es zunächst erscheinen kann. Manches, was vielleicht sonst vor dem Menschenblicke vorübergehen kann, ohne von der Aufmerksamkeit besonders gestreift zu werden, kann dem tief bedeutsam erscheinen, der sich intensiv mit einer solchen Betrachtung befassen will, wie sie auch den heutigen Auseinandersetzungen zugrunde liegen soll. Und ich kann sagen: es gehört das Folgende — was Ihnen zunächst wie eine Kleinigkeit des Lebens erscheinen wird — für mich zu den mancherlei unvergeßlichen Dingen, die mir auf meinem Lebensweg auf der einen Seite kennzeichneten die Sehnsucht der Menschen unserer Gegenwart wirklich hinauf nach der geistigen Welt, auf der anderen Seite aber doch die mehr oder weniger eingestandene Unmöglichkeit, mit den Mitteln, die nicht nur die Gegenwart, die sogar die letzten Jahrhunderte geben, soweit sie äußerlich dem Menschen erreichbar sind, irgendwie einen Zugang in die geistige Welt zu erlangen.
[ 2 ] Although this topic—this reflection—is intended to lead, so to speak, into the realm of the most impersonal, of objective spiritual science, allow me nevertheless to begin the introduction with something personal, for the path into the spiritual world is one that must lead from the most personal to the impersonal. Therefore, despite the impersonal nature of the subject, the personal will often serve as a symbolic hallmark of this path, and one thus gains the opportunity to point out various significant matters precisely by starting, so to speak, from the more intimate, immediate experience. To the observer of the spiritual worlds, many things in life will be symbolically more important than they may initially appear. Many things that might otherwise pass before the human eye without particularly catching one’s attention may appear deeply significant to those who wish to engage intensively with the kind of contemplation that is also intended to underlie today’s discussions. And I can say: the following—which will at first seem to you like a trifle of life—belongs for me to the many unforgettable things that, on my life’s journey, on the one hand, characterized the genuine yearning of people of our time for the spiritual world, but on the other hand, the more or less acknowledged impossibility of gaining any kind of access to the spiritual world through the means provided not only by the present but even by the past few centuries, insofar as these are externally accessible to human beings.
[ 3 ] Ich saß einmal in der traulichen Wohnung von Herman Grimm. Diejenigen von Ihnen, welche mit dem deutschen Geistesleben ein wenig bekannt sind, werden mit dem Namen Herman Grimm einiges verbinden. Sie werden vielleicht den geistvollen, bedeutenden Biographen Michelangelos und Raffaels kennen und vielleicht auch wissen, wie gewissermaßen die Summe der Bildung unserer Zeit wenigstens Mitteleuropas oder — sagen wir noch enger — Deutschlands in der Seele Herman Grimms vereinigt war. Bei einem Gespräch mit Herman Grimm über den ihm ja so nahestehenden Goethe und über Goethes Weltanschauung fiel dasjenige, was eine Kleinigkeit ist, vor, was eben zu den unvergeßlichsten Dingen meines Lebensweges gehört. Bei einer Bemerkung, die ich machte — wir werden nachher sehen, wie gerade in bezug auf den Aufstieg des Menschen in die geistige Welt diese Bemerkung eine Bedeutung haben kann —, antwortete Herman Grimm mit einer ablehnenden Bewegung der linken Hand. Was in dieser Handbewegung Jag, das ist es, was ich gewissermaßen zu den unvergeßJichen Erlebnissen meines Lebensweges rechne. Es sollte sich darum handeln, in Anlehnung an Goethe davon zu sprechen, wie Goethe in seiner Art — wir werden noch im Laufe dieser Vorträge den Weg Goethes in die geistige Welt zu besprechen haben — diesen Weg in die geistige Welt finden wollte. Herman Grimm folgte gern den Wegen Goethes in die geistige Welt — aber auf seine Art. Es lag ihm völlig fern, in einer solchen Art auf Goethe einzugehen, daß man etwa Goethe als den Repräsentanten eines Menschen betrachtet, der wirklich — auch als Künstler — aus der geistigen Welt herunterholt geistige Realitäten, um sie in seinen Kunstwerken zu verkörpern. Es lag Herman Grimm viel näher, sich zu sagen: Ach, in diese geistige Welt können wir mit den Mitteln, die wir heute als Menschen haben, doch nur hinaufgelangen durch die Phantasie. Die Phantasie bietet zwar Dinge, die schön, groß, gewaltig sind und das menschliche Herz mit Wärme erfüllen können; aber Erkenntnis, festbegründete Erkenntnis, das war etwas, was Herman Grimm, der so intime Betrachter Goethes, auch bei Goethe nicht finden wollte. Und als ich davon sprach, daß Goethes ganze Grundwesenheit darauf fußte, daß er das Wahre im Schönen, in der Kunst verkörpern wollte, und dann zu zeigen versuchte, daß es doch Wege gebe außerhalb der Phantasie, Wege in die geistige Welt, die auf festeren Grund und Boden führen als die Phantasie, da war es nicht etwa die Ablehnung desjenigen, der nicht gern einen solchen Weg gehen möchte. Nicht die Ablehnung eines solchen Weges war es, was Herman Grimm in diese Handbewegung legte, sondern in der Art, die nur der kennt, der ihn genauer verstand, legte er in die Handbewegung ungefähr das Folgende: Es mag wohl einen solchen Weg geben, aber wir Menschen können uns doch nicht berufen fühlen, irgend etwas darüber auszumachen!
[ 3 ] I was once sitting in Herman Grimm’s cozy apartment. Those of you who are somewhat familiar with German intellectual life will associate the name Herman Grimm with a number of things. You may know him as the insightful, eminent biographer of Michelangelo and Raphael, and you may also be aware of how, in a sense, the sum total of the cultural heritage of our time—at least in Central Europe, or, to put it more narrowly, in Germany—was united in the soul of Herman Grimm. During a conversation with Herman Grimm about Goethe—who was, of course, so dear to him—and about Goethe’s worldview, something occurred that, though seemingly trivial, ranks among the most unforgettable events of my life. In response to a remark I made—we shall see later how this remark can be significant, particularly with regard to humanity’s ascent into the spiritual world—Herman Grimm replied with a dismissive gesture of his left hand. What lay in that gesture—that is what I count, so to speak, among the unforgettable experiences of my life. The intention was to speak, drawing on Goethe, about how Goethe, in his own way—we will discuss Goethe’s path into the spiritual world in the course of these lectures—sought to find this path into the spiritual world. Herman Grimm gladly followed Goethe’s paths into the spiritual world—but in his own way. It was completely foreign to him to approach Goethe in such a way that one might regard Goethe as the representative of a person who truly—even as an artist—draws spiritual realities down from the spiritual world in order to embody them in his works of art. It was much closer to Herman Grimm’s nature to say to himself: “Ah, with the means we have today as human beings, we can only ascend into this spiritual world through the imagination. The imagination does indeed offer things that are beautiful, grand, and mighty, and that can fill the human heart with warmth; but knowledge—firmly grounded knowledge—was something that Herman Grimm, that such an intimate observer of Goethe, did not wish to find even in Goethe.” And when I spoke of how Goethe’s entire fundamental nature was based on his desire to embody the true in the beautiful, in art, and then tried to show that there are indeed paths outside of imagination—paths into the spiritual world that lead on firmer ground than imagination—it was not a matter of rejection on the part of someone who would not like to take such a path. It was not the rejection of such a path that Herman Grimm conveyed with that hand gesture; rather, in a manner known only to those who understood him more closely, he conveyed roughly the following with that gesture: There may well be such a path, but we humans cannot feel called upon to determine anything about it!
[ 4 ] Wie gesagt, ich möchte das nicht etwa in aufdringlicher Weise als eine persönliche Angelegenheit hier vorbringen, sondern mir scheint, daß in einer solchen Geste sich die Stellung gerade der besten Menschen unseres Zeitalters gegenüber der geistigen Welt verkörpert. Denn ich hatte später einmal ein langes Gespräch mit demselben Herman Grimm bei einem Wege, der uns beide von Weimar nach Tiefurt führte, in dem er auseinandersetzte, wie er sich ganz befreit habe von aller bloß materialistischen Auffassung des Weltgeschehens, von der Auffassung, daß der Geist des Menschen in den aufeinanderfolgenden Epochen aus sich selbst hervorbringe, was des Menschen eigentlichen seelischen Reichtum ausmacht. In einem großen Plan, der ja — wie die wissen, die sich mit Herman Grimm beschäftigt haben — nicht mehr in einem Werke, das er vorhatte, zur Ausführung gekommen ist, sprach Herman Grimm damals davon, daß er beabsichtige, eine «Geschichte der deutschen Phantasie» zu schreiben. Er hatte im Auge das Walten der Phantasie wie einer Göttin in den geistigen Welten, die das, was die Menschen zum Heile des Weltenfortschrittes schaffen, aus sich hervorbringt. Ich möchte sagen: in jener lieblichen Gegend zwischen Weimar und Tiefurt hatte ich bei diesen Worten eines Menschen, den ich immerhin als einen der größten Geister unserer Zeit anerkenne, ein Gefühl, das ich etwa in folgende Worte kleiden möchte.
[ 4 ] As I said, I do not wish to present this here in an intrusive manner as a personal matter, but it seems to me that such a gesture embodies the attitude of precisely the best people of our age toward the spiritual world. For I later had a long conversation with Herman Grimm himself on a journey that took us both from Weimar to Tiefurt, during which he explained how he had completely freed himself from any purely materialistic view of world events—from the notion that, in successive epochs, the human spirit brings forth from within itself what constitutes humanity’s true spiritual wealth. In a grand plan—which, as those familiar with Herman Grimm know, was never realized in a work he had intended to write—Herman Grimm spoke at that time of his intention to write a “History of German Imagination.” He had in mind the reign of the imagination, like a goddess in the spiritual realms, which brings forth from within itself that which human beings create for the benefit of the world’s progress. I would like to say: in that lovely region between Weimar and Tiefurt, upon hearing these words from a man whom I, after all, recognize as one of the greatest minds of our time, I had a feeling that I would like to express in the following words:
[ 5 ] Es sagen sich heute viele Menschen: Tief unbefriedigt muß man sein bei alledem, was die äußere Wissenschaft über die Quellen des Lebens zu sagen vermag, über das Geheimnis des Daseins, über die Welträtsel; aber es fehlt die Möglichkeit, kraftvoll in eine andere Welt hineinzutreten. Es fehlt die Intensität des Erkenntnis-Willens, als etwas anderes diese Welt des geistigen Lebens zu erkennen, denn als etwas, was der Mensch sich in seiner Phantasie ausbildet. Gar mancher geht eben gern in dieses Reich der Phantasie, weil es für ihn das einzige geistige Reich ist. Ich wußte mich gerade gegenüber dieser Persönlichkeit zu erinnern — dieser Weg nach Tiefurt liegt vielleicht jetzt siebzehn Jahre zurück —, daß vor jetzt mehr als dreißig Jahren einmal — neben vielem, vielem, was Herman Grimm schon durch seine Schriften an Eindruck auf mich gemacht hatte — mein Blick auf jene Stelle fiel innerhalb seiner «Goethe-Vorlesungen», die er im Winter 1874/75 in Berlin gehalten hat, wo er in Anlehnung an Goethe von jenem Eindrucke spricht, den die rein äußerliche, geistentblößte Naturbetrachtung auf einen solchen Geist machen muß, wie der seinige es ist. Ebenso war es schon damals vor dreißig Jahren, als mir Herman Grimm als der Typus eines Menschen erschien, den alle Gefühle und Empfindungen hinaufdrängen in die geistige Welt, der aber die geistige Welt nicht in einer Realität finden kann, sondern nur in der Phantasie, in ihrem Walten und Wirken, und der auf der andern Seite — gerade weil er so war — nicht zugeben wollte, daß Goethe selber in einem anderen als bloß im Reiche der Phantasie, nämlich im Reiche der geistigen Realität, die Quellen und Rätsel des Daseins suchte.
[ 5 ] Many people today say to themselves: One must feel deeply unsatisfied with all that external science has to say about the sources of life, about the mystery of existence, about the riddles of the world; but there is no way to step powerfully into another world. What is lacking is the intensity of the will to know—to recognize this world of spiritual life as something other than merely a construct of the human imagination. Many people, in fact, are happy to enter this realm of the imagination, because for them it is the only spiritual realm. I happened to recall, precisely in connection with this personality—this trip to Tiefurt was perhaps seventeen years ago now—that more than thirty years ago, among many much that Herman Grimm had already impressed upon me through his writings—my gaze fell upon that passage in his “Goethe Lectures,” which he delivered in Berlin during the winter of 1874–75, where, drawing on Goethe, he speaks of the impression that a purely external, spirit-deprived observation of nature must make on a mind such as his own. It was the same thirty years ago, when Herman Grimm struck me as the archetype of a person in whom all feelings and sensations surge upward into the spiritual world, but who cannot find that spiritual world in reality, only in the imagination—in its reign and workings—and who, on the other hand, —precisely because he was like that—refused to admit that Goethe himself sought the sources and mysteries of existence in a realm other than merely that of the imagination, namely in the realm of spiritual reality.
[ 6 ] Eine Stelle ist es, die heute am Ausgangspunkte unserer Betrachtungen auf unsere Seele wirken soll, wo Herman Grimm von etwas spricht, was auch schon von mir angedeutet worden ist als zwar in seiner Bedeutung von der Geisteswissenschaft nicht zu leugnen, was aber doch so, wie es von der äußeren Naturwissenschaft genommen wird oder von jener Weltanschauung, die auf dem festen Boden der Naturwissenschaft stehen will, nicht nur für die Empfindung und für das Gefühl, sondern für eine wirklich sich selbst verstehende Erkenntnis eine Unmöglichkeit bedeutet. Ich meine die Kant-Laplacesche Theorie, die unser Sonnensystem so erklärt, als wenn es nur aus leblosen, unorganischen Stoffen und Kräften bestünde und sich aus solchen herausgeballt hätte aus einer riesigen Gaskugel. Ich darf aus Herman Grimms Goethe-Vorlesungen die Stelle vorJesen, welche Ihnen zeigt, was diese heute so faszinierende, so tiefen Eindruck machende Weltanschauung für einen Geist wie Herman Grimm zu bedeuten hatte.
[ 6 ] There is one passage that should influence our soul today as the starting point of our reflections, where Herman Grimm speaks of something that I have already alluded to—something whose significance cannot be denied by spiritual science, but which, as it is taken by external natural science or by that worldview that seeks to stand on the firm ground of natural science, represents an impossibility—not only for sensation and feeling, but also for a truly self-understanding form of knowledge. I am referring to the Kant-Laplace theory, which explains our solar system as if it consisted solely of lifeless, inorganic substances and forces and had coalesced from such materials out of a gigantic ball of gas. I would like to quote the passage from Herman Grimm’s lectures on Goethe that shows you what this worldview—which is so fascinating today and makes such a profound impression—meant to a mind like Herman Grimm’s.
[ 7 ] «Allein, sosehr Goethe dem Verstande hier verbietet, mehr für Wahrheit zu nehmen, als sich in der Tat mit den fünf Fingern der Hand greifen lasse, um so voller gibt er der Phantasie des Dichters das Recht, aus unbewußter, träumender Kraft Bilder dessen zu schaffen, was der Geist zu erblicken wünscht. Nur daß er mit Schärfe die Grenze beider Tätigkeiten aufrecht hält. Längst hatte, in seinen Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kantsche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfaßbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem Publikum völlig begreiflicher Prozeß, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedarf als der Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
[ 7 ] “Yet, just as much as Goethe here forbids the intellect from taking as truth anything more than what can actually be grasped with the five fingers of the hand, so much more does he grant the poet’s imagination the right to create, out of an unconscious, dreamlike power, images of what the spirit wishes to behold. Yet he strictly maintains the boundary between these two activities. Long ago, even in his youth, the great Laplace-Kantian vision of the formation and eventual demise of the Earth had taken hold. From the self-rotating cosmic nebula—children already learn this in school—the central protoplanet forms, from which the Earth subsequently emerges, and, as a solidifying sphere, passes through all phases over inconceivable periods of time—including the episode of human habitation—only to finally plunge back into the sun as burnt-out slag: a long process, yet one that is entirely comprehensible to the audience, the occurrence of which now requires no further external intervention other than the effort of some external force to maintain the Sun at a constant temperature.
[ 8 ] Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wißbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.»
[ 8 ] No more fruitless perspective for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary in this expectation. A scrap of carrion that a hungry dog would go out of its way to find would be a refreshing, appetizing morsel compared to this final excrement of creation, as which our Earth would ultimately fall back to the Sun, and the thirst for knowledge with which our generation accepts such notions and presumes to believe them is a sign of a sick imagination—one that scholars of future eras will one day devote much ingenuity to explaining as a historical phenomenon of our time.”
[ 9 ] Es war mir notwendig, auf eine solche Stelle hinzuweisen, weil es im Grunde genommen heute wenig geschieht. Heute, wo so faszinierend die Vorstellungen jener Weltanschauungen wirken, die scheinbar so fest auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen, wird wenig darauf hingewiesen, daß es immerhin Geister gibt, die tief mit dem Kulturleben unserer Zeit zusammenhängen und dennoch in einer solchen Art aus ihrem ganzen Seelengepräge heraus sich zu dem verhalten, wovon jetzt unzählige Menschen sagen: Es ist selbstverständlich, daß die Dinge so sind, und es ist jeder eigentlich ein Tropf, der nicht zugeben wird, daß die Dinge so sind! Ja, wir sehen heute sehr viele Menschen schon, welche die tiefste Sehnsucht haben eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen der Seele des Menschen und der geistigen Welt. Aber wir sehen auf der anderen Seite außerhalb derjenigen Kreise, die sich tiefer mit dem befassen, was wir Geisteswissenschaft nennen, nur wenige sich mit den Mitteln beschäftigen, die diese Menschenseele zu dem hinführen könnten, was man immerhin nennen könnte das Land ihrer Sehnsucht.
[ 9 ] I felt it necessary to point out such a passage because, essentially, little of this happens today. Today, when the ideas of those worldviews that seem to be so firmly grounded in the natural sciences appear so fascinating, little attention is paid to the fact that there are, after all, spirits who are deeply connected to the cultural life of our time and yet, out of the very nature of their souls, relate in such a way to what countless people now say: “It goes without saying that things are this way, and anyone who won’t admit that things are this way is actually a fool!” Yes, we already see many people today who have the deepest longing to build a bridge between the human soul and the spiritual world. But on the other hand, outside of those circles that deal more deeply with what we call spiritual science, we see only a few who are engaged with the means that could lead the human soul to what one might at least call the land of its longing.
[ 10 ] Wenn wir deshalb heute von den Wegen sprechen, welche den Menschen in die geistige Welt führen sollen, und gewissermaßen so sprechen, daß das Gesprochene nicht für einen engen Kreis gelten soll, sondern sich an alle die richtet, welche mit der heutigen Zeitbildung ausgerüstet sind, dann stoßen wir in einer gewissen Beziehung noch sehr auf Widerstand. Da kann es nicht nur sein, daß dasjenige, was vorgebracht wird, als Träumerei und Phantasterei angesehen wird, sondern es kann auch sehr leicht sein, daß das Vorgebrachte sehr viele Menschen der Gegenwart eigentlich ärgert, ihnen etwas Ärgerliches ist, weil es so sehr von dem abweicht, was — wie die suggestiven und faszinierenden Vorstellungen derer, die sich für die Gebildetsten halten — für die weitesten Kreise heute gilt.
[ 10 ] When we speak today, therefore, of the paths that are meant to lead people into the spiritual world—and speak in such a way that what is said is not intended for a narrow circle but is addressed to all those who are equipped with the mindset of our time—we still encounter considerable resistance in a certain sense. Not only may what is presented be regarded as daydreaming and fantasy, but it may also very easily be the case that what is presented actually annoys a great many people today, that it is a source of irritation to them, because it deviates so greatly from what—as the suggestive and fascinating ideas of those who consider themselves the most educated — is accepted by the broadest circles today.
[ 11 ] Es ist schon in dem ersten Vortrage angedeutet worden, daß das Hinaufschreiten in die geistige Welt im Grunde genommen eine intime Angelegenheit der Seele ist, und daß es recht sehr dem widerspricht, was sowohl in populären wie auch in wissenschaftlichen Kreisen heute gang und gäbe ist für das Vorstellungs- und Empfindungsleben. Namentlich der Wissenschaftler ist heute gleich bei der Hand mit der Forderung: Was wissenschaftlich gelten soll, das muß sich zu jeder Zeit und für jeden Menschen beweisen lassen, und er weist dann wohl hin auf sein äußeres Experiment, das man zu jeder Zeit, vor jedem Menschen beweisen kann. Es ist selbstverständlich, daß dieser Forderung die Geisteswissenschaft nicht genügen kann. — Wir werden gleich sehen, warum nicht. — Daher wird die Geisteswissenschaft — das heißt jene Wissenschaft, die vom Geist nicht als einer Summe von abstrakten Begriffen und Ideen spricht, sondern als von erwas Realem und von wirklichen Wesenheiten — schon gegen die methodische Forderung verstoßen müssen, welche die Wissenschaft und die Weltanschauungen heute so leicht aufstellen: Für jeden überall und zu jeder Zeit beweisbar zu sein. In populären Kreisen stößt die Geisteswissenschaft schon aus dem Grunde sehr häufig auf Widerstand, weil nun einmal in unserer Zeit — selbst da, wo man die Sehnsucht in sich trägt in die geistige Welt hinaufzusteigen — die Empfindungen und Gefühle von materialistischer Anschauungsart durchsetzt und durchdrungen sind. Man kann beim besten Willen nicht anders, selbst wenn man sich nach der geistigen Welt sehnt, als doch den Geist in irgendeiner Beziehung wieder materiell zu denken, oder wenigstens das Hinaufschreiten in die geistige Welt sich an Materielles geknüpft zu denken. Daher wird es den meisten Menschen lieber sein, wenn man ihnen von rein äußeren Mitteln redet, zum Beispiel was sie essen und trinken oder nicht essen und trinken sollen, oder was sie sonst rein äußerlich in der materiellen Welt unternehmen sollen. Das wird ihnen viel lieber sein, als wenn man von ihnen verlangt, daß sie intime Entwickelungsmomente in ihre Seele einführen. Aber um solches gerade handelt es sich beim Hinaufsteigen in die geistige Welt.
[ 11 ] It was already hinted at in the first lecture that the ascent into the spiritual world is, in essence, an intimate matter of the soul, and that it stands in stark contrast to what is currently the norm in both popular and scientific circles regarding the life of the imagination and feeling. Scientists, in particular, are quick to insist that anything to be considered scientific must be provable at any time and to anyone, and they then point to their external experiments, which can be demonstrated at any time and to anyone. It goes without saying that spiritual science cannot meet this requirement. — We will see shortly why not. — Therefore, spiritual science—that is, the science that speaks of the spirit not as a sum of abstract concepts and ideas, but as something real and consisting of actual entities—must inevitably violate the methodological requirement that science and worldviews today so readily impose: that it must be provable to everyone, everywhere, and at all times. In popular circles, spiritual science very often encounters resistance for the simple reason that in our time—even where people harbor a longing to ascend into the spiritual world—their sensations and feelings are permeated and saturated by a materialistic worldview. Even with the best of intentions, and even if one longs for the spiritual world, one cannot help but think of the spirit in some way as material again, or at least to conceive of the ascent into the spiritual world as linked to the material. That is why most people will prefer it when they are told about purely external means—for example, what they should eat and drink, or what they should not eat and drink, or what else they should do in a purely external sense in the material world. They will much prefer this to being asked to introduce intimate moments of development into their souls. But this is precisely what the ascent into the spiritual world is all about.
[ 12 ] Nun wollen wir — ganz in dem Sinne, wie die Geisteswissenschaft das selbst ansieht — einmal versuchen kurz zu skizzieren, wie dieser Aufstieg der Menschenseele in die geistige Welt stattfinden kann. Der Ausgangspunkt muß ja immer von dem genommen werden, worin der Mensch zunächst lebt. Nun lebt der Mensch, wie er in unserer Gegenwart in die Welt hineingestellt ist, ganz und gar fest in der äußeren, sinnlichen Welt. Man versuche es nur einmal sich klarzumachen, wieviel noch in dieser Menschenseele übrigbleibt, wenn man den Blick von dem abwendet, was die äußeren Sinneseindrücke der physischen Welt an Vorstellungen in uns entzündet haben, was durch die äußeren, physischen Erlebnisse, durch Augen, Ohren und die anderen Sinne in uns hereingekommen ist, was auch durch Augen und Ohren in uns an Leiden und Freuden, Lust und Schmerz angeregt wird, und was dann unser Verstand sich kombiniert hat aus diesen Eindrücken der Sinneswelt. Man versuche das alles aus der Seele auszutilgen, sich wegzudenken, und überlege einmal, was dann zurückbleiben würde. Die Menschen, die es ehrlich mit dieser einfachen Selbstbeobachtung nehmen können, werden sehen, daß äußerst wenig gerade beim Gegenwartsmenschen in der Seele zurückbleibt. Das aber ist es, daß zunächst der Aufstieg in die geistige Welt nicht ausgehen kann von dem, was uns von der äußeren Sinneswelt gegeben ist, sondern er muß so unternommen werden, daß der Mensch in seiner Seele Kräfte entwickelt, die für gewöhnlich in dieser Seele schlummern. Es ist sozusagen ein Grundelement für alle Möglichkeiten des Aufstieges in die geistige Welt, daß der Mensch gewahr werde, daß er innerlich entwickelungsfähig ist, daß in ihm noch etwas anderes liegt als das, was er zunächst mit seinem Bewußtsein überschaut.
[ 12 ] Now let us—entirely in accordance with how spiritual science itself views this—try to briefly outline how this ascent of the human soul into the spiritual world can take place. The starting point must always be what the human being initially lives within. Now, as human beings are placed in the world in our present time, they live entirely and firmly within the outer, sensory world. Just try to realize for a moment how much remains in the human soul when one turns one’s gaze away from what the external sensory impressions of the physical world have kindled within us as images—what has entered us through external, physical experiences, through the eyes, ears, and the other senses, what is also stirred within us through the eyes and ears in the form of suffering and joy, pleasure and pain, and what our intellect has then synthesized from these impressions of the sensory world. Try to erase all of this from the soul, to think it away, and consider for a moment what would then remain. Those who can approach this simple self-observation honestly will see that, especially in the case of modern human beings, very little remains in the soul. But this is precisely the point: the ascent into the spiritual world cannot initially proceed from what is given to us by the external sensory world; rather, it must be undertaken in such a way that the human being develops within their soul powers that usually lie dormant there. It is, so to speak, a fundamental element for all possibilities of ascent into the spiritual world that a person becomes aware that they are capable of inner development, that there lies within them something other than what they initially perceive with their consciousness.
[ 13 ] Es ist das wirklich schon für viele Menschen heute eine ärgerliche Vorstellung, denn — nehmen wir gleich einen ganz besonderen Menschen der heutigen Bildung — was tut denn zum Beispiel der heutige Philosoph, wenn es sich ihm darum handelt, die ganze Bedeutung und das Wesen der Erkenntnis festzustellen? Ein solcher wird sagen: Ich will einmal versuchen, wie weit wir mit unserem Denken, mit unseren Seelenkräften als Menschen überhaupt kommen können, was wir erfassen können von der Welt. Da sucht er auf seine Art — je nachdem es ihm augenblicklich möglich ist — ein Weltbild zu erfassen und vor sich hinzustellen, und er wird dann in der Regel sagen: Das andere können wir eben nicht wissen, das liegt jenseits der Grenzen menschlicher Erkenntnis! — Es ist überhaupt die verbreitetste Redensart, die man in der heutigen Literatur finden kann: Das können wir nicht wissen!
[ 13 ] This is indeed an irritating notion for many people today, because—let’s take a very specific example from contemporary academia—what does a philosopher today do, for instance, when he sets out to determine the full meaning and essence of knowledge? Such a person will say: I want to try to see how far we, as human beings, can go with our thinking and our spiritual powers, and what we can grasp of the world. In his own way—to the extent that he is currently able—he seeks to grasp a worldview and set it before himself, and he will then usually say: We simply cannot know the rest; that lies beyond the limits of human knowledge! — It is, in fact, the most common phrase one can find in contemporary literature: “We cannot know that!”
[ 14 ] Nun gibt es aber einen anderen Standpunkt, der ganz anders zu Werke geht als der eben gekennzeichnete, indem er sagt: Gewiß, mit den Kräften, die ich jetzt in meiner Seele habe, die vielleicht jetzt die normalen menschlichen Seelenkräfte sein mögen, kann ich dieses oder jenes erkennen, aber hier in der Seele ist ein entwickelungsfähiges Wesen. Diese Seele hat vielleicht Kräfte in sich, die ich erst aus ihr herausholen muß. Ich muß sie erst gewisse Wege führen, muß sie über den jetzigen Standpunkt hinausführen, dann will ich einmal sehen, ob nicht ich schuld gewesen bin, wenn ich gesagt habe, dies oder jenes liege jenseits der Grenze unserer Erkenntnis. Vielleicht brauche ich nur etwas weiterzugehen in der Entwickelung meiner Seele, dann erweitern sich die Grenzen, und ich kann tiefer in die Dinge hineindringen.
[ 14 ] However, there is another point of view that takes a completely different approach from the one just described, stating: Certainly, with the powers I now possess in my soul—which may well be the normal human soul powers at this stage—I can perceive this or that; but here within the soul lies a being capable of development. This soul may possess powers within it that I must first draw out of it. I must first guide it along certain paths, must lead it beyond its current state; then I will see whether I was not at fault when I said that this or that lies beyond the limits of our knowledge. Perhaps I only need to go a little further in the development of my soul; then the boundaries will expand, and I can penetrate deeper into things.
[ 15 ] Mit Logik nimmt man es ja, wenn man darüber urteilen will, nicht immer ganz genau, sonst würde man sagen: Was wir erkennen, hängt ab von unseren Organen. Deshalb kann zum Beispiel der Blindgeborene nicht über Farben urteilen, er kann nur darüber urteilen, wenn er durch eine glückliche Operation sein Sehvermögen bekommen hat. Ebenso könnte es sein — ich will hier nicht von einem «sechsten Sinn» sprechen, sondern von etwas, was rein geistig aus der Seele herausgeholt werden kann —, daß es möglich wäre, daß Geistesaugen oder Geistesohren aus unserer Seele herausgeholt werden. Dann könnte für uns das große Ereignis eintreten, das auf niederer Stufe eintritt, wenn der Blindgeborene so glücklich ist, operiert zu werden, so daß dann für uns die Vermutung zunächst Wahrheit werden könnte: Es gibt um uns eine geistige Welt, aber um hineinzuschauen, müssen wir erst die Organe in uns erweckt haben.Das wäre das einzig Logische. Aber mitLogik nimmt man es — wie gesagt — nicht immer genau, denn in unserer Zeit haben die Menschen ganz andere Bedürfnisse, wenn sie von einer geistigen Welt hören, als sich hineinzufinden in diese geistige Welt. Ich habe schon einmal erzählt, daß in einer süddeutschen Stadt, als ich dort einmal einen Vortrag zu halten hatte, ein braver Mensch, der Feuilletons schreibt, sein Feuilleton anfing mit den Worten: «An der Theosophie ist das, was einem am meisten in die Augen fällt, ihre Unverständlichkeit.» Das wollen wir dem Manne gern glauben,daß dieTheosophie für ihn als hervorstechendsteEigenschaft die Unverständlichkeit hat. Aber ist das irgendwie ein Kriterium? Man übertrage dieses Beispiel einmal auf die Mathematik, daß jemand von ihr sagen würde: Was mir an der Mathematik am meisten in die Augen fällt, ist ihre Unverständlichkeit. Dann wird jeder sagen: Gewiß, das kann sein; dann möge er aber eben so gut sein, wenn er Feuilletons schreiben will, erst etwas zu lernen! — Oft wäre es besser, das, was für ein besonderes Gebiet gilt, auf ein anderes sachgemäß zu übertragen. So bleibt also nichts anderes übrig, als daß die Menschen leugnen — das können sie dann nur durch einen Machtspruch —, es gäbe eine Entwickelung der Seele — nämlich wenn sie es ablehnen, eine durchzumachen —, oder aber, daß sie sich hineinbegeben in die Entwickelung der Seele. Dann wird die geistige Welt für sie zur Beobachtung, zur Realität, zur Wahrheit. Aber um hinaufzugelangen in die geistige Welt, muß die Seele fähig werden — nicht für das physische Leben, sondern für die Erkenntnis der geistigen Welt —, sich in einer gewissen Beziehung der Gestalt gegenüber, welche sie zunächst hat, vollständig umzuwandeln, in einer gewissen Beziehung ein anderes Wesen zu werden.
[ 15 ] When using logic to judge this, one does not always take it entirely literally; otherwise, one would say: What we perceive depends on our senses. That is why, for example, someone born blind cannot judge colors; he can only do so if he has regained his sight through a successful operation. Likewise, it could be—I do not wish to speak here of a “sixth sense,” but rather of something that can be drawn purely spiritually from the soul—that it might be possible to draw “spiritual eyes” or “spiritual ears” from our soul. Then the great event might occur for us—the same event that occurs on a lower level when a person born blind is fortunate enough to undergo surgery—so that our assumption might initially become truth: There is a spiritual world around us, but to look into it, we must first awaken the organs within ourselves. That would be the only logical conclusion. But—as I said—people don’t always take logic too seriously, for in our time, when people hear about a spiritual world, they have needs quite different from finding their way into that spiritual world. I have already recounted that in a city in southern Germany, when I was once there to give a lecture, a respectable man who writes cultural columns began his column with the words: “What strikes one most about theosophy is its incomprehensibility.” We’re happy to believe this man when he says that, for him, theosophy’s most striking characteristic is its incomprehensibility. But is that really a valid criterion? Let’s apply this example to mathematics: suppose someone were to say, “What strikes me most about mathematics is its incomprehensibility.” Then everyone would say: “Certainly, that may be true; but if he wants to write feature articles, he’d better learn something first!” — It would often be better to appropriately apply what holds true for one particular field to another. Thus, people have no choice but to either deny—which they can do only by an arbitrary declaration—that there is such a thing as the development of the soul—namely, when they refuse to undergo it themselves—or to immerse themselves in the development of the soul. Then the spiritual world becomes for them a matter of observation, a reality, a truth. But in order to ascend into the spiritual world, the soul must become capable—not for physical life, but for the knowledge of the spiritual world—of completely transforming itself, in a certain sense, from the form it initially possesses, and in a certain sense, of becoming a different being.
[ 16 ] Das kann uns schon aufmerksam machen, was hier oft und oft betont worden ist, daß der, welcher den Drang hat hinaufzusteigen in die geistige Welt, vor allen Dingen sich immer wieder und wieder darüber klar sein muß, ob er hier in dieser Welt physischer Wirklichkeit zunächst festen Boden gefaßt hat, ob er imstande ist, hier festzustehen. Denn für alle Verhältnisse, die sich in der physischen Welt abspielen, müssen wir Sicherheit, Willenskraft und Empfindungsvermögen haben, dürfen nicht den Boden unter den Füßen verlieren, wenn wir hinaufsteigen wollen von dieser Welt in die geistige. Das ist eine Vorstufe: alles zu tun, was unseren Charakter dahin führen kann, festzustehen in der physischen Welt. Alsdann kommt es darauf an, für die geistige Welt die Seele zu einem andern Fühlen und andern Wollen zu bringen, als Fühlen und Wollen in der Seele gewöhnlich sind. Es muß gewissermaßen unsere Seele innerlich ein anderer Fühlens- und Wollensorganismus werden, als sie im normalen Leben ist. Da kommen wir darauf, was die Geisteswissenschaft auf der einen Seite zunächst wirklich in eine Art von Gegensatz bringen kann zu dem, was heute als «Wissenschaft» anerkannt wird, was die Geisteswissenschaft aber auf der andern Seite doch wieder unmittelbar neben diese Wissenschaft mit derselben Gültigkeit hinstellt, welche die äußere Wissenschaft hat. Wenn man sagt, daß alles, was Wissenschaft sein soll, zu jeder Zeit und für jeden Menschen beweisbar sein muß, so meint man, daß das, was man als Wissenschaften betrachtet, nicht abhängen darf von unserer Subjektivität, von unsern subjektiven Gefühlen, von dem, was wir als irgendwelche Willensentschlüsse, Willensimpulse, Gefühle und Empfindungen nur individuell in uns tragen. Nun muß aber zunächst der, der hinaufsteigen will in die geistige Welt, den Umweg durch das Innere seiner Seele nehmen, muß seine Seele umorganisieren, muß zunächst den Blick völlig abwenden von dem, was außen in der physischen Welr ist. Der Mensch wendet ja im normalen Leben den Blick von dem, was innerhalb der physischen Welt ist, nur dann ab, wenn er schläft; dann läßt er durch seine Augen, Ohren und durch die ganze Organisation seiner Sinne nichts in seine Seele herein, aber dafür wird er dann auch bewußtlos und ist nicht imstande, in einer geistigen Welt bewußt zu leben. Es ist nun gesagt worden, daß es zu den Grundelementen der geistigen Erkenntnis für den Menschen gehört, in sich selber die Möglichkeit zu finden, über sich hinauszugehen. Das heißt aber nichts anderes, als in sich selber zunächst den Geist wirksam zu machen. Wir kennen alle im heutigen normalen Menschenleben nur ein Sichabwenden von der physischen Welt, wenn wir in die Bewußtlosigkeit des Schlafes eingehen. Nun hat uns die Betrachtung über das «Wesen des Schlafes» gezeigt, wie der Mensch da in einer realen geistigen Welt ist, wenn er auch nichts davon weiß. Denn es wäre absurd, zu glauben, daß das, was des Menschen Seelen- und Geisteszentrum ist, des Abends verschwindet und des Morgens wieder neu entstünde; nein, es überdauert real die Zustände vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Aber was für den heutigen normalen Menschen die innerliche Kraft ist, sich bewußt zu sein — auch dann, wenn keine Anregung für das Bewußtsein durch die Eindrücke der Sinne oder durch die Arbeit des Verstandes hereinfließt —, das fehlt im Schlafe. Das Seelenleben ist so herabgestimmt im Schlafe, daß der Mensch nicht fähig ist, dasjenige anzufeuern und aufzuwecken, was die Seele sich selber innerlich erleben läßt. Wenn der Mensch wieder aufwacht, dringen von außen die Erlebnisse herein, und weil dem Menschen auf diese Weise ein Seeleninhalt geschenkt wird, wird er sich seiner an diesem Seeleninhalt bewußt. Er kann seiner nicht bewußt werden, wenn er nicht angeregt wird von außen. Dazu ist die Kraft des Menschen sonst zu schwach, wenn er im Schlafe sich selbst überlassen ist. Der Hinaufstieg in die geistige Welt bedeutet also die Anfachung solcher Kräfte in unserer Seele, welche die Seele fähig machen, gleichsam in sich selber real bewußt zu leben, wenn sie gegenüber der äußeren Welt so wird, wie sonst der Mensch im Schlafe ist. Also im Grunde genommen fordert zunächst das Hinaufsteigen in die geistigen Welten eine Anfeuerung innerlicher Energien, ein Herausholen von Kräften, die sonst schlafen, gleichsam gelähmt sind in der Seele, so daß der Mensch sie überhaupt nicht handhaben kann. Alle diejenigen intimen Erlebnisse, die der Geistes£forscher in seiner Seele durchzumachen hat, gehen zuletzt nach dem Ziele hin, das eben jetzt gekennzeichnet worden ist. Und ich möchte Ihnen heute einiges zusammenfassend erzählen über den Weg in die geistige Welt hinauf. Ausführlich sind diese Dinge dargestellt in ihren Elementen — sozusagen in ihren Anfangsgründen — in dem Buche, das von mir unter dem Titel erschienen ist: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber ich will mich heute nicht gerade dadurch wiederholen, daß ich Ihnen einen Auszug aus diesem Buche gebe, sondern ich will von einer andern Seite her darstellen, was die Seele mit sich machen muß, um in die geistige Welt hinaufzukommen. Wer sich tiefer dafür interessiert, kann die Einzelheiten in dem genannten Buche nachlesen. Nur darf niemand glauben, daß das, was dort ausführlich gesagt worden ist, hier so dargestellt werden kann, wenn man es kurz zusammenfaßt, daß man dieselben Worte und Sätze gebrauchen kann. Die das Buch kennen, werden es also nicht so finden, daß es eine Zusammenfassung des dort Gesagten ist, sondern daß es doch von einer andern Seite her die Sache charakterisiert.
[ 16 ] This can certainly draw our attention to what has been emphasized time and again here: that anyone who feels the urge to ascend into the spiritual world must, above all, be clear—again and again—as to whether they have first gained a firm foothold here in this world of physical reality, and whether they are capable of standing firm here. For in all the circumstances that unfold in the physical world, we must possess security, willpower, and sensitivity; we must not lose our footing if we wish to ascend from this world into the spiritual world. This is a preliminary step: to do everything that can lead our character toward standing firm in the physical world. Then it becomes a matter of bringing the soul to a different way of feeling and willing for the spiritual world than what is customary in the soul. In a sense, our soul must become, inwardly, a different organism of feeling and willing than it is in normal life. This brings us to what spiritual science, on the one hand, can initially place in a kind of opposition to what is recognized today as “science,” yet, on the other hand, places spiritual science directly alongside this science with the same validity that external science possesses. When one says that everything that is to be considered science must be provable at all times and for every human being, one means that what is regarded as science must not depend on our subjectivity, on our subjective feelings, or on what we carry within ourselves only individually—such as volitional decisions, volitional impulses, feelings, and sensations. Now, however, anyone who wishes to ascend into the spiritual world must first take the detour through the innermost depths of their soul; they must reorganize their soul and, as a first step, turn their gaze completely away from what lies outside in the physical world. After all, in normal life, a person turns their gaze away from what lies within the physical world only when they sleep; then, through their eyes, ears, and the entire organization of their senses, they allow nothing to enter their soul—but in return, they also become unconscious and are unable to live consciously in a spiritual world. It has now been said that one of the fundamental elements of spiritual knowledge for human beings is to find within themselves the ability to transcend themselves. But this means nothing other than first making the spirit active within oneself. In today’s normal human life, we all know only a turning away from the physical world when we enter the unconsciousness of sleep. Now, our consideration of the “nature of sleep” has shown us how the human being is actually present in a real spiritual world, even though he is unaware of it. For it would be absurd to believe that what constitutes the center of the human soul and spirit disappears in the evening and is recreated anew in the morning; no, it actually endures through the states from falling asleep to waking up. But what constitutes the inner strength for the average person today to remain conscious—even when no stimulus for consciousness flows in through sensory impressions or the work of the intellect—is absent during sleep. The life of the soul is so subdued during sleep that a person is unable to stir and awaken what the soul allows itself to experience inwardly. When a person wakes up again, experiences flow in from the outside, and because a person is thus gifted with the content of the soul, they become conscious of this content. They cannot become conscious of it unless they are stimulated from the outside. Otherwise, a person’s own strength is too weak for this when they are left to themselves during sleep. The ascent into the spiritual world thus means kindling within our soul those forces that enable the soul to live, as it were, in real consciousness within itself, when it becomes, in relation to the outer world, what a person otherwise is in sleep. So, fundamentally speaking, the ascent into the spiritual worlds first requires a stirring up of inner energies, a drawing forth of forces that are otherwise dormant—as it were, paralyzed within the soul—so that a person cannot wield them at all. All those intimate experiences that the spiritual researcher must undergo within his soul ultimately lead toward the goal that has just been described. And today I would like to give you a summary of the path upward into the spiritual world. These matters are described in detail—in their fundamental elements, so to speak—in the book I published under the title *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. But I do not wish to repeat myself today by presenting an excerpt from that book; rather, I want to describe from a different perspective what the soul must do to ascend into the spiritual world. Those with a deeper interest can read the details in the aforementioned book. However, no one should assume that what is explained in detail there can be presented here in such a way that, when summarized briefly, the same words and sentences can be used. Those familiar with the book will therefore not find this to be a summary of what is said there, but rather a characterization of the subject from a different perspective.
[ 17 ] Außerordentlich wichtig ist es, daß für den Geistesforscher, der die Schritte in die geistige Welt lenken will, vieles von dem, was für die anderen Menschen direkt zu einem Erkennen und Ziel führt, einfach Erziehungsmittel wird, intimes Erziehungsmittel der Seele. Lassen Sie mich das an einem Beispiel aussprechen. Ich habe vor vielen Jahren ein Buch geschrieben: «Die Philosophie der Freiheit». — Es ist augenblicklich nicht zu haben, weil es seit Jahren vergriffen ist, wird aber hoffentlich in zweiter Auflage in nächster Zeit erscheinen. — Diese «Philosophie der Freiheit» ist so gefaßt, daß sie sich doch ganz unterscheidet von anderen philosophischen Büchern der Gegenwart, welche mehr oder weniger durch das, was in ihnen steht, das Ziel haben, sozusagen etwas zu geben, wie es in der Welt ausschaut oder ausschauen soll nach den Vorstellungen der Verfasser. Das ist nicht das nächste Ziel dieses Buches, sondern es soll dem, der sich auf die Gedanken einläßt, die dort stehen, eine Art Gedankentrainierung geben, so daß die Art des Denkens, die besondere Art, sich diesen Gedanken hinzugeben, eine solche ist, welche die Empfindungen und Gefühle der Seele in Bewegung bringt — etwa wie man beim Turnen, wenn ich es damit vergleichen darf, die Glieder in Bewegung bringt. Was sonst bloß Erkenntnismittel ist, das ist in diesem Buche zugleich geistig-seelisches Selbsterziehungsmittel. Das ist außerordentlich wichtig. Daher kommt es bei diesem Buche — was selbstverständlich für viele Philosophen der Gegenwart ärgerlich ist, die mit Philosophie etwas ganz anderes verbinden als das, was den Menschen ein Stück weiterbringen kann, denn er soll womöglich so bleiben, wie das normale Erkenntnisvermögen dem Menschen eingeboren ist —, es kommt bei diesem Buche daher nicht so sehr darauf an, ob man über das oder jenes streiten kann, ob etwas so oder so aufgefaßt werden kann, sondern darauf, daß wirklich die Gedanken, die da zu einem Organismus verbunden sind, unsere Seele schulen können, sie ein Stück weiterbringen können.
[ 17 ] It is of the utmost importance that, for the spiritual researcher who wishes to take steps into the spiritual world, much of what leads other people directly to insight and a goal simply becomes a means of education—an intimate means of educating the soul. Let me illustrate this with an example. Many years ago, I wrote a book: *The Philosophy of Freedom*. — It is currently unavailable because it has been out of print for years, but hopefully a second edition will be published in the near future. — This *Philosophy of Freedom* is structured in such a way that it differs entirely from other contemporary philosophical books, which—more or less through their content—aim, so to speak, to present a picture of how the world looks or should look according to the authors’ conceptions. That is not the primary aim of this book; rather, it is intended to provide those who engage with the ideas presented there with a kind of mental exercise, so that the manner of thinking—the particular way of immersing oneself in these ideas—is one that sets the soul’s sensations and feelings in motion—much like, if I may draw a comparison, the way one sets one’s limbs in motion during gymnastics. What is otherwise merely a means of knowledge is, in this book, at the same time a means of spiritual and emotional self-education. This is extraordinarily important. That is why, in this book—which is, of course, irritating to many contemporary philosophers who associate philosophy with something entirely different from what can help a person make progress, since they would prefer that people remain as they are, with the normal cognitive faculties they are born with— in this book, what matters is not so much whether one can argue about this or that, or whether something can be interpreted one way or another, but rather that the thoughts, which are woven together into a unified whole, can truly train our soul and help it progress a little further.
[ 18 ] So ist es auch in meinem Buche «Wahrheit und Wissenschaft». Und so ist es mit vielem, was zunächst Grundelemente sein sollen, um die Seele zu trainieren, in die geistige Welt hinaufzukommen. Mathematik, Geometrie, sie lehren den Menschen die Kenntnis von den Dreiecken, Vierecken und anderen Figuren. Aber warum lehren sie das alles? Weil er dadurch Kenntnis bekommen soll, wie die Dinge im Raume sind, welchen Gesetzen sie unterliegen und so weiter. Mit ähnlichen Figuren als Sinnbildern arbeitet im Grunde auch das geistige Hinaufsteigen in die höheren Welten. Es legt dem Schüler zum Beispiel das Symbol des Dreieckes, des Viereckes oder andere symbolische Figuren vor, aber nicht, daß er durch sie unmittelbare Kenntnisse erlangt, die kann er ja auch so erlangen, sondern daß er in ihnen die Möglichkeit erhält, seine geistigen Fähigkeiten so zu schulen, daß der Geist an dem, was sich ihm als Eindruck ergibt aus diesen Sinnbildern, hinaufsteigt in eine höhere Welt. Also um Gedankenschulung oder — mißverstehen Sie es nicht — um Gedankenturnen handelt es sich dabei. Deshalb wird vieles von dem, was trockene äußere Wissenschaft, trockene äußere Philosophie ist, was Mathematik oder Geometrie ist, für die geistige Schulung lebendiges Sinnbild, das uns in die geistige Welt hinaufführt. Wenn wir dies auf unsere Seele haben wirken lassen, dann lernen wir verstehen, was im Grunde genommen keine äußere Wissenschaft versteht, daß die alten Pythagoräer unter dem Einflusse ihres großen Lehrers Pythagoras von dem Weltall als bestehend aus Zahlen gesprochen haben, weil sie die inneren Gesetzmäßigkeiten der Zahlen ins Auge faßten. Nun betrachten wir, wie uns die Zahlen in der Welt überall entgegentreten. Es ist ja nichts leichter, als Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu widerlegen, denn man wird leicht von einem sehr erhaben sich dünkenden Standpunkte sagen können: Da kommen diese Geisteswissenschaftler aus ihrem mystischen Dunkel mit der ZahJlensymbolik wieder hervor, sagen in den Zahlen liege eine innere Gesetzmäßigkeit, und daß man zum Beispiel die wahre Grundlage der menschlichen Wesenheit nach der Siebenzahl betrachten müsse. — So etwas aber meinten auch Pythagoras und seine Schüler, wenn sie von der inneren Gesetzmäßigkeit der Zahlen sprachen. Wenn wir jene wunderbaren Zusammenhänge, die in den Beziehungen der Zahlen liegen, auf den Geist wirken lassen, können wir ihn dadurch so trainieren, daß er aufwacht, wo er sonst schläft, und stärkere Kräfte in sich entwickelt, um hineinzudringen in die geistige Welt.
[ 18 ] This is also the case in my book *Truth and Science*. And so it is with many things that are initially intended to be basic elements for training the soul to ascend into the spiritual world. Mathematics and geometry teach people about triangles, quadrilaterals, and other figures. But why do they teach all this? Because it is meant to give people an understanding of how things are arranged in space, what laws govern them, and so on. The spiritual ascent into the higher worlds essentially works with similar figures as symbols. For example, it presents the student with the symbol of the triangle, the quadrilateral, or other symbolic figures—not so that the student may gain direct knowledge through them (which he can acquire in other ways as well)—but so that he may find in them the opportunity to train his spiritual faculties in such a way that, through the impressions these symbols evoke, his spirit ascends into a higher world. So this is a matter of training the mind—or, please do not misunderstand—of mental gymnastics. That is why much of what constitutes dry, external science, dry, external philosophy, mathematics, or geometry becomes a living symbol for spiritual training that leads us up into the spiritual world. When we allow this to take effect on our soul, we learn to understand what, fundamentally speaking, no external science understands—namely, that the ancient Pythagoreans, under the influence of their great teacher Pythagoras, spoke of the universe as consisting of numbers because they grasped the inner laws of numbers. Now let us consider how numbers confront us everywhere in the world. After all, nothing is easier than refuting spiritual science or anthroposophy, for one can easily say from a standpoint that considers itself very lofty: “Here come these spiritual scientists emerging once again from their mystical darkness with their symbolism of numbers, claiming that there is an inner lawfulness in numbers, and that, for example, the true foundation of the human being must be viewed in terms of the number seven.” — But this is precisely what Pythagoras and his disciples meant when they spoke of the inner laws of numbers. If we allow those wondrous connections inherent in the relationships between numbers to act upon the spirit, we can thereby train it so that it awakens where it would otherwise remain asleep, and develops stronger powers within itself to penetrate the spiritual world.
[ 19 ] Also es ist eine Schulung durch solche andere Wissenschaft. Das ist es auch, was man eigentlich nennt das Studium desjenigen, der in die geistige Welt eindringen will. Und nach und nach wird für einen solchen alles, was für die anderen Menschen derbe Wirklichkeit ist, mehr oder weniger zum äußeren Sinnbild, zum Symbol. Wenn der Mensch imstande ist, diese Sinnbilder auf sich wirken zu lassen, so macht er dadurch nicht nur seinen Geist frei von der äußeren, physischen Welt, sondern durchdringt ihn auch mit starken Kräften, so daß sich die Seele ihrer bewußt sein kann, wenn keine äußere Anregung da ist. Ich habe schon erwähnt, daß der Mensch, wenn er ein solches Symbol, wie es das Rosenkreuz ist, auf sich wirken läßt, einen Impuls haben kann, um hinaufzusteigen in die geistige Welt. Unter dem Rosenkreuz stellen wir uns ein einfaches schwarzes Kreuz vor, an das sich kreisförmig am Schnittpunkt der Balken sieben rote Rosen angliedern.
[ 19 ] So it is a form of training through this other science. This is also what is actually referred to as the study of one who wishes to penetrate the spiritual world. And little by little, everything that is crude reality for other people becomes, for such a person, more or less an external image, a symbol. If a person is able to allow these symbols to take effect within them, they thereby not only free their spirit from the external, physical world, but also imbue it with powerful forces, so that the soul can be aware of them even when there is no external stimulus. I have already mentioned that when a person allows a symbol such as the Rose Cross to take effect upon them, they may receive an impulse to ascend into the spiritual world. We envision the Rose Cross as a simple black cross with seven red roses arranged in a circle at the intersection of its arms.
[ 20 ] Was soll es uns sagen? Derjenige läßt es richtig auf seine Seele wirken, der sich dabei vorstellt: Ich betrachte zum Beispiel eine Pflanze; ich sage von dieser Pflanze, sie ist ein unvollkommenes Wesen, — und stelle daneben einen Menschen, der in seiner Art ein vollkommeneres Wesen ist, aber eben nur in seiner Art. Denn betrachte ich die Pflanze, so muß ich sagen: In ihr habe ich eine materielle Wesenheit vor mir, die nicht durchdrungen ist von Leidenschaften, Trieben, Instinkten, die sie herunterführten von der Höhe, wo sie sonst stehen könnte. Die Pflanze hat die ihr eingeborenen Gesetze, denen folgt sie vom Blatt durch die Blüte bis zur Frucht herauf; so steht sie da trieblos, keusch. Daneben lebt der Mensch, gewiß in seiner Art ein höheres Wesen, aber durchtränkt von Trieben, Instinkten, Leidenschaften, durch die er von seiner strengen Gesetzmäßigkeit abirren kann. Er muß erst etwas in sich überwinden, wenn er ebenso seinen inneren Gesetzen folgen will, wie die Pflanze den ihr eingeborenen Gesetzen folgt. Nun kann sich der Mensch sagen: Der Ausdruck für die Triebe, Instinkte in mir ist das rote Blut. Das kann ich in gewisser Beziehung vergleichen mit dem, was der keusche Pflanzensaft, das Chlorophyll, in der roten Rose ist, und kann sagen: Wenn der Mensch in sich selber so stark geworden ist, daß das rote Blut nicht mehr ein Ausdruck ist für das, was ihn unter sich herunterdrückt, sondern was ihn über sich erhebt, — wenn es der Ausdruck eines so keuschen Wesens ist wie der zum Rot der Rose gewordene Pflanzensaft, oder mit andern Worten: Wenn das Rot der Rose die reine Innerlichkeit ausdrückt, die geläuterte Wesenheit des Menschen in seinem Blut, so habe ich das Ideal dessen vor mir, was der Mensch durch Überwindung der äußeren Natur erreichen kann, die sich mir darstellt unter dem Symbol des schwarzen Kreuzes, des verkohlten Holzes. Und das Rot der Rose symbolisiert das höhere Leben, das erwacht, wenn also das rote Blut zu einem keuschen Ausdruck der über sich selbst hinausgegangenen, geläuterten Trieb-Natur des Menschen geworden ist. Wenn man das Dargestellte nicht eine abstrakte Vorstellung sein läßt, wird es zur lebendig empfundenen Entwickelungsidee. Dann lebt eine ganze Welt von Gefühlen und Empfindungen in uns auf; wir spüren in uns eine Entwickelung von einem unvollkommenen zu einem vollkommeneren Zustand. Wir spüren unter Entwickelung noch etwas ganz anderes als jenes abstrakte Ding, das uns die äußere Wissenschaft im Sinne eines rein äußeren Darwinismus gibt. Da wird Entwickelung etwas, was tief in unser Herz schneidet, was mit Wärme, mit Seelenwärme uns durchzieht, sie wird in uns eine Kraft, die uns trägt und hält. Nur durch solche inneren Erlebnisse kann die Seele starke Kräfte in sich entwickeln, daß sie in ihrem innersten Wesen — in jenem Wesen, das sonst bewußtlos wird, wenn es sich zurückzieht von der äußeren Welt — sich durchleuchten kann mit Bewußtsein.
[ 20 ] What is it meant to tell us? One allows it to truly take effect on one’s soul by imagining the following: I am observing, for example, a plant; I say of this plant that it is an imperfect being—and I place a human being alongside it, who is, in his own way, a more perfect being, but only in his own way. For when I consider the plant, I must say: Before me is a material entity that is not permeated by passions, drives, or instincts that would drag it down from the height where it might otherwise stand. The plant has its innate laws, which it follows from leaf through flower to fruit; thus it stands there, free of drives, chaste. Beside it lives the human being, certainly a higher being in its own way, but steeped in drives, instincts, and passions through which it can stray from its strict regularity. It must first overcome something within itself if it is to follow its inner laws just as the plant follows its innate laws. Now a human being can say to himself: The expression of the drives and instincts within me is the red blood. In a certain sense, I can compare this to what the chaste plant sap—chlorophyll—is to the red rose, and I can say: When a person has become so strong within himself that the red blood is no longer an expression of what pulls him down, but rather of what lifts him up—when it is the expression of a being as chaste as the plant sap that has become the red of the rose, or in other words: If the red of the rose expresses pure inner life, the purified essence of the human being in his blood, then I have before me the ideal of what a human being can achieve by overcoming external nature, which presents itself to me under the symbol of the black cross, the charred wood. And the red of the rose symbolizes the higher life that awakens when the red blood has thus become a chaste expression of the human being’s purified instinctual nature, which has transcended itself. If we do not allow what is depicted to remain an abstract concept, it becomes a vividly felt idea of development. Then a whole world of feelings and sensations comes alive within us; we sense within ourselves an evolution from an imperfect to a more perfect state. We perceive evolution as something entirely different from that abstract concept that external science presents to us in the sense of a purely external Darwinism. There, evolution becomes something that cuts deep into our hearts, something that permeates us with warmth—the warmth of the soul—and becomes a force within us that sustains and upholds us. Only through such inner experiences can the soul develop strong forces within itself, so that in its innermost being—in that being which otherwise becomes unconscious when it withdraws from the external world—it can be illuminated by consciousness.
[ 21 ] Es ist natürlich kinderleicht zu sagen: Dann empfehlt ihr ja die Vorstellung von etwas ganz Imaginärem, von etwas ganz Erdachtem. Wert hat aber doch nur das an Vorstellungen, was Abbild ist einer äußeren Vorstellung, und eine Vorstellung von dem Rosenkreuz hat doch kein äußeres Gegenbild! — Darum aber handelt es sich nicht, daß die Vorstellung, durch die wir unsere Seele schulen, ein Abbild einer äußeren Wirklichkeit ist, sondern darum, daß die Vorstellung kräfteweckend für unsere Seele ist und aus der Seele herauslockt, was verborgen in ihr schlummert. Wenn die Menschenseele einem solchen bildlichen Vorstellen hingegeben ist, wenn ihr gewissermaßen alles, was ihr sonst als Realität wert ist, Anlaß wird zu Bildern, die nicht willkürlich aus der Phantasie herausgeholt werden, sondern so an die Realität angelehnt sind, wie jetzt das Symbol des Rosenkreuzes, dann sagen wir: Der Mensch bemüht sich, zur ersten Stufe der Erkenntnis der geistigen Welt hinaufzurücken. — Das ist die Stufe der imaginativen Erkenntnis, die uns hinaufführt über das, was sich unmittelbar nur mit der physischen Welt beschäftigt.
[ 21 ] Of course, it is child’s play to say: “Then you are recommending the idea of something entirely imaginary, something entirely conceived in the mind.” But the only ideas that have value are those that are a reflection of an external reality, and an idea of the Rose Cross has no external counterpart! — But that is not the point: it is not that the idea through which we train our soul is a reflection of an external reality, but rather that the idea awakens powers within our soul and draws out from the soul what lies hidden and dormant within it. When the human soul is devoted to such pictorial imagination—when, as it were, everything that is otherwise of value to it as reality becomes the source of images that are not arbitrarily drawn from the imagination but are based on reality, just as the symbol of the Rose Cross is now—then we say: The human being is striving to ascend to the first stage of knowledge of the spiritual world. — This is the stage of imaginative knowledge, which leads us beyond what is immediately concerned only with the physical world.
[ 22 ] So arbeitet der Mensch, der in die geistige Welt hinaufsteigen will, in seiner Seele mit ganz bestimmten Vorstellungen, mit einer ganz bestimmten Art, die sonst äußere Wirklichkeit auf sich wirken zu lassen. Er arbeitet in dieser Seele selber. Wenn der Mensch in dieser Weise eine Zeitlang gearbeitet hat, steht es so, daß der äußere Wissenschaftler ihm sagen kann: Das hat für dich nur einen subjektiven, nur einen individuellen Wert. Aber der äußere Wissenschaftler weiß nicht, daß es unter einer solchen strengen, gesetzmäßigen Trainierung der Seele eine Stufe innerer Entwickelung gibt, wo für die Seele die Möglichkeit ganz aufhört, subjektive Gefühle und Empfindungen sprechen zu lassen, wo die Seele dort ankommt, wo sie sich sagen muß: Jetzt gehen in mir innerlich Vorstellungen auf, die mir so entgegentreten wie sonst Bäume und Felsen, Flüsse und Berge, Pflanzen und Tiere der äußeren Welt, die so real sind wie sonst nur äußere physische Dinge, und zu denen meine Subjektivität nichts hinzubringen und nichts hinwegnehmen kann.
[ 22 ] Thus, the person who wishes to ascend into the spiritual world works within their soul using very specific concepts and a very specific way of allowing external reality to affect them. They work within this soul itself. When a person has worked in this way for some time, the situation is such that the external scientist can say to them: “This has only a subjective, only an individual value for you.” But the external scientist does not know that, through such rigorous, law-governed training of the soul, there is a stage of inner development where the soul’s ability to give voice to subjective feelings and sensations ceases entirely—a stage where the soul arrives at a point where it must say to itself: “Now inner images arise within me that appear to me just as trees and rocks, rivers and mountains, plants and animals of the external world do; they are as real as external physical things, and my subjectivity can neither add to nor take away from them.”
[ 23 ] So ist in der Tat ein Mittelzustand vorhanden für jeden, der in die geistige Welt hinauf will, wo der Mensch der Gefahr unterliegt, daß er sein Subjektives, was nur für ihn gilt, etwa hineintragen kann in die geistige Welt. Aber durch diesen Mittelzustand muß der Mensch durch, und er kommt dann an eine Stufe, wo das, was durch die Seele erlebt wird, ebenso objektiv — für jeden, der dazu die Fähigkeit hat — beweisbar wird wie alle Dinge der äußeren, physischen Wirklichkeit. Denn schließlich gilt ja für die äußere Wissenschaft der Grundsatz: Was wissenschaftlich gelten soll, muß zu jeder Zeit für jedermann beweisbar sein, — auch nur für den, der genügend dazu vorbereitet ist. Oder glauben Sie, daß Sie das Gesetz der «korrespondierenden Siedetemperatur» einem achtjährigen Kinde beibringen können? Ich bezweifle es. Nicht einmal den pythagoräischen Lehrsatz werden Sie ihm beibringen können. Also es ist doch schon an diesen Grundsatz gebunden, daß die menschliche Seele in entsprechender Weise vorbereitet ist, wenn man ihr irgend etwas beweisen will. Und wie man dazu vorbereitet sein muß — obwohl es für jeden Menschen möglich ist —, den pythagoräischen Lehrsatz zu verstehen, so muß man durch eine bestimmte Übung seiner Seele dazu vorbereitet sein, wenn man dieses oder jenes in der geistigen Welt erfahren oder erkennen will. Dann aber ist das, was erkannt werden kann, für jeden Menschen in der gleichen Weise erfahrbar und beobachtbar, der dazu in der nötigen Weise vorbereitet ist. Oder wenn Mitteilungen gemacht werden aus den Beobachtungen der Geisteswissenschaft von denen, die ihre Seele dazu vorbereitet haben, daß ein solcher Mensch auf wiederholte Erdenleben zurückblicken kann, so daß diese für ihn eine Tatsache werden, dann kommen wohl die Menschen und sagen: Da bringt er uns ja wieder Dogmen und fordert, daß wir das glauben sollen! So tritt aber der Geistesforscher nicht vor die Mitwelt mit seinen Erkenntnissen, daß die Menschen es glauben sollen.
[ 23 ] Indeed, there is an intermediate state for anyone who wishes to ascend into the spiritual world, where the human being runs the risk of carrying into the spiritual world their subjective experiences—those that apply only to them. But a person must pass through this intermediate state, and then reaches a stage where what is experienced by the soul becomes just as objectively provable—for anyone who has the capacity to do so—as all things in external, physical reality. After all, the principle that applies to external science is this: What is to be considered scientific must be provable at any time to anyone—even if only to those who are sufficiently prepared for it. Or do you believe that you can teach the law of “corresponding boiling points” to an eight-year-old child? I doubt it. You won’t even be able to teach them the Pythagorean theorem. So this principle already implies that the human soul must be appropriately prepared if one wishes to prove anything to it. And just as one must be prepared—although it is possible for every human being—to understand the Pythagorean theorem, so too must one be prepared through a certain training of the soul if one wishes to experience or recognize this or that in the spiritual world. But then what can be recognized is experiential and observable in the same way for every person who is prepared for it in the necessary manner. Or when reports are made based on the observations of spiritual science by those who have prepared their souls so that such a person can look back on repeated earthly lives, so that these become a fact for them, then people will likely come and say: “Here he is again, presenting us with dogmas and demanding that we believe them!” Yet the spiritual researcher does not present his insights to the world so that people are expected to believe them.
[ 24 ] Wenn die Menschen meinen, es wären Dogmen, was gesagt wird, so frage man sich einmal: Ist die Tatsache, daß es einen Walfisch gibt, ein Dogma für den, der nie einen gesehen hat? Gewiß, man kann es damit erklären: es ist für den ein Dogma, der nie einen Walfisch gesehen hat. Aber nur mit Mitteilungen tritt die Geistesforschung nicht an die Welt heran. Das tut sie auch nicht, wenn sie sich selbst versteht; sondern sie kleidet das, was sie aus den höheren Welten herunterholt, in logische Formen, die genau dieselben logischen Formen sind, von denen auch die andern Wissenschaften durchdrungen sind. Dann kann jeder nachprüfen durch gesunden Wahrheitssinn und unbefangene Logik, ob das stimmt, was der Geistesforscher gesagt hat. Immer ist es gesagt worden: zum Selbstaufsuchen der geistigen Tatsachen gehört eine Schulung der Seele, gehört, daß die Seele das durchgemacht hat, was jetzt beschrieben wird, nicht aber zum Verstehen des Mitgeteilten; dazu genügt gesunder Wahrheitssinn und vorurteilslose Logik.
[ 24 ] If people think that what is being said are dogmas, let them ask themselves: Is the fact that whales exist a dogma for someone who has never seen one? Certainly, one can explain it this way: it is a dogma for someone who has never seen a whale. But spiritual research does not approach the world solely through revelations. Nor does it do so when it understands itself; rather, it clothes what it brings down from the higher worlds in logical forms—the very same logical forms that permeate the other sciences as well. Then anyone can verify, through a sound sense of truth and unbiased logic, whether what the spiritual researcher has said is true. It has always been said: the process of discovering spiritual facts for oneself requires a training of the soul—it requires that the soul has undergone what is now being described—but this is not necessary for understanding what has been communicated; for that, a sound sense of truth and unbiased logic are sufficient.
[ 25 ] Wenn nun der Geistesforscher eine Zeitlang solche symbolischen Begriffe und Bilder auf seine Seele hat wirken lassen, so merkt er, daß sein Empfindungs- und Gefühlsleben ganz anders wird, als es vorher war.
[ 25 ] When the spiritual researcher has allowed such symbolic concepts and images to influence his soul for some time, he notices that his life of sensations and feelings becomes quite different from what it was before.
[ 26 ] Wie ist denn das Empfindungs- und Gefühlsleben des Menschen in der gewöhnlichen Welt? Es ist eigentlich heute schon etwas trivial geworden, überall den Ausdruck egoistisch zu gebrauchen und zu sagen, im normalen Leben seien die Menschen egoistisch. Ich möchte es nicht so ausdrücken, sondern lieber sagen: Im normalen Leben sind die Menschen zunächst eng an die menschliche Persönlichkeit gebunden, so zum Beispiel, wenn uns irgend etwas freut, ja gerade gegenüber den Dingen, welche uns freuen, von den vornehmsten geistigen Schöpfungen, von Dingen der Kunst und der Schönheit. Das drückt ja schon das Sprichwort «Über den Geschmack läßt sich nicht streiten» aus, daß vieles an unsere Persönlichkeit gebunden ist und daß davon abhängt, wie wir uns subjektiv zu den Dingen stellen. Prüfen Sie, wie alles, was Ihnen Freude machen kann, damit zusammenhängt, wie Ihre Erziehung gewesen ist, an welchen Ort der Welt, in welchen Beruf Ihre Persönlichkeit gestellt ist und so weiter, um zu sehen, wie die Empfindungen und Gefühle eng mit unserer Persönlichkeit zusammenhängen. Wenn man aber solche Übungen der Seele wie die charakterisierten macht, dann merkt man, daß die Empfindungen und Gefühle ganz unpersönlich werden. Das ist ein großes und gewaltiges Erlebnis, wenn der Moment eintritt, wo unser Empfindungs- und Gefühlsleben gewissermaßen unpersönlich wird. Dieser Moment kommt, er kommt sicher, wenn der Mensch im Verlaufe seines geistigen Weges angeregt wird durch die, welche seine geistige Führung übernehmen, namentlich folgende Dinge so recht auf seine Seele wirken zu lassen. Ich will jetzt einiges aufzählen, was, wenn es der Mensch wochen-, monatelang auf seine Seele wirken läßt, erziehend auf unser ganzes Empfindungs- und Gefühlsleben wirkt.
[ 26 ] What is the nature of human sensory and emotional life in the ordinary world? It has actually become somewhat trite these days to use the term “selfish” everywhere and to say that people are selfish in normal life. I would not put it that way, but would rather say: In everyday life, people are initially closely bound to their own personality—for example, when something brings us joy, and especially in relation to the very things that bring us joy, such as the finest spiritual creations, works of art, and beauty. This is already expressed by the proverb “There’s no accounting for taste”—that much is tied to our personality and that it depends on how we subjectively relate to things. Consider how everything that can bring you joy is connected to your upbringing, to the part of the world where you live, to the profession in which your personality is engaged, and so on, to see how sensations and feelings are closely linked to our personality. But when one engages in exercises of the soul such as those described, one notices that sensations and feelings become entirely impersonal. It is a profound and powerful experience when the moment arrives in which our life of sensations and feelings becomes, so to speak, impersonal. This moment will come—it will surely come—when, in the course of their spiritual journey, people are inspired by those who serve as their spiritual guides to allow the following things, in particular, to truly take effect upon their souls. I would now like to list a few things which, if a person allows them to work on their soul for weeks or months on end, have an educational effect on our entire life of sensations and feelings.
[ 27 ] Da kann folgendes in Betracht kommen. Wenn wir unser Augenmerk auf das richten, was Sie in der Philosophie in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt finden, auf das geistige Zentrum des Menschen, das Ich — wenn wir gelernt haben, uns zur Ich-Vorstellung aufzuschwingen —, das alle unsere Vorstellungen begleitet, das geheimnisvolle Zentrum alles Erlebens; und wenn wir immer weiter treiben jenen Respekt, jene Achtung und Hingabe, die sich verknüpfen kann mit der Tatsache — für viele allerdings keine Tatsache, sondern eine Chimäre —: Da innen lebt ein Ich! — wenn das zum größten, zum einschlagendsten Ereignis werden kann, sich immer wieder zu sagen, daß dieses «Ich bin» das Wesentlichste der Seele des Menschen ist, dann entwickeln sich an dem «Ich bin» gewaltige, starke Gefühle, die unpersönlich sind und gerade darauf hingehen, zu erkennen, wie gleichsam in einen Punkt — in den Ich-Punkt — zusammengedrängt ist alles, was uns an Weltgeheimnissen und Mysterien umschwebt, um vom Ich-Punkt aus den Menschen zu erfassen. Über dieses Bewußtwerden des Ich erzählt zum Beispiel der Dichter Jean Paulin seiner Lebensbeschreibung: «Nie vergeß ich die noch keinem Menschen erzählte Erscheinung in mir, wo ich bei der Geburt meines Selbstbewußtseins stand, von der ich Ort und Zeit anzugeben weiß. An einem Vormittag stand ich als ein sehr junges Kind unter der Haustür und sah links nach der Holzlege, als auf einmal das innere Gesicht, ich bin ein Ich, wie ein Blitzstrahl vom Himmel vor mich fuhr und seitdem leuchtend stehenblieb: da hatte mein Ich zum erstenmal sich selber gesehen und auf ewig. Täuschungen des Erinnerns sind hier schwerlich gedenkbar, da kein fremdes Erzählen sich in eine bloß im verhangnen Allerheiligsten des Menschen vorgefallne Begebenheit, deren Neuheit allein so alltäglichen Nebenumständen das Bleiben gegeben, mit Zusätzen mengen konnte.»
[ 27 ] The following may be worth considering. If we focus our attention on what you find at the center of philosophical consideration—the spiritual center of the human being, the “I”—if we have learned to rise to the concept of the “I”—which accompanies all our ideas, that mysterious center of all experience; and if we continue to deepen that respect, that reverence, and that devotion that can be linked to the fact—though for many it is not a fact but a chimera—that an “I” lives within!—if it can become the greatest, the most profound experience to tell ourselves again and again that this “I am” is the very essence of the human soul, then powerful, intense feelings develop around the “I am”—feelings that are impersonal and aimed precisely at recognizing how, as it were, everything that surrounds us in the world’s secrets and mysteries is condensed into a single point—the “I” point—in order to grasp humanity from that “I” point. The poet Jean Paulin, for example, describes this becoming aware of the “I” in his autobiography: “I will never forget the experience within me—one I have never told anyone—of standing at the birth of my self-awareness, the place and time of which I can specify. One morning, as a very young child, I stood beneath the front door and looked to the left toward the woodpile, when suddenly the inner realization—‘I am an “I”’—shot before me like a bolt of lightning from the sky and has remained shining ever since: there, for the first time and forever, my “I” had seen itself. It is difficult to imagine any distortions of memory here, since no external narrative could have added anything to an event that occurred solely in the veiled innermost sanctum of the human being—an event whose novelty alone ensured its permanence amidst such mundane circumstances.”
[ 28 ] Das ist schon viel, schon mit allen Schauern der Ehrfurcht und mit aller Empfindung für die Größe dieser Tatsache die Hingabe zu spüren an das Zusammengedrängtsein des Weltwesens an einem Punkt. Aber das kann, wenn der Mensch es immer wieder und wieder empfindet und auf sich wirken läßt, so sein, daß es ihn zwar nicht über alle Weltenrätsel aufklärt, aber ihm noch eine ganz auf das Unpersönliche und ganz auf das innerste Menschenwesen gehende Richtung gibt.
[ 28 ] That is already a great deal—to feel, even with all the shivers of awe and all the sense of the grandeur of this fact, the devotion to the concentration of the world’s essence at a single point. But if a person experiences this again and again and allows it to take effect within them, it may be that—while it does not enlighten them about all the mysteries of the world—it nevertheless gives them a direction that is entirely focused on the impersonal and entirely on the innermost human being.
[ 29 ] So erziehen wir an der Ichheit unser Gefühls- und Empfindungsleben. Und wenn wir es eine Zeitlang getan haben, können wir unsere Gefühle und Empfindungen in eine andere Richtung bringen, können uns sagen: Dieses Ich in uns ist verbunden mit allem, was wir denken, fühlen und empfinden, mit allem unserem seelischen Leben, durchglüht und durchglänzt unser Seelenleben. Da können wir, ohne daß wir auf uns selber Rücksicht nehmen oder persönlich werden, die menschliche Natur mit dem Ich als dem Mittelpunkte des Denkens, Fühlens und Wollens studieren. Der Mensch wird uns zum Mysterium, nicht wir uns selbst. Da erweitern sich unsere Gefühle vom Ich aus über die Seele. Dann können wir zu anderem Fühlen übergehen, können uns namentlich jenes schöne Gefühl aneignen, ohne das wir unsere Seele nicht weiterführen können in die geistige Erkenntnis, das ist das, was man nennen möchte: das Gefühl dafür, daß in jedem Ding, welches uns entgegentritt, gleichsam der Zutritt zu einem Unendlichen sich uns eröffnet. Das ist das wunderbarste Gefühl, wenn man es immer wieder und wieder vor die Seele treten läßt. Das kann da sein, wo wir hinausgehen und ein wunderbares Naturschauspiel sehen: die von Wolken eingehüllten Berge in Donner und Blitz. Da wirkt das groß und gewaltig auf unsere Seele. Aber dann müssen wir lernen, das Große und Gewaltige nicht nur dort zu sehen, sondern wir nehmen vielleicht ein einzelnes Blatt, betrachten es genau mit allen Rippen und allen wunderbaren Dingen, die daran sind, und können dabei ebenso das Große und Gewaltige, das sich wie ein Unendliches aus dem kleinsten Blatt enthüllt, vernehmen und fühlen wie bei dem größten Naturschauspiel. Sonderbar mag es erscheinen, aber es ist doch etwas daran, und man muß sich nachher grotesk ausdrücken: Es mag einen großen Eindruck machen, wenn der Mensch sieht, wie die glühende Lavamasse aus der Erde herauskommt. Dann aber denken wir uns, es sieht jemand warme Milch oder gewöhnlichsten Kaffee an, sieht da etwas wie kleine kraterförmige Gebilde und sieht da ein ähnliches Schauspiel im Kleinen sich abspielen. Überall, im Kleinsten wie im Größten, der Zugang zu einem Unendlichen.
[ 29 ] This is how we cultivate our emotional and sensory life through the “I.” And once we have done this for a while, we can direct our feelings and sensations in a different direction; we can say to ourselves: This “I” within us is connected to everything we think, feel, and sense—to our entire soul life—and it permeates and illuminates our soul life. Then, without focusing on ourselves or becoming personal, we can study human nature with the “I” as the center of thinking, feeling, and willing. Humanity becomes a mystery to us, not ourselves. There, our feelings expand from the “I” out into the soul. Then we can move on to other feelings; we can, in particular, make our own that beautiful feeling without which we cannot lead our soul further into spiritual knowledge—that is what one might call: the feeling that in every thing that comes before us, access to the infinite, as it were, opens up to us. This is the most wondrous feeling when we allow it to arise in our soul again and again. It can be present when we go out and witness a marvelous spectacle of nature: mountains shrouded in clouds amid thunder and lightning. There, it has a grand and mighty effect on our soul. But then we must learn not only to see the grand and mighty there, but perhaps to take a single leaf, examine it closely with all its veins and all the wondrous details it contains, and in doing so perceive and feel just as much of the grand and mighty—which reveals itself like an infinity from the smallest leaf—as we do in the greatest spectacle of nature. It may seem strange, but there is something to it, and one is compelled to express it in a somewhat grotesque way afterward: It may make a great impression when a person sees the glowing mass of lava emerging from the earth. But then we imagine someone looking at warm milk or the most ordinary coffee, seeing something like small crater-shaped formations there, and observing a similar spectacle unfolding on a small scale. Everywhere, in the smallest as in the largest, lies the gateway to the infinite.
[ 30 ] Und wenn wir immer weiter forschen, und wenn sich uns noch soviel enthüllt hat: es ist immer noch mehr unter der Decke, die wir vielleicht oben erforscht haben. So empfinden wir also gerade, was sich in jedem Punkt des Weltalls als eine Offenbarung eines intensiv Unendlichen ergeben kann. Das füllt unsere Seele aus mit Empfindungen und Gefühlen, die uns notwendig sind, wenn wir das erlangen wollen, was Goethe «Geistesaugen», «Geistesohren» nennt. Kurz, es ist eine Auslebung unseres Gefühlslebens, das sonst das Subjektivste ist, bis zu dem Punkt, wo wir uns nur mehr fühlen als der Schauplatz, auf dem sich etwas abspielt, wo wir unsere Gefühle gar nicht mehr zu uns rechnen. Unsere Persönlichkeit ist zum Schweigen gebracht. Es ist ungefähr so, wie wenn man eine Leinwand aufspannt und als Maler ein Bild darauf malt, so spannen wir unsere Seele auf, wenn wir uns so trainieren, und lassen die geistige Welt auf dieser Seele malen. Das fühlt man von einem bestimmten Zeitpunkt ab. Man muß sich dann nur selbst verstehen, daß es notwendig ist zur Anerkennung dessen, was die Welt wesenhaft ist, eine gewisse Stufe des Seelenlebens einzig und allein als ausschlaggebend zu betrachten.
[ 30 ] And even as we continue to explore, and even though so much has already been revealed to us, there is still more hidden beneath the surface that we may have already explored. This is precisely how we perceive what can emerge at every point in the universe as a revelation of an intensely infinite reality. This fills our soul with sensations and feelings that are essential to us if we wish to attain what Goethe calls “spiritual eyes” and “spiritual ears.” In short, it is a full expression of our emotional life—which is otherwise the most subjective aspect of our being—to the point where we feel ourselves to be nothing more than the stage on which something is unfolding, where we no longer even count our feelings as part of ourselves. Our personality is silenced. It is roughly like stretching a canvas and, as a painter, painting a picture on it; in the same way, we stretch out our soul when we train ourselves in this manner, and allow the spiritual world to paint upon this soul. One begins to sense this from a certain point onward. One must then simply understand that, in order to recognize the true nature of the world, it is necessary to regard a certain stage of soul life as the sole decisive factor.
[ 31 ] So wird in der Tat das, was sich der Mensch im heißen Seelenstreben erwirbt, zum Entscheiden der Wahrheit. In der Seele selber muß entschieden werden, ob etwas wahr ist oder nicht. Nicht ein Außerliches kann entscheiden, sondern indem der Mensch über sich hinausgeht, muß er in sich die Autorität finden, um die Wahrheit zu schauen oder zu finden. Ja, wir können im Grunde genommen sagen: Wir können uns da doch nicht ganz von den übrigen Menschen unterscheiden. Die andern Menschen suchen nach objektiven Kriterien, nach etwas, was uns die Bestätigung der Wahrheit von außen gibt. Der Geistesforscher aber sucht die Bestätigung der Wahrheit von innen. Also das Umgekehrte tut er. Wenn es so stünde, könnte man vielleicht zum Scheine sagen: Es steht schlimm, wenn die Geisteswissenschaftler in ihren Verdrehtheiten die Welt auf den Kopf stellen wollen. Denn in Wahrheit tun die Naturforscher und Philosophen nichts anderes als die Geistesforscher, nur wissen sie nicht, daß sie es tun. Ich will Ihnen einen Beweis dafür geben, der aus der unmittelbaren Gegenwart herausgenommen ist.
[ 31 ] Thus, what a person acquires through the fervent striving of the soul does indeed become the basis for determining the truth. It is within the soul itself that the decision must be made as to whether something is true or not. No external factor can decide this; rather, by transcending himself, a person must find within himself the authority to perceive or discover the truth. Yes, we can essentially say: We cannot, after all, distinguish ourselves entirely from other people in this regard. Other people seek objective criteria, something that provides us with confirmation of the truth from the outside. The spiritual researcher, however, seeks confirmation of the truth from within. In other words, he does the opposite. If that were the case, one might perhaps say, for appearances’ sake: It is a bad thing if spiritual scientists, in their perversions, want to turn the world upside down. For in truth, natural scientists and philosophers do nothing other than what spiritual scientists do; they just do not realize that they are doing it. I want to give you proof of this, taken from the immediate present.
[ 32 ] Auf der letzten Naturforscher-Versammlung hat Oswald Külpe einen Vortrag gehalten über die Beziehung der Naturwissenschaft zur Philosophie, in welchem er darauf kommt, daß der Mensch, indem er in die Sinneswelt hinausblickt und sie als Ton, Farbe, Wärme und so weiter empfindet, nur subjektive Qualitäten hat. Das ist nur etwas anders gefärbt, als wenn Schopenhauer sagt: «Die Welt ist unsere Vorstellung.» Aber Oswald Külpe macht darauf aufmerksam, daß das, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen, kurz alles, was uns bildhaft auftritt, subjektiv sei, daß dagegen das, was die Physik und die Chemie sagen — Druck, Anziehungs- und Abstoßungskraft, Widerstand und so weiter —, sich als objektiv charakterisieren lassen müsse; so daß man es auf diese Weise zu tun habe in unsern Weltbildern teils mit etwas rein Subjektivem, teils mit dem, was objektiv ist wie Druck, Anziehungs- und Abstoßungskraft.
[ 32 ] At the last meeting of natural scientists, Oswald Külpe gave a lecture on the relationship between natural science and philosophy, in which he argued that when humans look out into the sensory world and perceive it as sound, color, warmth, and so on, they experience only subjective qualities. This is just a slightly different way of putting it than when Schopenhauer says, “The world is our representation.” But Oswald Külpe points out that what we perceive through our senses—in short, everything that appears to us as an image—is subjective, whereas what physics and chemistry describe—pressure, forces of attraction and repulsion, resistance, and so on—must be characterized as objective; so that, in this way, our worldviews deal partly with something purely subjective and partly with what is objective, such as pressure, forces of attraction and repulsion.
[ 33 ] Ich will mich auf die Kritik, die sich darüber geäußert hat, nicht weiter einlassen, sondern nur auf die Denkweise eingehen. Das scheint ja für den heutigen Erkenntnistheoretiker so furchtbar leicht zu beweisen: weil wir ohne Augen nicht sehen könnten, wäre das Licht nur etwas, was durch unsere Augen bewirkt würde. Aber was in der äußeren Welt geschieht, so wird gesagt, wenn eine Kugel die andere stößt, was da als Kräfte, als Widerstand, Druck und so weiter wirkt, das müsse man doch in die Außenwelt versetzen, in den Raum. Warum meinen das die Leute? Oswald Külpe verrät sich an einer bestimmten Stelle sehr deutlich, wo er von den Sinnesempfindungen spricht. Weil er diese als Bilder ansieht, darum sagt er: Die können sich nicht stoßen oder anziehen, auch nicht drücken oder gegenseitig erwärmen, können auch nicht im Raume eine soundso große Entfernung haben, daß sie das Licht in der und der Geschwindigkeit durch den Raum schicken, können auch nicht so angeordnet sein, wie der Chemiker die Elemente anordnet. Warum sagt er das von den Sinnesempfindungen? Weil er die Sinnesempfindungen als Bilder ansieht, die nur durch unsere Sinne bewirkt werden.
[ 33 ] I do not wish to delve further into the criticism that has been voiced on this subject, but only to address the line of reasoning. This seems so terribly easy for today’s epistemologist to prove: since we could not see without eyes, light would be merely something brought about by our eyes. But what happens in the external world—so it is said—when one sphere strikes another, the forces, resistance, pressure, and so on that are at work there, must surely be located in the external world, in space. Why do people think this? Oswald Külpe gives himself away very clearly at a certain point where he speaks of sensory perceptions. Because he regards these as images, he says: They cannot collide or attract one another, nor can they press against one another or warm one another; nor can they be separated by a certain distance in space such that they send light through space at such-and-such a speed; nor can they be arranged in the same way that a chemist arranges the elements. Why does he say this about sensory perceptions? Because he regards sensory perceptions as images that are produced solely by our senses.
[ 34 ] Nun möchte ich Ihnen einen einfachen Gedanken vorlegen, der zeigt, daß die Bildartigkeit gar nichts ändert. Die Dinge stoßen sich und ziehen sich an. Wenn Herr Külpe nun aber die Sinnesempfindungen betrachtet, diese Welt, die sich nicht anziehen und nicht stoßen könnte, so tritt sie Herrn Oswald Külpe eben nicht als Wirklichkeit, sondern als Spiegelbild entgegen. Da hat er allerdings Bilder vor sich. Aber Stoß, Druck, Widerstand und alles, was da in die Welt hineingelegt wird als sich unterscheidend von den andern, den Sinnesempfindungen, das wird auf keine andere Weise objektiv erklärt als durch die Bildartigkeit der Sinnesempfindungen. Warum ist das so? Weil der Mensch, wenn er Druck, Stoß und so weiter empfindet, dasjenige, was in den Dingen lebt, zu den Empfindungen der Dinge macht. Der Mensch sollte studieren, wenn er zum Beispiel sagt: Die eine Billardkugel stößt die andere, daß er dabei das, was er als Stoßkraft erlebt, hineinlegt in die Dinge! Und wer auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, macht auch nichts anderes. Was in dem Innern der Seele lebt, das macht er zum Ausdruckskriterium der Welt. Ein anderes Erkenntnisprinzip gibt es nicht als das, was durch die Entwickelung der Seele selber gefunden werden kann. So machen also die andern dasselbe wie die Geistesforschung. Die Geistesforschung weiß es nur. Die andern tun es unbewußt, haben keine Ahnung davon, daß sie auf elementarer Stufe dasselbe tun, sie bleiben nur auf der allerersten Stufe stehen und leugnen das, was sie selber tun. Deshalb dürfen wir sagen: Die Geisteswissenschaft steht in gar keinem Gegensatz zur übrigen Wahrheitsforschung; die andern Forscher tun dasselbe, nur machen sie den ersten Schritt und wissen nichts davon, während die Geistesforschung die Schritte bewußt so weit macht, als es eine bestimmte Menschenseele nach ihrer Entwickelungstufe machen kann. Wenn nun das erreicht ist, daß unsere Gefühle in gewisser Weise objektiv geworden sind, so tritt das erst recht ein, was ich auch schon angedeutet habe, was aber eine notwendige Voraussetzung beim Fortschritt in die geistigen Welten ist. Das ist, daß der Mensch begreifen lernt, so in der Welt zu leben, daß man voraussetzt, eine allumfassende geistige Gesetzmäßigkeit webt und lebt in der geistigen Welt. Im gewöhnlichen Leben ist der Mensch von einer solchen Denkweise weit entfernt. Er erbost sich, wenn ihm irgend etwas passiert, was ihm nicht paßt. Das ist ganz begreiflich, denn ein anderer Standpunkt muß schwer errungen werden. Dieser andere Standpunkt besteht darin, zu sagen: Wir kommen aus einem früheren Leben her, haben uns in die Lagen, in denen wir jetzt sind, selber versetzt, haben uns hingeführt zu dem, was uns aus dem Schoße der Zukunft entgegentritt. Was uns da entgegentritt, das entspricht einer streng objektiven geistigen Gesetzmäßigkeit. Wir nehmen sie hin, denn es wäre ein Unding, sie nicht hinzunehmen. Was da aus dem Schoße der geistigen Welten an uns herantritt, ob uns die Welt tadelt oder lobt, ob uns Freudvolles oder Leidvolles erscheint: wir nehmen es hin als weisheitvolles Durchleben und Durchweben der Welt. Das ist etwas, was wieder langsam und allmählich zum ganzen Grundsatz unseres Wesens werden muß. Wenn es das wird, fängt unser Wille an geschult zu sein. Während vorher unsere Gefühle umorganisiert werden sollen, wird jetzt unser Wille umorganisiert, wird unabhängig von unserer Persönlichkeit und dadurch zu einem Organ, um geistige Tatsachen wahrzunehmen.
[ 34 ] Now I would like to present a simple idea that shows that the nature of the image does not change anything at all. Things repel and attract one another. But when Mr. Külpe considers sensory perceptions—this world that could neither attract nor repel—it appears to Mr. Oswald Külpe not as reality, but as a reflection. There, of course, he has images before him. But impact, pressure, resistance, and everything else that is posited in the world as distinct from the others—the sensory perceptions—can be objectively explained in no other way than through the image-like nature of the sensory perceptions. Why is this so? Because when a person perceives pressure, impact, and so on, they make what lives within things into the sensations of those things. When a person says, for example, “One billiard ball strikes another,” they should reflect on the fact that in doing so, they are projecting into the things themselves what they experience as the force of the impact! And anyone grounded in spiritual science does nothing different. What lives within the soul, they make the criterion of expression for the world. There is no other principle of knowledge than that which can be discovered through the development of the soul itself. Thus, the others are doing the same thing as spiritual research. Spiritual research is simply aware of it. The others do it unconsciously; they have no idea that they are doing the same thing at an elementary level; they merely remain at the very first stage and deny what they themselves are doing. Therefore, we may say: Spiritual science is in no way opposed to other forms of truth-seeking; the other researchers are doing the same thing, only they take the first step without realizing it, whereas spiritual science consciously takes these steps as far as a particular human soul, according to its stage of development, is capable of going. Once we have reached the point where our feelings have, in a certain sense, become objective, then what I have already hinted at—and which is a necessary prerequisite for progress into the spiritual worlds—truly comes to pass. This is that human beings learn to live in the world in such a way that they assume an all-encompassing spiritual lawfulness is at work and alive in the spiritual world. In everyday life, people are far removed from such a way of thinking. They become angry when something happens to them that they do not like. This is quite understandable, for adopting a different perspective is a difficult feat. This different perspective consists in saying: We come from a previous life; we have brought ourselves into the circumstances in which we now find ourselves; we have led ourselves to what confronts us from the bosom of the future. What confronts us there corresponds to a strictly objective spiritual law. We accept it, for it would be absurd not to. Whatever comes to us from the bosom of the spiritual worlds—whether the world rebukes or praises us, whether joyful or sorrowful things appear to us—we accept it as the wise unfolding and interweaving of the world. This is something that must once again, slowly and gradually, become the very foundation of our being. When this happens, our will begins to be trained. Whereas previously our feelings were to be reorganized, now our will is reorganized; it becomes independent of our personality and thereby becomes an organ for perceiving spiritual realities.
[ 35 ] Dann tritt für den Menschen nach der Stufe der imaginativen Erkenntnis das ein, was im wahren und echten Sinne die Inspiration, die Erfüllung durch geistige Tatsachen genannt werden kann. Darüber müssen wir uns aber immer wieder klar sein, daß der Mensch die Trainierung des Willens nur auf einer bestimmten Stufe erreichen kann, wenn seine Gefühle in einer gewissen Beziehung schon geläutert sind, daß sich sein Wille mit der Gesetzlichkeit der Welt verbinden kann und er als Mensch nur noch da ist, damit diejenigen Tatsachen und Wesenheiten, die ihm erscheinen wollen, ihm in seinem Willen eine Wand vorhalten, auf der sie sich ihm abbilden können, so daß sie für ihn dasein können.
[ 35 ] Then, following the stage of imaginative knowledge, what can truly and genuinely be called inspiration—fulfillment through spiritual realities—begins for the human being. However, we must always be clear about this: a person can only achieve the training of the will at a certain level if their feelings have already been purified to a certain extent, so that their will can connect with the laws of the world, and they exist as a human being solely so that those realities and beings that wish to appear to them may find in their will a screen upon which they can project themselves, so that they may exist for him.
[ 36 ] Ich habe Ihnen nur einiges von dem schildern können, was die Seele in stiller, geduldiger Hingabe durchmachen muß, wenn sie hinaufsteigen will in die höheren Welten. In den folgenden Vorträgen werde ich Ihnen vieles aus der weltgeschichtlichen Entwickelung zu schildern haben, was die Seele durchmachen muß, um in die geistigen Welten hinaufzudringen. Sehen Sie also das, was heute gesagt worden ist, nur als eine Einleitung an, daß sich durch eine solche Schulung unser Gefühls- und Willensleben und unser ganzes Vorstellungsleben so entwickeln, daß sie zu Trägern neuer Welten werden, so daß wir tatsächlich in eine Welt eintreten, die wir ebenso als eine Realität erkennen, wie wir die physische Welt in ihrer Art als eine Realität erkennen. Ich habe schon bei anderer Gelegenheit erwähnt: Wenn die Menschen sagen: Du bildest dir das, was du zu sehen glaubst, doch nur ein, so muß erwidert werden, daß nur die Erfahrung, die Beobachtung den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Schein, ergeben kann, zwischen Realität und Phantastik, gerade wie in der physischen Welt auch. Da muß man an der Realität den Unterschied gewinnen. Wer zum Beispiel mit gesundem Denken an die Wirklichkeit herantritt, weiß ein glühendes Stück Eisen in der Wirklichkeit zu unterscheiden von einem solchen, das nur in der Vorstellung besteht, und es mögen noch soviele Schopenhauerianer kommen: er wird die beiden voneinander schon unterscheiden können, — was Wahrheit ist und was Vorstellung ist. An der Realität also kann sich der Mensch orientieren. So kann er auch nur an der Realität sich über die geistige Welt orientieren. Es hat einmal jemand gesagt, daß der Mensch, wenn er nur daran denke, Limonade zu trinken, auch den Limonadengeschmack auf der Zunge empfinde. Ich habe ihm darauf erwidert: So stark kann die Einbildung sein, daß jemand, der gar keine Limonade vor sich hat, vielleicht bei der lebhaften Vorstellung einer Limonade auch den Geschmack auf der Zunge empfindet, aber ich möchte einmal sehen, ob sich schon einmal jemand mit einer nur vorgestellten Limonade den Durst gelöscht hat. Da beginnt dann das Kriterium realer zu werden. Und so ist es auch mit einer inneren Entwickelung des Menschen, daß der Mensch nicht nur ein neues Seelenleben, neue Vorstellungen kennenlernt, sondern in seiner Seele mit einer andern Welt zusammenstößt und weiß: Du stehst jetzt vor einer Welt, die du ebenso schildern kannst, wie du die äußere Welt schildern kannst. — Das ist nicht ein bloßes Spekulieren, was sich nur mit einer Gedankenentwickelung vergleichen ließe, sondern das ist ein Heranbilden neuer Sinnesorgane und ein Erschließen neuer Welten, die wahrhaftig ebenso real vor uns stehen wie unsere äußere, physische Welt. Was heute angedeutet worden ist, ist der durch unsere Zeitverhältnisse notwendige Hinweis darauf, daß eine geistige Forschung möglich ist. Es ist nicht deshalb gesagt, daß jeder gleich ein Geistesforscher werden müsse. Denn es muß ja immer betont werden: Wenn ein Mensch mit gesundem Wahrheitssinn und vorurteilsfreier Logik die Mitteilungen der Geisteswissenschaft an sich herankommen läßt, auch wenn er nicht selbst in die geistigen Welten hineinschauen kann, so kann doch alles, was aus solchen Mitteilungen kommt, zu Energie und Kraftgefühlen für die Seele werden, auch wenn er zunächst an einen Haeckelismus oder Darwinismus glaubt. Was der Geistesforscher zu sagen hat, das ist geeignet, immer mehr und mehr zu dem gesunden Wahrheitssinn der Menschen zu sprechen, um so mehr als es zusammenhängt mit den tiefsten Interessen eines jeden Menschen. Mag es Menschen geben, die es nicht für ihr Seelenheil notwendig halten, zu wissen, wie Amphibien und Säugetiere zueinander stehen oder dergleichen. Das aber muß alle Menschen erwärmen, was aus der auf sicherer Grundlage ruhenden Geistesforschung gesagt werden kann: daß die Seele — insofern sie der geistigen Welt angehört, heruntersteigend durch die Geburt ins sinnliche Dasein und durch die Pforte des Todes wieder in das geistige Reich eintretend — der Sphäre der Ewigkeit angehört. Das muß für alle Menschen von tiefstem Interesse sein, was sich ihnen immer mehr und mehr in die Seele hineinsenkt an Kraft, die so ist, daß die Seele daraus Sicherheit gewinnt, um an ihrem Platze im Leben zu stehen. Eine Seele, die nicht Bescheid weiß über das, was sie ist und will, was sie ihrer Wesenheit nach bedeutet, kann trostlos werden, kann endlich verzweifeln und sich öde und leer fühlen. Eine Seele aber, die sich mit den geistigen Errungenschaften der Geisteswissenschaft erfüllt, kann nicht leer und öde bleiben, wenn sie die Mitteilungen der Geistesforschung nur nicht wie Dogmen aufnehmen wird, sondern als lebendiges Leben, das unsere Seele wärmend durchströmt. Das gibt Trost für alles Leid im Leben, wenn wir hinaufgeführt werden von allen zeitlichen Leiden zu dem, was der Seele an Trost werden kann von dem Anteil des Zeitlichen an dem Ewigen. Kurz: die Geisteswissenschaft kann dem Menschen das geben, was er heute braucht wegen der gesteigerten Zeitverhältnisse in den einsamsten und in den arbeitsreichsten Stunden seines Lebens, — oder wenn ihn die Kraft verlassen wollte, was er braucht, um in die Zukunft hineinzusehen und kraftvoll dieser Zukunft entgegenzugehen.
[ 36 ] I have been able to describe to you only a few of the things the soul must go through in quiet, patient devotion if it wishes to ascend into the higher worlds. In the following lectures, I will describe to you much of what the soul must undergo, as seen through the development of world history, in order to ascend into the spiritual worlds. So please regard what has been said today merely as an introduction to the idea that, through such training, our emotional and volitional lives—and our entire life of imagination—develop in such a way that they become vehicles for new worlds, so that we actually enter a world that we recognize as a reality just as we recognize the physical world as a reality in its own way. I have already mentioned on another occasion: When people say, “You are merely imagining what you think you see,” one must reply that only experience and observation can reveal the difference between reality and illusion, between the real and the fantastical—just as in the physical world. It is through reality that one must discern the difference. For example, anyone who approaches reality with sound reasoning knows how to distinguish a red-hot piece of iron in reality from one that exists only in the imagination, and no matter how many Schopenhauerian followers may come along, they will still be able to tell the two apart—what is truth and what is imagination. Thus, a person can orient themselves by reality. In the same way, they can orient themselves in the spiritual world only by reality. Someone once said that when a person merely thinks of drinking lemonade, they also sense the taste of lemonade on their tongue. I replied to him: Imagination can be so powerful that someone who has no lemonade in front of them at all might, through a vivid mental image of lemonade, actually sense the taste on their tongue; but I’d like to see if anyone has ever quenched their thirst with a lemonade that existed only in their imagination. That is where the criterion begins to take on a more concrete form. And so it is with a person’s inner development: the person not only comes to know a new spiritual life and new ideas, but also encounters another world within their soul and knows: You now stand before a world that you can describe just as you can describe the outer world. — This is not mere speculation, which could only be compared to a development of thought, but rather the formation of new sensory organs and the opening up of new worlds that truly stand before us just as real as our outer, physical world. What has been hinted at today is the necessary indication, given our current circumstances, that spiritual research is possible. This is not to say that everyone must immediately become a spiritual researcher. For it must always be emphasized: If a person with a sound sense of truth and unbiased logic allows the teachings of spiritual science to reach them—even if they cannot themselves look into the spiritual worlds—then everything that comes from such teachings can become a source of energy and a sense of strength for the soul, even if they initially believe in Haeckelism or Darwinism. What the spiritual researcher has to say is well-suited to speaking more and more to people’s healthy sense of truth, all the more so because it is connected to the deepest interests of every human being. There may be people who do not consider it necessary for their spiritual well-being to know how amphibians and mammals relate to one another, or the like. But what can be said on the basis of spiritual research, which rests on a secure foundation, must inspire all people: that the soul—insofar as it belongs to the spiritual world, descending through birth into sensory existence and re-entering the spiritual realm through the gate of death—belongs to the sphere of eternity. This must be of the deepest interest to all people—this power that sinks ever more deeply into their souls, a power such that the soul gains from it the assurance to stand firmly in its place in life. A soul that is unaware of what it is and wills, of what it signifies in terms of its essence, can become desolate, can ultimately despair, and feel barren and empty. A soul, however, that fills itself with the spiritual achievements of spiritual science cannot remain empty and desolate, provided it does not accept the findings of spiritual research as dogmas, but rather as a living reality that flows warmly through our soul. This offers solace for all suffering in life when we are lifted up from all temporal sufferings to that which can become a source of comfort for the soul—the share of the temporal in the eternal. In short: spiritual science can give people what they need today—given the intensified demands of modern life—during the loneliest and busiest hours of their lives, or when their strength begins to fail, providing them with what they need to look into the future and face it with vigor.
[ 37 ] So kann die Geisteswissenschaft, wie sie von der Geistesforschung, von denjenigen ausgeht, welche die Schritte in die geistige Welt tun wollen, immerdar bekräftigen, was wir in wenige Worte zusammenfassen wollen, welche die Charakteristik des Weges in die geistige Welt und seine Bedeutung für die Menschen der Gegenwart darin empfindungsgemäß ausdrücken. Was wir so zusammenfassen wollen, soll nicht eine Betrachtung über Theorien des Lebens sein, sondern eine Betrachtung über Heilmittel, über Kraftmittel, über Stärkungsmittel des Lebens:
[ 37 ] Thus, spiritual science—as it arises from spiritual research and from those who wish to take steps into the spiritual world—can continually affirm what we wish to summarize in a few words that intuitively express the nature of the path into the spiritual world and its significance for people today. What we wish to summarize in this way is not to be a reflection on theories of life, but rather a reflection on remedies, on sources of strength, on tonics for life:
Die Geisterwelt — sie bleibet dir verschlossen,
Erkennst du in dir selber nicht
Den Geist, der in der Seele leuchtet
Und tragend Licht dir werden kann
In Weltentiefen, auf Weltenhöhen!
The spirit world—it remains closed to you,
Do you not recognize within yourself
The spirit that shines within the soul
And, bearing light, can guide you
In the depths of the world, to the heights of the world!
