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Answers of Spiritual Science
to the Great Questions of Existence
GA 60

8 December 1910, Berlin

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6. Der Geist im Pflanzenreich

6. The Spirit in the Plant Kingdom

[ 1 ] Wie die Geisteswissenschaft den in allen uns umgebenden Wesen lebenden und webenden Geist anerkennen muß, wenn sie nur von dem Grundsatze ausgeht, daß der erkennende Mensch sich selbst in seinem Erkennen verstehen soll, das ist in den Vorträgen über «Menschenseele und Tierseele» und «Menschengeist und Tiergeist» erwähnt worden. Es ist gesagt worden, daß im Grunde genommen der sich selbst erkennende Mensch nimmermehr daran denken könne, in seinem eigenen Geist als geistigen Inhalt Ideen, Begriffe und Vorstellungen von Dingen und Wesenheiten aufzunehmen, wenn diese Begriffe und Ideen — dieser geistige Inhalt, durch den sich der Mensch begreiflich machen will, was in den Dingen liegt — nicht zuerst in den Dingen vorhanden, nicht in sie gelegt wären. Alles Herausziehen von Geistigem aus den Dingen und Wesenheiten wäre die reine Phantasterei, wäre eine selbstgemachte Phantastik, wenn man nicht voraussetzen würde, daß allüberall, wohin wir blicken und woraus wir den Geist ziehen können, dieser Geist auch vorhanden ist. Nun darf man wohl sagen, daß — wenn auch nur in kleinen Kreisen — dennoch diese allgemeine Voraussetzung von dem geistigen Inhalt der Welt doch schon vielfach gemacht wird. Aber auch bei denjenigen, die vom Geist in den Dingen sprechen, bleibt es in der Regel dabei, sozusagen von diesem Geist im allgemeinen zu sprechen, das heißt davon zu sprechen, daß allem Mineralischen, Pflanzlichen, Tierischen und so weiter geistiges Weben, geistiges Leben zugrunde liegt. Aber auf die Art und Weise einzugehen, wie der Geist sich uns spezialisiert, wie er sich im besonderen in diesen oder jenen Daseinsformen auslebt, daran denkt man in den weitesten Kreisen unserer gegenwärtigen Bildung noch nicht. Man nimmt es im Grunde genommen denjenigen recht übel, die nicht nur von dem Geist im allgemeinen sprechen, sondern die von den besonderen Formen, den besonderen Arten des Geistes sprechen, wie er sich hinter dieser oder jener Erscheinung geltend macht. Dennoch aber muß auf dem Boden unserer Geisteswissenschaft nicht nur in so vager, allgemeiner Art von dem Geist gesprochen werden, wie es jetzt angedeutet ist, sondern so, daß wir erkennen: wie webt der Geist hinter dem mineralischen oder pflanzlichen Dasein, wie im tierischen und menschlichen Dasein?

[ 1 ] How spiritual science must recognize the spirit that lives and weaves within all beings surrounding us—if it proceeds solely from the principle that the knowing human being should understand himself in his own act of knowing—has been mentioned in the lectures on “The Human Soul and the Animal Soul” and “The Human Spirit and the Animal Spirit.” It has been said that, fundamentally speaking, the self-aware human being could never conceive of incorporating into his own spirit—as spiritual content—ideas, concepts, and representations of things and entities if these concepts and ideas—this spiritual content through which the human being seeks to understand what lies within things—were not first present in the things themselves, were not already embedded within them. Any extraction of the spiritual from things and entities would be pure fantasy, a self-invented fantasy, if one did not presuppose that everywhere we look—and from which we can draw the spirit—this spirit is also present. Now one may well say that—even if only in small circles—this general presupposition regarding the spiritual content of the world is nevertheless already widely held. But even among those who speak of the spirit in things, they generally limit themselves, so to speak, to speaking of this spirit in general—that is, to speaking of the fact that all mineral, plant, and animal life, and so on, is underlaid by spiritual weaving, by spiritual life. But to go into the way in which the spirit manifests itself to us in specific ways, how it expresses itself in particular forms of existence—this is something that is not yet considered in the broadest circles of our current education. People essentially take great offense at those who not only speak of the spirit in general, but who speak of the specific forms, the specific kinds of spirit, as it asserts itself behind this or that phenomenon. Nevertheless, within the framework of our spiritual science, we must not speak of the spirit merely in such a vague, general way as has just been indicated, but in such a way that we recognize: how does the spirit weave its work behind mineral or plant existence, and how in animal and human existence?

[ 2 ] Über das Wesen des Geistes im Pflanzenreiche einiges zu sagen, soll die Aufgabe der heutigen Betrachtung sein. Man muß gestehen, wenn man nicht von abstrakter Philosophie, nicht von abstrakter Theosophie, sondern wenn man vom unbefangenen Betrachten der Wirklichkeit ausgeht und zu gleicher Zeit — wie es ja auf einem gesunden Boden der Geisteswissenschaft sein muß — auf dem Boden der Naturwissenschaft feststeht und über den «Geist im Pflanzenreich» sprechen will, dann greift man nicht nur — ich möchte sagen — in unberechtigte Vorurteile unserer wissenschaftlichen und sonstigen Zeitbildung hinein, sondern iman greift da auch in mehr oder weniger berechtigte Vorstellungen hinein, die stark suggestiv wirken und suggestiv wirken müssen. Gerade bei dieser Betrachtung, welche von dem Geist handeln soll, der seinen Ausdruck, gleichsam seine Physiognomie in dem Reiche findet, das uns entgegenschaut sowohl von den gigantischen Riesenbäumen des Urwaldes oder solchen, wie sie sich auf Teneriffa jahrtausendelang erhalten haben, bis zu dem kleinen, sich bescheiden im stillen Walde oder sonstwo bergenden Veilchen, — gerade bei einer solchen Betrachtung fühlt man sich, wenn man die naturwissenschaftlichen Begriffe des neunzehnten Jahrhunderts in sich aufgenommen hat, in einer recht schwierigen Lage. Ja man fühlt sich in einer recht schwierigen Lage, wenn man sich zu dem durchgearbeitet hat, was auf diesem Gebiete über den Geist gesagt werden soll. Denn wie könnte es in Abrede gestellt werden, daß große und wunderbare Entdeckungen auf dem Gebiete der materiellen Forschung — auch auf dem Gebiete des Pflanzenwesens — im neunzehnten Jahrhundert gemacht worden sind, die tief hineingeleuchtet haben von einem gewissen Standpunkte aus in das Wesen der Pflanzennatur. Da muß immer wieder daran erinnert werden, wie im zweiten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts der große Botaniker Schleiden die Entdeckung der Pflanzenzelle gemacht hat, das heißt zunächst vor die Menschen die Wahrheit hingestellt hat, daß ein jeglicher Pflanzenleib aufgebaut ist aus kleinen — man nennt sie wohl Elementarorganismen — selbständigen Wesenheiten, Zellen, die sich wie die Bausteine dieses PflanzenJeibes ausnehmen. Hatte man vorher nur die Pflanzen in bezug auf ihre groben Teile und Organe betrachten können, so wurde jetzt der Blick darauf gelenkt, wie jedes Blatt der höheren Pflanzen aus unzähligen solcher kleinen winzigen mikroskopischen Gebilden — den Pflanzenzellen — besteht. Und wie sollte man darüber verwundert sein, daß eine solche Entdeckung großen, gewaltigen Einfluß hatte auf das ganze Denken und Empfinden gegenüber der Pflanzenwelt. Schließlich ist es ganz natürlich, daß derjenige, der zunächst gesehen hat, wie sich der Pflanzenleib so aus diesen Bausteinen aufbaut, auf die Idee verfallen mußte, daß mit der Untersuchung dieser kleinen Gebilde, dieser Bausteine im Grunde genommen überhaupt das Geheimnis der Pflanzennatur enthüllt werden kann. Das mußte schon der geistvolle Gustav Theodor Fechner erfahren, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in der Tat so etwas in seine Gedankenreihen aufzunehmen versucht hat wie die «Pflanzenseele», obwohl man sagen könnte, daß seine zu phantastischen Auseinandersetzungen über die Pflanzennatur vielleicht etwas zu früh gekommen sind. Von einer Seele des Pflanzenwesens sprach Fechner im umfassenden Sinne, zum Beispiel in seinem Buche «Nanna», und er sprach nicht als ein bloßer Phantast, sondern als ein gründlicher und tiefer Kenner der naturwissenschaftJichen Fortschritte des neunzehnten Jahrhunderts. Aber er konnte nicht umhin, sich die Pflanzen nicht bloß aufgebaut zu denken aus den Zellen, sondern wenn er sich die Formen, die Ausgestaltungen der einzelnen Pflanzen ansah, wurde er zu der Annahme gedrängt, daß das SinnlichWirkliche der Ausdruck für ein dahinterliegendes Seelisches sei.

[ 2 ] The purpose of today’s reflection is to say a few words about the nature of the spirit in the plant kingdom. One must admit that if one proceeds not from abstract philosophy or abstract theosophy, but rather from an unbiased observation of reality—and at the same time — as must indeed be the case on the sound foundation of spiritual science — stands firmly on the ground of natural science and wishes to speak of the “spirit in the plant kingdom,” then one not only—I would say—encounters unwarranted prejudices of our scientific and other contemporary thinking, but one also encounters more or less justified conceptions that have a strong suggestive effect and must necessarily have such an effect. Precisely in this line of thought, which is meant to deal with the spirit that finds its expression—its physiognomy, as it were—in the realm that confronts us, ranging from the gigantic trees of the primeval forest or those that have survived for millennia on Tenerife, all the way to the small violet that hides modestly in the quiet forest or elsewhere, —precisely in such a contemplation, one finds oneself in a rather difficult position once one has internalized the scientific concepts of the nineteenth century. Indeed, one finds oneself in a rather difficult position once one has worked through what is to be said about the spirit in this field. For how could one deny that great and marvelous discoveries in the field of material research—including in the field of botany—were made in the nineteenth century, discoveries that, from a certain standpoint, shed deep light on the essence of plant nature? We must repeatedly recall how, in the second third of the nineteenth century, the great botanist Schleiden made the discovery of the plant cell—that is, he first presented to humanity the truth that every plant body is composed of small—what are often called elementary organisms—independent entities, cells, which appear to be the building blocks of this plant body. Whereas previously one had been able to observe plants only in terms of their gross parts and organs, attention was now directed to how every leaf of higher plants consists of countless such tiny, microscopic structures—the plant cells. And how could one be surprised that such a discovery had a profound and far-reaching influence on the entire way of thinking about and perceiving the plant world? After all, it is only natural that anyone who first observed how the plant body is constructed from these building blocks would come to the conclusion that, by studying these tiny structures—these building blocks—one could, in essence, uncover the very secret of plant nature. The brilliant Gustav Theodor Fechner had to learn this firsthand; in the mid-nineteenth century, he did indeed attempt to incorporate into his line of thought something like the “plant soul,” although one might say that his overly fanciful speculations about the nature of plants perhaps came a little too early. Fechner spoke of a soul of the plant in a comprehensive sense, for example in his book *Nanna*, and he did not speak merely as a fantasist, but as a thorough and profound connoisseur of the scientific advances of the nineteenth century. But he could not help but conceive of plants not merely as structures composed of cells; rather, when he observed the forms and features of individual plants, he was compelled to assume that the sensory reality was the expression of an underlying spiritual essence.

[ 3 ] Nun muß gesagt werden: Gegenüber dem, was die Geisteswissenschaft heute über das Leben des Geistes im Pflanzenreich zu sagen hat, nimmt sich allerdings das, was man in Fechners Auseinandersetzungen findet, recht phantastisch aus, aber seine Gedanken waren ein Vorstoß. Trotzdem hat es Fechner erfahren müssen, welcher Widerstand gerade durch jenes Denken kommen kann, in welches der Menschengeist hineingedrungen ist durch die Entdeckungen des neunzehnten Jahrhunderts. Man muß billig denken und verstehen, daß selbst die größten Geister, wenn sich ihnen unter dem Mikroskop zeigte, wie der Pflanzenleib ein Gefüge ist der kleinen Zellen, von diesem Anschauen fasziniert waren und sich gar nicht vorstellen konnten, wie jemand da noch auf die Idee kommen konnte, von einer «Pflanzenseele» zu sprechen, nachdem sich das Materielle in einer so grandiosen Weise dem forschenden Menschengeiste gezeigt hatte. Daher müssen wir es billig verstehen, daß gerade der Erforscher der Pflanzenzelle auch der größte und heftigste Gegner wurde gegenüber dem, was Fechner über das Seelenwesen der Pflanzen sagen wollte. Und es ist einer gewissen Weise reizvoll, den feinen und subtilen Fechner im Kampf zu sehen mit dem durch seine epochemachende Entdeckung für die Botanik berühmt gewordenen Schleiden, der aber in einer materialistisch groben Weise alles das abtut, was Fechner aus seinen intimen Betrachtungen heraus über die Pflanzen sagen wollte. In einem solchen Kampf zwischen Fechner und Schleiden im neunzehnten Jahrhundert spielt sich im Grunde genommen etwas ab, was eine jede Seele, die durch die Wissenschaft unserer Zeit hindurchgeht, empfinden muß, wenn sie sich durch die Zweifel und Rätsel hindurcharbeitet, die dann doch kommen, gerade wenn man auf die naturwissenschaftlichen Errungenschaften eingeht. Sie wird sehr zweifeln, ob sie sich sozusagen auf einem solchen Gebiete aus den manchmal recht zwingenden Vorstellungen herausarbeiten kann. Wer dieses Zwingende der materialistischen naturwissenschaftlichen Vorstellungen des neunzehnten Jahrhunderts nicht kennt, dem mag es manchmal trivial, vielleicht auch kleinlich erscheinen, was von seiten der Weltanschauung gesagt wird, die sich auf den festen Boden der Naturwissenschaft stellen will. Wer aber mit gesundem Wahrheitssinn und mit einem ernsten Bedürfnis, die Lebensrätsel zu lösen, und zugleich ausgerüstet mit den Begriffen der Botanik des neunzehnten Jahrhunderts an die Sache herangeht, für den kann sich manche innere Seelentragik da ergeben. Nur angedeutet soll etwas davon werden. So lernt man zum Beispiel erkennen, was die Botanik des neunzehnten Jahrhunderts gebracht hat. Es ist darin wirklich manches Großartige und wahrhaft Frappierende. Dann kommt der, welcher so mit gesundem Wahrheitssinn gerade an die naturwissenschaftlichen Begriffe geht, auf der einen Seite dahin, daß diese Begriffe suggestiv, mit einer ungeheuren Gewalt auf ihn wirken, daß sie ihn nicht loslassen, sondern ihm immer wieder und wieder in die Ohren raunen: Du begehst einen Unsinn, wenn du den sicheren Pfad verläßt, wo man verfolgt, wie Zelle zu Zelle sich verhält, wie Zelle durch Zelle ernährt wird und so weiter. Zuletzt kommt dann die Notwendigkeit, sich von den materialistischen Begriffen loszureißen auf diesem Gebiete. Es geht nicht mehr anders, gerade bei den naturwissenschaftlichen Voraussetzungen, wenn man noch so sehr sich festhalten lassen wollte durch die suggestive Gewalt der den äußeren materialistischen Vorstellungen bloß folgenden Weltanschauungen. Es geht nicht mehr von einem bestimmten Punkte ab. Das letztere machen nun heute noch nicht viele mit. Das erstere macht der weitaus größte Teil derjenigen mit, die sich von den naturwissenschaftlichen Ergebnissen fasziniert fühlen und sich nicht getrauen, auch nur einen Schritt über das hinauszugehen, was das Mikroskop zeigt. Den andern Schritt machen die allerwenigsten. Aber klar ergibt sich für den, der sich einen gesunden Wahrheitssinn gerade auf naturwissenschaftlichem Boden erhält — und der ist notwendig, wenn man an den Geist im Pflanzenreich herantreten will —, daß man sich zunächst mit einer gewissen Vorstellung zu befassen hat, denn sonst wird man immer in die Irre gehen, wird immer in ein Labyrinth hineinkommen, in das auch Fechner hineingekommen ist, trotzdem er sich so sehr bemüht hat, feinsinnig das Symbolische, das Physiognomische der einzelnen Pflanzenformen und Pflanzengestaltungen zu untersuchen. Worauf es hier ankommt, das möchte ich zuerst wieder durch einen Vergleich vor Ihre Seele führen.

[ 3 ] It must be said, however, that compared to what spiritual science has to say today about the life of the spirit in the plant kingdom, what one finds in Fechner’s writings does indeed seem quite fanciful; yet his ideas represented a breakthrough. Nevertheless, Fechner had to learn firsthand the resistance that can arise precisely from the very way of thinking into which the human spirit had penetrated through the discoveries of the nineteenth century. One must fairly acknowledge and understand that even the greatest minds, when they saw under the microscope how the plant body is a structure of tiny cells, were fascinated by this sight and could not at all imagine how anyone could still come up with the idea of speaking of a “plant soul” after the material had revealed itself in such a magnificent way to the inquiring human mind. Therefore, we must understand that it was precisely the researcher of the plant cell who became the greatest and most vehement opponent of what Fechner sought to say about the spiritual nature of plants. And there is a certain charm in seeing the refined and subtle Fechner locked in battle with Schleiden—who had become famous in botany for his epoch-making discovery—but who, in a crudely materialistic manner, dismisses everything Fechner sought to say about plants based on his intimate observations. In such a battle between Fechner and Schleiden in the nineteenth century, something is essentially taking place that every soul navigating the science of our time must feel as it works its way through the doubts and mysteries that inevitably arise precisely when one engages with the achievements of the natural sciences. One will have serious doubts as to whether, so to speak, one can free oneself from the sometimes quite compelling notions in such a field. To those unfamiliar with the compelling nature of nineteenth-century materialistic scientific ideas, what is said from the perspective of a worldview that seeks to stand on the firm ground of natural science may sometimes seem trivial, perhaps even petty. But for those who approach the matter with a sound sense of truth and a serious need to solve life’s mysteries—and who are at the same time equipped with the concepts of nineteenth-century botany—a certain inner spiritual tragedy may emerge. I shall merely hint at some of this. For example, one learns to recognize what nineteenth-century botany has contributed. There is indeed much that is magnificent and truly astonishing in it. Then the person who approaches these scientific concepts with such a sound sense of truth finds, on the one hand, that these concepts have a suggestive, immense power over him—that they do not let him go, but whisper in his ear again and again: You’re making a mistake if you leave the safe path where one traces how cell relates to cell, how cell is nourished by cell, and so on. Ultimately, the necessity arises to break free from materialistic concepts in this field. There is simply no other way, especially given the scientific premises, no matter how much one might want to cling to the suggestive power of worldviews that merely follow external materialistic notions. It is no longer possible to depart from a certain point. Not many people are willing to take that latter step today. The former step is taken by the vast majority of those who are fascinated by the findings of natural science and do not dare to go even one step beyond what the microscope reveals. Very few take the other step. But it becomes clear to anyone who maintains a healthy sense of truth precisely on the ground of the natural sciences—and this is necessary if one wishes to approach the spirit in the plant kingdom—that one must first grapple with a certain concept; otherwise, one will always go astray, will always enter a labyrinth into which Fechner also entered, despite his great efforts to examine with subtlety the symbolic and physiognomic aspects of individual plant forms and structures. I would like to begin by bringing what is essential here to your attention once more through a comparison.

[ 4 ] Nehmen Sie an, es fände jemand auf diesem oder jenem Wege irgendeinen Teil einer Materie, irgendeinen Stoffteil. Wenn er diesen Stoffteil, wie er sich ihm darbietet, in gewissen Fällen untersucht, so kann es sein, daß er niemals zurechtkommen wird. Warum nicht? Wenn dieser Stoffteil ein Stück Knochen aus einem menschlichen Arm ist, wird der Betreffende, wenn er bloß dieses Stück Knochen anschaut und es aus sich selbst heraus erklären will, nicht zurechtkommen können. Denn nirgends in aller Welt wäre es möglich, daß ohne die Voraussetzung eines menschlichen Armes dieser Stoffteil entstehen würde. Man kann gar nicht über ihn sprechen, wenn man ihn nicht in Zusammenhang stehend mit einem ganzen menschlichen Organismus auffaßt. So ist es unmöglich, daß wir von einem solchen uns entgegentretenden Gebilde anders sprechen als im Zusammenhange mit einem ganzen Wesen. Ein anderer Vergleich könnte der folgende sein. Wir finden irgendwo ein Gebilde, das ein menschliches Haar ist. Wollten wir es erklären, wie es entstanden sein müßte dort, wo es liegt, so würden wir ganz in die Irre gehen, denn wir können es nur so erklären, daß wir es im Zusammenhange mit einem ganzen menschlichen Organismus betrachten. Für sich ist es nichts, für sich ist es unerklärbar.

[ 4 ] Suppose someone were to find, by one means or another, some part of a material object, some piece of matter. If he examines this piece of matter, as it appears to him, in certain cases, he may never be able to make sense of it. Why not? If this material fragment is a piece of bone from a human arm, the person in question, if he merely looks at this piece of bone and tries to explain it in and of itself, will not be able to make sense of it. For nowhere in the entire world would it be possible for this material fragment to come into being without the presupposition of a human arm. One cannot even speak of it unless one conceives of it in connection with an entire human organism. Thus, it is impossible for us to speak of such a structure that presents itself to us in any way other than in connection with a whole being. Another comparison might be the following. We find somewhere a structure that is a human hair. If we were to explain how it must have come into being right where it lies, we would be completely mistaken, for we can explain it only by considering it in connection with an entire human organism. On its own, it is nothing; on its own, it is inexplicable.

[ 5 ] Das ist etwas, was der Geistesforscher für den ganzen Umfang unserer Beobachtungen, unserer Erklärungen festhalten muß. Er muß ein jegliches Ding, wo es ihm entgegentritt, daraufhin anschauen, ob es für sich selbst betrachtet werden kann, oder ob es für sich selbst unerklärbar bleibt, ob es nicht zu einem anderen dazugehört — oder besser als eine Individualität für sich betrachtet werden kann. Merkwürdigerweise zeigt sich dem Geistesforscher, daß es überhaupt unmöglich ist, die Pflanzenwelt, diese wunderbare Erdendecke, jemals als etwas für sich selbst Bestehendes zu betrachten. Es fühlt sich der geistige Betrachter gegenüber der Pflanzendecke so, wie er sich einem Finger gegenüber fühlt, den er nur als einem ganzen menschlichen Organismus zugehörig betrachten kann. Die Pflanzenwelt kann aus dem Grunde nicht für sich allein betrachtet werden, weil sie sich für den geistesforscherischen Blick gleich hinzugesellt zu dem ganzen Erdplaneten und mit ihm ein Ganzes bildet wie der Finger mit unserm Organismus oder ein Stück Knochen oder das Gehirn mit unserm Organismus. Und wer die Pflanzen für sich betrachtet, einzelnstehend, der tut dasselbe wie der, welcher eine Hand oder ein Stück Menschenknochen für sich allein erklären wollte. Die gesamten Pflanzenwesen sind gar nicht anders zu betrachten denn als ein Glied unseres gesamten Erdplaneten.

[ 5 ] This is something the researcher of the spirit must bear in mind with regard to the entire scope of our observations and our explanations. He must examine every single thing that presents itself to him to determine whether it can be considered in and of itself, or whether it remains inexplicable in and of itself, whether it does not belong to something else—or, rather, whether it can be regarded as an individuality in its own right. Curiously, it becomes apparent to the spiritual researcher that it is utterly impossible to ever regard the plant world—this marvelous covering of the Earth—as something existing in and of itself. The spiritual observer feels toward the plant covering just as he feels toward a finger, which he can only regard as belonging to a whole human organism. The plant world cannot be regarded in isolation for this very reason: to the spiritual researcher’s gaze, it immediately joins itself to the entire Earth and forms a whole with it, just as a finger does with our organism, or a piece of bone or the brain with our organism. And anyone who considers plants in isolation, on their own, is doing the same thing as someone who would try to explain a hand or a piece of human bone in isolation. The entire plant kingdom can be regarded in no other way than as a part of our entire Earth.

[ 6 ] Da kommen wir allerdings schon zu einer Sache, die für viele heute ärgerlich sein mag, die aber dennoch für den geistesforscherischen Blick gilt. Wir kommen dazu, unsern ganzen Erdplaneten anders anzusehen, als er gewöhnlich von der heutigen Wissenschaft betrachtet wird. Denn unsere heutige Wissenschaft — sei es Astronomie, Geologie oder Mineralogie — spricht im Grunde genommen von der Erde nur in dem Sinne, daß diese Erdkugel zusammengesetzt ist aus den Gesteinen, dem Mineralischen, dem Leblosen. Die Geisteswissenschaft darf nicht so sprechen. Sie kann nur so sprechen, daß alles, was auf unserer Erde gefunden wird, was sozusagen ein Wesen, das aus dem Weltenraum auf unsere Erde herniederstiege, an Menschen, Tieren, Pflanzen und Steinen finden würde, so zu dem Ganzen unserer Erde gehörte, wie die Steine selber zu unserer Erde gehören. Das heißt, wir dürfen den Erdplaneten nicht bloß als totes Gesteinsgefüge betrachten, sondern als etwas, was ein in sich lebendes Ganzes ist, das auch die Pflanzenwesen aus sich selbst so hervorbringt wie der Mensch die Gebilde seiner Haut, seiner Sinnesorgane und dergleichen. Mit andern Worten: wir dürfen nicht die Erde ohne die dazu gehörige Pflanzendecke betrachten.

[ 6 ] This, however, brings us to a point that may be frustrating for many today, but which nevertheless holds true from the perspective of spiritual research. We are led to view our entire planet Earth differently than it is usually viewed by modern science. For modern science—be it astronomy, geology, or mineralogy—fundamentally speaks of the Earth only in the sense that this globe is composed of rocks, minerals, and the inanimate. Spiritual science must not speak in this way. It can only speak in such a way that everything found on our Earth—everything that, so to speak, a being descending from outer space onto our Earth would find in the form of humans, animals, plants, and stones—belongs to the whole of our Earth just as the stones themselves belong to our Earth. This means that we must not regard the Earth merely as a dead structure of rock, but as something that is a living whole in itself, which brings forth plant beings from within itself just as the human being produces the structures of his skin, his sense organs, and the like. In other words: we must not consider the Earth without its associated vegetation.

[ 7 ] Schon ein äußerlicher Umstand könnte die Menschen darauf hinweisen, daß, wie ein jeglicher Stein zu der Erde in gewisser Beziehung gehört, ebenso auch alles Pflanzliche zu ihr gehört. Denn wie jeder Stein, jeder leblose Körper seine Zugehörigkeit zu der Erde zeigt, indem er auf dieErde fallen kann, wo er eine Widerlage findet, so zeigt jede Pflanze ihre Zugehörigkeit zur Erde dadurch, daß die Stengelrichtung der Pflanzen immer eine solche ist, die durch den Mittelpunkt der Erde geht. Alle Pflanzenstengel würden sich im Mittelpunkt der Erde schneiden, wenn wir sie bis zum Mittelpunkt der Erde verlängerten, das heißt die Erde ist imstande, aus ihrem Mittelpunkt alle die Kraftstrahlen zu ziehen, welche die Pflanzen aus sich hervorgehen lassen. Wir betrachten sonst nur ein Abstraktes, ein Ausgedachtes, wenn wir das Gesteinsreich betrachten, ohne die Pflanzendecke dazuzunehmen. Es kommt dazu nun, daß die rein auf das äußere Materielle gehende Naturwissenschaft sehr gern davon spricht, wie alles Leben — also auch das Pflanzenleben — einmal aus dem Leblosen, dem Mineralischen entstanden sein müsse. Diese Frage gibt es für den Geistesforscher gar nicht, weil nie das Untergeordnete, das Niedere die Voraussetzungen des Höheren sind, sondern immer ist das Höhere, das Belebte die Voraussetzung des Niederen, des Unbelebten. Wir werden später bei dem Vortrage «Was hat die Geologie über Weltentstehung zu sagen?» noch sehen, daß die Geistesforschung zeigt, wie alles Steinige, Mineralische — vom Granit bis zur Ackerkrume — in einer ähnlichen Weise entstanden ist, wie es heute die Naturwissenschaft noch glaubt in bezug auf die Steinkohle. Denn die Steinkohle ist heute ein Mineral, wir graben sie aus der Erde heraus. Was war sie auch nach naturwissenschaftlichen Begriffen vor Jahrmillionen? Große, mächtige Wälder — so sagt die Naturwissenschaft — bedeckten damals einen großen Teil der Erdoberfläche; später sanken sie bei Erdumwälzungen in die Erde hinein, verwandelten sich chemisch in bezug auf ihre stoffliche Zusammensetzung, und was wir heute aus den Tiefen der Erde herausgraben, das sind die zu Stein gewordenen Pflanzen. Wenn man das heute der Steinkohle gegenüber zugibt, wird man es auch nicht mehr gar zu lächerlich finden, wenn die Geisteswissenschaft durch ihre Methoden, die sie anwendet, darauf kommt, daß nun alles Gestein, das unsere Erde birgt, zuletzt aus der Pflanze entstanden ist, daß sozusagen die Pflanze erst hat zu Stein werden müssen, so daß also nicht das Steinige die Voraussetzung des Pflanzlichen ist, sondern daß umgekehrt das Pflanzliche die Voraussetzung des Mineralischen ist. Alles Mineralische ist zunächst eine Verhärtung, dann eine Versteinerung des Pflanzlichen.

[ 7 ] Even an external circumstance could point out to people that, just as every stone belongs to the earth in a certain sense, so too does every plant belong to it. For just as every stone, every inanimate object, demonstrates its connection to the Earth by being able to fall to the Earth, where it finds support, so too does every plant demonstrate its connection to the Earth in that the direction of the plant’s stem always passes through the center of the Earth. All plant stems would intersect at the center of the Earth if we extended them to the center of the Earth; that is to say, the Earth is capable of drawing from its center all the rays of force that the plants emit from within themselves. Otherwise, we are merely considering an abstraction, a figment of the imagination, when we examine the mineral kingdom without including the plant cover. It so happens that natural science, which focuses purely on the external material realm, is very fond of discussing how all life—including plant life—must have once arisen from the inanimate, the mineral realm. For the spiritual researcher, this question does not even arise, because the subordinate, the lower, is never the prerequisite for the higher; rather, the higher, the animate, is always the prerequisite for the lower, the inanimate. We will see later in the lecture “What Does Geology Have to Say About the Origin of the World?” that spiritual science shows how everything stony and mineral—from granite to topsoil—came into being in a similar way to how natural science still believes coal did. For coal is a mineral today; we dig it out of the earth. What was it, even by the standards of natural science, millions of years ago? Vast, mighty forests—so says natural science—covered a large part of the Earth’s surface at that time; later, during geological upheavals, they sank into the Earth, underwent chemical transformations in terms of their material composition, and what we excavate from the depths of the Earth today are those plants that have turned to stone. If one acknowledges this today in relation to coal, one will no longer find it all that ridiculous when spiritual science, through the methods it employs, concludes that all rock contained within our Earth ultimately originated from plants—that, so to speak, the plant first had to turn to stone—so that it is not the stony that is the prerequisite for the plant, but rather, conversely, the plant that is the prerequisite for the mineral. Everything mineral is first a hardening, then a fossilization of the plant.

[ 8 ] So haben wir auch in dem Erdplaneten etwas vor uns, von dem wir voraussetzen müssen: das war einstmals in bezug auf seine dichteste Qualität pflanzlicher Natur, war ein Gefüge aus pflanzlichen Wesen, und aus diesem Lebendigen hat sich erst das Leblose herausentwickelt, indem es sich nacheinander verhärtet, verholzt, versteint hat. Wie unser Knochengerüst, das sich im Grunde genommen auch erst aus dem Organismus heraus absondert, so haben wir das Gesteinsgerüst als das große Knochengerüst des Erdenwesens, des Erdenorganismus anzusehen.

[ 8 ] Thus, we also have before us, in the Earth planet, something about which we must assume: that it was once, in terms of its densest quality, of a plant nature—a structure composed of plant beings—and that the inanimate developed from this living substance only as it successively hardened, lignified, and fossilized. Just as our skeletal system, which, strictly speaking, also first separates itself from the organism, so too must we regard the rock structure as the great skeletal system of the Earth being, of the Earth organism.

[ 9 ] Nun können wir, wenn wir diesen Erdenorganismus geisteswissenschaftlich betrachten, noch weiter gehen. Ich kann heute nur die allerersten Linien dafür angeben, denn wir haben es mit einem Zyklus von Vorträgen zu tun, wo eines in das andere hineingreifen muß. Wir können uns fragen: Wie steht es mit dem Erdenorganismus als solchem?

[ 9 ] Now, if we examine this Earth organism from the perspective of spiritual science, we can go even further. Today I can only outline the very first steps in this direction, for we are dealing with a series of lectures in which one topic must build upon the next. We may ask ourselves: What is the nature of the Earth organism as such?

[ 10 ] Wir wissen, wenn wir einen Organismus betrachten, zeigt er uns abwechselnd verschiedene Zustände. Der menschliche und der tierische Organismus zeigen in der Zeit abwechselnd einen Wach- und einen Schlafzustand. Können wir nun geisteswissenschaftlich etwas Ähnliches für den Erdenleib, für den Erdenorganismus finden? Es nimmt sich das Folgende für eine äußere Betrachtung zunächst wie ein Vergleich aus, aber für die geistige Forschung ist es nicht ein Vergleich, sondern ein Tatbestand. Wenn wir auf der Erde die eigentümliche Gesetzmäßigkeit von Sommer und Winter betrachten, wie sie sich geltend macht, indem auf der einen Hälfte Sommer, auf der andern Winter ist, wie dieses Verhältnis abwechselt, und wenn wir einen Blick darauf werfen, wie es sich — als Winterzeit und Sommerzeit — unterscheidet in bezug auf das ganze Erdenleben, so wird es nicht mehr absurd erscheinen, wenn die Geisteswissenschaft erzählt, daß Winter und Sommer für den Erdenorganismus entsprechen dem Wachen und Schlafen derjenigen Organismen, die wir selbst um uns herum haben. Die Erde schläft nur nicht so in der Zeit wie die andern Organismen, sondern sie wacht immer irgendwo und schläft immer irgendwo an irgendeiner Stelle ihres Wesens. Wachen und Schlafen ziehen herum, indem die Erde in einem Teil schläft, wo sie Sommer hat; sie wacht mit einem Teil ihres Wesens, wo sie Winter hat. So steht der ganze Erdenorganismus geistig mit Zuständen wie Wachen und Schlafen wie ein anderer Organismus vor uns.

[ 10 ] We know that when we observe an organism, it alternately exhibits different states. The human and animal organisms alternately exhibit states of wakefulness and sleep over time. Can we now find something similar, from the perspective of spiritual science, for the earthly body, for the earthly organism? At first glance, what follows may seem like a comparison, but for spiritual research it is not a comparison but a fact. When we observe the unique law of summer and winter on Earth—how it manifests itself with summer on one half of the globe and winter on the other, and how this relationship alternates— and if we take a look at how it differs—as wintertime and summertime—in relation to the whole life of the Earth, it will no longer seem absurd when spiritual science tells us that winter and summer correspond, for the Earth organism, to the waking and sleeping of the organisms we ourselves have around us. The Earth simply does not sleep in the same way over time as other organisms; rather, it is always awake somewhere and always asleep somewhere within its being. Waking and sleeping move back and forth: the Earth sleeps in the part where it is summer; it is awake with a part of its being where it is winter. Thus, the entire Earth organism stands before us spiritually, with states such as waking and sleeping, just like any other organism.

[ 11 ] Der Sommerzustand des Erdenorganismus besteht ja nun in einem ganz besonderen Verhältnis der Erde zur Sonne, nämlich darin, daß die Erde in eine solche Beziehung zur Wirkung der Sonne tritt — und das dürfen wir sagen, weil wir es mit einem lebendigen, geisterfüllten Organismus zu tun haben —, daß sie sich einer Wirkung hingibt, die geistig von der Sonne ausgeht. Für den Winterzustand verschließt sich der Erdenorganismus dieser Sonnenwirkung, zieht sich gleichsam in sich selber zusammen. Vergleichen wir nun einmal diesen Zustand mit dem menschlichen Schlafzustand. Ich will jetzt scheinbar äußerlich von einer bloßen Analogie sprechen; die Geisteswissenschaft liefert aber die Belege für den Tatbestand.

[ 11 ] The summer state of the Earth organism consists, after all, in a very special relationship between the Earth and the Sun, namely that the Earth enters into such a relationship with the Sun’s influence—and we may say this because we are dealing with a living, spirit-filled organism—that it surrenders itself to an influence that emanates spiritually from the Sun. During the winter state, the Earth organism closes itself off from this solar influence, withdrawing, as it were, into itself. Let us now compare this state to the human state of sleep. I will now speak, outwardly speaking, of a mere analogy; but spiritual science provides the evidence for this fact.

[ 12 ] Betrachten wir den Menschen des Abends, wenn er ermüdet ist, wie sein Bewußtsein heruntersinkt, wie alle Gedanken und Empfindungen, die während des Tages durch die äußeren Dinge in unsere Seele hereinziehen, alle Lust und Leid, Freuden und Schmerzen in ein unbestimmtes Dunkel hinuntersinken. In dieser Zeit geht das menschliche Geistwesen — wie wir es in dem Vortrage über das «Wesen des Schlafes» gezeigt haben — aus dem physischen Menschenleib heraus und tritt ein in die geistige Welt, ist hingegeben der geistigen Welt. In diesem Schlafzustand ist nur das Eigentümliche für den Menschen, daß er bewußtlos wird. Für den Geistesforscher — wir werden sehen, wodurch er das weiß — zeigt sich, daß das menschliche Innere, Astralleib und Ich, in der Tat aus dem physischen Leib und Ätherleib sich herauszieht, aber nicht nur sich herauszieht und wie ein Wolkengebilde über ihm schwebt; sondern dieses menschliche Innere breitet sich aus, ergießt sich über die ganze planetarische Welt, die um uns ist. So unwahrscheinlich es ist: es zeigt sich doch, daß sich die Menschenseele einheitlich ausgießt über das Astralische. Die Forscher, die auf diesem Gebiete beschlagen waren, haben wohl gewußt, warum sie das, was herausgeht, den Astralleib nannten, weil nämlich dieses Innere aus dem Himmelsraum, mit dem es eine Einheit bildet, sich die Kräfte holt, die es braucht, um das zu ersetzen, was des Tages Mühe und Arbeit am physischen Leib abgenutzt hat. So geht der Mensch im Schlafe auf in die große Welt, so zieht er sich des Morgens wieder zurück in die Grenzen seiner Haut, in die kleine Menschenwelt, in den Mikrokosmos. Da fühlt er wieder, weil der Leib ihm Widerstand bietet, sein Ich, sein Selbstbewußtsein.

[ 12 ] Let us observe a person in the evening, when they are tired, as their consciousness sinks, as all the thoughts and feelings that have entered our soul during the day through external events—all pleasure and suffering, joys and pains—sink into an indefinite darkness. During this time, the human spirit—as we showed in the lecture on “The Nature of Sleep”—leaves the physical human body and enters the spiritual world, becoming absorbed in the spiritual world. In this state of sleep, the only thing unique to humans is that they lose consciousness. To the spiritual researcher—we shall see how he knows this—it becomes evident that the human inner being, the astral body and the “I,” does indeed withdraw from the physical body and the etheric body, but it does not merely withdraw and hover above it like a cloud formation; rather, this human inner being expands and pours out over the entire planetary world that surrounds us. As improbable as it may seem, it is nevertheless evident that the human soul pours out as a unified whole into the astral realm. Researchers who were well-versed in this field knew full well why they called what emerges the astral body—namely, because this inner being draws from the celestial space, with which it forms a unity, the forces it needs to replenish what the day’s toil and labor have depleted in the physical body. Thus, in sleep, the human being merges into the great world; in the morning, he withdraws once more within the confines of his skin, into the small human world, into the microcosm. There, because the body offers him resistance, he feels his “I,” his self-consciousness, once again.

[ 13 ] Dieses Ausatmen und Wiedereinatmen der Seele ist das wunderbare Wechselspiel im menschlichen Leben. Von alle denen, die nicht direkt vom okkulten, geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus gesprochen haben, habe ich eigentlich nur bei einem einzigen Geist eine so treffende Bemerkung gefunden über das Wechselspiel von Wachen und Schlafen, daß man sie direkt in die Geisteswissenschaft hineinnehmen kann, weil sie sich mit dem geisteswissenschaftlichen Tatbestand deckt. Allerdings war es ein gründlicher mathematischer Denker, aber ein sinniger Mensch, der mit seinem Geist großartig die Natur zu umfassen verstand: Novalis. Er sagt: «Schlaf ist ein vermischter Zustand des Körpers und der Seele. Im Schlafe ist Körper und Seele chymisch verbunden. Im Schlafe ist die Seele durch den Körper gleichmäßig verteilt — der Mensch ist neutralisiert. Wachen ist ein geteilter — polarischer Zustand. Im Wachen ist die Seele punktiert — lokalisiert. Schlaf ist Seelenverdauung; der Körper verdaut die Seele. (Entziehung des Seelenreizes.) — Wachen ist Einwirkungszustand des Seelenreizes — der Körper genießt die Seele. Im Schlafe sind die Bande des Systems locker — im Wachen angezogen.»

[ 13 ] This exhalation and re-inhalation of the soul is the wondrous interplay of human life. Of all those who have not spoken directly from the occult, spiritual-scientific standpoint, I have actually found only one mind that has made such an apt remark about the interplay of waking and sleeping that it can be directly incorporated into spiritual science, because it corresponds to the spiritual-scientific reality. Admittedly, it was a thorough mathematical thinker—yet a man of profound insight—who understood how to embrace nature magnificently with his spirit: Novalis. He says: “Sleep is a blended state of the body and the soul. In sleep, body and soul are chemically united. In sleep, the soul is evenly distributed throughout the body—the human being is neutralized. Waking is a divided—polar—state. In wakefulness, the soul is punctated—localized. Sleep is the digestion of the soul; the body digests the soul. (Withdrawal of the soul’s stimulus.)—Wakefulness is a state in which the soul’s stimulus takes effect—the body enjoys the soul. In sleep, the bonds of the system are loose—in wakefulness, they are tightened.”

[ 14 ] Schlaf bedeutet also für Novalis das Verdauen der Seele durch den Leib. Novalis ist sich immer bewußt, daß in der Tat im Schlafe die Seele eins wird mit dem Universum und verdaut wird, damit sich der Mensch weiterhelfen kann für die physische Welt.

[ 14 ] For Novalis, then, sleep means the digestion of the soul by the body. Novalis is always aware that, in sleep, the soul does indeed become one with the universe and is digested, so that human beings can better cope with the physical world.

[ 15 ] So wechselt der Mensch in bezug auf sein inneres Wesen in der Weise, daß er sich beim Tagwachen in die kleine Welt, in die Grenzen seiner Haut zusammenzieht und sich in der Nacht im großen ausdehnt, sich durch die Hingabe Kräfte holt aus der Welt, in die er da hineingebettet ist. Denn wir verstehen den Menschen nicht, wenn wir ihn nicht herausgebildet verstehen aus dem ganzen Makrokosmos.

[ 15 ] Thus, in terms of their inner being, human beings change in such a way that, when awake during the day, they contract into the small world—within the boundaries of their skin—and at night they expand into the great world, drawing strength through devotion from the world in which they are embedded. For we cannot understand human beings unless we understand them as having emerged from the entire macrocosm.

[ 16 ] Für den Teil der Erde nun, der Sommer hat, liegt etwas Ahnliches vor wie bei einem Menschen, der im Schlafzustande ist. Die Erde gibt sich hin alledem, was von der Sonne herunterkommt, und gestaltet sich so, wie sie sich gestalten soll unter dem Einfluß der Sonnenwirksamkeit. Für den Teil, wo die Erde Winter hat, verschließt sie sich der Einwirkung der Sonne, lebt in sich selber. Da ist es so, wie wenn der Mensch in die kleine, innere Welt zusammengezogen ist und in sich selbst lebt, während es für den Teil der Erde, wo Sommer ist, so ist, wie wenn der Mensch hingegeben ist der ganzen äußeren Welt.

[ 16 ] As for the part of the Earth that is in summer, the situation is similar to that of a person who is asleep. The Earth surrenders itself to everything that comes down from the Sun and takes on the form it is meant to have under the influence of the Sun’s activity. As for the part of the Earth where it is winter, it closes itself off from the sun’s influence and lives within itself. It is as if a person were withdrawn into their small, inner world and living within themselves, whereas for the part of the Earth where it is summer, it is as if a person were devoted to the entire outer world.

[ 17 ] Nun gibt es ein Gesetz der geistigen Welt, daß wir uns, wenn wir weiter voneinander liegende geistige Wesenheiten ins Auge fassen — wie zum Beispiel hier den Menschen auf der einen Seite und den Erdorganismus auf der andern Seite —, die Bewußtseinszustände in gewisser Beziehung umgekehrt vorzustellen haben. Beim Menschen ist das Hinaustreten in die große Welt der Schlafzustand. Für die Erde ist der Sommerzustand — den man vielleicht einen Wachzustand nennen möchte — etwas, was sich doch nur vergleichen läßt mit dem, was beim Menschen das Einschlafen ist. Der Mensch tritt mit dem Einschlafen in die große Welt hinaus; die Erde tritt mit dem Sommer mit allen ihren Kräften in den Bereich der Sonnenwirksamkeit, nur müssen wir uns die Erde und die Sonne als geisterfüllte Organismen denken.

[ 17 ] Now there is a law of the spiritual world that states: when we consider spiritual entities that are further apart from one another—such as, for example, the human being on one side and the Earth organism on the other—we must conceive of their states of consciousness as, in a certain sense, reversed. For the human being, stepping out into the great world is the state of sleep. For the Earth, the summer state—which one might perhaps call a waking state—is something that can really only be compared to what falling asleep is for the human being. When a human falls asleep, they step out into the great world; when summer arrives, the Earth, with all its forces, enters the sphere of the Sun’s influence—but we must conceive of the Earth and the Sun as spirit-filled organisms.

[ 18 ] Zur Winterzeit, wo die Erde in sich selber ruht, müssen wir uns ihren Zustand entsprechend dem Wachzustande des Menschen denken, während man gewohnt sein könnte, das, was die Erde im Winter ist, als den Erdenschlaf zu betrachten. Aber wenn wir weit auseinanderliegende Wesenheiten — wie Mensch und Erde — betrachten, zeigen sich die Bewußtseinszustände in einer Art entgegengesetzt.

[ 18 ] In winter, when the Earth rests within itself, we must conceive of its state as corresponding to the waking state of human beings, whereas one might be accustomed to viewing what the Earth is in winter as the Earth’s sleep. But when we consider entities that are far apart—such as humans and the Earth—their states of consciousness appear to be, in a sense, opposite.

[ 19 ] Was ist nun das, was die Erde vollzieht unter dem Einfluß der Hingabe an das Sonnenwesen, an den Sonnengeist? Es ist nichts anderes als etwas, was sich vergleichen läßt geistig — wir werden jetzt, um einen leichteren Vergleich zu haben, gut tun die Begriffe umzudrehen — mit dem Zustande des Menschen, wenn er des Morgens aufwacht und aus dem dunklen Schoße des Daseins, aus der Nacht auftaucht in seine Lust und sein Leid. Wenn die Erde in den Bereich der Sonnenwirksamkeit tritt, dann können — obwohl es sich vergleichen läßt mit dem Schlafzustande des Menschen — alle die Kräfte, die aus der Erde hervorsprießen, den ruhenden Winterzustand der Erde in den tätigen, den lebendigen Sommerzustand übergehen lassen.

[ 19 ] What, then, is it that the Earth undergoes under the influence of devotion to the Solar Being, to the Solar Spirit? It is nothing other than something that can be compared spiritually—and to make the comparison easier, we would do well to reverse the terms—to the state of a human being when he wakes up in the morning and emerges from the dark bosom of existence, from the night, into his joys and sorrows. When the Earth enters the sphere of the Sun’s influence, then—although it can be compared to a human’s state of sleep—all the forces that spring forth from the Earth can transform the Earth’s dormant winter state into its active, living summer state.

[ 20 ] Was sind nun die Pflanzen in dem ganzen Gewebe des Seins? Wir könnten sagen: Wenn der Frühling herannaht, beginnt der Erdenorganismus zu denken und zu fühlen, weil die Sonne mit ihren Wesen seine Gedanken und Gefühle herauslockt. Die Pflanzen sind für den Erdenorganismus nichts anderes als eine Art Sinnesorgane, die jeden Frühling von neuem erwachen, damit der Erdenorganismus mit seinem Denken und Fühlen in dem Bereich der Sonnenwirksamkeit sein kann. Wie sich im Menschenorganismus das Licht das Auge schafft, um durch das Auge als «Licht» erscheinen zu können, so schafft sich der Sonnenorganismus am Erdenorganismus in jedem Frühling die ausgebreitete Pflanzendecke, um durch diese Pflanzendecke sich selber zu beschauen, zu fühlen, zu empfinden, zu denken. Nicht etwa sind die Pflanzen unmittelbar die Gedanken der Erde zu nennen, aber sie sind die Organe, durch welche die im Frühling aufwachende Organisation der Erde mit der Sonne zusammen ihre Gefühle und Gedanken entwickelt. Wie wir unsere Nerven vom Gehirn ausgehen sehen und Augen und Ohren mit den Nerven zusammen unser Empfindungs- und Vorstellungsleben entwickeln, so sieht der Geistesforscher in dem, was sich abspielt zwischen Erde und Sonne mit Hilfe der Pflanzen, das wunderbare Weben einer kosmischen Gedanken-, Gefühls- und Empfindungswelt. Denn für den Geistesforscher ist die Erde nicht nur mit der mineralischen Erdenluft, mit der rein physischen Erdenatmosphäre umgeben, sondern von einer Aura von Gedanken und Gefühlen. Für die Geistesforschung ist die Erde ein geistiges Wesen, und die Gedanken und Gefühle erwachen in jedem Frühling und gehen den Sommer hindurch durch die Seele unserer ganzen Erde. Die Pflanzenwelt aber, die ein Teil unseres ganzen Erdenorganismus ist, gibt die Organe ab, daß unsere Erde denken und fühlen kann. In den Geist der Erde sind die Pflanzen hineinverwoben wie unsere Augen oder Ohren in das Getriebe unseres Geistes. Da erwacht im Frühling ein lebendiger, geisterfüllter Organismus, und in den Pflanzen sehen wir etwas, was sich heraustreibt aus dem Antlitz unserer Erde, wo sie auf irgendeinem Gebiete anfangen will zu fühlen und zu denken. Und wie alles, was in uns Menschen ist, nach einem selbstbewußten Ich hin tendiert, so ist es auch in der Pflanzenwelt. Die ganze Pflanzenwelt gehört zur Erde. Ich habe schon gesagt, daß ein Mensch dem Wahnsinn nahe sein müßte, der nicht denken würde, wie in uns alles, was Empfindungen, Vorstellungen, Gefühle sind, nach unserm Ich hin gerichtet ist. So ist alles, was die Pflanzen während der Sommerzeit vermitteln, nach dem Erdmittelpunkt gerichtet, der das ErdenIch ist. Das soll nicht bloß symbolisch gesagt sein! Wie der Mensch sein Ich hat, so hat die Erde ihr selbstbewußtes Ich. Deshalb streben alle Pflanzen nach dem Mittelpunkt der Erde hin. Daher dürfen wir die Pflanzen gar nicht für sich betrachten, sondern müssen sie im Wechsel mit dem selbstbewußten Ich der Erde betrachten. Was sich als Gedanken und Empfindungen der Erde abspielt, das ist so, wie in uns die Empfindungen und Vorstellungen leben, was in uns auf- und abwogt zur Wachenszeit, was in uns astralisch lebt, wenn wir geisteswissenschaftlich sprechen.

[ 20 ] What, then, are plants within the entire fabric of existence? We might say: As spring approaches, the Earth organism begins to think and feel, because the sun, through its beings, draws out its thoughts and feelings. For the Earth organism, plants are nothing other than a kind of sensory organ that awakens anew every spring so that the Earth organism can be present with its thinking and feeling within the sphere of the sun’s activity. Just as light creates the eye within the human organism so that it can appear as “light” through the eye, so too does the solar organism create the expansive blanket of vegetation on the Earth organism every spring in order to observe, feel, sense, and think through this blanket of vegetation. It is not that the plants can be called the Earth’s thoughts in and of themselves, but they are the organs through which the Earth’s organization, awakening in spring, develops its feelings and thoughts in union with the Sun. Just as we see our nerves extending from the brain and how our eyes and ears, together with the nerves, develop our life of sensation and imagination, so the spiritual researcher sees in what takes place between the Earth and the Sun—with the help of the plants—the wondrous weaving of a cosmic world of thought, feeling, and sensation. For the spiritual researcher, the Earth is not only surrounded by the mineral Earth air—the purely physical Earth atmosphere—but also by an aura of thoughts and feelings. In spiritual science, the Earth is a spiritual being, and thoughts and feelings awaken every spring and flow through the soul of our entire Earth throughout the summer. The plant world, however, which is part of our entire Earth organism, provides the organs that enable our Earth to think and feel. Plants are woven into the spirit of the Earth just as our eyes and ears are woven into the workings of our own spirit. Thus, in spring, a living, spirit-filled organism awakens, and in the plants we see something that pushes its way forth from the face of our Earth, where it seeks to begin feeling and thinking in a particular region. And just as everything within us humans tends toward a self-conscious “I,” so it is in the plant world as well. The entire plant world belongs to the Earth. I have already said that a person would have to be close to madness not to realize how everything within us—our sensations, perceptions, and feelings—is directed toward our “I.” Thus, everything that plants convey during the summer months is directed toward the center of the Earth, which is the Earth’s “I.” This is not meant merely as a symbol! Just as a human being has an “I,” so does the Earth have its self-conscious “I.” That is why all plants strive toward the center of the Earth. Consequently, we must not view plants in isolation, but must consider them in relation to the Earth’s self-conscious “I.” What unfolds as the Earth’s thoughts and sensations is akin to how sensations and ideas live within us, to what surges and ebbs within us during waking hours, and to what lives within us on the astral plane, to use spiritual scientific terminology.

[ 21 ] So können wir uns die Erde nicht nur als ein physisches Gebilde vorstellen. Denn das physische Gebilde ist uns so etwas wie unser eigener physischer Leib, den man mit den äußeren Augen sehen und mit den Händen greifen kann, und den die äußere Wissenschaft beobachtet; so ist der Erdenleib, den die heutige Astronomie oder Geologie betrachtet. Dann haben wir das zu nennen, was wir beim Menschen kennengelernt haben als Ätherleib oder Lebensleib. Einen solchen Ätherleib hat auch die Erde. Und endlich hat sie auch einen Astralleib. Das ist das, was jeden Frühling erwacht als die Gedanken und Gefühle der Erde, die zurücktreten, wenn der Winter herannaht, so daß dann die Erde in sich selbst verschlossen in ihrem eigenen Ich ruht und sich nur bewahrt, was sie braucht, um durch das Gedächtnis hinüberzutragen das Vorhergehende zu dem Nachfolgenden, sich bewahrt in den Pflanzen-Samenkräften, was sie sich erobert hat. Wie der Mensch, wenn er einschläft, auch nicht seine Gedanken und Empfindungen verliert, sondern sie am nächsten Morgen wiederfindet, so findet die aus dem Schlafzustand im Frühling wieder erwachende Erde die Samenkräfte der Pflanzen, um aus ihrem lebendigen Gedächtnis das wiedererstehen zu lassen, was die Eroberung der früheren Zeit ist.

[ 21 ] Thus, we cannot conceive of the Earth merely as a physical entity. For the physical entity is to us something like our own physical body—one that can be seen with the physical eyes and touched with the hands, and which is observed by external science; such is the Earth’s body as studied by modern astronomy or geology. Then there is what we have come to know in human beings as the etheric body or life body. The Earth, too, has such an etheric body. And finally, it also has an astral body. This is what awakens every spring as the thoughts and feelings of the Earth, which recede as winter approaches, so that the Earth then rests, withdrawn into itself, within its own “I,” preserving only what it needs to carry over the past into the future through memory, and preserving within the seed forces of the plants what it has acquired. Just as a person, when falling asleep, does not lose his thoughts and feelings but rediscovers them the next morning, so too does the Earth, awakening from its slumber in spring, find the seed forces of the plants in order to bring forth from its living memory that which is the achievement of earlier times.

[ 22 ] So aufgefaßt, Jassen sich die Pflanzen mit dem vergleichen, was unsere Augen und Ohren, unsere Sinne an uns selber sind. Das sind sie für den Erdenorganismus. Aber was wahrnimmt, was zu einem Bewußtsein kommt, das ist die von der Sonne zur Erde herniederströmende geistige Welt. Diese geistige Welt würde nicht zu einem Bewußtsein kommen können, wenn sie nicht in den Pflanzen ihre Organe hätte, die ebenso ein Selbstbewußtsein vermitteln, wie unsere Augen und Ohren und Nerven unser Selbstbewußtsein vermitteln. Das macht uns darauf aufmerksam, daß wir eigentlich nur richtig sprechen, wenn wir sagen: Jene Wesen, die von der Sonne herunterströmen zur Erde und ihre geistige Wirksamkeit entfalten, begegnen sich vom Frühling durch die Sommerzeit hindurch mit dem Wesen, das zur Erde selbst gehört. Im Austausch werden die Organe gebildet, durch welche die Erde sie wahrnimmt, denn nicht die Pflanze nimmt wahr. — Es ist ein Aberglaube, auch von seiten der Naturwissenschaft, wenn man sagt, die Pflanze nehme wahr. — Die geistigen Wesenheiten, die zur Erdenwirksamkeit und Sonnenwirksamkeit gehören, nehmen durch die Pflanzenorgane wahr, und alle Organe, die sie brauchen, um sie zusammenzuschließen nach dem Mittelpunkt der Erde, richten sie daher hin nach dem Mittelpunkt der Erde. Was wir also hinter der Pflanzendecke zu sehen haben, sind die geistigen Wesenheiten, welche die Erde umspielen und die in den Pflanzen ihre Organe haben.

[ 22 ] Viewed in this way, plants can be compared to what our eyes and ears—our senses—are to us. That is what they are to the Earth organism. But what perceives, what attains consciousness—that is the spiritual world streaming down from the sun to the earth. This spiritual world could not attain consciousness if it did not have its organs in the plants, which convey self-consciousness just as our eyes, ears, and nerves convey our self-consciousness. This draws our attention to the fact that we are actually only speaking correctly when we say: Those beings that stream down from the Sun to the Earth and unfold their spiritual activity encounter, from spring through the summer, the being that belongs to the Earth itself. In this exchange, the organs are formed through which the Earth perceives them, for it is not the plant that perceives. — It is a superstition—even on the part of natural science—to say that the plant perceives. — The spiritual beings associated with the Earth’s and the Sun’s activities perceive through the plant organs, and they therefore direct all the organs they need to connect them to the Earth’s center toward the Earth’s center. What we see behind the canopy of plants, then, are the spiritual beings that surround the Earth and have their organs within the plants.

[ 23 ] Es ist in unserer Zeit so merkwürdig, daß die Naturwissenschaft geradezu hindrängt, diese Dinge der Geisteswissenschaft anzuerkennen. Denn es ist ja nichts Geringeres als die volle Anerkennung des Umstandes, daß unsere physische Erde nur ein Teil der gesamten Erde ist, daß auch der gasige Sonnenball nur ein Teil der ganzen Sonne ist, und daß unsere Sonne, wie sie uns physisch erscheint, nur ein Teil ist der geistig-seelischen Wesenheiten, die in Wechselwirkung treten mit den geistig-seelischen Wesenheiten der Erde. Wie die Menschenwelt mit ihrer Umwelt in Zusammenhang ist und wie die Menschen ihre Organe haben, um zu leben und sich zu entwickeln, so schaffen sich diese Wesenheiten, die real und wirklich sind, in der Pflanzendecke ein Organ, um sich selbst wahrzunehmen. Aberglaube - sagte ich — ist es, wenn man glaubt, daß die Pflanze als solche wahrnehme oder als einzelne Pflanze eine Art Seele hätte. Das ist ein ebensolcher Aberglaube, wie wenn man von der Seele eines Auges sprechen wollte. Trotzdem durch eine merkwürdige, für die Geisteswissenschaft aber selbstverständliche Verkettung der Tatsachen die äußere Wissenschaft durch das ganze neunzehnte Jahrhundert hindurch mit Notwendigkeit dazu gedrängt hat, das, was jetzt gesagt worden ist, anzuerkennen, ist es in der Tat so, daß sich die äußere Wissenschaft auf diesem Gebiete doch sehr wenig ausgekannt hat, auch heute noch. Denn was die Wissenschaft über das Sinnesleben der Pflanzen bis jetzt zustande gebracht hat, ist restlos eine Bestätigung dessen, was ich jetzt über den Geist und seine Wirksamkeit im Pflanzenreich gesagt habe, aber in der äußeren Wissenschaft kann man es nicht als solches einsehen. Das können wir an folgendem Beispiel sehen.

[ 23 ] It is so remarkable in our time that the natural sciences are practically pushing us to acknowledge these aspects of the spiritual sciences. For it is nothing less than the full recognition of the fact that our physical Earth is only a part of the entire Earth, that the gaseous solar sphere is also only a part of the entire Sun, and that our Sun, as it appears to us physically, is only a part of the spiritual-soul entities that interact with the spiritual-soul entities of the Earth. Just as the human world is connected to its environment and just as human beings have their organs for living and developing, so do these entities—which are real and truly existent—create an organ within the plant kingdom to perceive themselves. Superstition—I said—is believing that the plant perceives as such or that an individual plant possesses a kind of soul. This is just as much a superstition as speaking of the soul of an eye. Nevertheless, through a curious chain of facts—which is, however, self-evident to spiritual science—external science was, throughout the entire nineteenth century, inevitably compelled to acknowledge what has now been said; yet it is indeed the case that external science has known very little about this field, even to this day. For what science has achieved so far regarding the sensory life of plants is entirely a confirmation of what I have just said about the spirit and its activity in the plant kingdom; yet in conventional science, this cannot be recognized as such. We can see this in the following example.

[ 24 ] Im Jahre 1804 machte Sydenham Edwards die Entdeckung von der merkwürdigen Beschaffenheit der VenusFliegenfalle, die auf ihren Blättern gewisse Borsten hat. Wenn ein Insekt in die Nähe dieser Pflanze kommt, so daß eine gewisse Berührung der Borsten stattfindet, wird das Insekt von dem Blatt umfangen, wird wie aufgefressen und verdaut. Es war merkwürdig, als die Menschen entdeckten: Pflanzen können fressen, können in ihrem Innern sogar Tiere aufnehmen, sind Fleischfresser! Aber man konnte nichts Rechtes damit anfangen. Es ist interessant, wie man nichts damit anfangen konnte, denn diese Entdeckung ist immer wieder vergessen worden und wieder neu gefunden worden, so 1818 durch Nuttall, 1834 durch Curtis, 1848 durch Lindley und 1859 durch Oudemans. Fünf Leute hintereinander haben dieselbe Sache gefunden! Es ließ sich weiter nichts für die Wissenschaft damit machen, als daß der um die Erforschung der Pflanzenwelt so verdienstvolle Schleiden sagte, man solle sich hüten, dadurch in allerlei mystische Sachen zu verfallen, daß man etwa den Pflanzen Seele zusprechen wolle! Aber auch heute ist man in der Wissenschaft wieder bereit, der einzelnen Pflanze — wie zum Beispiel der Venus-Fliegenfalle — eine Seele zuzuschreiben, was aber ein Aberglaube wäre, wie wenn man dem Auge eine Seele zuschreiben wollte. Gerade Leute wie Raoul Franc& zum Beispiel haben solche Dinge gleich im äußerlichen Sinne genommen und gesagt: Da sieht man Seelisches, das sich analog dem Seelischen des Tieres ausnimmt!

[ 24 ] In 1804, Sydenham Edwards discovered the remarkable nature of the Venus flytrap, which has certain bristles on its leaves. When an insect comes near this plant, causing it to make contact with the bristles, the insect is enveloped by the leaf, devoured, and digested. It was remarkable when people discovered that plants can eat, can even swallow animals whole, and are carnivorous! But no one really knew what to make of it. It’s interesting that they couldn’t make sense of it, because this discovery was repeatedly forgotten and rediscovered—for example, in 1818 by Nuttall, in 1834 by Curtis, in 1848 by Lindley, and in 1859 by Oudemans. Five people in a row made the same discovery! Science could make no further use of this finding, except that Schleiden—who rendered such meritorious service to the study of the plant world—warned against falling into all sorts of mystical notions, such as attributing a soul to plants! But even today, the scientific community is once again willing to ascribe a soul to individual plants—such as the Venus flytrap, for example—which would, however, be a superstition, just as if one were to ascribe a soul to the eye. People like Raoul Franc&, for example, have taken such things at face value and said: “Here we see something spiritual that resembles the spirituality of an animal!”

[ 25 ] Das zeigt also die Notwendigkeit, daß man gerade auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft nicht in die Phantastik verfallen darf, denn hier ist die äußere Wissenschaft in die Phantastik verfallen, wenn man der Venus-Fliegenfalle ein seelisches Wesen zuschreiben will, das man mit dem menschlichen oder tierischen seelischen Wesen zusammenwerfen dürfe. Dann dürfte man auch einem andern Wesen eine Seele zuschreiben, das auch andere Wesen, auch kleine Tiere anzieht und, wenn diese in seine Nähe gekommen sind, sie mit seinen Fangarmen umschlingt, so daß sie darinnenbleiben müssen. Denn man kann, wenn man bei der Venus-Fliegenfalle von Seele spricht, auch bei der Mausefalle davon sprechen, daß sie eine Seele hat. So dürfen wir aber nicht sprechen. Sobald man in den Geist eindringen will, muß man genau und exakt die Dinge ins Auge fassen und nicht aus einem scheinbar gleichen Außeren schließen, daß auch das Innere in derselben Weise vor sich ginge.

[ 25 ] This demonstrates the necessity of not succumbing to fantasy, especially in the field of spiritual science; for here, external science has fallen into fantasy when it seeks to ascribe to the Venus flytrap a spiritual being that can be equated with the human or animal spiritual being. Then one might also ascribe a soul to another creature that attracts other beings—including small animals—and, once they have come within its reach, wraps its tentacles around them so that they are trapped inside. For if one speaks of a soul in the case of the Venus flytrap, one could just as well say that a mousetrap has a soul. But we must not speak that way. As soon as one wishes to penetrate the spirit, one must consider things precisely and accurately and not conclude from an outward appearance that seems similar that the inner workings proceed in the same way.

[ 26 ] Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß manche Tiere etwas Gleichartiges wie ein Gedächtnis zeigen. Wenn ein Elefant zur Tränke geführt wird und dabei auf dem Wege von einem Menschen gereizt wird, dann kann es vorkommen, daß er, wenn er wieder zurückkommt, Wasser in seinem Rüssel drinnenbehalten hat und jetzt den Menschen anspritzt, der ihn vorher gereizt hat. Da wird dann gesagt: Da sieht man also, daß der Elefant ein Gedächtnis hat; er hat sich den Menschen gemerkt, der ihn gereizt hat, und sich vorgenommen: auf dem Rückwege werde ich ihn mit Wasser spritzen! Das ist aber nicht so. Beim Seelenleben ist es wichtig, daß wir den inneren Vorgang genau verfolgen und nicht gleich von Gedächtnis sprechen, wenn später ein Geschehnis eintritt als Wirkung einer früheren Ursache. Nur dann, wenn ein Wesen wirklich zurückschaut auf etwas, was in einer früheren Zeit vorgegangen ist, haben wir es mit Gedächtnis zu tun; in jedem andern Falle nur mit Ursache und Wirkung. Das heißt: wir müßten jetzt genau in die Struktur der Elefantenseele hineinschauen, wenn wir sehen wollten, wie der Reiz, der ausgeübt wird, dann so etwas auslöst, daß er noch nach einer gewissen Zeit eine Wirkung hervorruft.

[ 26 ] I have already pointed out that some animals exhibit something similar to memory. If an elephant is led to a watering hole and is teased by a person along the way, it may happen that, when it returns, it has retained water in its trunk and now sprays the person who teased it earlier. People then say: “So you see, the elephant has a memory; it remembered the person who teased it and decided: ‘On the way back, I’ll spray him with water!’” But that is not the case. When it comes to the life of the soul, it is important that we closely follow the inner process and not immediately speak of memory when an event occurs later as the effect of an earlier cause. Only when a being truly looks back on something that happened in the past are we dealing with memory; in every other case, we are dealing merely with cause and effect. This means that we would now have to look closely into the structure of the elephant’s soul if we wanted to see how the stimulus that is applied triggers something that still produces an effect after a certain amount of time.

[ 27 ] Deshalb müssen wir sagen: Wir dürfen derartige Dinge, wie sie uns bei der Venus-Fliegenfalle entgegentreten, nicht anders auffassen, als daß die ganze Einrichtung der Pflanze nicht dazu da ist, um ein inneres Seelenwesen der Pflanze zu bedingen, sondern was dabei vorgeht, ist von außen bewirkt. Die Pflanze dient als Organ dem ganzen Erdenorganismus auch für eine solche Sache. Wie die Pflanzen auf der einen Seite dem Ich der Erde, auf der andern Seite der Aura der Erde — dem Astralleib, der Empfindungs- und Gefühlswelt der Erde — angehören, das hat insbesondere gerade diese Forschung des neunzehnten Jahrhunderts gezeigt. Man ist eigentlich wirklich denjenigen Naturforschern — wie etwa Gottlieb Haberlandt — dankbar, welche trocken die Tatsachen hinstellen, die sie erforscht haben, und nicht — wie Raoul France oder andere — daraus rein äußere Schlüsse ziehen. Wenn er dabei bliebe, die Dinge nur hinzustellen, wie sie sind, so könnte man ihm wirklich dankbar sein; wenn er aber daraus Schlüsse ziehen will auf das Seelenleben einer einzelnen Pflanze, so mag er auch gleich auf das Seelenleben eines einzelnen Haares oder Zahnes schließen.

[ 27 ] That is why we must say: We must not interpret phenomena such as those we encounter in the Venus flytrap in any other way than that the plant’s entire structure is not intended to give rise to an inner soul-being of the plant; rather, what takes place there is brought about from the outside. The plant serves as an organ of the entire Earth organism, even for such a purpose. This nineteenth-century research in particular has shown how plants belong, on the one hand, to the Earth’s “I” and, on the other hand, to the Earth’s aura—the astral body, the world of the Earth’s sensations and feelings. One is truly grateful to those natural scientists—such as Gottlieb Haberlandt—who simply present the facts they have researched in a matter-of-fact way, rather than—like Raoul France or others—drawing purely external conclusions from them. If he were to limit himself to simply presenting things as they are, one could truly be grateful to him; but if he wishes to draw conclusions from this about the inner life of a single plant, he might as well draw conclusions about the inner life of a single hair or tooth.

[ 28 ] Wenn wir dann diejenigen Pflanzen betrachten, die in Wirklichkeit Ahrenpflanzen sind, so zeigt sich, daß bei allen diesen Pflanzen merkwürdige kleine Organe vorhanden sind. Kleine Gebilde von Stärkezellen wurden aufgefunden. Diese Zellen sind merkwürdigerweise so gebaut, daß in ihrem Innern etwas ist wie ein lockerer Kern. Das Eigentümliche ist, daß die Zellenwand nur an einer Stelle unempfindlich bleibt für den Kern. Wenn dieser anderswohin rutscht, so wird die Zellenwand von ihm berührt, und die Folge ist, daß die Pflanze ihn wieder in die frühere Lage zurückbringt. Solche Stärkemehlzellen finden sich bei allen Pflanzen, die in ihrer Hauptrichtung nach dem Mittelpunkt der Erde hinweisen, so daß die Pflanze ein Organ in sich hat, welches es ihr immer möglich macht, sich in ihrer Hauptrichtung nach dem Mittelpunkt der Erde zu richten. Das ist allerdings eine wunderbare Sache, die im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts von verschiedenen Forschern gefunden worden ist, und die sich am besten ausnimmt, wenn die Dinge einfach hingestellt werden. Wenn zum Beispiel Haberlandt meint, daß man es da mit einer Art von Sinnesempfindung der Pflanze zu tun habe, so setzt er doch die Tatsachen so klar auseinander, daß man gerade für diese trockene und nüchterne Darstellung ganz besonders dankbar sein muß.

[ 28 ] If we then consider those plants that are in fact spikelet plants, it becomes apparent that all of these plants possess peculiar little organs. Small structures consisting of starch cells have been discovered. Curiously, these cells are constructed in such a way that their interior contains something like a loose nucleus. What is peculiar is that the cell wall remains impervious to the core in only one spot. If the core slips elsewhere, it comes into contact with the cell wall, and as a result, the plant returns it to its original position. Such starch cells are found in all plants that point in their main direction toward the center of the Earth, so that the plant possesses an organ within itself that always enables it to orient itself in its main direction toward the center of the Earth. This is indeed a marvelous phenomenon, discovered by various researchers over the course of the nineteenth century, and one that is best understood when the facts are presented simply. For example, when Haberlandt suggests that this involves a kind of sensory perception on the part of the plant, he nevertheless sets out the facts so clearly that one must be particularly grateful for this dry and sober presentation.

[ 29 ] Nun aber etwas anderes. Wenn man ein Pflanzenblatt betrachtet, ist immer eigentlich die äußere Oberfläche eine Zusammenfügung von lauter kleinen linsenartigen Gebilden, ähnlich der Linse unseres Auges. Diese Linsen sind so eingerichtet, daß das Licht nur dann wirkt, wenn es in einer ganz bestimmten Richtung auf die Oberfläche des Blattes auffällt. Wenn das Licht in einer andern Richtung auffällt, bekommt das Blatt sogleich den Antrieb, sich so zu wenden, daß das Licht in die Linsenmitte hineinfallen kann, weil es nach der Seite hin in anderer Weise wirkt. So sind also an der Oberfläche der Blätter der Pflanzen Organe für das Licht vorhanden. Diese Lichtorgane, die sich tatsächlich mit einer Art Auge vergleichen lassen, das über die Pflanzen ausgebreitet ist, durch das aber nicht die Pflanze sieht, sondern das Sonnenwesen schaut durch dasselbe auf das Erdenwesen, — diese Lichtorgane bewirken, daß die Pflanzenblätter immer die Tendenz haben, sich senkrecht zum einfallenden Sonnenlicht zu stellen.

[ 29 ] But now for something else. When you look at a plant leaf, the outer surface is actually always a collection of tiny lens-like structures, similar to the lens of our eye. These lenses are arranged in such a way that light only has an effect when it strikes the surface of the leaf from a very specific direction. If the light strikes from a different direction, the leaf is immediately prompted to turn so that the light can fall into the center of the lens, because the light acts differently when it strikes from the side. Thus, there are organs for light on the surface of plant leaves. These light-sensing organs, which can indeed be compared to a kind of eye spread across the plants—through which, however, the plant does not see, but rather the solar being looks through them upon the earthly being—cause the plant leaves to always tend to position themselves perpendicular to the incoming sunlight.

[ 30 ] Darin — wie sich die Pflanze hingibt zur Frühlings- und Sommerzeit der Sonnenwirkung — haben wir eine zweite Hauptrichtung der Pflanze. Die Stengelrichtung, wodurch sich die Pflanzen als hinzugehörig zum Erden-Selbstbewußtsein erweisen, ist die eine; die andere ist die, wodurch die Pflanzen die Hingabe der Erde an die W1rksamkeit der Sonnenwesen ausdrücken.

[ 30 ] In this—the way the plant surrenders to the sun’s influence in spring and summer—we find a second main aspect of the plant. The direction of the stem, through which plants prove themselves to belong to the Earth’s self-consciousness, is one; the other is that through which plants express the Earth’s surrender to the activity of the solar beings.

[ 31 ] Wollen wir nun noch weitergehen, so müßten wir finden, wenn die bisherigen Auseinandersetzungen richtig sind, daß die Pflanzen durch diese Hingabe der Erde an die Sonne irgendwie ausdrücken, wie die Erde durch das, was sie hervorbringt, wirklich im großen Makrokosmos lebt. Wir müßten sozusagen in den Pflanzen irgend etwas wahrnehmen, was uns anzeigen würde, daß auf die Pflanzenwelt eigentlich hereinwirkt, was draußen gerade durch die Sonnenwesen bewirkt wird. Schon Linn hat darauf hingewiesen, daß bei gewissen Pflanzen das Aufblühen um fünf Uhr morgens und zu keiner andern Zeit geschieht. Das heißt: die Erde ist hingegeben an die Sonne, und das drückt sich dadurch aus, daß bei gewissen Pflanzen das Aufblühen nur zu ganz bestimmten Tagesstunden möglich ist. So blühen zum Beispiel Hemerocallis fulva, die Taglilie, nur um fünf Uhr, Nymphaca alba, die Seerose, nur um sieben Uhr, Calendula, die Ringelblume, nur um neun Uhr auf. Darin sehen wir das Verhältnis der Erdezur Sonne in wunderbarer Weise ausgedrückt, was schon Linne die «Sonnen-Uhr» genannt hat. Ja, auch das Einschlafen, das Zusammenklappen der Blütenblätter ist wieder auf ganz bestimmte Tageszeiten beschränkt, Eine wunderbare Gesetzmäßigkeit und Regelmäßigkeit liegt in dem Leben der Pflanzen.

[ 31 ] If we were to go even further, we would have to conclude—assuming the arguments presented so far are correct—that through this surrender of the Earth to the Sun, the plants somehow express how the Earth, through what it brings forth, truly lives within the great macrocosm. We would have to perceive, so to speak, something in the plants that would indicate to us that what is actually brought about outside by the solar beings is having an effect on the plant world. Linn himself pointed out that certain plants bloom at five o’clock in the morning and at no other time. This means: the Earth is devoted to the Sun, and this is expressed by the fact that, in certain plants, blooming is possible only at very specific times of day. For example, Hemerocallis fulva, the daylily, blooms only at five o’clock; Nymphaca alba, the water lily, only at seven o’clock; and Calendula, the marigold, only at nine o’clock. In this we see the relationship between the Earth and the Sun expressed in a wondrous way—what Linnaeus himself called the “solar clock.” Indeed, even the closing of the petals—as the flowers “fall asleep”—is limited to very specific times of day. There is a wonderful order and regularity in the life of plants.

[ 32 ] Das alles zeigt uns, wie die Erde hingegeben ist — wie der Mensch im Schlafe — an die große Welt und mit derselben lebt. Wie sie die Pflanzen blühen und welken läßt, zeigt uns das ganze geistige Wesen und Weben, das zwischen Sonne und Erde vor sich geht. Wenn wir so die Dinge betrachten, müssen wir allerdings sagen: wir blicken da hinein in tiefe, tiefe Geheimnisse unserer Umwelt. Da hört für den ernsten Wahrheitssucher die Möglichkeit auf — selbst wenn die rein materiellen Forschungsergebnisse noch so faszinierend sind —, auch nur noch daran zu denken, daß da ein Gasball durch den Raum gehe in der Sonne, hört auf die Möglichkeit, daß die Erde so betrachtet werden darf, wie die Astronomie oder Geologie sie heute betrachtet. Da gibt es zwingende Gründe, denen sich auch der gewissenhafte Naturdenker unterwerfen muß, daß er sich sagt: Du darfst nicht mehr anderes sehen in dem, was dir die Naturwissenschaft enthüllt, als einen Ausdruck des allem zugrunde liegenden geistigen Lebens! — Dann betrachten wir aber die Pflanzen wie einen physiognomischen Ausdruck der Erde, als den Ausdruck des Antlitzes unserer Erde. So vertieft sich das, was wir unser ästhetisches Gefühl gegenüber der Pflanzenwelt nennen, gerade durch die Geisteswissenschaft. Wir gehen hin vor die gigantischen Bäume des Urwaldes, vor das stille Veilchen oder Schneeglöckchen und betrachten sie als einzelne Individuen zwar, aber so, daß wir sagen: Da spricht sich uns der Geist aus, der den Raum durchlebt — Sonnengeist, Erdengeist! Was wir beim Menschen aus dem Ausdruck seines Geistes erschauen, wenn wir seine Stimme hören und auf das Fromme oder Unfromme seiner Seele schließen, so schließen wir aus dem, was uns aus den Pflanzen entgegenschaut, auf das, was lebt als Erdengeist, als Sonnengeist, wie sie miteinander im Kampfe oder in gegenseitiger Harmonie stehen. Da fühlen wir uns selber im Geist drinnen weben und leben.

[ 32 ] All of this shows us how the Earth is surrendered—like a sleeping human—to the great world and lives in harmony with it. The way it allows plants to bloom and wither reveals to us the entire spiritual essence and interplay that takes place between the Sun and the Earth. When we look at things this way, however, we must admit: we are peering into the deep, deep mysteries of our environment. For the serious seeker of truth, this is where the possibility ends—even if the purely material findings of research are as fascinating as they may be—of even thinking that a ball of gas is traveling through space within the Sun; it ends the possibility that the Earth may be viewed as astronomy or geology views it today. There are compelling reasons—to which even the conscientious natural philosopher must submit—that lead him to say to himself: You must no longer see anything else in what natural science reveals to you than an expression of the spiritual life underlying all things! — Then, however, we regard plants as a physiognomic expression of the Earth, as the expression of our Earth’s face. Thus, what we call our aesthetic feeling toward the plant world is deepened precisely through spiritual science. We stand before the gigantic trees of the primeval forest, before the quiet violet or snowdrop, and regard them as individual beings, to be sure, but in such a way that we say: Here the spirit that lives through space speaks to us—the spirit of the sun, the spirit of the Earth! Just as we perceive the expression of a person’s spirit when we hear their voice and infer the piety or impiety of their soul, so too do we infer from what we see in plants what lives as the Earth Spirit and the Sun Spirit, and how they stand in conflict or mutual harmony with one another. There we feel ourselves woven into and living within the spirit.

[ 33 ] Und um nur anzuzeigen, wie sich tatsächlich durch die Naturwissenschaft des neunzehnten Jahrhunderts die Geisteswissenschaft wohl bestätigen läßt, kann man noch folgendes erwähnen. Diejenigen Zuhörer, welche früher die Vorträge hier angehört haben, werden sich an den Hinweis erinnern, daß es Pflanzen gibt in der Erdenwelt, die deplaziert sind, die nicht hereingehören in unsere Erdenwelt. Eine solche Pflanze ist zum Beispiel die Mistel, die in Sage und Mythos deshalb eine so merkwürdige Rolle spielt, weil sie zu einem früheren planetarischen Zustand unserer Erde gehört und wie ein Rest zurückgeblieben ist von einer vorirdischen Entwickelung. Daher kann sie nicht in der Erde wachsen, sondern sie muß in andern Pflanzen wurzeln. Die Naturwissenschaft zeigt uns, daß die Mistel nicht jene eigentümlichen Stärkezellen hat, welche die Pflanzen dahin bringen, nach dem Mittelpunkt der Erde zu zeigen. Kurz, ich könnte jetzt beginnen und die ganze Botanik des neunzehnten Jahrhunderts Stück für Stück auseinanderlegen, und Sie würden Stück für Stück die Belege dafür finden, wie die Pflanzendecke unserer Erde das Sinnesorgan ist, durch welches sich beschauen Erdengeist und Sonnengeist.

[ 33 ] And just to illustrate how the spiritual sciences can indeed be corroborated by nineteenth-century natural science, the following can be mentioned. Those in the audience who have attended previous lectures here will recall the observation that there are plants in the earthly world that are out of place, that do not belong in our earthly world. One such plant, for example, is mistletoe, which plays such a remarkable role in legend and myth precisely because it belongs to an earlier planetary state of our Earth and has remained as a remnant of a pre-Earth development. Therefore, it cannot grow in the ground but must take root in other plants. Natural science shows us that mistletoe lacks those peculiar starch cells that cause plants to point toward the center of the Earth. In short, I could now begin to dissect the entire botany of the nineteenth century piece by piece, and you would find, piece by piece, evidence that the plant cover of our Earth is the sensory organ through which the Earth Spirit and the Sun Spirit contemplate one another.

[ 34 ] Wenn wir das beachten, bekommen wir gerade — wie es uns ja geziemend erscheinen muß für die von uns geliebte und uns erfreuende Pflanzenwelt — eine Wissenschaft, welche zugleich unsere Seele erheben, nahebringen kann dieser Pflanzenwelt. Wir fühlen uns mit Seele und Geist selber zur Erde und zur Sonne gehörig und fühlen so, wie wenn wir gleichsam aufschauen müßten zur Pflanzenwelt, wie sie zu unserer großen Erdenmutter gehört. Das müssen wir im Grunde genommen auch. Denn alles, was als Tier oder Mensch scheinbar unabhängig ist von der unmittelbaren Wirkung der Sonne, das ist durch die Pflanzenwelt und dadurch, daß es angewiesen ist auf die Pflanzenwelt, wieder indirekt abhängig von der Sonne. Der Mensch macht zwar im Winter und Sommer keine solche Verwandlungen durch wie die Pflanzen, aber die Pflanze ist es, die ihm die Möglichkeit gibt, in sich selber jene Beständigkeit zu haben. Was die Pflanze an Stoffen entwickelt, kann sie nur unter dem Einfluß der Sonnenwirkung entwickeln, durch das Wechselverhältnis von Sonnengeist und Erdengeist. Namentlich die Kohlehydrate sind es, die nur entstehen, wenn sich Sonnengeist und Erdengeist küssen durch das Pflanzenwesen. Die Stoffe, die da entwickelt werden, liefern erst das, was die höheren Organismen zur Wärme-Entwickelung in sich hereinnehmen müssen. Denn nur durch das, was die höheren Organismen als Wärme entwickeln, indem sie die von der Sonne auf dem Umwege durch die Pflanze zubereiteten Stoffe aufnehmen, können sie erst gedeihen.

[ 34 ] When we bear this in mind, we gain—as indeed seems fitting for the plant world we love and which brings us joy—a science that can both uplift our souls and bring us closer to this plant world. We feel that our own souls and spirits belong to the Earth and the Sun, and we feel as if we were, so to speak, looking up to the plant world, just as it belongs to our great Earth Mother. In essence, we must do so. For everything that, as an animal or human being, appears to be independent of the sun’s direct influence is, through the plant world—and by virtue of its dependence on the plant world—indirectly dependent on the sun once again. Although human beings do not undergo the same transformations in winter and summer as plants do, it is the plant that gives them the ability to possess that constancy within themselves. The substances that plants develop can only be produced under the influence of the sun’s action, through the interplay of the spirit of the sun and the spirit of the earth. It is carbohydrates, in particular, that arise only when the spirit of the sun and the spirit of the earth unite through the plant organism. The substances developed in this way provide what higher organisms must take in to generate heat within themselves. For it is only through the heat that higher organisms generate—by absorbing the substances prepared by the sun indirectly through the plant—that they are able to thrive.

[ 35 ] So müssen wir materiell allerdings hinblicken auf unsere Erdenmutter als auf unsere große Nährmutter, Aber wir haben gesehen, daß wir in der Pflanzendecke die Physiognomie des Erdengeistes haben, und wir fühlen uns dadurch in Geist und Seele stehend. Wir blicken gleichsam — wie wir einem andern Menschen ins Auge blicken — der Erde in die Seele, wenn wir verstehen, wie sie ihre Seele uns ankündigt in den Blüten und Blättern der Pflanzenwelt.

[ 35 ] Materially speaking, we must indeed regard our Earth Mother as our great nurturer; yet we have seen that the plant kingdom reveals the physiognomy of the Earth Spirit, and through this we feel ourselves standing in spirit and soul. We gaze, as it were—just as we look into another person’s eyes—into the soul of the Earth when we understand how she reveals her soul to us in the blossoms and leaves of the plant world.

[ 36 ] Das war es, was Goethe sich beschäftigen ließ mit der Pflanzenwelt, was ihn zu einer Beschäftigung führte, die im Grunde genommen in nichts anderem besteht, als daß er zeigt, wie der Geist in der Pflanzenwelt wirksam ist, und wie das Blatt, das bald so, bald so in der Pflanze erscheint, von dem Geist herausgestaltet wird in den verschiedensten Formen. Goethe war entzückt, daß der Geist in der Pflanze die Blätter formt, sie rundet und sie auch im Gewinde um den Stengel herumführt. Und ebenso denkwürdig mußte es bleiben, als ein den Geist wirklich erkennender Mensch — als Goethe Schiller nach einem Vortrage des Botanikers Batsch in der naturforschenden Gesellschaft zu Jena gegenüberstand. Als Schiller, den der Vortrag nicht befriedigt hatte, meinte: Das ist doch eine Betrachtung der Pflanzen, wie sie einseitig dasteht! — nahm Goethe ein Blatt heraus und zeichnete in seiner Weise mit einigen Strichen, wie für ihn der Geist in der Pflanze wirkt. Da sagte Schiller, der solche konkrete Erfassung des Geistes der Pflanzen nicht verstehen konnte: Was Sie da zeichnen, ist aber doch nur eine Idee! Darauf konnte Goethe nur sagen: «Das kann mir sehr lieb sein, wenn ich Ideen habe, ohne es zu wissen, und sie sogar mit Augen sehe!»

[ 36 ] This was what drew Goethe to the plant world—a pursuit that, in essence, consists of nothing other than demonstrating how the spirit is at work in the plant world, and how the leaf, which appears in the plant in one form or another, is shaped by the spirit into the most diverse forms. Goethe was delighted that the spirit within the plant shapes the leaves, rounds them, and also guides them in a spiral around the stem. And it must have been just as memorable when a person who truly recognized the spirit—Goethe—stood face to face with Schiller after a lecture by the botanist Batsch at the Natural History Society in Jena. When Schiller, who had not been satisfied with the lecture, remarked, “But that is such a one-sided view of plants!”—Goethe took out a leaf and, in his own way, sketched with a few strokes how, to him, the spirit works within the plant. Then Schiller, who could not comprehend such a concrete grasp of the spirit of plants, said, “But what you are drawing there is only an idea!” To this, Goethe could only reply: “That is very dear to me—to have ideas without knowing it, and even to see them with my own eyes!”

[ 37 ] Gerade die Art, wie ein solcher Mensch wie Goethe in der Pflanzenwelt forscht, als er über den Brenner geht und den Huflattich mit ganz anderen Augen ansieht, wie er darin sieht, wie der Geist über der Erde wirkt und die Blätter gestaltet, das zeigt uns, wie wir von einem gemeinsamen Geist der Erde sprechen können, der sich nur zum Ausdruck bringt in den mannigfaltigen Pflanzenwesen als in seinem besonderen Organ. Was physisch ist, ist Geist. Wir haben immer nur die Aufgabe, den Geist in der richtigen Weise zu verfolgen. Wer die Pflanze so verfolgt, wie sie aus dem Gesamtgeist der Erde herauswächst, der findet den Erdengeist, den Goethe schon im Auge hatte, als er seinen Faust anrufen ließ den die Erde durchwirkenden Geist, der von sich sagt:

[ 37 ] It is precisely the way in which a person like Goethe explores the plant world—as he walks across the Brenner Pass and looks at coltsfoot with entirely different eyes, seeing in it how the spirit works upon the earth and shapes the leaves—that shows us how we can speak of a common spirit of the earth, which expresses itself only through the manifold plant beings as its special organ. What is physical is spirit. Our task is always simply to trace the spirit in the right way. Whoever traces the plant as it grows out of the Earth’s total spirit will find the Earth spirit that Goethe already had in mind when he had his Faust invoke the spirit permeating the Earth, which says of itself:

In Lebensfluten, in Tatensturm
Wall” ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.

In the tides of life, in a storm of deeds
I surge back and forth,
Weaving to and fro!
Birth and grave,
An eternal sea,
A shifting weave,
A blazing life,
Thus I create at the whirring loom of time
And weave a living garment for the Deity.

[ 38 ] Der Mensch aber, der so den Geist in dem Pflanzenleben der Erde erblickt, fühlt sich selber gestärkt und gekräftigt, indem er das, was er als sein inneres Wesen ansehen muß, ergossen sieht über den ganzen Schauplatz, den er bewohnen darf. Und er muß sich sagen: Betrachte ich den Umkreis meines Raumes, so finde ich bestätigt, was aller Dinge Ursprung ist, das finde ich im Schoß des Geistes! Und was als Ausdruck gelten kann des Verhältnisses von Menschengeist und Menschenseele, auch für das Verhältnis von Pflanzenseele und Pflanzengeist, das können wir zusammenfassen in die Worte:

[ 38 ] But the person who thus perceives the Spirit in the plant life of the Earth feels strengthened and invigorated by seeing what he must regard as his inner being poured out over the entire realm in which he is permitted to dwell. And he must say to himself: When I look at the surroundings of my space, I find confirmation of what is the origin of all things; I find it in the bosom of the Spirit! And what can be regarded as an expression of the relationship between the human spirit and the human soul—and likewise for the relationship between the plant soul and the plant spirit—we can summarize in the words:

Es sprechen zu dem Menschensinn
Die Dinge in den Raumesweiten,
Sie wandeln sich im Zeitenlauf.
Erkennend lebt die Menschenseele
Durch Raumesweiten unbegrenzt
Und unversehrt durch Zeitenlauf.
Sie findet in dem Geistgebiet
Des eignen Wesens tiefsten Grund!

They speak to the human mind
The things in the vastness of space,
They change as time passes.
The human soul lives in awareness
Unlimited by the vastness of space
And untouched by the passage of time.
It finds in the realm of the spirit
The deepest foundation of its own being!