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Human History in the Light
of Spiritual Investigation
GA 61

14 December 1911, Berlin

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7. Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft

7. The Prophet Elijah in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Wie eines der glänzendsten Gestirne am Himmel der geistigen Entwickelung der Menschheit leuchtet aus frühem Altertum zu uns herüber der Prophet Elias. Tief, tief prägen sich die Charakterzüge, die Darstellungen der Taten dieser Persönlichkeit, die ganze Größe, wie sie in der biblischen Urkunde geschildert sind, in Menschenherzen und Menschengemüter ein. Schwer faßbar für die äußere Geschichte erscheint jedoch diese bedeutsame Persönlichkeit. Der Geisteswissenschaft, von deren Gesichtspunkte aus die heutige Betrachtung über den Propheten Elias angestellt werden soll, ist aber gerade diese Persönlichkeit ein Zeichen dafür, wie der Menschheitsentwickelung als wichtigste Ursachen, als wichtigste Impulse des Geschehens nicht nur die Taten, die Ideen zugrunde liegen, die äußerlich wahrnehmbar sind, die sich in der äußeren Geschichte mitteilen lassen, sondern wie bewegende Kräfte und Impulse allerwichtigster, allererster Art die Vorgänge in den menschlichen Seelen selber sind. Um diese die Geschichte beleuchtende Tatsache vor unser geistiges Auge hinzustellen, brauchen wir nur daran zu erinnern, daß auch die Begründung des Christentums zum allergrößten Teile einem inneren Seelengeschehen zu verdanken ist, das sich äußerlich als das Ereignis von Damaskus für den Apostel Paulus darstellt. Man möge streiten, wieviel man will, in bezug auf die äußere Tatsache: nicht zu leugnen ist, daß die Begründung des Christentums mit demjenigen in innigem Zusammenhange steht, was sich damals in der Seele, im Geiste des Apostels Paulus abgespielt und sich in die flammenden Worte und in die opfervollen, schwerwiegenden Taten dieses Begründers des Christentums übertragen hat. Aber auch an vielen anderen Stellen können wir nachweisen, daß menschliches Geschehen, geschichtliches Werden zuletzt nicht in die gewöhnlichen Taten der Geschichte hineinführen, sondern in die menschliche Seele, in das menschliche Herz.

[ 1 ] Like one of the brightest stars in the sky of humanity’s spiritual development, the prophet Elijah shines down upon us from early antiquity. The character traits, the accounts of this figure’s deeds, and the full extent of his greatness—as described in the biblical record—are deeply, deeply imprinted on human hearts and minds. Yet this significant figure appears difficult to grasp from the perspective of external history. For spiritual science, from whose perspective today’s consideration of the prophet Elijah is to be conducted, this very figure serves as a sign that the development of humanity is based not only on deeds and ideas that are outwardly perceptible and can be recorded in external history—as the most important causes and impulses of events—but also on the moving forces and impulses of the utmost importance, of the very highest order. To bring this fact—which sheds light on history—before our spiritual eye, we need only recall that the founding of Christianity, too, is due for the greatest part to an inner soul process that manifests outwardly as the event at Damascus for the Apostle Paul. One may argue as much as one likes regarding the external fact: it cannot be denied that the founding of Christianity is intimately connected with what took place at that time in the soul and spirit of the Apostle Paul, and which was conveyed in the fiery words and the self-sacrificing, momentous deeds of this founder of Christianity. But in many other places as well, we can demonstrate that human events and historical developments ultimately lead not to the ordinary deeds of history, but to the human soul, to the human heart.

[ 2 ] Ein solches Beispiel werden wir heute zu betrachten haben. Bei der Kürze und der Skizzenhaftigkeit, die der Vortrag haben muß, der über ein Thema handelt, über das so viel zu sagen wäre, muß es jedoch der weiteren Ausarbeitung dieses Themas in den Seelen überlassen bleiben, inwiefern irgendwie belegend, erläuternd, beleuchtend die Dinge sein können für die Entwickelung der Menschheitsgeschichte, die heute vorgebracht werden in Anknüpfung an die Persönlichkeit des Propheten Elias und seine Zeit. Das, wovon dieser Vortrag handeln wird, soll nun aber nicht bloß als eine Mitteilung über die Persönlichkeit und Bedeutung des Propheten Elias gegeben werden, sondern zugleich als eine Art Beispiel, wie durch die Geisteswissenschaft solche Dinge betrachtet werden können, und wie die Geisteswissenschaft in der Lage ist, mit ihren Mitteln in das hineinzuleuchten, was uns auf andere Art über das geschichtliche Werden der Menschheit mitgeteilt worden ist. Um zu dem angedeuteten Ziele zu kommen, soll heute in einer ganz besonderen Weise vorgegangen werden. Es soll nämlich zunächst dasjenige, was über die Persönlichkeit und die Bedeutung des Propheten Elias zu sagen ist, aus den Forschungen der Geisteswissenschaft selbst, unter möglichst geringer Anlehnung an die Bibel, gegeben werden, höchstens dort in Anlehnung an die Bibel, wo Namengebungen oder Charakterisierungen einen Hinweis zweckvoll erscheinen lassen. Es soll also der gewagte Versuch gemacht werden, zunächst zu erzählen, was eigentlich geschehen ist, um dann darauf hinzuweisen, wie sich dieses Geschehene in der biblischen Urkunde spiegelt. Was geschehen ist, soll aus solchen Forschungen heraus gegeben werden, wie sie eben auf dem Boden der geisteswissenschaftlichen Forschungen möglich sind, auf dem sich in diesem Vortragszyklus und auch in den Vorträgen der vergangenen Jahre die Schilderung bereits bewegt hat. Für die Zuhörer — und es ist heute eine große Anzahl solcher vorhanden -, welche durch langjährige Beschäftigung mit Geisteswissenschaft ganz mit der Kraft und mit der beweisenden Stärke der geisteswissenschaftlichen Methode vertraut sind, kann von vornherein das, was gesagt wird, wenn es auch nur, weil beweisende Auseinandersetzungen viele Stunden in Anspruch nehmen würden, skizzenhaft gesagt werden kann, als sicheres Ergebnis der Forschung hingestellt werden. Die Zuhörer aber, welche sich auf einen solchen Boden nicht stellen oder nicht stellen können, bitte ich, das, was über die wahre Geschichte gesagt wird, als eine Hypothese hinzunehmen, die eben der Prüfung unterliegt. Und ich bin ganz ruhig, wenn diese Prüfung sachgemäß und vorurteilslos unternommen wird, wird sie bestätigen, was jetzt gesagt werden soll. Was hat nun die Geisteswissenschaft über die Persönlichkeit und die Bedeutung des Propheten Elias und seiner Zeit zu sagen?

[ 2 ] We will be examining such an example today. Given the brevity and sketchy nature of this lecture—which deals with a topic about which so much could be said—it must, however, be left to the souls of the listeners to further elaborate on this topic and determine to what extent the ideas presented today, in connection with the personality of the Prophet Elijah and his time, can serve to substantiate, explanatory, or illuminating the matters presented today—which are linked to the personality of the prophet Elijah and his time—may be for the development of human history. What this lecture will address, however, is not intended merely as an account of the personality and significance of the Prophet Elijah, but also as a kind of example of how such matters can be viewed through spiritual science, and how spiritual science, with its own methods, is able to shed light on what has been communicated to us in a different way regarding the historical development of humanity. To achieve the goal outlined above, we shall proceed in a very special way today. Namely, what needs to be said about the personality and significance of the prophet Elijah will first be presented on the basis of spiritual science research itself, relying as little as possible on the Bible—and referring to the Bible only where names or characterizations make such a reference seem appropriate. We shall therefore make the bold attempt to first recount what actually happened, and then point out how these events are reflected in the biblical record. What happened is to be presented on the basis of research of the kind made possible by spiritual science, the framework within which the narrative has already been developed in this lecture series and in the lectures of previous years. For those in the audience—and there are a great many of them here today—who, through many years of engagement with the spiritual sciences, are thoroughly familiar with the power and the persuasive strength of the spiritual-scientific method, what is said can be presented from the outset as a certain result of research, even if it can only be outlined briefly—if only because a detailed, evidence-based discussion would take many hours. However, I ask those members of the audience who do not—or cannot—stand on such ground to accept what is said about the true history as a hypothesis that is, in fact, subject to examination. And I am quite confident that if this examination is conducted properly and without prejudice, it will confirm what is about to be said. What, then, does spiritual science have to say about the personality and significance of the prophet Elijah and his time?

[ 3 ] Wir haben uns in jene Zeit des althebräischen Altertums zu versetzen, in welcher die glänzende Epoche der salomonischen Regierung vorüber ist, und das palästinensische Reich mannigfaltige Nöte auszuhalten gehabt hat, es braucht nur an die Philisternot und an ähnliches erinnert zu werden. Zu versetzen haben wir uns in jene Zeit, in welcher das, was früher ein einheitliches Reich gewesen ist, bereits geteilt erscheintin das Reich Juda und in das Reich Israel. Wir haben uns zu versetzen in jene Zeit — jetzt kommt eine solche Gelegenheit, wie viele kommen werden, wo angeknüpft werden kann an biblische Namen, aber nur wegen der Anlehnung und Verständlichkeit —, in welcher in Samaria der König Ahab regierte, welcher der Sohn des Omri und einer der Nachfolger des Jerobeam ist. Es hat eine Art Bündnis oder Verbrüderung stattgefunden des Königs Ahab, besser gesagt sogar seines Vaters, mit dem Könige von Tyrus und Sidon, und eine Art Bekräftigung hat dieses Bündnis dadurch erfahren sollen, daß Ahab die Tochter aus dem Königshause von Tyrus und Sidon, Jesabel, geheiratet hat. Die Namen sind aus der Bibel bekannt, und um nicht gar zu unverständlich zu sein, knüpfe ich an die Namen der Bibel an. Wir haben uns in eine Zeit zu versetzen, in welcher für die Menschen, die sich entsprechende Anlagen bewahrt hatten, noch keineswegs das alte Hellsehen verschwunden ist, das ja eine Geisteseigenschaft der Menschen in Urzeiten war. Ausgestattet nicht etwa nur mit diesem Hellsehen, sondern mit einer ganz besonderen hellseherischen Kraft, die sie allerdings durchaus nicht bereit war, nur im Sinne des Guten und Edlen zu verwenden, war die Königin Jesabel. Eine Art Hellseherin haben wir in ihr zu sehen, während wir in König Ahab einen Mann zu sehen haben, der in besonderen Ausnahmezuständen das hatte, was aus den verborgenen Kräften der Seele ins Bewußtsein hereintreten kann, was besonders in älteren Zeiten in einem viel ausgedehnteren Maße als in der Gegenwart heraufspielte. Dieser König Ahab hatte nicht in einem besonderen Maße, sondern nur manchmal Ahnungen, Visionen dann, wenn er irgendeiner besonderen Schicksalsfrage gegenüberstand.

[ 3 ] We must transport ourselves back to that period of ancient Hebrew history in which the glorious era of Solomon’s reign had come to an end, and the Palestinian kingdom had to endure manifold hardships—one need only recall the Philistine threat and similar trials. We must transport ourselves to that time when what had once been a unified kingdom had already split into the Kingdom of Judah and the Kingdom of Israel. We must place ourselves in that time—and now comes an opportunity, one of many to come, where we can refer to biblical names, but only for the sake of context and clarity—in which King Ahab reigned in Samaria, who was the son of Omri and one of the successors of Jeroboam. A kind of alliance or brotherhood had been formed between King Ahab—or rather, his father—and the kings of Tyre and Sidon, and this alliance was intended to be reinforced by Ahab’s marriage to Jezebel, the daughter of the royal house of Tyre and Sidon. These names are familiar from the Bible, and to avoid confusion, I will refer to them as they appear in the Bible. We must transport ourselves to a time in which, for people who had retained the appropriate aptitudes, the ancient gift of clairvoyance had by no means disappeared—a spiritual faculty that was indeed characteristic of humanity in primeval times. Queen Jezebel was endowed not merely with this clairvoyance, but with a very special clairvoyant power, which, however, she was by no means willing to use solely for good and noble purposes. We must see her as a kind of clairvoyant, whereas King Ahab was a man who, in certain exceptional states, possessed the ability to bring into consciousness what can emerge from the hidden powers of the soul—a phenomenon that occurred to a much greater extent in earlier times than it does today. King Ahab did not possess this ability to any great degree, but only occasionally experienced premonitions and visions when he was confronted with some particular question of destiny.

[ 4 ] In dieser Zeit hörte man in jenen Gegenden in der mannigfaltigsten Weise, daß es einen großen bedeutenden Geist gäbe. Das war der Geist, der eben in der biblischen Urkunde den Namen Elias trägt. Die wenigsten Menschen, die sozusagen draußen in der Welt lebten, wußten eigentlich weder, wo diese Persönlichkeit zu suchen sei, welche diesen Namen Elias trug, noch wie diese Persönlichkeit gerade stark auf die Zeitgenossen wirkte. Man könnte etwa das, was da war, so charakterisieren, daß in weitesten Kreisen der Name dieser Persönlichkeit und der Hinweis auf sie mit gewissen Schauergefühlen genannt wurden, so daß man wußte, es steckt etwas Bedeutendes in und hinter diesem Geiste. Aber wie das nun in der Welt wirkte, und wo man es zu suchen hatte, das wußte man nicht recht, davon hatte man nicht recht eine Ahnung. Nur einzelne Persönlichkeiten, die man die eingeweihten Schüler dieses Geistes nennen kann, wußten, wie es eigentlich um die Sache stand, wußten auch in der physischen Welt, in der äußeren Wirklichkeit den Mann zu finden, welcher der Träger dieses Geistes war. Der König Ahab wußte es nicht. Aber er hatte eine ganz besondere Angst, eine Art von besonderem Schauergefühl, wenn auf diese Persönlichkeit hingedeuter wurde. Denn man verband und mußte ganz besondere Begriffe mit dieser Persönlichkeit verbinden. Der König Ahab in Samaria war derjenige, welcher namentlich durch seine Verbrüderung mit Tyrus und Sidon in das alte palästinensische Reich eine gewisse Art von Religion hineingebracht hatte, die sich an äußeres Zeremoniell, äußere Formen hielt, an dasjenige, was in äußeren Symbolen auftrat, an eine Art Heidentum mit anderen Worten. Diejenigen, welche zu einem solchen Heidentum gehörten, mußten nun das, was ihnen über die Individualität des Propheten Elias bekannt war, mit einem ganz besonderen Schauergefühl hinnehmen. Denn aus den verschiedenen Dingen, welche man da hörte, konnte man sich sagen: Gewiß, es ist aus alten Zeiten des althebräischen Volkes das vorhanden, was man die Jahve-Religion nennen kann, es ist vorhanden der Glaube an einen Gott, an ein geistiges Wesen der Welt, das übersinnlich waltet, das durch seine übersinnlichen Kräfte in Menschenwerden und Menschengeschichte eingreift. - Aber man wußte auch, daß die Zeit herangerückt ist, wo innerhalb der Besten des althebräischen Volkes ein immer bedeutsameres und größeres Verständnis der Wesenheit des Jahve sich einführen sollte. Man wußte, daß die Moses-Religion zwar im Keim schon alles hatte, was man als die Jahve-Religion bezeichnen kann, aber es war so verstanden worden, wie es bei einem mehr oder weniger erst im Kindheits- oder Jünglingsalter stehenden Volke verstanden werden kann. Die Jahve-Religion, der Aufblick zu einem übersinnlichen Gotte, der durch nichts anderes charakterisiert werden kann, als daß man sagt: Er hat mit nichts anderem Ähnlichkeit, als mit jenem unsichtbaren Übersinnlichen, das der Mensch gewahr wird, wenn er sein eigenes Ich ins Auge faßt. Jenes Übersinnliche war da, aber man hatte es so aufgefaßt, daß man an den äußeren Erscheinungen des Menschenlebens sozusagen versuchte, sich zu verbildlichen, wie der Jahve-Gott wirkte. Man hatte sich daran gewöhnt, zu sagen: Jahve wirkt so, daß er die Menschen belohnt, den Menschen sich gütig erweist, wenn sich in der äußeren Natur Fruchtbarkeit, Üppigkeit zeigt, wenn sonst das Leben leicht dahinfließt.-Man hatte sich aber auch gewöhnt, zu sagen, daß der Jahve-Gott im Zorn erglühe oder sich von den Menschen abwende, wenn Kriegsnöte, Hungersnöte oder dergleichen da waren.

[ 4 ] During this time, word spread in all sorts of ways throughout those regions that there was a great and significant spirit. This was the spirit who, in the biblical account, bears the name Elijah. Very few people—those who lived, so to speak, out in the world—actually knew either where to find this figure named Elijah or just how powerfully he was influencing his contemporaries. One might characterize the situation as follows: in the broadest circles, the name of this figure and any mention of him were spoken of with a certain sense of awe, so that people knew there was something significant in and behind this spirit. But how this was actually working in the world, and where one was to look for it—that was not really known; people had no real inkling of it. Only a few individuals—who might be called the initiated disciples of this spirit—knew the true nature of the matter and were also able to identify, within the physical world and in outward reality, the man who was the bearer of this spirit. King Ahab did not know this. But he felt a very special fear, a kind of particular shudder, whenever this figure was mentioned. For people associated—and indeed had to associate—very specific concepts with this figure. King Ahab of Samaria was the one who, particularly through his alliance with Tyre and Sidon, had introduced into the ancient Palestinian kingdom a certain kind of religion that adhered to external ceremony, external forms, and what manifested itself in external symbols—in other words, a kind of paganism. Those who belonged to such a form of paganism now had to accept what they knew about the individuality of the prophet Elijah with a very special sense of awe. For from the various things they heard there, one could conclude: Certainly, what can be called the religion of Yahweh still exists from the ancient times of the ancient Hebrew people; there is a belief in a God, in a spiritual being of the world who reigns supernaturally and who, through his supernatural powers, intervenes in human existence and human history. - But one also knew that the time had come when, among the best of the ancient Hebrew people, an ever more significant and profound understanding of the essence of Yahweh was to take hold. It was known that although the religion of Moses already contained in its embryonic form everything that can be described as the religion of Yahweh, it had been understood in the way that a people still more or less in the stage of childhood or youth could understand it. The religion of Yahweh—the gaze toward a supernatural God who can be characterized by nothing other than the statement: He bears no resemblance to anything other than that invisible, transcendent reality which a person perceives when he looks into his own soul. That transcendent reality was there, but it had been conceived in such a way that people tried, so to speak, to visualize how the God of Yahweh acted through the outward manifestations of human life. People had become accustomed to saying: Yahweh acts by rewarding people and showing them kindness when fertility and abundance are evident in the external natural world, and when life otherwise flows easily.—But people had also become accustomed to saying that the God Yahweh would burn with wrath or turn away from humanity when there were the hardships of war, famines, or the like.

[ 5 ] Die Zeit, von der wir jetzt sprechen, ist auch eine solche Zeit der Not, namentlich eine Zeit der Hungersnot. Und gar manche hatten sich von Jahve aus dem Grunde abgewandt, weil sie an sein Wirken nicht mehr glauben konnten, da sie sahen, wie er die Menschen behandelte, da eben eine furchtbare Hungersnot herrschte. Wenn wir von einem Fortschritte des Jahve-Gedankens sprechen können, müssen wir diesen Fortschritt in der folgenden Art charakterisieren, Auftreten sollte nun ein Gottesgedanke, der zwar der alte Jahve-Gedanke war, aber von einem höheren Verständnis der Menschen durchdrungen, so durchdrungen, daß man sich sagte: Was auch in die äußere Welt eintreten, wie auch der Mensch beseligt dahinleben möge, wie ihn aber auch Not und Elend treffen mögen, diese äußeren Dinge sind in keiner Weise beweisend für die Güte oder den Zorn des Jahve, sondern der hat den richtigen Begriff, die rechte Hingabe an den Jahve-Gedanken, der auch in der größten Not und im größten Elend in dem Aufblick zu dem unsichtbaren Gotte nicht wankend wird, der durch die Kräfte allein, die in seiner Seele walten, und durch keinerlei äußere Beobachtungen, äußere Bekräftigungen die Gewißheit empfängt: Er ist!

[ 5 ] The time we are now speaking of is also such a time of distress, namely a time of famine. And quite a few had turned away from Yahweh at heart because they could no longer believe in his work, since they saw how he treated the people while a terrible famine was raging. If we can speak of progress in the concept of Yahweh, we must characterize this progress in the following way: a concept of God was to emerge that, while still the old concept of Yahweh, was imbued with a higher understanding on the part of humanity—so imbued that people said to themselves: Whatever may occur in the external world, however blissfully a person may live, and however hardship and misery may befall him, these external things in no way prove the goodness or wrath of Yahweh, but rather, one possesses the correct conception, the true devotion to the concept of Yahweh, which does not waver even in the greatest distress and misery when one looks up to the invisible God; one who, through the forces alone that reign within one’s soul—and through no external observations or external confirmations—receives the certainty: He is!

[ 6 ] Dieser Umschwung sollte sich in der damaligen Zeit vollziehen. Wenn solche Umschwünge in der Zeit vor sich gehen sollen, müssen immer Persönlichkeiten da sein, in deren Seelen sich so etwas zuerst vollzieht, in die gleichsam hineinwirken kann dasjenige, was als ein neuer Impuls, eine neue Kraft in der Geschichte auftreten soll. Wenn das Wort nicht mißverstanden wird, kann man sagen: Es war durch das Völkerschicksal diejenige Individualität, die mit dem Namen des Propheten Elias bezeichnet wird, ausersehen, um den Jahve-Gedanken in einer solchen Weise zuerst in der eigenen Seele zu erfassen. - Dazu war notwendig, daß in der Seele dieser Persönlichkeit ganz besondere Kräfte aus den verborgenen Untergründen und Tiefen aufstiegen, die vorher nicht bei den Menschen, auch nicht bei den Lehrern der Menschheit waren. Eine Art mystischer Einweihung erster Art, durch welche die Kunde von einem solchen Gott hereinziehen konnte, mußte sich in der Wesenheit des Elias abspielen. Daher ist von ungeheurer Wichtigkeit, um dieses Hereindringen des Jahve-Gedankens in der charakterisierten Weise zu zeigen, daß man in die Seele desjenigen Mannes hineinschaue, in dem zuerst der Geist verkörpert war, der in solcher Art durch seine Einweihung, durch seine Durchdringung mit den verborgenen Kräften der Seele, wie es für den ersten, tonangebenden Geist notwendig war, den Jahve-Gedanken möglich machen sollte.

[ 6 ] This turning point was to take place at that time. If such turning points are to occur in the course of history, there must always be individuals in whose souls such a process first takes place—individuals into whom, as it were, that which is to emerge as a new impulse, a new force in history, can work. If the term is not misunderstood, one can say: It was through the destiny of the people that the individuality designated by the name of the prophet Elijah was chosen to first grasp the idea of Yahweh in this way within his own soul. - For this to happen, it was necessary that very special forces rise up in the soul of this personality from the hidden depths and recesses—forces that had not previously existed among human beings, not even among the teachers of humanity. A kind of mystical initiation of the highest order, through which the knowledge of such a God could enter, had to take place within the being of Elijah. Therefore, in order to demonstrate this penetration of the concept of Yahweh in the manner described, it is of immense importance to look into the soul of the man in whom the Spirit was first incarnated—the man who, through his initiation and his permeation with the hidden powers of the soul, as was necessary for the first, pioneering Spirit.

[ 7 ] Mit dem, was solche Persönlichkeiten als einen bedeutsamen Ruck nach vorwärts zuerst in ihrer eigenen Seele erleben, stehen sie ja allein da. Aber sie versammeln Schüler um sich. Das, was man die großen religiösen oder ProphetenSchulen innerhalb Palästinas, was man die Initiations- oder Mysterienstätten bei anderen Völkern nennen kann, das gehört zu solchen Schulen. So war denn der Prophet Elias, wenn wir diesen Namen gebrauchen wollen, ebenfalls von einigen Schülern umgeben, die nur von unten zu ihm aufblickten, aber doch in einer gewissen Weise wenigstens wußten, um was es sich handelte, wenn sie auch nicht sehr tief in seine Seele hineinschauen konnten. Die andern Menschen aber wußten nicht, wo derjenige steckt, in dem solches vorging. Man mußte sich nur sagen: Er ist da, es geht etwas vor. — Was wir vielleicht in unserer Sprache, wenn der Name nicht mißbraucht wird, eine ArtGerücht nennen würden, verbreitete sich. Das Gerücht verbreitete sich, daß der Prophet da sei, aber man wußte nicht wo. Denn solche Propheten, solche bedeutsamen Geister hatten eine ganz bestimmte Kraft. Es mag das, was ich hiermit sage, wenn man nur auf unsere Zeit blickt, etwas grotesk erscheinen, für den aber, der die Eigentümlichkeiten alter Zeiten kennt, braucht es durchaus nicht grotesk zu sein. Eine ganz besondere Kraft hatten diese Persönlichkeiten, eine Kraft mit einer großen und einschneidenden Wirksamkeit, die sich da und dort zeigt, nicht bloß in den Schauergefühlen, sondern auch in Positivem, das sie sozusagen den Seelen einträufeln, um dadurch so zu wirken, daß man eigentlich nicht weiß, wo die äußere Persönlichkeit steckt. Die äußere Persönlichkeit solcher Geister ist zuweilen eine recht unscheinbare. Die Schüler wissen es. Irgendwo, vielleicht in einer höchst unscheinbaren äußeren Stellung, tritt die äußere Persönlichkeit auf.

[ 7 ] Such individuals stand alone in their initial experience of what they perceive as a significant leap forward within their own souls. But they gather disciples around them. What might be called the great religious or prophetic schools within Palestine—or the initiation or mystery centers among other peoples—belong to such schools. Thus, the prophet Elijah—if we wish to use that name—was likewise surrounded by a few disciples who looked up to him from below, yet in a certain sense at least knew what was at stake, even if they could not look very deeply into his soul. The other people, however, did not know where the one in whom such things were taking place was to be found. One simply had to say to oneself: He is there; something is happening. — What we might call, in our language—if the term is not misused—a kind of rumor began to spread. The rumor spread that the prophet was there, but no one knew where. For such prophets, such significant spirits, possessed a very specific power. What I am saying here may seem somewhat grotesque if one looks only at our own time, but for those who are familiar with the peculiarities of bygone eras, it need not be grotesque at all. These personalities possessed a very special power—a power with a profound and decisive effect that manifests itself here and there, not merely in feelings of awe, but also in positive influences that they instill, so to speak, into people’s souls, thereby exerting an influence such that one does not actually know where the outer personality lies. The outer personality of such spirits is sometimes quite unremarkable. The students know this. Somewhere—perhaps in a highly unremarkable outward position—the outer personality appears.

[ 8 ] Und siehe da: in jener Zeit war die äußere Persönlichkeit, die der Träger des eben charakterisierten Geistes war, ohne daß Ahab, der König von Samaria, eine Ahnung davon hatte, eigentlich sein Nachbar. Er war in seiner unmittelbaren Nähe. Aber König Ahab wußte nichts davon. Er suchte die Persönlichkeit, von der er so sprechen konnte, wie es jetzt charakterisiert worden ist, überall, nur nicht in dem schlichten Besitzer eines kleinen Gutes, das in seiner unmittelbaren Nähe war. Denn wo diese Persönlichkeit zu gewissen Zeiten war, warum sie zuweilen abwesend war, darüber machte sich der König keine Gedanken. Jesabel wußte es, teilte aber zunächst ihr Geheimnis dem Ahab nicht mit. Sie behielt es aus Gründen, die wir nachher erkennen werden, eben für sich. Diejenige Persönlichkeit nun, welche eigentlich der äußere physische Träger des Elias ist, wird auch in der Bibel mit einem Namen genannt. Sie heißt dort Naboth, so daß wir in Wahrheit nach den geisteswissenschaftlichen Forschungen in dem biblischen Naboth den physischen Träger der geistigen Individualität des Elias zu sehen haben.

[ 8 ] And lo and behold: at that time, the outward personality who embodied the spirit just described—without Ahab, the king of Samaria, having the slightest inkling of it—was in fact his neighbor. He was right there in his immediate vicinity. But King Ahab knew nothing of it. He searched everywhere for the person he could describe in the way that has just been characterized—everywhere except in the humble owner of a small estate that was in his immediate vicinity. For the king gave no thought to where this person was at certain times, or why he was sometimes absent. Jezebel knew, but at first she did not share her secret with Ahab. She kept it to herself for reasons we will come to understand later. Now, the individual who is actually the outer, physical vehicle of Elijah is also named in the Bible. There he is called Naboth, so that, according to spiritual scientific research, we must in truth regard the biblical Naboth as the physical vehicle of Elijah’s spiritual individuality.

[ 9 ] Es kam in jener Zeit der Hungersnot, wo viele eben hungern mußten, in gewisser Weise auch über Naboth die Not. In solchen Zeiten, wo nicht nur der Hunger wirkt, was in der damaligen Zeit allerdings der Fall war, sondern wo auch das unendliche Mitleid mit den Hungernden, mit den Bedrängten wirkt, sind die Verhältnisse besonders günstig, daß in dem durch sein Schicksal oder durch sein Karma dazu Vorbereiteten jene verborgenen Seelenkräfte hereinkommen können, durch die er zu einer solchen Mission sich aufschwingen kann, wie es angedeutet worden ist. Machen wir uns nun klar, was in einer solchen Seele vorgeht, was also in Naboths Seele vorgegangen ist.

[ 9 ] During that time of famine, when many were indeed starving, hardship also befell Naboth in a certain way. In such times—when it is not only hunger that takes effect, though that was certainly the case back then, but when infinite compassion for the hungry and the afflicted also takes effect—conditions are particularly favorable for those hidden soul forces to enter into a person who has been prepared for this through his fate or his karma, enabling him to rise to such a mission as has been indicated. Let us now clarify what goes on in such a soul—that is, what went on in Naboth’s soul.

[ 10 ] Was vorgeht, sind zunächst rein innerliche Vorgänge, ist eine bedeutsame Selbsterziehung oder Selbstentwickelung der Seele zu höheren geistigen Höhen. Was die Seele innerlich erlebt an Aneignung von Kräften, durch die sie hineinschaut in diegeistigen Welten, um aus ihnen wieder herunterzutragen, was als Impulse der Menschheitsentwickelung eingepflanzt werden soll, ist außerordentlich schwer zu schildern, läßt sich außerordentlich schwer in Worte kleiden, weil es nicht einmal dem, der so etwas erlebt, so zum Bewußtsein kommt, namentlich in jenen alten Zeiten nicht so zum Bewußtsein kam, daß er es in genaue, scharf konturierte Begriffe hätte bringen können. Man macht eine hellseherische Entwickelung der Seele durch in verschiedenen Stufen. Bei einer solchen Wesenheit wie Naboth geht natürlich das voraus, daß sie zuerst das bestimmteste innere Erlebnis hat: In mir soll aufleuchten die Kraft, die jetzt in die Menschheit hereinkommen soll. Ich soll ihr ein Gefäß sein. — Dann aber kommt das andere Erlebnis: Ich muß nun alles daransetzen, daß ich mich dieser Kraft würdig mache, daß die Kraft in mir in richtiger Weise sprechen kann, daß ich mir die entsprechenden Eigenschaften aneigne, die mir die Fähigkeiten geben, das zu erleben, was ich erleben muß, damit ich die Kraft in der richtigen Weise den Mitmenschen mitteilen kann.

[ 10 ] What is taking place are, at first, purely inner processes; it is a significant process of self-education or self-development of the soul toward higher spiritual realms. What the soul experiences inwardly—the acquisition of powers through which it looks into the spiritual worlds in order to bring back from them what is to be implanted as impulses for human development—is extraordinarily difficult to describe and extremely hard to put into words, because even to the one who experiences such things, come to consciousness in such a way—especially not in those ancient times—that they could have expressed it in precise, sharply defined terms. One undergoes a clairvoyant development of the soul in various stages. For a being such as Naboth, this is naturally preceded by the most definite inner experience: The power that is now to enter humanity must shine forth within me. I am to be a vessel for it.” — But then comes the other experience: “I must now do everything in my power to make myself worthy of this force, so that the force can speak through me in the right way, so that I may acquire the appropriate qualities that give me the abilities to experience what I must experience, so that I can communicate the force to my fellow human beings in the right way.”

[ 11 ] So muß eine solche Persönlichkeit mancherlei Stufen durchmachen. Wenn eine entsprechende Stufe dann erreicht ist, treten für die eigene Seele gewissermaßen bestimmte Zeichen auf, die nicht etwa Träume sind, aber innere Erlebnisse, auch nicht nur Visionen, denn es liegt ihnen die Realität der Entwickelung der eigenen Seele zugrunde. Es treten Bilder auf, welche die Anzeichen dafür sind: Jetzt bist du in deiner Seele so weit, daß du es wagen kannst, zu wirken. — Die Bilder als solche brauchen nicht viel zu tun zu haben mit dem, was die Seele in Realität durchmacht. Sie sind bloße Symbole in der Weise, wie auch der Traum symbolisiert. Es sind aber in einer gewissen Weise typische Symbole, wie wir auch unter gewissen Umständen bestimmte Träume haben, so zum Beispiel bei pochendem Herzen den Traum eines glühenden Ofens. So treten bestimmte visionartige Erlebnisse auf, wenn die betreffende Seele wieder dieses oder jenes an hellseherischer Kraft sich angeeignet hat. Bei jenem Naboth trat das zuerst auf, daß er durch ein solches Bild erkannte: «Du bist es, durch den verkündet werden soll, daß man vertrauen kann auf den alten JahveGott und vertrauen muß, auch wenn der äußere Schein des geschichtlichen Verlaufes durch die Not, die hereingebrochen ist, da widerspricht. In Ruhe muß man warten, bis die Zeiten wieder besser werden, denn dem Ratschluß des alten Jahve-Gottes entspricht es, Not und auch wieder Glück zu bringen. Aber niemals darf das Vertrauen schwinden.» Daß dieses durch ihn Auszusprechende eine unerschütterliche, überzeugende Kraft in seiner Seele ist, das wurde dem Naboth klar. Es stand vor ihm lebendig als etwas, was mehr war als eine bloße Vision. Es stand vor seiner Seele der Gott selber, wie er sich ihm vorstellen konnte in einem Gesicht und zu ihm sprach: «Gehe zum König Ahab und sage: Es muß vertraut werden auf den Jahve-Gott, bis er wiederum regnen läßt»,—das heißt, bis wieder bessere Zeiten kommen. Da wußte dieser Mann seine Mission, wußte, daß er sich jetzt der weiteren Ausbildung der Seelenkraft zu widmen hatte, die zu voller Entwickelung das bringen kann, was ihm so vor dem geistigen Auge stand, und er entschloß sich dazu mit allen Opfern, soweit es nur möglich war, einer derjenigen zu sein, die am meisten der Not der damaligen Zeit, auch dem Hunger, ausgesetzt waren. Er hungerte wahrlich nicht — ich betone, daß hier nicht etwa eine Hungerkur zur Erlangung geistiger Erkenntnis anempfohlen werden soll -, um in höhere Welten hinaufzusteigen, er hungerte aus keinem andern Impulse, als die andern hungerten, nicht nur um das Schicksal der andern zu teilen, sondern es sogar in einem erhöhten Maße zu teilen. Seine Seele aber war in einer unausgesetzten inneren Kontemplation dem Gotte hingegeben, der sich ihm in der geschilderten Art offenbart hatte, und er wandte seine Gedanken nicht von diesem Gotte ab. Wir würden heute in der Geisteswissenschaft sagen: Seine ganze Meditation war, daß er mit voller Willkür diesen Gedanken in den Mittelpunkt seiner Seele brachte.-Daß er damit richtig handelte, zeigte sich ihm wieder in einem Zeichen, in einem inneren Gesichte, das wieder mehr war als eine bloße traumhafte Vision, indem vor ihm in aller Lebendigkeit das Bild des Gottes stand, der ja in seiner Seele lebte und ihm sagte: «Harre aus, ertrage alles! Derjenige, der die Menschen und auch dich ernährt, wird dir das Nötige geben. Nur unbedingtes Vertrauen in den ewigen Bestand der Seele mußt du haben!» Das Bild trat auf, als ob er - ein Einsiedler, der die Sache mehr in bildhafter Realität darstellte - hinginge an den Bach Krith, dort sich verberge und sich von dem Wasser des Baches, solange eines da war, tränkte und.sich nährte von dem, was ihm der Gott schickte, was er eben unter der Not der Zeit noch haben konnte. Es erschien ihm als Bild einer besonderen Gnade des Gottes, daß ihm die Raben diese Nahrung zubrachten. So hatte er in diesem Gesicht eine Bekräftigung dessen, was er wieder in seinem Inneren als die Hauptsache zu durchleben hatte.

[ 11 ] Such a personality must therefore pass through various stages. When a corresponding stage is reached, certain signs appear, as it were, for one’s own soul—signs that are not merely dreams, but inner experiences, nor are they merely visions, for they are grounded in the reality of one’s own soul’s development. Images appear that serve as signs: “Now you have reached a point in your soul where you can dare to act.” — The images themselves need not have much to do with what the soul is actually going through. They are mere symbols, just as dreams are symbolic. Yet in a certain sense they are typical symbols, just as we have certain dreams under certain circumstances—for example, the dream of a blazing furnace when our heart is pounding. Thus, certain vision-like experiences arise when the soul in question has once again acquired this or that clairvoyant power. In the case of Naboth, the first thing that occurred was that he recognized through such a vision: “It is through you that it is to be proclaimed that one can and must trust in the ancient God Yahweh, even if the outward appearance of historical events, due to the hardship that has befallen us, seems to contradict this. One must wait patiently until times improve again, for it is in accordance with the counsel of the ancient God Yahweh to bring both hardship and, once more, good fortune. But trust must never waver.” It became clear to Naboth that what he was to utter was an unshakable, compelling force within his soul. It stood before him vividly as something more than a mere vision. God Himself stood before his soul, as he could imagine Him in a vision, and spoke to him: “Go to King Ahab and say: One must trust in the God Yahweh until He causes it to rain again”—that is, until better times return. Then this man knew his mission; he knew that he must now devote himself to the further development of the soul’s power, which, when fully developed, could bring about what stood before his spiritual eye, and he resolved, with every sacrifice as far as possible, to be among those most exposed to the hardships of that time, including hunger. He was certainly not starving himself—I emphasize that this is not meant to recommend a starvation regimen for the attainment of spiritual knowledge—in order to ascend to higher worlds; he did not starve himself out of any impulse other than that which drove the others to starve, not merely to share in the fate of others, but to share in it to an even greater degree. His soul, however, was devoted to God in unceasing inner contemplation—the God who had revealed Himself to him in the manner described—and he did not turn his thoughts away from this God. Today, in spiritual science, we would say: His entire meditation consisted in bringing this thought, of his own free will, into the very center of his soul.—That he was acting correctly was shown to him once again through a sign, an inner vision that was more than a mere dreamlike vision, for before him stood, in all its vividness, the image of the God who indeed lived within his soul and said to him: “Be patient, endure everything! The One who sustains humanity and you as well will give you what you need. You must have only unconditional trust in the eternal existence of the soul!” The image appeared as if he—a hermit who depicted the matter in more pictorial reality—were going to the Krith stream, hiding there, quenching his thirst with the stream’s water as long as there was any, and nourishing himself with whatever God sent him, whatever he could still obtain amid the hardship of the times. It seemed to him to be a sign of a special grace from God that the ravens brought him this food. Thus, in this vision, he found confirmation of what he had to experience once again within himself as the most important thing.

[ 12 ] Dann sollte er eine höhere Stufe in bezug auf die verborgenen Seelenkräfte erleben. Siehe da, er versuchte noch tiefer, so würden wir heute sagen, in jene Meditation sich hineinzuversenken, von der er ausgegangen war, und die wir schon charakterisiert haben. Diese Meditation, dieses innere Erleben nahm dann folgenden Charakter an. Er sagte sich: Wenn du überhaupt der Vision gewachsen sein sollst, welche da von einem ganz neuen Gottesbild hereinleuchtet, so mußt du im Grunde genommen innerlich, auch in den tiefsten Kräften deiner Seele, ein ganz anderer werden, als du bis jetzt gewesen bist. Du mußt eigentlich die Seele, die in dir lebt, überwinden, ablegen, und du mußt aus deinen tieferen Seelenkräften heraus in einer neuen Art dasjenige beleben, was du zwar hast, was aber so als dein eigentliches Ich nicht bleiben darf, wie es ist. — So arbeitete er unter dem Einfluß dieses Gedankens an seiner Seele intensiv, in innerer Arbeit, an einer Umwandlung, an einer Umgestaltung seines eigenen Ich, damit es würdig werden konnte, sich dem Gotte gegenüberzustellen, der sich ihm offenbart hatte. Wiederum ergab sich für ihn eine Art Gesicht, eine Art Vision, aber eben etwas, was viel mehr ist als eine Vision und doch viel weniger Wert hat, denn den eigentlichen Wert haben die inneren Seelenvorgänge. Es ergab sich ihm das Gesicht, daß sein Gott, der sich ihm offenbart hatte, ihn nach Sarepta schickte, daß er dort eine Witwe antraf, die einen Sohn hatte. Jetzt erscheint ihm die Art und Weise, wie er leben soll, gleichsam personifiziert in dem Schicksal dieser Witwe und ihres Sohnes. Die haben kaum mehr etwas zu essen, so tritt die Vision vor seine Seele. Das letzte, was sie haben, wollen sie noch anwenden und dann sterben. Er aber sagt jetzt das, was er im Grunde genommen zu seiner eigenen Seele von Tag zu Tag, von Woche zu Woche im einsamen Nachdenken gesagt hatte, wie in einem Traum, wie in einem Gesicht zu dieser Witwe: «Sorget nicht, bereitet ruhig aus dem Mehl, das Ihr noch habt, das Mahl, das bereitet werden soll für Euch und auch für mich. Vertrauet für alles, was kommen soll, auf den Gott, der Glück und Unglück bringen kann, an dem man nie irre werden darf!» Und siehe da, es zeigte sich ihm im Traum, im Gesichte, war in der Vision ausgedrückt, daß der Mehlbehälter und der Ölkrug nicht leer wurden, sondern sich immer wieder füllten. Sein ganzer Seelenzustand drückte sich im Gesichte so aus, als er gleichsam für diese Persönlichkeit reif geworden war, als ob diese Persönlichkeit hinzöge in das Haus der Witwe und in dem oberen Stockwerk dieses Hauses wohne. Aber die innere Realität ist die, daß die eigene Seele gleichsam ein höheres Stockwerk besteigt, zu einer höheren Stufe ihrer Entwickelung hinaufgelangt. Jetzt aber tritt ihm im Gesicht entgegen, wie der Sohn jener Frau stirbt. Das ist nichts anderes als die symbolische Widerspiegelung dafür, wie er überwunden, gleichsam getötet hat, was sein Ich bisher war. Die unterbewußten Kräfte seiner Seele fragen ihn: «Was sollst du jetzt tun?» Er steht gewissermaßen ratlos da. Da nimmt er sich selbst zusammen durch die Kraft, die bisher in ihn geflossen ist, und versenkt sich weiter in das, was ihm zum Sichversenken gegeben ist. Da stellt sich dar, daß, nachdem der Sohn dieser Witwe gestorben ist, diese Frau ihm Vorwürfe macht, das heißt sein eigenes seelisches Unterbewußtsein ihm Vorwürfe macht und ihm Besorgnis einjagt: Das alte Ich-Bewußtsein ist nun fort, wie nun weiter?-ImBilde dargestellt ist es so, daß er den Sohn zu sich kommen läßt, sich kühn in seine Seele weiter vertieft und dadurch den toten Sohn wieder zum Leben bringt. Das gibt ihm Mut zur weiteren Belebung des neuen Ich aus dem alten Ich.

[ 12 ] Then he was to experience a higher level with regard to the hidden powers of the soul. Lo and behold, he tried to immerse himself even more deeply—as we would say today—into that meditation from which he had set out, and which we have already described. This meditation, this inner experience, then took on the following character. He said to himself: If you are to be at all worthy of the vision that is shining forth here of a completely new image of God, then you must, in essence, become a completely different person inwardly—even in the deepest powers of your soul—than you have been up to now. You must, in fact, overcome and cast off the soul that lives within you, and you must, drawing from your deeper soul forces, breathe new life into that which you do possess—but which, as your true self, must not remain as it is. — Thus, under the influence of this thought, he worked intensively on his soul, through inner work, on a transformation, on a reshaping of his own “I,” so that it might become worthy to stand before the God who had revealed Himself to him. Once again, a kind of vision arose within him—a vision, yet something that is much more than a mere vision and yet of much less value, for the true value lies in the inner processes of the soul. The vision that arose within him was that his God, who had revealed Himself to him, was sending him to Zarephath, where he would meet a widow who had a son. Now the way in which he is to live appears to him, as it were, personified in the fate of this widow and her son. They have hardly anything left to eat, and so the vision appears before his soul. They intend to use up the last of what they have and then die. But he now says to this widow—as if in a dream, as if in a vision—what he had, in essence, been saying to his own soul day by day, week by week, in his solitary reflections: “Do not worry; calmly prepare from the flour you still have the meal that is to be prepared for you and also for me. Trust in God for all that is to come—the God who can bring both good and bad, in whom one must never lose faith!” And behold, it was revealed to him in a dream, in a vision, that the jar of flour and the jug of oil did not run out, but were continually refilled. His entire state of mind was expressed in the vision as if he had, so to speak, matured into this personality, as if this personality were moving into the widow’s house and dwelling on the upper floor of that house. But the inner reality is that one’s own soul, so to speak, ascends to a higher floor, reaching a higher stage of its development. But now he sees before him, as it were, the death of that woman’s son. This is nothing other than the symbolic reflection of how he has overcome—as it were, killed—what his “I” had been up to that point. The subconscious forces of his soul ask him, “What are you to do now?” He stands there, as it were, at a loss. Then he pulls himself together through the power that has flowed into him thus far and immerses himself further in what has been given to him to immerse himself in. It then becomes apparent that, after the son of this widow has died, the woman reproaches him—that is, his own subconscious mind reproaches him and fills him with anxiety: The old sense of self is now gone—what next?—As depicted in the illustration, he brings the son to himself, boldly delves deeper into his soul, and thereby brings the dead son back to life. This gives him the courage to further enliven the new self from within the old self.

[ 13 ] So reifte er heran. So reifte seine Seele heran, daß sie in sich die Kraft haben konnte, nun auch wirklich vor die äußere Welt hinzutreten und zu verkündigen, was dieser äußeren Welt zu sagen war, vor allen Dingen vor den König Ahab hinzutreten, um zur Entscheidung zu bringen den Sieg der neuen Jahve-Auffassung gegenüber demjenigen, was aus der Schwäche der Zeiten an deren Stelle getreten war, und dessen Repräsentant der König Ahab war.

[ 13 ] And so he matured. His soul matured to the point where it possessed the strength to truly step forth into the outer world and proclaim what needed to be said to that world—above all, to appear before King Ahab in order to secure the victory of the new conception of Yahweh over that which had taken its place due to the weakness of the times, and of which King Ahab was the representative.

[ 14 ] Von irgendwoher - jedenfalls hatte Ahab keine Ahnung, woher der Mann kam — kam dieselbe Persönlichkeit an König Ahab heran, der in seinem Reiche sorgend herumging und sich die Not besah. Da traf er auf diesen Mann. Und es machte sich etwas geltend in Ahabs Seele bei den Worten, die dieser Mann zu ihm sprach, obwohl er durchaus nicht wußte, daß es sein Nachbar war, als ob das Schauervolle jetzt in einem besonderen Maße vor ihm stünde, was er immer empfunden hatte, wenn von jenem Geiste gesprochen wurde, der in der Bibel mit dem Namen des Propheten Elias genannt wird. «Bist du etwa der Mann, der Israel verwirrt?» fragte ihn Ahab. «Nein», antwortete Naboth-Elias, «sondern du selbst bist es, der Unglück und Unheil bringt über Israel. Die Entscheidung muß herbeigeführt werden, welchem Gotte sich nunmehr unser Volk zuwenden soll.»

[ 14 ] From somewhere—at any rate, Ahab had no idea where the man had come from—this same figure approached King Ahab, who was walking anxiously through his kingdom, surveying the distress. There he encountered this man. And something stirred in Ahab’s soul at the words this man spoke to him—even though he had no idea that it was his neighbor—as if the very thing he had always sensed when people spoke of that spirit, referred to in the Bible by the name of the prophet Elijah, now stood before him with particular intensity. “Are you, by any chance, the man who is causing confusion in Israel?” Ahab asked him. “No,” replied Naboth-Elijah, “but it is you yourself who are bringing misfortune and disaster upon Israel. A decision must be made as to which God our people should now turn to.”

[ 15 ] Da wurden denn die Dinge so geführt — das Einzelne näher auszuführen, würde heute zu weit gehen -, daß ein großer Teil des Volkes von Israel versammelt wurde am Berge Karmel, wo die Entscheidung herbeigeführt werden sollte durch ein äußeres Zeichen, das sich uns durchaus als etwas Begreifliches darstellen sollte, zwischen dem Gotte des Ahab und dem Gotte des Elias. Zuerst wurde veranstaltet, daß die Priester und Propheten des Baal, wie man den Gott des Königs Ahab nannte, ihr Opfer darbrachten. Nun wollte man abwarten, ob durch den Opferdienst, der da dargebracht wurde, durch die frommen Übungen der ekstatischen Propheten, die sich durch Musik und Tanz in ganz besondere Zustände versetzen, ob durch diese Exerzitien sich etwas wie mitteilend auf das Volk ausbreiten wollte, mit anderen Worten, ob durch die Gotteskraft, die diese Priester in sich hatten, etwas sich von der Kraft und Gewalt dieses Gottes zeigte. Zum Opferaltar wurde das Tier herangebracht. Es sollte sich zeigen, ob wirklich in den Priestern die Kraft wirkte, welche die Menge ergreifen kann. Denn Naboth-Elias sagte: «Es muß die Entscheidung herbeigeführt werden: ich stehe hier allein — und mir gegenüber stehen vierhundertfünfzig Baalspriester. Wir wollen sehen, wie stark ihre Kraft auf das Volk ist, oder wie stark meine Kraft ist.» Das Opfer wurde veranstaltet. Alles wurde getan, was getan werden konnte, um die Kraft, welche die Baalspriester hatten, auf das Volk zu übertragen, damit es an den Gott Baal glauben sollte. So weit wurde es getrieben, daß Hände und andere Körperstellen dieser Priester mit dem Messer geritzt wurden, so daß Blut floß, um das, was schauervoll wirken mußte bei den Priestern, die unter Tanz und Musik wirkten, noch zu verstärken. Aber siehe da, es zeigte sich nichts, denn Elias-Naboth war da mit seiner Kraft. Man möchte mit nüchternen Worten sagen: Er war da mit seinem Einfluß. — Sie brauchen nicht an irgend etwas von Zauberei zu denken. Und er brachte es mit seinem Einfluß dahin, alles aus dem Felde zu schlagen, was da war. Dann begab er sich an die Opferung. Mit anderen Worten; es begab sich an die Opferung mit ihrer ganzen Kraft diejenige Seele, die durchgemacht hatte, was wir eben geschildert haben. Das Opfer wirkte! Die Seelen, die Gemüter wurden ergriffen. Etwas Ähnliches trug sich zu wie das, was ich in meinem Buche «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» zu beschreiben versucht habe, wo es an Johannes Tauler dargestellt ist, der Prediger gewesen ist, aber noch eine besondere Schulung durchmachte. Als er dann die Kanzel wieder betrat, zeigte sich bei seinen Zuhörern eine Wirkung, die dadurch ausgedrückt ist, daß uns erzählt wird: etwa vierzig Menschen fielen durch seine Predigt hin und waren tot, das heißt sie waren in ihrem Innern durch die entsprechende Kraft getroffen. So war es bei Elias. Jetzt brauchen wir nichts anderes zu denken, als daß die Worte, die in der Bibel stehen, eine Übertreibung sind, wenigstens ergibt das die geisteswissenschaftliche Forschung. Die Baalspriester, die vierhundertfünfzig Gegner des Elias, mußten sich als besiegt ergeben. Sie waren in ihren Seelen getötet durch Elias-Naboth. Elias-Naboth hatte das Feld. (1. Kön. 18, 40.) Das aber können wir sagen als etwas, was sich von selbst jetzt ergibt.

[ 15 ] Things were then arranged in such a way—to go into the details would be going too far today—that a large portion of the people of Israel was gathered on Mount Carmel, where the decision was to be brought about by an outward sign, which was to appear to us as something entirely comprehensible, between the god of Ahab and the god of Elijah. First, arrangements were made for the priests and prophets of Baal—as King Ahab’s god was called—to offer their sacrifice. Now they wanted to wait and see whether, through the sacrificial rite that was being performed there, through the devotional practices of the ecstatic prophets—who, through music and dance, put themselves into very special states—whether through these rituals something would spread to the people as if being communicated to them; in other words, whether, through the divine power that these priests possessed within themselves, something of the power and might of this god would be revealed. The animal was brought to the sacrificial altar. It remained to be seen whether the power capable of gripping the crowd was truly at work within the priests. For Naboth-Elijah said: “The decision must be brought about: I stand here alone—and facing me are four hundred and fifty priests of Baal. Let us see how strong their power is over the people, or how strong my power is.” The sacrifice was performed. Everything possible was done to transfer the power possessed by the priests of Baal to the people, so that they might believe in the god Baal. It went so far that the hands and other parts of these priests’ bodies were cut with a knife so that blood flowed, in order to further intensify what must have seemed terrifying to the priests as they performed amid dancing and music. But lo and behold, nothing happened, for Elijah-Naboth was there with his power. One might say in plain terms: He was there with his influence. — You need not think of anything involving sorcery. And through his influence, he managed to dispel everything that was present there. Then he proceeded with the sacrifice. In other words, the very soul that had endured what we have just described entered into the sacrifice with all its power. The sacrifice took effect! The souls, the minds, were moved. Something similar took place to what I have attempted to describe in my book Mysticism at the Dawn of Modern Spiritual Life, where it is illustrated by Johannes Tauler, who was a preacher but was still undergoing a special training. When he then returned to the pulpit, an effect became evident among his listeners, expressed in the account that we are told: about forty people fell down during his sermon and were dead—that is, they had been struck inwardly by the corresponding power. So it was with Elijah. Now we need think nothing other than that the words found in the Bible are an exaggeration; at least, that is what spiritual scientific research reveals. The priests of Baal—Elijah’s four hundred and fifty opponents—had to surrender as defeated. They were slain in their souls by Elijah-Naboth. Elijah-Naboth had the field. (1 Kings 18:40.) But we can say this as something that now follows naturally.

[ 16 ] Ich habe Ihnen den Charakter und die Eigenart der Jesabel geschildert. Sie wußte: Der, welcher da gewirkt hat, ist eigentlich unser Nachbar. Da drüben haben wir ihn. Wenn er nicht in geheimnisvoller Art abwesend ist, ist er in unmittelbarer Nähe. — Was wußte aber Elias-Naboth von jenem Momente an? Er wußte, daß Jesabel mächtig ist, daß sie von seinem Geheimnis weiß, und daß - mit anderen Worten — nun sein äußeres physisches Leben nimmermehr ein ganz sicheres sein könnte. Er mußte für den Fall seines Todes in der nächsten Zeit Sorge tragen. Die Bibel erzählt auch, daß der König Ahab heimging und der Jesabel mitteilte, was sich ereignet hatte am Berge Karmel. Und sie sagte: Ich werde an Elias tun, was er an deinen vierhundertfünfzig Propheten getan hat. (1. Kön. 19, 2.) — Ich möchte einmal wissen, wer eine solche Rede, wie sie an dieser Stelle in der Bibel von Jesabel berichtet wird, mit andern Mitteln erklären will als denen der Geisteswissenschaft, während sie durch die geisteswissenschaftliche Forschung wie eine Selbstverständlichkeit erscheint. Elias aber muß nun dafür Sorge tragen, daß, wenn er durch die Rache der Jesabel mit dem Tode abzugehen habe, in einer gewissen Weise sein Geist in bezug auf das, was er der Menschheit zu sagen hat, weiter wirkt in dieser Menschheit. Und siehe da, als er wiederum in seiner Seele Einkehr hält, in dieser inneren intensiven Einkehr sich fragt: Was sollst du nun tun, um dich selber hier in der physischen Welt zu ersetzen, wenn dein Tod herantritt durch die Rache der Jesabel? — da kam eine neue Offenbarung über ihn. Sein Blick wird auf eine ganz bestimmte Persönlichkeit hingelenkt, auf die er, Naboth-Elias, sozusagen übertragen kann, was er der Menschheit zu geben hat. Sein Blick wird gelenkt auf Elisäus, auf Elisa. Sie mögen nun denken, daß Elias den Elisäus von früher her gekannt hat, aber darauf kommt es nicht an. Elias Blick wurde auf diese Persönlichkeit gelenkt, und die innere Erleuchtung sagte ihm: Weihe diesen Mann in dein Geheimnis ein. — Und mit jener Deutlichkeit, mit der die religiösen Urkunden für die Geisteswissenschaft sprechen, wird uns noch gesagt, daß Elias-Naboth etwas besonderes vollziehen soll, und daß dasjenige, was jetzt auch über Elisäus kommen soll, derselbe Geist ist, der bisher über Elias gewaltet hat. In Damaskus sollte er ihn aufsuchen. In Damaskus sollte über Elisäus diese Erleuchtung kommen. In derselben Weise sollte über Elisäus die Erleuchtung kommen, wie es uns später für den Apostel Paulus selbst angedeutet wird. Und nachdem Elias sich seinen Nachfolger hat erkiesen können, traf ihn auch bald die Rache der Jesabel.

[ 16 ] I have described to you Jezebel’s character and nature. She knew: The one who has been at work here is actually our neighbor. He is right over there. Unless he is mysteriously absent, he is in the immediate vicinity. — But what did Elijah-Naboth know from that moment on? He knew that Jezebel was powerful, that she knew his secret, and that—in other words—his outward, physical life could never again be entirely safe. He had to make provisions in case of his death in the near future. The Bible also tells us that King Ahab returned home and told Jezebel what had happened on Mount Carmel. And she said, “I will do to Elijah what he has done to your four hundred and fifty prophets.” (1 Kings 19:2)—I would like to know who would attempt to explain such a statement, as reported here in the Bible regarding Jezebel, by means other than those of spiritual science, when it appears self-evident through spiritual scientific research. Elijah, however, must now ensure that, if he is to meet his death at the hands of Jezebel’s vengeance, his spirit will, in a certain sense, continue to work within humanity with regard to what he has to say to it. And lo and behold, as he once again turns inward in his soul, asking himself in this intense inner contemplation: “What are you to do now to replace yourself here in the physical world when your death approaches as a result of Jezebel’s vengeance?”—a new revelation came upon him. His gaze is drawn to a very specific individual to whom he, Naboth-Elijah, can, so to speak, pass on what he has to give to humanity. His gaze is directed toward Elisha, toward Elisa. You may now think that Elijah had known Elisha from earlier times, but that is not the point. Elijah’s gaze was directed toward this individual, and the inner illumination told him: Initiate this man into your secret. — And with the same clarity with which the religious texts speak to spiritual science, we are further told that Elijah-Naboth is to accomplish something special, and that what is now to come upon Elisha is the same Spirit that has hitherto reigned over Elijah. He was to seek him out in Damascus. In Damascus, this enlightenment was to come upon Elisha. The enlightenment was to come upon Elisha in the same way as is later indicated to us regarding the Apostle Paul himself. And after Elijah had been able to choose his successor, Jezebel’s vengeance soon fell upon him.

[ 17 ] Jesabel lenkte die Gedanken ihres Gatten Ahab auf den Nachbar hin und sagte etwa folgendes zu ihm: Siehe an, dieser Nachbar ist ein frommer Mann, in dem die Gedanken des Elias leben. Wenn du ihn doch aus deiner unmittelbaren Nähe als denjenigen entfernen würdest, auf den viel ankommt, weil er doch einer der wichtigsten Anhänger des Elias ist. - Ahab wußte nichts davon, wie es um das Geheimnis des Naboth stand, aber er wußte, daß er ein treuer Anhänger des Elias war. Da überredete denn Jesabel den Ahab dazu, er möge diesen Mann, sei es durch alle überredenden Kräfte, oder selbst durch die Macht seines Königtums, veranlassen, zu ihm überzutreten. Das wäre ein Schlag gewesen für die Sache des Elias, wenn durch irgend etwas es gelungen wäre, diesen Mann herüberzuziehen. Jesabel wußte natürlich, daß das nur eine Fiktion sei, sie wollte nur dadurch herbeiführen, daß sich ihr Gatte zu einer wichtigen Tat aufraffe. Denn sie wollte nicht diese T’at, sondern die andere, die darauf folgte. So war es eine Art fingierter Rat, den Jesabel gab.

[ 17 ] Jezebel directed her husband Ahab’s thoughts toward their neighbor and said something like this to him: “Look, this neighbor is a devout man in whom the spirit of Elijah lives.” If only you would remove him from your immediate vicinity—for he is a man of great importance, being one of Elijah’s most important followers. - Ahab knew nothing of the secret surrounding Naboth, but he knew that he was a faithful follower of Elijah. So Jezebel persuaded Ahab to use every means of persuasion—or even the power of his kingship—to induce this man to switch sides. It would have been a blow to Elijah’s cause if, by any means, they had succeeded in luring this man over to their side. Jezebel knew, of course, that this was merely a pretense; she merely wanted to use it to prompt her husband to take a significant action. For she did not want this action itself, but rather the one that followed it. Thus, the advice Jezebel gave was a kind of feigned counsel.

[ 18 ] Ahab ging zu Naboth, und siehe da, Naboth wandte ihm ein: Niemals wirstdu dasjenigeerlangen, was du jetzt willst!— Sie wissen, in der Bibel wird die Sache so dargestellt, daß Naboth einen Weingarten besitzt als Nachbar des Ahab, und daß Ahab nach diesem Weingarten strebt, den er durch Gewalt oder Überredung haben will. Naboth sagt in der Bibel zum König: «Das lasse der Herr fern von mir sein, daß ich dir meiner Väter Erbe sollte geben!» (1. Kön. 21, 3.) In Wirklichkeit ist aber ein ganz anderes Erbe gemeint, das er nicht hingeben will. Darauf stiftet Jesabel ihre Rache an. Sie braucht ihren fingierten Rat, weil der König erst zerschmettert sein sollte über die Weigerung dieses Mannes. Das kann man erkennen, wenn man nur die Bibel an dieser Stelle liest, wo es heißt: «Da kam Ahab heim, voll Unmuts und zornig um des Wortes willen, das Naboth, der Jesreeliter, zu ihm hatte gesagt und gesprochen: «Ich will dir meiner Väter Erbe nicht geben». Und er legte sich auf sein Bette und wandte sein Antlitz und aß kein Brot.» (1. Kön. 21, 4.)

[ 18 ] Ahab went to Naboth, and behold, Naboth replied to him: “You will never get what you want now!” — As you know, the Bible presents the story this way: Naboth owns a vineyard next to Ahab’s, and Ahab covets this vineyard, which he wants to acquire by force or persuasion. In the Bible, Naboth says to the king: “Far be it from me, by the Lord, to give you the inheritance of my fathers!” (1 Kings 21:3.) In reality, however, a completely different inheritance is meant—one that he refuses to give up. Upon this, Jezebel instigates her revenge. She needs her feigned counsel because the king must first be crushed by this man’s refusal. This becomes clear when one reads the Bible at this very passage, where it says: “Then Ahab went home, sullen and angry because of the words that Naboth the Jezreelite had spoken to him, saying, ‘I will not give you the inheritance of my fathers.’ And he lay down on his bed, turned his face away, and would not eat.” (1 Kings 21:4.)

[ 19 ] Man denke, weil er einen Weingarten in seiner Nachbarschaft sich nicht anschaffen konnte, hörte er zu essen auf. Solche Dinge ergeben sich nur dann, wenn man die wahren Tatsachen erforschen kann, die dahinter sind. Jesabel stiftet nun ihre Rachetat an, die darin besteht, daß man ein Fest ansetzt, zu dem auch Naboth herangezogen wird, und daß ihm besondere Ehren angetan werden. Denen kann er sich nicht entziehen. Es ist ihm die Möglichkeit geboten, zu wirken. Aber Jesabel ist selbst eine hellseherische Persönlichkeit. Mit den andern würde er leicht fertig geworden sein, mit den andern konnte er seine Kräfte messen. Sie aber konnte ihn verderben. Sie stiftete die Mörder an, das heißt, wie es in der Bibel erzählt ist, falsche Zeugen, die da sagten, daßNaboth einGottes- und Königsleugner wäre. (1.Kön.21.)

[ 19 ] One might think that because he could not acquire a vineyard in his neighborhood, he stopped eating. Such things only become clear when one can investigate the true facts behind them. Jezebel now instigates her act of revenge, which consists of organizing a feast to which Naboth is also invited, and at which he is accorded special honors. He cannot avoid them. He is given the opportunity to act. But Jezebel herself is a clairvoyant. He would have easily dealt with the others; he could have measured his strength against them. But she was the one who could destroy him. She incited the murderers—that is, as the Bible recounts, false witnesses who claimed that Naboth was a denier of God and the king. (1 Kings 21.)

[ 20 ] Damit war Elias als äußere physische Persönlichkeit tot, aus der Welt geschafft. Ahab war durch alles, was vorangegangen war, und was wahrhaft tiefe Kräfte in seiner Seele ergriffen hatte, sozusagen vor eine Art Schicksalsfrage gestellt. Da konnte sich gerade in diesem Augenblick ausnahmsweise für ihn eine Ahnung ergeben. In dieser Ahnung erschien ihm Elias, vor dem er so oft geschaudert hatte. Und in dieser Vision sagte ihm Elias, wie es um die Sache stand. Das ist ein geistiges Erlebnis. Er hört sozusagen von dem Bilde des Elias nach dessen Tode, daß er den Naboth hingemordet habe, den Naboth-Elias. Das letztere brauchte er nur zu ahnen, aber Mörder wurde er genannt. Und in der Bibel finden wir das furchtbare Wort ausgesprochen, das er in dieser Ahnung auf seine Seele sich entladen fühlte, denn so sagte das Bild in der Ahnung zu Ahab: «An der Stätte, da Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen auch Hunde dein Blut lecken!» (1. Kön. 21, 19.) Und über Jesabel wurde gesagt: «Die Hunde sollen Jesabel fressen an der Mauer Jesreels.» (1. Kön. 21, 23.)

[ 20 ] With that, Elijah was dead as an outward, physical being—removed from the world. Ahab, because of everything that had gone before and what had truly stirred deep forces within his soul, was, so to speak, confronted with a kind of fateful question. It was precisely at that moment that, exceptionally for him, a glimmer of insight arose. In this insight, Elijah—before whom he had so often shuddered—appeared to him. And in this vision, Elijah told him how things stood. This is a spiritual experience. He hears, as it were, from the image of Elijah after his death that he had murdered Naboth—the Naboth-Elijah. He need only have sensed the latter, yet he was called a murderer. And in the Bible we find the terrible words spoken—words that he felt had been unleashed upon his soul in this vision—for this is what the image in the vision said to Ahab: “In the very place where dogs licked up Naboth’s blood, dogs shall also lick up your blood!” (1 Kings 21:19.) And concerning Jezebel it was said: “The dogs shall eat Jezebel by the wall of Jezreel.” (1 Kings 21:23.)

[ 21 ] Wir wissen, das war eine Ahnung, die zu denen gehörte, welche sich erfüllten. Denn als später der König Ahab gegen die Syrer in den Krieg zog, wurde er in der Schlacht verwundet, das Blut träufelte auf seinen Wagen, und er fand so seinen Tod. Wie der Wagen gewaschen wurde, traten die Hunde hinzu und leckten das Blut, das aus den Wunden des Ahab geflossen war. Und als der spätere Ausgang der Geschehnisse Jehu zum Herrn in der Stadt Samaria machte, da wurde im Fenster stehend Jesabel angetroffen, die ergriffen, aus dem Fenster gestürzt und in der Tat vor den Mauern der Stadt von den Hunden zerfleischt wurde. Aber darauf will ich jetzt nur hindeuten, weil die Zeit zu kurz ist, um näher darauf einzugehen. Das ist jetzt auch weniger wichtig. Viel wichtiger ist das, was nunmehr folgt.

[ 21 ] We know that this was a prophecy that was among those that came true. For when King Ahab later went to war against the Syrians, he was wounded in battle; his blood dripped onto his chariot, and that is how he died. As the chariot was being washed, dogs came and licked up the blood that had flowed from Ahab’s wounds. And when the subsequent turn of events brought Jehu to the throne in the city of Samaria, Jezebel was found standing at the window; she was seized, thrown from the window, and indeed torn to pieces by the dogs outside the city walls. But I will only allude to this now, because there is not enough time to go into it in detail. That is also less important at this point. What follows now is much more important.

[ 22 ] Der, den Elias-Naboth zu seinem Nachfolger erkoren hatte, mußte nun selber seinerseits heranreifen. Aber er reifte nun auf eine andere Art heran. Der Schüler sozusagen hat es schon leichter als der erste Lehrer. Ihm stand zur Verfügung die Kraft, zu der sich Naboth-Elias hinaufgeschwungen hatte, ihm stand der Beistand des Elias zur Verfügung. Und wie die Individualitäten der Menschen, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, mit einer ganz besonderen Kraft aus der geistigen Welt heraus wirken, so wirkte jetzt Naboth-Elias nach seinem Tode mit einer ganz besonderen Kraft auf den Elisäus herab, wie etwa der Christus Jesus selber nach seinem Tode, nach der Auferstehung auf seine Jünger gewirkt hat. Elias-Naboth wirkte mächtig auf den Elisa. Und was nun Elisäus erlebte, das erlebte er auch als ein inneres Erlebnis seiner Seele, aber als ein solches, das im Zusammenhange stand mit der Kraft, die von Elias ausströmte und auch noch fortdauernd nach seinem Tode auf diejenigen herabwirkte, die sich ihm hingeben konnten. Elisäus erlebte es so, daß lebendig vor seiner Seele stand sein großer Lehrer Elias, auch nach seinem Tode, und ihm sagte: «Ich will mit dir heraustreten, aus dem Gilgal hinweg.» Ich möchte hier die Bibel ganz genau anführen; sie sagt: «Um die Zeit aber, da Jahve Elias im Wetter gegen Himmel fahren ließ, ging Elias mit dem Elisa aus dem Gilgal hinweg.» (2. Kön. 2, 1.) Das ist kein Ort. Auch die Bibel meint damit keinen Ort. «Gilgal» heißt nichts anderes als «Herumwälzung». Gemeint ist damit ein technischer Ausdruck: Das Wälzen, das Durchgehen der Seele durch Geburt und Tod, das Leben der Seele innerhalb des physischen Leibes, wie die Seele von physischem Leib zu physischem Leib geht. Das nannte man Gilgal.

[ 22 ] The one whom Elias-Naboth had chosen as his successor now had to mature in his own right. But he matured in a different way. The student, so to speak, has it easier than the first teacher. He had at his disposal the power to which Naboth-Elias had risen, and he had the support of Elias. And just as human individualities, once they have passed through the gate of death, work from the spiritual world with a very special power, so now, after his death, Naboth-Elias worked down upon Elisha with a very special power—much as Christ Jesus himself worked upon his disciples after his death and resurrection. Elias-Naboth had a powerful influence on Elisha. And what Elisha now experienced, he experienced as an inner experience of his soul—but one that was connected to the power that radiated from Elijah and continued to work down upon those who could surrender themselves to him even after his death. Elisha experienced it as though his great teacher Elijah were standing alive before his soul, even after his death, and saying to him: “I will go out with you, away from Gilgal.” I would like to quote the Bible very precisely here; it says: “Now about the time that the Lord caused Elijah to ascend to heaven in a whirlwind, Elijah went out from Gilgal with Elisha.” (2 Kings 2:1.) This is not a place. Nor does the Bible mean a place by this. “Gilgal” means nothing other than “turning around.” It refers to a technical term: the turning, the soul’s passage through birth and death, the life of the soul within the physical body, as the soul passes from one physical body to another. This is what was called Gilgal.

[ 23 ] Sie werden sich nicht zu wundern brauchen, wenn es sich durch die Geisteswissenschaft hier ergibt, daß Elisäus in der Tat durch das, was er in seiner Seele in innerer Kontemplation und Hingabe erlebte, nicht durch die Kräfte seiner physischen Natur, sondern durch seine höheren Kräfte bei Elias war, das heißt mit ihm in der höheren Welt beisammen war. Und die Stufen, die er in der Seelenentwickelung durchzumachen hatte, gibt ihm jetzt der Geist des Elias an. Er macht ihn aber überall darauf aufmerksam, wie schwierig der Weg ist, den er zu durchmessen habe. In Stufen geht es hinauf — dorthin, wo er sich erst vereinigt fühlt mit dem Geist, der vonElias ausströmt. DieOrtsnamen, die da gewählt werden, sind nicht als Ortsnamen zu nehmen, sondern in ihrer wortwörtlichen Bedeutung als Seelenzustände. Da sagt zum Beispiel Elias: Ich gehe jetzt nach Beth-El. — Das stellt sich vor den Elisäus als eine Vision, die mehr ist als eine Vision. Und wie eine Mahnung sagt der Geist des Elias zu ihm: Lieber, bleibe hier. —- Das heißt aber nichts anderes als: Besinne dich, ob du die Kraft hast, weiter mit mir zu gehen. — Da erscheint auch noch etwas weiteres wie eine Mahnung in der Vision. Alle seine Prophetenschüler, also seine Kollegen im Geistigen, stehen neben ihm und mahnen ihn. Die, welche wissen, weil sie eingeweiht sind in die Tatsache, daß Elisäus in die höheren Regionen hinaufsteigen kann, wo der Geist desElias zu ihm spricht, sagen dem Elisäus: «Heute wirst du ihm nicht nachfolgen können. Weißt du auch, daß der Herr wird deinen Herrn von deinen Häupten nehmen?» (2. Kön. 2, 3.) Er aber antwortet ihnen: «Schweiget nur stille» Zu dem Geist des Elias aber sagt er: «So wahr der Herr lebt und deine Seele, ich verlasse dich nicht!» Weiter sagt Elias: «Ich muß nun gehen nach Jericho.» Dasselbe wiederholt sich. Und dann fragt Elias: «Was willst du nun eigentlich?» Elisäus antwortet, und das steht auch in der Bibel, nur so, daß man es herausholen muß in der wahren Lesart: «Ich will, daß zu meinem Geist als ein zweiter der deinige in meine Seele komme!» In der Bibel steht es unrichtig: «Daß mir werde ein zwiefältig Teil von deinem Geiste.» (2. Kön. 2, 9.) Aber so ist ungefähr der geistige Sinn dessen, was Elisa vernimmt von Elias, daß er in den Tiefen seiner Seele lebendig werde, daß er dort zum vollen Bewußtsein erwache und mit der eigenen Seele sei er dem Geiste des Elias so gegenübergestellt, daß die Seele aus sich selbst heraus die Entschlüsse des Elias kundgeben könne. Da sagt Elias: «Wenn du, da ich mich jetzt in höhere Regionen zu erheben habe, meinen Geist sehen kannst, wie er in höhere Regionen aufsteigt, dann hast du erreicht, was du willst, und dann zieht meine Kraft in dich ein.» Und siehe da, Elisäus sah aufsteigen den Elias «im Wetter gen Himmel», nur der Mantel fiel zurück, das heißt die geistige Kraft, mit der er sich zu umhüllen hatte. Das war die geistige Vision, die sich ihm zeigte und ihn erkennen ließ, daß er der Nachfolger des Elias werden durfte. Und dann heißt es in der Bibel: «Und da ihn sahen der Propheten Kinder, die gegenüber zu Jericho waren, sprachen sie: ‹Der Geist des Elias ruhet auf Elisa.› Und sie gingen ihm entgegen und fielen vor ihm nieder zur Erde.» (2. Kön. 2, 15.) Das weist darauf hin, daß in Elisa das Wort so mächtig geworden war, daß es durchdrungen war von der Kraft, welche die Prophetenschüler auch bei Elias erlebt hatten, und daß sie erkannten, daß wirklich der Geist des Elias-Naboth in Elisa weiterlebte.

[ 23 ] You need not be surprised if spiritual science reveals here that Elisha was indeed with Elijah—that is, together with him in the higher world—not through the powers of his physical nature, but through his higher powers, as a result of what he experienced in his soul through inner contemplation and devotion. And the stages he must go through in his soul’s development are now indicated to him by the spirit of Elijah. But Elijah constantly draws his attention to how difficult the path is that he must traverse. It ascends in stages—to the point where he first feels united with the spirit that flows forth from Elijah. The place names chosen here are not to be taken as geographical locations, but in their literal meaning as states of the soul. For example, Elijah says: “I am now going to Bethel.”—This appears before Elisha as a vision that is more than a vision. And as a warning, the spirit of Elijah says to him: “My dear one, stay here.” —- But that means nothing other than: Consider whether you have the strength to continue with me. — Then something else appears in the vision, also like a warning. All his fellow prophets—that is, his spiritual colleagues—stand beside him and admonish him. Those who know, because they have been initiated into the fact that Elisha can ascend to the higher regions where the spirit of Elijah speaks to him, say to Elisha: “Today you will not be able to follow him. Do you also know that the Lord will take your master from you?” (2 Kings 2:3) But he replies to them, “Be quiet!” To the spirit of Elijah, however, he says, “As surely as the Lord lives and your soul lives, I will not leave you!” Elijah then says, “I must now go to Jericho.” The same thing happens again. And then Elijah asks, “What do you actually want?” Elisha answers—and this is also in the Bible, though one must extract it from the true reading: “I want your spirit to come into my soul as a second spirit!” The Bible incorrectly states: “That I may receive a double portion of your spirit.” (2 Kings 2:9.) But this is roughly the spiritual meaning of what Elisha hears from Elijah: that he may come alive in the depths of his soul, that he may awaken there to full consciousness, and that, with his own soul, he may be placed in such a relationship to the spirit of Elijah that his soul may, of its own accord, proclaim Elijah’s decisions. Then Elijah says: “If, now that I must ascend to higher realms, you can see my spirit ascending to those higher realms, then you have attained what you desire, and then my power will enter into you.” And behold, Elisha saw Elijah ascending “in a whirlwind into heaven”; only the cloak fell back—that is, the spiritual power with which he had to clothe himself. That was the spiritual vision revealed to him, which made him realize that he was to become Elijah’s successor. And then the Bible says: “And when the sons of the prophets who were opposite Jericho saw him, they said, ‘The spirit of Elijah rests upon Elisha.’ And they went out to meet him and bowed down before him to the ground.” (2 Kings 2:15.) This indicates that the Word had become so powerful in Elisha that it was imbued with the power which the disciples of the prophets had also experienced in Elijah, and that they recognized that the spirit of Elijah-Naboth truly lived on in Elisha.

[ 24 ] Das ist es, was sich nach den geisteswissenschaftlichen Methoden, die hier in diesen Vorträgen schon geschildert worden sind und auch weiter noch geschildert werden sollen, über die wahren Vorgänge in der damaligen Zeit ergibt, was sich über jenen Impuls ergibt, der überfloß von Elias auf Elisa als eine Erneuerung und Erhöhung des alten Jahve-Glaubens. Es ist nun die Eigentümlichkeit, daß diese Vorgänge, die ja zunächst nur insbesondere in jenen alten Zeiten für den in die Sache Eingeweihten verständlich waren, denen erzählt wurden, welche die Sache selber nicht verstehen konnten, in einer solchen Weise, die sie eben begreifen konnten, und auf ihre Seelen in der Weise des Gleichnisses, der Wundererzählung wirkte, Aus dem, was im höchsten spirituellsten Sinne wahrhaftig wunderbar genug ist, entwickelte sich dann das, was als die Erzählung von Elias, Elisa und Naboth in der Bibel steht. Denjenigen, die nicht haben begreifen können, wie ein größter Impuls für die Weltentwickelung der Menschheit aus jenen Seelen hervorgequollen ist, die erst vieles, was sich dem äußeren Anblick entzieht, in sich haben durchmachen müssen, wurde es in Gleichnissen gesagt. Für sie wurde hingestellt, was uns nun eben in der Bibel erzählt wird, daß in der Zeit des Königs Ahab Elias lebte, daß der Gott Jahve dem Elias erschien in der Zeit der Hungersnot und ihm sagte: «Gehe hin zu dem König Ahab und sage: «So wahr der Herr, der Gott Israels, lebet, vor dem ich stehe, es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn».» (1. Kön. 17, 1.) Dann heißt es weiter: Der Gott sagte dem Elias: «Gehe weg von hinnen und wende dich gegen Morgen und verbirg dich am Bache Krith, der gegen den Jordan fließt; und sollst vom Bach trinken; und ich habe den Raben geboten, daß sie dich daselbst sollen versorgen.» (1. Kön. 17, 3—4.) Das geschah. Und als das Wasser versiegt war, schickte wieder der Gott den Elias nach Sarepta. Und «im dritten Jahre» konnte dann Elias aufbrechen, konnte an den König Ahab herantreten — ich habe das schon angedeutet, während ich aus der Geistesforschung heraus die Tatsache hinstellte — und die vierhundertfünfzig Propheten des Baal vor die Entscheidung stellen. Dann ist wieder in einem Wunderbilde hingestellt, was in Wirklichkeit so geschehen ist, wie ich es Ihnen erzählt habe. Dann folgt die Erzählung, wie Naboth, der aber in Wahrheit der Träger des Geistes des Elias selber ist, beraubt werden soll seines Weinberges durch Ahab, und wie dann Jesabel den Naboth verdirbt. Nach dem, was in der Bibel dort steht, kann man nun nicht begreifen, wie Jesabel dies an Elias ausgeführt haben soll, weil sie doch zu Ahab sagte: «Ich will an Elias das tun, was er an deinen vierhundertfünfzig Baalspriestern getan hat». Denn sie hat nach der Bibel nur den Naboth umbringen lassen, während sie aber in der Tat, was allerdings kein Bibelleser wird herauslesen können, den Träger des Geistes des Elias umbringen ließ. Denn in der Bibel steht nur, daß Elias zum Himmel aufgefahren ist. Da würde sie also den Elias auf eine sonderbare Art verdorben haben, wenn sie es so tun wollte, wie er nach der Bibel an den vierhundertfünfzig Priestern des Baal getan hat. Kurz, wir haben Bilder, die nur verstanden werden können, wenn man sie heute wieder mit dem beleuchtet, was die geistige Forschung unmittelbar aus ihren Quellen herausgeben kann. In bezug auf diejenigen der verehrten Zuhörer, die nicht in der Lage wären, weil es nicht möglich ist, noch weitere Belege in einem Vortrag anzuführen, dasjenige, was sich aus der geisteswissenschaftlichen Forschung heraus ergibt, als mehr als eine Hypothese anzusehen, bin ich vollständig beruhigt, wenn sie bei der Beurteilung nur vorurteilsfrei zu Werke gehen, wenn sie die einzelnen Stellen prüfen und vergleichen, was heute gegeben ist, mit dem, was die Wissenschaft überhaupt geben kann. Man kann zwar ohne die geistige Forschung nicht darauf kommen, aber man kann es durch die äußere Wissenschaft bekräftigen und auch bekräftigen durch den eigenen Verstand.

[ 24 ] This is what emerges—based on the methods of the spiritual sciences that have already been described in these lectures and will be described further—regarding the true events of that time, and regarding that impulse that flowed from Elijah to Elisha as a renewal and elevation of the ancient faith in Yahweh. It is now a peculiarity that these events—which, after all, were initially understandable only to those initiated into the matter, particularly in those ancient times—were recounted to those who could not understand the matter themselves in a way that they could grasp, and that they affected their souls in the manner of parables and miracle stories, From what is truly wondrous enough in the highest, most spiritual sense, what is recorded in the Bible as the story of Elijah, Elisha, and Naboth then developed. To those who could not comprehend how a greatest impulse for the world’s development of humanity sprang forth from those souls who first had to undergo within themselves much that is hidden from outward view, it was told in parables. For them, the story was presented that is now told to us in the Bible: that Elijah lived during the time of King Ahab, that the God Yahweh appeared to Elijah during the time of famine and said to him: “Go to King Ahab and say, ‘As surely as the Lord, the God of Israel, lives—before whom I stand—there shall be neither dew nor rain these years, unless I say so.’” (1 Kings 17:1) Then it goes on to say: God said to Elijah: “Go away from here and turn toward the east, and hide by the brook Cherith, which flows toward the Jordan; and you shall drink from the brook; and I have commanded the ravens to provide for you there.” (1 Kings 17:3–4) This came to pass. And when the water had run dry, the Lord again sent Elijah to Zarephath. And “in the third year,” Elijah was then able to set out, to approach King Ahab—I have already alluded to this while presenting the facts from the perspective of spiritual research—and to confront the four hundred and fifty prophets of Baal with a decisive challenge. Then, in a miraculous scene, what actually happened—just as I have told you—is depicted once more. This is followed by the account of how Naboth—who, in truth, is the very bearer of Elijah’s spirit—is to be robbed of his vineyard by Ahab, and how Jezebel then corrupts Naboth. Based on what is written in the Bible at that point, one cannot understand how Jezebel is supposed to have carried this out against Elijah, since she said to Ahab: “I will do to Elijah what he did to your four hundred and fifty priests of Baal.” For, according to the Bible, she only had Naboth killed; but in reality—though no reader of the Bible will be able to deduce this—she had the bearer of Elijah’s spirit killed. For the Bible only states that Elijah ascended into heaven. So she would have corrupted the figure of Elijah in a strange way if she had wanted to do to him what, according to the Bible, he did to the four hundred and fifty priests of Baal. In short, we have images that can only be understood if we shed light on them today with what spiritual research can directly reveal from its sources. As for those among the esteemed audience who—since it is not possible to cite further evidence in a single lecture—might be unable to regard the findings of spiritual scientific research as more than a hypothesis, I am completely at ease, provided they approach their assessment without prejudice, examining the individual passages and comparing what is available today with what science can offer in general. Although one cannot arrive at this conclusion without spiritual research, one can confirm it through external science and also through one’s own reason.

[ 25 ] Wir müssen also sagen: Im eminentesten Sinne zeigt sich, wenn wir die Persönlichkeit des Propheten Elias und seine Zeit betrachten, wie keineswegs das, was als Impulse und als Ursachen im Menschengeschehen wirkt, sich erschöpft in demjenigen, was äußerlich sich darstellt, und was die äußere Geschichte zu berücksichtigen weiß. Sondern die wichtigsten Vorgänge des Menschengeschehens sind die, welche sich in den Seelen der Menschen vollziehen und aus diesen Menschenseelen heraus wirken in die äußere Welt, übergehen in andere Leute und dort weiterwirken. Und wenn es auch nicht in der heutigen Zeit geschehen kann, in alten Zeiten war es geboten, daß eine solche Persönlichkeit, über die man nur munkelte, in dem einfachen, schlichten Nachbar leben konnte, ohne daß man es wußte. In der verborgensten Art wirken gerade die stärksten, die intensivsten Kräfte der Menschheitsentwickelung. So zeigt sich uns, wie wir in dem Propheten Elias ein Hinaufsteigen, ein Durcharbeiten des Jahve-Gedankens für die Menschheit in einem hervorragenden Maße haben, so daß wir eine wichtige epochale Tat für die Menschheit bei ihm zu verzeichnen haben, wenn wir ihn nur im rechten Lichte sehen.

[ 25 ] We must therefore say: When we consider the personality of the prophet Elijah and his time, it becomes evident in the most profound sense that what acts as impulses and causes in human events is by no means limited to what appears externally and what external history takes into account. Rather, the most important processes in human history are those that take place within human souls and, from these human souls, work out into the external world, pass on to other people, and continue to have an effect there. And even if this cannot happen in our own time, in ancient times it was possible for such a personality—about whom people only whispered—to live as a simple, unassuming neighbor without anyone’s knowledge. It is precisely in the most hidden ways that the strongest, most intense forces of human development are at work. Thus it becomes clear to us that in the prophet Elijah we have, to an extraordinary degree, an ascent and a working through of the idea of Yahweh for humanity, so that we can attribute to him an important, epoch-making deed for humanity—if only we view him in the proper light.

[ 26 ] Durch eine weitere Prüfung würde sich zeigen, daß von hier ein Licht fällt auf das, was geschehen ist, und auch auf das, was dann bis zur Begründung des Christentums weitergeführt hat. So zeigt sich, daß wir durch eine solche Betrachtung aus dem Geiste heraus dem nahekommen, was uns so wichtig erscheinen muß: den Gründen und Impulsen, die in derMenschheitsentwickelung gewirkt haben, und weil sie gewirkt haben, auch fortwirken bis in unsere Tage hinein. Deshalb können wir das, was um uns herum spielt, auch nicht verstehen, wenn wir nicht verstehen können, was in der Vorzeit gespielt hat. Über die wichtigsten Dinge aber berichtet nicht die äußere, physische Geschichte, die der äußeren Welt entstammt, denn auch für die Geschichte gilt ein Wort, das ausgesprochen werden kann mit einer dem Sinne nach nur geringen Abänderung eines Goetheschen Wortes, jenes Goethe-Wortes mit Bezug auf die Notwendigkeit, den Geist in der Natur zu erkennen durch die Vertiefung in den Menschengeist, durch die Forschung, die nur aus den verborgenen Untergründen der Seele heraufgebracht werden kann. Und an dem Beispiele des Propheten Elias und seiner Zeit am Geisteshimmel der Menschheit bewahrheitet sich das abgeänderte Goethe-Wort:

[ 26 ] Further examination would reveal that this sheds light on what happened, as well as on the events that followed up to the founding of Christianity. Thus it becomes clear that through such a spiritual contemplation we come closer to what must seem so important to us: the causes and impulses that have been at work in human development, and—because they have been at work—continue to be at work right up to the present day. That is why we cannot understand what is happening around us unless we can understand what took place in the distant past. Yet the most important things are not recounted by external, physical history, which originates in the external world, for a saying applies to history as well—one that can be expressed with only a slight modification in meaning of a phrase by Goethe, that very phrase of Goethe’s regarding the necessity of recognizing the spirit in nature through deepening one’s understanding of the human spirit, through research that can be drawn only from the hidden depths of the soul. And in the example of the prophet Elijah and his time in the spiritual heaven of humanity, the modified Goethean saying is confirmed:

Geheimnisvoll am lichten Tag der Gegenwart,
Läßt Geschichte sich des Schleiers nicht berauben.
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab, nicht aus Pergamenten
Und nicht aus den Zeichen, die da eingeschrieben sind
In Erz, in Ton und in Stein.

Mysterious in the bright light of the present,
History will not allow its veil to be torn away.
And what it may not reveal to your mind,
You cannot force it from her—not from parchments
Nor from the signs inscribed there
In bronze, in clay, and in stone.