From a Fateful Time
GA 64
15 January 1915, Berlin
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Aus schicksaltragender Zeit
6. Geist-Erkenntnis in Glücklichen und ernsten Stunden des Lebens
6. Geist-Erkenntnis in Glücklichen und ernsten Stunden des Lebens
[ 1 ] In dem gestrigen Vortrage erlaubte ich mir darauf aufmerksam zu machen, wie in dem Ringen und Streben der deutschen Geistesentwickelung die Keime einer wirklichen Geisteswissenschaft enthalten sind, die uns die Zukunft bringen soll, die aus der Gegenwart heraus sich gebären soll. Und zwar versuchte ich anzudeuten, daß in jener geistigen Arbeit, in jenem geistigen Streben, das nötig war, um zu den Ideen, zu den Vorstellungen und Anschauungen zu führen, die im deutschen Geistesleben in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten sind, daß in diesem Streben und Ringen die Vorbereitung liegt zur Anerkennung dessen, was allerdings in unserer Gegenwart noch wenig anerkannt werden kann — aus begreiflichen Gründen, die ja in diesen Vorträgen hier öfter auseinandergesetzt worden sind. Handelt es sich ja darum, daß man zu dieser Geisteswissenschaft nur durch eine Entwickelung derjenigen Kräfte der menschlichen Seele kommen kann, die zunächst für den Menschen selber in dieser Seele verborgen sind, daß man dazu nur kommen kann, wenn durch energische innerliche Gedankenarbeit — durch sogenannte Konzentration und Meditation — aus dem menschlichen Innern jene Kräfte herausgeholt werden, die einst in mehr dämmerhaften Zuständen des Bewußtseins zu dem gestern erwähnten Hellsehen führten, die im Ursprunge der Menschheit und der Völker in den Seelen vorhanden waren, und die durch bewußte Gedankenarbeit wieder hervorgeholt werden können. Dann aber treten sie als bewußte Kräfte in der Seele auf, so daß diese Zustände des Hellsehens, offenbarend die Verhältnisse der geistigen Welt, vollbewußt und unter Wahrung der menschlichen Individualität an die Seele herantreten, so wie die Verhältnisse der materiellen Welt an die Menschenseele herantreten. Jene Meditationen, Konzentrationen, jene innere Arbeit der Seele im Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensleben, die für eine solche Entwickelung der Seele nötig sind, sie haben oft den Gegenstand der Vorträge hier gebildet. Heute kann nicht wieder davon gesprochen werden. Denn heute möchte ich darauf hindeuten, wie die Ergebnisse dieser, durch eine geistige Arbeit zu erringenden geistigen Erkenntnis zur Erhöhung der Lebensenergie, zur Kräftigung und Erstarkung des menschlichen Lebens in ernsten und glücklichen Stunden des Lebens führen können.
[ 1 ] In dem gestrigen Vortrage erlaubte ich mir darauf aufmerksam zu machen, wie in dem Ringen und Streben der deutschen Geistesentwickelung die Keime einer wirklichen Geisteswissenschaft enthalten sind, die uns die Zukunft bringen soll, die aus der Gegenwart heraus sich gebären soll. Und zwar versuchte ich anzudeuten, daß in jener geistigen Arbeit, in jenem geistigen Streben, das nötig war, um zu den Ideen, zu den Vorstellungen und Anschauungen zu führen, die im deutschen Geistesleben in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten sind, daß in diesem Streben und Ringen die Vorbereitung liegt zur Anerkennung dessen, was allerdings in unserer Gegenwart noch wenig anerkannt werden kann — aus begreiflichen Gründen, die ja in diesen Vorträgen hier öfter auseinandergesetzt worden sind. Handelt es sich ja darum, daß man zu dieser Geisteswissenschaft nur durch eine Entwickelung derjenigen Kräfte der menschlichen Seele kommen kann, die zunächst für den Menschen selber in dieser Seele verborgen sind, daß man dazu nur kommen kann, wenn durch energische innerliche Gedankenarbeit — durch sogenannte Konzentration und Meditation — aus dem menschlichen Innern jene Kräfte herausgeholt werden, die einst in mehr dämmerhaften Zuständen des Bewußtseins zu dem gestern erwähnten Hellsehen führten, die im Ursprunge der Menschheit und der Völker in den Seelen vorhanden waren, und die durch bewußte Gedankenarbeit wieder hervorgeholt werden können. Dann aber treten sie als bewußte Kräfte in der Seele auf, so daß diese Zustände des Hellsehens, offenbarend die Verhältnisse der geistigen Welt, vollbewußt und unter Wahrung der menschlichen Individualität an die Seele herantreten, so wie die Verhältnisse der materiellen Welt an die Menschenseele herantreten. Jene Meditationen, Konzentrationen, jene innere Arbeit der Seele im Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensleben, die für eine solche Entwickelung der Seele nötig sind, sie haben oft den Gegenstand der Vorträge hier gebildet. Heute kann nicht wieder davon gesprochen werden. Denn heute möchte ich darauf hindeuten, wie die Ergebnisse dieser, durch eine geistige Arbeit zu erringenden geistigen Erkenntnis zur Erhöhung der Lebensenergie, zur Kräftigung und Erstarkung des menschlichen Lebens in ernsten und glücklichen Stunden des Lebens führen können.
[ 2 ] Es ist ganz natürlich und selbstverständlich, daß für das zum materialistischen Denken hinneigende Bewußtsein unserer Zeit es absurd, paradox, vielleicht lächerlich erscheint, wenn Geistesforschung heute davon spricht, daß der Mensch nicht nur aus demjenigen bestünde, was die äußere Wissenschaft — Biologie, Physiologie usw. — von diesem Menschen erkennt, und was die auch nur an die äußeren Tatsachen sich haltende sogenannte Psychologie erkennt; sondern wenn diese Geistesforschung behauptet, daß der Mensch in Wahrheit aus einer Reihe von Gliedern zusammengefügt ist, von denen das physisch Materielle, das Körperliche des Menschen nur eines ist, während die andern Glieder — eben nur durch die erwähnte Geist-Erkenntnis wahrnehmbar — im Unsichtbaren, Übersinnlichen walten und von dort aus an den Menschen tätig sind. Wie gesagt: ganz natürlich ist es, daß heute noch vielleicht darüber gespottet wird, daß man dagegen polemisiert, daß der Mensch nicht nur den physischen Leib habe, der ihm in der Sinneswelt zu den äußeren Taten und dem äußeren sinnlichen Wahrnehmen dient, sondern daß er feinere Glieder, geistigere Glieder der Menschennatur habe. Daß der Mensch außer dem physischen Leibe zunächst einen sogenannten ätherischen Leib habe, einen feineren Leib, «feiner» im Gegensatz zu den Verhältnissen des groben physischen Leibes; daß diese zwei Glieder der menschlichen Wesenheit diejenigen sind, die von dem Menschen im physischen Dasein auch dann verbleiben, wenn der Mensch in die Bewußtlosigkeit des Schlafes untertaucht; daß aber höhere Glieder, geistigere Glieder der menschlichen Natur — diejenigen, welche wir den astralischen Leib und das Ich des Menschen nennen — vom Einschlafen bis zum Aufwachen übergehen in eine geistige Welt. Das hat die Geisteswissenschaft zu erkennen, und des weiteren auch, daß diese Glieder der menschlichen Natur, die im Schlafzustande im Unbewußten ruhen, die eigentlichen Akteure, das eigentliche Tätige sind, das den physischen und den ätherischen Leib beseelt und durchkraftet, das in ihn einzieht, wenn der Mensch aus dem Schlafe wieder aufwacht.
[ 2 ] Es ist ganz natürlich und selbstverständlich, daß für das zum materialistischen Denken hinneigende Bewußtsein unserer Zeit es absurd, paradox, vielleicht lächerlich erscheint, wenn Geistesforschung heute davon spricht, daß der Mensch nicht nur aus demjenigen bestünde, was die äußere Wissenschaft — Biologie, Physiologie usw. — von diesem Menschen erkennt, und was die auch nur an die äußeren Tatsachen sich haltende sogenannte Psychologie erkennt; sondern wenn diese Geistesforschung behauptet, daß der Mensch in Wahrheit aus einer Reihe von Gliedern zusammengefügt ist, von denen das physisch Materielle, das Körperliche des Menschen nur eines ist, während die andern Glieder — eben nur durch die erwähnte Geist-Erkenntnis wahrnehmbar — im Unsichtbaren, Übersinnlichen walten und von dort aus an den Menschen tätig sind. Wie gesagt: ganz natürlich ist es, daß heute noch vielleicht darüber gespottet wird, daß man dagegen polemisiert, daß der Mensch nicht nur den physischen Leib habe, der ihm in der Sinneswelt zu den äußeren Taten und dem äußeren sinnlichen Wahrnehmen dient, sondern daß er feinere Glieder, geistigere Glieder der Menschennatur habe. Daß der Mensch außer dem physischen Leibe zunächst einen sogenannten ätherischen Leib habe, einen feineren Leib, «feiner» im Gegensatz zu den Verhältnissen des groben physischen Leibes; daß diese zwei Glieder der menschlichen Wesenheit diejenigen sind, die von dem Menschen im physischen Dasein auch dann verbleiben, wenn der Mensch in die Bewußtlosigkeit des Schlafes untertaucht; daß aber höhere Glieder, geistigere Glieder der menschlichen Natur — diejenigen, welche wir den astralischen Leib und das Ich des Menschen nennen — vom Einschlafen bis zum Aufwachen übergehen in eine geistige Welt. Das hat die Geisteswissenschaft zu erkennen, und des weiteren auch, daß diese Glieder der menschlichen Natur, die im Schlafzustande im Unbewußten ruhen, die eigentlichen Akteure, das eigentliche Tätige sind, das den physischen und den ätherischen Leib beseelt und durchkraftet, das in ihn einzieht, wenn der Mensch aus dem Schlafe wieder aufwacht.
[ 3 ] Wenn heute eine äußere wissenschaftliche Anschauung von diesen höheren Gliedern der Menschennatur nicht sprechen kann oder nicht sprechen will, sie nicht anerkennen will, so gleicht eine solche Nichtanerkennung etwa der Nichtanerkennung der Luft von seiten eines Menschen, der nur das mit den physischen Augen Sichtbare und dasjenige, was sich von dem Sichtbaren auch mit den physischen Händen angreifen läßt, gelten lassen will. Denn so wie wir die Luft als physische Materie einatmen und ausatmen in kurzen Zeiten, so atmen der physische und der ätherische Menschenleib mit dem Aufwachen den astralischen Leib und das Ich ein; und mit dem Einschlafen werden sie wieder ausgeatmet, — wenn wir das Wort «atmen» bildlich verstehen. Es entläßt der physische Menschenleib in die geistige Welt hinein mit dem Einschlafen den astralischen Leib und das Ich. Und fruchtbar wird nun diese Geist-Erkenntnis, wenn sie in entsprechender Weise im Leben angewendet werden kann, wenn die Menschenseele sich von ihr durchdringen kann und das Leben in ihrem Lichte betrachten kann.
[ 3 ] Wenn heute eine äußere wissenschaftliche Anschauung von diesen höheren Gliedern der Menschennatur nicht sprechen kann oder nicht sprechen will, sie nicht anerkennen will, so gleicht eine solche Nichtanerkennung etwa der Nichtanerkennung der Luft von seiten eines Menschen, der nur das mit den physischen Augen Sichtbare und dasjenige, was sich von dem Sichtbaren auch mit den physischen Händen angreifen läßt, gelten lassen will. Denn so wie wir die Luft als physische Materie einatmen und ausatmen in kurzen Zeiten, so atmen der physische und der ätherische Menschenleib mit dem Aufwachen den astralischen Leib und das Ich ein; und mit dem Einschlafen werden sie wieder ausgeatmet, — wenn wir das Wort «atmen» bildlich verstehen. Es entläßt der physische Menschenleib in die geistige Welt hinein mit dem Einschlafen den astralischen Leib und das Ich. Und fruchtbar wird nun diese Geist-Erkenntnis, wenn sie in entsprechender Weise im Leben angewendet werden kann, wenn die Menschenseele sich von ihr durchdringen kann und das Leben in ihrem Lichte betrachten kann.
[ 4 ] Wir werden als Menschen getragen von dem Strome des Lebens. Wir fahren zwischen unserer Geburt und unserem Tode gleichsam dahin in diesem Strome des Lebens. Von einem Vergleiche möchte ich ausgehen, der dieses Dahinfahren im Strome des Lebens veranschaulichen soll. - Wenn wir in einem Eisenbahnzuge sitzen und so hinfahren und zum Fenster hinaussehen, dann erscheint es uns zunächst, namentlich wenn wir das Fahren in der Eisenbahn noch nicht gewohnt sind, wie wenn die Bäume und die Häuser an uns vorüberziehen würden, sich an uns vorüberbewegen würden. — So etwa lebt der Mensch, fortreisend die Lebensreise mit seinen Weltanschauungen und Lebensempfindungen, gegenüber dem Glück und dem Unglück, gegenüber Erfolgen und Mißerfolgen des Lebens. Denn wie wirken Glück und Unglück, Erfolge und Mißerfolge auf die menschliche Natur? Wie die menschliche Natur zunächst durch das, was sie aus der physischen Welt ziehen kann, veranlagt ist, so wirken Glück und Unglück, Erfolg und Mißerfolg in der Weise, daß sie gleichsam unsere Weltempfindung, unser Daseinsgefühl immer mit sich reißen, daß uns in unseren Gefühlen und Empfindungen die Welt selbst vorüberzuziehen scheint, je nachdem wir in ihr Leid oder Schmerz erfahren. Und wie wir uns erst gewöhnen müssen an das Dahinfahren in der physischen Welt, um während dieses Dahinfahrens den richtigen Gesichtspunkt zu haben gegenüber dem, was draußen nur scheinbar sich an uns vorüberbewegt, so ist es am Menschen, den richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen, um im Lebensstrome so dahinzufahren, daß er mit seinem Weltgefühl, mit seiner Daseinsempfindung ruhig zu bleiben vermag — ruhig in der geistigen Welt, wenn Glück und Leid, wenn Erfolg oder Mißerfolg ihm die Weltempfindung, das Daseinsgefühl in Bewegung, in scheinbarer Bewegung zeigen wollen.
[ 4 ] Wir werden als Menschen getragen von dem Strome des Lebens. Wir fahren zwischen unserer Geburt und unserem Tode gleichsam dahin in diesem Strome des Lebens. Von einem Vergleiche möchte ich ausgehen, der dieses Dahinfahren im Strome des Lebens veranschaulichen soll. - Wenn wir in einem Eisenbahnzuge sitzen und so hinfahren und zum Fenster hinaussehen, dann erscheint es uns zunächst, namentlich wenn wir das Fahren in der Eisenbahn noch nicht gewohnt sind, wie wenn die Bäume und die Häuser an uns vorüberziehen würden, sich an uns vorüberbewegen würden. — So etwa lebt der Mensch, fortreisend die Lebensreise mit seinen Weltanschauungen und Lebensempfindungen, gegenüber dem Glück und dem Unglück, gegenüber Erfolgen und Mißerfolgen des Lebens. Denn wie wirken Glück und Unglück, Erfolge und Mißerfolge auf die menschliche Natur? Wie die menschliche Natur zunächst durch das, was sie aus der physischen Welt ziehen kann, veranlagt ist, so wirken Glück und Unglück, Erfolg und Mißerfolg in der Weise, daß sie gleichsam unsere Weltempfindung, unser Daseinsgefühl immer mit sich reißen, daß uns in unseren Gefühlen und Empfindungen die Welt selbst vorüberzuziehen scheint, je nachdem wir in ihr Leid oder Schmerz erfahren. Und wie wir uns erst gewöhnen müssen an das Dahinfahren in der physischen Welt, um während dieses Dahinfahrens den richtigen Gesichtspunkt zu haben gegenüber dem, was draußen nur scheinbar sich an uns vorüberbewegt, so ist es am Menschen, den richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen, um im Lebensstrome so dahinzufahren, daß er mit seinem Weltgefühl, mit seiner Daseinsempfindung ruhig zu bleiben vermag — ruhig in der geistigen Welt, wenn Glück und Leid, wenn Erfolg oder Mißerfolg ihm die Weltempfindung, das Daseinsgefühl in Bewegung, in scheinbarer Bewegung zeigen wollen.
[ 5 ] Nun müssen wir allerdings berücksichtigen, daß die Menschheitsentwickelung in einem steten Fortschritt ist, daß Epoche nach Epoche in dieser Menschheitsentwickelung aufeinander folgen, daß immer neue und neue Erfahrungen in diese Menschheitsentwickelung eintreten, und daß daher auch die Seele in den verschiedenen Epochen der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit Verschiedenes erfahren muß — und nach ihren Erfahrungen in verschiedener Weise auch mit ihren Lebensempfindungen und mit ihrem Daseinsgefühl sich zu dem ganzen Leben stellen muß. Daher ist es, daß der Mensch der Gegenwart ein anderes Verhältnis zur Welt braucht, als dasjenige war, welches in abgelebten Zeiten die Menschenseele zur Welt haben konnte, um innerliche Befriedigung, Ruhe im Daseinsstrome zu finden. Nun zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in den Menschenseelen der Gegenwart eine gewisse Summe, eine Art Fonds von Kräften geistigquellenden Lebens ruht, die herauswollen aus dieser Menschenseele, so herauswollen, daß sie nicht in der Seele verborgen bleiben, sondern vor das menschliche Bewußtsein hintreten, so daß der Mensch sie nicht nur wie einen inneren Drang, wie eine innere Pressung fühlt, sondern sie hinstellen kann in seine Vorstellungswelt, in seine Ideenwelt. Denn mit welcher Gesinnung spricht eigentlich die Geisteswissenschaft zu den Menschen? Nicht so spricht sie, als wenn sie Kunde bringen wollte aus fremden Gebieten des Daseins, gleichsam aus unbekannten Ländern, sondern sie spricht von der Gesinnung aus, daß sie im Grunde genommen zu jeder Seele nur dasjenige sagen will, was in den Tiefen dieser Seele selbst ruht. Und der Geistesforscher ist im Grunde genommen davon überzeugt, daß in allen, allen Menschen dasjenige vorhanden ist, was er nur in Worte zu kleiden, in äußere Begriffe und Ideen zu bringen versucht, daß er den Menschen gar nichts anderes zu sagen hat, als was sie schon in sich tragen. Die ganze Geisteswissenschaft, wenn sie mit rechter Gesinnung vom Geistesforscher vor die Menschheit gebracht wird, will nichts anderes geben, als was im tiefen Grunde einer jeden Menschenseele ist; nur eine Aufforderung an die Menschenseele ist diese Geisteswissenschaft, dasjenige aus sich herauszuholen, was auf dem Grunde einer jeden Seele ruht.
[ 5 ] Nun müssen wir allerdings berücksichtigen, daß die Menschheitsentwickelung in einem steten Fortschritt ist, daß Epoche nach Epoche in dieser Menschheitsentwickelung aufeinander folgen, daß immer neue und neue Erfahrungen in diese Menschheitsentwickelung eintreten, und daß daher auch die Seele in den verschiedenen Epochen der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit Verschiedenes erfahren muß — und nach ihren Erfahrungen in verschiedener Weise auch mit ihren Lebensempfindungen und mit ihrem Daseinsgefühl sich zu dem ganzen Leben stellen muß. Daher ist es, daß der Mensch der Gegenwart ein anderes Verhältnis zur Welt braucht, als dasjenige war, welches in abgelebten Zeiten die Menschenseele zur Welt haben konnte, um innerliche Befriedigung, Ruhe im Daseinsstrome zu finden. Nun zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in den Menschenseelen der Gegenwart eine gewisse Summe, eine Art Fonds von Kräften geistigquellenden Lebens ruht, die herauswollen aus dieser Menschenseele, so herauswollen, daß sie nicht in der Seele verborgen bleiben, sondern vor das menschliche Bewußtsein hintreten, so daß der Mensch sie nicht nur wie einen inneren Drang, wie eine innere Pressung fühlt, sondern sie hinstellen kann in seine Vorstellungswelt, in seine Ideenwelt. Denn mit welcher Gesinnung spricht eigentlich die Geisteswissenschaft zu den Menschen? Nicht so spricht sie, als wenn sie Kunde bringen wollte aus fremden Gebieten des Daseins, gleichsam aus unbekannten Ländern, sondern sie spricht von der Gesinnung aus, daß sie im Grunde genommen zu jeder Seele nur dasjenige sagen will, was in den Tiefen dieser Seele selbst ruht. Und der Geistesforscher ist im Grunde genommen davon überzeugt, daß in allen, allen Menschen dasjenige vorhanden ist, was er nur in Worte zu kleiden, in äußere Begriffe und Ideen zu bringen versucht, daß er den Menschen gar nichts anderes zu sagen hat, als was sie schon in sich tragen. Die ganze Geisteswissenschaft, wenn sie mit rechter Gesinnung vom Geistesforscher vor die Menschheit gebracht wird, will nichts anderes geben, als was im tiefen Grunde einer jeden Menschenseele ist; nur eine Aufforderung an die Menschenseele ist diese Geisteswissenschaft, dasjenige aus sich herauszuholen, was auf dem Grunde einer jeden Seele ruht.
[ 6 ] So können wir sagen: in diesen tiefen Gründen der Menschenseele ruht eine ganze Summe von Kräften, die, wenn sie in das menschliche Bewußtsein heraufgeholt werden, erst zeigen, was den Menschen im Innern bewegt, was ihn im Innern durchseelt. Wahrhaftig: reicher, inhaltsvoller ist der Mensch, als er sich selber oftmals vorstellt.
[ 6 ] So können wir sagen: in diesen tiefen Gründen der Menschenseele ruht eine ganze Summe von Kräften, die, wenn sie in das menschliche Bewußtsein heraufgeholt werden, erst zeigen, was den Menschen im Innern bewegt, was ihn im Innern durchseelt. Wahrhaftig: reicher, inhaltsvoller ist der Mensch, als er sich selber oftmals vorstellt.
[ 7 ] Nun besteht ein merkwürdiges Gesetz in bezug auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Erkenntnis und Weltenwahrnehmung, ein Gesetz, das einem, wenn man es kennt, tiefe Aufschlüsse geben kann über manches Rätsel der menschlichen Seele. Um das in der einfachsten Weise klarzumachen, will ich noch einmal auf die Tatsache zurückgreifen, die durch die Geisteswissenschaft erforscht werden kann: daß der Mensch mit jedem Einschlafen sein höheres Wesen — sein Ich und seinen astralischen Leib — in eine geistige Welt hineinsendet. In dieser geistigen Welt vermag er zunächst nichts wahrzunehmen. Aber das, was er in diese geistige Welt hineinschickt, enthält wirklich, wenigstens einen großen Teil desjenigen — und ist zum großen Teil aus dem zusammengesetzt, — was die Geisteswissenschaft für das tagwache Leben aus den tiefen Quellen des Daseins hervorholen will. Der Mensch ist nur im Alltagsleben so eingerichtet, daß ihm Bewußtlosigkeit zudeckt, was in seiner Seele ruht, wenn er im schlafenden Zustande außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes ist; und wenn er beim Aufwachen sein Ich und seinen astralischen Leib hineinträgt in den physischen Leib und Ätherleib, dann werden dieses Ich und dieser astralische Leib von dem ausgefüllt, was an Eindrücken aus der äußeren Wahrnehmung kommt, was die materielle Welt uns überliefert. Die Seele ist dann hingegeben an die Außenwelt; und wie in der Nacht die Bewußtlosigkeit dasjenige herabdämmert, was in den Tiefen der Seele ruht, so ist es während des Tages das, was uns an Eindrücken von der materiellen Außenwelt kommt. Aber es ruht in den Tiefen der Seele wirklich alles, was die geistige Wissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein bringen will. — Es herrscht nun ein Gesetz, ein wichtiges, wesentliches Gesetz, von dem man allmählich erkennen wird, daß es im Grunde genommen das ganze Dasein beherrscht: Dasjenige, was in einem Zustande segensvoll sein kann, das kann verderblich wirken, wenn es in einem anderen Zustande, gleichsam an einem anderen Orte sich geltend macht.
[ 7 ] Nun besteht ein merkwürdiges Gesetz in bezug auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Erkenntnis und Weltenwahrnehmung, ein Gesetz, das einem, wenn man es kennt, tiefe Aufschlüsse geben kann über manches Rätsel der menschlichen Seele. Um das in der einfachsten Weise klarzumachen, will ich noch einmal auf die Tatsache zurückgreifen, die durch die Geisteswissenschaft erforscht werden kann: daß der Mensch mit jedem Einschlafen sein höheres Wesen — sein Ich und seinen astralischen Leib — in eine geistige Welt hineinsendet. In dieser geistigen Welt vermag er zunächst nichts wahrzunehmen. Aber das, was er in diese geistige Welt hineinschickt, enthält wirklich, wenigstens einen großen Teil desjenigen — und ist zum großen Teil aus dem zusammengesetzt, — was die Geisteswissenschaft für das tagwache Leben aus den tiefen Quellen des Daseins hervorholen will. Der Mensch ist nur im Alltagsleben so eingerichtet, daß ihm Bewußtlosigkeit zudeckt, was in seiner Seele ruht, wenn er im schlafenden Zustande außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes ist; und wenn er beim Aufwachen sein Ich und seinen astralischen Leib hineinträgt in den physischen Leib und Ätherleib, dann werden dieses Ich und dieser astralische Leib von dem ausgefüllt, was an Eindrücken aus der äußeren Wahrnehmung kommt, was die materielle Welt uns überliefert. Die Seele ist dann hingegeben an die Außenwelt; und wie in der Nacht die Bewußtlosigkeit dasjenige herabdämmert, was in den Tiefen der Seele ruht, so ist es während des Tages das, was uns an Eindrücken von der materiellen Außenwelt kommt. Aber es ruht in den Tiefen der Seele wirklich alles, was die geistige Wissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein bringen will. — Es herrscht nun ein Gesetz, ein wichtiges, wesentliches Gesetz, von dem man allmählich erkennen wird, daß es im Grunde genommen das ganze Dasein beherrscht: Dasjenige, was in einem Zustande segensvoll sein kann, das kann verderblich wirken, wenn es in einem anderen Zustande, gleichsam an einem anderen Orte sich geltend macht.
[ 8 ] In dem, was dem Menschen für sein materielles Bewußtsein verborgen bleibt, ruhen unsichtbare übersinnliche Kräfte. Sie ruhen in dem, was der Mensch im Schlafe in die geistige Welt entläßt, rumoren in diesem Innern, bringen dem Menschen in seinem Verhalten Unsicherheit, Richtungslosigkeit im Leben. Werden diese Kräfte heraufgeholt in die Bewußtheit, werden sie umgewandelt in bewußte Erkenntnisse, Begriffe und Vorstellungen, dann werden sie segensreich, dann werden sie heilsam, dann geben sie dem Menschen Richtung und Ziel, Ruhe und Sicherheit im Leben. Es ist das ein eigentümliches Gesetz, und es ist zuzugeben, es ist ein schwierig einzusehendes Gesetz. Aber wahr ist es doch: wenn das, was die Geisteswissenschaft gibt, dem geistigen Erkenner tiefe Befriedigung gewähren kann, wenn es in sein Bewußtsein tritt, so ist es ein unsicher machendes Element, eine unsicher machende Kraft, wenn es nur unten, unbewußt, in den dunklen Regionen der Seele ruht. Ruht es unbewußt in diesen Regionen, was die Geisteswissenschaft zur lichten Erkenntnis erheben will, dann bleibt es ohne Einfluß auf das menschliche Ich; dann wallt und wogt es im Unterbewußten, dann kann es keinen Einfluß haben auf das, was der Mensch erlebt an Glück und Schmerz, an Erfolgen und Mißerfolgen. Dann kann der Mensch nur denjenigen Teil seines Wesens in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Schmerz hineinbringen, der mitgeht mit Glück und Schmerz so, daß die Seele im Glück sich verliert, daß sie im Schmerz versinkt, durch ihre Erfolge betäubt, durch ihre Mißerfolge schmerzerfüllt wird. Dann geht die Seele überall mit, dann schaukelt und schwimmt sie im Strome des Lebens. Wird aber das, was da unten in den dunklen Regionen der Seele an Erkenntniskräften über die geistige Welt ruht, in das Ich heraufgeholt, so daß dieses Ich die geistigen Erkenntnisse mitnehmen kann, wenn das Leben uns lächelt im Glück, wenn das Leben uns Schmerz und Leid bereitet, dann schaukelt und schwimmt das Ich nicht mehr im Glück und Unglück in dem Strom des Lebens; dann trägt es ein gestärktes Inneres in das Glück und Unglück, in Schmerz und Leid hinein, und Glück und Schmerz werden dann anders erlebt.
[ 8 ] In dem, was dem Menschen für sein materielles Bewußtsein verborgen bleibt, ruhen unsichtbare übersinnliche Kräfte. Sie ruhen in dem, was der Mensch im Schlafe in die geistige Welt entläßt, rumoren in diesem Innern, bringen dem Menschen in seinem Verhalten Unsicherheit, Richtungslosigkeit im Leben. Werden diese Kräfte heraufgeholt in die Bewußtheit, werden sie umgewandelt in bewußte Erkenntnisse, Begriffe und Vorstellungen, dann werden sie segensreich, dann werden sie heilsam, dann geben sie dem Menschen Richtung und Ziel, Ruhe und Sicherheit im Leben. Es ist das ein eigentümliches Gesetz, und es ist zuzugeben, es ist ein schwierig einzusehendes Gesetz. Aber wahr ist es doch: wenn das, was die Geisteswissenschaft gibt, dem geistigen Erkenner tiefe Befriedigung gewähren kann, wenn es in sein Bewußtsein tritt, so ist es ein unsicher machendes Element, eine unsicher machende Kraft, wenn es nur unten, unbewußt, in den dunklen Regionen der Seele ruht. Ruht es unbewußt in diesen Regionen, was die Geisteswissenschaft zur lichten Erkenntnis erheben will, dann bleibt es ohne Einfluß auf das menschliche Ich; dann wallt und wogt es im Unterbewußten, dann kann es keinen Einfluß haben auf das, was der Mensch erlebt an Glück und Schmerz, an Erfolgen und Mißerfolgen. Dann kann der Mensch nur denjenigen Teil seines Wesens in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Schmerz hineinbringen, der mitgeht mit Glück und Schmerz so, daß die Seele im Glück sich verliert, daß sie im Schmerz versinkt, durch ihre Erfolge betäubt, durch ihre Mißerfolge schmerzerfüllt wird. Dann geht die Seele überall mit, dann schaukelt und schwimmt sie im Strome des Lebens. Wird aber das, was da unten in den dunklen Regionen der Seele an Erkenntniskräften über die geistige Welt ruht, in das Ich heraufgeholt, so daß dieses Ich die geistigen Erkenntnisse mitnehmen kann, wenn das Leben uns lächelt im Glück, wenn das Leben uns Schmerz und Leid bereitet, dann schaukelt und schwimmt das Ich nicht mehr im Glück und Unglück in dem Strom des Lebens; dann trägt es ein gestärktes Inneres in das Glück und Unglück, in Schmerz und Leid hinein, und Glück und Schmerz werden dann anders erlebt.
[ 9 ] Wir müssen uns allerdings etwas über das Wesen von Glück und Leid, von Erfolg und Mißerfolg zum Bewußtsein bringen, wenn wir die Anwendung des eben Charakterisierten richtig ins Auge fassen wollen. Was eigentlich bringen Glück und Unglück dem Menschen?
[ 9 ] Wir müssen uns allerdings etwas über das Wesen von Glück und Leid, von Erfolg und Mißerfolg zum Bewußtsein bringen, wenn wir die Anwendung des eben Charakterisierten richtig ins Auge fassen wollen. Was eigentlich bringen Glück und Unglück dem Menschen?
[ 10 ] Innerlich verstehen, was der Mensch erlebt im Glück, beim Erfolg, in heiteren Stunden des Lebens oder im Schmerz und in traurigen Stunden, die Mißerfolge ihm bringen -, richtig erkennen kann man das eigentlich gar nicht, wenn man nicht darauf Rücksicht nimmt, daß der Mensch aus dem physischen Außenteil und aus dem geistig-seelischen Innenteil besteht. Was ist das Glück, was ist das Leben im Erfolg?
[ 10 ] Innerlich verstehen, was der Mensch erlebt im Glück, beim Erfolg, in heiteren Stunden des Lebens oder im Schmerz und in traurigen Stunden, die Mißerfolge ihm bringen -, richtig erkennen kann man das eigentlich gar nicht, wenn man nicht darauf Rücksicht nimmt, daß der Mensch aus dem physischen Außenteil und aus dem geistig-seelischen Innenteil besteht. Was ist das Glück, was ist das Leben im Erfolg?
[ 11 ] Was im Menschen an seinen Wesensgliedern zusammengefügt ist, das bekommt in bezug auf die feineren Verhältnisse eine andere Zusammensetzung im Glück — und im Leid. Wenn wir Glück erleben, wenn die Seele in dieses Glück hineintaucht, oder auch wenn sie in ihre Erfolge untertaucht, was geschieht dann mit der Menschennatur? Dann reißt sich gleichsam das, was in der Menschennatur sonst ruht, aus dem Inneren heraus, verfolgt das, was von außen an Glück und Erfolg in uns eindringt; der Mensch entfremdet sich seinem Innern, er hört auf bloß in sich zu sein. Der Mensch geht in ein Fremdes ein. Dieses Sichfremdwerden, dieses Außersichkommen ist das, was gleichsam wie der eine Pendelausschlag des menschlichen inneren Erlebens im Glück sich uns darstellt. Wenn der Mensch Schmerz erlebt, wenn er Mißerfolge hat, dann zieht das Geistig-Seelische, gleichsam den Schmerz, die Mißerfolge fliehend, sich tiefer in das Innere zurück, als es im regulären Daseinsverhältnis mit diesem Inneren zusammenleben müßte; es ist dann so, als ob das Geistig-Seelische sich gleichsam zusammenkrampft, so daß der Mensch sich nicht, wie im Glück und Erfolg, an die äußere Welt verliert, sondern sich gerade in sich zurückzieht. Und da nun der Mensch so veranlagt ist, daß er nur im harmonischen Zusammenhange mit der Welt seine Ruhe und seine Befriedigung finden kann, so bringt ihn sein zusammengekrampftes Innere ebenso aus seiner Harmonie mit dem Leben heraus, wie er durch das Aufgehen in Glück und Erfolg seinem Wesen entfremdet wird. Das ist der andere Pendelausschlag des menschlichen Innenlebens zu dem Leben in Glück und Erfolg: dieses ganz in sich leben wollen, daß man die Welt flieht, weil sie Mißerfolg, Schmerz über uns ausgießen will. Allerdings ist es zum gesamten menschlichen Erleben notwendig, daß der Mensch diese zwei Pendelausschläge hat; es handelt sich nur darum, wie er sie erlebt. Wenn er sie nicht erlebt, dann sucht er sie sogar. Und ich will, einfügend in diese Betrachtung, zeigen, wie er diese Entfremdung suchen kann, die wir im naturgemäßen Gang im Glück erfahren, wo also der Mensch nicht mehr in sich ist, wo er aufgehen will in einem Element, das seinem eigentlichen Ich entfremdet ist. |
[ 11 ] Was im Menschen an seinen Wesensgliedern zusammengefügt ist, das bekommt in bezug auf die feineren Verhältnisse eine andere Zusammensetzung im Glück — und im Leid. Wenn wir Glück erleben, wenn die Seele in dieses Glück hineintaucht, oder auch wenn sie in ihre Erfolge untertaucht, was geschieht dann mit der Menschennatur? Dann reißt sich gleichsam das, was in der Menschennatur sonst ruht, aus dem Inneren heraus, verfolgt das, was von außen an Glück und Erfolg in uns eindringt; der Mensch entfremdet sich seinem Innern, er hört auf bloß in sich zu sein. Der Mensch geht in ein Fremdes ein. Dieses Sichfremdwerden, dieses Außersichkommen ist das, was gleichsam wie der eine Pendelausschlag des menschlichen inneren Erlebens im Glück sich uns darstellt. Wenn der Mensch Schmerz erlebt, wenn er Mißerfolge hat, dann zieht das Geistig-Seelische, gleichsam den Schmerz, die Mißerfolge fliehend, sich tiefer in das Innere zurück, als es im regulären Daseinsverhältnis mit diesem Inneren zusammenleben müßte; es ist dann so, als ob das Geistig-Seelische sich gleichsam zusammenkrampft, so daß der Mensch sich nicht, wie im Glück und Erfolg, an die äußere Welt verliert, sondern sich gerade in sich zurückzieht. Und da nun der Mensch so veranlagt ist, daß er nur im harmonischen Zusammenhange mit der Welt seine Ruhe und seine Befriedigung finden kann, so bringt ihn sein zusammengekrampftes Innere ebenso aus seiner Harmonie mit dem Leben heraus, wie er durch das Aufgehen in Glück und Erfolg seinem Wesen entfremdet wird. Das ist der andere Pendelausschlag des menschlichen Innenlebens zu dem Leben in Glück und Erfolg: dieses ganz in sich leben wollen, daß man die Welt flieht, weil sie Mißerfolg, Schmerz über uns ausgießen will. Allerdings ist es zum gesamten menschlichen Erleben notwendig, daß der Mensch diese zwei Pendelausschläge hat; es handelt sich nur darum, wie er sie erlebt. Wenn er sie nicht erlebt, dann sucht er sie sogar. Und ich will, einfügend in diese Betrachtung, zeigen, wie er diese Entfremdung suchen kann, die wir im naturgemäßen Gang im Glück erfahren, wo also der Mensch nicht mehr in sich ist, wo er aufgehen will in einem Element, das seinem eigentlichen Ich entfremdet ist. |
[ 12 ] Das ist dann der Fall, wenn der Mensch sich nicht gestehen will, was in diesem Ich eigentlich enthalten ist, wenn er in das Bewußtsein nicht in Wahrheit das heraufkommen lassen will, was in diesem Ich enthalten ist, sondern dafür in ein anderes Element eintaucht und sich betäubt über die Wahrheit des Ich durch ein Ruhen in der äußeren Welt. Diese Betäubung kann gesucht werden, und sie wird gesucht. Und wir sehen — lassen Sie mich dies einfügen — gerade in unserer Zeit die traurigsten Beispiele eines solchen Suchens, eines solchen Sichentfremdens und Sicheinlebenwollens in das, was nicht dem Ich angehört, weil man dieses Ich in seiner wahren Gestalt sich nicht eingestehen will. So kann es sein, daß ganze Menschenmassen von einem solchen Gefühl ergriffen werden, sich betäuben zu wollen mit etwas anderem, als was das Ich eigentlich sagt. Nehmen wir einmal an, das Ich einer Anzahl von Menschen hätte durch Jahrzehnte hindurch gesagt: «Revanche wollen wir haben für das, was uns genommen worden ist — Revanche unseretwillen», und es käme ein Augenblick, wo man sich nicht gestehen will, was im eigentlichen Ich ruht, wo man darüber hinauszukommen sucht, dann sucht man etwas, um sich zu betäuben — und sagt nun nicht: «Wir wollen Revanche haben», sondern dann sagt man: «Wir wollen kämpfen für Freiheit und Recht der Völker!» Das ist nichts anderes als das Suchen nach dem Extrem des einen Pendelausschlages: der Betäubung. Oder man singt durch Jahrzehnte oder noch länger: «Rule Britannia», «herrsche Britannien», und wie die Fortsetzung, die ja hinlänglich bekannt ist, lautet —, und man will sich das in einem bestimmten Augenblicke nicht eingestehen: man sagt dann nicht, was in der innerlichsten Gestalt des Ich ruht, sondern man findet es nötig, aus seinem Wesen herauszugehen, indem man sagt: Man kämpfe für Freiheit und Recht der Völker!
[ 12 ] Das ist dann der Fall, wenn der Mensch sich nicht gestehen will, was in diesem Ich eigentlich enthalten ist, wenn er in das Bewußtsein nicht in Wahrheit das heraufkommen lassen will, was in diesem Ich enthalten ist, sondern dafür in ein anderes Element eintaucht und sich betäubt über die Wahrheit des Ich durch ein Ruhen in der äußeren Welt. Diese Betäubung kann gesucht werden, und sie wird gesucht. Und wir sehen — lassen Sie mich dies einfügen — gerade in unserer Zeit die traurigsten Beispiele eines solchen Suchens, eines solchen Sichentfremdens und Sicheinlebenwollens in das, was nicht dem Ich angehört, weil man dieses Ich in seiner wahren Gestalt sich nicht eingestehen will. So kann es sein, daß ganze Menschenmassen von einem solchen Gefühl ergriffen werden, sich betäuben zu wollen mit etwas anderem, als was das Ich eigentlich sagt. Nehmen wir einmal an, das Ich einer Anzahl von Menschen hätte durch Jahrzehnte hindurch gesagt: «Revanche wollen wir haben für das, was uns genommen worden ist — Revanche unseretwillen», und es käme ein Augenblick, wo man sich nicht gestehen will, was im eigentlichen Ich ruht, wo man darüber hinauszukommen sucht, dann sucht man etwas, um sich zu betäuben — und sagt nun nicht: «Wir wollen Revanche haben», sondern dann sagt man: «Wir wollen kämpfen für Freiheit und Recht der Völker!» Das ist nichts anderes als das Suchen nach dem Extrem des einen Pendelausschlages: der Betäubung. Oder man singt durch Jahrzehnte oder noch länger: «Rule Britannia», «herrsche Britannien», und wie die Fortsetzung, die ja hinlänglich bekannt ist, lautet —, und man will sich das in einem bestimmten Augenblicke nicht eingestehen: man sagt dann nicht, was in der innerlichsten Gestalt des Ich ruht, sondern man findet es nötig, aus seinem Wesen herauszugehen, indem man sagt: Man kämpfe für Freiheit und Recht der Völker!
[ 13 ] Wie Epidemien kann über ganze Menschenmassen diese Sucht hereinbrechen, sich zu betäuben in dem, was außerhalb ergriffen wird, weil man in seinem Ich nicht bleiben will. Aber der Mensch findet nur seine Richtung, seine Sicherheit im Leben, wenn er nicht nur in seinem Ich zu bleiben vermag, sondern wenn er sein Ich hineinzutragen versteht in alles Glück, in alles Leid, in alle Erfolge, in alle Mißerfolge. Die Festigung dieses Ich, die innere Sicherung und Durchkraftung des Ich erlangen wir, wenn wir: hervorholen, was das Ich unsicher macht. Und unsicher macht es die in den dunklen Regionen der Seele unten bleibende Erkenntnis der geistigen Welt, die da unten ruht und sich wie ein schaukelnder Kahn gestaltet,. solange sie unten in den Tiefen der Seele ist, die aber Sicherheit im Leben gibt, wenn sie gleichsam an einem anderen Ort — in das Bewußtsein — heraufgeholt wird. Und es zeigt sich das Seltsame, daß wir auf die Frage: Warum suchen wir Geisteswissenschaft? nicht antworten können: «Um uns an dieser Geisteswissenschaft zu befriedigen, um die Freude der Erhebung an dieser Geisteswissenschaft zu haben»; sondern darum müssen wir diese Erkenntnisfähigkeit ins Bewußtsein heraufholen, weil wir sie in unserem Unterbewußtsein schon haben, aber weil sie dort nicht bleiben darf. Und je mehr wir uns anstrengen, Erkenntnisse über die geistige Welt in uns zu haben, desto mehr werden wir finden, daß — ob uns nun diese geistige Erkenntnis Freude oder Leid bereitet — aus unserm Inneren etwas anderes wird. Denn es ist leicht vorzustellen, daß, während dieses unbewußte Innere sonst erfüllt ist von den Kräften, die als Geisteswissenschaft hervorkommen können, dieses unser unterbewußtes Innere leer wird in dem Maße, als wir uns bewußt durchdringen mit dem, was uns die Geisteswissenschaft zu geben vermag. Es ist wirklich der Vergleich berechtigt, wenn wir sagen: Es ist, wie wenn wir aus einer Luftpumpe die Luft herauspumpen wollen: Wir machen den Raum des Rezipienten leer, und andere Luft kann in ihn hinein. So kann Anderes in unsere Seele hinein, wenn wir sie leer machen von dem, was wir in unser Bewußtsein heraufholen.
[ 13 ] Wie Epidemien kann über ganze Menschenmassen diese Sucht hereinbrechen, sich zu betäuben in dem, was außerhalb ergriffen wird, weil man in seinem Ich nicht bleiben will. Aber der Mensch findet nur seine Richtung, seine Sicherheit im Leben, wenn er nicht nur in seinem Ich zu bleiben vermag, sondern wenn er sein Ich hineinzutragen versteht in alles Glück, in alles Leid, in alle Erfolge, in alle Mißerfolge. Die Festigung dieses Ich, die innere Sicherung und Durchkraftung des Ich erlangen wir, wenn wir: hervorholen, was das Ich unsicher macht. Und unsicher macht es die in den dunklen Regionen der Seele unten bleibende Erkenntnis der geistigen Welt, die da unten ruht und sich wie ein schaukelnder Kahn gestaltet,. solange sie unten in den Tiefen der Seele ist, die aber Sicherheit im Leben gibt, wenn sie gleichsam an einem anderen Ort — in das Bewußtsein — heraufgeholt wird. Und es zeigt sich das Seltsame, daß wir auf die Frage: Warum suchen wir Geisteswissenschaft? nicht antworten können: «Um uns an dieser Geisteswissenschaft zu befriedigen, um die Freude der Erhebung an dieser Geisteswissenschaft zu haben»; sondern darum müssen wir diese Erkenntnisfähigkeit ins Bewußtsein heraufholen, weil wir sie in unserem Unterbewußtsein schon haben, aber weil sie dort nicht bleiben darf. Und je mehr wir uns anstrengen, Erkenntnisse über die geistige Welt in uns zu haben, desto mehr werden wir finden, daß — ob uns nun diese geistige Erkenntnis Freude oder Leid bereitet — aus unserm Inneren etwas anderes wird. Denn es ist leicht vorzustellen, daß, während dieses unbewußte Innere sonst erfüllt ist von den Kräften, die als Geisteswissenschaft hervorkommen können, dieses unser unterbewußtes Innere leer wird in dem Maße, als wir uns bewußt durchdringen mit dem, was uns die Geisteswissenschaft zu geben vermag. Es ist wirklich der Vergleich berechtigt, wenn wir sagen: Es ist, wie wenn wir aus einer Luftpumpe die Luft herauspumpen wollen: Wir machen den Raum des Rezipienten leer, und andere Luft kann in ihn hinein. So kann Anderes in unsere Seele hinein, wenn wir sie leer machen von dem, was wir in unser Bewußtsein heraufholen.
[ 14 ] Und was kann dann in die Seele hinein? Diejenigen Kräfte können dann in unsere Seele hinein, mit denen diese Seele ihrem eigentlichen Charakter nach verbunden ist. Denn machen wir unsere Seele leer von dem, was in die Bewußtheit herauf will, so öffnen wir die nun leer gewordene Seele den Eingriffen der göttlich-geistigen Impulse, die unsern Willen durchglühen, die unser Gefühl erwärmen mit den Kräften, die aus den göttlich-geistigen Impulsen hervorquellen und uns Sicherheit im Leben geben, so daß wir uns im rechten Augenblick sagen: Dahin sollst du dich wenden, so sollst du auffassen, was im Leben als Glück und Freude, als Schmerz und Leid an dich herantritt. Daher wird der Mensch bemerken, daß es nicht so sehr darauf ankommt, was als Geisteswissenschaft an uns herantritt, sondern was durch die Geisteswissenschaft aus unserer Seele wird. Wir können emsig die Seele verfolgen und werden bemerken: Indem du dich anstrengst, diese Erkenntnisse in deine Seele heraufzubringen, wird etwas ganz anderes aus deiner Seele, als was sie früher war. Momente treten ein, die früher nicht da waren, in welchen die Seele fühlt: «Jetzt hab’ ich dies — jetzt habe ich jenes zu tun», wo Impulse kommen, die uns das bringen, was uns das Lebensgleichgewicht gibt, Impulse, die nicht da wären, wenn sie nicht verdrängt worden wären von den noch unbewußt verbliebenen Erkenntnissen, die durch die Geisteswissenschaft heraufgeholt werden.
[ 14 ] Und was kann dann in die Seele hinein? Diejenigen Kräfte können dann in unsere Seele hinein, mit denen diese Seele ihrem eigentlichen Charakter nach verbunden ist. Denn machen wir unsere Seele leer von dem, was in die Bewußtheit herauf will, so öffnen wir die nun leer gewordene Seele den Eingriffen der göttlich-geistigen Impulse, die unsern Willen durchglühen, die unser Gefühl erwärmen mit den Kräften, die aus den göttlich-geistigen Impulsen hervorquellen und uns Sicherheit im Leben geben, so daß wir uns im rechten Augenblick sagen: Dahin sollst du dich wenden, so sollst du auffassen, was im Leben als Glück und Freude, als Schmerz und Leid an dich herantritt. Daher wird der Mensch bemerken, daß es nicht so sehr darauf ankommt, was als Geisteswissenschaft an uns herantritt, sondern was durch die Geisteswissenschaft aus unserer Seele wird. Wir können emsig die Seele verfolgen und werden bemerken: Indem du dich anstrengst, diese Erkenntnisse in deine Seele heraufzubringen, wird etwas ganz anderes aus deiner Seele, als was sie früher war. Momente treten ein, die früher nicht da waren, in welchen die Seele fühlt: «Jetzt hab’ ich dies — jetzt habe ich jenes zu tun», wo Impulse kommen, die uns das bringen, was uns das Lebensgleichgewicht gibt, Impulse, die nicht da wären, wenn sie nicht verdrängt worden wären von den noch unbewußt verbliebenen Erkenntnissen, die durch die Geisteswissenschaft heraufgeholt werden.
[ 15 ] Wenn wir Geisteswissenschaft pflegen, dann benehmen wir uns in bezug auf unser Inneres gleichsam so, wie sich der benimmt, der einen Strom regulieren will: er geht nicht an das Wasser direkt heran, um es irgendwohin zu leiten, denn damit würde er wenig weit kommen; sondern er geht zunächst an die Erde heran, sucht sie an einer Stelle leer zu machen, sucht einen Erdspalt zu machen, durch den der Strom dann gehen kann. So verhält es sich auch mit unserer Seele. Was uns Lebenssicherheit, Lebensharmonie, was uns eine ruhige Lebensauffassung in Glück und Leid bringen kann — wir können nicht so da herangehen, wie wenn wir an das Wasser direkt herangehen würden; aber wie das Wasser von selbst in den Raum strömt, den wir ihm in der Erde bereitet haben, so strömen die geistigen Kräfte von selbst ein in den Willen und in das Gemüt, wenn wir ihnen das Bett bereiten. Und das Bett bereiten wir ihnen, wenn wir aus den Seelengründen herausholen, was sonst das Eindringen der göttlich-geistigen Welt verhindert — was aber dieses Eindringen nicht mehr verhindert, wenn wir es in das Bewußtsein heraufholen. Daher ist es, daß wir durch das Studium der Geisteswissenschaft nicht nur etwas erkennen, nicht nur etwas erfahren, sondern daß wir im wirklichen Sinne des Wortes verwandelt werden, weil das, was sonst in unsere Seele nicht hinein kann, dann in sie hineinfließt und wir gewissermaßen als den Erfolg des Studiums der Geisteswissenschaft ein inneres Starkwerden, ein inneres Durchkraftetwerden der Seele verspüren.
[ 15 ] Wenn wir Geisteswissenschaft pflegen, dann benehmen wir uns in bezug auf unser Inneres gleichsam so, wie sich der benimmt, der einen Strom regulieren will: er geht nicht an das Wasser direkt heran, um es irgendwohin zu leiten, denn damit würde er wenig weit kommen; sondern er geht zunächst an die Erde heran, sucht sie an einer Stelle leer zu machen, sucht einen Erdspalt zu machen, durch den der Strom dann gehen kann. So verhält es sich auch mit unserer Seele. Was uns Lebenssicherheit, Lebensharmonie, was uns eine ruhige Lebensauffassung in Glück und Leid bringen kann — wir können nicht so da herangehen, wie wenn wir an das Wasser direkt herangehen würden; aber wie das Wasser von selbst in den Raum strömt, den wir ihm in der Erde bereitet haben, so strömen die geistigen Kräfte von selbst ein in den Willen und in das Gemüt, wenn wir ihnen das Bett bereiten. Und das Bett bereiten wir ihnen, wenn wir aus den Seelengründen herausholen, was sonst das Eindringen der göttlich-geistigen Welt verhindert — was aber dieses Eindringen nicht mehr verhindert, wenn wir es in das Bewußtsein heraufholen. Daher ist es, daß wir durch das Studium der Geisteswissenschaft nicht nur etwas erkennen, nicht nur etwas erfahren, sondern daß wir im wirklichen Sinne des Wortes verwandelt werden, weil das, was sonst in unsere Seele nicht hinein kann, dann in sie hineinfließt und wir gewissermaßen als den Erfolg des Studiums der Geisteswissenschaft ein inneres Starkwerden, ein inneres Durchkraftetwerden der Seele verspüren.
[ 16 ] Durch was durchkraftet werden? Durch was stark werden? Wir können es nicht in jedem Augenblicke fühlen. Aber wir können es so gewahren, daß, wenn wir einem Glück entgegentreten, das uns sonst betäuben, uns gefangennehmen könnte, wir zwar dieses Glück erleben, es voll durchmachen, aber uns selbst dann mit der verstärkten inneren Seele, mit unserm durchkrafteten Innenwesen in dieses Glück hineintragen; daß wir einen Schmerz zwar ebenso traurig erleben, aber untertauchen können in diesen Schmerz, unser Ich in ihn hinein .« tragen und uns nicht zu entfremden brauchen von der Welt, indem wir unser Ich in diesen Schmerz hineintragen.
[ 16 ] Durch was durchkraftet werden? Durch was stark werden? Wir können es nicht in jedem Augenblicke fühlen. Aber wir können es so gewahren, daß, wenn wir einem Glück entgegentreten, das uns sonst betäuben, uns gefangennehmen könnte, wir zwar dieses Glück erleben, es voll durchmachen, aber uns selbst dann mit der verstärkten inneren Seele, mit unserm durchkrafteten Innenwesen in dieses Glück hineintragen; daß wir einen Schmerz zwar ebenso traurig erleben, aber untertauchen können in diesen Schmerz, unser Ich in ihn hinein .« tragen und uns nicht zu entfremden brauchen von der Welt, indem wir unser Ich in diesen Schmerz hineintragen.
[ 17 ] Man muß etwas tiefer in die Geisteswissenschaft hineinschauen, wenn man den ganzen Umfang dessen erkennen will, was eine solche Veränderung gegenüber dem Glück oder dem Leid für das Leben eigentlich bedeutet. Denjenigen Zustand, der in der Menschenseele als das — wenn das Wort nicht mißverstanden wird — Hellsichtigwerden der Seele eintritt, kann man ansehen wie ein Aufwachen, indem man durch dieses Aufwachen in eine Welt tritt, von der man nichts gewußt hat, solange man nur die Anschauungen über die physische Welt und die Verstandesurteile über diese Welt hatte. Nehmen wir nun an, ein Mensch würde, während er in Glück und Erfolg drinnen steht, plötzlich so «aufwachen». Denken wir uns also einen Menschen, der bisher nur gewohnt war, die physische Welt anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, also in diese physische Welt untertaucht ohne die Kraft, welche ihm die Geisteswissenschaft geben kann; und stellen wir uns vor, ein solcher Mensch würde mitten im Erfolge aufwachen, die geistige Welt würde da sein. Was würde er dann sehen?
[ 17 ] Man muß etwas tiefer in die Geisteswissenschaft hineinschauen, wenn man den ganzen Umfang dessen erkennen will, was eine solche Veränderung gegenüber dem Glück oder dem Leid für das Leben eigentlich bedeutet. Denjenigen Zustand, der in der Menschenseele als das — wenn das Wort nicht mißverstanden wird — Hellsichtigwerden der Seele eintritt, kann man ansehen wie ein Aufwachen, indem man durch dieses Aufwachen in eine Welt tritt, von der man nichts gewußt hat, solange man nur die Anschauungen über die physische Welt und die Verstandesurteile über diese Welt hatte. Nehmen wir nun an, ein Mensch würde, während er in Glück und Erfolg drinnen steht, plötzlich so «aufwachen». Denken wir uns also einen Menschen, der bisher nur gewohnt war, die physische Welt anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, also in diese physische Welt untertaucht ohne die Kraft, welche ihm die Geisteswissenschaft geben kann; und stellen wir uns vor, ein solcher Mensch würde mitten im Erfolge aufwachen, die geistige Welt würde da sein. Was würde er dann sehen?
[ 18 ] Ein solches Aufwachen kann ein tief finsterer Augenblick werden in dem sonst gerade glückerfüllten Leben. In einem solchen Augenblick tritt das vor die Seele, was charakterisiert worden ist: das Entfremdetwerden der Seele vor sich selber. Und was der Mensch im Glück, im Erfolg genossen hat, was er eben noch durchgemacht hat, das sieht er gleichsam versinken, und so versinken, daß er es nicht halten kann, weil er die Kraft nicht hat, es zu halten. Daß wir im Leben uns verlieren, wenn wir, ohne Geist-Erkenntnis, ins Glück und in den Erfolg hineinsteuern, das kann durch ein solches Aufwachen ganz besonders vor unsere Seele treten. Denn diejenigen Momente — das erkennt man durch die Geisteswissenschaft —, die wir in Glück und Erfolg erringen, können nur dann zu wirklich stärkenden Kräften unseres ewigen, durch die Pforte des Todes in die Ewigkeit übergehenden Ich werden, wenn wir uns nicht verlieren, sondern uns im Erleben des Glückes erhalten. Geisteswissenschaft ist nicht dazu angetan, dem Menschen das Glück zu versauern oder zu verargen; kein Quentchen von Glück und Freude will die Geisteswissenschaft dem Menschen nehmen oder abschwächen. Worauf sie aber hindeuten will, ist, daß das Glück, welches ohne den charakterisierten Zusammenhang mit der Welt durchlebt wird, sich nicht verbinden kann in seinen Wirkungen mit den tiefsten Kräften unseres Ich. Denn für den, welcher so durch die Welt geht, daß er — ohne GeistErkenntnis — ungestärkt ist in bezug auf sein Ich, kommt weiter nichts aus dem Glück heraus als nur die Sehnsucht nach neuem Glück, und aus diesem wiederum nur Sehnsucht nach weiterem Glück. Er nimmt nicht aus dem einen Glückserlebnis die stärkenden Kräfte mit für alles folgende Leben. Wer aber in das Glück diejenigen Kräfte hineinträgt, die sich ihm erschließen, wenn er geistige Erkenntnis sucht, der saugt aus dem Glück erhaltende, belebende Kraft, die er in sein Ich hineinträgt, weil er es durch die Geisteswissenschaft gestärkt hat; und er trägt, was ihm Glück und Erfolg geben können, für alle Ewigkeiten mit sich.
[ 18 ] Ein solches Aufwachen kann ein tief finsterer Augenblick werden in dem sonst gerade glückerfüllten Leben. In einem solchen Augenblick tritt das vor die Seele, was charakterisiert worden ist: das Entfremdetwerden der Seele vor sich selber. Und was der Mensch im Glück, im Erfolg genossen hat, was er eben noch durchgemacht hat, das sieht er gleichsam versinken, und so versinken, daß er es nicht halten kann, weil er die Kraft nicht hat, es zu halten. Daß wir im Leben uns verlieren, wenn wir, ohne Geist-Erkenntnis, ins Glück und in den Erfolg hineinsteuern, das kann durch ein solches Aufwachen ganz besonders vor unsere Seele treten. Denn diejenigen Momente — das erkennt man durch die Geisteswissenschaft —, die wir in Glück und Erfolg erringen, können nur dann zu wirklich stärkenden Kräften unseres ewigen, durch die Pforte des Todes in die Ewigkeit übergehenden Ich werden, wenn wir uns nicht verlieren, sondern uns im Erleben des Glückes erhalten. Geisteswissenschaft ist nicht dazu angetan, dem Menschen das Glück zu versauern oder zu verargen; kein Quentchen von Glück und Freude will die Geisteswissenschaft dem Menschen nehmen oder abschwächen. Worauf sie aber hindeuten will, ist, daß das Glück, welches ohne den charakterisierten Zusammenhang mit der Welt durchlebt wird, sich nicht verbinden kann in seinen Wirkungen mit den tiefsten Kräften unseres Ich. Denn für den, welcher so durch die Welt geht, daß er — ohne GeistErkenntnis — ungestärkt ist in bezug auf sein Ich, kommt weiter nichts aus dem Glück heraus als nur die Sehnsucht nach neuem Glück, und aus diesem wiederum nur Sehnsucht nach weiterem Glück. Er nimmt nicht aus dem einen Glückserlebnis die stärkenden Kräfte mit für alles folgende Leben. Wer aber in das Glück diejenigen Kräfte hineinträgt, die sich ihm erschließen, wenn er geistige Erkenntnis sucht, der saugt aus dem Glück erhaltende, belebende Kraft, die er in sein Ich hineinträgt, weil er es durch die Geisteswissenschaft gestärkt hat; und er trägt, was ihm Glück und Erfolg geben können, für alle Ewigkeiten mit sich.
[ 19 ] Und ähnlich ist es mit dem Schmerz, mit Leid und Mißerfolg. Wieder können wir von jener Geist-Erkenntnis ausgehen, die uns Antwort gibt auf die Frage: Was stellt sich dem Menschen dar, wenn er im Momente des größten Schmerzerleidens plötzlich aufwachen würde, wenn er schauen würde, was als geistige Welt da ist? Er würde dann sehen die Wirkung des Zurückzuckens von der Welt, des krampfhaften Sichzusammenziehens; er würde sehen Verfinsterung desjenigen, was um ihn herum ist. Geistige Verfinsterung würde der Mensch wahrnehmen, wenn er ohne Geist-Erkenntnis plötzlich aufwachen würde. Diese Verfinsterung verwandelt sich wiederum für den, der eine durch Geisteswissenschaft gestärkte Seele in den Schmerz hineinträgt; anders wird für ihn das Aufwachen, Licht ist es um eine solche Seele. Und also geistbewußt den Schmerz durchlebend, wird die Seele Sieger über den Schmerz, über alle Mißerfolge, und es geht die Frucht des Schmerzes, des Mißerfolges aus solchem Erleben für die Seele hervor. Diese Frucht ist Erhöhung der Erkenntnis, ist Durchdringung der Erkenntnis mit dem Bewußtsein von dem geistigen Leben.
[ 19 ] Und ähnlich ist es mit dem Schmerz, mit Leid und Mißerfolg. Wieder können wir von jener Geist-Erkenntnis ausgehen, die uns Antwort gibt auf die Frage: Was stellt sich dem Menschen dar, wenn er im Momente des größten Schmerzerleidens plötzlich aufwachen würde, wenn er schauen würde, was als geistige Welt da ist? Er würde dann sehen die Wirkung des Zurückzuckens von der Welt, des krampfhaften Sichzusammenziehens; er würde sehen Verfinsterung desjenigen, was um ihn herum ist. Geistige Verfinsterung würde der Mensch wahrnehmen, wenn er ohne Geist-Erkenntnis plötzlich aufwachen würde. Diese Verfinsterung verwandelt sich wiederum für den, der eine durch Geisteswissenschaft gestärkte Seele in den Schmerz hineinträgt; anders wird für ihn das Aufwachen, Licht ist es um eine solche Seele. Und also geistbewußt den Schmerz durchlebend, wird die Seele Sieger über den Schmerz, über alle Mißerfolge, und es geht die Frucht des Schmerzes, des Mißerfolges aus solchem Erleben für die Seele hervor. Diese Frucht ist Erhöhung der Erkenntnis, ist Durchdringung der Erkenntnis mit dem Bewußtsein von dem geistigen Leben.
[ 20 ] Weil es so ist, deshalb habe ich öfter hier in diesen Vorträgen ein Erlebnis, eine Erfahrung angeführt, die der Geistesforscher durchmachen kann. Glück und Freude kommen ja im Grunde genommen immer — oder wenigstens meistens — von außen an unsere Seele heran. Sie sind wie etwas, was uns entgentritt. Indem wir bei unserm Schmerz, bei unserm Leid in unserm Erleben aufgehen, ziehen wir uns in uns selber zurück. Das Glück möchten wir erhaschen, den Schmerz möchten wir fliehen; aber wir könnten ihm nur entfliehen, indem wir uns in uns selber zusammenkrampfen. Nun könnte man denjenigen, der einige Geist-Erkenntnis in seiner Seele aufgesammelt hat, fragen: Was möchtest du in deinem Leben lieber missen: was du an Glück und Freude erlebt hast — oder was du an Schmerz und Leid, ja an Mißerfolgen selbst erfahren hast? Und der Geist-Erkennende wird darauf zur Antwort geben: Dankbar, herzlich dankbar bin ich den geistigen Welten, daß sie mir mein Glück und meine Freude gesendet haben; soll ich aber wählen, was ich lieber in meinem Leben missen würde — Glück oder Schmerz, so würde ich lieber das Glück missen; denn ich kann dem Glück zwar viel verdanken, was mir aber an Licht über die Welt geworden ist, das verdanke ich meinen durchlebten Mißerfolgen; und was ich mit meiner Erkenntnis geworden bin, das bin ich durch meine erlebten Schmerzen geworden, und im wahren Sinne des Wortes muß ich sagen: Gefunden habe ich mich durch meine Schmerzen, harmonisch hingeordnet zur Welt habe ich mich durch meine Schmerzerlebnisse!
[ 20 ] Weil es so ist, deshalb habe ich öfter hier in diesen Vorträgen ein Erlebnis, eine Erfahrung angeführt, die der Geistesforscher durchmachen kann. Glück und Freude kommen ja im Grunde genommen immer — oder wenigstens meistens — von außen an unsere Seele heran. Sie sind wie etwas, was uns entgentritt. Indem wir bei unserm Schmerz, bei unserm Leid in unserm Erleben aufgehen, ziehen wir uns in uns selber zurück. Das Glück möchten wir erhaschen, den Schmerz möchten wir fliehen; aber wir könnten ihm nur entfliehen, indem wir uns in uns selber zusammenkrampfen. Nun könnte man denjenigen, der einige Geist-Erkenntnis in seiner Seele aufgesammelt hat, fragen: Was möchtest du in deinem Leben lieber missen: was du an Glück und Freude erlebt hast — oder was du an Schmerz und Leid, ja an Mißerfolgen selbst erfahren hast? Und der Geist-Erkennende wird darauf zur Antwort geben: Dankbar, herzlich dankbar bin ich den geistigen Welten, daß sie mir mein Glück und meine Freude gesendet haben; soll ich aber wählen, was ich lieber in meinem Leben missen würde — Glück oder Schmerz, so würde ich lieber das Glück missen; denn ich kann dem Glück zwar viel verdanken, was mir aber an Licht über die Welt geworden ist, das verdanke ich meinen durchlebten Mißerfolgen; und was ich mit meiner Erkenntnis geworden bin, das bin ich durch meine erlebten Schmerzen geworden, und im wahren Sinne des Wortes muß ich sagen: Gefunden habe ich mich durch meine Schmerzen, harmonisch hingeordnet zur Welt habe ich mich durch meine Schmerzerlebnisse!
[ 21 ] So gründlich lernt der Mensch umerkennen über Schmerz und Glück, wenn er sein Verhältnis zur geistigen Erkenntnis gewonnen hat. Und wenn wir uns fragen: Was also ist es, was, man möchte sagen, wie ein Lebenselixier, wie eine lebendige Kraft des Lebens in die Seele dadurch einfließt, daß der Mensch die geistig-göttlichen Kräfte in die Seele einströmen läßt und sie mit geistiger Erkenntnis erfüllt? so können wir sagen: Es fließen ein in die Seele Ruhe, Gleichgewicht und Sicherheit — solche Ruhe, solches Gleichgewicht, solche Sicherheit, daß nun dadurch Glück und Leid, Erfolge und Mißerfolge etwas ganz Neues werden für das Leben.
[ 21 ] So gründlich lernt der Mensch umerkennen über Schmerz und Glück, wenn er sein Verhältnis zur geistigen Erkenntnis gewonnen hat. Und wenn wir uns fragen: Was also ist es, was, man möchte sagen, wie ein Lebenselixier, wie eine lebendige Kraft des Lebens in die Seele dadurch einfließt, daß der Mensch die geistig-göttlichen Kräfte in die Seele einströmen läßt und sie mit geistiger Erkenntnis erfüllt? so können wir sagen: Es fließen ein in die Seele Ruhe, Gleichgewicht und Sicherheit — solche Ruhe, solches Gleichgewicht, solche Sicherheit, daß nun dadurch Glück und Leid, Erfolge und Mißerfolge etwas ganz Neues werden für das Leben.
[ 22 ] Was werden sie? — Nun, das Glück wird, weil wir durch das Glück unsern Zusammenhalt mit der Außenwelt haben, eine Stärkung unseres ganzen Wesens; in unser Gefühl, in unser Gemüt und in unsere Willensimpulse fließt das Glück ein. Wir verdämmern uns nicht das Glück, wir versauern es uns nicht; wir verachten nicht das Glück. Wir nehmen es hin — dankbar — aus den Händen der Weltenmächte, aber wir durchschreiten es so, daß wir ewige Früchte am Baume des Glückes pflücken, Früchte für unsern Willen, Früchte für unser Gemüt. Und wer in die Lage kommt, also das Glück zu genießen, er kann erfahren, daß er an diesem Glück wahrhaftig nicht weniger erlebt als derjenige, der geistunbewußt das Glück durchmacht. Feiner und intimer sind die Glückserlebnisse; feiner und intimer deshalb, weil sie uns gleichsam die Fenster geben in eine geistige Welt hinein, weil sie zur Vermittelung jener Stärkung unserer Seele werden, die uns aus den geistigen Welten kommen kann.
[ 22 ] Was werden sie? — Nun, das Glück wird, weil wir durch das Glück unsern Zusammenhalt mit der Außenwelt haben, eine Stärkung unseres ganzen Wesens; in unser Gefühl, in unser Gemüt und in unsere Willensimpulse fließt das Glück ein. Wir verdämmern uns nicht das Glück, wir versauern es uns nicht; wir verachten nicht das Glück. Wir nehmen es hin — dankbar — aus den Händen der Weltenmächte, aber wir durchschreiten es so, daß wir ewige Früchte am Baume des Glückes pflücken, Früchte für unsern Willen, Früchte für unser Gemüt. Und wer in die Lage kommt, also das Glück zu genießen, er kann erfahren, daß er an diesem Glück wahrhaftig nicht weniger erlebt als derjenige, der geistunbewußt das Glück durchmacht. Feiner und intimer sind die Glückserlebnisse; feiner und intimer deshalb, weil sie uns gleichsam die Fenster geben in eine geistige Welt hinein, weil sie zur Vermittelung jener Stärkung unserer Seele werden, die uns aus den geistigen Welten kommen kann.
[ 23 ] Und wenn wir also in den Schmerz untertauchen? Wahrhaftig, nicht ein sentimentales Trostmittel für des Lebens Schmerzen soll Geisteswissenschaft werden; nicht zum Flachling kann die Geisteswissenschaft den Menschen machen. Was uns Schmerz bereitet, das muß uns Schmerz bereiten, das ist heilsam; denn es stählt der Schmerz das Leben, es stählt der Schmerz die Kraft. Also nicht über den Schmerz hinwegheben will die Geisteswissenschaft. Im Gegenteil; man wird noch tiefer in ihn hineindringen, man wird sein Wesen so recht auskosten müssen, gerade wenn man geisterkennend geworden ist. Aber wie uns aus dem Glück die Stärkung des Willens und des Gemütes kommen kann, so wird aus dem Schmerz herausdringen die Stärkung der Erkenntnis, die Sicherheit der Erkenntnis, und die Stärkung und Sicherheit eines anderen Teiles des Gemütes, mehr, als es durch das Glück sein kann. Wie der, welcher als Märtyrer über den Schmerz des Lebens dahinstirbt, uns wunderbar ergreifend den Sieg des Lichtes über die Finsternis des Lebens zeigt, so nimmt der Mensch, indem er sein geistbewußtes Ich in den Schmerz hineinträgt, selber wahr, wie das geistbewußte Ich sich erhebt über den Schmerz, aber, indem es sich über ihn erhebt, immer leuchtender und leuchtender wird und sich mit jenem Lichte erfüllt, das da eine Leuchte ist im Lebenssturm und im Daseinskampf.
[ 23 ] Und wenn wir also in den Schmerz untertauchen? Wahrhaftig, nicht ein sentimentales Trostmittel für des Lebens Schmerzen soll Geisteswissenschaft werden; nicht zum Flachling kann die Geisteswissenschaft den Menschen machen. Was uns Schmerz bereitet, das muß uns Schmerz bereiten, das ist heilsam; denn es stählt der Schmerz das Leben, es stählt der Schmerz die Kraft. Also nicht über den Schmerz hinwegheben will die Geisteswissenschaft. Im Gegenteil; man wird noch tiefer in ihn hineindringen, man wird sein Wesen so recht auskosten müssen, gerade wenn man geisterkennend geworden ist. Aber wie uns aus dem Glück die Stärkung des Willens und des Gemütes kommen kann, so wird aus dem Schmerz herausdringen die Stärkung der Erkenntnis, die Sicherheit der Erkenntnis, und die Stärkung und Sicherheit eines anderen Teiles des Gemütes, mehr, als es durch das Glück sein kann. Wie der, welcher als Märtyrer über den Schmerz des Lebens dahinstirbt, uns wunderbar ergreifend den Sieg des Lichtes über die Finsternis des Lebens zeigt, so nimmt der Mensch, indem er sein geistbewußtes Ich in den Schmerz hineinträgt, selber wahr, wie das geistbewußte Ich sich erhebt über den Schmerz, aber, indem es sich über ihn erhebt, immer leuchtender und leuchtender wird und sich mit jenem Lichte erfüllt, das da eine Leuchte ist im Lebenssturm und im Daseinskampf.
[ 24 ] Nicht Erkenntnis allein gibt uns die Geisteswissenschaft. Was sie uns gibt, das ist zunächst nur Ursache. Die Wirkung ist aber ein durch Lebensgleichgewicht und Lebensruhe gestärktes Ich, die Gewinnung eines ruhenden Poles in der Erscheinungen Flucht. Das Wichtigste aber ist die Lebensenergie, die uns Geisteswissenschaft gibt, und das Bewußtsein, durch das wir uns sagen: Durch deine Anstrengungen in der Geisteswissenschaft erlangst du nicht nur das, was sich dir zuletzt darstellt als Erkenntnis; du hast Erkenntnis angestrebt, aber du hast sie nur hervorgeholt aus den Tiefen deiner Seele, weil du die Seele leer haben wolltest; und jetzt zeigt sich dir, daß sie voll wurde, daß das göttlich-geistige Leben gnadenvoll in die Tiefen deines Wesens einströmt, dich sicher macht und harmonisch im Leben. Damit ist als Wirkung der Geisteswissenschaft eine tief religiöse Stimmung gekennzeichnet, ein Gefühl, für das die Seele durchwallende Göttliche in dieser Seele. Und wir werden erfüllt von Dankesstimmung, von einer fortdauernden Gebetsstimmung dem gegenüber, was die Welt durchquellt, wenn wir die Seele freigemacht haben für das, was in sie einströmen kann, wenn wir erkennen, wie das Göttliche, wenn wir ihm die Stätte bereitet haben, wirklich eins wird mit unserer Seele — ganz nach den Forderungen eines Meister Eckhart, eines Johannes Tauler, Jacob Böhme, Angelus Silesius. Und indem wir uns so in eine erwartende Stimmung versetzen, gleichsam in die Leerheit unserer Seele, bereiten wir uns. die Möglichkeit, daß in den Lebensintuitionen, Lebensinspirationen dasjenige unser Gemüt durchwärmt und durchpulst, was uns das Rechte tun läßt. Wir erkennen uns als Werkzeug der Weltengeister, die zu uns in ein Verhältnis treten wollen. Das aber gibt dem Leben Reichtum und Sicherheit, die unverlierbar sind.
[ 24 ] Nicht Erkenntnis allein gibt uns die Geisteswissenschaft. Was sie uns gibt, das ist zunächst nur Ursache. Die Wirkung ist aber ein durch Lebensgleichgewicht und Lebensruhe gestärktes Ich, die Gewinnung eines ruhenden Poles in der Erscheinungen Flucht. Das Wichtigste aber ist die Lebensenergie, die uns Geisteswissenschaft gibt, und das Bewußtsein, durch das wir uns sagen: Durch deine Anstrengungen in der Geisteswissenschaft erlangst du nicht nur das, was sich dir zuletzt darstellt als Erkenntnis; du hast Erkenntnis angestrebt, aber du hast sie nur hervorgeholt aus den Tiefen deiner Seele, weil du die Seele leer haben wolltest; und jetzt zeigt sich dir, daß sie voll wurde, daß das göttlich-geistige Leben gnadenvoll in die Tiefen deines Wesens einströmt, dich sicher macht und harmonisch im Leben. Damit ist als Wirkung der Geisteswissenschaft eine tief religiöse Stimmung gekennzeichnet, ein Gefühl, für das die Seele durchwallende Göttliche in dieser Seele. Und wir werden erfüllt von Dankesstimmung, von einer fortdauernden Gebetsstimmung dem gegenüber, was die Welt durchquellt, wenn wir die Seele freigemacht haben für das, was in sie einströmen kann, wenn wir erkennen, wie das Göttliche, wenn wir ihm die Stätte bereitet haben, wirklich eins wird mit unserer Seele — ganz nach den Forderungen eines Meister Eckhart, eines Johannes Tauler, Jacob Böhme, Angelus Silesius. Und indem wir uns so in eine erwartende Stimmung versetzen, gleichsam in die Leerheit unserer Seele, bereiten wir uns. die Möglichkeit, daß in den Lebensintuitionen, Lebensinspirationen dasjenige unser Gemüt durchwärmt und durchpulst, was uns das Rechte tun läßt. Wir erkennen uns als Werkzeug der Weltengeister, die zu uns in ein Verhältnis treten wollen. Das aber gibt dem Leben Reichtum und Sicherheit, die unverlierbar sind.
[ 25 ] Was ist es denn, was da in unsere leere Seele hereinzieht? Was ist das, was die Seele in ihrem Wesen verbindet mit dem, was eben ihres Wesens ist? Das Göttlich-Geistige zieht in sie herein. Dann erst kann die Seele des Göttlich-Geistigen bewußt werden. Denn unbewußt bleibt es in der Tiefe des Schlafes, wenn Ich und astralischer Leib ausgeatmer sind, unbewußt bleibt es auch im Wachleben, weil es dann übertönt, überleuchtet wird von den äußeren Eindrücken des physischen Daseins. Wenn aber Geist-Erkenntnis uns erfüllt, dann werden wir lebendig des ewig Lebendigen in unserer Seele gewahr, und dann finden wir den Weg, um in der rechten Weise zusammenzuwachsen mit dem, was uns im Leben durch den Lebensstrom hindurchträgt.
[ 25 ] Was ist es denn, was da in unsere leere Seele hereinzieht? Was ist das, was die Seele in ihrem Wesen verbindet mit dem, was eben ihres Wesens ist? Das Göttlich-Geistige zieht in sie herein. Dann erst kann die Seele des Göttlich-Geistigen bewußt werden. Denn unbewußt bleibt es in der Tiefe des Schlafes, wenn Ich und astralischer Leib ausgeatmer sind, unbewußt bleibt es auch im Wachleben, weil es dann übertönt, überleuchtet wird von den äußeren Eindrücken des physischen Daseins. Wenn aber Geist-Erkenntnis uns erfüllt, dann werden wir lebendig des ewig Lebendigen in unserer Seele gewahr, und dann finden wir den Weg, um in der rechten Weise zusammenzuwachsen mit dem, was uns im Leben durch den Lebensstrom hindurchträgt.
[ 26 ] Was aber trägt uns seelisch durch den Lebensstrom hindurch? Ein Wort deutet es uns an, ein Wort, inhaltsschwer: das menschliche Schicksal. Wie fassen wir, solange wir nur an den Äußerlichkeiten des materiellen Daseins haften, solange wir nur diese Äußerlichkeiten zusammenfassen wollen mit dem kombinierenden, an das Gehirn gebundenen Verstand, wie fassen wir da das Schicksal auf? Wir fassen es auf als etwas, was uns trifft, was an uns herankommt; wir reden von den «Zufälligkeiten» des Lebens. Schon in einem der letzten Vorträge wurde hier erwähnt, wie sich schon, ohne daß man an die Geisteswissenschaft heranstreift, diese Zufälligkeiten des Lebens ausnehmen. Wenn wir uns in irgendeinem Momente des Lebens prüfen, was wir eigentlich sind, was wir geworden sind, und dann in unserm Leben zurückblicken bis zu einem gewissen Zeitpunkt nach unserer Geburt, dann finden wir, daß wir das, was wir sind, dadurch geworden sind, daß gewisse Schicksalszufälle über unser Ich gekommen sind. Da haben wir vielleicht einmal während unserer Jugend rechte Mißerfolge gehabt: Als wir eine gewöhnliche Aufgabe der Schule zu lösen hatten, haben wir sie nicht lösen können, oder wir haben sie falsch gelöst; dadurch aber, daß wir sie falsch gelöst haben, hat dies für uns diese oder jene Folgen gehabt. Diese Folgen haben sich aber tief in unsere Seele eingegraben; sie sitzen jetzt noch, im Alter, in unserer Seele drinnen. Daß wir in einem bestimmten Falle des Lebens einen raschen Entschluß fassen können, das ist aber die Folge dessen, was uns früher Mißerfolg gebracht hat. So haben wir dadurch unsere Kräfte stärken können. Was wir jetzt sind, das verdanken wir dem, was uns schicksalsmäßig zugefallen ist.
[ 26 ] Was aber trägt uns seelisch durch den Lebensstrom hindurch? Ein Wort deutet es uns an, ein Wort, inhaltsschwer: das menschliche Schicksal. Wie fassen wir, solange wir nur an den Äußerlichkeiten des materiellen Daseins haften, solange wir nur diese Äußerlichkeiten zusammenfassen wollen mit dem kombinierenden, an das Gehirn gebundenen Verstand, wie fassen wir da das Schicksal auf? Wir fassen es auf als etwas, was uns trifft, was an uns herankommt; wir reden von den «Zufälligkeiten» des Lebens. Schon in einem der letzten Vorträge wurde hier erwähnt, wie sich schon, ohne daß man an die Geisteswissenschaft heranstreift, diese Zufälligkeiten des Lebens ausnehmen. Wenn wir uns in irgendeinem Momente des Lebens prüfen, was wir eigentlich sind, was wir geworden sind, und dann in unserm Leben zurückblicken bis zu einem gewissen Zeitpunkt nach unserer Geburt, dann finden wir, daß wir das, was wir sind, dadurch geworden sind, daß gewisse Schicksalszufälle über unser Ich gekommen sind. Da haben wir vielleicht einmal während unserer Jugend rechte Mißerfolge gehabt: Als wir eine gewöhnliche Aufgabe der Schule zu lösen hatten, haben wir sie nicht lösen können, oder wir haben sie falsch gelöst; dadurch aber, daß wir sie falsch gelöst haben, hat dies für uns diese oder jene Folgen gehabt. Diese Folgen haben sich aber tief in unsere Seele eingegraben; sie sitzen jetzt noch, im Alter, in unserer Seele drinnen. Daß wir in einem bestimmten Falle des Lebens einen raschen Entschluß fassen können, das ist aber die Folge dessen, was uns früher Mißerfolg gebracht hat. So haben wir dadurch unsere Kräfte stärken können. Was wir jetzt sind, das verdanken wir dem, was uns schicksalsmäßig zugefallen ist.
[ 27 ] Wenn wir diese Erkenntnis verfolgen, so können wir schon, ohne die Geist-Erkenntnis zu streifen, die Identifizierung des Lebens, unseres Ich, mit dem Schicksal finden. Wir sind unser Schicksal; denn unser Schicksal hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Erweitern wir diese Erkenntnis zu dem geisteswissenschaftlichen Erkennen, daß wir in Glück und Leid unser Ich in die Schicksalszufälle heraustragen, dann treten wir in die Schicksalszufälle ein. Und während wir sonst bei Glück und Leid finden: Wir müssen uns gleichsam von Glück und Leid absondern, wir dürfen nicht untergehen in ihm, so werden wir nun, wenn wir unser Schicksal, alles, was uns schicksalsmäßig trifft, betrachten, gerade das Gegenteil finden: Es hat an uns und durch uns selbst herankommen müssen! Denn alles, was das Schicksal gemacht hat, ist innig mit unserm Ich verbunden. Allmählich geschieht für unser Bewußtsein eine Vereinigung mit dem Schicksal: Wir wachsen mit dem Schicksal zusammen, wir tragen unser Ich in den Gang unseres Schicksals hinein. Wir kommen los von uns. Wir treten ein in unser Schicksal, wir gehen hinaus in den Gang der Welt. Wir werden Eins mit dem Gang der Welt, treten ein in den Strom des Lebens selber; wir gehen selbstlos auf in dem, was wir sonst nur mit Sympathie und Antipathie betrachten. Während wir sonst mit Sympathie einen Glücksfall, mit Antipathie einen Unglücksfall betrachtet haben, werden wir von nun an dem Schicksal gegenüber wissen: Da bist ja du selbst drinnen, und wärest du nicht da drinnen, so würdest du nicht geworden sein, was du jetzt bist!
[ 27 ] Wenn wir diese Erkenntnis verfolgen, so können wir schon, ohne die Geist-Erkenntnis zu streifen, die Identifizierung des Lebens, unseres Ich, mit dem Schicksal finden. Wir sind unser Schicksal; denn unser Schicksal hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Erweitern wir diese Erkenntnis zu dem geisteswissenschaftlichen Erkennen, daß wir in Glück und Leid unser Ich in die Schicksalszufälle heraustragen, dann treten wir in die Schicksalszufälle ein. Und während wir sonst bei Glück und Leid finden: Wir müssen uns gleichsam von Glück und Leid absondern, wir dürfen nicht untergehen in ihm, so werden wir nun, wenn wir unser Schicksal, alles, was uns schicksalsmäßig trifft, betrachten, gerade das Gegenteil finden: Es hat an uns und durch uns selbst herankommen müssen! Denn alles, was das Schicksal gemacht hat, ist innig mit unserm Ich verbunden. Allmählich geschieht für unser Bewußtsein eine Vereinigung mit dem Schicksal: Wir wachsen mit dem Schicksal zusammen, wir tragen unser Ich in den Gang unseres Schicksals hinein. Wir kommen los von uns. Wir treten ein in unser Schicksal, wir gehen hinaus in den Gang der Welt. Wir werden Eins mit dem Gang der Welt, treten ein in den Strom des Lebens selber; wir gehen selbstlos auf in dem, was wir sonst nur mit Sympathie und Antipathie betrachten. Während wir sonst mit Sympathie einen Glücksfall, mit Antipathie einen Unglücksfall betrachtet haben, werden wir von nun an dem Schicksal gegenüber wissen: Da bist ja du selbst drinnen, und wärest du nicht da drinnen, so würdest du nicht geworden sein, was du jetzt bist!
[ 28 ] Was ich eben ausgeführt habe, das ist leichter gesagt, als im Leben durchgeführt. Wenn aber der Mensch sein Ich hineinträgt in den Lauf des Schicksals, dann wird die Schicksalsfrage zu etwas ganz anderem, als sie sonst im gewöhnlichen Leben ist. Dann wird sie zu etwas Lebendigem im Leben, dann facht sie in uns Kräfte an. Wie die Erkenntnis unsere Seele leer macht und göttlich-geistige Kräfte in uns einfließen können, so daß wir uns selbst erkraftet fühlen können, so fließt jetzt — während das Ich sonst leer war für die Schicksalsfälle — dadurch, daß wir unser Ich in das Schicksal hinaustragen, in dieses Ich dasjenige hinein, was durch Tod und Geburt geht, was uns in frühere Erdenleben zurückführt und uns zeigt, wie dieses jetzige Erdenleben der Ausgangspunkt neuerer Erdenleben ist. Kein anderer Weg ist es, durch den der Mensch Eins werden kann mit seiner ewigen Natur und Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, als der, Eins zu werden mit dem Strome des Schicksals, Eins zu werden durch die Erkenntnis, daß wir uns unser Schicksal oftmals schon zubereitet haben, und daß wir uns unser Schicksal für dieses Dasein zubereitet haben in den früheren Leben. Wir werden Eins mit dem, was uns im Innern der Seele mit dem Geist verbindet. Während wir sonst ein Mensch sind, der gleichsam auf einem unendlichen Meere in einem Kahne schwimmt und nichts weiß als das, was in diesem Kahne oder in seiner nächsten Nähe vor sich geht, erfährt der Mensch durch Geist-Erkenntnis, daß in diesem Meere nicht nur der eine Kahn ist; sondern viele Kähne sieht er nach der einen Richtung, viele Kähne nach der andern Richtung, und er weiß dann, daß sein Leben in diesem einen Kahne — zwischen Geburt und Tod — für eine gewisse Zeit währt, daß er aber dann, enthoben den Kräften, die ihn an das Leben in diesem Kahne fesseln, ein Leben in der geistigen Welt durchmacht, nach einiger Zeit aber wieder in einem anderen Kahne ist —, wie er weiß, daß er vorher in einem anderen Kahne war. Wie man unsicher wäre, wenn man nur an den einen Kahn sich gefesselt fühlte, wie man aber sicher wird, wenn man weiß, man kann zu bestimmter Zeit von dem einen Kahn in den andern fliehen, so wird das Leben in dem ewigen Strome des Daseins sicher, wenn wir uns in dieser Weise in das Schicksal hineinstellen, daß wir uns in unserm Ich mit dem Schicksal identifizieren. Was wir im Leben erfahren, was als unser Karma, als unser Schicksal aa uns herantritt, es wird zu demjenigen, was wir im Leben geworden sind. Wir lernen die Schicksalsfrage erkennen als die Vervollkommnungsfrage unserer Seele. Wir sagen uns dann: Erlebst du Leid, Schmerz, Mißerfolg, so durchdringen diese Leiden, Schmerzen, Mißerfolge deine Seele, machen sie stärker in jenem Teil, wo die bewußten Kräfte sind, und du gehst mit der gestärkten Seele durch die Todespforte durch und trittst mit den gestärkten Kräften in ein anderes Leben ein. Ist die Schicksalsfrage sonst eine solche, die uns Dunkelheit über das Leben ausbreitet, so wird sie eine Vervollkommnungsfrage für unsere Seele, sobald wir sie mit Geist-Erkenntnis durchdringen; und über das Leben ergießt sich innere Ruhe, wenn wir also an die Schicksalsfrage heranzutreten vermögen. Man kann sagen: Was im Leben an den Menschen herantreten kann, was das Leben notwendig von den Menschen fordert, all das erscheint in einem neuen Lichte, und alledem tritt der Mensch mit einer neuen Kraft entgegen, wenn er den Eintritt der göttlich-geistigen Kräfte in seine Seele dadurch ermöglicht, daß er den bewußten Teil der Kräfte seiner Seele mit Geist-Erkenntnis ausfüllt. Daher ist Geist-Erkenntnis nicht bloße theoretische Erkenntnis, nicht etwas, das wir nur in Begriffen und Ideen aufnehmen; sondern indem wir sie in Begriffen und Ideen aufnehmen, machen wir unsere Seele zu etwas anderem. Wir «beweisen» nicht die Unsterblichkeit der Seele durch die Geisteswissenschaft, sondern wir bereiten, indem wir uns der Geisteswissenschaft hingeben, die Seele so vor, daß sie sich in ihrer lebendigen Natur erlebt und so ihr Unsterbliches erlebt. Ein neues Leben, ein auferwecktes Leben gibt Geisteswissenschaft der Menschenseele.
[ 28 ] Was ich eben ausgeführt habe, das ist leichter gesagt, als im Leben durchgeführt. Wenn aber der Mensch sein Ich hineinträgt in den Lauf des Schicksals, dann wird die Schicksalsfrage zu etwas ganz anderem, als sie sonst im gewöhnlichen Leben ist. Dann wird sie zu etwas Lebendigem im Leben, dann facht sie in uns Kräfte an. Wie die Erkenntnis unsere Seele leer macht und göttlich-geistige Kräfte in uns einfließen können, so daß wir uns selbst erkraftet fühlen können, so fließt jetzt — während das Ich sonst leer war für die Schicksalsfälle — dadurch, daß wir unser Ich in das Schicksal hinaustragen, in dieses Ich dasjenige hinein, was durch Tod und Geburt geht, was uns in frühere Erdenleben zurückführt und uns zeigt, wie dieses jetzige Erdenleben der Ausgangspunkt neuerer Erdenleben ist. Kein anderer Weg ist es, durch den der Mensch Eins werden kann mit seiner ewigen Natur und Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, als der, Eins zu werden mit dem Strome des Schicksals, Eins zu werden durch die Erkenntnis, daß wir uns unser Schicksal oftmals schon zubereitet haben, und daß wir uns unser Schicksal für dieses Dasein zubereitet haben in den früheren Leben. Wir werden Eins mit dem, was uns im Innern der Seele mit dem Geist verbindet. Während wir sonst ein Mensch sind, der gleichsam auf einem unendlichen Meere in einem Kahne schwimmt und nichts weiß als das, was in diesem Kahne oder in seiner nächsten Nähe vor sich geht, erfährt der Mensch durch Geist-Erkenntnis, daß in diesem Meere nicht nur der eine Kahn ist; sondern viele Kähne sieht er nach der einen Richtung, viele Kähne nach der andern Richtung, und er weiß dann, daß sein Leben in diesem einen Kahne — zwischen Geburt und Tod — für eine gewisse Zeit währt, daß er aber dann, enthoben den Kräften, die ihn an das Leben in diesem Kahne fesseln, ein Leben in der geistigen Welt durchmacht, nach einiger Zeit aber wieder in einem anderen Kahne ist —, wie er weiß, daß er vorher in einem anderen Kahne war. Wie man unsicher wäre, wenn man nur an den einen Kahn sich gefesselt fühlte, wie man aber sicher wird, wenn man weiß, man kann zu bestimmter Zeit von dem einen Kahn in den andern fliehen, so wird das Leben in dem ewigen Strome des Daseins sicher, wenn wir uns in dieser Weise in das Schicksal hineinstellen, daß wir uns in unserm Ich mit dem Schicksal identifizieren. Was wir im Leben erfahren, was als unser Karma, als unser Schicksal aa uns herantritt, es wird zu demjenigen, was wir im Leben geworden sind. Wir lernen die Schicksalsfrage erkennen als die Vervollkommnungsfrage unserer Seele. Wir sagen uns dann: Erlebst du Leid, Schmerz, Mißerfolg, so durchdringen diese Leiden, Schmerzen, Mißerfolge deine Seele, machen sie stärker in jenem Teil, wo die bewußten Kräfte sind, und du gehst mit der gestärkten Seele durch die Todespforte durch und trittst mit den gestärkten Kräften in ein anderes Leben ein. Ist die Schicksalsfrage sonst eine solche, die uns Dunkelheit über das Leben ausbreitet, so wird sie eine Vervollkommnungsfrage für unsere Seele, sobald wir sie mit Geist-Erkenntnis durchdringen; und über das Leben ergießt sich innere Ruhe, wenn wir also an die Schicksalsfrage heranzutreten vermögen. Man kann sagen: Was im Leben an den Menschen herantreten kann, was das Leben notwendig von den Menschen fordert, all das erscheint in einem neuen Lichte, und alledem tritt der Mensch mit einer neuen Kraft entgegen, wenn er den Eintritt der göttlich-geistigen Kräfte in seine Seele dadurch ermöglicht, daß er den bewußten Teil der Kräfte seiner Seele mit Geist-Erkenntnis ausfüllt. Daher ist Geist-Erkenntnis nicht bloße theoretische Erkenntnis, nicht etwas, das wir nur in Begriffen und Ideen aufnehmen; sondern indem wir sie in Begriffen und Ideen aufnehmen, machen wir unsere Seele zu etwas anderem. Wir «beweisen» nicht die Unsterblichkeit der Seele durch die Geisteswissenschaft, sondern wir bereiten, indem wir uns der Geisteswissenschaft hingeben, die Seele so vor, daß sie sich in ihrer lebendigen Natur erlebt und so ihr Unsterbliches erlebt. Ein neues Leben, ein auferwecktes Leben gibt Geisteswissenschaft der Menschenseele.
[ 29 ] In einigen kurzen Strichen versuchte ich zu zeigen, daß die Geisteswissenschaft wie ein wirkliches Lebenselixier der Seele werden kann. Und wer da den Gang des deutschen Geisteslebens verfolgt, kann durch die innere Natur und Wesenheit dieses Geisteslebens selber erkennen, daß dieses Geistesleben eine Vorbereitung ist, um zur Anerkennung einer wirklichen, lebendigen Geisteswissenschaft zu kommen. Es ist das, was gestern als germanische Seelenhaftigkeit, als deutsches Geistesleben dargestellt worden ist, gleichsam ein Turnier der geistigen Kräfte, um zu demjenigen hinzukommen, was noch errungen werden kann — was insbesondere dadurch errungen werden kann, daß die ganze Volksseele sich gestärkt hat, indem sie zuerst danach gestrebt hat, solche Erkenntnisse, Vorstellungen und Ideen zu gewinnen, von denen gestern gesprochen worden ist. Eine Stärkung zu einem neuen Leben war dies alles. Aber im Leben steht alles in einem lebendigen inneren Zusammenhang. Daher darf der Glaube als berechtigt angesehen werden, daß dasjenige, was als eine vorbereitende, zum Leben stärkende Geist-Erkenntnis im deutschen Geistesleben hervorgetreten ist, was da an die Seele ausbildenden Kräften sich gezeigt hat, daß es nicht nur etwa in deutscher Philosophie und Literatur lebt, sondern daß es lebt in den innersten Wurzeln der deutschen Volkskraft. Das ist ja das Eigenartige der deutschen Volkskraft, daß sie uns, wo wir die deutsche Kunst, die deutsche Literatur, die deutsche Philosophie verfolgen, niemals so erscheint, als ob sie nur ein Schaum an der Oberfläche des Lebens wäre, sondern wie wenn sie immer wieder aus den Untergründen, aus den Bodenständen des Lebens hervordringen würde. Wir können auf die feinsten Leistungen des deutschen Geisteslebens blicken, wie es uns zum Beispiel in verfeinerter Weise bei Novalis entgegentritt, wir werden immer finden: Es geht ein Strom von diesem verfeinerten Leben hinunter bis in die Wurzeln des Volkstums. Hegelsche Philosophie ist gewiß für die meisten Menschen eine Geistesübung, die sie fliehen, weil es schwierig ist, sich in die kristallklaren, kristallkalten Gedankengänge hineinzufinden; aber so kristallklar und kristallkalt diese Gedankengänge auch sind, es gibt einen Weg von dem, was so abstrakt erscheint, bis hinunter zu den Wurzeln des Volkstums, aus dem jene Kräfte fließen, die im Osten und Westen unsere Hoffnung ausmachen auf eine völlige Rettung der deutschen Existenz gegen die anstürmenden Feinde. In einem lebendigen Organismus — und ein solcher lebendiger Organismus ist das, was wir als deutsches Geisteswesen bezeichnen —, gehört alles zusammen. Und wenn gesagt wird, daß auch andere Völker jetzt einig sind, so muß immer betont werden, was schon früher öfter hier betont worden ist: Was uns oft als dasselbe auf den verschiedenen Gebieten des Daseins entgegentritt, ist nicht immer dasselbe. In demjenigen, worauf wir hoffen, im deutschen Wesen, was das deutsche Wesen jetzt eint und stärkt und zu selbstlosem Tun aufruft, in dem lebt — wenn auch noch unbewußt — jene Kraft, die hervorsprudeln soll in dem lebenweckenden und lebenfördernden Geist-Erkennen; und weil diese Kraft darin lebt, unbewußt, ahnungsvoll, so haucht sie jetzt den Zauberhauch der Einheit in der Tat des deutschen Volkes aus. Daher dürfen wir hoffen, daß diese Einheit in der Tat das zeitigen werde, wohin in seiner Keimeskraft der deutsche Geist will. Und nichts anderes ist es, wohin der deutsche Geist will, als in Einheit erkennen physische und geistige Welt, in Einheit erkennen und in Einheit ordnen aus der Geist-Erkenntnis heraus alles Leben, der geistigen Welt wie der physischen Welt.
[ 29 ] In einigen kurzen Strichen versuchte ich zu zeigen, daß die Geisteswissenschaft wie ein wirkliches Lebenselixier der Seele werden kann. Und wer da den Gang des deutschen Geisteslebens verfolgt, kann durch die innere Natur und Wesenheit dieses Geisteslebens selber erkennen, daß dieses Geistesleben eine Vorbereitung ist, um zur Anerkennung einer wirklichen, lebendigen Geisteswissenschaft zu kommen. Es ist das, was gestern als germanische Seelenhaftigkeit, als deutsches Geistesleben dargestellt worden ist, gleichsam ein Turnier der geistigen Kräfte, um zu demjenigen hinzukommen, was noch errungen werden kann — was insbesondere dadurch errungen werden kann, daß die ganze Volksseele sich gestärkt hat, indem sie zuerst danach gestrebt hat, solche Erkenntnisse, Vorstellungen und Ideen zu gewinnen, von denen gestern gesprochen worden ist. Eine Stärkung zu einem neuen Leben war dies alles. Aber im Leben steht alles in einem lebendigen inneren Zusammenhang. Daher darf der Glaube als berechtigt angesehen werden, daß dasjenige, was als eine vorbereitende, zum Leben stärkende Geist-Erkenntnis im deutschen Geistesleben hervorgetreten ist, was da an die Seele ausbildenden Kräften sich gezeigt hat, daß es nicht nur etwa in deutscher Philosophie und Literatur lebt, sondern daß es lebt in den innersten Wurzeln der deutschen Volkskraft. Das ist ja das Eigenartige der deutschen Volkskraft, daß sie uns, wo wir die deutsche Kunst, die deutsche Literatur, die deutsche Philosophie verfolgen, niemals so erscheint, als ob sie nur ein Schaum an der Oberfläche des Lebens wäre, sondern wie wenn sie immer wieder aus den Untergründen, aus den Bodenständen des Lebens hervordringen würde. Wir können auf die feinsten Leistungen des deutschen Geisteslebens blicken, wie es uns zum Beispiel in verfeinerter Weise bei Novalis entgegentritt, wir werden immer finden: Es geht ein Strom von diesem verfeinerten Leben hinunter bis in die Wurzeln des Volkstums. Hegelsche Philosophie ist gewiß für die meisten Menschen eine Geistesübung, die sie fliehen, weil es schwierig ist, sich in die kristallklaren, kristallkalten Gedankengänge hineinzufinden; aber so kristallklar und kristallkalt diese Gedankengänge auch sind, es gibt einen Weg von dem, was so abstrakt erscheint, bis hinunter zu den Wurzeln des Volkstums, aus dem jene Kräfte fließen, die im Osten und Westen unsere Hoffnung ausmachen auf eine völlige Rettung der deutschen Existenz gegen die anstürmenden Feinde. In einem lebendigen Organismus — und ein solcher lebendiger Organismus ist das, was wir als deutsches Geisteswesen bezeichnen —, gehört alles zusammen. Und wenn gesagt wird, daß auch andere Völker jetzt einig sind, so muß immer betont werden, was schon früher öfter hier betont worden ist: Was uns oft als dasselbe auf den verschiedenen Gebieten des Daseins entgegentritt, ist nicht immer dasselbe. In demjenigen, worauf wir hoffen, im deutschen Wesen, was das deutsche Wesen jetzt eint und stärkt und zu selbstlosem Tun aufruft, in dem lebt — wenn auch noch unbewußt — jene Kraft, die hervorsprudeln soll in dem lebenweckenden und lebenfördernden Geist-Erkennen; und weil diese Kraft darin lebt, unbewußt, ahnungsvoll, so haucht sie jetzt den Zauberhauch der Einheit in der Tat des deutschen Volkes aus. Daher dürfen wir hoffen, daß diese Einheit in der Tat das zeitigen werde, wohin in seiner Keimeskraft der deutsche Geist will. Und nichts anderes ist es, wohin der deutsche Geist will, als in Einheit erkennen physische und geistige Welt, in Einheit erkennen und in Einheit ordnen aus der Geist-Erkenntnis heraus alles Leben, der geistigen Welt wie der physischen Welt.
[ 30 ] In Einheit erkennen - o, es heißt dies viel! Viel auch in den äußeren Lebensgebieten. In schweren, ernsten Zeiten leben wir. Es werden auch Zeiten wiederkommen müssen, in denen wir unter anderen Verhältnissen leben, in denen die Menschen wieder friedevoll, aber hingegeben dem Ringen nach geistigen Gütern leben werden, demjenigen hingegeben, was doch schließlich im Leben den größten Teil der Zeit erfüllen muß. Und Kraft wird da sein müssen, so stark, wie die jetzige Kraft ist, wenn die Kultursonne richtig wärmen soll, die sich aus jener Dämmerung entwickeln muß, die wir jetzt durchleben. Was für Menschen können dann da sein, wenn die Menschheit sich ein wenig mit Geist-Erkenntnis durchdringt, wenn sie ein wenig zusammenfaßt das Geistige mit dem Physischen?
[ 30 ] In Einheit erkennen - o, es heißt dies viel! Viel auch in den äußeren Lebensgebieten. In schweren, ernsten Zeiten leben wir. Es werden auch Zeiten wiederkommen müssen, in denen wir unter anderen Verhältnissen leben, in denen die Menschen wieder friedevoll, aber hingegeben dem Ringen nach geistigen Gütern leben werden, demjenigen hingegeben, was doch schließlich im Leben den größten Teil der Zeit erfüllen muß. Und Kraft wird da sein müssen, so stark, wie die jetzige Kraft ist, wenn die Kultursonne richtig wärmen soll, die sich aus jener Dämmerung entwickeln muß, die wir jetzt durchleben. Was für Menschen können dann da sein, wenn die Menschheit sich ein wenig mit Geist-Erkenntnis durchdringt, wenn sie ein wenig zusammenfaßt das Geistige mit dem Physischen?
[ 31 ] Wir blicken hin auf das, was jetzt so schmerzlich an unsere Seelen herantritt, blicken hin auf so viele, die durch Schmerz und Leid und Tod gegangen sind, deren Seelen wir schon in denjenigen Welten wissen, zu denen wir durch Geist-Erkenntnis aufblicken. Aber wir lernen gemäß den Forderungen unserer Zeit, gemäß den Forderungen der Menschenseele in unserer Zeit in diese geistigen Welten hineinblicken. Schon einmal wurde dies angedeutet, was hier in Betracht kommt. Wenn wir den Blick hinwenden auf alle die, welche in der Blüte ihres Lebens, in treuer Liebe zu ihrem Volkstum durch die Pforte des Todes gegangen sind, dann schauen wir auf eine Summe unverbrauchter Kräfte, jener unverbrauchten Kräfte des Gemütes und des Willens, welche die Betreffenden noch hätten im Leben anwenden können, wenn sie nicht durch die Ereignisse unserer Pflichtenzeit frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären. Sehen wir sie an, diese ganze Summe der in der physischen Welt unverbrauchten Kräfte, die sich noch hätten entwickeln können in den Kräften derer, die hinweggerafft wurden durch die schweren Ereignisse der Zeit. Ist das, was diese Menschen noch hätten erleben können, wenn sie jetzt nicht frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären, ist das nun nicht mehr da? ist es verloren?
[ 31 ] Wir blicken hin auf das, was jetzt so schmerzlich an unsere Seelen herantritt, blicken hin auf so viele, die durch Schmerz und Leid und Tod gegangen sind, deren Seelen wir schon in denjenigen Welten wissen, zu denen wir durch Geist-Erkenntnis aufblicken. Aber wir lernen gemäß den Forderungen unserer Zeit, gemäß den Forderungen der Menschenseele in unserer Zeit in diese geistigen Welten hineinblicken. Schon einmal wurde dies angedeutet, was hier in Betracht kommt. Wenn wir den Blick hinwenden auf alle die, welche in der Blüte ihres Lebens, in treuer Liebe zu ihrem Volkstum durch die Pforte des Todes gegangen sind, dann schauen wir auf eine Summe unverbrauchter Kräfte, jener unverbrauchten Kräfte des Gemütes und des Willens, welche die Betreffenden noch hätten im Leben anwenden können, wenn sie nicht durch die Ereignisse unserer Pflichtenzeit frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären. Sehen wir sie an, diese ganze Summe der in der physischen Welt unverbrauchten Kräfte, die sich noch hätten entwickeln können in den Kräften derer, die hinweggerafft wurden durch die schweren Ereignisse der Zeit. Ist das, was diese Menschen noch hätten erleben können, wenn sie jetzt nicht frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären, ist das nun nicht mehr da? ist es verloren?
[ 32 ] Wenn wir hinaufsehen würden in die geistigen Welten nur mit demjenigen, was unser physisches Anschauen gibt, so würde uns keine Antwort auf diese Frage. Wenn wir aber in Einheit zusammenzufassen wissen zu einer Lebenskraft die Weltanschauungen der geistigen und der physischen Welt, dann schauen wir in die geistige Welt hinein, und dann wissen wir, daß diese Kräfte nicht verloren sind, daß sie durch das Dasein strömen, und daß für künftige Zeiten, für ganze Generationen, für ganze Epochen diejenigen ihre Kräfte hingegeben haben, die frühzeitig jetzt durch die Pforte des Todes gegangen sind. Und vereinigt mit diesen Kräften werden wir in Zukunft das Erdenwirken schauen, die geistige Welt sich in Einheit zusammenschließend mit der physischen, werden ein neues Verständnis dafür gewinnen, wie in unseren leeren, durch Geist-Erkenntnis leer gewordenen Seelen die Kräfte einfließen, die scheinbar jetzt verloren sind. Die Menschen der durch Geist-Erkenntnis gestärkten Zukunft werden durch diese Geist-Erkenntnis die Möglichkeit haben, nicht verloren sein zu lassen die scheinbar jetzt verlorenen Kräfte. Sondern die verlorenen Kräfte werden fortwirken im Zeitengeschehen; und in dem, was die Menschen in künftigen Tagen tun werden, wird leben an Kräften, was auf den Schlachtfeldern der heutigen Zeit durch die Todespforte geströmt ist — aber bewußt, nicht wie frühere Zeiten unbewußt. Unbewußt haben dieses Dasein ihrer Verstorbenen die Völker in früheren Zeiten gehabt, solange die Völker Reste des alten Hellsehens noch gehabt haben. Merkwürdig kann es uns berühren, wenn wir hören, wie im Jahre 378 die Goten zum Kampf gegen die Römer zogen: während zu Beginn der Schlacht auf römischer Seite ein unartikuliertes Geschrei erscholl, stimmten die Goten Schlachtenlieder an, in denen sie sangen für den Ruhm und die Ehre ihrer unsichtbaren Toten. Bewußt haben sie sich geführt gesehen von ihren Toten; Verständnis haben sie gehabt für das ewige Fortwirken des Unsichtbaren. Dieses Verständnis wird die Menschheit wiedergewinnen — jetzt aber auf bewußte Weise; und durch dieses Verständnis wird auch, ausgebreitet in diesem ganzen großen Leben, Sicherheit und Lebensertragsamkeit sich entwickeln. Indem also die Seelen der Mütter, der Väter, der Brüder, der Schwestern, aller der Übriggebliebenen in der physischen Welt zu denen hinblicken werden, die ihnen in ihrem Schmerz entrissen worden sind, werden sie hinblicken als zu wahrhaft Lebendigen, als zu solchen, die aus den Engen ihres leiblichen Daseins ihre Kräfte ausgegossen haben in das allgemeine Menschheitsdasein; und unverloren werden die Toten sein, weil man sie empfinden wird als im allgemeinen Menschendasein lebendig Fortlebende. Ein solches wird die Geisteswissenschaft auch in der einfachsten Menschenseele wirken können. Denn Geisteswissenschaft ist ein Lebenselixier; Geisteswissenschaft ist richtunggebend für das Leben und harmonisierend für die Seele; Geisteswissenschaft ist dasjenige, was uns haltend, uns in Freude und Leid, in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Unglück hineinzutragen vermag, weil sie uns aus dem Göttlichen dasjenige zu geben vermag, wofür wir unsere Seelen leer gemacht haben. Seelen, die sich durch Geist-Erkenntnis leer gemacht haben, sie werden auch leer sein für das Einfließen dessen, was von den durch die Todespforte gegangenen Geistern — der Gefallenen — in diese Menschenseelen und Menschenherzen hineinströmen kann. Nur Seelen, welche ihr Inneres nicht also leer gemacht haben, werden sich verlieren müssen in Schmerz und in Leid, das die großen Ereignisse der Gegenwart so vielen einzelnen bereiten müssen. Menschen aber, welche durch die Geist-Erkenntnis gestärkt hindurchgehen, werden finden, daß ihrer leergewordenen Seele von den Göttern wiederum zurückgegeben wird, was ihnen leiblich die Erde genommen hat. Sie werden verstehen die Sprache des Geistes, der nach dem Tode lebendig zu ihnen spricht, wenn sie haben aufhören müssen, hinzuhören mit dem physischen Ohr auf die liebe Sprache des teuren Angehörigen.
[ 32 ] Wenn wir hinaufsehen würden in die geistigen Welten nur mit demjenigen, was unser physisches Anschauen gibt, so würde uns keine Antwort auf diese Frage. Wenn wir aber in Einheit zusammenzufassen wissen zu einer Lebenskraft die Weltanschauungen der geistigen und der physischen Welt, dann schauen wir in die geistige Welt hinein, und dann wissen wir, daß diese Kräfte nicht verloren sind, daß sie durch das Dasein strömen, und daß für künftige Zeiten, für ganze Generationen, für ganze Epochen diejenigen ihre Kräfte hingegeben haben, die frühzeitig jetzt durch die Pforte des Todes gegangen sind. Und vereinigt mit diesen Kräften werden wir in Zukunft das Erdenwirken schauen, die geistige Welt sich in Einheit zusammenschließend mit der physischen, werden ein neues Verständnis dafür gewinnen, wie in unseren leeren, durch Geist-Erkenntnis leer gewordenen Seelen die Kräfte einfließen, die scheinbar jetzt verloren sind. Die Menschen der durch Geist-Erkenntnis gestärkten Zukunft werden durch diese Geist-Erkenntnis die Möglichkeit haben, nicht verloren sein zu lassen die scheinbar jetzt verlorenen Kräfte. Sondern die verlorenen Kräfte werden fortwirken im Zeitengeschehen; und in dem, was die Menschen in künftigen Tagen tun werden, wird leben an Kräften, was auf den Schlachtfeldern der heutigen Zeit durch die Todespforte geströmt ist — aber bewußt, nicht wie frühere Zeiten unbewußt. Unbewußt haben dieses Dasein ihrer Verstorbenen die Völker in früheren Zeiten gehabt, solange die Völker Reste des alten Hellsehens noch gehabt haben. Merkwürdig kann es uns berühren, wenn wir hören, wie im Jahre 378 die Goten zum Kampf gegen die Römer zogen: während zu Beginn der Schlacht auf römischer Seite ein unartikuliertes Geschrei erscholl, stimmten die Goten Schlachtenlieder an, in denen sie sangen für den Ruhm und die Ehre ihrer unsichtbaren Toten. Bewußt haben sie sich geführt gesehen von ihren Toten; Verständnis haben sie gehabt für das ewige Fortwirken des Unsichtbaren. Dieses Verständnis wird die Menschheit wiedergewinnen — jetzt aber auf bewußte Weise; und durch dieses Verständnis wird auch, ausgebreitet in diesem ganzen großen Leben, Sicherheit und Lebensertragsamkeit sich entwickeln. Indem also die Seelen der Mütter, der Väter, der Brüder, der Schwestern, aller der Übriggebliebenen in der physischen Welt zu denen hinblicken werden, die ihnen in ihrem Schmerz entrissen worden sind, werden sie hinblicken als zu wahrhaft Lebendigen, als zu solchen, die aus den Engen ihres leiblichen Daseins ihre Kräfte ausgegossen haben in das allgemeine Menschheitsdasein; und unverloren werden die Toten sein, weil man sie empfinden wird als im allgemeinen Menschendasein lebendig Fortlebende. Ein solches wird die Geisteswissenschaft auch in der einfachsten Menschenseele wirken können. Denn Geisteswissenschaft ist ein Lebenselixier; Geisteswissenschaft ist richtunggebend für das Leben und harmonisierend für die Seele; Geisteswissenschaft ist dasjenige, was uns haltend, uns in Freude und Leid, in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Unglück hineinzutragen vermag, weil sie uns aus dem Göttlichen dasjenige zu geben vermag, wofür wir unsere Seelen leer gemacht haben. Seelen, die sich durch Geist-Erkenntnis leer gemacht haben, sie werden auch leer sein für das Einfließen dessen, was von den durch die Todespforte gegangenen Geistern — der Gefallenen — in diese Menschenseelen und Menschenherzen hineinströmen kann. Nur Seelen, welche ihr Inneres nicht also leer gemacht haben, werden sich verlieren müssen in Schmerz und in Leid, das die großen Ereignisse der Gegenwart so vielen einzelnen bereiten müssen. Menschen aber, welche durch die Geist-Erkenntnis gestärkt hindurchgehen, werden finden, daß ihrer leergewordenen Seele von den Göttern wiederum zurückgegeben wird, was ihnen leiblich die Erde genommen hat. Sie werden verstehen die Sprache des Geistes, der nach dem Tode lebendig zu ihnen spricht, wenn sie haben aufhören müssen, hinzuhören mit dem physischen Ohr auf die liebe Sprache des teuren Angehörigen.
[ 33 ] Also Herz und Sinn, Leben und Wesen stärkend, soll die Geisteswissenschaft nicht nur durch die menschliche Vernunft und den menschlichen Verstand gehen, sondern sie soll durch die menschlichen Herzen gehen, soll durch alles gehen, was die menschliche Seele erfüllt. Und gerade Geisteswissenschaft kann das für denjenigen auch, der sich als den Alleraufgeklärtesten wissen will. Sie kann uns die Sicherheit geben, daß wir Hoffnungen haben können, lichtvoll hindurchzugehen durch all das, was uns jetzt also ernst umgibt. Und alles, was sich uns gerade an ernsten Betrachtungen ergeben kann, dürfen wir ja zuspitzen auf den Ernst und auf die große Würde unserer Zeit. Wir dürfen auch die heutige Betrachtung gleichsam zusammenfassen in ein Gefühl, durch das wir mitleben möchten mit all denen, die heute im Kampfe stehen und die vielleicht schon durch die Todespforte gegangen sind — zusammenfassen in eine Sprache, die dem einen bewußt, dem andern unbewußt — allen Toten aber bewußt sein kann. Wir können hinblicken, hoffnungsvoll, auf diejenigen Zeiten, welche der Menschheit zu ihrem Fortschritt, zu ihrem Heil kommen müssen — kommen müssen als Früchte dieser unserer gegenwärtigen Zeit. Wir können hinblicken auf das, was der Menschheit auch wieder friedenvolle Tage bringen werden, friedenvolle Tage, in denen durch die Welt, durch die Menschenseelen und Menschenherzen das wallen wird, was aus der Gesamtheit der göttlich-geistigen Segenskraft zum Menschenheil, zum Menschenfortschritt und zur Menschenstärkung flieBen kann. Die Menschen werden handeln, beseelt und durchkraftet von diesen die Welt durchwellenden und durchwogenden göttlich-geistigen Mächten, Aber wir können in diese Zukunft mit dem erhebenden Gefühl blicken, das uns aus der Geisteswissenschaft heraus die Antwort gibt auf eine bange Frage der Zeit: Was wird dann leben bei allen, die da wirken werden einstmals in einer friedenvollen Zeit, in welcher man die Künste und das Wissen und die Macht des Friedens pflegen wird? Und wir werden wissen können, daß in alledem, was dann die Menschen tun werden, dasjenige leben wird, was jetzt so zahlreich an Menschenkraft, die noch jugendlich in die Zukunft geblickt hat, auf den Feldern im Osten und Westen durch die Todespforte geht!
[ 33 ] Also Herz und Sinn, Leben und Wesen stärkend, soll die Geisteswissenschaft nicht nur durch die menschliche Vernunft und den menschlichen Verstand gehen, sondern sie soll durch die menschlichen Herzen gehen, soll durch alles gehen, was die menschliche Seele erfüllt. Und gerade Geisteswissenschaft kann das für denjenigen auch, der sich als den Alleraufgeklärtesten wissen will. Sie kann uns die Sicherheit geben, daß wir Hoffnungen haben können, lichtvoll hindurchzugehen durch all das, was uns jetzt also ernst umgibt. Und alles, was sich uns gerade an ernsten Betrachtungen ergeben kann, dürfen wir ja zuspitzen auf den Ernst und auf die große Würde unserer Zeit. Wir dürfen auch die heutige Betrachtung gleichsam zusammenfassen in ein Gefühl, durch das wir mitleben möchten mit all denen, die heute im Kampfe stehen und die vielleicht schon durch die Todespforte gegangen sind — zusammenfassen in eine Sprache, die dem einen bewußt, dem andern unbewußt — allen Toten aber bewußt sein kann. Wir können hinblicken, hoffnungsvoll, auf diejenigen Zeiten, welche der Menschheit zu ihrem Fortschritt, zu ihrem Heil kommen müssen — kommen müssen als Früchte dieser unserer gegenwärtigen Zeit. Wir können hinblicken auf das, was der Menschheit auch wieder friedenvolle Tage bringen werden, friedenvolle Tage, in denen durch die Welt, durch die Menschenseelen und Menschenherzen das wallen wird, was aus der Gesamtheit der göttlich-geistigen Segenskraft zum Menschenheil, zum Menschenfortschritt und zur Menschenstärkung flieBen kann. Die Menschen werden handeln, beseelt und durchkraftet von diesen die Welt durchwellenden und durchwogenden göttlich-geistigen Mächten, Aber wir können in diese Zukunft mit dem erhebenden Gefühl blicken, das uns aus der Geisteswissenschaft heraus die Antwort gibt auf eine bange Frage der Zeit: Was wird dann leben bei allen, die da wirken werden einstmals in einer friedenvollen Zeit, in welcher man die Künste und das Wissen und die Macht des Friedens pflegen wird? Und wir werden wissen können, daß in alledem, was dann die Menschen tun werden, dasjenige leben wird, was jetzt so zahlreich an Menschenkraft, die noch jugendlich in die Zukunft geblickt hat, auf den Feldern im Osten und Westen durch die Todespforte geht!
[ 34 ] Ist das nicht auch eine Lehre für das Ertragen des Lebens in Glück und Leid, wenn wir hinschauen auf Tod und Leid in unserer ernsten Zeit und wissen dürfen, daß aus diesem Tod und Leid Kräfte, unsichtbare Kräfte hervorgehen, die gerade in den friedenvollsten Zeiten der Zukunft walten werden zum Heile und zum Fortschritt der Menschheit? Denn Kräfte werden hervorgehen, mit denen sich diejenigen verbinden werden, die dann auf der Erde zu wirken haben werden, die zusammenzufassen haben werden das sichtbare und das unsichtbare Werden, um zu wirken unter Brüdern nicht nur in der sichtbaren, sondern auch in der übersinnlichen Welt, und die wiederum — geistig — diejenigen Herzen gewonnen haben werden, welche sie in unserer ernsten Zeit verloren haben.
[ 34 ] Ist das nicht auch eine Lehre für das Ertragen des Lebens in Glück und Leid, wenn wir hinschauen auf Tod und Leid in unserer ernsten Zeit und wissen dürfen, daß aus diesem Tod und Leid Kräfte, unsichtbare Kräfte hervorgehen, die gerade in den friedenvollsten Zeiten der Zukunft walten werden zum Heile und zum Fortschritt der Menschheit? Denn Kräfte werden hervorgehen, mit denen sich diejenigen verbinden werden, die dann auf der Erde zu wirken haben werden, die zusammenzufassen haben werden das sichtbare und das unsichtbare Werden, um zu wirken unter Brüdern nicht nur in der sichtbaren, sondern auch in der übersinnlichen Welt, und die wiederum — geistig — diejenigen Herzen gewonnen haben werden, welche sie in unserer ernsten Zeit verloren haben.
[ 35 ] Das scheint mir auch ein Lebenselixier zu sein! Stärkend und kräftigend kann es in unserer Kraft und in unsere Adern fließen, gerade in unserer Zeit, in welcher wir ein solches Lebenselixier nötig — wahrhaftig! sehr nötig haben. Und fassen wir den eigentlichen inneren Sinn der Geisteswissenschaft, so wissen wir, daß dieses Lebenselixier kommen muß. Denn was auch das äußere Leben bringt: nicht mit dem, was das äußere Leben bringt, ist dieses Lebenselixier verbunden, sondern mit dem, was wir in unserm innersten Wesen durch unsere eigene Kraft werden können, sein können. Und was wir uns durch die tiefstinnerste Anstrengung unseres eigentlichen inneren Grundwesens erworben haben, das geht uns als Menschen nicht verloren, nicht in Zeit, nicht in Ewigkeit. Das nimmt uns kein Leid, kein Schmerz — und nicht der Tod!
[ 35 ] Das scheint mir auch ein Lebenselixier zu sein! Stärkend und kräftigend kann es in unserer Kraft und in unsere Adern fließen, gerade in unserer Zeit, in welcher wir ein solches Lebenselixier nötig — wahrhaftig! sehr nötig haben. Und fassen wir den eigentlichen inneren Sinn der Geisteswissenschaft, so wissen wir, daß dieses Lebenselixier kommen muß. Denn was auch das äußere Leben bringt: nicht mit dem, was das äußere Leben bringt, ist dieses Lebenselixier verbunden, sondern mit dem, was wir in unserm innersten Wesen durch unsere eigene Kraft werden können, sein können. Und was wir uns durch die tiefstinnerste Anstrengung unseres eigentlichen inneren Grundwesens erworben haben, das geht uns als Menschen nicht verloren, nicht in Zeit, nicht in Ewigkeit. Das nimmt uns kein Leid, kein Schmerz — und nicht der Tod!
