From a Fateful Time
GA 64
15 January 1915, Berlin
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From a Fateful Time, tr. SOL
6. Geist-Erkenntnis in Glücklichen und ernsten Stunden des Lebens
6. Spiritual Insight in Life's Joyful and Serious Moments
[ 1 ] In dem gestrigen Vortrage erlaubte ich mir darauf aufmerksam zu machen, wie in dem Ringen und Streben der deutschen Geistesentwickelung die Keime einer wirklichen Geisteswissenschaft enthalten sind, die uns die Zukunft bringen soll, die aus der Gegenwart heraus sich gebären soll. Und zwar versuchte ich anzudeuten, daß in jener geistigen Arbeit, in jenem geistigen Streben, das nötig war, um zu den Ideen, zu den Vorstellungen und Anschauungen zu führen, die im deutschen Geistesleben in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten sind, daß in diesem Streben und Ringen die Vorbereitung liegt zur Anerkennung dessen, was allerdings in unserer Gegenwart noch wenig anerkannt werden kann — aus begreiflichen Gründen, die ja in diesen Vorträgen hier öfter auseinandergesetzt worden sind. Handelt es sich ja darum, daß man zu dieser Geisteswissenschaft nur durch eine Entwickelung derjenigen Kräfte der menschlichen Seele kommen kann, die zunächst für den Menschen selber in dieser Seele verborgen sind, daß man dazu nur kommen kann, wenn durch energische innerliche Gedankenarbeit — durch sogenannte Konzentration und Meditation — aus dem menschlichen Innern jene Kräfte herausgeholt werden, die einst in mehr dämmerhaften Zuständen des Bewußtseins zu dem gestern erwähnten Hellsehen führten, die im Ursprunge der Menschheit und der Völker in den Seelen vorhanden waren, und die durch bewußte Gedankenarbeit wieder hervorgeholt werden können. Dann aber treten sie als bewußte Kräfte in der Seele auf, so daß diese Zustände des Hellsehens, offenbarend die Verhältnisse der geistigen Welt, vollbewußt und unter Wahrung der menschlichen Individualität an die Seele herantreten, so wie die Verhältnisse der materiellen Welt an die Menschenseele herantreten. Jene Meditationen, Konzentrationen, jene innere Arbeit der Seele im Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensleben, die für eine solche Entwickelung der Seele nötig sind, sie haben oft den Gegenstand der Vorträge hier gebildet. Heute kann nicht wieder davon gesprochen werden. Denn heute möchte ich darauf hindeuten, wie die Ergebnisse dieser, durch eine geistige Arbeit zu erringenden geistigen Erkenntnis zur Erhöhung der Lebensenergie, zur Kräftigung und Erstarkung des menschlichen Lebens in ernsten und glücklichen Stunden des Lebens führen können.
[ 1 ] In yesterday’s lecture, I took the liberty of pointing out how the struggles and aspirations of German intellectual development contain the seeds of a true spiritual science—one that the future will bring us, one that is to emerge from the present. Specifically, I attempted to suggest that in that spiritual work, in that spiritual striving—which was necessary to lead to the ideas, concepts, and perspectives that emerged in German intellectual life during the first half of the nineteenth century—that in this striving and struggle lies the groundwork for the recognition of what, admittedly, can still be recognized only to a limited extent in our present time — for understandable reasons that have, after all, been discussed here in these lectures on several occasions. For the point is that one can arrive at this spiritual science only through the development of those powers of the human soul that are initially hidden within the soul for the person themselves; that one can arrive at it only when, through energetic inner mental work—through so-called concentration and meditation — those powers are drawn forth from within the human being that once, in more twilight states of consciousness, led to the clairvoyance mentioned yesterday; powers that were present in the souls at the dawn of humanity and of the peoples, and that can be brought forth again through conscious mental work. But then they emerge as conscious forces within the soul, so that these states of clairvoyance—revealing the conditions of the spiritual world—approach the soul fully consciously and while preserving human individuality, just as the conditions of the material world approach the human soul. Those meditations, those acts of concentration, and that inner work of the soul in the life of imagination, feeling, and will—which are necessary for such a development of the soul—have often been the subject of the lectures here. Today, however, I cannot speak of these matters again. For today I would like to point out how the results of this spiritual knowledge—to be attained through spiritual work—can lead to an increase in life energy, to the strengthening and invigoration of human life in both serious and joyful moments of life.
[ 2 ] Es ist ganz natürlich und selbstverständlich, daß für das zum materialistischen Denken hinneigende Bewußtsein unserer Zeit es absurd, paradox, vielleicht lächerlich erscheint, wenn Geistesforschung heute davon spricht, daß der Mensch nicht nur aus demjenigen bestünde, was die äußere Wissenschaft — Biologie, Physiologie usw. — von diesem Menschen erkennt, und was die auch nur an die äußeren Tatsachen sich haltende sogenannte Psychologie erkennt; sondern wenn diese Geistesforschung behauptet, daß der Mensch in Wahrheit aus einer Reihe von Gliedern zusammengefügt ist, von denen das physisch Materielle, das Körperliche des Menschen nur eines ist, während die andern Glieder — eben nur durch die erwähnte Geist-Erkenntnis wahrnehmbar — im Unsichtbaren, Übersinnlichen walten und von dort aus an den Menschen tätig sind. Wie gesagt: ganz natürlich ist es, daß heute noch vielleicht darüber gespottet wird, daß man dagegen polemisiert, daß der Mensch nicht nur den physischen Leib habe, der ihm in der Sinneswelt zu den äußeren Taten und dem äußeren sinnlichen Wahrnehmen dient, sondern daß er feinere Glieder, geistigere Glieder der Menschennatur habe. Daß der Mensch außer dem physischen Leibe zunächst einen sogenannten ätherischen Leib habe, einen feineren Leib, «feiner» im Gegensatz zu den Verhältnissen des groben physischen Leibes; daß diese zwei Glieder der menschlichen Wesenheit diejenigen sind, die von dem Menschen im physischen Dasein auch dann verbleiben, wenn der Mensch in die Bewußtlosigkeit des Schlafes untertaucht; daß aber höhere Glieder, geistigere Glieder der menschlichen Natur — diejenigen, welche wir den astralischen Leib und das Ich des Menschen nennen — vom Einschlafen bis zum Aufwachen übergehen in eine geistige Welt. Das hat die Geisteswissenschaft zu erkennen, und des weiteren auch, daß diese Glieder der menschlichen Natur, die im Schlafzustande im Unbewußten ruhen, die eigentlichen Akteure, das eigentliche Tätige sind, das den physischen und den ätherischen Leib beseelt und durchkraftet, das in ihn einzieht, wenn der Mensch aus dem Schlafe wieder aufwacht.
[ 2 ] It is quite natural and understandable that, to the consciousness of our time, which tends toward materialistic thinking, it seems absurd, paradoxical, perhaps even ridiculous when spiritual science today speaks of the human being as consisting not only of what external science—biology, physiology, etc.—recognizes about this human being, and what so-called psychology, which adheres only to external facts, recognizes; but when this spiritual research asserts that human beings are in truth composed of a series of elements, of which the physical, material aspect—the body—is only one, while the other elements—perceivable only through the aforementioned spiritual knowledge—operate in the invisible, supersensible realm and act upon human beings from there. As I said: it is only natural that people today may still mock this idea, that they argue against the notion that human beings do not merely possess a physical body—which serves them in the sensory world for external actions and external sensory perception—but that they also possess finer, more spiritual aspects of human nature. That, in addition to the physical body, human beings first and foremost possess what is called an etheric body—a finer body, “finer” in contrast to the conditions of the coarse physical body; that these two members of the human being are the ones that remain with the human being in physical existence even when the human being sinks into the unconsciousness of sleep; but that higher members, more spiritual members of human nature—those we call the astral body and the human ego—pass into a spiritual world from the moment of falling asleep until waking. Spiritual science must recognize this, and furthermore that these aspects of human nature, which rest in the unconscious during sleep, are the actual agents, the actual active forces that animate and permeate the physical and etheric bodies, and that enter into them when the person awakens from sleep.
[ 3 ] Wenn heute eine äußere wissenschaftliche Anschauung von diesen höheren Gliedern der Menschennatur nicht sprechen kann oder nicht sprechen will, sie nicht anerkennen will, so gleicht eine solche Nichtanerkennung etwa der Nichtanerkennung der Luft von seiten eines Menschen, der nur das mit den physischen Augen Sichtbare und dasjenige, was sich von dem Sichtbaren auch mit den physischen Händen angreifen läßt, gelten lassen will. Denn so wie wir die Luft als physische Materie einatmen und ausatmen in kurzen Zeiten, so atmen der physische und der ätherische Menschenleib mit dem Aufwachen den astralischen Leib und das Ich ein; und mit dem Einschlafen werden sie wieder ausgeatmet, — wenn wir das Wort «atmen» bildlich verstehen. Es entläßt der physische Menschenleib in die geistige Welt hinein mit dem Einschlafen den astralischen Leib und das Ich. Und fruchtbar wird nun diese Geist-Erkenntnis, wenn sie in entsprechender Weise im Leben angewendet werden kann, wenn die Menschenseele sich von ihr durchdringen kann und das Leben in ihrem Lichte betrachten kann.
[ 3 ] If today an external scientific perspective cannot or will not speak of these higher aspects of human nature, or refuses to acknowledge them, then such a refusal is akin to a person’s refusal to acknowledge the existence of air—a person who accepts only what is visible to the physical eyes and what, of the visible, can also be touched by the physical hands. For just as we inhale and exhale air as physical matter in short intervals, so the physical and etheric bodies of the human being inhale the astral body and the “I” upon waking; and upon falling asleep, they exhale them again—if we understand the word “breathe” figuratively. Upon falling asleep, the physical human body sends the astral body and the “I” out into the spiritual world. And this spiritual insight becomes fruitful when it can be applied appropriately in life, when the human soul can allow itself to be permeated by it and can view life in its light.
[ 4 ] Wir werden als Menschen getragen von dem Strome des Lebens. Wir fahren zwischen unserer Geburt und unserem Tode gleichsam dahin in diesem Strome des Lebens. Von einem Vergleiche möchte ich ausgehen, der dieses Dahinfahren im Strome des Lebens veranschaulichen soll. - Wenn wir in einem Eisenbahnzuge sitzen und so hinfahren und zum Fenster hinaussehen, dann erscheint es uns zunächst, namentlich wenn wir das Fahren in der Eisenbahn noch nicht gewohnt sind, wie wenn die Bäume und die Häuser an uns vorüberziehen würden, sich an uns vorüberbewegen würden. — So etwa lebt der Mensch, fortreisend die Lebensreise mit seinen Weltanschauungen und Lebensempfindungen, gegenüber dem Glück und dem Unglück, gegenüber Erfolgen und Mißerfolgen des Lebens. Denn wie wirken Glück und Unglück, Erfolge und Mißerfolge auf die menschliche Natur? Wie die menschliche Natur zunächst durch das, was sie aus der physischen Welt ziehen kann, veranlagt ist, so wirken Glück und Unglück, Erfolg und Mißerfolg in der Weise, daß sie gleichsam unsere Weltempfindung, unser Daseinsgefühl immer mit sich reißen, daß uns in unseren Gefühlen und Empfindungen die Welt selbst vorüberzuziehen scheint, je nachdem wir in ihr Leid oder Schmerz erfahren. Und wie wir uns erst gewöhnen müssen an das Dahinfahren in der physischen Welt, um während dieses Dahinfahrens den richtigen Gesichtspunkt zu haben gegenüber dem, was draußen nur scheinbar sich an uns vorüberbewegt, so ist es am Menschen, den richtigen Gesichtspunkt zu gewinnen, um im Lebensstrome so dahinzufahren, daß er mit seinem Weltgefühl, mit seiner Daseinsempfindung ruhig zu bleiben vermag — ruhig in der geistigen Welt, wenn Glück und Leid, wenn Erfolg oder Mißerfolg ihm die Weltempfindung, das Daseinsgefühl in Bewegung, in scheinbarer Bewegung zeigen wollen.
[ 4 ] As human beings, we are carried along by the current of life. Between our birth and our death, we are, as it were, swept along in this current of life. I would like to begin with a comparison intended to illustrate this journey through the current of life. - When we sit in a train and ride along, looking out the window, it seems to us at first—especially if we are not yet accustomed to traveling by train—as if the trees and houses were passing us by, moving past us. — This is more or less how a person lives, journeying through life with his worldviews and life experiences, facing happiness and unhappiness, successes and failures. For how do happiness and unhappiness, successes and failures affect human nature? Just as human nature is initially shaped by what it can draw from the physical world, so do happiness and unhappiness, success and failure affect us in such a way that they, as it were, constantly sweep along our perception of the world and our sense of existence—so that, in our feelings and sensations, the world itself seems to pass us by, depending on whether we experience suffering or pain within it. And just as we must first accustom ourselves to moving through the physical world in order to maintain the proper perspective during this journey toward what outside us only appears to be passing us by, so too must a person gain the right perspective in order to journey through the stream of life in such a way that he is able to remain calm in his sense of the world and his sense of existence—calm in the spiritual world, even when happiness and suffering, success or failure, seek to show him that his sense of the world and his sense of existence are in motion, or in apparent motion.
[ 5 ] Nun müssen wir allerdings berücksichtigen, daß die Menschheitsentwickelung in einem steten Fortschritt ist, daß Epoche nach Epoche in dieser Menschheitsentwickelung aufeinander folgen, daß immer neue und neue Erfahrungen in diese Menschheitsentwickelung eintreten, und daß daher auch die Seele in den verschiedenen Epochen der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit Verschiedenes erfahren muß — und nach ihren Erfahrungen in verschiedener Weise auch mit ihren Lebensempfindungen und mit ihrem Daseinsgefühl sich zu dem ganzen Leben stellen muß. Daher ist es, daß der Mensch der Gegenwart ein anderes Verhältnis zur Welt braucht, als dasjenige war, welches in abgelebten Zeiten die Menschenseele zur Welt haben konnte, um innerliche Befriedigung, Ruhe im Daseinsstrome zu finden. Nun zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß in den Menschenseelen der Gegenwart eine gewisse Summe, eine Art Fonds von Kräften geistigquellenden Lebens ruht, die herauswollen aus dieser Menschenseele, so herauswollen, daß sie nicht in der Seele verborgen bleiben, sondern vor das menschliche Bewußtsein hintreten, so daß der Mensch sie nicht nur wie einen inneren Drang, wie eine innere Pressung fühlt, sondern sie hinstellen kann in seine Vorstellungswelt, in seine Ideenwelt. Denn mit welcher Gesinnung spricht eigentlich die Geisteswissenschaft zu den Menschen? Nicht so spricht sie, als wenn sie Kunde bringen wollte aus fremden Gebieten des Daseins, gleichsam aus unbekannten Ländern, sondern sie spricht von der Gesinnung aus, daß sie im Grunde genommen zu jeder Seele nur dasjenige sagen will, was in den Tiefen dieser Seele selbst ruht. Und der Geistesforscher ist im Grunde genommen davon überzeugt, daß in allen, allen Menschen dasjenige vorhanden ist, was er nur in Worte zu kleiden, in äußere Begriffe und Ideen zu bringen versucht, daß er den Menschen gar nichts anderes zu sagen hat, als was sie schon in sich tragen. Die ganze Geisteswissenschaft, wenn sie mit rechter Gesinnung vom Geistesforscher vor die Menschheit gebracht wird, will nichts anderes geben, als was im tiefen Grunde einer jeden Menschenseele ist; nur eine Aufforderung an die Menschenseele ist diese Geisteswissenschaft, dasjenige aus sich herauszuholen, was auf dem Grunde einer jeden Seele ruht.
[ 5 ] Now, however, we must take into account that human development is in a state of constant progress, that epochs follow one another in this development, that ever new experiences enter into this development, and that, therefore, the soul, too, must experience different things in the various epochs of humanity’s historical development—and, based on these experiences, must also relate to life as a whole in different ways through its life feelings and its sense of existence. This is why the human being of the present needs a different relationship to the world than the one the human soul could have had with the world in bygone times in order to find inner satisfaction and peace in the flow of existence. Now, spiritual science shows us that within the human souls of the present day lies a certain sum, a kind of reservoir of forces of spiritually springing life, which seek to emerge from these human souls, so much so that they do not remain hidden within the soul, but step forward into human consciousness, so that the human being not only feels them as an inner urge, as an inner pressure, but can place them within his world of imagination, within his world of ideas. For with what attitude does spiritual science actually speak to people? It does not speak as if it were seeking to bring news from foreign realms of existence—as it were, from unknown lands—but rather from the perspective that, fundamentally, it wishes to say to every soul only that which lies deep within the soul itself. And the spiritual researcher is, in essence, convinced that what he merely attempts to clothe in words and express in external concepts and ideas is already present in all, all human beings—that he has nothing else to say to people than what they already carry within themselves. The entire field of spiritual science, when presented to humanity by the spiritual researcher with the right attitude, seeks to offer nothing other than what lies at the very depths of every human soul; this spiritual science is merely a call to the human soul to draw forth from within itself that which rests at the very depths of every soul.
[ 6 ] So können wir sagen: in diesen tiefen Gründen der Menschenseele ruht eine ganze Summe von Kräften, die, wenn sie in das menschliche Bewußtsein heraufgeholt werden, erst zeigen, was den Menschen im Innern bewegt, was ihn im Innern durchseelt. Wahrhaftig: reicher, inhaltsvoller ist der Mensch, als er sich selber oftmals vorstellt.
[ 6 ] Thus we can say: in these depths of the human soul lies a whole store of forces which, when brought up into human consciousness, reveal what truly moves a person from within, what truly animates them from within. Truly, human beings are richer and more profound than they often imagine themselves to be.
[ 7 ] Nun besteht ein merkwürdiges Gesetz in bezug auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Erkenntnis und Weltenwahrnehmung, ein Gesetz, das einem, wenn man es kennt, tiefe Aufschlüsse geben kann über manches Rätsel der menschlichen Seele. Um das in der einfachsten Weise klarzumachen, will ich noch einmal auf die Tatsache zurückgreifen, die durch die Geisteswissenschaft erforscht werden kann: daß der Mensch mit jedem Einschlafen sein höheres Wesen — sein Ich und seinen astralischen Leib — in eine geistige Welt hineinsendet. In dieser geistigen Welt vermag er zunächst nichts wahrzunehmen. Aber das, was er in diese geistige Welt hineinschickt, enthält wirklich, wenigstens einen großen Teil desjenigen — und ist zum großen Teil aus dem zusammengesetzt, — was die Geisteswissenschaft für das tagwache Leben aus den tiefen Quellen des Daseins hervorholen will. Der Mensch ist nur im Alltagsleben so eingerichtet, daß ihm Bewußtlosigkeit zudeckt, was in seiner Seele ruht, wenn er im schlafenden Zustande außerhalb seines physischen Leibes und Ätherleibes ist; und wenn er beim Aufwachen sein Ich und seinen astralischen Leib hineinträgt in den physischen Leib und Ätherleib, dann werden dieses Ich und dieser astralische Leib von dem ausgefüllt, was an Eindrücken aus der äußeren Wahrnehmung kommt, was die materielle Welt uns überliefert. Die Seele ist dann hingegeben an die Außenwelt; und wie in der Nacht die Bewußtlosigkeit dasjenige herabdämmert, was in den Tiefen der Seele ruht, so ist es während des Tages das, was uns an Eindrücken von der materiellen Außenwelt kommt. Aber es ruht in den Tiefen der Seele wirklich alles, was die geistige Wissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein bringen will. — Es herrscht nun ein Gesetz, ein wichtiges, wesentliches Gesetz, von dem man allmählich erkennen wird, daß es im Grunde genommen das ganze Dasein beherrscht: Dasjenige, was in einem Zustande segensvoll sein kann, das kann verderblich wirken, wenn es in einem anderen Zustande, gleichsam an einem anderen Orte sich geltend macht.
[ 7 ] There is a curious law governing the relationship between human beings and their knowledge and perception of the world—a law that, once understood, can provide deep insights into many of the mysteries of the human soul. To illustrate this in the simplest way, I would like to refer once again to a fact that can be investigated through spiritual science: that every time a person falls asleep, they send their higher being—their “I” and their astral body—into a spiritual world. In this spiritual world, they are initially unable to perceive anything. But what he sends into this spiritual world truly contains—and is largely composed of—at least a large part of what spiritual science seeks to bring forth from the deep sources of existence for waking life. It is only in everyday life that human beings are constituted in such a way that unconsciousness veils what rests within their soul when, in the sleeping state, they are outside their physical and etheric bodies; and when, upon waking, they carry their “I” and their astral body into the physical and etheric bodies, then this “I” and this astral body are filled with the impressions arising from external perception—what the material world conveys to us. The soul is then devoted to the external world; and just as, at night, unconsciousness veils what lies in the depths of the soul, so, during the day, it is the impressions that come to us from the material external world. But everything that spiritual science seeks to bring to human consciousness truly lies in the depths of the soul. — There is now a law, an important, essential law, which we will gradually come to recognize as fundamentally governing all of existence: that which may be beneficial in one state can have a destructive effect when it asserts itself in another state, as it were, in another place.
[ 8 ] In dem, was dem Menschen für sein materielles Bewußtsein verborgen bleibt, ruhen unsichtbare übersinnliche Kräfte. Sie ruhen in dem, was der Mensch im Schlafe in die geistige Welt entläßt, rumoren in diesem Innern, bringen dem Menschen in seinem Verhalten Unsicherheit, Richtungslosigkeit im Leben. Werden diese Kräfte heraufgeholt in die Bewußtheit, werden sie umgewandelt in bewußte Erkenntnisse, Begriffe und Vorstellungen, dann werden sie segensreich, dann werden sie heilsam, dann geben sie dem Menschen Richtung und Ziel, Ruhe und Sicherheit im Leben. Es ist das ein eigentümliches Gesetz, und es ist zuzugeben, es ist ein schwierig einzusehendes Gesetz. Aber wahr ist es doch: wenn das, was die Geisteswissenschaft gibt, dem geistigen Erkenner tiefe Befriedigung gewähren kann, wenn es in sein Bewußtsein tritt, so ist es ein unsicher machendes Element, eine unsicher machende Kraft, wenn es nur unten, unbewußt, in den dunklen Regionen der Seele ruht. Ruht es unbewußt in diesen Regionen, was die Geisteswissenschaft zur lichten Erkenntnis erheben will, dann bleibt es ohne Einfluß auf das menschliche Ich; dann wallt und wogt es im Unterbewußten, dann kann es keinen Einfluß haben auf das, was der Mensch erlebt an Glück und Schmerz, an Erfolgen und Mißerfolgen. Dann kann der Mensch nur denjenigen Teil seines Wesens in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Schmerz hineinbringen, der mitgeht mit Glück und Schmerz so, daß die Seele im Glück sich verliert, daß sie im Schmerz versinkt, durch ihre Erfolge betäubt, durch ihre Mißerfolge schmerzerfüllt wird. Dann geht die Seele überall mit, dann schaukelt und schwimmt sie im Strome des Lebens. Wird aber das, was da unten in den dunklen Regionen der Seele an Erkenntniskräften über die geistige Welt ruht, in das Ich heraufgeholt, so daß dieses Ich die geistigen Erkenntnisse mitnehmen kann, wenn das Leben uns lächelt im Glück, wenn das Leben uns Schmerz und Leid bereitet, dann schaukelt und schwimmt das Ich nicht mehr im Glück und Unglück in dem Strom des Lebens; dann trägt es ein gestärktes Inneres in das Glück und Unglück, in Schmerz und Leid hinein, und Glück und Schmerz werden dann anders erlebt.
[ 8 ] In what remains hidden from human material consciousness lie invisible, supersensory forces. They lie dormant in what a person releases into the spiritual world while asleep; they stir within, causing uncertainty in a person’s behavior and a sense of aimlessness in life. If these forces are brought up into consciousness and transformed into conscious insights, concepts, and ideas, then they become a blessing; then they become healing; then they give a person direction and purpose, peace, and security in life. This is a peculiar law, and it must be admitted that it is a difficult law to grasp. But it is nevertheless true: while what spiritual science offers can provide the spiritual seeker with deep satisfaction when it enters his consciousness, it becomes an element that breeds uncertainty—a force that breeds uncertainty—if it remains only below, unconscious, in the dark regions of the soul. If what spiritual science seeks to elevate to clear awareness remains unconscious in these regions, then it has no influence on the human “I”; then it surges and swells in the subconscious, and it cannot influence what the human being experiences in terms of happiness and pain, success and failure. Then a person can bring into their successes and failures, into their happiness and pain, only that part of their being which goes along with happiness and pain in such a way that the soul loses itself in happiness, sinks into pain, is numbed by its successes, and filled with pain by its failures. Then the soul goes along with everything; then it sways and floats in the stream of life. But if what lies down there in the dark regions of the soul—the powers of insight into the spiritual world—is brought up into the “I,” so that this “I” can carry these spiritual insights with it when life smiles upon us in happiness, when life brings us pain and suffering, then the “I” no longer sways and floats in the current of life through happiness and misfortune; then it carries a strengthened inner self into happiness and misfortune, into pain and suffering, and happiness and pain are then experienced differently.
[ 9 ] Wir müssen uns allerdings etwas über das Wesen von Glück und Leid, von Erfolg und Mißerfolg zum Bewußtsein bringen, wenn wir die Anwendung des eben Charakterisierten richtig ins Auge fassen wollen. Was eigentlich bringen Glück und Unglück dem Menschen?
[ 9 ] However, we must gain some awareness of the nature of happiness and suffering, of success and failure, if we are to properly consider the application of what has just been described. What do happiness and misfortune actually bring to a person?
[ 10 ] Innerlich verstehen, was der Mensch erlebt im Glück, beim Erfolg, in heiteren Stunden des Lebens oder im Schmerz und in traurigen Stunden, die Mißerfolge ihm bringen -, richtig erkennen kann man das eigentlich gar nicht, wenn man nicht darauf Rücksicht nimmt, daß der Mensch aus dem physischen Außenteil und aus dem geistig-seelischen Innenteil besteht. Was ist das Glück, was ist das Leben im Erfolg?
[ 10 ] To truly understand what a person experiences in happiness, in success, in life’s joyful moments, or in pain and in the sad moments brought on by failure—one cannot really grasp this unless one takes into account that a human being consists of a physical outer aspect and a spiritual-soul inner aspect. What is happiness? What is a life of success?
[ 11 ] Was im Menschen an seinen Wesensgliedern zusammengefügt ist, das bekommt in bezug auf die feineren Verhältnisse eine andere Zusammensetzung im Glück — und im Leid. Wenn wir Glück erleben, wenn die Seele in dieses Glück hineintaucht, oder auch wenn sie in ihre Erfolge untertaucht, was geschieht dann mit der Menschennatur? Dann reißt sich gleichsam das, was in der Menschennatur sonst ruht, aus dem Inneren heraus, verfolgt das, was von außen an Glück und Erfolg in uns eindringt; der Mensch entfremdet sich seinem Innern, er hört auf bloß in sich zu sein. Der Mensch geht in ein Fremdes ein. Dieses Sichfremdwerden, dieses Außersichkommen ist das, was gleichsam wie der eine Pendelausschlag des menschlichen inneren Erlebens im Glück sich uns darstellt. Wenn der Mensch Schmerz erlebt, wenn er Mißerfolge hat, dann zieht das Geistig-Seelische, gleichsam den Schmerz, die Mißerfolge fliehend, sich tiefer in das Innere zurück, als es im regulären Daseinsverhältnis mit diesem Inneren zusammenleben müßte; es ist dann so, als ob das Geistig-Seelische sich gleichsam zusammenkrampft, so daß der Mensch sich nicht, wie im Glück und Erfolg, an die äußere Welt verliert, sondern sich gerade in sich zurückzieht. Und da nun der Mensch so veranlagt ist, daß er nur im harmonischen Zusammenhange mit der Welt seine Ruhe und seine Befriedigung finden kann, so bringt ihn sein zusammengekrampftes Innere ebenso aus seiner Harmonie mit dem Leben heraus, wie er durch das Aufgehen in Glück und Erfolg seinem Wesen entfremdet wird. Das ist der andere Pendelausschlag des menschlichen Innenlebens zu dem Leben in Glück und Erfolg: dieses ganz in sich leben wollen, daß man die Welt flieht, weil sie Mißerfolg, Schmerz über uns ausgießen will. Allerdings ist es zum gesamten menschlichen Erleben notwendig, daß der Mensch diese zwei Pendelausschläge hat; es handelt sich nur darum, wie er sie erlebt. Wenn er sie nicht erlebt, dann sucht er sie sogar. Und ich will, einfügend in diese Betrachtung, zeigen, wie er diese Entfremdung suchen kann, die wir im naturgemäßen Gang im Glück erfahren, wo also der Mensch nicht mehr in sich ist, wo er aufgehen will in einem Element, das seinem eigentlichen Ich entfremdet ist. |
[ 11 ] What is brought together in a human being through the elements of their nature takes on a different composition in relation to the finer aspects of existence—in happiness as well as in suffering. When we experience happiness, when the soul immerses itself in this happiness, or even when it becomes absorbed in its successes, what happens to human nature? Then, as it were, that which otherwise lies dormant within human nature bursts forth from within, pursuing what enters us from the outside in the form of happiness and success; the human being becomes estranged from his inner self; he ceases to be merely within himself. The human being enters into a foreign realm. This becoming alienated, this stepping outside of oneself, is what presents itself to us, as it were, as the single swing of the pendulum of human inner experience in happiness. When a person experiences pain, when they face failure, then the spiritual-soul aspect—as if fleeing from the pain and failure—withdraws deeper into the inner self than it would normally have to coexist with this inner self in the regular course of existence; it is then as if the spiritual-soul aspect were, so to speak, clenching itself up, so that the person does not, as in happiness and success, lose themselves in the external world, but rather withdraws into themselves. And since human beings are so constituted that they can find peace and satisfaction only in harmonious connection with the world, their clenched inner state throws them out of harmony with life just as much as their absorption in happiness and success alienates them from their true nature. This is the other swing of the pendulum of human inner life, in contrast to a life of happiness and success: this desire to live entirely within oneself, to flee the world because it seeks to pour failure and pain upon us. However, it is essential to the fullness of human experience that a person undergo these two swings of the pendulum; the question is simply how they experience them. If they do not experience them, then they even seek them out. And I wish, as an aside to this reflection, to show how a person can seek this alienation, which we experience in the natural course of happiness—that is, when a person is no longer at one with himself, when he wishes to lose himself in an element that is alien to his true self. |
[ 12 ] Das ist dann der Fall, wenn der Mensch sich nicht gestehen will, was in diesem Ich eigentlich enthalten ist, wenn er in das Bewußtsein nicht in Wahrheit das heraufkommen lassen will, was in diesem Ich enthalten ist, sondern dafür in ein anderes Element eintaucht und sich betäubt über die Wahrheit des Ich durch ein Ruhen in der äußeren Welt. Diese Betäubung kann gesucht werden, und sie wird gesucht. Und wir sehen — lassen Sie mich dies einfügen — gerade in unserer Zeit die traurigsten Beispiele eines solchen Suchens, eines solchen Sichentfremdens und Sicheinlebenwollens in das, was nicht dem Ich angehört, weil man dieses Ich in seiner wahren Gestalt sich nicht eingestehen will. So kann es sein, daß ganze Menschenmassen von einem solchen Gefühl ergriffen werden, sich betäuben zu wollen mit etwas anderem, als was das Ich eigentlich sagt. Nehmen wir einmal an, das Ich einer Anzahl von Menschen hätte durch Jahrzehnte hindurch gesagt: «Revanche wollen wir haben für das, was uns genommen worden ist — Revanche unseretwillen», und es käme ein Augenblick, wo man sich nicht gestehen will, was im eigentlichen Ich ruht, wo man darüber hinauszukommen sucht, dann sucht man etwas, um sich zu betäuben — und sagt nun nicht: «Wir wollen Revanche haben», sondern dann sagt man: «Wir wollen kämpfen für Freiheit und Recht der Völker!» Das ist nichts anderes als das Suchen nach dem Extrem des einen Pendelausschlages: der Betäubung. Oder man singt durch Jahrzehnte oder noch länger: «Rule Britannia», «herrsche Britannien», und wie die Fortsetzung, die ja hinlänglich bekannt ist, lautet —, und man will sich das in einem bestimmten Augenblicke nicht eingestehen: man sagt dann nicht, was in der innerlichsten Gestalt des Ich ruht, sondern man findet es nötig, aus seinem Wesen herauszugehen, indem man sagt: Man kämpfe für Freiheit und Recht der Völker!
[ 12 ] This is the case when a person refuses to acknowledge what is actually contained within this “I,” when he does not truly allow what is contained within this “I” to rise into consciousness, but instead immerses himself in another element and numbs himself to the truth of the “I” by resting in the external world. This numbness can be sought, and it is sought. And we see—let me add this—precisely in our time the saddest examples of such a search, of such alienation from oneself and a desire to immerse oneself in what does not belong to the “I,” because one does not want to admit this “I” in its true form. Thus it may be that entire masses of people are seized by such a feeling of wanting to numb themselves with something other than what the “I” actually says. Let us suppose that the “I” of a number of people had been saying for decades: “We want revenge for what has been taken from us—revenge for our sake,” and then a moment comes when one does not want to admit what lies at the core of the true “I,” when one seeks to move beyond it; then one looks for something to numb oneself—and no longer says: “We want revenge,” but instead one says: “We want to fight for the freedom and justice of the peoples!” This is nothing other than the search for the extreme of one swing of the pendulum: numbing oneself. Or one sings for decades or even longer: “Rule Britannia,” “Britain, rule!”—and as the continuation, which is well known, goes—and at a certain moment one does not want to admit this to oneself: one does not then say what lies at the very core of one’s being, but one feels it necessary to step outside one’s own nature by saying: Let us fight for the freedom and rights of the peoples!
[ 13 ] Wie Epidemien kann über ganze Menschenmassen diese Sucht hereinbrechen, sich zu betäuben in dem, was außerhalb ergriffen wird, weil man in seinem Ich nicht bleiben will. Aber der Mensch findet nur seine Richtung, seine Sicherheit im Leben, wenn er nicht nur in seinem Ich zu bleiben vermag, sondern wenn er sein Ich hineinzutragen versteht in alles Glück, in alles Leid, in alle Erfolge, in alle Mißerfolge. Die Festigung dieses Ich, die innere Sicherung und Durchkraftung des Ich erlangen wir, wenn wir: hervorholen, was das Ich unsicher macht. Und unsicher macht es die in den dunklen Regionen der Seele unten bleibende Erkenntnis der geistigen Welt, die da unten ruht und sich wie ein schaukelnder Kahn gestaltet,. solange sie unten in den Tiefen der Seele ist, die aber Sicherheit im Leben gibt, wenn sie gleichsam an einem anderen Ort — in das Bewußtsein — heraufgeholt wird. Und es zeigt sich das Seltsame, daß wir auf die Frage: Warum suchen wir Geisteswissenschaft? nicht antworten können: «Um uns an dieser Geisteswissenschaft zu befriedigen, um die Freude der Erhebung an dieser Geisteswissenschaft zu haben»; sondern darum müssen wir diese Erkenntnisfähigkeit ins Bewußtsein heraufholen, weil wir sie in unserem Unterbewußtsein schon haben, aber weil sie dort nicht bleiben darf. Und je mehr wir uns anstrengen, Erkenntnisse über die geistige Welt in uns zu haben, desto mehr werden wir finden, daß — ob uns nun diese geistige Erkenntnis Freude oder Leid bereitet — aus unserm Inneren etwas anderes wird. Denn es ist leicht vorzustellen, daß, während dieses unbewußte Innere sonst erfüllt ist von den Kräften, die als Geisteswissenschaft hervorkommen können, dieses unser unterbewußtes Innere leer wird in dem Maße, als wir uns bewußt durchdringen mit dem, was uns die Geisteswissenschaft zu geben vermag. Es ist wirklich der Vergleich berechtigt, wenn wir sagen: Es ist, wie wenn wir aus einer Luftpumpe die Luft herauspumpen wollen: Wir machen den Raum des Rezipienten leer, und andere Luft kann in ihn hinein. So kann Anderes in unsere Seele hinein, wenn wir sie leer machen von dem, was wir in unser Bewußtsein heraufholen.
[ 13 ] Like an epidemic, this addiction can sweep over entire masses of people, leading them to seek numbness in external experiences because they do not want to remain within their own selves. But a person finds their direction and security in life only when they are not only able to remain within their “I,” but also when they know how to carry their “I” into every joy, every sorrow, every success, and every failure. We attain the strengthening of this “I”—its inner security and resilience—when we bring to the surface what makes the “I” insecure. And what makes us insecure is the knowledge of the spiritual world that remains in the dark regions of the soul below, where it rests and takes the form of a rocking boat; as long as it remains down in the depths of the soul, it causes insecurity, but it provides security in life when it is, as it were, brought up to another place—into consciousness. And it is strange that, when asked, “Why do we seek spiritual science?” we cannot answer, “To find satisfaction in this spiritual science, to experience the joy of elevation through this spiritual science”; rather, we must bring this capacity for insight up into consciousness because we already possess it in our subconscious, but because it must not remain there. And the more we strive to gain insights into the spiritual world within us, the more we will find that—whether this spiritual insight brings us joy or sorrow—something else is taking shape within us. For it is easy to imagine that, while this unconscious inner self is otherwise filled with the forces that can emerge as spiritual science, our subconscious inner self becomes empty to the extent that we consciously imbue ourselves with what spiritual science is able to give us. The comparison is truly apt when we say: It is as if we were trying to pump the air out of a bell jar—we empty the space of the vessel, and other air can flow into it. In the same way, other things can enter our soul when we empty it of what we bring up into our consciousness.
[ 14 ] Und was kann dann in die Seele hinein? Diejenigen Kräfte können dann in unsere Seele hinein, mit denen diese Seele ihrem eigentlichen Charakter nach verbunden ist. Denn machen wir unsere Seele leer von dem, was in die Bewußtheit herauf will, so öffnen wir die nun leer gewordene Seele den Eingriffen der göttlich-geistigen Impulse, die unsern Willen durchglühen, die unser Gefühl erwärmen mit den Kräften, die aus den göttlich-geistigen Impulsen hervorquellen und uns Sicherheit im Leben geben, so daß wir uns im rechten Augenblick sagen: Dahin sollst du dich wenden, so sollst du auffassen, was im Leben als Glück und Freude, als Schmerz und Leid an dich herantritt. Daher wird der Mensch bemerken, daß es nicht so sehr darauf ankommt, was als Geisteswissenschaft an uns herantritt, sondern was durch die Geisteswissenschaft aus unserer Seele wird. Wir können emsig die Seele verfolgen und werden bemerken: Indem du dich anstrengst, diese Erkenntnisse in deine Seele heraufzubringen, wird etwas ganz anderes aus deiner Seele, als was sie früher war. Momente treten ein, die früher nicht da waren, in welchen die Seele fühlt: «Jetzt hab’ ich dies — jetzt habe ich jenes zu tun», wo Impulse kommen, die uns das bringen, was uns das Lebensgleichgewicht gibt, Impulse, die nicht da wären, wenn sie nicht verdrängt worden wären von den noch unbewußt verbliebenen Erkenntnissen, die durch die Geisteswissenschaft heraufgeholt werden.
[ 14 ] And what, then, can enter the soul? The forces with which the soul is intrinsically connected can then enter it. For when we empty our soul of whatever seeks to rise into consciousness, we open the now-empty soul to the influence of the divine-spiritual impulses that set our will ablaze, that warm our feelings with the forces springing from these divine-spiritual impulses, and that give us security in life—so that at the right moment we say to ourselves: “This is where you should turn; this is how you should perceive what comes to you in life as happiness and joy, as pain and suffering.” Therefore, a person will realize that what matters is not so much what comes to us as spiritual science, but rather what spiritual science brings about in our soul. We can diligently observe the soul and will notice: As you strive to bring these insights into your soul, something quite different emerges from your soul than what it used to be. Moments arise that were not there before, in which the soul feels: “Now I have this to do—now I have that to do,” moments in which impulses arise that bring us what gives us balance in life—impulses that would not be there if they had not been suppressed by the insights that remained unconscious and are now brought to the surface through spiritual science.
[ 15 ] Wenn wir Geisteswissenschaft pflegen, dann benehmen wir uns in bezug auf unser Inneres gleichsam so, wie sich der benimmt, der einen Strom regulieren will: er geht nicht an das Wasser direkt heran, um es irgendwohin zu leiten, denn damit würde er wenig weit kommen; sondern er geht zunächst an die Erde heran, sucht sie an einer Stelle leer zu machen, sucht einen Erdspalt zu machen, durch den der Strom dann gehen kann. So verhält es sich auch mit unserer Seele. Was uns Lebenssicherheit, Lebensharmonie, was uns eine ruhige Lebensauffassung in Glück und Leid bringen kann — wir können nicht so da herangehen, wie wenn wir an das Wasser direkt herangehen würden; aber wie das Wasser von selbst in den Raum strömt, den wir ihm in der Erde bereitet haben, so strömen die geistigen Kräfte von selbst ein in den Willen und in das Gemüt, wenn wir ihnen das Bett bereiten. Und das Bett bereiten wir ihnen, wenn wir aus den Seelengründen herausholen, was sonst das Eindringen der göttlich-geistigen Welt verhindert — was aber dieses Eindringen nicht mehr verhindert, wenn wir es in das Bewußtsein heraufholen. Daher ist es, daß wir durch das Studium der Geisteswissenschaft nicht nur etwas erkennen, nicht nur etwas erfahren, sondern daß wir im wirklichen Sinne des Wortes verwandelt werden, weil das, was sonst in unsere Seele nicht hinein kann, dann in sie hineinfließt und wir gewissermaßen als den Erfolg des Studiums der Geisteswissenschaft ein inneres Starkwerden, ein inneres Durchkraftetwerden der Seele verspüren.
[ 15 ] When we practice spiritual science, we behave toward our inner self, as it were, just as someone who wants to regulate a stream would behave: he does not approach the water directly to divert it somewhere, for that would get him nowhere; rather, he first approaches the earth, seeks to hollow it out in one spot, and seeks to create a fissure through which the stream can then flow. The same is true of our soul. Whatever can bring us security in life, harmony in life, and a peaceful outlook on life in both happiness and suffering—we cannot approach these things as we would if we were to approach the water directly; but just as the water flows of its own accord into the space we have prepared for it in the earth, so do the spiritual forces flow of their own accord into the will and the mind when we prepare a channel for them. And we prepare this channel for them when we draw out from the depths of our soul what otherwise prevents the divine-spiritual world from entering—but which no longer prevents this entry once we bring it up into consciousness. That is why, through the study of spiritual science, we do not merely recognize something or experience something, but are transformed in the true sense of the word, because what otherwise cannot enter our soul then flows into it, and we feel, as it were, an inner strengthening, an inner fortification of the soul as the result of our study of spiritual science.
[ 16 ] Durch was durchkraftet werden? Durch was stark werden? Wir können es nicht in jedem Augenblicke fühlen. Aber wir können es so gewahren, daß, wenn wir einem Glück entgegentreten, das uns sonst betäuben, uns gefangennehmen könnte, wir zwar dieses Glück erleben, es voll durchmachen, aber uns selbst dann mit der verstärkten inneren Seele, mit unserm durchkrafteten Innenwesen in dieses Glück hineintragen; daß wir einen Schmerz zwar ebenso traurig erleben, aber untertauchen können in diesen Schmerz, unser Ich in ihn hinein .« tragen und uns nicht zu entfremden brauchen von der Welt, indem wir unser Ich in diesen Schmerz hineintragen.
[ 16 ] What gives us strength? What makes us strong? We cannot feel it at every moment. But we can perceive it in this way: when we encounter a happiness that might otherwise numb us or take us captive, we do indeed experience this happiness and go through it fully, yet we carry ourselves into this happiness with a strengthened inner soul, with our inner being imbued with strength; that while we experience a pain just as sorrowfully, we can immerse ourselves in this pain, carrying our self into it.” and need not alienate ourselves from the world by carrying our “I” into that pain.
[ 17 ] Man muß etwas tiefer in die Geisteswissenschaft hineinschauen, wenn man den ganzen Umfang dessen erkennen will, was eine solche Veränderung gegenüber dem Glück oder dem Leid für das Leben eigentlich bedeutet. Denjenigen Zustand, der in der Menschenseele als das — wenn das Wort nicht mißverstanden wird — Hellsichtigwerden der Seele eintritt, kann man ansehen wie ein Aufwachen, indem man durch dieses Aufwachen in eine Welt tritt, von der man nichts gewußt hat, solange man nur die Anschauungen über die physische Welt und die Verstandesurteile über diese Welt hatte. Nehmen wir nun an, ein Mensch würde, während er in Glück und Erfolg drinnen steht, plötzlich so «aufwachen». Denken wir uns also einen Menschen, der bisher nur gewohnt war, die physische Welt anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, also in diese physische Welt untertaucht ohne die Kraft, welche ihm die Geisteswissenschaft geben kann; und stellen wir uns vor, ein solcher Mensch würde mitten im Erfolge aufwachen, die geistige Welt würde da sein. Was würde er dann sehen?
[ 17 ] One must look a little deeper into spiritual science if one wishes to grasp the full scope of what such a change—in relation to happiness or suffering—actually means for life. The state that arises in the human soul—if the term is not misunderstood—as the soul’s becoming clairvoyant can be regarded as a kind of awakening, through which one enters a world of which one knew nothing as long as one had only perceptions of the physical world and intellectual judgments about that world. Let us now suppose that a person, while immersed in happiness and success, were to suddenly “awaken” in this way. So let us imagine a person who, until now, was accustomed only to observing the physical world and allowing it to affect him—that is, immersing himself in this physical world without the power that spiritual science can provide; and let us imagine that such a person were to “awaken” in the midst of success, and the spiritual world were to be there. What would he then see?
[ 18 ] Ein solches Aufwachen kann ein tief finsterer Augenblick werden in dem sonst gerade glückerfüllten Leben. In einem solchen Augenblick tritt das vor die Seele, was charakterisiert worden ist: das Entfremdetwerden der Seele vor sich selber. Und was der Mensch im Glück, im Erfolg genossen hat, was er eben noch durchgemacht hat, das sieht er gleichsam versinken, und so versinken, daß er es nicht halten kann, weil er die Kraft nicht hat, es zu halten. Daß wir im Leben uns verlieren, wenn wir, ohne Geist-Erkenntnis, ins Glück und in den Erfolg hineinsteuern, das kann durch ein solches Aufwachen ganz besonders vor unsere Seele treten. Denn diejenigen Momente — das erkennt man durch die Geisteswissenschaft —, die wir in Glück und Erfolg erringen, können nur dann zu wirklich stärkenden Kräften unseres ewigen, durch die Pforte des Todes in die Ewigkeit übergehenden Ich werden, wenn wir uns nicht verlieren, sondern uns im Erleben des Glückes erhalten. Geisteswissenschaft ist nicht dazu angetan, dem Menschen das Glück zu versauern oder zu verargen; kein Quentchen von Glück und Freude will die Geisteswissenschaft dem Menschen nehmen oder abschwächen. Worauf sie aber hindeuten will, ist, daß das Glück, welches ohne den charakterisierten Zusammenhang mit der Welt durchlebt wird, sich nicht verbinden kann in seinen Wirkungen mit den tiefsten Kräften unseres Ich. Denn für den, welcher so durch die Welt geht, daß er — ohne GeistErkenntnis — ungestärkt ist in bezug auf sein Ich, kommt weiter nichts aus dem Glück heraus als nur die Sehnsucht nach neuem Glück, und aus diesem wiederum nur Sehnsucht nach weiterem Glück. Er nimmt nicht aus dem einen Glückserlebnis die stärkenden Kräfte mit für alles folgende Leben. Wer aber in das Glück diejenigen Kräfte hineinträgt, die sich ihm erschließen, wenn er geistige Erkenntnis sucht, der saugt aus dem Glück erhaltende, belebende Kraft, die er in sein Ich hineinträgt, weil er es durch die Geisteswissenschaft gestärkt hat; und er trägt, was ihm Glück und Erfolg geben können, für alle Ewigkeiten mit sich.
[ 18 ] Such an awakening can become a deeply dark moment in a life that is otherwise filled with happiness. In such a moment, what has been described comes to the forefront of the soul: the soul’s alienation from itself. And what a person has enjoyed in happiness and success—what they have just experienced—they see, as it were, sinking away, and sinking so deeply that they cannot hold on to it, because they lack the strength to do so. The fact that we lose ourselves in life when we, without spiritual insight, rush headlong into happiness and success—this can be brought particularly vividly before our soul through such an awakening. For—as spiritual science reveals—those moments we attain through happiness and success can only become truly strengthening forces for our eternal “I,” which passes through the gate of death into eternity, if we do not lose ourselves but rather preserve ourselves within the experience of happiness. Spiritual science is not intended to sour or diminish a person’s happiness; it does not seek to take away or weaken even a shred of a person’s happiness or joy. What it does, however, seek to point out is that happiness experienced without this specific connection to the world cannot, in its effects, unite with the deepest forces of our “I.” For those who go through the world in such a way that—without spiritual insight—they remain unstrengthened in relation to their “I,” nothing emerges from happiness except the longing for new happiness, and from this, in turn, only the longing for further happiness. They do not draw from a single experience of happiness the strengthening forces for all their future lives. But whoever brings into happiness those forces that open up to him when he seeks spiritual knowledge draws from happiness a sustaining, vitalizing power, which he carries into his “I” because he has strengthened it through spiritual science; and he carries with him, for all eternity, whatever happiness and success can give him.
[ 19 ] Und ähnlich ist es mit dem Schmerz, mit Leid und Mißerfolg. Wieder können wir von jener Geist-Erkenntnis ausgehen, die uns Antwort gibt auf die Frage: Was stellt sich dem Menschen dar, wenn er im Momente des größten Schmerzerleidens plötzlich aufwachen würde, wenn er schauen würde, was als geistige Welt da ist? Er würde dann sehen die Wirkung des Zurückzuckens von der Welt, des krampfhaften Sichzusammenziehens; er würde sehen Verfinsterung desjenigen, was um ihn herum ist. Geistige Verfinsterung würde der Mensch wahrnehmen, wenn er ohne Geist-Erkenntnis plötzlich aufwachen würde. Diese Verfinsterung verwandelt sich wiederum für den, der eine durch Geisteswissenschaft gestärkte Seele in den Schmerz hineinträgt; anders wird für ihn das Aufwachen, Licht ist es um eine solche Seele. Und also geistbewußt den Schmerz durchlebend, wird die Seele Sieger über den Schmerz, über alle Mißerfolge, und es geht die Frucht des Schmerzes, des Mißerfolges aus solchem Erleben für die Seele hervor. Diese Frucht ist Erhöhung der Erkenntnis, ist Durchdringung der Erkenntnis mit dem Bewußtsein von dem geistigen Leben.
[ 19 ] And the same is true of pain, suffering, and failure. Once again, we can start from that spiritual insight that answers the question: What would a person perceive if, at the moment of greatest pain and suffering, he were to suddenly awaken and see what exists as the spiritual world? They would then see the effect of the world recoiling, of its convulsive contraction; they would see the darkening of everything around them. A person would perceive a spiritual darkening if they were to suddenly awaken without spiritual insight. This darkening, however, transforms for the one who carries a soul strengthened by spiritual science into the pain; for them, the awakening is different—there is light around such a soul. And so, by living through pain with spiritual awareness, the soul triumphs over pain and over all failures, and the fruit of pain and failure emerges for the soul from such an experience. This fruit is an elevation of knowledge, an infusion of that knowledge with an awareness of spiritual life.
[ 20 ] Weil es so ist, deshalb habe ich öfter hier in diesen Vorträgen ein Erlebnis, eine Erfahrung angeführt, die der Geistesforscher durchmachen kann. Glück und Freude kommen ja im Grunde genommen immer — oder wenigstens meistens — von außen an unsere Seele heran. Sie sind wie etwas, was uns entgentritt. Indem wir bei unserm Schmerz, bei unserm Leid in unserm Erleben aufgehen, ziehen wir uns in uns selber zurück. Das Glück möchten wir erhaschen, den Schmerz möchten wir fliehen; aber wir könnten ihm nur entfliehen, indem wir uns in uns selber zusammenkrampfen. Nun könnte man denjenigen, der einige Geist-Erkenntnis in seiner Seele aufgesammelt hat, fragen: Was möchtest du in deinem Leben lieber missen: was du an Glück und Freude erlebt hast — oder was du an Schmerz und Leid, ja an Mißerfolgen selbst erfahren hast? Und der Geist-Erkennende wird darauf zur Antwort geben: Dankbar, herzlich dankbar bin ich den geistigen Welten, daß sie mir mein Glück und meine Freude gesendet haben; soll ich aber wählen, was ich lieber in meinem Leben missen würde — Glück oder Schmerz, so würde ich lieber das Glück missen; denn ich kann dem Glück zwar viel verdanken, was mir aber an Licht über die Welt geworden ist, das verdanke ich meinen durchlebten Mißerfolgen; und was ich mit meiner Erkenntnis geworden bin, das bin ich durch meine erlebten Schmerzen geworden, und im wahren Sinne des Wortes muß ich sagen: Gefunden habe ich mich durch meine Schmerzen, harmonisch hingeordnet zur Welt habe ich mich durch meine Schmerzerlebnisse!
[ 20 ] That is why, in these lectures, I have often cited an experience that the spiritual researcher may undergo. Happiness and joy, after all, always—or at least most of the time—come to our soul from the outside. They are like something that comes toward us. When we become absorbed in our pain and suffering in our own experience, we withdraw into ourselves. We want to seize happiness; we want to flee from pain; but we can only escape it by clenching ourselves up inside. Now one might ask someone who has gathered some spiritual insight in their soul: What would you rather do without in your life: the happiness and joy you have experienced—or the pain and suffering, indeed the failures, that you have experienced yourself? And the one who has gained spiritual insight will answer: I am grateful, deeply grateful to the spiritual worlds for having sent me my happiness and joy; but if I were to choose what I would rather do without in my life—happiness or pain—I would rather do without happiness; for although I owe much to happiness, the light I have gained about the world I owe to the failures I have lived through; and what I have become through my insight, I have become through the pain I have experienced, and in the truest sense of the word, I must say: I have found myself through my pain; through my experiences of pain, I have found my harmonious place in the world!
[ 21 ] So gründlich lernt der Mensch umerkennen über Schmerz und Glück, wenn er sein Verhältnis zur geistigen Erkenntnis gewonnen hat. Und wenn wir uns fragen: Was also ist es, was, man möchte sagen, wie ein Lebenselixier, wie eine lebendige Kraft des Lebens in die Seele dadurch einfließt, daß der Mensch die geistig-göttlichen Kräfte in die Seele einströmen läßt und sie mit geistiger Erkenntnis erfüllt? so können wir sagen: Es fließen ein in die Seele Ruhe, Gleichgewicht und Sicherheit — solche Ruhe, solches Gleichgewicht, solche Sicherheit, daß nun dadurch Glück und Leid, Erfolge und Mißerfolge etwas ganz Neues werden für das Leben.
[ 21 ] This is how thoroughly a person comes to understand pain and happiness once they have gained a relationship with spiritual knowledge. And when we ask ourselves: What, then, is it that—one might say—flows into the soul like an elixir of life, like a living force of life, as a person allows the spiritual-divine forces to flow into the soul and fills it with spiritual insight? Then we can say: Peace, balance, and security flow into the soul—such peace, such balance, such security that, as a result, happiness and suffering, successes and failures become something entirely new in life.
[ 22 ] Was werden sie? — Nun, das Glück wird, weil wir durch das Glück unsern Zusammenhalt mit der Außenwelt haben, eine Stärkung unseres ganzen Wesens; in unser Gefühl, in unser Gemüt und in unsere Willensimpulse fließt das Glück ein. Wir verdämmern uns nicht das Glück, wir versauern es uns nicht; wir verachten nicht das Glück. Wir nehmen es hin — dankbar — aus den Händen der Weltenmächte, aber wir durchschreiten es so, daß wir ewige Früchte am Baume des Glückes pflücken, Früchte für unsern Willen, Früchte für unser Gemüt. Und wer in die Lage kommt, also das Glück zu genießen, er kann erfahren, daß er an diesem Glück wahrhaftig nicht weniger erlebt als derjenige, der geistunbewußt das Glück durchmacht. Feiner und intimer sind die Glückserlebnisse; feiner und intimer deshalb, weil sie uns gleichsam die Fenster geben in eine geistige Welt hinein, weil sie zur Vermittelung jener Stärkung unserer Seele werden, die uns aus den geistigen Welten kommen kann.
[ 22 ] What will they become? — Well, since happiness is what binds us to the outside world, it becomes a source of strength for our entire being; happiness flows into our feelings, our mind, and our impulses of will. We do not dim our happiness, we do not sour it; we do not despise happiness. We accept it—gratefully—from the hands of the powers of the world, but we pass through it in such a way that we pluck eternal fruits from the tree of happiness—fruits for our will, fruits for our mind. And whoever finds themselves in a position to enjoy happiness in this way can discover that they truly experience no less of this happiness than those who go through it without spiritual awareness. These experiences of happiness are more subtle and intimate; they are more subtle and intimate because they, as it were, open windows into a spiritual world for us, because they serve to convey that strengthening of our soul which can come to us from the spiritual worlds.
[ 23 ] Und wenn wir also in den Schmerz untertauchen? Wahrhaftig, nicht ein sentimentales Trostmittel für des Lebens Schmerzen soll Geisteswissenschaft werden; nicht zum Flachling kann die Geisteswissenschaft den Menschen machen. Was uns Schmerz bereitet, das muß uns Schmerz bereiten, das ist heilsam; denn es stählt der Schmerz das Leben, es stählt der Schmerz die Kraft. Also nicht über den Schmerz hinwegheben will die Geisteswissenschaft. Im Gegenteil; man wird noch tiefer in ihn hineindringen, man wird sein Wesen so recht auskosten müssen, gerade wenn man geisterkennend geworden ist. Aber wie uns aus dem Glück die Stärkung des Willens und des Gemütes kommen kann, so wird aus dem Schmerz herausdringen die Stärkung der Erkenntnis, die Sicherheit der Erkenntnis, und die Stärkung und Sicherheit eines anderen Teiles des Gemütes, mehr, als es durch das Glück sein kann. Wie der, welcher als Märtyrer über den Schmerz des Lebens dahinstirbt, uns wunderbar ergreifend den Sieg des Lichtes über die Finsternis des Lebens zeigt, so nimmt der Mensch, indem er sein geistbewußtes Ich in den Schmerz hineinträgt, selber wahr, wie das geistbewußte Ich sich erhebt über den Schmerz, aber, indem es sich über ihn erhebt, immer leuchtender und leuchtender wird und sich mit jenem Lichte erfüllt, das da eine Leuchte ist im Lebenssturm und im Daseinskampf.
[ 23 ] And so, what if we immerse ourselves in pain? Truly, spiritual science is not meant to be a sentimental remedy for life’s pains; spiritual science cannot turn people into shallow beings. What causes us pain must cause us pain; that is healing; for pain tempers life, pain tempers strength. Thus, spiritual science does not seek to lift us above pain. On the contrary; one must penetrate even deeper into it, one must truly savor its essence, precisely when one has become spiritually aware. But just as happiness can strengthen the will and the mind, so too will pain give rise to a strengthening of knowledge, the certainty of knowledge, and the strengthening and certainty of another part of the mind—more so than happiness ever could. Just as the one who, as a martyr, passes away through the pain of life, shows us in a wonderfully moving way the victory of light over the darkness of life, so too does the human being, by carrying his spiritually conscious “I” into the pain, perceive for himself how the spiritually conscious “I” rises above the pain, but, as it rises above it, becomes ever brighter and brighter and fills itself with that light which is a beacon in the storm of life and in the struggle of existence.
[ 24 ] Nicht Erkenntnis allein gibt uns die Geisteswissenschaft. Was sie uns gibt, das ist zunächst nur Ursache. Die Wirkung ist aber ein durch Lebensgleichgewicht und Lebensruhe gestärktes Ich, die Gewinnung eines ruhenden Poles in der Erscheinungen Flucht. Das Wichtigste aber ist die Lebensenergie, die uns Geisteswissenschaft gibt, und das Bewußtsein, durch das wir uns sagen: Durch deine Anstrengungen in der Geisteswissenschaft erlangst du nicht nur das, was sich dir zuletzt darstellt als Erkenntnis; du hast Erkenntnis angestrebt, aber du hast sie nur hervorgeholt aus den Tiefen deiner Seele, weil du die Seele leer haben wolltest; und jetzt zeigt sich dir, daß sie voll wurde, daß das göttlich-geistige Leben gnadenvoll in die Tiefen deines Wesens einströmt, dich sicher macht und harmonisch im Leben. Damit ist als Wirkung der Geisteswissenschaft eine tief religiöse Stimmung gekennzeichnet, ein Gefühl, für das die Seele durchwallende Göttliche in dieser Seele. Und wir werden erfüllt von Dankesstimmung, von einer fortdauernden Gebetsstimmung dem gegenüber, was die Welt durchquellt, wenn wir die Seele freigemacht haben für das, was in sie einströmen kann, wenn wir erkennen, wie das Göttliche, wenn wir ihm die Stätte bereitet haben, wirklich eins wird mit unserer Seele — ganz nach den Forderungen eines Meister Eckhart, eines Johannes Tauler, Jacob Böhme, Angelus Silesius. Und indem wir uns so in eine erwartende Stimmung versetzen, gleichsam in die Leerheit unserer Seele, bereiten wir uns. die Möglichkeit, daß in den Lebensintuitionen, Lebensinspirationen dasjenige unser Gemüt durchwärmt und durchpulst, was uns das Rechte tun läßt. Wir erkennen uns als Werkzeug der Weltengeister, die zu uns in ein Verhältnis treten wollen. Das aber gibt dem Leben Reichtum und Sicherheit, die unverlierbar sind.
[ 24 ] Spiritual science does not give us knowledge alone. What it gives us is, at first, merely a cause. The effect, however, is an “I” strengthened by life’s balance and tranquility—the attainment of a point of stillness amid the flux of phenomena. But the most important thing is the life energy that spiritual science gives us, and the awareness through which we tell ourselves: Through your efforts in spiritual science, you do not merely attain what ultimately presents itself to you as knowledge; you have sought knowledge, but you have drawn it forth from the depths of your soul only because you wanted to empty your soul; and now it becomes clear to you that it has become full, that the divine-spiritual life flows graciously into the depths of your being, making you secure and harmonious in life. Thus, a profoundly religious mood characterizes the effect of spiritual science—a feeling of the divine surging through the soul. And we are filled with a spirit of gratitude, with a continuous spirit of prayer toward that which permeates the world, when we have freed the soul for what can flow into it, when we recognize how the Divine—once we have prepared a place for it—truly becomes one with our soul—entirely in accordance with the teachings of Meister Eckhart, Johannes Tauler, Jacob Böhme, and Angelus Silesius. And by placing ourselves in such a state of anticipation—as it were, in the emptiness of our soul—we open ourselves to the possibility that, in the intuitions and inspirations of life, that which leads us to do what is right will warm and pulse through our hearts. We recognize ourselves as instruments of the spirits of the worlds, who wish to enter into a relationship with us. And this gives life a richness and security that cannot be lost.
[ 25 ] Was ist es denn, was da in unsere leere Seele hereinzieht? Was ist das, was die Seele in ihrem Wesen verbindet mit dem, was eben ihres Wesens ist? Das Göttlich-Geistige zieht in sie herein. Dann erst kann die Seele des Göttlich-Geistigen bewußt werden. Denn unbewußt bleibt es in der Tiefe des Schlafes, wenn Ich und astralischer Leib ausgeatmer sind, unbewußt bleibt es auch im Wachleben, weil es dann übertönt, überleuchtet wird von den äußeren Eindrücken des physischen Daseins. Wenn aber Geist-Erkenntnis uns erfüllt, dann werden wir lebendig des ewig Lebendigen in unserer Seele gewahr, und dann finden wir den Weg, um in der rechten Weise zusammenzuwachsen mit dem, was uns im Leben durch den Lebensstrom hindurchträgt.
[ 25 ] What is it, then, that draws into our empty soul? What is it that connects the soul, in its very essence, to that which is its very essence? The divine-spiritual draws into it. Only then can the soul become conscious of the divine-spiritual. For it remains unconscious in the depths of sleep, when the “I” and the astral body are at rest; it also remains unconscious in waking life, because it is then drowned out and overshadowed by the external impressions of physical existence. But when spiritual insight fills us, we become vividly aware of the eternally living within our soul, and then we find the path to grow together in the right way with that which carries us through life via the stream of life.
[ 26 ] Was aber trägt uns seelisch durch den Lebensstrom hindurch? Ein Wort deutet es uns an, ein Wort, inhaltsschwer: das menschliche Schicksal. Wie fassen wir, solange wir nur an den Äußerlichkeiten des materiellen Daseins haften, solange wir nur diese Äußerlichkeiten zusammenfassen wollen mit dem kombinierenden, an das Gehirn gebundenen Verstand, wie fassen wir da das Schicksal auf? Wir fassen es auf als etwas, was uns trifft, was an uns herankommt; wir reden von den «Zufälligkeiten» des Lebens. Schon in einem der letzten Vorträge wurde hier erwähnt, wie sich schon, ohne daß man an die Geisteswissenschaft heranstreift, diese Zufälligkeiten des Lebens ausnehmen. Wenn wir uns in irgendeinem Momente des Lebens prüfen, was wir eigentlich sind, was wir geworden sind, und dann in unserm Leben zurückblicken bis zu einem gewissen Zeitpunkt nach unserer Geburt, dann finden wir, daß wir das, was wir sind, dadurch geworden sind, daß gewisse Schicksalszufälle über unser Ich gekommen sind. Da haben wir vielleicht einmal während unserer Jugend rechte Mißerfolge gehabt: Als wir eine gewöhnliche Aufgabe der Schule zu lösen hatten, haben wir sie nicht lösen können, oder wir haben sie falsch gelöst; dadurch aber, daß wir sie falsch gelöst haben, hat dies für uns diese oder jene Folgen gehabt. Diese Folgen haben sich aber tief in unsere Seele eingegraben; sie sitzen jetzt noch, im Alter, in unserer Seele drinnen. Daß wir in einem bestimmten Falle des Lebens einen raschen Entschluß fassen können, das ist aber die Folge dessen, was uns früher Mißerfolg gebracht hat. So haben wir dadurch unsere Kräfte stärken können. Was wir jetzt sind, das verdanken wir dem, was uns schicksalsmäßig zugefallen ist.
[ 26 ] But what carries us spiritually through the stream of life? One word hints at it—a word rich in meaning: human destiny. How do we comprehend fate as long as we cling only to the outward appearances of material existence, as long as we seek to grasp these outward appearances solely with the analytical mind bound to the brain? We perceive it as something that befalls us, that comes upon us; we speak of the “coincidences” of life. Already in one of the recent lectures, it was mentioned here how, even without delving into spiritual science, these coincidences of life stand out. If, at any moment in life, we examine what we actually are, what we have become, and then look back in our lives to a certain point after our birth, we find that we have become what we are because certain twists of fate have befallen our “I.” Perhaps we experienced real setbacks at some point during our youth: when we had to solve a routine school problem, we were unable to solve it, or we solved it incorrectly; but the fact that we solved it incorrectly had certain consequences for us. These consequences, however, have become deeply ingrained in our soul; they still remain there, even in old age. The fact that we are able to make a quick decision in a particular situation in life is, however, the result of what previously brought us failure. In this way, we have been able to strengthen our powers. What we are now, we owe to what fate has brought upon us.
[ 27 ] Wenn wir diese Erkenntnis verfolgen, so können wir schon, ohne die Geist-Erkenntnis zu streifen, die Identifizierung des Lebens, unseres Ich, mit dem Schicksal finden. Wir sind unser Schicksal; denn unser Schicksal hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Erweitern wir diese Erkenntnis zu dem geisteswissenschaftlichen Erkennen, daß wir in Glück und Leid unser Ich in die Schicksalszufälle heraustragen, dann treten wir in die Schicksalszufälle ein. Und während wir sonst bei Glück und Leid finden: Wir müssen uns gleichsam von Glück und Leid absondern, wir dürfen nicht untergehen in ihm, so werden wir nun, wenn wir unser Schicksal, alles, was uns schicksalsmäßig trifft, betrachten, gerade das Gegenteil finden: Es hat an uns und durch uns selbst herankommen müssen! Denn alles, was das Schicksal gemacht hat, ist innig mit unserm Ich verbunden. Allmählich geschieht für unser Bewußtsein eine Vereinigung mit dem Schicksal: Wir wachsen mit dem Schicksal zusammen, wir tragen unser Ich in den Gang unseres Schicksals hinein. Wir kommen los von uns. Wir treten ein in unser Schicksal, wir gehen hinaus in den Gang der Welt. Wir werden Eins mit dem Gang der Welt, treten ein in den Strom des Lebens selber; wir gehen selbstlos auf in dem, was wir sonst nur mit Sympathie und Antipathie betrachten. Während wir sonst mit Sympathie einen Glücksfall, mit Antipathie einen Unglücksfall betrachtet haben, werden wir von nun an dem Schicksal gegenüber wissen: Da bist ja du selbst drinnen, und wärest du nicht da drinnen, so würdest du nicht geworden sein, was du jetzt bist!
[ 27 ] If we pursue this insight, we can already—without even touching on spiritual knowledge—find the identification of life, of our “I,” with destiny. We are our destiny; for our destiny has made us what we are. If we extend this insight to the spiritual-scientific understanding that, in happiness and suffering, we carry our “I” out into the vicissitudes of fate, then we enter into those vicissitudes. And while we might otherwise think, in times of happiness and suffering, that we must, as it were, separate ourselves from them—that we must not be swallowed up by them—we will now, when we consider our destiny—everything that befalls us as a matter of fate—find precisely the opposite: It had to come to us and through us! For everything that destiny has wrought is intimately connected with our “I.” Gradually, a union with fate takes place in our consciousness: We grow together with fate; we carry our “I” into the course of our destiny. We detach ourselves from our own selves. We step into our destiny; we go out into the course of the world. We become one with the course of the world, stepping into the very stream of life itself; we selflessly merge into that which we otherwise regard only with sympathy and antipathy. Whereas we used to view a stroke of good fortune with sympathy and a stroke of misfortune with antipathy, from now on we will know, when faced with fate: “There you are, right there inside it, and if you weren’t in there, you wouldn’t have become what you are now!”
[ 28 ] Was ich eben ausgeführt habe, das ist leichter gesagt, als im Leben durchgeführt. Wenn aber der Mensch sein Ich hineinträgt in den Lauf des Schicksals, dann wird die Schicksalsfrage zu etwas ganz anderem, als sie sonst im gewöhnlichen Leben ist. Dann wird sie zu etwas Lebendigem im Leben, dann facht sie in uns Kräfte an. Wie die Erkenntnis unsere Seele leer macht und göttlich-geistige Kräfte in uns einfließen können, so daß wir uns selbst erkraftet fühlen können, so fließt jetzt — während das Ich sonst leer war für die Schicksalsfälle — dadurch, daß wir unser Ich in das Schicksal hinaustragen, in dieses Ich dasjenige hinein, was durch Tod und Geburt geht, was uns in frühere Erdenleben zurückführt und uns zeigt, wie dieses jetzige Erdenleben der Ausgangspunkt neuerer Erdenleben ist. Kein anderer Weg ist es, durch den der Mensch Eins werden kann mit seiner ewigen Natur und Wesenheit, die durch Geburten und Tode geht, als der, Eins zu werden mit dem Strome des Schicksals, Eins zu werden durch die Erkenntnis, daß wir uns unser Schicksal oftmals schon zubereitet haben, und daß wir uns unser Schicksal für dieses Dasein zubereitet haben in den früheren Leben. Wir werden Eins mit dem, was uns im Innern der Seele mit dem Geist verbindet. Während wir sonst ein Mensch sind, der gleichsam auf einem unendlichen Meere in einem Kahne schwimmt und nichts weiß als das, was in diesem Kahne oder in seiner nächsten Nähe vor sich geht, erfährt der Mensch durch Geist-Erkenntnis, daß in diesem Meere nicht nur der eine Kahn ist; sondern viele Kähne sieht er nach der einen Richtung, viele Kähne nach der andern Richtung, und er weiß dann, daß sein Leben in diesem einen Kahne — zwischen Geburt und Tod — für eine gewisse Zeit währt, daß er aber dann, enthoben den Kräften, die ihn an das Leben in diesem Kahne fesseln, ein Leben in der geistigen Welt durchmacht, nach einiger Zeit aber wieder in einem anderen Kahne ist —, wie er weiß, daß er vorher in einem anderen Kahne war. Wie man unsicher wäre, wenn man nur an den einen Kahn sich gefesselt fühlte, wie man aber sicher wird, wenn man weiß, man kann zu bestimmter Zeit von dem einen Kahn in den andern fliehen, so wird das Leben in dem ewigen Strome des Daseins sicher, wenn wir uns in dieser Weise in das Schicksal hineinstellen, daß wir uns in unserm Ich mit dem Schicksal identifizieren. Was wir im Leben erfahren, was als unser Karma, als unser Schicksal aa uns herantritt, es wird zu demjenigen, was wir im Leben geworden sind. Wir lernen die Schicksalsfrage erkennen als die Vervollkommnungsfrage unserer Seele. Wir sagen uns dann: Erlebst du Leid, Schmerz, Mißerfolg, so durchdringen diese Leiden, Schmerzen, Mißerfolge deine Seele, machen sie stärker in jenem Teil, wo die bewußten Kräfte sind, und du gehst mit der gestärkten Seele durch die Todespforte durch und trittst mit den gestärkten Kräften in ein anderes Leben ein. Ist die Schicksalsfrage sonst eine solche, die uns Dunkelheit über das Leben ausbreitet, so wird sie eine Vervollkommnungsfrage für unsere Seele, sobald wir sie mit Geist-Erkenntnis durchdringen; und über das Leben ergießt sich innere Ruhe, wenn wir also an die Schicksalsfrage heranzutreten vermögen. Man kann sagen: Was im Leben an den Menschen herantreten kann, was das Leben notwendig von den Menschen fordert, all das erscheint in einem neuen Lichte, und alledem tritt der Mensch mit einer neuen Kraft entgegen, wenn er den Eintritt der göttlich-geistigen Kräfte in seine Seele dadurch ermöglicht, daß er den bewußten Teil der Kräfte seiner Seele mit Geist-Erkenntnis ausfüllt. Daher ist Geist-Erkenntnis nicht bloße theoretische Erkenntnis, nicht etwas, das wir nur in Begriffen und Ideen aufnehmen; sondern indem wir sie in Begriffen und Ideen aufnehmen, machen wir unsere Seele zu etwas anderem. Wir «beweisen» nicht die Unsterblichkeit der Seele durch die Geisteswissenschaft, sondern wir bereiten, indem wir uns der Geisteswissenschaft hingeben, die Seele so vor, daß sie sich in ihrer lebendigen Natur erlebt und so ihr Unsterbliches erlebt. Ein neues Leben, ein auferwecktes Leben gibt Geisteswissenschaft der Menschenseele.
[ 28 ] What I have just explained is easier said than done in real life. But when a person brings their true self into the course of fate, then the question of fate becomes something entirely different from what it usually is in everyday life. Then it becomes something alive within life itself; then it kindles forces within us. Just as insight empties our soul, allowing divine-spiritual forces to flow into us so that we can feel ourselves strengthened, so now—whereas the “I” was otherwise empty in the face of the events of fate—by carrying our “I” out into fate, into this “I” flows that which passes through death and birth, that which leads us back to earlier earthly lives and shows us how this present earthly life is the starting point for future earthly lives. There is no other way for a human being to become one with their eternal nature and being—which passes through births and deaths—than to become one with the current of destiny, to become one through the realization that we have often already prepared our own destiny, and that we have prepared our destiny for this existence in our past lives. We become one with that which connects us to the Spirit within the depths of our soul. Whereas otherwise we are like a person floating in a boat on an infinite sea, knowing nothing but what is happening in that boat or in its immediate vicinity, through spiritual insight a person comes to realize that there is not just this one boat in the sea; rather, he sees many boats heading in one direction, many boats in the other direction, and he then knows that his life in this one boat—between birth and death—lasts for a certain time, but that he then, freed from the forces that bind him to life in this boat, undergoes a life in the spiritual world, only to find himself in another boat after some time—just as he knows that he was previously in another boat. Just as one would feel insecure if one felt bound only to one boat, but would feel secure knowing that one can escape from that one boat to another at a certain time, so life in the eternal stream of existence becomes secure when we place ourselves within destiny in such a way that we identify our “I” with destiny. What we experience in life—what comes to us as our karma, as our destiny—becomes what we have become in life. We learn to recognize the question of destiny as the question of our soul’s perfection. We then say to ourselves: If you experience suffering, pain, or failure, these sufferings, pains, and failures permeate your soul, strengthening it in that part where the conscious powers reside, and you pass through the gate of death with a strengthened soul and enter another life with strengthened powers. While the question of fate might otherwise cast darkness over our lives, it becomes a question of spiritual perfection for our soul as soon as we penetrate it with spiritual insight; and inner peace pours over our lives when we are thus able to approach the question of fate. One might say: Whatever may come to meet a person in life, whatever life necessarily demands of people—all of this appears in a new light, and the person faces all of this with new strength when he or she enables the divine-spiritual forces to enter the soul by filling the conscious part of the soul’s powers with spiritual insight. Therefore, spiritual knowledge is not mere theoretical knowledge, not something we merely take in through concepts and ideas; rather, by taking it in through concepts and ideas, we transform our soul into something else. We do not “prove” the immortality of the soul through spiritual science; rather, by devoting ourselves to spiritual science, we prepare the soul in such a way that it experiences itself in its living nature and thus experiences its immortality. Spiritual science gives the human soul a new life, a life that has been awakened.
[ 29 ] In einigen kurzen Strichen versuchte ich zu zeigen, daß die Geisteswissenschaft wie ein wirkliches Lebenselixier der Seele werden kann. Und wer da den Gang des deutschen Geisteslebens verfolgt, kann durch die innere Natur und Wesenheit dieses Geisteslebens selber erkennen, daß dieses Geistesleben eine Vorbereitung ist, um zur Anerkennung einer wirklichen, lebendigen Geisteswissenschaft zu kommen. Es ist das, was gestern als germanische Seelenhaftigkeit, als deutsches Geistesleben dargestellt worden ist, gleichsam ein Turnier der geistigen Kräfte, um zu demjenigen hinzukommen, was noch errungen werden kann — was insbesondere dadurch errungen werden kann, daß die ganze Volksseele sich gestärkt hat, indem sie zuerst danach gestrebt hat, solche Erkenntnisse, Vorstellungen und Ideen zu gewinnen, von denen gestern gesprochen worden ist. Eine Stärkung zu einem neuen Leben war dies alles. Aber im Leben steht alles in einem lebendigen inneren Zusammenhang. Daher darf der Glaube als berechtigt angesehen werden, daß dasjenige, was als eine vorbereitende, zum Leben stärkende Geist-Erkenntnis im deutschen Geistesleben hervorgetreten ist, was da an die Seele ausbildenden Kräften sich gezeigt hat, daß es nicht nur etwa in deutscher Philosophie und Literatur lebt, sondern daß es lebt in den innersten Wurzeln der deutschen Volkskraft. Das ist ja das Eigenartige der deutschen Volkskraft, daß sie uns, wo wir die deutsche Kunst, die deutsche Literatur, die deutsche Philosophie verfolgen, niemals so erscheint, als ob sie nur ein Schaum an der Oberfläche des Lebens wäre, sondern wie wenn sie immer wieder aus den Untergründen, aus den Bodenständen des Lebens hervordringen würde. Wir können auf die feinsten Leistungen des deutschen Geisteslebens blicken, wie es uns zum Beispiel in verfeinerter Weise bei Novalis entgegentritt, wir werden immer finden: Es geht ein Strom von diesem verfeinerten Leben hinunter bis in die Wurzeln des Volkstums. Hegelsche Philosophie ist gewiß für die meisten Menschen eine Geistesübung, die sie fliehen, weil es schwierig ist, sich in die kristallklaren, kristallkalten Gedankengänge hineinzufinden; aber so kristallklar und kristallkalt diese Gedankengänge auch sind, es gibt einen Weg von dem, was so abstrakt erscheint, bis hinunter zu den Wurzeln des Volkstums, aus dem jene Kräfte fließen, die im Osten und Westen unsere Hoffnung ausmachen auf eine völlige Rettung der deutschen Existenz gegen die anstürmenden Feinde. In einem lebendigen Organismus — und ein solcher lebendiger Organismus ist das, was wir als deutsches Geisteswesen bezeichnen —, gehört alles zusammen. Und wenn gesagt wird, daß auch andere Völker jetzt einig sind, so muß immer betont werden, was schon früher öfter hier betont worden ist: Was uns oft als dasselbe auf den verschiedenen Gebieten des Daseins entgegentritt, ist nicht immer dasselbe. In demjenigen, worauf wir hoffen, im deutschen Wesen, was das deutsche Wesen jetzt eint und stärkt und zu selbstlosem Tun aufruft, in dem lebt — wenn auch noch unbewußt — jene Kraft, die hervorsprudeln soll in dem lebenweckenden und lebenfördernden Geist-Erkennen; und weil diese Kraft darin lebt, unbewußt, ahnungsvoll, so haucht sie jetzt den Zauberhauch der Einheit in der Tat des deutschen Volkes aus. Daher dürfen wir hoffen, daß diese Einheit in der Tat das zeitigen werde, wohin in seiner Keimeskraft der deutsche Geist will. Und nichts anderes ist es, wohin der deutsche Geist will, als in Einheit erkennen physische und geistige Welt, in Einheit erkennen und in Einheit ordnen aus der Geist-Erkenntnis heraus alles Leben, der geistigen Welt wie der physischen Welt.
[ 29 ] In a few brief strokes, I have attempted to show that spiritual science can become a true elixir of life for the soul. And anyone who follows the course of German spiritual life can recognize for themselves, through the inner nature and essence of this spiritual life, that it is a preparation for coming to an appreciation of a true, living spiritual science. It is what was described yesterday as Germanic spiritual steadfastness, as German spiritual life—a contest, as it were, of spiritual forces—aimed at attaining what can still be achieved—which can be achieved, in particular, by the entire national soul having strengthened itself through its initial striving to gain the insights, concepts, and ideas discussed yesterday. All of this served as a strengthening toward a new life. But in life, everything is connected in a living, inner relationship. Therefore, we may justifiably believe that what has emerged in German spiritual life as a preparatory, life-strengthening spiritual insight—what has manifested itself as soul-forming forces—lives not merely in German philosophy and literature, but in the innermost roots of the German national spirit. This, indeed, is the distinctive feature of the German national spirit: that whenever we follow German art, German literature, and German philosophy, it never appears to us as if it were merely foam on the surface of life, but rather as if it were constantly welling up from the depths, from the very foundations of life. We can look at the finest achievements of German intellectual life—as we encounter it, for example, in its most refined form in Novalis—and we will always find that a stream flows from this refined life all the way down to the roots of the national spirit. For most people, Hegelian philosophy is certainly a mental exercise they shy away from, because it is difficult to find one’s way into its crystal-clear, crystal-cold trains of thought; but as crystal-clear and crystal-cold as these trains of thought may be, there is a path from what appears so abstract all the way down to the roots of the national spirit, from which flow those forces that, in both the East and the West, constitute our hope for the complete salvation of German existence against the advancing enemies. In a living organism—and such a living organism is what we call the German spiritual essence—everything belongs together. And when it is said that other peoples, too, are now united, we must always emphasize what has often been emphasized here before: What often appears to us as the same thing in the various spheres of existence is not always the same. In that which we hope for—in the German essence, in what now unites and strengthens the German essence and calls for selfless action—there lives, albeit still unconsciously, that power which is destined to gush forth in the life-awakening and life-nurturing spiritual insight; and because this force lives within it—unconsciously, yet with a sense of foreboding—it now breathes the magical breath of unity into the deeds of the German people. Therefore, we may hope that this unity in action will bring about what the German spirit, in its germinal power, intends. And the German spirit seeks nothing other than to perceive the physical and spiritual worlds in unity, to perceive and organize all life—in both the spiritual and physical worlds—in unity, based on spiritual knowledge.
[ 30 ] In Einheit erkennen - o, es heißt dies viel! Viel auch in den äußeren Lebensgebieten. In schweren, ernsten Zeiten leben wir. Es werden auch Zeiten wiederkommen müssen, in denen wir unter anderen Verhältnissen leben, in denen die Menschen wieder friedevoll, aber hingegeben dem Ringen nach geistigen Gütern leben werden, demjenigen hingegeben, was doch schließlich im Leben den größten Teil der Zeit erfüllen muß. Und Kraft wird da sein müssen, so stark, wie die jetzige Kraft ist, wenn die Kultursonne richtig wärmen soll, die sich aus jener Dämmerung entwickeln muß, die wir jetzt durchleben. Was für Menschen können dann da sein, wenn die Menschheit sich ein wenig mit Geist-Erkenntnis durchdringt, wenn sie ein wenig zusammenfaßt das Geistige mit dem Physischen?
[ 30 ] To recognize unity—oh, how much this means! Much so, too, in the outer spheres of life. We are living in difficult, serious times. There will also have to come times again when we live under different circumstances, when people will once more live peacefully, yet devoted to the pursuit of spiritual goods—devoted to that which, after all, must fill the greater part of our time in life. And there will have to be strength—as strong as the strength we have now—if the sun of culture is to shine its proper warmth, a sun that must emerge from the twilight we are now experiencing. What kind of people will there be then, when humanity becomes imbued with a little spiritual insight, when it begins to integrate the spiritual with the physical?
[ 31 ] Wir blicken hin auf das, was jetzt so schmerzlich an unsere Seelen herantritt, blicken hin auf so viele, die durch Schmerz und Leid und Tod gegangen sind, deren Seelen wir schon in denjenigen Welten wissen, zu denen wir durch Geist-Erkenntnis aufblicken. Aber wir lernen gemäß den Forderungen unserer Zeit, gemäß den Forderungen der Menschenseele in unserer Zeit in diese geistigen Welten hineinblicken. Schon einmal wurde dies angedeutet, was hier in Betracht kommt. Wenn wir den Blick hinwenden auf alle die, welche in der Blüte ihres Lebens, in treuer Liebe zu ihrem Volkstum durch die Pforte des Todes gegangen sind, dann schauen wir auf eine Summe unverbrauchter Kräfte, jener unverbrauchten Kräfte des Gemütes und des Willens, welche die Betreffenden noch hätten im Leben anwenden können, wenn sie nicht durch die Ereignisse unserer Pflichtenzeit frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären. Sehen wir sie an, diese ganze Summe der in der physischen Welt unverbrauchten Kräfte, die sich noch hätten entwickeln können in den Kräften derer, die hinweggerafft wurden durch die schweren Ereignisse der Zeit. Ist das, was diese Menschen noch hätten erleben können, wenn sie jetzt nicht frühzeitig durch die Pforte des Todes gegangen wären, ist das nun nicht mehr da? ist es verloren?
[ 31 ] We look upon what now touches our souls so painfully; we look upon so many who have gone through pain, suffering, and death—whose souls we already know to be in those worlds toward which we look up through spiritual insight. But we are learning to look into these spiritual worlds in accordance with the demands of our time, in accordance with the demands of the human soul in our time. What is being considered here has already been hinted at once before. When we turn our gaze to all those who, in the prime of their lives and in faithful love for their people, have passed through the gate of death, we behold a sum of unspent forces—those unspent forces of the mind and will that these individuals could still have applied in life had they not passed through the gate of death prematurely due to the events of our time of duty. Let us look at this entire sum of unspent forces in the physical world—forces that could still have developed within those who were cut down by the grave events of the time. Is what these people could still have experienced—had they not passed through the gate of death prematurely—no longer there? Is it lost?
[ 32 ] Wenn wir hinaufsehen würden in die geistigen Welten nur mit demjenigen, was unser physisches Anschauen gibt, so würde uns keine Antwort auf diese Frage. Wenn wir aber in Einheit zusammenzufassen wissen zu einer Lebenskraft die Weltanschauungen der geistigen und der physischen Welt, dann schauen wir in die geistige Welt hinein, und dann wissen wir, daß diese Kräfte nicht verloren sind, daß sie durch das Dasein strömen, und daß für künftige Zeiten, für ganze Generationen, für ganze Epochen diejenigen ihre Kräfte hingegeben haben, die frühzeitig jetzt durch die Pforte des Todes gegangen sind. Und vereinigt mit diesen Kräften werden wir in Zukunft das Erdenwirken schauen, die geistige Welt sich in Einheit zusammenschließend mit der physischen, werden ein neues Verständnis dafür gewinnen, wie in unseren leeren, durch Geist-Erkenntnis leer gewordenen Seelen die Kräfte einfließen, die scheinbar jetzt verloren sind. Die Menschen der durch Geist-Erkenntnis gestärkten Zukunft werden durch diese Geist-Erkenntnis die Möglichkeit haben, nicht verloren sein zu lassen die scheinbar jetzt verlorenen Kräfte. Sondern die verlorenen Kräfte werden fortwirken im Zeitengeschehen; und in dem, was die Menschen in künftigen Tagen tun werden, wird leben an Kräften, was auf den Schlachtfeldern der heutigen Zeit durch die Todespforte geströmt ist — aber bewußt, nicht wie frühere Zeiten unbewußt. Unbewußt haben dieses Dasein ihrer Verstorbenen die Völker in früheren Zeiten gehabt, solange die Völker Reste des alten Hellsehens noch gehabt haben. Merkwürdig kann es uns berühren, wenn wir hören, wie im Jahre 378 die Goten zum Kampf gegen die Römer zogen: während zu Beginn der Schlacht auf römischer Seite ein unartikuliertes Geschrei erscholl, stimmten die Goten Schlachtenlieder an, in denen sie sangen für den Ruhm und die Ehre ihrer unsichtbaren Toten. Bewußt haben sie sich geführt gesehen von ihren Toten; Verständnis haben sie gehabt für das ewige Fortwirken des Unsichtbaren. Dieses Verständnis wird die Menschheit wiedergewinnen — jetzt aber auf bewußte Weise; und durch dieses Verständnis wird auch, ausgebreitet in diesem ganzen großen Leben, Sicherheit und Lebensertragsamkeit sich entwickeln. Indem also die Seelen der Mütter, der Väter, der Brüder, der Schwestern, aller der Übriggebliebenen in der physischen Welt zu denen hinblicken werden, die ihnen in ihrem Schmerz entrissen worden sind, werden sie hinblicken als zu wahrhaft Lebendigen, als zu solchen, die aus den Engen ihres leiblichen Daseins ihre Kräfte ausgegossen haben in das allgemeine Menschheitsdasein; und unverloren werden die Toten sein, weil man sie empfinden wird als im allgemeinen Menschendasein lebendig Fortlebende. Ein solches wird die Geisteswissenschaft auch in der einfachsten Menschenseele wirken können. Denn Geisteswissenschaft ist ein Lebenselixier; Geisteswissenschaft ist richtunggebend für das Leben und harmonisierend für die Seele; Geisteswissenschaft ist dasjenige, was uns haltend, uns in Freude und Leid, in Erfolge und Mißerfolge, in Glück und Unglück hineinzutragen vermag, weil sie uns aus dem Göttlichen dasjenige zu geben vermag, wofür wir unsere Seelen leer gemacht haben. Seelen, die sich durch Geist-Erkenntnis leer gemacht haben, sie werden auch leer sein für das Einfließen dessen, was von den durch die Todespforte gegangenen Geistern — der Gefallenen — in diese Menschenseelen und Menschenherzen hineinströmen kann. Nur Seelen, welche ihr Inneres nicht also leer gemacht haben, werden sich verlieren müssen in Schmerz und in Leid, das die großen Ereignisse der Gegenwart so vielen einzelnen bereiten müssen. Menschen aber, welche durch die Geist-Erkenntnis gestärkt hindurchgehen, werden finden, daß ihrer leergewordenen Seele von den Göttern wiederum zurückgegeben wird, was ihnen leiblich die Erde genommen hat. Sie werden verstehen die Sprache des Geistes, der nach dem Tode lebendig zu ihnen spricht, wenn sie haben aufhören müssen, hinzuhören mit dem physischen Ohr auf die liebe Sprache des teuren Angehörigen.
[ 32 ] If we were to look up into the spiritual worlds using only what our physical vision provides, we would find no answer to this question. But if we know how to unite the worldviews of the spiritual and physical worlds into a single life force, then we look into the spiritual world, and then we know that these forces are not lost, that they flow through existence, and that those who have now passed through the gate of death prematurely have given their forces for future times, for entire generations, for entire epochs. And united with these forces, we will in the future behold the workings on Earth, as the spiritual world unites with the physical world; we will gain a new understanding of how the forces—which now seem to be lost—flow into our empty souls, souls that have been emptied through spiritual knowledge. The people of the future, strengthened by spiritual insight, will, through this spiritual insight, have the opportunity not to let the forces that now seem lost go to waste. Rather, the lost forces will continue to work within the course of history; and in what people will do in days to come, there will live on in their strength what has flowed through the gates of death on the battlefields of our time—but consciously, not unconsciously as in earlier times. In earlier times, the peoples had this awareness of the existence of their departed ones unconsciously, as long as they still possessed remnants of the ancient clairvoyance. It can strike us as remarkable when we hear how, in the year 378, the Goths marched into battle against the Romans: while at the start of the battle an inarticulate cry rang out on the Roman side, the Goths struck up battle songs in which they sang of the glory and honor of their invisible dead. They felt themselves consciously guided by their dead; they had an understanding of the eternal, ongoing influence of the invisible. Humanity will regain this understanding—but now in a conscious way; and through this understanding, security and the ability to bear fruit in life will also develop, spreading throughout this entire great life. Thus, as the souls of mothers, fathers, brothers, sisters, and all those remaining in the physical world look toward those who have been torn from them in their grief, they will look upon them as truly living beings, as those who, having broken free from the confines of their physical existence, have poured their powers into the collective existence of humanity; and the dead will not be lost, because they will be perceived as continuing to live within the collective human existence. Spiritual science will be able to bring about such a transformation even in the simplest human soul. For spiritual science is an elixir of life; spiritual science gives direction to life and brings harmony to the soul; spiritual science is that which sustains us and carries us through joy and sorrow, success and failure, happiness and misfortune, because it is able to give us from the Divine that for which we have emptied our souls. Souls that have emptied themselves through spiritual knowledge will also be open to receiving what can flow into these human souls and hearts from the spirits who have passed through the gate of death—the fallen ones. Only souls that have not thus emptied their inner being will have to lose themselves in the pain and suffering that the great events of the present must bring upon so many individuals. But people who pass through this time strengthened by spiritual knowledge will find that what the earth has taken from them physically will be returned to their emptied souls by the gods. They will understand the language of the spirit, which speaks to them vividly after death, when they have had to cease listening with their physical ears to the loving words of their dear loved ones.
[ 33 ] Also Herz und Sinn, Leben und Wesen stärkend, soll die Geisteswissenschaft nicht nur durch die menschliche Vernunft und den menschlichen Verstand gehen, sondern sie soll durch die menschlichen Herzen gehen, soll durch alles gehen, was die menschliche Seele erfüllt. Und gerade Geisteswissenschaft kann das für denjenigen auch, der sich als den Alleraufgeklärtesten wissen will. Sie kann uns die Sicherheit geben, daß wir Hoffnungen haben können, lichtvoll hindurchzugehen durch all das, was uns jetzt also ernst umgibt. Und alles, was sich uns gerade an ernsten Betrachtungen ergeben kann, dürfen wir ja zuspitzen auf den Ernst und auf die große Würde unserer Zeit. Wir dürfen auch die heutige Betrachtung gleichsam zusammenfassen in ein Gefühl, durch das wir mitleben möchten mit all denen, die heute im Kampfe stehen und die vielleicht schon durch die Todespforte gegangen sind — zusammenfassen in eine Sprache, die dem einen bewußt, dem andern unbewußt — allen Toten aber bewußt sein kann. Wir können hinblicken, hoffnungsvoll, auf diejenigen Zeiten, welche der Menschheit zu ihrem Fortschritt, zu ihrem Heil kommen müssen — kommen müssen als Früchte dieser unserer gegenwärtigen Zeit. Wir können hinblicken auf das, was der Menschheit auch wieder friedenvolle Tage bringen werden, friedenvolle Tage, in denen durch die Welt, durch die Menschenseelen und Menschenherzen das wallen wird, was aus der Gesamtheit der göttlich-geistigen Segenskraft zum Menschenheil, zum Menschenfortschritt und zur Menschenstärkung flieBen kann. Die Menschen werden handeln, beseelt und durchkraftet von diesen die Welt durchwellenden und durchwogenden göttlich-geistigen Mächten, Aber wir können in diese Zukunft mit dem erhebenden Gefühl blicken, das uns aus der Geisteswissenschaft heraus die Antwort gibt auf eine bange Frage der Zeit: Was wird dann leben bei allen, die da wirken werden einstmals in einer friedenvollen Zeit, in welcher man die Künste und das Wissen und die Macht des Friedens pflegen wird? Und wir werden wissen können, daß in alledem, was dann die Menschen tun werden, dasjenige leben wird, was jetzt so zahlreich an Menschenkraft, die noch jugendlich in die Zukunft geblickt hat, auf den Feldern im Osten und Westen durch die Todespforte geht!
[ 33 ] Thus, by strengthening the heart and the mind, life and being, spiritual science should not only pass through human reason and the human intellect, but it should pass through human hearts; it should pass through everything that fills the human soul. And spiritual science, in particular, can do this even for those who consider themselves the most enlightened of all. It can give us the assurance that we can have hope, that we can pass through with a sense of light all that now so seriously surrounds us. And everything that may arise for us in our serious reflections at this moment, we may indeed focus on the gravity and the great dignity of our time. We may also, as it were, summarize today’s reflection in a feeling through which we wish to share in the experience of all those who are currently engaged in the struggle and who may have already passed through the gates of death—summarize it in a language that may be conscious to one, unconscious to another—but conscious to all the dead. We can look forward, full of hope, to those times that must come to humanity for its progress, for its salvation—times that must come as the fruits of our present age. We can look forward to what will once again bring peaceful days to humanity—peaceful days in which, throughout the world, through human souls and hearts, will flow that which, from the totality of the divine-spiritual power of blessing, can flow for the salvation of humanity, for human progress, and for human strengthening. People will act, inspired and empowered by these divine-spiritual forces that surge and ripple through the world. But we can look toward this future with the uplifting feeling that spiritual science gives us the answer to an anxious question of our time: What will then live within all those who will once be active in a peaceful time, in which the arts, knowledge, and the power of peace will be cultivated? And we will be able to know that in all that people will then do, there will live on that which is now passing through the gates of death in such great numbers—human strength that once looked so youthfully toward the future—in the fields of the East and West!
[ 34 ] Ist das nicht auch eine Lehre für das Ertragen des Lebens in Glück und Leid, wenn wir hinschauen auf Tod und Leid in unserer ernsten Zeit und wissen dürfen, daß aus diesem Tod und Leid Kräfte, unsichtbare Kräfte hervorgehen, die gerade in den friedenvollsten Zeiten der Zukunft walten werden zum Heile und zum Fortschritt der Menschheit? Denn Kräfte werden hervorgehen, mit denen sich diejenigen verbinden werden, die dann auf der Erde zu wirken haben werden, die zusammenzufassen haben werden das sichtbare und das unsichtbare Werden, um zu wirken unter Brüdern nicht nur in der sichtbaren, sondern auch in der übersinnlichen Welt, und die wiederum — geistig — diejenigen Herzen gewonnen haben werden, welche sie in unserer ernsten Zeit verloren haben.
[ 34 ] Is this not also a lesson in how to endure life in both happiness and suffering, when we look upon death and suffering in our troubled times and are allowed to know that from this death and suffering emerge forces—invisible forces—that will prevail, especially in the most peaceful times of the future, for the salvation and progress of humanity? For forces will emerge with which those will connect who will then have a mission on Earth—those who will have to synthesize the visible and the invisible processes of becoming, in order to work among brothers not only in the visible world but also in the supersensible world—and who, in turn, will have won over—spiritually—those hearts that they have lost in our trying times.
[ 35 ] Das scheint mir auch ein Lebenselixier zu sein! Stärkend und kräftigend kann es in unserer Kraft und in unsere Adern fließen, gerade in unserer Zeit, in welcher wir ein solches Lebenselixier nötig — wahrhaftig! sehr nötig haben. Und fassen wir den eigentlichen inneren Sinn der Geisteswissenschaft, so wissen wir, daß dieses Lebenselixier kommen muß. Denn was auch das äußere Leben bringt: nicht mit dem, was das äußere Leben bringt, ist dieses Lebenselixier verbunden, sondern mit dem, was wir in unserm innersten Wesen durch unsere eigene Kraft werden können, sein können. Und was wir uns durch die tiefstinnerste Anstrengung unseres eigentlichen inneren Grundwesens erworben haben, das geht uns als Menschen nicht verloren, nicht in Zeit, nicht in Ewigkeit. Das nimmt uns kein Leid, kein Schmerz — und nicht der Tod!
[ 35 ] That, too, seems to me to be an elixir of life! Strengthening and invigorating, it can flow into our strength and through our veins, especially in our time, when we truly—truly!—need such an elixir of life. And if we grasp the true inner meaning of spiritual science, we know that this elixir of life must come. For whatever external life may bring: this elixir of life is not connected to what external life brings, but to what we can become, can be, in our innermost being through our own power. And what we have attained through the deepest, most inner effort of our true inner essence is not lost to us as human beings—neither in time nor in eternity. No suffering, no pain—and not even death—can take that away from us!
