From a Fateful Time
GA 64
16 April 1915, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Aus schicksaltragender Zeit
13. Schlaf und Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
13. Schlaf und Tod vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft
[ 1 ] Oft habe ich im Verlauf dieser Vorträge betont, daß es ganz naturgemäß, wie selbstverständlich ist, daß von dem Gesichtspunkt aus, auf dem heute der größte Teil der Menschen steht, Einwendungen über Einwendungen sich geltend machen müssen gegen die Geisteswissenschaft. Aber ich habe auch in dem Vortrag, den ich hier gehalten habe über die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Geisteswissenschaft, betont, daß echte. Geisteswissenschaft nichts zu tun haben will mit dem, was nur zu oft unter diesem Namen getrieben wird, daß sie in vollem Einklang steht mit der Naturwissenschaft. Aber auch mit dem, was eine gesunde Philosophie zu sagen hat, steht sie in vollem Einklang. Da dies für unsere heutige Betrachtung bemerkenswert ist, darf ich einleitungsweise mit ein paar Strichen diesen Einklang mit dem philosophischen Denken hervorheben.
[ 1 ] Oft habe ich im Verlauf dieser Vorträge betont, daß es ganz naturgemäß, wie selbstverständlich ist, daß von dem Gesichtspunkt aus, auf dem heute der größte Teil der Menschen steht, Einwendungen über Einwendungen sich geltend machen müssen gegen die Geisteswissenschaft. Aber ich habe auch in dem Vortrag, den ich hier gehalten habe über die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkt der Geisteswissenschaft, betont, daß echte. Geisteswissenschaft nichts zu tun haben will mit dem, was nur zu oft unter diesem Namen getrieben wird, daß sie in vollem Einklang steht mit der Naturwissenschaft. Aber auch mit dem, was eine gesunde Philosophie zu sagen hat, steht sie in vollem Einklang. Da dies für unsere heutige Betrachtung bemerkenswert ist, darf ich einleitungsweise mit ein paar Strichen diesen Einklang mit dem philosophischen Denken hervorheben.
[ 2 ] Das, was Geisteswissenschaft immer geltend zu machen hat, beruht nicht auf philosophischer Spekulation, sondern auf dem, was die innere Erfahrung, das innere Erleben der geistigen Tatsachen genannt worden ist; die Selbständigkeit, die Insichgegründetheit des menschlichen Seelenwesens hat sie geltend zu machen, — populärer gesprochen: daß das Menschenwesen ein geistig-seelisches Dasein hat über das physisch-leibliche hinaus. Ich sagte, daß dies mit einer gesunden, auf wissenschaftlichem Boden stehenden Philosophie durchaus in Einklang steht, weil viele Menschen aus der Denkweise unserer Gegenwart heraus eine solche Behauptung als das Extrem aller Unwissenschaftlichkeit empfinden. Leicht hat man es vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zu sagen: Wie kann man vom menschlichen Seelenwesen als von etwas Selbständigem sprechen, wenn doch die Physiologen zeigen, daß alles in Abhängigkeit steht von dem, was sich am Menschen körperlich entwickelt. Man sehe, wie, wenn ein Teil des Gehirns verletzt wird, durch den Ausfall eines Teils der Gehirnverrichtungen sofort Störungen auftreten. Muß man da nicht zu dem Gedanken geführt werden, daß in dem normal sich verhaltenden Nervensystem oder Gehirn die Seelentätigkeiten liegen? Man kann darauf hinweisen, wie mit dem jugendlichen Menschen die geistigen Fähigkeiten wachsen, wie im Alter, wo das äußere System verdorrt, verhärtet, die geistigen Fähigkeiten abnehmen und so weiter. Auf Grund solcher Beobachtungen ließe sich so mancher Gedankengang formen, der auf die Idee bringen müßte, daß das geistige Erleben im Grunde in nichts anderem als in der Tätigkeit des Nervensystems und des übrigen Organismus bestehe. Hören wir, wie ein scharfsinniger Philosoph, Otto Liebmann, den ich in meinen «Rätseln der Philosophie» erwähnt habe, darüber denkt. Er gehört nicht zu denen, die . etwas auf leichtgeschürztes Denken hin behaupten, sondern er gibt, was die Tatsachen der Analyse des menschlichen Denkens zu geben vermögen. Er setzt sich mit dem Glauben auseinander, daß die menschliche Seele nur im Physischen bestehe, und sagt bemerkenswerte Worte, einer scharfsinnigen Philosophie entsprechend, die mit dem gegenwärtigen Stand der Naturwissenschaft übereinstimmt. Kurz zusammengefaßt sagt er: Es sei zwar keineswegs ganz sicher, was Munk und andere hinsichtlich der Abhängigkeit der Seelentätigkeit vom Gehirn festgestellt haben, weil beispielsweise ein verletzter Teil des Gehirns durch andere Funktionen ersetzt werden kann. Aber wären wir ans Ziel gelangt, so würde man grundsätzlich doch nichts anderes ersehen. Das heißt, die moderne Philosophie sagt, man könne noch so weit kommen im Studium der Verbindung des Seelischen mit dem Leiblichen, man käme doch nicht weiter als zu wissen, daß man sich bestimmter innerer Organe bedienen muß, wenn man denken, fühlen und wollen will. Man kann die Parallele ziehen, daß man gewisse Partien des Gehirns für die Seele brauchen müsse, wie man sich der Hand bedient, um zu greifen. Aber wenn wir uns dieser Hand bedienen, um zu greifen, so kommt die mechanische Verrichtung der Hand zum Seelischen dazu. Nicht so können wir von den seelischen Verrichtungen des Gehirns sprechen. Das rührt indessen nur davon her, daß die Untersuchungen der Naturwissenschaft nicht abgeschlossen sind. Indem sie sich weiterbewegt, um die Verbindung zwischen dem Physischen und dem Seelischen nachzuweisen, wird sie finden, daß zwischen Denken, Fühlen, Wollen und dem Nervensystem ein anderer Zusammenhang ist als zwischen der Hand und dem Greifen. Sie wird finden, daß sie etwa so zusammenhängen: wie die Abdrücke, welche die Füße im aufgeweichten Erdboden machen, mit der Erde.
[ 2 ] Das, was Geisteswissenschaft immer geltend zu machen hat, beruht nicht auf philosophischer Spekulation, sondern auf dem, was die innere Erfahrung, das innere Erleben der geistigen Tatsachen genannt worden ist; die Selbständigkeit, die Insichgegründetheit des menschlichen Seelenwesens hat sie geltend zu machen, — populärer gesprochen: daß das Menschenwesen ein geistig-seelisches Dasein hat über das physisch-leibliche hinaus. Ich sagte, daß dies mit einer gesunden, auf wissenschaftlichem Boden stehenden Philosophie durchaus in Einklang steht, weil viele Menschen aus der Denkweise unserer Gegenwart heraus eine solche Behauptung als das Extrem aller Unwissenschaftlichkeit empfinden. Leicht hat man es vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zu sagen: Wie kann man vom menschlichen Seelenwesen als von etwas Selbständigem sprechen, wenn doch die Physiologen zeigen, daß alles in Abhängigkeit steht von dem, was sich am Menschen körperlich entwickelt. Man sehe, wie, wenn ein Teil des Gehirns verletzt wird, durch den Ausfall eines Teils der Gehirnverrichtungen sofort Störungen auftreten. Muß man da nicht zu dem Gedanken geführt werden, daß in dem normal sich verhaltenden Nervensystem oder Gehirn die Seelentätigkeiten liegen? Man kann darauf hinweisen, wie mit dem jugendlichen Menschen die geistigen Fähigkeiten wachsen, wie im Alter, wo das äußere System verdorrt, verhärtet, die geistigen Fähigkeiten abnehmen und so weiter. Auf Grund solcher Beobachtungen ließe sich so mancher Gedankengang formen, der auf die Idee bringen müßte, daß das geistige Erleben im Grunde in nichts anderem als in der Tätigkeit des Nervensystems und des übrigen Organismus bestehe. Hören wir, wie ein scharfsinniger Philosoph, Otto Liebmann, den ich in meinen «Rätseln der Philosophie» erwähnt habe, darüber denkt. Er gehört nicht zu denen, die . etwas auf leichtgeschürztes Denken hin behaupten, sondern er gibt, was die Tatsachen der Analyse des menschlichen Denkens zu geben vermögen. Er setzt sich mit dem Glauben auseinander, daß die menschliche Seele nur im Physischen bestehe, und sagt bemerkenswerte Worte, einer scharfsinnigen Philosophie entsprechend, die mit dem gegenwärtigen Stand der Naturwissenschaft übereinstimmt. Kurz zusammengefaßt sagt er: Es sei zwar keineswegs ganz sicher, was Munk und andere hinsichtlich der Abhängigkeit der Seelentätigkeit vom Gehirn festgestellt haben, weil beispielsweise ein verletzter Teil des Gehirns durch andere Funktionen ersetzt werden kann. Aber wären wir ans Ziel gelangt, so würde man grundsätzlich doch nichts anderes ersehen. Das heißt, die moderne Philosophie sagt, man könne noch so weit kommen im Studium der Verbindung des Seelischen mit dem Leiblichen, man käme doch nicht weiter als zu wissen, daß man sich bestimmter innerer Organe bedienen muß, wenn man denken, fühlen und wollen will. Man kann die Parallele ziehen, daß man gewisse Partien des Gehirns für die Seele brauchen müsse, wie man sich der Hand bedient, um zu greifen. Aber wenn wir uns dieser Hand bedienen, um zu greifen, so kommt die mechanische Verrichtung der Hand zum Seelischen dazu. Nicht so können wir von den seelischen Verrichtungen des Gehirns sprechen. Das rührt indessen nur davon her, daß die Untersuchungen der Naturwissenschaft nicht abgeschlossen sind. Indem sie sich weiterbewegt, um die Verbindung zwischen dem Physischen und dem Seelischen nachzuweisen, wird sie finden, daß zwischen Denken, Fühlen, Wollen und dem Nervensystem ein anderer Zusammenhang ist als zwischen der Hand und dem Greifen. Sie wird finden, daß sie etwa so zusammenhängen: wie die Abdrücke, welche die Füße im aufgeweichten Erdboden machen, mit der Erde.
[ 3 ] Was spezifisch im Gehirn zu finden ist, wird man von der Seelentätigkeit ableiten können, wie man die Fußstapfen auf der Erde von den Füßen ableiten kann. Wie ein Zusammenhang zwischen Gehen und Fußstapfen nicht sein könnte ohne festen Boden, so ist es mit allem, was verrichtet wird im physischen Leib. Von allem, was der Mensch denkt und will, findet sich ein Abdruck im Nervensystem in der physischen Leiblichkeit; aber es geht nicht daraus hervor, so wenig wie die Fußstapfen aus der Erde hervorgehen. Man braucht den physischen Leib als Widerstandsfläche, wie man die feste Erde zum Gehen braucht. Daher ist es selbstverständlich, daß man Abdrücke finden muß. Es ist ein wissenschaftlich berechtigtes Bemühen, sie zu finden; aber es ist unwissenschaftlich, das aus dem Leiblichen herausholen zu wollen, was durch das SeelischGeistige hineingedrückt ist. Insofern ist die Liebmannsche Behauptung falsch. Der Abdruck ist nur die Begleiterscheinung des Seelisch-Geistigen. Gerade das wird die Naturwissenschaft mit ihren Mitteln im eminentesten Sinne beweisen; sie wird zeigen, wie man die Spuren verfolgen kann, aber nicht sie aus dem Organismus heraus erklären wollen. Die Naturwissenschaft ist schon auf diesem Wege; schon heute könnte der vollgültige Beweis dafür erbracht werden. Die Geisteswissenschaft bestreitet nichts von dem, was an der Naturwissenschaft berechtigt ist; die Geisteswissenschaft läßt die Naturwissenschaft durchaus gelten. Lehnt sie sich doch nur gegen den unberechtigten Machtspruch der Naturwissenschafter auf, etwas zu treiben, was man dort selber nicht weiß, — gegen die Despotie der Wissenschafter. Das geht noch weiter. Man könnte bei einzelnen Philosophen fast handgreiflich fassen, wie sie in das hineintreiben, was Geisteswissenschaft darlegen will, gleich im Anschluß zum Beispiel an das, was schon von Otto Liebmann angeführt worden ist. Was er sagt, ist mustergültig in bezug auf Scharfsinn und Zergliederung. Er meint, es könne jemand sagen, im Hühnerei sei nicht nur Eiweiß und Dotter, sondern auch ein Gespenst; das verkörpere sich, picke die Schale auf, laufe heraus und picke sofort die ausgestreuten Körner auf. Man könnte begreifen, daß jemand das als Witz auffassen würde. Aber es ist von Otto Liebmann durchaus nicht als Witz gemeint. Er fährt fort, daß sich nichts dagegen einwenden lasse, als daß man die Präposition «im» nicht räumlich, sondern metaphysisch fassen müsse. So verstanden ist sie ganz richtig, sagt Otto Liebmann. Die Tatsache liegt vor, daß ein scharfsinniger Philosoph sich eingestehen muß: man könne nichts dagegen einwenden, wenn gesagt wird, im Hühnerei sitze nicht nur Dotter und Eiweiß, sondern auch ein unsichtbares Gespenst, das sich materialisiert. Otto Liebmann glaubt aber nicht, daß man gleich nach dem Lesen von ein paar Büchern eine Weltanschauung machen müsse, sondern er will sorgfältig abwägen, in welcher Weise der Mensch seine Denktätigkeit in Bewegung setzt. Aus den geisteswissenschaftlichen Vorträgen kann man ersehen, wie das, was Otto Liebmann hier als «Gespenst» anspricht, das sich materialisiert, im Menschen selber als ein Übersinnliches vorhanden ist.
[ 3 ] Was spezifisch im Gehirn zu finden ist, wird man von der Seelentätigkeit ableiten können, wie man die Fußstapfen auf der Erde von den Füßen ableiten kann. Wie ein Zusammenhang zwischen Gehen und Fußstapfen nicht sein könnte ohne festen Boden, so ist es mit allem, was verrichtet wird im physischen Leib. Von allem, was der Mensch denkt und will, findet sich ein Abdruck im Nervensystem in der physischen Leiblichkeit; aber es geht nicht daraus hervor, so wenig wie die Fußstapfen aus der Erde hervorgehen. Man braucht den physischen Leib als Widerstandsfläche, wie man die feste Erde zum Gehen braucht. Daher ist es selbstverständlich, daß man Abdrücke finden muß. Es ist ein wissenschaftlich berechtigtes Bemühen, sie zu finden; aber es ist unwissenschaftlich, das aus dem Leiblichen herausholen zu wollen, was durch das SeelischGeistige hineingedrückt ist. Insofern ist die Liebmannsche Behauptung falsch. Der Abdruck ist nur die Begleiterscheinung des Seelisch-Geistigen. Gerade das wird die Naturwissenschaft mit ihren Mitteln im eminentesten Sinne beweisen; sie wird zeigen, wie man die Spuren verfolgen kann, aber nicht sie aus dem Organismus heraus erklären wollen. Die Naturwissenschaft ist schon auf diesem Wege; schon heute könnte der vollgültige Beweis dafür erbracht werden. Die Geisteswissenschaft bestreitet nichts von dem, was an der Naturwissenschaft berechtigt ist; die Geisteswissenschaft läßt die Naturwissenschaft durchaus gelten. Lehnt sie sich doch nur gegen den unberechtigten Machtspruch der Naturwissenschafter auf, etwas zu treiben, was man dort selber nicht weiß, — gegen die Despotie der Wissenschafter. Das geht noch weiter. Man könnte bei einzelnen Philosophen fast handgreiflich fassen, wie sie in das hineintreiben, was Geisteswissenschaft darlegen will, gleich im Anschluß zum Beispiel an das, was schon von Otto Liebmann angeführt worden ist. Was er sagt, ist mustergültig in bezug auf Scharfsinn und Zergliederung. Er meint, es könne jemand sagen, im Hühnerei sei nicht nur Eiweiß und Dotter, sondern auch ein Gespenst; das verkörpere sich, picke die Schale auf, laufe heraus und picke sofort die ausgestreuten Körner auf. Man könnte begreifen, daß jemand das als Witz auffassen würde. Aber es ist von Otto Liebmann durchaus nicht als Witz gemeint. Er fährt fort, daß sich nichts dagegen einwenden lasse, als daß man die Präposition «im» nicht räumlich, sondern metaphysisch fassen müsse. So verstanden ist sie ganz richtig, sagt Otto Liebmann. Die Tatsache liegt vor, daß ein scharfsinniger Philosoph sich eingestehen muß: man könne nichts dagegen einwenden, wenn gesagt wird, im Hühnerei sitze nicht nur Dotter und Eiweiß, sondern auch ein unsichtbares Gespenst, das sich materialisiert. Otto Liebmann glaubt aber nicht, daß man gleich nach dem Lesen von ein paar Büchern eine Weltanschauung machen müsse, sondern er will sorgfältig abwägen, in welcher Weise der Mensch seine Denktätigkeit in Bewegung setzt. Aus den geisteswissenschaftlichen Vorträgen kann man ersehen, wie das, was Otto Liebmann hier als «Gespenst» anspricht, das sich materialisiert, im Menschen selber als ein Übersinnliches vorhanden ist.
[ 4 ] Ich kann heute nicht über die Methoden sprechen, die anzuwenden sind, um vom Physischen und Leiblichen das loszulösen, was an Geistig-Seelischem darin steckt, und im Denken etwas zu entdecken, von dem man im gewöhnlichen Leben nichts weiß; ebenso etwas dem Wollen und Fühlen zugrunde Liegendes zu entdecken, von dem Wollen und Fühlen nur ein Abdruck sind. Für den Geistesforscher ist es so, daß dasjenige, was Otto Liebmann hier theoretisch für das Hühnerei angibt, dem Menschen ein inneres Erlebnis werden kann. Geisteswissenschaft wird nicht behaupten, daß sie es gespensterartig, etwa im Lichtglanz, vor das physische Auge stellen kann; dadurch wäre es ein physisches, nicht ein geistiges Erlebnis. Doch bewußt kann man seiner werden, so wie das Erlebnis im alltäglichen Leben durch das Leibliche vermittelt wird, aber nur, indem man sich vom Leiblichen loslöst. Otto Liebmann hat geahnt, daß dem Leiblichen ein Geistiges zugrunde liegt. Die Geisteswissenschaft geht in der Weise vor, daß sie zeigt, wie die geistig-seelischen Methoden dazu führen, das Bewußtsein zu entwickeln von dem, wovon Otto Liebmann spricht. Dieses Bewußtsein kann entwickelt werden. Wie die äußere sinnliche Welt ein Objekt wird für das gewöhnliche Bewußtsein, so wird für den Menschen dann, wenn er sein Geistig-Seelisches frei macht, er selbst sich zum Objekt: er schaut sich von außen an.
[ 4 ] Ich kann heute nicht über die Methoden sprechen, die anzuwenden sind, um vom Physischen und Leiblichen das loszulösen, was an Geistig-Seelischem darin steckt, und im Denken etwas zu entdecken, von dem man im gewöhnlichen Leben nichts weiß; ebenso etwas dem Wollen und Fühlen zugrunde Liegendes zu entdecken, von dem Wollen und Fühlen nur ein Abdruck sind. Für den Geistesforscher ist es so, daß dasjenige, was Otto Liebmann hier theoretisch für das Hühnerei angibt, dem Menschen ein inneres Erlebnis werden kann. Geisteswissenschaft wird nicht behaupten, daß sie es gespensterartig, etwa im Lichtglanz, vor das physische Auge stellen kann; dadurch wäre es ein physisches, nicht ein geistiges Erlebnis. Doch bewußt kann man seiner werden, so wie das Erlebnis im alltäglichen Leben durch das Leibliche vermittelt wird, aber nur, indem man sich vom Leiblichen loslöst. Otto Liebmann hat geahnt, daß dem Leiblichen ein Geistiges zugrunde liegt. Die Geisteswissenschaft geht in der Weise vor, daß sie zeigt, wie die geistig-seelischen Methoden dazu führen, das Bewußtsein zu entwickeln von dem, wovon Otto Liebmann spricht. Dieses Bewußtsein kann entwickelt werden. Wie die äußere sinnliche Welt ein Objekt wird für das gewöhnliche Bewußtsein, so wird für den Menschen dann, wenn er sein Geistig-Seelisches frei macht, er selbst sich zum Objekt: er schaut sich von außen an.
[ 5 ] Es könnte eingewendet werden, man behaupte dann wohl im Einklang mit der Philosophie zu sein, aber es bleibe abzuwarten, ob Otto Liebmann diese Träumereien gelten lasse oder sie doch für Träumereien erklären würde. Nehmen wir aber an, daß in der Zeit, in der das Telephon erst noch zu entdecken war, ein Physiker zum andern davon gesprochen hätte, und der andere gesagt hätte, das sei unmöglich. Steht deshalb das Telephon, wie wir es heute haben, etwa nicht im Einklang mit dem, was damals Physik war? So ist es mit der Geisteswissenschaft. Mit einer Urteilsweise wie der angedeuteten würde man dazu gedrängt, allen menschlichen Fortschritt von den Vorurteilen eines einmal angenommenen Standpunktes aus zu bekämpfen.
[ 5 ] Es könnte eingewendet werden, man behaupte dann wohl im Einklang mit der Philosophie zu sein, aber es bleibe abzuwarten, ob Otto Liebmann diese Träumereien gelten lasse oder sie doch für Träumereien erklären würde. Nehmen wir aber an, daß in der Zeit, in der das Telephon erst noch zu entdecken war, ein Physiker zum andern davon gesprochen hätte, und der andere gesagt hätte, das sei unmöglich. Steht deshalb das Telephon, wie wir es heute haben, etwa nicht im Einklang mit dem, was damals Physik war? So ist es mit der Geisteswissenschaft. Mit einer Urteilsweise wie der angedeuteten würde man dazu gedrängt, allen menschlichen Fortschritt von den Vorurteilen eines einmal angenommenen Standpunktes aus zu bekämpfen.
[ 6 ] Der Mensch kann sich wirklich frei machen vom LeiblichPhysischen. Von diesem Gesichtspunkte aus soll einiges Licht geworfen werden auf die Geheimnisse von Schlaf und Tod. Wenn der Mensch sich vom Leiblich-Physischen frei macht, so kommt er in einen Zustand, in dem er seine ganze Menschlichkeit durchschauen kann, wie sie in der physischen Welt ist. Jetzt erst ist ein wahres Sich-Erkennen möglich. Jetzt erst wird man sich Objekt, wie der Wasserstoff, der sonst im Wasser ist, erst dann Objekt wird, wenn er vom Chemiker losgelöst wird. Jetzt ist man imstande, dieses neu Erlangte in Beziehung zu setzen zu Bewußtseinszuständen, die im gewöhnlichen Alltagsbewußtsein nicht in Beziehung zueinander gesetzt werden können: das Wach-Erleben in Beziehung zu dem Schlaf-Erleben.
[ 6 ] Der Mensch kann sich wirklich frei machen vom LeiblichPhysischen. Von diesem Gesichtspunkte aus soll einiges Licht geworfen werden auf die Geheimnisse von Schlaf und Tod. Wenn der Mensch sich vom Leiblich-Physischen frei macht, so kommt er in einen Zustand, in dem er seine ganze Menschlichkeit durchschauen kann, wie sie in der physischen Welt ist. Jetzt erst ist ein wahres Sich-Erkennen möglich. Jetzt erst wird man sich Objekt, wie der Wasserstoff, der sonst im Wasser ist, erst dann Objekt wird, wenn er vom Chemiker losgelöst wird. Jetzt ist man imstande, dieses neu Erlangte in Beziehung zu setzen zu Bewußtseinszuständen, die im gewöhnlichen Alltagsbewußtsein nicht in Beziehung zueinander gesetzt werden können: das Wach-Erleben in Beziehung zu dem Schlaf-Erleben.
[ 7 ] Indem der Mensch in Schlaf versunken ist, ist das GeistigSeelische aus dem Physischen herausgetreten. Otto Liebmanns «Gespenst» löst sich zeitweilig vom Leiblichen los, und zwar wird ein rein geistig-seelisches Verhältnis hergestellt zwischen dem Zustand, wie man ihn durch geistige Entwickelung gewinnt, und dem Schlafzustand; ein Verhältnis wie zwischen dem, was ich jetzt erlebe, und einer Erinnerungsvorstellung von dem, was ich einmal erlebt habe. Wie auf dasjenige, was ich einmal erlebt habe, so schaue ich auf den Schlafzustand und finde, daß sich das Geistig-Seelische vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb des Physisch-Leiblichen befindet. Man muß sich geistig-seelisch in Verbindung damit setzen. Also man überschaut die zwei Glieder der menschlichen Natur, das Physisch-Leibliche, das im Bett zurückgeblieben ist, und das, was herausgegangen ist; so wie man Wasserstoff und Sauerstoff überschaut, wenn sie aus dem Wasser herausgetrennt worden sind. Aber noch mehr: Man sieht, daß das, was als Leiblichkeit zurückgeblieben ist, in der Tat eine Zweiheit ist, nämlich der physische Leib und dasjenige, was verhindert, daß er seinen eigenen chemischen Gesetzen folgt, was macht, daß er ein lebendes Wesen ist; das ist der Ätherleib — es kommt nicht auf das Wort an -, ein feinerer Kräfteleib. Das Wort Ätherleib sollte nicht gepreßt werden, es hat nichts mit dem zu tun, was heute in der Physik Äther genannt wird.
[ 7 ] Indem der Mensch in Schlaf versunken ist, ist das GeistigSeelische aus dem Physischen herausgetreten. Otto Liebmanns «Gespenst» löst sich zeitweilig vom Leiblichen los, und zwar wird ein rein geistig-seelisches Verhältnis hergestellt zwischen dem Zustand, wie man ihn durch geistige Entwickelung gewinnt, und dem Schlafzustand; ein Verhältnis wie zwischen dem, was ich jetzt erlebe, und einer Erinnerungsvorstellung von dem, was ich einmal erlebt habe. Wie auf dasjenige, was ich einmal erlebt habe, so schaue ich auf den Schlafzustand und finde, daß sich das Geistig-Seelische vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb des Physisch-Leiblichen befindet. Man muß sich geistig-seelisch in Verbindung damit setzen. Also man überschaut die zwei Glieder der menschlichen Natur, das Physisch-Leibliche, das im Bett zurückgeblieben ist, und das, was herausgegangen ist; so wie man Wasserstoff und Sauerstoff überschaut, wenn sie aus dem Wasser herausgetrennt worden sind. Aber noch mehr: Man sieht, daß das, was als Leiblichkeit zurückgeblieben ist, in der Tat eine Zweiheit ist, nämlich der physische Leib und dasjenige, was verhindert, daß er seinen eigenen chemischen Gesetzen folgt, was macht, daß er ein lebendes Wesen ist; das ist der Ätherleib — es kommt nicht auf das Wort an -, ein feinerer Kräfteleib. Das Wort Ätherleib sollte nicht gepreßt werden, es hat nichts mit dem zu tun, was heute in der Physik Äther genannt wird.
[ 8 ] Über dasjenige, was im Schlaf herausgeht, namentlich über das Wort, das man dafür anwendet, kann gespottet werden. Man lasse den Leuten den Spott. Das was herausgeht, ist der astralische, der eigentliche Seelenleib und das Ich. Man hat also die viergliedrige Menschennatur vor sich: auf der einen Seite das Leibliche und das Ätherische, auf der andern Seite das Seelische, in dem die Ichnatur gleichsam eingebettet ist. Im gewöhnlichen Schlaf ist das Ich nicht fähig, ein Bewußtsein zu erzeugen, weil es auf der gegenwärtigen Stufe der Menschheit seine Ichtätigkeit im Zusammenhang mit dem Leiblich-Physischen entwickelt. Man kann auch nicht in der Luft gehen, und ebensowenig kann das Ich-Bewußtsein sich entwickeln ohne den Widerstand des Leiblich-Physischen; es entwickelt sich daran. Im Schlaf findet es diesen Widerstand nicht und kann daher nicht zum Bewußtsein kommen. Es entwickelt ein dumpfes Bewußtsein; aber dies ist nur ein paradoxer Ausdruck, da es eben nicht zum Bewußtsein kommt.
[ 8 ] Über dasjenige, was im Schlaf herausgeht, namentlich über das Wort, das man dafür anwendet, kann gespottet werden. Man lasse den Leuten den Spott. Das was herausgeht, ist der astralische, der eigentliche Seelenleib und das Ich. Man hat also die viergliedrige Menschennatur vor sich: auf der einen Seite das Leibliche und das Ätherische, auf der andern Seite das Seelische, in dem die Ichnatur gleichsam eingebettet ist. Im gewöhnlichen Schlaf ist das Ich nicht fähig, ein Bewußtsein zu erzeugen, weil es auf der gegenwärtigen Stufe der Menschheit seine Ichtätigkeit im Zusammenhang mit dem Leiblich-Physischen entwickelt. Man kann auch nicht in der Luft gehen, und ebensowenig kann das Ich-Bewußtsein sich entwickeln ohne den Widerstand des Leiblich-Physischen; es entwickelt sich daran. Im Schlaf findet es diesen Widerstand nicht und kann daher nicht zum Bewußtsein kommen. Es entwickelt ein dumpfes Bewußtsein; aber dies ist nur ein paradoxer Ausdruck, da es eben nicht zum Bewußtsein kommt.
[ 9 ] Ebenso ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen der Seelenleib fortwährend tätig. Vergleichsweise könnten wir sagen: so wie wir tätig sind, wenn wir über etwas nachdenken, das vor einiger Zeit geschehen ist. Seine Tätigkeit ist ein Nachschwingen dessen, was er im Äther- und physischen Leib erlebt hat. Welchen Sinn dieses Nachschwingen hat, das haben wir uns folgendermaßen vorzustellen: Wir denken, fühlen, wollen im Wachen mit unserm Ätherleib, der den Widerstand leistet innerhalb des physischen Leibes. Das heißt, nur die Gedanken schwingen sich durch, welche die Wirkung des Ätherleibes zurückspiegeln. Dadurch, daß wir im Ätherleibe so tätig sind, prägen wir die Nachwirkungen am Ätherleibe ein: was wir am Tage denken, drückt sich ihm ein. Aber er bietet einen Widerstand, er hat seine eigenen inneren Bewegungen; sie sind es, was das den physischen Leib durchdringende Leben ausmacht. Indem wir das hineinzwängen, was in unserem Denken vollführt wird, drängen wir ihm ein Fremdes auf; denn er hat ja zunächst den Zweck, das Leben zu vermitteln. Wegen der Spannungen, die zwischen der einen und der anderen Tätigkeit des Ätherleibes entstehen, kann der Astralleib das nicht aufnehmen, was so eingeprägt wird. Im Schlafe schwingt er nach in dem, was wir selber während des Tages in unseren Ätherleib hineingedrängt haben; es ist wie eine Erinnerung dessen, was wir während des Tages gedacht, gefühlt, gewollt haben. So können wir sagen, daß der Mensch in bezug auf sein Ich kein Bewußtsein entwickeln kann während des Schlafes, daß aber der Astralleib in dem nachschwingt, was da alles am Tage durch die Seelentätigkeit in uns vorgegangen ist. Auch diese Tätigkeit des Astralleibes kann nicht zum Bewußtsein kommen; denn würde sie lange so fortschwingen, so würde sie sich zu einem Zustand steigern, wo wirkliches Bewußtsein auftreten würde, an jedem Morgen ein genaues Bewußtsein, ein Erinnerungsbild dessen, was in den Astralleib hineingezwängt worden ist. Unter dem, was wir uns während des Tages angeeignet haben, haben wir uns nicht alle die einzelnen Akte vorzustellen, sondern die Tätigkeit des Denkens, Fühlens und Wollens. Indem wir diese ausüben, geben wir dem Astralleib ein Gefüge, einen allgemeinen Abdruck — nicht durch die einzelnen Akte —, darin schwingt er nach. Dann, am Morgen haben wir in dem angedeuteten Bild, wir können sagen, in dem, was wir am Tag vorher erlebt haben, nicht im Denken, Fühlen, Wollen, etwas Neues angesetzt. Das würden wir überschauen, wenn nicht der Astralleib den Trieb entwickeln müßte, wieder zurückzukehren in den physischen und Ätherleib, das heißt aufzuwachen. Die höchste Spannung führt uns zum Untertauchen in den physischen Leib. Denn sonst müßte man imstande sein, die Kraft, die man im Schlafe im physischen Leib und in dem, was man den Ätherleib nennt, zurücklassen muß, herauszuziehen, wenigstens für ganz kurze Zeit. In dem, was man die wirkliche, geistige Anschauung nennen kann, belebt man tatsächlich das, was man nennen kann die unbewußte Kraft des Ätherleibes, bringt sie zum Aufblitzen. Man muß dann die Momente abwarten, in denen sich der Ätherleib auch während des wachen Lebens loslöst, es ist wie ein Blutpulsieren: der Ätherleib ist erst intimer mit dem physischen Leib verbunden — und zieht sich zurück. Indem man solche Augenblicke benützt, gewinnt man für einen kurzen Moment Bewußtsein vom AÄtherleib. Dann blitzt das übersinnliche Bewußtsein auf: man ist in der geistigen Welt, kann darin Fragen stellen.
[ 9 ] Ebenso ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen der Seelenleib fortwährend tätig. Vergleichsweise könnten wir sagen: so wie wir tätig sind, wenn wir über etwas nachdenken, das vor einiger Zeit geschehen ist. Seine Tätigkeit ist ein Nachschwingen dessen, was er im Äther- und physischen Leib erlebt hat. Welchen Sinn dieses Nachschwingen hat, das haben wir uns folgendermaßen vorzustellen: Wir denken, fühlen, wollen im Wachen mit unserm Ätherleib, der den Widerstand leistet innerhalb des physischen Leibes. Das heißt, nur die Gedanken schwingen sich durch, welche die Wirkung des Ätherleibes zurückspiegeln. Dadurch, daß wir im Ätherleibe so tätig sind, prägen wir die Nachwirkungen am Ätherleibe ein: was wir am Tage denken, drückt sich ihm ein. Aber er bietet einen Widerstand, er hat seine eigenen inneren Bewegungen; sie sind es, was das den physischen Leib durchdringende Leben ausmacht. Indem wir das hineinzwängen, was in unserem Denken vollführt wird, drängen wir ihm ein Fremdes auf; denn er hat ja zunächst den Zweck, das Leben zu vermitteln. Wegen der Spannungen, die zwischen der einen und der anderen Tätigkeit des Ätherleibes entstehen, kann der Astralleib das nicht aufnehmen, was so eingeprägt wird. Im Schlafe schwingt er nach in dem, was wir selber während des Tages in unseren Ätherleib hineingedrängt haben; es ist wie eine Erinnerung dessen, was wir während des Tages gedacht, gefühlt, gewollt haben. So können wir sagen, daß der Mensch in bezug auf sein Ich kein Bewußtsein entwickeln kann während des Schlafes, daß aber der Astralleib in dem nachschwingt, was da alles am Tage durch die Seelentätigkeit in uns vorgegangen ist. Auch diese Tätigkeit des Astralleibes kann nicht zum Bewußtsein kommen; denn würde sie lange so fortschwingen, so würde sie sich zu einem Zustand steigern, wo wirkliches Bewußtsein auftreten würde, an jedem Morgen ein genaues Bewußtsein, ein Erinnerungsbild dessen, was in den Astralleib hineingezwängt worden ist. Unter dem, was wir uns während des Tages angeeignet haben, haben wir uns nicht alle die einzelnen Akte vorzustellen, sondern die Tätigkeit des Denkens, Fühlens und Wollens. Indem wir diese ausüben, geben wir dem Astralleib ein Gefüge, einen allgemeinen Abdruck — nicht durch die einzelnen Akte —, darin schwingt er nach. Dann, am Morgen haben wir in dem angedeuteten Bild, wir können sagen, in dem, was wir am Tag vorher erlebt haben, nicht im Denken, Fühlen, Wollen, etwas Neues angesetzt. Das würden wir überschauen, wenn nicht der Astralleib den Trieb entwickeln müßte, wieder zurückzukehren in den physischen und Ätherleib, das heißt aufzuwachen. Die höchste Spannung führt uns zum Untertauchen in den physischen Leib. Denn sonst müßte man imstande sein, die Kraft, die man im Schlafe im physischen Leib und in dem, was man den Ätherleib nennt, zurücklassen muß, herauszuziehen, wenigstens für ganz kurze Zeit. In dem, was man die wirkliche, geistige Anschauung nennen kann, belebt man tatsächlich das, was man nennen kann die unbewußte Kraft des Ätherleibes, bringt sie zum Aufblitzen. Man muß dann die Momente abwarten, in denen sich der Ätherleib auch während des wachen Lebens loslöst, es ist wie ein Blutpulsieren: der Ätherleib ist erst intimer mit dem physischen Leib verbunden — und zieht sich zurück. Indem man solche Augenblicke benützt, gewinnt man für einen kurzen Moment Bewußtsein vom AÄtherleib. Dann blitzt das übersinnliche Bewußtsein auf: man ist in der geistigen Welt, kann darin Fragen stellen.
[ 10 ] Wir sehen, welch intimer Vorgang zugrunde liegt. Was real geschieht, ist wie ein Vorüberhuschendes. Wenn man es in wissenschaftliche Formen bringen will, so ist das, was zurückbleibt, wie eine Erinnerung, — wie eine Erinnerung an vorüberhuschende Träume. Daher kommt man zu Erfolgen in der ‚Geisteswissenschaft nicht dadurch, daß man Schlußfolgerungen an Schlußfolgerungen reiht, an das, was man schon hat, — es ist nicht eine logische Erinnerung, nicht ein Denken, sondern es entsteht ein Wachsen durch solche vorüberhuschende Momente. Daher kann auch der Geistesforscher, wenn er niederschreibt, was er so gewinnt, nicht verfahren wie derjenige, der aus der Erinnerung beschreibt. Er kann sich zum Beispiel nicht anmaßen, zu sagen, ein Vortrag, den er zum zwölften Male hält, sei leichter, weil er in der Erinnerung gefestigt ist. Geisteswissenschaftlich kann man, wenn man wirklich ehrlich sein will, nichts so in Erinnerung übergehen lassen, sondern es muß immer neu aus der inneren Seelenarbeit heraus gesprochen werden, nicht aus der Erinnerung. Daher ist ein Vortrag das vierzehnte, fünfzehnte Mal so neu wie das erste Mal. Es ist vielmehr eine gewollte Verrichtung, ein fortwährend Aktives, Tätigkeit Entwickelndes in der Seele. Daher wird bei ehrlicher geisteswissenschaftlicher Darstellung derjenige, welcher aus unmittelbarem Zusammenhang mit der geistigen Welt etwas darstellt, jedesmal versuchen, die Worte neu zu prägen. Gerade deshalb kann allein eine innere, wirkliche Ehrlichkeit zur Darstellung des Geisteswissenschaftlichen führen. Wer lügen will, sagt man, muß ein gutes Gedächtnis haben. Der Geistesforscher muß dagegen im höchsten Grade von der Ehrlichkeit imprägniert sein. Er darf nicht färben; dann wird das, was er sagt, schon zusammenstimmen mit dem, an das er sich nicht in der gewöhnlichen Weise zu erinnern braucht. Aber die Erinnerungsweise des gewöhnlichen Bewußtseins kann man nicht anwenden. |
[ 10 ] Wir sehen, welch intimer Vorgang zugrunde liegt. Was real geschieht, ist wie ein Vorüberhuschendes. Wenn man es in wissenschaftliche Formen bringen will, so ist das, was zurückbleibt, wie eine Erinnerung, — wie eine Erinnerung an vorüberhuschende Träume. Daher kommt man zu Erfolgen in der ‚Geisteswissenschaft nicht dadurch, daß man Schlußfolgerungen an Schlußfolgerungen reiht, an das, was man schon hat, — es ist nicht eine logische Erinnerung, nicht ein Denken, sondern es entsteht ein Wachsen durch solche vorüberhuschende Momente. Daher kann auch der Geistesforscher, wenn er niederschreibt, was er so gewinnt, nicht verfahren wie derjenige, der aus der Erinnerung beschreibt. Er kann sich zum Beispiel nicht anmaßen, zu sagen, ein Vortrag, den er zum zwölften Male hält, sei leichter, weil er in der Erinnerung gefestigt ist. Geisteswissenschaftlich kann man, wenn man wirklich ehrlich sein will, nichts so in Erinnerung übergehen lassen, sondern es muß immer neu aus der inneren Seelenarbeit heraus gesprochen werden, nicht aus der Erinnerung. Daher ist ein Vortrag das vierzehnte, fünfzehnte Mal so neu wie das erste Mal. Es ist vielmehr eine gewollte Verrichtung, ein fortwährend Aktives, Tätigkeit Entwickelndes in der Seele. Daher wird bei ehrlicher geisteswissenschaftlicher Darstellung derjenige, welcher aus unmittelbarem Zusammenhang mit der geistigen Welt etwas darstellt, jedesmal versuchen, die Worte neu zu prägen. Gerade deshalb kann allein eine innere, wirkliche Ehrlichkeit zur Darstellung des Geisteswissenschaftlichen führen. Wer lügen will, sagt man, muß ein gutes Gedächtnis haben. Der Geistesforscher muß dagegen im höchsten Grade von der Ehrlichkeit imprägniert sein. Er darf nicht färben; dann wird das, was er sagt, schon zusammenstimmen mit dem, an das er sich nicht in der gewöhnlichen Weise zu erinnern braucht. Aber die Erinnerungsweise des gewöhnlichen Bewußtseins kann man nicht anwenden. |
[ 11 ] Durch solchen Einblick in die Gliederung der menschlichen Wesenheit durchschaut man die Natur des Schlafes. In Wien habe ich diesen Vorgang als Trennung zwischen physischem und Ätherleib einerseits und Astralleib und Ich andererseits bezeichnet. Das ist nur relativ zu verstehen; Beziehungen bleiben, stellen sich her. Während der Astralleib gewissermaßen in seinem Rückfühlen nachschwingt, stößt er an den Ätherleib in dessen gewöhnlichem Erleben an, und indem er so das, was er rein erleben würde, vermischt mit dem, was im gewöhnlichen Leben vorgeht, entstehen die Träume. Sie sind chaotisch oder auch mehr oder weniger gesetzlich, selbst prophetisch, durchmischt mit dem, was sich im gewöhnlichen Leben vollziehen kann. Wenn Schopenhauer nicht bloß vom gewöhnlichen philosophischen Erkenntnisstandpunkt aus geurteilt hätte, so hätte er die Welt nicht bloß als Wille und Vorstellung gesehen; sondern er hätte gesehen, daß die Vorstellung in sich verdichtet werden kann, daß man darin das Seelisch-Geistige als Geistiges bewußt erleben kann, und daß dasjenige, was er im menschlichen Organismus als Wille sieht, sich in die ganze Umwelt hineinergießt und für die Durchgeistigung der gesamten Welt zur Offenbarung gelangt. Im Astralleib schwingt dasjenige nach, wodurch der Mensch am Ende eines Tages mehr ist als vorher. Das gleiche vollzieht sich auch im ganzen Leben. Denken wir, um das zu verstehen, an die Pflanze und den reifenden Samen; lassen wir dies Bild auf uns wirken. Aber das bleibt im Ätherleibe, der Astralleib schwingt nur nach. Doch nimmt er den Ätherleib durch die Pforte des Todes mit: Und jetzt kann, herausgezogen aus dem physischen Leib, der Astralleib mit dem Ich zusammen ein volles Bewußtsein entwickeln; er wird nun durchzuckt von der Lebekraft des Ätherleibes, und das Bewußtsein taucht auf. Dann aber, wenn er so belebt ist — weil der Ätherleib eigentlich der Lebensversorger des physischen Leibes ist und zu mehr nicht dienen kann -, wenn der Extrakt sozusagen daraus gezogen ist, wird das, was nur die Lebensfunktionen unterhält, in die. übrige Ätherwelt ausgestoßen. Durch das geistig gehaltene Bewußtsein, das durch den Anstoß des Astralleibes und Ich an den Extrakt des Ätherleibes entsteht, muß der Mensch sich erst hindurchringen, bis er zum Gebrauch des neuen Bewußtseins kommt, in welchem er die Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt verbringt. In dieser Zeit macht der Mensch vieles dutch. Über die Zeitlänge, die da verfließt, kann man nur etwas erschauen, wenn man das einzelne Menschenleben mit dem ganzen Erdenleben in Zusammenhang bringt. Dann kann man sehen, was ihn an der Erde angezogen hat, was ihn aus dem Geisterreich zu diesem Leben geführt hat; die Kräfte, die den Menschen herunterführten, haben damit ihren Abschluß, ihr Ziel gefunden. Inzwischen muß die Erde sich so verändert haben, daß der Mensch Neues erleben kann. Daher dauert es Jahrhunderte, daß der Mensch seine Kraft sammelt, um in ein neues Erdenleben hinabzusteigen.
[ 11 ] Durch solchen Einblick in die Gliederung der menschlichen Wesenheit durchschaut man die Natur des Schlafes. In Wien habe ich diesen Vorgang als Trennung zwischen physischem und Ätherleib einerseits und Astralleib und Ich andererseits bezeichnet. Das ist nur relativ zu verstehen; Beziehungen bleiben, stellen sich her. Während der Astralleib gewissermaßen in seinem Rückfühlen nachschwingt, stößt er an den Ätherleib in dessen gewöhnlichem Erleben an, und indem er so das, was er rein erleben würde, vermischt mit dem, was im gewöhnlichen Leben vorgeht, entstehen die Träume. Sie sind chaotisch oder auch mehr oder weniger gesetzlich, selbst prophetisch, durchmischt mit dem, was sich im gewöhnlichen Leben vollziehen kann. Wenn Schopenhauer nicht bloß vom gewöhnlichen philosophischen Erkenntnisstandpunkt aus geurteilt hätte, so hätte er die Welt nicht bloß als Wille und Vorstellung gesehen; sondern er hätte gesehen, daß die Vorstellung in sich verdichtet werden kann, daß man darin das Seelisch-Geistige als Geistiges bewußt erleben kann, und daß dasjenige, was er im menschlichen Organismus als Wille sieht, sich in die ganze Umwelt hineinergießt und für die Durchgeistigung der gesamten Welt zur Offenbarung gelangt. Im Astralleib schwingt dasjenige nach, wodurch der Mensch am Ende eines Tages mehr ist als vorher. Das gleiche vollzieht sich auch im ganzen Leben. Denken wir, um das zu verstehen, an die Pflanze und den reifenden Samen; lassen wir dies Bild auf uns wirken. Aber das bleibt im Ätherleibe, der Astralleib schwingt nur nach. Doch nimmt er den Ätherleib durch die Pforte des Todes mit: Und jetzt kann, herausgezogen aus dem physischen Leib, der Astralleib mit dem Ich zusammen ein volles Bewußtsein entwickeln; er wird nun durchzuckt von der Lebekraft des Ätherleibes, und das Bewußtsein taucht auf. Dann aber, wenn er so belebt ist — weil der Ätherleib eigentlich der Lebensversorger des physischen Leibes ist und zu mehr nicht dienen kann -, wenn der Extrakt sozusagen daraus gezogen ist, wird das, was nur die Lebensfunktionen unterhält, in die. übrige Ätherwelt ausgestoßen. Durch das geistig gehaltene Bewußtsein, das durch den Anstoß des Astralleibes und Ich an den Extrakt des Ätherleibes entsteht, muß der Mensch sich erst hindurchringen, bis er zum Gebrauch des neuen Bewußtseins kommt, in welchem er die Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt verbringt. In dieser Zeit macht der Mensch vieles dutch. Über die Zeitlänge, die da verfließt, kann man nur etwas erschauen, wenn man das einzelne Menschenleben mit dem ganzen Erdenleben in Zusammenhang bringt. Dann kann man sehen, was ihn an der Erde angezogen hat, was ihn aus dem Geisterreich zu diesem Leben geführt hat; die Kräfte, die den Menschen herunterführten, haben damit ihren Abschluß, ihr Ziel gefunden. Inzwischen muß die Erde sich so verändert haben, daß der Mensch Neues erleben kann. Daher dauert es Jahrhunderte, daß der Mensch seine Kraft sammelt, um in ein neues Erdenleben hinabzusteigen.
[ 12 ] Auch im Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt muß man sich zwei Wechselzustände der inneren Erlebnisse vorstellen. Im alltäglichen Leben haben wir Wachen und Schlafen; im Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind es abwechselnde Perioden, aufeinanderfolgende Zustände von innerer Regsamkeit und von Vereinsamung gegenüber der geistigen Umwelt, wo man nichts weiß von der geistigen Umgebung, aber innerlich auslebt, was man darin vorher aufgenommen hat. Es ist dieses Erleben dann, wie wenn ein mächtiges inneres Bild aus einem selber aufstiege. Dann wieder ist man ganz wie ausgeflossen in die geistigen Welten und ihnen einverleibt.
[ 12 ] Auch im Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt muß man sich zwei Wechselzustände der inneren Erlebnisse vorstellen. Im alltäglichen Leben haben wir Wachen und Schlafen; im Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind es abwechselnde Perioden, aufeinanderfolgende Zustände von innerer Regsamkeit und von Vereinsamung gegenüber der geistigen Umwelt, wo man nichts weiß von der geistigen Umgebung, aber innerlich auslebt, was man darin vorher aufgenommen hat. Es ist dieses Erleben dann, wie wenn ein mächtiges inneres Bild aus einem selber aufstiege. Dann wieder ist man ganz wie ausgeflossen in die geistigen Welten und ihnen einverleibt.
[ 13 ] Man kann in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt einen geistigen Mittelpunkt annehmen. In der ersten Hälfte wird das verarbeitet, was sich im letzten Erdenleben neu angesetzt hat; in der zweiten Hälfte wird das aufgenommen, was macht, daß das Geistig-Seelische den physischen Menschen in einem neuen Erdenleben durchdringen kann.
[ 13 ] Man kann in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt einen geistigen Mittelpunkt annehmen. In der ersten Hälfte wird das verarbeitet, was sich im letzten Erdenleben neu angesetzt hat; in der zweiten Hälfte wird das aufgenommen, was macht, daß das Geistig-Seelische den physischen Menschen in einem neuen Erdenleben durchdringen kann.
[ 14 ] Was so als Geisteswissenschaft dargestellt wird, steht nur scheinbar im Widerspruch mit der Naturwissenschaft. Das geistige Erforschen der menschlichen Lebenswerte wird in Zukunft so vorwärts schreiten, wie es die physischen Wissenschaften auf ihrem Gebiete tun. Geisteswissenschaft erscheint noch vielen als Phantasterei, weil man vor der strengen Denkarbeit und seelischen Zucht zurückschreckt, die sie verlangt. So gern möchten viele auf bequemere Weise zur Geisteswissenschaft kommen, als es sein kann. Man möchte eben den schwierigen Schritt nicht vollziehen, der da besteht in einer Fortentwickelung des Bewußtseins. Die Fortschritte der Chemie kann man sich zunutze machen, ohne selbst ein Chemiker zu sein; so kann man sich auch die Ergebnisse der Geistesforschung aneignen. Und wenn man auch selber nicht zum geistigen Forschen gelangen kann, sollte man wenigstens danach streben, die Vorurteile wegzuräumen. Aber auf bequemerem Wege als durch Wegräumen der Vorurteile möchten viele zur Geisteswissenschaft kommen und sie vor allem zum Nutzen im Leben verwenden. Verkennung über Verkennung der Geisteswissenschaft ist die Folge einer solchen Einstellung.
[ 14 ] Was so als Geisteswissenschaft dargestellt wird, steht nur scheinbar im Widerspruch mit der Naturwissenschaft. Das geistige Erforschen der menschlichen Lebenswerte wird in Zukunft so vorwärts schreiten, wie es die physischen Wissenschaften auf ihrem Gebiete tun. Geisteswissenschaft erscheint noch vielen als Phantasterei, weil man vor der strengen Denkarbeit und seelischen Zucht zurückschreckt, die sie verlangt. So gern möchten viele auf bequemere Weise zur Geisteswissenschaft kommen, als es sein kann. Man möchte eben den schwierigen Schritt nicht vollziehen, der da besteht in einer Fortentwickelung des Bewußtseins. Die Fortschritte der Chemie kann man sich zunutze machen, ohne selbst ein Chemiker zu sein; so kann man sich auch die Ergebnisse der Geistesforschung aneignen. Und wenn man auch selber nicht zum geistigen Forschen gelangen kann, sollte man wenigstens danach streben, die Vorurteile wegzuräumen. Aber auf bequemerem Wege als durch Wegräumen der Vorurteile möchten viele zur Geisteswissenschaft kommen und sie vor allem zum Nutzen im Leben verwenden. Verkennung über Verkennung der Geisteswissenschaft ist die Folge einer solchen Einstellung.
[ 15 ] Die Naturwissenschaft wird sich immer mehr als das herausstellen, was nicht die Antworten geben kann, sondern die Fragen in neuer Weise aufstellt. Die Antworten kommen dann von der Geisteswissenschaft, — die Antwort, nach der Faust lechzt:
[ 15 ] Die Naturwissenschaft wird sich immer mehr als das herausstellen, was nicht die Antworten geben kann, sondern die Fragen in neuer Weise aufstellt. Die Antworten kommen dann von der Geisteswissenschaft, — die Antwort, nach der Faust lechzt:
Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.
Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.
[ 16 ] Nicht mit Hebeln und mit Schrauben dringt man in ihr Inneres. Man muß sie mit Seelenlicht und Seelenkraft beleuchten.
[ 16 ] Nicht mit Hebeln und mit Schrauben dringt man in ihr Inneres. Man muß sie mit Seelenlicht und Seelenkraft beleuchten.
