From Central European Spiritual Life
GA 65
3 December 1915, Berlin
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Aus dem mitteleuropäischen Geistesleben
2. Die Ewigen Kräfte der Menschenseele
2. Die Ewigen Kräfte der Menschenseele
[ 1 ] Betrachtungen über die ewigen Kräfte der Menschenseele vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, wie diese Geisteswissenschaft hier gemeint ist, sind in unserer Zeit naturgemäß, man möchte sagen, ganz selbstverständlich Mißverständnissen ausgesetzt. Und ganz selbstverständlich ist es, von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus, der zweifellos von einer gewissen Seite her berechtigt ist, widerlegt zu werden. Bei solchen Widerlegungen findet nun das Folgende statt: Derjenige, der solche Ergebnisse der Geisteswissenschaft zu widerlegen vermeint, bringt diese oder jene Gründe vor und meint dann, dasjenige sei getroffen, was er getroffen haben will, und mit seinen Gründen könne der Geisteswissenschafter ganz und gar nicht einverstanden sein. Gerade eine solche Betrachtung, wie sie heute hier aus den Ergebnissen der Geisteswissenschaft heraus angestellt werden soll, ist denangedeutetenMißverständnissen ausgesetzt,denn die Sache liegt gewöhnlich so — ja, man kann sagen, in den Fällen, die zutage getreten sind, liegt die Sache immer so -, daß derjenige, der widerlegt, Dinge vorbringt, mit denen der Geisteswissenschafter durchaus einverstanden ist, absolut einverstanden ist. Nur daß Geisteswissenschaft etwas zu sagen hat, was von solchen Einwänden gar nicht berührt wird, von solchen Einwänden, die der Geisteswissenschafter oftmals in einem viel weiteren Umfange gelten läßt als derjenige, der die Einwände macht.
[ 1 ] Betrachtungen über die ewigen Kräfte der Menschenseele vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, wie diese Geisteswissenschaft hier gemeint ist, sind in unserer Zeit naturgemäß, man möchte sagen, ganz selbstverständlich Mißverständnissen ausgesetzt. Und ganz selbstverständlich ist es, von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus, der zweifellos von einer gewissen Seite her berechtigt ist, widerlegt zu werden. Bei solchen Widerlegungen findet nun das Folgende statt: Derjenige, der solche Ergebnisse der Geisteswissenschaft zu widerlegen vermeint, bringt diese oder jene Gründe vor und meint dann, dasjenige sei getroffen, was er getroffen haben will, und mit seinen Gründen könne der Geisteswissenschafter ganz und gar nicht einverstanden sein. Gerade eine solche Betrachtung, wie sie heute hier aus den Ergebnissen der Geisteswissenschaft heraus angestellt werden soll, ist denangedeutetenMißverständnissen ausgesetzt,denn die Sache liegt gewöhnlich so — ja, man kann sagen, in den Fällen, die zutage getreten sind, liegt die Sache immer so -, daß derjenige, der widerlegt, Dinge vorbringt, mit denen der Geisteswissenschafter durchaus einverstanden ist, absolut einverstanden ist. Nur daß Geisteswissenschaft etwas zu sagen hat, was von solchen Einwänden gar nicht berührt wird, von solchen Einwänden, die der Geisteswissenschafter oftmals in einem viel weiteren Umfange gelten läßt als derjenige, der die Einwände macht.
[ 2 ] Dies gilt namentlich in bezug auf die Frage, die heute gestellt werden soll, und für das, was von seiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung oftmals dazu vorgebracht wird. Der Geisteswissenschafter, ich habe das oftmals von dieser Stelle aus betont, aber ich muß heute einleitungsweise doch noch einmal darauf hinweisen, der Geisteswissenschafter steht keineswegs in irgendeinem Gegensatz zu der auf die großen Errungenschaften der neueren Zeit begründeten naturwissenschaftlichen Weltanschauung, insbesondere dann nicht, wenn es sich um Fragen des menschlichen Seelenlebens handelt. Gewiß, es wird von mancher Seite, die in einem heute noch gültigen Sinne Psychologie, Seelenkunde treiben will, mancherlei vorgebracht über den Ewigkeitscharakter eines menschlichen Seelenkernes. Dann kommt der Naturwissenschafter, und ich sage ausdrücklich, oftmals mit vollem Rechte, und sagt: Da sehen wir die menschlichen Seelenäußerungen, des Menschen Denken, des Menschen Fühlen, des Menschen Wollen, wie sie sich äußern von der Geburt oder von dem Zeitpunkte an, da der Mensch bewußte Vorstellungen entwickeln kann, bis zum Tode hin. Blicken wir dieses Seelenleben an — so muß der Vertreter der naturwissenschaftlichen Weltanschauung sagen -, dann erscheint es im engsten Sinne gebunden an die körperlichen Vorgänge; und man kann aufzeigen, wie es gebunden ist an die körperlichen Vorgänge, wie die körperlichen Verrichtungen sich vom zartesten Kindesalter an nach und nach entwickeln und wie sich mit diesen körperlichen Vorgängen, indem sie sich, wie man sagt, vervollkommnen, die Fähigkeiten des Denkens, des Wahrnehmens, des verständigen Wahrnehmens ganz parallel entwickeln. Man kann wiederum sehen, wie mit dem Hinschwinden der physischen Verrichtungen des Menschen auch die seelischen Verrichtungen allmählich in den Hintergrund treten, allmählich zurückgehen, abfluten. Ja, man kann noch mehr zeigen, Man kann zeigen, wie bei Krankheit oder dergleichen, durch Ausschaltung irgendeiner Gehirntätigkeit, irgendeines Teiles des Nervensystemes Teile des geistigen Lebens verschwinden; wie Unfähigkeit an Stelle der Fähigkeit tritt, wenn organische Funktionen ausgeschaltet werden. Man könnte, was angeführt worden ist, noch ins Unendliche vermehren. So kann man mit Recht sagen: Ist denn nicht alles, was der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und Wollen entwickelt, an die physischen Verrichtungen gebunden, die allmählich durch die Naturwissenschaft entdeckt werden, wie die Flamme gebunden ist an das Brennmaterial der Kerze? Und in der Tat, manche sogenannte Beweise, die für den Bestand eines Seelenkernes innerhalb des gewöhnlichen Denkens, Fühlens und Wollens vorgebracht werden, sie gleichen wirklich etwa einer Vorstellung, die man sich bilden würde von der Art, daß man sagt, man fände etwas in der Flamme, das doch nicht vergehen könne, wenn das Material der Kerze irgendwie der Flamme entzogen werde. Man kann sagen: Vieles in der gewöhnlichen Seelenlehre ist den Gründen, den Beweisarten nach so aufgebaut, daß es ganz genau dem Gedanken entspricht, den man haben würde, um zu beweisen, daß das, was in der Flamme lebt, nicht verschwinden könne, wenn man der Flamme das Brennmaterial wegnimmt.
[ 2 ] Dies gilt namentlich in bezug auf die Frage, die heute gestellt werden soll, und für das, was von seiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung oftmals dazu vorgebracht wird. Der Geisteswissenschafter, ich habe das oftmals von dieser Stelle aus betont, aber ich muß heute einleitungsweise doch noch einmal darauf hinweisen, der Geisteswissenschafter steht keineswegs in irgendeinem Gegensatz zu der auf die großen Errungenschaften der neueren Zeit begründeten naturwissenschaftlichen Weltanschauung, insbesondere dann nicht, wenn es sich um Fragen des menschlichen Seelenlebens handelt. Gewiß, es wird von mancher Seite, die in einem heute noch gültigen Sinne Psychologie, Seelenkunde treiben will, mancherlei vorgebracht über den Ewigkeitscharakter eines menschlichen Seelenkernes. Dann kommt der Naturwissenschafter, und ich sage ausdrücklich, oftmals mit vollem Rechte, und sagt: Da sehen wir die menschlichen Seelenäußerungen, des Menschen Denken, des Menschen Fühlen, des Menschen Wollen, wie sie sich äußern von der Geburt oder von dem Zeitpunkte an, da der Mensch bewußte Vorstellungen entwickeln kann, bis zum Tode hin. Blicken wir dieses Seelenleben an — so muß der Vertreter der naturwissenschaftlichen Weltanschauung sagen -, dann erscheint es im engsten Sinne gebunden an die körperlichen Vorgänge; und man kann aufzeigen, wie es gebunden ist an die körperlichen Vorgänge, wie die körperlichen Verrichtungen sich vom zartesten Kindesalter an nach und nach entwickeln und wie sich mit diesen körperlichen Vorgängen, indem sie sich, wie man sagt, vervollkommnen, die Fähigkeiten des Denkens, des Wahrnehmens, des verständigen Wahrnehmens ganz parallel entwickeln. Man kann wiederum sehen, wie mit dem Hinschwinden der physischen Verrichtungen des Menschen auch die seelischen Verrichtungen allmählich in den Hintergrund treten, allmählich zurückgehen, abfluten. Ja, man kann noch mehr zeigen, Man kann zeigen, wie bei Krankheit oder dergleichen, durch Ausschaltung irgendeiner Gehirntätigkeit, irgendeines Teiles des Nervensystemes Teile des geistigen Lebens verschwinden; wie Unfähigkeit an Stelle der Fähigkeit tritt, wenn organische Funktionen ausgeschaltet werden. Man könnte, was angeführt worden ist, noch ins Unendliche vermehren. So kann man mit Recht sagen: Ist denn nicht alles, was der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und Wollen entwickelt, an die physischen Verrichtungen gebunden, die allmählich durch die Naturwissenschaft entdeckt werden, wie die Flamme gebunden ist an das Brennmaterial der Kerze? Und in der Tat, manche sogenannte Beweise, die für den Bestand eines Seelenkernes innerhalb des gewöhnlichen Denkens, Fühlens und Wollens vorgebracht werden, sie gleichen wirklich etwa einer Vorstellung, die man sich bilden würde von der Art, daß man sagt, man fände etwas in der Flamme, das doch nicht vergehen könne, wenn das Material der Kerze irgendwie der Flamme entzogen werde. Man kann sagen: Vieles in der gewöhnlichen Seelenlehre ist den Gründen, den Beweisarten nach so aufgebaut, daß es ganz genau dem Gedanken entspricht, den man haben würde, um zu beweisen, daß das, was in der Flamme lebt, nicht verschwinden könne, wenn man der Flamme das Brennmaterial wegnimmt.
[ 3 ] Nun muß durchaus betont werden, daß in bezug auf all das, was eben angedeutet worden ist, Geisteswissenschaft ganz auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, ja, wie wir gerade durch die heutige Betrachtung sehen wollen, intensiver, stärker noch sich auf diesen Boden der Naturwissenschaft stellen muß, als es die Naturwissenschaft selber nach dem heutigen Stand ihres Forschens tun kann. Geisteswissenschaft steht auch in methodischer Beziehung, in Beziehung auf die Art und Weise des wissenschaftlichen Denkens und der wissenschaftlichen Gesinnung durchaus so, daß sie dieselbe Richtung verfolgt, die für das menschliche Forschen durch die neueren Methoden der Naturwissenschaft angegeben worden ist. Allein so, wie diese neueren Methoden der Naturwissenschaft angewendet worden sind auf das Seelenleben, zeigen sie durchaus, daß sie gerade zu denjenigen Gebieten nicht hinführen, auf denen die eigentlichen Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens gefunden werden.
[ 3 ] Nun muß durchaus betont werden, daß in bezug auf all das, was eben angedeutet worden ist, Geisteswissenschaft ganz auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, ja, wie wir gerade durch die heutige Betrachtung sehen wollen, intensiver, stärker noch sich auf diesen Boden der Naturwissenschaft stellen muß, als es die Naturwissenschaft selber nach dem heutigen Stand ihres Forschens tun kann. Geisteswissenschaft steht auch in methodischer Beziehung, in Beziehung auf die Art und Weise des wissenschaftlichen Denkens und der wissenschaftlichen Gesinnung durchaus so, daß sie dieselbe Richtung verfolgt, die für das menschliche Forschen durch die neueren Methoden der Naturwissenschaft angegeben worden ist. Allein so, wie diese neueren Methoden der Naturwissenschaft angewendet worden sind auf das Seelenleben, zeigen sie durchaus, daß sie gerade zu denjenigen Gebieten nicht hinführen, auf denen die eigentlichen Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens gefunden werden.
[ 4 ] Um nicht bloß allgemeine Bemerkungen zu machen, möchte ich einen konkreten Fall ins Auge fassen. Einer derjenigen neueren Wissenschafter, der die Seelenkunde ganz auf den Boden der naturwissenschaftlichen Denkweise stellen wollte, war der ja auch hier in diesen Vorträgen schon öfter erwähnte Psychologe Franz Brentano. Er fiel mit seinem wissenschaftlichen Streben gerade in die Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in welcher mit Recht die naturwissenschaftliche Denkweise auf die Persönlichkeiten dieses Zeitalters einen großen, einen überwältigenden Eindruck machte, so daß man sich mit keiner Art wissenschaftlicher Forschung dem entziehen wollte, was in der Fruchtbarkeit naturwissenschaftlicher Anschauung lag. Und eben einer derjenigen, die da ganz mitgegangen sind und etwa gesagt haben: Wenn streng wissenschaftliche Ergebnisse erreicht werden sollen, so müssen sie durch eine Methode erreicht werden, die nach dem Muster der Naturwissenschaft aufgebaut wird, sonst sind sie keine wirklich wissenschaftlichen Ergebnisse, — eine der Persönlichkeiten, die so sich gestellt haben zur Seelenforschung wie zur Naturforschung, war Franz Brentano. Seine Thesen, die er aufgestellt hat im Beginn seines Lehramtes in Würzburg in den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, lauteten etwa so: Die Zukunft der Seelenforschung hängt ganz davon ab, daß sie sich in denselben Bahnen bewegt wie die Naturforschung. — Nun ist gerade mit Bezug auf die Hoffnungen, die die Seelenforschung für unser Zeitalter und die Zukunft haben kann, Franz Brentano eine charakteristische Persönlichkeit. Er hat begonnen, eine «Psychologie» zu schreiben, ein Buch, das im engeren Kreise der Seelenforscher eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Er hat versprochen, als der erste Band seiner Seelenkunde erschien, noch vor Ablauf des Jahres, in dem der Band erschienen ist — es war 1874 -, werde der zweite Band und dann in rascher Folge der dritte Band erscheinen. Es ist nichts bisher erschienen außer dem ersten Band! Und das ist gerade deshalb charakteristisch, weil Franz Brentano eine der gewissenhaftesten, eine der energischsten Denkerpersönlichkeiten Ist.
[ 4 ] Um nicht bloß allgemeine Bemerkungen zu machen, möchte ich einen konkreten Fall ins Auge fassen. Einer derjenigen neueren Wissenschafter, der die Seelenkunde ganz auf den Boden der naturwissenschaftlichen Denkweise stellen wollte, war der ja auch hier in diesen Vorträgen schon öfter erwähnte Psychologe Franz Brentano. Er fiel mit seinem wissenschaftlichen Streben gerade in die Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in welcher mit Recht die naturwissenschaftliche Denkweise auf die Persönlichkeiten dieses Zeitalters einen großen, einen überwältigenden Eindruck machte, so daß man sich mit keiner Art wissenschaftlicher Forschung dem entziehen wollte, was in der Fruchtbarkeit naturwissenschaftlicher Anschauung lag. Und eben einer derjenigen, die da ganz mitgegangen sind und etwa gesagt haben: Wenn streng wissenschaftliche Ergebnisse erreicht werden sollen, so müssen sie durch eine Methode erreicht werden, die nach dem Muster der Naturwissenschaft aufgebaut wird, sonst sind sie keine wirklich wissenschaftlichen Ergebnisse, — eine der Persönlichkeiten, die so sich gestellt haben zur Seelenforschung wie zur Naturforschung, war Franz Brentano. Seine Thesen, die er aufgestellt hat im Beginn seines Lehramtes in Würzburg in den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, lauteten etwa so: Die Zukunft der Seelenforschung hängt ganz davon ab, daß sie sich in denselben Bahnen bewegt wie die Naturforschung. — Nun ist gerade mit Bezug auf die Hoffnungen, die die Seelenforschung für unser Zeitalter und die Zukunft haben kann, Franz Brentano eine charakteristische Persönlichkeit. Er hat begonnen, eine «Psychologie» zu schreiben, ein Buch, das im engeren Kreise der Seelenforscher eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Er hat versprochen, als der erste Band seiner Seelenkunde erschien, noch vor Ablauf des Jahres, in dem der Band erschienen ist — es war 1874 -, werde der zweite Band und dann in rascher Folge der dritte Band erscheinen. Es ist nichts bisher erschienen außer dem ersten Band! Und das ist gerade deshalb charakteristisch, weil Franz Brentano eine der gewissenhaftesten, eine der energischsten Denkerpersönlichkeiten Ist.
[ 5 ] Franz Brentano begibt sich auf den Weg, Seelenkunde zu treiben im Geiste der neueren Naturwissenschaft. Er kommt zunächst dazu, das Seelenleben, so wie es sich im gewöhnlichen Menschendasein darstellt, zu prüfen; zu untersuchen, wie, indem der Mensch innerhalb der gewöhnlichen physischen Welt lebt, sich Gedanke an Gedanke reiht; welches die Gesetze dafür sind, daß ein Gedanke den anderen hervorruft; welches die Gesetze dafür sind, daß in der menschlichen Seele diese oder jene Lustempfindung, diese oder jene Schmerzempfindung Platz greift. Kurz, dieses Seelenleben, das da abläuft innerhalb des gewöhnlichen physischen Daseins des Menschen, bemühte er sich, im naturwissenschaftlichen Sinne zu untersuchen. Das Ziel der Seelenkunde steht diesem Seelenforscher schon vor Augen, allein er sieht keine Möglichkeit, irgend etwas zu tun, um diesem Ziel auch nur irgendwie näher zu kommen. Da ist charakteristisch ein Ausspruch Franz Brentanos, der in folgender Weise lautet: «Für die Hoffnungen eines Platon und Aristoteles, über das Fortleben unseres besseren Teiles nach der Auflösung des Leibes Sicherheit zu gewinnen, würden dagegen die Gesetze der Assoziation von Vorstellungen, der Entwickelung von Überzeugungen und Meinungen und des Keimens und Treibens von Lust und Liebe alles andere, nur nicht eine wahre Entschädigung sein.... Und wenn wirklich...» —er meint die neuere naturwissenschaftliche Denkungsart - «den Ausschluß der Frage nach der Unsterblichkeit besagte, so wäre [dieser Verlust] für die Psychologie ein überaus bedeutender zu nennen.»
[ 5 ] Franz Brentano begibt sich auf den Weg, Seelenkunde zu treiben im Geiste der neueren Naturwissenschaft. Er kommt zunächst dazu, das Seelenleben, so wie es sich im gewöhnlichen Menschendasein darstellt, zu prüfen; zu untersuchen, wie, indem der Mensch innerhalb der gewöhnlichen physischen Welt lebt, sich Gedanke an Gedanke reiht; welches die Gesetze dafür sind, daß ein Gedanke den anderen hervorruft; welches die Gesetze dafür sind, daß in der menschlichen Seele diese oder jene Lustempfindung, diese oder jene Schmerzempfindung Platz greift. Kurz, dieses Seelenleben, das da abläuft innerhalb des gewöhnlichen physischen Daseins des Menschen, bemühte er sich, im naturwissenschaftlichen Sinne zu untersuchen. Das Ziel der Seelenkunde steht diesem Seelenforscher schon vor Augen, allein er sieht keine Möglichkeit, irgend etwas zu tun, um diesem Ziel auch nur irgendwie näher zu kommen. Da ist charakteristisch ein Ausspruch Franz Brentanos, der in folgender Weise lautet: «Für die Hoffnungen eines Platon und Aristoteles, über das Fortleben unseres besseren Teiles nach der Auflösung des Leibes Sicherheit zu gewinnen, würden dagegen die Gesetze der Assoziation von Vorstellungen, der Entwickelung von Überzeugungen und Meinungen und des Keimens und Treibens von Lust und Liebe alles andere, nur nicht eine wahre Entschädigung sein.... Und wenn wirklich...» —er meint die neuere naturwissenschaftliche Denkungsart - «den Ausschluß der Frage nach der Unsterblichkeit besagte, so wäre [dieser Verlust] für die Psychologie ein überaus bedeutender zu nennen.»
[ 6 ] Ganz charakteristisch ist Franz Brentano für jene Vertreter neuerer Seelenkunde, die sich zwar auf den Boden der neueren Naturwissenschaft stellen wollen, also das Seelenleben genau so beobachten wollen, wie man sonst die äußeren Naturerscheinungen beobachtet, denen aber gerade die wichtigen, die bedeutungsvollen, die mit dem Menschenleben innig zusammenhängenden Fragen entschlüpfen, indem sie ihre Betrachtungen anstellen. Wir können, so sagt etwa Brentano, im Sinne der neueren Naturwissenschaft zu einer Anschauung kommen, wie sich Vorstellungen verketten, wie sich Meinungen in der Menschenseele festsetzen, wie Lust und Leid sich gegenseitig bedingen, aber man kann zu der wichtigen Frage, welches die ewigen Kräfte der Menschenseele sind, aus dem, was man zunächst durch diese Methode erreichen will, keine Stellung nehmen. — Und so ist denn immer mehr und mehr, muß man sagen, aus den Schriften, aus der Literatur über Seelenkunde, in der neueren Zeit die Frage nach den ewigen Kräften des Menschendaseins geschwunden. Man versuche nur einmal die Literatur der Seelenkunde zu durchblättern, und man wird sehen, wie wahr das ist, was ich eben angedeutet habe.
[ 6 ] Ganz charakteristisch ist Franz Brentano für jene Vertreter neuerer Seelenkunde, die sich zwar auf den Boden der neueren Naturwissenschaft stellen wollen, also das Seelenleben genau so beobachten wollen, wie man sonst die äußeren Naturerscheinungen beobachtet, denen aber gerade die wichtigen, die bedeutungsvollen, die mit dem Menschenleben innig zusammenhängenden Fragen entschlüpfen, indem sie ihre Betrachtungen anstellen. Wir können, so sagt etwa Brentano, im Sinne der neueren Naturwissenschaft zu einer Anschauung kommen, wie sich Vorstellungen verketten, wie sich Meinungen in der Menschenseele festsetzen, wie Lust und Leid sich gegenseitig bedingen, aber man kann zu der wichtigen Frage, welches die ewigen Kräfte der Menschenseele sind, aus dem, was man zunächst durch diese Methode erreichen will, keine Stellung nehmen. — Und so ist denn immer mehr und mehr, muß man sagen, aus den Schriften, aus der Literatur über Seelenkunde, in der neueren Zeit die Frage nach den ewigen Kräften des Menschendaseins geschwunden. Man versuche nur einmal die Literatur der Seelenkunde zu durchblättern, und man wird sehen, wie wahr das ist, was ich eben angedeutet habe.
[ 7 ] Geisteswissenschaft versucht nun, durchaus aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkungsweise heraus den Weg zu finden zu den Seelenrätseln des Menschen. Aber sie überzeugt sich davon, daß die Denkweise, die auf der einen Seite so fruchtbar ist für die Betrachtung, für die Erforschung der Geheimnisse der äußeren Natur, verinnerlicht und damit ganz und gar umgestaltet werden muß, wenn man von derselben Gesinnung aus Geisteswissenschaft treiben will, von der aus man Naturwissenschaft treibt. Geisteswissenschaft zeigt, daß diejenigen Verrichtungen des Seelenlebens, welche im gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen zwischen Geburt und Tod ablaufen, wirklich nichts enthalten, was nicht so an den physischen Leib gebunden wäre, wie die Flamme an den Stoff der Kerze gebunden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß man eben mit denjenigen Verrichtungen des Seelenlebens, die vollständig tauglich sind für das gewöhnliche Leben, auch vollständig tauglich sind für das gewöhnliche wissenschaftliche Forschen, nicht herankommt an das, was als Ewiges in der Seele vorhanden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß die Seele des Menschen, so wie sie nun einmal im Alltagsleben und in der gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschung ist, an die physischen Verrichtungen des Leibes gebunden ist, und daß man das, was ewig in der Seele ist, erst aufsuchen muß dadurch, daß man von den gewöhnlichen Seelenverrichtungen aus einen Weg sucht dahin, wohin diese gewöhnlichen Seelenverrichtungen gar nicht reichen, wohin sie nicht kommen, wenn sie nur das vollbringen, was im alltäglichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft vollbracht wird. Ein inneres Entwickeln der Seelenfähigkeiten zu einem Punkte hin, der für das gewöhnliche Leben durchaus überflüssig ist, das ist notwendig, wenn man die ewigen Kräfte der Menschenseele finden will.
[ 7 ] Geisteswissenschaft versucht nun, durchaus aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkungsweise heraus den Weg zu finden zu den Seelenrätseln des Menschen. Aber sie überzeugt sich davon, daß die Denkweise, die auf der einen Seite so fruchtbar ist für die Betrachtung, für die Erforschung der Geheimnisse der äußeren Natur, verinnerlicht und damit ganz und gar umgestaltet werden muß, wenn man von derselben Gesinnung aus Geisteswissenschaft treiben will, von der aus man Naturwissenschaft treibt. Geisteswissenschaft zeigt, daß diejenigen Verrichtungen des Seelenlebens, welche im gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen zwischen Geburt und Tod ablaufen, wirklich nichts enthalten, was nicht so an den physischen Leib gebunden wäre, wie die Flamme an den Stoff der Kerze gebunden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß man eben mit denjenigen Verrichtungen des Seelenlebens, die vollständig tauglich sind für das gewöhnliche Leben, auch vollständig tauglich sind für das gewöhnliche wissenschaftliche Forschen, nicht herankommt an das, was als Ewiges in der Seele vorhanden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß die Seele des Menschen, so wie sie nun einmal im Alltagsleben und in der gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschung ist, an die physischen Verrichtungen des Leibes gebunden ist, und daß man das, was ewig in der Seele ist, erst aufsuchen muß dadurch, daß man von den gewöhnlichen Seelenverrichtungen aus einen Weg sucht dahin, wohin diese gewöhnlichen Seelenverrichtungen gar nicht reichen, wohin sie nicht kommen, wenn sie nur das vollbringen, was im alltäglichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft vollbracht wird. Ein inneres Entwickeln der Seelenfähigkeiten zu einem Punkte hin, der für das gewöhnliche Leben durchaus überflüssig ist, das ist notwendig, wenn man die ewigen Kräfte der Menschenseele finden will.
[ 8 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen von gewissen Gesichtspunkten aus über diese Entwickelung der Seelenfähigkeiten des Menschen zu einer anderen Anschauung hin, als es die alltägliche ist, schon gesprochen. Ich will heute von einem gewissen anderen Gesichtspunkte aus die Frage in ein anderes Licht wiederum stellen.
[ 8 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen von gewissen Gesichtspunkten aus über diese Entwickelung der Seelenfähigkeiten des Menschen zu einer anderen Anschauung hin, als es die alltägliche ist, schon gesprochen. Ich will heute von einem gewissen anderen Gesichtspunkte aus die Frage in ein anderes Licht wiederum stellen.
[ 9 ] Das, was man gerade als das Wichtigste der gewöhnlichen Wissenschaft, das Wichtigste des gewöhnlichen Lebens zum Beispiel beim Denken, beim Vorstellen bezeichnet, das kommt in einer ganz anderen Weise als in diesem alltäglichen Leben für die Geistesforschung in Betracht. Im gewöhnlichen Leben handelt es sich darum, daß wir etwas erkennen dadurch, daß wir uns Gedanken machen über irgend etwas, was von außen zunächst an uns herantritt. Was von außen herantritt, wir nehmen es wahr; auch das im geschichtlichen Werden stehende, wir nehmen es wahr, wir machen uns Gedanken darüber, erforschen dadurch die Gesetze der äußeren Tatsachen und des geschichtlichen Werdens. Der Gedanke tritt in uns auf, und gerade dadurch, daß wir uns Gedanken machen können, daß unsere Gedanken einen gewissen Inhalt haben, wissen wir etwas über die Außenwelt. Und so ist es recht für das Stehen im alltäglichen Leben. So ist es auch recht für die Verrichtungen der gewöhnlichen Wissenschaft.
[ 9 ] Das, was man gerade als das Wichtigste der gewöhnlichen Wissenschaft, das Wichtigste des gewöhnlichen Lebens zum Beispiel beim Denken, beim Vorstellen bezeichnet, das kommt in einer ganz anderen Weise als in diesem alltäglichen Leben für die Geistesforschung in Betracht. Im gewöhnlichen Leben handelt es sich darum, daß wir etwas erkennen dadurch, daß wir uns Gedanken machen über irgend etwas, was von außen zunächst an uns herantritt. Was von außen herantritt, wir nehmen es wahr; auch das im geschichtlichen Werden stehende, wir nehmen es wahr, wir machen uns Gedanken darüber, erforschen dadurch die Gesetze der äußeren Tatsachen und des geschichtlichen Werdens. Der Gedanke tritt in uns auf, und gerade dadurch, daß wir uns Gedanken machen können, daß unsere Gedanken einen gewissen Inhalt haben, wissen wir etwas über die Außenwelt. Und so ist es recht für das Stehen im alltäglichen Leben. So ist es auch recht für die Verrichtungen der gewöhnlichen Wissenschaft.
[ 10 ] Will man aber das Denken in einer solchen Art fassen, wie es gefaßt werden muß, um zu wahren geisteswissenschaftlichen Ergebnissen zu kommen, so muß man es in der folgenden Art erfassen. Ich will durch einen Vergleich, den ich auch hier schon einmal gebraucht habe, zeigen, in welch ganz anderer Art sich der Geistesforscher zum Denken, zum Vorstellen stellen muß, als sich der Mensch im gewöhnlichen Leben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft dazu stellt. Ich deutete es schon einmal an: Wenn wir unsere Hände gebrauchen zu irgendeiner äußeren Arbeit, so kommt es darauf an zunächst, daß wir diese äußere Arbeit verrichten, daß die Ergebnisse dieser äußeren Arbeit da seien. Was da in der Außenwelt verwirklicht ist dadurch, daß wir arbeiten, darauf wird gesehen. Aber das ist nicht das einzige Ergebnis der Arbeit. Die Außenwelt muß auf dieses Ergebnis schauen, und sie hat ein Recht, darauf zu schauen. Aber indem der Mensch immer wieder und wiederum dieses oder jenes verrichtet, macht er dabei die Kraft seiner Hände, seiner Arme zu gleicher Zeit stärker, und nicht nur stärker, sondern auch geschickter, dieses oder jenes zu tun. Man kann sagen — wenn wir das Wort gebrauchen dürfen, das natürlich nur in relativem Sinne richtig ist —: Der Mensch macht die Geschicklichkeit seiner Hände und seiner Arme vollkommener dadurch, daß er arbeitet. Das ist in bezug auf die äußere Arbeit vielleicht etwas höchst Geringfügiges, wenn nur darauf gesehen wird, wodurch sich das Ergebnis der Arbeit in den Zusammenhang des menschlichen Lebens hineinstellt. In bezug darauf ist es ein Nebenergebnis, daß die menschliche Hand und die menschlichen Arme geschickter werden. Aber für den Menschen kommt es sehr darauf an. Oder selbst wenn man das nicht gelten lassen wollte, es ist eben dies als ein Nebenergebnis da! Damit können wir aber dasjenige, was der Mensch im Vorstellen, im Denken erreicht, vergleichen. Im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft kommt es darauf an, daß man sich einen gewissen Inhalt der Gedanken bildet. Gewiß, so ist es auch ganz recht. Aber indem man sich diesen Inhalt der Gedanken bildet, indem man also denkt, geschieht wirklich mit dem Denken etwas Ähnliches, wie mit der Kraft der Hand und des Armes geschieht, wenn man arbeitet. Das Denken macht innerlich etwas durch, und auf dieses, was wirklich nun für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft, auch in bezug auf deren Errungenschaften, ein ganz Nebensächliches ist, gerade auf dieses muß nun die geisteswissenschaftliche Forschung ihren inneren Blick richten: auf das, was im Denken geschieht. Die Seele muß hingelenkt werden nicht auf den Inhalt der Gedanken, sondern auf die Tätigkeit. Und auch nicht auf die bloße Tätigkeit, sondern auf das, was in der Tätigkeit des Denkens — wenn ich den Ausdruck, der nur relative Gültigkeit hat, noch einmal gebrauchen darf - nach der Richtung der Vervollkommnung hin, der Ausbildung des Denkens hin, geschieht.
[ 10 ] Will man aber das Denken in einer solchen Art fassen, wie es gefaßt werden muß, um zu wahren geisteswissenschaftlichen Ergebnissen zu kommen, so muß man es in der folgenden Art erfassen. Ich will durch einen Vergleich, den ich auch hier schon einmal gebraucht habe, zeigen, in welch ganz anderer Art sich der Geistesforscher zum Denken, zum Vorstellen stellen muß, als sich der Mensch im gewöhnlichen Leben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft dazu stellt. Ich deutete es schon einmal an: Wenn wir unsere Hände gebrauchen zu irgendeiner äußeren Arbeit, so kommt es darauf an zunächst, daß wir diese äußere Arbeit verrichten, daß die Ergebnisse dieser äußeren Arbeit da seien. Was da in der Außenwelt verwirklicht ist dadurch, daß wir arbeiten, darauf wird gesehen. Aber das ist nicht das einzige Ergebnis der Arbeit. Die Außenwelt muß auf dieses Ergebnis schauen, und sie hat ein Recht, darauf zu schauen. Aber indem der Mensch immer wieder und wiederum dieses oder jenes verrichtet, macht er dabei die Kraft seiner Hände, seiner Arme zu gleicher Zeit stärker, und nicht nur stärker, sondern auch geschickter, dieses oder jenes zu tun. Man kann sagen — wenn wir das Wort gebrauchen dürfen, das natürlich nur in relativem Sinne richtig ist —: Der Mensch macht die Geschicklichkeit seiner Hände und seiner Arme vollkommener dadurch, daß er arbeitet. Das ist in bezug auf die äußere Arbeit vielleicht etwas höchst Geringfügiges, wenn nur darauf gesehen wird, wodurch sich das Ergebnis der Arbeit in den Zusammenhang des menschlichen Lebens hineinstellt. In bezug darauf ist es ein Nebenergebnis, daß die menschliche Hand und die menschlichen Arme geschickter werden. Aber für den Menschen kommt es sehr darauf an. Oder selbst wenn man das nicht gelten lassen wollte, es ist eben dies als ein Nebenergebnis da! Damit können wir aber dasjenige, was der Mensch im Vorstellen, im Denken erreicht, vergleichen. Im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft kommt es darauf an, daß man sich einen gewissen Inhalt der Gedanken bildet. Gewiß, so ist es auch ganz recht. Aber indem man sich diesen Inhalt der Gedanken bildet, indem man also denkt, geschieht wirklich mit dem Denken etwas Ähnliches, wie mit der Kraft der Hand und des Armes geschieht, wenn man arbeitet. Das Denken macht innerlich etwas durch, und auf dieses, was wirklich nun für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft, auch in bezug auf deren Errungenschaften, ein ganz Nebensächliches ist, gerade auf dieses muß nun die geisteswissenschaftliche Forschung ihren inneren Blick richten: auf das, was im Denken geschieht. Die Seele muß hingelenkt werden nicht auf den Inhalt der Gedanken, sondern auf die Tätigkeit. Und auch nicht auf die bloße Tätigkeit, sondern auf das, was in der Tätigkeit des Denkens — wenn ich den Ausdruck, der nur relative Gültigkeit hat, noch einmal gebrauchen darf - nach der Richtung der Vervollkommnung hin, der Ausbildung des Denkens hin, geschieht.
[ 11 ] Darauf muß der Seelenblick des Menschen eingestellt werden. Und möglich muß es sein, um in Gebiete zu kommen, wo sich die ewigen Kräfte des Seelenlebens erschließen, abzusehen von dem, was Inhalt des Denkens ist, und den Seelenblick hinzurichten auf die Verrichtung, auf die Tätigkeit des Denkens, auf das, was man tut, indem man denkt. Systematisch, methodisch wird das erreicht durch eine intime innere Verrichtung, die man auch ein intimes inneres Seelenexperiment nennen kann, und die ich schon öfter hier mit dem Ausdruck Meditation bezeichnete. Man muß das Wort Meditation nur in dem Umfange nehmen, in dem es hier gemeint ist, als technischen Ausdruck für das Erstreben, eine solche Fähigkeit auszubilden, durch die der Seelenblick hingerichtet werden kann gerade auf diese Entwickelung des Denkens. Und man kann wirklich diese Einstellung der inneren Seelenkräfte nach dieser Richtung hin erreichen durch das, was man als Meditation bezeichnet, wenn diese Meditation in rechtem Sinne getrieben wird. Ich kann hier selbstverständlich immer in bezug auf das, was Meditation ist, nur das Prinzipielle angeben. Das Genauere ist in meinen Büchern zu finden, namentlich in dem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo im einzelnen die Seelenverrichtungen, gleichsam die inneren Seelenexperimente auseinandergesetzt werden, die das ganze Seelenleben auf den Weg bringen, der eben prinzipiell jetzt hier angedeutet werden soll. Es muß das Denken, das Vorstellen öfter in eine Möglichkeit gebracht werden, so daß es gleichsam dasteht, wie äußere Dinge dastehen, daß man es anschauen kann, daß man es gleichsam fester hält, im inneren Seelenvermögen fester hält, als man gewöhnt ist, es zu halten, wenn man das Denken nur so verlaufen läßt, daß es einem zum Verständnis der äußeren Welt dient. Und um die Seele in eine solche Richtung zu bringen, muß man immer wieder und wiederum, nun aus innerster Freiheit und Willkür heraus, dem Denken eine Richtung geben, die man ihm nur gibt, um das eben Angedeutete wirklich innerlich zu verspüren, innerlich zu erleben, um dieses Denken so zu erkraften, daß man das Angedeutete innerlich erleben kann. Dazu muß man in das Denken, in das Vorstellen herein Inhalte, Gedanken, Vorstellungen bringen, auf die man nun sein ganzes inneres Seelenleben zusammenzieht, so daß man wirklich die Welt und alles, was um uns herum ist, vergißt, den ganzen Ablauf des übrigen Seelenlebens außer acht läßt, um nach einem Punkte, nach einem Gedankeninhalt, den man selber in den Mittelpunkt des Vorstellens gestellt hat, alle seine Seelenkräfte hinzukonzentrieren, hinzurichten. Es ist eine scheinbar anspruchslose Betätigung des inneren Seelenlebens, aber man könnte mit Bezug auf das, was hier gemeint ist, wie es im Goetheschen «Faust» heißt, sagen: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer!» Es ist leicht im allgemeinen, dem Denken eine solche Richtung zu geben, wie sie hier angedeutet ist. Aber um wirklich die innere Kraft aufzubringen, die notwendig ist, um das Denken in seinem Tun zu betrachten, muß der Vorgang immer und immer wiederholt werden. Je nach der Anlage des Menschen dauert es wochen-, monate-, jahrelang, bis irgendein Ergebnis erreicht wird. So daß allerdings die meisten Menschen, wenn sie einen solchen inneren Weg nehmen, längst die Geduld verloren haben, wenn es zu irgendeinem Ergebnis kommen könnte.
[ 11 ] Darauf muß der Seelenblick des Menschen eingestellt werden. Und möglich muß es sein, um in Gebiete zu kommen, wo sich die ewigen Kräfte des Seelenlebens erschließen, abzusehen von dem, was Inhalt des Denkens ist, und den Seelenblick hinzurichten auf die Verrichtung, auf die Tätigkeit des Denkens, auf das, was man tut, indem man denkt. Systematisch, methodisch wird das erreicht durch eine intime innere Verrichtung, die man auch ein intimes inneres Seelenexperiment nennen kann, und die ich schon öfter hier mit dem Ausdruck Meditation bezeichnete. Man muß das Wort Meditation nur in dem Umfange nehmen, in dem es hier gemeint ist, als technischen Ausdruck für das Erstreben, eine solche Fähigkeit auszubilden, durch die der Seelenblick hingerichtet werden kann gerade auf diese Entwickelung des Denkens. Und man kann wirklich diese Einstellung der inneren Seelenkräfte nach dieser Richtung hin erreichen durch das, was man als Meditation bezeichnet, wenn diese Meditation in rechtem Sinne getrieben wird. Ich kann hier selbstverständlich immer in bezug auf das, was Meditation ist, nur das Prinzipielle angeben. Das Genauere ist in meinen Büchern zu finden, namentlich in dem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo im einzelnen die Seelenverrichtungen, gleichsam die inneren Seelenexperimente auseinandergesetzt werden, die das ganze Seelenleben auf den Weg bringen, der eben prinzipiell jetzt hier angedeutet werden soll. Es muß das Denken, das Vorstellen öfter in eine Möglichkeit gebracht werden, so daß es gleichsam dasteht, wie äußere Dinge dastehen, daß man es anschauen kann, daß man es gleichsam fester hält, im inneren Seelenvermögen fester hält, als man gewöhnt ist, es zu halten, wenn man das Denken nur so verlaufen läßt, daß es einem zum Verständnis der äußeren Welt dient. Und um die Seele in eine solche Richtung zu bringen, muß man immer wieder und wiederum, nun aus innerster Freiheit und Willkür heraus, dem Denken eine Richtung geben, die man ihm nur gibt, um das eben Angedeutete wirklich innerlich zu verspüren, innerlich zu erleben, um dieses Denken so zu erkraften, daß man das Angedeutete innerlich erleben kann. Dazu muß man in das Denken, in das Vorstellen herein Inhalte, Gedanken, Vorstellungen bringen, auf die man nun sein ganzes inneres Seelenleben zusammenzieht, so daß man wirklich die Welt und alles, was um uns herum ist, vergißt, den ganzen Ablauf des übrigen Seelenlebens außer acht läßt, um nach einem Punkte, nach einem Gedankeninhalt, den man selber in den Mittelpunkt des Vorstellens gestellt hat, alle seine Seelenkräfte hinzukonzentrieren, hinzurichten. Es ist eine scheinbar anspruchslose Betätigung des inneren Seelenlebens, aber man könnte mit Bezug auf das, was hier gemeint ist, wie es im Goetheschen «Faust» heißt, sagen: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer!» Es ist leicht im allgemeinen, dem Denken eine solche Richtung zu geben, wie sie hier angedeutet ist. Aber um wirklich die innere Kraft aufzubringen, die notwendig ist, um das Denken in seinem Tun zu betrachten, muß der Vorgang immer und immer wiederholt werden. Je nach der Anlage des Menschen dauert es wochen-, monate-, jahrelang, bis irgendein Ergebnis erreicht wird. So daß allerdings die meisten Menschen, wenn sie einen solchen inneren Weg nehmen, längst die Geduld verloren haben, wenn es zu irgendeinem Ergebnis kommen könnte.
[ 12 ] Dann muß dabei noch dieses berücksichtigt werden: Wenn wir aus unserem Seelenleben, so wie es uns die Erinnerung etwa darbietet, irgendeinen Gedanken nehmen, so kann uns dieser Gedanke, den wir öfter gedacht haben, der an das oder jenes Äußere anknüpft, zu der angedeuteten Verrichtung nicht viel helfen. Denn wenn der Mensch aus dem Umfang seines Seelenlebens einen Gedanken heraufholt, dann verknüpft sich mit diesem Gedanken eine Unsumme von mehr oder weniger sonst unbewußt darin lebenden Empfindungen und Empfindungsresten; und man erlebt an diesem Gedanken manches, was man nur dadurch erlebt, daß sich der Gedanke mit vielem anderen, das uns für das gewöhnliche Leben nicht bewußt ist, in Zusammenhang gebracht hat. Man kann nicht wissen, ob das, was man an diesen Gedanken dann erlebt, nicht irgendwie eine Reminiszenz, irgendeine verborgene Erinnerung aus dem gewöhnlichen Leben ist. Und schließlich, wenn man einen Gedanken nimmt, der an irgend etwas Äußeres anknüpft, so kann man auch nicht so ganz sicher sein. Denn, indem wir uns einen Gedanken an der äußeren Welt bilden, geht dieser Gedanke allerdings in unser Bewußtsein hinein, aber wir sind uns nie völlig klar bewußt, welchen Eindruck wir mehr oder weniger unbewußt noch nebenher bekommen. Man kann sich meinetwillen irgendeinen Gedanken von einem äußeren Gegenstand, den man gesehen hat, in das Bewußtsein versetzen. Und es kann, indem man nun alle Seelenkraft darauf konzentriert, ganz gut irgend etwas, was man sich nicht in einer unmittelbaren Anschauung zum Bewußtsein brachte, dann auftauchen, und man kann glauben, man habe das, was man da erlebt, irgendwie aus unbekannten Welten heraufgebracht, während man es nur aus der eigenen Seele, aus dem Teile, der sonst unbewußt bleibt, heraufgebracht hat. Daher ist es am besten, wenn man solche Vorstellungen bildet, die man gut überschauen kann und bei denen man nicht der Gefahr ausgesetzt ist, daß sie irgend etwas aus dem Seelenleben heraufholen und uns dann ein Erleben vorgaukeln, das nichts anderes ist als Reminiszenzen des eigenen unterbewußten Seelenlebens. Damit das nicht stattfindet, ist es gut, sich einen Gedanken zu bilden oder einen Gedanken aus der Literatur der Geisteswissenschaft zu nehmen, den man überschauen kann, an den man sozusagen noch keine Gewohnheiten geknüpft hat, von dem man weiß, wie sich seine einzelnen Teile zusammensetzen, von dem man weiß, daß er nicht in unterbewußter Weise etwas heraufruft aus dem Seelenleben, das sich einem dann vor Augen stellt, statt daß man etwas Neues erlebt. Ich habe daher oftmals gesagt: Da es gar nicht darauf ankommt, daß man durch diese Verrichtungen des Seelenlebens, die man Meditation nennt, irgend etwas Äußeres erkennt, irgend eine äußere Wahrheit sich vergegenwärtigt, so ist es gut, sinnbildliche Vorstellungen zu nehmen, über die man von vorneherein klar ist: sie drücken nichts Äußerliches aus, sie werden nur in den Mittelpunkt des Denkens gestellt, um das Denken daran zu betätigen, um das Denken daran zu erkraften. Denn es kommt alles darauf an, die Verrichtungen des Denkens lebendig zu ergreifen, indem man sie verrichtet. Aus freier innerer Betätigung muß man in den Mittelpunkt des Seelenlebens einen Inhalt stellen, und dann sich ganz und gar auf diesen Inhalt beschränken. Es brauchen nur Minuten auf den einzelnen Inhalt für die einzelne Übung verwendet zu werden, denn es kommt in der Regel gar nicht auf die Länge der Zeit an, sondern darauf, wie weit es einem wirklich gelingt, die Seelenkraft so zu konzentrieren, daß sie sich auf einen Punkt hinrichtet und dadurch innerlich erkraftet, innerlich erstarkt, so daß diese innere Denktätigkeit nicht unbemerkt bleibt, sondern eben mit solcher Stärke auftritt, daß man sie innerlich verspüren, daß man sie innerlich erleben kann. Wenn man nun mit genügender Geduld und Ausdauer und Energie immer wieder und wiederum ein solches Seelenexperiment macht, so kommt man zuletzt dazu, das Denken, dasjenige, was sonst sich entzieht als innerer Denkprozefß, wirklich vor seine Seele hinzustellen, wirklich in ganz anderer Weise sich zu seiner Innerlichkeit stellen zu können, als man sich sonst zu dieser Innerlichkeit gestellt hat. Man kommt dazu, etwas ganz Neues in sich zu entdecken. Neu ist es aber nur für das Bewußtsein; es ist immer da im Menschen. Die Seelenverrichtungen, die man vollbracht hat, führen bloß dazu, es zu bemerken. Es ist in jedem Menschen immer vorhanden, was man da entdeckt. Aber wie einen neuen Menschen im Menschen, wie etwas, von dem wir bemerken, daß es uns auch ausfüllt, was wir bisher nicht gewußt haben -, einen neuen Menschen im Menschen können wir jetzt umfassen mit der Kraft, die wir gewahr worden sind durch die Erfassung, durch die innerliche Erkraftung, Erstarkung des Denkens. Und das führt uns nun, wenn wir es genügend lange, genügend intensiv und geduldig treiben, wirklich über die Sphäre dessen hinaus, was wir im gewöhnlichen Denken und Vorstellen haben, führt uns zu einer ganz anderen Anschauungsweise unserer Seele, als diejenige ist, an die wir gewohnt sind. Aber wir bemerken zugleich etwas, was allerdings erst an einem Punkt bemerkt werden kann, der da liegt, wo der Mensch wirklich bei einem Ergebnis ankommt. Man muß geduldig abwarten, bis eintritt, was jetzt erzählt wird als ein Ergebnis, zu dem man eben kommt. Man kommt zu einem erschütternden Ergebnis. |
[ 12 ] Dann muß dabei noch dieses berücksichtigt werden: Wenn wir aus unserem Seelenleben, so wie es uns die Erinnerung etwa darbietet, irgendeinen Gedanken nehmen, so kann uns dieser Gedanke, den wir öfter gedacht haben, der an das oder jenes Äußere anknüpft, zu der angedeuteten Verrichtung nicht viel helfen. Denn wenn der Mensch aus dem Umfang seines Seelenlebens einen Gedanken heraufholt, dann verknüpft sich mit diesem Gedanken eine Unsumme von mehr oder weniger sonst unbewußt darin lebenden Empfindungen und Empfindungsresten; und man erlebt an diesem Gedanken manches, was man nur dadurch erlebt, daß sich der Gedanke mit vielem anderen, das uns für das gewöhnliche Leben nicht bewußt ist, in Zusammenhang gebracht hat. Man kann nicht wissen, ob das, was man an diesen Gedanken dann erlebt, nicht irgendwie eine Reminiszenz, irgendeine verborgene Erinnerung aus dem gewöhnlichen Leben ist. Und schließlich, wenn man einen Gedanken nimmt, der an irgend etwas Äußeres anknüpft, so kann man auch nicht so ganz sicher sein. Denn, indem wir uns einen Gedanken an der äußeren Welt bilden, geht dieser Gedanke allerdings in unser Bewußtsein hinein, aber wir sind uns nie völlig klar bewußt, welchen Eindruck wir mehr oder weniger unbewußt noch nebenher bekommen. Man kann sich meinetwillen irgendeinen Gedanken von einem äußeren Gegenstand, den man gesehen hat, in das Bewußtsein versetzen. Und es kann, indem man nun alle Seelenkraft darauf konzentriert, ganz gut irgend etwas, was man sich nicht in einer unmittelbaren Anschauung zum Bewußtsein brachte, dann auftauchen, und man kann glauben, man habe das, was man da erlebt, irgendwie aus unbekannten Welten heraufgebracht, während man es nur aus der eigenen Seele, aus dem Teile, der sonst unbewußt bleibt, heraufgebracht hat. Daher ist es am besten, wenn man solche Vorstellungen bildet, die man gut überschauen kann und bei denen man nicht der Gefahr ausgesetzt ist, daß sie irgend etwas aus dem Seelenleben heraufholen und uns dann ein Erleben vorgaukeln, das nichts anderes ist als Reminiszenzen des eigenen unterbewußten Seelenlebens. Damit das nicht stattfindet, ist es gut, sich einen Gedanken zu bilden oder einen Gedanken aus der Literatur der Geisteswissenschaft zu nehmen, den man überschauen kann, an den man sozusagen noch keine Gewohnheiten geknüpft hat, von dem man weiß, wie sich seine einzelnen Teile zusammensetzen, von dem man weiß, daß er nicht in unterbewußter Weise etwas heraufruft aus dem Seelenleben, das sich einem dann vor Augen stellt, statt daß man etwas Neues erlebt. Ich habe daher oftmals gesagt: Da es gar nicht darauf ankommt, daß man durch diese Verrichtungen des Seelenlebens, die man Meditation nennt, irgend etwas Äußeres erkennt, irgend eine äußere Wahrheit sich vergegenwärtigt, so ist es gut, sinnbildliche Vorstellungen zu nehmen, über die man von vorneherein klar ist: sie drücken nichts Äußerliches aus, sie werden nur in den Mittelpunkt des Denkens gestellt, um das Denken daran zu betätigen, um das Denken daran zu erkraften. Denn es kommt alles darauf an, die Verrichtungen des Denkens lebendig zu ergreifen, indem man sie verrichtet. Aus freier innerer Betätigung muß man in den Mittelpunkt des Seelenlebens einen Inhalt stellen, und dann sich ganz und gar auf diesen Inhalt beschränken. Es brauchen nur Minuten auf den einzelnen Inhalt für die einzelne Übung verwendet zu werden, denn es kommt in der Regel gar nicht auf die Länge der Zeit an, sondern darauf, wie weit es einem wirklich gelingt, die Seelenkraft so zu konzentrieren, daß sie sich auf einen Punkt hinrichtet und dadurch innerlich erkraftet, innerlich erstarkt, so daß diese innere Denktätigkeit nicht unbemerkt bleibt, sondern eben mit solcher Stärke auftritt, daß man sie innerlich verspüren, daß man sie innerlich erleben kann. Wenn man nun mit genügender Geduld und Ausdauer und Energie immer wieder und wiederum ein solches Seelenexperiment macht, so kommt man zuletzt dazu, das Denken, dasjenige, was sonst sich entzieht als innerer Denkprozefß, wirklich vor seine Seele hinzustellen, wirklich in ganz anderer Weise sich zu seiner Innerlichkeit stellen zu können, als man sich sonst zu dieser Innerlichkeit gestellt hat. Man kommt dazu, etwas ganz Neues in sich zu entdecken. Neu ist es aber nur für das Bewußtsein; es ist immer da im Menschen. Die Seelenverrichtungen, die man vollbracht hat, führen bloß dazu, es zu bemerken. Es ist in jedem Menschen immer vorhanden, was man da entdeckt. Aber wie einen neuen Menschen im Menschen, wie etwas, von dem wir bemerken, daß es uns auch ausfüllt, was wir bisher nicht gewußt haben -, einen neuen Menschen im Menschen können wir jetzt umfassen mit der Kraft, die wir gewahr worden sind durch die Erfassung, durch die innerliche Erkraftung, Erstarkung des Denkens. Und das führt uns nun, wenn wir es genügend lange, genügend intensiv und geduldig treiben, wirklich über die Sphäre dessen hinaus, was wir im gewöhnlichen Denken und Vorstellen haben, führt uns zu einer ganz anderen Anschauungsweise unserer Seele, als diejenige ist, an die wir gewohnt sind. Aber wir bemerken zugleich etwas, was allerdings erst an einem Punkt bemerkt werden kann, der da liegt, wo der Mensch wirklich bei einem Ergebnis ankommt. Man muß geduldig abwarten, bis eintritt, was jetzt erzählt wird als ein Ergebnis, zu dem man eben kommt. Man kommt zu einem erschütternden Ergebnis. |
[ 13 ] Dieses erschütternde Ergebnis erinnert immer wiederum an einen Ausdruck, der oft gebraucht worden ist im Laufe der menschlichen Entwickelung. Er ist gebraucht worden innerhalb derjenigen Kreise, die etwas davon gewußt haben, daß es eine solche Erweiterung des Seelenlebens gibt wie diejenige ist, von der hier gesprochen wird. Nun muß man allerdings, um das zu erläutern, was hier gemeint ist, sagen: Geisteswissenschaft in dieser Art, wie sie hier gemeint ist, ist erst in unserem Zeitalter möglich. Die Menschheit ist in Entwickelung. Was in einem späteren Zeitalter in irgendeiner Art auftritt, war in einem früheren Zeitalter nicht möglich. Ist doch auch die neuere Naturwissenschaft, wie sie sich etwa seit den Zeiten des Galilei, des Kepler, des Kopernikus entwickelt hat, in älteren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht möglich gewesen. Aber diese älteren Epochen mußten vorangehen. Man versuchte sich in diesen älteren Epochen in ganz anderer Weise in das Innere der Natur einzuleben, als das in der gegenwärtigen Epoche der Fall ist. Wie die Naturwissenschaft in ihrer neueren Gestalt zum Beispiel in der griechisch-römischen Zeit noch nicht möglich gewesen ist — rein äußerlichen Tatsachen nach nicht möglich gewesen ist, nicht nur einem Prinzip nach -, so ist Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und ihrer Methode nach hier geschildert wird, etwas, was in unserer Zeit erst aufdämmern kann innerhalb der Menschheitsentwickelung. Aber wie man sich auch vor der gegenwärtigen Naturwissenschaft in diese Natur vertieft hat nach Art derjenigen Menschheitskräfte, die eben dazumal innerhalb der menschlichen Entwickelung an der Oberfläche lagen, so hat man auch früher gesucht, zu den ewigen Kräften der Menschenseele zu kommen und in der anderen Art der Vorzeit die menschlichen Seelenkräfte weiter zu entwickeln, so daß sie in alter Art dasjenige schauen konnten, was als Ewiges der menschlichen Seelenentwickelung zugrunde liegt. Damals hat man schon in einem viel gebrauchten Wort darauf hingewiesen, wozu man kommt durch eine Entwickelung des inneren Seelenlebens, wie sie angedeutet worden ist; man hat gesagt, der Mensch müsse, um die ewigen Gründe seines Seelenlebens zu erreichen, an die Pforte des Todes herantreten. Dieses Wort: «an die Pforte des Todes herantreten», man lernt es in seiner vollen Bedeutung dadurch erkennen, daß man es wirklich bis zu einem gewissen Punkte jenes innerlichen Erlebens bringt, das eben geschildert worden ist als Meditation. Man kommt nämlich an einen Punkt, wo man zwar in sich einen wirklichen zweiten Menschen entdeckt, einen Menschen, der eben nur durch das erkraftete Denken so umfaßt werden kann, wie man durch das gewöhnliche umfassende Wollen, durch das, was man sonst in sich betätigen kann, den gewöhnlichen physischen Menschen erfaßt. Man kommt zu diesem zweiten Menschen in sich, der innerlich sozusagen befühlt wird von dem sich erkraftenden Denken, aber man kommt zugleich dazu, einzusehen, durch unmittelbares Anschauen einzusehen, wie dieser zweite Mensch zusammenhängt, jetzt nicht mit aufbauenden, sondern mit abtragenden Kräften unseres menschlichen Organismus. Man kommt dazu einzusehen, daß man im Grunde genommen die Bedingungen des Todes seit der Geburt oder, sagen wir, seit der Empfängnis in sich trägt; daß gewisse Vorgänge im Menschen real sind, die sich abspielen und die, wenn sie an einem gewissen Punkte angelangt sind, eben zum Tode führen müssen. Neben dem, was den Menschen belebt, neben dem, was der aufsteigende Lebensprozeß ist, den man ja auch mit den gewöhnlichen Seelenkräften nicht anschauen kann, steht dasjenige, was abtragende Seelenkräfte sind, was, ich möchte sagen, zerstörende Seelenkräfte sind. Und mit der höchsten Blüte dieser zerstörenden Seelenkräfte, mit dem, was im Menschen waltet und webt als, man kann sagen, Todesursache, als fortdauernde Todesursache, sieht man aufs innigste verbunden dasjenige, was nun dieser zweite Mensch ist, den man gleichsam innerlich durchfühle mit dem Denken. Wahrhaftig, nur durch eine innere Erfahrung kann man dazu kommen, solches zu behaupten, was ich jetzt behaupte, Gerade so wenig, wie jemand, der nicht weiß, daß in der Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerteilt wird, etwas über den Wasserstoff oder Sauerstoff auszumachen vermag, gerade so wenig vermag man aus dem gewöhnlichen Seelenleben heraus irgend etwas auszumachen über das Erlebnis, das jetzt angedeutet worden ist und das eben zu allen Zeiten mit den Worten ausgesprochen worden ist: man trete an die Pforte des Todes heran.
[ 13 ] Dieses erschütternde Ergebnis erinnert immer wiederum an einen Ausdruck, der oft gebraucht worden ist im Laufe der menschlichen Entwickelung. Er ist gebraucht worden innerhalb derjenigen Kreise, die etwas davon gewußt haben, daß es eine solche Erweiterung des Seelenlebens gibt wie diejenige ist, von der hier gesprochen wird. Nun muß man allerdings, um das zu erläutern, was hier gemeint ist, sagen: Geisteswissenschaft in dieser Art, wie sie hier gemeint ist, ist erst in unserem Zeitalter möglich. Die Menschheit ist in Entwickelung. Was in einem späteren Zeitalter in irgendeiner Art auftritt, war in einem früheren Zeitalter nicht möglich. Ist doch auch die neuere Naturwissenschaft, wie sie sich etwa seit den Zeiten des Galilei, des Kepler, des Kopernikus entwickelt hat, in älteren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht möglich gewesen. Aber diese älteren Epochen mußten vorangehen. Man versuchte sich in diesen älteren Epochen in ganz anderer Weise in das Innere der Natur einzuleben, als das in der gegenwärtigen Epoche der Fall ist. Wie die Naturwissenschaft in ihrer neueren Gestalt zum Beispiel in der griechisch-römischen Zeit noch nicht möglich gewesen ist — rein äußerlichen Tatsachen nach nicht möglich gewesen ist, nicht nur einem Prinzip nach -, so ist Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und ihrer Methode nach hier geschildert wird, etwas, was in unserer Zeit erst aufdämmern kann innerhalb der Menschheitsentwickelung. Aber wie man sich auch vor der gegenwärtigen Naturwissenschaft in diese Natur vertieft hat nach Art derjenigen Menschheitskräfte, die eben dazumal innerhalb der menschlichen Entwickelung an der Oberfläche lagen, so hat man auch früher gesucht, zu den ewigen Kräften der Menschenseele zu kommen und in der anderen Art der Vorzeit die menschlichen Seelenkräfte weiter zu entwickeln, so daß sie in alter Art dasjenige schauen konnten, was als Ewiges der menschlichen Seelenentwickelung zugrunde liegt. Damals hat man schon in einem viel gebrauchten Wort darauf hingewiesen, wozu man kommt durch eine Entwickelung des inneren Seelenlebens, wie sie angedeutet worden ist; man hat gesagt, der Mensch müsse, um die ewigen Gründe seines Seelenlebens zu erreichen, an die Pforte des Todes herantreten. Dieses Wort: «an die Pforte des Todes herantreten», man lernt es in seiner vollen Bedeutung dadurch erkennen, daß man es wirklich bis zu einem gewissen Punkte jenes innerlichen Erlebens bringt, das eben geschildert worden ist als Meditation. Man kommt nämlich an einen Punkt, wo man zwar in sich einen wirklichen zweiten Menschen entdeckt, einen Menschen, der eben nur durch das erkraftete Denken so umfaßt werden kann, wie man durch das gewöhnliche umfassende Wollen, durch das, was man sonst in sich betätigen kann, den gewöhnlichen physischen Menschen erfaßt. Man kommt zu diesem zweiten Menschen in sich, der innerlich sozusagen befühlt wird von dem sich erkraftenden Denken, aber man kommt zugleich dazu, einzusehen, durch unmittelbares Anschauen einzusehen, wie dieser zweite Mensch zusammenhängt, jetzt nicht mit aufbauenden, sondern mit abtragenden Kräften unseres menschlichen Organismus. Man kommt dazu einzusehen, daß man im Grunde genommen die Bedingungen des Todes seit der Geburt oder, sagen wir, seit der Empfängnis in sich trägt; daß gewisse Vorgänge im Menschen real sind, die sich abspielen und die, wenn sie an einem gewissen Punkte angelangt sind, eben zum Tode führen müssen. Neben dem, was den Menschen belebt, neben dem, was der aufsteigende Lebensprozeß ist, den man ja auch mit den gewöhnlichen Seelenkräften nicht anschauen kann, steht dasjenige, was abtragende Seelenkräfte sind, was, ich möchte sagen, zerstörende Seelenkräfte sind. Und mit der höchsten Blüte dieser zerstörenden Seelenkräfte, mit dem, was im Menschen waltet und webt als, man kann sagen, Todesursache, als fortdauernde Todesursache, sieht man aufs innigste verbunden dasjenige, was nun dieser zweite Mensch ist, den man gleichsam innerlich durchfühle mit dem Denken. Wahrhaftig, nur durch eine innere Erfahrung kann man dazu kommen, solches zu behaupten, was ich jetzt behaupte, Gerade so wenig, wie jemand, der nicht weiß, daß in der Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerteilt wird, etwas über den Wasserstoff oder Sauerstoff auszumachen vermag, gerade so wenig vermag man aus dem gewöhnlichen Seelenleben heraus irgend etwas auszumachen über das Erlebnis, das jetzt angedeutet worden ist und das eben zu allen Zeiten mit den Worten ausgesprochen worden ist: man trete an die Pforte des Todes heran.
[ 14 ] Man erlebt, daß ebenso wie im Wasser etwas ist, das man auch nicht unmittelbar, wenn man das Wasser beschaut, sehen kann als Wasserstoff und Sauerstoff, so auch etwas im Menschen ist, was mit seinem Denken, zugleich aber auch mit den ihm den Tod gebenden Kräften zusammenhängt. Man schaut in sich den Menschen, der es bewirkt, daß man gerade das reinste, das abstrakteste Denken, dasjenige, was einen für das gewöhnliche Leben am weitesten bringt, zwischen Geburt und Tod haben kann, daß man es aber nicht haben könnte, wenn nicht die todgebenden Kräfte im Menschen zu ihrer höchsten Blüte kommen würden. Und indem man gerade durch die Erkraftung des Denkens das in sich entdeckt, was den Tod bringt, gliedert sich unmittelbar eine Erfahrung an, ein inneres Erfahrungswissen — man kann es nicht anders nennen, als ein inneres Erfahrungswissen —, nicht etwas, was durch einen Vernunftschluß jemals zu erreichen wäre; ebensowenig wie wenn man das Wasser äußerlich anschaut, durch einen Vernunftschluß zu erreichen ist, daß da Wasserstoff und Sauerstoff darinnen ist. Man erlangt die Erfahrung, daß man sich sagt: Man schaut jetzt hinaus über den Umfang desjenigen, was das gewöhnliche Bewußtsein überschaut und lernt in sich kennen den Menschen, der zwischen Geburt und Tod mit den todgebenden Kräften zusammenhängt. Aber man lernt ihn zugleich so kennen, daß man, indem man ihn durchschaut, in diesem zweiten Menschen dasjenige kennen lernt, was da war vom Menschen, bevor er durch die Geburt oder sagen wir die Empfängnis in das physische Dasein hereingetreten ist. Man lernt von diesem Momente an wissen, daß nicht nur die Vererbe-Kräfte von den Vorfahren, von Vater und Mutter, den Menschen in das Dasein hereingestellt haben, sondern daß sich verbunden haben mit dem, was in der Vererbungsströmung liegt, geistige Kräfte, die aus einer rein geistigen Welt heraus gekommen sind.
[ 14 ] Man erlebt, daß ebenso wie im Wasser etwas ist, das man auch nicht unmittelbar, wenn man das Wasser beschaut, sehen kann als Wasserstoff und Sauerstoff, so auch etwas im Menschen ist, was mit seinem Denken, zugleich aber auch mit den ihm den Tod gebenden Kräften zusammenhängt. Man schaut in sich den Menschen, der es bewirkt, daß man gerade das reinste, das abstrakteste Denken, dasjenige, was einen für das gewöhnliche Leben am weitesten bringt, zwischen Geburt und Tod haben kann, daß man es aber nicht haben könnte, wenn nicht die todgebenden Kräfte im Menschen zu ihrer höchsten Blüte kommen würden. Und indem man gerade durch die Erkraftung des Denkens das in sich entdeckt, was den Tod bringt, gliedert sich unmittelbar eine Erfahrung an, ein inneres Erfahrungswissen — man kann es nicht anders nennen, als ein inneres Erfahrungswissen —, nicht etwas, was durch einen Vernunftschluß jemals zu erreichen wäre; ebensowenig wie wenn man das Wasser äußerlich anschaut, durch einen Vernunftschluß zu erreichen ist, daß da Wasserstoff und Sauerstoff darinnen ist. Man erlangt die Erfahrung, daß man sich sagt: Man schaut jetzt hinaus über den Umfang desjenigen, was das gewöhnliche Bewußtsein überschaut und lernt in sich kennen den Menschen, der zwischen Geburt und Tod mit den todgebenden Kräften zusammenhängt. Aber man lernt ihn zugleich so kennen, daß man, indem man ihn durchschaut, in diesem zweiten Menschen dasjenige kennen lernt, was da war vom Menschen, bevor er durch die Geburt oder sagen wir die Empfängnis in das physische Dasein hereingetreten ist. Man lernt von diesem Momente an wissen, daß nicht nur die Vererbe-Kräfte von den Vorfahren, von Vater und Mutter, den Menschen in das Dasein hereingestellt haben, sondern daß sich verbunden haben mit dem, was in der Vererbungsströmung liegt, geistige Kräfte, die aus einer rein geistigen Welt heraus gekommen sind.
[ 15 ] Man ist gewohnt, im gewöhnlichen Leben nur dasjenige «Wissen» zu nennen, wozu man dadurch kommt, daß man gewisse Tatsachen aufzeigt, die schon vor der Erlangung des Wissens da sind. Für die geistigen Tatsachen wäre diese Denkweise genau dasselbe, wie wenn man sagen würde: Ich will einem anderen etwas mitteilen, aber ich spreche es nicht aus, denn dadurch, daß ich es ausspreche, ist es nicht mehr eine objektive Tatsache, die da ist; es muß sich von selber machen. — So wie man in dem Aussprechen etwas erzeugt, was sich aber doch nicht bloß seinem Inhalte nach in dem Ausgesprochenen erschöpft, so ist das geisteswissenschaftliche Erkennen an eine Tätigkeit gebunden, in der dasjenige erst aufgeht, was Inhalt des Wissens ist, so wie sich erst im Sprechen das erzeugt, was der Inhalt des Sprechens ist. Und man kommt jetzt wirklich dazu, einzusehen, daß auf geistigen Gebieten in einer höheren Form dasjenige vorhanden ist, wozu sich die Naturwissenschaft seit ungefähr der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durchgerungen hat: das, was man «Umwandlung der Kräfte» nennt. Umwandlung der Kräfte ist es zum Beispiel — nun in der einfachsten Form — : Sie drücken auf den Tisch, und die Kraft Ihres Druckes, die Arbeit Ihres Druckes verwandelt sich in Wärme, Ihre Druckraft ist nicht verlorengegangen, sondern sie hat sich umgewandelt. Dieses Gesetz der Umwandlung der Kräfte hat ja die naturwissenschaftliche Gesinnung ergriffen und dadurch eine große Bedeutung erlangt. Derjenige, der als Geisteswissenschafter sich bis zu dem Punkte bringt, den ich angedeutet habe, der lernt erkennen, daß dasjenige, was unserem ganzen Denken zugrunde liegt und was ich eben jetzt «die todbringenden Kräfte» genannt habe, in der Tat ewige Lebekräfte sind, aber als ewige Lebekräfte sich nur betätigen können, wenn sie nicht einen Organismus, einen physischen Organismus ergreifen. Wenn sie vor der Geburt oder, sagen wir, vor der Empfängnis, in der rein geistigen Welt vorhanden sind, da sind sie ewige Lebekräfte. Und sie müssen die Form der ewigen Lebekräfte verlieren, sie müssen sich umwandeln in solche Kräfte, die nun zwischen Geburt und Tod, das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie haben damit zu tun, daß sie das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie können also erst wiederum sich in ihrem Geistcharakter betätigen, wenn das Organ des physischen Leibes, das Denkorgan, abgebaut ist. Daher ist es wirklich unmöglich, innerhalb des physischen Lebens das zu finden, von dem jetzt gesprochen worden ist. Denn man könnte gar nicht im gewöhnlichen Sinne denken, wenn man das finden könnte, wovon gesprochen worden ist. Man denkt im physischen Leben — das zeigt insbesondere die Geisteswissenschaft — mit dem Denkorgan. Nicht das Denken ist von dem ewigen Wirken und von den ewigen Kräften der menschlichen Seele geschaffen, sondern das Denkorgan; das muß zunächst immer da sein, damit das Denken sich betätigen kann. Dieses gewöhnliche physische Denken müßte also aufhören, wenn man gerade das anschauen wollte, worauf es ankommt. Nicht das Denken kommt aus den ewigen Kräften, sondern das Denkorgan, das hinter dem Denken verborgen bleibt. Und gerade dieses Denkorgan muß verborgen bleiben, damit das Denken zum Vorschein kommen kann.
[ 15 ] Man ist gewohnt, im gewöhnlichen Leben nur dasjenige «Wissen» zu nennen, wozu man dadurch kommt, daß man gewisse Tatsachen aufzeigt, die schon vor der Erlangung des Wissens da sind. Für die geistigen Tatsachen wäre diese Denkweise genau dasselbe, wie wenn man sagen würde: Ich will einem anderen etwas mitteilen, aber ich spreche es nicht aus, denn dadurch, daß ich es ausspreche, ist es nicht mehr eine objektive Tatsache, die da ist; es muß sich von selber machen. — So wie man in dem Aussprechen etwas erzeugt, was sich aber doch nicht bloß seinem Inhalte nach in dem Ausgesprochenen erschöpft, so ist das geisteswissenschaftliche Erkennen an eine Tätigkeit gebunden, in der dasjenige erst aufgeht, was Inhalt des Wissens ist, so wie sich erst im Sprechen das erzeugt, was der Inhalt des Sprechens ist. Und man kommt jetzt wirklich dazu, einzusehen, daß auf geistigen Gebieten in einer höheren Form dasjenige vorhanden ist, wozu sich die Naturwissenschaft seit ungefähr der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durchgerungen hat: das, was man «Umwandlung der Kräfte» nennt. Umwandlung der Kräfte ist es zum Beispiel — nun in der einfachsten Form — : Sie drücken auf den Tisch, und die Kraft Ihres Druckes, die Arbeit Ihres Druckes verwandelt sich in Wärme, Ihre Druckraft ist nicht verlorengegangen, sondern sie hat sich umgewandelt. Dieses Gesetz der Umwandlung der Kräfte hat ja die naturwissenschaftliche Gesinnung ergriffen und dadurch eine große Bedeutung erlangt. Derjenige, der als Geisteswissenschafter sich bis zu dem Punkte bringt, den ich angedeutet habe, der lernt erkennen, daß dasjenige, was unserem ganzen Denken zugrunde liegt und was ich eben jetzt «die todbringenden Kräfte» genannt habe, in der Tat ewige Lebekräfte sind, aber als ewige Lebekräfte sich nur betätigen können, wenn sie nicht einen Organismus, einen physischen Organismus ergreifen. Wenn sie vor der Geburt oder, sagen wir, vor der Empfängnis, in der rein geistigen Welt vorhanden sind, da sind sie ewige Lebekräfte. Und sie müssen die Form der ewigen Lebekräfte verlieren, sie müssen sich umwandeln in solche Kräfte, die nun zwischen Geburt und Tod, das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie haben damit zu tun, daß sie das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie können also erst wiederum sich in ihrem Geistcharakter betätigen, wenn das Organ des physischen Leibes, das Denkorgan, abgebaut ist. Daher ist es wirklich unmöglich, innerhalb des physischen Lebens das zu finden, von dem jetzt gesprochen worden ist. Denn man könnte gar nicht im gewöhnlichen Sinne denken, wenn man das finden könnte, wovon gesprochen worden ist. Man denkt im physischen Leben — das zeigt insbesondere die Geisteswissenschaft — mit dem Denkorgan. Nicht das Denken ist von dem ewigen Wirken und von den ewigen Kräften der menschlichen Seele geschaffen, sondern das Denkorgan; das muß zunächst immer da sein, damit das Denken sich betätigen kann. Dieses gewöhnliche physische Denken müßte also aufhören, wenn man gerade das anschauen wollte, worauf es ankommt. Nicht das Denken kommt aus den ewigen Kräften, sondern das Denkorgan, das hinter dem Denken verborgen bleibt. Und gerade dieses Denkorgan muß verborgen bleiben, damit das Denken zum Vorschein kommen kann.
[ 16 ] Daher macht man auch, indem man in dieser eben angedeuteten inneren Seelenentwickelung vorschreitet, eine Erfahrung, die, ich möchte sagen, nicht minder erschütternd ist als diejenige, die eben bezeichnet worden ist mit dem hergebrachten Ausdruck «an die Pforte des Todes herankommen». Man macht die Erfahrung: Ja, dein Denken, das erkraftest du also; dein Denken, das wird in sich stärker, so daß es innerlich fühlen kann einen zweiten Menschen, der in dir ist. -— Aber eines gilt vor allen Dingen für dieses Denken. All das, was ich sagte, ist nur in der Hauptsache gemeint, aus dem Grunde, weil ja, indem man sich also im Innern der Seele entwickelt, immer ein Rest des gewöhnlichen Denkens bleibt, sonst würde man aus dem gewöhnlichen Denken herausspringen und in das andere hineinspringen müssen. Es ist also, was ich sage, immer nur vergleichsweise gemeint, das heißt so, daß es nicht in vollem Sinne, sondern nur in der Hauptsache gilt.
[ 16 ] Daher macht man auch, indem man in dieser eben angedeuteten inneren Seelenentwickelung vorschreitet, eine Erfahrung, die, ich möchte sagen, nicht minder erschütternd ist als diejenige, die eben bezeichnet worden ist mit dem hergebrachten Ausdruck «an die Pforte des Todes herankommen». Man macht die Erfahrung: Ja, dein Denken, das erkraftest du also; dein Denken, das wird in sich stärker, so daß es innerlich fühlen kann einen zweiten Menschen, der in dir ist. -— Aber eines gilt vor allen Dingen für dieses Denken. All das, was ich sagte, ist nur in der Hauptsache gemeint, aus dem Grunde, weil ja, indem man sich also im Innern der Seele entwickelt, immer ein Rest des gewöhnlichen Denkens bleibt, sonst würde man aus dem gewöhnlichen Denken herausspringen und in das andere hineinspringen müssen. Es ist also, was ich sage, immer nur vergleichsweise gemeint, das heißt so, daß es nicht in vollem Sinne, sondern nur in der Hauptsache gilt.
[ 17 ] Das, was als besonders charakteristisch, als besonders bedeutsam hervortritt, indem das Denken sich erkraftet, ist etwas, was gerade eine gewisse Wichtigkeit darstellt für das gewöhnliche Seelenleben und jetzt für dieses Seelenleben, das sich erkraftet hat, eigentlich aufhört. Es besteht die Möglichkeit, durch das gewöhnliche Gedächtnis, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen das zu behalten, was man also durch das Denken erreicht. Auch die Bequemlichkeit des gewöhnlichen Lebens hört auf, daß man einfach seine Gedanken dem Gedächtnis übermittelt und sie dann hat und sich nur zu erinnern braucht; auch das hört eigentlich auf. Man ist also, wenn man sein Denken erkraftet hat, trotz der Erkraftung zu einem Punkt gelangt, wo man fortwährend, indem man sich versetzt in dieses erkraftete Denken, vor dem Gefühle steht, daß sich einem dieses Denken gleich wieder verliert, indem es entsteht. Und das ist gerade die Schwierigkeit, die da macht, daß sehr viele Menschen die Geduld verlieren und gar nicht dazu kommen, solche inneren Seelenkräfte zu entwickeln, wie sie hier gemeint sind. Jemand, der Übungen wie die angedeuteten macht, der macht sie vielleicht lange; aber er beachtet nicht, daß man das, was man da erzeugt, eben so schwer behalten kann, wie man manchmal einen Traum behalten kann. Man weiß, wenn man aufwacht, ganz genau: Du hast dieses oder jenes geträumt, — aber man kann es nicht festhalten, es entschwindet. Und so ist es mit dem, was man da errungen hat. Es kann nur mit außerordentlicher Schwierigkeit dem gewöhnlichen Gedächtnis einverleibt werden.
[ 17 ] Das, was als besonders charakteristisch, als besonders bedeutsam hervortritt, indem das Denken sich erkraftet, ist etwas, was gerade eine gewisse Wichtigkeit darstellt für das gewöhnliche Seelenleben und jetzt für dieses Seelenleben, das sich erkraftet hat, eigentlich aufhört. Es besteht die Möglichkeit, durch das gewöhnliche Gedächtnis, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen das zu behalten, was man also durch das Denken erreicht. Auch die Bequemlichkeit des gewöhnlichen Lebens hört auf, daß man einfach seine Gedanken dem Gedächtnis übermittelt und sie dann hat und sich nur zu erinnern braucht; auch das hört eigentlich auf. Man ist also, wenn man sein Denken erkraftet hat, trotz der Erkraftung zu einem Punkt gelangt, wo man fortwährend, indem man sich versetzt in dieses erkraftete Denken, vor dem Gefühle steht, daß sich einem dieses Denken gleich wieder verliert, indem es entsteht. Und das ist gerade die Schwierigkeit, die da macht, daß sehr viele Menschen die Geduld verlieren und gar nicht dazu kommen, solche inneren Seelenkräfte zu entwickeln, wie sie hier gemeint sind. Jemand, der Übungen wie die angedeuteten macht, der macht sie vielleicht lange; aber er beachtet nicht, daß man das, was man da erzeugt, eben so schwer behalten kann, wie man manchmal einen Traum behalten kann. Man weiß, wenn man aufwacht, ganz genau: Du hast dieses oder jenes geträumt, — aber man kann es nicht festhalten, es entschwindet. Und so ist es mit dem, was man da errungen hat. Es kann nur mit außerordentlicher Schwierigkeit dem gewöhnlichen Gedächtnis einverleibt werden.
[ 18 ] Daher ist es auch, wenn man geisteswissenschaftliche Wahrheiten vorträgt, so, daß man sie immer erst im Moment zu erzeugen hat; so sonderbar, so paradox es klingt, es ist eben wahr, daß man sie nicht aus dem gewöhnlichen Gedächtnis herausholen kann. Und warum ist das so? Aus dem Grunde, weil eben der Mensch, wie er im gewöhnlichen Leben steht, fortwährend die Tendenz hat, das, was er ja eigentlich erreicht durch die Formung, die Bildung des Organes des Denkens, das, was aus dem Ewigen herauskommt, in das Körperliche hinunter entschlüpfen zu lassen. Indem man es kaum erlangt hat, was einem da das Ewige präsentiert, entschlüpft es einem schon in das gewöhnliche Denkorgan hinein. Das heißt, es geht über in das gewöhnliche Seelenleben und verliert damit eben seine Ewigkeitsform. Fortwährend sieht man eigentlich, daß man im Entstehen etwas erfaßt, was einem sogleich wieder entschlüpft. Und erst lange Übung ist notwendig, um einigermaßen zu beobachten, was da entsteht und gleich wieder vergeht; um dasjenige, was da entstehend gleich wieder vergeht, in der Seele zu haben. So, merkt man, hat man eigentlich ein ganz anderes Bewußtsein nötig, als das Bewußtsein ist, das eben aus dem gewöhnlichen Denkorgan stammt. Und man kommt allmählich darauf — was wiederum ein erschütterndes Seelenerlebnis ist -: Ja, da erlangst du etwas durch deine Seelenentwickelung; aber mit dem Bewußtsein, das du da hast, das dir gerade in der fruchtbarsten Weise dient im gewöhnlichen Leben, kannst du es doch nicht festhalten. Denn dieses gewöhnliche Bewußtsein ist darauf organisiert, daß ihm gerade das Ewige entschwindet, damit es tüchtig sei. Da kommt zuletzt die Überzeugung heraus: Du brauchst ein anderes Bewußtsein, du brauchst ein Bewußtsein, das über dasjenige Bewußtsein hinausgeht, das dir für das gewöhnliche Leben fruchtbar wird, denn mit diesem Bewußtsein kannst du das Ewige nicht festhalten.
[ 18 ] Daher ist es auch, wenn man geisteswissenschaftliche Wahrheiten vorträgt, so, daß man sie immer erst im Moment zu erzeugen hat; so sonderbar, so paradox es klingt, es ist eben wahr, daß man sie nicht aus dem gewöhnlichen Gedächtnis herausholen kann. Und warum ist das so? Aus dem Grunde, weil eben der Mensch, wie er im gewöhnlichen Leben steht, fortwährend die Tendenz hat, das, was er ja eigentlich erreicht durch die Formung, die Bildung des Organes des Denkens, das, was aus dem Ewigen herauskommt, in das Körperliche hinunter entschlüpfen zu lassen. Indem man es kaum erlangt hat, was einem da das Ewige präsentiert, entschlüpft es einem schon in das gewöhnliche Denkorgan hinein. Das heißt, es geht über in das gewöhnliche Seelenleben und verliert damit eben seine Ewigkeitsform. Fortwährend sieht man eigentlich, daß man im Entstehen etwas erfaßt, was einem sogleich wieder entschlüpft. Und erst lange Übung ist notwendig, um einigermaßen zu beobachten, was da entsteht und gleich wieder vergeht; um dasjenige, was da entstehend gleich wieder vergeht, in der Seele zu haben. So, merkt man, hat man eigentlich ein ganz anderes Bewußtsein nötig, als das Bewußtsein ist, das eben aus dem gewöhnlichen Denkorgan stammt. Und man kommt allmählich darauf — was wiederum ein erschütterndes Seelenerlebnis ist -: Ja, da erlangst du etwas durch deine Seelenentwickelung; aber mit dem Bewußtsein, das du da hast, das dir gerade in der fruchtbarsten Weise dient im gewöhnlichen Leben, kannst du es doch nicht festhalten. Denn dieses gewöhnliche Bewußtsein ist darauf organisiert, daß ihm gerade das Ewige entschwindet, damit es tüchtig sei. Da kommt zuletzt die Überzeugung heraus: Du brauchst ein anderes Bewußtsein, du brauchst ein Bewußtsein, das über dasjenige Bewußtsein hinausgeht, das dir für das gewöhnliche Leben fruchtbar wird, denn mit diesem Bewußtsein kannst du das Ewige nicht festhalten.
[ 19 ] Daher ist es notwendig, daß solche reinen Gedankenübungen, wie sie als ein Glied des meditativen Lebens bezeichnet worden sind, durch andere Übungen ergänzt werden, die man nun Willensübungen, Willens-Gefühlsübungen nennen kann, Es genügt nicht, daß man das Denken, das Vorstellen, in der angedeuteten Weise innerlich erkraftet, denn man würde gerade durch dieses innerliche Erkraften dazu kommen, daß einem das Entstehende fortwährend vergeht. Daher muß die Geisteswissenschaft auch den Rat geben, den Willen in einer anderen Weise zu behandeln, als er im gewöhnlichen Leben behandelt wird. Der Wille im gewöhnlichen Leben verläuft so im Seelenleben, daß eigentlich die Aufmerksamkeit beim Wollen verwendet wird auf dasjenige, was geschehen soll, auf dasjenige, was aus dem Willen in die Tat hinausfließt, selbst wenn wir innerlich nur wollen, wenn es bei der Absicht bleibt — beim innerlichen Vorstellen des Wollens. Es wird immer die Aufmerksamkeit auf dasjenige gerichtet, in das sich der Wille auslebt, in das der Wille einfließt. Wenn man also dieselbe Mühe auf eine innerliche Willenskultur verwendet, wie sie in der angedeuteten Weise verwendet werden kann auf die Vorstellungs-, auf die Denkkultur, so kann man den Willen bis zu einem Punkte hin bringen, durch den man eine Entwickelungsmöglichkeit des Willens erlangt, die notwendig ist, um zu den ewigen Kräften der Menschenseele heranzukommen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man innerliche Willensübungen so vornimmt, daß man wirklich recht intensive Seelenruhe herstellt, das Auf- und Abwogen der Begehrungen, das Auf- und Abwogen der sonstigen Wunschimpulse, die im Leben eine großeRolle spielen, beruhigt, daß man gewissermaßen vollständige Meeresstille in seinem inneren Seelenleben herstellt und dann sich darauf besinnt, was man vielleicht zu irgendeiner Zeit gewollt hat. All die Lebendigkeit, in die das Wollen versetzt wird, wenn es unmittelbar gegenwärtiges Wollen ist, nimmt man sozusagen dadurch weg, daß man erinnertes Wollen vor sich hinstellt, daß man etwa am Abend zurückschaut auf das, was man während des Tages gewollt hat, und jetzt dieses Wollen so auf sich wirken läßt, daß man nicht etwa ein innerlicher Kritiker wird, sondern daß man dieses Wollen anschaut; daß man es anschaut jetzt, wo es nicht mehr unmittelbar dazu verleitet, die Aufmerksamkeit allein auf die äußeren Taten hinzulenken, sondern wo man nun dadurch, daß das Wollen sich im inneren Seelenleben von der äußeren Tätigkeit losgelöst hat, wo man die Aufmerksamkeit auf dasjenige hinlenken kann, was das Seelenleben ist und was es im Wollen verrichtet. Man kommt auch weiter auf diesem Gebiete, wenn man sich anstrengt, ich möchte sagen, wiederum wie einrein innerliches Experiment, dasjenige, was man aus diesem oder jenem Grunde gut fand zu wollen, in das Innere seines Seelenlebens zu stellen, und dann in feiner, in intimer Weise sich vergegenwärtigt: Was erlebst du, indem du deine Seele hineinversetzest in die Lage, das zu wollen? — wobei man ganz absieht von dem, was mit dem Gewollten selbst zusammenhängt, sondern sich nur versetzt in das, was die Seele innerlich erfühlt, indem sie das Wollen durchmacht.
[ 19 ] Daher ist es notwendig, daß solche reinen Gedankenübungen, wie sie als ein Glied des meditativen Lebens bezeichnet worden sind, durch andere Übungen ergänzt werden, die man nun Willensübungen, Willens-Gefühlsübungen nennen kann, Es genügt nicht, daß man das Denken, das Vorstellen, in der angedeuteten Weise innerlich erkraftet, denn man würde gerade durch dieses innerliche Erkraften dazu kommen, daß einem das Entstehende fortwährend vergeht. Daher muß die Geisteswissenschaft auch den Rat geben, den Willen in einer anderen Weise zu behandeln, als er im gewöhnlichen Leben behandelt wird. Der Wille im gewöhnlichen Leben verläuft so im Seelenleben, daß eigentlich die Aufmerksamkeit beim Wollen verwendet wird auf dasjenige, was geschehen soll, auf dasjenige, was aus dem Willen in die Tat hinausfließt, selbst wenn wir innerlich nur wollen, wenn es bei der Absicht bleibt — beim innerlichen Vorstellen des Wollens. Es wird immer die Aufmerksamkeit auf dasjenige gerichtet, in das sich der Wille auslebt, in das der Wille einfließt. Wenn man also dieselbe Mühe auf eine innerliche Willenskultur verwendet, wie sie in der angedeuteten Weise verwendet werden kann auf die Vorstellungs-, auf die Denkkultur, so kann man den Willen bis zu einem Punkte hin bringen, durch den man eine Entwickelungsmöglichkeit des Willens erlangt, die notwendig ist, um zu den ewigen Kräften der Menschenseele heranzukommen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man innerliche Willensübungen so vornimmt, daß man wirklich recht intensive Seelenruhe herstellt, das Auf- und Abwogen der Begehrungen, das Auf- und Abwogen der sonstigen Wunschimpulse, die im Leben eine großeRolle spielen, beruhigt, daß man gewissermaßen vollständige Meeresstille in seinem inneren Seelenleben herstellt und dann sich darauf besinnt, was man vielleicht zu irgendeiner Zeit gewollt hat. All die Lebendigkeit, in die das Wollen versetzt wird, wenn es unmittelbar gegenwärtiges Wollen ist, nimmt man sozusagen dadurch weg, daß man erinnertes Wollen vor sich hinstellt, daß man etwa am Abend zurückschaut auf das, was man während des Tages gewollt hat, und jetzt dieses Wollen so auf sich wirken läßt, daß man nicht etwa ein innerlicher Kritiker wird, sondern daß man dieses Wollen anschaut; daß man es anschaut jetzt, wo es nicht mehr unmittelbar dazu verleitet, die Aufmerksamkeit allein auf die äußeren Taten hinzulenken, sondern wo man nun dadurch, daß das Wollen sich im inneren Seelenleben von der äußeren Tätigkeit losgelöst hat, wo man die Aufmerksamkeit auf dasjenige hinlenken kann, was das Seelenleben ist und was es im Wollen verrichtet. Man kommt auch weiter auf diesem Gebiete, wenn man sich anstrengt, ich möchte sagen, wiederum wie einrein innerliches Experiment, dasjenige, was man aus diesem oder jenem Grunde gut fand zu wollen, in das Innere seines Seelenlebens zu stellen, und dann in feiner, in intimer Weise sich vergegenwärtigt: Was erlebst du, indem du deine Seele hineinversetzest in die Lage, das zu wollen? — wobei man ganz absieht von dem, was mit dem Gewollten selbst zusammenhängt, sondern sich nur versetzt in das, was die Seele innerlich erfühlt, indem sie das Wollen durchmacht.
[ 20 ] Wiederum sind lange Übungen nach jener Richtung hin notwendig, wenn man zu einem Ergebnis kommen will; aber man kommt zu einem Ergebnis: man entdeckt nämlich, daß man eigentlich während des Lebens einen unsichtbaren, einen unwahrnehmbaren Zuschauer fortwährend mit sich trägt. Wiederum einen Menschen, einen neuen Menschen entdeckt man, allerdings einen Menschen, der immer da ist, der aber nicht beachtet wird. Ebensowenig, wie der vorhin charakterisierte innere Mensch im Vorstellen, im Denken beachtet wird, wird im Wollen, weil die Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes gelenkt wird, dieser innere Zuschauer bemerkt. Dieser innere Mensch ist aber jetzt tatsächlich ein Bewußtsein, das unbewußt — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf — immer in uns ist, das nicht heraufgehoben wird in das gewöhnliche Bewußtsein, das aber doch da ist.
[ 20 ] Wiederum sind lange Übungen nach jener Richtung hin notwendig, wenn man zu einem Ergebnis kommen will; aber man kommt zu einem Ergebnis: man entdeckt nämlich, daß man eigentlich während des Lebens einen unsichtbaren, einen unwahrnehmbaren Zuschauer fortwährend mit sich trägt. Wiederum einen Menschen, einen neuen Menschen entdeckt man, allerdings einen Menschen, der immer da ist, der aber nicht beachtet wird. Ebensowenig, wie der vorhin charakterisierte innere Mensch im Vorstellen, im Denken beachtet wird, wird im Wollen, weil die Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes gelenkt wird, dieser innere Zuschauer bemerkt. Dieser innere Mensch ist aber jetzt tatsächlich ein Bewußtsein, das unbewußt — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf — immer in uns ist, das nicht heraufgehoben wird in das gewöhnliche Bewußtsein, das aber doch da ist.
[ 21 ] Es ist schwierig, über diese Dinge zu reden aus dem Grunde, weil man über Dinge spricht, die zwar Realitäten sind, aber dem Menschen eigentlich ungewohnt sind; ungewohnt deshalb, weil sie im gewöhnlichen Leben nicht zum Bewußtsein gebracht werden. Der Geisteswissenschafter redet von nichts Neuem. Er redet von nichts, was nicht vorhanden wäre, Er zeigt nur auf, was in jedem Menschen vorhanden ist. Aber um es aufzuzeigen, ist es eben notwendig, sich ihm so zu nahen, daß man sich ihm tätig naht; daß man nicht bloß Tatsachen aufzeigt, die ein Sein verbürgen wollen, sondern für die Beobachtung erst hervorbringt, was ist, was aber nur durch die Tätigkeit aufgezeigt werden kann.
[ 21 ] Es ist schwierig, über diese Dinge zu reden aus dem Grunde, weil man über Dinge spricht, die zwar Realitäten sind, aber dem Menschen eigentlich ungewohnt sind; ungewohnt deshalb, weil sie im gewöhnlichen Leben nicht zum Bewußtsein gebracht werden. Der Geisteswissenschafter redet von nichts Neuem. Er redet von nichts, was nicht vorhanden wäre, Er zeigt nur auf, was in jedem Menschen vorhanden ist. Aber um es aufzuzeigen, ist es eben notwendig, sich ihm so zu nahen, daß man sich ihm tätig naht; daß man nicht bloß Tatsachen aufzeigt, die ein Sein verbürgen wollen, sondern für die Beobachtung erst hervorbringt, was ist, was aber nur durch die Tätigkeit aufgezeigt werden kann.
[ 22 ] Und nun, wenn man es auf diesem Gebiete bis zu einem gewissen Punkt gebracht hat, dann geschieht in der Seele wiederum etwas, was einen zur tiefsten Erschütterung bringen kann. Man lernt jetzt in umfänglichem Maße etwas kennen, das man ja im äußeren Leben namentlich innerhalb der Absichten, der Wünsche, des Willens, die man in der Seele hat, fortwährend erlebt, aber, ich möchte sagen, nur seiner Außenseite nach, nur stückweise erlebt. Man erlebt in umfänglicher Weise, was man nennen kann: das unmittelbare Anschauen, das unmittelbareErfühlen dessen, was Leid, was Schmerz ist. Denn es ist im Grunde genommen mit jedem Stück dieser Erringung des sonst unbewußt bleibenden Bewußtseins Entbehrung, Schmerz verbunden. Aber die beiden Erlebnisse gliedern sich nun zusammen. Das eine Erlebnis, das einen bis zu der Wahrnehmung, ich möchte sagen, der Blüte der Sterbekraft im Menschen geführt hat, und dasjenige Erlebnis, das einen geführt hat bis zu der Wahrnehmung eines unbewußten Bewußtseins, das im Menschen immer vorhanden ist, das dem Menschen immer als Beobachter zuschaut, — diese beiden Erlebnisse gliedern sich zusammen. Von dem ersten Erlebnis merkt man: Das kann im Grunde genommen nicht als solches Sein bezeichnet werden, wie sonst irgend ein Seiendes bezeichnet wird. Das kann sich nicht halten im Sein, wenn es nicht von einem Bewußtsein getragen wird, wenn es, mit anderen Worten, nicht von einem gewissen Bewußtsein erinnert wird. Und man macht eine Entdeckung - eines der großartigsten, gewaltigsten inneren Erlebnisse, die man zunächst auf dem Erkenntnisweg haben kann -, man macht die Entdeckung: Was du also erzeugst aus einer Erkraftung deines Denkens heraus, es ist wie ein flüchtiger Traum. Es kann an die Erinnerungsfähigkeit des gewöhnlichen Bewußtseins nicht heran. Wenn du aber dasjenige, was im Wollen lebt, als deine Beobachtung, als dein unterbewußtes Bewußtsein, wirklich auch in dir erkraftest, so ist dies jetzt das Bewußtsein, welches das andere erfassen kann, das sonst nicht zur Erinnerung kommen kann, und welches es halten kann.
[ 22 ] Und nun, wenn man es auf diesem Gebiete bis zu einem gewissen Punkt gebracht hat, dann geschieht in der Seele wiederum etwas, was einen zur tiefsten Erschütterung bringen kann. Man lernt jetzt in umfänglichem Maße etwas kennen, das man ja im äußeren Leben namentlich innerhalb der Absichten, der Wünsche, des Willens, die man in der Seele hat, fortwährend erlebt, aber, ich möchte sagen, nur seiner Außenseite nach, nur stückweise erlebt. Man erlebt in umfänglicher Weise, was man nennen kann: das unmittelbare Anschauen, das unmittelbareErfühlen dessen, was Leid, was Schmerz ist. Denn es ist im Grunde genommen mit jedem Stück dieser Erringung des sonst unbewußt bleibenden Bewußtseins Entbehrung, Schmerz verbunden. Aber die beiden Erlebnisse gliedern sich nun zusammen. Das eine Erlebnis, das einen bis zu der Wahrnehmung, ich möchte sagen, der Blüte der Sterbekraft im Menschen geführt hat, und dasjenige Erlebnis, das einen geführt hat bis zu der Wahrnehmung eines unbewußten Bewußtseins, das im Menschen immer vorhanden ist, das dem Menschen immer als Beobachter zuschaut, — diese beiden Erlebnisse gliedern sich zusammen. Von dem ersten Erlebnis merkt man: Das kann im Grunde genommen nicht als solches Sein bezeichnet werden, wie sonst irgend ein Seiendes bezeichnet wird. Das kann sich nicht halten im Sein, wenn es nicht von einem Bewußtsein getragen wird, wenn es, mit anderen Worten, nicht von einem gewissen Bewußtsein erinnert wird. Und man macht eine Entdeckung - eines der großartigsten, gewaltigsten inneren Erlebnisse, die man zunächst auf dem Erkenntnisweg haben kann -, man macht die Entdeckung: Was du also erzeugst aus einer Erkraftung deines Denkens heraus, es ist wie ein flüchtiger Traum. Es kann an die Erinnerungsfähigkeit des gewöhnlichen Bewußtseins nicht heran. Wenn du aber dasjenige, was im Wollen lebt, als deine Beobachtung, als dein unterbewußtes Bewußtsein, wirklich auch in dir erkraftest, so ist dies jetzt das Bewußtsein, welches das andere erfassen kann, das sonst nicht zur Erinnerung kommen kann, und welches es halten kann.
[ 23 ] Und jetzt ist man bei dem Erlebnis, das sich in bezug auf die wissenschaftliche Gesinnung ganz mit der Art vergleichen läßt, wie man es im äußeren Naturleben macht, wie man das äußere Naturleben beobachtet. Man sieht die Pflanze an. Man sieht, wie sie es bis zum Keime bringt in der Blüte und wie dieser Keim, wenn er in die Erde gesenkt wird, der Anfang einer neuen Pflanze ist. Das Ende bringt man mit dem Anfang zusammen, um einen Zyklus, einen Kreis aufzustellen. In derselben Weise, allerdings auf einer höheren Stufe, wird Ende und Anfang des physischen Menschenlebens erfaßt. Man weiß, daß dasjenige, das vor der Geburt, oder sagen wir der Empfängnis, vorhanden war, sich aus der geistigen Welt heraus vereinigt hat mit dem, was in der physischen Vererbungslinie liegt, was dieses physisch Organisierte im Menschen durchwallt und durchwebt. Man weiß, daß dies sich so auslebt, daß es ein Organ hervorbringt, daß dieses Organ es zum Denken bringt, und daß dessen äußerste Ausgestaltung es bis zur Erinnerung bringt; daß es aber damit, indem es aus der geistigen Welt herausgetreten ist, in dieser Umwandlung eine Form erreicht hat, die sozusagen eine höchste Blüte ist, die nun von einem Bewußtsein erfaßt werden muß, das ganz anderer Art ist als das, durch das es zunächst aus der geistigen Welt herauskommt, hervorgebracht wird. Dieses Bewußtsein liegt wie ein Bewußtseins-Same, wie etwas, was als Wollen zugrunde liegt, aber im gewöhnlichen Wollen, weil die Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet ist, nicht zum Bewußtsein kommt. Das, was als todgebend im Menschen liegt, verbindet sich, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, mit diesem Bewußtseins-Samen, der im Wollen liegt. Und das gewöhnliche physische Leben ist nur wie ein Auseinanderhalten des einen und des anderen. Wir leben so lange physisch, als das eine und das andere auseinandergehalten ist, solange als wir uns mit unserem Sein dazwischen stellen. Im Todeserlebnis tritt das ein, daß das erste von dem zweiten erfaßt wird, daß das Bewußtsein das erstere erfaßt und hinausträgt durch die Pforte des Todes wiederum in die geistige Welt hinein.
[ 23 ] Und jetzt ist man bei dem Erlebnis, das sich in bezug auf die wissenschaftliche Gesinnung ganz mit der Art vergleichen läßt, wie man es im äußeren Naturleben macht, wie man das äußere Naturleben beobachtet. Man sieht die Pflanze an. Man sieht, wie sie es bis zum Keime bringt in der Blüte und wie dieser Keim, wenn er in die Erde gesenkt wird, der Anfang einer neuen Pflanze ist. Das Ende bringt man mit dem Anfang zusammen, um einen Zyklus, einen Kreis aufzustellen. In derselben Weise, allerdings auf einer höheren Stufe, wird Ende und Anfang des physischen Menschenlebens erfaßt. Man weiß, daß dasjenige, das vor der Geburt, oder sagen wir der Empfängnis, vorhanden war, sich aus der geistigen Welt heraus vereinigt hat mit dem, was in der physischen Vererbungslinie liegt, was dieses physisch Organisierte im Menschen durchwallt und durchwebt. Man weiß, daß dies sich so auslebt, daß es ein Organ hervorbringt, daß dieses Organ es zum Denken bringt, und daß dessen äußerste Ausgestaltung es bis zur Erinnerung bringt; daß es aber damit, indem es aus der geistigen Welt herausgetreten ist, in dieser Umwandlung eine Form erreicht hat, die sozusagen eine höchste Blüte ist, die nun von einem Bewußtsein erfaßt werden muß, das ganz anderer Art ist als das, durch das es zunächst aus der geistigen Welt herauskommt, hervorgebracht wird. Dieses Bewußtsein liegt wie ein Bewußtseins-Same, wie etwas, was als Wollen zugrunde liegt, aber im gewöhnlichen Wollen, weil die Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet ist, nicht zum Bewußtsein kommt. Das, was als todgebend im Menschen liegt, verbindet sich, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, mit diesem Bewußtseins-Samen, der im Wollen liegt. Und das gewöhnliche physische Leben ist nur wie ein Auseinanderhalten des einen und des anderen. Wir leben so lange physisch, als das eine und das andere auseinandergehalten ist, solange als wir uns mit unserem Sein dazwischen stellen. Im Todeserlebnis tritt das ein, daß das erste von dem zweiten erfaßt wird, daß das Bewußtsein das erstere erfaßt und hinausträgt durch die Pforte des Todes wiederum in die geistige Welt hinein.
[ 24 ] Ebenso, wie man am Pflanzensamen in der Blüte sieht, daß er den Zyklus wieder beginnt, wenn er durch die nötigen Zwischenbedingungen hindurchgeht, ebenso erlebtman, daß dasjenige, was vor der Geburt vorhanden war, was als todgebend im Menschen liegt, zu einem erneuerten Erdenleben herabsteigt, wenn es durch geistige Bedingungen hindurchgegangen ist. Man verbindet Ende und Anfang ganz im Sinne der naturwissenschaftlichen Gesinnung und kommt dadurch zu einer Bekräftigung dessen, was in einer der schönsten Phasen des neuzeitlichen Geisteslebens hervorgetreten ist und — so könnte man sagen — wie aus dem Denken eines tiefen Denkers hervorgesprungen ist: was durch Lessing hervorgetreten ist, als er seine reifste Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts» abschloß mit dem Hinweis auf die Denknotwendigkeit von den wiederholten Erdenleben. Damals sprang es wie aus einem Denken, das sich zu einer unabhängigen Weltanschauung durchgerungen hatte. Die neuere Geisteswissenschaft strebt an, das, was sich so in Lessings Denken hereingestellt hat, diese Lehre von den wiederholten Erdenleben wirklich wissenschaftlich, aber, wie wir sehen, innerlich wissenschaftlich zu erhärten! Sie wird heute ebenso als etwas Phantastisches, als etwas Träumerisches angesehen; wie zu einer gewissen Zeit, die gar nicht weit hinter uns liegt, die Lehre angesehen wurde: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen. — Aber wer eine solche Anschauung zu vertreten hat, dieerals Wahrheit erkannt hat, der weiß auch, daß die Wahrheit einen schwierigen Weg zu gehen hat in der Menschheit, aber daß sie diesen Weg auch findet!
[ 24 ] Ebenso, wie man am Pflanzensamen in der Blüte sieht, daß er den Zyklus wieder beginnt, wenn er durch die nötigen Zwischenbedingungen hindurchgeht, ebenso erlebtman, daß dasjenige, was vor der Geburt vorhanden war, was als todgebend im Menschen liegt, zu einem erneuerten Erdenleben herabsteigt, wenn es durch geistige Bedingungen hindurchgegangen ist. Man verbindet Ende und Anfang ganz im Sinne der naturwissenschaftlichen Gesinnung und kommt dadurch zu einer Bekräftigung dessen, was in einer der schönsten Phasen des neuzeitlichen Geisteslebens hervorgetreten ist und — so könnte man sagen — wie aus dem Denken eines tiefen Denkers hervorgesprungen ist: was durch Lessing hervorgetreten ist, als er seine reifste Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts» abschloß mit dem Hinweis auf die Denknotwendigkeit von den wiederholten Erdenleben. Damals sprang es wie aus einem Denken, das sich zu einer unabhängigen Weltanschauung durchgerungen hatte. Die neuere Geisteswissenschaft strebt an, das, was sich so in Lessings Denken hereingestellt hat, diese Lehre von den wiederholten Erdenleben wirklich wissenschaftlich, aber, wie wir sehen, innerlich wissenschaftlich zu erhärten! Sie wird heute ebenso als etwas Phantastisches, als etwas Träumerisches angesehen; wie zu einer gewissen Zeit, die gar nicht weit hinter uns liegt, die Lehre angesehen wurde: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen. — Aber wer eine solche Anschauung zu vertreten hat, dieerals Wahrheit erkannt hat, der weiß auch, daß die Wahrheit einen schwierigen Weg zu gehen hat in der Menschheit, aber daß sie diesen Weg auch findet!
[ 25 ] Phantastisch, träumerisch war es für die Mehrzahl der Menschen, als die neueren naturwissenschaftlich gesinnten Menschen aufgetreten sind und gesagt haben: Da meint der Mensch, daß ein Firmament oben den Raum begrenzt, während doch dieses Firmament nichts anderes ist als der Ausdruck des Endes des Schauvermögens selber. Was ihr als Firmament anschaut, das wird nur hervorgerufen durch euch selber; bis dahin dringt eben euer Blick, bis dahin dringt eben euer Schauen! Das ist nicht äußerlich in der Natur da, sondern äußerlich in der Natur ist die Raumesunendlichkeit da, in die unzählige Welten eingebettet sind! Auf dem Standpunkt, auf dem man dazumal stand, als die alte Vorstellung des Raumesfirmamentes zu überwinden war, auf diesem Standpunkt steht Geisteswissenschaft heute, ich möchte sagen, mit Bezug auf das geistige Firmament der menschlichen Seele zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod. Der Mensch sieht zunächst nach der Empfängnis, nach der Geburt hin oder bis zu einem Punkte, bis zu dem hin eben sein Erinnerungsvermögen reicht, und bis zu seinem Tode. Aber da ist nichts, was das Leben begrenzt, ebensowenig wie das Firmament den Raum begrenzt. Sondern hinter dem dehnt sich aus, was der Mensch nicht schaut, weil er nicht versucht, sein Erkenntnisvermögen, sein Denkvermögen über dieses Zeitenfirmament hinaus auszudehnen. Da draußen, außerhalb dieses Firmaments, liegen die wiederholten Erdenleben und die dazwischen liegenden Leben, in denen die Seele in einer rein geistigen Welt lebt.
[ 25 ] Phantastisch, träumerisch war es für die Mehrzahl der Menschen, als die neueren naturwissenschaftlich gesinnten Menschen aufgetreten sind und gesagt haben: Da meint der Mensch, daß ein Firmament oben den Raum begrenzt, während doch dieses Firmament nichts anderes ist als der Ausdruck des Endes des Schauvermögens selber. Was ihr als Firmament anschaut, das wird nur hervorgerufen durch euch selber; bis dahin dringt eben euer Blick, bis dahin dringt eben euer Schauen! Das ist nicht äußerlich in der Natur da, sondern äußerlich in der Natur ist die Raumesunendlichkeit da, in die unzählige Welten eingebettet sind! Auf dem Standpunkt, auf dem man dazumal stand, als die alte Vorstellung des Raumesfirmamentes zu überwinden war, auf diesem Standpunkt steht Geisteswissenschaft heute, ich möchte sagen, mit Bezug auf das geistige Firmament der menschlichen Seele zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod. Der Mensch sieht zunächst nach der Empfängnis, nach der Geburt hin oder bis zu einem Punkte, bis zu dem hin eben sein Erinnerungsvermögen reicht, und bis zu seinem Tode. Aber da ist nichts, was das Leben begrenzt, ebensowenig wie das Firmament den Raum begrenzt. Sondern hinter dem dehnt sich aus, was der Mensch nicht schaut, weil er nicht versucht, sein Erkenntnisvermögen, sein Denkvermögen über dieses Zeitenfirmament hinaus auszudehnen. Da draußen, außerhalb dieses Firmaments, liegen die wiederholten Erdenleben und die dazwischen liegenden Leben, in denen die Seele in einer rein geistigen Welt lebt.
[ 26 ] Es ist gewiß vielleicht noch schwieriger, sich in diejenigen Vorstellungsverläufe einzugewöhnen, die notwendig sind, um zu dieser Hinwegräumung des geistigen Firmamentes zu kommen, als es schwierig war, zur Hinwegräumung des physischen Firmamentes zu kommen. Aber unsere Zeit ist durchaus reif, aus naturwissenschaftlicher Gesinnung heraus, ich möchte sagen, dasjenige, was die äußerliche Naturwissenschaft erreichen kann, selber zu überschreiten. Und daher stehe ich auch nicht an, wenn das auch zu noch viel ärgeren Mißverständnissen führen muß als das bisher Gesagte, die konkrete Anwendung, die besondere Anwendung jener Art des Geistesforschens, die ich eben charakterisiert habe, in einem besonderen Fall zu machen, der uns ja zu allen Zeiten, aber insbesondere in unserer schicksaltragenden Zeit interessieren kann.
[ 26 ] Es ist gewiß vielleicht noch schwieriger, sich in diejenigen Vorstellungsverläufe einzugewöhnen, die notwendig sind, um zu dieser Hinwegräumung des geistigen Firmamentes zu kommen, als es schwierig war, zur Hinwegräumung des physischen Firmamentes zu kommen. Aber unsere Zeit ist durchaus reif, aus naturwissenschaftlicher Gesinnung heraus, ich möchte sagen, dasjenige, was die äußerliche Naturwissenschaft erreichen kann, selber zu überschreiten. Und daher stehe ich auch nicht an, wenn das auch zu noch viel ärgeren Mißverständnissen führen muß als das bisher Gesagte, die konkrete Anwendung, die besondere Anwendung jener Art des Geistesforschens, die ich eben charakterisiert habe, in einem besonderen Fall zu machen, der uns ja zu allen Zeiten, aber insbesondere in unserer schicksaltragenden Zeit interessieren kann.
[ 27 ] Man spricht und wird immer mehr sprechen von den unsterblichen Kräften der Menschenseele, wenn man wiederum zu einer wahren Seelenkunde kommt. Aber man wird auch wieder sprechen lernen von dem, was unsichtbar in dem Sichtbaren waltet, was unwahrnehmbar für die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung im Verlauf des menschlichen Lebens waltet. Wir haben im Zusammenhang mit den ewigen Kräften der Menschenseele von dem Tode gesprochen, der ja eine Rätselfrage bildet, nicht nur für denjenigen, der da sagt, er begehre ein Leben über die Pforte des Todes hinaus, sondern für den vor allen Dingen, der das Leben selber begreifen muß; denn vieles zum Begreifen des Lebens liegt in der Enträtselung des Geheimnisses des Todes. Aber in unserer Gegenwart tritt der Tod noch in einer ganz anderen Weise an uns heran, mitten unter Schmerz und Leid, aber allerdings auch unter Zukunftshoffnung und Zukunftssicherheit. Der Tod tritt so auf, daß er blühende Menschenleben erfaßt, jetzt nicht in der Weise, daß gewissermaßen die todgebenden Kräfte im Inneren ablaufen — je nachdem es dem Menschen zugeteilt ist; das kann heute nicht weiter ausgeführt werden, könnte aber auch im Sinne der Geisteswissenschaft charakterisiert werden -, also nicht bloß so tritt der Tod auf, daß diese todbringenden Kräfte von innen heraus, vom Organischen heraus, den physischen Leib hinwegnehmen von dem, was sich dann als das höhere Bewußtsein im Willensleben mit dem Ewigen verbindet, was todbringend ist, was aber mit dem Ewigen eins ist —, nicht bloß so tritt der Tod an uns heran, sondern so, daß er durch gewaltsame Eingriffe von außen, sagen wir, durch eine Kugel oder sonst wirkt und den physischen Menschenleib gewaltsam hinwegnimmt von dem Seelischen in der Blüte des Lebens. Obwohl ich einiges Genauere gerade darüber in acht Tagen in dem Vortrage über «Menschenseele und Menschengeist» angeben werde, möchte ich es wagen, ein Forschungsergebnis, das auf dem Wege liegt, der eben charakterisiert worden ist, hier einfach zu erzählen.
[ 27 ] Man spricht und wird immer mehr sprechen von den unsterblichen Kräften der Menschenseele, wenn man wiederum zu einer wahren Seelenkunde kommt. Aber man wird auch wieder sprechen lernen von dem, was unsichtbar in dem Sichtbaren waltet, was unwahrnehmbar für die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung im Verlauf des menschlichen Lebens waltet. Wir haben im Zusammenhang mit den ewigen Kräften der Menschenseele von dem Tode gesprochen, der ja eine Rätselfrage bildet, nicht nur für denjenigen, der da sagt, er begehre ein Leben über die Pforte des Todes hinaus, sondern für den vor allen Dingen, der das Leben selber begreifen muß; denn vieles zum Begreifen des Lebens liegt in der Enträtselung des Geheimnisses des Todes. Aber in unserer Gegenwart tritt der Tod noch in einer ganz anderen Weise an uns heran, mitten unter Schmerz und Leid, aber allerdings auch unter Zukunftshoffnung und Zukunftssicherheit. Der Tod tritt so auf, daß er blühende Menschenleben erfaßt, jetzt nicht in der Weise, daß gewissermaßen die todgebenden Kräfte im Inneren ablaufen — je nachdem es dem Menschen zugeteilt ist; das kann heute nicht weiter ausgeführt werden, könnte aber auch im Sinne der Geisteswissenschaft charakterisiert werden -, also nicht bloß so tritt der Tod auf, daß diese todbringenden Kräfte von innen heraus, vom Organischen heraus, den physischen Leib hinwegnehmen von dem, was sich dann als das höhere Bewußtsein im Willensleben mit dem Ewigen verbindet, was todbringend ist, was aber mit dem Ewigen eins ist —, nicht bloß so tritt der Tod an uns heran, sondern so, daß er durch gewaltsame Eingriffe von außen, sagen wir, durch eine Kugel oder sonst wirkt und den physischen Menschenleib gewaltsam hinwegnimmt von dem Seelischen in der Blüte des Lebens. Obwohl ich einiges Genauere gerade darüber in acht Tagen in dem Vortrage über «Menschenseele und Menschengeist» angeben werde, möchte ich es wagen, ein Forschungsergebnis, das auf dem Wege liegt, der eben charakterisiert worden ist, hier einfach zu erzählen.
[ 28 ] Vollständig auseinanderzusetzen, wie ganz derselbe Weg, der eben für die gewöhnlichen, einfachen Ergebnisse aufgezeigt worden ist, dahin führt, auch das zu erforschen, von dem jetzt geredet werden soll, das würde ja viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber es ist ganz derselbe Weg, der uns im weiteren Verlaufe auch zu der Erkenntnis gerade der großen Lebenszusammenhänge führt.
[ 28 ] Vollständig auseinanderzusetzen, wie ganz derselbe Weg, der eben für die gewöhnlichen, einfachen Ergebnisse aufgezeigt worden ist, dahin führt, auch das zu erforschen, von dem jetzt geredet werden soll, das würde ja viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber es ist ganz derselbe Weg, der uns im weiteren Verlaufe auch zu der Erkenntnis gerade der großen Lebenszusammenhänge führt.
[ 29 ] Das müssen wir uns ja vergegenwärtigen: verloren geht keineKraft; sie bleibt vorhanden, sie verwandelt sich. Wenn nun der physische Leib durch einen äußeren Einfluß, sagen wir durch eine Kugel, in der Blüte des Menschenlebens hinweggenommen wird, so sind ja aus den allgemeinen Menschenanlagen heraus solche Kräfte vorhanden, die den Menschen lange noch hätten versorgen können in bezug auf sein Leben in der physischen Welt. Diese Kräfte gehen nicht verloren. Der Geistesforscher muß fragen: Woher kommen diese Kräfte, wohin gehen sie? Eine bedeutungsvolle Frage tritt uns da vor die Seele. In einem Vortrag im vorigen Winter habe ich von dem Gesichtspunkte aus, wie diese Kraft in der Gegenwart fortlebt, gesprochen. Jetzt will ich davon sprechen, insofern diese Kräfte an den geschichtlichen Verlauf der Menschheit geknüpft sind. Der Geistesforscher muß fragen: Wo treten diese Kräfte, die da aufhören in einem Menschen zu wirken, wenn sein Leib gewaltsam von ihm genommen ist, anderswo wieder auf? Gerade so, wie man in der Naturwissenschaft sucht, wenn irgendeine Kraft verloren geht, wie diese Kraft, in andere Formen verwandelt, wieder auftritt, so sucht der Geistesforscher in den geistigen Welterscheinungen, um dasjenige, was auf der einen Seite verloren geht, auf der anderen Seite wiederzufinden. Und gerade indem man dasjenige sucht, wovon hier die Rede ist, kommt man darauf, sich zu sagen: Es treten in der Menschheitsentwickelung Kräfte auf, nun, die wir etwa beobachten, wenn wir einen Menschen erziehen. Da beobachten wir, wie ein Mensch fähig werden kann, dieses oder jenes zu denken, zu tun oder zu fühlen. Da leiten wir die in ihm vorhandenen Anlagen so, daß wir wissen: wir tun nichts besonderes, wenn wir allgemein menschliche Fähigkeiten entwickeln. Wir wissen, wenn er später dieses oder jenes kann: es ist dadurch gekommen, daß dieses oder jenes in ihm entwickelt worden ist.
[ 29 ] Das müssen wir uns ja vergegenwärtigen: verloren geht keineKraft; sie bleibt vorhanden, sie verwandelt sich. Wenn nun der physische Leib durch einen äußeren Einfluß, sagen wir durch eine Kugel, in der Blüte des Menschenlebens hinweggenommen wird, so sind ja aus den allgemeinen Menschenanlagen heraus solche Kräfte vorhanden, die den Menschen lange noch hätten versorgen können in bezug auf sein Leben in der physischen Welt. Diese Kräfte gehen nicht verloren. Der Geistesforscher muß fragen: Woher kommen diese Kräfte, wohin gehen sie? Eine bedeutungsvolle Frage tritt uns da vor die Seele. In einem Vortrag im vorigen Winter habe ich von dem Gesichtspunkte aus, wie diese Kraft in der Gegenwart fortlebt, gesprochen. Jetzt will ich davon sprechen, insofern diese Kräfte an den geschichtlichen Verlauf der Menschheit geknüpft sind. Der Geistesforscher muß fragen: Wo treten diese Kräfte, die da aufhören in einem Menschen zu wirken, wenn sein Leib gewaltsam von ihm genommen ist, anderswo wieder auf? Gerade so, wie man in der Naturwissenschaft sucht, wenn irgendeine Kraft verloren geht, wie diese Kraft, in andere Formen verwandelt, wieder auftritt, so sucht der Geistesforscher in den geistigen Welterscheinungen, um dasjenige, was auf der einen Seite verloren geht, auf der anderen Seite wiederzufinden. Und gerade indem man dasjenige sucht, wovon hier die Rede ist, kommt man darauf, sich zu sagen: Es treten in der Menschheitsentwickelung Kräfte auf, nun, die wir etwa beobachten, wenn wir einen Menschen erziehen. Da beobachten wir, wie ein Mensch fähig werden kann, dieses oder jenes zu denken, zu tun oder zu fühlen. Da leiten wir die in ihm vorhandenen Anlagen so, daß wir wissen: wir tun nichts besonderes, wenn wir allgemein menschliche Fähigkeiten entwickeln. Wir wissen, wenn er später dieses oder jenes kann: es ist dadurch gekommen, daß dieses oder jenes in ihm entwickelt worden ist.
[ 30 ] Aber daneben, neben alledem treten im Menschenleben andere Kräfte auf, Kräfte, die man genialische Kräfte nennt, Kräfte, die erscheinen, während man einen Menschen erzieht. Man kann viel dümmer sein, als der, den man erzieht: diese genialischen Kräfte kommen doch heraus. Sie treten zutage, Man spricht von einer göttlichen Begnadung, von einem Herauskommen von Kräften, ohne daß man dazu etwas tun kann. Ich meine natürlich dabei nicht bloß die Kräfte, die die höheren Genialitäten, die höheren Genies zeigen, sondern geniale Kräfte, die eben in jedem Menschen sind. Der einfachste Mensch braucht in den alltäglichsten Verrichtungen, um wirklich vorwärts zu kommen, diese oder jene Erfindungskräfte. Es ist nur ein Gradunterschied zwischen dem, was man im gewöhnlichen Leben braucht, und den höchsten genialen Kräften. Diese genialen Kräfte, sie treten, man möchte sagen, aus dem Dämmerdunkel des Werdens heraus; sie treten im Menschen auf wie etwas, was ihm durch den Weltengeist, durch den die Welt durchwaltenden göttlichen Geist, verliehen ist, wie man zunächst sagt, ohne daß man behaupten kann, man habe sie erzogen, man habe sie durch Erziehung herausgepflegt. Und da stellt sich denn das merkwürdige, überraschende Resultat heraus, daß diese Kräfte, die also als erfindende, als geniale Kräfte zutage treten, umgewandelte Kräfte sind. Umgewandelt sind diejenigen Kräfte in genialische Kräfte, die verschwinden, wenn dem Menschen von außen der physische Leib genommen wird, den er im gewöhnlichen Verlauf, ohne daß ihn die Kugel getroffen hätte, noch hätte behalten können. Ein überraschender Zusammenhang, der sich da ergibt: Die Kräfte, die der Mensch in den Tod hinein trägt dadurch, daß er auf gewaltsame Weise durch die Pforte des Todes geht, daß ihm von außen, nicht durch innere organische Vorgänge der physische Leib genommen wird, diese Kräfte gehen nicht verloren; diese Kräfte treten auf, und zwar nicht bloß im späteren Erdenleben des einzelnen Menschen — das zeigt sich in ganz anderer Art —, sondern sie treten im geschichtlichen Verlaufe auf, sie treten bei ganz anderen Menschen auf. Sie werden gleichsam — wenn ich den trivialen, den philiströsen Ausdruck gebrauchen darf - in das geschichtliche Werden eingelagert. Und was Kräfte eines gewaltsamen Todes sind in der Vorzeit, das verwandelt sich in einer früheren oder späteren Nachzeit in geniale Kräfte, die innerhalb der Menschheitsentwickelung auftreten.
[ 30 ] Aber daneben, neben alledem treten im Menschenleben andere Kräfte auf, Kräfte, die man genialische Kräfte nennt, Kräfte, die erscheinen, während man einen Menschen erzieht. Man kann viel dümmer sein, als der, den man erzieht: diese genialischen Kräfte kommen doch heraus. Sie treten zutage, Man spricht von einer göttlichen Begnadung, von einem Herauskommen von Kräften, ohne daß man dazu etwas tun kann. Ich meine natürlich dabei nicht bloß die Kräfte, die die höheren Genialitäten, die höheren Genies zeigen, sondern geniale Kräfte, die eben in jedem Menschen sind. Der einfachste Mensch braucht in den alltäglichsten Verrichtungen, um wirklich vorwärts zu kommen, diese oder jene Erfindungskräfte. Es ist nur ein Gradunterschied zwischen dem, was man im gewöhnlichen Leben braucht, und den höchsten genialen Kräften. Diese genialen Kräfte, sie treten, man möchte sagen, aus dem Dämmerdunkel des Werdens heraus; sie treten im Menschen auf wie etwas, was ihm durch den Weltengeist, durch den die Welt durchwaltenden göttlichen Geist, verliehen ist, wie man zunächst sagt, ohne daß man behaupten kann, man habe sie erzogen, man habe sie durch Erziehung herausgepflegt. Und da stellt sich denn das merkwürdige, überraschende Resultat heraus, daß diese Kräfte, die also als erfindende, als geniale Kräfte zutage treten, umgewandelte Kräfte sind. Umgewandelt sind diejenigen Kräfte in genialische Kräfte, die verschwinden, wenn dem Menschen von außen der physische Leib genommen wird, den er im gewöhnlichen Verlauf, ohne daß ihn die Kugel getroffen hätte, noch hätte behalten können. Ein überraschender Zusammenhang, der sich da ergibt: Die Kräfte, die der Mensch in den Tod hinein trägt dadurch, daß er auf gewaltsame Weise durch die Pforte des Todes geht, daß ihm von außen, nicht durch innere organische Vorgänge der physische Leib genommen wird, diese Kräfte gehen nicht verloren; diese Kräfte treten auf, und zwar nicht bloß im späteren Erdenleben des einzelnen Menschen — das zeigt sich in ganz anderer Art —, sondern sie treten im geschichtlichen Verlaufe auf, sie treten bei ganz anderen Menschen auf. Sie werden gleichsam — wenn ich den trivialen, den philiströsen Ausdruck gebrauchen darf - in das geschichtliche Werden eingelagert. Und was Kräfte eines gewaltsamen Todes sind in der Vorzeit, das verwandelt sich in einer früheren oder späteren Nachzeit in geniale Kräfte, die innerhalb der Menschheitsentwickelung auftreten.
[ 31 ] Wenn man die Geisteswissenschaft bis in solche Punkte hinein verfolgt, so treten für den, der Übung hat im Denken, ich meine innere Übung hat in dem, welche Wege das Denken nehmen muß, um an Realitäten heranzukommen, wahrhaftig Zusammenhänge auf, die in der geistigen Welt zutage treten — die aber nicht wunderbarer sind, als wenn geheimnisvolle Naturzusammenhänge auftreten -—, Zusammenhänge, die eben nur in einer höheren Sphäre leben, und weil sie in einer höheren Sphäre leben, für die Erhöhung unseres Lebens um so wichtiger sind, wichtiger sind als das, wie die Seele sich fühlt im Dasein, wie die Seele sich auch religiös durchdringen kann mit dem Weltenzusammenhang, wichtiger sind als die bloßen äußeren Naturerkenntnisse. Geisteswissenschaft will nicht irgendeine Religion ersetzen; das religiöse Gefühl hat einen ganz anderen Ursprung. Aber Geisteswissenschaft ist, wenn man so sagen kann, geeignet, diese religiösen Gefühle zu vertiefen, sie selbst bei denen anzuregen, die durch die Einflüsse der neueren Naturwissenschaft alles religiöse Gefühl verloren haben. Geisteswissenschaft zeigt Zusammenhänge, ganz aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkweise heraus, innerhalb des geistigen Lebens. Nicht als ob dadurch alle Weltenrätsel gelöst würden, aber, was sonst sich nur als Tatsache neben Tatsache stellt, das wird innerlich durchleuchtet, in ähnlicher Weise, wie die Naturtatsachen durchleuchtet werden, wenn man sie an der Kette der Ursachen und Wirkungen verfolgen kann.
[ 31 ] Wenn man die Geisteswissenschaft bis in solche Punkte hinein verfolgt, so treten für den, der Übung hat im Denken, ich meine innere Übung hat in dem, welche Wege das Denken nehmen muß, um an Realitäten heranzukommen, wahrhaftig Zusammenhänge auf, die in der geistigen Welt zutage treten — die aber nicht wunderbarer sind, als wenn geheimnisvolle Naturzusammenhänge auftreten -—, Zusammenhänge, die eben nur in einer höheren Sphäre leben, und weil sie in einer höheren Sphäre leben, für die Erhöhung unseres Lebens um so wichtiger sind, wichtiger sind als das, wie die Seele sich fühlt im Dasein, wie die Seele sich auch religiös durchdringen kann mit dem Weltenzusammenhang, wichtiger sind als die bloßen äußeren Naturerkenntnisse. Geisteswissenschaft will nicht irgendeine Religion ersetzen; das religiöse Gefühl hat einen ganz anderen Ursprung. Aber Geisteswissenschaft ist, wenn man so sagen kann, geeignet, diese religiösen Gefühle zu vertiefen, sie selbst bei denen anzuregen, die durch die Einflüsse der neueren Naturwissenschaft alles religiöse Gefühl verloren haben. Geisteswissenschaft zeigt Zusammenhänge, ganz aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkweise heraus, innerhalb des geistigen Lebens. Nicht als ob dadurch alle Weltenrätsel gelöst würden, aber, was sonst sich nur als Tatsache neben Tatsache stellt, das wird innerlich durchleuchtet, in ähnlicher Weise, wie die Naturtatsachen durchleuchtet werden, wenn man sie an der Kette der Ursachen und Wirkungen verfolgen kann.
[ 32 ] Nun möchte ich zum Schlusse etwas sagen, was nicht in einem denklogischen Zusammenhange steht als Schlußbetrachtung mit dem eben Ausgeführten — am nächsten Freitag werde ich weiter darüber zu sprechen haben -, sondern etwas, was nur wie durch eine Empfindungslogik damit verbunden ist, eine Empfindungslogik, die jedem begreiflich sein muß, der mit dem, was in unserer Zeit uns alle durchdringt, uns alle bewegt, zusammenhängt.
[ 32 ] Nun möchte ich zum Schlusse etwas sagen, was nicht in einem denklogischen Zusammenhange steht als Schlußbetrachtung mit dem eben Ausgeführten — am nächsten Freitag werde ich weiter darüber zu sprechen haben -, sondern etwas, was nur wie durch eine Empfindungslogik damit verbunden ist, eine Empfindungslogik, die jedem begreiflich sein muß, der mit dem, was in unserer Zeit uns alle durchdringt, uns alle bewegt, zusammenhängt.
[ 33 ] Das ist es ja gerade, daß wir sehen das Volk Mitteleuropas eingekreist, bedrängt, um sein Dasein kämpfend. Gestern versuchte ich zu zeigen, was innerhalb dieses Daseinskreises an geistigen Bestrebungen vorhanden ist. Nun glaube ich wirklich nicht gewaltsam, ich möchte sagen, um der Zeit in äußerlicher Weise zu dienen, das herbeizerren zu müssen, was ich zu sagen habe. Ich habe gestern versucht zu zeigen, wie im deutschen Geistesleben, gerade als dieses deutsche Geistesleben seine Erkenntniswege durch seine großen Philosophen in idealistischer Weise gesucht hat, ein Weg liegt in die geistigen Welten hinein. Man darf es nicht dogmatisch nehmen — wie ich gestern immer wieder betont habe -, sondern man muß es nach der Art des Suchens nehmen, nach der Art des Strebens nehmen. Man muß die Richtung prüfen, nach welcher sich die inneren Seelenkräfte der deutschen idealistischen Philosophen bewegten. Und wenn man dann in einer Weise, wie ich das gestern auseinanderzusetzen versuchte, verfolgt, wie sich in Kant, in Goethe, in Fichte, in Schelling, in Hegel, auf der einen Seite durch abstraktes, durch nüchternes Denken, auf der anderen Seite durch energische Willensanschauungen, wie bei Fichte, oder durch gewaltige dichterische Gestaltungskräfte, wie bei Goethe, Deutschlands idealistische Weltanschauungswege eröffneten, so hat man darinnen etwas, was sich einem darstellt, wie wenn nun die Volksseele selber, diese deutsche Volksseele als Ganzes, in Meditation sich versenkt hätte, die Meditation einer ganzen Volksseele in der idealistischen Entwickelung vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts in das erste Drittel des neunzehnten Jahrhunderts herein! Wer in der Meditation, in der besonderen Ausbildung des Denkens, des Fühlens, des Wollens den Weg sieht in die geistigen Welten hinein, der darf, ohne eine solche Behauptung irgendwie gewaltsam herbeizerren zu müssen, sagen, was wirklich für den modernen Geistesforscher innigste Überzeugung sein kann: Der Fortschritt in der Geisteswissenschaft kann sich darstellen wie die Entwickelung eines Keimes, der in der deutschen idealistischen Philosophie versenkt ist; der überhaupt im ganzen idealistischen deutschen Geistesstreben um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts vorhanden ist und so fortgewirkt hat bis in unsere Tage herein, wie ich das gestern versuchte zu charakterisieren. Wahrhaftig, in alledem, was ich seit Jahren hindurch hier in diesen Vorträgen habe sprechen können, war immer das Bewußtsein: Es ist nichts anderes, was jetzt als Geisteswissenschaft gegeben wird — wenn das auch ganz paradox klingen wird -, als der Goetheanismus, der deutsche Idealismus. Ich meine diesen konkreten Idealismus, wie er um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten ist im deutschen Geiste, in unsere Zeit übertragen; nicht einfach historisch angeschaut, wie er dazumal war, sondern lebendig erfaßt in unserer Zeit! Und ich war mir bewußt, niemals im Grunde genommen etwas anderes als Goetheanismus vorzutragen, indem ich Geisteswissenschaft, im Sinne wie sie in unserer Zeit sein kann, vortrug. So sonderbar das auch manchem in unserer heutigen Zeit klingen mag, - gerade wenn man die Sache so ansehen muß, dann findet man fest verankert das Streben nach der geistigen Welt in dem, wozu sich als einem höchsten Gipfel, als einem höchsten innerlichen Gipfel das deutsche Geistesstreben einmal erhoben hat.
[ 33 ] Das ist es ja gerade, daß wir sehen das Volk Mitteleuropas eingekreist, bedrängt, um sein Dasein kämpfend. Gestern versuchte ich zu zeigen, was innerhalb dieses Daseinskreises an geistigen Bestrebungen vorhanden ist. Nun glaube ich wirklich nicht gewaltsam, ich möchte sagen, um der Zeit in äußerlicher Weise zu dienen, das herbeizerren zu müssen, was ich zu sagen habe. Ich habe gestern versucht zu zeigen, wie im deutschen Geistesleben, gerade als dieses deutsche Geistesleben seine Erkenntniswege durch seine großen Philosophen in idealistischer Weise gesucht hat, ein Weg liegt in die geistigen Welten hinein. Man darf es nicht dogmatisch nehmen — wie ich gestern immer wieder betont habe -, sondern man muß es nach der Art des Suchens nehmen, nach der Art des Strebens nehmen. Man muß die Richtung prüfen, nach welcher sich die inneren Seelenkräfte der deutschen idealistischen Philosophen bewegten. Und wenn man dann in einer Weise, wie ich das gestern auseinanderzusetzen versuchte, verfolgt, wie sich in Kant, in Goethe, in Fichte, in Schelling, in Hegel, auf der einen Seite durch abstraktes, durch nüchternes Denken, auf der anderen Seite durch energische Willensanschauungen, wie bei Fichte, oder durch gewaltige dichterische Gestaltungskräfte, wie bei Goethe, Deutschlands idealistische Weltanschauungswege eröffneten, so hat man darinnen etwas, was sich einem darstellt, wie wenn nun die Volksseele selber, diese deutsche Volksseele als Ganzes, in Meditation sich versenkt hätte, die Meditation einer ganzen Volksseele in der idealistischen Entwickelung vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts in das erste Drittel des neunzehnten Jahrhunderts herein! Wer in der Meditation, in der besonderen Ausbildung des Denkens, des Fühlens, des Wollens den Weg sieht in die geistigen Welten hinein, der darf, ohne eine solche Behauptung irgendwie gewaltsam herbeizerren zu müssen, sagen, was wirklich für den modernen Geistesforscher innigste Überzeugung sein kann: Der Fortschritt in der Geisteswissenschaft kann sich darstellen wie die Entwickelung eines Keimes, der in der deutschen idealistischen Philosophie versenkt ist; der überhaupt im ganzen idealistischen deutschen Geistesstreben um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts vorhanden ist und so fortgewirkt hat bis in unsere Tage herein, wie ich das gestern versuchte zu charakterisieren. Wahrhaftig, in alledem, was ich seit Jahren hindurch hier in diesen Vorträgen habe sprechen können, war immer das Bewußtsein: Es ist nichts anderes, was jetzt als Geisteswissenschaft gegeben wird — wenn das auch ganz paradox klingen wird -, als der Goetheanismus, der deutsche Idealismus. Ich meine diesen konkreten Idealismus, wie er um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten ist im deutschen Geiste, in unsere Zeit übertragen; nicht einfach historisch angeschaut, wie er dazumal war, sondern lebendig erfaßt in unserer Zeit! Und ich war mir bewußt, niemals im Grunde genommen etwas anderes als Goetheanismus vorzutragen, indem ich Geisteswissenschaft, im Sinne wie sie in unserer Zeit sein kann, vortrug. So sonderbar das auch manchem in unserer heutigen Zeit klingen mag, - gerade wenn man die Sache so ansehen muß, dann findet man fest verankert das Streben nach der geistigen Welt in dem, wozu sich als einem höchsten Gipfel, als einem höchsten innerlichen Gipfel das deutsche Geistesstreben einmal erhoben hat.
[ 34 ] Und wenn man diesen Zusammenhang in seiner Seele wirken läßt, so kann er sich in unsere schicksaltragenden Tage so hineinstellen, daß nun dasjenige, was auf der einen Seite in äußerster Ausgestaltung der geistigen Anstrengungen vom deutschen Volke gesucht worden ist, nur wie eine andere Seite desjenigen ist, was in unserer Zeit wirken muß, damit die geschichtliche, dem deutschen Volke in unseren Tagen gestellte Aufgabe auf den äußeren Feldern der Taten gelöst werden könne. Gerade deshalb findet man innig verbunden alles, was das deutsche Volk vollbringt, mit dem tiefsten Seelenleben, mit dem, was groß und bedeutend war in einer Zeit, als in bezug auf die Außenwelt dem deutschen Volkegleichsam derBoden unter denFüßen weggezogen war. Daher darf man sagen: Wenn sich jetzt neben dem äußerlichen Kampfe, den die Waffen entscheiden werden und über den zu reden nicht eigentlich dem Geistesbetrachter ziemt, weil Dinge entschieden werden, über die nicht Worte entscheiden werden, sondern die Waffen -, wenn sich neben diesem Kampfe etwas entwickelt hat, was uns so merkwürdig entgegentönt dadurch, daß dieses deutsche Geistesleben von den Gegnern herabgesetzt wird, so daß man glauben könnte, diese Gegner finden nur dadurch die Möglichkeit, ihr eigenes Geistesleben in besonderem Licht erglänzen zu lassen, daß sie das deutsche Geistesleben herabsetzen, dann führt eine Betrachtung der inneren Bedeutung, der inneren Weltbedeutung des deutschen Geisteslebens gerade dazu, zu empfinden, wie wenig es der Deutsche nötig hat, sein eigenes Geistesleben so zu betrachten, daß in einem Vergleich das Geistesleben der anderen etwa herabgesetzt werden müßte. Der Deutsche darf bloß auf die ihm aus dem Innersten des Weltengeistes heraus gestellte Aufgabe blicken, um zu wissen, was er in der Welt zu verrichten hat, was er in die Zukunft hinüberzutragen hat.
[ 34 ] Und wenn man diesen Zusammenhang in seiner Seele wirken läßt, so kann er sich in unsere schicksaltragenden Tage so hineinstellen, daß nun dasjenige, was auf der einen Seite in äußerster Ausgestaltung der geistigen Anstrengungen vom deutschen Volke gesucht worden ist, nur wie eine andere Seite desjenigen ist, was in unserer Zeit wirken muß, damit die geschichtliche, dem deutschen Volke in unseren Tagen gestellte Aufgabe auf den äußeren Feldern der Taten gelöst werden könne. Gerade deshalb findet man innig verbunden alles, was das deutsche Volk vollbringt, mit dem tiefsten Seelenleben, mit dem, was groß und bedeutend war in einer Zeit, als in bezug auf die Außenwelt dem deutschen Volkegleichsam derBoden unter denFüßen weggezogen war. Daher darf man sagen: Wenn sich jetzt neben dem äußerlichen Kampfe, den die Waffen entscheiden werden und über den zu reden nicht eigentlich dem Geistesbetrachter ziemt, weil Dinge entschieden werden, über die nicht Worte entscheiden werden, sondern die Waffen -, wenn sich neben diesem Kampfe etwas entwickelt hat, was uns so merkwürdig entgegentönt dadurch, daß dieses deutsche Geistesleben von den Gegnern herabgesetzt wird, so daß man glauben könnte, diese Gegner finden nur dadurch die Möglichkeit, ihr eigenes Geistesleben in besonderem Licht erglänzen zu lassen, daß sie das deutsche Geistesleben herabsetzen, dann führt eine Betrachtung der inneren Bedeutung, der inneren Weltbedeutung des deutschen Geisteslebens gerade dazu, zu empfinden, wie wenig es der Deutsche nötig hat, sein eigenes Geistesleben so zu betrachten, daß in einem Vergleich das Geistesleben der anderen etwa herabgesetzt werden müßte. Der Deutsche darf bloß auf die ihm aus dem Innersten des Weltengeistes heraus gestellte Aufgabe blicken, um zu wissen, was er in der Welt zu verrichten hat, was er in die Zukunft hinüberzutragen hat.
[ 35 ] Daher darf man aus dem tiefsten Bewußtsein heraus sagen: Dieser deutsche Volksgeist, der in der Allheit des deutschen Lebens waltet, der da waltet im deutschen Gedanken, in der, wie ich es angedeutet habe, deutschen Meditation, der da waltet in der deutschen Tat, dieser deutsche Volksgeist darf darauf hinweisen, wenn ihm jetzt in solch unverständiger Weise von da und dort entgegengehalten wird, er hätte geradezu eine Weltanschauung hervorgebracht, welche auf Gewalt und Macht allein ausginge, — er darf darauf hinweisen, wie er durch seinen Zusammenhang mit dem Geistigen dieses sonderbare Gerede widerlegen kann. Und wenn gar davon gesprochen wird, daß der deutsche Volksgeist in der geschichtlichen Entwickelung seine Rolle ausgespielt habe, dann darf gerade aus dem Umstand, daß der Keim zum höchsten Geistesleben in der angedeuteten Meditation des deutschen Volksgeistes lebt, daß man sich bloß vorzustellen braucht, wie jene Keime Blüten und Früchte werden, aber Blüten und Früchte erst in der Zukunft werden müssen, — dann kann durch das echte Bewußtsein, das aus solchem Denken, aus solchem Empfinden, das aus solchem Fühlen fließt, gesagt werden: Denen, die da heute diesen deutschen Volksgeist herabsetzen oder ihm gar seine geistig fruchtbaren Kräfte für die Zukunft weigern wollen, denen hält, aus dem Bewußtsein seiner geistigen und seiner geschichtlichen Taten und Aufgaben heraus, dieser deutsche Volksgeist das Schicksalsbuch entgegen, das er durch eine Betrachtung der deutschen Aufgabe und des deutschen Geisteswesens in richtiger Weise zu entziffern glaubt. Und er sagt allen denen, die nicht nur mit den Waffen, sondern mit Wortwaffen glauben gegen das deutsche Geistesleben auftreten zu müssen und ihm den Untergang prophezeien, er glaubt diesen aus einer sicheren, auf die Erkenntnis des Verlaufes des deutschen Geisteslebens gegründeten Überzeugung heraus entgegenhalten zu können eine Seite des Schicksalsbuches der Entwickelung der Menschheit. Und auf dieser einen Seite steht — was auch gesagt, was auch behauptet werden mag -: die Zukunft des deutschen Geistes, die Zukunft der deutschen Volksseele!
[ 35 ] Daher darf man aus dem tiefsten Bewußtsein heraus sagen: Dieser deutsche Volksgeist, der in der Allheit des deutschen Lebens waltet, der da waltet im deutschen Gedanken, in der, wie ich es angedeutet habe, deutschen Meditation, der da waltet in der deutschen Tat, dieser deutsche Volksgeist darf darauf hinweisen, wenn ihm jetzt in solch unverständiger Weise von da und dort entgegengehalten wird, er hätte geradezu eine Weltanschauung hervorgebracht, welche auf Gewalt und Macht allein ausginge, — er darf darauf hinweisen, wie er durch seinen Zusammenhang mit dem Geistigen dieses sonderbare Gerede widerlegen kann. Und wenn gar davon gesprochen wird, daß der deutsche Volksgeist in der geschichtlichen Entwickelung seine Rolle ausgespielt habe, dann darf gerade aus dem Umstand, daß der Keim zum höchsten Geistesleben in der angedeuteten Meditation des deutschen Volksgeistes lebt, daß man sich bloß vorzustellen braucht, wie jene Keime Blüten und Früchte werden, aber Blüten und Früchte erst in der Zukunft werden müssen, — dann kann durch das echte Bewußtsein, das aus solchem Denken, aus solchem Empfinden, das aus solchem Fühlen fließt, gesagt werden: Denen, die da heute diesen deutschen Volksgeist herabsetzen oder ihm gar seine geistig fruchtbaren Kräfte für die Zukunft weigern wollen, denen hält, aus dem Bewußtsein seiner geistigen und seiner geschichtlichen Taten und Aufgaben heraus, dieser deutsche Volksgeist das Schicksalsbuch entgegen, das er durch eine Betrachtung der deutschen Aufgabe und des deutschen Geisteswesens in richtiger Weise zu entziffern glaubt. Und er sagt allen denen, die nicht nur mit den Waffen, sondern mit Wortwaffen glauben gegen das deutsche Geistesleben auftreten zu müssen und ihm den Untergang prophezeien, er glaubt diesen aus einer sicheren, auf die Erkenntnis des Verlaufes des deutschen Geisteslebens gegründeten Überzeugung heraus entgegenhalten zu können eine Seite des Schicksalsbuches der Entwickelung der Menschheit. Und auf dieser einen Seite steht — was auch gesagt, was auch behauptet werden mag -: die Zukunft des deutschen Geistes, die Zukunft der deutschen Volksseele!
