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From Central European Spiritual Life
GA 65

3 December 1915, Berlin

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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
  1. Aus dem mitteleuropäischen Geistesleben

2. Die Ewigen Kräfte der Menschenseele

2. The Eternal Powers of the Human Soul

[ 1 ] Betrachtungen über die ewigen Kräfte der Menschenseele vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, wie diese Geisteswissenschaft hier gemeint ist, sind in unserer Zeit naturgemäß, man möchte sagen, ganz selbstverständlich Mißverständnissen ausgesetzt. Und ganz selbstverständlich ist es, von diesem oder jenem Gesichtspunkte aus, der zweifellos von einer gewissen Seite her berechtigt ist, widerlegt zu werden. Bei solchen Widerlegungen findet nun das Folgende statt: Derjenige, der solche Ergebnisse der Geisteswissenschaft zu widerlegen vermeint, bringt diese oder jene Gründe vor und meint dann, dasjenige sei getroffen, was er getroffen haben will, und mit seinen Gründen könne der Geisteswissenschafter ganz und gar nicht einverstanden sein. Gerade eine solche Betrachtung, wie sie heute hier aus den Ergebnissen der Geisteswissenschaft heraus angestellt werden soll, ist denangedeutetenMißverständnissen ausgesetzt,denn die Sache liegt gewöhnlich so — ja, man kann sagen, in den Fällen, die zutage getreten sind, liegt die Sache immer so -, daß derjenige, der widerlegt, Dinge vorbringt, mit denen der Geisteswissenschafter durchaus einverstanden ist, absolut einverstanden ist. Nur daß Geisteswissenschaft etwas zu sagen hat, was von solchen Einwänden gar nicht berührt wird, von solchen Einwänden, die der Geisteswissenschafter oftmals in einem viel weiteren Umfange gelten läßt als derjenige, der die Einwände macht.

[ 1 ] Reflections on the eternal forces of the human soul from the perspective of spiritual science—as that term is used here—are, in our time, naturally, one might say quite inevitably, subject to misunderstandings. And it is only natural that they should be refuted from one perspective or another—a perspective that is undoubtedly justified from a certain point of view. In such refutations, the following occurs: The person who believes they are refuting these findings of spiritual science puts forward this or that argument and then assumes that they have hit the mark—that is, achieved what they set out to do—and that the spiritual scientist cannot possibly agree with their reasoning. Precisely the kind of analysis that is to be undertaken here today based on the findings of spiritual science is subject to the misunderstandings alluded to, for the situation is usually this—indeed, one might say, in the cases that have come to light, the situation is always this—that the person who refutes them puts forward points with which the spiritual scientist is in complete agreement, absolutely in agreement. It is simply that spiritual science has something to say that is not at all touched upon by such objections—objections that the spiritual scientist often accepts to a much greater extent than the person raising the objections.

[ 2 ] Dies gilt namentlich in bezug auf die Frage, die heute gestellt werden soll, und für das, was von seiten naturwissenschaftlicher Weltanschauung oftmals dazu vorgebracht wird. Der Geisteswissenschafter, ich habe das oftmals von dieser Stelle aus betont, aber ich muß heute einleitungsweise doch noch einmal darauf hinweisen, der Geisteswissenschafter steht keineswegs in irgendeinem Gegensatz zu der auf die großen Errungenschaften der neueren Zeit begründeten naturwissenschaftlichen Weltanschauung, insbesondere dann nicht, wenn es sich um Fragen des menschlichen Seelenlebens handelt. Gewiß, es wird von mancher Seite, die in einem heute noch gültigen Sinne Psychologie, Seelenkunde treiben will, mancherlei vorgebracht über den Ewigkeitscharakter eines menschlichen Seelenkernes. Dann kommt der Naturwissenschafter, und ich sage ausdrücklich, oftmals mit vollem Rechte, und sagt: Da sehen wir die menschlichen Seelenäußerungen, des Menschen Denken, des Menschen Fühlen, des Menschen Wollen, wie sie sich äußern von der Geburt oder von dem Zeitpunkte an, da der Mensch bewußte Vorstellungen entwickeln kann, bis zum Tode hin. Blicken wir dieses Seelenleben an — so muß der Vertreter der naturwissenschaftlichen Weltanschauung sagen -, dann erscheint es im engsten Sinne gebunden an die körperlichen Vorgänge; und man kann aufzeigen, wie es gebunden ist an die körperlichen Vorgänge, wie die körperlichen Verrichtungen sich vom zartesten Kindesalter an nach und nach entwickeln und wie sich mit diesen körperlichen Vorgängen, indem sie sich, wie man sagt, vervollkommnen, die Fähigkeiten des Denkens, des Wahrnehmens, des verständigen Wahrnehmens ganz parallel entwickeln. Man kann wiederum sehen, wie mit dem Hinschwinden der physischen Verrichtungen des Menschen auch die seelischen Verrichtungen allmählich in den Hintergrund treten, allmählich zurückgehen, abfluten. Ja, man kann noch mehr zeigen, Man kann zeigen, wie bei Krankheit oder dergleichen, durch Ausschaltung irgendeiner Gehirntätigkeit, irgendeines Teiles des Nervensystemes Teile des geistigen Lebens verschwinden; wie Unfähigkeit an Stelle der Fähigkeit tritt, wenn organische Funktionen ausgeschaltet werden. Man könnte, was angeführt worden ist, noch ins Unendliche vermehren. So kann man mit Recht sagen: Ist denn nicht alles, was der Mensch mit seinem Denken, Fühlen und Wollen entwickelt, an die physischen Verrichtungen gebunden, die allmählich durch die Naturwissenschaft entdeckt werden, wie die Flamme gebunden ist an das Brennmaterial der Kerze? Und in der Tat, manche sogenannte Beweise, die für den Bestand eines Seelenkernes innerhalb des gewöhnlichen Denkens, Fühlens und Wollens vorgebracht werden, sie gleichen wirklich etwa einer Vorstellung, die man sich bilden würde von der Art, daß man sagt, man fände etwas in der Flamme, das doch nicht vergehen könne, wenn das Material der Kerze irgendwie der Flamme entzogen werde. Man kann sagen: Vieles in der gewöhnlichen Seelenlehre ist den Gründen, den Beweisarten nach so aufgebaut, daß es ganz genau dem Gedanken entspricht, den man haben würde, um zu beweisen, daß das, was in der Flamme lebt, nicht verschwinden könne, wenn man der Flamme das Brennmaterial wegnimmt.

[ 2 ] This applies in particular to the question to be addressed today and to the arguments often put forward on this subject by those with a natural-scientific worldview. The scholar of the humanities—I have often emphasized this from this platform, but I must point it out once again by way of introduction today—is by no means in any kind of opposition to the scientific worldview based on the great achievements of modern times, especially not when it comes to questions of human inner life. Certainly, those who wish to practice psychology—the study of the soul—in a sense that is still valid today put forward various arguments regarding the eternal nature of a human soul core. Then the natural scientist comes along—and I say explicitly, often quite rightly—and says: Here we see the manifestations of the human soul—human thought, human feeling, human will—as they express themselves from birth, or from the moment a person is able to develop conscious perceptions, right up until death. When we look at this inner life—so the proponent of the scientific worldview must say—it appears, in the strictest sense, bound to physical processes; and one can demonstrate how it is bound to physical processes, how physical functions gradually develop from the earliest childhood onward, and how, as these physical processes—as one might say—become perfected, the faculties of thinking, perception, and intellectual perception develop in parallel. One can also see how, as a person’s physical functions fade away, the mental functions gradually recede into the background, gradually diminish, and ebb away. Indeed, one can demonstrate even more: one can show how, in the case of illness or similar conditions, the elimination of any brain activity or any part of the nervous system causes parts of mental life to vanish; how incapacity takes the place of capacity when organic functions are eliminated. One could multiply the examples cited ad infinitum. Thus, one can rightly say: Is not everything that human beings develop through their thinking, feeling, and willing bound to the physical processes that are gradually being discovered by the natural sciences, just as the flame is bound to the candle’s fuel? And indeed, some so-called proofs put forward for the existence of a soul-core within ordinary thinking, feeling, and willing really resemble a notion one might form—as if one were to say that one finds something in the flame that cannot perish even if the material of the candle were somehow removed from the flame. One might say: Much of what is taught in conventional psychology is structured, in terms of its reasoning and modes of proof, in such a way that it corresponds exactly to the line of thought one would follow to prove that what lives in the flame cannot disappear if the combustible material is taken away from the flame.

[ 3 ] Nun muß durchaus betont werden, daß in bezug auf all das, was eben angedeutet worden ist, Geisteswissenschaft ganz auf dem Boden der Naturwissenschaft steht, ja, wie wir gerade durch die heutige Betrachtung sehen wollen, intensiver, stärker noch sich auf diesen Boden der Naturwissenschaft stellen muß, als es die Naturwissenschaft selber nach dem heutigen Stand ihres Forschens tun kann. Geisteswissenschaft steht auch in methodischer Beziehung, in Beziehung auf die Art und Weise des wissenschaftlichen Denkens und der wissenschaftlichen Gesinnung durchaus so, daß sie dieselbe Richtung verfolgt, die für das menschliche Forschen durch die neueren Methoden der Naturwissenschaft angegeben worden ist. Allein so, wie diese neueren Methoden der Naturwissenschaft angewendet worden sind auf das Seelenleben, zeigen sie durchaus, daß sie gerade zu denjenigen Gebieten nicht hinführen, auf denen die eigentlichen Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens gefunden werden.

[ 3 ] It must be emphatically stated that, with regard to everything that has just been indicated, spiritual science stands entirely on the foundation of natural science; indeed, as we shall see in today’s discussion, it must stand even more intensely and firmly on this foundation of natural science than natural science itself can at the present stage of its research. In terms of methodology—that is, with regard to the nature of scientific thinking and the scientific mindset—spiritual science is certainly aligned in such a way that it follows the same direction that has been charted for human research through the newer methods of the natural sciences. However, when these newer methods of natural science have been applied to the life of the soul, they clearly show that they do not lead precisely to those areas where the true enigmas of human soul life are to be found.

[ 4 ] Um nicht bloß allgemeine Bemerkungen zu machen, möchte ich einen konkreten Fall ins Auge fassen. Einer derjenigen neueren Wissenschafter, der die Seelenkunde ganz auf den Boden der naturwissenschaftlichen Denkweise stellen wollte, war der ja auch hier in diesen Vorträgen schon öfter erwähnte Psychologe Franz Brentano. Er fiel mit seinem wissenschaftlichen Streben gerade in die Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in welcher mit Recht die naturwissenschaftliche Denkweise auf die Persönlichkeiten dieses Zeitalters einen großen, einen überwältigenden Eindruck machte, so daß man sich mit keiner Art wissenschaftlicher Forschung dem entziehen wollte, was in der Fruchtbarkeit naturwissenschaftlicher Anschauung lag. Und eben einer derjenigen, die da ganz mitgegangen sind und etwa gesagt haben: Wenn streng wissenschaftliche Ergebnisse erreicht werden sollen, so müssen sie durch eine Methode erreicht werden, die nach dem Muster der Naturwissenschaft aufgebaut wird, sonst sind sie keine wirklich wissenschaftlichen Ergebnisse, — eine der Persönlichkeiten, die so sich gestellt haben zur Seelenforschung wie zur Naturforschung, war Franz Brentano. Seine Thesen, die er aufgestellt hat im Beginn seines Lehramtes in Würzburg in den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, lauteten etwa so: Die Zukunft der Seelenforschung hängt ganz davon ab, daß sie sich in denselben Bahnen bewegt wie die Naturforschung. — Nun ist gerade mit Bezug auf die Hoffnungen, die die Seelenforschung für unser Zeitalter und die Zukunft haben kann, Franz Brentano eine charakteristische Persönlichkeit. Er hat begonnen, eine «Psychologie» zu schreiben, ein Buch, das im engeren Kreise der Seelenforscher eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Er hat versprochen, als der erste Band seiner Seelenkunde erschien, noch vor Ablauf des Jahres, in dem der Band erschienen ist — es war 1874 -, werde der zweite Band und dann in rascher Folge der dritte Band erscheinen. Es ist nichts bisher erschienen außer dem ersten Band! Und das ist gerade deshalb charakteristisch, weil Franz Brentano eine der gewissenhaftesten, eine der energischsten Denkerpersönlichkeiten Ist.

[ 4 ] Rather than merely making general remarks, I would like to consider a specific case. One of the more recent scholars who sought to ground psychology entirely in the scientific way of thinking was the psychologist Franz Brentano, who has already been mentioned several times in these lectures. His scientific endeavors coincided precisely with the second half of the nineteenth century, a time when the scientific way of thinking rightly made a profound, overwhelming impression on the leading figures of that era, so that no one engaged in any kind of scientific research wanted to miss out on the fruitful insights offered by the scientific worldview. And one of those who fully embraced this view—saying, for example, that if strictly scientific results are to be achieved, they must be attained through a method modeled on the natural sciences, otherwise they are not truly scientific results—one of the figures who approached the study of the soul in the same way as the study of nature was Franz Brentano. The theses he formulated at the beginning of his professorship in Würzburg in the 1850s went something like this: The future of psychology depends entirely on its following the same path as natural science. — Now, precisely with regard to the hopes that psychological research can hold for our age and the future, Franz Brentano is a distinctive figure. He began writing a *Psychology*, a book that has attained a certain degree of fame within the narrower circle of psychological researchers. When the first volume of his psychology was published, he promised that, before the end of the year in which the volume appeared—it was 1874—the second volume would be published, followed in quick succession by the third. So far, nothing has been published except the first volume! And this is characteristic precisely because Franz Brentano is one of the most conscientious and energetic thinkers.

[ 5 ] Franz Brentano begibt sich auf den Weg, Seelenkunde zu treiben im Geiste der neueren Naturwissenschaft. Er kommt zunächst dazu, das Seelenleben, so wie es sich im gewöhnlichen Menschendasein darstellt, zu prüfen; zu untersuchen, wie, indem der Mensch innerhalb der gewöhnlichen physischen Welt lebt, sich Gedanke an Gedanke reiht; welches die Gesetze dafür sind, daß ein Gedanke den anderen hervorruft; welches die Gesetze dafür sind, daß in der menschlichen Seele diese oder jene Lustempfindung, diese oder jene Schmerzempfindung Platz greift. Kurz, dieses Seelenleben, das da abläuft innerhalb des gewöhnlichen physischen Daseins des Menschen, bemühte er sich, im naturwissenschaftlichen Sinne zu untersuchen. Das Ziel der Seelenkunde steht diesem Seelenforscher schon vor Augen, allein er sieht keine Möglichkeit, irgend etwas zu tun, um diesem Ziel auch nur irgendwie näher zu kommen. Da ist charakteristisch ein Ausspruch Franz Brentanos, der in folgender Weise lautet: «Für die Hoffnungen eines Platon und Aristoteles, über das Fortleben unseres besseren Teiles nach der Auflösung des Leibes Sicherheit zu gewinnen, würden dagegen die Gesetze der Assoziation von Vorstellungen, der Entwickelung von Überzeugungen und Meinungen und des Keimens und Treibens von Lust und Liebe alles andere, nur nicht eine wahre Entschädigung sein.... Und wenn wirklich...» —er meint die neuere naturwissenschaftliche Denkungsart - «den Ausschluß der Frage nach der Unsterblichkeit besagte, so wäre [dieser Verlust] für die Psychologie ein überaus bedeutender zu nennen.»

[ 5 ] Franz Brentano sets out to study the mind in the spirit of modern natural science. He begins by examining mental life as it manifests itself in ordinary human existence; to investigate how, as human beings live within the ordinary physical world, thoughts follow one after another; what the laws are governing how one thought gives rise to another; and what the laws are governing how this or that sensation of pleasure, or this or that sensation of pain, takes hold in the human soul. In short, he endeavored to investigate this inner life, which unfolds within the ordinary physical existence of human beings, in a scientific sense. The goal of the study of the soul is already clear to this researcher of the soul, yet he sees no way to do anything to even come closer to this goal in any way. A characteristic statement by Franz Brentano reads as follows: “For the hopes of Plato and Aristotle to gain certainty about the survival of our better part after the dissolution of the body, the laws of the association of ideas, the development of convictions and opinions, and the germination and growth of desire and love would be anything but a true compensation.... And if indeed...” —he is referring to the newer scientific way of thinking—“implied the exclusion of the question of immortality, then [this loss] would have to be called an exceedingly significant one for psychology.”

[ 6 ] Ganz charakteristisch ist Franz Brentano für jene Vertreter neuerer Seelenkunde, die sich zwar auf den Boden der neueren Naturwissenschaft stellen wollen, also das Seelenleben genau so beobachten wollen, wie man sonst die äußeren Naturerscheinungen beobachtet, denen aber gerade die wichtigen, die bedeutungsvollen, die mit dem Menschenleben innig zusammenhängenden Fragen entschlüpfen, indem sie ihre Betrachtungen anstellen. Wir können, so sagt etwa Brentano, im Sinne der neueren Naturwissenschaft zu einer Anschauung kommen, wie sich Vorstellungen verketten, wie sich Meinungen in der Menschenseele festsetzen, wie Lust und Leid sich gegenseitig bedingen, aber man kann zu der wichtigen Frage, welches die ewigen Kräfte der Menschenseele sind, aus dem, was man zunächst durch diese Methode erreichen will, keine Stellung nehmen. — Und so ist denn immer mehr und mehr, muß man sagen, aus den Schriften, aus der Literatur über Seelenkunde, in der neueren Zeit die Frage nach den ewigen Kräften des Menschendaseins geschwunden. Man versuche nur einmal die Literatur der Seelenkunde zu durchblättern, und man wird sehen, wie wahr das ist, was ich eben angedeutet habe.

[ 6 ] Franz Brentano is quite characteristic of those representatives of modern psychology who, while seeking to stand on the ground of modern natural science—that is, to observe mental life just as one would otherwise observe external natural phenomena—find that the very important, meaningful questions intimately connected with human life slip away from them as they conduct their investigations. We can, as Brentano puts it, arrive at an understanding—in the spirit of modern natural science—of how ideas are linked, how opinions take root in the human soul, and how pleasure and suffering are mutually dependent; but one cannot take a position on the important question of what the eternal forces of the human soul are based on what one initially seeks to achieve through this method. — And so, it must be said, the question of the eternal forces of human existence has increasingly disappeared from the writings and literature on psychology in modern times. One need only leaf through the literature on psychology to see how true is what I have just indicated.

[ 7 ] Geisteswissenschaft versucht nun, durchaus aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkungsweise heraus den Weg zu finden zu den Seelenrätseln des Menschen. Aber sie überzeugt sich davon, daß die Denkweise, die auf der einen Seite so fruchtbar ist für die Betrachtung, für die Erforschung der Geheimnisse der äußeren Natur, verinnerlicht und damit ganz und gar umgestaltet werden muß, wenn man von derselben Gesinnung aus Geisteswissenschaft treiben will, von der aus man Naturwissenschaft treibt. Geisteswissenschaft zeigt, daß diejenigen Verrichtungen des Seelenlebens, welche im gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen zwischen Geburt und Tod ablaufen, wirklich nichts enthalten, was nicht so an den physischen Leib gebunden wäre, wie die Flamme an den Stoff der Kerze gebunden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß man eben mit denjenigen Verrichtungen des Seelenlebens, die vollständig tauglich sind für das gewöhnliche Leben, auch vollständig tauglich sind für das gewöhnliche wissenschaftliche Forschen, nicht herankommt an das, was als Ewiges in der Seele vorhanden ist. Geisteswissenschaft zeigt, daß die Seele des Menschen, so wie sie nun einmal im Alltagsleben und in der gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschung ist, an die physischen Verrichtungen des Leibes gebunden ist, und daß man das, was ewig in der Seele ist, erst aufsuchen muß dadurch, daß man von den gewöhnlichen Seelenverrichtungen aus einen Weg sucht dahin, wohin diese gewöhnlichen Seelenverrichtungen gar nicht reichen, wohin sie nicht kommen, wenn sie nur das vollbringen, was im alltäglichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft vollbracht wird. Ein inneres Entwickeln der Seelenfähigkeiten zu einem Punkte hin, der für das gewöhnliche Leben durchaus überflüssig ist, das ist notwendig, wenn man die ewigen Kräfte der Menschenseele finden will.

[ 7 ] The spiritual sciences now seek to find a path to the mysteries of the human soul, drawing entirely on the mindset of the natural sciences. But it comes to the realization that the mode of thinking—which, on the one hand, is so fruitful for the observation and exploration of the mysteries of external nature—must be internalized and thereby completely transformed if one wishes to pursue spiritual science from the same mindset from which one pursues natural science. Spiritual science shows that those activities of the soul that take place in ordinary thinking, feeling, and willing between birth and death truly contain nothing that is not bound to the physical body just as the flame is bound to the material of the candle. Spiritual science shows that precisely those activities of the soul that are fully suited to ordinary life—and are also fully suited to ordinary scientific research—do not allow us to approach what exists as the eternal in the soul. Spiritual science shows that the human soul, as it exists in everyday life and in ordinary scientific research, is bound to the physical functions of the body, and that one must first seek out what is eternal in the soul by finding a path, starting from the ordinary activities of the soul, to a place where these ordinary activities do not extend—a place they cannot reach if they merely accomplish what is accomplished in everyday life and ordinary science. An inner development of the soul’s faculties toward a point that is entirely superfluous for ordinary life—this is necessary if one wishes to find the eternal powers of the human soul.

[ 8 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen von gewissen Gesichtspunkten aus über diese Entwickelung der Seelenfähigkeiten des Menschen zu einer anderen Anschauung hin, als es die alltägliche ist, schon gesprochen. Ich will heute von einem gewissen anderen Gesichtspunkte aus die Frage in ein anderes Licht wiederum stellen.

[ 8 ] In previous lectures, I have already spoken—from certain perspectives—about this development of human soul faculties toward a view of the world different from the everyday one. Today I would like to approach the question from yet another perspective and shed new light on it.

[ 9 ] Das, was man gerade als das Wichtigste der gewöhnlichen Wissenschaft, das Wichtigste des gewöhnlichen Lebens zum Beispiel beim Denken, beim Vorstellen bezeichnet, das kommt in einer ganz anderen Weise als in diesem alltäglichen Leben für die Geistesforschung in Betracht. Im gewöhnlichen Leben handelt es sich darum, daß wir etwas erkennen dadurch, daß wir uns Gedanken machen über irgend etwas, was von außen zunächst an uns herantritt. Was von außen herantritt, wir nehmen es wahr; auch das im geschichtlichen Werden stehende, wir nehmen es wahr, wir machen uns Gedanken darüber, erforschen dadurch die Gesetze der äußeren Tatsachen und des geschichtlichen Werdens. Der Gedanke tritt in uns auf, und gerade dadurch, daß wir uns Gedanken machen können, daß unsere Gedanken einen gewissen Inhalt haben, wissen wir etwas über die Außenwelt. Und so ist es recht für das Stehen im alltäglichen Leben. So ist es auch recht für die Verrichtungen der gewöhnlichen Wissenschaft.

[ 9 ] What is generally regarded as the most important aspect of ordinary science—and of ordinary life, for example, in thinking and imagining—is considered in a completely different way in spiritual research than it is in everyday life. In ordinary life, we come to know something by reflecting on whatever initially approaches us from the outside. We perceive what approaches us from the outside; we also perceive what is unfolding in the course of history; we reflect on it and thereby investigate the laws governing external facts and historical development. Thought arises within us, and it is precisely because we are able to think—because our thoughts have a certain content—that we know something about the external world. And so it is appropriate for our place in everyday life. It is also appropriate for the work of conventional science.

[ 10 ] Will man aber das Denken in einer solchen Art fassen, wie es gefaßt werden muß, um zu wahren geisteswissenschaftlichen Ergebnissen zu kommen, so muß man es in der folgenden Art erfassen. Ich will durch einen Vergleich, den ich auch hier schon einmal gebraucht habe, zeigen, in welch ganz anderer Art sich der Geistesforscher zum Denken, zum Vorstellen stellen muß, als sich der Mensch im gewöhnlichen Leben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft dazu stellt. Ich deutete es schon einmal an: Wenn wir unsere Hände gebrauchen zu irgendeiner äußeren Arbeit, so kommt es darauf an zunächst, daß wir diese äußere Arbeit verrichten, daß die Ergebnisse dieser äußeren Arbeit da seien. Was da in der Außenwelt verwirklicht ist dadurch, daß wir arbeiten, darauf wird gesehen. Aber das ist nicht das einzige Ergebnis der Arbeit. Die Außenwelt muß auf dieses Ergebnis schauen, und sie hat ein Recht, darauf zu schauen. Aber indem der Mensch immer wieder und wiederum dieses oder jenes verrichtet, macht er dabei die Kraft seiner Hände, seiner Arme zu gleicher Zeit stärker, und nicht nur stärker, sondern auch geschickter, dieses oder jenes zu tun. Man kann sagen — wenn wir das Wort gebrauchen dürfen, das natürlich nur in relativem Sinne richtig ist —: Der Mensch macht die Geschicklichkeit seiner Hände und seiner Arme vollkommener dadurch, daß er arbeitet. Das ist in bezug auf die äußere Arbeit vielleicht etwas höchst Geringfügiges, wenn nur darauf gesehen wird, wodurch sich das Ergebnis der Arbeit in den Zusammenhang des menschlichen Lebens hineinstellt. In bezug darauf ist es ein Nebenergebnis, daß die menschliche Hand und die menschlichen Arme geschickter werden. Aber für den Menschen kommt es sehr darauf an. Oder selbst wenn man das nicht gelten lassen wollte, es ist eben dies als ein Nebenergebnis da! Damit können wir aber dasjenige, was der Mensch im Vorstellen, im Denken erreicht, vergleichen. Im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft kommt es darauf an, daß man sich einen gewissen Inhalt der Gedanken bildet. Gewiß, so ist es auch ganz recht. Aber indem man sich diesen Inhalt der Gedanken bildet, indem man also denkt, geschieht wirklich mit dem Denken etwas Ähnliches, wie mit der Kraft der Hand und des Armes geschieht, wenn man arbeitet. Das Denken macht innerlich etwas durch, und auf dieses, was wirklich nun für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft, auch in bezug auf deren Errungenschaften, ein ganz Nebensächliches ist, gerade auf dieses muß nun die geisteswissenschaftliche Forschung ihren inneren Blick richten: auf das, was im Denken geschieht. Die Seele muß hingelenkt werden nicht auf den Inhalt der Gedanken, sondern auf die Tätigkeit. Und auch nicht auf die bloße Tätigkeit, sondern auf das, was in der Tätigkeit des Denkens — wenn ich den Ausdruck, der nur relative Gültigkeit hat, noch einmal gebrauchen darf - nach der Richtung der Vervollkommnung hin, der Ausbildung des Denkens hin, geschieht.

[ 10 ] However, if one wishes to understand thinking in the way it must be understood in order to arrive at true results in the spiritual sciences, one must approach it in the following manner. I want to use a comparison—one I have already employed here before—to show how the researcher of the spirit must approach thinking and imagination in a completely different way than people do in ordinary life or in ordinary science. I have already hinted at this: When we use our hands for some kind of external work, what matters first and foremost is that we perform this external work, that the results of this external work are there. Attention is focused on what is brought about in the external world through our work. But that is not the only result of the work. The external world must look to this result, and it has a right to do so. But as a person repeatedly performs this or that task, he simultaneously strengthens the power of his hands and arms—and not only makes them stronger, but also more skillful at performing these tasks. One might say—if we may use the term, which is of course only true in a relative sense—that a person perfects the dexterity of his hands and arms through his work. In terms of external work, this may be something quite insignificant if one considers only how the result of the work fits into the context of human life. In that regard, it is a side effect that the human hand and arms become more skilled. But for human beings, it matters greatly. Or even if one were to reject that view, this very fact remains as a side effect! We can, however, compare this to what a person achieves in imagination and thought. In everyday life and in conventional science, what matters is that one forms a certain content of thought. Certainly, that is quite right. But in forming this content of thought—that is, in thinking—something similar actually happens to the act of thinking as happens to the strength of the hand and arm when one works. Thinking undergoes an inner process, and it is precisely this—which is actually quite incidental to everyday life and to ordinary science, even with regard to their achievements—that spiritual scientific research must now direct its inner gaze toward: what happens in thinking. The soul must be directed not toward the content of thoughts, but toward the activity itself. And not merely toward the activity, but toward what occurs in the activity of thinking—if I may use this expression, which has only relative validity, once more—in the direction of perfection, of the development of thinking.

[ 11 ] Darauf muß der Seelenblick des Menschen eingestellt werden. Und möglich muß es sein, um in Gebiete zu kommen, wo sich die ewigen Kräfte des Seelenlebens erschließen, abzusehen von dem, was Inhalt des Denkens ist, und den Seelenblick hinzurichten auf die Verrichtung, auf die Tätigkeit des Denkens, auf das, was man tut, indem man denkt. Systematisch, methodisch wird das erreicht durch eine intime innere Verrichtung, die man auch ein intimes inneres Seelenexperiment nennen kann, und die ich schon öfter hier mit dem Ausdruck Meditation bezeichnete. Man muß das Wort Meditation nur in dem Umfange nehmen, in dem es hier gemeint ist, als technischen Ausdruck für das Erstreben, eine solche Fähigkeit auszubilden, durch die der Seelenblick hingerichtet werden kann gerade auf diese Entwickelung des Denkens. Und man kann wirklich diese Einstellung der inneren Seelenkräfte nach dieser Richtung hin erreichen durch das, was man als Meditation bezeichnet, wenn diese Meditation in rechtem Sinne getrieben wird. Ich kann hier selbstverständlich immer in bezug auf das, was Meditation ist, nur das Prinzipielle angeben. Das Genauere ist in meinen Büchern zu finden, namentlich in dem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo im einzelnen die Seelenverrichtungen, gleichsam die inneren Seelenexperimente auseinandergesetzt werden, die das ganze Seelenleben auf den Weg bringen, der eben prinzipiell jetzt hier angedeutet werden soll. Es muß das Denken, das Vorstellen öfter in eine Möglichkeit gebracht werden, so daß es gleichsam dasteht, wie äußere Dinge dastehen, daß man es anschauen kann, daß man es gleichsam fester hält, im inneren Seelenvermögen fester hält, als man gewöhnt ist, es zu halten, wenn man das Denken nur so verlaufen läßt, daß es einem zum Verständnis der äußeren Welt dient. Und um die Seele in eine solche Richtung zu bringen, muß man immer wieder und wiederum, nun aus innerster Freiheit und Willkür heraus, dem Denken eine Richtung geben, die man ihm nur gibt, um das eben Angedeutete wirklich innerlich zu verspüren, innerlich zu erleben, um dieses Denken so zu erkraften, daß man das Angedeutete innerlich erleben kann. Dazu muß man in das Denken, in das Vorstellen herein Inhalte, Gedanken, Vorstellungen bringen, auf die man nun sein ganzes inneres Seelenleben zusammenzieht, so daß man wirklich die Welt und alles, was um uns herum ist, vergißt, den ganzen Ablauf des übrigen Seelenlebens außer acht läßt, um nach einem Punkte, nach einem Gedankeninhalt, den man selber in den Mittelpunkt des Vorstellens gestellt hat, alle seine Seelenkräfte hinzukonzentrieren, hinzurichten. Es ist eine scheinbar anspruchslose Betätigung des inneren Seelenlebens, aber man könnte mit Bezug auf das, was hier gemeint ist, wie es im Goetheschen «Faust» heißt, sagen: «Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer!» Es ist leicht im allgemeinen, dem Denken eine solche Richtung zu geben, wie sie hier angedeutet ist. Aber um wirklich die innere Kraft aufzubringen, die notwendig ist, um das Denken in seinem Tun zu betrachten, muß der Vorgang immer und immer wiederholt werden. Je nach der Anlage des Menschen dauert es wochen-, monate-, jahrelang, bis irgendein Ergebnis erreicht wird. So daß allerdings die meisten Menschen, wenn sie einen solchen inneren Weg nehmen, längst die Geduld verloren haben, wenn es zu irgendeinem Ergebnis kommen könnte.

[ 11 ] This is what the soul’s gaze must be directed toward. And in order to enter realms where the eternal forces of soul life unfold, it must be possible to look beyond the content of thought and direct one’s soul’s gaze toward the act of thinking, toward the activity of thinking—toward what one does by thinking. This is achieved systematically and methodically through an intimate inner process—which one might also call an intimate inner soul experiment—and which I have often referred to here as “meditation.” One must understand the word “meditation” only in the sense intended here—as a technical term for the endeavor to cultivate a capacity through which the soul’s gaze can be directed precisely toward this development of thought. And one can truly achieve this orientation of the inner soul forces in this direction through what is called meditation, provided this meditation is practiced in the proper sense. Of course, I can only outline the basic principles here regarding what meditation is. More detailed information can be found in my books, particularly in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, where the soul’s activities—the inner soul experiments, so to speak—are explained in detail; these set the entire life of the soul on the path that is now to be outlined here in principle. Thinking and imagination must be brought into a state of possibility more often, so that they stand, as it were, just as external things do—so that one can observe them, hold them more firmly, as it were, within the inner faculties of the soul than one is accustomed to holding them when one simply allows thought to proceed in a way that serves one’s understanding of the external world. And to steer the soul in this direction, one must, again and again—out of the deepest freedom and of one’s own volition—give thought a direction that one sets for it solely to truly feel what has just been indicated from within, to experience it inwardly, and to strengthen this thinking to the point where one can experience what has been indicated from within. To do this, one must introduce into one’s thinking and imagination contents, thoughts, and images toward which one now focuses one’s entire inner soul life, so that one truly forgets the world and everything around us, disregards the entire course of the rest of one’s soul life, in order to concentrate and direct all one’s soul forces. It is a seemingly undemanding exercise of inner spiritual life, but with regard to what is meant here, one could say, as in Goethe’s *Faust*: “True, it is easy, yet the easy is hard!” It is generally easy to direct one’s thinking in the manner suggested here. But in order to truly muster the inner strength necessary to observe one’s thinking in action, the process must be repeated over and over again. Depending on a person’s disposition, it takes weeks, months, or even years before any result is achieved. Consequently, most people who embark on such an inner path have long since lost patience by the time any result might be attained.

[ 12 ] Dann muß dabei noch dieses berücksichtigt werden: Wenn wir aus unserem Seelenleben, so wie es uns die Erinnerung etwa darbietet, irgendeinen Gedanken nehmen, so kann uns dieser Gedanke, den wir öfter gedacht haben, der an das oder jenes Äußere anknüpft, zu der angedeuteten Verrichtung nicht viel helfen. Denn wenn der Mensch aus dem Umfang seines Seelenlebens einen Gedanken heraufholt, dann verknüpft sich mit diesem Gedanken eine Unsumme von mehr oder weniger sonst unbewußt darin lebenden Empfindungen und Empfindungsresten; und man erlebt an diesem Gedanken manches, was man nur dadurch erlebt, daß sich der Gedanke mit vielem anderen, das uns für das gewöhnliche Leben nicht bewußt ist, in Zusammenhang gebracht hat. Man kann nicht wissen, ob das, was man an diesen Gedanken dann erlebt, nicht irgendwie eine Reminiszenz, irgendeine verborgene Erinnerung aus dem gewöhnlichen Leben ist. Und schließlich, wenn man einen Gedanken nimmt, der an irgend etwas Äußeres anknüpft, so kann man auch nicht so ganz sicher sein. Denn, indem wir uns einen Gedanken an der äußeren Welt bilden, geht dieser Gedanke allerdings in unser Bewußtsein hinein, aber wir sind uns nie völlig klar bewußt, welchen Eindruck wir mehr oder weniger unbewußt noch nebenher bekommen. Man kann sich meinetwillen irgendeinen Gedanken von einem äußeren Gegenstand, den man gesehen hat, in das Bewußtsein versetzen. Und es kann, indem man nun alle Seelenkraft darauf konzentriert, ganz gut irgend etwas, was man sich nicht in einer unmittelbaren Anschauung zum Bewußtsein brachte, dann auftauchen, und man kann glauben, man habe das, was man da erlebt, irgendwie aus unbekannten Welten heraufgebracht, während man es nur aus der eigenen Seele, aus dem Teile, der sonst unbewußt bleibt, heraufgebracht hat. Daher ist es am besten, wenn man solche Vorstellungen bildet, die man gut überschauen kann und bei denen man nicht der Gefahr ausgesetzt ist, daß sie irgend etwas aus dem Seelenleben heraufholen und uns dann ein Erleben vorgaukeln, das nichts anderes ist als Reminiszenzen des eigenen unterbewußten Seelenlebens. Damit das nicht stattfindet, ist es gut, sich einen Gedanken zu bilden oder einen Gedanken aus der Literatur der Geisteswissenschaft zu nehmen, den man überschauen kann, an den man sozusagen noch keine Gewohnheiten geknüpft hat, von dem man weiß, wie sich seine einzelnen Teile zusammensetzen, von dem man weiß, daß er nicht in unterbewußter Weise etwas heraufruft aus dem Seelenleben, das sich einem dann vor Augen stellt, statt daß man etwas Neues erlebt. Ich habe daher oftmals gesagt: Da es gar nicht darauf ankommt, daß man durch diese Verrichtungen des Seelenlebens, die man Meditation nennt, irgend etwas Äußeres erkennt, irgend eine äußere Wahrheit sich vergegenwärtigt, so ist es gut, sinnbildliche Vorstellungen zu nehmen, über die man von vorneherein klar ist: sie drücken nichts Äußerliches aus, sie werden nur in den Mittelpunkt des Denkens gestellt, um das Denken daran zu betätigen, um das Denken daran zu erkraften. Denn es kommt alles darauf an, die Verrichtungen des Denkens lebendig zu ergreifen, indem man sie verrichtet. Aus freier innerer Betätigung muß man in den Mittelpunkt des Seelenlebens einen Inhalt stellen, und dann sich ganz und gar auf diesen Inhalt beschränken. Es brauchen nur Minuten auf den einzelnen Inhalt für die einzelne Übung verwendet zu werden, denn es kommt in der Regel gar nicht auf die Länge der Zeit an, sondern darauf, wie weit es einem wirklich gelingt, die Seelenkraft so zu konzentrieren, daß sie sich auf einen Punkt hinrichtet und dadurch innerlich erkraftet, innerlich erstarkt, so daß diese innere Denktätigkeit nicht unbemerkt bleibt, sondern eben mit solcher Stärke auftritt, daß man sie innerlich verspüren, daß man sie innerlich erleben kann. Wenn man nun mit genügender Geduld und Ausdauer und Energie immer wieder und wiederum ein solches Seelenexperiment macht, so kommt man zuletzt dazu, das Denken, dasjenige, was sonst sich entzieht als innerer Denkprozefß, wirklich vor seine Seele hinzustellen, wirklich in ganz anderer Weise sich zu seiner Innerlichkeit stellen zu können, als man sich sonst zu dieser Innerlichkeit gestellt hat. Man kommt dazu, etwas ganz Neues in sich zu entdecken. Neu ist es aber nur für das Bewußtsein; es ist immer da im Menschen. Die Seelenverrichtungen, die man vollbracht hat, führen bloß dazu, es zu bemerken. Es ist in jedem Menschen immer vorhanden, was man da entdeckt. Aber wie einen neuen Menschen im Menschen, wie etwas, von dem wir bemerken, daß es uns auch ausfüllt, was wir bisher nicht gewußt haben -, einen neuen Menschen im Menschen können wir jetzt umfassen mit der Kraft, die wir gewahr worden sind durch die Erfassung, durch die innerliche Erkraftung, Erstarkung des Denkens. Und das führt uns nun, wenn wir es genügend lange, genügend intensiv und geduldig treiben, wirklich über die Sphäre dessen hinaus, was wir im gewöhnlichen Denken und Vorstellen haben, führt uns zu einer ganz anderen Anschauungsweise unserer Seele, als diejenige ist, an die wir gewohnt sind. Aber wir bemerken zugleich etwas, was allerdings erst an einem Punkt bemerkt werden kann, der da liegt, wo der Mensch wirklich bei einem Ergebnis ankommt. Man muß geduldig abwarten, bis eintritt, was jetzt erzählt wird als ein Ergebnis, zu dem man eben kommt. Man kommt zu einem erschütternden Ergebnis. |

[ 12 ] Then there is this to consider: When we take any thought from our inner life—as memory, for example, presents it to us—that thought, which we have often had and which is linked to this or that external circumstance, may not be of much help to us in carrying out the task in question. For when a person draws a thought from the realm of their inner life, a vast number of feelings and remnants of feelings—which otherwise lie more or less unconscious within it—are linked to that thought; and one experiences many things in connection with this thought that one experiences only because the thought has become associated with much else that is not conscious to us in ordinary life. One cannot know whether what one then experiences in connection with these thoughts is not somehow a reminiscence, some hidden memory from ordinary life. And finally, when one takes a thought that relates to something external, one cannot be entirely certain either. For when we form a thought about the external world, that thought does indeed enter our consciousness, but we are never fully aware of the impressions we receive more or less unconsciously alongside it. One can, for example, bring any thought of an external object one has seen into consciousness. And by concentrating all one’s spiritual power on it, something that one did not bring into consciousness through direct perception may well emerge; and one may believe that one has somehow brought forth what one is experiencing from unknown worlds, whereas one has merely brought it forth from one’s own soul—from the part that otherwise remains unconscious. Therefore, it is best to form ideas that one can easily grasp and with which one is not exposed to the danger that they might draw something up from the life of the soul and then lead us to believe we are experiencing something that is nothing more than reminiscences of one’s own subconscious soul life. To prevent this from happening, it is good to form a thought—or to take a thought from the literature of spiritual science—that one can fully grasp, to which one has not yet, so to speak, attached any habits, whose individual parts one knows how they fit together, and which one knows will not subconsciously evoke anything from one’s inner life that then presents itself to one’s mind, rather than experiencing something new. I have therefore often said: Since it does not matter at all that, through these activities of the soul—which we call meditation—one perceives anything external or brings any external truth to mind, it is good to take symbolic images about which one is clear from the outset: they do not express anything external; they are merely placed at the center of one’s thinking in order to engage the mind in them, to strengthen the mind through them. For it all comes down to grasping the activities of thinking vividly as one performs them. Through free inner activity, one must place a specific content at the center of one’s inner life and then confine oneself entirely to that content. Only a few minutes need to be devoted to each specific content for each individual exercise, for as a rule it does not depend on the length of time at all, but rather on the extent to which one truly succeeds in concentrating the soul’s power so that it is directed toward a single point and thereby gains inner strength, becomes inwardly fortified, so that this inner thought activity does not go unnoticed, but rather manifests itself with such intensity that one can feel it inwardly, that one can experience it inwardly. If one now carries out such a soul experiment again and again with sufficient patience, perseverance, and energy, one eventually comes to truly set thinking—that which otherwise eludes us as an inner thought process—before one’s soul, and to relate to one’s inner self in a completely different way than one has otherwise related to it. One comes to discover something entirely new within oneself. But it is new only to one’s consciousness; it is always present within the human being. The spiritual exercises one has undertaken merely lead to becoming aware of it. What one discovers there is always present in every human being. But as a new human being within the human being—as something we perceive to be filling us, something we did not know before—we can now embrace this new human being within the human being with the strength we have become aware of through comprehension, through the inner strengthening and fortification of thought. And this now leads us—if we pursue it long enough, intensely enough, and with sufficient patience—truly beyond the sphere of what we have in ordinary thinking and imagination; it leads us to a completely different way of viewing our soul than the one to which we are accustomed. But at the same time we notice something that can, however, only be perceived at a point where the human being truly arrives at a result. One must wait patiently until what is now described as a conclusion—the one one has just reached—actually occurs. One arrives at a profound conclusion. |

[ 13 ] Dieses erschütternde Ergebnis erinnert immer wiederum an einen Ausdruck, der oft gebraucht worden ist im Laufe der menschlichen Entwickelung. Er ist gebraucht worden innerhalb derjenigen Kreise, die etwas davon gewußt haben, daß es eine solche Erweiterung des Seelenlebens gibt wie diejenige ist, von der hier gesprochen wird. Nun muß man allerdings, um das zu erläutern, was hier gemeint ist, sagen: Geisteswissenschaft in dieser Art, wie sie hier gemeint ist, ist erst in unserem Zeitalter möglich. Die Menschheit ist in Entwickelung. Was in einem späteren Zeitalter in irgendeiner Art auftritt, war in einem früheren Zeitalter nicht möglich. Ist doch auch die neuere Naturwissenschaft, wie sie sich etwa seit den Zeiten des Galilei, des Kepler, des Kopernikus entwickelt hat, in älteren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht möglich gewesen. Aber diese älteren Epochen mußten vorangehen. Man versuchte sich in diesen älteren Epochen in ganz anderer Weise in das Innere der Natur einzuleben, als das in der gegenwärtigen Epoche der Fall ist. Wie die Naturwissenschaft in ihrer neueren Gestalt zum Beispiel in der griechisch-römischen Zeit noch nicht möglich gewesen ist — rein äußerlichen Tatsachen nach nicht möglich gewesen ist, nicht nur einem Prinzip nach -, so ist Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und ihrer Methode nach hier geschildert wird, etwas, was in unserer Zeit erst aufdämmern kann innerhalb der Menschheitsentwickelung. Aber wie man sich auch vor der gegenwärtigen Naturwissenschaft in diese Natur vertieft hat nach Art derjenigen Menschheitskräfte, die eben dazumal innerhalb der menschlichen Entwickelung an der Oberfläche lagen, so hat man auch früher gesucht, zu den ewigen Kräften der Menschenseele zu kommen und in der anderen Art der Vorzeit die menschlichen Seelenkräfte weiter zu entwickeln, so daß sie in alter Art dasjenige schauen konnten, was als Ewiges der menschlichen Seelenentwickelung zugrunde liegt. Damals hat man schon in einem viel gebrauchten Wort darauf hingewiesen, wozu man kommt durch eine Entwickelung des inneren Seelenlebens, wie sie angedeutet worden ist; man hat gesagt, der Mensch müsse, um die ewigen Gründe seines Seelenlebens zu erreichen, an die Pforte des Todes herantreten. Dieses Wort: «an die Pforte des Todes herantreten», man lernt es in seiner vollen Bedeutung dadurch erkennen, daß man es wirklich bis zu einem gewissen Punkte jenes innerlichen Erlebens bringt, das eben geschildert worden ist als Meditation. Man kommt nämlich an einen Punkt, wo man zwar in sich einen wirklichen zweiten Menschen entdeckt, einen Menschen, der eben nur durch das erkraftete Denken so umfaßt werden kann, wie man durch das gewöhnliche umfassende Wollen, durch das, was man sonst in sich betätigen kann, den gewöhnlichen physischen Menschen erfaßt. Man kommt zu diesem zweiten Menschen in sich, der innerlich sozusagen befühlt wird von dem sich erkraftenden Denken, aber man kommt zugleich dazu, einzusehen, durch unmittelbares Anschauen einzusehen, wie dieser zweite Mensch zusammenhängt, jetzt nicht mit aufbauenden, sondern mit abtragenden Kräften unseres menschlichen Organismus. Man kommt dazu einzusehen, daß man im Grunde genommen die Bedingungen des Todes seit der Geburt oder, sagen wir, seit der Empfängnis in sich trägt; daß gewisse Vorgänge im Menschen real sind, die sich abspielen und die, wenn sie an einem gewissen Punkte angelangt sind, eben zum Tode führen müssen. Neben dem, was den Menschen belebt, neben dem, was der aufsteigende Lebensprozeß ist, den man ja auch mit den gewöhnlichen Seelenkräften nicht anschauen kann, steht dasjenige, was abtragende Seelenkräfte sind, was, ich möchte sagen, zerstörende Seelenkräfte sind. Und mit der höchsten Blüte dieser zerstörenden Seelenkräfte, mit dem, was im Menschen waltet und webt als, man kann sagen, Todesursache, als fortdauernde Todesursache, sieht man aufs innigste verbunden dasjenige, was nun dieser zweite Mensch ist, den man gleichsam innerlich durchfühle mit dem Denken. Wahrhaftig, nur durch eine innere Erfahrung kann man dazu kommen, solches zu behaupten, was ich jetzt behaupte, Gerade so wenig, wie jemand, der nicht weiß, daß in der Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerteilt wird, etwas über den Wasserstoff oder Sauerstoff auszumachen vermag, gerade so wenig vermag man aus dem gewöhnlichen Seelenleben heraus irgend etwas auszumachen über das Erlebnis, das jetzt angedeutet worden ist und das eben zu allen Zeiten mit den Worten ausgesprochen worden ist: man trete an die Pforte des Todes heran.

[ 13 ] This startling finding brings to mind, time and again, an expression that has often been used throughout the course of human development. It has been used within those circles that have been aware of the existence of such an expansion of the soul life as the one being discussed here. Now, however, in order to explain what is meant here, it must be said: spiritual science of the kind referred to here is only possible in our age. Humanity is evolving. What appears in some form in a later age was not possible in an earlier age. After all, modern natural science—as it has developed, for example, since the times of Galileo, Kepler, and Copernicus—was not possible in earlier epochs of human development. But these earlier epochs had to come first. In those earlier epochs, people sought to attune themselves to the inner nature of the world in a very different way than is the case in the present epoch. Just as modern science in its current form was not yet possible, for example, in Greco-Roman times—not possible based on purely external facts, not merely in principle—so too is spiritual science, as it is understood here and described in terms of its method, something that can only now begin to dawn within the course of human development. But just as people in the past delved into nature even before the advent of modern natural science, in accordance with the human faculties that were then at the surface of human development, people also sought in earlier times to reach the eternal forces of the human soul and, in the different manner of antiquity, to further develop the human soul’s powers so that they could perceive, in the ancient way, what lies at the foundation of human soul development as the eternal. Even back then, a frequently used phrase was employed to indicate what one attains through a development of the inner soul life, as has been suggested; it was said that in order to reach the eternal foundations of one’s soul life, a person must approach the gateway of death. One comes to recognize the full meaning of this phrase—“to approach the threshold of death”—by actually bringing the inner experience just described as meditation to a certain point. One reaches a point, in fact, where one discovers within oneself a genuine second human being—a human being who can be encompassed only through strengthened thinking, just as one grasps the ordinary physical human being through ordinary, all-encompassing will, through what one can otherwise bring to bear within oneself. One arrives at this second human being within oneself, who is, so to speak, sensed inwardly by the thinking that has gained strength, but at the same time one comes to realize—through direct perception—how this second human being is connected, not with the constructive but with the destructive forces of our human organism. One comes to realize that, fundamentally speaking, one carries within oneself the conditions of death from birth—or, let us say, from conception; that certain processes in the human being are real, processes that unfold and which, once they have reached a certain point, must inevitably lead to death. Alongside that which animates the human being—alongside the ascending life process, which, after all, cannot be perceived even with the ordinary soul forces—there stands that which consists of destructive soul forces; what, I might say, are destructive soul forces. And with the highest flowering of these destructive soul forces—with that which reigns and weaves within the human being as, one might say, the cause of death, as a continuous cause of death—one sees most intimately connected that which is now this “second human being,” whom one, as it were, feels inwardly through thinking. Truly, only through inner experience can one arrive at the assertion I am now making, Just as someone who does not know that water is split into hydrogen and oxygen through electrolysis is unable to discern anything about hydrogen or oxygen, so too is one unable, from ordinary soul life, to discern anything about the experience that has now been hinted at and that has always been expressed in words: one approaches the gate of death.

[ 14 ] Man erlebt, daß ebenso wie im Wasser etwas ist, das man auch nicht unmittelbar, wenn man das Wasser beschaut, sehen kann als Wasserstoff und Sauerstoff, so auch etwas im Menschen ist, was mit seinem Denken, zugleich aber auch mit den ihm den Tod gebenden Kräften zusammenhängt. Man schaut in sich den Menschen, der es bewirkt, daß man gerade das reinste, das abstrakteste Denken, dasjenige, was einen für das gewöhnliche Leben am weitesten bringt, zwischen Geburt und Tod haben kann, daß man es aber nicht haben könnte, wenn nicht die todgebenden Kräfte im Menschen zu ihrer höchsten Blüte kommen würden. Und indem man gerade durch die Erkraftung des Denkens das in sich entdeckt, was den Tod bringt, gliedert sich unmittelbar eine Erfahrung an, ein inneres Erfahrungswissen — man kann es nicht anders nennen, als ein inneres Erfahrungswissen —, nicht etwas, was durch einen Vernunftschluß jemals zu erreichen wäre; ebensowenig wie wenn man das Wasser äußerlich anschaut, durch einen Vernunftschluß zu erreichen ist, daß da Wasserstoff und Sauerstoff darinnen ist. Man erlangt die Erfahrung, daß man sich sagt: Man schaut jetzt hinaus über den Umfang desjenigen, was das gewöhnliche Bewußtsein überschaut und lernt in sich kennen den Menschen, der zwischen Geburt und Tod mit den todgebenden Kräften zusammenhängt. Aber man lernt ihn zugleich so kennen, daß man, indem man ihn durchschaut, in diesem zweiten Menschen dasjenige kennen lernt, was da war vom Menschen, bevor er durch die Geburt oder sagen wir die Empfängnis in das physische Dasein hereingetreten ist. Man lernt von diesem Momente an wissen, daß nicht nur die Vererbe-Kräfte von den Vorfahren, von Vater und Mutter, den Menschen in das Dasein hereingestellt haben, sondern daß sich verbunden haben mit dem, was in der Vererbungsströmung liegt, geistige Kräfte, die aus einer rein geistigen Welt heraus gekommen sind.

[ 14 ] One experiences that, just as there is something in water—namely, hydrogen and oxygen—that one cannot see directly when observing the water, so too there is something in the human being that is connected both to their thinking and, at the same time, to the forces that bring about their death. One looks within oneself at the human being who makes it possible to have, between birth and death, precisely the purest, most abstract thinking—the kind that takes one furthest in ordinary life—yet one could not have it if the forces within the human being that bring about death did not reach their highest flowering. And as one discovers within oneself—precisely through the strengthening of thought—that which brings about death, an experience immediately follows, an inner experiential knowledge—one cannot call it anything other than an inner experiential knowledge—not something that could ever be reached through a rational inference; just as one cannot, by observing water from the outside, reach the conclusion through rational deduction that it contains hydrogen and oxygen. One gains the experience of saying to oneself: One now looks beyond the scope of what ordinary consciousness surveys and comes to know within oneself the human being who, between birth and death, is connected to the life-giving forces. But one comes to know this person in such a way that, by looking through him, one comes to know in this second human being what was present in the human being before he entered physical existence through birth—or, let us say, conception. From this moment on, one comes to know that it is not only the hereditary forces from the ancestors—from the father and mother—that have brought the human being into existence, but that spiritual forces, which have come forth from a purely spiritual world, have joined themselves to what lies within the stream of heredity.

[ 15 ] Man ist gewohnt, im gewöhnlichen Leben nur dasjenige «Wissen» zu nennen, wozu man dadurch kommt, daß man gewisse Tatsachen aufzeigt, die schon vor der Erlangung des Wissens da sind. Für die geistigen Tatsachen wäre diese Denkweise genau dasselbe, wie wenn man sagen würde: Ich will einem anderen etwas mitteilen, aber ich spreche es nicht aus, denn dadurch, daß ich es ausspreche, ist es nicht mehr eine objektive Tatsache, die da ist; es muß sich von selber machen. — So wie man in dem Aussprechen etwas erzeugt, was sich aber doch nicht bloß seinem Inhalte nach in dem Ausgesprochenen erschöpft, so ist das geisteswissenschaftliche Erkennen an eine Tätigkeit gebunden, in der dasjenige erst aufgeht, was Inhalt des Wissens ist, so wie sich erst im Sprechen das erzeugt, was der Inhalt des Sprechens ist. Und man kommt jetzt wirklich dazu, einzusehen, daß auf geistigen Gebieten in einer höheren Form dasjenige vorhanden ist, wozu sich die Naturwissenschaft seit ungefähr der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts durchgerungen hat: das, was man «Umwandlung der Kräfte» nennt. Umwandlung der Kräfte ist es zum Beispiel — nun in der einfachsten Form — : Sie drücken auf den Tisch, und die Kraft Ihres Druckes, die Arbeit Ihres Druckes verwandelt sich in Wärme, Ihre Druckraft ist nicht verlorengegangen, sondern sie hat sich umgewandelt. Dieses Gesetz der Umwandlung der Kräfte hat ja die naturwissenschaftliche Gesinnung ergriffen und dadurch eine große Bedeutung erlangt. Derjenige, der als Geisteswissenschafter sich bis zu dem Punkte bringt, den ich angedeutet habe, der lernt erkennen, daß dasjenige, was unserem ganzen Denken zugrunde liegt und was ich eben jetzt «die todbringenden Kräfte» genannt habe, in der Tat ewige Lebekräfte sind, aber als ewige Lebekräfte sich nur betätigen können, wenn sie nicht einen Organismus, einen physischen Organismus ergreifen. Wenn sie vor der Geburt oder, sagen wir, vor der Empfängnis, in der rein geistigen Welt vorhanden sind, da sind sie ewige Lebekräfte. Und sie müssen die Form der ewigen Lebekräfte verlieren, sie müssen sich umwandeln in solche Kräfte, die nun zwischen Geburt und Tod, das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie haben damit zu tun, daß sie das Organ des physischen Denkens aufbauen. Sie können also erst wiederum sich in ihrem Geistcharakter betätigen, wenn das Organ des physischen Leibes, das Denkorgan, abgebaut ist. Daher ist es wirklich unmöglich, innerhalb des physischen Lebens das zu finden, von dem jetzt gesprochen worden ist. Denn man könnte gar nicht im gewöhnlichen Sinne denken, wenn man das finden könnte, wovon gesprochen worden ist. Man denkt im physischen Leben — das zeigt insbesondere die Geisteswissenschaft — mit dem Denkorgan. Nicht das Denken ist von dem ewigen Wirken und von den ewigen Kräften der menschlichen Seele geschaffen, sondern das Denkorgan; das muß zunächst immer da sein, damit das Denken sich betätigen kann. Dieses gewöhnliche physische Denken müßte also aufhören, wenn man gerade das anschauen wollte, worauf es ankommt. Nicht das Denken kommt aus den ewigen Kräften, sondern das Denkorgan, das hinter dem Denken verborgen bleibt. Und gerade dieses Denkorgan muß verborgen bleiben, damit das Denken zum Vorschein kommen kann.

[ 15 ] In everyday life, we are accustomed to calling “knowledge” only that which is arrived at by pointing out certain facts that already exist before the knowledge is acquired. With regard to spiritual facts, this way of thinking would be exactly the same as saying: I want to communicate something to another person, but I will not speak it aloud, because by speaking it, it is no longer an objective fact that exists; it must come about on its own. — Just as speaking brings something into being that is not, however, exhausted merely by its content in what is spoken, so spiritual-scientific knowledge is bound up with an activity in which that which is the content of knowledge first comes to fruition, just as it is only in speaking that what is the content of speech is brought into being. And one now truly comes to realize that in spiritual realms, in a higher form, there exists what natural science has struggled to grasp since about the middle of the nineteenth century: what is called the “transformation of forces.” The transformation of forces is, for example—in its simplest form—as follows: You press down on a table, and the force of your pressure, the work of your pressure, is transformed into heat; your force of pressure has not been lost, but has been transformed. This law of the transformation of forces has, of course, taken hold of the scientific mindset and thereby gained great significance. Anyone who, as a scholar of the spiritual sciences, advances to the point I have indicated learns to recognize that what underlies all our thinking—and what I have just called “the life-destroying forces”—are in fact eternal life forces; yet as eternal life forces, they can only be active when they do not take hold of an organism, a physical organism. When they exist in the purely spiritual world before birth or, let us say, before conception, they are eternal life forces. And they must lose the form of eternal life forces; they must transform themselves into forces that now, between birth and death, build up the organ of physical thinking. Their task is to build up the organ of physical thinking. They can therefore only resume their spiritual activity once the organ of the physical body—the organ of thought—has been broken down. For this reason, it is truly impossible to find within physical life what has just been described. For one could not think in the ordinary sense at all if one were able to find what has been described. In physical life—as spiritual science in particular shows—one thinks with the organ of thought. It is not thinking itself that is created by the eternal activity and the eternal forces of the human soul, but rather the organ of thought; this must always be present first, so that thinking can take place. This ordinary physical thinking would therefore have to cease if one were to contemplate precisely what is essential. It is not thinking that arises from the eternal forces, but the organ of thought, which remains hidden behind thinking. And it is precisely this organ of thought that must remain hidden so that thinking can come to the fore.

[ 16 ] Daher macht man auch, indem man in dieser eben angedeuteten inneren Seelenentwickelung vorschreitet, eine Erfahrung, die, ich möchte sagen, nicht minder erschütternd ist als diejenige, die eben bezeichnet worden ist mit dem hergebrachten Ausdruck «an die Pforte des Todes herankommen». Man macht die Erfahrung: Ja, dein Denken, das erkraftest du also; dein Denken, das wird in sich stärker, so daß es innerlich fühlen kann einen zweiten Menschen, der in dir ist. -— Aber eines gilt vor allen Dingen für dieses Denken. All das, was ich sagte, ist nur in der Hauptsache gemeint, aus dem Grunde, weil ja, indem man sich also im Innern der Seele entwickelt, immer ein Rest des gewöhnlichen Denkens bleibt, sonst würde man aus dem gewöhnlichen Denken herausspringen und in das andere hineinspringen müssen. Es ist also, was ich sage, immer nur vergleichsweise gemeint, das heißt so, daß es nicht in vollem Sinne, sondern nur in der Hauptsache gilt.

[ 16 ] Therefore, as one progresses in this inner development of the soul that has just been described, one has an experience that, I would say, is no less profound than the one just described by the traditional expression “approaching the gates of death.” One experiences: Yes, your thinking—that is what you are strengthening; your thinking becomes stronger in itself, so that it can inwardly sense a second human being who is within you. — But one thing applies above all else to this thinking. Everything I have said is meant only in a general sense, for the reason that, as one develops within the soul, a remnant of ordinary thinking always remains; otherwise, one would have to leap out of ordinary thinking and into the other. So what I am saying is always meant only in a relative sense—that is, it does not apply in the full sense, but only in the main.

[ 17 ] Das, was als besonders charakteristisch, als besonders bedeutsam hervortritt, indem das Denken sich erkraftet, ist etwas, was gerade eine gewisse Wichtigkeit darstellt für das gewöhnliche Seelenleben und jetzt für dieses Seelenleben, das sich erkraftet hat, eigentlich aufhört. Es besteht die Möglichkeit, durch das gewöhnliche Gedächtnis, durch das gewöhnliche Erinnerungsvermögen das zu behalten, was man also durch das Denken erreicht. Auch die Bequemlichkeit des gewöhnlichen Lebens hört auf, daß man einfach seine Gedanken dem Gedächtnis übermittelt und sie dann hat und sich nur zu erinnern braucht; auch das hört eigentlich auf. Man ist also, wenn man sein Denken erkraftet hat, trotz der Erkraftung zu einem Punkt gelangt, wo man fortwährend, indem man sich versetzt in dieses erkraftete Denken, vor dem Gefühle steht, daß sich einem dieses Denken gleich wieder verliert, indem es entsteht. Und das ist gerade die Schwierigkeit, die da macht, daß sehr viele Menschen die Geduld verlieren und gar nicht dazu kommen, solche inneren Seelenkräfte zu entwickeln, wie sie hier gemeint sind. Jemand, der Übungen wie die angedeuteten macht, der macht sie vielleicht lange; aber er beachtet nicht, daß man das, was man da erzeugt, eben so schwer behalten kann, wie man manchmal einen Traum behalten kann. Man weiß, wenn man aufwacht, ganz genau: Du hast dieses oder jenes geträumt, — aber man kann es nicht festhalten, es entschwindet. Und so ist es mit dem, was man da errungen hat. Es kann nur mit außerordentlicher Schwierigkeit dem gewöhnlichen Gedächtnis einverleibt werden.

[ 17 ] What emerges as particularly characteristic, as particularly significant, as thinking gains strength, is something that represents a certain importance for ordinary mental life and now, for this mental life that has gained strength, actually comes to an end. It is possible, through ordinary memory—through the ordinary faculty of recollection—to retain what one has thus attained through thinking. The convenience of ordinary life, too, in which one simply commits one’s thoughts to memory and then has them at hand, needing only to recall them—even that, in fact, comes to an end. So, once one has developed one’s thinking, despite having done so, one has reached a point where, by continually immersing oneself in this developed thinking, one is constantly confronted with the feeling that this thinking is lost again the very moment it arises. And this is precisely the difficulty that causes so many people to lose patience and never get around to developing the inner spiritual powers referred to here. Someone who does exercises like those described may do them for a long time; but they fail to realize that what one produces in this way is just as difficult to retain as a dream sometimes is. When one wakes up, one knows quite precisely: “I dreamed this or that”—but one cannot hold on to it; it vanishes. And so it is with what one has attained here. It can be incorporated into ordinary memory only with extraordinary difficulty.

[ 18 ] Daher ist es auch, wenn man geisteswissenschaftliche Wahrheiten vorträgt, so, daß man sie immer erst im Moment zu erzeugen hat; so sonderbar, so paradox es klingt, es ist eben wahr, daß man sie nicht aus dem gewöhnlichen Gedächtnis herausholen kann. Und warum ist das so? Aus dem Grunde, weil eben der Mensch, wie er im gewöhnlichen Leben steht, fortwährend die Tendenz hat, das, was er ja eigentlich erreicht durch die Formung, die Bildung des Organes des Denkens, das, was aus dem Ewigen herauskommt, in das Körperliche hinunter entschlüpfen zu lassen. Indem man es kaum erlangt hat, was einem da das Ewige präsentiert, entschlüpft es einem schon in das gewöhnliche Denkorgan hinein. Das heißt, es geht über in das gewöhnliche Seelenleben und verliert damit eben seine Ewigkeitsform. Fortwährend sieht man eigentlich, daß man im Entstehen etwas erfaßt, was einem sogleich wieder entschlüpft. Und erst lange Übung ist notwendig, um einigermaßen zu beobachten, was da entsteht und gleich wieder vergeht; um dasjenige, was da entstehend gleich wieder vergeht, in der Seele zu haben. So, merkt man, hat man eigentlich ein ganz anderes Bewußtsein nötig, als das Bewußtsein ist, das eben aus dem gewöhnlichen Denkorgan stammt. Und man kommt allmählich darauf — was wiederum ein erschütterndes Seelenerlebnis ist -: Ja, da erlangst du etwas durch deine Seelenentwickelung; aber mit dem Bewußtsein, das du da hast, das dir gerade in der fruchtbarsten Weise dient im gewöhnlichen Leben, kannst du es doch nicht festhalten. Denn dieses gewöhnliche Bewußtsein ist darauf organisiert, daß ihm gerade das Ewige entschwindet, damit es tüchtig sei. Da kommt zuletzt die Überzeugung heraus: Du brauchst ein anderes Bewußtsein, du brauchst ein Bewußtsein, das über dasjenige Bewußtsein hinausgeht, das dir für das gewöhnliche Leben fruchtbar wird, denn mit diesem Bewußtsein kannst du das Ewige nicht festhalten.

[ 18 ] That is why, when presenting truths from the humanities, one must always first create them in the moment; as strange and paradoxical as it may sound, it is simply true that one cannot draw them from ordinary memory. And why is that so? For the reason that human beings, as they exist in ordinary life, have a constant tendency to let what they actually attain through the shaping and formation of the organ of thought—that which emerges from the eternal—slip down into the physical realm. No sooner has one attained what the eternal presents to one than it already slips back into the ordinary organ of thought. That is to say, it passes into ordinary soul life and thereby loses its eternal form. One actually sees constantly that, as something arises, one grasps it only for it to slip away again immediately. And it takes a long time of practice to be able to observe to some extent what arises and passes away again at once; to hold within the soul that which arises and passes away again at once. Thus, one realizes that one actually needs a completely different kind of consciousness than the one that arises from the ordinary thinking faculty. And one gradually comes to the realization—which is, in turn, a profound spiritual experience—that: Yes, you do gain something through your soul’s development; but with the consciousness you possess—which serves you so fruitfully in ordinary life—you cannot hold onto it. For this ordinary consciousness is organized in such a way that the eternal slips away from it, precisely so that it may function effectively. Ultimately, this leads to the conviction: You need a different kind of consciousness; you need a consciousness that transcends the one that serves you fruitfully in everyday life, for with this consciousness you cannot hold on to the eternal.

[ 19 ] Daher ist es notwendig, daß solche reinen Gedankenübungen, wie sie als ein Glied des meditativen Lebens bezeichnet worden sind, durch andere Übungen ergänzt werden, die man nun Willensübungen, Willens-Gefühlsübungen nennen kann, Es genügt nicht, daß man das Denken, das Vorstellen, in der angedeuteten Weise innerlich erkraftet, denn man würde gerade durch dieses innerliche Erkraften dazu kommen, daß einem das Entstehende fortwährend vergeht. Daher muß die Geisteswissenschaft auch den Rat geben, den Willen in einer anderen Weise zu behandeln, als er im gewöhnlichen Leben behandelt wird. Der Wille im gewöhnlichen Leben verläuft so im Seelenleben, daß eigentlich die Aufmerksamkeit beim Wollen verwendet wird auf dasjenige, was geschehen soll, auf dasjenige, was aus dem Willen in die Tat hinausfließt, selbst wenn wir innerlich nur wollen, wenn es bei der Absicht bleibt — beim innerlichen Vorstellen des Wollens. Es wird immer die Aufmerksamkeit auf dasjenige gerichtet, in das sich der Wille auslebt, in das der Wille einfließt. Wenn man also dieselbe Mühe auf eine innerliche Willenskultur verwendet, wie sie in der angedeuteten Weise verwendet werden kann auf die Vorstellungs-, auf die Denkkultur, so kann man den Willen bis zu einem Punkte hin bringen, durch den man eine Entwickelungsmöglichkeit des Willens erlangt, die notwendig ist, um zu den ewigen Kräften der Menschenseele heranzukommen. Dazu ist allerdings notwendig, daß man innerliche Willensübungen so vornimmt, daß man wirklich recht intensive Seelenruhe herstellt, das Auf- und Abwogen der Begehrungen, das Auf- und Abwogen der sonstigen Wunschimpulse, die im Leben eine großeRolle spielen, beruhigt, daß man gewissermaßen vollständige Meeresstille in seinem inneren Seelenleben herstellt und dann sich darauf besinnt, was man vielleicht zu irgendeiner Zeit gewollt hat. All die Lebendigkeit, in die das Wollen versetzt wird, wenn es unmittelbar gegenwärtiges Wollen ist, nimmt man sozusagen dadurch weg, daß man erinnertes Wollen vor sich hinstellt, daß man etwa am Abend zurückschaut auf das, was man während des Tages gewollt hat, und jetzt dieses Wollen so auf sich wirken läßt, daß man nicht etwa ein innerlicher Kritiker wird, sondern daß man dieses Wollen anschaut; daß man es anschaut jetzt, wo es nicht mehr unmittelbar dazu verleitet, die Aufmerksamkeit allein auf die äußeren Taten hinzulenken, sondern wo man nun dadurch, daß das Wollen sich im inneren Seelenleben von der äußeren Tätigkeit losgelöst hat, wo man die Aufmerksamkeit auf dasjenige hinlenken kann, was das Seelenleben ist und was es im Wollen verrichtet. Man kommt auch weiter auf diesem Gebiete, wenn man sich anstrengt, ich möchte sagen, wiederum wie einrein innerliches Experiment, dasjenige, was man aus diesem oder jenem Grunde gut fand zu wollen, in das Innere seines Seelenlebens zu stellen, und dann in feiner, in intimer Weise sich vergegenwärtigt: Was erlebst du, indem du deine Seele hineinversetzest in die Lage, das zu wollen? — wobei man ganz absieht von dem, was mit dem Gewollten selbst zusammenhängt, sondern sich nur versetzt in das, was die Seele innerlich erfühlt, indem sie das Wollen durchmacht.

[ 19 ] It is therefore necessary that such pure mental exercises—which have been described as a component of the meditative life—be supplemented by other exercises, which may now be called exercises of the will or exercises of the will and emotion, It is not enough to strengthen thinking and imagination internally in the manner described, for it is precisely through this internal strengthening that one would find what is emerging constantly slipping away. Therefore, spiritual science must also advise treating the will in a different way than it is treated in ordinary life. In ordinary life, the will functions in the soul in such a way that, when we will, our attention is actually directed toward what is to happen—toward what flows from the will into action—even if we are merely willing inwardly, even if it remains at the level of intention—the inner visualization of the will. Attention is always directed toward that into which the will is expressed, into which the will flows. If, therefore, one applies the same effort to cultivating the will inwardly as one might apply to cultivating imagination and thought in the manner described, one can develop the will to a point where one attains a capacity for its further development—a capacity that is necessary to approach the eternal forces of the human soul. To achieve this, however, it is necessary to perform inner exercises of the will in such a way as to truly establish a deep inner peace, calms the ebb and flow of desires and the ebb and flow of other impulses of desire that play a major role in life, so that one creates, as it were, complete stillness—like that of the sea—in one’s inner soul life, and then reflects on what one may have wanted at some point in time. All the vitality that will is imbued with when it is an immediate, present will is, so to speak, removed by setting one’s remembered will before oneself—by, for example, looking back in the evening on what one willed during the day, and now allowing this will to take effect on oneself in such a way that one does not become an inner critic, but rather observes this will; that one observes it now, when it no longer directly tempts one to direct one’s attention solely toward external actions, but rather, because the will has become detached from external activity within the inner life of the soul, one can now direct one’s attention to what the life of the soul is and what it accomplishes in the will. One also makes further progress in this area by making an effort—I would say, once again as a purely inner experiment—to place within the innermost depths of one’s soul life that which, for one reason or another, one deemed good to will, and then to bring to mind in a subtle, intimate way: What do you experience when you place your soul in the position of willing that? — while completely setting aside what is connected to the object of the will itself, and instead focusing solely on what the soul feels inwardly as it goes through the act of willing.

[ 20 ] Wiederum sind lange Übungen nach jener Richtung hin notwendig, wenn man zu einem Ergebnis kommen will; aber man kommt zu einem Ergebnis: man entdeckt nämlich, daß man eigentlich während des Lebens einen unsichtbaren, einen unwahrnehmbaren Zuschauer fortwährend mit sich trägt. Wiederum einen Menschen, einen neuen Menschen entdeckt man, allerdings einen Menschen, der immer da ist, der aber nicht beachtet wird. Ebensowenig, wie der vorhin charakterisierte innere Mensch im Vorstellen, im Denken beachtet wird, wird im Wollen, weil die Aufmerksamkeit auf etwas ganz anderes gelenkt wird, dieser innere Zuschauer bemerkt. Dieser innere Mensch ist aber jetzt tatsächlich ein Bewußtsein, das unbewußt — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf — immer in uns ist, das nicht heraufgehoben wird in das gewöhnliche Bewußtsein, das aber doch da ist.

[ 20 ] Once again, extensive practice in this direction is necessary if one wishes to reach a conclusion; but one does reach a conclusion: namely, one discovers that, throughout one’s life, one is constantly carrying an invisible, imperceptible spectator with oneself. Once again, one discovers a person, a new person—albeit a person who is always there but who goes unnoticed. Just as the inner person described earlier goes unnoticed in imagination and thought, so too is this inner spectator overlooked in the act of willing, because one’s attention is directed toward something entirely different. This inner person, however, is in fact a consciousness that—if I may use the paradoxical expression—is always unconsciously within us, that is not brought up into ordinary consciousness, but is nonetheless present.

[ 21 ] Es ist schwierig, über diese Dinge zu reden aus dem Grunde, weil man über Dinge spricht, die zwar Realitäten sind, aber dem Menschen eigentlich ungewohnt sind; ungewohnt deshalb, weil sie im gewöhnlichen Leben nicht zum Bewußtsein gebracht werden. Der Geisteswissenschafter redet von nichts Neuem. Er redet von nichts, was nicht vorhanden wäre, Er zeigt nur auf, was in jedem Menschen vorhanden ist. Aber um es aufzuzeigen, ist es eben notwendig, sich ihm so zu nahen, daß man sich ihm tätig naht; daß man nicht bloß Tatsachen aufzeigt, die ein Sein verbürgen wollen, sondern für die Beobachtung erst hervorbringt, was ist, was aber nur durch die Tätigkeit aufgezeigt werden kann.

[ 21 ] It is difficult to talk about these things because one is speaking of realities that are, in fact, unfamiliar to human beings; they are unfamiliar because they are not brought to consciousness in everyday life. The spiritual scientist speaks of nothing new. He speaks of nothing that does not exist; he merely points out what is present in every human being. But in order to point this out, it is necessary to approach it in such a way that one actively engages with it—not merely presenting facts intended to attest to its existence, but rather bringing forth for observation what actually is, which can only be revealed through active engagement.

[ 22 ] Und nun, wenn man es auf diesem Gebiete bis zu einem gewissen Punkt gebracht hat, dann geschieht in der Seele wiederum etwas, was einen zur tiefsten Erschütterung bringen kann. Man lernt jetzt in umfänglichem Maße etwas kennen, das man ja im äußeren Leben namentlich innerhalb der Absichten, der Wünsche, des Willens, die man in der Seele hat, fortwährend erlebt, aber, ich möchte sagen, nur seiner Außenseite nach, nur stückweise erlebt. Man erlebt in umfänglicher Weise, was man nennen kann: das unmittelbare Anschauen, das unmittelbareErfühlen dessen, was Leid, was Schmerz ist. Denn es ist im Grunde genommen mit jedem Stück dieser Erringung des sonst unbewußt bleibenden Bewußtseins Entbehrung, Schmerz verbunden. Aber die beiden Erlebnisse gliedern sich nun zusammen. Das eine Erlebnis, das einen bis zu der Wahrnehmung, ich möchte sagen, der Blüte der Sterbekraft im Menschen geführt hat, und dasjenige Erlebnis, das einen geführt hat bis zu der Wahrnehmung eines unbewußten Bewußtseins, das im Menschen immer vorhanden ist, das dem Menschen immer als Beobachter zuschaut, — diese beiden Erlebnisse gliedern sich zusammen. Von dem ersten Erlebnis merkt man: Das kann im Grunde genommen nicht als solches Sein bezeichnet werden, wie sonst irgend ein Seiendes bezeichnet wird. Das kann sich nicht halten im Sein, wenn es nicht von einem Bewußtsein getragen wird, wenn es, mit anderen Worten, nicht von einem gewissen Bewußtsein erinnert wird. Und man macht eine Entdeckung - eines der großartigsten, gewaltigsten inneren Erlebnisse, die man zunächst auf dem Erkenntnisweg haben kann -, man macht die Entdeckung: Was du also erzeugst aus einer Erkraftung deines Denkens heraus, es ist wie ein flüchtiger Traum. Es kann an die Erinnerungsfähigkeit des gewöhnlichen Bewußtseins nicht heran. Wenn du aber dasjenige, was im Wollen lebt, als deine Beobachtung, als dein unterbewußtes Bewußtsein, wirklich auch in dir erkraftest, so ist dies jetzt das Bewußtsein, welches das andere erfassen kann, das sonst nicht zur Erinnerung kommen kann, und welches es halten kann.

[ 22 ] And now, once one has reached a certain point in this area, something happens in the soul that can cause the deepest upheaval. One now comes to know, to a great extent, something that one indeed experiences continually in external life—specifically within the intentions, desires, and will that one holds in the soul—but, I would say, only in its outward form, only in fragments. One experiences in a comprehensive way what one might call the direct beholding, the direct feeling of what suffering and pain are. For, fundamentally speaking, every aspect of this attainment of consciousness—which otherwise remains unconscious—is connected with deprivation and pain. But these two experiences now merge. The one experience that has led one to the perception—I would say—of the blossoming of the power of dying within the human being, and the experience that has led one to the perception of an unconscious consciousness that is always present within the human being, that always watches the human being as an observer—these two experiences merge. Regarding the first experience, one realizes: This cannot, strictly speaking, be described as “being” in the same way that any other existing thing is described. It cannot sustain itself in being unless it is supported by a consciousness—in other words, unless it is remembered by a certain consciousness. And one makes a discovery—one of the most magnificent, most powerful inner experiences one can initially have on the path of knowledge—one makes the discovery: Whatever you create through the exertion of your thinking is like a fleeting dream. It cannot compare to the capacity for memory of ordinary consciousness. But if you truly bring forth within yourself that which lives in the will—as your observation, as your subconscious consciousness—then this is now the consciousness that can grasp the other, which otherwise cannot be recalled, and which can hold onto it.

[ 23 ] Und jetzt ist man bei dem Erlebnis, das sich in bezug auf die wissenschaftliche Gesinnung ganz mit der Art vergleichen läßt, wie man es im äußeren Naturleben macht, wie man das äußere Naturleben beobachtet. Man sieht die Pflanze an. Man sieht, wie sie es bis zum Keime bringt in der Blüte und wie dieser Keim, wenn er in die Erde gesenkt wird, der Anfang einer neuen Pflanze ist. Das Ende bringt man mit dem Anfang zusammen, um einen Zyklus, einen Kreis aufzustellen. In derselben Weise, allerdings auf einer höheren Stufe, wird Ende und Anfang des physischen Menschenlebens erfaßt. Man weiß, daß dasjenige, das vor der Geburt, oder sagen wir der Empfängnis, vorhanden war, sich aus der geistigen Welt heraus vereinigt hat mit dem, was in der physischen Vererbungslinie liegt, was dieses physisch Organisierte im Menschen durchwallt und durchwebt. Man weiß, daß dies sich so auslebt, daß es ein Organ hervorbringt, daß dieses Organ es zum Denken bringt, und daß dessen äußerste Ausgestaltung es bis zur Erinnerung bringt; daß es aber damit, indem es aus der geistigen Welt herausgetreten ist, in dieser Umwandlung eine Form erreicht hat, die sozusagen eine höchste Blüte ist, die nun von einem Bewußtsein erfaßt werden muß, das ganz anderer Art ist als das, durch das es zunächst aus der geistigen Welt herauskommt, hervorgebracht wird. Dieses Bewußtsein liegt wie ein Bewußtseins-Same, wie etwas, was als Wollen zugrunde liegt, aber im gewöhnlichen Wollen, weil die Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet ist, nicht zum Bewußtsein kommt. Das, was als todgebend im Menschen liegt, verbindet sich, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, mit diesem Bewußtseins-Samen, der im Wollen liegt. Und das gewöhnliche physische Leben ist nur wie ein Auseinanderhalten des einen und des anderen. Wir leben so lange physisch, als das eine und das andere auseinandergehalten ist, solange als wir uns mit unserem Sein dazwischen stellen. Im Todeserlebnis tritt das ein, daß das erste von dem zweiten erfaßt wird, daß das Bewußtsein das erstere erfaßt und hinausträgt durch die Pforte des Todes wiederum in die geistige Welt hinein.

[ 23 ] And now we come to an experience that, in terms of scientific attitude, can be compared entirely to the way we approach the external natural world—the way we observe the external natural world. One looks at the plant. One sees how it brings forth a seed in the flower and how this seed, when planted in the earth, is the beginning of a new plant. One brings the end together with the beginning to form a cycle, a circle. In the same way, though on a higher level, the end and the beginning of physical human life are grasped. One knows that what existed before birth—or, let us say, conception—has united from the spiritual world with what lies in the physical line of inheritance, which surges through and interweaves with this physically organized aspect of the human being. We know that this plays out in such a way that it produces an organ, that this organ enables thinking, and that its ultimate development leads to memory; but that in so doing—by emerging from the spiritual world—it has attained, through this transformation, a form that is, so to speak, a supreme flowering, which must now be grasped by a consciousness that is of an entirely different kind than that through which it initially emerges from the spiritual world. This consciousness lies like a seed of consciousness, like something that underlies volition, but in ordinary volition—because attention is not directed toward it—does not rise to consciousness. That which lies within the human being as a source of death unites, when the human being passes through the gate of death, with this seed of consciousness that lies within the will. And ordinary physical life is merely a keeping of the one and the other apart. We live physically as long as the one and the other are kept apart, as long as we stand between them with our being. In the experience of death, what occurs is that the first is grasped by the second—that consciousness grasps the former and carries it out through the gate of death, back into the spiritual world.

[ 24 ] Ebenso, wie man am Pflanzensamen in der Blüte sieht, daß er den Zyklus wieder beginnt, wenn er durch die nötigen Zwischenbedingungen hindurchgeht, ebenso erlebtman, daß dasjenige, was vor der Geburt vorhanden war, was als todgebend im Menschen liegt, zu einem erneuerten Erdenleben herabsteigt, wenn es durch geistige Bedingungen hindurchgegangen ist. Man verbindet Ende und Anfang ganz im Sinne der naturwissenschaftlichen Gesinnung und kommt dadurch zu einer Bekräftigung dessen, was in einer der schönsten Phasen des neuzeitlichen Geisteslebens hervorgetreten ist und — so könnte man sagen — wie aus dem Denken eines tiefen Denkers hervorgesprungen ist: was durch Lessing hervorgetreten ist, als er seine reifste Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts» abschloß mit dem Hinweis auf die Denknotwendigkeit von den wiederholten Erdenleben. Damals sprang es wie aus einem Denken, das sich zu einer unabhängigen Weltanschauung durchgerungen hatte. Die neuere Geisteswissenschaft strebt an, das, was sich so in Lessings Denken hereingestellt hat, diese Lehre von den wiederholten Erdenleben wirklich wissenschaftlich, aber, wie wir sehen, innerlich wissenschaftlich zu erhärten! Sie wird heute ebenso als etwas Phantastisches, als etwas Träumerisches angesehen; wie zu einer gewissen Zeit, die gar nicht weit hinter uns liegt, die Lehre angesehen wurde: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen. — Aber wer eine solche Anschauung zu vertreten hat, dieerals Wahrheit erkannt hat, der weiß auch, daß die Wahrheit einen schwierigen Weg zu gehen hat in der Menschheit, aber daß sie diesen Weg auch findet!

[ 24 ] Just as one can see from the plant seed in the flower that it begins the cycle anew when it passes through the necessary intermediate stages, so too does one experience that which existed before birth—that which lies within the human being as a source of death—descending into a renewed earthly life once it has passed through spiritual conditions. One connects the end and the beginning entirely in the spirit of the natural sciences and thereby arrives at a confirmation of what has emerged in one of the most beautiful phases of modern spiritual life and—one might say—as if it had sprung from the thinking of a profound thinker: what emerged through Lessing when he concluded his most mature work, *The Education of the Human Race*, with a reference to the intellectual necessity of repeated earthly lives. At that time, it sprang, as it were, from a line of thought that had struggled its way to an independent worldview. Modern spiritual science strives to substantiate—truly scientifically, but, as we shall see, from within—that which thus took shape in Lessing’s thinking: this doctrine of repeated earthly lives! Today it is regarded just as much as something fanciful, something dreamlike, as the doctrine was regarded at a certain time not long ago: that the living can arise only from the living. — But whoever holds such a view, having recognized it as truth, also knows that truth has a difficult path to travel among humanity, yet that it will find that path!

[ 25 ] Phantastisch, träumerisch war es für die Mehrzahl der Menschen, als die neueren naturwissenschaftlich gesinnten Menschen aufgetreten sind und gesagt haben: Da meint der Mensch, daß ein Firmament oben den Raum begrenzt, während doch dieses Firmament nichts anderes ist als der Ausdruck des Endes des Schauvermögens selber. Was ihr als Firmament anschaut, das wird nur hervorgerufen durch euch selber; bis dahin dringt eben euer Blick, bis dahin dringt eben euer Schauen! Das ist nicht äußerlich in der Natur da, sondern äußerlich in der Natur ist die Raumesunendlichkeit da, in die unzählige Welten eingebettet sind! Auf dem Standpunkt, auf dem man dazumal stand, als die alte Vorstellung des Raumesfirmamentes zu überwinden war, auf diesem Standpunkt steht Geisteswissenschaft heute, ich möchte sagen, mit Bezug auf das geistige Firmament der menschlichen Seele zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod. Der Mensch sieht zunächst nach der Empfängnis, nach der Geburt hin oder bis zu einem Punkte, bis zu dem hin eben sein Erinnerungsvermögen reicht, und bis zu seinem Tode. Aber da ist nichts, was das Leben begrenzt, ebensowenig wie das Firmament den Raum begrenzt. Sondern hinter dem dehnt sich aus, was der Mensch nicht schaut, weil er nicht versucht, sein Erkenntnisvermögen, sein Denkvermögen über dieses Zeitenfirmament hinaus auszudehnen. Da draußen, außerhalb dieses Firmaments, liegen die wiederholten Erdenleben und die dazwischen liegenden Leben, in denen die Seele in einer rein geistigen Welt lebt.

[ 25 ] It seemed fantastical and dreamlike to most people when the newer, scientifically minded individuals appeared and said: People believe that a firmament above limits space, whereas this firmament is nothing other than the expression of the limits of perception itself. What you perceive as the firmament is brought about solely by yourselves; that is as far as your gaze extends, that is as far as your perception reaches! It does not exist externally in nature; rather, what exists externally in nature is the infinity of space, within which countless worlds are embedded! Spiritual science stands today at the same point of view as people did back then, when the old conception of the spatial firmament had to be overcome—I would say, with regard to the spiritual firmament of the human soul between birth or conception and death. At first, a person looks toward conception, toward birth, or up to a point as far as their memory reaches, and up to their death. But there is nothing that limits life, any more than the firmament limits space. Rather, beyond it lies what human beings do not see, because they do not attempt to extend their capacity for knowledge and their power of thought beyond this firmament of time. Out there, beyond this firmament, lie the repeated earthly lives and the lives in between, in which the soul lives in a purely spiritual world.

[ 26 ] Es ist gewiß vielleicht noch schwieriger, sich in diejenigen Vorstellungsverläufe einzugewöhnen, die notwendig sind, um zu dieser Hinwegräumung des geistigen Firmamentes zu kommen, als es schwierig war, zur Hinwegräumung des physischen Firmamentes zu kommen. Aber unsere Zeit ist durchaus reif, aus naturwissenschaftlicher Gesinnung heraus, ich möchte sagen, dasjenige, was die äußerliche Naturwissenschaft erreichen kann, selber zu überschreiten. Und daher stehe ich auch nicht an, wenn das auch zu noch viel ärgeren Mißverständnissen führen muß als das bisher Gesagte, die konkrete Anwendung, die besondere Anwendung jener Art des Geistesforschens, die ich eben charakterisiert habe, in einem besonderen Fall zu machen, der uns ja zu allen Zeiten, aber insbesondere in unserer schicksaltragenden Zeit interessieren kann.

[ 26 ] It is certainly perhaps even more difficult to become accustomed to the mental processes required to achieve this removal of the spiritual firmament than it was to achieve the removal of the physical firmament. But our time is certainly ripe for us, from a scientific perspective—I would say, to go beyond what external natural science can achieve. And so I do not hesitate—even if this must lead to even worse misunderstandings than what has been said so far—to apply concretely, in a specific instance, that particular kind of spiritual research I have just characterized, an instance that can interest us at all times, but especially in our fateful age.

[ 27 ] Man spricht und wird immer mehr sprechen von den unsterblichen Kräften der Menschenseele, wenn man wiederum zu einer wahren Seelenkunde kommt. Aber man wird auch wieder sprechen lernen von dem, was unsichtbar in dem Sichtbaren waltet, was unwahrnehmbar für die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung im Verlauf des menschlichen Lebens waltet. Wir haben im Zusammenhang mit den ewigen Kräften der Menschenseele von dem Tode gesprochen, der ja eine Rätselfrage bildet, nicht nur für denjenigen, der da sagt, er begehre ein Leben über die Pforte des Todes hinaus, sondern für den vor allen Dingen, der das Leben selber begreifen muß; denn vieles zum Begreifen des Lebens liegt in der Enträtselung des Geheimnisses des Todes. Aber in unserer Gegenwart tritt der Tod noch in einer ganz anderen Weise an uns heran, mitten unter Schmerz und Leid, aber allerdings auch unter Zukunftshoffnung und Zukunftssicherheit. Der Tod tritt so auf, daß er blühende Menschenleben erfaßt, jetzt nicht in der Weise, daß gewissermaßen die todgebenden Kräfte im Inneren ablaufen — je nachdem es dem Menschen zugeteilt ist; das kann heute nicht weiter ausgeführt werden, könnte aber auch im Sinne der Geisteswissenschaft charakterisiert werden -, also nicht bloß so tritt der Tod auf, daß diese todbringenden Kräfte von innen heraus, vom Organischen heraus, den physischen Leib hinwegnehmen von dem, was sich dann als das höhere Bewußtsein im Willensleben mit dem Ewigen verbindet, was todbringend ist, was aber mit dem Ewigen eins ist —, nicht bloß so tritt der Tod an uns heran, sondern so, daß er durch gewaltsame Eingriffe von außen, sagen wir, durch eine Kugel oder sonst wirkt und den physischen Menschenleib gewaltsam hinwegnimmt von dem Seelischen in der Blüte des Lebens. Obwohl ich einiges Genauere gerade darüber in acht Tagen in dem Vortrage über «Menschenseele und Menschengeist» angeben werde, möchte ich es wagen, ein Forschungsergebnis, das auf dem Wege liegt, der eben charakterisiert worden ist, hier einfach zu erzählen.

[ 27 ] People speak—and will speak more and more—of the immortal powers of the human soul as they return to a true understanding of the soul. But they will also learn once again to speak of what reigns invisibly within the visible, of what reigns imperceptibly in the course of human life from the perspective of ordinary historical observation. In connection with the eternal forces of the human soul, we have spoken of death, which indeed poses a riddle—not only for those who say they desire a life beyond the gates of death, but above all for those who must comprehend life itself; for much of what is needed to understand life lies in unraveling the mystery of death. But in our present time, death approaches us in an entirely different way—amidst pain and suffering, yet also amidst hope for the future and certainty about the future. Death occurs in such a way that it seizes flourishing human lives, not in the sense that the forces leading to death run their course from within—as is allotted to each individual; this cannot be elaborated further today, but could also be characterized in the sense of spiritual science—so death does not merely occur in such a way that these life-ending forces, arising from within, from the organic, take the physical body away from that which then, as the higher consciousness in the life of the will, unites with the Eternal—which is life-ending, yet is one with the Eternal—; death does not merely approach us in this way, but rather through violent interventions from the outside—say, through a bullet or some other means—and forcibly severs the physical human body from the soul in the prime of life. Although I will provide some more precise details on this very subject in eight days’ time in the lecture on “The Human Soul and the Human Spirit,” I would like to venture to simply recount here a research finding that lies along the path just described.

[ 28 ] Vollständig auseinanderzusetzen, wie ganz derselbe Weg, der eben für die gewöhnlichen, einfachen Ergebnisse aufgezeigt worden ist, dahin führt, auch das zu erforschen, von dem jetzt geredet werden soll, das würde ja viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber es ist ganz derselbe Weg, der uns im weiteren Verlaufe auch zu der Erkenntnis gerade der großen Lebenszusammenhänge führt.

[ 28 ] To fully explore how the very same approach that has just been outlined for the ordinary, simple results also leads to an investigation of what we are now about to discuss would, of course, take a great deal of time. But it is precisely this same approach that, as we proceed, will also lead us to an understanding of the great interconnections of life.

[ 29 ] Das müssen wir uns ja vergegenwärtigen: verloren geht keineKraft; sie bleibt vorhanden, sie verwandelt sich. Wenn nun der physische Leib durch einen äußeren Einfluß, sagen wir durch eine Kugel, in der Blüte des Menschenlebens hinweggenommen wird, so sind ja aus den allgemeinen Menschenanlagen heraus solche Kräfte vorhanden, die den Menschen lange noch hätten versorgen können in bezug auf sein Leben in der physischen Welt. Diese Kräfte gehen nicht verloren. Der Geistesforscher muß fragen: Woher kommen diese Kräfte, wohin gehen sie? Eine bedeutungsvolle Frage tritt uns da vor die Seele. In einem Vortrag im vorigen Winter habe ich von dem Gesichtspunkte aus, wie diese Kraft in der Gegenwart fortlebt, gesprochen. Jetzt will ich davon sprechen, insofern diese Kräfte an den geschichtlichen Verlauf der Menschheit geknüpft sind. Der Geistesforscher muß fragen: Wo treten diese Kräfte, die da aufhören in einem Menschen zu wirken, wenn sein Leib gewaltsam von ihm genommen ist, anderswo wieder auf? Gerade so, wie man in der Naturwissenschaft sucht, wenn irgendeine Kraft verloren geht, wie diese Kraft, in andere Formen verwandelt, wieder auftritt, so sucht der Geistesforscher in den geistigen Welterscheinungen, um dasjenige, was auf der einen Seite verloren geht, auf der anderen Seite wiederzufinden. Und gerade indem man dasjenige sucht, wovon hier die Rede ist, kommt man darauf, sich zu sagen: Es treten in der Menschheitsentwickelung Kräfte auf, nun, die wir etwa beobachten, wenn wir einen Menschen erziehen. Da beobachten wir, wie ein Mensch fähig werden kann, dieses oder jenes zu denken, zu tun oder zu fühlen. Da leiten wir die in ihm vorhandenen Anlagen so, daß wir wissen: wir tun nichts besonderes, wenn wir allgemein menschliche Fähigkeiten entwickeln. Wir wissen, wenn er später dieses oder jenes kann: es ist dadurch gekommen, daß dieses oder jenes in ihm entwickelt worden ist.

[ 29 ] We must keep this in mind: no energy is lost; it remains, it is transformed. If, then, the physical body is taken away in the prime of a person’s life by an external influence—say, a bullet—there are still forces present within the general human constitution that could have sustained the person for a long time to come in terms of their life in the physical world. These forces are not lost. The spiritual researcher must ask: Where do these forces come from, and where do they go? A profound question presents itself to our souls here. In a lecture last winter, I spoke from the perspective of how this force lives on in the present. Now I would like to speak about these forces insofar as they are linked to the historical course of humanity. The spiritual researcher must ask: Where do these forces—which cease to act within a human being when his body is violently taken from him—reappear elsewhere? Just as one seeks in the natural sciences, when any force is lost, how that force reappears transformed into other forms, so the spiritual researcher seeks within spiritual phenomena to rediscover, on the one hand, what is lost and, on the other, what is regained. And precisely by seeking what is being discussed here, one comes to realize: There are forces at work in human evolution—forces we observe, for example, when we educate a person. There we observe how a person can become capable of thinking, doing, or feeling this or that. We guide the innate capacities within them in such a way that we know: we are doing nothing special when we develop general human abilities. We know that if they are later able to do this or that, it is because this or that has been developed within them.

[ 30 ] Aber daneben, neben alledem treten im Menschenleben andere Kräfte auf, Kräfte, die man genialische Kräfte nennt, Kräfte, die erscheinen, während man einen Menschen erzieht. Man kann viel dümmer sein, als der, den man erzieht: diese genialischen Kräfte kommen doch heraus. Sie treten zutage, Man spricht von einer göttlichen Begnadung, von einem Herauskommen von Kräften, ohne daß man dazu etwas tun kann. Ich meine natürlich dabei nicht bloß die Kräfte, die die höheren Genialitäten, die höheren Genies zeigen, sondern geniale Kräfte, die eben in jedem Menschen sind. Der einfachste Mensch braucht in den alltäglichsten Verrichtungen, um wirklich vorwärts zu kommen, diese oder jene Erfindungskräfte. Es ist nur ein Gradunterschied zwischen dem, was man im gewöhnlichen Leben braucht, und den höchsten genialen Kräften. Diese genialen Kräfte, sie treten, man möchte sagen, aus dem Dämmerdunkel des Werdens heraus; sie treten im Menschen auf wie etwas, was ihm durch den Weltengeist, durch den die Welt durchwaltenden göttlichen Geist, verliehen ist, wie man zunächst sagt, ohne daß man behaupten kann, man habe sie erzogen, man habe sie durch Erziehung herausgepflegt. Und da stellt sich denn das merkwürdige, überraschende Resultat heraus, daß diese Kräfte, die also als erfindende, als geniale Kräfte zutage treten, umgewandelte Kräfte sind. Umgewandelt sind diejenigen Kräfte in genialische Kräfte, die verschwinden, wenn dem Menschen von außen der physische Leib genommen wird, den er im gewöhnlichen Verlauf, ohne daß ihn die Kugel getroffen hätte, noch hätte behalten können. Ein überraschender Zusammenhang, der sich da ergibt: Die Kräfte, die der Mensch in den Tod hinein trägt dadurch, daß er auf gewaltsame Weise durch die Pforte des Todes geht, daß ihm von außen, nicht durch innere organische Vorgänge der physische Leib genommen wird, diese Kräfte gehen nicht verloren; diese Kräfte treten auf, und zwar nicht bloß im späteren Erdenleben des einzelnen Menschen — das zeigt sich in ganz anderer Art —, sondern sie treten im geschichtlichen Verlaufe auf, sie treten bei ganz anderen Menschen auf. Sie werden gleichsam — wenn ich den trivialen, den philiströsen Ausdruck gebrauchen darf - in das geschichtliche Werden eingelagert. Und was Kräfte eines gewaltsamen Todes sind in der Vorzeit, das verwandelt sich in einer früheren oder späteren Nachzeit in geniale Kräfte, die innerhalb der Menschheitsentwickelung auftreten.

[ 30 ] But alongside all of this, other forces emerge in human life—forces that are called “genius-like forces,” forces that appear while one is educating a person. One can be much less intelligent than the person one is educating: these genius-like forces emerge nonetheless. They come to light; one speaks of a divine gift, of forces emerging without one being able to do anything about it. Of course, I do not mean by this merely the powers displayed by the highest geniuses, but rather the genius-like powers that are present in every human being. Even the simplest person needs this or that capacity for invention in the most ordinary of daily tasks in order to truly make progress. There is only a difference of degree between what one needs in ordinary life and the highest genius-like powers. These genius-like powers emerge, one might say, from the twilight of becoming; they arise in a person as something bestowed upon them by the world spirit—the divine spirit that pervades the world—as one might initially say, without being able to claim that one has cultivated them or nurtured them through education. And here the remarkable, surprising result emerges: that these powers, which thus manifest as inventive, as genius-like powers, are transformed powers. Those powers are transformed into genius-like powers that vanish when the physical body—which the human being could have retained in the ordinary course of life had he not been struck by the bullet—is taken from him from without. A surprising connection emerges here: The powers that a person carries into death by passing through the gate of death in a violent manner—that is, when the physical body is taken from them from the outside, not through internal organic processes—these powers are not lost; these forces manifest themselves, and not merely in the individual’s later earthly life—which manifests in an entirely different way—but they manifest in the course of history; they manifest in entirely different people. They are, as it were—if I may use this trivial, philistine expression—embedded in the historical process. And what were the forces of a violent death in the past are transformed, sooner or later in the future, into creative forces that emerge within the course of human development.

[ 31 ] Wenn man die Geisteswissenschaft bis in solche Punkte hinein verfolgt, so treten für den, der Übung hat im Denken, ich meine innere Übung hat in dem, welche Wege das Denken nehmen muß, um an Realitäten heranzukommen, wahrhaftig Zusammenhänge auf, die in der geistigen Welt zutage treten — die aber nicht wunderbarer sind, als wenn geheimnisvolle Naturzusammenhänge auftreten -—, Zusammenhänge, die eben nur in einer höheren Sphäre leben, und weil sie in einer höheren Sphäre leben, für die Erhöhung unseres Lebens um so wichtiger sind, wichtiger sind als das, wie die Seele sich fühlt im Dasein, wie die Seele sich auch religiös durchdringen kann mit dem Weltenzusammenhang, wichtiger sind als die bloßen äußeren Naturerkenntnisse. Geisteswissenschaft will nicht irgendeine Religion ersetzen; das religiöse Gefühl hat einen ganz anderen Ursprung. Aber Geisteswissenschaft ist, wenn man so sagen kann, geeignet, diese religiösen Gefühle zu vertiefen, sie selbst bei denen anzuregen, die durch die Einflüsse der neueren Naturwissenschaft alles religiöse Gefühl verloren haben. Geisteswissenschaft zeigt Zusammenhänge, ganz aus der Gesinnung naturwissenschaftlicher Denkweise heraus, innerhalb des geistigen Lebens. Nicht als ob dadurch alle Weltenrätsel gelöst würden, aber, was sonst sich nur als Tatsache neben Tatsache stellt, das wird innerlich durchleuchtet, in ähnlicher Weise, wie die Naturtatsachen durchleuchtet werden, wenn man sie an der Kette der Ursachen und Wirkungen verfolgen kann.

[ 31 ] If one pursues spiritual science to such depths, then for those who are trained in thinking—that is, who have inner practice in the paths that thought must take to approach realities—connections truly emerge that come to light in the spiritual world—though these are no more wondrous than when mysterious natural connections arise— connections that simply exist in a higher sphere, and because they exist in a higher sphere, are all the more important for the elevation of our lives—more important than how the soul feels in existence, how the soul can also become imbued with the connection of the worlds through religion, and more important than mere external knowledge of nature. Spiritual science does not seek to replace any religion; religious feeling has an entirely different origin. But spiritual science is, if one may say so, suited to deepening these religious feelings, to stimulating them even in those who, through the influences of modern natural science, have lost all religious feeling. Spiritual science reveals connections within spiritual life, entirely from the perspective of the scientific mindset. Not that this would solve all the world’s mysteries, but what would otherwise merely stand as one fact alongside another is internally illuminated—in a manner similar to how natural facts are illuminated when one can trace them through the chain of causes and effects.

[ 32 ] Nun möchte ich zum Schlusse etwas sagen, was nicht in einem denklogischen Zusammenhange steht als Schlußbetrachtung mit dem eben Ausgeführten — am nächsten Freitag werde ich weiter darüber zu sprechen haben -, sondern etwas, was nur wie durch eine Empfindungslogik damit verbunden ist, eine Empfindungslogik, die jedem begreiflich sein muß, der mit dem, was in unserer Zeit uns alle durchdringt, uns alle bewegt, zusammenhängt.

[ 32 ] Now, in conclusion, I would like to say something that is not logically connected to what I have just discussed as a final observation — I will have more to say about this next Friday — but rather something connected to it only through a “logic of feeling,” a logic of feeling that must be comprehensible to anyone who is connected to what permeates and moves us all in our time.

[ 33 ] Das ist es ja gerade, daß wir sehen das Volk Mitteleuropas eingekreist, bedrängt, um sein Dasein kämpfend. Gestern versuchte ich zu zeigen, was innerhalb dieses Daseinskreises an geistigen Bestrebungen vorhanden ist. Nun glaube ich wirklich nicht gewaltsam, ich möchte sagen, um der Zeit in äußerlicher Weise zu dienen, das herbeizerren zu müssen, was ich zu sagen habe. Ich habe gestern versucht zu zeigen, wie im deutschen Geistesleben, gerade als dieses deutsche Geistesleben seine Erkenntniswege durch seine großen Philosophen in idealistischer Weise gesucht hat, ein Weg liegt in die geistigen Welten hinein. Man darf es nicht dogmatisch nehmen — wie ich gestern immer wieder betont habe -, sondern man muß es nach der Art des Suchens nehmen, nach der Art des Strebens nehmen. Man muß die Richtung prüfen, nach welcher sich die inneren Seelenkräfte der deutschen idealistischen Philosophen bewegten. Und wenn man dann in einer Weise, wie ich das gestern auseinanderzusetzen versuchte, verfolgt, wie sich in Kant, in Goethe, in Fichte, in Schelling, in Hegel, auf der einen Seite durch abstraktes, durch nüchternes Denken, auf der anderen Seite durch energische Willensanschauungen, wie bei Fichte, oder durch gewaltige dichterische Gestaltungskräfte, wie bei Goethe, Deutschlands idealistische Weltanschauungswege eröffneten, so hat man darinnen etwas, was sich einem darstellt, wie wenn nun die Volksseele selber, diese deutsche Volksseele als Ganzes, in Meditation sich versenkt hätte, die Meditation einer ganzen Volksseele in der idealistischen Entwickelung vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts in das erste Drittel des neunzehnten Jahrhunderts herein! Wer in der Meditation, in der besonderen Ausbildung des Denkens, des Fühlens, des Wollens den Weg sieht in die geistigen Welten hinein, der darf, ohne eine solche Behauptung irgendwie gewaltsam herbeizerren zu müssen, sagen, was wirklich für den modernen Geistesforscher innigste Überzeugung sein kann: Der Fortschritt in der Geisteswissenschaft kann sich darstellen wie die Entwickelung eines Keimes, der in der deutschen idealistischen Philosophie versenkt ist; der überhaupt im ganzen idealistischen deutschen Geistesstreben um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts vorhanden ist und so fortgewirkt hat bis in unsere Tage herein, wie ich das gestern versuchte zu charakterisieren. Wahrhaftig, in alledem, was ich seit Jahren hindurch hier in diesen Vorträgen habe sprechen können, war immer das Bewußtsein: Es ist nichts anderes, was jetzt als Geisteswissenschaft gegeben wird — wenn das auch ganz paradox klingen wird -, als der Goetheanismus, der deutsche Idealismus. Ich meine diesen konkreten Idealismus, wie er um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts hervorgetreten ist im deutschen Geiste, in unsere Zeit übertragen; nicht einfach historisch angeschaut, wie er dazumal war, sondern lebendig erfaßt in unserer Zeit! Und ich war mir bewußt, niemals im Grunde genommen etwas anderes als Goetheanismus vorzutragen, indem ich Geisteswissenschaft, im Sinne wie sie in unserer Zeit sein kann, vortrug. So sonderbar das auch manchem in unserer heutigen Zeit klingen mag, - gerade wenn man die Sache so ansehen muß, dann findet man fest verankert das Streben nach der geistigen Welt in dem, wozu sich als einem höchsten Gipfel, als einem höchsten innerlichen Gipfel das deutsche Geistesstreben einmal erhoben hat.

[ 33 ] That is precisely the point: we see the people of Central Europe encircled, beset, and struggling for their very existence. Yesterday I tried to show what spiritual aspirations exist within this sphere of existence. Now, I really do not feel compelled—I would say, in order to serve the times in an outward way—to force out what I have to say. Yesterday I tried to show how, in German spiritual life—precisely as this German spiritual life sought its paths to knowledge through its great philosophers in an idealistic manner—there lies a path into the spiritual worlds. One must not take this dogmatically—as I emphasized repeatedly yesterday—but rather one must take it in the spirit of seeking, in the spirit of striving. One must examine the direction in which the inner soul forces of the German idealist philosophers were moving. And if one then traces, in the manner I attempted to elucidate yesterday, how in Kant, Goethe, Fichte, Schelling, and Hegel—on the one hand through abstract, sober thinking, and on the other hand through energetic insights of the will, as in Fichte, or through powerful poetic creative forces, as in Goethe— paved the way for Germany’s idealistic worldviews—then one finds in this something that presents itself as if the national soul itself, this German national soul as a whole, had immersed itself in meditation—the meditation of an entire national soul during the idealistic development from the end of the eighteenth century into the first third of the nineteenth century! Anyone who, through meditation—through the special cultivation of thinking, feeling, and willing—sees the path into the spiritual worlds may, without having to force such a claim in any way, say what can truly be the deepest conviction for the modern researcher of the spirit: Progress in spiritual science can be understood as the development of a seed embedded in German idealist philosophy—a seed that was present throughout the entire idealist German spiritual striving at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries and has continued to take effect right up to the present day, as I attempted to characterize yesterday. Truly, in everything I have been able to speak about here in these lectures over the years, there has always been the awareness: What is now presented as spiritual science—even if this may sound quite paradoxical—is nothing other than Goetheanism, German idealism. I mean this concrete idealism, as it emerged in the German spirit at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries, transposed into our own time; not simply viewed historically as it was back then, but grasped vividly in our own time! And I was aware that, in essence, I was never presenting anything other than Goetheanism when I spoke of spiritual science as it can be understood in our time. As strange as this may sound to some people today—precisely when one must view the matter in this way—one finds the striving for the spiritual world firmly anchored in that to which German spiritual striving once rose as a highest summit, as a highest inner summit.

[ 34 ] Und wenn man diesen Zusammenhang in seiner Seele wirken läßt, so kann er sich in unsere schicksaltragenden Tage so hineinstellen, daß nun dasjenige, was auf der einen Seite in äußerster Ausgestaltung der geistigen Anstrengungen vom deutschen Volke gesucht worden ist, nur wie eine andere Seite desjenigen ist, was in unserer Zeit wirken muß, damit die geschichtliche, dem deutschen Volke in unseren Tagen gestellte Aufgabe auf den äußeren Feldern der Taten gelöst werden könne. Gerade deshalb findet man innig verbunden alles, was das deutsche Volk vollbringt, mit dem tiefsten Seelenleben, mit dem, was groß und bedeutend war in einer Zeit, als in bezug auf die Außenwelt dem deutschen Volkegleichsam derBoden unter denFüßen weggezogen war. Daher darf man sagen: Wenn sich jetzt neben dem äußerlichen Kampfe, den die Waffen entscheiden werden und über den zu reden nicht eigentlich dem Geistesbetrachter ziemt, weil Dinge entschieden werden, über die nicht Worte entscheiden werden, sondern die Waffen -, wenn sich neben diesem Kampfe etwas entwickelt hat, was uns so merkwürdig entgegentönt dadurch, daß dieses deutsche Geistesleben von den Gegnern herabgesetzt wird, so daß man glauben könnte, diese Gegner finden nur dadurch die Möglichkeit, ihr eigenes Geistesleben in besonderem Licht erglänzen zu lassen, daß sie das deutsche Geistesleben herabsetzen, dann führt eine Betrachtung der inneren Bedeutung, der inneren Weltbedeutung des deutschen Geisteslebens gerade dazu, zu empfinden, wie wenig es der Deutsche nötig hat, sein eigenes Geistesleben so zu betrachten, daß in einem Vergleich das Geistesleben der anderen etwa herabgesetzt werden müßte. Der Deutsche darf bloß auf die ihm aus dem Innersten des Weltengeistes heraus gestellte Aufgabe blicken, um zu wissen, was er in der Welt zu verrichten hat, was er in die Zukunft hinüberzutragen hat.

[ 34 ] And if one allows this connection to take effect within one’s soul, one can position oneself within these fateful days in such a way that what, on the one hand, the German people have sought in the most extreme form of spiritual endeavor is now merely another aspect of what must be at work in our time so that the historical task placed upon the German people in our day may be fulfilled in the external realms of action. Precisely for this reason, one finds everything the German people accomplish intimately connected with the deepest life of the soul—with that which was great and significant in a time when, in relation to the outside world, the ground had, as it were, been pulled out from under the German people’s feet. Hence, one may say: If, alongside the external struggle—which will be decided by arms and which it is not really fitting for the observer of the spiritual realm to discuss, because matters are being decided not by words but by arms—if, alongside this struggle, something has developed that strikes us as so peculiar precisely because this German spiritual life is disparaged by its opponents, so that one might believe, these opponents find the only way to make their own spiritual life shine in a special light by belittling German spiritual life—then a consideration of the inner significance, the inner world significance, of German spiritual life leads precisely to the realization of how little the German needs to view his own spiritual life in such a way that, by comparison, the spiritual life of others would have to be belittled. Germans need only look to the task set before them from the very heart of the world spirit to know what they have to accomplish in the world and what they have to carry forward into the future.

[ 35 ] Daher darf man aus dem tiefsten Bewußtsein heraus sagen: Dieser deutsche Volksgeist, der in der Allheit des deutschen Lebens waltet, der da waltet im deutschen Gedanken, in der, wie ich es angedeutet habe, deutschen Meditation, der da waltet in der deutschen Tat, dieser deutsche Volksgeist darf darauf hinweisen, wenn ihm jetzt in solch unverständiger Weise von da und dort entgegengehalten wird, er hätte geradezu eine Weltanschauung hervorgebracht, welche auf Gewalt und Macht allein ausginge, — er darf darauf hinweisen, wie er durch seinen Zusammenhang mit dem Geistigen dieses sonderbare Gerede widerlegen kann. Und wenn gar davon gesprochen wird, daß der deutsche Volksgeist in der geschichtlichen Entwickelung seine Rolle ausgespielt habe, dann darf gerade aus dem Umstand, daß der Keim zum höchsten Geistesleben in der angedeuteten Meditation des deutschen Volksgeistes lebt, daß man sich bloß vorzustellen braucht, wie jene Keime Blüten und Früchte werden, aber Blüten und Früchte erst in der Zukunft werden müssen, — dann kann durch das echte Bewußtsein, das aus solchem Denken, aus solchem Empfinden, das aus solchem Fühlen fließt, gesagt werden: Denen, die da heute diesen deutschen Volksgeist herabsetzen oder ihm gar seine geistig fruchtbaren Kräfte für die Zukunft weigern wollen, denen hält, aus dem Bewußtsein seiner geistigen und seiner geschichtlichen Taten und Aufgaben heraus, dieser deutsche Volksgeist das Schicksalsbuch entgegen, das er durch eine Betrachtung der deutschen Aufgabe und des deutschen Geisteswesens in richtiger Weise zu entziffern glaubt. Und er sagt allen denen, die nicht nur mit den Waffen, sondern mit Wortwaffen glauben gegen das deutsche Geistesleben auftreten zu müssen und ihm den Untergang prophezeien, er glaubt diesen aus einer sicheren, auf die Erkenntnis des Verlaufes des deutschen Geisteslebens gegründeten Überzeugung heraus entgegenhalten zu können eine Seite des Schicksalsbuches der Entwickelung der Menschheit. Und auf dieser einen Seite steht — was auch gesagt, was auch behauptet werden mag -: die Zukunft des deutschen Geistes, die Zukunft der deutschen Volksseele!

[ 35 ] Therefore, one may say from the depths of one’s consciousness: This German national spirit, which reigns in the totality of German life, which reigns in German thought, in what I have referred to as German meditation, which reigns in German action—this German national spirit may point out, when it is now confronted here and there in such an incomprehensible manner with the accusation that it has produced a worldview aimed solely at violence and power, —it may point out how, through its connection with the spiritual, it can refute this peculiar talk. And if it is even claimed that the German national spirit has played out its role in historical development, then precisely because the seed of the highest spiritual life lives in the aforementioned meditation of the German national spirit—one need only imagine how those seeds will become blossoms and fruits, though they must first become blossoms and fruits in the future— — then, through the genuine consciousness that flows from such thinking, from such perception, from such feeling, it can be said: To those who today seek to belittle this German national spirit—or even deny it its spiritually fruitful powers for the future—this German national spirit, out of an awareness of its spiritual and historical deeds and tasks, holds before them the book of destiny, which it believes it can correctly decipher through a contemplation of the German mission and the German spiritual essence. And it says to all those who believe they must oppose German intellectual life—not only with weapons but also with verbal weapons—and who prophesy its downfall: it believes it can counter them—out of a firm conviction grounded in an understanding of the course of German intellectual life—with a page from the book of destiny concerning the development of humanity. And on this one page stands—no matter what may be said or claimed—the future of the German spirit, the future of the German national soul!