From Central European Spiritual Life
GA 65
9 December 1915, Berlin
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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
3. Bilder aus Osterreichs Geistesleben im neunzehnten Jahrhundert
3. Images from Austria's Intellectual Life in the Nineteenth Century
[ 1 ] Betrachten Sie dasjenige, was den Gegenstand des heutigen Vortrages bilden soll, nur wie eine Einschaltung in die Vortragsfolge dieses Winters. Sie rechtfertigt sich vielleicht eben gerade aus unserer schicksaltragenden Zeit heraus, in welcher die beiden mitteleuropäischen Reiche so eng miteinander verbunden den großen Forderungen des geschichtlichen Werdens in unserer Gegenwart und für die Zukunft entgegengehen müssen. Auch glaube ich mich berechtigt, einiges zu sagen gerade über das Geistesleben Österreichs, da ich ja bis gegen mein dreißigstes Jahr hin mein Leben in Österreich zugebracht habe und von den verschiedensten Seiten nicht nur Gelegenheit, sondern die Notwendigkeit hatte, in das österreichische Geistesleben mich vollständig hineinzufinden. Andererseits darf gesagt werden, daß dieses österreichische Geistesleben ganz besonders, ich möchte sagen, schwierig für die Ideen, den Begriff, für die Vorstellung des Außenstehenden zu fassen ist, und daß vielleicht unsere Zeit gerade es immer mehr und mehr notwendig machen wird, daß die Eigentümlichkeiten auch dieses österreichischen Geisteslebens einem größeren Kreise vor das seelische Auge treten. Nur werde ich nicht in der Lage sein, wegen der Kürze der Zeit, etwas anderes zu geben als, ich möchte sagen, zusammenhanglose Bilder, anspruchslose Bilder aus diesem österreichischen Geistesleben der verschiedensten Schichten; Bilder, die durchaus keinen Anspruch darauf machen sollen, wiederum ein vollständiges Bild zu geben, sondern die nur die eine oder andere Vorstellung bilden sollen, die etwa Verständnis suchen könnte für das, was jenseits des Inn und der Erzberge an Geistesleben vorhanden ist.
[ 1 ] Please consider the topic of today’s lecture merely as an interlude in this winter’s lecture series. It is perhaps justified precisely by the fateful times we are living in, in which the two Central European empires, so closely linked, must face the great demands of historical development in our present and for the future. I also believe I am justified in saying a few words specifically about Austria’s intellectual life, since I spent my life in Austria until I was nearly thirty and, from a wide variety of perspectives, had not only the opportunity but also the necessity to immerse myself fully in Austrian intellectual life. On the other hand, it must be said that this Austrian intellectual life is particularly—I would say—difficult for the outsider to grasp in terms of ideas, concepts, and imagination, and that perhaps our times will make it increasingly necessary for the distinctive characteristics of this Austrian intellectual life to come into view before the inner eye of a wider audience. However, due to time constraints, I will not be able to offer anything other than—I might say—disjointed images, unpretentious glimpses of this Austrian intellectual life across its most diverse strata; images that in no way claim to provide a complete picture, but are intended merely to convey one idea or another that might help foster an understanding of the intellectual life that exists beyond the Inn River and the Ore Mountains.
[ 2 ] Im Jahre 1861 trat ein außer seiner Heimat weniger genannter, dem österreichischen Geistesleben lebendig verwobener Philosoph, Robert Zimmermann, an der Wiener Universität sein Lehramt an, das er dann bis in die neunziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts hinein verwaltete, Er wirkte nicht nur geistig erweckend für viele, die durch die Philosophie auf ihrem Seelenwege geführt wurden, sondern er wirkte auch auf die Seelen derjenigen, die in Österreich zu lehren hatten, dadurch, daß er den Vorsitz hatte der Real- und Gymnasialschul-Prüfungskommission. Und er wirkte vor allen Dingen dadurch, daß er ein liebes, gütiges Herz hatte für alles dasjenige, was an aufstrebenden Persönlichkeiten vorhanden war; daß er ein verständnisvolles Eingehen hatte für alles, was sich überhaupt im geistigen Leben geltend machte. Als Robert Zimmermann im Jahre 1861 sein philosophisches Lehramt an der Wiener Universität antrat, sprach er in seiner akademischen Antrittsrede Worte, die einen Rückblick auf die Weltanschauungsentwickelung in Österreich im neunzehnten Jahrhundert geben. Sie zeigen in aller Kürze, was es dem Österreicher in diesem Jahrhundert schwierig machte, zu einer sich selber tragenden Weltanschauung zu kommen.
[ 2 ] In 1861, Robert Zimmermann—a philosopher little known outside his homeland but deeply intertwined with Austrian intellectual life—began teaching at the University of Vienna, a position he held well into the 1890s, He not only served as an intellectual inspiration for many who were guided on their spiritual path through philosophy, but he also influenced the souls of those who were to teach in Austria by serving as chairman of the examination commission for secondary and high schools. And above all, he made an impact through his loving, kind heart toward all that was present in aspiring individuals; through his understanding and receptiveness to everything that made itself felt in spiritual life. When Robert Zimmermann took up his position as a professor of philosophy at the University of Vienna in 1861, he spoke in his inaugural address words that provide a retrospective view of the development of worldviews in Austria during the nineteenth century. They succinctly illustrate what made it difficult for Austrians in that century to arrive at a self-sustaining worldview.
[ 3 ] Zimmermann sagt: «Jahrhundertelang war in diesem Lande der drückende Bann, der auf den Geistern lag, mehr als der Mangel an ursprünglicher Anlage imstande, ein selbständiges Aufblühen der Philosophie nicht nur, sondern auch den werktätigen Anschluß an die Bestrebungen anderer Deutschen zurückzuhalten. So lange die Wiener Hochschule zum größten Teil in Ordenshänden sich befand, herrschte in ihren philosophischen Hörsälen die mittelalterliche Scholastik; als sie mit dem Anbruch einer aufgeklärten Zeit ungefähr nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts in weltliche Leitung überging, machte das von obenher angeordnete Maßregelungs- und Bevormundungssystem der Lehrer, Lehren und Lehrbücher die unabhängige Entwickelung eines freien Gedankenganges unmöglich. Die Wolffsche Philosophie» — also etwas, was im übrigen Deutschland durch Kant überwunden war — «in Federscher Abschwächung mit wenigen Brocken englischen Skeptizismus versetzt, wurde die geistige Nahrung der wissensdurstigen Jugend Österreichs. Wer wie jener feingebildete Mönch von St. Michael in Wien nach Höherem Verlangen trug, hatte keine andere Wahl, als nach abgestreiftem Klosterkleid heimlich den Weg über die Grenze in Wielands gastfreundliche Freistätte zu suchen. Dieser Barnabitermönch, den die Welt unter dem bürgerlichen Namen Karl Leonhard Reinhold kennt, und jener Klagenfurter Herbert, der einstige Hausgenosse Schillers, sind die einzigen öffentlichen Zeugen für die Beteiligung der verschlossenen Geisterwelt diesseits des Inn und der Erzberge an dem gewaltigen Umschwung, von welchem gegen das Ende des verflossenen, des philosophischen Jahrhunderts, die Geister des jenseitigen Deutschland sich ergriffen fanden.»
[ 3 ] Zimmermann says: “For centuries in this country, the oppressive spell cast upon the minds of the people was more capable than any lack of innate aptitude of preventing not only the independent flourishing of philosophy, but also active engagement with the endeavors of other Germans. As long as the University of Vienna was largely in the hands of religious orders, medieval scholasticism reigned in its philosophy lecture halls; when, with the dawn of the Enlightenment around the middle of the previous century, it came under secular administration, the system of regulation and paternalism imposed from above on teachers, doctrines, and textbooks made the independent development of free thought impossible. “Wolffian philosophy”—that is, something that had already been overcome in the rest of Germany by Kant—“in a watered-down version by Feder, mixed with a few bits of English skepticism,” became the intellectual nourishment of Austria’s knowledge-hungry youth. Anyone who, like that highly educated monk from St. Michael’s in Vienna, yearned for higher things had no choice but to secretly shed his monastic habit and make his way across the border to Wieland’s hospitable sanctuary. This Barnabite monk, known to the world by his secular name Karl Leonhard Reinhold, and that Herbert from Klagenfurt, Schiller’s former housemate, are the only public witnesses to the participation of the insular intellectual world on this side of the Inn and the Erzgebirge in the tremendous upheaval that, toward the end of the past—the philosophical—century, swept through the intellectual circles of Germany across the border.”
[ 4 ] Man kann begreifen, daß ein Mann so spricht, der aus einem begeisterten Freiheitssinn heraus an der Achtundvierziger-Bewegung sich beteiligt hatte, der dann in einer vollständig unabhängigen Weise gedachte, sein philosophisches Lehramt auszufüllen. Man kann sich aber auch fragen: Ist nicht vielleicht dieses Bild, das der Philosoph da fast in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zeichnet, doch von einigem Pessimismus, einiger Schwarzseherei gefärbt? Diese Schwarzseherei tritt bei dem Österreicher leicht ein, wenn er sein eigenes Land beurteilt, durch die Aufgaben, die gerade Österreich zugewachsen sind dadurch, daß sich das Reich durch die historischen Notwendigkeiten — ich sage ausdrücklich: durch die historischen Notwendigkeiten — aus einem vielgestaltigen, vielsprachigen Völkergemisch zusammensetzen und seine Aufgaben innerhalb dieses vielsprachigen Völkergemisches finden mußte. Und wenn man vielleicht gerade aus gutem österreichischem Bewußtsein heraus eine solche Frage stellt, da kommen einem allerlei andere Vorstellungen in den Sinn.
[ 4 ] One can understand why a man who, driven by an enthusiastic love of freedom, had participated in the 1848 Revolution—and who then intended to carry out his philosophical teaching in a completely independent manner—would speak this way. But one might also ask: Is this picture, which the philosopher paints here in the middle of the nineteenth century, not tinged with a certain pessimism, a certain tendency toward gloom? This gloom tends to creep in easily among Austrians when they assess their own country, due to the challenges that have fallen specifically to Austria as a result of the fact that the Empire—through historical necessities—I say explicitly: through historical necessities—was composed of a diverse, multilingual mix of peoples and had to find its purpose within this multilingual mix of peoples. And when one poses such a question, perhaps precisely out of a sense of Austrian identity, all sorts of other ideas come to mind.
[ 5 ] Da kann man dann zum Beispiel an einen deutschen österreichischen Dichter denken, der so recht ein Kind der österreichischen, sogar der südösterreichischen Berge ist; ein Kind des Kärntnerlandes, das oben hoch in den Kärntnerbergen geboren ist und durch einen inneren geistigen Drang sich bewogen fühlte, herunterzusteigen in die Bildungsstätten. Ich meine den außerordentlich bedeutenden Dichter Fercher von Steinwand,. Unter Fercher von Steinwands Dichtungen finden sich nun sehr merkwürdige Darbietungen. Nur eine einzige Probe möchte ich als ein Bild für dieses österreichische Geistesleben vor Ihre Seelen stellen, als ein Bild, welches sogleich wachrufen kann etwas von dem, wie der Österreicher aus seinem innersten, ursprünglichsten, elementarsten Geistesdrang heraus mit gewissen Zeitideen zusammenhängen kann. Fercher von Steinwand, der so wunderbare «Deutsche Klänge aus Österreich» zu dichten verstand, der aus so innigem Gemüt heraus alles zu gestalten verstand, was Menschenseelen bewegt und bewegen kann, er wußte sich auch zu erheben mit seiner Dichtung in die Höhen, wo der Menschengeist zu erfassen versucht, was im innersten Weltenweben lebt und wirkt. So zum Beispiel in einem Gedicht, das lang ist, von dem ich aber nur den Anfang vorlesen will, und das da heißt: «Chor der Urtriebe.»
[ 5 ] One might think, for example, of a German-Austrian poet who is truly a child of the Austrian—indeed, the southern Austrian—mountains; a child of Carinthia, born high up in the Carinthian mountains and driven by an inner spiritual urge to descend to the centers of learning. I am referring to the extraordinarily significant poet Fercher von Steinwand. Among Fercher von Steinwand’s poems, one finds some very remarkable works. I would like to present just a single example to your minds as an illustration of this Austrian intellectual life—an illustration that can immediately evoke something of how the Austrian, driven by his innermost, most primal, and most elemental spiritual impulse, can connect with certain ideas of the times. Fercher von Steinwand, who knew how to compose such wonderful “German Sounds from Austria,” who, from such a heartfelt spirit, knew how to give form to everything that moves and can move the human soul—he also knew how to rise with his poetry to the heights where the human spirit seeks to grasp what lives and works within the innermost fabric of the universe. For example, in a long poem—of which I will read only the beginning—entitled “Chor der Urtriebe” (“Chorus of Primordial Instincts”).
In den unbegrenzten Breiten,
Unsrer alten Mutter Nacht,
Horch - da scheint mit sich zu streiten
Die geheimnisvollste Macht!
Hören wir die Ahnung schreiten?
Ist die Sehnsucht aufgewacht?
Ward ein Geistesblitz entfacht?
Gleiten Träume durch die Weiten?
Wie sich an Kräften die Kräfte berauschen,
Seliges Tauschen!
Plötzliches Eilen,
Stilles Verweilen,
Schwelgendes Lauschen
Wechselt mit Winken
Staunenden Bangens!
Reiz des Erlangens
Steigt, um zu sinken,
Sinkt, um zu hassen,
Weiß vor dem blassen
Bild des Umfangens
Haß nicht zu fassen.
Dunkle Verzweigungen
Sprießender Neigungen
Suchen nach Ranken.
Schwere Gedanken
Dämmern und wanken
Über den Weiten,
Scheinen zu raten
Oder zu leiten.
Was sie bereiten,
Sind es die Saaten
Riesiger Taten,
Strahlender Zeiten?
Wer das Erwühlte
Schöpferisch fühlte!
Wer es durchirrte,
Selig genießend,
Oder entwirrte,
Hohes erschließend!
Droben bewegt sich’s wie Geisterumarmung,
Wir in Erwarmung,
Wir auch gewinnen,
Suchen und sinnen,
Seh’n uns gehoben,
Höchstem Beginnen
Glücklich verwoben.
Die uns umwehen,
In uns erstehen:
»Ihr seid’s, Ideen! —»
In the boundless expanses,
Of our ancient Mother Night,
Listen—there, the most mysterious power
Seems to be wrestling with itself!
Do we hear the premonition approaching?
Has longing awakened?
Has a flash of inspiration been kindled?
Do dreams glide through the vastness?
As forces intoxicate themselves with power,
A blissful exchange!
Sudden haste,
Silent lingering,
Indulgent listening
Alternates with beckoning
And astonished trepidation!
The allure of attainment
Rises only to sink,
Sinks only to hate,
White before the pale
Image of embrace
Hate that cannot be grasped.
Dark ramifications
Sprouting inclinations
Seeking tendrils.
Heavy Thoughts
Dwelling and wavering
Over the vast expanses,
Seeming to advise
Or to guide.
What they prepare,
Are they the seeds
Of mighty deeds,
Of radiant times?
Whoever felt the chosen one
Creatively!
Whoever wandered through it,
Enjoying it blissfully,
Or unraveled it,
Unlocking the sublime!
Up there it moves like an embrace of spirits,
We, warmed by it,
We, too, gain,
Seeking and pondering,
Seeing ourselves lifted,
The highest beginnings
Happily interwoven.
Those that sweep around us,
Arise within us:
“It is you, ideas! —”
[ 6 ] Der Dichter sieht, da er sich zu vertiefen sucht in den «Chor der Urtriebe», die weltschöpferisch sind, wie Ideen zu ihm kommen. Zu jener Welt gerade sucht er sich aufzuschwingen, die gelebt hat in den Geistern, von denen ich mir gestattete, in der vorigen Woche zu sprechen, in Fichte, Schelling und Hegel. Wir fragen uns aber vielleicht, wie konnte in Fercher von Steinwands Seele jenes innige Band gewoben werden, das ihn doch verknüpfen mußte - und es hat ihn wirklich verknüpft — zwischen dem Drang seiner Seele, der erwachte in dem einfachen Bauernbuben aus den kärntnerischen Bergen, und zwischen dem, was in der Blüte deutscher Weltanschauungsentwickelung die größten idealistischen Philosophen von ihrem Gesichtspunkte aus zu erstreben suchen. Und da fragen wir denn: Wo konnte Fercher von Steinwand das finden, da nach Robert Zimmermanns Worten Schiller, Fichte, Hegel in Österreich gerade in der Jugendzeit Fercher von Steinwands — er ist geboren 1828 — nicht vorgetragen wurden, da sie gerade in seiner Jugendzeit dort zu den verbotenen Früchten gehörten? Aber die Wahrheit, sie dringt überall durch. Als Fercher von Steinwand das Gymnasium absolviert hatte und, mit seinem Gymnasialzeugnis ausgerüstet, nach Graz, nach der Universität Graz ging, da ließ er sich in Vorlesungen einschreiben. Und da war eine Vorlesung, die gerade der ihn aufnehmende Dozent in Naturrecht las. Er ließ sich in das Naturrecht einschreiben und konnte natürlich hoffen, daß er da viel von allerlei Begriffen und Ideen über die Rechte hören werde, die dem Menschen von der Natur angeboren sind, und so weiter. Aber siehe da! Unter dem anspruchslosen Titel «Naturrecht» sprach der gute Edlauer, der Grazer Universitätsprofessor, der Jurist, das ganze Semester hindurch von nichts anderem als von Fichte, Schelling und Hegel. Und so machte denn Fercher von Steinwand seinen Kursus Fichte, Schelling, Hegel in dieser Zeit durch, ganz unabhängig von dem, was man nach einer äußerlichen Auffassung des österreichischen Geisteslebens für verboten halten konnte, was vielleicht auch wirklich verboten war. Ganz unabhängig davon, was sich an der Oberfläche abspielte, lebte sich also in diesen Zusammenhang mit höchstem geistigen Streben eine Persönlichkeit ein, die da nach einem Weg in die geistigen Welten suchte.
[ 6 ] As the poet seeks to immerse himself in the “chorus of primal instincts”—which are world-creating—he sees how ideas come to him. He seeks to soar precisely toward that world which lived on in the minds of those I took the liberty of discussing last week—Fichte, Schelling, and Hegel. But we may well ask ourselves: How could that intimate bond have been woven within Fercher von Steinwand’s soul—a bond that was bound to connect him, and indeed did connect him— — between the yearning of his soul, which awoke in the simple peasant boy from the Carinthian mountains, and that which, at the height of German philosophical development, the greatest idealist philosophers sought to achieve from their own perspective. And so we ask: Where could Fercher von Steinwand have found this, since, according to Robert Zimmermann, Schiller, Fichte, and Hegel were not taught in Austria during Fercher von Steinwand’s youth—he was born in 1828—because they were considered forbidden fruit there precisely during his youth? But the truth breaks through everywhere. When Fercher von Steinwand had graduated from high school and, armed with his high school diploma, went to Graz to attend the University of Graz, he enrolled in lectures. And there was a lecture on natural law taught by the very professor who had admitted him. He enrolled in the natural law course and naturally hoped that there he would hear a great deal about all sorts of concepts and ideas concerning the rights that are innate to human beings by nature, and so on. But lo and behold! Under the unassuming title “Natural Law,” the good Professor Edlauer—the Graz university professor and jurist—spoke of nothing else but Fichte, Schelling, and Hegel throughout the entire semester. And so Fercher von Steinwand worked his way through his course on Fichte, Schelling, and Hegel during this time, quite independently of what might have been considered forbidden according to an outward view of Austrian intellectual life—and what perhaps really was forbidden. Quite apart from what was happening on the surface, a personality who was seeking a path into the spiritual worlds thus immersed himself in this context of the highest intellectual endeavor.
[ 7 ] Nun, gerade wenn man sich einläßt darauf, solchen Weg eines Österreichers zu verfolgen in die geistigen Welten hinein, so muß man berücksichtigen — wie gesagt, ich will nichts begründen, sondern nur Bilder geben -, daß die ganze Artung dieses Österreichischen Geisteslebens viele, viele Rätsel demjenigen bietet — ja, ich kann nicht anders sagen -, der nach einer Lösung von Rätseln sucht. Wer aber gerne betrachtet, wo Gegensätze so nebeneinander stehen in den menschlichen Seelen, der wird manches außerordentlich Bedeutungsvolle gerade an der Seele des Österreichers finden. Schwieriger als in anderen Gegenden, zum Beispiel in deutschen, hat es der österreichische Deutsche, sich heraufzuarbeiten, ich möchte sagen, nicht so sehr in die Bildung, sondern in die Handhabung der Bildung, in das Mitmachen der Bildung. Mag es pedantisch ausschauen, aber ich muß es doch sagen: es ist schwierig gemacht dem Österreicher schon durch die Sprache, so mitzutun in der Handhabung seines geistigen Lebens. Denn dem Österreicher ist es außerordentlich schwierig, so zu reden, wie etwa die Reichsdeutschen sprechen. Er wird sehr leicht in Versuchung kommen, alle kurzen Vokale lang, alle langen Vokale kurz zu sagen. Er wird sehr häufig in die Lage kommen, der «Son» und die «Sohne» zu sagen, statt der «Sohn» und die «Sonne». Woher kommt so etwas? Das kommt daher, daß das österreichische Geistesleben notwendig macht — es soll nicht kritisiert, sondern nur beschrieben werden -, daß derjenige, der sich, ich möchte sagen, aus dem Mutterboden des Volkslebens heraufarbeitet in eine gewisse Bildungs- und Geistessphäre, einen Sprung über einen Abgrund zu machen hat — aus der Sprache seines Volkes in die Sprache der gebildeten Welt hinein. Und da gibt ihm natürlich nur die Schule die Handhabe. Die Mundart sagt überall richtig; die Mundart wird nichts anderes sagen als: Der «Suun», recht lang, für der «Sohn», D’«Sun», ganz kurz, für die «Sonne». Aber in der Schule wird es einem schwierig, sich hineinzufinden in die Sprache, die nun, um die Bildung zu handhaben, erlernt werden muß. Und dieses Überspringen des Abgrundes, das bewirkt es, daß es eine eigene Schulsprache gibt. Diese Schulsprache ist es, nicht irgendeine Mundart, die überall verleitet, die langen Vokale kurz und die kurzen Vokale lang zu sprechen. Daraus ersehen Sie, daß man im Geistesleben drinnenstehend schon überall eine Kluft hat gegenüber dem Volkstum. Aber dieses Volkstum wurzelt wiederum so tief bedeutsam, nicht so sehr vielleicht in eines jeden Bewußtsein, sondern, man möchte sagen, in eines jeden Blut, so daß innerlich erlebt wird die angedeutete Kraft, und sogar in bedeutsamer, tief in die Seele einschneidender Weise erlebt werden kann. Und da kommen dann Erscheinungen zutage, die ganz besonders wichtig sind für den, der betrachten will das Hineinstellen des österreichischen höheren Geisteslebens in das Geistesleben des österreichischen Volkstums und den Zusammenhang zwischen beiden. Indem sich der Österreicher in die Bildungssphäre heraufarbeitet, wird er, ich möchte sagen, auch in bezug auf manche Prägung des Gedankens, manche Prägung der Ideen in eine Sphäre gehoben, so daß wirklich eine Kluft ist zum Volkstum hin. Und da kommt dann das zustande, daß mehr, als es sonst der Fall ist, nach dem Volkstume - gerade in dem Österreicher, der sich in das Geistesleben hineingefunden hat - etwas entsteht von einem Sich-hingezogenFühlen zum Volkstum, das nicht ist ein Heimweh nach etwas, was man erst vor kurzer Zeit verlassen hat, sondern ein Heimweh nach etwas, von dem einen doch in gewisser Beziehung eine Kluft trennt, demgegenüber man aber nicht umhin kann, aus dem Blut heraus, es zu erschaffen, sich hineinzufinden.
[ 7 ] Well, precisely when one sets out to follow such a path taken by an Austrian into the spiritual worlds, one must take into account—as I said, I do not wish to prove anything, but only to provide images—that the entire nature of this Austrian spiritual life presents many, many mysteries to those—yes, I can’t put it any other way—who is seeking solutions to these mysteries. But anyone who enjoys observing how opposites coexist side by side in the human soul will find many extraordinarily significant things precisely in the Austrian soul. It is more difficult for the Austrian German than in other regions—for example, in German-speaking regions—to work his way up, I would say, not so much in terms of education itself, but in the application of that education, in actively participating in the educational process. It may seem pedantic, but I must say it nonetheless: the language itself makes it difficult for the Austrian to participate in the active application of his intellectual life. For it is extraordinarily difficult for an Austrian to speak the way, say, the Reich Germans do. He will very easily be tempted to pronounce all short vowels long and all long vowels short. He will very often find himself saying “Son” and “Sohne” instead of “Sohn” and “Sonne.” Where does this come from? It stems from the fact that Austrian intellectual life necessitates—and this is not to be criticized, but merely described—that anyone who, I might say, works their way up from the bedrock of folk life into a certain sphere of education and intellect must take a leap across an abyss—from the language of their people into the language of the educated world. And, of course, only school provides the tools for this. The dialect is always correct; the dialect will say nothing other than: “Suun,” quite long, for “son,” and “Sun,” very short, for “sun.” But in school, it becomes difficult to find one’s way into the language that must now be learned in order to master education. And this leaping across the chasm is what brings about the existence of a distinct school language. It is this school language—not just any dialect—that leads people everywhere to pronounce long vowels short and short vowels long. From this you can see that, when immersed in intellectual life, one already faces a gulf everywhere in relation to folk culture. But this folk culture, in turn, is rooted so deeply and significantly—perhaps not so much in each person’s consciousness, but, one might say, in each person’s blood—that the power alluded to is experienced inwardly and can even be experienced in a significant way that cuts deep into the soul. And this is where phenomena come to light that are particularly important for anyone who wishes to consider the integration of Austrian higher spiritual life into the spiritual life of the Austrian people and the connection between the two. As the Austrian works his way up into the sphere of education, he is, I would say, also elevated—in terms of certain patterns of thought and certain patterns of ideas—into a sphere such that there is truly a gulf separating him from the folk culture. And this leads to a situation where, more so than is usually the case, there arises—precisely in the Austrian who has found his way into intellectual life— —a certain feeling of being drawn to folk culture arises; this is not a longing for something one has only recently left behind, but a longing for something from which one is, in a certain sense, separated by a chasm, yet toward which one cannot help but, out of one’s very blood, create a connection and find one’s way.
[ 8 ] Und nun denken wir uns zum Beispiel einen Geist — und er kann für das österreichische Geistesleben ganz typisch sein —, der durchgemacht hat, was ihm bieten konnte eine österreichische wissenschaftliche Bildung. Er lebt nun darinnen. Er ist in einer gewissen Weise durch diese wissenschaftliche Bildung getrennt von etwas, das er eben nicht mit gewöhnlichem, sondern mit einem viel tieferen Heimweh erreichen kann, von seinem Volkstum. Dann tritt auch unter Umständen so etwas auf wie ein inneres Erleben der Seele, in dem sich diese Seele sagt: Ich habe mich in etwas hineingelebt, das ich ja anschauen kann mit den Begriffen, mit den Ideen, das von dem Standpunkte der Intelligenz aus gewiß mich da oder dort hinführt, um die Welt zu verstehen und das Leben im Zusammenhang mit der Welt zu verstehen; aber da gibt es jenseits eines Abgrundes etwas wie eine Volksphilosophie. Wie ist doch diese Volksphilosophie? Wie lebt sie in denen, die nichts wissen und auch gar keine Sehnsucht haben, etwas zu wissen von dem, in das ich mich eingelebt habe? Wie schaut es da drüben, jenseits des Abgrundes, aus? — Ein Österreicher, in dem so lebendig geworden ist dieses Heimweh, das viel tiefer ist, als es sonst auftreten kann, dieses Heimweh nach dem Quell des Volkstums, aus dem man herausgewachsen ist, ein solcher Österreicher ist Joseph Misson.
[ 8 ] And now let us imagine, for example, a mind—one that might be quite typical of Austrian intellectual life—that has gone through everything an Austrian academic education had to offer. He now lives within that. In a certain sense, this academic education has separated him from something he can reach not through ordinary means, but through a much deeper longing—his sense of national identity. Then, under certain circumstances, something like an inner experience of the soul arises, in which this soul says to itself: I have immersed myself in something that I can indeed contemplate through concepts and ideas—something that, from the standpoint of the intellect, certainly leads me here and there to understand the world and to understand life in relation to the world; but beyond an abyss there is something like a folk philosophy. What is this folk philosophy like? How does it live on in those who know nothing and have no longing whatsoever to know anything about what I have immersed myself in? What does it look like over there, on the other side of the abyss? — An Austrian in whom this homesickness has become so vivid—a homesickness that runs much deeper than it usually does, this longing for the source of the folk tradition from which one has grown away—such an Austrian is Joseph Misson.
[ 9 ] Misson, der in seiner Jugend in einen Orden eintrat, nahm diejenige Bildung auf, auf die Robert Zimmermann hingewiesen hat, lebte in dieser Bildung und war in dieser Bildung auch tätig; er war Lehrer an den Gymnasien in Horn, in Krems, in Wien. Aber mitten in dieser Handhabung der Bildung entstand ihm, wie in einem inneren Seelenbild, durch die vertiefte Heimatliebe die Philosophie seines einfachen Bauernvolkes Niederösterreichs, aus dem er herausgewachsen ist. Und dieser Joseph Misson im Ordenskleid, der Gymnasiallehrer, der Lateinisch und Griechisch zu lehren hatte, vertiefte sich so in dieses sein Volkstum, wie aus der Erinnerung heraus, daß dieses Volkstum in einer lebendigen Weise dichterisch sich in ihm offenbart, so sich offenbart, daß dadurch eine der schönsten, der herrlichsten Dialekt-Dichtungen, die es überhaupt gibt, entstanden ist. Ich will nur, um Ihnen ein Bild vor die Seele zu malen, ein kleines Stück aus dieser Dialektdichtung vortragen, die 1850 nur zum Teil erschienen ist — sie ist dann nicht vollendet worden -, gerade dasjenige Stück, in dem Joseph Misson so recht die Lebensphilosophie des niederösterreichischen Bauern zur Darstellung bringt. Das Gedicht heißt: «Da Naaz,» - der Ignaz - «a niederösterreichischer Bauernbui, geht in d’ Fremd». Also, der Naaz ist herangewachsen im niederösterreichischen Bauernhaus, und er ist so weit, daß er nun seinen Weg in die Welt zu machen hat. Er muß Vater und Mutter, das elterliche Haus, verlassen. Da werden ihm die Lehren mitgegeben, die nun so recht eine Lebensphilosophie darstellen. Man muß nicht die einzelnen Grundsätze, die der Vater zu dem Buben sagt, nehmen, sondern man muß sie in ihrem geistigen Zusammenhang nehmen; wie da geredet wird über die Art und Weise, wie man sich zum Glück, wenn es kommt, zum Schicksal zu verhalten hat; wie man sich zu verhalten hat, wenn einem dieses oder jenes zustößt; wie man sich zu verhalten hat, wenn einem jemand Gutes tut; wie man sich zu verhalten hat zu freundlichen Leuten und wie zu denen, die einem Leids tun. Und ich möchte sagen: Dem, der seine philosophischen Studien durchmachte bis zu dem Grade, daß er vollständig Theologe geworden ist, dem geht jetzt diese Bauernphilosophie auf. — Der Vater sagt also zu dem Naaz, als der Naaz in d’ Fremd geht:
[ 9 ] Misson, who joined a religious order in his youth, embraced the education that Robert Zimmermann had pointed out, lived by that education, and was also active in it; he was a teacher at the high schools in Horn, Krems, and Vienna. But in the midst of this educational work, the philosophy of his simple peasant people of Lower Austria—from whom he had grown up—emerged within him, as if in an inner vision, through his deep love for his homeland. And this Joseph Misson in his religious habit, the high school teacher who was tasked with teaching Latin and Greek, immersed himself so deeply in this folk heritage—as if from memory—that this heritage revealed itself within him in a vivid, poetic way, revealing itself in such a way that it gave rise to one of the most beautiful, most magnificent works of dialect poetry that exists at all. Just to paint a picture in your mind, I’d like to recite a short excerpt from this dialect poem, which was published only in part in 1850—it was never completed—specifically the passage in which Joseph Misson so aptly portrays the philosophy of life of the Lower Austrian peasant. The poem is titled: “Da Naaz,” —Ignaz—“a Lower Austrian farm boy, goes out into the world.” So, Naaz has grown up in a Lower Austrian farmhouse, and he has reached the point where he must now make his way in the world. He must leave his father and mother, the family home. There he is given the teachings that truly represent a philosophy of life. One shouldn’t focus on the individual principles the father imparts to the boy, but rather consider them in their broader spiritual context—such as the discussion of how one should respond to good fortune when it comes, or to fate; how one should behave when this or that happens to one; how one should behave when someone does you a favor; how one should behave toward kind people and toward those who cause you suffering. And I would like to say: To the one who has pursued his philosophical studies to the point of becoming a full-fledged theologian, this peasant philosophy now makes sense. — So the father says to Naaz as Naaz sets out for foreign lands:
Aus dem ersten Gesang.
From the First Song.
Lehr vo main Vodern auf d’Roas.
Naaz, iazn loos, töös, wos a ta so, töös sockt ta tai Voda.
Gootsnom, wails scho soo iis! und probiast tai Glück ö da Waiden.
Muis a da sogn töös, wo a da so, töös los der aa gsackt sai.
Ih unt tai Muida san olt und tahoam, woast as ee, schaut nix außa.
Was ma sih schint und rackert und plockt und obi ta scheert töös
Tuit ma für d’Kiner, wos tuit ma nöd olls, bolds’ nöd aus der Ort schlog’n! —
Iis ma aamol a preßhafts Leut und san schwari Zaiden,
Graif an s’am aa, ma fint töös pai ortlinga rechtschoffan Kinern,
Gern untern Orm, auf taas mer d’Ergiibnus laichter daschwingan. —
Keert öppa s Glück pal dia ai, soo leeb nöd alla Kawallaa,
Plaib pain ann gleicha, Mittelstroß goldas Moß, nöd üwa t’Schnua haun.
S’ Glück iis ja kugelrund, kugelt so laicht wida toni wia zuuaha.
Geets owa gfalt und passiat der an Unglück, socks nöd ön Leuden.
Tui nix taglaicha, loß s goa nöd mirka, sai nöd goa zu kloanlaud.
Klock’s unsan Heagoot, pitt’en, ih so ders, er mochts wida pessa!
Mocka’r und hocka’r und pfnotten und trenzen mit den kimt nix außa.
Kopfhängad, grod ols won amt’ Heana s Prot häden gfressa:
Töös mochts schlimmi nöd guit, gidanka’r ös Guidi no pessa!
Schau auf tai Soch, wost miit host, denk a wenk füri aufs künfti!
Schenkt ta w’ea wos, so gspraiz ti nöd, nimms und so dafüa: gelts Goot!
Schau Naaz, mirk ta dos fai: weng da Höflikeit iis no koans gstroft woan! —
Holt ti nea ritterla, Fremd zügelt t’Leud, is a Sprichwoat, a Worwoat.
Los tino glai ö koan Gspül ai, keer di nöd fainl nochn Tonzplotz.
Los ta ka Koatn nöd aufschlogn, suich da tai Glück nöd in Trambuich.
Gengan zween Wö unt tor oani is naich, so gee du en olden.
Geer oana schips, wos aa Öftas iis, so gee du en groden —
Schau auf tain Gsund, ta Gsund iis pai olln no allwail tos Pessa.
So mer, wos hattenn aa Oans auf da Welt, sobolds nöd ön Gsund hod?
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Kimst a mol hahm und tu findst ö ten Stübl uns oldi Leud nimma,
Oft samma zebn, wo tai Aeln und Aanl mit Freuden uns gewoaten,
Unsari Guittäter finten und unsa vastoabani Freundschoft!
Olli, sö kenan uns glai - und töös, Naaz, töös is dos Schöner!
Lehr vo main Vodern auf d’Roas.
Naaz, iazn loos, töös, wos a ta so, töös sockt ta tai Voda.
Gootsnom, wails scho soo iis! und probiast tai Glück ö da Waiden.
Muis a da sogn töös, wo a da so, töös los der aa gsackt sai.
Ih unt tai Muida san olt und tahoam, woast as ee, schaut nix außa.
Was ma sih schint und rackert und plockt und obi ta scheert töös
Tuit ma für d’Kiner, wos tuit ma nöd olls, bolds’ nöd aus der Ort schlog’n! —
Iis ma aamol a preßhafts Leut und san schwari Zaiden,
Graif an s’am aa, ma fint töös pai ortlinga rechtschoffan Kinern,
Gern untern Orm, auf taas mer d’Ergiibnus laichter daschwingan. —
Keert öppa s Glück pal dia ai, soo leeb nöd alla Kawallaa,
Plaib pain ann gleicha, Mittelstroß goldas Moß, nöd üwa t’Schnua haun.
S’ Glück iis ja kugelrund, kugelt so laicht wida toni wia zuuaha.
Geets owa gfalt und passiat der an Unglück, socks nöd ön Leuden.
Tui nix taglaicha, loß s goa nöd mirka, sai nöd goa zu kloanlaud.
Klock’s unsan Heagoot, pitt’en, ih so ders, er mochts wida pessa!
Mocka’r und hocka’r und pfnotten und trenzen mit den kimt nix außa.
Kopfhängad, grod ols won amt’ Heana s Prot häden gfressa:
Töös mochts schlimmi nöd guit, gidanka’r ös Guidi no pessa!
Schau auf tai Soch, wost miit host, denk a wenk füri aufs künfti!
Schenkt ta w’ea wos, so gspraiz ti nöd, nimms und so dafüa: gelts Goot!
Schau Naaz, mirk ta dos fai: weng da Höflikeit iis no koans gstroft woan! —
Holt ti nea ritterla, Fremd zügelt t’Leud, is a Sprichwoat, a Worwoat.
Los tino glai ö koan Gspül ai, keer di nöd fainl nochn Tonzplotz.
Los ta ka Koatn nöd aufschlogn, suich da tai Glück nöd in Trambuich.
Gengan zween Wö unt tor oani is naich, so gee du en olden.
Geer oana schips, wos aa Öftas iis, so gee du en groden —
Schau auf tain Gsund, ta Gsund iis pai olln no allwail tos Pessa.
So mer, wos hattenn aa Oans auf da Welt, sobolds nöd ön Gsund hod?
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Kimst a mol hahm und tu findst ö ten Stübl uns oldi Leud nimma,
Oft samma zebn, wo tai Aeln und Aanl mit Freuden uns gewoaten,
Unsari Guittäter finten und unsa vastoabani Freundschoft!
Olli, sö kenan uns glai - und töös, Naaz, töös is dos Schöner!
Wiedergabe:
Translation:
Eine Lehre von meinem Vater für die Wanderschaft
Ignaz, nun höre zu, das, was ich dir sage, das sagt dir dein Vater.
In Gottes Namen, weil es doch so sein muß, und du dein Glück in der weiten Welt versuchen sollst,
Deshalb muß ich dir das sagen, und was ich dir sage, das beherzige wohl.
Ich und deine Mutter sind alt und zu Hause geblieben; du weißt, dabei kommt nichts heraus.
Man schindet sich viel, müht sich ab, arbeitet hart und schwächt sich sorgend durch Arbeit
Man tut dies den Kindern zu Liebe; was möchte man nicht alles tun, sobald sie nicht auf falsche Wege geraten.
Ist man später schwach und kränklich geworden, und kommen schwere Zeiten
Springen sie uns auch liebevoll, man findet solches bei ordentlichen, rechtschaffenen Kindern,
Helfend bei, damit man eine Erleichterung habe, zu leisten, was der Staat und das Leben verlangen.
Sollte etwa das Glück bei dir einkehren, so leb nicht wie ein Kavalier.
Bleibe so, wie du warst, bei dem goldenen Maß der Mittelstraße, weiche nicht ab von dem rechten Lebenswege.
Das Glück ist rund wie eine Kugel; es rollt ebenso leicht von uns weg, wie zu uns.
Gelingt etwas nicht, oder trifft dich ein Unglück, so sprich davon nicht zu den Menschen.
Bleib’ gelassen; lasse dir nichts anmerken; sei nicht kleinmütig;
Klage alles nur Gott; bitte ihn; ich sage dir, er macht alles wieder besser!
Bekümmert tun, sich zurückziehn, saure Gesichter machen, weinerlich sein: dadurch wird nichts erreicht. |
Den Kopf hängen lassen, als ob einem die Hühner das Brot weggegessen hätten:
Das bessert nichts Schlimmes, geschweige denn macht es das Gute noch besser!
Bewahre deinen Besitz, den du mit dir nimmst; sorge ein wenig für die Zukunft.
Schenkt dir jemand etwas, so nimm es, ohne dich zu zieren, und sage dafür: vergelte es Gott! —
Beachte, Ignaz; und erinnere dich daran wohl: der Höflichkeit wegen ist noch niemand bestraft worden! —
Zeige dich nicht widerborstig, die Fremde macht den Menschen bescheiden; dies ist ein Sprichwort und ein Wahrwort.
Lasse dich nicht zum Spielen verführen; mache dir nicht zu viel aus dem Tanzplatz.
Lasse dir nicht die Karten legen; und suche dein Schicksal nicht nach dem Traumbuch.
Gehen zwei Wege, und einer ist neu, so gehe du den alten,
Geht einer ungerade, was des öfteren ist, so gehe du den geraden.
Behüte deine Gesundheit; die Gesundheit ist von allen Gütern das bessere.
Gestehe mir doch zu: was besitzt man in der Welt wirklich, wenn man nicht die Gesundheit hat?
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Kommst du einst nach Hause, und findest du uns alte Leute nicht mehr in diesem Stübchen,
Dann sind wir da, wo dein Großvater und deine Großmutter in Freuden uns erwarten,
Wo uns unsere Wohltäter finden und unsere verstorbenen Verwandten.
Alle werden uns sogleich wiedererkennen - und dies, Ignaz, ist etwas sehr Schönes.
Nun heißt es -:
A lesson from my father for my journey
Ignaz, now listen: what I’m telling you is what your father is telling you.
For God’s sake, since this is how it must be, and you’re supposed to seek your fortune out in the wide world,
that’s why I have to tell you this, and take what I’m saying to heart.
Your mother and I are old and have stayed at home; you know, nothing comes of that.
One toils a great deal, struggles, works hard, and wears oneself out with worry over work
One does this for the sake of one’s children; what wouldn’t one do to keep them from straying onto the wrong path.
If later on one becomes weak and sickly, and hard times come
—even if they rush to our aid with love, as one finds in decent, upright children—
helping us so that we may find some relief in meeting the demands of the state and of life.
Should fortune ever smile upon you, do not live like a dandy.
Stay as you were, following the golden mean of the middle path; do not stray from the right path in life.
Fortune is round like a ball; it rolls away from us just as easily as it comes to us.
If something does not go well, or if misfortune befalls you, do not speak of it to others.
Stay calm; don’t let it show; don’t be fainthearted;
Confide everything only to God; pray to Him; I tell you, He will make everything better again!
Acting distressed, withdrawing, pulling a sour face, being tearful—none of this accomplishes anything. |
Hanging your head as if the chickens had eaten your bread:
That doesn’t make anything bad better, let alone make the good even better!
Take care of the possessions you’re bringing with you; plan a little for the future.
If someone gives you something, accept it without hesitation and say in return: “May God reward you!” —
Take note, Ignaz; and remember this well: no one has ever been punished for being polite! —
Don’t be contrary; being a stranger makes a person humble; this is a proverb and a word of truth.
Don’t let yourself be tempted to gamble; don’t make too much of the dance floor.
Don’t have your fortune told; and don’t seek your destiny in a dream book.
If there are two paths, and one is new, take the old one;
If one is crooked—which is often the case—take the straight one.
Take care of your health; of all possessions, health is the greatest.
Admit it: what do you truly possess in this world if you do not have your health?
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If you ever come home and find that we old folks are no longer in this little room,
then we will be where your grandfather and grandmother await us with joy,
where our benefactors and our departed relatives will find us.
Everyone will recognize us at once—and this, Ignaz, is something truly beautiful.
Now it is time to say—:
Aus dem zweiten Gesang. From the second song.
Wia da Naaz dos väterlichi Haus verloßt und ihm saini olden Laid s’Gloat geben.
Vodar und Muidar iazt sa -n -ih: «Gelts Goot, für ols, wos ma hopts Guids ton,
Wünsch enk recht herzlih, taß nah long lepts und aa tabei gsund plaibts!»
«Wos Goot will», sockt ’Muida und wischt min Fürtazipf ’Aung aus,
«Ruift und ta Hea vo tera Wöld 0, so samma jo gfoßt trauf.
Mänichen Menschen iis früaher aufgsetzt und mänichen späder,
Ih unt tai Voda, mir petten, Naaz, taß ta koan Unglück nöd zuisteßt.
Gengan a Neichtli mit tia und bigloaten dih pis zu da Moata; Pist amol z Piasenrait, keerst pai da Moam ai, fintst schon an Aufnom,
Richst olles Schöni aus, Naaz, und lossens aa vili mol grüaßen;
Kons amol a kemma, wirds uns aa rechtschaffa gfreun, wons uns hoamsuicht!»
Sockt das alt Muiderl und bint ihm an Guglhupf, Baudexen und aa
Noh dazui an Scherzen wais Prot in a neugwaschas Tüachel.
Hoamlih gibt’s ihm noh in an Popierl drei spannaichi Zwoanzka.
Extra gibt ihm da Vada an Zwieguldner, mehr kon a nöd gebn.
«S’Geld, Naaz, is pai uns Piglem nimm valiab midn Willn, Naaz.»
Ee t'Tür aufgeet, schaut da Naaz und pitracht sih noh’s Stübl,
«Main!» sockt !'Muida, «töös iis a schlims Zoachar ols säächast as nimmer!»
Glängt mit zween Fingern ös Waihprunkesterl, wos glaih pai da Tür hängt:
«Gootsnom!» sockt Muida, macht eam a Kreuz aufn Hirn midn Damar — unt gengan
-----
«Jazn is’s Ernst, Naaz, iaz pfiat dih Goot, schau daß da guit geet, Naaz!
Los a zu Zaiden was hörn, auf daas ma doh gleiwel aa wissen,
Wia oder wonn oder wos oder gsezter wais daaß da wos faalat. Kimst über t Graanitz, nim noh früaher a Schmutzerl vol Erten
Trinks in an gwasserten Wai, es hilft für die ungrische Krongat!»
Pfiaten sih nohmol und nohmol und gengan pitrüabt ausanonda.
Hunotmal klöckt nöd, schaun sa sih um und winkan min Hänten.
«Schau auf tai Aufweising», schreit noh da Voda von waiden, «valoi’s nöd!»
«Gee zu da Moam hin», schreit dos alt Muider], «mir grüaßens, vogiß nöd.»
As the son leaves his father’s house and bids farewell to his old parents.
Father and Mother now say to him: “May God reward us for all the good we’ve done,
I wish you with all my heart that you live a long life and stay healthy as well!»
“As God wills,” says Mother, wiping a tear from her eye with the corner of her shawl,
“Call out and listen to the voice from the far-off world—oh, so we’ll surely find each other.
Some people set out early and some later,
You and Dad, we pray, Naaz, that no misfortune befalls you.
Go out one evening with them and walk over to Mom’s; stop by Piasenrait, drop in on Mom too—you’ll find a warm welcome,
Tell them all the best, Naaz, and have them send their regards many times;
If you ever come by, we’ll be truly happy to see you when you visit us!”
The old lady gives him a Guglhupf, Baudexen, and also
on top of that, some white cheese wrapped in a freshly washed cloth.
At home, they give him three exciting twenty-schillings in a little envelope.
As a bonus, his dad gives him a two-gold coin; that’s all he can give.
“Money, Naaz, isn’t worth much to us kids these days, Naaz.”
He opens the door, Naaz looks in and surveys the room,
“Oh my!” says Muida, “you’ve never done anything worse than this!”
He points with two fingers at the little crucifix hanging right by the door:
“Good name!” says Muida, making the sign of the cross on her forehead with her finger—and then
-----
“It’s serious, Naaz, now pray to God, make sure everything goes well, Naaz!
Let’s go to Zaiden to hear what’s going on, so we know right away,
how or where or what—or at least know that something’s going on. If you cross the border, grab a little bag of peas beforehand
Drink some watered-down wine—it helps with the Hungarian crown disease!”
They cross themselves again and again and walk away, deeply saddened.
When the bell stops ringing, they look back and wave their hands.
“Look at that farewell,” shouts the father from afar, “don’t let it go to waste!”
“Go to your mother,” shouts the old mother, “give her my regards—don’t forget.”
Wiedergabe:
Translation:
Wie Ignaz das väterliche Haus verläßt und seine Eltern ihm das Geleit geben
Vater und Mutter, nun sage ich Vergelts Gott, für alles was ihr mir Gutes getan habt,
Ich wünsche euch von Herzen, daß ihr noch lange lebt und dabei gesund bleibt.
Wie Gott will, sagt die Mutter und wischt sich die Augen mit dem Tuchzipfel aus,
Ruft uns der Herr aus der Welt ab, so sind wir darauf gefaßt.
Manchen Menschen ist es früher aufgegeben und manchen später.
Ich und dein Vater beten, Ignaz, daß dir kein Unglück zustößt.
Wir gehen noch ein Stück Weg mit dir und begleiten dich bis zum Muttergottesbild.
Bist du erst einmal in Piasenrait, so kehre bei der Muhme ein, dort findest du sicher Aufnahme.
Bestelle ihr alles Schöne, Ignaz, wir lassen sie auch vielmals grüßen,
Wenn sie einmal kommen kann, wird es uns wirklich freuen, wenn sie uns besucht,
So spricht das alte Mütterchen und bindet ihm einen Napfkuchen, Backwerk und auch dazu noch einen Kanten Weißbrot in ein frischgewaschenes 'Tüchlein.
Heimlich gibt sie ihm noch, in Papier gewickelt, drei glänzend neue Zwanziger.
Der Vater gibt ihm ein Zwei-Gulden-Stück, mehr kann er nicht geben.
Das Geld ist bei uns knapp, Ignaz, nimm mit dem guten Willen vorlieb.
Bevor die Tür aufgeht, schaut sich Ignaz um und betrachtet noch einmal das Stübchen.
O weh, sagt die Mutter, das ist ein schlimmes Zeichen, so als sähest du’s nie wieder,
Langt mit zwei Fingern ins Weihwasserkesselchen, das neben der Tür hängt.
In Gottes Namen, sagt die Mutter und macht ihm ein Kreuz auf die Stirn mit dem Daumen — und sie gehen.
Jetzt wird es Ernst, Ignaz, nun behüte dich Gott, laß es dir gut gehen, Ignaz,
Laß auch von Zeit zu Zeit von dir hören, damit wir auch immer wissen, wie es dir geht oder ob dir was fehlt.
Wenn du über Graanitz* kommst, nimm vorher eine Handvoll Erde,
Österreichisch für: Grenze. Trink das in verdünntem Wein, es hilft gegen das Fieber.
Sie sagen sich Behüte dich, noch einmal und noch einmal, und gehen betrübt auseinander.
Hundertmal reicht nicht, daß sie sich umschauen und mit den Händen winken.
Achte auf deinen Ausweis, ruft der Vater noch von weitem, verlier ihn nicht.
Geh zu der Muhme hin, ruft das alte Mütterchen, wir lassen sie grüßen, vergiß das nicht.
How Ignaz Leaves His Parents’ Home and His Parents See Him Off
Father and Mother, now I say thank you for all the good you’ve done for me,
I wish you from the bottom of my heart that you may live long and stay healthy.
“As God wills,” says his mother, wiping her eyes with the corner of her handkerchief,
“If the Lord calls us from this world, we are prepared for it.”
“For some people, it comes sooner; for others, later.”
“Your father and I pray, Ignaz, that no misfortune befalls you.”
We’ll walk a little further with you and accompany you to the statue of the Virgin Mary.
Once you’re in Piasenrait, stop by your aunt’s; you’re sure to be welcomed there.
Send her our best regards, Ignaz; we’ll send her our warmest greetings as well,
If she’s ever able to come, we’d truly be delighted if she visited us,
So says the old lady as she wraps a cupcake, some pastries, and a slice of white bread in a freshly washed little cloth.
She secretly slips him three shiny new twenty-guilder coins, wrapped in paper.
His father gives him a two-guilder coin; that’s all he can afford.
“Money is tight around here, Ignaz; just make do with our good wishes.”
Before the door opens, Ignaz looks around and takes one last look at the little room.
“Oh dear,” says his mother, “that’s a bad sign—as if you’ll never see it again,”
He dips two fingers into the little holy water font hanging next to the door.
“In God’s name,” says the mother, making the sign of the cross on his forehead with her thumb—and they leave.
“Now it’s getting serious, Ignaz. May God watch over you; take care, Ignaz,”
Be sure to let us hear from you from time to time, so we always know how you’re doing or if you need anything.
When you cross Graanitz*, take a handful of soil first,
Austrian for: border. Drink it mixed with wine—it helps against fever.
They say to each other, “Take care,” again and again, and part ways sadly.
A hundred times isn’t enough for them to look back and wave their hands.
“Take care of your ID,” the father calls from afar, “don’t lose it.”
“Go see your aunt,” the old mother calls out; “we send our regards—don’t forget that.”
[ 10 ] Die ganze Philosophie des Bauernvolkes taucht da vor dem Ordensmann auf, und so lebendig, daß man sieht, wie innig er damit verwachsen ist. Aber mit noch etwas anderem ist er verwachsen: mit demjenigen, was so gründlich zusammenhängt mit dem österreichischen Charakter, mit dem Charakter des österreichisch-deutschen Bauerntums in den Alpen: mit der unmittelbar urwüchsigen Naturanschauung, die aus dem unmittelbarsten Zusammenleben mit der Natur heraus ist. Dem, was da in Joseph Misson wieder lebendig wird, verdankt man die Schilderung eines Gewitters. Anschaulich wird da geschildert, wie der Naaz nun reist und wie er an einen Platz kommt, wo Heideschafe weiden, die ein Hirte, den man dort einen Holdar nennt, genau zu beobachten weiß: wie sie sich benehmen, wenn ein Gewitter kommt. Nun sagt er sich selber, was er da sieht:
[ 10 ] The entire philosophy of the peasantry unfolds before the monk’s eyes, and so vividly that one can see how deeply he is intertwined with it. But he is also deeply rooted in something else: in that which is so thoroughly intertwined with the Austrian character, with the character of the Austrian-German peasantry in the Alps—namely, the immediate, unadulterated view of nature that springs from living in the most direct communion with nature. It is to this quality, brought to life once more in Joseph Misson, that we owe the description of a thunderstorm. It vividly describes how Naaz is now traveling and how he comes to a place where heath sheep are grazing, which a shepherd—known there as a “Holdar”—knows how to observe closely: how they behave when a thunderstorm approaches. Now he comments to himself on what he sees there:
Wia’n Naaz a Wöder dawischt unt er sih nöt aus untnöd ein woaß.
«Oans», sockt a, «töös», sockt a, «setz dir iazt fest und teng dir wo’st ausroast»
Geet auf ’Hoad und schaut - iaz mochts auf oamol an Dunnrer!
Gleich trauf wida’r - und wia romaats über t Beringer umi.
Purrt und saust waitmächti in Holz trinat, daß’s völli aus iis!
«No, woo dos ausloßt, unsar Heagoot sai eane gnädii!»
Sockt drauf da Holdar, nimmt sain Gebernitz um und «wanns nur»,
Sockt er und schaut auf die Guirkan, «wanns nur nöd eppa’r an Schaur hod!»
«So, wia mir zimt», so sockt er, «so san zwoa Wödarn painander.» (Dieses Zusammenströmen von zwei Gewittern ist nun anschaulich geschildert.)
Und ta Hund reckt t Goschn int Höh und schmöckt wia da Luft geet.
Zoigt’ ön Schwoaf ain, geet droaf ruhi zum Holdar - unt guscht sih.
Jazn is’s still und schwül und s Laab töös zidat in Poman.
T Vögel t schloifan in t"Nöster unt t’Schoof dee stenkat die Köpf zsom.
Wia’n Naaz a Wöder dawischt unt er sih nöt aus untnöd ein woaß.
«Oans», sockt a, «töös», sockt a, «setz dir iazt fest und teng dir wo’st ausroast»
Geet auf ’Hoad und schaut - iaz mochts auf oamol an Dunnrer!
Gleich trauf wida’r - und wia romaats über t Beringer umi.
Purrt und saust waitmächti in Holz trinat, daß’s völli aus iis!
«No, woo dos ausloßt, unsar Heagoot sai eane gnädii!»
Sockt drauf da Holdar, nimmt sain Gebernitz um und «wanns nur»,
Sockt er und schaut auf die Guirkan, «wanns nur nöd eppa’r an Schaur hod!»
«So, wia mir zimt», so sockt er, «so san zwoa Wödarn painander.» (Dieses Zusammenströmen von zwei Gewittern ist nun anschaulich geschildert.)
Und ta Hund reckt t Goschn int Höh und schmöckt wia da Luft geet.
Zoigt’ ön Schwoaf ain, geet droaf ruhi zum Holdar - unt guscht sih.
Jazn is’s still und schwül und s Laab töös zidat in Poman.
T Vögel t schloifan in t"Nöster unt t’Schoof dee stenkat die Köpf zsom.
Wiedergabe:
Translation:
Wie der Ignaz in ein Wetter gerät und nicht aus noch ein weiß
Hör einmal, sagt er sich, setz dir jetzt und denk dir aus, welchen Weg du nimmst.
Er geht auf die Heide und schaut — auf einmal kracht ein Donner,
Gleich darauf wieder, und wie es rumort über die Berge hinüber!
Es knarrt und saust gewaltig im Holze, als ob’s völlig aus sei.
Na, wen das trifft, dem sei der Herrgott gnädig,
Sagt sich da der Bursche, nimmt seinen Mantel um und sagt,
Wie er nach den Wolken schaut, wenn es nur nicht etwa noch regnet.
Wie mir scheint, sagt er, sind zwei Gewitter durcheinander.
Und der Hund streckt die Schnauze in die Höhe und schnuppert, wie die Luft weht,
zieht den Schwanz ein, geht darauf still zum Burschen und legt sich neben ihn.
Jetzt ist es still und schwül, und das Laub zittert in den Bäumen,
Die Vögel schlafen in den Nestern, und die Schafe stecken die Köpfe zusammen.
How Ignaz gets into a fix and can't get out of it
“Listen,” he says to himself, “sit down now and figure out which path to take.”
He walks out onto the heath and looks around—suddenly, thunder crashes,
followed immediately by another clap, and how it rumbles across the mountains!
The woods creak and howl mightily, as if they were about to come apart.
Well, may God have mercy on whoever gets caught in that,
the young man says to himself, puts on his coat, and says,
as he looks up at the clouds, “I just hope it doesn’t start raining too.”
“It seems to me,” he says, “that two thunderstorms have merged.”
And the dog lifts his snout high and sniffs to see which way the wind is blowing,
tucks his tail between his legs, walks quietly over to the young man, and lies down beside him.
Now it is quiet and muggy, and the leaves tremble in the trees,
the birds are sleeping in their nests, and the sheep are huddling together.
[ 11 ] Das macht er sich alles gegenwärtig, der gute Naaz, und dann sagt der Dichter, der beschrieben hat mittlerweile, wie der Naaz in «a Lucka» - in eine Felsenhöhle, eine Steinhöhle — hineingegangen ist. Er wartet dort, bis das Schlimmste vorüber ist. Dann hängt er seine Stiefel auf die andere Achsel und geht wieder weiter. Aber das Abenteuer mit dem Wetter ist noch nicht aus. Der Naaz kommt an ein Bächelchen; das ist selbstverständlich angeschwollen von dem Wetter. Der Naaz sieht das:
[ 11 ] Good old Naaz takes all of this in, and then the poet—who has by now described how Naaz went into “a Lucka”—a rock cave, a stone cave—says: He waits there until the worst is over. Then he slings his boots over his other shoulder and continues on his way. But the weather-related adventure isn’t over yet. Naaz comes to a little stream; it has, of course, swollen from the storm. Naaz sees this:
«Schaut wia’ra Nor, tös Bachl is gros, iazt kon a nid umi! —
Töös owa», sockt a, «wiat toh wos sain? iozt kann ik nid umi!»
Er schaut wie ein Narr, der Bach ist zu groß, jetzt kann er nicht hinüber.
Aber so etwas, sagt er, was soll das sein? Jetzt kann ich nicht hinüber!
“Look where we are now—that stream is too wide; now I can’t get across! —
“Well then,” he says, “what’s the point? Now I can’t get across!”
He looks like a fool; the stream is too wide—now he can’t get across.
“But what’s this all about?” he says. “Now I can’t get across!”
[ 12 ] Nun, in einer solchen Weise wollte Misson, dieser wirklich aus der Tiefe des Volkstums heraus schaffende Mensch, die Gestalt des Naaz verkörpern. Wenn man gerade eine solche Gestalt nimmt, so sieht man, wie tief, tief in den unterbewußten Seelenfächern, könnte ich sagen, das österreichische Volkstum sitzt bei denjenigen Seelen, die sich auch hinaufgearbeitet haben in eine hohe Bildungssphäre, Und man sieht an einem solchen Beispiel, was aus dem Volkstum bleibt für die Seele in die höhere Bildungssphäre hinauf, wenn man dieses österreichische Volkstum betrachtet,
[ 12 ] Well, this is how Misson—a man who truly drew his inspiration from the depths of folk culture—sought to embody the figure of Naaz. When one takes just such a figure, one sees how deeply—deeply in the subconscious recesses of the soul, I might say—Austrian folklore resides in those souls who have also worked their way up into a high sphere of education, And one sees from such an example what remains of folk culture for the soul as it ascends into the higher sphere of education, when one considers this Austrian folk culture,
[ 13 ] Man muß sagen: Mystiker, so etwa in dem Sinne, daß die menschliche Seele so recht die Vertiefung in das Innenleben, so recht sich klar zu werden versucht, was da im Innern des Menschen lebt und webt, — solche Mystiker sind in Österreich nicht recht zu finden. Mystiker, die sich viel mit dem menschlichen Ich befassen, können dort nicht gedeihen. Dagegen in einer gewissen Weise die geheimnisvollen Naturmächte mehr als nur poetisch fühlen, ich möchte sagen, die Gnomen, die Kobolde, die Geister der Natur in ihrer Lebendigkeit fühlen, auch mit einem gewissen Humor, so daß man sich im rechten Augenblick nicht gezwungen fühlt, die volle Realität zuzugeben, sondern im Miterleben der Natur das, was in der Natur lebt und webt, als ein höheres Geistiges zu empfinden, — das ist wiederum österreichisch. Daher wird man Mystiker, die etwa Nachfolger von Eckhart, Johannes Tauler sein könnten, innerhalb des österreichisch-deutschen Volkstums nicht leicht finden können.
[ 13 ] It must be said: Mystics—in the sense of those who seek to delve deeply into the inner life of the human soul and to truly understand what lives and weaves within a person—such mystics are not really to be found in Austria. Mystics who concern themselves deeply with the human ego cannot thrive there. On the other hand, those who, in a certain way, sense the mysterious forces of nature in more than just a poetic sense— I would say, who feel the gnomes, the goblins, and the spirits of nature in all their vitality—even with a certain sense of humor—so that at the right moment one does not feel compelled to acknowledge their full reality, but rather, in experiencing nature, perceives what lives and weaves within it as a higher spiritual reality—that, in turn, is Austrian. That is why one will not easily find mystics—who might be considered successors to Eckhart or Johannes Tauler—within the Austrian-German folk tradition.
[ 14 ] Dagegen ist so recht eine österreichische Gestalt der merkwürdige Bauernphilosoph Conrad Deubler, der mitten in den Gebirgen drinnen, in Goisern, 1814 geboren, 1884 dort als Gastwirt gestorben ist, der durchaus ganz Bauer gewesen und geblieben ist; ein Mann aber, der die neueren Ideen des Darwinismus, die Entwickelungsgeschichte, so lebendig ergriffen hat, durchdrungen hat mit seinem Bauernverstand, mit einem gewissen, ich möchte sagen, kurz angebundenen Bauernverstand, — Conrad Deubler, ein solcher Philosoph konnte gedeihen; ein Philosoph, der sich nicht viel einließ auf weitschweifige Begründungen, sondern es gefiel ihm diese Lehre, und nun brachte er aus dem österreichischen Gemüt alles auf, was diese Lehre so plausibel erscheinen lassen konnte, Er brachte aus einem ursprünglichen, elementarischen Bauernverstand heraus eine, ich möchte sagen, ins österreichisch-bäuerische umgesetzte Darwinistische Auffassung zustande, durch die er in einem ausgiebigen Briefwechsel stehen konnte mit dem bedeutenden Theologen und Schriftsteller David Friedrich Strauß, mit Feuerbach, mit Ernst Haeckel und so weiter. Die ganze Weite des Naturbildes mit dem Verstande zu erfassen, liegt dieser österreichischen Seele eher, als sich etwa nur mystisch in das Innere zu vertiefen. Man findet deshalb im österreichischen Bauerntum einzelne Menschen, die jedes Kräutelchen im Gebirge kennen, die auch mit dem ganzen inneren Weben des Kräutelchens seelisch verbunden sind, die sich zum Beispiel auf solche Philosophen wie Ennemoser, wie Eckartshausen einlassen, die mehr in der ganzen Breite ein gewisses tieferes Naturbild geben wollen, die auch den Menschen in dieses Naturbild hineinstellen wollen. Aber man wird innerhalb dieses österreichischen Bauerntums und demjenigen, was aus diesem Bauerntum erwächst, nicht leicht einen reinen Mystiker finden, der sich auf Betrachtung der menschlichen Seele einläßt, mit Abwendung des Blickes von der äußeren Sinnenwelt. Denn das unmittelbare Zusammenhängen mit demjenigen, was auf die Sinne Eindruck macht, das ist es, was dem, der es sieht, das österreichische Gemüt charakterisiert im weitesten Umkreis, — das Sehen von mehr als Sinnlichem, aber das unmittelbare Sehen — das Sehen, was nicht nachzudenken braucht, jenes Sehen, das, ich möchte sagen, zuweilen den Verstand überspringt und unmittelbar in das Herz hineingeht.
[ 14 ] In contrast, the peculiar peasant philosopher Conrad Deubler is truly an Austrian figure: born in 1814 in Goisern, deep in the mountains, and died there in 1884 as an innkeeper, he was and remained a peasant through and through; yet he was a man who grasped the newer ideas of Darwinism and the history of evolution so vividly, penetrating them with his peasant common sense—a certain, I might say, no-nonsense peasant common sense—Conrad Deubler, a philosopher of this sort, was able to flourish; a philosopher who did not concern himself much with long-winded justifications, but rather took a liking to this doctrine, and now he drew from the Austrian spirit everything that could make this doctrine seem so plausible. Drawing on a primal, elementary peasant’s common sense, he developed a, I would say, a Darwinian conception—translated into the Austrian peasant mindset—through which he was able to engage in extensive correspondence with the eminent theologian and writer David Friedrich Strauss, with Feuerbach, with Ernst Haeckel, and so on. Comprehending the full breadth of the natural world with the intellect is more natural to this Austrian soul than, for example, merely delving mystically into the inner world. One therefore finds among the Austrian peasantry individual people who know every little herb in the mountains, who are also spiritually connected to the herb’s entire inner fabric, who engage, for example, with philosophers such as Ennemoser and Eckartshausen—who seek to present a certain deeper view of nature across its full breadth and who also wish to place human beings within this view of nature. But within this Austrian peasantry—and in what grows out of it—one will not easily find a pure mystic who engages in the contemplation of the human soul while turning one’s gaze away from the external sensory world. For the immediate connection with that which makes an impression on the senses—that is what, in the broadest sense, characterizes the Austrian spirit for those who perceive it—the seeing of more than the sensory, but immediate seeing—seeing that requires no thought, that seeing which, I might say, at times bypasses the intellect and enters directly into the heart.
[ 15 ] Daher kann man sagen, daß aus der österreichischen Poesie ein unmittelbares Zusammenklingen der Seele mit der Landschaft stattfindet, bisweilen in einer so schmerzbewegenden Weise, wie bei Lena; aber überhaupt dieses Aufgehen mit der ganzen Seele in dem, was unmittelbar von dem Menschen getan, was von ihm vollbracht werden kann, ohne daß es zusammenhängt mit der unmittelbaren Nützlichkeit, — das ist etwas, was zu den Gemütseigenschaften des Österreichers gehört.
[ 15 ] Therefore, one can say that Austrian poetry gives rise to a direct harmony between the soul and the landscape, at times in a manner as deeply moving as in Lena’s work; but in general, this immersion of the whole soul in what is directly done by human beings, what they can accomplish, without it being tied to immediate utility—that is something that belongs to the character of the Austrian.
[ 16 ] Ich möchte sagen, auf der einen Seite, diesseits der Leitha, hat man in den österreichischen Bergen, den österreichischen Gegenden etwas, was sich im Bilde darstellen läßt, wie ich es versuchte bei Joseph Misson. - Kommt man über die Leitha hinüber, jenseits hat man unmittelbar den Zusammenhang mit der weiten Natur in den ungarischen Heiden; aber man hat auch ein Zusammenleben mit dem, was im Sinnlichen, ich möchte sagen, geistig tönt, was das Sinnliche geistig so auszuschöpfen versucht, wie es sich nur ausschöpfen läßt. Derjenige, der selber einmal nach Ungarn hinübergekommen ist, eine ungarische Musikbande sich angehört hat mit alledem, was diese Leute von ihrer Seele hineinlegen in ihr so einfaches und so wunderbares Spiel, in dem dämonisch rast der Schmerz, dämonisch rast die Lust und das Ausgelassensein des Lebens zugleich, der versteht ein Gedicht wie das des Ungarn Szäz, das sich bezieht auf dieses unmittelbare Zusammenleben mit dem Sinnenfälligen, das aber geistig, tief geistig und seelisch empfun den wird:
[ 16 ] I would like to say that, on the one hand, on this side of the Leitha, in the Austrian mountains and regions, there is something that can be depicted visually, as I attempted to do in the case of Joseph Misson. - When one crosses over the Leitha, on the other side one immediately experiences a connection with the vast natural landscape of the Hungarian plains; but one also experiences a coexistence with that which, in the sensory realm, I would say, resonates spiritually—that which seeks to draw out the spiritual from the sensory to the fullest extent possible. Anyone who has ever traveled to Hungary themselves, who has listened to a Hungarian folk band with all that these people pour from their souls into their simple yet wondrous playing—in which pain rages demonically, demonically rages the joy and exuberance of life at the same time—such a person understands a poem like that of the Hungarian Szäz, which refers to this direct coexistence with the sensory, yet is experienced spiritually, deeply spiritually and emotionally:
Hör’, o hör’ der Geige Singen!
Wie sie klagt und wie sie weint;
In vier Saiten so viel Trauer,
So viel Schmerz und Gram vereint!Wie der Nachtigallen Flöten
In dem stillen schatt’gen Wald,
Wie an Mutters Grab das Schluchzen
Der verlass’nen Waise schallt.Hör’, o hör’ der Geige Klingen,
Acht’ auf ihrer Saiten Sang,
Wie’s auf ihnen wogt und braust
Beim Räköczi-SturmesklangDas ist Klage, das ist Trauer,
Die bedrückt und doch erhebt,
Die das Einst beweint, doch hoffend
Einer schönen Zukunft lebt.Horch, ein Fluch ertönt - und Schwerter
Mischen klirrend sich darein
Schlachtgetös’ - und alles, alles
Nur ein Fiedelbogen klein.Hör’, o hör’ der Geige Tönen,
Wie sie spornt und lacht und weint,
In vier Saiten solch’ Empfinden,
So viel Lust und Schmerz vereint! —
Listen, oh listen to the violin’s song!
How it laments and how it weeps;
So much sorrow in four strings,
So much pain and grief combined!Like the nightingale’s flute
In the quiet, shady forest,
Like the sobs at a mother’s grave
Of the forsaken orphan resound.Listen, oh listen to the violin’s sound,
Heed the song of its strings,
How it surges and roars upon them
To the stormy sound of RákócziThis is lament, this is sorrow,
That weighs heavily yet lifts the spirit,
That mourns the past, yet lives in hope
Of a beautiful future.Listen, a curse resounds—and swords
Clash clanging into the fray
The din of battle—and all, all
Is but a small violin bow.Hear, oh hear the violin’s tones,
How it spurs on, laughs, and weeps,
Such feeling in four strings,
So much joy and pain united! —
[ 17 ] Man muß schon hinschauen, um die einschlägigen Dinge zu verstehen, man muß schon hinschauen auf das innige Verwobensein der Sinne mit der Außenwelt, so daß die Sinne in ihrem Verwobensein mit der Außenwelt innerhalb des Sinnlichen das Geistige leichter erschauen, als wenn dieses Geistige intellektuell im Geiste aufwacht. Man kann sagen: Wenn es sich darum handelt, unmittelbar aus dem Herzen heraus ein Urteil zu fällen, Kritik oder Zustimmung zur Welt zu üben, so wird sich der Österreicher unter Umständen etwas zutrauen. Er wird sich auch, namentlich wenn er etwas gelernt hat, gerne in abstrakten Begriffen bewegen, er wird gerne etwas auf die Kultur des Kopfes geben, vor allen Dingen aber festgewurzelt sein wollen in der Kultur des Herzens. Aber der Weg vom Kopf zum Herzen, der Weg vom Herzen zum Kopfe, der ist halt gar so lang, und der ist gar so schwierig zu finden! Da bleibt man oftmals im Mittelpunkte leicht stehen!
[ 17 ] One must really look closely to understand these matters; one must really look at the intimate interweaving of the senses with the external world, so that, through this interweaving, the senses can perceive the spiritual more easily within the realm of the sensible than when this spiritual aspect awakens intellectually in the mind. One might say: When it comes to making a judgment directly from the heart—to offer criticism or approval of the world—the Austrian may, under certain circumstances, have some confidence in himself. He will also, especially if he has received an education, be inclined to think in abstract terms; he will value the culture of the mind, but above all, he will want to be firmly rooted in the culture of the heart. But the path from the mind to the heart, the path from the heart to the mind—it is just so long, and it is just so difficult to find! One often finds oneself easily stuck right in the middle!
[ 18 ] Es ist im gewissen Sinne doch recht charakteristisch, was zum Beispiel ein guter Kenner des Österreichertums, ein Zeitgenosse, über eine österreichische Persönlichkeit, den einstigen Wiener Burgtheater-Direktor Max Burckhard, sagte: daß nämlich bei diesem urösterreichischen Mann, Max Burckhard, trotz all seiner Energie das gerade das Charakteristische war, daß er sich niemals so recht dem Übergang vom Gefühl zum Verstand oder vom Verstand wiederum zum Gefühl unterziehen wollte. Beide wollte er so getrennt walten lassen. Während Max Burckhard Wiener Burgtheater-Direktor war, so erzählt Hermann Bahr, und im Burgtheater das von sehr vielen Leuten als besonders bedeutend angesehene Stück Wilbrandts «Der Meister von Palmyra» aufgeführt werden sollte, das ja für viele etwas ungeheuer Hochgeistiges ist, da wollte Burckhard nicht heran, das Stück aufzuführen. Er konnte nicht verstehen, warum man etwas so Bedeutendes darinnen sehe; er hat es immer abgelehnt. Da haben es wohlmeinende, das heißt, Wilbrandt und dem «Meister. von Palmyra» wohlmeinende Leute zustande gebracht, daß sich Burckhard wenigstens eingelassen hat darauf, in einer wirklich hohen Gesellschaft einer Vorlesung des «Meister von Palmyra» beizuwohnen. Er kannte das Stück selbstverständlich, aber es sollte ihm nicht vorgelesen werden, sondern es sollten alle die schönen, ästhetischen Stellen, die Abhandlungen auf ihn wirken, die die dazu eingeladenen wirklichen Professoren und Asthetiker über das Meisterhafte dieses Stückes vorzubringen hatten. Nun, Burckhard war wirklich ein recht gescheiter Mann, der, wenn es darauf ankam, dialektisch seinen Mann stellte und in die geistigen Ideen hineinkonnte. Er hörte sich das Stück an. Er hörte nicht nur die Vorträge der Ästhetiker und Professoren an, «wie aus den Tiefen der Menschnatur heraus hier etwas geschöpft sei, das in die höchsten Regionen des geistigen Lebens hineinweise». Er hörte auch, wie nach allen Kapiteln der Ästhetik die schönen Charakteristiken aufzufassen sind. Er schwieg. Er ließ sich nicht ein darauf, irgendwie diese Gedankengänge mitzumachen. Er konnte sie selbstverständlich begreifen. Ein Leichtes wäre es ihm geworden, die Sache zu widerlegen von seinem Standpunkte aus, sich einzulassen darauf. Bei einer anderen Gelegenheit würde er das vielleicht getan haben, sich einzulassen in weitschweifige Diskussionen über die Sache. Er blieb still, er sagte nichts. Da machten sich Damen, insbesondere die Frau des Hauses, an ihn heran: ob er denn nicht wenigstens sagen wollte, wie er sich verhielte zu all den geistreichen Ausführungen über eines der geistreichsten Stücke, die jemals geschrieben worden seien. Es sei doch Pflicht des Burgtheaters, das weltepochemachende Stück aufzuführen. Er ließ sich aber nicht auf eine Diskussion ein. Er sagte: «Ich führe es nicht auf!» Und warum? Warum? Man wollte von ihm jetzt hören, dem geistreichen Manne, wie er sich zu alle den stundenlang geistreich abgehandelten Dingen verhielte. Da sagte er bloß: «Weil’s a Holler ist!» — «A Holler» ist etwas, was in Österreich dasselbe bedeutet wie in Berlin «Quatsch». Aber auf eine Diskussion ließ er sich nicht ein. Das ist charakteristisch zu nehmen. Er verließ sich auf sein unmittelbares Herzensurteil, auf dasjenige, was ihm sein Gemüt sagte, und er fand es nicht notwendig, sich einzulassen in Erörterungen der Dialektik und so weiter; seine ganze Kritik war die, daß es ein «Holler» ist.
[ 18 ] In a certain sense, it is quite characteristic what, for example, a connoisseur of Austrian culture—a contemporary—said about an Austrian figure, the former director of the Burgtheater in Vienna, Max Burckhard: namely, that in this quintessentially Austrian man, Max Burckhard, despite all his energy, the very thing that characterized him was that he never really wanted to submit to the transition from emotion to reason or, conversely, from reason back to emotion. He wanted to let both operate separately. Hermann Bahr recounts that while Max Burckhard was director of the Burgtheater in Vienna, and Wilbrandt’s play *The Master of Palmyra*—which many people regarded as particularly significant and which, for many, is something immensely profound—was to be staged at the Burgtheater, Burckhard refused to stage the play. He could not understand why anyone would see anything so significant in it; he always rejected it. Then well-meaning people—that is, those who were well-disposed toward Wilbrandt and *The Master of Palmyra*—managed to persuade Burckhard to at least agree to attend a reading of *The Master of Palmyra* in a truly high-society setting. He was, of course, familiar with the play, but it was not to be read aloud to him; rather, he was to be impressed by all the beautiful, aesthetic passages and the discussions that the invited professors and aesthetes—true experts in their fields—would present regarding the masterful nature of this play. Now, Burckhard was truly a very intelligent man who, when it came down to it, could hold his own in dialectical debate and delve into intellectual ideas. He listened to the play. He did not merely listen to the lectures of the aesthetes and professors on “how something had been drawn from the depths of human nature that pointed toward the highest realms of spiritual life.” He also heard how, according to every chapter of aesthetics, the beautiful characteristics were to be understood. He remained silent. He did not allow himself to be drawn into these lines of thought in any way. He could, of course, comprehend them. It would have been easy for him to refute the matter from his own standpoint, to engage with it. On another occasion, he might have done just that—engaged in lengthy discussions on the matter. He remained silent; he said nothing. Then the ladies, especially the lady of the house, approached him: wouldn’t he at least say how he felt about all the witty remarks on one of the most brilliant plays ever written? Surely it was the Burgtheater’s duty to stage this epoch-making play. But he refused to engage in a discussion. He said, “I’m not staging it!” And why? Why? People now wanted to hear from him—this witty man—how he felt about all the things that had been so wittily discussed for hours on end. To which he simply replied, “Because it’s a load of nonsense!” —“A Holler” is a term that means the same thing in Austria as “nonsense” does in Berlin. But he wouldn’t engage in a discussion. This is characteristic of him. He relied on his immediate, heartfelt judgment—on what his mind told him—and he didn’t find it necessary to get involved in dialectical debates and so on; his entire critique was that it was “Holler.”
[ 19 ] Und so ist es interessant zu sehen eigentlich, wie in der Zeit, in welcher innerhalb des übrigen Gebietes deutschen Volkswesens die wunderbarsten, die herrlichsten Diskussionen über die Bedeutung, die Natur und das Wesen des Dramas gepflogen wurden, Diskussionen, an denen sich beteiligt haben auch Goethe und Schiller in einer so tiefgründigen Weise — ich meine namentlich Ende des achtzehnten Jahrhunderts, Anfang des neunzehnten Jahrhunderts —, wie sich in dieser Zeit auch in Österreich eine Diskussion über Ästhetik, über die Bedeutung und das Wesen des Dramas entzündete. Aber woran entzündete sich dort in Österreich die Diskussion über das Drama? In einer sehr merkwürdigen Weise entzündete sich in Österreich all dasjenige, was dort für und gegen diese Art und Weise vorgebracht worden ist; was innerhalb des Schiller-GoetheKreises und der weiteren Kreise des ganzen deutschen Geisteslebens in einer so bekannten tiefgründigen Weise aus dem Unsinnlichen des Geistes heraus diskutiert worden ist, das alles entzündete sich wiederum in Österreich auf eine ganz eigentümliche Weise, nämlich am Tanz. Über zwei Arten des Tanzes kam man im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts dort in eine ganz energische, bedeutsame Diskussion hinein. Da hatte gewirkt um die Wende des Jahrhunderts als Meister des Tanzes Noverre; und sein Schüler war dann Muzzarelli. Muzzarelli vertrat einen Tanz, eine Tanzart, bei der es hauptsächlich darauf ankam, schöne Bewegungen, künstliche Bewegungen zu machen, künstliche Bewegungen durch ihre Linien ineinander zu verschlingen, wo also das äußere Raumesbild des Sichdarbietens in Betracht gezogen wurde. Nun trat im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ein Gegner dieser 'Tanzform, Salvatore Vigano, auf. Und für diese Tanzform des Salvatore Vigano, dessen Frau namentlich in meisterhafter Weise die von ihm vertretene Tanzform tanzte, machte man, was für eine andere Tanzform nicht gilt, ganze Texte. Ganze Geschichten, ganze Erzählungen wurden umgekleidet in die Tanzform, so daß in den Situationen, in den Gebärden, in der Ausdrucksform, Geschehendes, zu erzählender Inhalt, zum Ausdruck gebracht wurde. Und nun soll man sich nur : einmal vertiefen, was für weitgehende, die Leidenschaften aufwühlenden Diskussionen sich entsponnen haben darüber, welcher Tanz nun künstlerisch der richtige ist.
[ 19 ] And so it is actually interesting to see how, at a time when the most marvelous, the most magnificent discussions about the significance, the nature, and the essence of drama were taking place throughout the rest of the German cultural sphere—discussions in which Goethe and Schiller also participated in such a profound way—I am referring specifically to the end of the eighteenth century, the early nineteenth century—a discussion on aesthetics, on the significance and essence of drama, also flared up in Austria during this time. But what sparked the discussion on drama there in Austria? In a very peculiar way, everything that had been put forward in Austria—both for and against this approach—everything that had been discussed within the Schiller-Goethe circle and the wider circles of German intellectual life in such a well-known, profound manner, drawing upon the non-sensory aspects of the spirit—all of that was reignited in Austria in a quite distinctive way, namely through dance. At the beginning of the nineteenth century, a very vigorous and significant debate arose there concerning two types of dance. Noverre had been active as a master of dance around the turn of the century; and his student was Muzzarelli. Muzzarelli advocated a form of dance in which the primary focus was on executing beautiful, artificial movements—interweaving these movements through their lines—where the external spatial presentation of the performance was thus emphasized. Then, at the beginning of the nineteenth century, an opponent of this “dance form,” Salvatore Vigano, emerged. And for this dance form of Salvatore Vigano—whose wife, in particular, danced the style he advocated with masterful skill—entire texts were written, something that does not apply to other dance forms. Entire stories and narratives were adapted into the dance form, so that events and narrative content were expressed through the situations, gestures, and forms of expression. And now one need only consider the far-reaching, passion-stirring discussions that unfolded regarding which dance was, artistically speaking, the correct one.
[ 20 ] Da war der schon damals alt gewordene österreichische Dramatiker Ayrenhoff, der Verfasser einer großen Anzahl von Stücken, der ganz auf der Seite des Muzzarelli-Tanzes stand, der sich in der ablehnendsten Weise gegen Salvatore Vigano aussprach und gegen das Unmögliche, daß man in so unkeuscher Weise inneres Fühlen durch den Tanz zum Ausdruck brachte. Daß man sogar ganze Stücke, wie «Richard Löwenherz» oder wie «Die Tochter der Luft», hertanzen wollte, konnte Ayrenhoff nicht begreifen. Ayrenhoff hatte eben — und das ist das Eigentümliche in dieser Zeit für das damalige Österreichertum - sich herangebildet in Anschauung der schönen Form, des Linienschwunges, und auch seine Dramen waren nach dieser Art aufgebaut. Schwung der Linien in der Darstellung der Charaktere, darauf sehen, wie sich auflöst irgendeine Situation in einen Witz, oder das Übergehen einer Situation in einen Witz, darauf kam es an. Auf diese außerordentlichen Formen kam es an. Das sah er nun auch in dem Tanze des Muzzarelli. Und er war ein für die damalige Zeit für Österreich bedeutender Dichter. Seine Bedeutung kann schon daraus hervorgehen, daß er von Friedrich dem Großen, der sich sonst auf die damalige deutsche Literatur nicht einließ, außerordentlich anerkannt wurde. Und «Die Postkutsche», ein Lustspiel von Ayrenhoff, nannte Friedrich der Große «das beste Lustspiel, das überhaupt geschrieben ist außer den Lustspielen des Moliere». Ja, Friedrich der Große ging so weit, daß er sich einmal bei einer Parade den Feldmarschall-Leutnant - denn das war Ayrenhoff und zugleich Dichter - zeigen ließ, weil er, Friedrich der Große, sich so für ihn interessierte.
[ 20 ] There was the Austrian playwright Ayrenhoff, who was already advanced in years at the time, the author of a large number of plays, who was entirely on the side of the Muzzarelli dance, who spoke out in the most vehement terms against Salvatore Vigano and against the impossibility of expressing inner feelings through dance in such an immodest manner. Ayrenhoff could not comprehend that one would even want to “dance out” entire plays, such as *Richard the Lionheart* or *The Daughter of the Air*. Ayrenhoff had—and this is what was peculiar about the Austrian spirit of that era—cultivated himself in an appreciation of beautiful form and the flow of lines, and his dramas, too, were structured in this manner. The flow of the lines in the portrayal of the characters, seeing how a situation dissolves into a joke, or the transition from a situation into a joke—that was what mattered. It was these extraordinary forms that mattered. He now saw this in Muzzarelli’s dance as well. And he was a poet of great significance for Austria at that time. His importance is evident from the fact that he was highly regarded by Frederick the Great, who otherwise took little interest in the German literature of the time. And Frederick the Great called *Die Postkutsche* (“The Stagecoach”), a comedy by Ayrenhoff, “the best comedy ever written, apart from Molière’s comedies.” Indeed, Frederick the Great went so far as to have the lieutenant field marshal—for that was Ayrenhoff, who was also a poet—presented to him during a parade because he, Frederick the Great, was so interested in him.
[ 21 ] Auf der anderen Seite, auf der Seite Viganos, stand nun Heinrich Joseph von Collin, der aus Belgien stammte; aber Belgien gehörte ja damals in gewissem Sinne zu Österreich. Er hat das Trauerspiel «Regulus» geschrieben, aber auch noch andere Stücke, Collin trat nun mit aller Begeisterung für den Ausdruck im Tanze ein. Und er richtete seine Dramen nun wiederum so ein, daß sie Innerliches in dem, was dargestellt wurde, zum Ausdruck brachten; daß es nicht so sehr ankam auf die Art und Weise, wie sich Situationen und Witze ablösten, auf die äußeren Formen, sondern darauf, daß das Innere der Menschennatur sich aussprach in dem, was über die Bühne ging. Und gerade Robert Zimmermann, der tief eingewurzelt ist im österreichischen Geistesleben, hat sehr schön von diesem Heinrich Collin gesprochen, indem er gezeigt hat, daß dieser Heinrich Collin, der im Grunde ja auch in Österreich ganz vergessen ist, der uns aber tief hineinführen kann in den Gang des österreichischen Geisteslebens, der nichts gewußt hatte von Fichte, in seinen Dramen dieselbe Art der Seelengesinnung hat aufleben lassen, die in Fichtes philosophischen Darstellungen lag. Zum Überfluß hat noch der Bruder Heinrich Collins, Matthäus von Collin, ausdrücklich gezeigt, wie Heinrich Collin nichts gewußt hat von Fichte, wie er ganz und gar aus einem merkwürdigen Parallelismus des geistigen Lebens heraus in seiner österreichischen Art zu einem Fichteanismus, aber dichterisch, gekommen ist, auf die Art, wie ich es eben beschrieben habe.
[ 21 ] On the other side—Vigano’s side—stood Heinrich Joseph von Collin, who was originally from Belgium; but Belgium, after all, belonged to Austria in a certain sense at that time. He wrote the tragedy *Regulus*, as well as other plays, and Collin now championed the expressive power of dance with great enthusiasm. And he structured his dramas in such a way that they expressed the inner essence of what was being portrayed; that what mattered was not so much the sequence of situations and jokes, nor the external forms, but rather that the inner nature of human beings found expression in what unfolded on stage. And Robert Zimmermann, in particular, who is deeply rooted in Austrian intellectual life, has spoken very beautifully of this Heinrich Collin, showing that this Heinrich Collin—who is, after all, completely forgotten in Austria, but who can lead us deep into the course of Austrian intellectual life, and who knew nothing of Fichte—revived in his plays the same kind of spiritual disposition that lay at the heart of Fichte’s philosophical expositions. To top it all off, Heinrich Collin’s brother, Matthäus von Collin, explicitly demonstrated how Heinrich Collin knew nothing of Fichte, and how—entirely out of a remarkable parallelism in intellectual life—he arrived, in his own Austrian way, at a form of Fichteanism, albeit a poetic one, in the manner I have just described.
[ 22 ] Ohne auf die Anschauung zu reflektieren, ohne in der Anschauung aufzugehen, kommt also Fichte wiederum zu dem, was ich vor acht Tagen dargestellt habe. Er sagt: Die äußere Sinneswelt, dasjenige, was der Mensch in dem sinnlichen, äußeren Dasein auslebt, ist das versinnlichte Material unserer Pflicht. - Indem ihm nun die Pflicht so tief gegenständlich gegenübertrat und zu gleicher Zeit mit dem die Welt durchziehenden göttlichen Weben und Wesen verwandt wird, kommt Fichte dazu zu sagen: Man darf nicht etwa in der Weise denken, daß das äußere sinnliche Glück dem zuteil werden könnte, der treu seine Pflicht erfüllt, sondern — wenn das auch in einer gewissen Weise etwas einseitig ist, in der Art und Weise, wie es dargestellt wird, drückt sich die Energie eines gewissen Strebens des deutschen Idealismus darin aus; die Dinge dürfen nicht dogmatisch genommen werden -, sondern was Fichte sagt, ist: Derjenige, der ganz in seiner Pflicht aufgeht, darf auch gar keinen Anspruch darauf machen, daß sich dafür in der äußeren Sinneswelt irgendwie der Lohn findet. Daher wird das wahrhaft Tragische — das war Fichtes Überzeugung dann erscheinen, wenn die Pflicht nicht irgendeinen Lohn findet, sondern gerade Unglück findet in der äußeren Sinneswelt.
[ 22 ] Without reflecting on intuition, without becoming absorbed in intuition, Fichte thus returns to what I outlined eight days ago. He says: The external sensory world—that which human beings experience in their sensory, external existence—is the sensed material of our duty. - Now that duty has presented itself to him so profoundly as a concrete reality and is at the same time associated with the divine weaving and essence pervading the world, Fichte goes on to say: One must not think, for example, that external, sensory happiness could be bestowed upon those who faithfully fulfill their duty; rather—even if this is, in a certain sense, somewhat one-sided in the way it is presented—it expresses the energy of a certain striving within German idealism; things must not be taken dogmatically—but what Fichte says is: The one who is wholly absorbed in his duty may not even claim that any reward for this will be found in the external sensory world. Therefore, the truly tragic—this was Fichte’s conviction—will appear when duty finds not some reward, but rather misfortune in the external sensory world.
[ 23 ] Denselben Zug stellt Heinrich Collin in seinen Dramen dar. Er will die auf sich gebaute Menschenseele, die in sich leben kann, ohne daß sie das Glück der Sinnenwelt mit der Pflicht zusammenbringt, dramatisch verkörpern. Und so entsteht ein tief ethischer Zug, der aber wiederum innig zusammenhängt mit dem unmittelbaren Anschauen der Welt, wie sie sich darbietet vor den Sinnen; der sogar heraus entstanden ist aus einer Ästhetik, die sich am 'Tanze ausgebildet hat.
[ 23 ] Heinrich Collin portrays this same trait in his plays. He seeks to dramatically embody the self-contained human soul, which can live within itself without having to reconcile the pleasures of the sensory world with duty. And so a profoundly ethical trait emerges, one that is, however, intimately connected with the immediate perception of the world as it presents itself to the senses; a trait that has even emerged from an aesthetic that was shaped by “dance.”
[ 24 ] Dieses Zusammengewachsensein mit der Anschauung, dieses Leben in der unmittelbaren Empfindung und auch das Hineinstellen desjenigen, was das Herz erlebt in der unmittelbaren Empfindung, das Abgeneigtsein, den Weg zu suchen vom Kopf zum Herzen, das muß man als eine der Charakteristiken ansehen, die wirklich tief verbunden sind mit diesem österreichischen Geistesleben. Und so erscheint uns gar manches in diesem österreichischen Geistesleben so, daß Gegensätze in ihm vorhanden sind, aber Gegensätze, die, wenn man sie in der richtigen Weise auf sich wirken läßt, begreiflich erscheinen bei Menschen, die innerhalb Europas in schwierige Aufgaben, in die Vermittlung des Westens mit dem Osten, hineingestellt sind und, ich möchte sagen, in jeder Kleinigkeit der Lebensführung empfinden müssen dieses Hineingestelltsein.
[ 24 ] This fusion with intuition, this life of immediate feeling, and also the act of placing what the heart experiences within that immediate feeling—the reluctance to seek a path from the head to the heart—must be regarded as one of the characteristics that are truly deeply connected to this Austrian spiritual life. And so it seems to us that in this Austrian intellectual life there are many things that contain contradictions—but contradictions which, if one allows them to take effect in the right way, appear understandable in people who, within Europe, are placed in the midst of difficult tasks—such as mediating between the West and the East—and who, I would say, must feel this placement in every little detail of their daily lives.
[ 25 ] Man kann sagen: Wo wir anfassen dieses österreichische Geistesleben, da erscheint es uns so: Unmittelbar wird angefacht an der Außenwelt das Allerinnerste, ohne Vermittelung einer mystischen Dialektik. Und aus diesem Untergrund heraus ist eine so sympathische Erscheinung zu erklären — wie gesagt, ich will nur Bilder hinstellen -, wie der österreichische Philosoph Bartholomäus von Carneri. 1821 ist er geboren in Trient, der Sohn eines österreichischen Staatsbeamten; von Geburt aus - er war ein Zwillingskind — verkrüppelt, lebt er sich schon durch eine schwere, leidvolle Jugend hindurch, lernt dann, nachdem’ er sich hineingelebt hat in die ganze Vielgestaltigkeit des österreichischen Geisteslebens, den Darwinismus kennen. Der Darwinismus wird für Carneri nicht etwas, was er einfach annimmt, sondern der Darwinismus wird für ihn etwas, was ein Lebensrätsel selber wird. Daß die Welt im Sinne des Darwinismus sich durch die äußerlich anschaubare Entwickelung erklären lassen soll, ist ihm begreiflich, trotzdem er sich tief in den deutschen Idealismus eingelassen hat. Aber in einer gewissen Beziehung wird der Darwinismus für Carneri, den österreichischen Philosophen, ein Lebensrätsel: Wie verhält es sich mit des Menschen Sittlichkeit, des Menschen Ethik, wenn der Darwinismus richtig ist? Und so wird Bartholomäus von Carneri, man kann sagen, der größte Ethiker, der größte Sittenlehrer des Darwinismus. Er deutet den Darwinismus so, daß er suchte innerhalb der rein natürlichen Entwickelung, wie sich die Naturkräfte bis zum Menschen herauf komplizieren, so daß er in dieser Komplikation der Naturkräfte, so wie sie sich konfigurieren, noch eine Vergeistigung sieht. Er will keinen Riß zwischen Natur und Geist, aber er will nicht bei der Natur stehen bleiben. Er will in der Konfiguration der Naturkräfte den Geist aus sich selber herausjagen. Gleichsam will er das Angebundensein der menschlichen Ethik, des menschlichen sittlichen Lebens an die im Sinne des Darwinismus gehaltene Naturerklärung finden. So entsteht für Carneri unmittelbar aus der ihm durch den Darwinismus anschaulich erscheinenden Welt die Notwendigkeit, eine Ethik zu schaffen, ich möchte sagen, das, was das menschliche Herz sich vorsetzen will und muß, unmittelbar anzuschließen an die Geheimnisse, an die Rätsel der Natur. Und interessant ist es gerade an Bartholomäus von Carneri zu sehen, wie er nun nach einer einheitlichen Weltanschauung strebt, nach einer Weltanschauung, die durchaus im Geiste der Zeit, im Geiste des Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts, den Darwinismus gelten läßt, aber ihn nur gelten lassen kann, wenn in der Natur selber überall Geistigkeit sprossen und sprießen kann, aber eine solche Geistigkeit, die unmittelbar im Gefühl erfaßt wird, die nicht erst heruntergeholt wird wie bei Fichte aus irgendwelchen übersinnlichen Sphären, sondern die ihm unmittelbar während des Durchlebens der Sinnlichkeit erscheint. Es ist merkwürdig, wie aus einer solchen Persönlichkeit gerade das Charakteristische des Österreichertums erscheint, aus einer Persönlichkeit wie Carneri, der nun aber auch in anderer Weise sich einheitlich in die Welt hineinstellen will, der überall darauf ausgeht, zu zeigen, wie auf der einen Seite die Natur bis zum Geiste hinaufkommt, auf der anderen Seite der Geist bis zur Natur hinunterwirkt, wie eine Einheit in allem lebt. Dieser Carneri sucht auch im Leben diese Einheit darzustellen. Er suchte sie in das Leben hineinzubringen. Und so entsteht denn eine von den Persönlichkeiten, die insbesondere in den sechziger, den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts in Österreich als feine Charakterköpfe auftraten, eine von den Persönlichkeiten, die dann auch politisch tätig waren. Carneri stand an der Seite der durchgeistigten österreichischen Politiker der siebziger Jahre, Plener, Beer, Herbst, Berger und so weiter. Aber überall wo er sprach — und er nahm oft das Wort -, durchtönte seine Rede etwas von einem hohen Idealismus, aber eben von einem solchen Idealismus, der im Darwinismus wurzelte, der sich durch sein Wurzeln im Darwinismus bewußt war: Ich darf Idealist sein, denn meine Ideale kommen mir unmittelbar in den Sinn, wenn ich mich so recht in die Entwickelung der Natur hineinvertiefe.
[ 25 ] One might say: Wherever we encounter this Austrian intellectual life, it appears to us in this way: The innermost essence is directly stirred by the external world, without the mediation of a mystical dialectic. And this underlying current explains such a sympathetic figure—as I said, I am merely offering examples—as the Austrian philosopher Bartholomäus von Carneri. Born in Trento in 1821, the son of an Austrian civil servant, he was crippled from birth—he was a twin—and endured a difficult, painful youth; then, after immersing himself in the full diversity of Austrian intellectual life, he became acquainted with Darwinism. For Carneri, Darwinism did not become something he simply accepted; rather, it became a mystery of life in and of itself. He understood that, in the Darwinian sense, the world could be explained through observable external development, even though he had delved deeply into German idealism. But in a certain sense, Darwinism becomes a mystery of life for Carneri, the Austrian philosopher: What of human morality, of human ethics, if Darwinism is correct? And so Bartholomäus von Carneri becomes, one might say, the greatest ethicist, the greatest teacher of morality within Darwinism. He interprets Darwinism in such a way that he sought, within purely natural evolution, to understand how the forces of nature become increasingly complex as they ascend toward humanity, so that he still perceives a spiritualization in this complexity of the forces of nature, as they configure themselves. He does not want a rift between nature and spirit, but he does not want to stop at nature. He wants to draw the spirit forth from within the configuration of the forces of nature. As it were, he seeks to find the connection between human ethics—human moral life—and the explanation of nature as understood in the Darwinian sense. Thus, for Carneri, the necessity of creating an ethics arises directly from the world as it appears vividly to him through Darwinism; I would say, the need to link what the human heart wishes and must set as its goal directly to the mysteries and enigmas of nature. And it is particularly interesting to see in Bartholomäus von Carneri how he now strives for a unified worldview—a worldview that, entirely in the spirit of the times, in the spirit of nineteenth-century materialism, accepts Darwinism, but can only accept it if spirituality can sprout and flourish everywhere within nature itself, but a spirituality that is grasped directly through feeling, one that is not first brought down—as in Fichte—from some supersensory spheres, but rather appears to him directly as he experiences the sensory world. It is remarkable how the very essence of Austrian character emerges from such a personality—from a figure like Carneri, who, however, also seeks to position himself coherently in the world in a different way, who strives everywhere to show how, on the one hand, nature ascends to the spirit, and on the other, the spirit works its way down to nature, how a unity lives in all things. This Carneri also sought to embody this unity in life. He sought to bring it into life. And so emerged one of the personalities who, particularly in the 1860s and 1870s, stood out in Austria as men of refined character—one of the personalities who were also politically active. Carneri stood alongside the spiritually-minded Austrian politicians of the 1870s: Plener, Beer, Herbst, Berger, and so on. But wherever he spoke—and he often took the floor—his speech resonated with a sense of lofty idealism, yet precisely the kind of idealism rooted in Darwinism, which, by virtue of its roots in Darwinism, was self-aware: “I am allowed to be an idealist, for my ideals come directly to mind when I truly immerse myself in the development of nature.”
[ 26 ] Es ist derselbe Geist, auf einem anderen Gebiete, der dann wiederum in Robert Hamerling gewaltet hat. In Robert Hamerling, in dem sich, ich möchte sagen, der österreichische Deutsche schon dadurch zum Ausdruck brachte, daß etwa wie eine Art Wahlspruch Hamerlings war: «Deutschland ist mein Vaterland, Österreich ist mein Mutterland», der zusammenfaßte ein gutes Österreichertum mit einem guten Deutschsein. in diesem Hamerling kam ja alles, was Durchdringen des Idealismus mit unmittelbarem Fühlen und mit Anschauung genannt werden kann, unmittelbar zum Ausdruck. Man hat oftmals ja auch innerhalb Österreichs, wo man es hätte besser verstehen können, abgeurteilt über Hamerlings anschaulich sinnliche Bilder, ich möchte sagen, sinnlich durchtränkte Bilder, zum Beispiel in seinem «Ahasver», auch in der «Aspasia» und im «König von Sion». Aber man hatte dabei nicht begriffen, daß gerade der Idealismus, dieser, ich möchte sagen, bei Hamerling österreichische Idealismus das Sinnesbild brauchte, um sich darin anschaulich zu machen, um nicht zu kranken an der Spaltung der Welt in das Sinnliche auf der einen Seite und in das Geistige auf der anderen Seite, Und so wurde für Hamerling geradezu das durchgeistigte Sinnliche, der ästhetische Idealismus dasjenige, wonach er als einem Zukunftsbild hinordnete sein ganzes Fühlen, sein ganzes Empfinden und sein ganzes Denken. Und in vielem tritt gerade bei solchen Geistern, wie Carneri und Hamerling, das Schwierige des österreichischen Geisteslebens zutage, das eben darin besteht, daß man in ein vielgestaltiges Menschengewoge hineingestellt ist und sich zurechtzufinden hat. Daher die Erscheinungen, die so oftmals auftreten innerhalb des österreichischen Geisteslebens, wo klare Anschauung über dieses oder jenes stehen bleibt bei der bloßen Schilderung und nicht den Übergang findet irgendwie zu der Tat und dann ausläuft in einem gewissen Pessimismus. Daher sind gewisse Erscheinungen allein im Geistesleben Österreichs möglich.
[ 26 ] It is the same spirit, in a different sphere, that then found expression in Robert Hamerling. In Robert Hamerling, in whom—I would say—the Austrian German found expression simply through the fact that Hamerling’s motto, as it were, was: “Germany is my fatherland, Austria is my motherland,” which summed up a healthy sense of Austrian identity combined with a healthy sense of German identity. In Hamerling, everything that can be called the fusion of idealism with immediate feeling and intuition found direct expression. Even within Austria—where one might have been better able to understand it—people have often passed judgment on Hamerling’s vivid, sensual images—I would say, images steeped in sensuality—for example, in his *Ahasver*, as well as in *Aspasia* and *The King of Zion*. But people had failed to grasp that it was precisely idealism—this, I would say, Austrian idealism in Hamerling—that needed the sensory image in order to make itself vivid, so as not to suffer from the division of the world into the sensory on the one hand and the spiritual on the other, And so, for Hamerling, the spiritualized sensual—aesthetic idealism—became precisely that toward which he oriented his entire feeling, his entire sensibility, and his entire thinking as a vision of the future. And in many respects, it is precisely in minds such as those of Carneri and Hamerling that the difficulty of Austrian intellectual life comes to light—a difficulty that consists precisely in being placed within a multifaceted human tide and having to find one’s way within it. Hence the phenomena that so often arise within Austrian intellectual life, where a clear insight into this or that remains at the level of mere description and fails to find its way, in any way, to action, and then pales into a certain pessimism. Hence, certain phenomena are possible only in the intellectual life of Austria.
[ 27 ] Ist es nicht eigentlich etwas doch sehr Eigentümliches, daß es einen Österreicher gibt in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, der in der Nähe von Znaim geboren ist und der den urösterreichischen Namen Karl Postl trägt, der auch Geistlicher auf den Wunsch seiner Mutter wurde, dann aber ebenfalls wie der Barnabitermönch Karl Leonhard Reinhold das Ordenskleid abstreift und verschwindet. Er ist verschwunden. Dann erscheint ein Buch: «Austria as it 15» — «Österreich wie es ist», von Amerika herüber; es schildert österreichische Anschauungen. 1828 war das. Dann erscheinen von diesem selben Karl Postl, der sich aber nicht Karl Postl, sondern Charles Sealsfield nannte, zum Beispiel Darstellungen des untergehenden Indianertums, aus denen man sieht, wie grundgesund die unmittelbare Naturanschauung dieses Mannes ist. Kein Mensch hatte dazumal eine Ahnung, daß sich in diesem Charles Sealsfield der einfache Karl Postl aus Österreich verbirgt. Alle die Geschichten, die sonst über ähnliche Gegenstände erscheinen — man überzeuge sich nur davon -, sind sozusagen vom Standpunkte einer gewissen Bildung aus geschrieben, in einer gewissen Art geschrieben, daß man die Theorie merkt. Diese Postl-Geschichten sind so geschrieben, daß das Auge unmittelbar hineinwächst in das, was es sieht; zusammenwächst die ganze Seele mit der unmittelbaren Anschauung. Dann verlebt er seine Lebenszeit vom dreißigsten Jahre an bis in die sechziger Jahre im Kanton Solothurn in der Schweiz, wo er auch begraben ist. Er kommt wieder zurück und schildert wirklich in einer anschaulichen Weise auch das Leben der Deutschen in Amerika, so daß es heute noch als bedeutsam auf die Seele wirken müßte, wenn man es nur läse.
[ 27 ] Isn’t it actually rather peculiar that there was an Austrian in the first half of the nineteenth century who was born near Znaim and bore the quintessentially Austrian name Karl Postl, who also became a clergyman at his mother’s request, but then—just like the Barnabite monk Karl Leonhard Reinhold—cast off his religious habit and disappeared? He has vanished. Then a book appears: *Austria as it 15*—*Österreich wie es ist*—from across the Atlantic; it describes Austrian views. That was in 1828. Then, by this same Karl Postl—who, however, called himself not Karl Postl but Charles Sealsfield—appear, for example, accounts of the vanishing Native American way of life, from which one can see how fundamentally sound this man’s direct view of nature is. No one at the time had any idea that the simple Karl Postl from Austria was hiding behind this Charles Sealsfield. All the other stories published on similar subjects—just see for yourself—are written, so to speak, from the standpoint of a certain level of education, in a certain style that reveals the underlying theory. These Postl stories are written in such a way that the eye immediately becomes immersed in what it sees; the whole soul merges with the immediate perception. He then spent his life from the age of thirty through his sixties in the canton of Solothurn in Switzerland, where he is also buried. He returned and vividly described the life of Germans in America, so that even today it should still have a profound effect on the soul, if only one were to read it.
[ 28 ] Eine spezifisch österreichische Erscheinung ist auch eine Persönlichkeit, von der ja nicht mehr die Jüngeren, aber vielleicht die älteren der hier versammelten Zuhörer noch kennengelernt haben diejenigen Bücher, die geschrieben sind zunächst, wie auf dem Titel so züchtig steht, «für Jungfrauen»; «Weihgeschenk für Jungfrauen» steht da. Eine Geschichte, eine wunderbar anschauliche Geschichte, von Goetheschem, man könnte fast sagen, von griechischem Geiste durchtränkt. Auf dem Titel steht: «Weihgeschenk für Jungfrauen» von Christian Oeser, «Briefe über die Hauptgegenstände der Ästhetik». In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der ersten Auflage erschienen, erlebten diese Bücher viele Auflagen. Derjenige, der sie heute noch liest, bekommt in ihnen immer noch etwas, was das Herz weiten kann, was die Seele durchwärmen kann. Christian Oeser - ja, wer ist Christian Oeser? Dieser Christian Oeser ist derselbe Mann, der zum Beispiel 1839 in Preßburg ein Drama erscheinen ließ-von dem kein Mensch wußte, wer der Verfasser war —, «Leben und Taten des Emerich Tököly» «von A. Z.», das heißt also von A bis Z, so daß zwischen A bis Z alle Buchstaben dazwischen sind. Diejenigen, die etwas verstanden von dramatischer Charakteristik, sahen in der Figur des Tököly einen ungarischen Götz. Es ist eine unmittelbar mit dem Goetheschen «Götz von Berlichingen» zu vergleichende Darstellung, die herausgeboren ist aus den Kämpfen, die sich, eigentlich kurz bevor das Drama entstanden ist, in Ungarn abgespielt haben, und viele, viele Seelen ergriffen haben, die Welt bewegt haben. Das Drama, es ging in die Welt hinaus, und noch mehrere von demselben Verfasser. Man wußte nicht, von wem es ist. Das blieb so. Im Jahre 1869 faßte die deutsche Schiller-Stiftung einen Beschluß, das damalige Unterstützungsgehalt auszuzahlen an eine Frau Therese Schröer in Wien. In der Urkunde, mit der das Gehalt ausbezahlt wurde, stand, man habe erfahren, daß die Witwe eines der würdigsten deutschen Schriftsteller nicht in ihr angemessenen, und dessen Verdiensten angemessenen Verhältnissen lebe, und daß man ihr daher dieses Jahresgehalt auszahle. Es war die Witwe von Tobias Gottfried Schröer, des Verfassers vieler Dramen, die ungenannt bleiben mußten, des Verfassers auch jenes «Weihgeschenkes für Jungfrauen», das von Goetheschem Geiste durchtränkt ist; eines stillen Mannes, der Realschul-Professor in Preßburg war, der aber als solcher mit den höchsten Problemen des Menschenlebens rang, der arm war und den niemand kannte. Selbst in seiner eigenen Stadt konnte und durfte niemand etwas wissen davon, daß dieser Mann der Verfasser dieser Dramen sei.
[ 28 ] Another distinctly Austrian phenomenon is a figure whom the younger members of the audience gathered here may no longer be familiar with, but whom the older ones among you may still recall—the author of those books written, as the title so modestly states, “for young women”; “A Consecration Gift for Young Women” is written there. A story—a wonderfully vivid story—imbued with a Goethean, one might almost say, Greek spirit. The title reads: “A Consecration Gift for Young Women” by Christian Oeser, “Letters on the Main Topics of Aesthetics.” First published in the first half of the nineteenth century, these books went through many printings. Anyone who reads them today still finds in them something that can expand the heart and warm the soul. Christian Oeser—yes, who is Christian Oeser? This Christian Oeser is the same man who, for example, had a drama published in Pressburg in 1839—of which no one knew who the author was—“The Life and Deeds of Emerich Tököly” “by A. Z.,” that is, from A to Z, so that all the letters in between are included. Those who understood something of dramatic characterization saw in the figure of Tököly a Hungarian Götz. It is a portrayal directly comparable to Goethe’s “Götz von Berlichingen,” born out of the struggles that took place in Hungary—actually shortly before the drama was written—and which gripped many, many souls and moved the world. The drama went out into the world, along with several others by the same author. No one knew who had written it. It remained that way. In 1869, the German Schiller Foundation passed a resolution to pay the then-current support stipend to a Mrs. Therese Schröer in Vienna. The document authorizing the payment stated that it had come to light that the widow of one of Germany’s most distinguished writers was not living in circumstances befitting her status or his merits, and that this annual stipend was therefore being paid to her. She was the widow of Tobias Gottfried Schröer, the author of many plays that had to remain unpublished, and also the author of that *Weihgeschenk für Jungfrauen* (*A Wedding Gift for Young Women*), which is imbued with the spirit of Goethe; a quiet man who was a secondary school teacher in Pressburg, but who, in that role, grappled with the highest problems of human life—a man who was poor and whom no one knew. Even in his own city, no one could or was allowed to know that this man was the author of these plays.
[ 29 ] Ähnliche Erscheinungen wären viele anzuführen. Sie zeigen, wie man, um österreichisches Geistesleben kennenzulernen, nicht dasjenige ins Auge fassen muß, was, ich will sagen, als eine mehr oder weniger katholische, als eine mehr oder weniger protestantische Strömung durch die Entwickelung der Zeiten geht, sondern wie man dieses österreichische Geistesleben anfassen muß da, wo es elementar aus der Wurzel des Volkstums heraus wirkt und da, wo es, so wirkend aus der Wurzel des Volkstums heraus, unmittelbar in seiner großen Bedeutung erscheinen kann. Man darf das österreichische Geistesleben nicht durch die Brille ansehen, daß Österreich ein mehr katholisches Land ist. Dieses österreichische Geistesleben arbeitet sich auf der einen Seite zur Wurzel des Volkstums durch, wie man es bei Misson gesehen hat; auf der anderen Seite arbeitet es sich aber wiederum in einer merkwürdigen Weise zu Höhen hinauf. Man bedenke zum Beispiel die folgenden Erscheinungen: Als der protestantische Pädagoge Friedrich Dittes, der in der sogenannten Liberalen Ara der österreichischen Entwickelung aus Deutschland geholt und an die Spitze des K.K. Wiener Pädagogiums gestellt wurde, sich nach bedeutenden Pädagogen der unmittelbaren Vergangenheit umsah, da fand er, der protestantische Pädagoge, der aus Deutschland geholt worden war, als einen der allerbedeutendsten Pädagogen der unmittelbaren Vergangenheit den Österreicher Vincenz Eduard Milde. 1811 ist eine «Erziehungslehre» von Milde erschienen. Wir haben in Misson einen Geist kennengelernt, der im Ordenskleide sich hinaufarbeitete zu dem, was, ich möchte sagen, die Handhabung des Bildungslebens ist, der dann sich wiederum hinunterarbeitete zur Wurzel des Volkstums, und seinen «Naaz» schuf: Bauernphilosophie! In Milde sehen wir einen anderen Priester, einen guten Katholiken; einen Katholiken, in dem Friedrich Dittes, der protestantische Pädagoge, einen der bedeutendsten pädagogischen Vorgänger findet. Über den Unterschied der Konfessionen hinüber reicht sich das geistige Leben in einer wunderbaren Weise die Hand. Ich möchte statt einer langen weiteren Beschreibung Ihnen nur eine Stelle aus Mildes Erziehungslehre vorlesen, damit Sie sehen, wie in diesem 1811 erschienenen Buche in einer seelendurchtränkten Weise das pädagogische Wirken aufgefaßt wird; wie hier im Gegensatze zu Misson, der sich hinunterarbeitete in das Volkstum, zu den höchsten Anschauungen, den idealsten Anschauungen allgemein menschlichen Wirkens durch die Pädagogik der katholische Priester Milde sich hinaufarbeitet, wie ernst, wie würdig, wie ungeheuer tief er den pädagogischen Beruf nimmt. So beschreibt er, wie der Lehrer sich verhalten solle, damit er das richtige Verhältnis gewinne zu dem Zögling; zunächst:
[ 29 ] There are many similar examples that could be cited. They show that, in order to understand Austrian intellectual life, one must not focus on what, I mean, as a more or less Catholic or a more or less Protestant current running through the course of history, but rather how one must approach this Austrian intellectual life where it operates fundamentally from the roots of the national character and where, operating in this way from the roots of the national character, it can appear directly in all its significance. One must not view Austrian intellectual life through the lens that Austria is a predominantly Catholic country. On the one hand, this Austrian intellectual life works its way down to the roots of the national character, as was seen in the case of Misson; on the other hand, however, it works its way up to greater heights in a remarkable way. Consider, for example, the following phenomena: When the Protestant educator Friedrich Dittes—who was brought from Germany during the so-called “Liberal Era” of Austrian development and placed at the helm of the Imperial and Royal Vienna Pedagogium—looked for significant educators from the immediate past, he—the Protestant educator who had been brought from Germany—found the Austrian Vincenz Eduard Milde to be one of the most significant educators of the immediate past. In 1811, Milde’s *Erziehungslehre* (*Theory of Education*) was published. In Misson, we have come to know a spirit who, clad in the habit of a religious order, worked his way up to what I would call the administration of educational life, and who then worked his way back down to the roots of the people, creating his “Naaz”: peasant philosophy! In Milde we see a different kind of priest, a good Catholic; a Catholic in whom Friedrich Dittes, the Protestant educator, finds one of his most significant pedagogical predecessors. Across the divide of denominations, intellectual life extends a hand in a marvelous way. Instead of a long further description, I would like to read you just one passage from Milde’s theory of education, so that you may see how, in this book published in 1811, pedagogical work is conceived in a manner deeply imbued with the spirit; how, in contrast to Misson—who worked his way down into the folk tradition—the Catholic priest Milde works his way up, through pedagogy, to the highest and most ideal perspectives on human activity in general; and how seriously, how dignifiedly, and how profoundly he takes the pedagogical vocation. He describes how a teacher should conduct himself in order to establish the proper relationship with his pupils; first of all:
[ 30 ] «1. Durch fleißiges Studium der Anthropologie; 2. durch Lektüre richtig gezeichneter Biographien, mit Wahrheit geschilderten Erziehungsgeschichten; 3. durch den bedächtigen Umgang mit Kindern, durch unbemerktes ruhiges Beobachten derselben, besonders ihres Verhaltens gegen andere Kinder; 4. durch Zurückerinnern an seine eigenen Jugendjahre, durch Nachdenken über den Gang, die Veranlassung, die Mittel und Hindernisse seiner eigenen Bildung, über den Unterschied zwischen seiner gegenwärtigen und ehemaligen Art, zu denken und zu empfinden; 5. durch Nachdenken über das Gelingen und Mißlingen seiner Bemühungen für die Bildung des Zöglings; 6. durch Beobachtung des Verfahrens anderer Erzieher und des Erfolges ihrer Art, die Kinder zu behandeln»; — endlich - «7. durch Bemerkung des Ganges der Entwickelung der sich selbst überlassenen Natur.»
[ 30 ] “1. Through diligent study of anthropology; 2. through reading accurately written biographies and truthful accounts of upbringing; 3. through thoughtful interaction with children, through quiet, unobtrusive observation of them, especially their behavior toward other children; 4. by recalling one’s own youthful years, by reflecting on the course, the motives, the means, and the obstacles of one’s own education, as well as on the difference between one’s current and former ways of thinking and feeling; 5. by reflecting on the successes and failures of one’s efforts to educate a pupil; 6. by observing the methods of other educators and the success of their approach to dealing with children”; — finally — “7. by observing the course of development of nature left to its own devices.”
[ 31 ] Auf einer gesunden Anthropologie, das heißt Menschenkunde, sollten aufgebaut werden die Sinne des Lebens. Dann sollte der Lehrer unablässig mit sich zu Rate gehen, gleichsam meditierend, um immer den Weg zu finden zu den kindlichen Seelen. Eine wirklich seelendurchtränkte Erziehungsanschauung gießt sich auch über dieses ganz bemerkenswerte Werk aus, das sozusagen in der Stille des österreichischen Geisteslebens entstanden ist durch einen Mann, der im äußeren Leben Geistlicher war, der es bis zum Erzbischof von Wien gebracht hat und der in seiner Weise wirklich dasjenige österreichische Geistesleben repräsentiert, auf das man so großen Wert legen und dem man so große Bedeutung beilegen muß; jenes Österreichische Geistesleben, das auf das Allgemein-Menschliche hingeht und im Grunde überall den Zusammenhang doch mit den Wurzeln des Volkstums wahrt. Ja, 1811, sage ich, erscheint in diesem Österreich ein tonangebendes Werk über Erziehungslehre, das viel gewirkt hat, das auch noch in den sechziger, siebziger Jahren eben von dem protestantischen Pädagogen Dittes wirklich außerordentlich gerühmt worden ist, das noch vor ganz kurzer Zeit von dem österreichischen Pädagogen Franz Tomberger in einem kurzen Abriß herausgegeben worden ist. Man muß nur bedenken, was das bedeutet. 1811 war erst eine kurze Zeit verflossen, seit in sehr, sehr weiten Gegenden der österreichischen Lande, namentlich der deutsch-österreichischen Lande, der Lehrer in einer sehr merkwürdigen Stellung war, nicht nur im Dorfe, sondern auch in der Stadt. Nicht nur, daß der Lehrer etwa kein Schulhaus hatte — ein Schulhaus war in weiten Gegenden, kurz bevor diese «Erziehungslehre» erschienen ist, eine Seltenheit; um den Lehrer gruppierten sich die Schüler, der Lehrer ging von Haus zu Haus, einmal war er da, ein andermal im nächsten Haus; wo gerade Platz war, da gab er Schule. Aber das war nicht das einzige. Zum Beispiel ein Gehalt dem Lehrer zu bezahlen, ja, das hätte man nicht verstehen können; das ist doch etwas, was frei gegeben werden muß! Aber der Lehrer brauchte auch ja nur im Winter die Schüler zu unterrichten; im Sommer brauchte man die Kinder ja ohnedies draußen auf dem Felde. Nun, damit er nicht eben Hungers stirbt, so spricht man ihm das Recht zu, während des Sommers die Kühe zu hüten, ein «Holdar» zu sein. Aber das hinderte nicht, daß all das entstand, was ich eben geschildert habe. Und das hinderte nicht, daß nach verhältnismäßig so kurzer Zeit aus dem österreichischen Geistesleben heraus ein nicht nur so mustergültiges, sondern epochemachendes Werk über Erziehungskunst erschien. Man muß sich bekannt machen mit diesem Nebeneinanderstehen der Gegensätze, die aus der Schwierigkeit des österreichischen Lebens entspringen.
[ 31 ] The meaning of life should be built upon a sound anthropology, that is, the study of humanity. Then the teacher should constantly consult within himself, as if meditating, in order to always find the way to the children’s souls. A truly soul-imbued view of education also shines through this truly remarkable work, which, so to speak, arose in the quiet of Austrian intellectual life through a man who, in his outward life, was a clergyman, who rose to become Archbishop of Vienna, and who, in his own way, truly represents that Austrian intellectual life to which one must attach such great value and significance; that Austrian intellectual life which is oriented toward the universal human condition and yet, at its core, maintains a connection with the roots of the national character everywhere. Yes, in 1811, I say, a seminal work on educational theory appeared in Austria that had a profound impact; it was still being highly praised in the 1960s and 1970s by the Protestant educator Dittes, and was published quite recently in a brief summary by the Austrian educator Franz Tomberger. One need only consider what this means. In 1811, only a short time had passed since, in very, very large parts of the Austrian lands—namely the German-Austrian lands—the teacher had been in a very peculiar position, not only in the village but also in the city. Not only did the teacher often lack a schoolhouse—a schoolhouse was a rarity in vast areas shortly before this “Theory of Education” was published—but the students gathered around the teacher, and the teacher went from house to house; one moment he was here, the next in the house next door; wherever there happened to be space, that’s where he taught. But that wasn’t the only thing. For example, paying the teacher a salary—well, that would have been incomprehensible; after all, that’s something that has to be given freely! But the teacher only needed to teach the students in the winter anyway; in the summer, the children were needed out in the fields anyway. Well, to keep him from starving to death, he was granted the right to tend the cows during the summer—to be a “Holdar.” But that did not prevent everything I have just described from coming about. And it did not prevent a work on the art of education—one that was not only exemplary but also epoch-making—from emerging from Austrian intellectual life after a relatively short time. One must become acquainted with this coexistence of opposites, which springs from the difficulties of Austrian life.
[ 32 ] Damit aber hängt es zusammen, daß der Österreicher auch dasjenige braucht, was in den verschiedensten Formen im Wienertum im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts auftrat. Eigentlich ist ein Stück Wienertum auch dasjenige, was Sie ja hier in Berlin vor einiger Zeit kennenlernen konnten, obwohl es bis zu einem gewissen Grade recht «entwienert» worden war, wie Kenner allgemein zugaben, — was Sie kennenlernen konnten durch die Aufführung des «Alpenkönig und Menschenfeind» von Ferdinand Raimund, mit der Gestalt des Rappelkopf, und, was ja auch bekannt ist von dem gleichen Verfasser, des «Verschwender». Ich will nicht von einer allgemein bekannten Sache sprechen, sondern ich will mehr zeigen, wie das österreichische Geistesleben da und dort gleichsam durch das Aufspritzen einer Woge veranschaulicht werden kann, die im Bilde sichtbar macht, was in Österreich lebt. Deshalb will ich weniger von Ferdinand Raimund sprechen, als von dem, der ihn dann im Herzen der Wiener, in das sich Raimund recht sehr eingelebt hatte, in den dreißiger, vierziger Jahren ablöste: Nestroy. Und Johann Nestroy ist als ein Volksdramatiker, ich möchte sagen, so recht eine österreichische Frucht. Zwar hat man sogar hören müssen von manchen gescheiten Leuten der Gegenwart, Nestroy werde sogar von seinen Landesgenossen so charakterisiert, daß er kein richtiger Wiener sei, weil er namentlich in der ersten Zeit seines Wirkens den Wienern nur derbe Wahrheiten gesagt habe, nicht Volksstücke nur geschaffen habe, wo die biederen Leute immer recht haben, sondern wo er so recht den Leuten, verzeihen Sie den harten Ausdruck, den Kopf waschen konnte. Solche Stücke bildeten den Inhalt seiner ersten theatralischen Laufbahn. Er hat eigentlich in großer Fülle geschaffen; in dreizehn Jahren sind an die siebzig solcher Possen entstanden. Aber sie enthalten wirklich jenes Österreichertum, von dem der, der es kennt, eben weiß, wie es in Nestroy wirklich verkörpert war. Denn es ist gar nicht richtig, wenn man glauben wollte, der Österreicher habe dazumal vom Theater herunter hören wollen biedere Darstellungen von Charakteren, von solchen Leuten, die Recht geben der Einfachheit des Lebens. Nein, das war dazumal und Nestroy wuchs aus dem heraus —, was man verlangte, daß man sagen konnte: Nun, der hat es ihnen aber heute wieder einmal gegeben, das heißt, er hat ihnen so recht den Kopf gewaschen. Und mit solcher Kopfwäscherei unterhielt eigentlich Nestroy, selbst spielend am Wiener Karl-Theater, die Wiener wirklich so, daß man sagen kann: Man sieht in dem Geiste, der in diesen Nestroyschen Volkspossen, man möchte sagen, Volks-Stadtpossen lebt, walten jenen österreichischen Geist, der es nötig hat, sich sowohl in der Kritik des Lebens wie auch im Scherze über das Leben, im Humor des Lebens, hinwegzusetzen über manche Schwierigkeit; der es da brauchte, nach harter Arbeit in einer leichten und doch wiederum nicht so ganz von Sympathie und Antipathie freien Weise in der Seele sich es wohlergehen zu lassen. Und so ist Nestroy wirklich eine typische Figur des österreichischen Stadtvolkstheaters so um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Seine Lebensauffassung, seine Auffassung der Lebensereignisse ließ er durch eine Person einmal etwa in der folgenden Weise aussprechen: Ich glaube von jedem Menschen das Schlechteste, selbst von mir, und ich habe mich noch selten getäuscht! — Mit dieser Lebensauffassung schuf er, der persönlich gütige, liebreiche Mensch, der im persönlichen Umgang eigentlich nur liebe und gütige Worte hatte, wirklich Charakterfiguren, die in einer leichten Weise die Lebensauffassung des in Wien zusammengedrängten damaligen Österreichertums veranschaulichen, jenes Österreichertums, das hart bei der Arbeit sein wollte, das aber aus dem Herzen heraus, ohne viel Dialektik, sich eine Lebensauffassung zimmern wollte, die auch Humor haben mußte, die auch den Ernst des Lebens nicht gar zu sehr übertreiben sollte. In der Art und Weise, sich zum Leben zu stellen, lag eben sehr viel. So schuf Nestroy eine Figur, die unter diesem Namen oder unter einem anderen Namen immer wieder auftauchte; einmal nannte er sie «Schnofer!». Und dieser Schnoferl hatte auch ein Verhältnis zum Leben. Da spricht er sich zum Beispiel einmal aus, wie es ihm im Leben mit der Liebe gegangen ist: «Mit der Liab gingat’s prächti bei miar, s’ war scho recht, ober mit der Gegnliab steht’s ollweil schlecht!» Dieser selbe Schnoferl, der das Leben, wie gesagt, nicht ohne Humor auffassen kann, sagt einmal über das, was er in seinem eigenen Herzen erblickt: «Die pragmatische Geschichte meines Herzens zerfällt in drei miserable Kapitel: zwecklose Träumereien, abbrennte Versuche und wertlose Triumphe.» Das sind die drei miserablen Kapitel. Nestroy stellte solche Charaktere mit einer großen Schärfe dar, so daß ein bedeutender Wiener Kritiker einmal sagte: Man sah in Nestroy den dämonischen Ausdruck, der sich bis zum Teuflischen steigern konnte, wenn er seine Augen spielen ließ von der Bühne aus in das Publikum hinein. — Und so brachte Nestroy gut zum Ausdruck eine gewisse des Humors bedürftige Lebensauffassung des Österreichs in den Jahren vor 1848 oder sogar schon vom Anfang der vierziger Jahre.
[ 32 ] This, however, is linked to the fact that Austrians also need what emerged in the most diverse forms as part of Viennese culture over the course of the nineteenth century. In fact, a piece of Viennese culture is also what you were able to experience here in Berlin some time ago, although it had, to a certain extent, been quite “de-Viennified,” as connoisseurs generally admitted, — which you were able to experience through the performance of Ferdinand Raimund’s *The King of the Alps and the Enemy of Mankind*, featuring the character of Rappelkopf, and, as is also well known, the same author’s *The Prodigal*. I do not wish to speak of something that is already common knowledge, but rather to show how Austrian intellectual life can be illustrated here and there, as it were, by the surging of a wave that brings to light what is alive in Austria. That is why I wish to speak less about Ferdinand Raimund than about the man who succeeded him in the hearts of the Viennese—among whom Raimund had become quite at home—in the 1830s and 1840s: Nestroy. And Johann Nestroy, as a popular playwright, is, I would say, truly a product of Austria. Admittedly, one has even had to hear from some intelligent people of the present day that Nestroy is characterized—even by his own countrymen—as not being a “real Viennese,” because, especially in the early days of his career, he told the Viennese nothing but harsh truths; he did not merely create folk plays in which the honest folk are always right, but rather plays in which he could—forgive the harsh expression—really give the people a piece of his mind. Such plays made up the bulk of his early theatrical career. He was, in fact, a prolific writer; in thirteen years, he produced nearly seventy such farces. But they truly embody that Austrian spirit which those who know it recognize as having been genuinely embodied in Nestroy. For it is not at all accurate to believe that Austrians of that time wanted to hear, from the stage, wholesome portrayals of characters—of the sort of people who champion the simplicity of life. No, that was back then, and Nestroy grew out of it—what people demanded was that one could say: “Well, he really gave it to them again today,” that is, he really gave them a piece of his mind. And with such scolding, Nestroy—performing himself at the Karl Theater in Vienna—truly entertained the Viennese in such a way that one can say: One sees in the spirit that lives in these Nestroy-esque folk farces—one might say, urban folk farces—that Austrian spirit which needs, both in its critique of life and in its jesting about life, in the humor of life, to rise above certain difficulties; which needed, after hard work, to find comfort in the soul in a lighthearted way—yet one not entirely free of sympathy and antipathy. And so Nestroy is truly a quintessential figure of Austrian urban folk theater around the middle of the nineteenth century. He once had a character express his outlook on life and his view of life’s events in roughly the following manner: I believe the worst of every person, even of myself, and I have rarely been mistaken! — With this outlook on life, he—a kind and loving man in person, who in personal interactions had nothing but kind and loving words—truly created characters who, in a lighthearted way, illustrate the outlook on life of the Austrians of that time, crowded together in Vienna—those Austrians wanted to work hard, but also sought—from the heart, without much sophistry—to craft a worldview that also had to have humor and that shouldn’t exaggerate the seriousness of life too much. There was simply a great deal at stake in the way one faced life. Thus, Nestroy created a character who appeared again and again under this name or another; once he called him “Schnofer!” And this Schnoferl also had a relationship with life. For example, he once speaks out about how things have gone for him in life when it comes to love: “Things went pretty well for me with love—it was all right—but with unrequited love, it’s always a mess!” This same Schnoferl, who—as mentioned—cannot view life without humor, once says about what he sees in his own heart: “The pragmatic story of my heart breaks down into three miserable chapters: futile daydreams, failed attempts, and worthless triumphs.” Those are the three miserable chapters. Nestroy portrayed such characters with such sharpness that a prominent Viennese critic once said: One could see in Nestroy a demonic expression that could escalate to the devilish when he let his eyes play from the stage into the audience. — And so Nestroy aptly expressed a certain outlook on life—one in need of humor—that characterized Austria in the years before 1848, or even as early as the beginning of the 1840s.
[ 33 ] Dann kam eine Zeit, wo man eine Weile nicht ertragen konnte dieses Ausgießen von Gut und Böse, dieses Nestroysche Jenseits von GutundBöse, von guten und überguten und bösen Leuten. Da wollte man mehr biedere Gestalten haben, da wollte man mehr gerührt sein und weniger geschimpft sein. Man hatte einmal für eine Zeitlang das Schimpfen satt, man wollte gerührt sein. Das paßte Nestroy nicht recht, und da sagte er: Ja, früher hat man noch etwas davon gewußt, was ein Lebensbild ist; in neuer Zeit ist ein Lebensbild — wenn man nach denjenigen geht, die jetzt Lebensbilder für die Bühne entwerfen -, wenn drinnen nur drei G’spaß vorkommen - bei Nestroy lief ein Scherz dem anderen nach -, lauter Leichen in ihrem Blute, Totengräber und flennende Leute. Da wollte er nicht recht mit. Aber er konnte dann doch wiederum mitgehen mit der Zeit. Und so fand denn Nestroy einen eigentümlichen, ich möchte sagen, menschheitlich freien Standpunkt gerade über das schwierige Jahr 1848 hinüber. Er war ein freisinniger Mann, er war ein Mann, der durchaus auf Seiten der Fortschrittsmenschen stand, der sich auch nach keiner Richtung hin in irgendeine Abhängigkeit begab, aber er fand zu gleicher Zeit wiederum für manches Freiheitsgeschrei, für diejenigen, die bis zu einem gewissen Punkte nur gehen, wiederum die rechten Worte. Und so brachte er es denn zustande, daß er gerade in dieser schwierigen Zeit aufrecht erhielt den österreichischen Humor. Man sehe nur: In einem Stück, das gerade in einer der schwersten Zeiten Österreichs entstand, «Freiheit in Krähwinkel» - er hat selber auch in diesem Stück gespielt —, da schildert dieser Österreicher, wie der Bürgermeister von Krähwinkel sich die Freiheit vorstellt. Er läßt es aussprechen durch den Polizeidiener Klaus: «Freiheit is gar was Schreckliches. Der Herr Bürgermeister sagt immer: Der Regent ist der Vater, der Untertan is a klein’s Kind, und die Freiheit is a scharf’s Messer.» Und einer derjenigen, der das ein bißchen in Nestroyscher Weise überschaut, der die Krähwinkler auch in ihrem Freiheitsstreben überschaut, der charakterisiert sie in derselben Form: «Nein, i kenn die Krähwinkler, man muß sie nur austoben lassen; is der Raptus vorbei, dann werden’s dasig- und wir fangen s’ mit der Hand -, da woll’n wir’s hernach recht zwicken, das Volk.» In der Rolle, die Nestroy selber gespielt hat, der er den Namen «Ultra» gegeben hat, tritt nun ein Freiheitsheld auf, der nun wirklich so geschildert wird, daß sich noch einmal der Humor über ihn hermachen kann. Nestroy sprach das Folgende durch den Ultra, Nachdem der Kampf, der sich entsponnen hatte, glücklich abgegangen ist, da verkündigt er die Freiheit: «Ich verkünde für Krähwinkel Rede-, Preß- und sonstige Freiheit, Gleichgültigkeit aller Stände, offene Mündlichkeit, freie Wahlen nach vorhergegangener Stimmung, eine unendlich breite Basis, welche sich nach und nach auch in die Länge ziehen wird, und zur Vermeidung aller diesfälligen Streitigkeiten gar kein System.» Dann kommt Ultra —- man muß sich ihn immer von Nestroy selber dargestellt denken — zu einer Anschauung über das, was die Reaktion eigentlich ist. Was ist Reaktion? «Also», sagt Ultra, «wie’s im Großen war, so haben wir’s hier im Kleinen gehabt. Die Reaktion ist ein Gespenst, aber Gespenster gibt es nur für die Furchtsamen: drum sich nicht fürchten davor, dann gibt’s gar keine Reaktion.»
[ 33 ] Then came a time when people could no longer bear this outpouring of good and evil—this Nestroy-esque “Beyond Good and Evil,” with its good, super-good, and evil characters. People wanted more down-to-earth characters; they wanted to be moved more and scolded less. For a while, people had had enough of the ranting; they wanted to be moved. That didn’t quite sit right with Nestroy, and so he said: “Yes, in the old days people still knew something of what a portrayal of life was; these days, a portrayal of life—if you go by those who now design them for the stage—is, if there are only three jokes in it—with Nestroy, one joke followed another—nothing but corpses in their own blood, gravediggers, and weeping people.” He didn’t quite want to go along with that. But he was ultimately able to move with the times. And so Nestroy found a unique—I would say, humanly free—perspective precisely as he navigated the difficult year of 1848. He was a liberal-minded man; he was a man who stood firmly on the side of progressives, who did not allow himself to become dependent on any particular faction, yet at the same time he found the right words for many a cry for freedom—even for those who only go so far. And so he managed to keep Austrian humor alive precisely during this difficult time. Just consider this: In a play written during one of Austria’s darkest periods, *Freedom in Krähwinkel*—in which he himself also performed—this Austrian depicts how the mayor of Krähwinkel envisions freedom. He has the police officer Klaus articulate it: “Freedom is a truly terrible thing. The mayor always says: The ruler is the father, the subject is a little child, and freedom is a sharp knife.” And someone who views this all with a bit of Nestroy’s characteristic perspective—who also observes the people of Krähwinkel in their quest for freedom—characterizes them in the same way: “No, I know the people of Krähwinkel—you just have to let them run wild; once the frenzy is over, they’ll calm down, and we’ll catch them with our bare hands—then we’ll really give the people a hard time.” In the role played by Nestroy himself—to whom he gave the name “Ultra”—a hero of liberty now appears, portrayed in such a way that humor can once again have its way with him. Nestroy spoke the following through Ultra: After the struggle that had unfolded had ended happily, he proclaimed liberty: “I proclaim for Krähwinkel freedom of speech, freedom of the press, and other freedoms; equality among all classes; open discourse; free elections in accordance with prevailing sentiment; an infinitely broad base, which will gradually expand in scope; and, to avoid any disputes in this regard, no system whatsoever.” Then Ultra—one must always imagine him as portrayed by Nestroy himself—arrives at a view of what the Reaction actually is. What is the Reaction? “Well,” says Ultra, “just as it was on a large scale, so it was here on a small scale. Reaction is a specter, but spectres exist only for the timid: so don’t be afraid of it, and there will be no reaction at all.”
[ 34 ] Aber in der Persönlichkeit des Nestroy selber liegt wiederum etwas wie ein durchaus richtiges Stellen seiner eigenen Persönlichkeit in das Leben hinein. Solch ein Mensch wie Nestroy war durchaus eine Persönlichkeit, die den Tiefen der Seele zugänglich war. Aber das, was er schuf, wollte er aus dem unmittelbaren Leben und für das unmittelbare Leben schaffen. Und so ist denn Nestroy durchaus nicht darauf gestimmt, etwa über das Ich Erwägungen anzustellen. Er kam einmal in einen gesellschaftlichen Zusammenhang mit dem tiefsinnigen, nicht genug hochzuschätzenden Dichter Friedrich Hebbel, dem großen Dichter Hebbel. Nun aber, Hebbel und Nestroy, das war wie Nord- und Südpol selbstverständlich. Friedrich Hebbel, schon äußerlich tadellos im Anzug, korrekt in jeder Geste, Nestroy ungezogen in jeder Geste, mit einem bäuerischen Anzug, den er mit einer besonderen Würde zur Schau trug! Nun lernte Nestroy noch gar solche Dichtung wie «Judith und Holofernes» kennen, eine Dichtung, in der Hebbel tatsächlich unendliche Tiefen des menschlichen Seelenlebens ausgeschöpft und so in dramatischer Form verkörpert hat, daß man sagen muß: Es ist wirklich ein wunderbares, in menschliche Geisteshöhen gehendes Ringen mit den Lebensproblemen des Daseins, — aber für Nestroy deshalb nichts, möchte man sagen, weil es nicht gerade so leicht unmittelbar humoristisch genommen werden kann. Er nahm es aber doch humoristisch, eben zum Hohn, indem er sagte: No, das ist nichts! Er dachte auch ungefähr: Das ist ein Holler! Ich mache jetzt einen Holofernes, Judith und Holofernes, das muß das Richtige werden; das is doch nichts, was der Hebbel gemacht hat. - Nun aber wollte er in Holofernes eine Gestalt schaffen, die so ganz auf ihr Inneres, auf ihr menschliches Ich gewendet war. Da konnte dieser Nestroy auch so recht einen Menschen hinstellen, der ganz aus der Fülle des seelischen Willens heraus schuf und etwas wollte, Aber er wollte doch nur sozusagen auf echt Österreichisch in dieses Ich hinein. Ja, nicht durch Spekulation, nicht durch Dialektik, auch nicht durch dramatische Dialektik! Also wie eine Gestalt des Holofernes hinstellen, die voller Ichlichkeit, voller Kraft der Persönlichkeit ist, die so stark ist, daß sie schauen will, wer stärker ist, «Ich» — oder, wie er sagte — «I oder I!», so daß sie sich doppelt fühlt. Also will sie mit sich selber raufen, damit sie sieht, wer stärker ist, I oder I. Das wird Nestroys Holofernes. Aber er weiß sich eben durchaus richtig hineinzustellen ins Leben. Und als er hört, daß man sagt: Er verleugne doch ein rein künstlerisches Prinzip mit seinen unmittelbar aus dem Volkstum schaffenden Stücken, — ja, da sagte er, solch einen Vorwurf ließe er sich nicht machen, denn die Leute sollten doch bedenken, was das eigentlich heißt: Volksstücke schreiben. Wer Volksstücke schreibe und wolle sich gar mit dem Goethe vergleichen, der sei gerade so wie einer, der einen Zwetschgenkrampus macht, und sich als Nebenbuhler von Canova aufspielen wollte. Ein Zwetschgenkrampus ist eine Figur, wie man sie am Nikolaustage aus gedörrten Pflaumen als Kasperl oder Nikolaus zusammenfügt.
[ 34 ] But in Nestroy’s own personality, there is, in turn, something akin to a thoroughly authentic integration of his own personality into life. A man like Nestroy was indeed a personality who was attuned to the depths of the soul. But what he created, he wanted to create from immediate life and for immediate life. And so Nestroy is by no means inclined to engage in reflections on the self. He once found himself in a social setting with the profound poet Friedrich Hebbel—the great poet Hebbel—whose worth cannot be overestimated. But Hebbel and Nestroy were, of course, like the North and South Poles. Friedrich Hebbel, impeccable even in his outward appearance, proper in every gesture; Nestroy, boisterous in every gesture, wearing a peasant’s outfit, which he displayed with a special dignity! Yet Nestroy even came to know a play such as *Judith and Holofernes*, a work in which Hebbel truly explored the infinite depths of the human soul and embodied them in such a dramatic form that one must say: It is truly a marvelous struggle with the problems of existence, reaching the heights of the human spirit—but not for Nestroy, one might say, because it cannot be taken quite so easily and immediately as humor. Yet he did take it humorously, precisely as a mockery, saying: “No, that’s nothing!” He also thought something along the lines of: “That’s a load of nonsense!” “I’m going to do a Holofernes now—Judith and Holofernes—that’s bound to be the right thing; what Hebbel did is nothing.”—But now he wanted to create a character in Holofernes who was so completely turned inward, toward his human self. There, Nestroy was able to portray a person who created entirely from the fullness of his spiritual will and who wanted something. But he wanted to delve into this “I,” so to speak, in a truly Austrian way. Yes, not through speculation, not through dialectics, nor even through dramatic dialectics! So, to portray a character like Holofernes who is full of selfhood, full of the power of personality—so strong that he wants to see who is stronger, “I”—or, as he put it—“I or I!”—so that he feels himself in two. Thus, he wants to wrestle with himself to see who is stronger, I or I. That becomes Nestroy’s Holofernes. But he certainly knows how to position himself correctly in life. And when he hears people say that he denies a purely artistic principle with his plays, which draw directly from folk traditions—well, he said he would not accept such a charge, for people should consider what it actually means to write folk plays. Anyone who writes folk plays and even dares to compare himself to Goethe is just like someone who makes a “Zwetschgenkrampus” and wants to pose as a rival to Canova. A “Zwetschgenkrampus” is a figure made on St. Nicholas Day from dried plums, shaped into Kasperl or St. Nicholas.
[ 35 ] Man muß auch diese Seite des Österreichertums durchaus kennen. Denn sie ist tief, tief verwoben mit dem, was in der österreichischen Seele nach einer gewissen Lebensauffassung sucht, die ich etwa in der folgenden Weise charakterisieren möchte: Aus der Schwierigkeit seines Lebens heraus hat dieser Österreicher das Bedürfnis, auszuruhen in einer Anschauung des Lebens, die vergessen läßt den Ernst des Lebens und die doch wiederum in der unterbewußten Seele Kräfte bringt, um dem Leben gegenüber gewappnet zu sein. Gewiß, Nestroy ist tiefer als diejenigen, die ihn dann abgelöst haben am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Man kann Nestroys Possen nicht etwa vergleichen mit denen von Berg, der ja gewiß in derselben Zeit mehr geschrieben hat, aber heruntergesunken war auf ein viel tieferes Niveau. Aber es gehört in die ganze Gestaltung der Seele dieses Osterreichers hinein diese eigentümliche Lebensauffassung, die doch wiederum auf ein AllgemeinMenschliches hinausgeht. Und auch diese Lebensauffassung zeigt, daß in Österreich etwas aus viel tieferen Menschheitsquellen heraus kommt und das seelische Leben gestaltet, als all dasjenige, was gewöhnlich als Ideen gefaßt wird, die zusammenziehen die menschliche Entwickelung. Man darf sich den Österreicher nicht in dieses oder jenes Vorurteil eingesponnen denken, sondern man muß, um ihn kennen zu lernen, das österreichische Volkstum ins Auge fassen. |
[ 35 ] One must also be thoroughly familiar with this aspect of Austrian identity. For it is deeply, deeply interwoven with what the Austrian soul seeks in a certain outlook on life, which I would like to characterize roughly as follows: Arising from the difficulties of his life, this Austrian feels the need to find solace in a view of life that allows him to forget life’s seriousness, yet at the same time draws strength from the subconscious soul to face life head-on. Certainly, Nestroy is more profound than those who succeeded him at the end of the nineteenth century. One cannot compare Nestroy’s farces, for example, with those of Berg, who certainly wrote more during the same period but had sunk to a much lower level. Yet this peculiar view of life—which ultimately points to something universally human—is an integral part of the very makeup of this Austrian’s soul. And this outlook on life also shows that in Austria, something springs from much deeper human sources and shapes the inner life than all that which is usually conceived of as ideas that drive human development. One must not imagine the Austrian as entangled in this or that prejudice; rather, to get to know him, one must take the Austrian national character into account. |
[ 36 ] Ich konnte es heute nur in einigen Bildern vor Ihre Seelen hinstellen; ich habe sie wahrhaftig nicht etwa ausgesucht auf das Ziel hin, den Österreicher liebenswürdig zu machen, sondern ihn einfach zu schildern, wie er ist. Ich wollte auch nichts Besonderes zusammenfassen, sondern ich wollte nur einzelne Züge zeigen, selbstverständlich ganz einzelne verlorene Züge, die aber doch dieses oder jenes anschaulich machen können, anschaulich machen können vor allen Dingen wie eine besondere Note, ein besonderer Ton, in diesem Österreichertum lebt, lebt über das Ganze dieser österreichischen Kultur hinweg, von solchen Gestalten, die ich Ihnen heute geschildert habe, bis hinüber etwa zu dem Madjaren Emmerich Madaäch, jenem Manne, der die ja auch in weitem Kreise bekannte «Tragödie des Menschen» geschaffen hat. Aus einem leidvollen Leben heraus, wirklich wiederum aus einem leidvollen Leben heraus, hat sich dieser Madách erhoben zu einer in seinem Sinne gelegenen Ausgestaltung einer Lebensanschauung des Menschen. Er zeigt die Schöpfung des Menschen, Adam und Eva. Er zeigt, wie Adam und Eva in die Welt hereingestellt sind durch den göttlichen Schöpfer, diese Welt als ein Rätsel empfindend. Nun wird ihnen vorgeführt durch Luzifer, was da folgt. Adam wird gezeigt, wie er wiederum leben wird, wie er wiederkommen wird in der ägyptischen Zeit, wie er da leben wird als ein Ägypter, als ein Pharao; wie Eva seine Sklavin sein wird. Die Ägyptische Kultur mit alledem, was sie auslösen kann in der Seele des wiederverkörperten Adam, wird von dem Dichter vorgeführt. Und weiter werden wir geführt in die römische Zeit; Adam wird wiedergeboren in der Zeit des römischen Kaisertums. -In die Zeit des Christentums hinein wiederum, in die Zeit der französisch-englischen Kultur, in die Zeit der deutschen Kultur; an das Ende der Erdenzeit wird er hingestellt in einer Verkörperung. Das ganze Menschenleben wird an ihm vorübergeführt.
[ 36 ] Today I was able to present only a few glimpses of this to your minds; I truly did not select them with the aim of making the Austrian seem likable, but simply to portray him as he is. Nor did I intend to summarize anything in particular; I merely wanted to highlight individual traits—of course, very isolated, random traits—which can nevertheless illustrate this or that, above all how a particular note, a particular tone, lives within this Austrian spirit, permeating the entirety of Austrian culture—from figures such as those I have described to you today, all the way to, for example, the Magyar Emmerich Madaách, the man who created the “Tragedy of Man,” which is, after all, widely known. Out of a life of suffering—truly, once again, out of a life of suffering—Madách rose to formulate, in his own way, a view of human existence. He depicts the creation of humankind, Adam and Eve. He shows how Adam and Eve are placed into the world by the divine Creator, perceiving this world as a mystery. Now Lucifer reveals to them what will follow. Adam is shown how he will live again, how he will return in the Egyptian era, how he will live there as an Egyptian, as a pharaoh; how Eve will be his slave. The poet depicts Egyptian culture with all that it can evoke in the soul of the reincarnated Adam. And we are led further into the Roman era; Adam is reborn in the time of the Roman Empire. —Then into the era of Christianity, into the era of Franco-English culture, into the era of German culture; at the end of earthly time, he is placed in an incarnation. The entire course of human life is played out before him.
[ 37 ] Man sieht, es ist vieles an Wegen vorhanden, die hinaufführen aus demjenigen, was an Freud, an Leid, in der österreichischen Seele entstehen kann, hinauf bis in die Gipfel menschlicher Welt- und Lebensanschauungen. Und eine besondere Note ist es, so daß man sagen muß: Es entspricht gerade durch das Anschauen dieser besonderen Note, dieses besonderen 'Tones im österreichischen Volkstum auch schon einer inneren Notwendigkeit, daß zum Beispiel die Deutsch-Österreicher abgetrennt wurden eine Zeitlang von dem allgemeinen deutschen Geistesleben. Gerade durch diese Abtrennung haben sie ihr Innerstes recht entwickelt, haben sie dasjenige, was ihnen ureigentümlich ist, in der richtigen Weise herausgestellt. Durch solche Abtrennung wird aber dasjenige, was die Völker verbindet, wahrhaftig nicht ertöter. Und dasjenige, was wir heute sehen, jenes Zusammenwirken der beiden mitteleuropäischen Reiche zu einem großen Gesamtbegriff Mitteleuropa, zu einem Gesamtwesen Mitteleuropa, das ist fest verankert sowohl in den Bewohnern des einen wie in den Bewohnern des anderen Reiches, wenn man gerade in die Tiefen des Seelenlebens hineinschaut. Das zeigt sich einem in den Tiefen des Volkstums, wie da, wo sich zum Beispiel der Wille Österreichs auslebt, wiederum auf den Höhen des österreichischen Wirkens gedacht wird. Als, wie es schien, im Jahre 1866 ein tiefer Spalt gerissen war zwischen Herzen, die doch innerlich gerade bei den besten Österreichern tief verbunden waren mit den Herzen des großen deutschen Reiches, da war auch auf der Höhe des Menschentums nach diesem Jahre 1866 nicht eine Stimmung etwa aus dem Tone heraus, der nach Rache schreit. Da war nicht eine Stimmung, die an anderen Orten später war, nachdem ein Volk besiegt worden war, wo man sagte, man müsse immer und immer wiederum in der Seele den Rachegedanken lebendig machen. Nein, sondern es wurde eine 'Thronrede gehalten unmittelbar nach 1866 in Österreich, die enthielt die Worte; «Nicht der geheime Gedanke der Wiedervergeltung sei es, der unsere Schritte leitet; eine edlere Genugtuung sei uns beschieden, wenn es uns mehr und mehr gelingt, durch das, was wir leisten und was wir schaffen, Ungunst und Feindschaft in Achtung und Zuneigung zu verwandeln.»
[ 37 ] As we can see, there are many paths that lead upward from whatever joy or sorrow may arise in the Austrian soul, all the way to the heights of human worldviews and perspectives on life. And there is a distinctive quality to it, so that one must say: It is precisely through the contemplation of this distinctive quality, this particular “tone” in Austrian folklore, that an inner necessity is fulfilled—namely, that the German-Austrians were, for a time, separated from the general German intellectual life. It is precisely through this separation that they have fully developed their innermost essence and have brought to the fore, in the proper way, that which is uniquely their own. Yet such a separation does not, in truth, diminish what unites peoples. And what we see today—that interplay of the two Central European empires into a grand, overarching concept of “Central Europe,” into a unified entity called “Central Europe”—is firmly anchored in the inhabitants of both empires, if one looks deeply into the depths of their spiritual lives. This becomes evident in the depths of national character, just as, for example, where the will of Austria finds its expression, the heights of Austrian achievement are in turn remembered. When, as it seemed, a deep rift had opened in 1866 between hearts that were, at least inwardly—especially among the finest Austrians—deeply connected to the hearts of the great German Empire, even at the height of humanity after that year of 1866, there was not a single sentiment—even in tone—that cried out for revenge. There was not a sentiment like that which later arose in other places after a people had been defeated—where it was said that one must keep the thought of revenge alive in one’s soul over and over again. No, rather, a “throne speech” was delivered in Austria immediately after 1866, which contained the words: “Let it not be the secret thought of retaliation that guides our steps; let us be granted a nobler satisfaction when we succeed more and more in transforming disfavor and enmity into respect and affection through what we accomplish and what we create.”
[ 38 ] So drückt sich auch in solchen Worten jenes Band aus, das heute zu so schöner Verwirklichung gekommen ist zwischen dem österreichischen Herzen und dem deutschen Herzen. Jenes Band, das ja in einer wirklich aus österreichischer Seele heraussprossenden Weise von Hamerling ist: Deutschland ist mein Vaterland, in Österreich aber empfinde ich mein Mutterland. - Dieses Zusammengehörigempfinde ich mein Mutterland. - Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl lebte so, daß man das anschaulich machen kann durch einige Worte, die in Österreich entstanden sind. Merkwürdige Worte, vielleicht nicht in einer vollkommen befriedigenden Form, aber doch Worte, die vielleicht gerade in unserer Zeit vorgelesen werden dürfen. Ich werde erst nachher sagen, in welcher Zeit diese Worte geschrieben sind. Da heißt es in einem Gedicht «Österreich und Deutschland»:
[ 38 ] Such words also express that bond which has today found such a beautiful fulfillment between the Austrian heart and the German heart. That bond, which—springing truly from the Austrian soul—is expressed by Hamerling: “Germany is my fatherland, but in Austria I feel at home.” - This sense of belonging is my motherland. - This sense of belonging was so vivid that it can be illustrated by a few words that originated in Austria. Remarkable words, perhaps not in a completely satisfying form, but nonetheless words that may perhaps be read aloud especially in our time. I will explain later when these words were written. A poem titled “Austria and Germany” reads as follows:
Laßt Rußland, England klüglich sich beraten,
Es auch vielleicht nicht unwillkommen finden,
Wenn wir ein wenig hier in Kampf geraten,
Wenn man uns will das gute Recht entwinden!Ihr, deutsche Brüder, werdet hier nicht - raten,
Des Feindes Angriff wird uns nur verbinden
Und unter uns wird jeder Ehrgeiz schwinden
Vor dem: Ein Volk zu sein in Wort und Taten.Und hat das Eine unter uns gefehlet,
War eine Zwietracht wo in deutschen Herzen,
Nur Eines ist es, was uns Jetzt beseelet:Was uns gemeinsam ist an Lust und Schmerzen!
So sei denn auch gemeinsam uns beschieden:
Ein deutscher Krieg, wenn nicht ein deutscher Frieden!
Let Russia and England consult wisely,
And perhaps not find it unwelcome,
If we get into a bit of a fight here,
If they seek to wrest our rightful claim from us!You, German brothers, will not—advise here,
The enemy’s attack will only unite us
And among us, all ambition will fade
Before this: to be one people in word and deed.And if that one thing was lacking among us,
If there was discord in German hearts,
There is but one thing that now inspires us:What we share in joy and sorrow!
So let it also be our shared fate:
A German war, if not a German peace!
[ 39 ] Es könnten Worte sein, die in unserer Zeit geschrieben worden sind. Sie sind aber geschrieben im April des Jahres 1859 von dem Sohne jenes Tobias Gottfried Schröer, von dem ich Ihnen gesprochen habe, von Karl Julius Schröer, der in Österreich, von Zisleithanien herüber, in Wien wirkte. Er wirkte in einer Art, von der man sagen kann, daß sie geeignet wiederum war, auf der einen Seite die Verbindung der Seele herzustellen mit dem, was im Volke lebt und webt, und auf der anderen Seite die Seelen hinaufzutragen zu den Höhen des geistigen Lebens -,, Karl Julius Schröer, der zuerst als Direktor der Wiener evangelischen Schulen, und dann als Professor für deutsche Literatur an der Technischen Hochschule eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Ich selber fühle mich — verzeihen Sie diese persönliche Bemerkung — mit dieser Tätigkeit tief verbunden, denn Karl Julius Schröer war einstmals mein lieber Lehrer. Dieser Karl Julius Schröer, er hat auf der einen Seite seine volkstümlichen Forschungen hineingetragen in die wirklich tiefen Untergründe des Volkstums. Zunächst hat er Weihnachtsspiele drucken lassen, die gespielt worden sind unter den Bauern in der Weihnachtszeit, die aber so recht aus dem Volke selber hervorgegangen waren. Dann war er ein Mundartforscher, ein Forscher, welcher die Eigentümlichkeiten der österreichischen Mundart in den Gotscheerlanden in Krain, bei den Zipser Deutschen, bei den sogenannten Heanzen in West-Ungarn, der die Mundart auch NiederÖsterreichs durchforscht hat, der überall hingewiesen hat auf den unmittelbaren Zusammenhang alles österreichischen Geisteslebens mit den Wurzeln im Volkstum; und der auf der anderen Seite die Seelen hinaufgetragen hat zu den Höhen der Goetheschen Weltanschauung durch eine FaustForschung, und in diesem Sinne wiederum wohltätig auf seine Schüler gewirkt hat. Dieser Mann hat nun 1859 in dieser Art Österreichs Einheit mit Deutschland zum Ausdruck gebracht. Ich habe seine Worte angeführt, um zu zeigen, wie herauswächst aus österreichischem Volkstum dasjenige, worauf wir heute sehen müssen als auf ein schönes, herrliches Ideal, das sich aus den großen Forderungen und hingebungsvollen Taten unserer Gegenwart heraus entwickeln soll: ein Mitteleuropa, in dem zusammenwirkt alles dasjenige, was eigentlich aus den Herzen heraus längst zusammenwirkte. Und gerade durch eine Betrachtung des besonderen Tones, der im österreichischen Volkstum, im österreichischen Geistesleben waltet, wird man sagen können: Das, was da erreicht werden sollte in Abgetrenntheit, es wird sich zu der mitteleuropäischen Entwickelung Heil und Segen auch in innigerer Weise verbinden können mit dem, was im weiteren Umkreis deutsches Wesen ist. Und so sehen wir denn, ich möchte sagen, auch wenn wir mit Verständnis des Wesens des Volkstums hinsehen auf das, was sich aus Blut und Leiden und Schmerzen in unserer Zeit als ein Zukunftsideal Mitteleuropas entwickeln will —, so sehen wir denn, daß sich da etwas entwickelt, was durch die hingebungsvollen mutigen Taten der Waffen geschaffen werden muß, was aber fest urständet, so urständet, daß doch darin die Gewähr für seine Dauer gesehen werden kann, in den Herzen, in den Seelen derer, die sich näher miteinander verbinden und sich zu gemeinsamer Tat verbunden haben.
[ 39 ] These words could have been written in our own time. But they were written in April of 1859 by the son of that Tobias Gottfried Schröer I told you about—Karl Julius Schröer, who worked in Vienna, having come from Cisleithania in Austria. He worked in a way that can be said to have been suited, on the one hand, to establishing a connection between the soul and what lives and thrives among the people, and, on the other hand, to lifting souls up to the heights of spiritual life—Karl Julius Schröer, who carried out a beneficial ministry first as director of the Vienna Protestant schools and then as a professor of German literature at the Technical University. I myself feel—please forgive this personal remark—deeply connected to this work, for Karl Julius Schröer was once my dear teacher. This Karl Julius Schröer, on the one hand, delved with his folkloric research into the truly deep foundations of folklore. First, he had Christmas plays printed that were performed among the peasants during the Christmas season, but which had truly sprung from the people themselves. He was also a dialectologist—a scholar who explored the distinctive features of the Austrian dialect in the Gotscher regions of Carniola, among the German-speaking people of Spiš, and among the so-called Heanzen in western Hungary; who also studied the dialect of Lower Austria; and who consistently pointed out the direct connection between all Austrian intellectual life and its roots in folklore; and who, on the other hand, lifted people’s spirits to the heights of Goethe’s worldview through his research on *Faust*, and in this sense, in turn, had a beneficial influence on his students. In 1859, this man expressed Austria’s unity with Germany in this very way. I have quoted his words to show how Austrian folklore gives rise to that which we must regard today as a beautiful, magnificent ideal—one that is to develop out of the great demands and selfless deeds of our present: a Central Europe in which all that has long been working together in people’s hearts actually comes together. And it is precisely by considering the distinctive spirit that prevails in Austrian national character and in Austrian intellectual life that one will be able to say: What was to be achieved there in isolation will, in the development of Central Europe, be able to unite in a more intimate way with that which constitutes the German essence in the wider sphere. And so we see—I might say—even when we look, with an understanding of the essence of folk culture, at what is seeking to develop in our time out of blood, suffering, and pain as a future ideal for Central Europe— we see that something is developing there that must be forged through the self-sacrificing, courageous acts of arms, but which takes such firm root—so deeply rooted, in fact, that the guarantee of its permanence can be seen in the hearts and souls of those who are drawing closer together and have united in common action.
[ 40 ] Wahrhaftig, lassen Sie mich damit schließen: Dasjenige, was sich historisch jetzt zusammenfügt, es fügt sich nicht nur durch äußere Notwendigkeit zusammen, es fügt sich zusammen durch die inneren Bande der Seelen, der Herzen der Bevölkerungen Mitteleuropas.
[ 40 ] Truly, let me conclude with this: What is now coming together historically is not merely the result of external necessity; it is coming together through the inner bonds of the souls and hearts of the peoples of Central Europe.
