From Central European Spiritual Life
GA 65
10 December 1915, Berlin
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From Central European Spiritual Life, tr. SOL
4. Menschenseele und Menschengeist
4. The Human Soul and the Human Spirit
[ 1 ] Derjenige wird immer in bezug auf die Auffassung in eine schiefe Stellung kommen gegenüber der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist und wie ich sie seit Jahren hier vortragen durfte, der in dieser Geisteswissenschaft, namentlich in ihren Wegen und Methoden etwas der gewöhnlichen Menschennatur, dem gewöhnlichen Menschenleben ganz absonderlich Fernes, Fremdes, gewissermaßen Jenseitiges sieht; der in der Geistesforschung etwas sieht, das nur erworben werden kann durch besondere, außerordentliche Gaben, die der gewöhnlichen Menschennatur nicht zugänglich seien. Demgegenüber wurde ja hier immer wieder und wiederum betont: Geisteswissenschaft will nichts anderes sein, als für das geistige Gebiet die echte Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, insofern diese in der neueren Zeit ihre Methoden gefunden hat, die sie in bezug auf die Erforschung der materiellen, der äußerlich sinnlichen Erscheinungen, zu früher ungeahnten Ergebnissen und Erfolgen geführt hat. Die Schwierigkeit in der Auffassung der ganzen Gesinnung und der ganzen Absicht der Geisteswissenschaft liegt darinnen, daß es der Mensch vom Gesichtspunkte der gegenwärtigen Weltanschauungsgesinnung aus schwer hat, einzusehen, daß diese Geisteswissenschaft im Grunde genommen nichts anderes will, als die inneren menschlichen Denk- und sonstigen Seelenerlebnisse in einer ähnlichen Weise auszubilden, durch rein innerliche Vorgänge auszubilden, wie gewisse äußerliche Hantierungen, gewisse äußerliche Verrichtungen verfeinert und ausgebildet werden im naturwissenschaftlichen Experiment. So wie das naturwissenschaftliche Experiment, durch das der Natur ihre Geheimnisse abgelauscht werden sollen, im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine Verfeinerung, in gewissem Sinne eine Erhöhung, wenn ich das Wort brauchen darf, von Verrichtungen, die sonst auch mit äußerlich materiellen Dingen vorgenommen werden, die nur in einem gewissen, sagen wir, methodischen Sinne vorgenommen werden, so daß durch ihre Zusammenstellung die Natur ihre Geheimnisse der Menschenseele enthüllt. So wie das naturwissenschaftliche Experiment nichts anderes ist als eine Fortsetzung gewissermaßen der äußeren Betätigung des Menschen, so ist auch das geisteswissenschaftliche Forschen nichts anderes als eine Fortsetzung, sagen wir, eine Verfeinerung desjenigen, was die Menschenseele im gewöhnlichen Verlaufe des Lebens und in der gewöhnlichen Wissenschaft an Denk- und anderen Seelenverrichtungen vollbringt. Das ist die eine Schwierigkeit, daß der Weg von dem einen zu dem anderen nicht immer zum Beispiel in der heute vor acht Tagen hier angedeuteten Weise gesucht wird.
[ 1 ] Anyone who views spiritual science—as it is understood here and as I have had the privilege of presenting it here for years—will always find themselves at odds with it if they perceive in this spiritual science, particularly in its approaches and methods, something that is utterly alien to ordinary human nature and ordinary human life—something strange, foreign, and, in a sense, otherworldly; who sees in spiritual research something that can only be attained through special, extraordinary gifts that are inaccessible to ordinary human nature. In contrast, it has been emphasized here time and again: Spiritual science aims to be nothing other than the genuine continuation, in the spiritual realm, of the scientific worldview—insofar as this has, in recent times, found methods that have led to previously unimagined results and successes in the investigation of material, outwardly sensory phenomena. The difficulty in grasping the entire spirit and purpose of spiritual science lies in the fact that, from the perspective of the current worldview, it is hard for people to understand that this spiritual science, at its core, seeks nothing other than to develop the inner human thought and other soul experiences in a similar way—through purely inner processes—as certain external manipulations and certain external operations are refined and developed in the scientific experiment. Just as the scientific experiment, through which nature’s secrets are to be uncovered, is, in essence, nothing other than a refinement—in a certain sense, an elevation, if I may use that word—of activities that are otherwise also carried out with external, material things, activities that are merely performed in a certain, let us say, methodical sense, so that through their combination, nature reveals its secrets to the human soul. Just as the scientific experiment is nothing other than a continuation, so to speak, of human external activity, so too is spiritual scientific research nothing other than a continuation—let us say, a refinement—of what the human soul accomplishes in the ordinary course of life and in ordinary science through thought and other mental activities. That is one difficulty: the path from one to the other is not always sought, for example, in the way indicated here eight days ago.
[ 2 ] Die andere Schwierigkeit besteht darinnen, daß der Mensch den Ergebnissen der Naturwissenschaft gegenüber viel mehr als er glaubt, dasjenige, was ihm dargeboten wird, hinnimmt, wenn er es nach seinem gesunden Menschenverstande einleuchtend findet, auch dann, wenn er nicht die Methoden selbst anwendet, die Experimente im Laboratorium oder auf der Klinik selber ausführen kann. Es besteht da nicht das Begehren, unmittelbar alles selbst zu suchen, sondern sich mit dem gesunden Menschenverstand zu dem zu stellen, was der Forscher gibt, der sich bekannt gemacht hat mit der Handhabung der Methoden. In bezug auf Geisteswissenschaft liegt für den Forscher gar nichts anderes als bei der Naturwissenschaft vor. Er gibt von sich aus in derselben Weise, aus derselben Denkrichtung heraus dasjenige, was er nun durch intime innere Seelenvorgänge so objektiv erforscht, wie die Naturgeheimnisse durch die Experimente erforscht werden. Und er rechnet ebenso darauf, daß die Zustimmung erfolgt durch den gesunden Menschenverstand, der für dasjenige spricht, was das innere Experiment, wie ich mich heute vor acht Tagen ausdrückte, zu geben hat. Nun besteht aber gegenüber den Ergebnissen der Geisteswissenschaft, gegenüber den Geheimnissen des Ganges der Entwickelung, der Schicksale der menschlichen Seele, das Begehren aller Menschen, nicht nur Forschungsergebnisse entgegenzunehmen, sondern dasjenige, was sie auf diesem Gebiete für richtig halten sollen, selber mehr oder weniger zu erforschen. Diejenigen Wege, die die Seele bei jedem Menschen nehmen kann und die zum Beispiel in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» angedeutet sind, ergeben nun zwar für jede Menschenseele die Möglichkeit, sich zu überzeugen und in sich selber zu bewahrheiten, was der Geistesforscher zu sagen hat, indem eben in der Seele diese intimen, inneren Vorgänge erlebt werden. Aber es müssen eben diese Wege gegangen werden. Und da erhebt sich dann, obzwar immer wieder und wiederum von vielen mit diesem Wege der Anfang gemacht wird, die innerliche subjektive Schwierigkeit, daß diese Wege- ich kann nicht sagen schwierig sind, aber schwierig befunden werden von den Menschenseelen, daß sie die Geduld verlieren nach den ersten Schritten, oder mindestens nicht die Neigung haben, sie mit derselben Gewissenhaftigkeit zu machen, mit der der Naturforscher ein Experiment herrichtet. Und bei alledem spricht ein gewisser Glaube in der Menschenseele mit, ein Glaube, der gegenüber der wirklichen Geistesforschung ein Vorurteil ist; aber im Menschenleben entscheiden eben in den meisten Fällen Vorurteile. Es erhebt sich der Glaube, daß die Menschenseele, so wie sie einmal ist, wenn sie sich nur ein wenig besinnt, wenn sie nur ein wenig diejenigen Denkgewohnheiten entwickelt, diejenigen Denkverrichtungen erlebt, auslebt, die so unmittelbar im Leben gegeben sind, dann doch darauf kommen müsse, welches die Geheimnisse der inneren Menschennatur sind. Man hat das Gefühl: Es darf nicht schwierig sein, das Allerrätselhafteste, das es auf der Welt gibt, in der äußeren Welt gibt, den Menschen selber, in seiner Wesenheit zu erkennen. Man hat einmal dieses Gefühl, es dürfe nicht schwierig sein. Um den inneren Zusammenhang eines Uhrwerkes zu erkennen, läßt man sich darauf ein, die Dinge zu studieren. Gegenüber dem Kompliziertesten, dem Rätselhaftesten, das es in der uns umgebenden Sinneswelt gibt, der Menschennatur, möchte man sich eigentlich am liebsten dem Glauben hingeben, daß die volle Wahrheit über das Wesen des Menschen jeder erkennen könne, ohne daß er sich erst auf einen gewissen Standpunkt vorbereitet, ohne daß er erst innerliche Seelenwege macht, um die eigene Natur zu erkennen. Man kann ja meinen, es wäre ja recht gut, bequem, schön vielleicht, wenn das so wäre, wenn man gar keine Vorbereitung brauchte, um das Menschenwesen zu erforschen. Aber man kann demgegenüber nur sagen: Es ist eben nicht so, sondern es bedarf, um das Menschenwesen in seiner innersten Natur zu erforschen, der Wege der Geistesforschung. Das ist eine Wahrheit. Und ob oder wie der Mensch sich damit abfindet, das kommt nicht in Betracht gegenüber dieser Wahrheit. Der Mensch muß sich erst durch einen Vorbereitungsweg die Mittel aneignen, durch die er sich sein eigenes Geheimnis enthüllen kann.
[ 2 ] The other difficulty lies in the fact that, when confronted with the findings of the natural sciences, people are much more likely than they realize to accept what is presented to them if it strikes them as plausible based on their common sense—even if they do not apply the methods themselves or are unable to conduct the experiments in a laboratory or clinical setting. There is no desire here to investigate everything directly on one’s own, but rather to approach, with common sense, what the researcher—who has become familiar with the application of these methods—presents. With regard to the humanities, the situation for the researcher is no different from that in the natural sciences. He presents, of his own accord and from the same line of thought, what he has now investigated—through intimate inner soul processes—as objectively as the mysteries of nature are investigated through experiments. And he likewise counts on approval coming from common sense, which speaks in favor of what the “inner experiment”—as I put it eight days ago—has to offer. Now, however, in the face of the findings of spiritual science—the mysteries of the course of evolution and the destinies of the human soul—there exists a desire among all people not merely to accept research findings, but to explore for themselves, to a greater or lesser extent, what they should regard as true in this realm. The paths that the soul of every human being can take—and which are, for example, outlined in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—do indeed offer every human soul the opportunity to convince itself and to verify within itself what the spiritual researcher has to say, precisely by experiencing these intimate, inner processes within the soul. But these paths must actually be taken. And so, even though many people repeatedly set out on this path, an inner, subjective difficulty arises: these paths—I cannot say they are difficult, but they are found to be difficult by human souls—cause people to lose patience after the first few steps, or at least lack the inclination to pursue them with the same conscientiousness with which a natural scientist prepares an experiment. And in all of this, a certain belief speaks within the human soul—a belief that constitutes a prejudice against genuine spiritual research; yet in human life, it is precisely prejudices that are decisive in most cases. The belief arises that the human soul, just as it is, if it only reflects a little, if it only develops those habits of thought, experiences those mental processes, and lives them out—which are so immediately present in life—must surely arrive at an understanding of the mysteries of inner human nature. One has the feeling: It cannot be difficult to recognize the most mysterious thing in the world—in the outer world—namely, the human being itself, in its very essence. One has this feeling: It cannot be difficult. To understand the inner workings of a clock mechanism, one sets out to study it. Faced with the most complex and enigmatic thing in the sensory world around us—human nature—one would actually prefer to give in to the belief that anyone could recognize the full truth about the essence of the human being without first preparing oneself to adopt a certain perspective, without first embarking on inner spiritual journeys to understand one’s own nature. One might indeed think it would be quite good, convenient, and perhaps even pleasant if that were the case—if no preparation were needed at all to explore the human being. But in response to this, one can only say: It is simply not the case; rather, in order to explore the human being in its innermost nature, the paths of spiritual research are required. That is a truth. And whether or how a person comes to terms with this is irrelevant in the face of this truth. A person must first, through a preparatory path, acquire the means by which they can unveil their own mystery.
[ 3 ] Und trotzdem: Dasjenige, was Ausgangspunkte sind, das ist durchaus kein Geheimnis. Schon der Vortrag vor acht Tagen hat das zeigen können, und ich will mit ein paar Worten heute noch einmal auf das Prinzipielle wenigstens zurückkommen. Jeder Mensch denkt im Leben, bildet sein Denken weiter aus, wenn er es dem wissenschaftlichen Gebrauche weiht. Das Denken, das Vorstellen ist eine alltägliche innere Seelenbetätigung. Auf nichts anderes kommt es nun an, als diesem Denken gegenüber sich in einer solchen Weise zu stellen, wie man sich eben im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft nicht stellt, um die Wege des Geistigen zu erforschen. Im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft bildet sich der Mensch Vorstellungen, Begriffe und Ideen, um durch diese etwas ÄAußerliches abzubilden. Und er ist dann befriedigt, wenn er in seinen Vorstellungen sich etwas Äußerliches abbildet. Er nennt mit Recht für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft dies die Wahrheit, daß er sich Vorstellungen machen kann, die ihm eine äußerliche Wirklichkeit abbilden, innerlich vergegenwärtigen, sie ihn innerlich nacherleben lassen. Nun ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß da, wo dieses gewöhnliche Vorstellen des alltäglichen Lebens und auch das Denken der gewöhnlichen Wissenschaft endet, erst dasjenige anfängt, was notwendig ist für die Erforschung des geistigen Lebens des Menschen. Das heißt: das Denken, dasselbe Denken, das man im alltäglichen Leben handhabt, hat man nur in einer anderen Weise innerlich zu erleben, in einer anderen Weise innerlich zu erkraften, als es im gewöhnlichen Leben und innerhalb der gewöhnlichen Wissenschaft erlebt und erkraftet wird. Es wird erkraftet, wie ich angedeutet habe, durch jenen inneren Vorgang, der gewissermaßen — das Wort soll nicht mißverstanden werden — das innerliche, intime, rein seelische Experiment darstellt, der es wenigstens einleitet durch den Vorgang, den man wirkliches Meditieren - wenn es nicht pedantisch klingen würde, könnte man sagen «im technischen Sinne des Wortes» — nennt. Da wird gedacht, um das Denken innerlich zu erkraften, um den Vorgang des Denkens zu erleben. Den erlebt man ja gewöhnlich nicht. Man glaubt ihn im gewöhnlichen Leben oder in der gewöhnlichen Wissenschaft zu erleben. Man erlebt ihn da nicht. Man hat ihn, man handhabt ihn, man wendet dieses Denken an; aber die Seele ist dabei auf die Außenwelt gerichtet, auf etwas Wirkliches außer dem Denken. Daß man auf das Denken selber hin achten kann, darauf kommt es an. Dazu muß es aber verstärkt werden. Das heißt: es muß so getrieben werden, wie es eben im Sinne der Meditation getrieben wird, daß man das Denken in Bewegung bringt, nun nicht um sich etwas Äußerliches zu vergegenwärtigen, nicht um etwas Äußerliches innerlich aufleben zu lassen, abzubilden, sondern um innerlich nur diesen Vorgang, diesen Prozeß des Denkens zu erleben und im Erleben anzuschauen. Darauf kommt es an. Und dazu ist es eben notwendig, daß man nun nicht sich den Seelenvorgängen des gewöhnlichen Lebens überläßt, sondern durch innere Willkür, aus völlig freiem Willen heraus ich gebe hier das Prinzipielle, das Genauere finden Sie in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — leicht überschaubare Vorstellungen, in das Denken hinein versetzt, solche Vorstellungen, bei denen man sicher sein kann, daß nicht allerlei innere Reminiszenzen auftauchen und einem das klare Erleben des Vorganges verdunkeln; am besten sinnbildliche Vorstellungen, die gar nichts Äußeres abbilden sollen, die gar nicht dazu dienen sollen, ein Äußerliches wirklich zu vergegenwärtigen, sondern die nur dazu dienen sollen, das Denken in Fluß, in Bewegung zu bringen und dadurch innerlich zu erkraften, so daß man dieses Denken nicht bloß übt, sondern innerlich erlebt, daß man sich nun wirklich als innerlicher Denkmensch erlebt, so wie man sich sonst innerlich in seinem Muskelgefühl erlebt.
[ 3 ] And yet: The starting points are by no means a secret. The lecture eight days ago already demonstrated this, and I would like to return briefly today to the fundamental principles, at least. Every person thinks throughout life and continues to develop their thinking when they devote it to scientific purposes. Thinking and imagining are everyday inner activities of the soul. What matters now is nothing other than approaching this thinking in a way that differs from how one approaches it in ordinary life and in ordinary science, in order to explore the paths of the spiritual. In ordinary life and in ordinary science, a person forms concepts, notions, and ideas in order to represent something external through them. And they are satisfied when they are able to represent something external in their mental images. They rightly call this the truth—in ordinary life and in ordinary science—that they can form mental images which represent an external reality to them, bring it to life within them, and allow them to relive it inwardly. Now it has been pointed out that where this ordinary mode of imagination in everyday life—and also the thinking of conventional science—ends, only then does that which is necessary for the exploration of the human spiritual life begin. That is to say: thinking—the very same thinking that one employs in everyday life—must be experienced inwardly in a different way, and brought to life inwardly in a different way, than it is experienced and brought to life in ordinary life and within ordinary science. It is brought to life, as I have indicated, through that inner process which, in a certain sense—and the word should not be misunderstood—constitutes the inner, intimate, purely soul-based experiment, or at least initiates it through the process that is called true meditation—if it did not sound pedantic, one could say “in the technical sense of the word.” One thinks in order to internalize the act of thinking, to experience the process of thinking. One does not usually experience it. One believes one is experiencing it in ordinary life or in ordinary science. But one does not truly experience it there. One has it, one uses it, one applies this thinking; but the soul is directed toward the external world, toward something real outside of thinking. What matters is that one can pay attention to thinking itself. To do this, however, it must be intensified. That is to say: it must be carried out in the same way as it is in meditation—setting thought in motion, not to visualize something external, not to bring something external to life internally or to represent it, but solely to experience this process of thinking inwardly and to observe it within that experience. That is what matters. And for this, it is precisely necessary not to surrender to the mental processes of ordinary life, but through inner volition—out of completely free will—I am stating the principle here; you will find the details in my book: *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* — easily comprehensible images introduced into one’s thinking, images with which one can be certain that all sorts of inner reminiscences will not arise and obscure the clear experience of the process; preferably symbolic images that are not meant to represent anything external, that are not meant to actually bring something external to mind, but are meant solely to set thinking in motion and thereby strengthen it internally, so that one does not merely practice this thinking, but experiences it inwardly—so that one now truly experiences oneself as an inner thinking being, just as one otherwise experiences oneself inwardly through one’s sense of muscle sensation.
[ 4 ] Wenn man auf diese Weise nach der einen Seite hin die Seelenentwickelung treibt, so kommt man dadurch, wie ich dargestellt habe, zu einem gewissen Punkte, der ein bedeutsames, ja, ein erschütterndes inneres Erlebnis darstellt. Und ich will noch einmal charakterisieren, wie man sich durch dieses Erlebnis ganz anders zur Menschennatur stellt, als man sich zu ihr gewöhnlich im Leben stellt. Es stimmt mit der naturwissenschaftlichen Denkungsweise, diese sogar bis in ihre äußersten Konsequenzen treibend, die geisteswissenschaftliche Auffassung vollständig überein. Innerhalb des gewöhnlichen Denkens, das man als in der Sinnenwelt verkörperter Mensch treibt, braucht man zu diesem Denken ein Organ. Und nicht nur dies, sondern jedesmal, wenn man denkt, muß erst ein innerlicher Vorgang ablaufen, der nicht ins Denken, gar nicht einmal ins Bewußtsein hereinfallen kann, der vorangehen muß dem Denken. Das Denken kann erst ablaufen, wenn es innerlich organmäßig vorbereitet ist. So daß jedesmal, wenn man denkt, zweierlei verläuft: ein Prozeß, von dem man nichts weiß, der erst den Organismus, den äußeren Leib zubereitet, so daß da jene Vorgänge stattfinden, die dann als Gedanke, als Vorstellung zum Bewußtsein kommen. Dadurch daß man meditiert, daß man gleichsam alle Seelenkräfte konzentriert auf eine bestimmte Vorstellung, sie so zusammendrängt, im Denken stille hält, nicht den Ablauf des Denkens so verfließen läßt wie im gewöhnlichen Leben, sondern im Denken stille hält, das heißt, den Gedanken anhält, und nun denkt, nicht um etwas Äußerliches abzubilden, sondern um das innerliche Denken zu erspüren, den Prozeß des Denkens zu erspüren, — indem man dies vollbringt, merkt man innerlich: Was man eigentlich bisher getrieben hat als Denken, wie man sich im Denken betätigt hat, das hört auf. Man kommt nicht aus einer klaren Auffassung des Bewußtseins heraus, man kommt nicht in ein Nebuloses hinein; aber dieses Denken, das an dem Prozeß der äußeren Welt in seinem Flusse fortgeführt wird, das hört als solches auf. Man kommt in ein innerliches Erlebnis, das einen zunächst viel mehr mit einem selbst zusammenführt, das einen hineinführt in denjenigen Vorgang, der vorgedanklich ist, der erst unseren Leib zubereitet, damit wir das Denken entfalten können. Man kommt unter das Denken hinunter. Das läßt sich nicht auf eine andere Weise beweisen, als nur im unmittelbaren Erleben. Dasjenige Denken, das man im gewöhnlichen Leben hat, das erscheint einem wie ein hinlaufender Fluß. Jetzt weiß man: jetzt ist man in einer tieferen Schichte des Seins, jetzt ist man in dem Prozeß drinnen, den man im gewöhnlichen Leben nicht erleben kann, weil er dem Denken vorangehen muß.
[ 4 ] If one pursues the development of the soul in this way, focusing on one aspect, one eventually reaches—as I have described—a certain point that constitutes a significant, indeed, a profound inner experience. And I would like to characterize once more how this experience leads one to adopt a completely different attitude toward human nature than one usually does in life. The spiritual-scientific view is in complete agreement with the scientific way of thinking—even when that thinking is carried to its utmost consequences. Within ordinary thinking—the kind we engage in as human beings embodied in the sensory world—we need an organ for this thinking. And not only that, but every time we think, an inner process must first take place that cannot enter into thinking, nor even into consciousness; it must precede thinking. Thinking can only take place once it has been internally and organically prepared. Thus, every time one thinks, two things occur simultaneously: a process of which one is unaware, which first prepares the organism—the physical body—so that the processes take place there which then emerge into consciousness as thoughts or mental images. Through meditation—by concentrating, as it were, all the powers of the soul on a specific mental image, compressing them, maintaining stillness in thought—not allowing the flow of thought to pass by as it does in ordinary life, but maintaining stillness in thought, that is, holding the thought still—and now thinking, not to represent something external, but to sense inner thinking, to sense the process of thinking—by accomplishing this, one realizes inwardly: What one has actually been doing up to now as thinking—how one has been engaged in thinking—comes to an end. One does not emerge from a clear perception of consciousness, nor does one enter into a state of nebulosity; but this thinking, which is carried along by the flow of the external world’s processes, ceases as such. One enters an inner experience that initially brings one much closer to oneself, that leads one into the process that precedes thought, the process that first prepares our body so that we can unfold our thinking. One descends beneath thinking. This cannot be proven in any other way than through direct experience. The kind of thinking one engages in during ordinary life appears to be like a flowing river. Now one knows: one is now in a deeper layer of being; one is now within the process that cannot be experienced in ordinary life because it must precede thinking.
[ 5 ] Das ist der Prozeß, der aber, wenn er in Geduld, mit Ausdauer und Energie fortgesetzt wird, wie es vor acht Tagen angegeben worden ist, weit führt; es dauert für einen Menschen kürzer, für manchen Menschen jahrelang, obwohl die einzelne Übung nicht übertrieben werden soll. Dieses innerliche Erlebnis führt dahin, dasjenige, was im Denken liegt, jetzt nicht bloß zu erdenken, sondern zu erleben. Das heißt: das Denken nicht so zu erleben, wie es ein Äußeres abbildet, sondern wie es im Menschen gestaltet, wie es erst den Organismus ergreift und im Menschen gestaltet. Zunächst weiß man nicht, was dieses innere Erlebnis eigentlich bedeutet. Man fühlt sozusagen, wie wenn man an der oder jener Stelle unter das gewöhnliche Seelenleben herunterkäme in eine Welt hinein, die man bisher nicht gekannt hat. Dann aber lernt man als erstes bedeutsames Ergebnis kennen dasjenige, was als Lebendiges im Denken liegt und was vorangegangen ist unserer physischen Leibesgestaltung, vorangegangen ist vor allen Dingen demjenigen Punkte des menschlichen Erlebens, bis zu dem man sich im späteren Leben zurückerinnert, bis zur Geburt, bis zur Empfängnis und weiter hinauf. Das heißt, man lernt sich erkennen als Geistesmensch, der nun nicht in uns lebt, um den Organismus als Organ zur Wahrnehmung der äußeren Welt zu benutzen, sondern als Geistesmensch, der gestaltet hat vor unserer Geburt, oder, sagen wir, vor der Empfängnis dasjenige, was von dem Menschengeist, von der Menschenseele aus am menschlichen Leibe gestaltet werden muß. Man lernt erlebend erkennen, was sich aus jener Dreiheit gestaltet, die sich ergibt aus Vater und Mutter, aber auch aus dem, was jenseits der Vererbungslinie liegt und herunterkommt aus der geistigen Welt, um sich mit dem zu verbinden, was durch die Vererbungslinie gegeben wird. Dazu ist eben nur notwendig, den Prozeß des Denkens zu vertiefen, den Prozeß des Denkens innerlich zu erkraften. Man kann sich hinführen — natürlich nicht durch das gewöhnliche Denken - zu der Anschauung — denn eine Anschauung muß es sein — desjenigen, was unserer Geburt oder unserer Empfängnis vorangegangen ist, was aus der geistigen Welt herunterkommt, um sich in der physischen Welt mit dem physischen Leibe, der durch die Vererbungsströmung gegeben ist, zu verbinden. Derjenige, der einen Beweis dafür verlangt, müßte sich erst bekannt machen mit der Natur alles gewöhnlichen Beweisens. Tatsachen kann man überhaupt nicht beweisen. Man denke nur einmal, daß niemals irgend jemand einen Walfisch gesehen hätte. Es würde niemals jemand beweisen können aus irgendwelchen zoologischen Kenntnissen heraus, daß es einen Walfisch gibt. Es gibt keine Möglichkeit, aus irgendwelchen Begriffen und Vorstellungen zu der Wirklichkeit hinzuführen, wenn der Verlauf der Begriffe und Vorstellungen so gemeint ist, wie er eben für das gewöhnliche Leben abläuft. Und so führt dies, was uns auf der einen Seite hinausführt aus der Welt, in der wir leben zwischen Geburt und Tod, hinein in jene Welt,aus der wir geschritten sind herein in unsere physische Verkörperung, in die wir hinausschreiten, wenn wir durch die Pforte des "Todes gehen. So führt der Weg, der nach der einen Seite uns hinausführt aus dieser sinnlichen Welt in die geistige Welt, durch eine besondere innere Entwickelung, eine besondere innere Handhabe des Denkens. Und da muß denn gesagt werden: Obzwar Geisteswissenschaft in ihrer ganzen Gesinnung, in ihrer ganzen Stellung zur Welt wirklich aus dem Geiste der naturwissenschaftlichen Gesinnung heraus arbeitet, ergibt sich eben doch jene Verschiedenheit von der gewöhnlichen Naturwissenschaft, die dadurch bedingt ist, daß die Naturwissenschaft auf die äußere Welt gerichtet ist und daß die Geisteswissenschaft dasselbe, was die Naturwissenschaft für die äußere Welt tun will, für die Welt des Geistes tun will. Dadurch allerdings stellt sich trotz des völligen Einklanges ein Unterschied — nicht ein Gegensatz, ein Unterschied — heraus, der sich von vielen Seiten her charakterisieren ließe, der sich aber für unsere heutigen Zwecke in der folgenden Weise charakterisieren läßt: Für das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche Wissenschaft ist dasjenige, was wir im Denken vollbringen, das Schlußergebnis, dasjenige, zu dem wir hinkommen wollen. Indem wir denkend arbeiten in der äußeren Wirklichkeit, kommen wir eben zu dem, was wir haben wollen von der äußeren Wirklichkeit. Alle die Verrichtungen, sofern sie Seelenverrichtungen sind, die wir anwenden zur Erkenntnis der äußeren Welt und des Lebens in dieser äußeren Welt, sind nur Vorbereitung da, wo es sich um den geisteswissenschaftlichen Weg handelt. In der äußeren Wissenschaft, in der äußeren Welt denkt man, damit man zu dem Denkergebnis kommt. Aber dieses Denken, wie man es da übt, das bereitet nur die Seele zu, damit die Seele durch dieses Denken zu einem Punkte des inneren Erlebens kommt, auf dem ihr entgegentritt die geistige Welt. Alles das also, was uns das äußere Leben an Denken, an Denkkraft, an Denkergebnissen der äußeren Wissenschaft geben kann, das wird in der Geisteswissenschaft anders verwendet als im gewöhnlichen Leben und der gewöhnlichen Wissenschaft. Es wird so verwendet, daß es nur das Denken, die denkende Seite des Menschengeistes und der Menschenseele bildet zu einem gewissen Punkte hin. Was Ergebnis ist im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft, ist lebendige Vorbereitung für die Geisteswissenschaft. Und dasjenige, was sich dann als Tatsache ergibt, wie ich es eben in der elementarsten Art geschildert habe, kommt nicht während der Anstrengung. Die innere Anstrengung geht nur dahin, die Seele bis zu einem gewissen Punkte zu führen. Da bleibt man noch im Grunde genommen im Bereich des gewöhnlichen Lebens, solange man sich innerlich anstrengt, solange man in der Meditation drinnen ist. Erst dann, wenn man eben die Anstrengung vollzogen hat, wenn man nun sie auf die Seele hat wirken lassen und dann wiederum unterdrückt und ruhig wartet, kommen die geisteswissenschaftlichen Ergebnisse. Die können nur auftreten als geistige Tatsachen, zu deren Anblick man sich so vorbereitet hat, daß man sich das innerliche geistige Auge geschaffen hat. Wie die Natur im menschlichen Organismus das Auge heraustreibt aus dem Leibe, damit es entgegenblickt der äußeren Welt und das Licht und die Farben empfängt, so arbeitet man durch alles das, was Denken, was innerliche Seelenanstrengung sein kann, darauf hin, dem entgegenzugehen, das einem eben von der anderen Seite entgegenkommen soll und entgegenkommen muß. Innere Offenbarung, inneres Herankommen an die Seele muß dasjenige sein, was einem als Tatsache der geistigen Welt entgegentritt. Das ist die eine Seite,
[ 5 ] This is the process which, however, if continued with patience, perseverance, and energy—as was explained eight days ago—leads far; for some people it takes less time, for others it takes years, although the individual exercise should not be overdone. This inner experience leads to no longer merely conceiving what lies in thought, but to actually experiencing it. That is to say: not experiencing thought as it reflects an external reality, but as it takes shape within the human being—how it first takes hold of the organism and shapes the human being. At first, one does not know what this inner experience actually means. One feels, so to speak, as if one were descending at this or that point beneath the ordinary life of the soul into a world that one had not known until now. But then, as the first significant result, one comes to know that which lies as a living force within thinking—and which preceded the formation of our physical body, and above all preceded that point in human experience up to which one can recall in later life: back to birth, to conception, and even further back. That is to say, one comes to recognize oneself as a spiritual being who does not live within us merely to use the organism as an instrument for perceiving the outer world, but as a spiritual being who, before our birth—or, let us say, before conception—has shaped that which must be formed in the human body by the human spirit and the human soul. One learns to recognize through experience what takes shape out of that triad that arises from the father and mother, but also from what lies beyond the hereditary line and descends from the spiritual world to unite with what is given through the hereditary line. To do this, it is simply necessary to deepen the process of thinking, to strengthen the process of thinking from within. One can be led—not, of course, through ordinary thinking—to the insight—for it must be an insight—into what preceded our birth or our conception, what descends from the spiritual world to unite in the physical world with the physical body provided by the hereditary stream. Anyone who demands proof of this would first have to familiarize themselves with the nature of all ordinary proof. Facts cannot be proven at all. Just consider for a moment that no one had ever seen a whale. No one would ever be able to prove, based on any zoological knowledge, that a whale exists. There is no way to lead from any concepts or ideas to reality if the course of these concepts and ideas is understood as it unfolds in ordinary life. And so this leads us, on the one hand, out of the world in which we live between birth and death, and into that world from which we stepped into our physical embodiment—the world into which we step when we pass through the gate of “death.” Thus, the path that, on the one hand, leads us out of this sensory world into the spiritual world involves a special inner development, a special inner mastery of thought. And here it must be said: Although spiritual science, in its entire outlook and in its entire relationship to the world, truly works from the spirit of the scientific attitude, there nevertheless arises a difference from ordinary natural science, which is due to the fact that natural science is directed toward the external world, whereas spiritual science seeks to do for the world of the spirit what natural science seeks to do for the external world. Consequently, despite this complete harmony, a difference—not a contradiction, but a difference—emerges, one that could be characterized from many angles, but which, for our purposes today, can be characterized as follows: In ordinary life and ordinary science, what we accomplish through thinking is the final result, that which we aim to reach. By engaging in thinking within external reality, we arrive precisely at what we wish to obtain from external reality. All these activities—insofar as they are activities of the soul—that we employ to gain knowledge of the external world and of life within that external world are merely preparatory when it comes to the path of spiritual science. In external science, in the external world, one thinks in order to arrive at a result of thought. But this thinking, as it is practiced there, merely prepares the soul so that, through this thinking, the soul may reach a point of inner experience at which the spiritual world meets it. Thus, everything that external life can offer us in terms of thinking, thinking power, and the results of thinking in external science is used differently in spiritual science than in ordinary life and ordinary science. It is used in such a way that it merely develops the thinking, the thinking aspect of the human spirit and the human soul, up to a certain point. What constitutes a result in ordinary life and in ordinary science is a living preparation for spiritual science. And what then emerges as a fact—as I have just described in the most elementary terms—does not occur during the effort itself. Inner effort serves only to lead the soul up to a certain point. Essentially, one remains within the realm of ordinary life as long as one exerts inner effort, as long as one is engaged in meditation. Only then, once one has completed the effort, once one has allowed it to take effect on the soul and has then set it aside and waits calmly, do the results of spiritual science emerge. These can only manifest as spiritual facts, for the perception of which one has prepared oneself by developing the inner spiritual eye. Just as nature brings the eye forth from within the human organism so that it may look out toward the outer world and receive light and colors, so one works through everything that constitutes thinking and inner soul effort toward meeting that which is to come—and must come—toward one from the other side. Inner revelation—the soul’s inner approach—must be that which confronts one as a fact of the spiritual world. That is one side,
[ 6 ] Von der anderen Seite kann man sagen: sie ist ebenso ein innerlich intimes Erleben des Willens, wie das, was ich geschildert habe, ein innerliches Erleben des Denkens war. Im gewöhnlichen Leben verrichtet man seine Handlungen, die aus den Willensimpulsen, aus Wunsch und Begehren hervorgehen. Aber man wendet die Aufmerksamkeit nicht darauf, daß in diesem Willen etwas Besonderes steckt. Daß in dem Wollen des Menschen etwas Besonderes steckt, darauf kommt man, wenn man sich, sei es auch nur für Minuten, meditierend aus dem Leben zurückzieht und darauf hinsieht, wie man gewollt hat; wenn man innerlich die Seele nicht auf ein Wollen richtet, das in die äußere Handlung übergeht, sondern auf ein innerliches Beschauen des Wollens. Derjenige übrigens, der seine Gedankenmeditation in der richtigen Weise vollführt, kommt ganz von selbst zu diesem innerlichen Beschauen des Wollens. Denn es ist das Meditieren, insofern es auch nur ein In-die-Mitte-des-Bewußtseins-Stellen eines Gedankens ist, zugleich ein intimes Aufbringen eines inneren Willensvorganges. Man erlebt das Wollen so, daß man mit ihm innerlich beisammen ist. Durch die Verstärkung, durch die Erkraftung desjenigen, was schon für das vorige Seelenerleben Meditieren genannt worden ist, ergibt sich ganz von selbst, daß man die Aufmerksamkeit lenken lernt auf den innerlichen Vorgang des Wollens so, wie man sie niemals darauf richtet, wenn das Wollen eben in das äußere Handeln übergeht, weil man da seine Aufmerksamkeit auf dasjenige richtet, was man in der äußeren Sinnenwelt will. Aber man muß seine Aufmerksamkeit auf einen Willensvorgang richten, insofern das Wesentliche dieses Willensvorganges im Innern der Seele abläuft. Es muß wiederum ein ganz innerlich intimer Prozeß sein. Und gerade dieses Wollen erkennt man am allerbesten im Meditationsprozeß selber, wenn man nur den Meditationsprozeß wirklich innerlich erlebt. Und da stellt sich denn heraus, daß man dann, indem man dies immer weiter und weiter in innerlicher Ausdauer und Energie vollbringt, endlich zu einem Punkte kommt, wo man einen inneren Beobachter in sich entdeckt. Es ist schwierig, so etwas zu sagen, weil es so ferne den gewöhnlichen Denkgewohnheiten liegt, so daß es aussieht, als ob man von etwas furchtbar Phantastischem spräche, während man von einer Realität spricht, auf die man wirklich kommt. Man entdeckt also einen inneren Menschen in sich, der fortwährend hinschaut auf dasjenige, was in unseren Willensentschlüssen, in unserem ganzen Wollen vorgeht, — einen Beobachter, von dem man im gewöhnlichen Leben nichts weiß, weil man eben nicht seine Aufmerksamkeit auf ihn richtet. Nicht ein gedachtes, sondern ein reales Wesen schaut in uns wirklich fortwährend zu und steckt in unserem Willen. So wie wir uns mit unseren Gedanken verhalten zu den Dingen der äußeren Wahrnehmung, so verhält sich etwas in uns zu unserer Willensentfaltung. Was die Farbe, die Töne für die Sinne sind und für das Bewußtsein, das die Außenwelt wahrnimmt, das ist unser Wollen für einen innerlichen Beobachter. Da steckt ein innerlicher Beobachter in uns, für den wir genau so in unseren Willensentschlüssen, in unseren Willensvollführungen das Material der Beobachtung liefern, wie uns die Farben, wie die Töne das Material der Beobachtung uns für die Außenwelt liefern.
[ 6 ] From another perspective, one could say: it is just as much an inner, intimate experience of the will as what I have described was an inner experience of thinking. In everyday life, people carry out actions that arise from impulses of the will, from wishes and desires. But one does not pay attention to the fact that there is something special in this will. One comes to realize that there is something special in human volition when one withdraws from life—even if only for a few minutes—in meditation and observes how one has willed; when one directs one’s inner soul not toward a volition that translates into outward action, but toward an inner contemplation of volition itself. Incidentally, anyone who practices thought meditation in the proper way arrives quite naturally at this inner contemplation of volition. For meditation, insofar as it is even merely placing a thought at the center of consciousness, is at the same time an intimate bringing forth of an inner volitional process. One experiences volition in such a way that one is inwardly united with it. Through the intensification and strengthening of what has already been called “meditation” in the previous discussion of the soul’s experience, it follows quite naturally that one learns to direct one’s attention to the inner process of volition in a way that one never does when volition is actually translating into external action—because in that case one directs one’s attention to what one wills in the external sensory world. But one must direct one’s attention to a process of willing, insofar as the essence of this process takes place within the soul. It must, in turn, be a deeply intimate, inner process. And it is precisely this act of willing that one recognizes best in the very process of meditation itself, provided one truly experiences the process of meditation inwardly. And it then becomes apparent that, by continuing to do this with ever-increasing inner perseverance and energy, one finally reaches a point where one discovers an inner observer within oneself. It is difficult to say such a thing, because it lies so far removed from ordinary ways of thinking that it seems as if one were speaking of something terribly fantastical, whereas one is speaking of a reality that one actually encounters. So one discovers an inner self within oneself that constantly observes what is taking place in our volitional decisions, in our entire will—an observer of whom one knows nothing in ordinary life, precisely because one does not direct one’s attention toward him. It is not an imagined being, but a real one that is truly and constantly watching within us and is present in our will. Just as we relate with our thoughts to the objects of external perception, so does something within us relate to the unfolding of our will. What colors and sounds are to the senses and to the consciousness that perceives the external world, that is what our will is to an inner observer. There is an inner observer within us to whom we provide the material for observation through our volitional decisions and the execution of our will, just as colors and sounds provide the material for our observation of the external world.
[ 7 ] Es ist eben schwierig, über diese Dinge zu sprechen, weil man glaubt, man rede über etwas Ausgedachtes, während man eben über etwas redet, was, wenn sich die Seele vorbereitet hat, ihr wiederum entgegenkommt. Dieses höhere Bewußtsein ist nun solcher Art, daß man wirklich das ganz erschütternde Erlebnis in der Seele durchmacht: man kommt wie durch einen innerlichen Sprung aus alledem, worin man mit dem gewöhnlichen Seelenleben verbunden ist, heraus und vermag sich in diesen Beobachter, wenn auch nur, ich möchte sagen, für einen Augenblick hineinzuversetzen. Es gibt schon der Augenblicke genug. Man fühlt sich seinem ganzen Menschen gegenüber, so wie er im gewöhnlichen Leben dasteht, jetzt in derselben Weise, wie man sich sonst mit diesem gewöhnlichen Menschen fühlt gegenüber den Dingen, den farbigen und tönenden Dingen der äußeren Natur. Wenn man dieses Erlebnis weitertreibt, dann merkt man auf einem gewissen Punkt des inneren Erlebens, was es heißt, innere Seelentätigkeit zu entfalten, die sich nicht des Organes der Leiblichkeit bedient, sondern dieser äußeren Leiblichkeit gegenübersteht wie einem äußeren Gegenstand, wie der gewöhnliche Mensch dem Tisch oder dem Stuhl oder irgendeinem sonstigen äußeren Gegenstand gegenübersteht. Sein Seelenleben außer dem Leibe zu erleben, das ist es, was man eben wiederum nur erleben kann. Und dann weiß man, wie das Leben ausschaut, das durch die Pforte des Todes durchgeht, das leibfrei lebt, wenn ihm auch der physische Leib zerstört wird. Es ist innerlich webendes Seelenleben, das dann in die geistige Welt hinübertritt, um durch die geistige Welt sich hindurchzuleben und aus der geistigen Welt nunmehr die Kräfte zu nehmen. Man lernt sie in ihrer Eigenart kennen, diese Kräfte, die allmählich die Vorbereitung dazu sind, daß das Seelenwesen, nachdem es durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durchgegangen ist, zu einer neuen Erdenverkörperung herabsteigt.
[ 7 ] It is difficult to speak about these things because one believes one is talking about something imagined, whereas one is actually speaking about something that, once the soul has prepared itself, comes to meet it again. This higher consciousness is such that one truly undergoes a deeply moving experience in the soul: one emerges, as if through an inner leap, from everything to which one is bound by ordinary soul life, and is able to place oneself in the position of this observer—even if only, I would say, for a moment. There are already enough of these moments. One feels oneself in relation to one’s whole being—as it stands in ordinary life—now in the same way that one otherwise feels, as an ordinary human being, in relation to things, the colorful and resonant things of external nature. If one takes this experience further, then at a certain point in the inner experience one realizes what it means to unfold an inner activity of the soul that does not make use of the organ of physicality, but rather stands opposite this outer physicality as one would stand opposite an external object—just as the ordinary person stands opposite a table or a chair or any other external object. To experience one’s soul life outside the body—that is precisely what, once again, one can only experience. And then one knows what life looks like as it passes through the gate of death, living free of the body even when the physical body is destroyed. It is an inner, weaving life of the soul that then passes into the spiritual world, in order to live its way through the spiritual world and henceforth draw its strength from the spiritual world. One comes to know these forces in their own unique way; they gradually prepare the soul being so that, after passing through the life between death and rebirth, it may descend into a new earthly incarnation.
[ 8 ] Von dem, was im Wollen des Menschen vorliegt, ausgehend, von dem, was im Denken, im Vorstellen vorliegt, ausgehend, also von dem gewöhnlichen Menschen ausgehend, kommt man zu den Ergebnissen der Geisteswissenschaft. Und diese Ergebnisse der Geisteswissenschaft sind nicht etwas, was der Geistesforscher für sich hätte. Es ist der größte Irrtum zu glauben, daß der Geistesforscher irgend etwas Neues in der Seele schafft gegenüber dem, was schon da ist. Wahrhaftig, ebensowenig wie derjenige, der als Naturforscher der Natur gegenübertritt, irgend etwas schafft, sondern nur der Natur ihre Geheimnisse ablauscht, ebensowenig schafft in bezug auf das innere Seelenleben der Geistesforscher irgend etwas. Er kommt nur an das heran, was vorgeburtlich ist, was nach dem Tode weiterlebt, an das, was die ewigen Kräfte der Menschenseele sind, was Menschengeist und Menschenseele sind.
[ 8 ] Starting from what is present in human volition, starting from what is present in thought and imagination—in other words, starting from the ordinary human being—one arrives at the findings of spiritual science. And these findings of spiritual science are not something that the spiritual scientist possesses for himself alone. It is the greatest error to believe that the spiritual researcher creates anything new in the soul beyond what is already there. Truly, just as the natural scientist who approaches nature does not create anything but merely eavesdrops on nature’s secrets, so too does the spiritual researcher create nothing with regard to the inner life of the soul. He merely approaches what is pre-birth, what lives on after death—the eternal forces of the human soul, which constitute the human spirit and the human soul.
[ 9 ] Auch hier mischt sich wiederum, ich möchte sagen, ein halb oder manchmal auch ganz egoistisches Vorurteil in dasjenige, was der Geistesforscher eigentlich sagen will, hinein. Man sagt sich nun einmal im Leben: Der Geistesforscher kann etwas, was andere Menschen nicht können — und man überträgt das dann auf seinen Menschenwert, man überträgt das auf seine Bedeutung als Mensch. Aber er hat nichts anderes in sich, als was jeder gewöhnliche Mensch in sich hat. Denn dasjenige, was er entdeckt als vorgeburtlich, das ist immer in der menschlichen Natur, und das wird bei ihm nicht anders dadurch, daß er dann sich ein Wissen davon erwirbt. Dasjenige, was hinausgeht durch die Pforte des Todes, das ist beim Geistesforscher so vorhanden, wie es in jedem Menschen vorhanden ist. Und das Wissen, das der Geistesforscher erwirbt, verhält sich nicht anders zu der Wirklichkeit des seelisch-geistigen Daseins des Menschen, als sich das Wissen der Naturwissenschaft zu der äußeren Natur verhält. Es wäre sogar gut, wenn in der Literatur, die über solche Dinge handelt, gewisse Worte nicht gleich so genommen würden, daß man sozusagen innerlich — verzeihen Sie den Ausdruck —- Weihrauch streut, innerlich etwas ganz Besonderes in seinem Gefühle durchmachen möchte. Man bezeichnet oftmals denjenigen, der also in die geistige Welt hineinschauen kann, als einen Eingeweihten. Dann aber, wenn das Wort «Eingeweihter» ausgesprochen wird, verbindet man damit etwas, als ob man nun einen ganz besonderen Menschen vor sich hätte. Das soll man gerade vermeiden, sondern man soll die Dinge so nehmen, wie sie in Gemäßheit der eben gegebenen Schilderungen zu nehmen sind. Und der Geistesforscher selber ist davon überzeugt: nur die eingangs genannten Vorurteile wirken dagegen, daß man seine Ergebnisse nicht geradeso aufnimmt nach dem gesunden Menschenverstand, wie man die Ergebnisse des Chemikers, des Physikers und so weiter aufnimmt. Denn prinzipiell ist kein Unterschied.
[ 9 ] Here, too, I would say, a partly—or sometimes even entirely—selfish prejudice creeps into what the spiritual researcher actually intends to say. People simply say to themselves in life: The spiritual researcher can do something that other people cannot—and people then project this onto his human worth; they project it onto his significance as a human being. But he has nothing more within him than what every ordinary person has within them. For what he discovers as prenatal is always present in human nature, and it does not become any different for him simply because he acquires knowledge of it. That which passes through the gateway of death is present in the spiritual researcher just as it is present in every human being. And the knowledge that the spiritual researcher acquires relates to the reality of the human soul-spiritual existence no differently than the knowledge of natural science relates to external nature. It would even be good if, in literature dealing with such matters, certain words were not immediately taken to mean that one, so to speak, inwardly—pardon the expression—scatters incense, wishing to experience something quite special within one’s feelings. One often refers to someone who can thus look into the spiritual world as an “initiate.” But then, when the word “initiate” is uttered, people associate it with the idea that they are now in the presence of a very special person. This is precisely what one should avoid; instead, one should take things as they are to be understood in accordance with the descriptions just given. And the spiritual researcher himself is convinced that it is only the prejudices mentioned at the outset that prevent people from accepting his findings with common sense, just as one accepts the findings of a chemist, a physicist, and so on. For in principle, there is no difference.
[ 10 ] Indem man das Denken in der Weise bildet, wie es geschildert worden ist, kommt man dazu, nach der einen Seite in die geistige Welt hineinzukommen. Es kommt einem das vorgeburtliche Leben entgegen, das Leben der Menschenseele in der geistigen Welt, und von da ausgehend dann eine Anschauung der geistigen Welt selber mit ihren Geisteswesen. Das kommt einem so entgegen, daß man es anschaulich hat. Aber man muß sich darüber klar sein, daß diese Anschauung sich unterscheidet von den Anschauungen, von den Wahrnehmungen, Empfindungen, die man gegenüber der äußeren Sinnenwelt hat. Wer glaubt, dieses Anschauen könne ihm so aufgehen, daß es gleichsam nur eine nebelartige Wiederholung der Anschauung der Sinnenwelt ist, irrt sich vollständig. Man muß sich vielmehr klar sein, daß alles, was die Sinnenwelt eben zur Sinnenwelt macht, daran liegt, daß wir es mit unseren Organen anschauen. Solche Farben, wie sie in der äußeren Sinneswelt sind, können nur durch ein Auge wahrgenommen werden, solche Töne, wie sie in der äußeren Welt sind, nur durch ein sinnliches Ohr gehört werden. Dennoch kann man von Anschauen, von geistigem Anschauen sprechen. Man kann von einem Seelen-, von einem Geistesauge sprechen, wenn man sich nach dieser Seite hin der geistigen Welt nähert, um dieses Goethe-Wort «Geistesauge» zu brauchen. Nur dadurch unterscheidet sich dieses Anschauen, daß man sich bei einem solchen wahren Hellsehen immer bewußt ist — so wie man sich beim Schreiben bewußt ist, daß man dasjenige, was als Wirklichkeit zum Ausdruck kommen soll, selber als Anschauung hinstellt -, daß man die Anschauung selber hervorruft. Aber bei diesem Selberhervorrufen folgt man einer inneren Wirklichkeit, einer geistigen Wirklichkeit, wie man auch beim Schreiben nicht etwas Beliebiges hinkritzelt, sondern eine innere Wirklichkeit zum Ausdruck bringt, allerdings eine innere Wirklichkeit, die der äußeren Welt angehört. Dieses viel aktivere, immer tätige innere Mitarbeiten mit der Anschauung ist gerade das, was dieses — ich sage jetzt: wahre — innere Hellsehen unterscheidet von der äußeren Sinnenwahrnehmung, die uns passiv gegeben wird, die an uns heranrückt, indem wir ihr das Auge entgegenhalten. Aber auch zu dieser Fähigkeit, die geistige Welt auf geistige Art nachzuzeichnen, kommen wir nur, wenn wir die Vorbereitung getroffen haben, so daß uns die geistige Welt als Ergebnis entgegenkommt. Aus diesem Erlebnis heraus zeichnet dann die Seele die Anschauung, und sie hat das Bedürfnis dazu, weil es einem inneren Triebe entspricht, dasjenige nun auch wirklich anschaulich vor sich zu haben, was sonst eben als Erlebnis webt und lebt, aber noch nicht Wirklichkeit, Realität ist.
[ 10 ] By training one’s thinking in the manner described, one comes to enter the spiritual world from one perspective. One encounters the pre-birth life—the life of the human soul in the spiritual world—and, proceeding from there, a vision of the spiritual world itself with its spiritual beings. This comes to one in such a way that it is vividly present. But one must be clear that this perception differs from the perceptions, sensations, and feelings one has in relation to the external sensory world. Anyone who believes that this perception can unfold for them in such a way that it is, as it were, merely a mist-like repetition of the perception of the sensory world is completely mistaken. Rather, one must realize that everything that makes the sensory world the sensory world stems from the fact that we perceive it with our organs. Colors such as they exist in the outer sensory world can be perceived only by the eye; sounds such as they exist in the outer world can be heard only by the physical ear. Nevertheless, one can speak of perception, of spiritual perception. One can speak of a soul’s eye or a spiritual eye when approaching the spiritual world from this perspective—to use Goethe’s term “spiritual eye.” This form of perception differs only in that, in such true clairvoyance, one is always conscious—just as one is conscious when writing that one is presenting as a vision that which is to be expressed as reality—that one evokes the vision oneself. But in this self-evocation, one follows an inner reality, a spiritual reality, just as in writing one does not scribble down anything arbitrary, but rather expresses an inner reality—albeit an inner reality that belongs to the outer world. This much more active, ever-active inner collaboration with the mental image is precisely what distinguishes this—I will now say: true—inner clairvoyance from external sensory perception, which is passively given to us, which approaches us as we turn our eyes toward it. But we, too, can only attain this ability to depict the spiritual world in a spiritual way if we have made the necessary preparations, so that the spiritual world comes to meet us as a result. From this experience, the soul then depicts the vision, and it feels the need to do so because it corresponds to an inner impulse to now truly have before itself, in a vivid way, that which otherwise weaves and lives as an experience but is not yet reality.
[ 11 ] Und wenn man wiederum nach der anderen Seite geht, wenn man durch den Willen aus der Sinnenwelt so hinausgeht, wie geschildert worden ist, und zu dem innerlichen Beobachter kommt, der einen wirklich begleitet, der aber nicht beobachtet wird, weil ihm die Aufmerksamkeit im gewöhnlichen Leben entzogen wird, dann fühlt man: Da in dir ist immer einer, der dir zuschaut, der seinerseits zum Ausdruck bringt, was du willst, worauf du deine Absichten richtest, was deiner Wunsch-, deiner Wollensphäre angehört. Aber dieses Zuschauen stellt sich jetzt so dar, daß man innerlich mittätig fühlt diesen Zuschauer, diesen höheren Menschen im Menschen, diesen Geistesmenschen im Leibesmenschen. Man fühlt, wie er mittut, wie sein Tun in allem, allem darin ist. Ich nannte dieses innerliche Mittun einen Beobachter, weil man dadurch zu seinem Verständnis kommt; aber es ist nicht ein Beobachter im Sinne des Zuschauens, sondern im Sinne des Mittuns. Den Menschen, der durch die Todespforte schreitet, fühlen wir schon jetzt in unserem Leibe, wenn wir uns auf diese Weise dazu bringen, daß er in uns tätig ist. Aber wir müssen dann diese innere Tätigkeit, wenn wir das andere «Hellsichtigkeit» genannt haben, «Hellhörigkeit» nennen. «Geistesohren», um wieder ein Goethe-Wort zu gebrauchen, gehen auf im Innern der Seele. Man lebt sozusagen in einem nur geistig vernehmbaren schwingenden Tönen, von dem man weiß, daß es innerlicher Realität entspricht. Man weiß, daß man selber unmittelbar geistige Wesenheit ist und sich nun begeben kann in die «Gesellschaft» — um dieses triviale Wort zu gebrauchen — der anderen Geistwesen, die in der geistigen Welt sind.
[ 11 ] And when one turns to the other side—when one steps out of the sensory world through the will, as has been described, and comes to the inner observer who truly accompanies one, but who is not observed because attention is withdrawn from him in ordinary life—then one feels: There is always one within you who watches over you, who in turn expresses what you want, what your intentions are directed toward, and what belongs to the sphere of your desires and your will. But this watching now presents itself in such a way that one feels this observer—this higher human being within the human being, this spiritual human being within the physical human being—to be inwardly active. One feels how he is actively involved, how his activity is present in everything, in all of it. I called this inner activity an “observer” because it leads one to an understanding of it; but it is not an observer in the sense of mere watching, but in the sense of active participation. We already feel the human being who passes through the gate of death within our own body when we bring about in this way that he is active within us. But we must then call this inner activity “clairaudience,” having previously called the other “clairvoyance.” “Spiritual ears,” to use a phrase from Goethe once more, open within the soul. One lives, so to speak, in a vibrating tone perceptible only spiritually, which one knows corresponds to an inner reality. One knows that one is oneself a spiritual being and can now enter into the “company”—to use this trivial word—of the other spiritual beings who are in the spiritual world.
[ 12 ] Nun muß man aber allerdings, wenn die Ausdrücke «Hellhörigkeit», «Hellsichtigkeit» gebraucht werden, immer darauf aufmerksam machen, daß gerade von diesem Punkte aus gewichtige und, ich muß sogar sagen, gerechtfertigte Einwände und Mißverständnisse sich erheben gegen die Geisteswissenschaft. Denn mit Recht — und ich bitte zu beachten, daß ich sage mit Recht — sind die Worte «Hellsichtigkeit», «Hellhörigkeit» und so weiter in weitesten Kreisen mißachtet und als etwas angesehen, was im Grunde genommen jedenfalls nicht zu einer besseren Erkenntnis der Wirklichkeit führen kann als das gewöhnliche Denken und Vorstellen, sondern was im Gegenteil in allerlei Phantastisches, in allerlei Träumereien, ja, in krankhafter Weise eben wegführen muß von der wahren Wirklichkeit. Aber auch hier steht Geisteswissenschaft nicht nur auf demselben Boden wie die Naturwissenschaft, sondern im Gegenteil: wahre Geisteswissenschaft zieht gerade die alleräußersten Konsequenzen. Und was in diesem Zusammenhange hier charakterisiert worden ist und wofür die Worte «Hellsichtigkeit», «Hellhörigkeit», die nun einmal da sind, gebraucht worden sind, das hat eben ganz und gar nichts mit demjenigen zu tun, was oftmals im gewöhnlichen Leben also genannt wird; inwiefern dies damit nichts zu tun hat, möchte ich jetzt durch eine Auseinandersetzung, die vielleicht weit hergeholt ist, veranschaulichen.
[ 12 ] However, whenever the terms “clairaudience” and “clairvoyance” are used, one must always point out that it is precisely on this point that serious—and, I must even say, justified—objections and misunderstandings arise against spiritual science. For rightly—and please note that I say “rightly”—the terms “clairvoyance,” “clairaudience,” and so on—are rightly disregarded in the broadest circles and viewed as something that, fundamentally speaking, cannot lead to a better understanding of reality than ordinary thinking and imagination, but which, on the contrary, must lead away from true reality into all sorts of fantastical notions, all sorts of daydreams—indeed, in a pathological manner. But here, too, spiritual science not only stands on the same ground as natural science, but on the contrary: true spiritual science draws precisely the most extreme conclusions. And what has been characterized here in this context—and for which the terms “clairvoyance,” “clairaudience”—terms that have come to be used—has absolutely nothing to do with what is often called by those names in everyday life; to what extent this has nothing to do with it, I would now like to illustrate through an argument that may seem far-fetched.
[ 13 ] Indem wir unser Denken im gewöhnlichen Leben aufwenden, üben, ausüben, gebrauchen wir unseren Leib zu unserem Denken. Wie viel von unserem Leibe, das braucht jetzt nicht betrachtet werden. Inwiefern das Denken das Nervensystem zu seinem Organ hat, darauf soll jetzt, wie gesagt, nicht Rücksicht genommen werden. Nun habe ich in dem Vortrage heute vor acht Tagen darauf hingewiesen, daß dieses gewöhnliche Denken damit zusammenhängt, daß in uns von dem Momente an, wo wir denkend sein können im Leben, in uns eigentlich ein Abbauprozeß stattfindet, ein Abbauprozeß in bezug auf feine Lebensvorgänge. Das zeigt die Geisteswissenschaft. Ich kann das heute nur anführen. Ich habe letztes Mal, in dem Vortrag heute vor acht Tagen, genauer darüber gesprochen, es soll aber in den folgenden Vorträgen immer mehr im einzelnen ausgeführt werden.
[ 13 ] By directing, practicing, and using our thinking in everyday life, we employ our body for our thinking. We need not consider here exactly how much of our body is involved. As I have said, we shall not take into account at this point the extent to which thinking has the nervous system as its organ. Now, in the lecture I gave eight days ago, I pointed out that this ordinary thinking is connected to the fact that, from the moment we are capable of thinking in life, a process of deterioration actually takes place within us—a process of deterioration with regard to subtle life processes. This is what spiritual science reveals. I can only mention this briefly today. I spoke about it in more detail last time, in the lecture eight days ago, but it will be elaborated upon in greater detail in the following lectures.
[ 14 ] Bis zu dem Punkte, bis zu dem man sich im Leben zurückerinnert, verläuft nämlich im Menschen ein Prozeß, und zwar zuerst vorgeburtlich, vor der Empfängnis, in der rein geistigen Welt. Es verläuft ein Prozeß, der hinzielt auf Verrichtungen, die den Organismus gewissermaßen aufbauen, die in der Lebensrichtung des Organismus liegen. In dem Augenblick, bis zu dem wir uns im Leben zurückerinnern, da tritt das ein, daß diese innerliche Kräftebetätigung, welche die noch nicht denkende Denkwesenheit, Denkkraft ist, aufhört am Menschen aufzubauen. Von diesem Augenblicke an baut sie im Menschen ab, übt eigentlich fortwährend Zerstörungsprozesse aus, die sich dann summieren und die endlich den äußeren physischen Tod des Menschen herbeiführen, die den Leib des Menschen hinwegnehmen von seiner Seele und seinem Geiste. So daß wir gerade, wenn wir das Denken geisteswissenschaftlich durchforschen, es leiblich gebunden fühlen an einen Abbauprozeß, an einen Prozeß, der, indem das Denken so verläuft wie im gewöhnlichen Leben, abbaut. Es muß der Abbau dann immer wiederum ersetzt werden, indem das Denken stillesteht im Schlafe. Aber der Abbauprozeß ist stärker, ist intensiver und führt endlich langsam den Tod herbei, insofern er mit jenen Prozessen des Organismus zusammenhängt, die eben in dem Organismus des Denkens verankert sind. Selbstverständlich hängt der Tod auch mit anderen Prozessen zusammen. So hängen wir, indem wir dieses gewöhnliche alltägliche Denken entwickeln, von unserer Organisation so ab, daß dieses Denken eigentlich mit einem Zerstören des Organismus verbunden ist. Mit dem, was uns den Tod bringt im Organismus, ist also dasjenige verbunden, was im höchsten Maße die Blüte des menschlichen inneren Erlebens für diese Welt zwischen Geburt und Tod ist.
[ 14 ] Up to the point at which one recalls past lives, a process takes place within the human being—initially in the prenatal stage, before conception, in the purely spiritual world. A process takes place that is directed toward activities which, in a sense, build up the organism and are in line with the organism’s life direction. At the very moment up to which we can recall in our lives, this inner activity of forces—which is the thinking essence, the power of thought, that does not yet think—ceases to build up the human being. From that moment on, it breaks down the human being, actually carrying out continuous processes of destruction that then accumulate and ultimately bring about the human being’s external physical death—separating the human body from the soul and the spirit. Thus, precisely when we investigate thinking from the perspective of spiritual science, we perceive it as physically bound to a process of breakdown—a process that, as thinking proceeds as it does in ordinary life, causes deterioration. This breakdown must then be continually replenished whenever thinking comes to a standstill during sleep. But the process of breakdown is stronger, more intense, and ultimately brings about death slowly, insofar as it is connected to those processes of the organism that are anchored precisely in the organism of thought. Of course, death is also connected to other processes. Thus, as we develop this ordinary, everyday thinking, we become so dependent on our physical organization that this thinking is actually linked to the destruction of the organism. What brings us death in the physical organism is therefore connected to that which, to the highest degree, represents the flowering of human inner experience in this world between birth and death.
[ 15 ] Das ist eine Tätigkeit, die nun erhöht werden muß in dem Prozeß, in den inneren Seelenverrichtungen, die angeführt worden sind. Das Denken durch Meditation und auch die Willensentfaltung durch Meditation bringen den Menschen dazu, daß er von seiner Leiblichkeit unabhängig wird, daß er sich aus seiner Leiblichkeit heraushebt und eine besondere Seelenbetätigung ausführt, in der er sich wissend außer seiner Leiblichkeit und unabhängig von seiner Leiblichkeit erhält. Das «außer» ist nicht so sehr räumlich gemeint, sondern so gemeint, daß der Mensch sich von der physischen Leibestätigkeit unabhängig weiß. Bei demjenigen nun, was im gewöhnlichen Leben Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit und so weiter genannt wird, was sich bis zur Halluzination und Illusion verdichten kann, liegt nun der verhängnisvolle Aberglaube vor, man könne dadurch zu Einsichten in die Welt kommen, die über Geburt und Tod hinaus liegt. Man kann aber durch dasjenige, was im gewöhnlichen Leben Hellsehen, Hellhören genannt wird, nicht hinauskommen zu irgendwelchen Vorgängen, Ereignissen in der geistigen Welt, die über Geburt und Tod hinaus liegt. Denn für das gewöhnliche, alltägliche Denken müssen wir sozusagen etwas, was eine Ganzheit ist in unserem Leibe, zerstören, und wir müssen es in dem Maße zerstören, als das eben in der — um jetzt das Wort zu gebrauchen — normalen Lebenstätigkeit liegt. Wir stellen uns mit unserem ganzen Menschen hinein in die Umwelt und lassen ihn abbauen, indem wir das Denken üben, ausführen. Bei dem, was man gewöhnlich Hellsehen, Hellhören nennt, wird nun nicht der ganze Mensch der Welt gegenübergestellt, sondern es wird in krankhafter Weise nur ein Teil der Welt gegenübergestellt, so daß der Mensch nicht hinausgeht über das Denken, sondern hinuntergeht; nicht in das Übersinnliche sich erhebt, sondern in das Untersinnliche sich herunterrückt. Dadurch, daß er in diesem gewöhnlichen Hellsehen weniger von seinem Organ ergreift als im gewöhnlichen Denken, in diesem gewöhnlichen Hellsehen, also dadurch, daß er nur einen Teil seines Organismus ergreift, kommt er zu Halluzinationen, zu Illusionen, die gewiß auch auf eine Realität hindeuten, aber auf eine solche, die weniger wirklich ist als unsere gewöhnliche Sinneswirklichkeit, die wir zwischen Geburt und Tod erleben. Dieser gewöhnliche Hellseher mit seinem untersinnlichen Hellsehen, das eben entweder verstanden werden muß als etwas, was unter die gewöhnliche Wirklichkeit hinuntergehen muß oder sonst verkannt wird und zu Träumerei und Phantasterei, zu krankhafter Weltanschauung führt, dieses untersinnliche Hellsehen beruht darauf, daß man weniger von der Welt sieht, als man durch das gewöhnliche Vorstellen der Sinnenwelt wahrnimmt, Man geht sozusagen auch aus der Welt heraus, aber auf eine krankhafte Weise; man beschränkt sich auf etwas, was unter der Wirklichkeit des gewöhnlichen Erlebens liegt. Und dieses halluzinierende, illusionierende Hellsehen hängt stärker an der Körperlichkeit, und jetzt an der krankhaften Körperlichkeit, als das gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen.
[ 15 ] This is an activity that must now be elevated within the process of the inner soul activities that have been described. Thinking through meditation, as well as the development of the will through meditation, lead the human being to become independent of his physical body, to rise above his physical body, and to engage in a special activity of the soul in which he consciously maintains himself outside of and independent of his physical body. The “outside” is not meant so much in a spatial sense, but rather in the sense that the human being knows himself to be independent of physical bodily activity. Now, with regard to what in ordinary life is called clairvoyance, clairaudience, and so on—which can intensify to the point of hallucination and illusion—there exists a fatal superstition that one can thereby gain insights into the world that lies beyond birth and death. However, what is commonly called clairvoyance and clairaudience in everyday life cannot lead one to any processes or events in the spiritual world that lie beyond birth and death. For ordinary, everyday thinking, we must, so to speak, destroy something that constitutes a wholeness within our body, and we must destroy it to the extent that this lies within—to use the term—normal daily activity. We place our entire being within the environment and allow it to be broken down as we practice and carry out thinking. In what is usually called clairvoyance or clairaudience, however, it is not the whole human being that is set in relation to the world, but rather, in a pathological way, only a part of the world is set in relation to it, so that the human being does not go beyond thinking but descends; does not rise into the supersensible but sinks into the subsensible. Because in this ordinary clairvoyance the individual engages his organ to a lesser extent than in ordinary thinking—that is, by engaging only a part of his organism—he arrives at hallucinations and illusions that certainly point to a reality, but one that is less real than our ordinary sensory reality, which we experience between birth and death. This ordinary clairvoyant, with his sub-sensory clairvoyance—which must be understood either as something that must descend below ordinary reality or else be misunderstood, leading to daydreaming and fantasy, to a pathological worldview—this sub-sensory clairvoyance is based on the fact that one sees less of the world than one perceives through the ordinary perception of the sensory world; One steps out of the world, so to speak, but in a pathological way; one limits oneself to something that lies beneath the reality of ordinary experience. And this hallucinatory, illusory clairvoyance is more attached to physicality—and now to pathological physicality—than ordinary thinking, feeling, and willing.
[ 16 ] Daher steht Geisteswissenschaft auf dem Standpunkt, daß gerade mit dem, was wahres Hellsehen, wahres Hellhören ist, alle diese krankhaften Kräfte, die den Menschen zu untersinnlichem Anschauen führen können, überwunden werden. Was der wirkliche Geistesforscher entwickelt, ist nicht dasselbe wie das, was der krankhafte Mensch entwickelt, wenn er, wie man es so nennt im gewöhnlichen Leben, hellsichtig wird und zu Halluzinationen kommt, sondern es ist gerade das, was die Halluzinations-Kräfte im Menschen überwindet, was alle Halluzinations-Kräfte im Menschen ausrottet, was all dasjenige, was zu Illusionen führt, tötet im Menschen. Zur geistigen Wirklichkeit kommt man eben gerade dadurch, daß man sich nach der anderen Seite entfernt von jenem krankhaften Ins-UntersinnlicheHinuntertauchen, was man im gewöhnlichen Leben Hellsichtigkeit oder Hellhörigkeit nennt. Daher ist dasjenige, was hier geschildert worden ist, das ja gerade darin besteht, daß man nicht wie beim gewöhnlichen Hellsehen tiefer in seinen Organismus hinuntertaucht, sondern sich über ihn erhebt, unabhängig von ihm wird, und dadurch in der geistigen Welt schaut und hört, ein Hellsehen, das im Gegensatz zum gewöhnlichen Hellsehen ein absolut gesundender Prozeß ist. Es kann nur gesundend sein, kann nur zu einer Erhöhung alles illusionsfreien menschlichen Erlebens führen gegenüber dem Erleben, wie es in der gewöhnlichen Sinneswelt vorhanden ist. Während der Halluzinierende, der Illusionierende, derjenige, den man oftmals im gewöhnlichen Leben einen Hellseher nennt, eben ein Phantast ist, weil er in das Untersinnliche hinuntergeht, ist bei dem, der wahres Hellsehen und wahres Hellhören entwickelt, dasjenige, was gesunde Lebensauffassung ist, nur eben erhöht, so daß bei ihm sogar viel weniger eine Illusion möglich ist gegenüber der Welt, als bei demjenigen, der bloß mit seinen gesunden fünf Sinnen und seinem gesunden Menschenverstand in die Welt hineingeht.
[ 16 ] Therefore, spiritual science takes the view that it is precisely through true clairvoyance and true clairaudience that all these pathological forces—which can lead a person to sub-sensory perception—are overcome. What the true spiritual researcher develops is not the same as what a person suffering from a disorder develops when, as it is commonly said in everyday life, becomes clairvoyant and experiences hallucinations; rather, it is precisely what overcomes the hallucinatory forces within a person, what eradicates all such forces, and what destroys within a person everything that leads to illusions. One reaches spiritual reality precisely by turning away from that pathological plunge into the sub-sensory realm, which in ordinary life is called clairvoyance or clairaudience. Therefore, what has been described here—which consists precisely in not delving deeper into one’s organism, as in ordinary clairvoyance, but in rising above it, becoming independent of it, and thereby seeing and hearing in the spiritual world—is a form of clairvoyance that, in contrast to ordinary clairvoyance, is an absolutely healing process. It can only be healing; it can only lead to an elevation of all human experience free from illusion, as opposed to the experience found in the ordinary sensory world. While the hallucinator, the deluder—the one who is often called a clairvoyant in ordinary life—is precisely a fantasist because he descends into the sub-sensory realm, in the person who develops true clairvoyance and true clairaudience, a healthy outlook on life is simply elevated, so that for them, the possibility of illusion regarding the world is even much less than for those who approach the world solely with their healthy five senses and common sense.
[ 17 ] Hier liegt ein Quell unendlicher Mißverständnisse, weil man immer wieder und wieder das, was als wahres Hellsehen geschildert worden ist, mit demjenigen verwechselt, was man im trivialen Leben so oftmals Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit und so weiter nennt, was aber auf irgend einen Defekt im physischen Organismus zurückgeht. Man kann einen solchen Defekt haben oder durchallerlei Unnatürlichkeiten selber hervorrufen, insofern ja dadurch auch bequemer und leichter zu erreichen ist, was man mit dem verwechselt, was durch eine Fortbildung der gesunden menschlichen Anschauungsweise erreicht werden kann. Das muß ausdrücklich betont werden, daß das Überwinden des untersinnlichen Verhaltens der Seele gerade dasjenige ist, was in der allerbesten Weise - viel gesünder als durch den gesunden Menschenverstand — gerade durch eine wahre Hellsichtigkeit und wahre Hellhörigkeit erreicht wird.
[ 17 ] This is a source of endless misunderstandings, because time and again what has been described as true clairvoyance is confused with what is so often called clairvoyance, clairaudience, and so on in everyday life—phenomena that, however, stem from some defect in the physical organism. One may have such a defect or bring it about oneself through all manner of unnatural practices, insofar as this makes it easier and more convenient to achieve what is mistaken for what can be attained through the further development of a healthy human perspective. It must be expressly emphasized that overcoming the sub-sensory behavior of the soul is precisely what is achieved in the very best way—much more healthily than through common sense—precisely through true clairvoyance and true clairaudience.
[ 18 ] So kann man sagen: Geisteswissenschaft ist ein Aufsuchen — man redet nicht einmal richtig, wenn man von einer Fortentwickelung der Seele spricht -, es ist ein Aufsuchen desjenigen, was in der Menschenseele und im Menschengeist als die tieferen Kräfte liegt, auf die man nur den Blick nicht hinrichtet, weil man sozusagen das Geistesohr und Geistesauge, das Organ dafür nicht geschaffen hat und den Blick im gewöhnlichen Leben nicht darauf hinrichtet. Ein Aufsuchen der ewigen Kräfte der Menschenseele ist es. Und wenn man das festhält, dann kommt man dazu, folgendes zu sagen, das ja, wenn man es so ausspricht, überraschend sein kann, das aber für den, der den eigentlichen Tatbestand durchschaut eine Selbstverständlichkeit ist. Außerlich angeschaut ist Geisteswissenschaft, das heißt die wirkliche Erkenntnis der Menschenseele und des Menschengeistes, heute noch etwas, was von dem größten Teil der Menschheit als eine Phantasterei, als Träumerei, als etwas Unsinniges angesehen wird, dem sich eben so ein paar Menschen hingeben können, denen eigentlich ihr gesunder Menschenverstand durch irgend etwas abhanden gekommen ist. Innerlich angesehen, der Wahrheit nach angesehen, hat eigentlich der Geistesforscher keinen Gegner in der Welt. Und das Kuriose ist dabei, daß der Geistesforscher nichts anderes behauptet als etwas, worin ihm im Grunde genommen jeder Mensch zustimmt — mit den allergeringsten Ausnahmen, die wiederum auf besonders absonderlichen Seelenzuständen beruhen. Mit geringen Ausnahmen muß ihm eigentlich jeder Mensch in Wahrheit zustimmen — nur weiß er es nicht, nur glaubt er, daß er ihm nicht zustimmen kann. Das ist es! Denn wer sich nur dessen bewußt ist, daß er denkend durch die Welt geht, der kann in Wirklichkeit nicht mehr Gegner des Geistesforschers sein. Denn jeder, der denkend durch die Welt geht, zeigt damit, daß das Denken etwas in der Welt bedeutet; er gibt damit zu, daß das Denken ein Prozeß ist, der sich über der Sinnenwelt abspielt. Indem wir denken, erleben wir innerlich etwas, was sich über der Sinnenwelt abspielt, was nicht zur Sinnenwelt hinzugehört, man kann vielleicht auch sagen, was sich unter der Sinnenwelt abspielt. Das gibt man in dem Momente zu, wo man genau denkt. Man gibt es eben nicht zu, und dadurch ist man Gegner der Geisteswissenschaft. Man gibt es in dem Momente zu, wo man sich klar macht, daß das Denken auch im gewöhnlichen Leben kein Bild von der äußeren Welt entwickeln könnte, wenn es in dieser äußeren Welt, in der Sinnenwelt darin stände. Denn wenn das Denken zur Sinnenwelt gehörte, so könnte es ebensowenig ein Bild machen der Sinnenwelt, wie die Flamme ein Bild machen kann von der Kerze. Sie ist Produkt der Kerze, aber das Produkt kann niemals ein Bild machen. So daß derjenige, der in diesem Sinne Gegner der Geistigkeit des Denkens sein will, überhaupt Gegner der Geistigkeit sein müßte. Denn das Denken ist in sich selbst etwas über der Sinneswelt, weil es durch innerliche Aufraffung, durch eine innerliche Seelentätigkeit hervorgerufen wird, also nicht bloß durch Prozesse, die sich so abspielen wie die übrigen Leibesprozesse. Das ergibt sich eben einfach dadurch, daß man dieses Denken urteilen läßt über die Sinnenwelt. Und indem man dieses zugibt, daß das Denken nicht herausquille aus der Sinnenwelt, sondern daß es urteilt über die Sinnenwelt, stellt man sich schon auf den Standpunkt, daß das Denken als solches nicht zur Sinnenwelt gehört, daß es etwas Geistiges ist. Wollte man sich auf den Standpunkt stellen, daß es nichts Geistiges ist, daß es aus der Sinnenwelt herausquillt, dann müßte man seine Gegnerschaft ganz anders einrichten. Und nur der darf wirklich konsequenterweise Gegner der Geistigkeit des Denkens sein, der sagt: Ich glaube nicht, daß dieses Denken irgendeine Bedeutung über die Sinneswelt hat, also höre ich auf zu denken. Ich erkrafte mich nicht innerlich zu irgend einem Gedanken, sondern ich überlasse mich der Sinneswelt; da muß ja das Denken dann von selber kommen. — Wer das Denken nicht abschafft, kann niemals Gegner der Geistigkeit des Denkens sein, wenn er nur wirklich richtig denkt; wenn er nur mit seinem Denken bis zu den entsprechenden Konsequenzen ‚geht. In der Tat, in der Praxis sind alle diejenigen, die denken, dieser Anschauung. Denn jede andere Anschauung ist nicht eine Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft, sondern eine Gegnerschaft gegen sich selbst. Man behauptet etwas anderes, als man in der Praxis übt. Wer das Denken überhaupt ausübt, bekennt damit, daß das Denken geistig ist.
[ 18 ] So one might say: Spiritual science is a seeking—it is not even accurate to speak of a further development of the soul—it is a seeking of that which lies within the human soul and the human spirit as the deeper forces, toward which one simply does not direct one’s gaze because, so to speak, one has not developed the spiritual ear and the spiritual eye, the organs for this purpose, and does not direct one’s gaze toward them in ordinary life. It is a search for the eternal forces of the human soul. And if one holds fast to this, one comes to say the following, which, when expressed in this way, may be surprising, but which is self-evident to those who see through the actual facts. Viewed from the outside, spiritual science—that is, the true knowledge of the human soul and the human spirit—is still today regarded by the vast majority of humanity as fantasy, as daydreaming, as something nonsensical to which only a few people can devote themselves—people who have, in fact, lost their common sense through some means or other. Viewed from within, viewed in the light of truth, the spiritual researcher actually has no adversary in the world. And the curious thing about this is that the spiritual researcher asserts nothing other than something with which, fundamentally speaking, every human being agrees—with the very few exceptions that, in turn, stem from particularly peculiar states of mind. With few exceptions, every human being must in truth agree with him—only they do not realize it; they merely believe that they cannot agree with him. That is it! For anyone who is merely aware that they go through the world thinking can, in reality, no longer be an opponent of the spiritual researcher. For anyone who walks through the world thinking thereby demonstrates that thinking has meaning in the world; they thereby admit that thinking is a process that takes place beyond the sensory world. When we think, we experience inwardly something that takes place beyond the sensory world, something that does not belong to the sensory world—one might even say something that takes place beneath the sensory world. One acknowledges this the moment one thinks precisely. One simply does not acknowledge it, and thereby one is an opponent of spiritual science. One acknowledges it the moment one realizes that even in ordinary life, thinking could not form an image of the external world if it were situated within that external world—the sensory world. For if thinking belonged to the sensory world, it could form no image of the sensory world any more than a flame can form an image of the candle. The flame is a product of the candle, but the product can never form an image. Thus, anyone who, in this sense, wishes to be an opponent of the spirituality of thought would have to be an opponent of spirituality in general. For thought is, in and of itself, something above the sensory world, because it is brought about by inner exertion, by an inner activity of the soul—and thus not merely by processes that unfold in the same way as the other bodily processes. This simply follows from the fact that one allows this thinking to pass judgment on the sensory world. And by acknowledging that thinking does not spring from the sensory world, but rather passes judgment on it, one already adopts the standpoint that thinking as such does not belong to the sensory world—that it is something spiritual. If one were to take the position that it is not something spiritual, that it springs from the sensory world, then one would have to structure one’s opposition quite differently. And only the one who says, “I do not believe that this thinking has any significance beyond the sensory world; therefore, I will stop thinking,” may truly and consistently be an opponent of the spiritual nature of thinking. I do not force myself inwardly to form any thought, but rather I surrender myself to the sensory world; then thinking must come of its own accord. — Anyone who does not abandon thinking can never be an opponent of the spiritual nature of thinking, provided they think correctly; provided they carry their thinking through to its logical conclusions. In fact, in practice, all those who think hold this view. For any other view is not opposition to spiritual science, but opposition to oneself. One claims something other than what one practices. Anyone who engages in thinking at all thereby acknowledges that thinking is spiritual.
[ 19 ] Geisteswissenschaft vollbringt nun nichts anderes, als daß sie dieses Denken aus der Abstraktion, aus der Bildhaftigkeit, aus dem, daß es bloß etwas bedeutet, heraushebt und daß sich der Geistesforscher so in den Prozeß des Denkens hineinlebt, daß ihm das Denken ein Erleben wird. Und in dasselbe Erleben, das man sonst im Denken hat, auf das man aber nur nicht achtet, so daß man nicht einsieht, daß es ein Erleben ist, in dieses Erleben steckt man sich hinein. In dem Augenblick, da man das Denken nicht mehr nimmt wie im gewöhnlichen Leben, wo es etwas bedeutet, etwas abbildet, sondern so nimmt, wie man sonst im Leibe physisch lebt, den Lebensprozeß erlebt —, in diesem Augenblick schleicht sich die geistige Welt, schleichen sich geistige Wesenheiten, schleicht sich die wirklich spirituelle Welt in das erlebte Denken hinein, und das andere ist ein selbstverständlicher Fortgang.
[ 19 ] Spiritual science does nothing other than lift this thinking out of abstraction, out of imagery, out of the fact that it merely signifies something, and enable the spiritual researcher to immerse himself in the process of thinking to such an extent that thinking becomes an experience for him. And one immerses oneself in that very same experience that one otherwise has in thinking—but to which one simply does not pay attention, so that one fails to realize that it is an experience. At the moment when one no longer regards thinking as one does in ordinary life—where it signifies something, represents something—but rather regards it as one otherwise lives physically in the body, experiencing the process of life—at that very moment, the spiritual world, spiritual beings, and the truly spiritual world creep into this lived experience of thinking, and the rest follows naturally.
[ 20 ] Der Geistesforscher braucht sich also auf nichts anderes zu berufen, als was jeder Mensch eigentlich zugibt, der das Denken praktisch übt. Denn in dem, was er zugibt, bei der Denkausbildung, findet sich die geistige Welt. Im Denken steckt der Mensch schon hellsehend in der geistigen Welt drinnen, nur daß er statt des lebendigen Denkens dasjenige Denken bekommt, das bloß ein Spiegelbild ist. Daher kann ich hier den schon oftmals geschilderten Vergleich wieder aussprechen. Wenn man vor einem Spiegelbild steht, erlebt man sich innerlich, aber man erlebt sich so, daß der Spiegel das Bild gibt. Es ist im Spiegel alles, nur daß er das tote Bild gibt, das nicht erlebt wird. Wie wenn man sich das Spiegelbild wegsuggerieren könnte und nun das Ganze bildhaft in sich erleben würde, so ist es, wenn man im Denken von seiner Bildnatur abkommt, die sich wirklich zu dem erlebten Denken wie die Spiegelung verhält, und zu dem Erleben des Denkens selber übergeht. Da schleichen sich eben, wie gesagt, hinein die geistigen Welten in das Denken. Das eigene Ich, das tiefere Ich, der in uns lebende Zuschauer schleicht sich also in die in der geschilderten Weise innerlich durchbildete Welt des Wollens hinein.
[ 20 ] The spiritual researcher therefore need not refer to anything other than what every person who actively practices thinking actually acknowledges. For in what they acknowledge—in the process of developing their thinking—the spiritual world is to be found. Through thinking, the human being is already clairvoyantly immersed in the spiritual world; it is just that, instead of living thought, they receive a form of thinking that is merely a mirror image. Therefore, I can once again use the comparison I have described many times before. When one stands before a mirror image, one experiences oneself inwardly, but one experiences oneself in such a way that the mirror provides the image. Everything is in the mirror, except that it presents a lifeless image that is not experienced. Just as if one could mentally remove the mirror image and then experience the whole thing pictorially within oneself, so it is when, in thinking, one moves away from its pictorial nature—which truly relates to experienced thinking as a reflection does—and passes over to the experience of thinking itself. It is precisely here, as I said, that the spiritual worlds creep into thought. One’s own “I,” the deeper “I,” the observer living within us, thus creeps into the world of volition that is internally formed in the manner described.
[ 21 ] Wiederum ist im Grunde genommen jeder Mensch, wenn er sich selbst versteht, Anhänger der Geisteswissenschaft, auch in bezug auf dieses Wollen. Denn wer nicht zugibt, daß im Willen etwas steckt, was ebenso innerlich bewußt ist, wie wir bewußt sind in unserem gewöhnlichen physischen Denken, wer nicht zugibt, daß da ein weiterer, innerlicher Mensch im Menschen drinnen steckt, kommt durch konsequentes Denken dazu, sich sagen zu müssen: Leugne ich, daß sich da etwas in mir vollzieht, was sich zu mir verhält, wie meine Anschauung sich in der Tat zur äußeren Natur verhält, glaube ich, daß der bloße physische Organismus mein Wollen vollzieht, dann muß ich die Konsequenz daraus ziehen: dann muß ich mich nicht mehr innerlich zu einem Wollen aufraffen, dann muß ich nicht daran glauben, ich könnte einen Schritt im Leben durch einen innerlich geistig gefaßten Antrieb machen, sondern ich muß mich hinlegen und warten, bis mein Organismus in der Welt herumwandelt und dasjenige tut, dem ich dann bloß zuzuschauen brauche, Wer also das Wollen nicht so leugnet, daß er sich auf den Diwan hinlegt und sagt: Ich leugne das Wollen, das ist im physischen Organismus verankert, — der glaubt an diesen inneren Zuschauer. Und das andere ist dann nur ein Weiterentwickeln dieser unmittelbar durch wahres, gesundes, inneres Sichversenken erlangten Überzeugung, daß dieser Zuschauer da ist. Daher kommt der Geistesforscher zu der Einsicht: Gegner habe ich eigentlich gar nicht in Wirklichkeit. Gegner sind die Menschen immer nur von sich selber. Sie geben in der Theorie, durch ihre mißverstandenen Begriffe nicht zu, was sie praktisch, indem sie leben, zugeben. Der Geistesforscher spricht einfach aus, was in jedes Menschen natürlicher Weltauffassung liegt. Und so wird man immer mehr und mehr einsehen, daß der Geistesforscher nichts anderes ausspricht, als was die Menschen eigentlich im gewöhnlichen natürlichen Leben zwischen den Zeilen des Lebens unbewußt als ihre greifbare Weltanschauung darleben, wenn sie es auch aus Mißverständnis nicht aussprechen. Das wird man immer mehr und mehr gerade gegenüber der Geisteswissenschaft einsehen. Dann wird Geisteswissenschaft nicht mehr als etwas Absonderliches erscheinen, sondern als die selbstverständliche Erklärung und als die selbstverständliche Durchgeistigung, die man für das Leben braucht.
[ 21 ] Again, fundamentally speaking, every human being—if he understands himself—is a follower of spiritual science, even with regard to this volition. For whoever does not admit that there is something in the will that is just as inwardly conscious as we are in our ordinary physical thinking, whoever does not admit that there is another, inner human being within the human being, will, through consistent thinking, be forced to say to himself: If I deny that something is taking place within me that relates to me in the same way that my perception relates to external nature, if I believe that my will is carried out by the mere physical organism, then I must draw the following conclusion: then I no longer need to summon the will within myself; then I need not believe that I can take a step in life through an inner, spiritually conceived impulse, but rather I must lie down and wait until my organism wanders about in the world and does what I then merely need to observe. So whoever does not deny the will to the extent of lying down on the couch and saying: “I deny the will; it is anchored in the physical organism”—believes in this inner observer. And the other approach is then merely a further development of this conviction—gained directly through true, healthy, inner contemplation—that this observer exists. Hence, the spiritual researcher comes to the realization: In reality, I have no opponents at all. People are always their own own opponents. In theory, through their misunderstood concepts, they do not admit what they acknowledge in practice, through the way they live. The spiritual researcher simply articulates what lies inherent in every human being’s natural worldview. And so people will come to realize more and more that the spiritual researcher expresses nothing other than what people actually unconsciously embody as their tangible worldview in ordinary, natural life—between the lines of life—even if they do not articulate it due to misunderstanding. This will become increasingly clear, particularly in relation to spiritual science. Then spiritual science will no longer appear as something peculiar, but as the self-evident explanation and the self-evident spiritualization that one needs for life.
[ 22 ] Und so kommen wir als Geistesforscher auf diese Weise nach zwei Seiten hinaus aus derjenigen Menschennatur, die im gewöhnlichen Leben dasteht und die sich in der gewöhnlichen Wissenschaft betätigt. Wir kommen hinaus nach der Seite der Hellsichtigkeit, im wahren Sinne des Wortes verstanden, wie sie dargestellt worden ist; auf der anderen Seite nach der Richtung der Hellhörigkeit, wo man sich hineinlebt in seinen eigenen Zuschauer, der dann mit anderen Geisteswesen in der geistigen Welt lebt, die der Mensch beschreitet, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist. Man kommt da aber in eine unmittelbar innerliche Beweglichkeit, in eine Tätigkeit hinein; da ist alles ebenso tätig, wie hier alles passiv ist.
[ 22 ] And so, as spiritual researchers, we emerge in this way on two sides from that human nature which exists in ordinary life and is active in ordinary science. We emerge onto the side of clairvoyance, understood in the true sense of the word, as it has been described; and on the other hand, toward the realm of clairaudience, where one immerses oneself in one’s own inner observer, who then lives with other spiritual beings in the spiritual world that a person enters once they have passed through the gate of death. There, however, one enters into a state of immediate inner activity; there, everything is just as active as everything here is passive.
[ 23 ] Wenn man sich nun das gewöhnliche Leben, die gewöhnlichen inneren Seelenerlebnisse ansieht, so muß man sagen: Diese inneren Erlebnisse des Menschen sind so, daß fortwährend, ohne daß es der Mensch weiß, die Gegenstände der Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit in ihm sind, daß fortwährend in seinem gewöhnlichen Seelenleben diese Gegenstände tätig wirksam sind. Es bleibt wirksam in uns, was von der geistigen Welt in uns hereinkommt, indem es durch die Empfängnis und die Geburt geht, Das ist dasjenige, was der Mensch, wenn er es nun bemerkt, mehr das Geistige in seinem Seelenleben nennt. Dasjenige aber, was durch die Pforte des Todes schreitet, was in dem Willen liegt, so liegt, daß es wie ein innerer Zuschauer ist, das ist dasjenige, was der Mensch, wenn er es nicht im Zusammenhange mit dem ganzen Makrokosmos, sondern im gewöhnlichen Seelenerlebnis in sich hat, mehr das Seelische in sich nennt. Und das Geistige und Seelische in all der Mannigfaltigkeit, in all der Vielartigkeit, wie sie auftreten, führen zuletzt auf diese beiden Einschläge in die menschliche Natur zurück. Der Geist, der liegt immer in dem, was wir nach der Denkseite hin entwickeln. Man wird dadurch geistreich — wenn das Wort jetzt nur im technischen Sinne gebraucht werden darf —, daß man, ohne die Wege des Geistesforschers zu gehen, die einem da noch im Unbewußten bleiben können, dieses Denken zu immer größerer innerer Beweglichkeit, zu immer größerer Erfindungsgabe ausbildet, so daß einem Gedanken reichlicher zufließen, so daß sie verwandter sind dem, was innerlich zusammengehört in der Ideenfolge, die man haben kann. Durch dieses Geistreicherwerden, in dem also das lebt, was seiner wirklichen Wesenheit nach durch den angeführten Denk-Meditationsweg gefunden werden kann, durch dieses Geistige in der Menschenseele lernt man vorzugsweise im Leben — aber jetzt praktisch, nicht theoretisch gemeint — dasjenige, was man Menschenkenntnis nennen kann. Man lernt, was einen anleitet, den Menschen in der richtigen Weise in die Welt hineinzustellen. Man lernt, was überhaupt die Zusammenhänge der Welt vor der eigenen Seele enthüllt. Man entfernt sich dadurch in einer gewissen Weise, indem gerade der Geist sich ausbildet, von dem, was sich so recht als physischer Mensch ausdrückt. Man nähert sich durch die Ausbildung seines Geistigen dem, was nun gerade vorzugsweise tätig war, damit wir in die Sinneswelt hereinkamen. Dadurch entfernt man sich in einer gewissen Weise durch das Geistreichwerden von dem, was unmittelbar in der Sinneswelt erlebt wird. Daher rührt es, daß man durch das Geistreichwerden in eine gewisse kühle Atmosphäre hineinkommt. Aber durch das Überschauen der weisheitvollen Zusammenhänge der Welt, die sich vor der inneren Seele enthüllen, kann man in dieser Richtung weit kommen. Man kann vieles zusammentragen in der Welt, empfinden, was der andere nicht empfindet, in der Lage sein, vieles auszusprechen an Weltzusammenhängen, auch Dinge erfinden, die dann aus den Weltzusammenhängen heraus in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Man kann auf diese Weise weit kommen. Das ganze verläuft so, daß die Welt, ich möchte sagen, lichtvoller wird, daß sie für uns durchschaubar wird. Es ist das Geistreichwerden, das Aufgehen des Geistes im menschlichen Innern wie eine Vorstufe, wie eine noch nicht von wahrer Hellsichtigkeit durchtränkte Vorstufe eines Hineingehens in die Welt, aus der wir herausgekommen sind durch die Empfängnis oder durch die Geburt.
[ 23 ] If one now considers ordinary life and the ordinary inner experiences of the soul, one must say: These inner experiences of the human being are such that, continuously and without the person’s awareness, the objects of clairvoyance and clairaudience are present within them; that these objects are continuously and actively at work in their ordinary soul life. What enters us from the spiritual world, passing through conception and birth, remains active within us. This is what a person, when they become aware of it, tends to call the spiritual aspect of their soul life. But that which passes through the gate of death, which lies in the will—existing as an inner observer—is what a person, when they experience it not in connection with the entire macrocosm but within their ordinary soul life, refers to as the “soul.” And the spiritual and the soul-life, in all their diversity and variety as they appear, ultimately trace back to these two aspects of human nature. The spirit always lies in what we develop on the side of thinking. One thereby becomes spirited —if the word may be used here only in a technical sense—by cultivating this thinking toward ever greater inner flexibility and ever greater inventiveness, without following the paths of the spiritual researcher, which may still remain in the unconscious; so that thoughts flow more abundantly, and so that they are more closely related to what inherently belongs together in the sequence of ideas one may have. Through this growing spiritual insight—in which, then, lives what, by its very nature, can be found through the aforementioned path of thought and meditation—through this spiritual aspect of the human soul, one learns, above all in life—but here in a practical, not a theoretical sense—what can be called knowledge of human nature. One learns what guides one to place human beings in the world in the right way. One learns what reveals the interconnections of the world to one’s own soul. In a certain way, as the spirit develops, one thereby distances oneself from what is expressed as the physical human being. Through the development of one’s spiritual nature, one approaches that which was primarily active in enabling us to enter the sensory world. In this way, by becoming spiritually developed, one distances oneself to a certain extent from what is directly experienced in the sensory world. This is why becoming spiritually developed leads one into a certain cool atmosphere. But by surveying the wisdom-filled interrelationships of the world that reveal themselves to the inner soul, one can go a long way in this direction. One can gather much from the world, perceive what others do not perceive, be able to articulate much about the interconnections of the world, and even invent things that are then transformed from these interconnections into reality. One can go far in this way. The whole process unfolds such that the world, I would say, becomes more luminous, that it becomes transparent to us. It is the process of becoming spiritually enlightened, the awakening of the spirit within the human being—like a preliminary stage, a stage not yet imbued with true clairvoyance, of entering the world from which we emerged through conception or birth.
[ 24 ] Man wird nicht seelenreich, sondern man wird seelenvoll. Das Seelische liegt, indem es sich entwickelt, in der Vertiefung des inneren Erlebens. Wer das Seelische in sich vertieft, kommt noch nicht zum hellhörigen Erleben seines inneren Beobachters, aber dieser Beobachter wirkt in ihm auf eine besonders starke und intensive Weise, so daß sein inneres Seelenerleben wirklicher wird, als es sonst ist. Er wird seelenvoll. Dadurch lernt er weniger im Leben das, was Menschenkenntnis ist, was umfassendes, lichtvolles Anschauen der Weltverhältnisse und des Zusammenhanges des Menschen mit den Weltverhältnissen ist, aber er wird innerlich realer in seinem Erleben. Die Seele wird intensiver, sie wird innerlich erkraftet. Was im Willen lebt, man möchte sagen, im Willen schwingt und flutet während des Lebens, Lust und Leid, Freud’ und Schmerz, die auf- und abfluten und im Grunde innerlich zusammenhängen mit der Willensnatur des Menschen — es könnte das streng psychologisch bewiesen werden, aber dazu ist keine Zeit —, das wird in einer intensiveren Weise erlebt, wenn der Mensch in dieser Weise erstarkt in sich. Nicht nur was in ihm selbst als Lust und Leid vorhanden ist, was an inneren Gefühlen aus ihm aufsteigt, wird intensiver erlebt, sondern er kann gerade durch dieses Erstarken des Seelischen seine Lust und sein Leid ausdehnen auf dasjenige, was Lust und Leid, was Freude und Schmerz, was Glück und Elend in anderen Wesen ist, die um ihn herum sind. Das hängt mit dem Seelenvollen zusammen. Das aber hängt wiederum zusammen mit dem, was als Wesen der einzelnen Individualität durch die Pforte des Todes geht, was mitgenommen wird durch die Pforte des Todes, indem es sich in der heute vor acht Tagen beschriebenen Weise mit dem verbindet, was nun der Geist ist und was durch die Meditation im Denken erreicht wird.
[ 24 ] One does not become rich in soul, but rather becomes filled with soul. As the soul develops, it lies in the deepening of inner experience. Those who deepen the spiritual within themselves do not yet attain the clairaudient experience of their inner observer, but this observer works within them in a particularly strong and intense way, so that their inner spiritual experience becomes more real than it otherwise would be. They become filled with soul. As a result, they learn less in life about what constitutes knowledge of human nature—that is, a comprehensive, luminous view of world conditions and the connection between human beings and those conditions—but their inner experience becomes more real. The soul becomes more intense; it is strengthened from within. What lives in the will—one might say, what resonates and surges within the will throughout life—pleasure and suffering, joy and pain, which ebb and flow and are fundamentally connected inwardly to the nature of the human will—this could be rigorously proven psychologically, but there is no time for that—is experienced in a more intense way when a person is strengthened in this manner within themselves. Not only is what exists within them as pleasure and suffering—the inner feelings that well up from within—experienced more intensely, but precisely through this strengthening of the soul, they can extend their own pleasure and suffering to encompass the pleasure and suffering, the joy and pain, the happiness and misery present in other beings around them. This is connected to the soul. This, in turn, is connected to what, as the essence of the individual self, passes through the gate of death—what is carried through the gate of death by uniting, in the manner described eight days ago, with what is now the spirit and what is attained through meditation in thought.
[ 25 ] So wird man stark in der Liebe, indem die Seele sich erstarkt. So wird man licht im Geiste, wenn der Geist sich erstarkt. Aber indem man den Geist erstarkt, entfremdet man sich ja auf der anderen Seite in der Weise, wie ich es geschildert habe, dem Zusammenhange mit der innerlichen Leibeswirklichkeit, mit der Wirklichkeit, die einen in die Sinneswelt hineinstellt. Daher muß man nicht in einer falschen Weise wirklichkeitsfeindlich werden, denn sonst könnte man mit diesem Entfernen nach der Richtung des Geistigen, mit dem Verlassen der Leiblichkeit sehr leicht wirklichkeitsfremd werden. Man könnte den Zusammenhang verlieren, den das lebendige Denken mit der Wirklichkeit hat, auch wenn er nicht bewußt wird, sondern nur unbewußt erlebt wird, wie es im gewöhnlichen Leben der Fall ist. Dann würde man durch eine Abirrung des Geistes dahin kommen, wo sich die Gedanken - einer aus dem anderen — herausspinnen, wo man aber in diesen Gedanken nicht mehr so intensiv drinnen lebt, daß man den Zusammenhang mit der Wirklichkeit hat. Man kommt gerade dann in einen seelischen Vorgang hinein, innerhalb dessen man denken kann, aber man verliert den Zusammenhang mit der Wirklichkeit. Man wird zum Zweifler, zum Skeptiker. Und man wird, wenn sich das bis zu einem gewissen Grade steigert, alle Qualen der Skepsis durchmachen können, man wird dasjenige, was im Denken sich vollzieht, abspielt, nur für Sophistik halten können. Man wird zum Skeptiker, der nicht aus dem Quell der Wirklichkeit seine geistige Nahrung hat.
[ 25 ] Thus one becomes strong in love as the soul grows stronger. Thus one becomes enlightened in spirit as the spirit grows stronger. But by strengthening the spirit, one alienates oneself, on the other hand, in the way I have described, from the connection with the inner reality of the body—the reality that places one within the sensory world. Therefore, one must not become hostile to reality in a false way, for otherwise one could very easily become detached from reality through this turning toward the spiritual and this abandonment of physicality. One could lose the connection that living thought has with reality, even if it is not conscious but is experienced only unconsciously, as is the case in ordinary life. Then, through a derailment of the mind, one would arrive at a point where thoughts spin off one from another, yet one no longer lives so intensely within these thoughts as to maintain a connection with reality. It is precisely then that one enters a mental process within which one can think, but one loses the connection with reality. One becomes a doubter, a skeptic. And if this intensifies to a certain degree, one may come to endure all the torments of skepticism; one may come to regard what takes place in thought merely as sophistry. One becomes a skeptic who does not draw spiritual nourishment from the source of reality.
[ 26 ] Und indem man gewissermaßen nach der anderen Seite abirrt, nach jenem Prozeß, der den Willen innerlich erkraftet, der den Kreis des innerlichen Lust- und Leid-, Freud- und Schmerzerlebens erweitert über dasjenige hinaus, was in einem selbst ist, kann es sein, daß diese innere Selbstes-Natur noch so stark ist, daß sie das, was sich erstarkt, von sich nicht losläßt. Dann kann es sein, daß, während der Mensch in der Tat mit der Umgebung lebt, sein Mitfühlen, sein Miterleben mit der Umgebung seinen Egoismus erstarkt. Und es kann dann sogar sein, daß sich das Mitfühlen, Miterleben verbirgt hinter der Maske des Egoismus, daß das Anschauen des Schmerzes und Leides eigentlich nur durch das, was es in einem selbst anrichtet, zum Miterleben wird, während dem das wirkliche Mitgefühl darinnen besteht, daß man das eigene Selbst ausbreitet über dasjenige, was der andere erlebt. So kann es sein, extrem ausgedrückt, daß das Unangenehme, das Unbehagliche, das uns der Schmerz bereitet, dann in ganz egoistischer Weise erlebt wird, wenn das innere Selbst das erstarkte Seelenleben nicht entläßt.
[ 26 ] And by straying, as it were, toward the other side—toward that process which strengthens the will from within, which expands the circle of inner experiences of pleasure and suffering, joy and pain, beyond what lies within oneself—it may be that this inner nature of the self is still so strong that it does not let go of what is growing stronger. Then it may be that, while a person does indeed live in harmony with their surroundings, their empathy and shared experience with those surroundings actually reinforce their egoism. And it may even be that this empathy and shared experience hide behind the mask of selfishness, that witnessing pain and suffering actually becomes a shared experience only through what it does to oneself, whereas true empathy consists in extending one’s own self beyond what the other person is experiencing. Thus, to put it in extreme terms, the unpleasantness and discomfort that pain causes us may be experienced in a wholly selfish manner if the inner self does not relinquish its intensified inner life.
[ 27 ] Aber deshalb wurzelt die Liebe doch in dem erstarkten Seelenleben. Und Menschenseele ist dasjenige, was den Quell der Liebe gerade so in sich trägt, wie den Quell der Welterkenntnis dasjenige in sich trägt, was Geist ist. Geist eröffnet uns, offenbart uns das Licht, das uns die Welt beleuchtet; Seele zündet in uns dasjenige an, was uns mit jeglihem Wesen, mit dem Innern eines jeglichen Wesens verbindet, was uns als Mensch unter Menschen, was uns überhaupt unter anderen Menschen unmittelbar leben läßt. Liebe ist das Urelement des Seelischen. Licht in der geistigen Welt ist das Urelement des Geistigen. Wer nun also wirklich den geistesforscherischen Weg, sei es auch nur ein Stück, gehen will - denn schon wenn man ihn nur ein Stück geht, kann man sich davon überzeugen —, der erreicht zu sehen, daß Wahrheit ist in dem, was der Geistesforscher zu behaupten hat.
[ 27 ] But that is precisely why love is rooted in a strengthened spiritual life. And the human soul is that which carries within itself the source of love, just as that which is spirit carries within itself the source of knowledge of the world. Spirit opens up to us, reveals to us the light that illuminates the world; the soul kindles within us that which connects us to every being, to the innermost essence of every being—that which allows us, as human beings among human beings, to live directly among other human beings. Love is the primordial element of the soul. Light in the spiritual world is the primordial element of the spiritual. Whoever, then, truly wishes to walk the path of spiritual research—even if only a short distance—for even walking just a short distance is enough to convince oneself—will come to see that there is truth in what the spiritual researcher asserts.
[ 28 ] Wer den Weg der Geistesforschung geht, hat daher vor allen Dingen darauf zu achten, daß dasjenige, was er als Geist entwickelt, nicht die Grundlage des seelischen Lebens vermissen läßt. Der Geist kann sich nur dadurch von der Wirklichkeit der eigenen Persönlichkeit und damit von dem Ergreifen der Weltwirklichkeit entfernen, daß in der Seele nicht Liebe waltet. Wenn in der Seele Liebe waltet, wenn die Seele durchwallt und durchkraftet wird von dem Element der Liebe, dann ist sie stark genug, um den Geist zu halten, in welch lichtvolle Höhen er sich auch erheben mag. Und wiederum, wenn der Mensch es nicht verschmäht, Weisheit zu suchen in der Welt, weisheitsvolle Zusammenhänge — nicht Weisheit, die mit Gescheitheit identisch ist, sondern demutsvolle Weisheit, die in der Welt waltet -, wenn er diese Weisheit in sich selber sich vergegenwärtigen will und nun nicht bloß mit dem Verstande, nicht bloß mit der Abstraktion erfaßt, sondern untertauchen läßt in die liebevolle Seele; wenn alles das, was Weisheit, Licht ist, durchwärmt wird von dem, was in der Seele aufsteigt, was den Menschen ins Leben als einen Menschenliebenden hineinstellt, so wie ihn anderseits die Weisheit, der Geist zum Menschenkenner macht, dann hinwiederum ist dieses geeignet, den Menschen vom Egoismus abzuleiten und die Liebe wirklich hinaufzutragen in dasjenige, was er, indem er zu der Liebe die Erkenntnis hinzufügt, als ein Überschauen der Welt erleben kann: der Geist, der in der liebenden Seele wurzelt, warme Seelenliebe, die sich vom Geiste durchleuchten läßt, das ist ein Menschheitsideal.
[ 28 ] Anyone who follows the path of spiritual research must therefore, above all else, ensure that what they develop as spirit does not lack the foundation of soul life. The spirit can only distance itself from the reality of one’s own personality—and thus from a grasp of worldly reality—if love does not reign in the soul. When love reigns in the soul, when the soul is permeated and empowered by the element of love, then it is strong enough to hold the spirit, no matter how high into the light it may rise. And again, if a person does not spurn to seek wisdom in the world—wise connections—not wisdom that is synonymous with cleverness, but the humble wisdom that reigns in the world—if they wish to bring this wisdom to life within themselves and not merely grasp it with the intellect, not merely through abstraction, but allow it to immerse itself in the loving soul; if everything that is wisdom and light is warmed by what rises up in the soul—what places a person in life as one who loves humanity—just as, on the other hand, wisdom and the spirit make him a connoisseur of human nature, then this, in turn, is capable of steering the human being away from selfishness and truly carrying love up into that which he—by adding knowledge to love—can experience as a survey of the world: the spirit rooted in the loving soul, warm soul love that allows itself to be illuminated by the spirit—that is an ideal of humanity.
[ 29 ] Und im Grunde genommen gibt eben dieses Menschheitsideal ein jeder zu, wie das ausgeführt worden ist. Geisteswissenschaft hat nur durch Mißverständnisse Gegner. So daß man auch in besonderem Falle sagen kann: der Geisteswissenschafter ist wirklich mit dem, was die Leute sagen, ja gerade oftmals mit dem, was sie gegen die Geisteswissenschaft sagen, völlig einig. Wenn zum Beispiel im SeptemberHeft des «Neuen Merkur» Leonard Nelson einen sehr geistvollen Aufsatz über die gegenwärtigen Zeitaufgaben in bezug auf Philosophie geschrieben hat, so scheint es so, als ob all das, was Nelson, der zu den geistreichsten Menschen der Gegenwart gehört, dort ausspricht, sich prägen ließe als Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft. Die Gegenprobe wäre die, daß der Geistesforscher zu nichts, was dieser Mann sagt, nein zu sagen braucht. Da stellt Leonard Nelson auf der einen Seite dar, wie der Mensch ausartet, wenn er bloß den Verstand ausbildet; wie er dadurch in eine Abstraktion hineinkommt, die ihn zu keiner wirklich lebensvollen Philosophie führen kann. In viel konsequenterem, höherem Sinn muß das der Geistesforscher zugeben, der die Qual der Skepsis, der Zweifel sucht, die zum Leiden wird, aufzeigt, wenn der Geist in einseitiger Weise, ohne den Wurzelgrund der Seelenliebe, sich entwickeln will. Nur weist Nelson eben auf das Denken hin und weiß nichts davon, daß sich in dieses selbe Denken, wenn es erlebt wird, eine ganz andere Welt einschleicht, eine Welt, die viel inhaltsreicher ist als die sinnliche Welt und die ihm verschlossen bleibt. Man ist mit dem, was er positiv behauptet, völlig einverstanden. Nur läßt er sich nicht darauf ein, mit sich selbst einverstanden zu sein, er mißversteht sich selber. Ebenso ist man einverstanden, wenn er nach der anderen Seite sagt: Wenn der Mensch sich nun in seine eigene Natur vertieft, in sich hineinbrütet, da kommt ein falscher Mystizismus zutage, da kommt der Mensch in ein nebuloses innerliches Träumen hinein. Nur durch das Denken will er nicht verankert sein; gerade vom Gefühl glaubt er, dem Weltengrunde näher zu sein. In Wahrheit ist es nur ein Subjektives, was da erreicht wird. Vollständig einverstanden ist der Geistesforscher damit, was in positiver Weise gesagt wird. Nur weiß der Verfasser des Aufsatzes wiederum nicht, daß man damit etwas ganz Neues entdeckt, wenn man nur den rechten Weg geht. Er versteht sich selber nicht und widerlegt sich im Grunde nur selber, indem er eine andere Anschauung hat, als er, wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf, als Anschauung betätigt, praktisch ausübt. Dasjenige, was er tut, ist völlig übereinstimmend mit der Geisteswissenschaft. Der Geistesforscher ist im Grunde genommen von dem, was die Menschen wirklich meinen, kein Gegner; und sie sind nur deshalb Gegner, weil sie sich mißverstehen und dadurch ihn mißverstehen, an ihm vorbeireden.
[ 29 ] And, as has been explained, everyone essentially acknowledges this very ideal of humanity. Spiritual science has opponents only because of misunderstandings. So that one can even say in specific cases: the spiritual scientist is actually in complete agreement with what people say—indeed, often precisely with what they say against spiritual science. For example, when Leonard Nelson wrote a very insightful essay in the September issue of *Neuer Merkur* on the current challenges facing philosophy, it seems as though everything Nelson—who is among the most insightful people of our time—expresses there could be interpreted as opposition to spiritual science. The counterargument would be that the spiritual researcher need not say “no” to anything this man says. On the one hand, Leonard Nelson describes how human beings degenerate when they develop only their intellect; how this leads them into an abstraction that cannot guide them toward a truly life-affirming philosophy. In a much more consistent and elevated sense, the spiritual researcher must acknowledge this, demonstrating the torment of skepticism—the doubt that becomes suffering—when the spirit seeks to develop in a one-sided manner, without the deep foundation of love for the soul. But Nelson focuses solely on thinking and is unaware that, when this very thinking is experienced, a completely different world creeps in—a world far richer in content than the sensory world, a world that remains closed to him. One is in complete agreement with what he asserts positively. Yet he refuses to accept this truth for himself; he misunderstands himself. One also agrees when he says, on the other hand: When a person delves into his own nature, brooding within himself, a false mysticism comes to the fore, and the person enters into a nebulous inner dream. Yet he does not wish to be anchored solely through thinking; he believes that it is precisely through feeling that he is closer to the foundation of the world. In truth, what is achieved there is merely a subjective experience. The spiritual researcher fully agrees with what is stated in a positive sense. However, the author of the essay does not realize that something entirely new is discovered if one simply follows the right path. He does not understand himself and, in essence, merely contradicts himself by holding a different view than the one he—if I may use this paradoxical expression—actually puts into practice. What he does is entirely in accordance with spiritual science. The spiritual researcher is, in essence, no opponent of what people truly mean; and they are opponents only because they misunderstand one another and thereby misunderstand him, talking past him.
[ 30 ] Das sieht man auch, wenn der Mensch, der da glaubt, auf einem anderen Boden der Weltanschauung als dem der Geisteswissenschaft stehen zu müssen, und zwar gerade aus den sicheren Ergebnissen der Naturwissenschaft heraus, sich einmal gehen läßt und dasjenige, was er sich nur vormacht, ersetzt durch das, was in ihm auf naturgemäße Weise lebt. Ich habe gestern über einen Denker gesprochen, und aus dem Vorgebrachten werden Sie ersehen haben, daß ich diesen Denker aufs höchste achte. Es ist der österreichische Philosoph Bartholomäus von Carneri. Ich schätze Carneri deswegen, weil er mit so starkem Geiste versuchte, eine Ethik, eine Sittenlehre aus dem Darwinismus heraus zu entwickeln. Aber er steht auf dem Boden, der Gedanken hervorbringt, die sich selbstverständlich zu dem, was die Geisteswissenschaft sagt, gegnerisch verhalten, weil er sich selber wiederum nicht versteht, weil er Dinge vorbringt, die dem widersprechen, was er betätigt. Nehmen wir einmal an, ein solcher Mann läßt sich gehen und lebt innerlich das, was er nur in einer für sich selbst mißverständlichen Weise ausdenkt. Nehmen wir an, ein solcher Mensch käme zu einem Augenblick, wo er sich dem Leben überließe und nicht seinem auf schiefen Bahnen gehenden Denken. Nehmen wir an, er überließe sich elementar dem Leben und spräche aus innerer Kraft, derselben Kraft, die ihn auch zu seinem schiefen Denken gebracht hat. Bei Carneri können wir das beobachten. Carneri war eigentlich schon als Krüppel geboren worden, mit einer verkrümmten Wirbelsäule, war unter den größten Qualen herangewachsen und ein sehr alter Herr geworden. Das Leben war für ihn wirklich Qual. Er konnte nur mit der linken Hand schreiben, die rechte Hand war das ganze Leben hindurch völlig gelähmt, ebenso sonst die ganze rechte Seite in. gewisser Beziehung unbrauchbar, dazu fortwährend jene Störungen des Atmens, die mit einem solchen Organismus verbunden sind. Dabei stand der Mann ganz auf darwinistischem Boden und suchte zugleich eine Weltanschauung auch für die Ethik zu begründen, die absieht von dem, was man in mißverstandener Weise Dualismus nennt, aber eben in mißverstandener Weise. Schließlich könnte man auch behaupten: Wasser ist nur eine Einheit. Wasser ist aber keine Einheit, denn es besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff. Man durchbricht wahrhaftig nicht das Monon, wenn man von Leib, Seele, Geist spricht, aber Carneri glaubte das nun einmal. Wir können ihn da gerade fassen.
[ 30 ] This becomes evident when a person who believes they must stand on a different philosophical ground than that of spiritual science—specifically based on the certain findings of natural science—allows themselves to let go and replaces what they merely imagine with what lives within them in a natural way. Yesterday I spoke about a thinker, and from what I have said, you will have seen that I hold this thinker in the highest regard. He is the Austrian philosopher Bartholomäus von Carneri. I admire Carneri because he attempted, with such a powerful spirit, to develop an ethics—a moral philosophy—based on Darwinism. But he stands on ground that gives rise to thoughts which, naturally, are opposed to what spiritual science teaches, because he does not understand himself, because he puts forward ideas that contradict what he is actually doing. Let us suppose, for a moment, that such a man lets himself go and lives inwardly what he conceives only in a way that is misleading even to himself. Let us suppose that such a person were to reach a moment when he surrendered himself to life rather than to his thinking, which has gone off on a crooked path. Let us suppose he were to surrender himself fundamentally to life and speak from inner strength—the very same strength that had led him to his distorted thinking. We can observe this in Carneri. Carneri had actually been born crippled, with a curved spine; he had grown up in the greatest agony and had become a very old man. Life was truly a torment for him. He could write only with his left hand; his right hand had been completely paralyzed his entire life, and in a certain sense the entire right side of his body was otherwise unusable, compounded by the constant breathing difficulties associated with such a physical condition. Yet this man stood firmly on Darwinian ground and at the same time sought to establish a worldview—including in ethics—that eschews what is mistakenly called dualism, though it is indeed a misunderstanding. After all, one could also claim: Water is merely a single entity. But water is not a single entity, for it consists of hydrogen and oxygen. One certainly does not break with monism when speaking of body, soul, and spirit, but Carneri simply believed that. We can understand him perfectly well on this point.
[ 31 ] Ich bringe da etwas aus dem Leben vor, das selbstverständlich für viele, die gewohnt sind, in der gegenwärtigen Weise philosophisch zu denken, als etwas Belächelnswertes aufgefaßt werden kann. Aber es zeigt wirklich anschaulich, wie Carneri, also der Mann, der die Ethik aus dem Materialismus heraus zaubert, der die selbständigen Kräfte des menschlichen Innern eigentlich theoretisch leugnet, in einem Moment, der ihm aufdrängte aus seinem tiefsten Innern heraus zu sprechen, sein eigener Gegner wird und für einen Moment so spricht, wie wenn er der beste Anhänger einer Lehre wäre, welche die Selbständigkeit des Geistes und der Seele des Menschen, wie ich das heute dargestellt habe, anerkennt. Da erzählt eine Freundin von Carneri, Marie Eugenie delle Grazie, wie sie einmal mit ihm, als er schon ein hohes Alter erreicht hatte, zusammengewesen war, nachdem er wiederum einen Anfall gehabt hatte, der so recht zeigte, wie die Unbehaglichkeiten das Leben zur Qual machen können. Sie sagte zu ihm: «Wie konnten Sie das ertragen all die Jahre her und sich dabei dieses Lächeln bewahren, diese Güte und Lebensfreude?» Marie Eugenie delle Grazie, die österreichische Dichterin, sagte es nicht nur, sondern sie «schrie gequält auf», als dieser Mensch die Schwierigkeit des Atmens so qualvoll empfand und einen Erstickungsanfall hatte. Dann beschreibt sie weiter:
[ 31 ] I am presenting here something drawn from life that, of course, may be regarded as laughable by many who are accustomed to thinking philosophically in the current way. But it really illustrates vividly how Carneri, that is, the man who conjures up ethics out of materialism, who in theory actually denies the independent powers of the human inner self, becomes his own opponent in a moment that compelled him to speak from his deepest inner self, and for a moment speaks as if he were the most ardent adherent of a doctrine that recognizes the independence of the human spirit and soul, as I have described it today. A friend of Carneri’s, Marie Eugenie delle Grazie, recounts how she was once with him—when he had already reached an advanced age—after he had suffered yet another episode that truly demonstrated how discomforts can make life a torment. She said to him, “How were you able to endure this all these years and still retain that smile, that kindness, and that zest for life?” Marie Eugenie delle Grazie, the Austrian poet, did not merely say this; she “cried out in anguish” as this man struggled so painfully to breathe and suffered a choking fit. She then goes on to describe:
[ 32 ] «Langsam hob er das tief auf die Brust herabgesunkene Haupt, wischte mit der bebenden Linken den Schweiß von Stirn und Wangen, atmete tief auf und sah mich an mit einem Blick, der wieder ganz Sonne und Überwindung war. ‹Wie —›, lächelte er dann. ‹Aber begreifen Sie denn nicht, daß ich im täglichen Kampf mit einer solchen Bestie erst recht ein Mensch bleiben wollte — ein Mensch bleiben mußte? Ich —›, er lächelte aufs neue, «hatte nun einmal meinen Ehrgeiz. Da» — er wies auf seinen noch zuckenden Körper - «sollte stärker sein als ich? ‹Sollte imstande sein, mir Tag um Tag zu rauben? Alle Freude und Schönheit des Lebens zu verekeln? Wäre ich denn ein Mensch, wenn ich nicht der Stärkere blieb? So hat es begonnen und so — wird es enden!› .. .»
[ 32 ] “Slowly he raised his head, which had sunk low onto his chest, wiped the sweat from his forehead and cheeks with his trembling left hand, took a deep breath, and looked at me with a gaze that was once again full of sunshine and resilience. ‘Well—’ he smiled then. ‘But don’t you understand that in the daily struggle with such a beast, I wanted all the more to remain human—I had to remain human? I—’ he smiled again, ‘—had my ambition, after all. Should this’—he pointed to his still-twitching body—‘be stronger than I am? ‘Should it be capable of robbing me, day after day, To spoil all the joy and beauty of life? Would I even be human if I didn’t remain the stronger one? That’s how it began, and that’s how—it will end!› …”
[ 33 ] Weiter schreibt Marie Eugenie delle Grazie: «Draußen war es Frühling. Ein blühender Apfelbaum wiegte sich vor dem offenen Erkerfenster. Die leuchtenden Dulderaugen an seiner Schönheit festsaugend, sprach Carneri leise: «Was glauben Sie, wieviele Bäume jetzt blüh’n, obwohl der Wurm in ihnen und auf ihnen sitzt? Soll ich schwächer oder dümmer sein? Auch die Natur, soweit sie nicht denkt, macht es wie ich. Und die gerade. Nur auf eines kommt es an: Wie lange man’s kann. Aber das ist Kraft. Und wir haben so viele Worte für das, was Kraft ist. Soll ich darüber nachdenken, welches das richtige ist?» »
[ 33 ] Marie Eugenie delle Grazie goes on to write: “Outside, it was spring. A blossoming apple tree swayed in front of the open bay window. His eyes shining with patience, fixed on its beauty, Carneri spoke softly: “How many trees do you think are blooming right now, even though the worm is inside them and on them? Should I be weaker or stupider? Even nature, insofar as it does not think, acts just like me. And that’s exactly it. Only one thing matters: how long one can keep it up. But that is strength. And we have so many words for what strength is. Should I think about which one is the right one?” »
[ 34 ] Und er hat das oft getan. Aber er ist mit seinem Denken nicht nachgekommen jener inneren Gesinnung, die die Stärke des Seelischen betont in diesen Augenblicken, wo er sich als der Sieger über das bloß Äußerliche des Leibeslebens fühlte.
[ 34 ] And he did this often. But his thinking did not keep pace with that inner disposition which emphasizes the strength of the soul in those moments when he felt himself to be the victor over the mere external aspects of physical life.
[ 35 ] Die materialistische Anschauung glaubt: wenn man den Menschen als Leibeswesen vor sich hat, so gehen da gewisse Vorgänge in seinem Leibe vor sich, und diese Vorgänge haben dasjenige zur Folge, was Denken, was Fühlen, was Wollen ist. Der Geistesforscher steht nicht auf dem Boden, diese Anschauung widerlegen zu wollen. Das ist eben das Eigentümliche, daß sein Verhältnis zu den anderen Wissenschaften nicht das des Widerlegens sein kann. Sondern er steht auf dem Boden, das alles zuzugeben: Ja, es ist ganz richtig, daß jeder Gedanke, der sich äußert, einem Gehirnvorgang entspricht. Da geht etwas vor im Gehirn!
[ 35 ] The materialist view holds that when one considers a human being as a physical being, certain processes take place within that body, and these processes result in what we call thinking, feeling, and willing. The researcher of the spirit does not set out to refute this view. That is precisely what is distinctive about this field: its relationship to the other sciences cannot be one of refutation. Rather, the researcher acknowledges all of this: Yes, it is entirely correct that every thought that is expressed corresponds to a process in the brain. Something is happening in the brain!
[ 36 ] Das wird das höchste Ideal der Naturwissenschaft sein, aufzuzeigen, welches der organische Vorgang des Denkens ist. Aber wie steht nun dieser organische Vorgang zu dem Denken? Ich kann es jetzt nur vergleichsweise ausdrücken, was aber ausführlich dargestellt werden könnte. Doch gerade durch einen Vergleich wird es recht gut verstanden werden können. Wenn der Mensch über eine Straße geht und die Straße etwas weichen Boden hat, so daß sich jeder Tritt einprägt, sind hinterher die Spuren zu sehen. Da könnte jemand kommen und sagen: Ja, da sind gewisse Ausprägungen in der Erde - ich untersuche jetzt in der Erde die Kräfte, die diese Ausprägungen vom Inneren der Erde heraus formen, die bewirkt haben, daß der Weg in solch einer Weise geformt worden ist. Jemand, der nur auf die Erde schaut und vergißt, daß ein Mensch darüber gegangen ist, könnte das glauben. Gerade so verfährt derjenige, der im Gehirn und in den wirklichen Prozessen, die sich darin abspielen, die das Denken begleiten, die Ursachen des Denkens sucht. So wenig wie die Formen der Tritte aus dem Innern der Erde heraus kommen, so wenig kommt dasjenige, was da im Gehirn zu finden ist, aus dem Innern des Menschen heraus, sondern es wird auf lebendig seelischem Wege hineingeprägt, gerade so wie die Tritte in den Boden. Und wie derjenige falsch denkt, der die Tritte aus den Kräften der Erde selber ableiten will und nicht aus dem Menschen, der sie hinein getreten hat, ebenso falsch denkt derjenige, der glaubt, aus den inneren Vorgängen des Nervensystems das ableiten zu können, was sich imVerlaufe des Denkens unter diesen Nervenvorgängen im Gehirn abspielt. Das sind die Spuren, die diese lebendige Seele einprägt. Diese lebendige Seele sieht man nicht darinnen, aber sie wirkt und west darinnen. Und sie kann nicht gefunden werden durch äußere Forschung, sondern ihre Wege, ihre Schicksale, ihr Leben können nur gefunden werden durch diejenigen Prozesse, die rein innere Seelenprozesse sind und von denen heute gesprochen worden ist als den Wegen, auf denen man findet Menschenseele und Menschengeist!
[ 36 ] The highest ideal of the natural sciences will be to demonstrate what the organic process of thought is. But how does this organic process relate to thought? I can only express this in comparative terms for now, though it could be explained in detail. Yet it is precisely through a comparison that it can be understood quite well. When a person walks along a road and the ground is somewhat soft, so that every step leaves an impression, the footprints can be seen afterward. Someone might come along and say: Yes, there are certain impressions in the earth—I will now investigate the forces within the earth that shape these impressions from the earth’s interior, which caused the path to be formed in this way. Someone who merely looks at the earth and forgets that a person has walked over it might believe that. This is precisely how someone proceeds who seeks the causes of thought in the brain and in the actual processes taking place within it that accompany thinking. Just as the shapes of the footprints do not come from within the Earth, so too does what is found in the brain not come from within the human being, but is imprinted there through a living, soul-related process, just as the footprints are imprinted in the ground. And just as the person who seeks to derive the footprints from the forces of the Earth itself—rather than from the human being who made them—is mistaken, so too is the person who believes they can deduce from the inner processes of the nervous system what takes place in the brain during the course of thinking amidst these neural processes. These are the traces imprinted by this living soul. This living soul cannot be seen within, but it is at work and present there. And it cannot be found through external research; rather, its paths, its destinies, and its life can only be discovered through those processes that are purely inner soul processes—the very processes discussed today as the paths along which one finds the human soul and the human spirit!
[ 37 ] Ich darf zum Schlusse in ein paar Worte paradigmatisch zusammenfassen, was ich auszusprechen versuchte als die Charakteristik des Menschengeistes, der vor allen Dingen wirksam ist, um aus der ganzen Welt herein die Kräfte zu tragen, aber nicht bloß Kräfte, wie die äußeren Naturkräfte, sondern solche, die jetzt wirklich Kräfte des inneren Menschen sind und innerlich durchgeistigen, was durch die Vererbungsströmung gegeben ist. In dem aber lebt und drückt sich aus — dadurch, daß es gefunden werden kann als ein innerlicher Zuschauer, oder vielleicht besser gesagt, als geistiger Zuhörer im Willen — das Seelische. So durchdringt den Menschen Seele und Geist. So sind Seele und Geist aber auch beteiligt an der Art, wie sich der Mensch nicht nur in die zeitlichen, sondern in die ewigen Welten hineinstellt. Und aus dem, was gesagt worden ist, geht hervor, daß der Geist hinaufführt zu jenen lichten Höhen, wo wir die Welt durchschauen und in ihrem Zusammenhange mit dem Menschen selber sehen können, wo die Seele den Menschen innerlich erstarkt, wo die Seele Quell ist dessen, was Menschenliebe ist, was Menschenerkenntnis ist. Geist ist etwas, was unter dem Symbol des Lichtes, aber eben des innerlichen Lichtes, angeschaut werden kann. Seele ist etwas, was unter dem Symbolum der inneren Wärme angeschaut werden kann, die sich ausbreitet über das ganze Leben und den Kreis erweitert, in dem die Seele lustvoll und leidvoll, schmerzvoll und freudig das Leben durcherleben kann. So daß sich ausdrücken läßt dasjenige, was Verhältnis zwischen Menschenseele und Menschengeist ist, und wiederum, was zusammen Menschenseele und Menschengeist im Menschen sind, im gesamten Menschen, der da besteht aus dem Leiblichen, das aber der Träger ist des innerlichen Menschen, der sich selber durchgeistigt und den Leibesmenschen durchseelt, und der das eigentliche Ewige in dem Zeitlichen ist, — so daß sich dieses Verhältnis ausdrücken läßt durch die Worte, mit denen ich diese Betrachtung abschließen will:
[ 37 ] In conclusion, I would like to summarize in a few words, in a paradigmatic way, what I have attempted to express as the characteristic of the human spirit, which is effective above all in bringing in from the whole world the forces—but not merely forces like the external forces of nature, but rather those that are truly forces of the inner human being and spiritually transform from within what is given through the stream of heredity. But it is in this—in that it can be found as an inner observer, or perhaps better said, as a spiritual listener within the will—that the soul lives and expresses itself. Thus, soul and spirit permeate the human being. Thus, soul and spirit are also involved in the way the human being positions themselves not only within the temporal worlds but also within the eternal worlds. And from what has been said, it follows that the spirit leads upward to those luminous heights where we can see through the world and perceive it in its connection with the human being itself, where the soul strengthens the human being inwardly, where the soul is the source of what human love is, of what human knowledge is. The spirit is something that can be perceived under the symbol of light—but specifically, inner light. The soul is something that can be perceived under the symbol of inner warmth, which spreads throughout one’s entire life and expands the circle within which the soul can experience life—with pleasure and sorrow, pain and joy. Thus, we can express the relationship between the human soul and the human spirit, and, in turn, what the human soul and human spirit together constitute within the human being—within the whole human being, who consists of the physical body, which is the bearer of the inner human being that spiritualizes itself and animates the physical body, and which is the truly eternal within the temporal, — so that this relationship can be expressed through the words with which I wish to conclude this reflection:
Wenn der Mensch, warm in Liebe,
Sich der Welt als Seele gibt,
Wenn der Mensch, licht im Sinnen,
Von der Welt den Geist erwirbt,
Wird in Geist-erhellter Seele,
Wird in Seele-getragenem Geist
Der Geistesmensch im Leibesmenschen
Sich wahrhaft offenbaren.
When a person, warmed by love,
Gives themselves to the world as a soul,
When a person, with a mind filled with light,
Gains the spirit from the world,
In the spirit-illuminated soul,
In the soul-sustained spirit
The spiritual human within the physical human
Will truly reveal himself.
