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The Eternal in the Human Soul
Immortality and Freedom
GA 67

7 March 1918, Berlin

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5. Die Natur und ihre Rätsel im Lichte der Geistesforschung

5. Nature and Its Mysteries in the Light of Spiritual Research

[ 1 ] Der amerikanische naturwissenschaftliche Schriftsteller Charles Snyder, der ein Buch geschrieben hat über das gegenwärtige naturwissenschaftliche Weltbild, das auch ins Deutsche übersetzt worden ist, spricht in fast spöttischer Weise über einen Vortrag, den der Entdeckergenosse Darwins, Russell Wallace, einmal gehalten hat. Wallace hat als Naturforscher — vielleicht besser gesagt, obwohl er Naturforscher war — den Ausspruch getan, daß nach seiner Anschauung das menschliche Leben, die unsterbliche Seele des Menschen nicht nur diejenige Bedeutung habe, die man beobachten kann hier im Leben zwischen Geburt und Tod, sondern daß sie sich erstrecke in ihrer unoffenbar übersinnlichen Wirkung über das ganze Weltall. Ein Mensch wie Charles Snyder kann sich von seinem mehr materialistisch gehaltenen Denken aus ja selbstverständlich in unserer Gegenwart über einen solchen Ausspruch nur fast spöttisch ausdrücken. Nun muß man, wenn man das kulturhistorisch Interessante an dieser Tatsache ins Auge fassen will, darauf hinweisen, daß Wallace, sogar etwas vor Darwin, zu den ja für das neunzehnte Jahrhundert Epoche machenden Entwickelungsgedanken mit Bezug auf die tierische und menschliche Welt gekommen ist, die dann eben durch Darwin populär geworden sind. Trotzdem gehört aber Wallace zu denjenigen, welche sich, obwohl sie im vollsten Sinne des Wortes auf dem naturwissenschaftlichen Boden der Entwickelungslehre stehen, zuletzt zu einer Anschauung heraufgearbeitet haben, die eben in einem solchen Ausspruch zutage tritt, wie der ist, daß die menschliche Seele, das ganze menschliche Leben eine Bedeutung habe für die ganze umfassende Welt.

[ 1 ] The American science writer Charles Snyder, who has written a book on the current scientific worldview—which has also been translated into German—speaks in an almost mocking tone about a lecture once given by Darwin’s fellow discoverer, Russell Wallace. As a naturalist—or perhaps more accurately, even though he was a naturalist—Wallace made the statement that, in his view, human life, the immortal soul of man, has not only the significance that can be observed here in life between birth and death, but that it extends, through its hidden, supernatural influence, throughout the entire universe. A person like Charles Snyder, with his more materialistic way of thinking, can of course only react to such a statement with something bordering on derision in our present day. Now, if one wishes to consider the cultural-historical significance of this fact, one must point out that Wallace—even somewhat before Darwin—had arrived at the evolutionary ideas regarding the animal and human worlds that defined the nineteenth century and which were subsequently popularized by Darwin. Nevertheless, Wallace belongs to those who, although they stand in the fullest sense of the word on the scientific ground of the theory of evolution, ultimately worked their way up to a view that is revealed precisely in a statement such as this: that the human soul, indeed the whole of human life, has significance for the entire, all-encompassing world.

[ 2 ] Allerdings hat Wallace versucht, eine Bestätigung für dasjenige, was da in seine Gedankenwelt als Überzeugung eingedrungen ist, durch jene experimentelle Methode zu finden, welche gewöhnlich Spiritismus genannt wird. Man kann nun sagen, dieses Streben von Wallace, in solcher äußeren Experimentierkunst eine Bestätigung zu finden für eine Wahrheit, die sich auf die geistige Welt bezieht, die aus der geistigen Welt gewonnen werden muß, sei ein Irrtum, denn in diesem Falle kommt die Frage in Betracht: Hat die äußere experimentelle Methode, das spiritistische Suchen, Wallace wirklich etwas bieten können für seine Überzeugung von der ewigen, universellen Bedeutung der menschlichen Seele? — Heute möchte ich über diese Frage nur so viel bemerken: Für den, der weltanschauungsgemäß, geistgemäß einen Einblick hat in das, was eigentlich bei einem Naturvorgang vorliegt, und welche Ergebnisse ein Experiment liefern kann, ist es klar, daß ein solch äußeres Experiment — wenn dabei auch allerlei, das einen an geistige Kundgebungen erinnert, zutage tritt — nicht mehr über die ewige Bedeutung einer Wesenheit liefern kann als irgendein anderes magnetisches, elektrisches oder sonstiges Experiment. Das was in der Sinneswelt zutage tritt, kann auch nur über die Sinneswelt Aufschluß geben. In dieser Bestrebung, durch solche Experimentiermethoden eine Bestätigung seiner Überzeugung zu finden, war Wallace gewiß im Irrtum. Aber seine Überzeugung konnte auch gar nicht durch eine solche äußere Beobachtung erzeugt und bekräftigt werden. Wer die menschliche Seele kennt, weiß, daß eine solche Überzeugung heraufdringen muß aus den Tiefen der menschlichen Seele selbst, daß der Vorgang, der sie zu einer solchen Überzeugung führt, ein durchaus geistiger sein muß und nichts mit äußeren Experimenten zu tun haben kann. Und so muß denn auch angenommen werden, daß Wallace, obwohl er gründlich auf naturwissenschaftlichem Boden feststand, eine aus dem Unbewußten, aus den Tiefen der Seele sich losarbeitende Erkenntnis aussprach, die sich auf diese ewige Bedeutung der Menschenseele bezog.

[ 2 ] However, Wallace attempted to find confirmation for what had taken root in his mind as a conviction through the experimental method commonly known as spiritualism. One might say that Wallace’s endeavor to find confirmation in such external experimentation for a truth pertaining to the spiritual world—a truth that must be derived from the spiritual world itself—is a mistake, for in this case the question arises: Has the external experimental method—the spiritualist quest—truly been able to offer Wallace anything to support his conviction regarding the eternal, universal significance of the human soul? — Today I would like to say only this much about this question: For those who, in accordance with their worldview and spiritual understanding, have insight into what actually occurs in a natural process and what results an experiment can yield, it is clear that such an external experiment—even if it reveals all sorts of phenomena reminiscent of spiritual manifestations—cannot provide any more insight into the eternal significance of a being than any other magnetic, electrical, or other experiment. What comes to light in the sensory world can provide insight only about the sensory world. In this endeavor to find confirmation of his conviction through such experimental methods, Wallace was certainly mistaken. But his conviction could not have been generated or reinforced by such external observation in the first place. Anyone who knows the human soul understands that such a conviction must well up from the depths of the human soul itself, that the process leading to such a conviction must be an entirely spiritual one and can have nothing to do with external experiments. And so it must be assumed that Wallace, although he stood firmly on scientific ground, expressed an insight that had emerged from the unconscious, from the depths of the soul, and that referred to this eternal significance of the human soul.

[ 3 ] Das hängt zusammen mit dem, was ich über Geistesforschung in den hier schon gehaltenen Vorträgen ausgeführt habe, und was ich jetzt von einem gewissen andern Gesichtspunkt aus kurz wiederholen möchte. Es hängt damit zusammen, daß in den Tiefen der Menschenseele in der Tat etwas ist, was man nicht nur im ideellen Sinne, sondern im geistig wirklichen Sinne einen zweiten Menschen nennen könnte, der eine geistige Wesenheit ist. Diese geistige Wesenheit tritt nicht in das gewöhnliche Bewußtsein, das wir zwischen Geburt und Tod haben, ein, schickt aber Kundgebungen, Offenbarungen herauf in dieses Bewußtsein, deren Ursprung sogar diesem gewöhnlichen Bewußtsein unbekannt sein kann. Man kann diese Offenbarungen Eingebungen nennen, die dann in einer solchen Überzeugung zutage treten, für die ein naturwissenschaftlicher Denker eben eine äußere, den naturwissenschaftlichen Forschungen ähnliche Bestätigung sucht. So ist denn eigentlich Wallace so recht ein Repräsentant für diejenigen naturwissenschaftlichen Geister der Gegenwart, die, gerade weil sie tieferen Einblick in das Wesen der Naturvorgänge und des Naturwerdens haben, in ihrer Seele gedrängt werden zu Überzeugungen über das geistige Leben, die aber nicht zu einer geisteswissenschaftlichen Methode selbst kommen können und daher eine Nachahmung, man könnte auch sagen Nachäffung der naturwissenschaftlichen Methode zur Bestätigung ihrer geistigen Überzeugung suchen.

[ 3 ] This is connected to what I have said about spiritual research in the lectures I have already given here, and which I would now like to briefly repeat from a somewhat different perspective. It is connected to the fact that in the depths of the human soul there is indeed something that could be called—not only in an ideal sense, but in a spiritually real sense—a second human being, who is a spiritual entity. This spiritual being does not enter into the ordinary consciousness we have between birth and death, but sends manifestations and revelations up into this consciousness, the origin of which may even be unknown to this ordinary consciousness. One can call these revelations “inspirations,” which then manifest in a conviction for which a scientific thinker seeks external confirmation similar to that provided by scientific research. Thus, Wallace is actually a representative of those scientific minds of the present who, precisely because they have a deeper insight into the nature of natural processes and the unfolding of nature, are impelled in their souls toward convictions about spiritual life; yet they cannot arrive at a spiritual-scientific method on their own and therefore seek an imitation— one might even say a mimicry of the scientific method to confirm their spiritual convictions.

[ 4 ] Nun wird es sich natürlich vor allen Dingen darum handeln, daß eine solche Behauptung, es ruhe in den Tiefen der Menschenseele etwas, was eben dem gewöhnlichen Bewußtsein durchaus unbewußt bleiben kann, eine Art zweiter Mensch, nicht in der Luft hängen bleibt. Die geisteswissenschaftliche Methode ist bestrebt, für diese Behauptung die Bewahrheitung zu finden. Ich habe in den früheren Vorträgen dieses Zyklus prinzipiell darauf hingewiesen, wie gewisse in der Seele des Menschen schlummernde Erkenntniskräfte, die im gewöhnlichen Bewußtsein nicht zutage treten, durch eine Erstarkung, Erkraftung dieses Seelenlebens, durch gewisse Übungen heraufgeholt werden können, so daß dem Menschen wirklich aufgeht, wie in seinem Wesen ein anderes Wesen ruht, das ebenso um sich eine geistige Welt schauen kann, wie der im physischen Menschenleib steckende Mensch durch seine Sinne die sinnlih-physische Welt schaut. Ich habe hier des öfteren ausgeführt, wie man dazu kommt, diese in der Seele schlummernden Kräfte heraufzuholen und zu wirklichen, bewußten Erkenntniskräften zu machen. Sie finden das näher geschildert in meinen Büchern «Die Geheimwissenschaft», «Vom Menschenrätsel» und besonders ausführlich in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»

[ 4 ] Now, of course, the primary concern will be to ensure that such a claim—that there lies in the depths of the human soul something that may well remain entirely unconscious to ordinary consciousness, a sort of second human being—does not remain merely a hollow assertion. The spiritual scientific method strives to find confirmation for this assertion. In earlier lectures of this series, I pointed out in principle how certain powers of cognition slumbering in the human soul—which do not come to light in ordinary consciousness—can be brought to the surface through a strengthening, and vitalization of this soul life, through certain exercises, so that it truly dawns on the human being how another being rests within his or her essence—a being that can perceive a spiritual world around itself just as the human being inhabiting the physical body perceives the sensory-physical world through his or her senses. I have often explained here how one can awaken these powers slumbering in the soul and transform them into genuine, conscious powers of knowledge. You will find a more detailed description of this in my books Occult Science, The Riddle of Man, and, in particular, in my treatise How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?

[ 5 ] Hier sei nur das Folgende darüber bemerkt: Derjenige, der sich bemüht — aber die Bemühung erfordert eine lange, energische, geduldige innere Arbeit der Seele -, den Willen in sein Vorstellungsleben einzuführen, so daß dieses Vorstellungsleben wirklich unter dem Einfluß des eigenen Willens, zunächst übungsgemäß, abläuft, der gelangt dazu, zunächst in dem Vorstellungsleben Geistiges zu entdecken. Man muß sagen, die richtige Methode der Meditation führt dazu, in dem gewöhnlichen Vorstellungsleben, das sonst nur eine seelische Betätigung ist, den Geist als solchen zu finden, so wie der Naturforscher in dem Hungergefühl dasjenige ausgedrückt findet, was im Leibe an chemischen oder physischen Vorgängen diesem Hunger zugrunde liegt. Meditieren heißt — wie gesagt, ich kann hier nur Prinzipielles anführen, sonst würde mich die Auseinandersetzung zu weit führen —, eine Vorstellung, die möglichst übersichtlich ist, so daß nichts Unterbewußtes, nichts von Reminiszenzen in sie hineinspielen kann, in der Seele ruhen lassen, so daß man die vorstellende Kraft, die Denkkraft als den Inhalt der Vorstellung entwickelt. Wenn man in einer solchen Tätigkeit immer wiederum verharrt, und gewissermaßen, wie man sonst sein Leibliches erfühlt, das Seelische erfühlt in dieser Betätigung des Meditierens, da offenbart sich nach und nach, wenn der eigene Wille so lange eingeführt worden ist in dieses willkürliche, meditative Vorstellen, bis die Kraft dieses Willens erstarkt ist, ein objektives Etwas, das nicht vom eigenen Willen abhängt. Der eigene Wille kann sich gewissermaßen von der Vorstellungsbetätigung zurückziehen, und man hat die Vorstellungstätigkeit so weit in das Bewußtsein hineingehoben, wie sie sonst nicht hineingehoben ist. Man hat dadurch den Weg zu dem Geist hin angetreten. Man kommt dadurch dazu, indem man das Vorstellen immer mehr und mehr losreißt vom Leiblichen, in dem Vorstellen das Hineinspielen des Geistes wirklich zu entdecken.

[ 5 ] Let us simply note the following here: Anyone who strives—though this effort requires long, energetic, and patient inner work of the soul—to introduce the will into their life of imagination, so that this life of imagination truly proceeds under the influence of their own will, initially through practice, will come to discover the spiritual in their life of imagination. It must be said that the correct method of meditation leads one to find the spirit as such within ordinary imaginative life—which is otherwise merely a mental activity—just as the natural scientist finds expressed in the sensation of hunger those chemical or physical processes in the body that underlie this hunger. To meditate means—as I said, I can only state general principles here, otherwise the discussion would take me too far afield—to allow a mental image that is as clear as possible, so that nothing subconscious, nothing from memories, can intrude upon it, to rest within the soul, so that one develops the power of imagination and the power of thought as the content of the mental image. If one persists in such an activity time and again, and—in a sense—perceives the soul just as one otherwise perceives one’s physical body in this act of meditation, then—once one’s own will has been introduced into this voluntary, meditative imagining for long enough that the power of this will has grown stronger—an objective something that does not depend on one’s own will gradually reveals itself. One’s own will can, so to speak, withdraw from the act of imagination, and one has raised the activity of imagination into consciousness to a degree that it is not otherwise raised. Through this, one has set out on the path toward the spirit. One arrives at this by increasingly detaching the act of imagination from the physical realm, thereby truly discovering the spirit’s influence within the act of imagination.

[ 6 ] Das ist zunächst nur einer der Wege, die der Geistesforscher zu gehen hat; andere sind ihm ähnlich. Worauf es ankommt, ist, daß die menschliche Seelentätigkeit so erstarkt wird, daß sie sich wirklich losreißt vom Leiblichen. Das muß erlebt werden und kann es gerade dadurch, daß es sich losreißt vom Leiblichen und durchdrungen wird vom Geistigen. Wenn man die Übungen durchmacht, die in einer solchen Erkraftung des Seelenlebens bestehen, dann kommt man nach und nach - es kann natürlich nur auf dem Boden der geisteswissenschaftlichen Methode erreicht werden — dazu, sich sagen zu können, was denn eigentlich das im seelischen Element des Menschen wirkende Geistige ist. Man macht die bedeutungsvolle, dem ganzen Leben eine neue Wendung gebende innerliche Entdeckung, die erschütternde Entdeckung — so schlicht sie sich erzählen läßt, sie ist, indem sie erlebt wird, erschütternd -, daß man mit seinem Denken, indem man es immer mehr als reines Denken ausbildet — nicht durch Anstrengung irgendwelcher leiblicher Funktionen -—, an einen Punkt kommt, wo man merkt: du kannst jetzt nicht mit deiner gewohnheitsmäßigen Denkmethode durchkommen. Es ist mit dem Denken gerade so, wie wenn man ein Gewicht daliegen hat und zunächst irrtümlich glaubt, man könne es aufheben, und nachher merkt, daß Hände und Arme zu schwach sind, um es aufzuheben. Außerlich zeigt sich da, daß zu dem Tatbestand, der eintreten soll, das physische Organ zu schwach ist. Ein ganz Ähnliches, ins Geistig-Seelische übertragen, kann dem Geistesforscher begegnen, wenn er das Denken durch Meditieren so weit gebracht hat, daß es geistdurchdrungen ist. Er fühlt dann, er kann nicht weiter, er fühlt, das Werkzeug des Gehirns ist nicht so weit, um einen Gedanken, den er jetzt fassen will, der eben geistdurchdrungen ist, wirklich zu erfassen. Man muß einmal den Widerstand erlebt haben, den einem das Gehirn beziehungsweise die Leiblichkeit überhaupt bieten kann, um auf der einen Seite die Abhängigkeit des gewöhnlichen Bewußtseins von dieser Leiblichkeit richtig zu würdigen, und auf der andern Seite einmal zu erfahren, daß die Leiblichkeit auch zu schwach sein kann, um einen Gedanken, der im Geiste erfaßt ist, durchzuhalten. Wenn man eine solche Erfahrung macht: Die Leiblichkeit kann zu schwach sein, der Gedanke kann zu stark sein —, so weiß man, daß es ein unmittelbar erlebbares, anschaubares Geistiges gibt, das unabhängig vom Leibe ist, in das man sich durch entsprechende Methoden hineinversetzen kann. Man kommt in der Tat nach und nach zur unmittelbaren Anschauung einer geistigen Welt dadurch, daß man — es muß das immer wieder gesagt werden, obwohl es für die heutige Welt ein Paradox ist — mit seiner seelischen Betätigung außerhalb des physischen Leibes sich befindet. Man lernt da erkennen, was es heißt, vom Geiste so erfüllt sein, wie man sonst im gewöhnlichen Vorstellen von leiblicher Betätigung erfüllt ist. Man lernt unterscheiden das auf den Leib Gestütztsein des seelischen Lebens von dem auf den Geist Gestütztsein des seelischen Lebens.

[ 6 ] This is, at first, only one of the paths the spiritual researcher must take; others are similar. What matters is that the activity of the human soul be strengthened to such an extent that it truly breaks free from the physical. This must be experienced, and it can be experienced precisely because it breaks away from the physical and becomes permeated by the spiritual. When one undergoes the exercises that consist in such a strengthening of the soul life, one gradually—and this, of course, can only be achieved on the basis of the spiritual-scientific method—comes to be able to say what, in fact, the spiritual is that acts within the human soul. One makes the profound inner discovery—one that gives a new direction to one’s entire life—the shattering discovery—as simple as it may sound when recounted, it is, when experienced, shattering—that by developing one’s thinking more and more as pure thinking—not through the exertion of any physical functions—one reaches a point where one realizes: you can no longer get by with your habitual method of thinking. Thinking is just like having a weight lying there and at first mistakenly believing you can lift it, only to realize afterward that your hands and arms are too weak to lift it. Externally, it becomes apparent that the physical organ is too weak for the task at hand. Something quite similar, transposed into the spiritual-psychic realm, can occur to the spiritual researcher when he has developed his thinking through meditation to the point where it is imbued with the spirit. He then feels he cannot go any further; he feels that the instrument of the brain is not yet ready to truly grasp a thought—one that is imbued with the spirit—which he now wishes to grasp. One must have experienced the resistance that the brain—or physicality in general—can offer in order, on the one hand, to properly appreciate the dependence of ordinary consciousness on this physicality, and on the other hand, to realize that physicality can also be too weak to sustain a thought that has been grasped in the spirit. When one has such an experience—that physicality can be too weak and the thought too strong—one knows that there is a spiritual realm that can be directly experienced and perceived, one that is independent of the body, and into which one can enter through appropriate methods. In fact, one gradually comes to a direct perception of a spiritual world by—and this must be said again and again, even though it is a paradox for today’s world—placing one’s soul activity outside the physical body. There one learns to recognize what it means to be filled with the spirit in the same way that one is otherwise filled with the ordinary conception of physical activity. One learns to distinguish between the soul life supported by the body and the soul life supported by the spirit.

[ 7 ] Man kommt dann dazu, einzusehen, wie der Mensch eigentlich durch naturwissenschaftliche Anschauungen in den Materialismus verfallen kann. Denn das muß schon gesagt werden: Auf dem Weg zum Geiste hin liegt für den Geistesforscher, wenn er nicht denkerischen Mut genug hat, um gerade durch diese Bestrebungen zum Geiste hinzukommen, durchaus die Möglichkeit, beim Materialismus stehenzubleiben, weil er dabei die Erfahrung macht, wie er mit dem gewöhnlichen Bewußtsein vom Leibe abhängig ist. Ist er dann nicht imstande, zum wirklichen Anschauen eines übersinnlichen Bewußtseinswesens zu kommen, lehnt er dieses ab, dann wird ihn gerade der Weg zum Geistigen hin in die Gefahr bringen, in den Materialismus einzulaufen. Derjenige, der niemals so richtig gespürt hat, wie groß, wie ungeheuer groß die Versuchung und Verlockung ist, in den Materialismus zu verfallen, der steht auch nicht mit der vollen Energie in der geistigen Welt darinnen. Denn man muß auf der einen Seite wissen, daß dieses Bewußtsein, das uns zwischen Geburt und Tod begleitet, zwar in seiner Urkraft eine seelische Betätigung ist, daß es aber in jedem kleinsten Teile seiner Betätigung des äußeren, physisch-leiblichen Organes bedarf, und daß man nur zum Zwecke der Geistesforschung sich von diesem Gebundensein an das Physisch-Leibliche loslösen kann. Da entdeckt man dann - man muß den Ausdruck nicht mißverstehen, er soll keine Wertung ausdrücken, sondern nur eine Angabe sein —, wie in diesem Menschen, der zwischen Geburt und Tod lebt, wirklich ein höherer, geistig-seelischer Mensch lebt, der durch Geburten und Tode geht. Man lernt diesen geistig-seelischen Menschen kennen, wie er, wenn er selbst Bewußtsein entwickelt, in einem objektiven Gedankengewebe lebt.

[ 7 ] One then comes to realize how human beings can actually fall into materialism through scientific views. For this must be said: On the path toward the spiritual, the spiritual researcher—if he lacks the intellectual courage to reach the spiritual precisely through these efforts—has every possibility of remaining stuck in materialism, because in the process he experiences how his ordinary consciousness is dependent on the body. If he is then unable to attain a true perception of a supersensible being of consciousness, and if he rejects this, then the very path toward the spiritual will put him in danger of falling into materialism. Anyone who has never truly sensed how great—how immensely great—the temptation and allure to fall into materialism is, does not stand fully engaged in the spiritual world. For one must realize, on the one hand, that this consciousness, which accompanies us between birth and death, is indeed, in its primal power, a soul activity; yet in every minute aspect of its activity, it requires the outer, physical-bodily organ, and that one can detach oneself from this bond to the physical-bodily realm only for the purpose of spiritual research. There one then discovers—and one must not misunderstand the expression; it is not meant to express a judgment, but merely to state a fact—how, within this human being who lives between birth and death, there truly lives a higher, spiritual-soul human being who passes through births and deaths. One comes to know this spiritual-soul being, and how, when it develops its own consciousness, it lives within an objective fabric of thought.

[ 8 ] Die Erfahrung, die sich da ergibt, kann man durch einen Vergleich so ausdrücken: Man lernt erkennen, daß diese gewöhnliche Welt, die wir durch unsere physischen Augen sehen, durch unsere physischen Ohren hören, etwa wie die Welt ist, die wir gewahr werden, wenn wir, sagen wir, am Ufer des Meeres stehen. Und wie wenn wir uns in das Meer stürzen, um in das Meer selbst untergetaucht zu schwimmen, so kommen wir aus der sinnlich-physischen Welt in eine Welt des objektiven Gedankenlebens. Das muß eine Erfahrung und kann eine Erfahrung werden. Man lernt erkennen, was objektives Gedankenleben ist. Allerdings tritt dann nicht die Unbestimmtheit ein gegenüber der mannigfachen Welt, die eintritt, wenn man sich in das Meer stürzt und darinnen untergetaucht schwimmt, sondern man lernt eine zweite, geistige Welt erkennen, innerhalb welcher der Mensch als geistig-seelisches Wesen so lebt, wie er in der physisch-sinnlichen Mannigfaltigkeit als physisch-seelisches Wesen lebt. Gewisse Vorstellungen, an die sich sonst die Naturwissenschaft nur hypothetisch heranmachen kann, sie gewinnen eine durchaus reale Bedeutung. Gewisse Rätsel in der Natur treten in einer neuen Form an die Menschenseele heran.

[ 8 ] The experience that arises here can be expressed through a comparison: One comes to recognize that this ordinary world, which we see with our physical eyes and hear with our physical ears, is much like the world we perceive when we stand, say, on the shore of the sea. And just as when we plunge into the sea to swim underwater, we emerge from the sensory-physical world into a world of objective thought life. This must be an experience and can become an experience. One learns to recognize what objective thought life is. However, this does not lead to the same sense of uncertainty regarding the manifold world that arises when one plunges into the sea and swims submerged within it; rather, one learns to recognize a second, spiritual world, within which the human being, as a spiritual-soul being, lives just as he lives in the physical-sensory manifold as a physical-soul being. Certain concepts, which natural science can otherwise approach only hypothetically, take on a thoroughly real significance. Certain mysteries of nature approach the human soul in a new form.

[ 9 ] Ich werde hier zunächst nur auf das eine Rätsel in der Natur hinweisen, das den Naturforschern so viel Kopfzerbrechen gemacht hat, weil sie sich ihm nur von der Außenseite her nähern, weil sie es nur auf der Grundlage desjenigen betrachten wollen, was die äußeren Naturtatsachen geben. Ich meine das, was in der Naturwissenschaft der Äther genannt wird, dasjenige, was von den Naturforschern gesucht wird als der äußeren, groben materiellen Welt zugrunde liegend, als ein feineres Element des Naturdaseins. Es ist merkwürdig, wie gerade auf solchen Gebieten die ernst zu nehmenden Naturforscher sich der Geisteswissenschaft von der anderen Seite her nähern. Hat man doch in der neueren Zeit von einem sehr bedeutenden Physiker gehört: Wenn man schon dem Äther Eigenschaften zuschreiben will, so dürfen es jedenfalls keine materiellen sein. Das sagt heute schon ein Physiker, das heißt, er versetzt den Äther schon in jene Welt, in der nicht-materielles Dasein zu finden ist. Aber für den Physiker wie für den Naturforscher überhaupt muß dieser Äther Hypothese bleiben. Er kann ihn erschließen aus den anderen Naturvorgängen und Wesensoffenbarungen. Wenn der Mensch als Geistesforscher seine Seele so behandelt, wie ich es angedeutet habe, so kommt er allerdings dazu, zunächst das Wesen des Äthers in sich selbst wahrzunehmen und gewahr zu werden, wie diesem physischen Leibe — ich muß schon, da ich nicht im Unbestimmten, im rein Theoretischen herumreden möchte, auf dieses für die heutige Welt noch Paradoxe eingehen — ein Ätherleib, ein übersinnlicher Leib zugrunde liegt. Zu diesem übersinnlichen Leib hat dasjenige, was durch wahre Selbstbeobachtung, durch das Sichwissen im Gedankenweben auftritt, unmittelbar eine Beziehung. Das seelische Erleben ist wesentlich ein Zusammenwirken derjenigen menschlichen Wesenheit, die sich aus dem Leib herauszieht und in dem webenden Gedankenmeere leben kann, mit dem Ätherischen. Und erst auf dem Umwege über das Ätherische, indem das Ätherische wieder auf den physischen Leib wirkt, wirkt auch die Seele auf den physischen Leib. So entdeckt man auf der einen Seite, daß dieser Ätherleib ich habe ihn in der Zeitschrift «Das Reich» auch BildekräfteLeib genannt - dem physischen Leib des Menschen zugrunde liegt, und ein wesentliches Element desjenigen ist, was ich vorher den höheren Menschen genannt habe. Auf der andern Seite: Indem man sein Seelenvermögen so erstarkt hat, daß man diesen Ätherleib anschaulich wahrnehmen kann, lernt man dadurch die verfeinerte Gestalt des menschlichen Wesens im Ätherischen kennen und erfährt auch, daß der Mensch seelisch reicher ist als was in demjenigen enthalten ist, was er in seinem gewöhnlichen, alltäglichen Selbstbewußtsein erlebt. Dieses alltägliche Bewußtsein ist an den Leib gebunden, zeigt daher nur einen Ausschnitt aus der allgemeinen Geistigkeit. In diese allgemeine Geistigkeit taucht man unter wie in ein Gedankenmeer, und so erlebt man das, was geistig zunächst dem Menschenleib zugrunde liegt. Aber dadurch, daß man aus diesem menschlichen Leib herausgetreten ist, lernt man auch dasjenige erkennen, was geistig zugrunde liegt dem, was man auch sonst in der physisch-sinnlichen Umgebung vorfindet.

[ 9 ] I will begin here by pointing out just one mystery in nature that has caused natural scientists so much of a headache, because they approach it only from the outside, because they want to consider it solely on the basis of what the external facts of nature reveal. I am referring to what is called “ether” in the natural sciences—that which natural scientists seek as the foundation underlying the external, coarse material world, as a finer element of natural existence. It is remarkable how, precisely in such fields, serious natural scientists approach spiritual science from the other side. After all, a very eminent physicist has recently been heard to say: “If one wishes to ascribe properties to the ether, they must certainly not be material ones.” A physicist is already saying this today; that is, he is already placing the ether in that world where non-material existence is to be found. But for the physicist, as for the natural scientist in general, this ether must remain a hypothesis. He can deduce it from other natural processes and manifestations of being. When a person, as a spiritual researcher, treats his soul as I have indicated, he will indeed come to perceive, first of all, the nature of the ether within himself and to become aware of how this physical body—I must, since I do not wish to speak in vague or purely theoretical terms, address this paradox, which is still a paradox for the modern world—is underpinned by an etheric body, a supersensible body. That which arises through true self-observation—through self-awareness in the weaving of thought—has a direct relationship to this supersensible body. Soul experience is essentially an interaction between that human being—which withdraws from the physical body and can live in the weaving sea of thought—and the etheric. And it is only indirectly through the etheric—as the etheric in turn acts upon the physical body—that the soul also acts upon the physical body. Thus, on the one hand, we discover that this etheric body—which I have also called the “body of formative forces” in the journal Das Reich—underlies the human physical body and is an essential element of what I previously called the “higher human being.” On the other hand: By strengthening one’s soul faculties to the point where one can perceive this etheric body vividly, one thereby comes to know the refined form of the human being in the etheric realm and also experiences that the human being is spiritually richer than what is contained in what they experience in their ordinary, everyday self-consciousness. This everyday consciousness is bound to the body and therefore reveals only a fragment of the general spiritual realm. One plunges into this general spiritual realm as if into a sea of thought, and in this way one experiences what, spiritually speaking, underlies the human body. But by stepping out of this human body, one also learns to recognize what lies spiritually at the foundation of everything else one encounters in the physical-sensory environment.

[ 10 ] Jetzt, wenn man zu dieser Erkenntnis vorgedrungen ist, stellt sich wie etwas erfahrungsgemäß Auftretendes das ein, daß man in dem Suchen nach den verborgenen Wesenheiten der Natur, so wie es zunächst in der Naturforschung selbst auftritt, keinen rechten Sinn finden kann, daß man für dieses Forschen einen anderen Sinn suchen muß. Wenn man dieses Forschen des gewöhnlichen Naturforschers nach den Rätseln der Natur ins Auge faßt, so findet man eigentlich immer, daß er so forscht, als ob er vor sich dasjenige ausgebreitet hätte, was die Naturbeobachtung ergibt, und dann, durchdringend dieses Netz, das ihm die Naturbeobachtung darbietet, hinter diesem Netz irgend etwas finden wolle, was wesenhaft zugrunde liegt dem äußerlich Beobachteten, sei in mehr philosophischem Sinne an das «Ding an sich» gedacht, sei es die wirkende Atomwelt genannt. Immer wird vorausgesetzt, wenn man über die bloß sinnlichen Tatsachen hinausgeht, daß man gewissermaßen dieses Gewebe der sinnlichen Tatsachen durchdringen kann, daß hinter diesem Gewebe etwas liegen müsse, das irgend ein «Ding an sich» sei, in das man deshalb nicht eindringen könne, weil vor einem die Welt der sinnlichen Beobachtung ausgespannt ist. Dem Geistesforscher, der durch unmittelbares Schauen kennengelernt hat, was Geist ist, dem scheint ein solches Bestreben, hinter der sinnlichen Beobachtung ein «Ding an sich», eine Atomwelt oder dergleichen zu finden, so, wie wenn jemand in einen Spiegel hineinschauen würde, in diesem Spiegel sein Bild und das Bild der umliegenden Gegenstände sieht, und nun, um zu finden, woher dieses Bild rührt, den Spiegel durchstößt. Er wird sich überzeugen, hinter dem Spiegel ist gar nichts, was irgendwie Veranlassung geben könnte zu dem, was ihm aus dem Spiegel entgegentritt. Lernt man den Geist wirklich kennen, so macht man die Entdeckung: Auf diese Weise, durch das Eindringen hinter die Sinneswelt, kommt man zu nichts, weder zu einer Atomwelt, noch zu einem «Ding an sich». Will man die Ursache suchen für das, was da im Spiegel erscheint, so muß man vor dem Spiegel suchen, man muß es suchen in dem Zusammenleben mit der Welt. Man muß lebendig eindringen in die Welt, mit der man zusammenlebt vor dem Spiegel. So ist es mit den Rätseln der Natur, so ist es mit dem, was man Unoffenbares im Naturdasein nennen könnte. Lernt man auf die geschilderte Weise kennen, wie man in der geistigen Welt darinnen steht, so weiß man: Was man erkennt als den Geist, der die eigene Geistseele trägt und fortentwickelt, was man überhaupt erkennen lernt als den Geist, in dem man lebt und webt, das ist auch die Ursache der Naturerscheinungen, und nur die äußere menschliche Organisation ist schuld daran, daß wir diese Naturerscheinungen wie ein Spiegelbild um uns herum ausgebreitet sehen, daß diese Naturerscheinungen festgehalten werden in diesem sinnlich-physisch ausgebreiteten Beobachtungsteppich. So kommt die Geistesforschung dazu, wenn sie überhaupt von einem Wesenhaften hinter den Naturerscheinungen sprechen will, vom Geist zu sprechen, den sie kennenlernt als dasjenige, in das die Seele eintritt, wenn sie sich selbst vom Leibe freimacht und ihr eigenes ewiges Wesen in der geistigen Welt kennenlernt.

[ 10 ] Now that one has arrived at this insight, it becomes apparent—as a matter of experience—that one cannot find any real meaning in the search for the hidden essences of nature, as it initially appears in natural science itself; rather, one must seek a different purpose for this research. When one considers the ordinary naturalist’s investigation into the mysteries of nature, one actually always finds that he conducts his research as if he had spread out before him the results of natural observation, and then, by penetrating this web presented to him by natural observation, he wishes to find behind it something that essentially underlies what is observed externally—whether this is conceived in a more philosophical sense as the “thing-in-itself” or referred to as the active atomic world. Whenever one goes beyond mere sensory facts, it is always assumed that one can, as it were, penetrate this web of sensory facts, and that behind this web there must lie something that is some kind of “thing-in-itself,” into which one cannot penetrate precisely because the world of sensory observation is spread out before one. To the researcher of the spirit, who has come to know what spirit is through direct perception, such an endeavor—to find a “thing-in-itself,” an atomic world, or the like—be like someone looking into a mirror, seeing their own image and the images of surrounding objects in that mirror, and then, in order to find the source of these images, piercing right through the mirror. They will discover that behind the mirror there is absolutely nothing that could in any way account for what they perceive in the mirror. If one truly comes to know the spirit, one makes the discovery: In this way, by penetrating behind the sensory world, one arrives at nothing—neither an atomic world nor a “thing-in-itself.” If one wishes to seek the cause of what appears in the mirror, one must seek it in front of the mirror; one must seek it in one’s coexistence with the world. One must penetrate vividly into the world with which one lives in harmony before the mirror. So it is with the mysteries of nature; so it is with what one might call the “unrevealed” in natural existence. If one comes to know, in the manner described, how one stands within the spiritual world, then one knows: What one recognizes as the Spirit that bears and further develops one’s own spiritual soul—what one learns to recognize at all as the Spirit in which one lives and weaves—that is also the cause of natural phenomena, and it is solely the outer human constitution that is responsible for the fact that we see these natural phenomena spread out around us like a mirror image, that these natural phenomena are held fast within this sensually and physically spread-out tapestry of observation. Thus, when spiritual science wishes to speak of an essential reality behind natural phenomena—if it wishes to speak of such a reality at all—it comes to speak of the Spirit, which it comes to know as that into which the soul enters when it frees itself from the body and comes to know its own eternal being in the spiritual world.

[ 11 ] Es ist von großer Bedeutung, sich nicht von naturwissenschaftlichen Vorurteilen abhalten zu lassen, hinzublicken auf das Verhältnis, das sich dem geistig Beobachtenden in der geschilderten Weise ergibt. Es ist ja dasjenige, was sich so ergibt, nur heraufgeholt aus der Seele selbst, indem sich die Seele in die geistige Welt einsenkt. Was aus der Seele selbst heraufgeholt werden kann, das kann auch verdunkelt, das kann auch abgelehnt werden, wenn diese Seele Vorurteile in sich trägt. Was seelisches Eigentum werden soll, kann der Seele genommen werden, indem Vorurteile den freien Blick auf die geistige Umwelt trüben. Daß jemand dazu kommt, solches überhaupt zuzugeben, das hängt davon ab, ob er in seiner Seele nicht entgegengesetzte naturwissenschaftliche Vorurteile groß werden läßt. Wer so denkt, daß unsere physisch-sinnliche Welt, aus der wir als physisch-sinnliche Wesen stammen, und in der wir uns entwickeln, der Erzeuger ist für das gewöhnliche Bewußtsein — was wahr ist und was auch die Geistesforschung erhärtet —, und wer dann diese physisch-sinnliche Welt etwa zurückführt in Kant-Laplacescher Weise auf einen bloßen Urnebel, der durch seine anorganische, rein physikalische Wirksamkeit und Fortentwickelung auch das Lebendige, und in der Entwickelung des Lebendigen zuletzt den Menschen hervorgebracht hat, und wer dann weiter allerlei Hypothesen aufstellt über einen Endzustand, der in der Entwickelung der Erde eintreten werde, wenn sich die Erde etwa auf minus 200 Grad Celsius abgekühlt hat, — wer so durch naturwissenschaftliche Spekulationen das Unlebendige an den Anfang und an das Ende stellt, und dann mit Recht davon überzeugt ist, daß aus diesem naturwissenschaftlich Gegebenen das gewöhnliche Bewußtsein aufsteigt, für den kann dieses spekulative naturwissenschaftliche Weltbild zu einer solchen Suggestion, zu einem solchen Vorurteil werden, daß es ihm vollständig die Möglichkeit nimmt, wenn er noch ein ehrlicher Mensch bleiben will, zum Geiste fortzuschreiten. Vielleicht gerade aus dem Grunde, weil das naturwissenschaftliche Weltbild im Laufe der letzten Jahrhunderte, insbesondere des allerletzten Jahrhunderts, so suggestiv auf die Menschheit gewirkt hat, weil es so suggestiv in die menschliche Bildung eingegangen ist, ist so wenig Neigung in der Menschheit vorhanden, zu irgendeiner Geistanschauung hin zu wollen. Aus dem, was ich dargestellt habe, sehen Sie in der Tat, daß man zum Wesen der Natur nur dann vordringen kann, wenn man zum Geiste vordringt; denn man findet ihn dann auch als das Wesenhafte in der Natur selber. Aber, und das ist das Bedeutungsvolle — denn Geisteswissenschaft ist nicht abstrakt wie bloße Philosophie, sondern eine ganz konkrete Forschung, die im anschaulichen Geiste vor sich geht —, man findet nicht nur im allgemeinen, daß der Geist den Naturerscheinungen zugrunde liegt, sondern man findet das im einzelnen. Dadurch ist Geistesforschung auch nicht in einem leicht überschaubaren Weltbilde darzustellen, sondern sie ist stufenweise, langsam und allmählich, darzustellen, wie irgendeine andere Wissenschaft.

[ 11 ] It is of great importance not to allow oneself to be deterred by scientific prejudices, but to look upon the relationship that presents itself to the spiritually observing mind in the manner described. For it is precisely what emerges in this way—drawn up from the soul itself as the soul sinks into the spiritual world. What can be drawn up from the soul itself can also be obscured or rejected if that soul harbors prejudices. What is meant to become the soul’s own can be taken away from the soul when prejudices cloud the free view of the spiritual environment. Whether someone comes to admit this at all depends on whether they allow opposing scientific prejudices to take root in their soul. Anyone who thinks that our physical-sensory world—from which we, as physical-sensory beings, originate and in which we develop—is the source of ordinary consciousness—which is true and is also corroborated by spiritual research— and who then traces this physical-sensory world back—in the Kant-Laplacean manner—to a mere primordial nebula, which, through its inorganic, purely physical activity and ongoing development, also gave rise to life, and ultimately to human beings in the course of life’s evolution, and whoever then goes on to formulate all manner of hypotheses about a final state that will occur in the Earth’s evolution once the Earth has cooled to, say, minus 200 degrees Celsius—who, through scientific speculation, places the inanimate at the beginning and at the end, and is then justifiably convinced that ordinary consciousness arises from these scientific givens—for such a person, this speculative scientific worldview can become such a suggestion, such a prejudice, that it completely robs him of the possibility, if he wishes to remain an honest human being, of advancing toward the spiritual. Perhaps precisely because the scientific worldview has had such a suggestive effect on humanity over the course of the last few centuries—especially the very last century—and because it has become so deeply ingrained in human education, there is so little inclination among people to strive toward any spiritual perspective. From what I have described, you can indeed see that one can only penetrate to the essence of nature by penetrating to the spirit; for then one finds the spirit as the essential element within nature itself. But—and this is the significant point—since spiritual science is not abstract like mere philosophy, but rather a very concrete investigation that takes place in the intuitive spirit— one finds not only in general that the spirit underlies natural phenomena, but one finds this in the particular as well. Consequently, spiritual research cannot be presented within an easily comprehensible worldview, but must be presented step by step, slowly and gradually, just like any other science.

[ 12 ] Lernt man wirklich anschauen diesen ätherischen Teil des Menschen, der eingegliedert ist dem physisch-sinnlichen Leib, dann ist dieser ätherische Mensch ganz anderer Art. Er ist zwar übersinnlich, er ist dem Seelischen ähnlich, er steht zwischen Materiellem und Seelischem, aber er ist nicht so differenziert, nicht so im einzelnen ausgebildet wie der physische Leib. Der physische Leib hat aus sich herausgegliedert Augen, durch die wir nur sehen können, Ohren, durch die wir nur hören können, einen Wärmesinn, durch den wir nur Wärme erleben können, und so weiter. Der ätherische Leib des Menschen ist nicht in dieser Weise gegliedert, sondern indem er der ätherischen Welt gegenübertritt, formt er sich, gestaltet er sich, angeregt durch dasjenige, dem er gegenübertritt, so, daß die geistigen Augen, die geistigen Ohren erst in dem Augenblick erzeugt werden, wo irgend etwas auf irgendeine Art in der geistigen Welt wahrgenommen werden soll. So entdeckt man eine ganz andere innere Beweglichkeit, eine innere Bildefähigkeit dieses Bildekräfteleibes. Man entdeckt vor allen Dingen: Während die physisch-sinnliche Welt abhängig ist von der physischen Erdumgebung, während man sie im Sinne der physischen Wissenschaft durch diese Abhängigkeit von der physischen Erdumgebung erklären kann, ist der Bildekräfteleib nicht abhängig von dieser unmittelbaren physischen Umgebung. Man kommt allmählich darauf: Dieser menschliche Ätherleib ist eigentlich von dem ganzen Universum abhängig, so abhängig, daß für ihn die vertikale oder horizontale Richtung etwas bedeutet, daß es für ihn etwas bedeutet, ob er innerhalb der Lichtmasse ist, die von der Sonne ausgeht, oder unter dem Einflusse der Schwere-Masse der Erde, wenn er sich in der Dunkelheit befindet, und so weiter. Man merkt, dieser Ätherleib steht auf einer Stufe, auf der er noch abhängiger ist von dem gesamten Kosmos, während der physische Menschenleib diese Entwickelungsstufe schon hinter sich hat und nunmehr unmittelbar abhängig geworden ist von der Erde. Es ist eine viel, ich möchte sagen, idealere Abhängigkeit von einem umfassenderen Ganzen, was diesem Bildekräfte-Leib eignet, als dasjenige ist, was dem physisch-sinnlichen Leib eignet. So entdeckt man die merkwürdige Wahrheit, daß der Mensch in dem, was er innerlich ist, zwar ein übersinnliches, geistiges Wesen ist, das sich sein Abbild schaff: hier im physischen Menschenleib, daß aber dieses Übersinnliche, obzwar es übersinnlich ist, in gewisser Beziehung höher steht als das Physisch-Sinnliche, sich noch auf einer früheren Entwickelungsstufe befindet.

[ 12 ] If one truly learns to observe this etheric aspect of the human being, which is integrated into the physical-sensory body, then this etheric human being is of an entirely different nature. It is indeed supersensible; it is similar to the soul; it stands between the material and the soul, but it is not as differentiated, not as finely developed in its details as the physical body. The physical body has, as part of its own structure, eyes through which we can only see, ears through which we can only hear, a sense of warmth through which we can only experience warmth, and so on. The human etheric body is not structured in this way; rather, as it encounters the etheric world, it takes shape and forms itself—stimulated by that which it encounters—in such a way that the spiritual eyes and spiritual ears are only generated at the very moment when something is to be perceived in any way in the spiritual world. Thus one discovers a completely different inner mobility, an inner capacity for forming images in this body of formative forces. Above all, one discovers this: While the physical-sensory world is dependent on the physical earthly environment—and while, in the sense of physical science, it can be explained through this dependence on the physical earthly environment—the body of formative forces is not dependent on this immediate physical environment. One gradually comes to realize: This human etheric body is actually dependent on the entire universe—so dependent, in fact, that the vertical or horizontal direction matters to it; that it matters to it whether it is within the light mass emanating from the sun or under the influence of the Earth’s gravitational mass when it is in darkness, and so on. One realizes that this etheric body exists on a level where it is even more dependent on the entire cosmos, whereas the physical human body has already left this stage of development behind and has now become directly dependent on the Earth. It is a much—I would say—more ideal dependence on a more comprehensive whole that characterizes this body of formative forces than that which characterizes the physical-sensory body. Thus one discovers the remarkable truth that, in what he is inwardly, the human being is indeed a supersensible, spiritual being who creates his own image—here in the physical human body—but that this supersensible aspect, even though it is supersensible, is in a certain sense higher than the physical-sensory aspect, yet remains at an earlier stage of development.

[ 13 ] Das ist etwas, was sich unmittelbar ergibt, daß sich der Mensch als Geistesforscher sagt: In dir lebt etwas, was zwar höher steht als die ganze äußere Natur, weil es eben geistig-seelisch ist, aber als Geistig-Seelisches ist es unvollkommener als das äußere Physische, als Geistig-Seelisches wird es erst auf einer späteren Entwickelungsstufe so differenziert, so ausgestaltet, wie das Sinnlich-Physische des Menschen jetzt schon ausgestaltet ist.

[ 13 ] This is something that becomes immediately apparent when a person, as a researcher of the spirit, says to themselves: There is something living within you that, while it stands higher than all of external nature—precisely because it is spiritual-soul—is, as a spiritual-soul entity, more imperfect than the external physical realm; as a spiritual-soul entity, it will only become as differentiated and fully developed at a later stage of evolution as the human being’s sensory-physical nature already is today.

[ 14 ] Will man daher das Geistig-Seelische in einem Abbild im physischen Leben finden, so muß man es in der Welt der niederen Organismen suchen. Die niederen Formen der Organismen treten einem so entgegen, daß man sich sagt, sie bilden materiell dasjenige aus, was der Mensch auf einer höheren Stufe geistig-seelisch ausbildet. Sie sehen, die Dinge sind nicht so einfach, wie sie von der darwinistisch gefärbten naturwissenschaftlichen Anschauung hingestellt werden. Diese innere Beweglichkeit und Bestimmtheit der Bildekräfte des Ätherleibes, durch die er bald der vertikalen Richtung folgt, dahin seine Organe dirigiert, bald der horizontalen Richtung folgt, dahin seine Organe dirigiert, bald dem Lichte folgt, bald der Schwere folgt, und dahin seine Organe dirigiert, und so weiter, diese innere Charakteristik des Ätherleibes, die man wahrhaftig nicht durch Spekulation entdeckt, sondern durch geistige Anschauung, die man haben muß, bevor man irgendwie in der äußeren Natur ein Gegenbild finden kann, die hat nichts zu tun mit der Spekulation über das äußere Naturdasein. Man müßte nun, nachdem man sich überzeugt hat, daß dieser übersinnliche Leib des Menschen die Eigenschaften hat, die ich eben geschildert habe, behaupten, gerade bei niederen Lebewesen müßte sich etwas ähnliches Undifferenziertes finden, es müßte sich herausstellen, daß sie zwar geistig-seelisch niedriger sind als des Menschen Geistig-Seelisches, daß sie aber in ihrer physischen Konfiguration nicht dem physischen Leib des Menschen ähnlich sind, sondern seinem Ätherleib. Da ist nun merkwürdig, daß je weiter die Naturwissenschaft fortschreitet mit ihren ganz anders gearteten Methoden, sie gerade die besten Beweise aufbringen kann für das, was die Geisteswissenschaft wie eine Aufforderung hinstellen muß. Der Gang ist also der, daß die Geisteswissenschaft zuerst sagt, daß man in der Natur das materielle Abbild für dasjenige finden muß, was in der übersinnlichen Welt entdeckt wird.

[ 14 ] If, therefore, one wishes to find a reflection of the spiritual-soul aspects in physical life, one must seek it in the world of lower organisms. The lower forms of organisms present themselves in such a way that one might say they materially embody what human beings develop spiritually and soulfully at a higher level. You see, things are not as simple as they are portrayed by the Darwinian-tinged scientific worldview. This inner flexibility and purposefulness of the formative forces of the etheric body—through which it sometimes follows the vertical direction, directing its organs accordingly, and sometimes follows the horizontal direction, directing its organs accordingly, sometimes following the light, sometimes following gravity, and directing its organs accordingly, and so on—this inner characteristic of the etheric body, which one truly does not discover through speculation but through spiritual insight—which one must possess before one can find any kind of corresponding image in external nature—has nothing to do with speculation about external natural existence. Now, having convinced oneself that this supersensible body of the human being possesses the characteristics I have just described, one would have to assert that something similarly undifferentiated must be found precisely in lower living beings; it would have to turn out that, although they are spiritually and psychologically inferior to the human spiritual and psychological nature, they are not similar in their physical configuration to the human physical body, but rather to the human etheric body. It is remarkable, then, that the further natural science advances with its entirely different methods, the more it is able to provide the very best evidence for what spiritual science must present as a challenge. The process, then, is this: spiritual science first states that one must find in nature the material counterpart to what is discovered in the supersensible world.

[ 15 ] Nun können Sie gerade in einem solchen Forschungszusammenhang, wie er der mehr materialistisch gesinnten Forschungsweise eines Snyder entspricht, hingewiesen finden auf sehr interessante naturwissenschaftliche Untersuchungen, wie sie zum Beispiel Jacques Loeb gemacht hat, der ja auch früher in Europa in allerlei Monistenbünden eine große Rolle gespielt hat. Da finden Sie ein ganz merkwürdiges Experiment angeführt — ich rede jetzt nicht davon, ob es menschlich oder unmenschlich, ob es erlaubt oder unerlaubt ist, ob es moralisch oder unmoralisch ist, solche Experimente auszuführen; das kommt für die «Wissenschaft» wenig in Betracht -: Dieser Forscher Loeb nahm die Substanz von einfachen, niederen Organismen, von Hydroiden, und rücksichtslos schnitt er mit dem Messer aus der Substanz Würfel heraus. Was stellte sich heraus? Nach oben wuchsen Fühler in dem Kopf, nach unten wuchsen Füße, so, wie sie die Hydroiden sonst haben. Also ganz gleichgültig, was man für eine Form herausschnitt: nach oben wuchsen Kopf und Fühler, nach unten Füße. Aber nun drehte Loeb die Substanz um, so daß die Füße oben waren. Da kam tatsächlich nach oben gehend ein neuer Kopf heraus, der zwischen den Füßen herauswuchs. Da haben Sie das ganz Undifferenzierte, da haben Sie im niederen Tierwesen, in diesem Falle bei den Hydroiden, dasjenige auf materiellem Boden ausgestaltet, was der Geistesforscher auf einer höheren Stufe des Daseins für das Menschlich-Seelische im Bildekräfteleib entdeckt. Ähnlich ist es bei einer andern Gattung. Man schneidet mit dem Rasiermesser an einer gewissen Stelle in die Substanz des niederen Tierwesens hinein; es bildet sich da sogar ein Mund mit umliegenden Fühlern, sogenannte Tentakeln. Da haben Sie noch die undifferenzierte Substanz als ein Abbild desjenigen, was im Menschen auf einer höheren Stufe geistig-seelisch lebt. Da finden Sie den Zusammenhang im Konkreten zwischen dem, was im Geist entdeckt wurde, dessen Teilnehmer der Mensch auf einer höheren, übersinnlichen Stufe ist, und demjenigen, was sich auf einer niederen Stufe im Materiellen ausdrückt.

[ 15 ] Now, precisely in a research context such as that corresponding to Snyder’s more materialistically oriented approach, you may come across references to very interesting scientific investigations, such as those conducted by Jacques Loeb, who, after all, also played a major role in various monist societies in Europe in the past. There you will find a very peculiar experiment described—I am not speaking now of whether it is humane or inhumane, whether it is permitted or prohibited, or whether it is moral or immoral to carry out such experiments; such considerations are of little concern to “science”—: This researcher, Loeb, took the tissue of simple, lower organisms—hydroids—and ruthlessly cut cubes out of the tissue with a knife. What happened? Tentacles grew upward from the top, forming a head, and feet grew downward, just as they normally do in hydroids. So no matter what shape was cut out: a head and feelers grew upward, and feet grew downward. But then Loeb turned the tissue over so that the feet were on top. Sure enough, a new head emerged, growing upward between the feet. There you have the completely undifferentiated; there, in the lower animal realm—in this case, in the hydroids—you have what the researcher of the spirit discovers at a higher level of existence in the formative-force body of the human soul, expressed on a material basis. The situation is similar with another species. If you cut into the substance of the lower animal with a razor blade at a certain point, a mouth even forms there, surrounded by feelers—so-called tentacles. Here you have the undifferentiated substance as a reflection of what lives spiritually and soulfully in human beings at a higher level. Here you find the concrete connection between what has been discovered in the spirit—of which human beings are participants at a higher, supersensible level—and that which expresses itself in the material realm at a lower level.

[ 16 ] Sie sehen, daß die niedere organische Welt darauf beruht, daß sie dasjenige im Materiellen festhält, was der Mensch auf einer höheren Stufe geistig-seelisch ausbilden kann dadurch, daß ihm sein höher entwickelter Organismus als Grundlage dienen kann. Sie sehen gerade da, wie Geisteswissenschaft, wenn sie nicht als jener Firlefanz, der heute vielfach als Mystik oder Theosophie auftritt, sondern ernst als Forschung genommen wird, entgegenarbeitet dem, was von der Naturwissenschaft von der andern Seite her kommt, wie wirklich hier das Geistige und das Natürliche, Geist‚rätsel mit Naturrätsel, in der Mitte zusammentrifft.

[ 16 ] You can see that the lower organic world is based on the fact that it retains within the material realm that which human beings can develop spiritually and psychically at a higher level, because their more highly developed organism can serve as a foundation for this. It is precisely here that you can see how spiritual science—when taken seriously as research rather than as the frivolous nonsense that is often presented today as mysticism or theosophy—counteracts what comes from the natural sciences from the other side, and how the spiritual and the natural, spiritual mysteries and natural mysteries, truly converge in the middle.

[ 17 ] Indem man in solche Dinge eindringt, lernt man gründlich kennen, wie die wahre Tatsache, daß das gewöhnliche Bewußtsein, das man im Alltage hat, an das Physisch-Sinnliche gebunden ist, nicht stört die Anerkennung desjenigen, was man das Geistig-Seelische, das Ewige, die unsterbliche Menschenseele nennt; denn man lernt die Möglichkeit kennen, daß der Mensch nicht nur in dieser Bewußtseinsform lebt, sondern auch in anderen Bewußtseinsformen. Hat man keine andere Möglichkeit, als nur die Bewußtseinsform zu kennen, die dem Menschen hier zwischen Geburt und Tod eigen ist - von der die Geisteswissenschaft zeigt, daß sie an den physischen Leib gebunden ist -, so hat man auch keine Möglichkeit, eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie der Mensch beschaffen sein wird, wenn er durch die Pforte des 'Todes getreten ist. Lernt man aber durch Geistesforschung erkennen, daß dieses Bewußtsein nur eine von verschiedenen Bewußtseinsformen ist, so lernt man auch erkennen, daß schon der Schlaf nur eine andere Bewußtseinsform des Menschen ist. Dann bekommt man gerade, indem man den berechtigten Anforderungen der materiellen Forschung Rechnung trägt, den Weg frei, um in das Geistig-Seelische einzudringen. Dann sagt man sich, je weiter und weiter die Naturforschung dringen wird, je mehr rätselhafte Tatsachen sie enthüllt, desto mehr drängt sie dazu, den Geist und seine Wissenschaft anzuerkennen, und sie wird immer mehr und mehr erkennen, daß das gewöhnliche Bewußtsein zu seiner Grundlage ein auf einer niederen Stufe stehendes Materielles braucht, und daß das Geistig-Seelische im Menschen dieses Niedere übersinnlich durchdringt. Derjenige, der dieses Verhältnis des Geistes zur Natur nicht durchschaut, der wird entsetzt sein über den groben Materialismus, wenn heute ein Naturforscher, und zwar mit einem gewissen Recht, etwa das Folgende sagt — obwohl man darüber natürlich auch andere Ansichten haben kann, aber es handelt sich hier mehr um die Richtung, um die ganze Forschungsmethode -: Was ist eigentlich die menschliche Gehirnnervenmasse? Es ist organische Substanz, und die Erregung, die im gewöhnlichen Bewußtsein mit Hilfe dieser organischen Nervensubstanz auftritt, ist eigentlich nichts als ein Streben dieser organischen Substanz, zu gerinnen; und dieses Gerinnen einer phosphorhaltigen, fettartigen Substanz, das in unserm Gehirnnervensystem auftritt, wenn wir denken, vorstellen, wahrnehmen, das läßt sich, wie zum Beispiel Snyder in seinem naturwissenschaftlichen Weltbild bemerkt, durchaus vergleichen mit dem, was vor sich geht, wenn zum Beispiel eine von der Hausfrau zubereitete Gelee oder Creme durch Abkühlen gerinnt. - Da kommt der Naturforscher nach und nach dazu, wirklich recht anschaulich materiell zu denken, sich recht anschaulich zu sagen — und die naturwissenschaftliche Anschauung bewegt sich durchaus mit Recht in dieser Richtung —: Während da in der Seele die verschiedensten Prozesse sich abspielen, geschieht als natürliche Grundlage davon, daß die Nervenmasse, die geleeartige, cremeartige Masse, das Bestreben hat zu gerinnen, und daß sie wirklich gerinnt.

[ 17 ] By delving into such matters, one comes to understand thoroughly how the true fact—that the ordinary consciousness we experience in everyday life is bound to the physical-sensory realm—does not preclude the recognition of what is called the spiritual-soul realm, the eternal, and the immortal human soul; for one comes to understand the possibility that human beings live not only in this form of consciousness but also in other forms of consciousness. If one has no other option but to know only the form of consciousness that is characteristic of the human being here between birth and death—which spiritual science shows to be bound to the physical body—then one also has no way of gaining a conception of what the human being will be like once they have passed through the gate of “death.” But if, through spiritual research, one comes to recognize that this consciousness is only one of various forms of consciousness, one also comes to recognize that even sleep is merely another form of human consciousness. Then, precisely by taking into account the legitimate demands of material research, one clears the path to penetrate into the spiritual-soul realm. Then one realizes that the further and further natural science advances, the more enigmatic facts it reveals, the more it compels us to acknowledge the spirit and its science; and it will increasingly recognize that ordinary consciousness requires, as its foundation, a material element situated at a lower level, and that the spiritual-psychic in human beings permeates this lower realm in a supersensible way. Anyone who fails to grasp this relationship between the spirit and nature will be horrified by the crude materialism when a natural scientist today—and with some justification—says something like the following—although one can, of course, hold other views on this, but what is at stake here is more the direction, the entire method of research—: What, in fact, is the human brain’s nervous tissue? It is organic substance, and the excitation that occurs in ordinary consciousness with the aid of this organic nervous substance is actually nothing other than a striving of this organic substance to coagulate; and this coagulation of a phosphorus-containing, fat-like substance that occurs in our brain’s nervous system when we think, imagine, or perceive—as Snyder, for example, notes in his scientific worldview—can certainly be compared to what happens when, for instance, a jelly or cream prepared by a housewife coagulates as it cools. - Thus, the natural scientist gradually comes to think in truly vivid, material terms, to say to himself quite vividly—and the scientific worldview is quite rightly moving in this direction—: While a wide variety of processes are taking place in the soul, the natural basis for this is that the nervous mass—the jelly-like, cream-like mass—strives to set, and that it actually does set.

[ 18 ] Da haben wir die nach der andern Seite, nach der Naturseite auslaufende Betrachtungsweise. Dem braucht sich der Geistesforscher nicht zu widersetzen. Würde er sich widersetzen, so wäre das Dilettantismus, aus dem einfachen Grunde, weil die rechtmäßige naturwissenschaftliche Methode zur Ausbildung solcher Erkenntnisse, wenn sie auch heute noch sehr unvollkommen sind, hinführen wird und hinführen muß. Aber indem man erkennt, welche einfachen materiellen Prozesse sich abspielen, während das GeistigSeelische sich betätigt, erklärt man gerade dadurch die Selbständigkeit, das In-sich-Gegründetsein dieses Geistig-Seelischen. Man lernt gerade dadurch das Geistig-Seelische kennen, und so wird sich als das richtige Verhältnis des geisteswissenschaftlichen Erforschens zum naturwissenschaftlichen Erforschen das herausstellen, daß die Geisteswissenschaft gewissermaßen richtunggebend hinweisenmuß darauf, wie die naturwissenschaftlichen Tatsachen, wenn man durch sie auf die Rätsel der Natur kommen will, ins Auge zu fassen sind, was man aus ihnen zu machen hat. Man kommt allmählich darauf, nicht so zu denken über die Offenbarungen der Natur, wie heute leider die allermeisten noch denken, daß diese Offenbarungen der Natur nun auch aus irgendwelchen materiellen Grundlagen heraus die Wesenhafligkeit der Natur kundgeben werden, sondern man wird erkennen, daß das Wesenhafte der Natur im Geistigen zu suchen ist. Indem man dieses Verhältnis vom Geistigen zum Natürlichen durchschaut, kommt man darauf, zu erkennen, daß das Geistige im Natürlichen überall tätig ist, und daß man gewissermaßen die Naturtatsachen anzusehen hat wie die Lettern einer Schrift. Beschreibt man sie als Lettern, so tut man etwas ganz Richtiges, aber man tut nicht das Vollständige. Man muß in der Lage sein, lesen zu können das, was durch die Lettern in ihrer Zusammenfügung zum Worte ausgedrückt ist; so muß man lesen lernen in der Natur, so muß man dahin kommen, ich möchte sagen, die Tatsachen der Natur allmählich so aufzufassen, daß man sich sagt: Was die Naturforscher erkennen, was sie in der Natur finden, das führt eher zu Fragen als zu Antworten. Die Antworten können erst gegeben werden, wenn man die geistigen Grundlagen durchschaut. Das ist allerdings etwas, wozu sich die Gegenwart und die Zukunft erst wird durcharbeiten müssen. Heuteerwartet man gerade, wenn ein Naturphilosoph über Naturdinge und Naturvorgänge schreibt, daß er Antworten gibt. Den richtigen Standpunkt wird man einnehmen, wenn man einmal dahin gekommen ist, sich zu sagen: Was man an der Natur beobachtet, das lenkt die Menschenseele dahin, Fragen zu stellen; die Antworten müssen kommen aus demjenigen, was nur geistig aufgefaßt werden kann. So könnten wir bei den alltäglichsten Vorgängen, wenn wir gerade auf ihr Naturrätselhaftes eingehen, darauf hinweisen, wie das Geistige dem Menschen den Instinkt verleihen muß, die Naturtatsachen in der richtigen Weise als Fragen zu behandeln.

[ 18 ] Here we have the perspective that leads to the other side—the side of nature. The spiritual researcher need not oppose this. If he were to oppose it, that would be dilettantism, for the simple reason that the legitimate scientific method leads—and must lead—to the development of such insights, even if they are still very imperfect today. But by recognizing the simple material processes that take place while the spiritual-soul aspect is at work, one explains precisely the independence, the self-groundedness, of this spiritual-soul aspect. It is precisely through this that one comes to know the spiritual-psychic realm, and thus the proper relationship between spiritual scientific research and natural scientific research will prove to be that spiritual science must, in a sense, provide guidance as to how the facts of natural science are to be viewed—and what is to be made of them—if one wishes to use them to uncover the mysteries of nature. One gradually comes to realize that one should not think of nature’s manifestations—as, unfortunately, the vast majority still do today—as if these manifestations were simply revealing the essence of nature on the basis of some material foundations; rather, one comes to recognize that the essence of nature is to be found in the spiritual. By discerning this relationship between the spiritual and the natural, one comes to recognize that the spiritual is active everywhere in the natural world, and that one must, so to speak, regard the facts of nature as the letters of a text. To describe them as letters is quite correct, but it is not the whole story. One must be able to read what is expressed through the letters as they are arranged into words; in the same way, one must learn to read nature, and one must come to—I would say—gradually grasp the facts of nature in such a way that one says to oneself: What natural scientists recognize, what they find in nature, leads more to questions than to answers. Answers can only be given once one has penetrated the spiritual foundations. This, however, is something that the present and the future will first have to work their way through. Today, when a natural philosopher writes about natural phenomena and processes, people expect him to provide answers. One will adopt the correct standpoint once one has reached the point of saying to oneself: What one observes in nature leads the human soul to ask questions; the answers must come from that which can only be grasped spiritually. Thus, even in the most everyday occurrences—when we focus specifically on their natural mysteries—we could point out how the spiritual must endow human beings with the instinct to treat natural facts in the proper way as questions.

[ 19 ] Eine sehr alltägliche Tatsache ist die Aufeinanderfolge von Schlafen und Wachen im menschlichen Leben. Es bestehen sehr interessante Theorien über das Wesen des Schlafes von seiten der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, auf die ich hier nicht eingehen will, von J. Cräger, L. Strümpell, Preyer und vielen anderen. Diese Schlafforschungen sind alle sehr interessant, aber sie leiden vor allen Dingen darunter, daß man die fundamentalen Tatsachen, die nur auf geistesforscherischem Wege gefunden werden können, nicht ins Auge zu fassen weiß, daß der Wechselzustand von Schlafen und Wachen wirklich zum menschlichen Leben so gehört wie das Links- und Rechtsausschlagen des Pendels. Wenn man erkennt, wie der Mensch, wenn er hier auf der Erde lebt, Naturwesen und Geisteswesen ist, so erkennt man auch, wie er mit seinem eigentlichen Selbst hin- und herpendelt zwischen dem Eingebettetsein in das Naturdasein und in das geistige Dasein. In seinem Wachleben bedient er sich zu den Verrichtungen, die mit dem gewöhnlichen vollen Bewußtsein ausgeführt werden, des physischen Leibes, der, weil er eine längere Entwickelung hinter sich hat, vollkommener ist als sein geistig-seelisches Wesen, das zwar auf einer höheren Stufe steht, aber unvollkommener ist. Dann schläft er hinüber mit seinem Geistig-Seelischen in einen andern Bewußtseinszustand, in dem er heute zwischen Geburt und Tod noch nicht wahrnehmen kann, in dem er erst wahrnehmen wird, wenn er durch die Pforte des Todes getreten ist, weil er da gerade durch die Vernichtung seines Zusammenhanges mit seinem physischen Leibe in eine andere Verbindung mit der geistigen Welt eintritt, und einen geistigen Leib annehmen kann. Dieses Hin- und Herpendeln ist eine Tatsache, die als solche wie eine innere Notwendigkeit des Lebens angesehen werden muß. Auch in dieser Beziehung haben schon interessante naturwissenschaftliche Annäherungen stattgefunden. Wenn man zum Beispiel einzugehen vermag auf manches Interessante, was über das Gefühls- und Gedächtnisleben der magyarische Forscher Palagyi in seinen 1908 erschienenen «Naturphilosophischen Vorlesungen» gesagt hat, so sieht man, daß auch da die Naturforschung schon auf der andern Seite herankommt an dasjenige, was geisteswissenschaftlich eingesehen wird. Allerdings muß gesagt werden, daß gerade die mit Bezug auf die Schlafforschung vorgebrachten Tatsachen, die rein in der äußeren Natur vorliegen, nicht in der richtigen Weise als Fragen behandelt werden. Wie behandelt man sie?

[ 19 ] A very common fact in human life is the alternation between sleep and wakefulness. There are very interesting theories about the nature of sleep from the perspective of the natural sciences—theories put forward by J. Cräger, L. Strümpell, Preyer, and many others—which I do not intend to discuss here. This sleep research is all very interesting, but it suffers above all from a failure to grasp the fundamental facts—which can only be discovered through spiritual research—namely, that the alternating states of sleep and wakefulness are as much a part of human life as the swinging of a pendulum to the left and right. When one recognizes that the human being, while living here on Earth, is both a natural being and a spiritual being, one also recognizes how the human being, with his true self, oscillates back and forth between being embedded in natural existence and in spiritual existence. In their waking life, for the activities carried out with ordinary full consciousness, they make use of the physical body, which—because it has undergone a longer process of development—is more perfect than their spiritual-soul being, which, though on a higher level, is less perfect. Then, with his spiritual-soul nature, he drifts off into sleep and into another state of consciousness—one that he cannot yet perceive between birth and death, but which he will perceive only after he has passed through the gate of death, because there, precisely through the severing of his connection with his physical body, he enters into a different connection with the spiritual world, and is able to assume a spiritual body. This back-and-forth oscillation is a fact that must be regarded as such—as an inner necessity of life. In this regard, too, interesting scientific approaches have already been made. If, for example, one is able to delve into some of the interesting points made by the Hungarian researcher Palagyi regarding emotional and memory life in his Lectures on the Philosophy of Nature, published in 1908, one sees that even there, scientific research is already approaching, from the other side, what is understood in the spiritual sciences. However, it must be said that precisely the facts presented in relation to sleep research—which exist purely in external nature—are not being treated as questions in the proper way. How are they being treated?

[ 20 ] Ein sehr angesehener Naturforscher der Gegenwart aus der Haeckelschen Schule hat in einer populären Schrift auch über den Schlaf geschrieben. Er behauptet, wie andere Naturforscher auch, der Schlaf trete ein, weil der Mensch ermüdet ist, der Schlaf folge auf die Ermüdung. Das ist ja ganz richtig, wir werden gleich auf die Sache weiter eingehen. Aber, um anzudeuten, daß der Mensch nun übermüdet ist, daß er seine Sinne nicht mehr in Betätigung versetzen kann, weist dieser angesehene Naturforscher zum Beispiel darauf hin, wie der Mensch einschläft: was eigentlich geschehen muß, daß der Mensch einschläft. Ich könnte da das ganz interessante Strümpellsche Experiment anführen, will dies aber nicht tun, sondern nur darauf hinweisen, was dieser angesehene Naturforscher dafür anführt, daß eigentlich die Ermüdung der Sinne, das Aufgezehrtsein des sinnlichen Lebens dahin führt, daß der Mensch, weil er nicht mehr im Sinnesleben sein kann, eigentlich aufhört, bis sich das Sinnesleben durch Selbststeuerung wiederum regeneriert hat. Da ist der Mensch als reines Naturwesen betrachtet. Deshalb führt dieser Naturforscher zur Bekräftigung dafür, wie das Sinnesleben aufhört, wenn wir richtig einschlafen wollen, folgendes an: Was tun wir, wenn wir einschlafen? Wir versuchen, die Sinnesreize möglichst abzusperren. Wir verhängen unsere Schlafzimmer, so daß es möglichst dunkel ist, wir sperren die Gehörreize ab, damit es möglichst geräuschlos um uns ist. — Er macht sogar darauf aufmerksam, daß selbst die nicht richtige Temperatur, wenn es zu warm oder zu kalt ist, den Menschen nicht einschlafen läßt, daß man also eine bestimmte Temperatur herbeiführen müsse, und so weiter, kurz, er will zeigen, wie in der Tat nicht in dem Oszillieren des Lebens zwischen Leib und Geist, sondern in der äußeren Umgebung, in den äußeren Verhältnissen, die Ursachen dafür zu suchen seien, daß der Mensch einschläft.

[ 20 ] A highly respected contemporary naturalist from Haeckel’s school has also written about sleep in a popular work. He asserts, as have other naturalists, that sleep sets in because a person is tired; sleep follows fatigue. That is quite correct; we will discuss the matter further in a moment. But to indicate that a person is now overtired—that they can no longer engage their senses—this distinguished naturalist points out, for example, how a person falls asleep: what actually must happen for a person to fall asleep. I could cite Strümpell’s very interesting experiment here, but I do not wish to do so; rather, I simply want to point out what this distinguished naturalist argues: that the fatigue of the senses and the exhaustion of sensory life actually lead to a state where a person—because they can no longer function within sensory life—effectively ceases to function until sensory life has regenerated itself through self-regulation. Here, the human being is regarded as a purely natural being. Therefore, to reinforce the idea that sensory life ceases when we want to fall asleep properly, this naturalist cites the following: What do we do when we fall asleep? We try to block out sensory stimuli as much as possible. We darken our bedrooms so that it is as dark as possible; we block out auditory stimuli so that it is as quiet as possible around us. — He even points out that even an improper temperature—whether it is too warm or too cold—prevents a person from falling asleep, meaning that a certain temperature must be maintained, and so on; in short, he wants to show that the causes of a person falling asleep are to be found not in the oscillation of life between body and mind, but in the external environment, in external conditions.

[ 21 ] Kann diese Frage so richtig gestellt sein? Können die äußeren naturwissenschaftlichen Tatsachen so wirklich richtig angesehen sein? Dann dürfte es zum Beispiel ein anderes nicht geben: Ich habe zahlreiche Fälle in meinem Leben beobachtet, wo die Menschen nicht durchaus eine geräuschlose Umgebung herstellen, auch nicht möglichste Dunkelheit, indem sie die Fenster verhängen und so weiter, sondern wo sie in ganz hellichten Sälen, wenn der Redner auch noch so sehr schreit, fünf Minuten, nachdem er geschrien hat, eingeschlafen sind. Da ist die ganze Aufmachung nicht da, die der Naturforscher fordert, und dennoch, mit einer absoluten Sicherheit tritt der Schlaf ein, natürlich nur bei einzelnen Menschen! Es handelt sich eben nicht darum, daß man nur richtige Voraussetzungen, mit den Tatsachen übereinstimmende Voraussetzungen hat, sondern darum, daß man diese Tatsachen hineinstellen kann in den ganzen Zusammenhang, in den sie hineingehören, mit allen Verhältnissen, die mit ihnen in Beziehung stehen, und unter denen sie auftreten. Weiß man, daß der Wechselzustand, das Oszillieren zwischen Schlafen und Wachen, darauf beruht, daß der Mensch dadurch, daß er hin- und herpendelt vom Leibe in die geistige Umgebung, eingebettet wird in den Geist, und daß er dann, solange er mit dem physischen Leibe nicht verbunden ist, diesen Leib von außen genießt, dann kann man auch verstehen, daß ein Schwelgen in diesem Genusse, ein Übertreiben dieses Genusses möglich ist. Dann kann man genau ebenso, wie man verstehen kann, daß sich der Mensch betrinkt, verstehen, daß er zu viel schläft, oder daß er zur Unzeit schläft. Man lernt den Schlaf als eine selbständige, in sich gegründete Forderung an das Leben kennen, als einen anderen Bewußtseinszustand, als der ist, den man im physischen Leibe hat. Nun hat dieser Bewußtseinszustand eine bestimmte Bedeutung für den physischen Leib. Dasjenige, was man genießend erlebt, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das trägt man beim Aufwachen in den physischen Leib hinein, das trägt man auch während des Schlafes in den physischen Leib hinein. Dadurch wird die Ermüdung fortgeschafft. Das ist ganz richtig, aber das ist etwas anderes, als wenn jemand sagt, die Ermüdung sei die Ursache des Schlafens. Wenn jemand eine Tafel mit Kreide vollgeschrieben hat bis unten, dann einen Schwamm nimmt und das, was auf der Tafel steht, auslöscht, dann hat er allerdings die Schrift ausgelöscht; so schafft auch der Mensch mit dem, was er im Schlafe erlebt, die Ermüdung weg. Aber ebensowenig, wie man sagen kann, daß die Kreide den Schwamm erzeugt, ebensowenig kann man sagen, daß die Ermüdung den Schlaf erzeugt. Es ist etwas anderes, zu sagen: der Schlaf schafft die Ermüdung weg, als: die Ermüdung hat den Schlaf erzeugt. Allerdings, wenn der Schlaf geistig-seelisch betrachtet wird, kann es begreiflich erscheinen, daß der Mensch Sehnsucht hat nach dem Schlaf, wenn er ermüdet ist. Da liegt die Notwendigkeit vor, ins Geistige überzugehen. Da erzeugt aber nicht die Ermüdung den Schlaf, sondern die Sehnsucht in der Seele, die Ermüdung fortzuschaffen, erzeugt den Schlaf, das heißt die Sehnsucht der Seele nach dem Schlaf ist als geistig-seelisches Phänomen aufzufassen, nicht als etwas, was aus bloßer Ermüdung stammt.

[ 21 ] Can this question really be posed in this way? Can the external scientific facts really be viewed in this way? Then there could be no other possibility, for example: I have observed numerous instances in my life where people do not go so far as to create a completely silent environment—nor even the deepest possible darkness by drawing the curtains and so on—but where, in brightly lit rooms, no matter how loudly the speaker shouts, they have fallen asleep five minutes after he has finished shouting. None of the conditions required by the natural scientist are present there, and yet, with absolute certainty, sleep sets in—though, of course, only in certain individuals! It is not simply a matter of having the right conditions—conditions that correspond to the facts—but rather of being able to place these facts within the broader context to which they belong, along with all the circumstances related to them and under which they occur. If one knows that the state of transition, the oscillation between sleep and wakefulness, is based on the fact that, by oscillating back and forth from the body into the spiritual environment, a person becomes embedded in the spirit, and that—as long as they are not connected to the physical body—they enjoy this body from the outside—then one can also understand that it is possible to revel in this enjoyment, to overindulge in it. Then, just as one can understand that a person gets drunk, one can understand that they sleep too much, or that they sleep at the wrong time. One comes to recognize sleep as an independent, self-contained demand on life, as a state of consciousness different from that which one experiences in the physical body. Now, this state of consciousness has a specific significance for the physical body. What one experiences as a pleasure—from falling asleep to waking up—is carried into the physical body upon waking, and it is also carried into the physical body during sleep. This is how fatigue is dispelled. That is quite correct, but it is something different from saying that fatigue is the cause of sleep. If someone has filled a blackboard with chalk all the way to the bottom, then takes a sponge and erases what is written on the blackboard, they have indeed erased the writing; in the same way, a person eliminates fatigue through what they experience during sleep. But just as one cannot say that the chalk produces the sponge, one cannot say that fatigue produces sleep. It is one thing to say that sleep dispels fatigue, and quite another to say that fatigue produces sleep. However, when sleep is considered from a spiritual and psychological perspective, it may seem understandable that a person longs for sleep when they are fatigued. Herein lies the necessity to move into the spiritual realm. Yet it is not fatigue that produces sleep; rather, the soul’s longing to dispel fatigue produces sleep—that is, the soul’s longing for sleep must be understood as a spiritual-psychological phenomenon, not as something arising from mere fatigue.

[ 22 ] Sie sehen, richtunggebend für die Wege, die genommen werden müssen, um die Rätsel der Natur zu lösen, ist dasjenige, was im Geistigen gefunden werden kann. Dafür möchte ich noch kurz ein Beispiel anführen, das ich schon in der Lage war, im Anhang meines letzterschienenen Buches «Von Seelenrätseln» auszuführen. Es handelt sich darum, daß gewöhnlich, wenn vom Zusammenhang des seelischen Lebens mit dem leiblichen Leben des Menschen gesprochen wird, heute fast allgemein — auch von denjenigen, die dieses seelische Leben als eine besondere Wirklichkeit gelten lassen — angegeben wird, dieses seelische Leben hänge bloß mit dem Nervenleben zusammen. Diejenigen von meinen Zuhörern, die mich öfter gehört haben, wissen, wie wenig ich Neigung habe, eine persönliche Bemerkung zu machen. Hier ist aber das Persönliche mit dem Sachlichen unbedingt verbunden. Daher darf ich wohl sagen, gerade dieses Problem, die Beziehungen des Geisteswissenschaftlichen zum Naturwissenschaftlichen auch äußerlich festzulegen, hat mich seit dreißig bis fünfunddreißig Jahren beschäftigt, wofür ich erst jetzt in der Lage bin, die richtigen Worte zu finden, um es wenigstens einigermaßen zu formulieren; denn das geistige Forschen ist wahrhaftig nicht leichter als das naturwissenschaftliche Forschen. Was sich mir im Verlaufe von dreißig bis fünfunddreißig Jahren aus der Geisteswissenschaft heraus ergeben hat im fortwährenden Betrachten und Vergleichen der einschlägigen naturwissenschaftlichen Tatsachen, wie sie bis heute vorliegen, hat mir überall bestätigt, daß man die Beziehungen des Geistig-Seelischen zum Leiblichen in einer ganz anderen Weise charakterisieren muß, als es sehr häufig heute geschieht. Gewiß sind auch da wiederum überall Ansätze da, so daß ich nicht sagen möchte, daß das, was ich hier auszusprechen habe, durchaus eine originelle Wahrheit von mir ist. Aber in diesem Zusammenhang wird es heute auf dem Gebiete der äußeren Naturforschung noch nicht durchschaut. Es handelt sich darum, daß man das Geistig-Seelische des Menschen nicht nur in einem Verhältnis mit einem Teile des Leiblichen, mit dem Nervensystem, denken kann, sondern daß man das ganze Geistig-Seelische, das aus der geistigen Welt in die menschliche Leiblichkeit durch die Geburt oder Empfängnis eintritt, mit dem ganzen Leibe im Zusammenhang zu denken hat, und zwar in folgender Weise:

[ 22 ] As you can see, what guides the paths that must be taken to solve the mysteries of nature is that which can be found in the spiritual realm. To illustrate this, I would like to briefly cite an example that I was already able to elaborate on in the appendix to my most recently published book, On the Mysteries of the Soul. The point is that nowadays, when people speak of the connection between a person’s spiritual life and their physical life, it is almost universally assumed—even by those who acknowledge this spiritual life as a distinct reality—that this spiritual life is related solely to the nervous system. Those among my listeners who have heard me speak often know how little inclination I have to make personal remarks. Here, however, the personal is inextricably linked to the factual. Therefore, I may well say that this very problem—defining the relationship between spiritual science and the natural sciences in objective terms—has occupied me for thirty to thirty-five years, and only now am I able to find the right words to formulate it at least to some extent; for spiritual research is truly no easier than scientific research. What has emerged for me over the course of thirty to thirty-five years through spiritual science—in the continuous observation and comparison of the relevant scientific facts as they stand today—has confirmed to me in every respect that the relationships between the spiritual-soul aspects and the physical must be characterized in a completely different way than is very often the case today. Certainly, there are also hints of this everywhere, so I do not wish to say that what I have to say here is an entirely original truth of my own. But in this context, it is not yet fully understood today in the field of external natural science. The point is that one cannot conceive of the human spiritual-soul aspect as relating only to one part of the physical body—the nervous system—but rather that one must conceive of the entire spiritual-soul aspect, which enters human physicality from the spiritual world through birth or conception, as connected to the entire body, and specifically in the following way:

[ 23 ] Das Geistig-Seelische können wir gliedern — meine Zuhörer werden wissen, daß ich auf solche Systematik keinen großen Wert lege, aber sie erleichtert doch die Übersicht — erstens in das Wahrnehmen und Vorstellen, zweitens in das gefühlsmäßige Erleben und drittens in das Erleben der Willensimpulse, die sich dann im Handeln realisieren, so daß das Geistig-Seelische des Menschen, wie es im gewöhnlichen Bewußtsein auftritt, aus dieser Dreigliedrigkeit besteht. Nimmt man die geisteswissenschaftlichen Tatsachen, so führen sie einen dazu, das vorstellende, wahrnehmende Leben nicht mit etwas anderem im Leibe in Beziehung zu setzen als mit dem, was sich im Nervensystem abspielt, aber auch nur dieses vorstellende, wahrnehmende. Es ist interessant, daß zum Beispiel Theodor Ziehen, weil er das Seelische nur mit dem Nervensystem in Beziehung bringt, dadurch für das Gefühlsleben nur den Ausdruck «Gefühlston» hat, als wenn das Gefühlsleben nicht etwas Selbständiges in der Seele wäre, als wenn es nur ein Ton des Vorstellungslebens wäre. Und ein selbständiges Willensleben leugnet er infolgedessen erst recht. Alle diese Forscher haben recht, wenn sie nur diesen Teil des Geistig-Seelischen, das vorstellende und wahrnehmende Leben, mit dem Nervensystem, dem Gehirn, in unmittelbare Verbindung bringen. Allerdings hat die physische Wissenschaft für diese Nervenprozesse überhaupt noch keinen Begriff, weil sie sie nicht richtig betrachtet. Davon werde ich in dem Vortrage über die Offenbarungen des Unbewußten demnächst eingehender sprechen. Dann tritt aber als zweites Glied des geistigseelischen Lebens auf das Gefühlsleben. Dieses Gefühlsleben steht nicht in unmittelbarer Beziehung, sondern nur in mittelbarer Beziehung zum Nervensystem. Es steht ebenso in unmittelbarer Beziehung zu dem, was sich im Blute und in der Atmung als Lebensrhythmus auslebt, wie das wahrnehmende und vorstellende Leben zu den Vorgängen im Nervensystem in unmittelbarer Beziehung steht. Wenn wir in uns die nervösen Prozesse verfolgen, so haben wir das leibliche Gegenbild der Wahrnehmungen und Vorstellungen. Wollen wir ein ebensolches leibliches Gegenbild haben für das Gefühlsleben, so dürfen wir zunächst nicht das Nervensystem unmittelbar, sondern müssen das rhythmische Leben ins Auge fassen, wie es sich in der Wechselbeziehung von Atmung und Blutzirkulation abspielt. Erst dadurch, daß dieser Atmungs- und Blutzirkulationsrhythmus heranschlägt an das Nervensystem, zum Nervensystem in Beziehung tritt, ist es überhaupt möglich, daß wir unsere Gefühle auch vorstellen. Indem wir unsere Gefühle vorstellen, treten sie allerdings in das VorstelJungsleben hinein, dadurch kommt eine unmittelbare Beziehung des Gefühlslebens zum Vorstellungsleben zustande. Aber es kommt auch eine unmittelbare Beziehung desjenigen, was dem Gefühlsleben im Leibe als Rhythmus: zugrunde liegt, zum Nervensystem zustande.

[ 23 ] We can divide the spiritual-soul aspect—my listeners will know that I do not place great value on such a systematic approach, but it does make it easier to grasp the overall picture—first, into perception and imagination, second, into emotional experience; and third, into the experience of volitional impulses, which are then realized in action, so that the human spiritual-soul life, as it appears in ordinary consciousness, consists of this threefold structure. If one takes the facts of spiritual science, they lead one to relate the life of imagination and perception to nothing else in the body than what takes place in the nervous system—but only this aspect of imagination and perception. It is interesting that, for example, Theodor Ziehen—because he relates the soul only to the nervous system—has, as a result, only the term “emotional tone” for the life of feeling, as if the life of feeling were not something independent in the soul, as if it were merely a tone of the life of imagination. And consequently, he denies the existence of an independent life of the will all the more. All these researchers are correct when they relate only this part of the spiritual-soul life—the life of imagination and perception—directly to the nervous system and the brain. However, physical science has no concept of these nervous processes at all, because it does not view them correctly. I will speak about this in more detail shortly in my lecture on the revelations of the unconscious. But then, as the second link in the life of the spirit and soul, the emotional life comes into play. This emotional life is not in a direct relationship, but only in an indirect relationship to the nervous system. It stands in just as direct a relationship to what manifests as the rhythm of life in the blood and in breathing as the life of perception and imagination stands in a direct relationship to the processes in the nervous system. When we observe the nervous processes within ourselves, we see the physical counterpart of perceptions and concepts. If we wish to have an equally valid physical counterpart for the emotional life, we must not initially focus directly on the nervous system, but rather on the rhythmic life as it unfolds in the interplay of respiration and blood circulation. It is only because this rhythm of breathing and blood circulation impacts the nervous system—entering into a relationship with it—that it becomes possible for us to conceptualize our feelings at all. As we conceptualize our feelings, they do indeed enter into the life of imagination, thereby establishing a direct relationship between the life of feeling and the life of imagination. But a direct relationship also arises between what underlies the emotional life in the body as a rhythm and the nervous system.

[ 24 ] Ich weiß sehr gut, daß jetzt, wo es ja - und zwar durchaus zum Heile der Wissenschaft — eine experimentelle Psychologie gibt, diese Beziehung des menschlichen Lebensrhythmus zum Gefühlsleben schon angedeutet wird. Aber es wird nicht in der richtigen Weise angedeutet, weil nicht jene unmittelbare Beziehung des Gefühlslebens zum Rhythmus des Lebens gesucht wird, wie man sonst die unmittelbare Beziehung des Vorstellungslebens zum Nervensystem sucht. Ich weiß auch, wieviel sich einwenden läßt gegen dasjenige, was ich gesagt habe. Ich würde viele Stunden brauchen, um diese Einwände zu entkräften. Sie können alle entkräftet werden. Ich will nur auf eins hinweisen. Es könnte jemand kommen und sagen: Ja, sieh einmal das musikalisch-ästhetische Empfinden, das Leben in der musikalischen Kunst, das kommt doch gerade durch das Wahrnehmen, durch das Vorstellungsleben zustande; das widerlegt also schon das Gesagte. — So könnte man Hunderte und Hunderte von Widerlegungen vorbringen. Diese Dinge sind eben sehr fein, und sie können, wenn man sie grob betrachtet, wie man es heute vielfach gewohnt ist, natürlich sehr leicht scheinbar widerlegt werden. Der wahre Vorgang beim musikalisch-ästhetischen Empfinden ist, daß das, was sich im Rhythmusleben abspielt, heranschlägt an dasjenige — der Psychologe weiß, wie das geschieht —, was sich im Gehirn abspielt, indem die Töne gehört werden, und daß erst, indem das Rhythmusleben in sich aufnimmt das, was im Ton in den menschlichen Organismus übertritt, erst indem der Ton in den Rhythmus des ganzen Leibes sich einlebt, die musikalische Empfindung, das ästhetische Genießen auf musikalischem Gebiete erzeugt wird.

[ 24 ] I am well aware that now that experimental psychology exists—and indeed, for the benefit of science—this relationship between the rhythm of human life and emotional life has already been hinted at. But it is not indicated in the right way, because the direct relationship between the emotional life and the rhythm of life is not sought, just as one otherwise seeks the direct relationship between the life of the imagination and the nervous system. I also know how many objections can be raised against what I have said. It would take me many hours to refute these objections. They can all be refuted. I want to point out just one thing. Someone might come along and say: “Yes, look at musical-aesthetic perception, at life in musical art—that arises precisely through perception, through the life of the imagination; so that alone already refutes what has been said.” — One could put forward hundreds and hundreds of such refutations. These matters are, after all, very subtle, and if viewed crudely—as is often the case today—they can, of course, very easily be seemingly refuted. The true process involved in musical-aesthetic perception is that what takes place in rhythmic life resonates with what—as the psychologist knows—takes place in the brain when the tones are heard, and that only when the rhythmic life absorbs what passes from the sound into the human organism—only when the sound becomes integrated into the rhythm of the entire body—is musical perception and aesthetic enjoyment in the realm of music produced.

[ 25 ] Ein Drittes — wie gesagt, ich kann diese Dinge nur kurz illustrieren — ist das Leben in Willensimpulsen, die sich in Handlungen realisieren. Gerade so, wie unmittelbar das Vorstellungsleben mit dem Nervenleben, das Gefühlsleben mit dem Atmungs- und Blutrhythmus zusammenhängt, so hängt das Willensleben, und zwar das gesamte Willensleben, tatsächlich zusammen mit dem Stoffwechselleben des menschlichen Organismus, so sonderbar das aussieht. Jedem Willensvorgang liegt ein Stoffwechselvorgang zugrunde. Die Dinge geraten nur dadurch in Konfusion, daß im Menschen in einer gewissen Beziehung alles ineinanderspielt, daß zum Beispiel in das Vorstellungsleben der Wille hineinspielt, und dadurch der Stoffwechsel in das Nervenleben. Aber man darf nicht dasjenige, was sich da als Stoffwechsel abspielt, auf das Vorstellungsleben beziehen, dem liegen ganz andere Nervenvorgänge zugrunde, sondern man muß das, was sich als Stoffwechsel abspielt, immer auf das Willensleben beziehen.

[ 25 ] A third aspect—as I said, I can only briefly illustrate these things—is life in impulses of the will that are realized in actions. Just as the life of imagination is directly connected to nervous activity, and the life of feeling to the rhythms of breathing and blood circulation, so too is the life of the will—indeed, the entire life of the will—actually connected to the metabolic life of the human organism, however strange that may seem. Every volitional process is underpinned by a metabolic process. Things only become confused because, in a certain sense, everything in the human being interacts with one another—for example, the will influences the life of the imagination, and through this, metabolism influences the nervous system. But one must not relate what takes place as metabolism to the life of the imagination—which is based on entirely different nervous processes—but must always relate what takes place as metabolism to the life of the will.

[ 26 ] So hat man das ganze Geistig-Seelische, das Denken, Fühlen und Wollen, in Beziehung gebracht zu den dreierlei Lebensvorgängen im menschlichen Organismus. Denn wenn man eingeht auf den menschlichen Organismus, so erschöpft sich sein gesamtes Leben in Nervenvorgängen, Rhythmusvorgängen und Stoffwechselvorgängen. Das ganze Leibliche des Menschen steht mit dem ganzen Geistig-Seelischen in unmittelbarem Zusammenhang. Diesen Zusammenhang kann man erhärten durch Tausende von Tatsachen, die naturwissenschaftlich heute schon erkannt sind, die nur nicht in der richtigen Weise als Fragen aufgeworfen werden und daher nicht so genommen werden, daß man von ihnen den Weg findet zum geistigen Anschauen, das erst Ordnung hineinbringen kann in die naturwissenschaftlichen Rätsel. So kann man heute die Entdeckung machen: Man braucht nur ein physiologisches Buch in die Hand zu nehmen, das auf der Höhe steht, man braucht sich nur mit dem bekannt zu machen, was wirklich entdeckt ist auf naturforscherischem Gebiete, braucht nur abzusehen von den Vorurteilen, die theoretisch hineingetragen werden, braucht es nur richtig zu durchschauen und richtig zu fragen, so liefert das, was heute schon naturwissenschaftlich vorliegt, in einem ungeheuer vollkommenen Grade überall die Bestätigung desjenigen, was Geisteswissenschaft zu sagen hat. Aber die Naturforschung kommt nicht darauf, wirklich ihre Methoden umfassend anzuwenden. Sie spezialisiert sich. Dadurch kommt es, daß man dasjenige, was man richtig auf einem Gebiete anwendet, nicht auf das andere Gebiet überträgt. Wird es zum Beispiel der Wissenschaft einfallen, die Stellung der Magnetnadel von Norden nach Süden physikalisch so aufzufassen, daß nur in der Magnetnadel selbst die richtunggebenden Kräfte wirken? Die Wissenschaft sagt vielmehr mit Recht: Die Erde selbst ist ein großer Magnet, der magnetische Nordpol der Erde zieht das eine Ende der Magnetnadel an, der magnetische Südpol das andere Ende. Kurz, man stellt die Magnetnadel mit ihrer Richtungskraft in den ganzen Kosmos hinein. Denken Sie einmal, wenn man das übertragen würde auf die organische Wissenschaft! In der organischen Wissenschaft geht man so vor, wie jemand, der die Richtungskräfte der Magnetnadel nur in der Magnetnadel suchen würde. Da treibt man Embryologie und sucht, wie das Ei des Huhnes sich entwickelt, sucht seinen Ursprung bloß im Huhn, oder höchstens bei den Vorfahren in der Vererbungslinie. Würde man die physikalische Methode auf die Embryologie übertragen, so würde man ohne weiteres im ganzen Kosmos die gestaltenden Kräfte für die Eibildung, für die Keimesbildung sehen. Darauf muß Geisteswissenschaft hinweisen. Sie wird immer mehr zeigen, daß, was an naturwissenschaftlichen Tatsachen heute schon vorliegt, in hohem Grade das bestätigt, was Geisteswissenschaft zu sagen hat. Wie kann man, wie zum Beispiel Loeb, die Hydroidensubstanz zerschneiden, sehen, wie sich da auf der einen Seite Kopf und Fühler bilden, auf der anderen Seite Füße, die Geschichte umkehren, und zwischen den Füßen wiederum einen Kopf sich bilden sehen, und doch ganz davon absehen, daß da ein ähnliches inneres Verhältnis der Bildekräfte zum Kosmos besteht, wie bei der Magnetnadel zum Erdmagnetismus? Und wie kann man dann übersehen, welche wunderbare Bestätigung das auf äußerem Gebiete für die Tatsache ist, die nun rein geistig auf geistesforscherischem Gebiete gefunden wird, daß das, was im Menschen auf übersinnliche Weise als Bildekräfteleib lebt, in einer ähnlichen Weise dem ganzen Kosmos eingegliedert ist, daß dadurch kosmische Kräfte hineingeführt werden in die menschliche Natur, so daß der Mensch in der Tat, während er in seinem gewöhnlichen Bewußtsein auf der Erde lebt, dadurch, daß ihm das Übersinnliche eingegliedert ist, zugleich in dem unvergänglichen, dem ewigen Kosmos lebt. Doch davon soll in den nächsten Vorträgen die Rede sein, in denen ich mehr über die eigentliche, ewige Natur des Menschen und über das Schicksal der Seele nach dem Tode sprechen werde.

[ 26 ] Thus, the entire spiritual-soul aspect—thinking, feeling, and willing—has been related to the three kinds of life processes in the human organism. For when one examines the human organism, its entire life is comprised of nervous processes, rhythmic processes, and metabolic processes. The entire physical aspect of the human being stands in direct connection with the entire spiritual and psychological realm. This connection can be substantiated by thousands of facts that are already recognized by natural science today, but which are simply not posed as questions in the right way and are therefore not approached in such a way that one can find through them the path to spiritual insight—which alone can bring order to the riddles of natural science. Thus, one can make the following discovery today: One need only pick up a state-of-the-art physiology textbook; one need only familiarize oneself with what has actually been discovered in the field of natural science, need only set aside the prejudices that have been theoretically introduced into it, need only see through it correctly and ask the right questions—then what is already available in natural science today provides, to an immensely high degree, universal confirmation of what spiritual science has to say. But natural science does not come to truly apply its methods comprehensively. It specializes. As a result, what is correctly applied in one field is not transferred to another. Will it, for example, occur to science to conceive of the magnetic needle’s orientation from north to south in physical terms such that the forces determining the direction act only within the magnetic needle itself? Rather, science rightly states: The Earth itself is a great magnet; the Earth’s magnetic north pole attracts one end of the magnetic needle, and the magnetic south pole attracts the other end. In short, the magnetic needle, with its directional force, is situated within the entire cosmos. Just imagine if this were applied to organic science! In organic science, one proceeds in the same way as someone who would seek the directional forces of the magnetic needle solely within the magnetic needle itself. There, one practices embryology and studies how the chicken’s egg develops, seeking its origin solely in the chicken itself, or at most in its ancestors along the line of inheritance. If one were to apply the physical method to embryology, one would readily perceive throughout the entire cosmos the formative forces responsible for egg formation and germ formation. This is what spiritual science must point out. It will increasingly demonstrate that the scientific facts already available today confirm to a high degree what spiritual science has to say. How can one—as Loeb does, for example—cut through the hydrozoan substance, observe how a head and tentacles form on one side and feet on the other, reverse the process, and then see another head form between the feet—and yet completely overlook the fact that there exists a similar inner relationship between the formative forces and the cosmos as that between the magnetic needle and the Earth’s magnetism? And how, then, can one fail to see what a wonderful confirmation this is, in the external realm, of the fact now discovered purely spiritually in the field of spiritual research—namely, that what lives in the human being in a supersensible way as the body of formative forces is integrated into the entire cosmos in a similar manner, so that cosmic forces are thereby introduced into human nature, so that the human being, while living on Earth in ordinary consciousness, lives at the same time within the imperishable, eternal cosmos through the fact that the supersensible is integrated into him. But this will be the subject of the next lectures, in which I will speak more about the actual, eternal nature of the human being and about the destiny of the soul after death.

[ 27 ] Heute war es meine Aufgabe, zu zeigen, wie Geisteswissenschaft, indem sie zum Geist hinführt, auch zum Wesen der Natur hinführt, wie sie die Rätsel der Natur in Wirklichkeit zu erfassen, zu ergründen vermag. Da kommt man denn dazu, nicht mehr zurückzublicken auf einen Kant-Laplaceschen Urnebel, sondern durch wirkliche innere geistige Erkenntnis sich zu sagen: Du kennst jetzt das, was mit dem ganzen Kosmos im Menschen zusammenhängt, was die höhere Wesenheit in seinem rein äußerlichen natürlichen Dasein ist, was übersinnlich zugrunde liegt dem, was sinnlich in seinem Leib zum Ausdruck kommt. Du mußt nun diesen Leib zurückverfolgen, wie er in Urzeiten auf der Stufe gestanden hat, auf der heute das Geistig-Seelische steht, um dann zu anderen Entwickelungsstufen vorzuschreiten. Auch dies kann ich nur andeuten. Aber es ist ja aus dem ganzen Sinn des heute Auseinandergesetzten klar: Man kommt dazu, nicht in dem unlebendigen KantLaplaceschen Weltnebel den Anfangszustand der Erde zu denken, sondern in einem Geistig-Seelischen, so daß man in der Erde den Übergang sieht vom Geistigen zum Materiellen, wie auch im einzelnen Menschen, indem er aus der geistigen Welt heruntersteigt, um sich hier durch die Verbindung mit Materiellem zu verleiblichen. So kommt man nicht zum leblosen Kant-Laplaceschen Urnebel, sondern zu dem, was geistig-seelisch im Anfang des Erdendaseins steht, zum geistig-seelischen Ursprung und zum geistig-seelischen Endzustande des Erdendaseins. Man verbindet sich da in Wirklichkeit, nicht bloß durch Hypothesen, mit dem äußeren Dasein. So lernt man Gedanken nur so zu fassen, wie sie wirklichkeitsgemäß sind.

[ 27 ] Today, my task was to show how spiritual science, by leading us toward the spirit, also leads us toward the essence of nature, and how it is capable of truly grasping and fathoming the mysteries of nature. This leads one to no longer look back at a Kant-Laplacean primordial nebula, but rather, through genuine inner spiritual insight, to say to oneself: You now know what is connected within the human being to the entire cosmos, what the higher being is in its purely external, natural existence, and what lies supersensually at the foundation of what is expressed sensually in the body. You must now trace this body back to the stage it occupied in primeval times—the stage on which the spiritual-soul aspect stands today—in order to then proceed to other stages of development. I can only hint at this as well. But it is clear from the overall meaning of what has been discussed today: One comes to conceive of the Earth’s initial state not in the lifeless Kant-Laplacean primordial nebula, but in a spiritual-soul aspect, so that one sees in the Earth the transition from the spiritual to the material, just as in the individual human being, who descends from the spiritual world to incarnate here through union with the material. Thus, one does not arrive at the lifeless Kant-Laplacean primordial nebula, but rather at what stands as spiritual-soul-like at the beginning of earthly existence—at the spiritual-soul-like origin and the spiritual-soul-like final state of earthly existence. There, one connects with external existence in reality, not merely through hypotheses. In this way, one learns to grasp thoughts only as they correspond to reality.

[ 28 ] Ich möchte hier hinweisen auf eine sehr interessante Vorlesung, die Professor Dewar im Anfang dieses Jahrhunderts gehalten hat. Er geht in seinen Ausführungen ganz wissenschaftlich vor, es ist logisch nicht das Geringste dagegen einzuwenden. Er rechnet aus, wie nach Jahrmillionen der Zustand der Erde sein wird, und rechnet ganz richtig wissenschaftlich wie folgt: Da muß mindestens eine Temperatur von minus 200 Grad Celsius sein; bei diesem Kältegrad müssen aber ganz andere Verhältnisse vorliegen. Was die Erde als Luftkreislauf umgibt, wird dann zu Wasser verflüssigt sein, wird ein Meer bilden. Die jetzigen leichteren Gase werden dann einen Luftkreislauf bilden, gewisse Substanzen — es ist, wie gesagt, ganz richtig naturwissenschaftlich kombiniert — werden, während sie heute flüssig sind, dann fest sein. Zum Beispiel die Milch, die heute flüssig ist, wird bei minus 200 Grad fest sein. Aber nicht nur fest, sondern, wenn sie eine Zeitlang dem Licht ausgesetzt ist, so wird sie selbst leuchtend sein. Man wird daher — der Professor schildert sehr anschaulich — mit diesem Milcheiweiß nur die Wände zu bestreichen brauchen, ° dann wird man bei diesem Milchlichte Zeitungen lesen können! Er beschreibt weiter sehr anschaulich, wie man dann nicht mehr — was heute schon zur Misere geworden ist — wird photographieren können, weil bei dieser Temperatur die chemischen Kräfte der Lichtstrahlen verloren gegangen sein werden. Kurz, man könnte das Bild ganz nach wissenschaftlichen Methoden recht gut weiterführen. Derjenige, der durch die geistige Forschung gelernt hat, wirklichkeitsgemäß zu denken, der steht der Wirklichkeit so nahe, daß er weiß, wo er mit seinem Denken aufzuhören hat. Ein solches Forschen — so paradox das klingt, was ich jetzt sage, es ist dem Geistesforscher durchaus eine Selbstverständlichkeit — ist gerade so, wie wenn sie irgendein Organ des Menschen nehmen, zum Beispiel das Herz: Sie beobachten seine Veränderungen durch sechs bis sieben Jahre und kombinieren dann ganz wissenschaftlich, wie sich das Herz weiterverändern muß, rechnen aus, wie es sich nach dreihundert Jahren verändert hat. Da haben Sie dieselbe Methode, die da von Professor Dewar angewendet wird! Indem er die langsamen Veränderungen unserer Erde während einer übersehbaren Zeit ausdehnt auf Jahrmillionen, kommt er zum Endzustande der Erde, wie man zu einem Zustande des Menschen nach dreihundert Jahren kommen würde, wenn man der Berechnung die Veränderung eines Organs oder des Gesamtorganismus während einiger Jahre zugrunde legt, ohne dabei zu berücksichtigen, daß der Mensch dann natürlich als physisches Wesen schon längst tot ist. So wird auch die Erde nicht mehr bestehen in der Zeit, für die Professor Dewar diesen schönen Zustand ausgerechnet hat, für den man ja, äußerlich betrachtet, fragen möchte, wer denn noch bei minus 200 Grad Celsius Zeitungen lesen wird, bei diesen mit Milcheiweiß angestrichenen luminiszierenden Wänden, welche Kühe dann die flüssige Milch geben werden und so weiter! Schon eine ganz äußerliche Betrachtung könnte einem zeigen, wenn man sein Denken mit der Wirklichkeit verbunden hat, daß, sobald man aufhört, mit denjenigen Gedanken zu denken, die die physische Wirklichkeit hergibt, man ins Geistige übergehen muß. Aber nach derselben Methode ist die Kant-Laplacesche Theorie erdacht, gerade so, wie wenn Sie davon ausgehen, wie das menschliche Herz sich in einer bestimmten übersehbaren Epoche geändert hat, und dann ausrechnen, wie das Herz nach dreihundert Jahren sein wird. Das Denken, das sich mit Wirklichkeit gesättigt hat, indem es den Geist aufgenommen hat, das läßt einen nicht die Begriffe bis zu dieser Leere ausbilden, welche dann unmöglich macht, daß es nun noch eine vollständig vorurteilslose Betrachtung einer geistigen Welt geben kann.

[ 28 ] I would like to draw attention here to a very interesting lecture that Professor Dewar gave at the beginning of this century. He takes a strictly scientific approach in his explanations; logically, there is not the slightest objection to them. He calculates what the state of the Earth will be after millions of years, and does so quite correctly from a scientific standpoint as follows: The temperature must be at least minus 200 degrees Celsius; at this level of cold, however, entirely different conditions must prevail. What surrounds the Earth as the atmospheric cycle will then have liquefied into water, forming an ocean. The lighter gases of today will then form an atmosphere, and certain substances—as I said, this is a perfectly sound scientific conclusion—will be solid, whereas today they are liquid. For example, milk, which is liquid today, will be solid at minus 200 degrees. But not only will it be solid; if it is exposed to light for a while, it will itself become luminous. Therefore—as the professor describes very vividly—one will only need to coat the walls with this milk protein, and then one will be able to read newspapers by this “milk light”! He goes on to describe very vividly how it will then no longer be possible—which has already become a problem today—to take photographs, because at this temperature the chemical forces of the light rays will have been lost. In short, one could continue the image quite well using entirely scientific methods. Those who, through spiritual research, have learned to think in accordance with reality are so close to reality that they know where to stop their thinking. Such research—as paradoxical as what I am about to say may sound, it is entirely self-evident to the spiritual researcher—is exactly like taking any human organ, for example, the heart: You observe its changes over six to seven years and then, in a thoroughly scientific manner, deduce how the heart must continue to change, calculating how it will have changed after three hundred years. There you have the very same method applied by Professor Dewar! By extrapolating the slow changes in our Earth over a finite period of time to millions of years, he arrives at the Earth’s final state, just as one would arrive at a human’s state after three hundred years if one based the calculation on the changes in an organ or the entire organism over a few years, without taking into account that the human, as a physical being, would of course have been dead long ago by then. Likewise, the Earth will no longer exist by the time Professor Dewar has calculated this ideal state—a state that, viewed from the outside, makes one wonder who will still be reading newspapers at minus 200 degrees Celsius, with these luminescent walls coated with milk protein, which cows will be producing liquid milk by then, and so on! Even a purely superficial observation could show one—if one has connected one’s thinking to reality—that as soon as one ceases to think with the thoughts that physical reality provides, one must move into the spiritual realm. But the Kant-Laplacean theory is conceived according to the same method—just as if you were to start from how the human heart has changed over a specific, finite period of time and then calculate what the heart will be like in three hundred years. Thinking that has become saturated with reality by incorporating the spirit does not allow one to develop concepts to the point of this emptiness, which then makes it impossible for there to be a completely unbiased contemplation of a spiritual world.

[ 29 ] So kommt es denn, daß Geisteswissenschaft wirklich den Boden liefern wird, auf dem eine wirklichkeitsgemäße Betrachtungsweise auftaucht, die auch wirklich einem gesunden menschlichen Denken entgegenkommen wird. Es ist doch bemerkenswert — und dafür will ich ein Beispiel anführen, das ich hier schon bei früheren Vorträgen angeführt habe, das vor die Seele zu führen aber immer wieder interessant ist —, wie ein gesundes Denken beschaffen ist, das zwar nicht auf geistesforscherischem Boden steht, das aber der Wirklichkeit in gesunder Weise gegenübersteht, und wie das sich zu solchem Denken verhält, das ganz richtig wissenschaftlich ist, das aber nicht bemerkt, daß diese Wissenschaftlichkeit an einem bestimmten Punkte aufhört, in der Wirklichkeit zu stehen. Wie auf ein solches wissenschaftliches Denken ein gesundes Empfinden nicht eingehen kann, dafür möchte ich hinweisen auf Ausführungen, die Herman Grimm in seinem schönen Goethe-Buch, in dem so viel Geistvolles steht, über die Kant-Laplacesche Theorie gemacht hat, über den Urnebel, aus dem sich alles gebildet haben soll, und das Verhältnis dieser Urnebel-Theorie zu Goethes gesunder Anschauung. Er sagt hierüber:

[ 29 ] This is why spiritual science will truly provide the foundation upon which a view of reality in harmony with reality will emerge—one that will also truly accommodate sound human thinking. It is indeed remarkable—and to illustrate this, I would like to cite an example that I have already mentioned here in earlier lectures, but which is always interesting to bring to mind—how sound thinking is constituted: though it is not grounded in spiritual science, it nevertheless confronts reality in a sound manner, and how it relates to a way of thinking that is entirely scientific, yet fails to recognize that this scientific approach ceases to be grounded in reality at a certain point. To illustrate how a sound sensibility cannot engage with such scientific thinking, I would like to refer to the remarks Herman Grimm made in his beautiful book on Goethe—which contains so much spiritual insight—regarding the Kant-Laplace theory, the primordial nebula from which everything is said to have formed, and the relationship of this primordial nebula theory to Goethe’s sound perspective. He says the following on this subject:

[ 30 ] «Längst hatte in seinen (Goethes) Jugendzeiten schon die große Laplace-Kantsche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht als erstarrende Kugel in unfaßbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozeß, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens bedürfe, als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten. — Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleich zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wißbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.»

[ 30 ] “Long before, during his (Goethe’s) youth, the grand Laplace-Kantian imagination regarding the origin and eventual demise of the Earth had already taken hold. From the self-rotating cosmic nebula—children already learn this in school—the central protoplanet forms, which later becomes the Earth, and, as a solidifying sphere over unimaginable spans of time, undergoes all phases—including the episode of human habitation—only to finally plummet back into the sun as burnt-out slag: a long process, yet one entirely comprehensible to today’s audience, the continuation of which now requires no further external intervention other than the effort of some external force to maintain the Sun at a constant temperature. — No more fruitless prospect for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary in this expectation. A carrion bone that a hungry dog went out of its way to find would be a refreshing, appetizing morsel compared to this final excrement of creation, as which our Earth would ultimately fall back to the sun, and the thirst for knowledge with which our generation accepts such ideas and presumes to believe them is a sign of a sick imagination, which scholars of future epochs will one day expend much ingenuity to explain as a historical phenomenon of our time.”

[ 31 ] Wenn heute uns jemand so etwas sagt, so ist es selbstverständlich, wenn es ein gewöhnlicher Mensch ist, ein Dummkopf, wenn es ein Herman Grimm ist, ein geistreicher Mensch, der aber gerade durch seine Phantasie irregeführt worden sei und wegen seines phantasievollen Idealismus eben nicht eindringen konnte in die strenge, exakte Methode der Naturwissenschaft. Nun ja! Aber schließlich braucht doch derjenige, der ganz richtige naturwissenschaftliche Methoden anwendet, zu dieser Methode noch die Möglichkeit, zu erkennen, wo er mit seinem Denken, das aus den rein physischen Vorgängen geschöpft ist, aus der Wirklichkeit heraustritt, und wo er, um noch in der Wirklichkeit zu bleiben, in den Geist eintreten muß. Dann überzeugt er sich, daß die größten Rätsel der Natur: Anfang und Endzustand des Erdendaseins, zum Geistigen hinführen, daß man nicht in dem Kant-Laplaceschen Urnebel, nicht in dem Dewarschen Erstarrungszustand, sondern in dem geistig-seelischen Erdursprung und Erdenziele die beiden polarischen Enden der Erdenentwickelung zu sehen hat. Darinnen aber sieht man zu gleicher Zeit diejenige geistig-seelisch-leibliche Erdenumgebung, die entspricht dem geistig-seelisch-leiblichen Leben des Menschen selber.

[ 31 ] If someone says something like that to us today, it goes without saying that if it is an ordinary person, they are a fool; if it is someone like Herman Grimm, they are a man of wit who, however, has been misled precisely by his imagination and, because of his imaginative idealism, was simply unable to grasp the rigorous, exact method of natural science. Well, yes! But ultimately, even someone who applies entirely correct scientific methods still needs, in addition to this method, the ability to recognize where his thinking—drawn from purely physical processes—steps outside of reality, and where, in order to remain within reality, he must enter into the spiritual realm. Then they become convinced that the greatest mysteries of nature—the beginning and the final state of earthly existence—lead toward the spiritual; that the two polar extremes of Earth’s development are to be found not in the Kant-Laplacean primordial nebula, nor in the Dewar-ian state of solidification, but in the spiritual-soul-physical origin and destiny of the Earth. In this, however, one simultaneously perceives the spiritual-soul-physical environment of the Earth, which corresponds to the spiritual-soul-physical life of human beings themselves.

[ 32 ] Vorsichtige, ernste Naturforscher fühlen schon das, was Geisteswissenschaft will. Allein es ist heute noch wenig Neigung da, die Dinge wirklich ernst und durchgreifend anzufassen. Zu Darwins hundertstem Geburtstag schrieb unter anderem ein bedeutender Naturforscher der Gegenwart, Julius Wiesner, über die Licht- und Schattenseiten der Darwinschen 'Theorien — und damit hängt ja so viel zusammen, was heute die Welt in bezug auf die Rätsel der Natur beschäftigt. Unter anderem findet sich darin auch eine Stelle mit Bezug auf die Verirrungen und die Schattenseiten der Darwinschen Theorie, die so viel materialistische Meinungsnuancen in den Weltanschauungsfragen hervorgerufen hat. Wiesner sagt da ungefähr folgendes: Der wahre Naturforscher ist sich der Grenzen seiner naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise wohl bewußt und weiß, daß Naturwissenschaft zwar die Bausteine liefern kann zu einer Weltanschauung, niemals aber mehr liefern kann als die Bausteine. Das Bild ist ungefähr zutreffend, weil man es, wie wenige Bilder, noch weiter ausführen kann. Die Naturforschung liefert wirklich nur Bausteine. Nimmt man Bausteine, so kann man mit dem, was sie selber sind, kein Haus aufführen. Man muß die Gesetze zum Hausbau von außen her nehmen, von dem Verhältnis der Schwere, von dem Verhältnis des Druckes, von all dem, was nicht in den Steinen liegt, die Steine müssen sich anderen Gesetzen fügen. Allerdings wird man dann finden, daß, indem man das Haus aufgeführt hat nach Gesetzen, die nicht in den Steinen selber liegen, man in den Druck- und Schwereverhältnissen, den Harmonieverhältnissen und so weiter des Hauses etwas zum Ausdruck gebracht hat, was einen wieder zurückführen kann zu ähnlichen Verhältnissen in der Natur selbst, aus der die Bausteine herausgebrochen sind. Aber zu dem Haus kann man nur kommen, wenn man die Steine anderen Gesetzen unterwirft, als in ihnen selbst liegen. Wiesner hat ganz recht, die Naturforschung kann Bausteine liefern, aber sie müssen anderen Gesetzen unterworfen werden, als sie gefunden werden können in der Sphäre des Naturdaseins selbst. Woher werden die Gesetze gefunden, mit denen Geisteswissenschaft baut, indem sie die naturwissenschaftlichen Ergebnisse als Bausteine verwendet bei der Erforschung des geistigen Lebens? Gerade so, wie der Baukünstler, nachdem er nach ganz anderen Gesetzen, als sie in den Bausteinen gegeben sind, den Plan des Hauses und das Haus selber ausgeführt hat, genau so führt der Geisteswissenschaftler mit dem, was sich auf das Geistige in der Natur bezieht, das Weltanschauungsgebäude für die Naturwissenschaft selber auf nach den Gesetzen, die er im Geiste selbst beobachtet hat. So, wie man in dem Gefüge des Hauses etwas finden kann, was zurückführt zum Naturgefüge, aus dem die Steine herausgebrochen sind, so werden wir allerdings auch von der Geisteswissenschaft wieder zurückgeführt zu der Natur. Geisteswissenschaft kann das Naturleben wiederum erhellen, aber Geisteswissenschaft darf nicht glauben, und Naturwissenschaft darf es auch nicht glauben, wenn sie sich selbst versteht, daß mit den Bausteinen und ihren Gesetzen selbst, mit den unmittelbaren naturwissenschaftlichen Ergebnissen, ein Weltanschauungsgebäude auch für die Naturwissenschaft aufgeführt werden kann.

[ 32 ] Cautious, serious natural scientists already sense what the spiritual sciences seek to achieve. Yet even today, there is still little inclination to tackle these matters with true seriousness and thoroughness. On the occasion of Darwin’s hundredth birthday, Julius Wiesner, a prominent contemporary natural scientist, wrote about the positive and negative aspects of Darwin’s “theories”—and so much of what preoccupies the world today regarding the mysteries of nature is connected to this. Among other things, there is a passage in it referring to the aberrations and dark sides of Darwin’s theory, which has given rise to so many materialistic nuances of opinion in questions of worldview. Wiesner says something along these lines: The true naturalist is well aware of the limits of his scientific approach and knows that while natural science can provide the building blocks for a worldview, it can never provide more than the building blocks. The image is roughly accurate because, unlike most images, it can be elaborated upon further. Natural science really does provide only building blocks. If one takes building blocks, one cannot construct a house using only what they are in and of themselves. One must draw the laws of house-building from outside—from the relationship of weight, the relationship of pressure, and everything else that does not lie within the stones; the stones must conform to other laws. However, one will then find that, by constructing the house according to laws that do not lie within the stones themselves, one has expressed something in the house’s ratios of pressure and weight, its harmonious proportions, and so on—something that can lead one back to similar ratios in nature itself, from which the building blocks were quarried. But one can only arrive at the house by subjecting the stones to laws other than those inherent in them. Wiesner is quite right: natural science can provide building blocks, but they must be subjected to laws other than those found in the sphere of natural existence itself. Where are the laws found with which spiritual science builds, using the findings of natural science as building blocks in the exploration of spiritual life? Just as the architect, having designed the plan of the house and constructed the house itself according to laws entirely different from those inherent in the building blocks, so too does the spiritual scientist use what relates to the spiritual in nature to erect the edifice of a worldview for the natural sciences themselves, according to the laws he has observed in the spirit itself. Just as one can find something in the structure of a house that leads back to the natural structure from which the stones were quarried, so too are we led back to nature by spiritual science. Spiritual science can, in turn, shed light on natural life, but spiritual science must not believe—nor must natural science, if it understands itself—that a worldview can be constructed for natural science itself using only the building blocks and their laws, that is, the immediate findings of natural science.

[ 33 ] Die heutigen Betrachtungen dürften es rechtfertigen, daß ich sie zum Schlusse zusammenfasse in dem kurzen Ausspruche: Es zeigt sich gerade, wenn man eingeht auf eine richtige Beobachtung und Betrachtung der Rätsel der Natur, daß die Naturwissenschaft selbst zum Geiste hinführt, und daß in der Betrachtung des Geistes auch die Elemente gegeben werden, um die Rätsel der Natur selber zu lösen. So kann man, wie einen Merkspruch für ein Weltanschauungsstreben auch auf naturwissenschaftlichem Gebiete und für die Rätsel der Natur, den finden:

[ 33 ] Today’s reflections should justify my summarizing them at the end in this brief statement: It becomes evident, precisely when one engages in a proper observation and contemplation of the mysteries of nature, that the natural sciences themselves lead to the spirit, and that in the contemplation of the spirit the elements are also provided to solve the mysteries of nature itself. Thus, one can find the following as a motto for the pursuit of a worldview, even in the realm of the natural sciences and regarding the mysteries of nature:

[ 34 ] Nicht die Natur selbst kann über sich selbst aufklären, sondern allein das Licht, das in der geistigen Welt gewonnen wird, kann auch die Vorgänge und die Wesenhaftigkeiten der Natur durchleuchten. Will man die Natur erkennen, so muß man den Weg durch den Geist nehmen. Der Geist ist das Licht, das eine eigene Wesenheit beleuchtet und von sich aus auch die Rätsel der Natur beleuchten kann.

[ 34 ] Nature itself cannot shed light on itself; rather, only the light gained in the spiritual world can illuminate the processes and essences of nature. If one wishes to understand nature, one must take the path through the spirit. The spirit is the light that illuminates its own essence and, of its own accord, can also shed light on the mysteries of nature.