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The Eternal in the Human Soul
Immortality and Freedom
GA 67

18 April 1918, Berlin

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Das Ewige in der Menschenseele — Unsterblichkeit und Freiheit
  1. The Eternal in the Human Soul, tr. SOL

9. Der Übersinnliche Mensch II

9. Der Übersinnliche Mensch II

Der übersinnliche Mensch nach den Ergebnissen geisteswissenschaftlicher Forschung

Der übersinnliche Mensch nach den Ergebnissen geisteswissenschaftlicher Forschung

[ 1 ] Da der übersinnliche Mensch, insofern er als solcher zugegeben wird, anerkannt werden muß als die tiefste innere Wesenheit des Menschen, so ist es ganz natürlich, daß die Erkenntnis des übersinnlichen Menschen im höchsten Sinne des Wortes menschliche Selbsterkenntnis ist. Aber mit dieser menschlichen Selbsterkenntnis steht man vor einem sehr merkwürdigen Paradoxon. Man steht auf der einen Seite vor der Notwendigkeit, den Menschen selbst als Übersinnliches zu erfassen; auf der andern Seite sind alle diejenigen Erkenntnisfähigkeiten, die der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ausbildet, durchaus an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Auch das, was er mit dem Verstande erfaßt, ist, insofern es dem menschlichen Bewußtsein angehört, an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Man könnte daher sagen, die menschliche Selbsterkenntnis fordere die Anschauung des Menschen mit Erkenntnisfähigkeiten, die zunächst seinem Bewußtsein völlig ferne liegen. Insofern sich der Mensch seiner Wesenheit als einer übersinnlichen bewußt wird, muß er in einem gewissen Sinne anerkennen, daß alles, was er im Leben vollführt, aus seinem übersinnlichen Wesen entspringt. Auf der andern Seite, könnte man sagen, zeigt sich alles, was in seinem Bewußtsein auftritt, in einem etwas uneigentlichen Sinne in der «Verhüllung» des Sinnlichen. Daher kommt es ja, daß gerade in dem hier gemeinten geisteswissenschaftlichen Sinne alles Forschen und auch alles Sprechen über das Übersinnliche so leicht und so häufig mißverstanden wird. Denn die heutigen Betrachtungen werden durchaus zeigen, daß man mit den gewöhnlichen Fähigkeiten des alltäglichen Menschenbewußtseins, auch desjenigen Bewußtseins, das der äußeren Wissenschaft zugrunde liegt, an die tiefste und damit an die wahre Wesenheit des Menschen doch nicht herankommen kann. Ja, man muß sogar noch mehr sagen: Jene Art von Erkenntnis, die sich in so großartiger Weise in der neueren Zeit auf den Grundlagen naturwissenschaftlicher Weltbetrachtung herausgebildet hat, ist auf gewissen Gebieten eher dazu geeignet, irrezuführen in bezug auf das, was menschliche Selbsterkenntnis ist, als diese Selbsterkenntnis in der richtigen Weise zu leiten. Denn gerade wenn gutgeschulte naturwissenschaftliche Denkweise der Gegenwart sich heranmacht an die menschliche Selbsterkenntnis im weitesten Sinne, dann wird man so recht gewahr, wie sie da nur allzu leicht versagen kann. Wir wollen von einem Beispiele ausgehen.

[ 1 ] Da der übersinnliche Mensch, insofern er als solcher zugegeben wird, anerkannt werden muß als die tiefste innere Wesenheit des Menschen, so ist es ganz natürlich, daß die Erkenntnis des übersinnlichen Menschen im höchsten Sinne des Wortes menschliche Selbsterkenntnis ist. Aber mit dieser menschlichen Selbsterkenntnis steht man vor einem sehr merkwürdigen Paradoxon. Man steht auf der einen Seite vor der Notwendigkeit, den Menschen selbst als Übersinnliches zu erfassen; auf der andern Seite sind alle diejenigen Erkenntnisfähigkeiten, die der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ausbildet, durchaus an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Auch das, was er mit dem Verstande erfaßt, ist, insofern es dem menschlichen Bewußtsein angehört, an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Man könnte daher sagen, die menschliche Selbsterkenntnis fordere die Anschauung des Menschen mit Erkenntnisfähigkeiten, die zunächst seinem Bewußtsein völlig ferne liegen. Insofern sich der Mensch seiner Wesenheit als einer übersinnlichen bewußt wird, muß er in einem gewissen Sinne anerkennen, daß alles, was er im Leben vollführt, aus seinem übersinnlichen Wesen entspringt. Auf der andern Seite, könnte man sagen, zeigt sich alles, was in seinem Bewußtsein auftritt, in einem etwas uneigentlichen Sinne in der «Verhüllung» des Sinnlichen. Daher kommt es ja, daß gerade in dem hier gemeinten geisteswissenschaftlichen Sinne alles Forschen und auch alles Sprechen über das Übersinnliche so leicht und so häufig mißverstanden wird. Denn die heutigen Betrachtungen werden durchaus zeigen, daß man mit den gewöhnlichen Fähigkeiten des alltäglichen Menschenbewußtseins, auch desjenigen Bewußtseins, das der äußeren Wissenschaft zugrunde liegt, an die tiefste und damit an die wahre Wesenheit des Menschen doch nicht herankommen kann. Ja, man muß sogar noch mehr sagen: Jene Art von Erkenntnis, die sich in so großartiger Weise in der neueren Zeit auf den Grundlagen naturwissenschaftlicher Weltbetrachtung herausgebildet hat, ist auf gewissen Gebieten eher dazu geeignet, irrezuführen in bezug auf das, was menschliche Selbsterkenntnis ist, als diese Selbsterkenntnis in der richtigen Weise zu leiten. Denn gerade wenn gutgeschulte naturwissenschaftliche Denkweise der Gegenwart sich heranmacht an die menschliche Selbsterkenntnis im weitesten Sinne, dann wird man so recht gewahr, wie sie da nur allzu leicht versagen kann. Wir wollen von einem Beispiele ausgehen.

[ 2 ] In dem immerhin sehr interessanten Büchelchen «Das unterbewußte Ich» von Louis Waldstein, das in der Wiesbadener Sammlung von Schriften über die Grenzfragen des Seelen- und Nervenlebens erschienen ist, da ist von mancherlei die Rede, was auch dem Naturwissenschaftler auffällt, wenn er das menschliche Leben im weiteren Sinne in seiner Entfaltung, in seiner Offenbarung in den verschiedenen Verhältnissen kennenlernt. Wir haben in einem früheren Vortrage von den Offenbarungen des Unbewußten, des Unterbewußten gesprochen. Dieses Beispiel, das ich anführen will, ist das eines Naturforschers, und die Art, wie er darüber spricht, ist so recht im naturwissenschaftlichen Sinne gehalten. Der Verfasser dieses Schriftchens will an einer bestimmten Stelle darauf aufmerksam machen, wie diese Offenbarungen des unbewußten oder unterbewußten Ichwesens herantreten an das menschliche Bewußtsein, wie dieses unterbewußte Wesen gewissermaßen eine eigentümliche, verschwommene Rolle spielt in dem bewußten Wesen des Menschen. Dazu wählt Waldstein das folgende Beispiel. Er sagt: Ich stehe vor dem Schaufenster eines Bücherladens, in dem viele Bücher ausliegen. Da ich Naturforscher bin, fällt mein Blick gerade auf eine Schrift über die Mollusken. In diesem Moment, als mein Blick auf dieses Buch fällt, muß ich anfangen, so still zu lächeln, und ich bin selbst darüber erstaunt, wie ich dazu komme, da doch eine Schrift über die Mollusken nichts Humoristisches hat. — Er erzählt nun weiter: Ich schließe nun die Augen, um zu erforschen, was vielleicht in meiner Umgebung vor sich geht. Und wie ich den Blick von dem mich interessierenden Mollusken-Buche ablenke, da höre ich in der Tat so ganz in der Ferne, wenn auch nur ganz leise, die Töne einer Drehorgel. Sie spielt die Melodie eines Liedes, welches mir in meiner Knabenzeit gespielt worden ist, um das Tempo anzugeben, als ich meine erste Quadrille tanzte. Damals habe ich mich wenig damit befaßt, sehr stark achtzugeben, welche Sympathien oder Antipathien ich gerade dieser Melodie entgegenzubringen habe; denn ich war sehr damit beschäftigt, meine Tanzschritte ordentlich zu machen, meine Partnerin in Schwung zu halten, herumzukriegen und so weiter. Damals war ich also gar nicht besonders aufmerksam auf das, was mir da musikalisch so halb ins Bewußtsein getreten ist. Und dennoch, daß ich jetzt, wo ich vor dem MolluskenBuche stehe, nach Jahrzehnten leise lächeln muß, das bezeugt doch, daß der Eindruck, den damals jene Melodie gemacht hat, jetzt noch nachwirkt, wo sie von einer Drehorgel wieder ertönt; und hätte ich nicht die Augen zugemacht, sondern hätte ich mich nur mit dem Erstaunen begnügt, daß ich gerade vor einem Mollusken-Buche lächeln muß, so hätte ich in der Gegenwart auch gar nicht gewußt, wie ich dazu gekommen bin, vor dem Mollusken-Buche zu lächeln.

[ 2 ] In dem immerhin sehr interessanten Büchelchen «Das unterbewußte Ich» von Louis Waldstein, das in der Wiesbadener Sammlung von Schriften über die Grenzfragen des Seelen- und Nervenlebens erschienen ist, da ist von mancherlei die Rede, was auch dem Naturwissenschaftler auffällt, wenn er das menschliche Leben im weiteren Sinne in seiner Entfaltung, in seiner Offenbarung in den verschiedenen Verhältnissen kennenlernt. Wir haben in einem früheren Vortrage von den Offenbarungen des Unbewußten, des Unterbewußten gesprochen. Dieses Beispiel, das ich anführen will, ist das eines Naturforschers, und die Art, wie er darüber spricht, ist so recht im naturwissenschaftlichen Sinne gehalten. Der Verfasser dieses Schriftchens will an einer bestimmten Stelle darauf aufmerksam machen, wie diese Offenbarungen des unbewußten oder unterbewußten Ichwesens herantreten an das menschliche Bewußtsein, wie dieses unterbewußte Wesen gewissermaßen eine eigentümliche, verschwommene Rolle spielt in dem bewußten Wesen des Menschen. Dazu wählt Waldstein das folgende Beispiel. Er sagt: Ich stehe vor dem Schaufenster eines Bücherladens, in dem viele Bücher ausliegen. Da ich Naturforscher bin, fällt mein Blick gerade auf eine Schrift über die Mollusken. In diesem Moment, als mein Blick auf dieses Buch fällt, muß ich anfangen, so still zu lächeln, und ich bin selbst darüber erstaunt, wie ich dazu komme, da doch eine Schrift über die Mollusken nichts Humoristisches hat. — Er erzählt nun weiter: Ich schließe nun die Augen, um zu erforschen, was vielleicht in meiner Umgebung vor sich geht. Und wie ich den Blick von dem mich interessierenden Mollusken-Buche ablenke, da höre ich in der Tat so ganz in der Ferne, wenn auch nur ganz leise, die Töne einer Drehorgel. Sie spielt die Melodie eines Liedes, welches mir in meiner Knabenzeit gespielt worden ist, um das Tempo anzugeben, als ich meine erste Quadrille tanzte. Damals habe ich mich wenig damit befaßt, sehr stark achtzugeben, welche Sympathien oder Antipathien ich gerade dieser Melodie entgegenzubringen habe; denn ich war sehr damit beschäftigt, meine Tanzschritte ordentlich zu machen, meine Partnerin in Schwung zu halten, herumzukriegen und so weiter. Damals war ich also gar nicht besonders aufmerksam auf das, was mir da musikalisch so halb ins Bewußtsein getreten ist. Und dennoch, daß ich jetzt, wo ich vor dem MolluskenBuche stehe, nach Jahrzehnten leise lächeln muß, das bezeugt doch, daß der Eindruck, den damals jene Melodie gemacht hat, jetzt noch nachwirkt, wo sie von einer Drehorgel wieder ertönt; und hätte ich nicht die Augen zugemacht, sondern hätte ich mich nur mit dem Erstaunen begnügt, daß ich gerade vor einem Mollusken-Buche lächeln muß, so hätte ich in der Gegenwart auch gar nicht gewußt, wie ich dazu gekommen bin, vor dem Mollusken-Buche zu lächeln.

[ 3 ] Man sieht daraus, wie geheimnisvoll in den Untergründen des menschlichen Seelenlebens solche Dinge weiterwirken, wieviel überhaupt am Menschen und im Menschen ist, das nur ganz traumhaft, könnte man sagen, verschwommen ins Bewußtsein heraufkommt; man sieht daraus, wie schwierig es ist; zu wirklicher Selbsterkenntnis des Menschenwesens zu kommen. Denn welcher Gefahr setzt man sich eigentlich aus, wenn man Selbstbeobachtung üben will? Doch der Gefahr, daß man es zu tun hat mit allen möglichen unterbewußten Dingen, die man vielleicht vor Jahrzehnten einmal ganz verschwommen aufgenommen hat, die nachwirken, die nur in den alleruntersten Untergründen der Seele wie eine Stimmung wirken, die dann heraufkommen und dasjenige färben, nuancieren, was man nun an sich selbst beobachtet. Solche Beispiele bringen Waldstein und andere in großer Zahl. Sie finden solche auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» angegeben. Solche Beispiele sind sehr geeignet, recht vorsichtig zu machen in bezug auf das, was man menschliche Selbstbeobachtung nennt. Denn gar mancher stellt sich auf den Boden der Selbstbeobachtung und glaubt, auf diesem auch zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selbst zu kommen. Mancher glaubt auch, indem er solche Reminiszenzen aus seinem Unterbewußtsein heraufholt, alle möglichen hellseherischen Entdeckungen zu machen.

[ 3 ] Man sieht daraus, wie geheimnisvoll in den Untergründen des menschlichen Seelenlebens solche Dinge weiterwirken, wieviel überhaupt am Menschen und im Menschen ist, das nur ganz traumhaft, könnte man sagen, verschwommen ins Bewußtsein heraufkommt; man sieht daraus, wie schwierig es ist; zu wirklicher Selbsterkenntnis des Menschenwesens zu kommen. Denn welcher Gefahr setzt man sich eigentlich aus, wenn man Selbstbeobachtung üben will? Doch der Gefahr, daß man es zu tun hat mit allen möglichen unterbewußten Dingen, die man vielleicht vor Jahrzehnten einmal ganz verschwommen aufgenommen hat, die nachwirken, die nur in den alleruntersten Untergründen der Seele wie eine Stimmung wirken, die dann heraufkommen und dasjenige färben, nuancieren, was man nun an sich selbst beobachtet. Solche Beispiele bringen Waldstein und andere in großer Zahl. Sie finden solche auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» angegeben. Solche Beispiele sind sehr geeignet, recht vorsichtig zu machen in bezug auf das, was man menschliche Selbstbeobachtung nennt. Denn gar mancher stellt sich auf den Boden der Selbstbeobachtung und glaubt, auf diesem auch zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selbst zu kommen. Mancher glaubt auch, indem er solche Reminiszenzen aus seinem Unterbewußtsein heraufholt, alle möglichen hellseherischen Entdeckungen zu machen.

[ 4 ] Nun kann man ja auch in einer anderen Weise vorsichtig sein. Man kann sich zum Beispiel klarmachen, daß manche, die behaupten, durch ihre übersinnliche Erkenntnis ihres Inneren das oder jenes zu durchschauen, diese übersinnlichen Erkenntnisse in Bildern ausdrücken, die zum Beispiel vom Telegraphen- oder Eisenbahnwesen oder dergleichen hergenommen sind. Daraus würde man also sehen, daß das Übersinnliche mit seinen Bildern gerade gewartet haben mußte, bis die Eisenbahnen erfunden worden sind, um sich zu zeigen, Wer aber nicht leichten Herzens, nicht unkritisch an die übersinnliche Forschung geht, der wird auch leicht wissen können, wie leichtsinnig, wie leichtfertig und unkritisch auf diesem Gebiete zuweilen verfahren wird, und wie wohltätig es eigentlich ist, daß durch gründliches naturwissenschaftliches Denken darauf hingewiesen wird, wie solche Inhalte, die manchmal jemand für Offenbarung höherer Welten hält, nichts anderes sind als das, was der Betreffende einmal in irgendeiner verschwommenen Weise in einem früheren Lebensalter aufgenommen hat, was damals nicht zum Bewußtsein gekommen ist, was sich in vielfacher Weise verändert hat, was er nicht wieder erkennt, was er aber jetzt für eine Offenbarung hält, die auf übersinnliche Art zustandegekommen ist. In meinem erwähnten Buche habe ich darauf hingewiesen, wie eigentlich alles auf den Menschen wirkt und wie manchmal in etwas, was der Mensch für eine Eingebung hält, nichts anderes zu suchen ist als die Umformung eines Ladenschildes, das er im Vorübergehen auf der Straße nicht ordentlich angesehen hat, sondern das nur in sein Unterbewußtes eingedrungen ist.

[ 4 ] Nun kann man ja auch in einer anderen Weise vorsichtig sein. Man kann sich zum Beispiel klarmachen, daß manche, die behaupten, durch ihre übersinnliche Erkenntnis ihres Inneren das oder jenes zu durchschauen, diese übersinnlichen Erkenntnisse in Bildern ausdrücken, die zum Beispiel vom Telegraphen- oder Eisenbahnwesen oder dergleichen hergenommen sind. Daraus würde man also sehen, daß das Übersinnliche mit seinen Bildern gerade gewartet haben mußte, bis die Eisenbahnen erfunden worden sind, um sich zu zeigen, Wer aber nicht leichten Herzens, nicht unkritisch an die übersinnliche Forschung geht, der wird auch leicht wissen können, wie leichtsinnig, wie leichtfertig und unkritisch auf diesem Gebiete zuweilen verfahren wird, und wie wohltätig es eigentlich ist, daß durch gründliches naturwissenschaftliches Denken darauf hingewiesen wird, wie solche Inhalte, die manchmal jemand für Offenbarung höherer Welten hält, nichts anderes sind als das, was der Betreffende einmal in irgendeiner verschwommenen Weise in einem früheren Lebensalter aufgenommen hat, was damals nicht zum Bewußtsein gekommen ist, was sich in vielfacher Weise verändert hat, was er nicht wieder erkennt, was er aber jetzt für eine Offenbarung hält, die auf übersinnliche Art zustandegekommen ist. In meinem erwähnten Buche habe ich darauf hingewiesen, wie eigentlich alles auf den Menschen wirkt und wie manchmal in etwas, was der Mensch für eine Eingebung hält, nichts anderes zu suchen ist als die Umformung eines Ladenschildes, das er im Vorübergehen auf der Straße nicht ordentlich angesehen hat, sondern das nur in sein Unterbewußtes eingedrungen ist.

[ 5 ] Damit weist man hin auf ein Gebiet des menschlichen Lebens, das recht sorgfältig und recht kritisch gerade von demjenigen ins Auge gefaßt werden muß, der ernsthaft sein Forschen auf die übersinnliche Welt ausdehnen will. Aber auf der andern Seite: Dieses ganze ReminiszenzWesen, dieses ganze Leben in heraufkommenden, den Menschen äffenden unterbewußten Vorstellungen weist auf etwas ganz anderes hin, es ist gewissermaßen die Nebenerscheinung von etwas ganz anderem, Da muß ich heute noch etwas genauer auf etwas zurückkommen, was ich im Laufe dieser Vorträge auch schon erwähnt habe: das Verhältnis zwischen dem, was wir das Erinnerungsvermögen der menschlichen Seele nennen, und dem, was wir das gewöhnliche Vorstellungsleben nennen. Eine sehr gangbare Art zu denken, die auch in der Wissenschaft, namentlich in der Seelenkunde eine große Rolle gespielt hat, ist ja diese, daß der Mensch, indem er der Außenwelt gegenübertritt, Erlebnisse hat. Diese Erlebnisse rufen Vorstellungen in ihm hervor. Diese Vorstellungen hat er jetzt. Nach einiger Zeit «erinnert» er sich. Nun stellt man sich diesen Vorgang sehr häufig so vor, als ob diese Vorstellungen, die man einmal gehabt hat und die irgendwo in den Untergründen der Seele spazieren gingen, dann wieder, wenn sie erinnert werden, heraufspazieren ins Bewußtsein. Man denkt sehr häufig, mehr oder weniger bewußt oder unterbewußt, daß das, was in der Erinnerung wieder auftritt, nichts anderes sei als dieselbe Vorstellung, die man einmal gehabt hat, und die da unten herumspaziert ist oder geschlafen hat oder sonst etwas, und dann wieder ins Bewußtsein heraufkommt. Wer aber wirkliche Beobachtung auf diesem Gebiete zu üben versteht, wird diese Art zu denken als etwas recht Kindliches und Laienhaftes ansehen müssen. Denn wenn wir einer äußeren Erscheinung gegenüberstehen, wenn wir ein Erlebnis kleinster oder größerer Art haben, das in uns Wahrnehmungen und durch die Wahrnehmungen Vorstellungen hervorruft, so ist diese «Tätigkeit» — ich will es vorläufig so nennen -, die da verfließt in der Wechselwirkung zwischen uns und der Außenwelt, von einer anderen Tätigkeit begleitet, die für gewöhnlich gar nicht in das menschliche Bewußtsein hereinfällt. Diese Tätigkeit ist noch eine ganz andere; sie begleitet die bewußte vorstellungbildende "Tätigkeit und richtet in unserem Menschenwesen etwas an, was dann zur Erinnerungsbildung führt. Man muß allerdings, um das einzusehen, was ich jetzt meine, richtig beobachten können. Die trivialste Beobachtung auf diesem Gebiete ist die, wenn Sie den Unterschied ins Auge fassen zwischen dem Vorstellungsbilden, was einem ganz leicht fallen kann, und dem Memorieren. Denken Sie nur daran, was junge Leute, die zu einem Examen oder dergleichen «ochsen» müssen, alles anstellen müssen, damit sie etwas nicht nur in der Vorstellung haben, sondern es sich auch noch merken. können. Da werden manchmal ganz sonderbare Verrichtungen noch nebenbei vorgenommen. Denken Sie an das Spiel, das dabei verläuft zwischen den menschlichen Händen und dem Kopfe, wenn jemand etwas ochsen muß. Natürlich ist das nur ein äußeres Zeichen für das, was ich meine. Aber in Wahrheit ist es so, daß während der Tätigkeit, die zum Vorstellen führt, eine andere noch da ist, die gar nicht ins Bewußtsein hereinfällt und die auf unseren Organismus eine Wirkung ausübt, die in etwas ganz anderem besteht, als im Bilden von Vorstellungen. Später, wenn wir uns an das wieder erinnern, was wir einmal vorgestellt haben, dann entsteht diese Vorstellung ganz von neuem; sie entsteht gewissermaßen aus dem «Zeichen», aus dem «Engramm» — wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf -, aus der «Einschreibung», welche diese das Vorstellungbilden begleitende Tätigkeit auf unseren Organismus ausüben kann. Wie wir dem Gegenstande der Außenwelt gegenüberstehen und, nach innen gerichtet, unsere Vorstellung bilden, so stehen wir beim Erinnern unserem eigenen Organwesen gegenüber. Was sich da abspielt, was so verschieden ist von unserem Vorstellen, wie der äußere Gegenstand von unserer Vorstellung, das wird neuerdings wieder in die Vorstellung umgesetzt.

[ 5 ] Damit weist man hin auf ein Gebiet des menschlichen Lebens, das recht sorgfältig und recht kritisch gerade von demjenigen ins Auge gefaßt werden muß, der ernsthaft sein Forschen auf die übersinnliche Welt ausdehnen will. Aber auf der andern Seite: Dieses ganze ReminiszenzWesen, dieses ganze Leben in heraufkommenden, den Menschen äffenden unterbewußten Vorstellungen weist auf etwas ganz anderes hin, es ist gewissermaßen die Nebenerscheinung von etwas ganz anderem, Da muß ich heute noch etwas genauer auf etwas zurückkommen, was ich im Laufe dieser Vorträge auch schon erwähnt habe: das Verhältnis zwischen dem, was wir das Erinnerungsvermögen der menschlichen Seele nennen, und dem, was wir das gewöhnliche Vorstellungsleben nennen. Eine sehr gangbare Art zu denken, die auch in der Wissenschaft, namentlich in der Seelenkunde eine große Rolle gespielt hat, ist ja diese, daß der Mensch, indem er der Außenwelt gegenübertritt, Erlebnisse hat. Diese Erlebnisse rufen Vorstellungen in ihm hervor. Diese Vorstellungen hat er jetzt. Nach einiger Zeit «erinnert» er sich. Nun stellt man sich diesen Vorgang sehr häufig so vor, als ob diese Vorstellungen, die man einmal gehabt hat und die irgendwo in den Untergründen der Seele spazieren gingen, dann wieder, wenn sie erinnert werden, heraufspazieren ins Bewußtsein. Man denkt sehr häufig, mehr oder weniger bewußt oder unterbewußt, daß das, was in der Erinnerung wieder auftritt, nichts anderes sei als dieselbe Vorstellung, die man einmal gehabt hat, und die da unten herumspaziert ist oder geschlafen hat oder sonst etwas, und dann wieder ins Bewußtsein heraufkommt. Wer aber wirkliche Beobachtung auf diesem Gebiete zu üben versteht, wird diese Art zu denken als etwas recht Kindliches und Laienhaftes ansehen müssen. Denn wenn wir einer äußeren Erscheinung gegenüberstehen, wenn wir ein Erlebnis kleinster oder größerer Art haben, das in uns Wahrnehmungen und durch die Wahrnehmungen Vorstellungen hervorruft, so ist diese «Tätigkeit» — ich will es vorläufig so nennen -, die da verfließt in der Wechselwirkung zwischen uns und der Außenwelt, von einer anderen Tätigkeit begleitet, die für gewöhnlich gar nicht in das menschliche Bewußtsein hereinfällt. Diese Tätigkeit ist noch eine ganz andere; sie begleitet die bewußte vorstellungbildende "Tätigkeit und richtet in unserem Menschenwesen etwas an, was dann zur Erinnerungsbildung führt. Man muß allerdings, um das einzusehen, was ich jetzt meine, richtig beobachten können. Die trivialste Beobachtung auf diesem Gebiete ist die, wenn Sie den Unterschied ins Auge fassen zwischen dem Vorstellungsbilden, was einem ganz leicht fallen kann, und dem Memorieren. Denken Sie nur daran, was junge Leute, die zu einem Examen oder dergleichen «ochsen» müssen, alles anstellen müssen, damit sie etwas nicht nur in der Vorstellung haben, sondern es sich auch noch merken. können. Da werden manchmal ganz sonderbare Verrichtungen noch nebenbei vorgenommen. Denken Sie an das Spiel, das dabei verläuft zwischen den menschlichen Händen und dem Kopfe, wenn jemand etwas ochsen muß. Natürlich ist das nur ein äußeres Zeichen für das, was ich meine. Aber in Wahrheit ist es so, daß während der Tätigkeit, die zum Vorstellen führt, eine andere noch da ist, die gar nicht ins Bewußtsein hereinfällt und die auf unseren Organismus eine Wirkung ausübt, die in etwas ganz anderem besteht, als im Bilden von Vorstellungen. Später, wenn wir uns an das wieder erinnern, was wir einmal vorgestellt haben, dann entsteht diese Vorstellung ganz von neuem; sie entsteht gewissermaßen aus dem «Zeichen», aus dem «Engramm» — wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf -, aus der «Einschreibung», welche diese das Vorstellungbilden begleitende Tätigkeit auf unseren Organismus ausüben kann. Wie wir dem Gegenstande der Außenwelt gegenüberstehen und, nach innen gerichtet, unsere Vorstellung bilden, so stehen wir beim Erinnern unserem eigenen Organwesen gegenüber. Was sich da abspielt, was so verschieden ist von unserem Vorstellen, wie der äußere Gegenstand von unserer Vorstellung, das wird neuerdings wieder in die Vorstellung umgesetzt.

[ 6 ] Wer die Organisation des menschlichen Geistes und seiner Wirksamkeit zu beobachten versteht, der weiß, daß das, was sich als Vorstellung bildet, kommt und vergeht, indem es vorgestellt wird. Und wenn etwas erinnert wird, so ist nicht die Vorstellung da unten schlafend gewesen und tritt wieder herauf, sondern aus etwas ganz anderem, was unten im Organismus vor sich geht, wird neuerdings die Vorstellung gebildet. Worauf ich da hinweisen will, das ist, daß wir in jener Tätigkeit, die ich jetzt als eine begleitende anführte, etwas zu sehen haben, was eigentlich neben unserem ganzen bewußten Leben einherläuft, im Untergrunde unseres bewußten Lebens ist und mit etwas zusammenhängt, was eben mit den Erinnerungsbildern aus unserem Unterbewußten immer herauftaucht. So wie, ich möchte sagen, alles das, was in den Weiten der Welt erscheint, auch seine Begleiterscheinungen hat, die zuweilen selbst wie die Karikatur des Echten auftreten, so ist auch das, was vorhin als Beispiel aus der Schrift von Louis Waldstein angeführt worden ist, eine solche Begleiterscheinung der ganz normalen regelmäßigen Art, wie die menschliche Wesenheit in der Gedächtnisfunktion wirkt. Man möchte sagen: Was unterbewußt vor sich geht, damit der Mensch ein gedächtnishabendes Wesen ist, das kommt, wenn es überfließt oder etwas undeutlich, verschwommen bleibt, in solchen Dingen zum Vorschein, wie das ist, daß man aus der Stimmung heraus die Klänge einer Drehorgel kaum hört und sie dennoch eine Wirkung erzeugen, die einen vor einem Mollusken-Buche zum Lächeln bringen kann. Was da vorliegt, das verhüllt eher das, worauf es ankommt, als daß es die Dinge erklärt. Denn worauf es ankommt, ist eine sehr normale, für die Menschenwesenheit sehr notwendige Betätigung, nämlich das, was dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegt. Das ist etwas, was unser ganzes bewußtes Leben fortwährend begleitet, aber wir richten nicht im gewöhnlichen Leben die Aufmerksamkeit auf dieses Begleitende. Das Begleitende liegt in der Einrichtung unserer Organisation.

[ 6 ] Wer die Organisation des menschlichen Geistes und seiner Wirksamkeit zu beobachten versteht, der weiß, daß das, was sich als Vorstellung bildet, kommt und vergeht, indem es vorgestellt wird. Und wenn etwas erinnert wird, so ist nicht die Vorstellung da unten schlafend gewesen und tritt wieder herauf, sondern aus etwas ganz anderem, was unten im Organismus vor sich geht, wird neuerdings die Vorstellung gebildet. Worauf ich da hinweisen will, das ist, daß wir in jener Tätigkeit, die ich jetzt als eine begleitende anführte, etwas zu sehen haben, was eigentlich neben unserem ganzen bewußten Leben einherläuft, im Untergrunde unseres bewußten Lebens ist und mit etwas zusammenhängt, was eben mit den Erinnerungsbildern aus unserem Unterbewußten immer herauftaucht. So wie, ich möchte sagen, alles das, was in den Weiten der Welt erscheint, auch seine Begleiterscheinungen hat, die zuweilen selbst wie die Karikatur des Echten auftreten, so ist auch das, was vorhin als Beispiel aus der Schrift von Louis Waldstein angeführt worden ist, eine solche Begleiterscheinung der ganz normalen regelmäßigen Art, wie die menschliche Wesenheit in der Gedächtnisfunktion wirkt. Man möchte sagen: Was unterbewußt vor sich geht, damit der Mensch ein gedächtnishabendes Wesen ist, das kommt, wenn es überfließt oder etwas undeutlich, verschwommen bleibt, in solchen Dingen zum Vorschein, wie das ist, daß man aus der Stimmung heraus die Klänge einer Drehorgel kaum hört und sie dennoch eine Wirkung erzeugen, die einen vor einem Mollusken-Buche zum Lächeln bringen kann. Was da vorliegt, das verhüllt eher das, worauf es ankommt, als daß es die Dinge erklärt. Denn worauf es ankommt, ist eine sehr normale, für die Menschenwesenheit sehr notwendige Betätigung, nämlich das, was dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegt. Das ist etwas, was unser ganzes bewußtes Leben fortwährend begleitet, aber wir richten nicht im gewöhnlichen Leben die Aufmerksamkeit auf dieses Begleitende. Das Begleitende liegt in der Einrichtung unserer Organisation.

[ 7 ] Es ist nun eine Art Prüfstein für wirkliche übersinnliche Forschung, auf so etwas hinzuschauen wie diese das Gedächtnis formende, begleitende Tätigkeit unseres Vorstellungslebens. Denn was so fortwährend wie ein normales Wirken im Unterbewußten webt und lebt, das kann in ein Bewußtes zunächst auf einer ersten Stufe umgestaltet werden. Und dieses Umgestalten eines Unbewußten in ein Bewußtes ist eines der Glieder, deren Ausbildung zur wirklichen Geistesforschung, zur wirklichen Erforschung des Übersinnlichen führt. Es muß eben zum wirklichen Erforschen des Übersinnlichen das, was sonst unterbewußt bleibt, ins Bewußtsein heraufgeholt werden. Dadurch wird es schon ein anderes. Nun besteht das, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Übungen beschrieben wird, die man durchzumachen hat, um die Seele in eine solche Verfassung zu bringen, daß sie dem Übersinnlichen gegenüberzustehen vermag, in vielem. Aber ein Elementares kann man auch dadurch anschaulich machen, daß man zeigt, wie verwandt dieses erste Elementarische mit einer ganz normalen, aber sonst unterbewußt bleibenden Tätigkeit des Menschen ist. Man muß nur die Tätigkeit, welche da unbewußt, aber ganz normal ausgeübt wird, um das Gedächtnis zu formieren, bewußt ausführen. Dazu ist notwendig, daß man von dem, was sonst bewußt ist, abzusehen vermag, daß man also nicht für das Leben, aber um im Geistigen zu forschen, abzusehen vermag von derjenigen Tätigkeit, die die gewöhnliche, an die Sinnlichkeit gebundene Vorstellung hervorruft. Man muß sich gewissermaßen zurückziehen können von diesem Vorstellen. Das kann man aber nicht, wenn man nicht ein anderes Vorstellen in der Seele an dessen Stelle rücken kann, wenn man nicht die Seele innerlich so erkraften und erstarken kann, daß ein anderes als das von der äußeren Wahrnehmung Unterhaltene in der Seele auftritt. Man erreicht dieses, indem man möglichst selbstgewollte, selbstgebildete Vorstellungen, die überschaubar sind, in den Mittelpunkt des Seelenlebens rückt, indem man also sich zurückzieht vom äußeren Anschauen, mit sich selbst ist und in sein Seelenleben hereinstellt selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen.

[ 7 ] Es ist nun eine Art Prüfstein für wirkliche übersinnliche Forschung, auf so etwas hinzuschauen wie diese das Gedächtnis formende, begleitende Tätigkeit unseres Vorstellungslebens. Denn was so fortwährend wie ein normales Wirken im Unterbewußten webt und lebt, das kann in ein Bewußtes zunächst auf einer ersten Stufe umgestaltet werden. Und dieses Umgestalten eines Unbewußten in ein Bewußtes ist eines der Glieder, deren Ausbildung zur wirklichen Geistesforschung, zur wirklichen Erforschung des Übersinnlichen führt. Es muß eben zum wirklichen Erforschen des Übersinnlichen das, was sonst unterbewußt bleibt, ins Bewußtsein heraufgeholt werden. Dadurch wird es schon ein anderes. Nun besteht das, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Übungen beschrieben wird, die man durchzumachen hat, um die Seele in eine solche Verfassung zu bringen, daß sie dem Übersinnlichen gegenüberzustehen vermag, in vielem. Aber ein Elementares kann man auch dadurch anschaulich machen, daß man zeigt, wie verwandt dieses erste Elementarische mit einer ganz normalen, aber sonst unterbewußt bleibenden Tätigkeit des Menschen ist. Man muß nur die Tätigkeit, welche da unbewußt, aber ganz normal ausgeübt wird, um das Gedächtnis zu formieren, bewußt ausführen. Dazu ist notwendig, daß man von dem, was sonst bewußt ist, abzusehen vermag, daß man also nicht für das Leben, aber um im Geistigen zu forschen, abzusehen vermag von derjenigen Tätigkeit, die die gewöhnliche, an die Sinnlichkeit gebundene Vorstellung hervorruft. Man muß sich gewissermaßen zurückziehen können von diesem Vorstellen. Das kann man aber nicht, wenn man nicht ein anderes Vorstellen in der Seele an dessen Stelle rücken kann, wenn man nicht die Seele innerlich so erkraften und erstarken kann, daß ein anderes als das von der äußeren Wahrnehmung Unterhaltene in der Seele auftritt. Man erreicht dieses, indem man möglichst selbstgewollte, selbstgebildete Vorstellungen, die überschaubar sind, in den Mittelpunkt des Seelenlebens rückt, indem man also sich zurückzieht vom äußeren Anschauen, mit sich selbst ist und in sein Seelenleben hereinstellt selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen.

[ 8 ] Ich sage «überschaubare» Vorstellungen; das ist außerordentlich wichtig. Selbstgewollte, selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen müssen es sein aus dem einfachen Grunde, weil eben gerade alles Unterbewußte, alles das, wovon man nicht wissen kann, aus welcher verschwommenen Wahrnehmung es herrührt, ob es nicht irgendwie die Klänge einer Drehorgel sind, ausgeschaltet werden muß. Man ist aber nie sicher — das sieht man ja aus diesem Beispiel —, daß sich dieses Verschwommene, unterbewußte Weben des Seelenlebens ausschaltet, wenn man nicht in dieses Seelenleben eine Vorstellung hereinstellt, die man wirklich durchschauen kann in dem Moment, wo man sie gebildet, selbst gewollt hat, selbst zusammengestellt hat, so daß man weiß: Jedes Stück dieser Vorstellung ist aus dem unmittelbaren Willen hervorgegangen, den man in diesem Augenblicke entfaltet hat. «Selbst gewollt» bedeutet natürlich nicht «selbst gemacht»; man kann sich von einem erfahrenen Geistesforscher solche Vorstellungen geben lassen, und er wird es sogar am besten wissen können, wie sie der Individualität des betreffenden Menschen angepaßt werden können. Darauf aber kommt es an, daß man sie hereinstellt in die Seele, daß man die Vorstellung mit den Gedanken durchströmt und in der Seele erlebt, daß man nichts anderes in der Seele hat als diese Vorstellung. Und darauf kommt es weiter an, daß diese Vorstellungen womöglich in sehr beweglicher Art unser Bewußtsein in Anspruch nehmen, daß es in jedem Atom, möchte ich sagen, dieses Vorstellens anwesend ist, daß es dabei ist beim ganzen Überschauen dieses Vorstellens. Das wird ganz besonders erfüllt, wenn man solche Vorstellungen in sein Bewußtsein hereinnimmt, welche einen anregen, die Gedanken, die man darauf verwendet, beweglich zu machen.

[ 8 ] Ich sage «überschaubare» Vorstellungen; das ist außerordentlich wichtig. Selbstgewollte, selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen müssen es sein aus dem einfachen Grunde, weil eben gerade alles Unterbewußte, alles das, wovon man nicht wissen kann, aus welcher verschwommenen Wahrnehmung es herrührt, ob es nicht irgendwie die Klänge einer Drehorgel sind, ausgeschaltet werden muß. Man ist aber nie sicher — das sieht man ja aus diesem Beispiel —, daß sich dieses Verschwommene, unterbewußte Weben des Seelenlebens ausschaltet, wenn man nicht in dieses Seelenleben eine Vorstellung hereinstellt, die man wirklich durchschauen kann in dem Moment, wo man sie gebildet, selbst gewollt hat, selbst zusammengestellt hat, so daß man weiß: Jedes Stück dieser Vorstellung ist aus dem unmittelbaren Willen hervorgegangen, den man in diesem Augenblicke entfaltet hat. «Selbst gewollt» bedeutet natürlich nicht «selbst gemacht»; man kann sich von einem erfahrenen Geistesforscher solche Vorstellungen geben lassen, und er wird es sogar am besten wissen können, wie sie der Individualität des betreffenden Menschen angepaßt werden können. Darauf aber kommt es an, daß man sie hereinstellt in die Seele, daß man die Vorstellung mit den Gedanken durchströmt und in der Seele erlebt, daß man nichts anderes in der Seele hat als diese Vorstellung. Und darauf kommt es weiter an, daß diese Vorstellungen womöglich in sehr beweglicher Art unser Bewußtsein in Anspruch nehmen, daß es in jedem Atom, möchte ich sagen, dieses Vorstellens anwesend ist, daß es dabei ist beim ganzen Überschauen dieses Vorstellens. Das wird ganz besonders erfüllt, wenn man solche Vorstellungen in sein Bewußtsein hereinnimmt, welche einen anregen, die Gedanken, die man darauf verwendet, beweglich zu machen.

[ 9 ] Eine wachsende Pflanze zum Beispiel, die größer und größer wird, das ist eine gute Vorstellung; nicht das Anstarren eines Ruhenden, sondern das, was in Bewegung ist oder was irgendwelche Beziehungen zueinander hat. Dadurch werden wir davor behütet, daß unser Bewußtsein untätig wird, indem es auf die Vorstellung hinstarrt. Denn es kommt für die Erforschung der übersinnlichen Welt darauf an, daß alles, was als Vorbereitung zu dieser Forschung gemacht wird, vom Anfang bis zum Ende voll von dem Bewußtsein durchleuchtet, durchstrahlt ist, daß in keiner Weise das Bewußtsein irgendwie herabgedämpft ist. Daher gehört es zu den ersten Anforderungen des sich vorbereitenden Geistesforschers, daß er von derjenigen Tätigkeit seiner Seele, die zur Geistesforschung eben hinführen soll — selbstverständlich nicht vom übrigen Leben -, alles ausschaltet, was irgendwie zur Herabstimmung des Bewußtseins führen kann. Das ist vor allem wichtig, daß in diesem Leben in überschaubaren Vorstellungen — in diesem «Meditieren», wie man es nennen kann, um einen Ausdruck dafür zu haben; aber wichtiger ist, die Sache anzuschauen, als einen Ausdruck dafür zu gewinnen - nichts im Bewußtsein waltet, was es herabstimmen kann. So ist die erste Anforderung, daß alles Träumerische, was aus dem unbestimmten, unbewußten Seelenleben heraufdämmert, alle Gedanken, die so aufsteigen aus dem Innern, dem man sich in einer gewissen geistigen Wollust gern hingibt, gründlich ausgeschaltet wird aus den Vorbereitungen zur geisteswissenschaftlichen Forschung. Ferner muß alles fort, was irgendwie das Bewußtsein im Wahrnehmen herabstimmen könnte. Es darf also auch nicht einmal innerlich-seelisch dasjenige, was da angestrebt wird, irgendwie etwas zu tun haben zum Beispiel mit dem Anstarren eines leuchtenden Punktes, durch den man in einen gewissen hypnotischen Zustand kommen könnte, oder mit dem, was manche Menschen gerade als eine recht nette Vorbereitung — weil sie dann nicht hübsch dabei zu sein brauchen — für die geistige Anschauung empfinden: etwa «Kristallsehen» und dergleichen. Das Gegenteil von allem, was etwas zu tun hat mit Herabstimmung des Bewußtseins, mit suggestiven oder hypnotischen Zuständen, muß ausgebildet werden, wenn es sich um Vorbereitung zu Geistesforschung handelt. Weder das Traumhafte noch das Hinstarrende darf irgendwie in die Vorbereitungen zum geistigen Forschen hineinkommen. Daran können Sie sehen: Wenn Sie vielfach von Leuten hören, die auch «Anhänger» der Geisteswissenschaft sind und so etwas charakterisieren, daß man womöglich mit Ausschaltung des Eigenwesens sich so recht an ein träumerisches «Hingegebensein» verlieren muß, so recht menschen- und weltverloren hinschwelgt in seinem Bewußtsein, so ist das diejenige «Geisteswissenschaft», die vielleicht sehr viel Behagen verursachen kann, auch sehr viel nette Träumereien, die aber ganz gewiß nicht zum Erforschen der übersinnlichen Welt führt.

[ 9 ] Eine wachsende Pflanze zum Beispiel, die größer und größer wird, das ist eine gute Vorstellung; nicht das Anstarren eines Ruhenden, sondern das, was in Bewegung ist oder was irgendwelche Beziehungen zueinander hat. Dadurch werden wir davor behütet, daß unser Bewußtsein untätig wird, indem es auf die Vorstellung hinstarrt. Denn es kommt für die Erforschung der übersinnlichen Welt darauf an, daß alles, was als Vorbereitung zu dieser Forschung gemacht wird, vom Anfang bis zum Ende voll von dem Bewußtsein durchleuchtet, durchstrahlt ist, daß in keiner Weise das Bewußtsein irgendwie herabgedämpft ist. Daher gehört es zu den ersten Anforderungen des sich vorbereitenden Geistesforschers, daß er von derjenigen Tätigkeit seiner Seele, die zur Geistesforschung eben hinführen soll — selbstverständlich nicht vom übrigen Leben -, alles ausschaltet, was irgendwie zur Herabstimmung des Bewußtseins führen kann. Das ist vor allem wichtig, daß in diesem Leben in überschaubaren Vorstellungen — in diesem «Meditieren», wie man es nennen kann, um einen Ausdruck dafür zu haben; aber wichtiger ist, die Sache anzuschauen, als einen Ausdruck dafür zu gewinnen - nichts im Bewußtsein waltet, was es herabstimmen kann. So ist die erste Anforderung, daß alles Träumerische, was aus dem unbestimmten, unbewußten Seelenleben heraufdämmert, alle Gedanken, die so aufsteigen aus dem Innern, dem man sich in einer gewissen geistigen Wollust gern hingibt, gründlich ausgeschaltet wird aus den Vorbereitungen zur geisteswissenschaftlichen Forschung. Ferner muß alles fort, was irgendwie das Bewußtsein im Wahrnehmen herabstimmen könnte. Es darf also auch nicht einmal innerlich-seelisch dasjenige, was da angestrebt wird, irgendwie etwas zu tun haben zum Beispiel mit dem Anstarren eines leuchtenden Punktes, durch den man in einen gewissen hypnotischen Zustand kommen könnte, oder mit dem, was manche Menschen gerade als eine recht nette Vorbereitung — weil sie dann nicht hübsch dabei zu sein brauchen — für die geistige Anschauung empfinden: etwa «Kristallsehen» und dergleichen. Das Gegenteil von allem, was etwas zu tun hat mit Herabstimmung des Bewußtseins, mit suggestiven oder hypnotischen Zuständen, muß ausgebildet werden, wenn es sich um Vorbereitung zu Geistesforschung handelt. Weder das Traumhafte noch das Hinstarrende darf irgendwie in die Vorbereitungen zum geistigen Forschen hineinkommen. Daran können Sie sehen: Wenn Sie vielfach von Leuten hören, die auch «Anhänger» der Geisteswissenschaft sind und so etwas charakterisieren, daß man womöglich mit Ausschaltung des Eigenwesens sich so recht an ein träumerisches «Hingegebensein» verlieren muß, so recht menschen- und weltverloren hinschwelgt in seinem Bewußtsein, so ist das diejenige «Geisteswissenschaft», die vielleicht sehr viel Behagen verursachen kann, auch sehr viel nette Träumereien, die aber ganz gewiß nicht zum Erforschen der übersinnlichen Welt führt.

[ 10 ] Es muß schon manchmal auf solche Dinge auch aufmerksam gemacht werden; denn selbst Leute, die ernsthafte Kritiker der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, sein wollen, verwechseln diese just mit ihrem Gegenteil. Sogar ein Kritiker, der sehr viel Aufsehen gemacht hat, verwechselt gründlich diese Geistesforschung mit ihrem Gegenteil, und er beschreibt das «Jenseits der Seele» gerade in denjenigen Erscheinungen, welche nach den Methoden der Geistesforschung alles eher sind als das, was im Gebiete der geistigen Welt lebt. Merkwürdig ist es allerdings, daß gerade dieser Kritiker angeführt hat — er führt es als ein Beispiel seines eigenen Seelenlebens an, was doch zuweilen interessiert —, daß er, indem er einen Vortrag hält, so eine Weile fortspricht und dann erst merkt, daß er weitergesprochen hat, ohne daß auch die Gedanken mitgegangen sind. Von einem Redner, dem das passieren kann, daß er so zu seinem Publikum spricht, daß die Worte fortfließen, ohne daß die Gedanken sie begleiten, von dem kann man ganz sicher sein, daß er nicht die Spur von dem begriffen hat, was hier mit Geistesforschung gemeint ist.

[ 10 ] Es muß schon manchmal auf solche Dinge auch aufmerksam gemacht werden; denn selbst Leute, die ernsthafte Kritiker der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, sein wollen, verwechseln diese just mit ihrem Gegenteil. Sogar ein Kritiker, der sehr viel Aufsehen gemacht hat, verwechselt gründlich diese Geistesforschung mit ihrem Gegenteil, und er beschreibt das «Jenseits der Seele» gerade in denjenigen Erscheinungen, welche nach den Methoden der Geistesforschung alles eher sind als das, was im Gebiete der geistigen Welt lebt. Merkwürdig ist es allerdings, daß gerade dieser Kritiker angeführt hat — er führt es als ein Beispiel seines eigenen Seelenlebens an, was doch zuweilen interessiert —, daß er, indem er einen Vortrag hält, so eine Weile fortspricht und dann erst merkt, daß er weitergesprochen hat, ohne daß auch die Gedanken mitgegangen sind. Von einem Redner, dem das passieren kann, daß er so zu seinem Publikum spricht, daß die Worte fortfließen, ohne daß die Gedanken sie begleiten, von dem kann man ganz sicher sein, daß er nicht die Spur von dem begriffen hat, was hier mit Geistesforschung gemeint ist.

[ 11 ] Man muß natürlich das, was ich jetzt angegeben habe, weiter ausbauen, aber es kommt mir jetzt darauf an, das Wesentliche hervorzuheben. Das Wesentliche und Wichtige dessen, was man auf diese Weise innerlich erlebt, ist folgendes: Indem man immer mehr und mehr in der Seele solche Vorstellungen hervorruft und darauf achtgibt, wie sich dann die Seele betätigt, wie sie sich anders betätigt als beim äußeren Wahrnehmen, enthüllt sich einem von einem bestimmten Punkte an die große, bedeutungsvolle Tatsache, daß man nun mitten drinnen steckt in dem, was solches Meditieren in einem bewirkt hat, daß man mitten drinnen steckt in einer solchen inneren Seelenbetätigung, die sonst unbewußt bleibt und als unbewußte im gewöhnlichen Leben zur Gedächtnisbildung führt. Man hat gewissermaßen das, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, um eine Stufe hinuntergeschoben. Man hat nicht berücksichtigt, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, und man hat das berücksichtigt, was sonst dieses Vorstellungbilden begleitet. Man hat sein ganzes Ich-Bewußtsein um eine Stufe hinuntergeschoben, wo sonst das verrichtet wird, was zur Erinnerung führt, und man lernt auf diese Weise erkennen, was sonst fortwährend unten in der Seele spielt, was man im gewöhnlichen Bewußtsein nicht berücksichtigt, was aber webt und lebt und einen dazu befähigt, Erinnerungen zu haben. Und was davon abhängt, daß sich der Mensch Erinnerungen bilden kann, das habe ich öfter auch hier gezeigt. Jeder weiß, was es für den Menschen bedeutet, wenn in krankhafter Weise sein Erinnerungsvermögen für eine Zeit gestört wird. Man lernt erkennen eine Stufe des seelischen Erlebens, die für das gewöhnliche Leben ein Unterbewußtes darstellt, und die doch nicht geleugnet werden kann, weil sie in ihren Wirkungen da ist, die aber, wenn man sich in das einlebt, was man sich so meditierend erweckt hat, eine besondere Erfahrung ist. Und diese Erfahrung ist für den, der für solche Dinge überhaupt eine Empfindung hat, eine erschütternde. Man macht die Erfahrung, daß man jetzt, indem man diese unter dem Bewußtsein liegende Stufe des Seelenlebens erreicht hat, damit diejenige Stufe erreicht hat, wo das Gedächtnis lebt und webt, daß man an etwas herangekommen ist im eigenen menschlichen Wesen, was sonst auch recht unbewußt verläuft, was gewöhnlich niemals eigentlich seinem Wesen nach auch nur annähernd in das Bewußtsein hereintritt. Man lernt nämlich bezüglich dieser erinnerungbildenden Kraft, die man jetzt ihrem Wesen nach ein wenig durchschauen gelernt hat, eine gewisse Verwandtschaft erkennen mit dem, was in uns die Kraft des Wachsens und des Wiederabnehmens ist, mit alledem, was uns aus unserem organischen Leben heraus wachsend führt von der Kindheit bis zum erwachsenen Menschen, und was unser Leben «entwachsen» macht, indem wir von einer bestimmten Stufe an abnehmen. Was alles als organbildende, uns vergrößernde und auch später in uns wirksame Kräfte lebt und webt, was organische Kraft ist, was Bildungskraft in uns ist, aber auch was in der Pflanze Bildungskraft ist, das lernt man erkennen. Denn während das, was unten webt und lebt und sich in unserem Wachstum zum Ausdruck bringt, recht ferne steht unserem gewöhnlichen Vorstellen, findet man es nahegerückt dem, was nun als erinnerungbildende Kraft auftritt. Es wächst immer gleich etwas zusammen, was sonst in einem ist: zwei Strömungen, die Wachstumskraft, die in einem selbst gestaltenbildende Kraft, und die Erinnerungskraft, die wachsen zusammen zu einem zusammengesetzten Gebilde, das man in sich hat und das man auf diese Weise kennenlernt. Das tragen wir fortwährend in uns herum.

[ 11 ] Man muß natürlich das, was ich jetzt angegeben habe, weiter ausbauen, aber es kommt mir jetzt darauf an, das Wesentliche hervorzuheben. Das Wesentliche und Wichtige dessen, was man auf diese Weise innerlich erlebt, ist folgendes: Indem man immer mehr und mehr in der Seele solche Vorstellungen hervorruft und darauf achtgibt, wie sich dann die Seele betätigt, wie sie sich anders betätigt als beim äußeren Wahrnehmen, enthüllt sich einem von einem bestimmten Punkte an die große, bedeutungsvolle Tatsache, daß man nun mitten drinnen steckt in dem, was solches Meditieren in einem bewirkt hat, daß man mitten drinnen steckt in einer solchen inneren Seelenbetätigung, die sonst unbewußt bleibt und als unbewußte im gewöhnlichen Leben zur Gedächtnisbildung führt. Man hat gewissermaßen das, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, um eine Stufe hinuntergeschoben. Man hat nicht berücksichtigt, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, und man hat das berücksichtigt, was sonst dieses Vorstellungbilden begleitet. Man hat sein ganzes Ich-Bewußtsein um eine Stufe hinuntergeschoben, wo sonst das verrichtet wird, was zur Erinnerung führt, und man lernt auf diese Weise erkennen, was sonst fortwährend unten in der Seele spielt, was man im gewöhnlichen Bewußtsein nicht berücksichtigt, was aber webt und lebt und einen dazu befähigt, Erinnerungen zu haben. Und was davon abhängt, daß sich der Mensch Erinnerungen bilden kann, das habe ich öfter auch hier gezeigt. Jeder weiß, was es für den Menschen bedeutet, wenn in krankhafter Weise sein Erinnerungsvermögen für eine Zeit gestört wird. Man lernt erkennen eine Stufe des seelischen Erlebens, die für das gewöhnliche Leben ein Unterbewußtes darstellt, und die doch nicht geleugnet werden kann, weil sie in ihren Wirkungen da ist, die aber, wenn man sich in das einlebt, was man sich so meditierend erweckt hat, eine besondere Erfahrung ist. Und diese Erfahrung ist für den, der für solche Dinge überhaupt eine Empfindung hat, eine erschütternde. Man macht die Erfahrung, daß man jetzt, indem man diese unter dem Bewußtsein liegende Stufe des Seelenlebens erreicht hat, damit diejenige Stufe erreicht hat, wo das Gedächtnis lebt und webt, daß man an etwas herangekommen ist im eigenen menschlichen Wesen, was sonst auch recht unbewußt verläuft, was gewöhnlich niemals eigentlich seinem Wesen nach auch nur annähernd in das Bewußtsein hereintritt. Man lernt nämlich bezüglich dieser erinnerungbildenden Kraft, die man jetzt ihrem Wesen nach ein wenig durchschauen gelernt hat, eine gewisse Verwandtschaft erkennen mit dem, was in uns die Kraft des Wachsens und des Wiederabnehmens ist, mit alledem, was uns aus unserem organischen Leben heraus wachsend führt von der Kindheit bis zum erwachsenen Menschen, und was unser Leben «entwachsen» macht, indem wir von einer bestimmten Stufe an abnehmen. Was alles als organbildende, uns vergrößernde und auch später in uns wirksame Kräfte lebt und webt, was organische Kraft ist, was Bildungskraft in uns ist, aber auch was in der Pflanze Bildungskraft ist, das lernt man erkennen. Denn während das, was unten webt und lebt und sich in unserem Wachstum zum Ausdruck bringt, recht ferne steht unserem gewöhnlichen Vorstellen, findet man es nahegerückt dem, was nun als erinnerungbildende Kraft auftritt. Es wächst immer gleich etwas zusammen, was sonst in einem ist: zwei Strömungen, die Wachstumskraft, die in einem selbst gestaltenbildende Kraft, und die Erinnerungskraft, die wachsen zusammen zu einem zusammengesetzten Gebilde, das man in sich hat und das man auf diese Weise kennenlernt. Das tragen wir fortwährend in uns herum.

[ 12 ] Das gewöhnliche Bewußtsein ahnt gar nicht, daß dieselbe Kraft, welche den Menschen vom kleinen Kinde an als Wachstumskraft, als gestaltbildende Kraft begleitet, in einer Steigerung, in einer Verfeinerung dieselbe ist, an die appelliert wird, indem der Mensch Erinnerungen bildet. Aber es ist doch etwas Zusammengesetztes. Wenn man die Sache kennenlernt, so stellt sie sich als etwas Zusammengesetztes dar. Man lernt nämlich das, was da als Wachstumskraft und als Erinnerungskraft gewissermaßen zusammengebunden ist, auch wieder voneinander unterscheiden; es ist gewissermaßen eine Zweiheit, die als Einheit zusammenwirkt. Indem man auf die Sache eingeht, entdeckt man: Was man als Erinnerung heraufholt, ist eigentlich ein unterbewußtes Wissen, eine tiefere Stufe des Bewußtseins, ein Leben und Weben eines Bewußtseins, in welchem nicht unser gewöhnliches Ich lebt. Aber dieses Bewußtsein durchdringt das andere in uns, was die Wachstumskraft ist. Diese zwei — Wachstums- und Gestaltungskraft und Erinnerungskraft — lernt man als etwas erkennen, was sich gegenübersteht, sich nur näher gegenübersteht, als unser bewußtes Wissen und die äußere körperliche Welt. Nur steht unser bewußtes Wissen der äußeren körperlichen Welt ferner; wir können nicht die Brücke schlagen von dem einen zum andern, wir kommen nicht hinüber für das gewöhnliche Bewußtsein. Was wir da heraufnehmen wollen, was wir uns durch Meditationen bewußt machen, das trägt gewissermaßen seinen eigenen Gegenstand in sich, ist aber doch etwas, was unserem Wissen verwandt ist. Wir lernen eine Zweiheit durchschauen. Diese Zweiheit tritt aber doch, je weiter man in seinem Seelenleben kommt, sehr deutlich, sehr klar vor das schauende Bewußtsein. Man schaut auf diese Weise das, was als Wachstumskraft webt und lebt. Man schaut es - um einen guten alten Troxlerischen Ausspruch zu gebrauchen - als die wahre menschliche Leiblichkeit gegenüber der physischen Körperlichkeit. In unserem gewöhnlichen Bewußtsein nehmen wir die physische Körperlichkeit wahr. Dieses Unterbewußtsein, zu dem wir da herangekommen sind, nimmt diese Leiblichkeit in uns wahr.

[ 12 ] Das gewöhnliche Bewußtsein ahnt gar nicht, daß dieselbe Kraft, welche den Menschen vom kleinen Kinde an als Wachstumskraft, als gestaltbildende Kraft begleitet, in einer Steigerung, in einer Verfeinerung dieselbe ist, an die appelliert wird, indem der Mensch Erinnerungen bildet. Aber es ist doch etwas Zusammengesetztes. Wenn man die Sache kennenlernt, so stellt sie sich als etwas Zusammengesetztes dar. Man lernt nämlich das, was da als Wachstumskraft und als Erinnerungskraft gewissermaßen zusammengebunden ist, auch wieder voneinander unterscheiden; es ist gewissermaßen eine Zweiheit, die als Einheit zusammenwirkt. Indem man auf die Sache eingeht, entdeckt man: Was man als Erinnerung heraufholt, ist eigentlich ein unterbewußtes Wissen, eine tiefere Stufe des Bewußtseins, ein Leben und Weben eines Bewußtseins, in welchem nicht unser gewöhnliches Ich lebt. Aber dieses Bewußtsein durchdringt das andere in uns, was die Wachstumskraft ist. Diese zwei — Wachstums- und Gestaltungskraft und Erinnerungskraft — lernt man als etwas erkennen, was sich gegenübersteht, sich nur näher gegenübersteht, als unser bewußtes Wissen und die äußere körperliche Welt. Nur steht unser bewußtes Wissen der äußeren körperlichen Welt ferner; wir können nicht die Brücke schlagen von dem einen zum andern, wir kommen nicht hinüber für das gewöhnliche Bewußtsein. Was wir da heraufnehmen wollen, was wir uns durch Meditationen bewußt machen, das trägt gewissermaßen seinen eigenen Gegenstand in sich, ist aber doch etwas, was unserem Wissen verwandt ist. Wir lernen eine Zweiheit durchschauen. Diese Zweiheit tritt aber doch, je weiter man in seinem Seelenleben kommt, sehr deutlich, sehr klar vor das schauende Bewußtsein. Man schaut auf diese Weise das, was als Wachstumskraft webt und lebt. Man schaut es - um einen guten alten Troxlerischen Ausspruch zu gebrauchen - als die wahre menschliche Leiblichkeit gegenüber der physischen Körperlichkeit. In unserem gewöhnlichen Bewußtsein nehmen wir die physische Körperlichkeit wahr. Dieses Unterbewußtsein, zu dem wir da herangekommen sind, nimmt diese Leiblichkeit in uns wahr.

[ 13 ] Ich habe, um nicht mißverstanden zu werden, in der Zeitschrift «Das Reich» in der letzten Zeit dasjenige, was in uns lebt und webt als Gestaltungskraft, was nicht von dem gewöhnlichen Bewußtsein wahrgenommen wird, wohl aber von demjenigen, das wirkt und webt im Gedächtnis, den «Bildekräfteleib» genannt. Früher nannte ich es den «ätherischen Leib», aber da sich gewisse Leute schon einmal an Ausdrücken stoßen, habe ich versucht, mit den Worten näher heranzukommen an das, worum es sich handelt, und habe das, was unserem physischen Leib am nächsten liegt und unser ganzes Leben als die gestaltenbildende Kraft begleitet, den «Bildekräfteleib» genannt. Und das, was nun nicht in unserem gewöhnlichen Bewußtsein lebt, was unter diesem Bewußtsein diesem Bildekräfteleib immer nahe steht, und zu dem man vordringt durch die Meditation, das kann man — wenn man nicht scheut, daß dann die Spötter kommen und sich über das, was sie nicht verstehen, weidlich lustig machen - ausgewissen Gründen den «astralischen Leib» nennen; man kann es aber auch die «Seele» nennen, die da wirkt um eine Schichte tiefer als das gewöhnliche Bewußtsein. Und wie der Chemiker einen zusammengesetzten Stoff in die verschiedenen Elemente zerlegt, oder wie der Physiker das, was ihm im weißen Sonnenlicht entgegenkommt, in verschiedene Farbennuancen gliedert, so haben wir jetzt des Menschen Wesenheit gegliedert in den physischen Leib, den man mit den äußeren Sinnen sieht und der der äußeren Wahrnehmung gegeben ist, in den Bildekräfteleib, der das erste Übersinnliche des Menschen ist, und in den astralischen Leib oder in das Seelenwesen, das nicht nach der Art des gewöhnlichen Bewußtseins, aber unter dem gewöhnlichen Bewußtsein weiß von dem Leben und Weben des Bildekräfteleibes, aber in das gewöhnliche Bewußtsein nur heraufstrahlt in den Erinnerungsbildern, in den Wogen, die sich als Erinnerungsvorstellungen bilden. Und gewissermaßen für sich herausgegliedert aus alle dem ist dann das, was wie schwimmend auf diesem dreifachen Menschen ist: die eigentliche Ich-Wesenheit, diejenige Wesenheit, die nichts weiß von dem, was die Seele in dem hier gemeinten Sinne weiß von dem Leiblichen, die aber sich herausgliedert aus dem Seelischen und dann das gewöhnliche Bewußtsein bildet, und die geistig ist. Daß diese Ich-Wesenheit, die zunächst nicht das Geistige wahrnimmt, sondern sich der Werkzeuge der Sinne bedient, um die Umwelt wahrzunehmen und den Menschen selbst mit den Mitteln wahrzunehmen, die auch auf die Umwelt anwendbar sind, — daß dieses Ich, dieses eigentliche Selbst des Menschen wieder als ein besonderes Glied abgesondert werden muß von den übrigen Gliedern des Menschen, das stellt sich allerdings erst heraus, wenn man in demjenigen SeelenÜben, das ich prinzipiell angedeutet habe, etwas weiter vordringt. Ich habe geschildert, wie man selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen in die Seele hereinrückt. Da ist es gut, sagte ich, wenn man Vorstellungen nimmt, an denen das Vorstellungsleben selbst beweglich sein muß, und dann versucht zu empfinden, zu erleben, was eben erlebt werden kann in diesem Ruhen in solchen Vorstellungen.

[ 13 ] Ich habe, um nicht mißverstanden zu werden, in der Zeitschrift «Das Reich» in der letzten Zeit dasjenige, was in uns lebt und webt als Gestaltungskraft, was nicht von dem gewöhnlichen Bewußtsein wahrgenommen wird, wohl aber von demjenigen, das wirkt und webt im Gedächtnis, den «Bildekräfteleib» genannt. Früher nannte ich es den «ätherischen Leib», aber da sich gewisse Leute schon einmal an Ausdrücken stoßen, habe ich versucht, mit den Worten näher heranzukommen an das, worum es sich handelt, und habe das, was unserem physischen Leib am nächsten liegt und unser ganzes Leben als die gestaltenbildende Kraft begleitet, den «Bildekräfteleib» genannt. Und das, was nun nicht in unserem gewöhnlichen Bewußtsein lebt, was unter diesem Bewußtsein diesem Bildekräfteleib immer nahe steht, und zu dem man vordringt durch die Meditation, das kann man — wenn man nicht scheut, daß dann die Spötter kommen und sich über das, was sie nicht verstehen, weidlich lustig machen - ausgewissen Gründen den «astralischen Leib» nennen; man kann es aber auch die «Seele» nennen, die da wirkt um eine Schichte tiefer als das gewöhnliche Bewußtsein. Und wie der Chemiker einen zusammengesetzten Stoff in die verschiedenen Elemente zerlegt, oder wie der Physiker das, was ihm im weißen Sonnenlicht entgegenkommt, in verschiedene Farbennuancen gliedert, so haben wir jetzt des Menschen Wesenheit gegliedert in den physischen Leib, den man mit den äußeren Sinnen sieht und der der äußeren Wahrnehmung gegeben ist, in den Bildekräfteleib, der das erste Übersinnliche des Menschen ist, und in den astralischen Leib oder in das Seelenwesen, das nicht nach der Art des gewöhnlichen Bewußtseins, aber unter dem gewöhnlichen Bewußtsein weiß von dem Leben und Weben des Bildekräfteleibes, aber in das gewöhnliche Bewußtsein nur heraufstrahlt in den Erinnerungsbildern, in den Wogen, die sich als Erinnerungsvorstellungen bilden. Und gewissermaßen für sich herausgegliedert aus alle dem ist dann das, was wie schwimmend auf diesem dreifachen Menschen ist: die eigentliche Ich-Wesenheit, diejenige Wesenheit, die nichts weiß von dem, was die Seele in dem hier gemeinten Sinne weiß von dem Leiblichen, die aber sich herausgliedert aus dem Seelischen und dann das gewöhnliche Bewußtsein bildet, und die geistig ist. Daß diese Ich-Wesenheit, die zunächst nicht das Geistige wahrnimmt, sondern sich der Werkzeuge der Sinne bedient, um die Umwelt wahrzunehmen und den Menschen selbst mit den Mitteln wahrzunehmen, die auch auf die Umwelt anwendbar sind, — daß dieses Ich, dieses eigentliche Selbst des Menschen wieder als ein besonderes Glied abgesondert werden muß von den übrigen Gliedern des Menschen, das stellt sich allerdings erst heraus, wenn man in demjenigen SeelenÜben, das ich prinzipiell angedeutet habe, etwas weiter vordringt. Ich habe geschildert, wie man selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen in die Seele hereinrückt. Da ist es gut, sagte ich, wenn man Vorstellungen nimmt, an denen das Vorstellungsleben selbst beweglich sein muß, und dann versucht zu empfinden, zu erleben, was eben erlebt werden kann in diesem Ruhen in solchen Vorstellungen.

[ 14 ] Das sind zwei Dinge. Das eine ist, daß einem bewußt wird, daß es ein solches Weben und Leben, wie es der Gedächtnisbildung ähnlich ist, in der Menschenwesenheit gibt. Das andere ist, was man erfährt, wenn man noch besonders innerlich auf dieses Erleben hinschaut. Es ist das geradeso, als wenn man zum Beispiel so vorgehen würde, wie man auf der einen Seite die Vorstellungen bildet, auf der anderen Seite das Denken bildet, was dann zur Erinnerung wird. Das ist ein besonderes Erleben. Wer es durchmacht, wer sich also im wirklichen Sinne zum Geistesforscher ausbildet, der weiß, daß dies ein besonderes Erleben ist. Denn ein Element hört von einem bestimmten Augenblicke an auf, in diesem Seelenleben zu walten, das eigentlich sonst immer eine Bedeutung für unser Seelenleben hat: es hört auf das räumliche Element. Wenn Sie sich darauf besinnen, wie alles, was Sie im gewöhnlichen Bewußtsein vorstellen, durchtränkt und durchsetzt ist von irgendwelchen Raumesvorstellungen — man kann ja im gewöhnlichen Bewußtsein kaum etwas vorstellen, was nicht mit dem Raume zugleich vorgestellt wird —, dann werden Sie ermessen, wie sehr das gewöhnliche Bewußtsein am Raume hängt. Dieses Erleben, das sich an solche Vorstellungen angliedert, wie ich es entwickelt habe, führt allmählich dazu, sich aus dem Raume herausgehoben und sich in bloß zeitlichen Vorgängen, in zeitlichen Prozessen darinnen zu wissen. Das ist wie ein bedeutender Fortgang des menschlichen Seelenlebens: Sich im Strome der Zeit zu wissen, denn das führt dazu, den Strom der Zeit wirklich zu durchschauen. Ich sagte ja: Das Ganze läuft darauf hinaus, die Verwandtschaft des Erinnerungsvermögens mit den Wachstumskräften, die unsere Gestaltbildung begleiten, zu erkennen. Gerade in dieses Zeitliche wird man hineinversetzt.

[ 14 ] Das sind zwei Dinge. Das eine ist, daß einem bewußt wird, daß es ein solches Weben und Leben, wie es der Gedächtnisbildung ähnlich ist, in der Menschenwesenheit gibt. Das andere ist, was man erfährt, wenn man noch besonders innerlich auf dieses Erleben hinschaut. Es ist das geradeso, als wenn man zum Beispiel so vorgehen würde, wie man auf der einen Seite die Vorstellungen bildet, auf der anderen Seite das Denken bildet, was dann zur Erinnerung wird. Das ist ein besonderes Erleben. Wer es durchmacht, wer sich also im wirklichen Sinne zum Geistesforscher ausbildet, der weiß, daß dies ein besonderes Erleben ist. Denn ein Element hört von einem bestimmten Augenblicke an auf, in diesem Seelenleben zu walten, das eigentlich sonst immer eine Bedeutung für unser Seelenleben hat: es hört auf das räumliche Element. Wenn Sie sich darauf besinnen, wie alles, was Sie im gewöhnlichen Bewußtsein vorstellen, durchtränkt und durchsetzt ist von irgendwelchen Raumesvorstellungen — man kann ja im gewöhnlichen Bewußtsein kaum etwas vorstellen, was nicht mit dem Raume zugleich vorgestellt wird —, dann werden Sie ermessen, wie sehr das gewöhnliche Bewußtsein am Raume hängt. Dieses Erleben, das sich an solche Vorstellungen angliedert, wie ich es entwickelt habe, führt allmählich dazu, sich aus dem Raume herausgehoben und sich in bloß zeitlichen Vorgängen, in zeitlichen Prozessen darinnen zu wissen. Das ist wie ein bedeutender Fortgang des menschlichen Seelenlebens: Sich im Strome der Zeit zu wissen, denn das führt dazu, den Strom der Zeit wirklich zu durchschauen. Ich sagte ja: Das Ganze läuft darauf hinaus, die Verwandtschaft des Erinnerungsvermögens mit den Wachstumskräften, die unsere Gestaltbildung begleiten, zu erkennen. Gerade in dieses Zeitliche wird man hineinversetzt.

[ 15 ] Und etwas anderes ist noch besonders wichtig. Ich sagte, es ist ein Zweifaches: Diese Vorstellungen haben —- und nun noch besonders achtgeben mit intensiver Aufmerksamkeit darauf, was man da erlebt, wie man das Beweglichwerden des Vorstellungslebens, das bloße Weben in der Zeit, wirklich erlebt; denn dann ist man mit seinem Ich in diesem Vorstellungsleben darinnen. Man istaber nicht nur in einem Vorstellungsleben, sondern überhaupt in einem Leben darinnen, das durchsetzt ist von den realen, in der Zeit lebenden und webenden Kräften. Dann ist man herangekommen an ein Erleben des Ich, das ganz anders ist als das gewöhnliche Erleben des Ich. Wer das gewöhnliche Erleben des Ich durch eine sachgemäße Selbstbeobachtung kennt, der weiß, wie eng es gebunden ist an die menschliche Leiblichkeit, und ich habe das letztemal geschildert, an welche Elemente der Leiblichkeit das Ich zunächst gebunden ist: daß es sich um Gleichgewichtsverhältnisse handelt, also um etwas, was in entscheidender Weise in den Raum hineingestellt ist. Aber man kann nicht bei diesem Erleben bleiben, sondern man gelangt richtig in den Zeitenlauf hinein.

[ 15 ] Und etwas anderes ist noch besonders wichtig. Ich sagte, es ist ein Zweifaches: Diese Vorstellungen haben —- und nun noch besonders achtgeben mit intensiver Aufmerksamkeit darauf, was man da erlebt, wie man das Beweglichwerden des Vorstellungslebens, das bloße Weben in der Zeit, wirklich erlebt; denn dann ist man mit seinem Ich in diesem Vorstellungsleben darinnen. Man istaber nicht nur in einem Vorstellungsleben, sondern überhaupt in einem Leben darinnen, das durchsetzt ist von den realen, in der Zeit lebenden und webenden Kräften. Dann ist man herangekommen an ein Erleben des Ich, das ganz anders ist als das gewöhnliche Erleben des Ich. Wer das gewöhnliche Erleben des Ich durch eine sachgemäße Selbstbeobachtung kennt, der weiß, wie eng es gebunden ist an die menschliche Leiblichkeit, und ich habe das letztemal geschildert, an welche Elemente der Leiblichkeit das Ich zunächst gebunden ist: daß es sich um Gleichgewichtsverhältnisse handelt, also um etwas, was in entscheidender Weise in den Raum hineingestellt ist. Aber man kann nicht bei diesem Erleben bleiben, sondern man gelangt richtig in den Zeitenlauf hinein.

[ 16 ] Was jetzt angedeutet worden ist, wird heute noch von den wenigsten Menschen — auch von denjenigen, die sich fachlich mit diesen Dingen beschäftigen - irgendwie berücksichtigt, und man hört Vorstellungen charakterisieren, die heute noch immer in einer Weise hingenommen werden, als wenn sie das Allergewisseste darstellten. So wird von manchen philosophischen Denkern davon ausgegangen, daß unser Ich — das heißt das Ich, welches das gewöhnliche Bewußtsein hat — dasjenige Ich ist, das man sich als bleibend in allem Erleben von der Geburt bis zum Tode bewahrt. Hat doch ein Philosoph, der allerdings in einer merkwürdigen Weise bei seiner Philosophie zu Werke gegangen ist, den sonderbaren Begriff geprägt, daß dieses Ich, in das man sich, um ein wirklicher Philosoph zu werden, intuitiv hineinversetzen soll, besonders charakterisiert ist durch die Eigenschaft der «Dauer». Ja, er hat sogar den merkwürdigen Satz geprägt, daß niemand zu dem eigentlichen Menschenwesen vordringt, der nicht diesen Begriff fassen kann: «die Dauer dauert». Während alles Äußere vorübergeht, ist dieses innerliche Ich-Leben, wie er es zu kennen meint, Dauer, reine Dauer. Wenn er sagt: «die Dauer dauert», so hat man dabei die Empfindung, wie wenn jemand charakterisieren will «das Holz holzt» oder «das Eisen eisent». Aber wenn ein Philosoph so etwas prägt, so denkt die heutige autoritätsgläubige Menschheit nicht darüber nach, wie es sich eigentlich mit der Logik einer solchen Sache verhält. Aber davon abgesehen, gibt es eine sehr naheliegende Widerlegung dieses sonderbaren Begriffes von dem dauernden gewöhnlichen Ich. Dafür ist jede Nacht ein Beispiel, wo vom Einschlafen bis zum Aufwachen — mit Ausnahme der Zeit, in welcher die Träume weben - das Ich-Erlebnis aufhört. Jeder traumlose Schlaf widerlegt diese Berühmtheit der Bergsonschen Philosophie. Darum kann es sich nicht handeln, wenn man den Menschen erkennen will, irgend etwas auf das gewöhnliche Ich-Erlebnis aufzubauen. Aber man trägt das Ich-Erlebnis in den Zeitenlauf hinein. Und dann, wenn man das Ich in den Zeitenlauf hineinträgt, wenn zu dem andern Erleben des seelischen Unterbewußten und des gestaltbildenden Leibes dieses neue Ich-Erlebnis auftritt, dann gilt das nicht mehr, daß jeder Schlaf dieses Ich-Erlebnis unterbricht, sondern dann gilt ein anderes. Dann stellt sich nämlich heraus, daß mit unserer Ich-Vorstellung auch das Folgende zusammenhängt.

[ 16 ] Was jetzt angedeutet worden ist, wird heute noch von den wenigsten Menschen — auch von denjenigen, die sich fachlich mit diesen Dingen beschäftigen - irgendwie berücksichtigt, und man hört Vorstellungen charakterisieren, die heute noch immer in einer Weise hingenommen werden, als wenn sie das Allergewisseste darstellten. So wird von manchen philosophischen Denkern davon ausgegangen, daß unser Ich — das heißt das Ich, welches das gewöhnliche Bewußtsein hat — dasjenige Ich ist, das man sich als bleibend in allem Erleben von der Geburt bis zum Tode bewahrt. Hat doch ein Philosoph, der allerdings in einer merkwürdigen Weise bei seiner Philosophie zu Werke gegangen ist, den sonderbaren Begriff geprägt, daß dieses Ich, in das man sich, um ein wirklicher Philosoph zu werden, intuitiv hineinversetzen soll, besonders charakterisiert ist durch die Eigenschaft der «Dauer». Ja, er hat sogar den merkwürdigen Satz geprägt, daß niemand zu dem eigentlichen Menschenwesen vordringt, der nicht diesen Begriff fassen kann: «die Dauer dauert». Während alles Äußere vorübergeht, ist dieses innerliche Ich-Leben, wie er es zu kennen meint, Dauer, reine Dauer. Wenn er sagt: «die Dauer dauert», so hat man dabei die Empfindung, wie wenn jemand charakterisieren will «das Holz holzt» oder «das Eisen eisent». Aber wenn ein Philosoph so etwas prägt, so denkt die heutige autoritätsgläubige Menschheit nicht darüber nach, wie es sich eigentlich mit der Logik einer solchen Sache verhält. Aber davon abgesehen, gibt es eine sehr naheliegende Widerlegung dieses sonderbaren Begriffes von dem dauernden gewöhnlichen Ich. Dafür ist jede Nacht ein Beispiel, wo vom Einschlafen bis zum Aufwachen — mit Ausnahme der Zeit, in welcher die Träume weben - das Ich-Erlebnis aufhört. Jeder traumlose Schlaf widerlegt diese Berühmtheit der Bergsonschen Philosophie. Darum kann es sich nicht handeln, wenn man den Menschen erkennen will, irgend etwas auf das gewöhnliche Ich-Erlebnis aufzubauen. Aber man trägt das Ich-Erlebnis in den Zeitenlauf hinein. Und dann, wenn man das Ich in den Zeitenlauf hineinträgt, wenn zu dem andern Erleben des seelischen Unterbewußten und des gestaltbildenden Leibes dieses neue Ich-Erlebnis auftritt, dann gilt das nicht mehr, daß jeder Schlaf dieses Ich-Erlebnis unterbricht, sondern dann gilt ein anderes. Dann stellt sich nämlich heraus, daß mit unserer Ich-Vorstellung auch das Folgende zusammenhängt.

[ 17 ] Ich habe das letztemal darauf hingewiesen, aus welchem dumpfen Erfühlen diese Ich-Vorstellung eigentlich auftritt. Sie muß gewissermaßen angefeuert werden. Im traumlosen Schlaf, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, ist sie nicht da. Wodurch wird sie angefeuert? Sie wird angefeuert in dem Moment, wo wir mit unserer Seele wieder an unsere Körperlichkeit herankommen. Unsere Körperlichkeit ist von außen der Erreger desjenigen, was wir als unser Ich im gewöhnlichen Bewußtsein finden. Wir stoßen im gewöhnlichen Bewußtsein mit unserem Körper zusammen; das regt unsere Ich-Vorstellung an. Diese Ich-Vorstellung darf nicht als etwas Dauerndes angesehen werden. Aber mit dem, was ich jetzt als ein neues Ich-Erleben geschildert habe, verhält es sich ganz anders. Das lebt im Zeitenstrom, es ist aus dem Räumlichen herausgehoben. Das wird gerade angefacht, indem der Mensch das Erleben in dem einen Zeitpunkte — jetzt nicht im räumlichen Zusammenstoßen mit der Körperlichkeit, sondern im Zusammenstoß mit dem Erleben eines andern Zeitpunktes — entfacht. Dieses Ich-Erlebnis, von dem ich jetzt gesprochen habe, ist damit identisch, daß, wenn ich aufwache, ich in geheimnisvoller Weise mit dem Zeitmoment zusammenstoße, in dem ich eingeschlafen bin. Und dieses bildet die Grundlage für das neue Ich-Erlebnis, daß wir uns in verschiedenen, in aufeinanderfolgenden Zeitmomenten erleben, daß wir hinüberschauen über die Zeit, daß wir die Zeit überbrücken, auch wenn sie diskontinuierlich ist, wenn der Schlaf sie stört. Das ist das Wesentliche dieses Ich-Erlebnisses. Dadurch, daß wir das Ich einsenken in das Seelische, insofern dieses verwandt ist mit den Wachstumsverhältnissen, dadurch senken wir das Ich selbst in die Wachstumsverhältnisse ein. Wir dringen zu dem vor im Ich, was uns begleitet von der Geburt bis zum Tode; wir dringen ein in den fortdauernden Strom des IchErlebens. Was sonst von der Philosophie nur erschlossen wird, wovon man nur urteilt, das wird erlebt. Und man wehrt sich sogar dagegen — ich habe das auch schon hier angeführt —, daß Eduard von Hartmann in seinen psychologischen Schriften davon redet, daß, wenn man ein Gefühl beobachten will, es dadurch gestört wird und sich verändert.

[ 17 ] Ich habe das letztemal darauf hingewiesen, aus welchem dumpfen Erfühlen diese Ich-Vorstellung eigentlich auftritt. Sie muß gewissermaßen angefeuert werden. Im traumlosen Schlaf, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, ist sie nicht da. Wodurch wird sie angefeuert? Sie wird angefeuert in dem Moment, wo wir mit unserer Seele wieder an unsere Körperlichkeit herankommen. Unsere Körperlichkeit ist von außen der Erreger desjenigen, was wir als unser Ich im gewöhnlichen Bewußtsein finden. Wir stoßen im gewöhnlichen Bewußtsein mit unserem Körper zusammen; das regt unsere Ich-Vorstellung an. Diese Ich-Vorstellung darf nicht als etwas Dauerndes angesehen werden. Aber mit dem, was ich jetzt als ein neues Ich-Erleben geschildert habe, verhält es sich ganz anders. Das lebt im Zeitenstrom, es ist aus dem Räumlichen herausgehoben. Das wird gerade angefacht, indem der Mensch das Erleben in dem einen Zeitpunkte — jetzt nicht im räumlichen Zusammenstoßen mit der Körperlichkeit, sondern im Zusammenstoß mit dem Erleben eines andern Zeitpunktes — entfacht. Dieses Ich-Erlebnis, von dem ich jetzt gesprochen habe, ist damit identisch, daß, wenn ich aufwache, ich in geheimnisvoller Weise mit dem Zeitmoment zusammenstoße, in dem ich eingeschlafen bin. Und dieses bildet die Grundlage für das neue Ich-Erlebnis, daß wir uns in verschiedenen, in aufeinanderfolgenden Zeitmomenten erleben, daß wir hinüberschauen über die Zeit, daß wir die Zeit überbrücken, auch wenn sie diskontinuierlich ist, wenn der Schlaf sie stört. Das ist das Wesentliche dieses Ich-Erlebnisses. Dadurch, daß wir das Ich einsenken in das Seelische, insofern dieses verwandt ist mit den Wachstumsverhältnissen, dadurch senken wir das Ich selbst in die Wachstumsverhältnisse ein. Wir dringen zu dem vor im Ich, was uns begleitet von der Geburt bis zum Tode; wir dringen ein in den fortdauernden Strom des IchErlebens. Was sonst von der Philosophie nur erschlossen wird, wovon man nur urteilt, das wird erlebt. Und man wehrt sich sogar dagegen — ich habe das auch schon hier angeführt —, daß Eduard von Hartmann in seinen psychologischen Schriften davon redet, daß, wenn man ein Gefühl beobachten will, es dadurch gestört wird und sich verändert.

[ 18 ] Wenn Eduard von Hartmann dies bemerkt, so will er gerade ausschließen, daß das Ich leben kann in diesem Zeitenstrom. Er will gerade damit beweisen, daß für das Erleben des Ich der Zeitenstrom ihm verloren geht. Er geht aber nicht verloren, sondern wird gerade dadurch gewonnen. Ja, wer von diesem geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus Selbstbeobachtung üben kann, der weiß, wie dieses Erleben des Ich, das in diesem Zeitmoment unseres Daseins da ist, in Wechselverhältnisse tritt zu früheren Zeitmomenten.

[ 18 ] Wenn Eduard von Hartmann dies bemerkt, so will er gerade ausschließen, daß das Ich leben kann in diesem Zeitenstrom. Er will gerade damit beweisen, daß für das Erleben des Ich der Zeitenstrom ihm verloren geht. Er geht aber nicht verloren, sondern wird gerade dadurch gewonnen. Ja, wer von diesem geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus Selbstbeobachtung üben kann, der weiß, wie dieses Erleben des Ich, das in diesem Zeitmoment unseres Daseins da ist, in Wechselverhältnisse tritt zu früheren Zeitmomenten.

[ 19 ] Nehmen Sie es nicht als eine Albernheit oder als Renommiererei, wenn ich ein eigenes Erlebnis meiner allerjüngsten Tage hier anführe. Ich will ein eigenes Erlebnis anführen, das sehr einfach scheint, wenn es erlebt wird, das mir aber neuerdings wieder etwas innerlich Erschütterndes war. Ich habe im Jahre 1894 ein Buch abgeschlossen, in welchem ich rein philosophisch darauf aufmerksam gemacht habe, wie das menschliche Denken schon ein Geistiges ist: meine «Philosophie der Freiheit». Ich war, als ich das Buch schrieb, ein junger Mensch von dreiunddreißig Jahren. In dieser jüngst verflossenen Zeit hat sich nun die Notwendigkeit ergeben, dieses Buch für eine Neuausgabe von neuem durchzuarbeiten, wiederum alles durchzumachen, was damals durch meine Seele gezogen ist, und dabei zugleich zu beobachten, wie sich die Ich-Erlebnisse von jetzt zu den ganz ‚gleichen Ich-Erlebnissen von dazumal verhalten. Wenn man es dazu bringt, zu sehen, wie an dem Wiederdurchmachen des verflossenen Erlebnisses und an diesem Zusammenkommen mit dem wiedererstandenen Erlebnis etwas ähnliches zeitlich eintritt wie sonst beim Erwachen — eine Beobachtung, die für die meisten Menschen vorüberläuft, die sich an frühere Erlebnisse einfach erinnern und nicht hinschauen können auf alles, was da wiederum wird -, dann kann man gerade an einem solchen Beispiel sehen, wie das Ich angefacht wird geradeso, wie an der Leiblichkeit im Erwachen, indem es mit etwas, was im Zeitenstrome von ihm vorhanden war, wieder zusammentrifft, darauf aufstößt. Wer das nicht beobachten kann, der ermißt gar nicht, was man erlebt, wenn man das Ich nicht im Strom des Räumlichen darinnenstehend hat, sondern wenn man gezwungen ist, es in Gemäßheit der in der «Philosophie der Freiheit» entwickelten Vorstellungen zu denken, die ja viele Menschen «Abstraktionen» nennen; ich nenne sie die konkretesten, lebendigsten Vorstellungen, weil die «Philosophie der Freiheit» ja lauter lebendige Begriffe entwickelt. Es ist das vorhanden, was ich nennen möchte das Erleben des Ich in bezug auf die Wechselwirkung des einen Zeitpunktes mit dem anderen. Da beginnt das, was bildhaft genannt werden kann der Übergang zu dem innerlichen musikalischen Erleben der Welt. Es ist, wenn ich es damit vergleichen darf, wie wenn Sie einen Ton einer Melodie in Wechselverhältnis setzen würden zu den anderen 'Tönen der Melodie, wenn also nicht bloß das entsteht, daß der Ton gewissermaßen die Luft erschüttert, sich an dem Räumlichen erfährt, sondern wenn ein Ton mit dem andern in Wechselwirkung tritt. Anders ist es eigentlich unmöglich, das innere Weben und Leben dieses zunächst höchsten Gliedes der menschlichen Wesenheit ins innere geistige Auge zu fassen, als dadurch, daß man übergeht zu einem solchen musikalischen Erlebnis des einen Zeitpunktes durch den andern.

[ 19 ] Nehmen Sie es nicht als eine Albernheit oder als Renommiererei, wenn ich ein eigenes Erlebnis meiner allerjüngsten Tage hier anführe. Ich will ein eigenes Erlebnis anführen, das sehr einfach scheint, wenn es erlebt wird, das mir aber neuerdings wieder etwas innerlich Erschütterndes war. Ich habe im Jahre 1894 ein Buch abgeschlossen, in welchem ich rein philosophisch darauf aufmerksam gemacht habe, wie das menschliche Denken schon ein Geistiges ist: meine «Philosophie der Freiheit». Ich war, als ich das Buch schrieb, ein junger Mensch von dreiunddreißig Jahren. In dieser jüngst verflossenen Zeit hat sich nun die Notwendigkeit ergeben, dieses Buch für eine Neuausgabe von neuem durchzuarbeiten, wiederum alles durchzumachen, was damals durch meine Seele gezogen ist, und dabei zugleich zu beobachten, wie sich die Ich-Erlebnisse von jetzt zu den ganz ‚gleichen Ich-Erlebnissen von dazumal verhalten. Wenn man es dazu bringt, zu sehen, wie an dem Wiederdurchmachen des verflossenen Erlebnisses und an diesem Zusammenkommen mit dem wiedererstandenen Erlebnis etwas ähnliches zeitlich eintritt wie sonst beim Erwachen — eine Beobachtung, die für die meisten Menschen vorüberläuft, die sich an frühere Erlebnisse einfach erinnern und nicht hinschauen können auf alles, was da wiederum wird -, dann kann man gerade an einem solchen Beispiel sehen, wie das Ich angefacht wird geradeso, wie an der Leiblichkeit im Erwachen, indem es mit etwas, was im Zeitenstrome von ihm vorhanden war, wieder zusammentrifft, darauf aufstößt. Wer das nicht beobachten kann, der ermißt gar nicht, was man erlebt, wenn man das Ich nicht im Strom des Räumlichen darinnenstehend hat, sondern wenn man gezwungen ist, es in Gemäßheit der in der «Philosophie der Freiheit» entwickelten Vorstellungen zu denken, die ja viele Menschen «Abstraktionen» nennen; ich nenne sie die konkretesten, lebendigsten Vorstellungen, weil die «Philosophie der Freiheit» ja lauter lebendige Begriffe entwickelt. Es ist das vorhanden, was ich nennen möchte das Erleben des Ich in bezug auf die Wechselwirkung des einen Zeitpunktes mit dem anderen. Da beginnt das, was bildhaft genannt werden kann der Übergang zu dem innerlichen musikalischen Erleben der Welt. Es ist, wenn ich es damit vergleichen darf, wie wenn Sie einen Ton einer Melodie in Wechselverhältnis setzen würden zu den anderen 'Tönen der Melodie, wenn also nicht bloß das entsteht, daß der Ton gewissermaßen die Luft erschüttert, sich an dem Räumlichen erfährt, sondern wenn ein Ton mit dem andern in Wechselwirkung tritt. Anders ist es eigentlich unmöglich, das innere Weben und Leben dieses zunächst höchsten Gliedes der menschlichen Wesenheit ins innere geistige Auge zu fassen, als dadurch, daß man übergeht zu einem solchen musikalischen Erlebnis des einen Zeitpunktes durch den andern.

[ 20 ] Dadurch gliedert sich also die gesamte menschliche Wesenheit in 1. den physischen Leib, 2. den Bildekräfteleib, den ich charakterisiert habe als das, was im Gedächtnis wirkt, das wie ein unterbewußtes Wissen den Bildekräfteleib durchgeistigt, 3. das eigentlich Seelische, den astralischen Leib, und 4. das Ich. Dann haben wir versucht, indem wir so den Menschen verfolgten von der untersten sinnlichen Grenze des Körperlichen bis herauf zu dem, was als Geistigstesam Menschen auftritt, zu dem eigentlichen Übersinnlichen zu blicken, und damit hat man erst den ganzen, vollen Menschen vor sich. Damit hat man aber auch den Hinweis gegeben auf die Art und Weise, wie erlebt werden muß, damit das wirklich Dauernde im Menschen unmittelbar innerlich angeschaut werden kann. Da nutzt nicht irgendeine Ausdeutung, irgendeine philosophische Zergliederung des gewöhnlichen Ich; da muß dieses Ich in eine andere Sphäre hineingetragen werden, muß unter ganz anderen Bedingungen neu erlebt werden. Dieses Ich, das man auf diese Weise erlebt, ist zu gleicher Zeit erlebt als ein von der räumlichen Körperlichkeit unabhängiges Ich, und es schwingt sich nach und nach, indem es seine Übungen fortsetzt, dazu auf, überhaupt im Zeitenstrome wahrnehmen zu können, dasjenige wahrnehmen zu können, was im Menschen nur zeitlich, nicht räumlich lebt.

[ 20 ] Dadurch gliedert sich also die gesamte menschliche Wesenheit in 1. den physischen Leib, 2. den Bildekräfteleib, den ich charakterisiert habe als das, was im Gedächtnis wirkt, das wie ein unterbewußtes Wissen den Bildekräfteleib durchgeistigt, 3. das eigentlich Seelische, den astralischen Leib, und 4. das Ich. Dann haben wir versucht, indem wir so den Menschen verfolgten von der untersten sinnlichen Grenze des Körperlichen bis herauf zu dem, was als Geistigstesam Menschen auftritt, zu dem eigentlichen Übersinnlichen zu blicken, und damit hat man erst den ganzen, vollen Menschen vor sich. Damit hat man aber auch den Hinweis gegeben auf die Art und Weise, wie erlebt werden muß, damit das wirklich Dauernde im Menschen unmittelbar innerlich angeschaut werden kann. Da nutzt nicht irgendeine Ausdeutung, irgendeine philosophische Zergliederung des gewöhnlichen Ich; da muß dieses Ich in eine andere Sphäre hineingetragen werden, muß unter ganz anderen Bedingungen neu erlebt werden. Dieses Ich, das man auf diese Weise erlebt, ist zu gleicher Zeit erlebt als ein von der räumlichen Körperlichkeit unabhängiges Ich, und es schwingt sich nach und nach, indem es seine Übungen fortsetzt, dazu auf, überhaupt im Zeitenstrome wahrnehmen zu können, dasjenige wahrnehmen zu können, was im Menschen nur zeitlich, nicht räumlich lebt.

[ 21 ] Wenn ich für die, welche von solchen Dingen etwas wissen, das einfügen darf: Man hat in der Philosophie der Gegenwart darauf aufmerksam gemacht, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es substantiell greifen will, sondern erst dann, wenn man es als einen Durchgang durch einen Prozeß nimmt. Besonders hart Wundt darauf aufmerksam gemacht. Allein Wundt hat eben abstrakt darauf hingewiesen, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es als Substanz betrachtet, sondern daß man es im lebendigen Prozeß zu sehen hat. Aber es handelt sich nicht darum, es sich nur im seelischen Prozeß durch abstrakte Begriffe zu vergegenwärtigen, sondern mit dem eigenen Ich unterzutauchen in den seelischen Prozeß und diesen Prozeß mitzuerleben. Dann tritt nach und nach das auf, was es möglich macht, diesen seelischen Prozeß auch über diejenigen Zeiten hinüber zu verfolgen, in denen er eingespannt ist in das Räumlich-Körperliche. Hat man einmal gelernt, das Erleben des einen Zeitmomentes zusammenstoßen zu lassen mit dem andern Zeitmoment, dann kann man auch allmählich in sich die Fähigkeit heranentwickeln, das innere Erleben des Ich überhaupt anstoßen zu lassen an den Zeitenstrom, wo das Räumlich-Körperhafte erst entstanden ist in der Vererbungsströmung. Dann erweitert sich der Zeitenstrom über das Räumlich-Körperhafte hinaus, dann schaut man in dem Zeitenstrome, in welchem das Ich webt, in das vorgeburtliche Leben und in das Leben nach dem Tode in einer gewissen Weise hinein. Dann tritt für eine neuere Erkenntnis das auf, was ich oftmals schon mit einem gewissen Bilde zu vergleichen versuchte. Dem, der das durchmacht, was ich jetzt prinzipiell beschrieben habe, dem ereignet sich innerlich etwas, was sich vergleichen läßt mit dem Erlebnis, das wohl Giordano Bruno gehabt haben mag, als er im Beginne der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise stand und diese geltend machte. Im wesentlichen haben die Menschen bis Giordano Bruno in den Weltenraum hinausgeschaut, haben das blaue Firmament gesehen und es für eine wirklich gegenständliche Grenze des Raumes gehalten. Es war bedeutungsvoll, daß in Giordano Brunos Seele zuerst die Vorstellung auftauchte: Da ist eigentlich gar nichts; nur unsere Anschauung, nur die Bedingungen unseres sinnlichen Anschauens machen es, daß wir dort eine blaue Schale sehen; in Wahrheit geht es in die Unendlichkeit hinaus, und wo das blaue Firmament uns erscheint, ist nur eine Grenze unseres Anschauens. Das gilt auch für das Zeitliche. Geburt oder Empfängnis und Tod werden für das zeitliche Firmament, in das wir hinausschauen, die Grenze, die uns durch unsere sinnliche Organisation gesetzt ist. Was wir als unsere Welt erblicken, in der wir leben und weben mit unserem Ich, mit unserem übersinnlichen Menschen, das liegt über dieses zeitliche Firmament über den Tod auf der einen Seite, über Geburt oder Empfängnis auf der anderen Seite hinaus. Und heute stehen wir vor diesem Ruck des menschlichen Wissens nach vorn, wo in ähnlicher Weise wie vor Jahrhunderten für das menschliche Vorstellungsvermögen die Illusion des blauen Himmelsgewölbes hinweggerüct wurde, für die menschliche Anschauung die Illusion hinweggerückt wird, daß Geburt und Tod Grenzen seien, über die man nicht hinauskommen könne.

[ 21 ] Wenn ich für die, welche von solchen Dingen etwas wissen, das einfügen darf: Man hat in der Philosophie der Gegenwart darauf aufmerksam gemacht, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es substantiell greifen will, sondern erst dann, wenn man es als einen Durchgang durch einen Prozeß nimmt. Besonders hart Wundt darauf aufmerksam gemacht. Allein Wundt hat eben abstrakt darauf hingewiesen, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es als Substanz betrachtet, sondern daß man es im lebendigen Prozeß zu sehen hat. Aber es handelt sich nicht darum, es sich nur im seelischen Prozeß durch abstrakte Begriffe zu vergegenwärtigen, sondern mit dem eigenen Ich unterzutauchen in den seelischen Prozeß und diesen Prozeß mitzuerleben. Dann tritt nach und nach das auf, was es möglich macht, diesen seelischen Prozeß auch über diejenigen Zeiten hinüber zu verfolgen, in denen er eingespannt ist in das Räumlich-Körperliche. Hat man einmal gelernt, das Erleben des einen Zeitmomentes zusammenstoßen zu lassen mit dem andern Zeitmoment, dann kann man auch allmählich in sich die Fähigkeit heranentwickeln, das innere Erleben des Ich überhaupt anstoßen zu lassen an den Zeitenstrom, wo das Räumlich-Körperhafte erst entstanden ist in der Vererbungsströmung. Dann erweitert sich der Zeitenstrom über das Räumlich-Körperhafte hinaus, dann schaut man in dem Zeitenstrome, in welchem das Ich webt, in das vorgeburtliche Leben und in das Leben nach dem Tode in einer gewissen Weise hinein. Dann tritt für eine neuere Erkenntnis das auf, was ich oftmals schon mit einem gewissen Bilde zu vergleichen versuchte. Dem, der das durchmacht, was ich jetzt prinzipiell beschrieben habe, dem ereignet sich innerlich etwas, was sich vergleichen läßt mit dem Erlebnis, das wohl Giordano Bruno gehabt haben mag, als er im Beginne der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise stand und diese geltend machte. Im wesentlichen haben die Menschen bis Giordano Bruno in den Weltenraum hinausgeschaut, haben das blaue Firmament gesehen und es für eine wirklich gegenständliche Grenze des Raumes gehalten. Es war bedeutungsvoll, daß in Giordano Brunos Seele zuerst die Vorstellung auftauchte: Da ist eigentlich gar nichts; nur unsere Anschauung, nur die Bedingungen unseres sinnlichen Anschauens machen es, daß wir dort eine blaue Schale sehen; in Wahrheit geht es in die Unendlichkeit hinaus, und wo das blaue Firmament uns erscheint, ist nur eine Grenze unseres Anschauens. Das gilt auch für das Zeitliche. Geburt oder Empfängnis und Tod werden für das zeitliche Firmament, in das wir hinausschauen, die Grenze, die uns durch unsere sinnliche Organisation gesetzt ist. Was wir als unsere Welt erblicken, in der wir leben und weben mit unserem Ich, mit unserem übersinnlichen Menschen, das liegt über dieses zeitliche Firmament über den Tod auf der einen Seite, über Geburt oder Empfängnis auf der anderen Seite hinaus. Und heute stehen wir vor diesem Ruck des menschlichen Wissens nach vorn, wo in ähnlicher Weise wie vor Jahrhunderten für das menschliche Vorstellungsvermögen die Illusion des blauen Himmelsgewölbes hinweggerüct wurde, für die menschliche Anschauung die Illusion hinweggerückt wird, daß Geburt und Tod Grenzen seien, über die man nicht hinauskommen könne.

[ 22 ] Dieser Sprung muß gemacht werden. Dann eröffnet er dem Menschen die Aussicht in das wirkliche Leben seiner übersinnlichen Wesenheit. Dabei muß aber scharf ins Auge gefaßt werden: Wer in der hier geschilderten Art ein Geistesforscher werden will, der muß mit höchster kritischer Selbstbeobachtung immer ins Auge fassen können, was ihn abhalten könnte von dem objektiven Hineinkommen in diese geistige Welt. Sehr leicht kann er davon abgehalten werden. Das Hinschimmern und Hinschweben im Hingeflossensein in die Welt habe ich schon geschildert; das darf natürlich nicht in die Vorbereitung zur Geistesforschung hineinkommen. Aber es ist natürlich gut, möglichst nicht das Gefühls- und Emotionsleben in Anspruch nehmende Vorstellungen für das Meditieren, für die übenden Vorbereitungen des Seelenlebens zu verwenden. Wer Vorstellungen, die ihn sehr stark erregen, zur Kontemplation, zur Meditation verwendet, der wird sehr leicht in die 'Täuschung kommen. Daher wird zur Vorbereitung namentlich zu vermeiden sein, daß religiöse Impulse in die Übungen hineingetragen werden. Religiöse Impulse, die den Menschen stark erregen, stark in sein Gefühls- und Interessenleben hineinwirken, müssen ausgeschlossen sein. Und sonderbarerweise — es wird ja manchem wenig recht sein — sind diejenigen Vorstellungen die allerbesten, die uns in bezug auf unser Emotions- und Gefühlsleben am allerruhigsten lassen. Wenn man sich in der Mathematik in ähnliche Vorstellungen hineinversenkt, besonders in solche, die bewegliches Leben in die Geometrie hineinführen, wo die Figuren verschiedene Gestalten annehmen können, oder in solche Vorstellungen, wie ich sie- mit idealem Gehalt - in der «Philosophie der Freiheit» hingestellt habe, dann ist das wohl etwas, was uns auf diesem Gebiete weiterbringen kann. Damit soll durchaus nicht gesagt werden, daß geisteswissenschaftliche Forschung mit dem religiösen Leben nichts zu tun hat. Aber es handelt sich darum, daß man zu jener religiösen Verinnerlichung und Vertiefung, zu der gerade Geisteswissenschaft auch die Vorbereitung sein kann, am besten dadurch kommt, daß man nicht gleich davon ausgeht, sondern mit möglichst unemotionellen und uninteressierten Vorstellungen sich auf den Weg des Forschens begibt, und dann, wenn man in der geistigen Welt darinnen ist, kommt einem aus dieser heraus die Anschauung, die schon eine mächtige Hilfe gerade zur religiösen Vertiefung darstellen kann. So sind für diesen Gang des Geistesforschers ganz besonders ins Auge zu fassen Vorstellungen, die nicht zusammenhängen mit den Bekümmernissen und Besorgnissen des Lebens, die die Seele nicht so sehr erregen, besonders Vorstellungen, die leicht überschaubar sind. Das sind aber niemals die Vorstellungen, die uns leicht erregen, denn da tritt alles mögliche aus dem Unterbewußten in die Seele herein. Dieses Unterbewußte muß aber vor allem ausgeschlossen werden.

[ 22 ] Dieser Sprung muß gemacht werden. Dann eröffnet er dem Menschen die Aussicht in das wirkliche Leben seiner übersinnlichen Wesenheit. Dabei muß aber scharf ins Auge gefaßt werden: Wer in der hier geschilderten Art ein Geistesforscher werden will, der muß mit höchster kritischer Selbstbeobachtung immer ins Auge fassen können, was ihn abhalten könnte von dem objektiven Hineinkommen in diese geistige Welt. Sehr leicht kann er davon abgehalten werden. Das Hinschimmern und Hinschweben im Hingeflossensein in die Welt habe ich schon geschildert; das darf natürlich nicht in die Vorbereitung zur Geistesforschung hineinkommen. Aber es ist natürlich gut, möglichst nicht das Gefühls- und Emotionsleben in Anspruch nehmende Vorstellungen für das Meditieren, für die übenden Vorbereitungen des Seelenlebens zu verwenden. Wer Vorstellungen, die ihn sehr stark erregen, zur Kontemplation, zur Meditation verwendet, der wird sehr leicht in die 'Täuschung kommen. Daher wird zur Vorbereitung namentlich zu vermeiden sein, daß religiöse Impulse in die Übungen hineingetragen werden. Religiöse Impulse, die den Menschen stark erregen, stark in sein Gefühls- und Interessenleben hineinwirken, müssen ausgeschlossen sein. Und sonderbarerweise — es wird ja manchem wenig recht sein — sind diejenigen Vorstellungen die allerbesten, die uns in bezug auf unser Emotions- und Gefühlsleben am allerruhigsten lassen. Wenn man sich in der Mathematik in ähnliche Vorstellungen hineinversenkt, besonders in solche, die bewegliches Leben in die Geometrie hineinführen, wo die Figuren verschiedene Gestalten annehmen können, oder in solche Vorstellungen, wie ich sie- mit idealem Gehalt - in der «Philosophie der Freiheit» hingestellt habe, dann ist das wohl etwas, was uns auf diesem Gebiete weiterbringen kann. Damit soll durchaus nicht gesagt werden, daß geisteswissenschaftliche Forschung mit dem religiösen Leben nichts zu tun hat. Aber es handelt sich darum, daß man zu jener religiösen Verinnerlichung und Vertiefung, zu der gerade Geisteswissenschaft auch die Vorbereitung sein kann, am besten dadurch kommt, daß man nicht gleich davon ausgeht, sondern mit möglichst unemotionellen und uninteressierten Vorstellungen sich auf den Weg des Forschens begibt, und dann, wenn man in der geistigen Welt darinnen ist, kommt einem aus dieser heraus die Anschauung, die schon eine mächtige Hilfe gerade zur religiösen Vertiefung darstellen kann. So sind für diesen Gang des Geistesforschers ganz besonders ins Auge zu fassen Vorstellungen, die nicht zusammenhängen mit den Bekümmernissen und Besorgnissen des Lebens, die die Seele nicht so sehr erregen, besonders Vorstellungen, die leicht überschaubar sind. Das sind aber niemals die Vorstellungen, die uns leicht erregen, denn da tritt alles mögliche aus dem Unterbewußten in die Seele herein. Dieses Unterbewußte muß aber vor allem ausgeschlossen werden.

[ 23 ] Auf diese Weise dringt man tatsächlich in ein geistiges Erleben hinein, wo man erst jenes Wesen im Menschen finden kann, von dem zu sagen ist: es lebt in der Freiheit des Willens, es lebt in dem unsterblichen Seelenwesen. Jeder Mensch trägt es in sich. Aber gefunden werden kann es erkenntnismäßig nur auf solchen Wegen, wie es geschildert worden ist.

[ 23 ] Auf diese Weise dringt man tatsächlich in ein geistiges Erleben hinein, wo man erst jenes Wesen im Menschen finden kann, von dem zu sagen ist: es lebt in der Freiheit des Willens, es lebt in dem unsterblichen Seelenwesen. Jeder Mensch trägt es in sich. Aber gefunden werden kann es erkenntnismäßig nur auf solchen Wegen, wie es geschildert worden ist.

[ 24 ] Im nächsten Vortrage will ich gerade von diesem Punkte aus weiterreden über die wichtigen Fragen des menschlichen Seelenlebens: über die menschliche Willensfreiheit und über die Seelenunsterblichkeit, um zu zeigen, wie man von dem, was man auf die heute geschilderte Art als den übersinnlichen Menschen finden kann, aufsteigt zu einem wirklichen Erfassen des Lebens dieses übersinnlichen Menschen, des Lebens in der wirklichen Dauer, und des Lebens in der Willensfreiheit. Es ist so viel gestritten worden über Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit, weil man sich nicht darauf einlassen wollte, erst die Vorbereitungen zu schaffen, die nötig sind, um das Feld des menschlichen Erlebens zu betreten, das betreten werden muß, wenn man eine Anschauung gewinnen will von dem, aus dem heraus erst Willensfreiheit sprießt, und worinnen erst das ruht, was durch Geburten und Tode im Menschen geht. Man muß zuerst erkennen lernen, wie im menschlichen Leben das Zeitliche verläuft während dieses Erdenlebens. Dann findet man auch die Wege, über dieses Erdenleben hinauszukommen. Auf den mannigfaltigsten Gebieten kann eine solche Forschung fruchtbar werden, wenn ihr auch heute noch vieles entgegensteht. Sie kann fruchtbar werden für die wichtigsten, praktischsten Gebiete des Lebens, zum Beispiel für das Erziehungsgebiet. Das Erziehungsgebiet wird ja, trotzdem man heute dafür modernste Vorstellungen fruchtbar machen will, trotzdem man in dem «Jahrhundert des Kindes» lebt, eigentlich gar nicht von dem Gesichtspunkte aus angesehen, der gerade dem Erziehungsleben gegenüber so nahe liegt: von dem Gesichtspunkte des zeitlichen Erlebnisses der Menschenseele. Wer, wie ich es geschildert habe, von einem Zeitpunkte des menschlichen Erlebens aus einen andern anschauen kann, der findet im menschlichen Seelenleben ein sich metamorphosierendes Leben, ein sich wandelndes Leben. Er findet zum Beispiel: Wenn man ein alter Knabe geworden ist, auf frühere Zeiten zurückschaut und dann in noch weiter zurückliegende Zeitpunkte zurückschaut, und wenn man nicht nur äußerlich darauf hinschaut, sondern es innerlich erlebt, dann merkt man, wie sich das innere Seelengebilde wandelt, was aus einem Gebilde des Seelenlebens in einem Zeitpunkte wird. Und man merkt: Was im kindlichen Lebensalter vorzugsweise als Wille wirkt, was als Wunsch zum Ausdruck kommt, das wirkt im späteren Leben, wenn man älter ist — es ist dann zwar noch da, aber es wird umgestaltet im Gedankenleben - in der Lebenserfahrung, die im Gedanken webt. Was wir später als Fünfzigjährige an Lebenserfahrung haben, das ist so umgewandeltes Willensleben des ersten Kindheitslebens. Wie das Blumenblatt der Pflanze im Sinne der Goetheschen Metamorphose äußerlich umgewandeltes grünes Laubblatt ist, aber wie das Laubblatt nicht grün bleibt, sondern rot wird bei der Rose, so verwandelt sich das, was Wunsch ist beim Kinde, in Lebenserfahrungen des späteren Alters. Und umgekehrt: Was das Kind denkt, was in ihm als Gedanke angeregt wird, das verwandelt sich im späteren Leben in Willensenergie. Wenn man also diesen Zusammenhang aus der inneren Lebensanschauung kennt, denken Sie, wie man dann auf das Kind wirken kann!

[ 24 ] Im nächsten Vortrage will ich gerade von diesem Punkte aus weiterreden über die wichtigen Fragen des menschlichen Seelenlebens: über die menschliche Willensfreiheit und über die Seelenunsterblichkeit, um zu zeigen, wie man von dem, was man auf die heute geschilderte Art als den übersinnlichen Menschen finden kann, aufsteigt zu einem wirklichen Erfassen des Lebens dieses übersinnlichen Menschen, des Lebens in der wirklichen Dauer, und des Lebens in der Willensfreiheit. Es ist so viel gestritten worden über Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit, weil man sich nicht darauf einlassen wollte, erst die Vorbereitungen zu schaffen, die nötig sind, um das Feld des menschlichen Erlebens zu betreten, das betreten werden muß, wenn man eine Anschauung gewinnen will von dem, aus dem heraus erst Willensfreiheit sprießt, und worinnen erst das ruht, was durch Geburten und Tode im Menschen geht. Man muß zuerst erkennen lernen, wie im menschlichen Leben das Zeitliche verläuft während dieses Erdenlebens. Dann findet man auch die Wege, über dieses Erdenleben hinauszukommen. Auf den mannigfaltigsten Gebieten kann eine solche Forschung fruchtbar werden, wenn ihr auch heute noch vieles entgegensteht. Sie kann fruchtbar werden für die wichtigsten, praktischsten Gebiete des Lebens, zum Beispiel für das Erziehungsgebiet. Das Erziehungsgebiet wird ja, trotzdem man heute dafür modernste Vorstellungen fruchtbar machen will, trotzdem man in dem «Jahrhundert des Kindes» lebt, eigentlich gar nicht von dem Gesichtspunkte aus angesehen, der gerade dem Erziehungsleben gegenüber so nahe liegt: von dem Gesichtspunkte des zeitlichen Erlebnisses der Menschenseele. Wer, wie ich es geschildert habe, von einem Zeitpunkte des menschlichen Erlebens aus einen andern anschauen kann, der findet im menschlichen Seelenleben ein sich metamorphosierendes Leben, ein sich wandelndes Leben. Er findet zum Beispiel: Wenn man ein alter Knabe geworden ist, auf frühere Zeiten zurückschaut und dann in noch weiter zurückliegende Zeitpunkte zurückschaut, und wenn man nicht nur äußerlich darauf hinschaut, sondern es innerlich erlebt, dann merkt man, wie sich das innere Seelengebilde wandelt, was aus einem Gebilde des Seelenlebens in einem Zeitpunkte wird. Und man merkt: Was im kindlichen Lebensalter vorzugsweise als Wille wirkt, was als Wunsch zum Ausdruck kommt, das wirkt im späteren Leben, wenn man älter ist — es ist dann zwar noch da, aber es wird umgestaltet im Gedankenleben - in der Lebenserfahrung, die im Gedanken webt. Was wir später als Fünfzigjährige an Lebenserfahrung haben, das ist so umgewandeltes Willensleben des ersten Kindheitslebens. Wie das Blumenblatt der Pflanze im Sinne der Goetheschen Metamorphose äußerlich umgewandeltes grünes Laubblatt ist, aber wie das Laubblatt nicht grün bleibt, sondern rot wird bei der Rose, so verwandelt sich das, was Wunsch ist beim Kinde, in Lebenserfahrungen des späteren Alters. Und umgekehrt: Was das Kind denkt, was in ihm als Gedanke angeregt wird, das verwandelt sich im späteren Leben in Willensenergie. Wenn man also diesen Zusammenhang aus der inneren Lebensanschauung kennt, denken Sie, wie man dann auf das Kind wirken kann!

[ 25 ] Wenn du dem Kinde jeden unsinnigen Wunsch erfüllst und es veranlassest, daß es seinen Willen nach allen Seiten zerstäubt, dann machst du es frühzeitig im späteren Alter verhältnismäßig idiotisch, weil sich der zerstäubte Wille nicht umwandeln kann in Lebenserfahrung, die sich später im ruhigen Gedankenleben zum Ausdruck bringt. — Diese Metamorphose des inneren Lebens enthüllt sich einem geistigen Anschauen wie sich sonst räumliche Verhältnisse enthüllen. Und ebenso lernt man erkennen, wie man versuchen muß, die Gedanken des Kindes zu lenken und zu leiten, damit es später nicht ein schlapper, unenergischer Mensch wird, sondern solche Vorstellungen in sich aufnimmt, die zu einer gewissen Willensenergie führen. Wer etwa glaubt, daß durch Anregung des Willens der Wille, und durch Anregung des Gedankenlebens die Gedanken stark werden, der ist auf einer ganz falschen Fährte; der kennt nicht das Weben und Leben des übersinnlichen Menschen. Hier ist ein Punkt - und wir könnten unzählige anführen -, wo das wirkliche Hineindringen in die Realität des Daseins unmittelbar in die Lebenspraxis hineinführt. Wer, wie es die heutige Zeit liebt, bei der rein äußeren Wirklichkeit stehenbleiben will, der gleicht einem Menschen, der ein hufeisenförmiges Stück Eisen vor sich hat und von ihm sagt: das ist ein hufeisenförmiges Eisen. Ein anderer aber sagt ihm: das ist ein Magnet. Der erstere dagegen meint: Ich sehe nichts davon, ich sehe nur ein Hufeisen, und ich will damit mein Pferd beschlagen. — Er sieht den Magneten nicht! Was aber kann der andere alles machen, der das Unsichtbare hinzurechnen kann zu der Realität! So ist die Welt durchsetzt mit etwas, was als Unsichtbares zu dem Sichtbaren hinzukommt. Aber überall ist die Wirklichkeit erfüllt von einem Strom des Daseins, den man nur erkennt, wenn man ein Verhältnis des Übersinnlichen im Menschen zu dem Übersinnlichen im umliegenden Dasein gewinnt. Daß vieles in unserer Zeit so ganz besonders unwirklichen Eindruck macht, das rührt davon her, daß die Menschen glauben, unmittelbar vor dem Strom der Wirklichkeit zu stehen. Das soll ja «naturwissenschaftliche Anschauung» sein. Aber was in den Tiefen der Wirklichkeit lebt, das sehen sie nicht. Daher können sie vorzugsweise das, was im Menschenleben webt, nicht als ein Wirkliches anerkennen. Wer einen erkennenden Sinn für das hat, was in der Gegenwart vorgeht, wer feineres intimeres Geschehen mit dem katastrophalen Geschehen vergleichen kann, das jetzt zum Menschheitsunglück geworden ist, der wird sehr, sehr daran erinnert, wie notwendig es gerade in unserer Zeit ist, daß Verständnis für das übersinnliche Verhältnis des Menschen zur Welt wiederum in der Menschheit Platz greift. Fragt man sich: Wie ist es eigentlich gekommen, daß dieses Verständnis nicht da ist? dann kann man das etwa in der folgenden Art charakterisieren.

[ 25 ] Wenn du dem Kinde jeden unsinnigen Wunsch erfüllst und es veranlassest, daß es seinen Willen nach allen Seiten zerstäubt, dann machst du es frühzeitig im späteren Alter verhältnismäßig idiotisch, weil sich der zerstäubte Wille nicht umwandeln kann in Lebenserfahrung, die sich später im ruhigen Gedankenleben zum Ausdruck bringt. — Diese Metamorphose des inneren Lebens enthüllt sich einem geistigen Anschauen wie sich sonst räumliche Verhältnisse enthüllen. Und ebenso lernt man erkennen, wie man versuchen muß, die Gedanken des Kindes zu lenken und zu leiten, damit es später nicht ein schlapper, unenergischer Mensch wird, sondern solche Vorstellungen in sich aufnimmt, die zu einer gewissen Willensenergie führen. Wer etwa glaubt, daß durch Anregung des Willens der Wille, und durch Anregung des Gedankenlebens die Gedanken stark werden, der ist auf einer ganz falschen Fährte; der kennt nicht das Weben und Leben des übersinnlichen Menschen. Hier ist ein Punkt - und wir könnten unzählige anführen -, wo das wirkliche Hineindringen in die Realität des Daseins unmittelbar in die Lebenspraxis hineinführt. Wer, wie es die heutige Zeit liebt, bei der rein äußeren Wirklichkeit stehenbleiben will, der gleicht einem Menschen, der ein hufeisenförmiges Stück Eisen vor sich hat und von ihm sagt: das ist ein hufeisenförmiges Eisen. Ein anderer aber sagt ihm: das ist ein Magnet. Der erstere dagegen meint: Ich sehe nichts davon, ich sehe nur ein Hufeisen, und ich will damit mein Pferd beschlagen. — Er sieht den Magneten nicht! Was aber kann der andere alles machen, der das Unsichtbare hinzurechnen kann zu der Realität! So ist die Welt durchsetzt mit etwas, was als Unsichtbares zu dem Sichtbaren hinzukommt. Aber überall ist die Wirklichkeit erfüllt von einem Strom des Daseins, den man nur erkennt, wenn man ein Verhältnis des Übersinnlichen im Menschen zu dem Übersinnlichen im umliegenden Dasein gewinnt. Daß vieles in unserer Zeit so ganz besonders unwirklichen Eindruck macht, das rührt davon her, daß die Menschen glauben, unmittelbar vor dem Strom der Wirklichkeit zu stehen. Das soll ja «naturwissenschaftliche Anschauung» sein. Aber was in den Tiefen der Wirklichkeit lebt, das sehen sie nicht. Daher können sie vorzugsweise das, was im Menschenleben webt, nicht als ein Wirkliches anerkennen. Wer einen erkennenden Sinn für das hat, was in der Gegenwart vorgeht, wer feineres intimeres Geschehen mit dem katastrophalen Geschehen vergleichen kann, das jetzt zum Menschheitsunglück geworden ist, der wird sehr, sehr daran erinnert, wie notwendig es gerade in unserer Zeit ist, daß Verständnis für das übersinnliche Verhältnis des Menschen zur Welt wiederum in der Menschheit Platz greift. Fragt man sich: Wie ist es eigentlich gekommen, daß dieses Verständnis nicht da ist? dann kann man das etwa in der folgenden Art charakterisieren.

[ 26 ] Es ist ja nicht da. Es gelten heute Menschen als besonders klug, und sie sind es in gewisser Beziehung durchaus, die ganz fern von der Wirklichkeit stehen. Ich kann Ihnen ein Buch nennen, in dem eigentlich vom Anfang bis zum Ende kein Ton von Wirklichkeit enthalten ist, und das doch im Grunde genommen von seinem Standpunkte aus das Wissen der ganzen Welt enthält, denn es ist ein Wörterbuch, noch dazu ein philosophisches: das von Fritz Mauthner, das ja heute insbesondere ein Wissensgötze nicht so sehr der Fachleute ist — die durchschauen ja doch manches, was darin dilettantisch ist —, sondern zahlreicher Laien oder -— wenn man das nicht sagen darf — «Journalisten». Wer aber mit Wirklichkeitssinn an dieses Buch herangeht, kann ein eigentümliches Gefühl erhalten. Man versuche es nur einmal, mit einem gesunden Sinn für die Wirklichkeit an dieses Buch heranzugehen. Man fange irgendeinen Artikel an, lese ihn durch, komme ans Ende: Man hat sich in einem Kreise gedreht. Es ist, wie wenn man auf etwas gesehen hat, was einen blendete; dann dreht man sich um und blickt wieder hin. Aber man kommt zu gar nichts. Man fragt sich bei jedem Artikel: Wozu ist der eigentlich geschrieben? Es ist für jeden der Wirklichkeit zugeneigten Sinn eine Qual, dieses prätentiöse Buch zu lesen. Und dabei ist es ein sehr gescheites Buch. Ich könnte den Scharfsinn, die Gescheitheit dieses Buches nur außerordentlich loben; aber es ist ein Buch zustandegekommen, bei dem man bei jedem Artikel erinnert wird an den braven Münchhausen, der sich an seinem eigenen Haarschopf aus dem Sumpf herausziehen wollte. Es ist dieses Buch charakteristisch auch für vieles, was in der Gegenwart gedacht wird und seit langer Zeit getan wird, und was die Menschen heraushebt aus der Wirklichkeit, aus dem Übersinnlichen. Aber in diesem Übersinnlichen strömt das Geistige, das Wirkliche. Woher ist es also gekommen, daß sich der Mensch aus dem Wirklichen herausgehoben hat?

[ 26 ] Es ist ja nicht da. Es gelten heute Menschen als besonders klug, und sie sind es in gewisser Beziehung durchaus, die ganz fern von der Wirklichkeit stehen. Ich kann Ihnen ein Buch nennen, in dem eigentlich vom Anfang bis zum Ende kein Ton von Wirklichkeit enthalten ist, und das doch im Grunde genommen von seinem Standpunkte aus das Wissen der ganzen Welt enthält, denn es ist ein Wörterbuch, noch dazu ein philosophisches: das von Fritz Mauthner, das ja heute insbesondere ein Wissensgötze nicht so sehr der Fachleute ist — die durchschauen ja doch manches, was darin dilettantisch ist —, sondern zahlreicher Laien oder -— wenn man das nicht sagen darf — «Journalisten». Wer aber mit Wirklichkeitssinn an dieses Buch herangeht, kann ein eigentümliches Gefühl erhalten. Man versuche es nur einmal, mit einem gesunden Sinn für die Wirklichkeit an dieses Buch heranzugehen. Man fange irgendeinen Artikel an, lese ihn durch, komme ans Ende: Man hat sich in einem Kreise gedreht. Es ist, wie wenn man auf etwas gesehen hat, was einen blendete; dann dreht man sich um und blickt wieder hin. Aber man kommt zu gar nichts. Man fragt sich bei jedem Artikel: Wozu ist der eigentlich geschrieben? Es ist für jeden der Wirklichkeit zugeneigten Sinn eine Qual, dieses prätentiöse Buch zu lesen. Und dabei ist es ein sehr gescheites Buch. Ich könnte den Scharfsinn, die Gescheitheit dieses Buches nur außerordentlich loben; aber es ist ein Buch zustandegekommen, bei dem man bei jedem Artikel erinnert wird an den braven Münchhausen, der sich an seinem eigenen Haarschopf aus dem Sumpf herausziehen wollte. Es ist dieses Buch charakteristisch auch für vieles, was in der Gegenwart gedacht wird und seit langer Zeit getan wird, und was die Menschen heraushebt aus der Wirklichkeit, aus dem Übersinnlichen. Aber in diesem Übersinnlichen strömt das Geistige, das Wirkliche. Woher ist es also gekommen, daß sich der Mensch aus dem Wirklichen herausgehoben hat?

[ 27 ] Dem wirklichen Christentum und der wirklichen Religiosität kann nichts verständnisvoller gegenüberstehen als das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Aber man nehme die Wirklichkeit, die vielfach zusammenhängt mit der Entwickelung der letzten zwei Jahrtausende, da hat man ein merkwürdiges Sichverbeißen in das: Man muß den Geist «jenseits» der äußeren Natur suchen, muß die äußere Natur als das betrachten, was man meiden muß, wenn man zum Geist kommen will. Gehen Sie in die älteren Jahrhunderte, und Sie werden sehen: Es ist ein Sichzurückziehen von der äußeren Natur und ihren Geheimnissen; es ist ein Suchen eines anderen Weges als durch das, was in der Natur ausgebreitet ist als Geist. Dann kam die Naturwissenschaft; da traten in bezug auf Naturauffassung andere Notwendigkeiten an das menschliche Bewußtsein heran. Aber die früheren Jahrhunderte hatten dafür gesorgt, in der Natur nicht den Geist zu sehen; den wollte man abseits der Natur finden. Jetzt trat sie vor die Menschen hin: sie war entgeistet! Man durchforschte aber jetzt, was man erst aus der Natur gemacht hat als entgeistete Natur! Das geschieht seit vier bis fünf Jahrhunderten. Und weil man alles aus dieser entgeisteten Natur mit einer gewissen Notwendigkeit an den Menschen herankommen sah, so wurde auch der Mensch entgeistet. Die Entgeistung der Natur wurde zum Vampyr an dem Menschengeist. Die Natur trat herein in die Wissenschaft und ihre Tatsachen wurden unwiderleglich. Ich habe oft ausgesprochen, welche Bewunderung der Mensch heute für die Ergebnisse der Naturwissenschaft haben muß; aber die Natur darf nicht entgeistet angesehen werden, sonst wird sie zum Vampyr, sonst kann man nicht mehr finden, was im Menschen lebt und webt als Geist. Dann findet man das, was — die Drehorgel spielt. Und was die Drehorgel spielt, das ist unten im Organischen. Da faßt man nur das organische Weben und Leben, nur die eine Seite des Lebens auf, nicht die andere, von der wir heute ausgegangen sind, die in der Gedächtniskraft schon den übersinnlichen Strom hat.

[ 27 ] Dem wirklichen Christentum und der wirklichen Religiosität kann nichts verständnisvoller gegenüberstehen als das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Aber man nehme die Wirklichkeit, die vielfach zusammenhängt mit der Entwickelung der letzten zwei Jahrtausende, da hat man ein merkwürdiges Sichverbeißen in das: Man muß den Geist «jenseits» der äußeren Natur suchen, muß die äußere Natur als das betrachten, was man meiden muß, wenn man zum Geist kommen will. Gehen Sie in die älteren Jahrhunderte, und Sie werden sehen: Es ist ein Sichzurückziehen von der äußeren Natur und ihren Geheimnissen; es ist ein Suchen eines anderen Weges als durch das, was in der Natur ausgebreitet ist als Geist. Dann kam die Naturwissenschaft; da traten in bezug auf Naturauffassung andere Notwendigkeiten an das menschliche Bewußtsein heran. Aber die früheren Jahrhunderte hatten dafür gesorgt, in der Natur nicht den Geist zu sehen; den wollte man abseits der Natur finden. Jetzt trat sie vor die Menschen hin: sie war entgeistet! Man durchforschte aber jetzt, was man erst aus der Natur gemacht hat als entgeistete Natur! Das geschieht seit vier bis fünf Jahrhunderten. Und weil man alles aus dieser entgeisteten Natur mit einer gewissen Notwendigkeit an den Menschen herankommen sah, so wurde auch der Mensch entgeistet. Die Entgeistung der Natur wurde zum Vampyr an dem Menschengeist. Die Natur trat herein in die Wissenschaft und ihre Tatsachen wurden unwiderleglich. Ich habe oft ausgesprochen, welche Bewunderung der Mensch heute für die Ergebnisse der Naturwissenschaft haben muß; aber die Natur darf nicht entgeistet angesehen werden, sonst wird sie zum Vampyr, sonst kann man nicht mehr finden, was im Menschen lebt und webt als Geist. Dann findet man das, was — die Drehorgel spielt. Und was die Drehorgel spielt, das ist unten im Organischen. Da faßt man nur das organische Weben und Leben, nur die eine Seite des Lebens auf, nicht die andere, von der wir heute ausgegangen sind, die in der Gedächtniskraft schon den übersinnlichen Strom hat.