The Eternal in the Human Soul
Immortality and Freedom
GA 67
18 April 1918, Berlin
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The Eternal in the Human Soul, tr. SOL
9. Der Übersinnliche Mensch II
9. The Super-Sensory Human II
Der übersinnliche Mensch nach den Ergebnissen geisteswissenschaftlicher Forschung
The Supersensible Human Being According to the Findings of Research in the Spiritual Sciences
[ 1 ] Da der übersinnliche Mensch, insofern er als solcher zugegeben wird, anerkannt werden muß als die tiefste innere Wesenheit des Menschen, so ist es ganz natürlich, daß die Erkenntnis des übersinnlichen Menschen im höchsten Sinne des Wortes menschliche Selbsterkenntnis ist. Aber mit dieser menschlichen Selbsterkenntnis steht man vor einem sehr merkwürdigen Paradoxon. Man steht auf der einen Seite vor der Notwendigkeit, den Menschen selbst als Übersinnliches zu erfassen; auf der andern Seite sind alle diejenigen Erkenntnisfähigkeiten, die der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein ausbildet, durchaus an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Auch das, was er mit dem Verstande erfaßt, ist, insofern es dem menschlichen Bewußtsein angehört, an die äußere Sinnlichkeit gebunden. Man könnte daher sagen, die menschliche Selbsterkenntnis fordere die Anschauung des Menschen mit Erkenntnisfähigkeiten, die zunächst seinem Bewußtsein völlig ferne liegen. Insofern sich der Mensch seiner Wesenheit als einer übersinnlichen bewußt wird, muß er in einem gewissen Sinne anerkennen, daß alles, was er im Leben vollführt, aus seinem übersinnlichen Wesen entspringt. Auf der andern Seite, könnte man sagen, zeigt sich alles, was in seinem Bewußtsein auftritt, in einem etwas uneigentlichen Sinne in der «Verhüllung» des Sinnlichen. Daher kommt es ja, daß gerade in dem hier gemeinten geisteswissenschaftlichen Sinne alles Forschen und auch alles Sprechen über das Übersinnliche so leicht und so häufig mißverstanden wird. Denn die heutigen Betrachtungen werden durchaus zeigen, daß man mit den gewöhnlichen Fähigkeiten des alltäglichen Menschenbewußtseins, auch desjenigen Bewußtseins, das der äußeren Wissenschaft zugrunde liegt, an die tiefste und damit an die wahre Wesenheit des Menschen doch nicht herankommen kann. Ja, man muß sogar noch mehr sagen: Jene Art von Erkenntnis, die sich in so großartiger Weise in der neueren Zeit auf den Grundlagen naturwissenschaftlicher Weltbetrachtung herausgebildet hat, ist auf gewissen Gebieten eher dazu geeignet, irrezuführen in bezug auf das, was menschliche Selbsterkenntnis ist, als diese Selbsterkenntnis in der richtigen Weise zu leiten. Denn gerade wenn gutgeschulte naturwissenschaftliche Denkweise der Gegenwart sich heranmacht an die menschliche Selbsterkenntnis im weitesten Sinne, dann wird man so recht gewahr, wie sie da nur allzu leicht versagen kann. Wir wollen von einem Beispiele ausgehen.
[ 1 ] Since the supersensible human being—insofar as it is acknowledged as such—must be recognized as the deepest inner essence of the human being, it is entirely natural that the knowledge of the supersensible human being is, in the highest sense of the word, human self-knowledge. But this human self-knowledge presents us with a very curious paradox. On the one hand, we are faced with the necessity of grasping the human being itself as something supersensible; on the other hand, all the faculties of cognition that human beings develop in ordinary consciousness are entirely bound to external sensibility. Even what the human being grasps with the intellect is, insofar as it belongs to human consciousness, bound to external sensibility. One could therefore say that human self-knowledge requires the perception of the human being through cognitive faculties that are, at first, entirely remote from his consciousness. To the extent that the human being becomes conscious of his essence as a supersensible being, he must, in a certain sense, acknowledge that everything he accomplishes in life springs from his supersensible being. On the other hand, one could say that everything that appears in human consciousness manifests itself, in a somewhat inapt sense, in the “veil” of the sensory. This is precisely why, in the spiritual-scientific sense intended here, all research and all discourse on the supersensible are so easily and so frequently misunderstood. For today’s reflections will certainly show that with the ordinary faculties of everyday human consciousness—including the consciousness that underlies external science—one cannot, after all, approach the deepest and thus the true essence of the human being. Indeed, one must go even further: that kind of knowledge which has developed so magnificently in recent times on the foundations of a natural-scientific view of the world is, in certain areas, more likely to mislead us regarding what human self-knowledge is than to guide this self-knowledge in the right direction. For it is precisely when the well-trained scientific mindset of the present day sets out to address human self-knowledge in the broadest sense that one becomes truly aware of how easily it can fall short. Let us begin with an example.
[ 2 ] In dem immerhin sehr interessanten Büchelchen «Das unterbewußte Ich» von Louis Waldstein, das in der Wiesbadener Sammlung von Schriften über die Grenzfragen des Seelen- und Nervenlebens erschienen ist, da ist von mancherlei die Rede, was auch dem Naturwissenschaftler auffällt, wenn er das menschliche Leben im weiteren Sinne in seiner Entfaltung, in seiner Offenbarung in den verschiedenen Verhältnissen kennenlernt. Wir haben in einem früheren Vortrage von den Offenbarungen des Unbewußten, des Unterbewußten gesprochen. Dieses Beispiel, das ich anführen will, ist das eines Naturforschers, und die Art, wie er darüber spricht, ist so recht im naturwissenschaftlichen Sinne gehalten. Der Verfasser dieses Schriftchens will an einer bestimmten Stelle darauf aufmerksam machen, wie diese Offenbarungen des unbewußten oder unterbewußten Ichwesens herantreten an das menschliche Bewußtsein, wie dieses unterbewußte Wesen gewissermaßen eine eigentümliche, verschwommene Rolle spielt in dem bewußten Wesen des Menschen. Dazu wählt Waldstein das folgende Beispiel. Er sagt: Ich stehe vor dem Schaufenster eines Bücherladens, in dem viele Bücher ausliegen. Da ich Naturforscher bin, fällt mein Blick gerade auf eine Schrift über die Mollusken. In diesem Moment, als mein Blick auf dieses Buch fällt, muß ich anfangen, so still zu lächeln, und ich bin selbst darüber erstaunt, wie ich dazu komme, da doch eine Schrift über die Mollusken nichts Humoristisches hat. — Er erzählt nun weiter: Ich schließe nun die Augen, um zu erforschen, was vielleicht in meiner Umgebung vor sich geht. Und wie ich den Blick von dem mich interessierenden Mollusken-Buche ablenke, da höre ich in der Tat so ganz in der Ferne, wenn auch nur ganz leise, die Töne einer Drehorgel. Sie spielt die Melodie eines Liedes, welches mir in meiner Knabenzeit gespielt worden ist, um das Tempo anzugeben, als ich meine erste Quadrille tanzte. Damals habe ich mich wenig damit befaßt, sehr stark achtzugeben, welche Sympathien oder Antipathien ich gerade dieser Melodie entgegenzubringen habe; denn ich war sehr damit beschäftigt, meine Tanzschritte ordentlich zu machen, meine Partnerin in Schwung zu halten, herumzukriegen und so weiter. Damals war ich also gar nicht besonders aufmerksam auf das, was mir da musikalisch so halb ins Bewußtsein getreten ist. Und dennoch, daß ich jetzt, wo ich vor dem MolluskenBuche stehe, nach Jahrzehnten leise lächeln muß, das bezeugt doch, daß der Eindruck, den damals jene Melodie gemacht hat, jetzt noch nachwirkt, wo sie von einer Drehorgel wieder ertönt; und hätte ich nicht die Augen zugemacht, sondern hätte ich mich nur mit dem Erstaunen begnügt, daß ich gerade vor einem Mollusken-Buche lächeln muß, so hätte ich in der Gegenwart auch gar nicht gewußt, wie ich dazu gekommen bin, vor dem Mollusken-Buche zu lächeln.
[ 2 ] In the nonetheless very interesting little book The Subconscious Self by Louis Waldstein, which appeared in the Wiesbaden collection of writings on the frontier questions of mental and nervous life, there is mention of various things that also strike the natural scientist when he comes to understand human life in the broader sense—in its unfolding and in its manifestation in various circumstances. In an earlier lecture, we spoke of the manifestations of the unconscious and the subconscious. The example I wish to cite here is that of a natural scientist, and the way he speaks of it is very much in the spirit of the natural sciences. The author of this little treatise wishes, at a certain point, to draw attention to how these revelations of the unconscious or subconscious self approach human consciousness, and how this subconscious being plays, so to speak, a peculiar, vague role in the conscious being of the human person. To this end, Waldstein chooses the following example. He says: I am standing in front of the window of a bookstore where many books are on display. Since I am a naturalist, my gaze falls directly on a book about mollusks. At that very moment, as my gaze falls on this book, I cannot help but begin to smile quietly, and I am myself astonished at how I came to do so, since a book about mollusks has nothing humorous about it. — He continues: “I now close my eyes to explore what might be happening around me.” And as I take my eyes off the book on mollusks that interests me, I do indeed hear, very far off—albeit only very faintly—the sounds of a barrel organ. It is playing the melody of a song that was played for me in my boyhood to set the tempo when I danced my first quadrille. Back then, I didn’t pay much attention to whether I felt any particular affinity or aversion toward this particular melody; for I was very busy making sure my dance steps were correct, keeping my partner moving, leading her around, and so on. So back then, I wasn’t particularly attentive to what had half-entered my consciousness musically. And yet, the fact that now, standing before the book on mollusks, I find myself smiling softly after all these decades, testifies that the impression that melody made back then still lingers, now that it’s sounding again from a barrel organ; and if I hadn’t closed my eyes, but had merely contented myself with the surprise that I found myself smiling right in front of a book on mollusks, I wouldn’t have known at all in the present moment how I came to be smiling in front of the book on mollusks.
[ 3 ] Man sieht daraus, wie geheimnisvoll in den Untergründen des menschlichen Seelenlebens solche Dinge weiterwirken, wieviel überhaupt am Menschen und im Menschen ist, das nur ganz traumhaft, könnte man sagen, verschwommen ins Bewußtsein heraufkommt; man sieht daraus, wie schwierig es ist; zu wirklicher Selbsterkenntnis des Menschenwesens zu kommen. Denn welcher Gefahr setzt man sich eigentlich aus, wenn man Selbstbeobachtung üben will? Doch der Gefahr, daß man es zu tun hat mit allen möglichen unterbewußten Dingen, die man vielleicht vor Jahrzehnten einmal ganz verschwommen aufgenommen hat, die nachwirken, die nur in den alleruntersten Untergründen der Seele wie eine Stimmung wirken, die dann heraufkommen und dasjenige färben, nuancieren, was man nun an sich selbst beobachtet. Solche Beispiele bringen Waldstein und andere in großer Zahl. Sie finden solche auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» angegeben. Solche Beispiele sind sehr geeignet, recht vorsichtig zu machen in bezug auf das, was man menschliche Selbstbeobachtung nennt. Denn gar mancher stellt sich auf den Boden der Selbstbeobachtung und glaubt, auf diesem auch zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selbst zu kommen. Mancher glaubt auch, indem er solche Reminiszenzen aus seinem Unterbewußtsein heraufholt, alle möglichen hellseherischen Entdeckungen zu machen.
[ 3 ] From this, one can see how mysteriously such things continue to exert their influence in the depths of the human soul, and how much there is in and about human beings that emerges into consciousness only in a dreamlike, one might say, hazy way; from this, one can see how difficult it is to attain true self-knowledge of the human being. For what danger does one actually expose oneself to when one wishes to practice self-observation? The danger, indeed, of having to deal with all manner of subconscious elements—things one may have absorbed only very vaguely decades ago—that continue to exert an influence, that operate like a mood in the very deepest recesses of the soul, and that then rise up to color and nuance whatever one is now observing in oneself. Waldstein and others provide numerous examples of this. You will also find such examples cited in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. Such examples are very apt to make one quite cautious regarding what is called human self-observation. For quite a few people take up the practice of self-observation and believe that through it they will attain a true understanding of the human being itself. Many also believe that by bringing up such recollections from their subconscious, they can make all sorts of clairvoyant discoveries.
[ 4 ] Nun kann man ja auch in einer anderen Weise vorsichtig sein. Man kann sich zum Beispiel klarmachen, daß manche, die behaupten, durch ihre übersinnliche Erkenntnis ihres Inneren das oder jenes zu durchschauen, diese übersinnlichen Erkenntnisse in Bildern ausdrücken, die zum Beispiel vom Telegraphen- oder Eisenbahnwesen oder dergleichen hergenommen sind. Daraus würde man also sehen, daß das Übersinnliche mit seinen Bildern gerade gewartet haben mußte, bis die Eisenbahnen erfunden worden sind, um sich zu zeigen, Wer aber nicht leichten Herzens, nicht unkritisch an die übersinnliche Forschung geht, der wird auch leicht wissen können, wie leichtsinnig, wie leichtfertig und unkritisch auf diesem Gebiete zuweilen verfahren wird, und wie wohltätig es eigentlich ist, daß durch gründliches naturwissenschaftliches Denken darauf hingewiesen wird, wie solche Inhalte, die manchmal jemand für Offenbarung höherer Welten hält, nichts anderes sind als das, was der Betreffende einmal in irgendeiner verschwommenen Weise in einem früheren Lebensalter aufgenommen hat, was damals nicht zum Bewußtsein gekommen ist, was sich in vielfacher Weise verändert hat, was er nicht wieder erkennt, was er aber jetzt für eine Offenbarung hält, die auf übersinnliche Art zustandegekommen ist. In meinem erwähnten Buche habe ich darauf hingewiesen, wie eigentlich alles auf den Menschen wirkt und wie manchmal in etwas, was der Mensch für eine Eingebung hält, nichts anderes zu suchen ist als die Umformung eines Ladenschildes, das er im Vorübergehen auf der Straße nicht ordentlich angesehen hat, sondern das nur in sein Unterbewußtes eingedrungen ist.
[ 4 ] Now, of course, one can also be cautious in another way. One can, for example, realize that some who claim to see through this or that through their supersensible insight into their inner being express these supersensible insights in images drawn, for example, from the telegraph, the railroad, or the like. From this, one would see that the supersensible realm, with its images, must have waited until the railroads were invented to reveal itself, But anyone who does not approach supersensory research lightly or uncritically will easily be able to see how reckless, how frivolous, and how uncritical the approach in this field sometimes is—and how beneficial it actually is that thorough scientific thinking points out how such content—which some people sometimes regard as revelations from higher worlds— are nothing other than what the person in question once absorbed in some vague way at an earlier age—something that did not come to consciousness at the time, that has changed in many ways, that he no longer recognizes, but which he now regards as a revelation that came about in a supernatural manner. In the book I mentioned, I pointed out how, in fact, everything affects a person and how sometimes what a person regards as an inspiration is nothing more than the transformation of a store sign that they did not look at properly while passing by on the street, but which merely penetrated their subconscious.
[ 5 ] Damit weist man hin auf ein Gebiet des menschlichen Lebens, das recht sorgfältig und recht kritisch gerade von demjenigen ins Auge gefaßt werden muß, der ernsthaft sein Forschen auf die übersinnliche Welt ausdehnen will. Aber auf der andern Seite: Dieses ganze ReminiszenzWesen, dieses ganze Leben in heraufkommenden, den Menschen äffenden unterbewußten Vorstellungen weist auf etwas ganz anderes hin, es ist gewissermaßen die Nebenerscheinung von etwas ganz anderem, Da muß ich heute noch etwas genauer auf etwas zurückkommen, was ich im Laufe dieser Vorträge auch schon erwähnt habe: das Verhältnis zwischen dem, was wir das Erinnerungsvermögen der menschlichen Seele nennen, und dem, was wir das gewöhnliche Vorstellungsleben nennen. Eine sehr gangbare Art zu denken, die auch in der Wissenschaft, namentlich in der Seelenkunde eine große Rolle gespielt hat, ist ja diese, daß der Mensch, indem er der Außenwelt gegenübertritt, Erlebnisse hat. Diese Erlebnisse rufen Vorstellungen in ihm hervor. Diese Vorstellungen hat er jetzt. Nach einiger Zeit «erinnert» er sich. Nun stellt man sich diesen Vorgang sehr häufig so vor, als ob diese Vorstellungen, die man einmal gehabt hat und die irgendwo in den Untergründen der Seele spazieren gingen, dann wieder, wenn sie erinnert werden, heraufspazieren ins Bewußtsein. Man denkt sehr häufig, mehr oder weniger bewußt oder unterbewußt, daß das, was in der Erinnerung wieder auftritt, nichts anderes sei als dieselbe Vorstellung, die man einmal gehabt hat, und die da unten herumspaziert ist oder geschlafen hat oder sonst etwas, und dann wieder ins Bewußtsein heraufkommt. Wer aber wirkliche Beobachtung auf diesem Gebiete zu üben versteht, wird diese Art zu denken als etwas recht Kindliches und Laienhaftes ansehen müssen. Denn wenn wir einer äußeren Erscheinung gegenüberstehen, wenn wir ein Erlebnis kleinster oder größerer Art haben, das in uns Wahrnehmungen und durch die Wahrnehmungen Vorstellungen hervorruft, so ist diese «Tätigkeit» — ich will es vorläufig so nennen -, die da verfließt in der Wechselwirkung zwischen uns und der Außenwelt, von einer anderen Tätigkeit begleitet, die für gewöhnlich gar nicht in das menschliche Bewußtsein hereinfällt. Diese Tätigkeit ist noch eine ganz andere; sie begleitet die bewußte vorstellungbildende "Tätigkeit und richtet in unserem Menschenwesen etwas an, was dann zur Erinnerungsbildung führt. Man muß allerdings, um das einzusehen, was ich jetzt meine, richtig beobachten können. Die trivialste Beobachtung auf diesem Gebiete ist die, wenn Sie den Unterschied ins Auge fassen zwischen dem Vorstellungsbilden, was einem ganz leicht fallen kann, und dem Memorieren. Denken Sie nur daran, was junge Leute, die zu einem Examen oder dergleichen «ochsen» müssen, alles anstellen müssen, damit sie etwas nicht nur in der Vorstellung haben, sondern es sich auch noch merken. können. Da werden manchmal ganz sonderbare Verrichtungen noch nebenbei vorgenommen. Denken Sie an das Spiel, das dabei verläuft zwischen den menschlichen Händen und dem Kopfe, wenn jemand etwas ochsen muß. Natürlich ist das nur ein äußeres Zeichen für das, was ich meine. Aber in Wahrheit ist es so, daß während der Tätigkeit, die zum Vorstellen führt, eine andere noch da ist, die gar nicht ins Bewußtsein hereinfällt und die auf unseren Organismus eine Wirkung ausübt, die in etwas ganz anderem besteht, als im Bilden von Vorstellungen. Später, wenn wir uns an das wieder erinnern, was wir einmal vorgestellt haben, dann entsteht diese Vorstellung ganz von neuem; sie entsteht gewissermaßen aus dem «Zeichen», aus dem «Engramm» — wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf -, aus der «Einschreibung», welche diese das Vorstellungbilden begleitende Tätigkeit auf unseren Organismus ausüben kann. Wie wir dem Gegenstande der Außenwelt gegenüberstehen und, nach innen gerichtet, unsere Vorstellung bilden, so stehen wir beim Erinnern unserem eigenen Organwesen gegenüber. Was sich da abspielt, was so verschieden ist von unserem Vorstellen, wie der äußere Gegenstand von unserer Vorstellung, das wird neuerdings wieder in die Vorstellung umgesetzt.
[ 5 ] This points to an area of human life that must be considered quite carefully and quite critically, especially by those who seriously wish to extend their research into the supersensible world. But on the other hand: this whole phenomenon of reminiscence, this whole life of subconscious images that well up and mimic human behavior, points to something entirely different; it is, so to speak, a side effect of something entirely different. Here I must return today in somewhat greater detail to something I have already mentioned in the course of these lectures: the relationship between what we call the human soul’s power of memory and what we call ordinary imaginative life. A very common way of thinking—one that has also played a major role in science, particularly in psychology—is that when a person encounters the external world, they have experiences. These experiences evoke mental images within them. They now possess these mental images. After some time, they “remember.” Now, this process is very often imagined as if these mental images—which one once had and which were wandering somewhere in the depths of the soul—then, when recalled, wander back up into consciousness. People very often think—more or less consciously or subconsciously—that what reappears in memory is nothing other than the very same mental image one once had, which was wandering around down there or sleeping or something else, and then rises back up into consciousness. But anyone who knows how to engage in genuine observation in this area will have to regard this way of thinking as rather childish and amateurish. For when we are confronted with an external phenomenon, when we have an experience—whether minor or major—that evokes perceptions within us and, through those perceptions, ideas, this “activity” —I’ll call it that for now—that flows in the interaction between us and the external world is accompanied by another activity that usually does not enter human consciousness at all. This activity is something entirely different; it accompanies the conscious, image-forming “activity” and sets something in motion within our human being that then leads to the formation of memory. Of course, to understand what I mean here, one must be able to observe correctly. The most trivial observation in this area is when you consider the difference between forming mental images—which can come quite easily—and memorization. Just think of all the things young people who have to “cram” for an exam or something similar have to do to ensure that they not only have something in their imagination but can also remember it. Sometimes quite strange actions are performed on the side. Think of the interplay that takes place between the hands and the head when someone has to cram. Of course, this is only an outward sign of what I mean. But in truth, while the activity that leads to forming a mental image is taking place, there is another activity at work that does not enter consciousness at all and that exerts an effect on our organism consisting of something entirely different from the formation of mental images. Later, when we recall what we once imagined, that mental image arises anew; it arises, so to speak, from the “sign,” from the “engram”—if I may use that term—from the “imprint” that this activity accompanying the formation of mental images can exert on our organism. Just as we face the object of the external world and, turning inward, form our mental image, so too, when we remember, do we face our own physical constitution. What takes place there—which is as different from our mental imagery as the external object is from our mental image—is subsequently transformed back into a mental image.
[ 6 ] Wer die Organisation des menschlichen Geistes und seiner Wirksamkeit zu beobachten versteht, der weiß, daß das, was sich als Vorstellung bildet, kommt und vergeht, indem es vorgestellt wird. Und wenn etwas erinnert wird, so ist nicht die Vorstellung da unten schlafend gewesen und tritt wieder herauf, sondern aus etwas ganz anderem, was unten im Organismus vor sich geht, wird neuerdings die Vorstellung gebildet. Worauf ich da hinweisen will, das ist, daß wir in jener Tätigkeit, die ich jetzt als eine begleitende anführte, etwas zu sehen haben, was eigentlich neben unserem ganzen bewußten Leben einherläuft, im Untergrunde unseres bewußten Lebens ist und mit etwas zusammenhängt, was eben mit den Erinnerungsbildern aus unserem Unterbewußten immer herauftaucht. So wie, ich möchte sagen, alles das, was in den Weiten der Welt erscheint, auch seine Begleiterscheinungen hat, die zuweilen selbst wie die Karikatur des Echten auftreten, so ist auch das, was vorhin als Beispiel aus der Schrift von Louis Waldstein angeführt worden ist, eine solche Begleiterscheinung der ganz normalen regelmäßigen Art, wie die menschliche Wesenheit in der Gedächtnisfunktion wirkt. Man möchte sagen: Was unterbewußt vor sich geht, damit der Mensch ein gedächtnishabendes Wesen ist, das kommt, wenn es überfließt oder etwas undeutlich, verschwommen bleibt, in solchen Dingen zum Vorschein, wie das ist, daß man aus der Stimmung heraus die Klänge einer Drehorgel kaum hört und sie dennoch eine Wirkung erzeugen, die einen vor einem Mollusken-Buche zum Lächeln bringen kann. Was da vorliegt, das verhüllt eher das, worauf es ankommt, als daß es die Dinge erklärt. Denn worauf es ankommt, ist eine sehr normale, für die Menschenwesenheit sehr notwendige Betätigung, nämlich das, was dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegt. Das ist etwas, was unser ganzes bewußtes Leben fortwährend begleitet, aber wir richten nicht im gewöhnlichen Leben die Aufmerksamkeit auf dieses Begleitende. Das Begleitende liegt in der Einrichtung unserer Organisation.
[ 6 ] Anyone who knows how to observe the organization of the human mind and its functioning knows that what takes shape as a mental image comes and goes as it is imagined. And when something is recalled, it is not that the mental image has been lying dormant down there and then resurfaces, but rather that the mental image is newly formed from something entirely different that is taking place down there in the organism. What I wish to point out here is that in that activity—which I have just described as an accompanying one—we must see something that actually runs parallel to our entire conscious life, lies beneath our conscious life, and is connected to something that constantly surfaces along with the images of memory from our subconscious. Just as, I might say, everything that appears in the vastness of the world also has its accompanying phenomena—which at times even appear as caricatures of the real—so, too, is what was cited earlier as an example from Louis Waldstein’s writing such an accompanying phenomenon of the entirely normal, regular kind, illustrating how the human being functions in the act of memory. One might say: What goes on subconsciously—since human beings are creatures endowed with memory—comes to light, when it overflows or remains somewhat indistinct or blurred, in such phenomena as the fact that, caught up in a certain mood, one barely hears the sounds of a barrel organ, and yet they produce an effect that can make one smile at a book on mollusks. What is presented here tends to obscure what really matters rather than explain things. For what really matters is a very normal activity that is essential to human existence—namely, what underlies human memory. This is something that continually accompanies our entire conscious life, but in everyday life we do not pay attention to this accompanying process. This accompanying element lies in the structure of our organism.
[ 7 ] Es ist nun eine Art Prüfstein für wirkliche übersinnliche Forschung, auf so etwas hinzuschauen wie diese das Gedächtnis formende, begleitende Tätigkeit unseres Vorstellungslebens. Denn was so fortwährend wie ein normales Wirken im Unterbewußten webt und lebt, das kann in ein Bewußtes zunächst auf einer ersten Stufe umgestaltet werden. Und dieses Umgestalten eines Unbewußten in ein Bewußtes ist eines der Glieder, deren Ausbildung zur wirklichen Geistesforschung, zur wirklichen Erforschung des Übersinnlichen führt. Es muß eben zum wirklichen Erforschen des Übersinnlichen das, was sonst unterbewußt bleibt, ins Bewußtsein heraufgeholt werden. Dadurch wird es schon ein anderes. Nun besteht das, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Übungen beschrieben wird, die man durchzumachen hat, um die Seele in eine solche Verfassung zu bringen, daß sie dem Übersinnlichen gegenüberzustehen vermag, in vielem. Aber ein Elementares kann man auch dadurch anschaulich machen, daß man zeigt, wie verwandt dieses erste Elementarische mit einer ganz normalen, aber sonst unterbewußt bleibenden Tätigkeit des Menschen ist. Man muß nur die Tätigkeit, welche da unbewußt, aber ganz normal ausgeübt wird, um das Gedächtnis zu formieren, bewußt ausführen. Dazu ist notwendig, daß man von dem, was sonst bewußt ist, abzusehen vermag, daß man also nicht für das Leben, aber um im Geistigen zu forschen, abzusehen vermag von derjenigen Tätigkeit, die die gewöhnliche, an die Sinnlichkeit gebundene Vorstellung hervorruft. Man muß sich gewissermaßen zurückziehen können von diesem Vorstellen. Das kann man aber nicht, wenn man nicht ein anderes Vorstellen in der Seele an dessen Stelle rücken kann, wenn man nicht die Seele innerlich so erkraften und erstarken kann, daß ein anderes als das von der äußeren Wahrnehmung Unterhaltene in der Seele auftritt. Man erreicht dieses, indem man möglichst selbstgewollte, selbstgebildete Vorstellungen, die überschaubar sind, in den Mittelpunkt des Seelenlebens rückt, indem man also sich zurückzieht vom äußeren Anschauen, mit sich selbst ist und in sein Seelenleben hereinstellt selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen.
[ 7 ] It is now a kind of touchstone for genuine parapsychological research to examine something like this memory-shaping, accompanying activity of our imaginative life. For whatever weaves and lives as continuously as a normal process in the subconscious can, at first, be transformed into a conscious experience at an initial stage. And this transformation of the unconscious into the conscious is one of the steps whose development leads to genuine spiritual research, to the genuine exploration of the supersensible. For the true exploration of the supersensible, what otherwise remains subconscious must be brought up into consciousness. Through this process, it already becomes something different. Now, much of what is described in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds consists of exercises one must undergo to bring the soul into a state in which it is capable of facing the supersensible. But one can also make an elemental being vividly clear by showing how closely this first elemental phenomenon is related to a completely normal, yet otherwise subconscious, human activity. One need only consciously perform the activity that is otherwise carried out unconsciously—yet quite normally—to form memory. To do this, it is necessary to be able to set aside what is otherwise conscious—that is, to be able to set aside, not for the sake of life but for the sake of spiritual inquiry, the activity that gives rise to ordinary, sensually bound perception. One must, so to speak, be able to withdraw from this kind of imagination. But one cannot do this unless one can replace it in the soul with a different kind of imagination—unless one can inwardly strengthen and invigorate the soul to such an extent that something other than what is sustained by external perception arises within the soul. One achieves this by placing, as far as possible, self-willed, self-formed ideas—which are comprehensible—at the center of one’s inner life; that is, by withdrawing from external observation, being with oneself, and introducing self-formed, comprehensible ideas into one’s inner life.
[ 8 ] Ich sage «überschaubare» Vorstellungen; das ist außerordentlich wichtig. Selbstgewollte, selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen müssen es sein aus dem einfachen Grunde, weil eben gerade alles Unterbewußte, alles das, wovon man nicht wissen kann, aus welcher verschwommenen Wahrnehmung es herrührt, ob es nicht irgendwie die Klänge einer Drehorgel sind, ausgeschaltet werden muß. Man ist aber nie sicher — das sieht man ja aus diesem Beispiel —, daß sich dieses Verschwommene, unterbewußte Weben des Seelenlebens ausschaltet, wenn man nicht in dieses Seelenleben eine Vorstellung hereinstellt, die man wirklich durchschauen kann in dem Moment, wo man sie gebildet, selbst gewollt hat, selbst zusammengestellt hat, so daß man weiß: Jedes Stück dieser Vorstellung ist aus dem unmittelbaren Willen hervorgegangen, den man in diesem Augenblicke entfaltet hat. «Selbst gewollt» bedeutet natürlich nicht «selbst gemacht»; man kann sich von einem erfahrenen Geistesforscher solche Vorstellungen geben lassen, und er wird es sogar am besten wissen können, wie sie der Individualität des betreffenden Menschen angepaßt werden können. Darauf aber kommt es an, daß man sie hereinstellt in die Seele, daß man die Vorstellung mit den Gedanken durchströmt und in der Seele erlebt, daß man nichts anderes in der Seele hat als diese Vorstellung. Und darauf kommt es weiter an, daß diese Vorstellungen womöglich in sehr beweglicher Art unser Bewußtsein in Anspruch nehmen, daß es in jedem Atom, möchte ich sagen, dieses Vorstellens anwesend ist, daß es dabei ist beim ganzen Überschauen dieses Vorstellens. Das wird ganz besonders erfüllt, wenn man solche Vorstellungen in sein Bewußtsein hereinnimmt, welche einen anregen, die Gedanken, die man darauf verwendet, beweglich zu machen.
[ 8 ] I say “manageable” ideas; this is extremely important. They must be deliberate, self-formed, manageable ideas for the simple reason that everything subconscious—everything about which one cannot know from what vague perception it originates, whether it might not somehow be the sounds of a barrel organ—must be shut out. But one can never be certain—as this example shows—that this vague, subconscious weaving of the soul’s life will be eliminated unless one introduces into that soul life a concept that one can truly comprehend at the very moment one has formed it, willed it oneself, and put it together oneself, so that one knows: Every part of this concept has arisen from the immediate will that one has unfolded at that very moment. “Willed by oneself” does not, of course, mean “made by oneself”; one can have such concepts provided by an experienced researcher of the soul, and he will even be best able to know how they can be adapted to the individuality of the person in question. What matters, however, is that one brings them into the soul, that one allows one’s thoughts to flow through the image and experiences it in the soul, that one has nothing else in the soul but this image. And it is further essential that these ideas engage our consciousness in as dynamic a way as possible, that it is present in every atom, so to speak, of this imagination, that it is there throughout the entire process of surveying this imagination. This is fulfilled most fully when one takes into one’s consciousness such ideas that inspire one to make the thoughts one devotes to them dynamic.
[ 9 ] Eine wachsende Pflanze zum Beispiel, die größer und größer wird, das ist eine gute Vorstellung; nicht das Anstarren eines Ruhenden, sondern das, was in Bewegung ist oder was irgendwelche Beziehungen zueinander hat. Dadurch werden wir davor behütet, daß unser Bewußtsein untätig wird, indem es auf die Vorstellung hinstarrt. Denn es kommt für die Erforschung der übersinnlichen Welt darauf an, daß alles, was als Vorbereitung zu dieser Forschung gemacht wird, vom Anfang bis zum Ende voll von dem Bewußtsein durchleuchtet, durchstrahlt ist, daß in keiner Weise das Bewußtsein irgendwie herabgedämpft ist. Daher gehört es zu den ersten Anforderungen des sich vorbereitenden Geistesforschers, daß er von derjenigen Tätigkeit seiner Seele, die zur Geistesforschung eben hinführen soll — selbstverständlich nicht vom übrigen Leben -, alles ausschaltet, was irgendwie zur Herabstimmung des Bewußtseins führen kann. Das ist vor allem wichtig, daß in diesem Leben in überschaubaren Vorstellungen — in diesem «Meditieren», wie man es nennen kann, um einen Ausdruck dafür zu haben; aber wichtiger ist, die Sache anzuschauen, als einen Ausdruck dafür zu gewinnen - nichts im Bewußtsein waltet, was es herabstimmen kann. So ist die erste Anforderung, daß alles Träumerische, was aus dem unbestimmten, unbewußten Seelenleben heraufdämmert, alle Gedanken, die so aufsteigen aus dem Innern, dem man sich in einer gewissen geistigen Wollust gern hingibt, gründlich ausgeschaltet wird aus den Vorbereitungen zur geisteswissenschaftlichen Forschung. Ferner muß alles fort, was irgendwie das Bewußtsein im Wahrnehmen herabstimmen könnte. Es darf also auch nicht einmal innerlich-seelisch dasjenige, was da angestrebt wird, irgendwie etwas zu tun haben zum Beispiel mit dem Anstarren eines leuchtenden Punktes, durch den man in einen gewissen hypnotischen Zustand kommen könnte, oder mit dem, was manche Menschen gerade als eine recht nette Vorbereitung — weil sie dann nicht hübsch dabei zu sein brauchen — für die geistige Anschauung empfinden: etwa «Kristallsehen» und dergleichen. Das Gegenteil von allem, was etwas zu tun hat mit Herabstimmung des Bewußtseins, mit suggestiven oder hypnotischen Zuständen, muß ausgebildet werden, wenn es sich um Vorbereitung zu Geistesforschung handelt. Weder das Traumhafte noch das Hinstarrende darf irgendwie in die Vorbereitungen zum geistigen Forschen hineinkommen. Daran können Sie sehen: Wenn Sie vielfach von Leuten hören, die auch «Anhänger» der Geisteswissenschaft sind und so etwas charakterisieren, daß man womöglich mit Ausschaltung des Eigenwesens sich so recht an ein träumerisches «Hingegebensein» verlieren muß, so recht menschen- und weltverloren hinschwelgt in seinem Bewußtsein, so ist das diejenige «Geisteswissenschaft», die vielleicht sehr viel Behagen verursachen kann, auch sehr viel nette Träumereien, die aber ganz gewiß nicht zum Erforschen der übersinnlichen Welt führt.
[ 9 ] A growing plant, for example, that gets bigger and bigger—that is a good image; not staring at something at rest, but at something that is in motion or that has some kind of relationship to other things. This protects us from our consciousness becoming inactive by staring fixedly at the image. For in the exploration of the supersensible world, it is essential that everything done in preparation for this exploration be fully illuminated and permeated by consciousness from beginning to end, and that consciousness not be dampened in any way. Therefore, one of the first requirements for the spiritual researcher in preparation is that he exclude from that activity of his soul which is intended to lead to spiritual research—not, of course, from the rest of his life—everything that could in any way lead to a dimming of consciousness. It is especially important that in this life, within manageable mental images—in this “meditation,” as one might call it, to have a term for it; but it is more important to observe the matter than to find a term for it—nothing reigns in consciousness that can dampen it. Thus, the first requirement is that everything dreamlike that dawns from the indeterminate, unconscious life of the soul—all thoughts that arise in this way from within, to which one gladly surrenders in a certain spiritual indulgence—be thoroughly eliminated from the preparations for spiritual scientific research. Furthermore, everything that could in any way dampen consciousness during perception must be removed. Thus, not even on an inner, soul-level must what is being sought have anything to do, for example, with staring at a luminous point—through which one might enter a certain hypnotic state—or with what some people regard as a rather pleasant preparation for spiritual vision—precisely because they do not need to be present during the process—such as such as “crystal gazing” and the like. The opposite of everything that has to do with lowering the level of consciousness, with suggestive or hypnotic states, must be cultivated when it comes to preparation for spiritual research. Neither the dreamlike nor the act of staring intently must in any way enter into the preparations for spiritual research. You can see this from the following: When you often hear from people who are also “followers” of spiritual science and describe it in such a way that one must, if possible, lose oneself in a dreamlike “surrender” by setting aside one’s own being—reveling in one’s consciousness to the point of being completely detached from people and the world—then that is the very “spiritual science” that may indeed provide a great deal of comfort and many pleasant daydreams, but which most certainly does not lead to the exploration of the supersensible world.
[ 10 ] Es muß schon manchmal auf solche Dinge auch aufmerksam gemacht werden; denn selbst Leute, die ernsthafte Kritiker der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, sein wollen, verwechseln diese just mit ihrem Gegenteil. Sogar ein Kritiker, der sehr viel Aufsehen gemacht hat, verwechselt gründlich diese Geistesforschung mit ihrem Gegenteil, und er beschreibt das «Jenseits der Seele» gerade in denjenigen Erscheinungen, welche nach den Methoden der Geistesforschung alles eher sind als das, was im Gebiete der geistigen Welt lebt. Merkwürdig ist es allerdings, daß gerade dieser Kritiker angeführt hat — er führt es als ein Beispiel seines eigenen Seelenlebens an, was doch zuweilen interessiert —, daß er, indem er einen Vortrag hält, so eine Weile fortspricht und dann erst merkt, daß er weitergesprochen hat, ohne daß auch die Gedanken mitgegangen sind. Von einem Redner, dem das passieren kann, daß er so zu seinem Publikum spricht, daß die Worte fortfließen, ohne daß die Gedanken sie begleiten, von dem kann man ganz sicher sein, daß er nicht die Spur von dem begriffen hat, was hier mit Geistesforschung gemeint ist.
[ 10 ] It is sometimes necessary to draw attention to such things; for even people who wish to be serious critics of spiritual research, as understood here, confuse it precisely with its opposite. Even one critic who has caused quite a stir thoroughly confuses this spiritual research with its opposite, and he describes the “beyond of the soul” precisely in those phenomena which, according to the methods of spiritual research, are anything but what exists in the realm of the spiritual world. It is curious, however, that this very critic has mentioned—he cites it as an example of his own inner life, which is indeed sometimes interesting—that when he gives a lecture, he continues speaking for a while and only then realizes that he has kept talking without his thoughts keeping pace. One can be quite certain that a speaker to whom this can happen—who speaks to his audience in such a way that the words flow on without his thoughts accompanying them—has not grasped the slightest bit of what is meant here by spiritual research.
[ 11 ] Man muß natürlich das, was ich jetzt angegeben habe, weiter ausbauen, aber es kommt mir jetzt darauf an, das Wesentliche hervorzuheben. Das Wesentliche und Wichtige dessen, was man auf diese Weise innerlich erlebt, ist folgendes: Indem man immer mehr und mehr in der Seele solche Vorstellungen hervorruft und darauf achtgibt, wie sich dann die Seele betätigt, wie sie sich anders betätigt als beim äußeren Wahrnehmen, enthüllt sich einem von einem bestimmten Punkte an die große, bedeutungsvolle Tatsache, daß man nun mitten drinnen steckt in dem, was solches Meditieren in einem bewirkt hat, daß man mitten drinnen steckt in einer solchen inneren Seelenbetätigung, die sonst unbewußt bleibt und als unbewußte im gewöhnlichen Leben zur Gedächtnisbildung führt. Man hat gewissermaßen das, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, um eine Stufe hinuntergeschoben. Man hat nicht berücksichtigt, was man sonst im Vorstellungsleben erlebt, und man hat das berücksichtigt, was sonst dieses Vorstellungbilden begleitet. Man hat sein ganzes Ich-Bewußtsein um eine Stufe hinuntergeschoben, wo sonst das verrichtet wird, was zur Erinnerung führt, und man lernt auf diese Weise erkennen, was sonst fortwährend unten in der Seele spielt, was man im gewöhnlichen Bewußtsein nicht berücksichtigt, was aber webt und lebt und einen dazu befähigt, Erinnerungen zu haben. Und was davon abhängt, daß sich der Mensch Erinnerungen bilden kann, das habe ich öfter auch hier gezeigt. Jeder weiß, was es für den Menschen bedeutet, wenn in krankhafter Weise sein Erinnerungsvermögen für eine Zeit gestört wird. Man lernt erkennen eine Stufe des seelischen Erlebens, die für das gewöhnliche Leben ein Unterbewußtes darstellt, und die doch nicht geleugnet werden kann, weil sie in ihren Wirkungen da ist, die aber, wenn man sich in das einlebt, was man sich so meditierend erweckt hat, eine besondere Erfahrung ist. Und diese Erfahrung ist für den, der für solche Dinge überhaupt eine Empfindung hat, eine erschütternde. Man macht die Erfahrung, daß man jetzt, indem man diese unter dem Bewußtsein liegende Stufe des Seelenlebens erreicht hat, damit diejenige Stufe erreicht hat, wo das Gedächtnis lebt und webt, daß man an etwas herangekommen ist im eigenen menschlichen Wesen, was sonst auch recht unbewußt verläuft, was gewöhnlich niemals eigentlich seinem Wesen nach auch nur annähernd in das Bewußtsein hereintritt. Man lernt nämlich bezüglich dieser erinnerungbildenden Kraft, die man jetzt ihrem Wesen nach ein wenig durchschauen gelernt hat, eine gewisse Verwandtschaft erkennen mit dem, was in uns die Kraft des Wachsens und des Wiederabnehmens ist, mit alledem, was uns aus unserem organischen Leben heraus wachsend führt von der Kindheit bis zum erwachsenen Menschen, und was unser Leben «entwachsen» macht, indem wir von einer bestimmten Stufe an abnehmen. Was alles als organbildende, uns vergrößernde und auch später in uns wirksame Kräfte lebt und webt, was organische Kraft ist, was Bildungskraft in uns ist, aber auch was in der Pflanze Bildungskraft ist, das lernt man erkennen. Denn während das, was unten webt und lebt und sich in unserem Wachstum zum Ausdruck bringt, recht ferne steht unserem gewöhnlichen Vorstellen, findet man es nahegerückt dem, was nun als erinnerungbildende Kraft auftritt. Es wächst immer gleich etwas zusammen, was sonst in einem ist: zwei Strömungen, die Wachstumskraft, die in einem selbst gestaltenbildende Kraft, und die Erinnerungskraft, die wachsen zusammen zu einem zusammengesetzten Gebilde, das man in sich hat und das man auf diese Weise kennenlernt. Das tragen wir fortwährend in uns herum.
[ 11 ] Of course, what I have just outlined needs to be further developed, but my aim here is to emphasize the essential points. The essential and important aspect of what one experiences inwardly in this way is as follows: As one evokes such images more and more within the soul and pays attention to how the soul then acts—how it acts differently than during external perception— a great and significant fact reveals itself to you from a certain point onward: that you are now right in the midst of what such meditation has brought about within you, that you are right in the midst of an inner activity of the soul that otherwise remains unconscious and, as an unconscious process, leads to the formation of memory in ordinary life. One has, so to speak, shifted down one level what one otherwise experiences in the life of imagination. One has not taken into account what one otherwise experiences in the life of imagination, and one has taken into account what otherwise accompanies this formation of images. One has shifted one’s entire sense of self down a level, to where the processes that lead to memory are otherwise carried out, and in this way one learns to recognize what is otherwise constantly at work deep within the soul—what is not taken into account in ordinary consciousness, yet what weaves and lives and enables one to have memories. And I have often shown here as well what depends on a person’s ability to form memories. Everyone knows what it means for a person when their memory is pathologically impaired for a time. One learns to recognize a level of soul experience that remains subconscious in ordinary life, yet cannot be denied because its effects are present; but when one immerses oneself in what one has thus awakened through meditation, it becomes a special experience. And for those who are at all sensitive to such things, this experience is a profound one. One experiences that, having now reached this level of soul life that lies beneath consciousness—and thereby having reached the level where memory lives and weaves—one has come into contact with something within one’s own human being that otherwise proceeds quite unconsciously, something that ordinarily never actually enters consciousness even approximately in accordance with its true nature. For with regard to this memory-forming force—the nature of which one has now come to understand to some extent—one learns to recognize a certain kinship with what within us is the force of growth and of decline, with all that which, growing out of our organic life, leads us from childhood to adulthood, and with what makes our life “outgrow” itself as we decline from a certain stage onward. One learns to recognize all that lives and weaves within us as organ-forming forces that enlarge us and continue to be active within us later on—what constitutes organic force, what constitutes formative force within us, but also what constitutes formative force in the plant. For while that which weaves and lives within us and expresses itself in our growth is quite distant from our ordinary conception, it is found to be closely related to what now appears as the force that forms memory. Something that is otherwise within us always grows together: two currents—the power of growth, the formative power within oneself, and the power of memory—grow together into a composite entity that we carry within us and that we come to know in this way. We carry this within us constantly.
[ 12 ] Das gewöhnliche Bewußtsein ahnt gar nicht, daß dieselbe Kraft, welche den Menschen vom kleinen Kinde an als Wachstumskraft, als gestaltbildende Kraft begleitet, in einer Steigerung, in einer Verfeinerung dieselbe ist, an die appelliert wird, indem der Mensch Erinnerungen bildet. Aber es ist doch etwas Zusammengesetztes. Wenn man die Sache kennenlernt, so stellt sie sich als etwas Zusammengesetztes dar. Man lernt nämlich das, was da als Wachstumskraft und als Erinnerungskraft gewissermaßen zusammengebunden ist, auch wieder voneinander unterscheiden; es ist gewissermaßen eine Zweiheit, die als Einheit zusammenwirkt. Indem man auf die Sache eingeht, entdeckt man: Was man als Erinnerung heraufholt, ist eigentlich ein unterbewußtes Wissen, eine tiefere Stufe des Bewußtseins, ein Leben und Weben eines Bewußtseins, in welchem nicht unser gewöhnliches Ich lebt. Aber dieses Bewußtsein durchdringt das andere in uns, was die Wachstumskraft ist. Diese zwei — Wachstums- und Gestaltungskraft und Erinnerungskraft — lernt man als etwas erkennen, was sich gegenübersteht, sich nur näher gegenübersteht, als unser bewußtes Wissen und die äußere körperliche Welt. Nur steht unser bewußtes Wissen der äußeren körperlichen Welt ferner; wir können nicht die Brücke schlagen von dem einen zum andern, wir kommen nicht hinüber für das gewöhnliche Bewußtsein. Was wir da heraufnehmen wollen, was wir uns durch Meditationen bewußt machen, das trägt gewissermaßen seinen eigenen Gegenstand in sich, ist aber doch etwas, was unserem Wissen verwandt ist. Wir lernen eine Zweiheit durchschauen. Diese Zweiheit tritt aber doch, je weiter man in seinem Seelenleben kommt, sehr deutlich, sehr klar vor das schauende Bewußtsein. Man schaut auf diese Weise das, was als Wachstumskraft webt und lebt. Man schaut es - um einen guten alten Troxlerischen Ausspruch zu gebrauchen - als die wahre menschliche Leiblichkeit gegenüber der physischen Körperlichkeit. In unserem gewöhnlichen Bewußtsein nehmen wir die physische Körperlichkeit wahr. Dieses Unterbewußtsein, zu dem wir da herangekommen sind, nimmt diese Leiblichkeit in uns wahr.
[ 12 ] Ordinary consciousness has no inkling that the very same force which accompanies human beings from early childhood onward—as a force of growth and as a formative force—is, in an intensified and refined form, the very same force that is called upon when human beings form memories. Yet it is, after all, a composite entity. When one comes to understand the matter, it reveals itself as a composite entity. For one learns to distinguish again between what is, so to speak, bound together as the force of growth and the power of memory; it is, in a sense, a duality that functions as a unity. As one delves into the matter, one discovers: What one brings up as memory is actually subconscious knowledge, a deeper level of consciousness, a living and weaving of consciousness in which our ordinary “I” does not dwell. But this consciousness permeates the other aspect within us, which is the power of growth. One learns to recognize these two—the power of growth and formation and the power of memory—as something that stands in opposition to one another, only standing closer together than our conscious knowledge and the external physical world. Yet our conscious knowledge stands farther from the external physical world; we cannot bridge the gap between the two; we cannot cross over to it with ordinary consciousness. What we seek to take up there, what we make conscious through meditation, carries, so to speak, its own object within it, yet is still something related to our knowledge. We learn to see through a duality. Yet the further one advances in one’s spiritual life, the more clearly and distinctly this duality appears before the observing consciousness. In this way, one perceives that which weaves and lives as a force of growth. One perceives it—to use a good old Troxlerian expression—as true human physicality as opposed to physical corporeality. In our ordinary consciousness, we perceive physical corporeality. This subconsciousness, which we have now reached, perceives this physicality within us.
[ 13 ] Ich habe, um nicht mißverstanden zu werden, in der Zeitschrift «Das Reich» in der letzten Zeit dasjenige, was in uns lebt und webt als Gestaltungskraft, was nicht von dem gewöhnlichen Bewußtsein wahrgenommen wird, wohl aber von demjenigen, das wirkt und webt im Gedächtnis, den «Bildekräfteleib» genannt. Früher nannte ich es den «ätherischen Leib», aber da sich gewisse Leute schon einmal an Ausdrücken stoßen, habe ich versucht, mit den Worten näher heranzukommen an das, worum es sich handelt, und habe das, was unserem physischen Leib am nächsten liegt und unser ganzes Leben als die gestaltenbildende Kraft begleitet, den «Bildekräfteleib» genannt. Und das, was nun nicht in unserem gewöhnlichen Bewußtsein lebt, was unter diesem Bewußtsein diesem Bildekräfteleib immer nahe steht, und zu dem man vordringt durch die Meditation, das kann man — wenn man nicht scheut, daß dann die Spötter kommen und sich über das, was sie nicht verstehen, weidlich lustig machen - ausgewissen Gründen den «astralischen Leib» nennen; man kann es aber auch die «Seele» nennen, die da wirkt um eine Schichte tiefer als das gewöhnliche Bewußtsein. Und wie der Chemiker einen zusammengesetzten Stoff in die verschiedenen Elemente zerlegt, oder wie der Physiker das, was ihm im weißen Sonnenlicht entgegenkommt, in verschiedene Farbennuancen gliedert, so haben wir jetzt des Menschen Wesenheit gegliedert in den physischen Leib, den man mit den äußeren Sinnen sieht und der der äußeren Wahrnehmung gegeben ist, in den Bildekräfteleib, der das erste Übersinnliche des Menschen ist, und in den astralischen Leib oder in das Seelenwesen, das nicht nach der Art des gewöhnlichen Bewußtseins, aber unter dem gewöhnlichen Bewußtsein weiß von dem Leben und Weben des Bildekräfteleibes, aber in das gewöhnliche Bewußtsein nur heraufstrahlt in den Erinnerungsbildern, in den Wogen, die sich als Erinnerungsvorstellungen bilden. Und gewissermaßen für sich herausgegliedert aus alle dem ist dann das, was wie schwimmend auf diesem dreifachen Menschen ist: die eigentliche Ich-Wesenheit, diejenige Wesenheit, die nichts weiß von dem, was die Seele in dem hier gemeinten Sinne weiß von dem Leiblichen, die aber sich herausgliedert aus dem Seelischen und dann das gewöhnliche Bewußtsein bildet, und die geistig ist. Daß diese Ich-Wesenheit, die zunächst nicht das Geistige wahrnimmt, sondern sich der Werkzeuge der Sinne bedient, um die Umwelt wahrzunehmen und den Menschen selbst mit den Mitteln wahrzunehmen, die auch auf die Umwelt anwendbar sind, — daß dieses Ich, dieses eigentliche Selbst des Menschen wieder als ein besonderes Glied abgesondert werden muß von den übrigen Gliedern des Menschen, das stellt sich allerdings erst heraus, wenn man in demjenigen SeelenÜben, das ich prinzipiell angedeutet habe, etwas weiter vordringt. Ich habe geschildert, wie man selbstgebildete, überschaubare Vorstellungen in die Seele hereinrückt. Da ist es gut, sagte ich, wenn man Vorstellungen nimmt, an denen das Vorstellungsleben selbst beweglich sein muß, und dann versucht zu empfinden, zu erleben, was eben erlebt werden kann in diesem Ruhen in solchen Vorstellungen.
[ 13 ] To avoid being misunderstood, I have recently referred in the journal Das Reich to that which lives and weaves within us as a creative force—which is not perceived by ordinary consciousness, but is perceived by that which acts and weaves in memory—as the “body of formative forces.” I used to call it the “etheric body,” but since certain people take offense at certain expressions, I have tried to use words that more closely capture what is at stake, and have called that which lies closest to our physical body and accompanies our entire life as the formative force the “formative body.” And that which does not dwell in our ordinary consciousness—which remains ever close to this Formative Body beneath the surface of that consciousness, and which one reaches through meditation—can be called, for well-founded reasons, the “astral body”—if one is not afraid that the mockers will then come and make a mockery of what they do not understand; but it can also be called the “soul,” which is at work one level deeper than ordinary consciousness. And just as the chemist breaks down a compound substance into its various elements, or as the physicist divides what meets his eye in white sunlight into different shades of color, so have we now divided the human being into the physical body—which is seen with the external senses and is open to external perception—the body of formative forces, which is the first supersensible aspect of the human being, and into the astral body—or the soul entity—which is aware of the life and activity of the body of formative forces not in the manner of ordinary consciousness, but beneath ordinary consciousness, yet which shines up into ordinary consciousness only in the form of memory images, in the waves that take shape as memory perceptions. And, in a sense, set apart from all of this is that which seems to float above this threefold human being: the actual I-essence, that essence which knows nothing of what the soul—in the sense intended here—knows of the physical body, but which sets itself apart from the soul and then forms ordinary consciousness, and which is spiritual. That this “I”-essence, which at first does not perceive the spiritual but makes use of the instruments of the senses to perceive the environment and to perceive the human being itself by means that are also applicable to the environment, — that this “I,” this true self of the human being, must again be separated as a distinct member from the other members of the human being—this, however, only becomes apparent when one advances somewhat further in the kind of soul training that I have outlined in principle. I have described how one introduces self-formed, comprehensible ideas into the soul. It is good, I said, to take ideas that give the life of the imagination itself room to move, and then to try to feel, to experience, what can indeed be experienced in this resting within such ideas.
[ 14 ] Das sind zwei Dinge. Das eine ist, daß einem bewußt wird, daß es ein solches Weben und Leben, wie es der Gedächtnisbildung ähnlich ist, in der Menschenwesenheit gibt. Das andere ist, was man erfährt, wenn man noch besonders innerlich auf dieses Erleben hinschaut. Es ist das geradeso, als wenn man zum Beispiel so vorgehen würde, wie man auf der einen Seite die Vorstellungen bildet, auf der anderen Seite das Denken bildet, was dann zur Erinnerung wird. Das ist ein besonderes Erleben. Wer es durchmacht, wer sich also im wirklichen Sinne zum Geistesforscher ausbildet, der weiß, daß dies ein besonderes Erleben ist. Denn ein Element hört von einem bestimmten Augenblicke an auf, in diesem Seelenleben zu walten, das eigentlich sonst immer eine Bedeutung für unser Seelenleben hat: es hört auf das räumliche Element. Wenn Sie sich darauf besinnen, wie alles, was Sie im gewöhnlichen Bewußtsein vorstellen, durchtränkt und durchsetzt ist von irgendwelchen Raumesvorstellungen — man kann ja im gewöhnlichen Bewußtsein kaum etwas vorstellen, was nicht mit dem Raume zugleich vorgestellt wird —, dann werden Sie ermessen, wie sehr das gewöhnliche Bewußtsein am Raume hängt. Dieses Erleben, das sich an solche Vorstellungen angliedert, wie ich es entwickelt habe, führt allmählich dazu, sich aus dem Raume herausgehoben und sich in bloß zeitlichen Vorgängen, in zeitlichen Prozessen darinnen zu wissen. Das ist wie ein bedeutender Fortgang des menschlichen Seelenlebens: Sich im Strome der Zeit zu wissen, denn das führt dazu, den Strom der Zeit wirklich zu durchschauen. Ich sagte ja: Das Ganze läuft darauf hinaus, die Verwandtschaft des Erinnerungsvermögens mit den Wachstumskräften, die unsere Gestaltbildung begleiten, zu erkennen. Gerade in dieses Zeitliche wird man hineinversetzt.
[ 14 ] There are two aspects to this. The first is becoming aware that there is a kind of weaving and living within the human being that is similar to the formation of memory. The second is what one experiences when one looks at this experience with particular inner attention. It is just as if, for example, one were to proceed by forming images on the one hand and forming thoughts on the other, which then become memories. This is a special experience. Anyone who goes through this process—that is, anyone who trains themselves to become a spiritual researcher in the true sense—knows that this is a special experience. For from a certain moment onward, one element ceases to prevail in this soul life—an element that otherwise always has significance for our soul life: the spatial element ceases to prevail. If you reflect on how everything you imagine in ordinary consciousness is permeated and interwoven with some kind of spatial concept—for in ordinary consciousness one can hardly imagine anything that is not simultaneously imagined in relation to space—then you will realize how deeply ordinary consciousness is bound to space. This experience, which is linked to such concepts as I have developed, gradually leads one to feel lifted out of space and to know oneself to be within purely temporal occurrences, within temporal processes. This is like a significant advance in human soul life: to know oneself to be within the stream of time, for this leads to truly seeing through the stream of time. As I said: The whole point is to recognize the relationship between the faculty of memory and the forces of growth that accompany the formation of our physical being. It is precisely into this temporal realm that one is transported.
[ 15 ] Und etwas anderes ist noch besonders wichtig. Ich sagte, es ist ein Zweifaches: Diese Vorstellungen haben —- und nun noch besonders achtgeben mit intensiver Aufmerksamkeit darauf, was man da erlebt, wie man das Beweglichwerden des Vorstellungslebens, das bloße Weben in der Zeit, wirklich erlebt; denn dann ist man mit seinem Ich in diesem Vorstellungsleben darinnen. Man istaber nicht nur in einem Vorstellungsleben, sondern überhaupt in einem Leben darinnen, das durchsetzt ist von den realen, in der Zeit lebenden und webenden Kräften. Dann ist man herangekommen an ein Erleben des Ich, das ganz anders ist als das gewöhnliche Erleben des Ich. Wer das gewöhnliche Erleben des Ich durch eine sachgemäße Selbstbeobachtung kennt, der weiß, wie eng es gebunden ist an die menschliche Leiblichkeit, und ich habe das letztemal geschildert, an welche Elemente der Leiblichkeit das Ich zunächst gebunden ist: daß es sich um Gleichgewichtsverhältnisse handelt, also um etwas, was in entscheidender Weise in den Raum hineingestellt ist. Aber man kann nicht bei diesem Erleben bleiben, sondern man gelangt richtig in den Zeitenlauf hinein.
[ 15 ] And there is something else that is particularly important. I said it is twofold: These imaginings have—and now pay particular attention, with intense focus, to what one is experiencing there, to how one truly experiences the coming to life of the imaginative life, the mere weaving in time; for then one is present with one’s “I” within this imaginative life. However, one is not merely within a life of imagination, but within a life in general that is permeated by the real forces that live and weave within time. Then one has arrived at an experience of the “I” that is entirely different from the ordinary experience of the “I.” Anyone who knows the ordinary experience of the “I” through proper self-observation knows how closely it is bound to human physicality, and I described last time to which elements of physicality the “I” is primarily bound: namely, to conditions of equilibrium—that is, to something that is decisively situated within space. But one cannot remain at this level of experience; rather, one truly enters into the flow of time.
[ 16 ] Was jetzt angedeutet worden ist, wird heute noch von den wenigsten Menschen — auch von denjenigen, die sich fachlich mit diesen Dingen beschäftigen - irgendwie berücksichtigt, und man hört Vorstellungen charakterisieren, die heute noch immer in einer Weise hingenommen werden, als wenn sie das Allergewisseste darstellten. So wird von manchen philosophischen Denkern davon ausgegangen, daß unser Ich — das heißt das Ich, welches das gewöhnliche Bewußtsein hat — dasjenige Ich ist, das man sich als bleibend in allem Erleben von der Geburt bis zum Tode bewahrt. Hat doch ein Philosoph, der allerdings in einer merkwürdigen Weise bei seiner Philosophie zu Werke gegangen ist, den sonderbaren Begriff geprägt, daß dieses Ich, in das man sich, um ein wirklicher Philosoph zu werden, intuitiv hineinversetzen soll, besonders charakterisiert ist durch die Eigenschaft der «Dauer». Ja, er hat sogar den merkwürdigen Satz geprägt, daß niemand zu dem eigentlichen Menschenwesen vordringt, der nicht diesen Begriff fassen kann: «die Dauer dauert». Während alles Äußere vorübergeht, ist dieses innerliche Ich-Leben, wie er es zu kennen meint, Dauer, reine Dauer. Wenn er sagt: «die Dauer dauert», so hat man dabei die Empfindung, wie wenn jemand charakterisieren will «das Holz holzt» oder «das Eisen eisent». Aber wenn ein Philosoph so etwas prägt, so denkt die heutige autoritätsgläubige Menschheit nicht darüber nach, wie es sich eigentlich mit der Logik einer solchen Sache verhält. Aber davon abgesehen, gibt es eine sehr naheliegende Widerlegung dieses sonderbaren Begriffes von dem dauernden gewöhnlichen Ich. Dafür ist jede Nacht ein Beispiel, wo vom Einschlafen bis zum Aufwachen — mit Ausnahme der Zeit, in welcher die Träume weben - das Ich-Erlebnis aufhört. Jeder traumlose Schlaf widerlegt diese Berühmtheit der Bergsonschen Philosophie. Darum kann es sich nicht handeln, wenn man den Menschen erkennen will, irgend etwas auf das gewöhnliche Ich-Erlebnis aufzubauen. Aber man trägt das Ich-Erlebnis in den Zeitenlauf hinein. Und dann, wenn man das Ich in den Zeitenlauf hineinträgt, wenn zu dem andern Erleben des seelischen Unterbewußten und des gestaltbildenden Leibes dieses neue Ich-Erlebnis auftritt, dann gilt das nicht mehr, daß jeder Schlaf dieses Ich-Erlebnis unterbricht, sondern dann gilt ein anderes. Dann stellt sich nämlich heraus, daß mit unserer Ich-Vorstellung auch das Folgende zusammenhängt.
[ 16 ] What has just been hinted at is still taken into account by very few people today—even by those who deal with these matters professionally—and one hears ideas characterized in a way that is still accepted today as if they represented the very essence of certainty. For example, some philosophical thinkers assume that our “I”—that is, the “I” that possesses ordinary consciousness—is the very “I” that is preserved as enduring throughout all experience from birth to death. Indeed, a philosopher—who, admittedly, approached his philosophy in a peculiar way—coined the strange concept that this “I,” into which one must intuitively immerse oneself in order to become a true philosopher, is particularly characterized by the quality of “duration.” Indeed, he even coined the peculiar phrase that no one can penetrate to the true human being who cannot grasp this concept: “duration lasts.” While everything external passes away, this inner “I”-life, as he claims to know it, is duration, pure duration. When he says, “duration lasts,” one gets the impression that someone is trying to describe “wood wooding” or “iron ironing.” But when a philosopher coins such a phrase, today’s humanity—which places its faith in authority—does not reflect on the actual logic behind such a statement. But setting that aside, there is a very obvious refutation of this strange concept of the enduring ordinary “I.” Every night provides an example of this, where—from falling asleep to waking up, with the exception of the time during which dreams unfold—the experience of the “I” ceases. Every dreamless sleep refutes this famous tenet of Bergson’s philosophy. Therefore, if one wishes to understand human beings, one cannot build anything upon the ordinary sense of self. Instead, one carries the sense of self into the flow of time. And then, when one carries the “I” into the flow of time, when this new experience of the “I” emerges alongside the other experiences of the subconscious mind and the form-creating body, it is no longer true that every sleep interrupts this experience of the “I”; rather, something else applies. For then it turns out that the following is also connected to our conception of the “I.”
[ 17 ] Ich habe das letztemal darauf hingewiesen, aus welchem dumpfen Erfühlen diese Ich-Vorstellung eigentlich auftritt. Sie muß gewissermaßen angefeuert werden. Im traumlosen Schlaf, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, ist sie nicht da. Wodurch wird sie angefeuert? Sie wird angefeuert in dem Moment, wo wir mit unserer Seele wieder an unsere Körperlichkeit herankommen. Unsere Körperlichkeit ist von außen der Erreger desjenigen, was wir als unser Ich im gewöhnlichen Bewußtsein finden. Wir stoßen im gewöhnlichen Bewußtsein mit unserem Körper zusammen; das regt unsere Ich-Vorstellung an. Diese Ich-Vorstellung darf nicht als etwas Dauerndes angesehen werden. Aber mit dem, was ich jetzt als ein neues Ich-Erleben geschildert habe, verhält es sich ganz anders. Das lebt im Zeitenstrom, es ist aus dem Räumlichen herausgehoben. Das wird gerade angefacht, indem der Mensch das Erleben in dem einen Zeitpunkte — jetzt nicht im räumlichen Zusammenstoßen mit der Körperlichkeit, sondern im Zusammenstoß mit dem Erleben eines andern Zeitpunktes — entfacht. Dieses Ich-Erlebnis, von dem ich jetzt gesprochen habe, ist damit identisch, daß, wenn ich aufwache, ich in geheimnisvoller Weise mit dem Zeitmoment zusammenstoße, in dem ich eingeschlafen bin. Und dieses bildet die Grundlage für das neue Ich-Erlebnis, daß wir uns in verschiedenen, in aufeinanderfolgenden Zeitmomenten erleben, daß wir hinüberschauen über die Zeit, daß wir die Zeit überbrücken, auch wenn sie diskontinuierlich ist, wenn der Schlaf sie stört. Das ist das Wesentliche dieses Ich-Erlebnisses. Dadurch, daß wir das Ich einsenken in das Seelische, insofern dieses verwandt ist mit den Wachstumsverhältnissen, dadurch senken wir das Ich selbst in die Wachstumsverhältnisse ein. Wir dringen zu dem vor im Ich, was uns begleitet von der Geburt bis zum Tode; wir dringen ein in den fortdauernden Strom des IchErlebens. Was sonst von der Philosophie nur erschlossen wird, wovon man nur urteilt, das wird erlebt. Und man wehrt sich sogar dagegen — ich habe das auch schon hier angeführt —, daß Eduard von Hartmann in seinen psychologischen Schriften davon redet, daß, wenn man ein Gefühl beobachten will, es dadurch gestört wird und sich verändert.
[ 17 ] Last time, I pointed out the vague sense from which this sense of self actually arises. It must, so to speak, be ignited. During dreamless sleep—from the moment we fall asleep until we wake up—it is not present. What sparks it? It is sparked at the very moment when our soul reconnects with our physical body. From the outside, our physical body is the stimulus for what we experience as our “I” in ordinary consciousness. In ordinary consciousness, we come into contact with our body; this stimulates our sense of self. This sense of self must not be regarded as something permanent. But the situation is quite different with what I have just described as a new experience of the self. It lives within the flow of time; it is lifted out of the spatial realm. This is precisely kindled when a person ignites the experience at a single moment in time—not through a spatial collision with physicality, but through a collision with the experience of another moment in time. This “I” experience I have just spoken of is identical to the fact that, when I wake up, I mysteriously collide with the moment in time when I fell asleep. And this forms the basis for the new experience of the “I”—that we experience ourselves in different, successive moments in time, that we look across time, that we bridge time, even when it is discontinuous, when sleep disrupts it. That is the essence of this experience of the “I.” By immersing the “I” in the soul—insofar as it is related to the conditions of growth—we thereby immerse the “I” itself in those conditions of growth. We penetrate to that aspect of the “I” which accompanies us from birth to death; we penetrate the continuous stream of the “I” experience. What is otherwise only deduced by philosophy, what one merely judges, is now experienced. And one even objects—as I have already mentioned here—to the fact that Eduard von Hartmann, in his psychological writings, states that if one attempts to observe a feeling, it is thereby disturbed and altered.
[ 18 ] Wenn Eduard von Hartmann dies bemerkt, so will er gerade ausschließen, daß das Ich leben kann in diesem Zeitenstrom. Er will gerade damit beweisen, daß für das Erleben des Ich der Zeitenstrom ihm verloren geht. Er geht aber nicht verloren, sondern wird gerade dadurch gewonnen. Ja, wer von diesem geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus Selbstbeobachtung üben kann, der weiß, wie dieses Erleben des Ich, das in diesem Zeitmoment unseres Daseins da ist, in Wechselverhältnisse tritt zu früheren Zeitmomenten.
[ 18 ] When Eduard von Hartmann makes this observation, he is specifically seeking to rule out the possibility that the “I” can exist within this flow of time. He is attempting to prove precisely that, for the experience of the “I,” the flow of time is lost to it. However, it is not lost; rather, it is gained precisely through this. Indeed, anyone who can practice self-observation from this spiritual-scientific perspective knows how this experience of the “I,” which is present in this moment of our existence, enters into a relationship with earlier moments in time.
[ 19 ] Nehmen Sie es nicht als eine Albernheit oder als Renommiererei, wenn ich ein eigenes Erlebnis meiner allerjüngsten Tage hier anführe. Ich will ein eigenes Erlebnis anführen, das sehr einfach scheint, wenn es erlebt wird, das mir aber neuerdings wieder etwas innerlich Erschütterndes war. Ich habe im Jahre 1894 ein Buch abgeschlossen, in welchem ich rein philosophisch darauf aufmerksam gemacht habe, wie das menschliche Denken schon ein Geistiges ist: meine «Philosophie der Freiheit». Ich war, als ich das Buch schrieb, ein junger Mensch von dreiunddreißig Jahren. In dieser jüngst verflossenen Zeit hat sich nun die Notwendigkeit ergeben, dieses Buch für eine Neuausgabe von neuem durchzuarbeiten, wiederum alles durchzumachen, was damals durch meine Seele gezogen ist, und dabei zugleich zu beobachten, wie sich die Ich-Erlebnisse von jetzt zu den ganz ‚gleichen Ich-Erlebnissen von dazumal verhalten. Wenn man es dazu bringt, zu sehen, wie an dem Wiederdurchmachen des verflossenen Erlebnisses und an diesem Zusammenkommen mit dem wiedererstandenen Erlebnis etwas ähnliches zeitlich eintritt wie sonst beim Erwachen — eine Beobachtung, die für die meisten Menschen vorüberläuft, die sich an frühere Erlebnisse einfach erinnern und nicht hinschauen können auf alles, was da wiederum wird -, dann kann man gerade an einem solchen Beispiel sehen, wie das Ich angefacht wird geradeso, wie an der Leiblichkeit im Erwachen, indem es mit etwas, was im Zeitenstrome von ihm vorhanden war, wieder zusammentrifft, darauf aufstößt. Wer das nicht beobachten kann, der ermißt gar nicht, was man erlebt, wenn man das Ich nicht im Strom des Räumlichen darinnenstehend hat, sondern wenn man gezwungen ist, es in Gemäßheit der in der «Philosophie der Freiheit» entwickelten Vorstellungen zu denken, die ja viele Menschen «Abstraktionen» nennen; ich nenne sie die konkretesten, lebendigsten Vorstellungen, weil die «Philosophie der Freiheit» ja lauter lebendige Begriffe entwickelt. Es ist das vorhanden, was ich nennen möchte das Erleben des Ich in bezug auf die Wechselwirkung des einen Zeitpunktes mit dem anderen. Da beginnt das, was bildhaft genannt werden kann der Übergang zu dem innerlichen musikalischen Erleben der Welt. Es ist, wenn ich es damit vergleichen darf, wie wenn Sie einen Ton einer Melodie in Wechselverhältnis setzen würden zu den anderen 'Tönen der Melodie, wenn also nicht bloß das entsteht, daß der Ton gewissermaßen die Luft erschüttert, sich an dem Räumlichen erfährt, sondern wenn ein Ton mit dem andern in Wechselwirkung tritt. Anders ist es eigentlich unmöglich, das innere Weben und Leben dieses zunächst höchsten Gliedes der menschlichen Wesenheit ins innere geistige Auge zu fassen, als dadurch, daß man übergeht zu einem solchen musikalischen Erlebnis des einen Zeitpunktes durch den andern.
[ 19 ] Please do not take it as a trifle or as boasting when I recount here a personal experience from my very earliest days. I wish to recount a personal experience that seems very simple when lived through, but which has recently once again been something deeply moving to me. In 1894, I completed a book in which I drew attention, from a purely philosophical perspective, to the fact that human thought is already a spiritual reality: my Philosophy of Freedom. When I wrote the book, I was a young man of thirty-three. In this most recent period, the need has now arisen to revise this book anew for a new edition—to go through once more everything that moved through my soul at that time, and in doing so to observe how my present “I”-experiences relate to the very “same” “I”-experiences of that time. If one manages to see how, in reliving the past experience and in this encounter with the revived experience, something similar occurs in time to what normally happens upon waking—an observation that passes most people by, since they simply recall earlier experiences and cannot look closely at everything that is emerging anew— then one can see precisely from such an example how the “I” is kindled in exactly the same way as through bodily sensation upon waking, by encountering again—and coming into contact with—something that was present within the stream of time. Anyone who cannot observe this fails entirely to grasp what one experiences when one does not have the “I” situated within the stream of spatial reality, but is instead compelled to conceive of it in accordance with the ideas developed in The Philosophy of Freedom—ideas that many people call “abstractions”; I call them the most concrete, most vivid concepts, because the Philosophy of Freedom develops nothing but living concepts. What is present is what I would like to call the experience of the “I” in relation to the interplay of one moment with another. This is where what might be figuratively called the transition to the inner musical experience of the world begins. It is, if I may make this comparison, as if you were to place a note of a melody in interaction with the other notes of the melody—that is, not merely so that the note, as it were, vibrates the air and experiences itself in space, but rather so that one note enters into interaction with another. In fact, it is impossible to grasp the inner weaving and life of this—initially the highest link in the human being—in the inner spiritual eye other than by moving from one musical experience of a given moment to another.
[ 20 ] Dadurch gliedert sich also die gesamte menschliche Wesenheit in 1. den physischen Leib, 2. den Bildekräfteleib, den ich charakterisiert habe als das, was im Gedächtnis wirkt, das wie ein unterbewußtes Wissen den Bildekräfteleib durchgeistigt, 3. das eigentlich Seelische, den astralischen Leib, und 4. das Ich. Dann haben wir versucht, indem wir so den Menschen verfolgten von der untersten sinnlichen Grenze des Körperlichen bis herauf zu dem, was als Geistigstesam Menschen auftritt, zu dem eigentlichen Übersinnlichen zu blicken, und damit hat man erst den ganzen, vollen Menschen vor sich. Damit hat man aber auch den Hinweis gegeben auf die Art und Weise, wie erlebt werden muß, damit das wirklich Dauernde im Menschen unmittelbar innerlich angeschaut werden kann. Da nutzt nicht irgendeine Ausdeutung, irgendeine philosophische Zergliederung des gewöhnlichen Ich; da muß dieses Ich in eine andere Sphäre hineingetragen werden, muß unter ganz anderen Bedingungen neu erlebt werden. Dieses Ich, das man auf diese Weise erlebt, ist zu gleicher Zeit erlebt als ein von der räumlichen Körperlichkeit unabhängiges Ich, und es schwingt sich nach und nach, indem es seine Übungen fortsetzt, dazu auf, überhaupt im Zeitenstrome wahrnehmen zu können, dasjenige wahrnehmen zu können, was im Menschen nur zeitlich, nicht räumlich lebt.
[ 20 ] Thus, the entire human being is divided into 1. the physical body, 2. the body of formative forces, which I have characterized as that which acts in memory and, like a subconscious knowledge, spiritualizes the body of formative forces, 3. the actual soul, the astral body, and 4. the “I.” We have then attempted, by tracing the human being in this way from the lowest sensory boundary of the physical up to what appears as the most spiritual in the human being—to the truly supersensible—to gaze upon the whole, complete human being. In doing so, we have also pointed to the manner in which one must experience in order to directly perceive the truly enduring aspect of the human being from within. No mere interpretation or philosophical dissection of the ordinary “I” will suffice here; this “I” must be carried into a different sphere and experienced anew under entirely different conditions. This “I,” experienced in this way, is simultaneously experienced as an “I” independent of spatial physicality, and as it continues its exercises, it gradually rises to the point of being able to perceive—within the flow of time—that which lives within the human being only temporally, not spatially.
[ 21 ] Wenn ich für die, welche von solchen Dingen etwas wissen, das einfügen darf: Man hat in der Philosophie der Gegenwart darauf aufmerksam gemacht, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es substantiell greifen will, sondern erst dann, wenn man es als einen Durchgang durch einen Prozeß nimmt. Besonders hart Wundt darauf aufmerksam gemacht. Allein Wundt hat eben abstrakt darauf hingewiesen, daß man an das Seelische nicht herankommt, wenn man es als Substanz betrachtet, sondern daß man es im lebendigen Prozeß zu sehen hat. Aber es handelt sich nicht darum, es sich nur im seelischen Prozeß durch abstrakte Begriffe zu vergegenwärtigen, sondern mit dem eigenen Ich unterzutauchen in den seelischen Prozeß und diesen Prozeß mitzuerleben. Dann tritt nach und nach das auf, was es möglich macht, diesen seelischen Prozeß auch über diejenigen Zeiten hinüber zu verfolgen, in denen er eingespannt ist in das Räumlich-Körperliche. Hat man einmal gelernt, das Erleben des einen Zeitmomentes zusammenstoßen zu lassen mit dem andern Zeitmoment, dann kann man auch allmählich in sich die Fähigkeit heranentwickeln, das innere Erleben des Ich überhaupt anstoßen zu lassen an den Zeitenstrom, wo das Räumlich-Körperhafte erst entstanden ist in der Vererbungsströmung. Dann erweitert sich der Zeitenstrom über das Räumlich-Körperhafte hinaus, dann schaut man in dem Zeitenstrome, in welchem das Ich webt, in das vorgeburtliche Leben und in das Leben nach dem Tode in einer gewissen Weise hinein. Dann tritt für eine neuere Erkenntnis das auf, was ich oftmals schon mit einem gewissen Bilde zu vergleichen versuchte. Dem, der das durchmacht, was ich jetzt prinzipiell beschrieben habe, dem ereignet sich innerlich etwas, was sich vergleichen läßt mit dem Erlebnis, das wohl Giordano Bruno gehabt haben mag, als er im Beginne der neueren naturwissenschaftlichen Denkweise stand und diese geltend machte. Im wesentlichen haben die Menschen bis Giordano Bruno in den Weltenraum hinausgeschaut, haben das blaue Firmament gesehen und es für eine wirklich gegenständliche Grenze des Raumes gehalten. Es war bedeutungsvoll, daß in Giordano Brunos Seele zuerst die Vorstellung auftauchte: Da ist eigentlich gar nichts; nur unsere Anschauung, nur die Bedingungen unseres sinnlichen Anschauens machen es, daß wir dort eine blaue Schale sehen; in Wahrheit geht es in die Unendlichkeit hinaus, und wo das blaue Firmament uns erscheint, ist nur eine Grenze unseres Anschauens. Das gilt auch für das Zeitliche. Geburt oder Empfängnis und Tod werden für das zeitliche Firmament, in das wir hinausschauen, die Grenze, die uns durch unsere sinnliche Organisation gesetzt ist. Was wir als unsere Welt erblicken, in der wir leben und weben mit unserem Ich, mit unserem übersinnlichen Menschen, das liegt über dieses zeitliche Firmament über den Tod auf der einen Seite, über Geburt oder Empfängnis auf der anderen Seite hinaus. Und heute stehen wir vor diesem Ruck des menschlichen Wissens nach vorn, wo in ähnlicher Weise wie vor Jahrhunderten für das menschliche Vorstellungsvermögen die Illusion des blauen Himmelsgewölbes hinweggerüct wurde, für die menschliche Anschauung die Illusion hinweggerückt wird, daß Geburt und Tod Grenzen seien, über die man nicht hinauskommen könne.
[ 21 ] If I may add this for those who know something about such matters: In contemporary philosophy, it has been pointed out that one cannot approach the psychological if one seeks to grasp it as a substance, but only if one regards it as a passage through a process. Wundt in particular drew attention to this. However, Wundt merely pointed out in abstract terms that one cannot approach the psychological by regarding it as a substance, but rather must view it as a living process. But the point is not merely to conceptualize it within the psychological process through abstract concepts, but to immerse oneself with one’s own “I” in the psychological process and to experience this process firsthand. Then, little by little, what makes it possible to trace this psychological process even beyond those periods in which it is bound up with the spatial-physical realm begins to emerge. Once one has learned to allow the experience of one moment in time to intersect with that of another, one can also gradually develop within oneself the ability to let the inner experience of the “I” itself touch the stream of time where the spatial-physical first arose within the stream of heredity. Then the stream of time expands beyond the spatial-physical realm; one then looks, in a certain way, into prenatal life and life after death within the stream of time in which the “I” weaves. Then, for a new insight, what I have often tried to compare to a certain image comes to the fore. For the one who undergoes what I have now described in principle, something happens inwardly that can be compared to the experience that Giordano Bruno may well have had when he stood at the dawn of the modern scientific way of thinking and asserted it. Essentially, up until Giordano Bruno, people had looked out into space, seen the blue firmament, and regarded it as a truly tangible boundary of space. It was significant that the idea first arose in Giordano Bruno’s soul: There is actually nothing there at all; it is only our perception, only the conditions of our sensory perception, that cause us to see a blue dome there; in truth, it extends out into infinity, and where the blue firmament appears to us is merely a boundary of our perception. This also applies to the temporal realm. Birth or conception and death become, for the temporal firmament into which we gaze, the boundary set for us by our sensory organization. What we perceive as our world—in which we live and weave our lives with our “I,” with our supersensory human being—extends beyond this temporal firmament, beyond death on one side and beyond birth or conception on the other. And today we stand before this leap forward in human knowledge, where—in a manner similar to how, centuries ago, the illusion of the blue celestial vault was dispelled for the human imagination—the illusion is being dispelled for human perception that birth and death are boundaries beyond which one cannot go.
[ 22 ] Dieser Sprung muß gemacht werden. Dann eröffnet er dem Menschen die Aussicht in das wirkliche Leben seiner übersinnlichen Wesenheit. Dabei muß aber scharf ins Auge gefaßt werden: Wer in der hier geschilderten Art ein Geistesforscher werden will, der muß mit höchster kritischer Selbstbeobachtung immer ins Auge fassen können, was ihn abhalten könnte von dem objektiven Hineinkommen in diese geistige Welt. Sehr leicht kann er davon abgehalten werden. Das Hinschimmern und Hinschweben im Hingeflossensein in die Welt habe ich schon geschildert; das darf natürlich nicht in die Vorbereitung zur Geistesforschung hineinkommen. Aber es ist natürlich gut, möglichst nicht das Gefühls- und Emotionsleben in Anspruch nehmende Vorstellungen für das Meditieren, für die übenden Vorbereitungen des Seelenlebens zu verwenden. Wer Vorstellungen, die ihn sehr stark erregen, zur Kontemplation, zur Meditation verwendet, der wird sehr leicht in die 'Täuschung kommen. Daher wird zur Vorbereitung namentlich zu vermeiden sein, daß religiöse Impulse in die Übungen hineingetragen werden. Religiöse Impulse, die den Menschen stark erregen, stark in sein Gefühls- und Interessenleben hineinwirken, müssen ausgeschlossen sein. Und sonderbarerweise — es wird ja manchem wenig recht sein — sind diejenigen Vorstellungen die allerbesten, die uns in bezug auf unser Emotions- und Gefühlsleben am allerruhigsten lassen. Wenn man sich in der Mathematik in ähnliche Vorstellungen hineinversenkt, besonders in solche, die bewegliches Leben in die Geometrie hineinführen, wo die Figuren verschiedene Gestalten annehmen können, oder in solche Vorstellungen, wie ich sie- mit idealem Gehalt - in der «Philosophie der Freiheit» hingestellt habe, dann ist das wohl etwas, was uns auf diesem Gebiete weiterbringen kann. Damit soll durchaus nicht gesagt werden, daß geisteswissenschaftliche Forschung mit dem religiösen Leben nichts zu tun hat. Aber es handelt sich darum, daß man zu jener religiösen Verinnerlichung und Vertiefung, zu der gerade Geisteswissenschaft auch die Vorbereitung sein kann, am besten dadurch kommt, daß man nicht gleich davon ausgeht, sondern mit möglichst unemotionellen und uninteressierten Vorstellungen sich auf den Weg des Forschens begibt, und dann, wenn man in der geistigen Welt darinnen ist, kommt einem aus dieser heraus die Anschauung, die schon eine mächtige Hilfe gerade zur religiösen Vertiefung darstellen kann. So sind für diesen Gang des Geistesforschers ganz besonders ins Auge zu fassen Vorstellungen, die nicht zusammenhängen mit den Bekümmernissen und Besorgnissen des Lebens, die die Seele nicht so sehr erregen, besonders Vorstellungen, die leicht überschaubar sind. Das sind aber niemals die Vorstellungen, die uns leicht erregen, denn da tritt alles mögliche aus dem Unterbewußten in die Seele herein. Dieses Unterbewußte muß aber vor allem ausgeschlossen werden.
[ 22 ] This leap must be made. Then it opens up for the individual the prospect of experiencing the true life of his supersensible being. In doing so, however, one must keep this clearly in mind: Anyone who wishes to become a spiritual researcher in the manner described here must, with the utmost critical self-observation, always be able to recognize what might prevent him from objectively entering this spiritual world. He can very easily be deterred from doing so. I have already described the state of drifting and floating in a sense of being carried along by the world; this, of course, must not be allowed to enter into the preparation for spiritual research. But it is, of course, advisable to use, as far as possible, images for meditation and for the preparatory exercises of the soul life that do not engage the emotional and feeling life. Anyone who uses images that strongly stir them for contemplation or meditation will very easily fall into “delusion.” Therefore, it is especially important to avoid allowing religious impulses to be carried into the exercises during preparation. Religious impulses that strongly stir a person and have a powerful effect on their emotional and intellectual life must be excluded. And strangely enough—though this may not sit well with some—the very best images are those that leave us the most at peace in terms of our emotional and feeling life. When one immerses oneself in similar ideas in mathematics—especially those that introduce dynamic life into geometry, where figures can take on various forms, or in ideas such as those I have presented—with ideal content—in The Philosophy of Freedom—then this is indeed something that can advance us in this field. This is by no means to say that research in the humanities has nothing to do with religious life. But the point is that the best way to attain that religious internalization and deepening—for which the humanities can indeed serve as a preparation—is not to start from that premise right away, but to set out on the path of research with concepts that are as unemotional and detached as possible, and then, once one is immersed in the spiritual world, a perception emerges from within it that can already serve as a powerful aid precisely for religious deepening. Thus, for this path of the spiritual researcher, one must pay particular attention to ideas that are not connected to the troubles and worries of life, that do not agitate the soul so much—especially ideas that are easily comprehensible. But these are never the ideas that easily stir us, for then all manner of things from the subconscious enter the soul. Above all, this subconscious must be excluded.
[ 23 ] Auf diese Weise dringt man tatsächlich in ein geistiges Erleben hinein, wo man erst jenes Wesen im Menschen finden kann, von dem zu sagen ist: es lebt in der Freiheit des Willens, es lebt in dem unsterblichen Seelenwesen. Jeder Mensch trägt es in sich. Aber gefunden werden kann es erkenntnismäßig nur auf solchen Wegen, wie es geschildert worden ist.
[ 23 ] In this way, one truly enters into a spiritual experience where one can first find that essence within the human being of which it can be said: it lives in the freedom of the will; it lives in the immortal soul. Every human being carries it within. But it can be discovered intellectually only through the paths described above.
[ 24 ] Im nächsten Vortrage will ich gerade von diesem Punkte aus weiterreden über die wichtigen Fragen des menschlichen Seelenlebens: über die menschliche Willensfreiheit und über die Seelenunsterblichkeit, um zu zeigen, wie man von dem, was man auf die heute geschilderte Art als den übersinnlichen Menschen finden kann, aufsteigt zu einem wirklichen Erfassen des Lebens dieses übersinnlichen Menschen, des Lebens in der wirklichen Dauer, und des Lebens in der Willensfreiheit. Es ist so viel gestritten worden über Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit, weil man sich nicht darauf einlassen wollte, erst die Vorbereitungen zu schaffen, die nötig sind, um das Feld des menschlichen Erlebens zu betreten, das betreten werden muß, wenn man eine Anschauung gewinnen will von dem, aus dem heraus erst Willensfreiheit sprießt, und worinnen erst das ruht, was durch Geburten und Tode im Menschen geht. Man muß zuerst erkennen lernen, wie im menschlichen Leben das Zeitliche verläuft während dieses Erdenlebens. Dann findet man auch die Wege, über dieses Erdenleben hinauszukommen. Auf den mannigfaltigsten Gebieten kann eine solche Forschung fruchtbar werden, wenn ihr auch heute noch vieles entgegensteht. Sie kann fruchtbar werden für die wichtigsten, praktischsten Gebiete des Lebens, zum Beispiel für das Erziehungsgebiet. Das Erziehungsgebiet wird ja, trotzdem man heute dafür modernste Vorstellungen fruchtbar machen will, trotzdem man in dem «Jahrhundert des Kindes» lebt, eigentlich gar nicht von dem Gesichtspunkte aus angesehen, der gerade dem Erziehungsleben gegenüber so nahe liegt: von dem Gesichtspunkte des zeitlichen Erlebnisses der Menschenseele. Wer, wie ich es geschildert habe, von einem Zeitpunkte des menschlichen Erlebens aus einen andern anschauen kann, der findet im menschlichen Seelenleben ein sich metamorphosierendes Leben, ein sich wandelndes Leben. Er findet zum Beispiel: Wenn man ein alter Knabe geworden ist, auf frühere Zeiten zurückschaut und dann in noch weiter zurückliegende Zeitpunkte zurückschaut, und wenn man nicht nur äußerlich darauf hinschaut, sondern es innerlich erlebt, dann merkt man, wie sich das innere Seelengebilde wandelt, was aus einem Gebilde des Seelenlebens in einem Zeitpunkte wird. Und man merkt: Was im kindlichen Lebensalter vorzugsweise als Wille wirkt, was als Wunsch zum Ausdruck kommt, das wirkt im späteren Leben, wenn man älter ist — es ist dann zwar noch da, aber es wird umgestaltet im Gedankenleben - in der Lebenserfahrung, die im Gedanken webt. Was wir später als Fünfzigjährige an Lebenserfahrung haben, das ist so umgewandeltes Willensleben des ersten Kindheitslebens. Wie das Blumenblatt der Pflanze im Sinne der Goetheschen Metamorphose äußerlich umgewandeltes grünes Laubblatt ist, aber wie das Laubblatt nicht grün bleibt, sondern rot wird bei der Rose, so verwandelt sich das, was Wunsch ist beim Kinde, in Lebenserfahrungen des späteren Alters. Und umgekehrt: Was das Kind denkt, was in ihm als Gedanke angeregt wird, das verwandelt sich im späteren Leben in Willensenergie. Wenn man also diesen Zusammenhang aus der inneren Lebensanschauung kennt, denken Sie, wie man dann auf das Kind wirken kann!
[ 24 ] In the next lecture, I intend to continue from this very point, discussing the important questions of human spiritual life: human free will and the immortality of the soul, in order to show how, starting from what we have described today as the supersensible human being, one can ascend to a true understanding of the life of this supersensible human being—life in true duration and life in free will. There has been so much controversy over free will and the immortality of the soul because people were unwilling to first lay the groundwork necessary to enter the realm of human experience—a realm that must be entered if one is to gain an insight into that from which free will springs and in which rests that which passes through a human being in the cycle of births and deaths. One must first learn to recognize how the temporal aspect of human life unfolds during this earthly existence. Then one will also find the paths to transcend this earthly life. Such research can bear fruit in the most diverse fields, even though much still stands in its way today. It can bear fruit in the most important and practical areas of life, for example, in the field of education. The field of education, after all—even though people today seek to apply the most modern ideas to it, and even though we live in the “Century of the Child”—is not actually viewed from the perspective that is so closely related to educational life: the perspective of the human soul’s experience of time. Anyone who, as I have described, can view one moment of human experience from the perspective of another will find in the life of the human soul a life undergoing metamorphosis, a life in constant transformation. One finds, for example: When one has become an older person, looks back on earlier times, and then looks back to times even further in the past—and when one does not merely observe this outwardly but experiences it inwardly—then one notices how the inner structure of the soul transforms, what becomes of a structure of soul life at a particular point in time. And one realizes: What in childhood acts primarily as will—what is expressed as a desire—has a different effect in later life, when one is older; it is still there, but it is transformed within the life of thought—within the life experience that weaves itself into thought. What we have as life experience later on, at the age of fifty, is the will life of early childhood transformed in this way. Just as the flower petal of a plant, in the sense of Goethe’s metamorphosis, is an outwardly transformed green leaf, yet just as the leaf does not remain green but turns red in the case of the rose, so too does what is a desire in the child transform into the life experiences of later years. And conversely: What the child thinks—what is stimulated within it as a thought—is transformed in later life into volitional energy. So if one understands this connection from an inner perspective on life, just imagine how one can then influence the child!
[ 25 ] Wenn du dem Kinde jeden unsinnigen Wunsch erfüllst und es veranlassest, daß es seinen Willen nach allen Seiten zerstäubt, dann machst du es frühzeitig im späteren Alter verhältnismäßig idiotisch, weil sich der zerstäubte Wille nicht umwandeln kann in Lebenserfahrung, die sich später im ruhigen Gedankenleben zum Ausdruck bringt. — Diese Metamorphose des inneren Lebens enthüllt sich einem geistigen Anschauen wie sich sonst räumliche Verhältnisse enthüllen. Und ebenso lernt man erkennen, wie man versuchen muß, die Gedanken des Kindes zu lenken und zu leiten, damit es später nicht ein schlapper, unenergischer Mensch wird, sondern solche Vorstellungen in sich aufnimmt, die zu einer gewissen Willensenergie führen. Wer etwa glaubt, daß durch Anregung des Willens der Wille, und durch Anregung des Gedankenlebens die Gedanken stark werden, der ist auf einer ganz falschen Fährte; der kennt nicht das Weben und Leben des übersinnlichen Menschen. Hier ist ein Punkt - und wir könnten unzählige anführen -, wo das wirkliche Hineindringen in die Realität des Daseins unmittelbar in die Lebenspraxis hineinführt. Wer, wie es die heutige Zeit liebt, bei der rein äußeren Wirklichkeit stehenbleiben will, der gleicht einem Menschen, der ein hufeisenförmiges Stück Eisen vor sich hat und von ihm sagt: das ist ein hufeisenförmiges Eisen. Ein anderer aber sagt ihm: das ist ein Magnet. Der erstere dagegen meint: Ich sehe nichts davon, ich sehe nur ein Hufeisen, und ich will damit mein Pferd beschlagen. — Er sieht den Magneten nicht! Was aber kann der andere alles machen, der das Unsichtbare hinzurechnen kann zu der Realität! So ist die Welt durchsetzt mit etwas, was als Unsichtbares zu dem Sichtbaren hinzukommt. Aber überall ist die Wirklichkeit erfüllt von einem Strom des Daseins, den man nur erkennt, wenn man ein Verhältnis des Übersinnlichen im Menschen zu dem Übersinnlichen im umliegenden Dasein gewinnt. Daß vieles in unserer Zeit so ganz besonders unwirklichen Eindruck macht, das rührt davon her, daß die Menschen glauben, unmittelbar vor dem Strom der Wirklichkeit zu stehen. Das soll ja «naturwissenschaftliche Anschauung» sein. Aber was in den Tiefen der Wirklichkeit lebt, das sehen sie nicht. Daher können sie vorzugsweise das, was im Menschenleben webt, nicht als ein Wirkliches anerkennen. Wer einen erkennenden Sinn für das hat, was in der Gegenwart vorgeht, wer feineres intimeres Geschehen mit dem katastrophalen Geschehen vergleichen kann, das jetzt zum Menschheitsunglück geworden ist, der wird sehr, sehr daran erinnert, wie notwendig es gerade in unserer Zeit ist, daß Verständnis für das übersinnliche Verhältnis des Menschen zur Welt wiederum in der Menschheit Platz greift. Fragt man sich: Wie ist es eigentlich gekommen, daß dieses Verständnis nicht da ist? dann kann man das etwa in der folgenden Art charakterisieren.
[ 25 ] If you grant the child every senseless wish and cause it to scatter its will in all directions, you will make it relatively foolish at an early age, because that scattered will cannot be transformed into life experience, which later finds expression in a calm inner life. — This metamorphosis of inner life reveals itself to spiritual observation just as spatial relationships otherwise reveal themselves. And in the same way, one learns to recognize how one must try to guide and direct the child’s thoughts so that it does not later become a weak, listless person, but rather absorbs ideas that lead to a certain energy of will. Anyone who believes, for example, that stimulating the will strengthens the will, and that stimulating the life of thought strengthens the thoughts, is on a completely wrong track; such a person does not understand the weaving and life of the supersensible human being. Here is one point—and we could cite countless others—where a genuine penetration into the reality of existence leads directly into practical living. Anyone who, as is so common today, wishes to remain at the level of purely external reality is like a person who has a horseshoe-shaped piece of iron in front of him and says of it: “This is a horseshoe-shaped piece of iron.” But another person tells him: “That is a magnet.” The former, however, replies: “I see none of that; I see only a horseshoe, and I want to use it to shoe my horse.” — He does not see the magnet! But what a difference it makes for the one who can include the invisible in his conception of reality! Thus, the world is permeated by something that, as the invisible, is added to the visible. But everywhere, reality is filled with a stream of existence that can only be recognized when one gains an understanding of the relationship between the supersensible in human beings and the supersensible in the surrounding world. The fact that so much in our time makes such a particularly unreal impression stems from the fact that people believe they are standing directly before the stream of reality. This is supposed to be the “scientific view of the world.” But they do not see what lives in the depths of reality. Therefore, they are particularly unable to recognize as real that which weaves its way through human life. Anyone who has a discerning sense of what is happening in the present, anyone who can compare finer, more intimate processes with the catastrophic events that have now become a calamity for humanity, will be very, very strongly reminded of how necessary it is, especially in our time, for an understanding of humanity’s supersensible relationship to the world to take root once again within humanity. If one asks: How did it actually come to be that this understanding is lacking? then one can characterize it roughly in the following way.
[ 26 ] Es ist ja nicht da. Es gelten heute Menschen als besonders klug, und sie sind es in gewisser Beziehung durchaus, die ganz fern von der Wirklichkeit stehen. Ich kann Ihnen ein Buch nennen, in dem eigentlich vom Anfang bis zum Ende kein Ton von Wirklichkeit enthalten ist, und das doch im Grunde genommen von seinem Standpunkte aus das Wissen der ganzen Welt enthält, denn es ist ein Wörterbuch, noch dazu ein philosophisches: das von Fritz Mauthner, das ja heute insbesondere ein Wissensgötze nicht so sehr der Fachleute ist — die durchschauen ja doch manches, was darin dilettantisch ist —, sondern zahlreicher Laien oder -— wenn man das nicht sagen darf — «Journalisten». Wer aber mit Wirklichkeitssinn an dieses Buch herangeht, kann ein eigentümliches Gefühl erhalten. Man versuche es nur einmal, mit einem gesunden Sinn für die Wirklichkeit an dieses Buch heranzugehen. Man fange irgendeinen Artikel an, lese ihn durch, komme ans Ende: Man hat sich in einem Kreise gedreht. Es ist, wie wenn man auf etwas gesehen hat, was einen blendete; dann dreht man sich um und blickt wieder hin. Aber man kommt zu gar nichts. Man fragt sich bei jedem Artikel: Wozu ist der eigentlich geschrieben? Es ist für jeden der Wirklichkeit zugeneigten Sinn eine Qual, dieses prätentiöse Buch zu lesen. Und dabei ist es ein sehr gescheites Buch. Ich könnte den Scharfsinn, die Gescheitheit dieses Buches nur außerordentlich loben; aber es ist ein Buch zustandegekommen, bei dem man bei jedem Artikel erinnert wird an den braven Münchhausen, der sich an seinem eigenen Haarschopf aus dem Sumpf herausziehen wollte. Es ist dieses Buch charakteristisch auch für vieles, was in der Gegenwart gedacht wird und seit langer Zeit getan wird, und was die Menschen heraushebt aus der Wirklichkeit, aus dem Übersinnlichen. Aber in diesem Übersinnlichen strömt das Geistige, das Wirkliche. Woher ist es also gekommen, daß sich der Mensch aus dem Wirklichen herausgehoben hat?
[ 26 ] It isn’t really there. Today, people who are considered particularly intelligent—and in a certain sense they certainly are—are those who are completely detached from reality. I can name a book for you that, strictly speaking, contains not a trace of reality from beginning to end, and yet, from its own perspective, essentially encompasses the knowledge of the entire world, for it is a dictionary—and a philosophical one at that: the one by Fritz Mauthner, which today is, in particular, an idol of knowledge—not so much for experts—who, after all, see through much of what is amateurish in it—but for numerous laypeople or—if one isn’t allowed to say so—“journalists.” But anyone who approaches this book with a sense of reality may experience a peculiar feeling. Just try it once: approach this book with a healthy sense of reality. Start any article, read it through, reach the end—you’ve gone full circle. It’s as if you’ve looked at something that blinded you; then you turn around and look at it again. But you get nowhere. With every article, you ask yourself: Why was this actually written? For anyone with a sense of reality, reading this pretentious book is a torment. And yet it is a very clever book. I could only praise the book’s acumen and intelligence to the highest degree; but the result is a book in which every essay reminds one of good old Münchhausen, who tried to pull himself out of the swamp by his own hair. This book is also characteristic of much of what is thought today and has been practiced for a long time—and which lifts people out of reality and into the supernatural. But it is within this supernatural realm that the spiritual, the real, flows. How, then, did it come to be that human beings have lifted themselves out of reality?
[ 27 ] Dem wirklichen Christentum und der wirklichen Religiosität kann nichts verständnisvoller gegenüberstehen als das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Aber man nehme die Wirklichkeit, die vielfach zusammenhängt mit der Entwickelung der letzten zwei Jahrtausende, da hat man ein merkwürdiges Sichverbeißen in das: Man muß den Geist «jenseits» der äußeren Natur suchen, muß die äußere Natur als das betrachten, was man meiden muß, wenn man zum Geist kommen will. Gehen Sie in die älteren Jahrhunderte, und Sie werden sehen: Es ist ein Sichzurückziehen von der äußeren Natur und ihren Geheimnissen; es ist ein Suchen eines anderen Weges als durch das, was in der Natur ausgebreitet ist als Geist. Dann kam die Naturwissenschaft; da traten in bezug auf Naturauffassung andere Notwendigkeiten an das menschliche Bewußtsein heran. Aber die früheren Jahrhunderte hatten dafür gesorgt, in der Natur nicht den Geist zu sehen; den wollte man abseits der Natur finden. Jetzt trat sie vor die Menschen hin: sie war entgeistet! Man durchforschte aber jetzt, was man erst aus der Natur gemacht hat als entgeistete Natur! Das geschieht seit vier bis fünf Jahrhunderten. Und weil man alles aus dieser entgeisteten Natur mit einer gewissen Notwendigkeit an den Menschen herankommen sah, so wurde auch der Mensch entgeistet. Die Entgeistung der Natur wurde zum Vampyr an dem Menschengeist. Die Natur trat herein in die Wissenschaft und ihre Tatsachen wurden unwiderleglich. Ich habe oft ausgesprochen, welche Bewunderung der Mensch heute für die Ergebnisse der Naturwissenschaft haben muß; aber die Natur darf nicht entgeistet angesehen werden, sonst wird sie zum Vampyr, sonst kann man nicht mehr finden, was im Menschen lebt und webt als Geist. Dann findet man das, was — die Drehorgel spielt. Und was die Drehorgel spielt, das ist unten im Organischen. Da faßt man nur das organische Weben und Leben, nur die eine Seite des Lebens auf, nicht die andere, von der wir heute ausgegangen sind, die in der Gedächtniskraft schon den übersinnlichen Strom hat.
[ 27 ] Nothing could be more understanding toward true Christianity and true religiosity than what is meant here by “spiritual science.” But if one considers reality—which is in many ways connected to the development of the last two millennia—one finds a remarkable stubborn clinging to the idea that: One must seek the spirit “beyond” external nature; one must regard external nature as something to be avoided if one wishes to reach the spirit. Go back to the earlier centuries, and you will see: it is a withdrawal from external nature and its mysteries; it is a search for a path other than that which is spread out in nature as spirit. Then came the natural sciences; with regard to the conception of nature, other necessities now presented themselves to human consciousness. But the earlier centuries had ensured that the spirit was not seen in nature; one wanted to find it apart from nature. Now nature stepped before people: it was de-spiritualized! But now people began to investigate what they had first made of nature—namely, nature stripped of spirit! This has been happening for four to five centuries. And because everything from this spiritless nature was seen as inevitably affecting human beings, human beings, too, became spiritless. The de-spiritualization of nature became a vampire on the human spirit. Nature entered into science, and its facts became irrefutable. I have often spoken of the admiration people today must have for the achievements of the natural sciences; but nature must not be viewed as devoid of spirit, otherwise it becomes a vampire, and then one can no longer find what lives and weaves within the human being as spirit. Then one finds only what the barrel organ plays. And what the barrel organ plays is down in the organic realm. There one grasps only the organic weaving and life, only one side of life, not the other, from which we set out today—the one that already contains the supersensible current within the power of memory.
