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The Eternal in the Human Soul
Immortality and Freedom
GA 67

20 April 1918, Berlin

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10. Der Übersinnliche Mensch III

10. The Super-Sensory Human Being III

Die Fragen der menschlichen Willensfreiheit und der Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

The Questions of Human Free Will and Immortality in the Light of Spiritual Science

[ 1 ] Es ist nicht ein zufälliges Zusammenkoppeln der beiden bedeutsamen Rätsel des menschlichen Seelenlebens, die in diesem Vortrag behandelt werden sollen, sondern ich hoffe zu zeigen, daß die umfassende Frage der menschlichen Willensfreiheit und die Frage nach der Seelenunsterblichkeit vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus innig zusammengehören und am besten zusammen betrachtet werden. Es wird allerdings gerade bei dieser Betrachtung besonders auffallen, daß eine geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung etwas andere Wege einschlagen muß als eineandere wissenschaftliche Betrachtung, aus dem einfachen Grunde, weil eine andere wissenschaftliche Betrachtung — namentlich so wie sie in der gegenwärtigen Zeit üblich sind — zumeist auf die Ergebnisse, die da vorliegen, unmittelbar hinweisen kann. Eine geisteswissenschaftliche Betrachtung besonders der Art, wie sie heute gepflogen werden soll, hat nötig, genauer darauf hinzuweisen, wie der Forscher zu seinen Ergebnissen kommt; und in diesem Hinweis auf den Forschungsweg wird im wesentlichen das gesucht werden müssen, was wie eine Art Beleg, wie eine Art Beweis der Sache zu gelten hat.

[ 1 ] The two significant mysteries of human spiritual life to be addressed in this lecture are not merely linked by chance; rather, I hope to show that, from the perspective of spiritual science, the overarching question of human free will and the question of the immortality of the soul are intimately connected and are best considered together. However, it will become particularly apparent in this line of inquiry that a spiritual-scientific examination must take a somewhat different path than other scientific approaches, for the simple reason that other scientific approaches—namely, as they are commonly practiced today—can usually point directly to the results that are already available. A spiritual-scientific examination—particularly of the kind that is to be practiced today—must point out more precisely how the researcher arrives at his results; and in this description of the research process, one must essentially seek what serves as a kind of evidence, a kind of proof of the matter at hand.

[ 2 ] Nun wissen Sie, daß auch wissenschaftlich über die Fragen der Willensfreiheit und der Unsterblichkeit verhandelt worden ist und wird von den ältesten Zeiten des menschlichen Nachdenkens bis in unsere Tage herein. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hat man versucht, diese beiden Fragen geradezu als einer kindlichen Anschauungsweise des menschlichen Denkens entsprungen hinzustellen. Davon ist man in der letzten Zeit abgekommen. Man ist vorsichtiger geworden, aber die Hauptsache ist nicht anders geworden. Im wesentlichen kann man sagen: Die philosophischen Betrachter dieser Fragen kommen, wenn sie noch so vorsichtig sind, doch nicht viel weiter als zu einer Art Geständnis, daß die menschlichen Denkmethoden doch eigentlich nicht ausreichen, um über diese Fragen irgend etwas Bestimmtes ausmachen zu können. Ich werde Sie nicht mit einer Überschau desjenigen aufhalten, was in dieser Beziehung vor die Menschen hingestellt worden ist, sondern möchte mein Thema von dem Gesichtspunkte aus betrachten, der in allen diesen Vorträgen hier geltend gemacht worden ist. Nur das eine möchte ich vorausschicken, daß es doch auffällig ist, daß bei immerhin ernster Aufwendung aller möglichen menschlichen Denkmittel, alles möglichen Scharfsinnes für die gewöhnliche Philosophie nicht viel mehr herauskommt als eine Art Zweifelsucht in diesen Fragen. Das wird Sie, nach den letzten Ausführungen, besonders dann nicht verwundern, wenn Sie bedenken, daß die höchsten Offenbarungen des Menschenwesens herauskommen müssen aus dem innersten Kern dieses menschlichen Wesens, und daß dieser innerste Kern des Menschen im Übersinnlichen gesucht werden muß, also in einem Gebiete, in das die gewöhnlichen Erkenntniskräfte, die an den äußeren menschlichen Organismus gebunden sind, nicht hineinkommen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn, bevor man in die geisteswissenschaftliche Betrachtung eintritt, gerade über diese Fragen keine sonderlichen Lichter aufgesteckt werden können. Die Forscher machen dabei immer die Erfahrung, daß sie mit unzulänglichen Erkenntnismitteln arbeiten. Sie spüren, ohne daß sie sich dessen klar bewußt werden, daß im Menschenwesen, wie es sich darlebt, ein übersinnliches Leben drinnensteckt, daß aber alles, was dieses Menschenwesen mit Hilfe des gewöhnlichen Organismus betrachten kann, entweder auf die Sinneswelt gerichtet oder von ihr abgezogen, abstrahiert ist, so daß man sich deshalb mit einer Betrachtung des innersten menschlichen Wesenskernes in einer Lage befindet, die man mit derjenigen vergleichen kann, in der sich zum Beispiel das menschliche Auge befindet. Das Auge kann die Dinge um sich herum wahrnehmen, aber nicht sich selbst wahrnehmen. Da das Auge ein äußerer Sinnesapparat, also ein äußerer Gegenstand ist, so kann das Auge selbstverständlich einen andern Menschen, soweit er ein Sinnesgegenstand ist, beobachten. Aber das eine ist klar: Man ist nur in der Lage, dieses menschliche Auge zu beobachten, wenn man seinen Standpunkt außerhalb dieses Auges nehmen kann. In einer ähnlichen Lage ist der Betrachter des menschlichen Selbst, des menschlichen Seelenwesens in seinem Wesenskern. Er müßte sich «außerhalb» des menschlichen Seelenwesens befinden, wenn er es beobachten wollte. Und da kann man nicht sagen, daß ein anderer dieses menschliche Seelenleben beobachten kann, denn einem andern zeigt sich ja auch nur die menschliche Körperlichkeit. Da genügt es nicht, daß ein anderer die Aufmerksamkeit auf das Seelenwesen richtet; da ist es notwendig, daß der Betrachter seines eigenen Wesens nun wirklich es zustande bringen könnte, aus seinem eigenen Wesen herauszutreten, um es zu beobachten. Vielleicht führt uns ein anderer Vergleich dazu, das zu veranschaulichen, was im Gegenstande der heutigen Betrachtung liegen soll.

[ 2 ] Now you know that the questions of free will and immortality have been and continue to be discussed scientifically, from the earliest times of human thought right up to the present day. In the second half of the nineteenth century, attempts were made to portray these two questions as stemming directly from a childlike way of thinking. Recently, this view has been abandoned. Scholars have become more cautious, but the fundamental point remains unchanged. Essentially, one can say that philosophical examiners of these questions, no matter how cautious they may be, do not get much further than a kind of admission that human methods of thought are, in fact, insufficient to determine anything definite about these matters. I will not detain you with an overview of what has been presented to people in this regard, but would like to approach my topic from the perspective that has been emphasized in all of these lectures here. I would just like to preface this by noting that it is striking that, despite the serious application of every possible human means of thought and every possible acumen, ordinary philosophy yields little more than a kind of skepticism regarding these questions. This will not surprise you, especially in light of the recent remarks, if you consider that the highest revelations of the human being must emerge from the innermost core of this human being, and that this innermost core of the human being must be sought in the supersensible realm—that is, in a realm into which the ordinary powers of cognition, which are bound to the outer human organism, cannot penetrate. It is therefore not surprising that, before one enters into spiritual scientific inquiry, no particular light can be shed on these very questions. Researchers consistently find that they are working with inadequate means of cognition. Without being fully aware of it, they sense that within the human being, as it lives out its existence, there is a supersensible life; yet everything that this human being can perceive with the aid of the ordinary organism is either directed toward the sensory world or abstracted from it, or abstracted from it, so that when attempting to observe the innermost core of human being, one finds oneself in a situation comparable to that of, for example, the human eye. The eye can perceive the things around it, but it cannot perceive itself. Since the eye is an external sensory organ—that is, an external object—it can, of course, observe another human being, insofar as that person is a sensory object. But one thing is clear: one is only able to observe this human eye if one can take a standpoint outside of it. The observer of the human self—of the human soul-being in its essential core—is in a similar situation. He would have to be “outside” the human soul-being if he were to observe it. And one cannot say that another person can observe this human soul life, for to another, too, only the human physicality is revealed. It is not enough for another to direct their attention toward the soul being; it is necessary that the observer of their own being be able to actually step out of their own being in order to observe it. Perhaps another comparison will help us illustrate what is to be the subject of today’s reflection.

[ 3 ] Es gibt noch eine Möglichkeit, das menschliche Auge zu sehen: daß man es im Spiegel beschaut. Aber man hat dann nicht die lebendige Wesenhaftigkeit dieses Auges vor sich, man hat das Bild dieses Auges vor sich. Dieser Vergleich paßt insofern auf das, was ich ausführen will, als man durch die Methoden, welche die Geisteswissenschaft einzuschlagen hat, um Ansichten zu gewinnen über die heute zu besprechenden Fragen, sich gewissermaßen in eine Lage begeben muß, die das, was man als Mensch in sich und an sich erlebt, zuerst im Bilde zeigt, und daß man mit seinem eigentlichen Menschenwesen sich in eine Lage versetzt, die das, was man sonst als lebendige Wirklichkeit vor sich hat, zum Bilde macht.

[ 3 ] There is another way to see the human eye: by looking at it in a mirror. But then one does not have the living essence of that eye before one; one has only the image of that eye before one. This comparison applies to what I wish to explain insofar as the methods that spiritual science must employ to gain insights into the questions we are discussing today require one, in a sense, to place oneself in a position where what one experiences as a human being within oneself and in and of itself is first revealed as an image, and that one places one’s actual human being in a situation that transforms what one otherwise has before oneself as living reality into an image.

[ 4 ] Was notwendig ist, um das eigene Menschenwesen zu beobachten, ist durchaus dieses Herausgehen aus der eigenen Wesenheit. Denn auch wenn man die eigene Wesenheit als Bild vor sich haben will, muß man außerhalb des Bildes stehen. Das kann man nur durch diejenigen Forschungsmethoden, von denen ich bei allen Betrachtungen in diesem Winter wie von einem Grundton gesprochen habe: indem man auf die Seele jene inneren Verrichtungen anwendet man nenne sie «Übungen» oder wie man will -, die dazu führen, das menschliche Seelenwesen aus sich herauszubringen, so daß es sich selbst objektiv gegenüberstehen kann. Ich habe erst im letzten Vortrag einiges von dem ausgeführt, was die Menschenseele mit sich machen muß, um zu diesem Außerhalb-des-Leibes-Leben im Erkennen zu kommen. Ich brauche das, was ich vorgestern ausgeführt habe, nicht zu wiederholen; ich möchte nur darauf hinweisen, daß ich das, was für die Seele zu tun ist, um das zu erlangen, was ich nun gleich beschreiben werde, ausführlich dargestellt habe in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», im zweiten Teil der «Geheimwissenschaft im Umriß» und im Buche «Vom Menschenrätsel». Es handelt sich darum, daß das menschliche Seelenleben, wie es im Alltage lebt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, verstärkt wird, zum «Aufwachen» gebracht wird, das heißt zu einem Zustande, der sich zum Alltagsbewußtsein so verhält, wie dieses sich zum dumpfen Traumesbewußtsein verhält. Wie man aus dem Traume aufwacht zum vollen Tagesleben, so ist es möglich, zu einem höheren Bewußtsein aufzuwachen, das ich das «schauende Bewußtsein» genannt habe.

[ 4 ] What is necessary to observe one’s own human nature is precisely this stepping outside of one’s own being. For even if one wishes to have one’s own being before one’s eyes as an image, one must stand outside that image. This can only be achieved through those methods of inquiry that I have referred to throughout my lectures this winter as a “fundamental tone”: by applying to the soul those inner processes—call them “exercises” or whatever one wishes—that lead to bringing the human soul out of itself, so that it can face itself objectively. It was only in my last lecture that I elaborated on some of what the human soul must do to attain this life of cognition outside the body. I need not repeat what I explained the day before yesterday; I would only like to point out that I have described in detail what the soul must do to attain what I am about to describe in the book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, in the second part of An Outline of Esoteric Science, and in the book The Riddle of Man. The point is that the human soul life, as it unfolds in everyday life from waking until falling asleep, must be intensified and brought to a state of “awakening”—that is, to a state that relates to everyday consciousness in the same way that everyday consciousness relates to the dull consciousness of dreaming. Just as one awakens from sleep to full waking life, so it is possible to awaken to a higher consciousness, which I have called “contemplative consciousness.”

[ 5 ] Bringt man es durch Konzentration des Gedanken-, Gefühls- und Empfindungslebens dahin, das Seelenleben so zu verstärken, daß man in dieses schauende Bewußtsein eintreten kann, dann ist man zunächst befähigt, von allem abzusehen, was sonst der Alltagsbetrachtung des Menschen im sinnlichen Wahrnehmen gegenübersteht. Über dieses sinnliche Wahrnehmen ist man hinausgerückt. Man lebt in einem andern inneren Seelenwesen, lebt zunächst in dem, was man nennen kann imaginatives Bewußtsein. Ich nenne es imaginatives Bewußtsein, nicht weil etwas Unwirkliches dargestellt werden soll, sondern weil die Seele in diesem Bewußtsein erfüllt ist von Bildern, und zwar zunächst von nichts als Bildern, aber von Bildern einer Realität. Und außerdem, daß die Seele von solchen Bildern erfüllt ist, von denen sie ganz genau sieht, sie sind nicht selbst eine Realität, sondern Bilder einer Realität, weiß die Seele noch, daß sie drinnensteht im realen Weltenzusammenhang, daß sie diese Bilder nicht webt aus irgendeinem Nichts aus beliebigen Einfällen heraus, sondern aus einer inneren Notwendigkeit. Diese kommt davon, daß die Seele sich hineinversetzt hat in den realen Weltenzusammenhang und aus diesem heraus in ihrem Bilderschaffen nicht so schafft, wie etwa die bloße Phantasie, sondern daß das, was an Bildern gewoben wird, den Charakter der Realität behält.

[ 5 ] If, through the concentration of one’s life of thought, feeling, and sensation, one succeeds in intensifying one’s inner life to such an extent that one can enter into this contemplative consciousness, then one is initially able to set aside everything that otherwise stands in the way of a person’s everyday perception through the senses. One has moved beyond this sensory perception. One lives in a different inner soul state, living at first in what one might call imaginative consciousness. I call it imaginative consciousness, not because something unreal is to be represented, but because in this consciousness the soul is filled with images—at first with nothing but images, but images of a reality. Moreover, while the soul is filled with such images—and it sees very clearly that they are not themselves a reality but images of a reality—the soul still knows that it stands within the real context of the world, that it does not weave these images out of some void based on arbitrary whims, but out of an inner necessity. This stems from the fact that the soul has placed itself within the real context of the world and, from this context, does not create images in the same way as mere fantasy, but rather that the images it weaves retain the character of reality.

[ 6 ] Es ist von ganz besonderer Wichtigkeit, daß man diese erste Stufe des geistigen Erlebens genau ins Auge faßt, denn nach zwei Richtungen hin kann sich ein Irrtum einstellen. Das eine ist, daß man verwechseln kann, was hier als imaginative Welt gemeint ist, mit jenen Bildern, die aus dem krankhaften, abnormen Bewußtsein heraufsteigen, mit allerlei Visionärem oder dergleichen. Aber aus dem schon früher hier Entwickelten werden Sie gesehen haben, wie schon in den Arbeiten des Geistesforschers zu dem Wege hin, um in die geistige Welt hineinzukommen, alle die Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, die das unbestimmte Schwimmen und Schweben in allerlei Visionärem streng abweisen. Die Vision tritt so in die Seele ein, daß man an ihrem Zustandekommen sich nicht beteiligt fühlt. Sie tritt auf als ein Bild, aber man kann sich an dem Zustandekommen des Bildes nicht beteiligen; man steht nicht drinnen in dem Zustandekommen des Bildes. Daher kennt man den Ursprung nicht. Das visionäre Bild kommt immer bloß aus dem Organismus, und was aus dem Organismus heraus dampft, das ist nicht Seelisch-Geistiges, das ist eine Verhüllung vielleicht eines Geistig-Seelischen. Worum es sich handelt, das ist, genau zu unterscheiden das ganze unbewußte Leben in allerlei Visionen von dem, was der Geistesforscher als imaginatives Bewußtseinsleben meint. Das besteht darin, daß man bei allem, was da an Bildern gewoben wird, so dabei ist, wie nur irgendwie bei dem vollbewußten, von Gedanken zu Gedanken gehenden Denken. Es gibt keine Möglichkeit, anders in die geistige Welt einzudringen, als wenn die Tätigkeit, durch die man hineintritt, so vollbewußt ist wie das bewußteste Gedankenleben. Dabei ist nur der Unterschied, daß die Gedanken als solche schattenhaft, abgeblaßt sind und daß sie erworben werden an äußeren Dingen oder irgendwie aus der Erinnerung aufsteigen, während dasjenige, was hier als Imagination gemeint ist, von der Seele selbst gewoben wird in dem Moment, wo es auftritt.

[ 6 ] It is of the utmost importance to take a close look at this first stage of spiritual experience, for errors can arise in two ways. One is that one might confuse what is meant here by the “imaginative world” with those images that arise from a pathological, abnormal state of consciousness—with all manner of visionary experiences or the like. But from what has already been discussed here, you will have seen how, even in the works of the spiritual researcher on the path to entering the spiritual world, all the necessary precautions are taken to strictly reject the vague drifting and hovering in all manner of visionary experiences. A vision enters the soul in such a way that one does not feel involved in its coming into being. It appears as an image, but one cannot participate in the image’s coming into being; one is not present within the process of the image’s formation. Therefore, one does not know its origin. The visionary image always arises solely from the organism, and what emanates from the organism is not soul-spiritual; it is perhaps a veiling of something soul-spiritual. The point is to make a precise distinction between the entire unconscious life expressed in all manner of visions and what the researcher of the spirit means by the “imaginative life of consciousness.” This consists in being present in the weaving of all these images in the same way as one is present—in whatever way possible—in fully conscious thinking that moves from thought to thought. There is no other way to penetrate the spiritual world than if the activity through which one enters is as fully conscious as the most conscious life of thought. The only difference is that thoughts as such are shadowy and faded, and that they are derived from external objects or arise in some way from memory, whereas what is meant here by “imagination” is woven by the soul itself at the very moment it arises.

[ 7 ] Festzuhalten ist nur, daß auf der andern Seite diese Imagination nicht verwechselt werden darf mit dem, was man mit Recht als Phantasie bezeichnet. Was die menschliche Phantasie webt, wird auch aus dem Unterbewußten herauf gewoben; das bindet sich allerdings — besonders wenn die Phantasie so wirkt wie die Goethes — vielfach an innere Gesetze des wirklichen Lebens. Aber der Mensch steht in dem, was er in der Phantasie webt, nicht so drinnen, daß er sich bewußt ist in seinem Weben. Im Aufbauen des Phantasiegebildes ist er überlassen einer inneren realen Notwendigkeit. In dem imaginativen Erleben aber webt er nicht so wie in der Phantasie, sondern so, daß er sich einer objektiven Weltennotwendigkeit überläßt. Ganz notwendig ist es, daß man weiß, daß das, auf Grund dessen zunächst der Geistesforscher arbeiten muß, als eine objektive Tatsächlichkeit in seinem Bewußtsein auftritt, weder visionär ist noch Phantasie ist, sondern daß es durchaus von diesen beiden — ich möchte sagen polarischen — Gegensätzen als etwas in der Mitte stehendes unterschieden werden muß. Man ist tatsächlich mit dem Stehen in dem imaginativen Leben in ähnlicher Lage, wie man mit seinem sinnlichen Menschen vor einem Spiegel steht. Man weiß: der da steht, der steht in einer Wirklichkeit drinnen, er ist eine Wirklichkeit, die sich fühlt als eine solche von Fleisch und Blut, aber von dieser Wirklichkeit geht nichts in den Spiegel hinüber. Im Spiegel ist nur ein Bild; aber dieses Bild ist ein Abbild, und man kennt es in seiner Beziehung zur Realität.

[ 7 ] It should simply be noted that, on the other hand, this imagination must not be confused with what is rightly called fantasy. What human imagination weaves is also drawn up from the subconscious; however, this is often bound—especially when the imagination functions as Goethe’s did—to the inner laws of real life. But in what he weaves in his imagination, a person is not so deeply immersed that he is conscious of his own weaving. In constructing the image of the imagination, they are subject to an inner, real necessity. In imaginative experience, however, they do not weave as they do in the imagination, but rather in such a way that they surrender to an objective, cosmic necessity. It is absolutely essential to realize that what the researcher of the spiritual world must initially work with—as an objective reality appearing in his consciousness—is neither a vision nor a fantasy, but must be distinguished from these two—I would say polar—opposites as something standing in the middle. In fact, one’s position within the imaginative life is similar to that of a physical human being standing before a mirror. One knows: the person standing there is within a reality; he is a reality that feels itself to be one of flesh and blood, but nothing of this reality passes over into the mirror. In the mirror there is only an image; but this image is a reflection, and one recognizes it in its relationship to reality.

[ 8 ] So stehtman-allerdings nun in geistig-seelischer Sphäre-, wenn man in entsprechender Weise die Seele dazu gebracht hat, in der geistig-seelischen Welt drinnen. Aber man weiß zugleich, daß das erste, was einem entgegentritt, eine Bilderwelt, eine imaginative Welt ist, und man weiß außerdem, daß diese imaginative Welt eine Beziehung zur Realität hat, so wie das Spiegelbild eine Beziehung hat zu dem leibhaftigen, in Fleisch und Blut wandelnden Menschen. Diese imaginative Erkenntnis ist gewissermaßen die erste Stufe, um in die geistige Welt hineinzukommen. Was die Seele in der imaginativen Erkenntnis erlebt, ist eine gewisse Steigerung des gewöhnlichen Seelenlebens, eine Steigerung aus dem Grunde, weil man in jedem Augenblick, da man im imaginativen Bewußtsein lebt, weiß: Wenn man die eigene Tätigkeit unterläßt, wenn man nicht imaginativ forscht, wenn man also das Bewußtsein irgendwie unterbricht, so hört auch zugleich die Anschauung des Imaginativen auf. Das gibt eine besondere Nuance des inneren Bewußtseinslebens, die Nuance, daß das Bewußtsein gewissermaßen sich innerlich erkraftet fühlt und außerdem darinnen fühlt in einer fortwährend von ihm selbst ausgehenden Tätigkeit, einer Tätigkeit, die es nicht unterlassen und der gegenüber das Bewußtsein in keinem Augenblick erlahmen darf. Das gewöhnliche Alltagsbewußtsein wird ja für sein Vorstellen durch die äußeren Eindrücke unterstützt, kann diesen äußeren Eindrücken sich überlassen und stellt daher an die Seele nicht die Anforderung, in so intensiver Weise zu arbeiten, wie sie arbeiten muß im imaginativen Bewußtsein. Demgegenüber stellt also das jmaginative Bewußtsein etwas dar, was im gewöhnlichen Bewußtsein nicht angetroffen wird. Das ist die erste Stufe, zu welcher der Seelensucher kommt, der in die geistige Welt eindringen will.

[ 8 ] This is how one stands—albeit now in the spiritual-soul realm—once one has, in the appropriate way, led the soul into the spiritual-soul world. But one knows at the same time that the first thing one encounters is a world of images, an imaginative world, and one also knows that this imaginative world has a relationship to reality, just as a reflection has a relationship to the physical human being walking in flesh and blood. This imaginative insight is, in a sense, the first step toward entering the spiritual world. What the soul experiences in imaginative perception is a certain elevation of ordinary soul life, an elevation because at every moment one lives in imaginative consciousness, one knows: if one ceases one’s own activity, if one does not engage in imaginative exploration—in other words, if one interrupts consciousness in any way—then the perception of the imaginative also ceases at the same time. This imparts a special nuance to the inner life of consciousness—the nuance that consciousness, as it were, feels inwardly empowered and, moreover, feels itself engaged in a continuous activity that emanates from within itself, an activity that it must not cease and in the face of which consciousness must not slacken for a single moment. Ordinary everyday consciousness, after all, is supported in its thinking by external impressions; it can surrender itself to these external impressions and therefore does not demand of the soul that it work as intensely as it must in imaginative consciousness. In contrast, imaginative consciousness thus represents something not found in ordinary consciousness. This is the first stage reached by the seeker of the soul who wishes to penetrate the spiritual world.

[ 9 ] Eine zweite Stufe ist die, daß nun der so Übende, der gewissermaßen sich selbst zum Werkzeug des Erlebens der geistigen Welt Machende aufmerksam sein muß auf das, was er so erlebt mit seinem imaginativen Denken. Er muß die Fähigkeit erlangen, sich nicht nur der Bilder bewußt zu werden, sondern sich auch bewußt zu werden der eben beschriebenen Tätigkeit, die niemals unterlassen werden darf, während man imaginativ forscht. Er muß gewissermaßen ein erhöhtes, erkraftetes Selbstbewußtsein entwickeln. Dadurch stellt sich aber etwas ganz Besonderes ein. Man gelangt dadurch eigentlich erst dazu, die ganze Bedeutung der imaginativen Erkenntnis zu fassen. Denn man kann wissen, wenn man die Seele genügend dazu vorbereitet hat: Mit dem imaginativen Bewußtsein gelangt man eben zu nichts anderem als zu Bildern; man hat nur eine Bilderwelt, gar keine Realität vor sich. Man weiß, es ist eine Bilderwelt, aber eben nur Bild einer Realität. Indem man jedoch dazu gelangt, etwas weiterzugehen in dem geistigen Entwickelungsprozeß, indem man die Aufmerksamkeit der Seele etwas ablenkt von den Bildern und mehr hinlenkt auf die eigene Tätigkeit, auf das erstarkte Selbstbewußtsein, das sich da entwickeln muß, kommt man zu etwas, was noch weniger dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein bekannt ist als die imaginative Welt. Man kommt nämlich dazu, daß wie durch das Inanspruchnehmen des Selbstbeharrungsvermögen dieser Kräfte des Haltens die Bilder nach und nach abfluten, verschwinden. Was man erst hervorgerufen hat, das verschwindet nun nach und nach. Aber es verschwindet nicht die Realität, sondern anstelle der Bilder, die man zuerst geistig-seelisch geschaut hat, tritt etwas, was aus den Bildern sich offenbart, was aus ihnen «spricht». Die Bilder werden gleichsam beseelt; sie sagen einem so etwas, wie die Farben und Töne der äußeren Gegenstände sagen. Während man zuerst bloß Bilder gehabt hat, taucht jetzt eine geistig-seelische Realität aus den Bildern auf, und es tritt eine zweite Stufe des übersinnlichen Bewußtseins ein, für die ich bisher kein besseres Wort gefunden habe - trotz der Mißverständnisse, die sich daran geknüpft haben - als inspiriertes Bewußtsein. Das tritt ein, wenn die Tätigkeit der Imagination gehalten wird, und so gehalten wird, daß durch die Kräfte des Haltens gewissermaßen die Bilder abfluten und das, was als Realität aus ihnen sprechen kann, wirklich zu dem Menschen spricht. Da merkt man etwas außerordentlich Bedeutsames, und es kommt ja bei allen diesen Dingen darauf an, daß man keinen Schritt der Geistesforschung vollzieht, ohne volles Bewußtsein zu entfalten. Man muß sich klar sein über jeden Schritt, den man macht. Alles unbestimmt Mystische, alles Träumerische kann nicht auf dem Boden der Geisteswissenschaft erwachsen. Wessen man sich bewußt wird, ist das, daß die ganze Bilderwelt, die man zuerst gehabt hat, eigentlich nur ein Mittel war, um zur Realität vorzudringen. Der Visionär beschreibt seine Bilder. Der imaginativ Erkennende hat auch Bilder; er wird sie aber nur in der Weise beschreiben, daß er meint, sie sind das Mittel, um zur Realität vorzudringen. Er wird nicht sagen, in den Bildern ist ihm die Realität gegeben, sondern höchstens: In den Bildern ist ihm etwas wie Sinnesorgane gegeben. Die Sinnesorgane sind auch etwas, was zur Wirklichkeit führt, aber man schaut es nicht selber an, indem man auf die Wirklichkeit sieht. So schaut man die Wirklichkeit nicht an, indem man die Bilder anschaut oder beschreibt, sondern es müssen die Bilder erst abfluten. Wie das Auge, wenn es nicht voll durchsichtig wäre, wenn es getrübt und selber wahrnehmbar wäre, nicht eine äußere Realität sehen könnte, so können auch für die imaginativen Bilder nicht geistig-seelische Realitäten auftreten, bevor diese Bilder abgeflutet, Mittel geworden sind, Geistesaugen und Geistesohren geworden sind, wenn auch in anderm Sinne als die gewöhnlichen Augen, um zu sehen, und die gewöhnlichen Ohren, um zu hören. Dasjenige, wozu die Bilder nur das Mittel sind, das ist das, was hinter den Bildern schon steckt. Was durch die Bilder sich nunmehr ausspricht, das ist die geistige Realität.

[ 9 ] A second stage is that the practitioner—who, in a sense, is making himself an instrument for experiencing the spiritual world—must now be attentive to what he experiences in this way through his imaginative thinking. They must acquire the ability not only to become aware of the images, but also to become aware of the activity just described, which must never be neglected while engaging in imaginative exploration. They must, so to speak, develop a heightened, invigorated self-awareness. Through this, however, something quite special comes about. It is only through this that one actually comes to grasp the full significance of imaginative insight. For one can know—if one has sufficiently prepared the soul for this—that with imaginative consciousness one arrives at nothing other than images; one has only a world of images before oneself, no reality at all. One knows it is a world of images, but merely an image of reality. However, as one progresses further in the process of spiritual development—by diverting the soul’s attention somewhat from the images and directing it more toward one’s own activity, toward the strengthened self-awareness that must develop there—one arrives at something even less familiar to ordinary everyday consciousness than the imaginative world. One comes to a point where, as if by drawing upon the self-perseverance of these sustaining forces, the images gradually ebb away and disappear. What one has first evoked now gradually fades away. But reality does not disappear; rather, in place of the images one first perceived spiritually and soulfully, something emerges that reveals itself from within the images—something that “speaks” from them. The images become, as it were, animated; they convey to you something similar to what the colors and sounds of external objects convey. Whereas one initially had only images, a spiritual-psychic reality now emerges from the images, and a second stage of supersensory consciousness begins—for which I have so far found no better term—despite the misunderstandings associated with it—than “inspired consciousness.” This occurs when the activity of the imagination is held—and held in such a way that, through the powers of this holding, the images, as it were, ebb away, and what can speak from them as reality truly speaks to the person. Then one perceives something extraordinarily significant, and in all these matters it is essential that one take no step in spiritual research without developing full consciousness. One must be clear about every step one takes. Anything vaguely mystical or dreamlike cannot arise on the foundation of spiritual science. What one becomes aware of is that the entire world of images one initially had was actually only a means of penetrating to reality. The visionary describes his images. The imaginative knower also has images; but he will describe them only in such a way that he regards them as the means to penetrate reality. He will not say that reality is given to him in the images, but at most: in the images, something like sense organs is given to him. The sense organs are also something that leads to reality, but one does not look at them directly when looking at reality. Thus, one does not look at reality by looking at or describing the images; rather, the images must first fade away. Just as the eye—if it were not completely transparent, if it were clouded and itself perceptible—could not see an external reality, so too can spiritual-soul realities not appear through the imaginative images until these images have faded away, have become a means, have become spiritual eyes and spiritual ears—albeit in a different sense than the ordinary eyes for seeing and the ordinary ears for hearing. That which the images are merely a means to is what already lies behind the images. What now expresses itself through the images is spiritual reality.

[ 10 ] Aber wiederum ist es ein besonderes Erlebnis, welches das Bewußtsein mit dieser nunmehr erreichten Stufe seiner Erkenntnis hat. In den Bildern ist das Bewußtsein angespannt; es muß seine Tätigkeit halten. Und jetzt ist das Bewußtsein in einer gewissen Weise gerade dadurch, daß es die Aufmerksamkeit auf sein eigenes Halten richtet, zu einer umfassenden Einsamkeit gekommen. Mit seiner eigenen Tätigkeit fällt es allmählich in eine umfassende Einsamkeit. Die Bilder fJuten ab, die Imagination hört auf. Aber was durch die Imagination spricht, demgegenüber verhält sich das Bewußtsein nun mehr passiv, mehr leidend. Was es jetzt aufnimmt, das erkennt es als aus der Wirklichkeit kommend. Es ist in die Lage versetzt, wie wenn von allen Seiten Wirkungen der Wirklichkeit kämen, aber die Wirklichkeit selbst erreicht man nicht. Man steht nicht in der Wirklichkeit drinnen, auch nicht ihr gegenüber.

[ 10 ] But then again, it is a unique experience that consciousness has at this stage of its insight, which it has now reached. In the images, consciousness is strained; it must maintain its activity. And now, in a certain sense, precisely because it directs its attention to maintaining its own activity, consciousness has arrived at a state of all-encompassing solitude. Through its own activity, it gradually falls into a state of all-encompassing solitude. The images subside; the imagination ceases. But in contrast to what speaks through the imagination, consciousness now behaves more passively, more as a recipient. What it now takes in, it recognizes as coming from reality. It is placed in a situation as if effects of reality were coming from all sides, but reality itself cannot be reached. One does not stand within reality, nor does one stand opposite it.

[ 11 ] Und wieder ist es wichtig, daß man sich dessen voll bewußt ist: Man hat es jetzt mit Erlebnissen, mit Wirkungen der Wirklichkeit zu tun, nicht mit der Wirklichkeit selbst. Um in die Wirklichkeit selbst hineinzukommen, dazu ist ein drittes Bewußtsein nun notwendig, das ich genannt habe intuitives Bewußtsein. Wir werden nachher sehen, warum ich hier an einen bekannteren Ausdruck angeknüpft habe, der auch beliebter ist; aber was auf dieser Stufe mit intuitivem Bewußtsein gemeint ist, das ist etwas anderes, als man gewöhnlich mit Intuition bezeichnet. Denn die hier gemeinte Intuition ist doch ein sehr realer innerer Vorgang, ist nicht ein bloßes Gefühl oder eine bloße innere Empfindung. Da handelt es sich darum, daß man noch zu der dritten Stufe des Bewußtseins aufrückt, wo man weder so aktiv, so in einer sich haltenden Tätigkeit wie bei der Imagination, noch so ist, daß von allen Seiten die Eindrücke der Inspiration einfließen. Sondern es muß nun, nachdem schon die Lebendigkeit der Bilder getilgt ist, auch noch aus dem Bewußtsein ausgetilgt werden, was an Impressionen aus der Inspiration da ist. Das Bewußtsein muß sich durch eine gewisse gestärkte innere Kraft wehren gegen die Inspiration. Es muß gewissermaßen vorübergehend — aber eben vorübergehend - in einen Zustand kommen, wo es in dem, wovon es so inspiriert war, sich selbst verliert. Es muß in die Lage kommen, gewissermaßen sich selbst auszutilgen, in das Inspirierte unterzutauchen, um dann wieder aufzutauchen, aber jetzt aus dem Inspirierten so aufzutauchen, daß es nun erst weiß: Was durch die Inspiration aufgetreten ist, das ist eine geistige Realität. Man muß das, was man mitbringt an innerem Erleben, anders ins Bewußtsein fassen als das, was man heruntergetragen hat, als man in die Inspiration untergetaucht ist. Erst das, was man aus der Inspiration heraufgeholt hat, gibt das volle Bewußtsein von der Realität des Inspirierten, und nichts kann als eine geistige Realität gelten, was nicht auf diese Weise durch die drei Stufen in das intuitive Bewußtsein eingetreten ist. Dieses intuitive Bewußtsein wirkt ja erst dann, nachdem sich die Seele in die Inspiration hineinverloren hat. Wie der Mensch sich am Abend, wenn er einschläft, in den Schlaf hineinverliert, um aber am Morgen aus dem Schlaf wieder aufzutauchen, so verliert sich das Bewußtsein ins Inspirierte hinein, aber es behält die Kraft, um wieder aufzusteigen, und bringt sich mit die Nachwirkung des Untertauchens, bringt sich als volle Bewußtseinsrealität das mit, was es also in der Intuition erlebt hat.

[ 11 ] And once again, it is important to be fully aware of this: We are now dealing with experiences, with the effects of reality, not with reality itself. To enter into reality itself, a third type of consciousness is now necessary—what I have called intuitive consciousness. We will see later why I have drawn on a more familiar term here—one that is also more popular—but what is meant by “intuitive consciousness” at this level is something different from what is usually referred to as “intuition.” For the intuition referred to here is, after all, a very real inner process; it is not merely a feeling or a mere inner sensation. The point here is that one ascends to the third stage of consciousness, where one is neither as active—engaged in a sustained activity as in imagination—nor in a state where impressions of inspiration flow in from all sides. Rather, now that the liveliness of the images has already been eliminated, whatever impressions from inspiration remain must also be eliminated from consciousness. Consciousness must defend itself against inspiration through a certain strengthened inner force. It must, so to speak, temporarily—but only temporarily—enter a state in which it loses itself in that which so inspired it. It must reach a point where it can, so to speak, erase itself, submerge itself in the inspired material, only to resurface again—but this time to emerge from the inspired material in such a way that it now knows for the first time: What has arisen through inspiration is a spiritual reality. One must grasp in consciousness the inner experience one brings with oneself differently than what one carried down with oneself when one submerged into the inspiration. Only what one has brought up from inspiration provides full awareness of the reality of the inspired, and nothing can be regarded as a spiritual reality that has not entered into intuitive consciousness in this way through the three stages. This intuitive consciousness takes effect only after the soul has lost itself in inspiration. Just as a person loses themselves in sleep in the evening when they fall asleep, only to emerge from sleep again in the morning, so too does consciousness lose itself in the inspired experience, yet it retains the strength to rise again, bringing with it the aftereffect of the immersion—bringing with it, as a full reality of consciousness, what it has thus experienced in intuition.

[ 12 ] In dem Zusammenwirken von Imagination, Inspiration und Intuition beruht alles, was Erleben oder Erkennen der geistigen Welt ist, und was man aus dieser geistigen Welt heraus redet. Alles, was in diesen Vorträgen hier entwikkelt worden ist, das ist auf diese Weise hinzugekommen, daß die Seele wirklich die Methoden auf sich angewendet hat, die heute der Mehrzahl der Menschen gänzlich unbekannt sind. Denn die Mehrzahl der Menschen weiß überhaupt nichts von diesen Methoden, durch die man dazu gelangt, das Geistige, das so in der Umgebung unseres Geistes lebt, wie das Sinnliche in der Umgebung unserer Sinne, wirklich zu erkennen. Ist man aber in der Lage, durch Imagination, Inspiration und Intuition in diese geistige Welt einzudringen, dann findet man in ihr auch das geistige Wesen des Menschen selbst. Aber man findet das innerste Kernwesen, das im Menschen lebt, das der Mensch ist und das sich durch die äußere körperliche Organisation nur offenbart, erst dann, wenn man sich selbst außen gegenübersteht, wenn man also aus dem eigenen Leib herausgetreten ist. Man kommt dazu, tatsächlich sein innerstes Wesen so zu erkennen, daß es sich nur in Bildern, in Imaginationen offenbart. Und das äußere Leibliche, worin man sonst gesteckt hat, das wird nun selbst zu einer Imagination des Übersinnlichen, so daß man jetzt erst das kennt, in dem man zunächst drinnensteckt. Man lernt auf diese Weise den Menschen kennen, wie wir ihn heute betrachten, indem er dazu Veranlassung gibt durch die beiden bedeutungsvollen Grundfragen der Willensfreiheit und der Unsterblichkeit.

[ 12 ] Everything that constitutes experience or knowledge of the spiritual world—and everything that is spoken about from within this spiritual world—is based on the interplay of imagination, inspiration, and intuition. Everything that has been developed in these lectures has come about in this way: the soul has truly applied to itself methods that are completely unknown to the majority of people today. For the majority of people know absolutely nothing about these methods, through which one comes to truly perceive the spiritual—which lives in the realm of our spirit just as the physical lives in the realm of our senses. But if one is able to penetrate this spiritual world through imagination, inspiration, and intuition, then one also finds within it the spiritual essence of the human being itself. Yet one finds the innermost core essence that lives within the human being—which is the human being itself and which reveals itself only through the outer physical organization—only when one stands face to face with oneself from the outside, that is, when one has stepped out of one’s own body. One comes to truly recognize one’s innermost being in such a way that it reveals itself only in images, in imaginations. And the outer physical body, in which one was otherwise enclosed, now becomes itself an imagination of the supersensible, so that only now does one come to know that which one was initially enclosed within. In this way, one comes to know human beings as we regard them today, as they give rise to this understanding through the two fundamental questions of free will and immortality.

[ 13 ] Vor mehr als zwanzig Jahren, im Jahre 1894, habe ich mich bemüht, in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» dem Rätsel der Willensfreiheit beizukommen. Ich habe damals versucht, rein philosophisch zu sprechen, so daß dieses Buch auch von allen den Menschen gelesen werden kann, welche die Geisteswissenschaft, wie sie hier vorgetragen wird, für die reine Narretei halten. Ich habe versucht, aus den nächstliegenden, für das gewöhnliche Bewußtsein geltenden inneren Beobachtungen die Frage der Willensfreiheit zu beantworten, und ich war gedrängt, zu tun, was meist nicht getan wird, wenn philosophisch die Willensfreiheit ins Auge gefaßt wird: den ganzen ersten Teil des Buches einer unmittelbaren, unbefangenen Betrachtung des menschlichen Denkens selbst zu widmen, nicht der Gedanken. Ich war darauf ausgegangen, einmal zu fragen: Wie nimmt es sich eigentlich aus, wenn sich der Mensch bewußt wird: Was ist innerlich in der Seele tätig, indem er Gedanken faßt? Ich habe gefragt: Wie stellt sich vor den Menschen selbst seine eigene Denktätigkeit hin? Und ich war damals, obwohl ich die Konsequenzen in diesem Buche nicht gezogen habe, schon genötigt, weil die Sache der Wahrheit gemäß dargestellt werden sollte, darauf hinzuweisen, daß dieses erlebte Denken — man hat gerade bei den Philosophen nicht verstanden, was damit gemeint war — im Grunde genommen etwas ist, was innerlich so nur auf sich selbst gestellt erlebt wird, daß es sich gar nicht vergleichen läßt mit dem, was im übrigen Seelenleben vorhanden und was in diesem Seelenleben an die menschliche Organisation gebunden ist. Denn der Geisteswissenschafter ist sich durchaus bewußt, daß er ganz auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Denkweise steht. Wer das menschliche Seelenleben untersucht, wie es sich im gewöhnlichen Bewußtsein auslebt zwischen Geburt und Tod, der findet schon, daß dieses Seelenleben abhängig ist — wenn auch in anderer Art, als die Naturwissenschaft heute glaubt - von der menschlichen Organisation. Wer aber nun wirklich gewissenhaft und vorurteilsfrei zu Werke geht, der findet, daß zwar alles übrige abhängig ist von der menschlichen Organisation, nicht aber das wirkliche Denken. Im Denken kann sich der Mensch aus der Organisation herausheben.

[ 13 ] More than twenty years ago, in 1894, I endeavored in my book The Philosophy of Freedom to get to the bottom of the mystery of free will. At that time, I tried to speak in purely philosophical terms, so that this book could be read even by those who consider spiritual science, as presented here, to be sheer folly. I tried to answer the question of free will based on the most immediate inner observations available to ordinary consciousness, and I was compelled to do what is usually not done when free will is considered philosophically: to devote the entire first part of the book to a direct, unbiased examination of human thinking itself, not of thoughts. I had set out to ask: What does it actually look like when a person becomes aware of what is inwardly active in the soul as he forms thoughts? I asked: How does a person’s own thinking activity present itself to him? And at that time, although I did not draw the consequences in this book, I was already compelled—because the matter had to be presented in accordance with the truth— to point out that this experienced thinking—philosophers, in particular, had failed to understand what was meant by this—is, in essence, something that is experienced inwardly as entirely self-contained, to the extent that it cannot be compared at all with what is present in the rest of the soul life and what in that soul life is bound to the human organism. For the scholar of the spiritual sciences is fully aware that he stands entirely on the ground of the scientific way of thinking. Anyone who investigates the human life of the soul as it unfolds in ordinary consciousness between birth and death will find that this life of the soul is dependent—albeit in a different way than natural science currently believes—on the human organism. But anyone who approaches this work conscientiously and without prejudice will find that, while everything else is dependent on the human organism, true thinking is not. In thinking, the human being can rise above the organism.

[ 14 ] Das beruht darauf — ich will heute weitergehen, als ich damals in jenem Buche zu gehen für nötig gefunden habe -, daß der Mensch in seiner Organisation nicht bloß das hat, was fortschreitende Evolution ist, welche die Naturwissenschaft einzig und allein ins Auge faßt. Ich habe in den letzten Monaten auseinandergesetzt, daß durch solche Auffassung die ganze Sache einseitig betrachtet wird, und daß man damit alle die falschen Gesichtspunkte in das naturwissenschaftliche Denken hineingebracht hat, die heute darin sind. Man hat eben auch auf eine rückläufige Entwickelung hinzuschauen, auf eine Devolution. Der menschliche Organismus ist wahrhaftig ein wunderbarer Aufbau; er ist nicht nur in einem solchen Leben, das man beschreiben kann mit den Begriffen, welche die Naturwissenschaft heute anwendet, daß das Leben in einer gewissen aufsteigenden Entwickelung verläuft; vielmehr nimmt die menschliche Natur in sich selbst eine rückläufige Entwickelung auf, und am stärksten ist an rückläufiger Entwickelung in dieser menschlichen Organisation alles, was mit den Sinneswerkzeugen, mit dem Haupt zusammenhängt.

[ 14 ] This is based on the fact—and today I want to go further than I felt it necessary to go in that book at the time—that human beings, in their constitution, possess more than just the product of progressive evolution, which is the sole focus of the natural sciences. In recent months, I have argued that such a view leads to a one-sided perspective on the whole matter, and that it has introduced into scientific thinking all the erroneous perspectives that are present in it today. One must also look at a regressive development, a devolution. The human organism is truly a marvelous structure; it does not merely exist within a form of life that can be described using the terms employed by natural science today—namely, that life proceeds in a certain upward development; rather, human nature incorporates a regressive development within itself, and the strongest manifestation of this regressive development in the human organism is everything connected with the sense organs and the head.

[ 15 ] Es wäre sehr verlockend, wenn ich statt eines Vortrages deren vierzig zur Verfügung hätte, auf alles hinzuweisen, was aus der heutigen Wissenschaft streng beweisend dafür angeführt werden könnte, daß die menschliche Organisation eine aufsteigende Entwickelung zeigt, daß aber diese aufsteigende Entwickelung selbst sich zurückhält, und daß im Haupt eine rückläufige Entwickelung vorhanden ist. Diese drückt sich grob dadurch aus, daß der Kopf das verknöchertste am Menschen ist, was am stärksten dasjenige rückgebildet hat, was sonst blühendes, sprießendes Leben ist. Dadurch ist der Kopf gerade das Organ des gewöhnlichen Bewußtseins, daß in ihm die Entwickelung nicht fortschreitet, sondern zurückgenommen wird. Während in vieler Beziehung das übrige menschliche Leben verglichen werden kann mit strotzender, auf Sättigung beruhender Entwickelung, muß das, was im Haupte geschieht, verglichen werden mit einem fortwährenden langsamen Abbau der Entwickelung. Die Nerventätigkeit des Kopfes, überhaupt die ganze Tätigkeit des Kopfes und auch der Sinnesapparate beruht darauf, daß der Mensch sich mineralisiert in diesem Gebiete seines Seins; er baut ab, es ist ein langsames Sterben, ein Aufnehmen des Sterbens gegen das Haupt hin. Betrachten Sie einmal so den Menschen, wie er in strotzendem, aufwärtssteigendem Leben vor Ihnen steht und wie er dann jenes absteigende Leben in seine Organisation aufnimmt, seine eigene Zerstörung; so schafft dieser Abbau Platz, und indem er Platz macht, stellt sich an diesen Platz etwas anderes hin, nämlich sein SeelischGeistiges. Der Mensch denkt nicht dadurch, daß dieselben Kräfte, die sonst in seinem Wachstum, in seinem sprießenden, sprossenden Leben wirken, auch im Haupte und überhaupt in der ganzen Denkorganisation tätig sind, nein, er denkt dadurch, daß diese wachsenden, sprossenden Kräfte abziehen, in sich selbst verfallen und dem Platz machen, was sich nun an die Stelle dessen setzt, was sonst im wallenden, wogenden Blute eine Bewußtlosigkeit des übrigen Organismus hervorruft. Wird man einmal einsehen, daß der Mensch sein freies Denken dadurch entwickelt, daß er nicht so gradlinig, wie es die Naturwissenschaft darlegt, die Entwickelung auch in das Haupt hinein fortsetzt, sondern daß, um das Denken zu entfalten, die Entwickelung rückläufig werden muß, dann wird man erst den Zusammenhang verstehen zwischen der menschlichen Organisation und dem Denken. Man wird verstehen, wie das Denken in die Organisation eingreift, daß aber, damit es eingreifen kann, die menschliche Organisation erst zurückgebogen, erst abgebaut werden muß.

[ 15 ] It would be very tempting, if instead of one lecture I had forty at my disposal, to point out everything that could be cited from modern science as strict proof that the human organism exhibits an upward development, but that this upward development itself is held back, and that, on the whole, a regressive development is present. This is roughly expressed by the fact that the head is the most ossified part of the human body, the part that has most severely stunted what is otherwise a flourishing, sprouting life. Consequently, the head is precisely the organ of ordinary consciousness, in which development does not progress but is held back. While in many respects the rest of human life can be compared to a vigorous development based on saturation, what happens in the head must be compared to a continuous, slow breakdown of development. The nervous activity of the head—indeed, the entire activity of the head and also of the sensory organs—rests on the fact that the human being mineralizes in this region of his being; he breaks down; it is a slow dying, an incorporation of death toward the head. Consider the human being as he stands before you in a vigorous, upward-striving life, and how he then incorporates that descending life into his organism—his own destruction; this decay creates space, and as it makes room, something else takes its place—namely, the human soul and spirit. A person does not think because the same forces that otherwise act in their growth, in their sprouting, budding life, are also active in the head and, indeed, in the entire thinking organization; no, he thinks because these growing, sprouting forces withdraw, decay within themselves, and make room for what now takes the place of what otherwise, in the surging, billowing blood, induces a state of unconsciousness in the rest of the organism. Once one realizes that human beings develop their free thinking not by continuing development into the head in a straightforward manner, as natural science suggests, but rather that, in order to unfold thinking, development must become regressive, only then will one understand the connection between the human organism and thinking. One will understand how thinking intervenes in the organism, but that, in order for it to intervene, the human organism must first be bent backward, must first be broken down.

[ 16 ] Ich weiß, daß ich mit diesen Ausführungen sehr dem widersprechen muß, was die Naturforscher heute sagen; aber ich weiß, daß der, welcher das richtig betrachtet, was die Naturforscher entdeckt haben, in aller Physiologie und Biologie nur lautere Bestätigung dessen finden wird, was ich jetzt nur andeutend sagen kann. Und weil es so ist, deshalb ist der Mensch in jenem eigentümlichen Verhältnis zu seinem Denken, daß es zwar beobachtet wird, aber seiner eigenen inneren Wesenheit nach nicht eingesehen werden kann, wenn man nicht das einsieht, was ich jetzt ausgeführt habe. Wenn der Mensch sich seinen Vorstellungen überläßt, so kann man genau verfolgen, wie eine Vorstellung sich an die andere gliedert, Verwandtes zu Verwandtem sich gesellt. Man kann verfolgen, wie das, was da so im Verlaufe des Vorstellungslebens auftritt, abhängig ist vom Organismus, wenn man nur tief genug schürft. Die Psychologen nennen es Assoziation der Vorstellungen. Diese Assoziation der Vorstellungen kann man ruhig den Naturforschern zu untersuchen überlassen, denn sie stellt sich wirklich als das heraus, wobei der Organismus mitzusprechen hat. Aber der Mensch weiß auch, daß oft im Leben Augenblicke eintreten müssen, wo er dieser Assoziation nicht ihren Lauf lassen kann; denn es gäbe niemals eine logische Kontrolle über das Denken, wenn man der Assoziation blinden Lauf lassen müßte. Man weiß, es ist etwas anderes, wie die Vorstellungen herauffluten und sich zueinander gesellen, und etwas anderes, sie nach logischen Gesetzen zu dirigieren, so daß sie «richtig» werden. Sie brauchen nur eines der populärsten Handbücher über dieses Gebiet zur Hand nehmen, so werden Sie sehen, daß sich die Menschen schon bewußt sind, wie in den rein naturgemäßen Gang der Vorstellungen etwas eingreift, was nicht dem Organismus angehört. Was da eingreift, das ist das, was nur da sein kann in der menschlichen Wesenheit, wenn sich der Organismus mit seinen Funktionen zuerst zurückzieht, wenn er zuerst abbaut, wenn er zur Entwickelung die Rückentwickelung hinzufügt.

[ 16 ] I know that with these remarks I must strongly contradict what natural scientists say today; but I know that whoever correctly considers what natural scientists have discovered will find, in all of physiology and biology, nothing but clear confirmation of what I can now only hint at. And because this is so, human beings are in that peculiar relationship to their thinking whereby it is indeed observed, but its inner essence cannot be understood unless one grasps what I have just explained. When a person gives themselves over to their ideas, one can trace exactly how one idea links to the next, and how related ideas join together with one another. One can trace how what occurs in the course of mental life depends on the organism, provided one delves deeply enough. Psychologists call this the association of ideas. This association of ideas can safely be left to natural scientists to investigate, for it truly turns out to be a process in which the organism plays a role. But people also know that there are often moments in life when they cannot allow this association to run its course; for there would never be any logical control over thought if one were forced to let association run blindly. We know that it is one thing for ideas to well up and join together, and quite another to direct them according to logical laws so that they become “correct.” You need only pick up one of the most popular handbooks on this subject, and you will see that people are already aware of how something that does not belong to the organism intervenes in the purely natural course of ideas. What intervenes there is that which can exist within the human being only when the organism, with all its functions, first withdraws, when it first breaks down, when it adds regression to development.

[ 17 ] Ich komme da auf ein Kapitel zu sprechen, das heute auch verpönt ist; aber es wird wohl nicht sehr lange dauern, bis eine innere Notwendigkeit die Menschen zu diesem führt. Man braucht sich nur an die bedeutungsvolle Rede erinnern, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der berühmte Physiologe Ds Bois-Reymond gehalten hat über die «Grenzen des Naturerkennens», in der er über die «Welträtsel» sprach. Du Bois-Reymond war in einer gewissen Beziehung geneigt, vorsichtig zu erwägen, nicht mit allen Segeln in den Materialismus hineinzusegeln. Da hat er zwei solcher Erkenntnisgrenzen aufgestellt: das Bewußtsein und die Materie. Er hat ja mit Recht gesagt: Im materiellen Leben geschieht dasselbe, was im Gehirn geschieht: Wasserstoff-, Stickstoff-, Kohlenstoffatome bewegen sich nach bestimmten Gesetzen; das aber kommt der Seele zum Bewußtsein, und schon die einfachsten Empfindungen, die im Bewußtsein auftreten, kann man nicht aus den Bewegungen der Atome herleiten, kann auch keinen Zusammenhang zwischen den Bewegungen der Atome und den Empfindungen herleiten. Und dann sagt er, und das ist bedeutungsvoll: Wüßte man, was da ist, wo Materie im Raume spukt, so wüßte man vielleicht auch, wie Materie denkt. Er weiß zwar nicht, was es ist, wovon er meint, daß es da im Raume «spukt». In einer gewissen Beziehung hat er recht, aber er hat auch recht mit dem, was er für seine Wissenschaft als «Grenzen» meint. Denn mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, mit dem man auch in der gewöhnlichen Wissenschaft steht, entwickelt man Vorstellungen, Empfindungen, Gedanken; aber all dieses steht eigentlich recht ferne den Vorgängen im materiellen Leben. Und gerade deshalb konnte Du Bois-Reymond darauf hinweisen: Man weiß nicht, was als Materie im Raume spukt; wüßte man das, könnte man in diese materiellen Vorgänge untertauchen, so könnte man auch darauf kommen, was mit einem materiellen Vorgange zusammenhängt als geistiges Leben. In einem gewissen Sinne hat er recht, trotzdem seine Denkweise ganz materlalistisch ist: daß man auch mit dem gewöhnlichen Denken den Vorgängen des geistigen Lebens ferne steht. Man durchschaut sie nicht, es sind mehr schattenhafte Gebilde, man dringt nicht in die Vorgänge hinunter.

[ 17 ] I am about to touch on a subject that is also frowned upon today; but it will likely not be long before an inner necessity leads people to it. One need only recall the significant lecture delivered in the 1870s by the famous physiologist Du Bois-Reymond on the “Limits of the Knowledge of Nature,” in which he spoke of the “mysteries of the universe.” Du Bois-Reymond was, in a certain sense, inclined to exercise caution and not to sail headlong into materialism. He thus established two such limits to knowledge: consciousness and matter. He rightly said: In material life, the same thing happens as in the brain—hydrogen, nitrogen, and carbon atoms move according to certain laws; yet this becomes conscious to the soul, and even the simplest sensations that arise in consciousness cannot be derived from the movements of atoms, nor can any connection be established between the movements of atoms and these sensations. And then he says—and this is significant—that if one knew what is there where matter “haunts” space, one might also know how matter thinks. He does not, however, know what it is that he believes is “haunting” space. In a certain sense, he is right, but he is also right regarding what he considers the “limits” of his science. For with ordinary consciousness—the same consciousness one employs in ordinary science—one develops ideas, sensations, and thoughts; but all of this is actually quite distant from the processes of material life. And that is precisely why Du Bois-Reymond was able to point out: We do not know what “haunts” space as matter; if we knew that, we could immerse ourselves in these material processes, and we might then also discover what is connected to a material process as spiritual life. In a certain sense, he is right—even though his way of thinking is entirely materialistic—that even with ordinary thinking, one remains distant from the processes of spiritual life. One does not fully comprehend them; they are more like shadowy forms, and one does not penetrate to the core of these processes.

[ 18 ] In dem Augenblick, wo man das Seelenleben so entwickelt, wie ich es vorhin charakterisiert habe, wo man hinuntersteigt in das imaginative Bewußtsein, da kommt man auch den materiellen Vorgängen — und zwar zunächst denen des eigenen Leibes — näher. Man steht ihnen dann nicht mehr so fern, wie man ihnen sonst steht mit den gewöhnlichen schattenhaften Vorstellungen. Das gewöhnliche Bewußtsein hat schlechterdings kein Mittel, um zu sagen, wie Vorstellungsleben und Gedankenleben zu den Vorgängen im Gehirn stehen. Hypothesen über Hypothesen sind aufgestellt worden; aber nirgends ist etwas aufgetaucht, was wirklich in dieser Beziehung befriedigt hätte, abgesehen von gewissen anatomisch-physiologischen Untersuchungen, die aber auch wieder dem wahren Wesen der Dinge sehr fern stehen. Indem man aber in ein anderes Bewußtsein rückt, muß man näher rücken dem gewöhnlichen Vorstellen. Da kommt man zu dem, was heute noch für viele Menschen paradox klingt, was aber erlebt werden kann, und erst erlebt wird durch das imaginative Bewußtsein. Wer das Denken erleben kann — sonst führt man es nur aus, es wirkt unbewußt -, wer mit dem schauenden Bewußtsein auf das hinschauen kann, was eigentlich im Denken vor sich geht, der kommt damit auch den materiellen Vorgängen näher, er wird eigentlich zu einer Art Materialismus hingetrieben, aber es ist nur ein Materialismus, der in der Materie den Geist findet. Er lernt nämlich erkennen — mag man auch heute noch darüber lachen, einmal wird man nicht darüber lachen -, daß das, was dem materiellen Vorgang im Gehirn zugrunde liegt, eigentlich ein im Gehirn lebendes, nicht ein über den ganzen Leib ausgebreitetes Hungergefühl ist. Und dadurch entdeckt man den Abbau, die Rückentwickelung. Das lebt sich als Hunger aus, und das Gegenbild des Hungers in der Seele ist das Gedankenleben und die Vorstellung. Es handelt sich also darum, daß ein ganz normaler Vorgang unseres Organismus diese Rückentwickelung bewirkt, daß wir während unseres ganzen Wachlebens immer in einem partiellen Hunger sind, und diesem Hunger verdanken wir unser Bewußtsein; und wie wir uns unseres Hungers im Magen bewußt werden, wenn er knurrt, so sind wir uns unseres Denkens dadurch bewußt, daß der Kopf hungert.

[ 18 ] The moment one develops one’s inner life in the way I described earlier—when one descends into imaginative consciousness—one also comes closer to material processes, and first and foremost to those of one’s own body. One is then no longer as distant from them as one normally is with ordinary, shadowy representations. Ordinary consciousness has absolutely no means of determining how the life of imagination and the life of thought relate to the processes in the brain. Hypothesis upon hypothesis has been put forward; but nowhere has anything emerged that would truly be satisfying in this regard, apart from certain anatomical and physiological investigations—which, however, are also very far removed from the true nature of things. But by moving into a different state of consciousness, one must draw closer to ordinary imagination. This leads to what still sounds paradoxical to many people today, but which can be experienced—and is experienced only through imaginative consciousness. Whoever can experience thinking—otherwise one merely carries it out, and it operates unconsciously—whoever can look with contemplative consciousness at what is actually taking place in thinking, thereby also comes closer to material processes; one is, in fact, driven toward a kind of materialism, but it is only a materialism that finds the spirit within matter. For they come to recognize—even if people still laugh at this today, there will come a time when they will not—that what underlies the material process in the brain is actually a feeling of hunger that lives within the brain, not one spread throughout the entire body. And through this, one discovers the breakdown, the regression. This manifests as hunger, and the counterpart of hunger in the soul is the life of thought and imagination. It is therefore a matter of a completely normal process in our organism bringing about this regression—that throughout our entire waking life we are always in a state of partial hunger, and it is to this hunger that we owe our consciousness; and just as we become aware of the hunger in our stomach when it growls, so we are aware of our thinking through the fact that our head is hungry.

[ 19 ] Äußerlich tritt da, abgesehen von allem Physiologischen, etwas auf, was gewissermaßen historisch eine Art Beleg für das eben Ausgesprochene sein kann. Sie wissen, daß gewisse Asketen, die allerdings keinen geisteswissenschaftlichen, sondern einen falschen Weg einschlagen, um zum geistigen Leben zu kommen, auch hungern. Dieses "Hungern, das aber nicht durch ein normales, sondern durch ein abnormes Leben herbeigeführt wird, ist es, was die Leute dazu führt, sich mehr dessen bewußt zu sein, was in ihnen vorgeht. Das ist es, was in abnormer, für die Geistesforschung nicht brauchbarer Weise ein stärkeres Selbstbewußtsein und damit stärkeres Geist-Erleben hervorruft. Diesem Instinkt, durch Hungererlebnisse Geisterlebnisse zu haben, dem liegt durch Übertreibung der wahren Grundtatsachen zugrunde, daß eigentlich das normale Bewußtseinsleben im Vorstellen und Denken auf einem Hungergefühl, auf einem Hungervorgang des Kopfes beruht. Und wie gesagt, entdeckt man dieses in innerer Anschauung, dann kommt man darauf, daß dieser rückentwickelnde Prozeß vorhanden ist, daß tatsächlich Abbau zugrunde liegt, und das Denken nicht als eine auf der Fortentwickelung beruhende Tatsache auftritt, sondern gerade auf dem Zurückdrängen des organischen Lebens, an dessen Stelle es sich setzt. Und wenn man dies einmal durchschaut, wenn man dieses Wunderbare des menschlichen Organismus ins Auge faßt, wenn man also nicht bloß so vorgeht, wie es die abstrakten Mystiker machen, die immer wieder deklamieren: Um zur Gotteserkenntniszu kommen, muß man eins werden mit dem höheren Ich, und so weiter, was aber alles nur Redensarten sind, sondern wenn man wirklich zur Selbsterkenntnis vordringt und die menschliche Wesenheit so ergreift, daß man sagen kann: was in dieser Wesenheit auftritt, ist dem verdankt, was als Hungergefühl im menschlichen Organismus auftritt, -— wenn man so zum Konkreten vordringt, dann merkt man, daß das, was als Denken im Menschen lebt, kurioserweise eine unbewußte Inspiration ist. Dadurch kommt dieses Denken in seinen Wirkungen an den Menschen heran, daß er die bloßen Vorstellungsassoziationen wie etwas Äußeres richten kann, weil eine Inspiration an ihn herantritt, die aber unbewußt bleibt. Der Geistesforscher dringt ein in die Tätigkeit des Denkens, in jene Tätigkeit, die dann auftritt, wenn sich der Organismus rückentwickelt, und er erkennt: Man hat es zu tun mit einer Inspiration. Und untersucht man von dem vorhin entwickelten Gesichtspunkte aus, wie ich es beschrieben habe, was dieser Inspiration zugrunde liegt, das heißt taucht man unter in die Inspiration und taucht man wieder herauf, dann ist dies der Weg, um das geistig-seelische Wesen des Menschen vor der Geburt oder Empfängnis zu entdecken, zu entdecken, was sich eigentlich verbunden hat mit dem, was in der Vererbungsströmung von Vater und Mutter, Großvater und Großmutter und so weiter herunterkommt. Man kommt zu dem, was sich durch die Empfängnis verkörpert; man kommt zu dem, was gegenüber des Menschen Gegenwart im Leibe seine geistig-seelische Vergangenheit ist. Man kommt zu einer unmittelbaren Anschauung des Ewigen im Menschen.

[ 19 ] Externally, apart from all physiological factors, something occurs that, in a sense, can serve as historical evidence for what has just been said. You know that certain ascetics—who, admittedly, follow a false path rather than one based on the humanities in order to attain spiritual life—also fast. This “starvation”—which, however, is brought about not by a normal but by an abnormal way of life—is what leads people to become more aware of what is going on within them. This is what, in an abnormal way that is of no use to spiritual research, evokes a stronger self-awareness and thus a more intense spiritual experience. This instinct—to have spiritual experiences through experiences of hunger—is based, through an exaggeration of the true fundamental facts, on the reality that normal conscious life in imagination and thought is actually founded on a feeling of hunger, on a process of hunger in the mind. And as I said, if one discovers this through inner contemplation, one comes to realize that this regressive process exists, that degradation is in fact at its root, and that thinking does not appear as a phenomenon based on further development, but rather on the suppression of organic life, which it replaces. And once one sees through this, once one grasps this marvel of the human organism—that is, once one does not merely proceed as the abstract mystics do, who repeatedly proclaim: “To attain knowledge of God, one must become one with the higher self,” and so on—all of which are merely empty phrases—but rather, if one truly penetrates to self-knowledge and grasps the human being in such a way that one can say: “What occurs in this being is due to what manifests as a feeling of hunger in the human organism,” — when one penetrates to the concrete in this way, then one realizes that what lives as thinking in the human being is, curiously enough, an unconscious inspiration. Through this, thinking approaches the human being in its effects in such a way that he can judge mere associations of ideas as something external, because an inspiration approaches him that nevertheless remains unconscious. The researcher of the spirit delves into the activity of thinking—that activity which arises when the organism regresses—and recognizes: one is dealing with an inspiration. And if one examines, from the perspective I have just outlined, what underlies this inspiration—that is, if one dives into the inspiration and then resurfaces—then this is the path to discovering the spiritual-soul nature of the human being before birth or conception, to discovering what has actually become connected with what flows down through the hereditary stream from father and mother, grandfather and grandmother and so on. One arrives at what is embodied through conception; one arrives at what, in relation to the human being’s present in the body, is his spiritual-soul past. One arrives at a direct perception of the eternal in the human being.

[ 20 ] Dann, wenn man bis zur Intuition auf dem soeben entwickelten Gebiete vordringt, kommt man sogar zur Anschauung dessen, was als früheres Erdenleben dem gegenwärtigen zugrunde liegt, was in das gegenwärtige aus dem früheren hereinreicht. Das Reden über wiederholte Erdenleben beruht nicht auf etwas, was als Phantastik zu bezeichnen wäre, sondern auf einer sehr sorgfältig entwickelten Forschung, die erst in voller Unabhängigkeit die Seele dazu präpariert, das anzuschauen, was eigentlich in den Seelenerscheinungen selbst vorgeht. .

[ 20 ] Then, when one advances to the level of intuition in the field just explored, one even gains insight into what, as a past earthly life, underlies the present one—what extends from the past into the present. Talk of repeated earthly lives is not based on anything that could be described as fantasy, but on very carefully developed research that, through complete independence, prepares the soul to perceive what is actually taking place within the soul’s own phenomena.

[ 21 ] Wenn wir das sinnlichkeitsfreie Denken in imaginativer Erkenntnis zu erfassen suchen, die aber verschwindet, weil dieses Denken selbst Inspiration ist, wenn wir uns dahinein vertiefen, so erfahren wir: Der Mensch war, bevor er den irdischen Leib bezogen hat, in einer geistigen Welt, in die er eingetreten ist aus dem vorherigen Erdenleben. Man lernt das kennen, was vor der Empfängnis des Menschen liegt, und dadurch das Ewige. Indem man so das Denken anzuschauen vermag als dasjenige, was gerade das von Vater und Mutter Kommende abbaut, was gerade die Devolution des sich Fortentwickelnden voraussetzt, lernt man kennen, wie das Leben hier im Leibe die Folge ist des Ewigen im Menschen. Es wird sich künftig zu der Betrachtungsweise, die sonst, wenn auch nur in Glaubensvorstellungen, üblich war, die andere hinzugesellen, die nicht bloß fragen wird: Was geschieht mit dem Menschen nach dem Tode? sondern die die andere Frage hinzufügen wird: Aus welchem Zustande des geistig-seelischen Lebens tritt der Mensch heraus, indem er sein Erdenleben hier führt? Die Unsterblichkeitsfrage wird in Zukunft viel wichtiger noch sein, weil man zur Erkenntnis kommen wird, wie das Leben hier nur zu begreifen ist als Fortsetzung eines Geistig-Seelischen. Und das erste, was man entdeckt als eine unbewußte, immerfort ins Leben hereintretende Inspiration, ist das Denken, das sich aufbaut auf Grund der Rückentwickelung.

[ 21 ] When we seek to grasp senseless thinking in imaginative insight—which, however, vanishes because this thinking itself is inspiration—and when we immerse ourselves in it, we come to realize: Before taking on an earthly body, the human being was in a spiritual world into which he entered from his previous earthly life. One comes to know what lies before a person’s conception, and through this, the eternal. By being able to view thinking in this way—as that which specifically breaks down what comes from father and mother, which specifically presupposes the devolution of the evolving being—one comes to know how life here in the body is the consequence of the eternal within the human being. In the future, the perspective that was otherwise customary—albeit only in matters of faith—will be joined by another that will not merely ask, “What happens to a human being after death?” but will add the other question: “From what state of spiritual-soul life does a human being emerge as they lead their earthly life here?” The question of immortality will be even more important in the future, because people will come to realize that life here can only be understood as a continuation of a spiritual-soul life. And the first thing one discovers—as an unconscious inspiration constantly entering into life—is thinking, which is built upon the basis of retrogression.

[ 22 ] Dem, was ich eben für die Rückentwickelung des menschlichen Hauptes und der Sinnesorganisation angeführt habe, steht wie polarisch ein anderes gegenüber in der menschlichen Organisation. Wie alles, was ich jetzt charakterisiert habe, auf einer Devolution beruht, die die Evolution zurücknimmt, so stellt alles, was beim Menschen mit der Ausbildung seiner Extremitäten zusammenhängt — Hände und Füße und alles, was mit ihnen zusammenhängt, also alles, was Fortsetzung der Extremitäten nach innen ist, was sehr viel ist —, ein anderes Extrem dar im Menschen und seinem Organismus. Für den, der Augen hat zu sehen, was rings um ihn herum ist, für den sind die menschlichen Füße und besonders die Hände wahrhaft recht wunderbar geformte Dinge, wenn auch jene grobe Betrachtungsweise, die nur die vier Affenhände und, ein bißchen umgeformt, die menschlichen Extremitäten sieht, das Wunderbare der menschlichen Hände und Füße gar nicht bemerkt. Denn was den menschlichen Extremitäten zugrunde liegt, erleidet . nicht eine rückgehende Entwickelung, nicht eine Devolution; sondern das zeigt das Eigentümliche, daß es über das Maß der sonstigen Evolution, die der Organismus hat — mit Ausnahme des Hauptes —, hinausgeht. Die Extremitäten erleiden eine Überentwickelung, sie fahren hinaus über den Punkt, bis zu dem das Haupt und der übrige Organismus geht, wie der übrige Organismus abbaut, so entwickeln die Extremitäten eine Art Beharrungsvermögen, schießen hinüber über das gewöhnliche Maß. Was physiologisch mit der Evolution der menschlichen Extremitäten zusammenhängt, stellt eine Überentwickelung dar, die über das Maß des Gewöhnlichen hinausgeht, angeschaut durch ein Erkenntnisvermögen, das sich in drei Stufen aufbaut. Diese Erkenntnis ergibt in bezug auf die menschliche Organisation, die mit dem Wunderbau der Extremitäten zusammenhängt, daß man dem nur beikommen kann, wenn man zur imaginativen Erkenntnis aufrückt. Erst wenn man den Menschen in bezug auf seine Extremitäten nicht mehr so anschaut, wie die äußere Physiologie ihn nur anschauen kann, sondern wenn man zu dem geistigen Untergrunde der Extremitäten kommt, dann entdeckt man, wie auch da ein Geistiges drinnensteckt. Aber wie das, was im Denken steckt, sich schon als Inspiration ankündigt - sie ist da ganz rudimentär -, so ist es auch bei den Extremitäten. Aber hier läßt sich das, was da eigentlich heraus will, was die Überentwickelung bewirkt, nur im Bilde ergreifen; es kommt nur so zur Anschauung. Man braucht natürlich bei dieser Erkenntnis nicht beim Bilde stehen zu bleiben, sondern man nimmt das Bild und sucht dahinterzukommen. Und da steht ja erst die wahre Wirklichkeit! Man dringt von dem Bilde zur entsprechenden Inspiration vor und zur entsprechenden Intuition. Was entdeckt man da? Man entdeckt das, was allerdings in einer unbestimmten Art, wie ein dunkles Gefühl — eben als unbewußte Imagination — in jeder Menschenseele vorhanden ist, was aber seiner Wesenheit nach durch Inspiration und Intuition ergriffen, das Wesenhafte darstellt, was herausgeht in die geistige Welt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet. Da liegt der geistige Teil unserer Zukunft. Dieser Keim ist die Brutstätte desjenigen, was wir nach dem Tode brauchen. Und deshalb ist die Überentwickelung da, weil sonst die Entwickelung mit dem Tode aufhören würde. Das gibt den Grund ab des Darüberrückens, was man braucht, um eine geistig-seelische Organisation post mortem zu haben.

[ 22 ] What I have just described regarding the regression of the human head and the sensory system is counterbalanced, as if by a polar opposite, by another aspect of human organization. Just as everything I have now described is based on a devolution that reverses evolution, so everything in humans connected with the development of their extremities—hands and feet and everything related to them, that is, everything that is an inward extension of the extremities, which is a great deal—represents another extreme in human beings and their organism. For those who have eyes to see what is all around them, the human feet and especially the hands are truly wonderfully formed things, even if that crude way of looking at things—which sees only the four ape hands and, slightly modified, the human extremities—fails entirely to notice the wonder of the human hands and feet. For what underlies the human extremities does not undergo a regression, not a devolution; rather, what is peculiar is that it goes beyond the extent of the organism’s other evolution—with the exception of the head. The extremities undergo an overdevelopment; they extend beyond the point reached by the head and the rest of the organism. Just as the rest of the organism degenerates, so the extremities develop a kind of persistence, shooting far beyond the ordinary measure. What is physiologically connected to the evolution of the human extremities constitutes an overdevelopment that goes beyond the ordinary measure, as viewed through a capacity for knowledge that is structured in three stages. With regard to the human organism—which is connected to the wondrous structure of the extremities—this insight reveals that one can only come to terms with it by advancing to imaginative knowledge. Only when one no longer views human beings in relation to their extremities as external physiology can alone perceive them, but rather when one penetrates to the spiritual foundation of the extremities, does one discover that a spiritual element is embedded there as well. But just as what lies within thinking already announces itself as inspiration—albeit in a very rudimentary form—so it is with the extremities. But here, what is actually striving to emerge—what causes the overdevelopment—can only be grasped through an image; it can only be perceived in this way. Of course, one need not stop at the image in this process of insight, but rather takes the image and seeks to go beyond it. And there, indeed, lies true reality! One proceeds from the image to the corresponding inspiration and to the corresponding intuition. What does one discover there? One discovers that which, admittedly in an indeterminate form, like a dark feeling—precisely as unconscious imagination—is present in every human soul, but which, in its essence, when grasped through inspiration and intuition, represents the essential being that emerges into the spiritual world when a person passes through the gate of death. Therein lies the spiritual part of our future. This seed is the breeding ground for what we need after death. And that is why overdevelopment exists—because otherwise, development would cease with death. This provides the basis for carrying over what is needed to have a spiritual-soul organization after death.

[ 23 ] Der Inspiration steht ja der Mensch ziemlich fern, eigentlich auch der Imagination. Daher tritt das, was ich jetzt beschrieben habe für die menschliche Organisation, im gewöhnlichen Bewußtsein so auf, daß das inspirierte Denken — und jedes wahre Denken ist inspiriert — eigentlich ein Rätsel bleibt. Nur so erklärt es sich, wie es heute auseinandergesetzt worden ist. Es wird also gar nicht in der Philosophie darüber geforscht, sondern man nimmt es hin. Man schreibt Logiken, die da richten das bloße aufsteigende, freibleibende Denken. Aber woher es die Seele hat, daß sie die Logik entfaltet, dahinter kommt man nicht. Dazu kommt man erst, wenn man erkennt, daß die Seele in der geistigen Welt war und sich von dort her die Richtschnur für das Denken mitgebracht hat, und daß das, was wir als Logik entwickeln, gar nicht in der Gegenwart entwickelt wird. Das ist alles Inhalt aus dem Dasein vor der Geburt oder Empfängnis; der ist nicht vergangen. Wir leben das ewige Leben, wir sind nicht herausgekommen aus dem ewigen Leben. Das inspiriert uns, wenn wir uns aufschwingen zu dem über das bloße Vorstellen hinübergehenden Denken. Das ist ein Beweis, aber den Tatbestand durchschaut man nicht. Daher kommt man auf diesem Gebiete zu Rätseln, aber nicht zu Antworten.

[ 23 ] Human beings are, after all, quite far removed from inspiration—and, in fact, from imagination as well. Consequently, what I have just described regarding human organization appears in ordinary consciousness in such a way that inspired thinking—and all true thinking is inspired—actually remains a mystery. This is the only way to explain it, as has been discussed today. Thus, it is not investigated at all in philosophy; rather, it is simply accepted. People write works on logic that deal with mere ascending, open-ended thinking. But no one can fathom where the soul gets the ability to unfold logic. One arrives at this understanding only when one recognizes that the soul was in the spiritual world and brought back from there the guiding principle for thinking, and that what we develop as logic is not developed in the present at all. All of this is content from existence before birth or conception; it has not passed away. We live the eternal life; we have not stepped out of the eternal life. This inspires us when we rise to a level of thinking that transcends mere imagination. This is proof, but the reality of the matter remains obscure. Therefore, in this realm, we encounter mysteries, but not answers.

[ 24 ] Schon ein bißchen näher, weil er mit dem Gefühl an die Sache herangeht, kommt der Mensch in der Inspiration. Unterbewußt hat er die Imagination, die in bezug auf die Extremitäten dargestellt ist. Daher reden auch die Philosophen wenig über das vorgeburtlich liegende Leben, weil das auf einem höheren Gebiete nur zu erkennen ist, das weniger in das gewöhnliche Bewußtsein herein will. Das dem Imaginativen am nächsten liegende Denken kommt dumpf herauf. Daher redet man viel leichter und viel gewöhnlicher von dem, was als Unsterblichkeit bleibt, aber meidet sowohl die Kräfte, die in die Seele herein inspirieren, wie die Kräfte, die wir imaginativ finden, damit die Bilder selbst in die geistige Welt übergehen und aus den Bildern die Vorbereitung für das nächste Erdenleben geschaffen wird. Wir gehen mit den Bildern in die geistige Welt hinein. Was wir da hineintragen, das stellt in gewisser Weise unser Zukünfliges dar.

[ 24 ] A person comes closer to inspiration simply by approaching the matter with feeling. Subconsciously, they possess the imagination, which is represented in relation to the extremities. That is why philosophers, too, speak little of life prior to birth, because it can only be recognized in a higher realm that is less inclined to enter ordinary consciousness. The thinking closest to the imaginative realm emerges in a dull manner. That is why it is much easier and more common to speak of what remains as immortality, but we avoid both the forces that inspire the soul and the forces we encounter through the imaginative, so that the images themselves may pass into the spiritual world and the preparation for the next earthly life may be created from these images. We enter the spiritual world with these images. What we carry into it represents, in a certain sense, our future.

[ 25 ] Die Erkenntnisart nun, von der ich gesprochen habe, die da aufsteigt durch die Imagination und Inspiration zur Intuition, die gibt die Möglichkeit, wirklich schon, wie man Spiegelbilder sieht, bildhaft das menschliche Leben zu überschauen, dabei aber doch in die eigentliche Wirklichkeit dieses Lebens einzudringen. Aber ein Merkwürdiges stellt sich ein, wenn man alles das durchmacht, was zu dem vorgeburtlichen und zu dem nachtodlichen Leben gehört: Indem man so herauskommt aus der eigenen Leiblichkeit, indem die eigene Leiblichkeit zur Bildhaftigkeit wird, da zerflattert, zerstiebt das, was man sonst als Selbsterlebnis des Ich hat. Da ist der gefährliche Moment für die Erkenntnis, wo das gewöhnliche Ich zerstiebt. Er wird gleichsam in alle Welt zerstreut, fühlt sich ohne Bewußtsein.

[ 25 ] The kind of knowledge I have been speaking of—which rises through imagination and inspiration to intuition—makes it possible, just as one sees reflections in a mirror, to survey human life pictorially, while at the same time penetrating into the actual reality of that life. But something strange happens when one goes through everything that pertains to life before birth and after death: as one emerges in this way from one’s own physicality, as one’s own physicality becomes pictorial, what one otherwise experiences as the “I” flutters away and shatters. This is the perilous moment for insight, when the ordinary “I” shatters. It is, as it were, scattered throughout the world, feeling itself to be without consciousness.

[ 26 ] Dieses Gefühl ist eine merkwürdige, bedeutsame Erkenntnis. Man merkt, daß das, was man zurückgelassen hat, aus dem man herausgegangen ist, gerade für das gewöhnliche Ich die Grundlage war. Für das Ich, das der Mensch sein «Ich» nennt im gewöhnlichen Leben, ist die körperliche Organisation die Grundlage. Dieses Ich beginnt mit der Empfängnis, mit der Geburt; später beginnt erst das Bewußtsein dafür. Dieses Ich, dieses unmittelbare Gegenwarts-Ich, ist an den Organismus gebunden; das kann man nicht finden, wenn man aus dem Organismus herausgeht. Darauf beruht aber gerade das Vollbewußtsein dieses Ich. Nun erlebt man aber doch dieses Ich als ein in sich geschlossenes. Es wäre furchtbar, wenn der Mensch das als sein Ich erleben würde, was der Geistesforscher als Ich in seiner Zerstäubung erlebt, wenn er aus dem Leibe heraus ist. Wie erlebt man dieses Ich? So erlebt man es, daß es eben untergetaucht ist; denn wenn es nicht untergetaucht ist in den physischen Leib, dann schläft der Mensch; dann ist das Ich heraus und er erlebt es nicht. Es wird im Leibe erlebt, und zwar in demjenigen Teil der menschlichen Organisation, die nicht die sich rückentwickelnde Hauptesorganisation und nicht die über die Normalentwickelung hinausgehende Extremitätenorganisation ist; sondern es wird im übrigen Teile der menschlichen Organisation durch die Lungen- und Herztätigkeit angeregt. Es wird dadurch angeregt, daß der Mensch in seinem Organismus drinnensteckt. |

[ 26 ] This feeling is a strange, significant realization. One realizes that what one has left behind—what one has emerged from—was, precisely for the ordinary “I,” the foundation. For the “I” that a person calls their “I” in everyday life, the physical organism is the foundation. This “I” begins with conception, with birth; awareness of it only begins later. This “I,” this immediate, present “I,” is bound to the organism; one cannot find it when one steps outside the organism. Yet it is precisely on this that the full consciousness of this “I” is based. Yet one experiences this “I” as self-contained. It would be terrible if a person were to experience as their “I” what the spiritual researcher experiences as the “I” in its dissipation when they are outside the body. How is this “I” experienced? It is experienced as having immersed itself; for if it is not immersed in the physical body, then the person is asleep; then the “I” is outside, and the person does not experience it. It is experienced within the body, specifically in that part of the human organism that is neither the regressing central nervous system nor the extremities, which extend beyond normal development; rather, it is stimulated in the rest of the human organism through the activity of the lungs and heart. It is stimulated by the fact that the human being is contained within his or her own organism. |

[ 27 ] Was ist dieses Ich, das sonst zerstäubt? Dieses Ich wird dadurch bewußt, daß es untertaucht in den Organismus. Der Geistesforscher erkennt es als unbewußte Intuition. Das ist die Intuition, die gewonnen wird, indem das wahre, sonst gar nicht im Bewußtsein auftretende Ich untertaucht in die Organisation, und zwar in die Mittelorganisation des Menschen. Auf unbewußter Intuition beruht das Bewußtsein vom Ich. Daher können Sie auch oftmals von «Intuition» sprechen hören, jedoch von Imagination und Inspiration viel weniger. Aber gerade von diesem Höchsten, das als ein außer dem Leibe sich vollziehender Prozeß der Geistesforschung auftritt, ist ein dumpfes Bewußtsein vorhanden. Das ist es, was Hamerling das «Ichgefühl» nennt. Das strömt herauf aus der Organisation. So ist die Organisation, wie sie sich darlebt. Unbewußt gehen vom sinnlichkeitsfreien Denken Imaginationen in denjenigen Teil der menschlichen Wesenheit, der eingebettet ist in den Extremitätenteil, und gehen von dort hinaus in die Zukunft. Was im gegenwärtigen Ichbewußtsein lebt, das zerstäubt; das wird erst, indem es zukünftig ist, aus diesem Zerstäuben befreit. Das sieht man gerade, wenn man die Sache weiter verfolgt. Denn man hat jetzt ein Dreifaches in der Menschennatur, nämlich das, was die drei Glieder des menschlichen ewigen Wesens sind: Das Vergangene, vor der Erdenverkörperung Liegende, das sich in die unbewußte Inspiration des Organismus hereinlebt; dann das, was während des Erdenlebens erlebt wird in der unbewußten Intuition; und drittens das, was vorgefühlt wird als Wesenheit des Menschen nach dem Tode in der Imagination. Das sind drei Glieder des menschlichen Wesens, und sie wirken im Menschen immer zusammen. In Wahrheit ist der Mensch nicht das einfache monadenhafte Wesen, von dem diejenigen träumen, die gern alle Erkenntnis nur recht bequem haben wollen, sondern in Wahrheit wirken drei Iche im Menschen zusammen: Das inspirierende, das im Denken lebt, das herübergetragen ist aus der geistigen Welt und aus dem vorhergehenden Erdenleben; das intuitive, das in der gegenwärtigen Leiblichkeit lebt; und das imaginative, das hinübergetragen wird, wie ein Wagen den Insassen trägt, in die geistige Welt, in die eingetreten wird mit dem Durchgehen durch die Pforte des Todes.

[ 27 ] What is this “I” that otherwise dissipates? This “I” becomes conscious by immersing itself in the organism. The spiritual researcher recognizes it as unconscious intuition. This is the intuition gained when the true “I”—which otherwise never appears in consciousness—becomes immersed in the organism, specifically in the human being’s middle organization. Consciousness of the “I” is based on unconscious intuition. That is why you often hear people speak of “intuition,” but much less often of “imagination” and “inspiration.” But there is a vague awareness precisely of this highest aspect, which appears in spiritual research as a process taking place outside the body. This is what Hamerling calls the “sense of self.” It wells up from the organism. Such is the organism as it lives itself. Unconsciously, imaginations arising from non-sensory thinking enter that part of the human being which is embedded in the extremities, and from there they flow out into the future. What lives in present-moment self-consciousness dissolves; it is only by being future-oriented that it is freed from this dissolution. This becomes evident precisely when one pursues the matter further. For there is now a threefold aspect to human nature, namely what constitutes the three members of the human eternal being: the past, that which lies before the earthly incarnation, which flows into the unconscious inspiration of the organism; then that which is experienced during earthly life in the unconscious intuition; and thirdly, that which is sensed as the human being’s essence after death in the imagination. These are three aspects of the human being, and they always work together within the human being. In truth, the human being is not the simple, monadic entity dreamed of by those who would prefer all knowledge to be quite convenient; rather, in truth, three “I’s” work together within the human being: the inspiring “I,” which lives in thought and is carried over from the spiritual world and from the previous earthly life; the intuitive “I,” which lives in the present physical body; and the imaginative “I,” which is carried over—just as a carriage carries its passengers—into the spiritual world, which is entered by passing through the gate of death.

[ 28 ] Nun kann beim Menschen das Handeln auftreten, der Willensakt, der innerlich zusammenhängt mit der Extremitätenorganisation. Er kann so auftreten, daß er aus der Organisation heraus folgt. Dem trivialen Leben, dem Instinktleben Freiheit des Willens zuzuschreiben, wäre ja ein Unsinn. Daher habe ich in der «Philosophie der Freiheit» Wert darauf gelegt, daß gefragt werde: Welche Handlungen des Menschen sind freie? Denn man entdeckt, daß die aus den Vorstellungsassoziationen kommenden noch nicht freie sind. Der Mensch ist frei für gewisse Handlungen, für andere unfrei. Das Freie der Handlung entwickelt sich erst aus dem Menschen heraus, und zwar sind, wie ich in der «Philosophie der Freiheit» gezeigt habe, nur diejenigen Handlungen als freie aufzufassen, die aus dem sinnlichkeitsfreien Denken, dem intuitiven Denken auftreten. Da muß der Mensch etwas entwickeln, um solche Handlungen ins Werk zu setzen, das ihn aus sich herausführt; denn das wirkliche sinnlichkeitsfreie Denken folgt ja nicht aus der Organisation des Organismus, sondern das beruht auf Abbau. Was aus den Trieben folgt, kommt aus der Organisation, was aus den Instinkten folgt, ebenfalls. Der Mensch muß aus sich herausgehen, wenn auch unbewußt. Wodurch aber kommt er unbewußt schon im gewöhnlichen Bewußtsein aus sich heraus? Wenn er Handlungen verrichtet, bei denen er im eigentlichen Grunde seines Menschenwesens recht unbeteiligt ist in bezug auf alles, was Triebnatur, was instinktive Natur ist, wobei er den freien Gedanken hat: «es muß geschehen», und sich doch nur fühlt als Werkzeug des Geschehens. Wer wirklich das Menschenleben prüfen kann, der wird finden, wenn er darauf sieht, wie sich solche Handlungen ins Leben hineinstellen: Sie stellen sich so ins Leben hinein, wie wir uns einer Persönlichkeit gegenüberstellen, die wir lieben. Wenn wir sie wirklich lieben, dann nehmen wir sie, wie sie ist, wir schauen sie an, gehen über uns hinaus. Handlungen, die so angesehen werden können, Handlungen, die zum innersten Impuls die Liebe haben, das sind die freien Handlungen des Menschen, wenn diese Liebe getragen ist von der Einsicht, die aufgebaut ist auf sinnlichkeitsfreiem, intuitivem Denken. Das habe ich vor fünfundzwanzig Jahren in der «Philosophie der Freiheit» aus der Beobachtung heraus dargestellt, heute stelle ich es aus der Geisteswissenschaft heraus dar. So also haben wir in einer freien Handlung des Menschen den Dreiklang: Sinnlichkeitsfreies Denken, Abbau, Befehlen dem Organismus — Liebe - Tat. Das ist der Dreiklang, der in einer freien Menschennatur lebt: Freies intuitives Denken, Liebe, Tat. Aber es muß auftauchen im gewöhnlichen Bewußtsein. Es muß gewissermaßen das, was ich jetzt beschrieben habe, ihm zugrunde liegen.

[ 28 ] Now, in human beings, action—the act of will—can occur, which is internally connected to the organization of the limbs. It can occur in such a way that it follows from that organization. To attribute freedom of will to trivial life, to instinctive life, would indeed be nonsense. That is why, in The Philosophy of Freedom, I emphasized the need to ask: Which of a person’s actions are free? For one discovers that those arising from associations of ideas are not yet free. Human beings are free in certain actions, but not free in others. The freedom of action develops only from within the human being; and, as I have shown in The Philosophy of Freedom, only those actions that arise from thinking free of sensibility—that is, intuitive thinking—are to be regarded as free. To carry out such actions, a person must develop something that leads them out of themselves; for true thinking free from sensibility does not arise from the organism’s structure, but rather is based on a process of dissolution. What arises from the drives comes from the organism’s structure; what arises from the instincts does as well. A person must step outside themselves, even if unconsciously. But through what means does he unconsciously step outside of himself even in ordinary consciousness? When he performs actions in which, at the very core of his human being, he is quite detached from everything that is of a drive-based nature or an instinctive nature, while harboring the free thought: “It must happen,” and yet feels only as an instrument of what is happening. Anyone who can truly examine human life will find, upon observing how such actions take their place in life, that they take their place in life just as we relate to a person we love. When we truly love them, we accept them as they are; we look at them and transcend ourselves. Actions that can be viewed in this way—actions whose innermost impulse is love—are the free actions of the human being, provided this love is sustained by insight built upon non-sensual, intuitive thinking. I described this twenty-five years ago in The Philosophy of Freedom based on observation; today I describe it from the perspective of spiritual science. Thus, in a free human action, we have the triad: thinking free from sensuality, breaking down, directing the organism—love—action. This is the triad that lives within a free human nature: free intuitive thinking, love, action. But it must emerge in ordinary consciousness. What I have just described must, so to speak, underlie it.

[ 29 ] Aber der Mensch, der frei handelt, ist deshalb noch nicht ein Hellseher, er ist noch nicht zum schauenden Bewußtsein gekommen. Wie das geistige Leben hereintritt in Dichter und Künstler, so tritt es in ihn herein durch das, was ich in meinem Buche genannt habe die moralische Phantasie. Würde man in die geistige Welt hineinschauen zu dem geistigen Gegenbilde der moralischen Phantasie, dann hätte man Imaginationen; denn was moralische Impulse sind, lebt nicht in uns. Gefühlsmäßig ist der Abglanz davon im Gewissen; anschauend ist der Abglanz davon im Bewußtsein die moralische Phantasie, welche die moralischen Impulse hat. Redet man geistesforscherisch, dann sagt man: Nicht nur in uns liegen die Antriebe zu den moralischen Impulsen, sondern sie werden entlehnt aus der geistigen Welt; aber sie treten ins Bewußtsein herein als moralische Phantasie. Das ist es, was der Willensfreiheit des Menschen zugrunde liegt.

[ 29 ] But the person who acts freely is not yet a clairvoyant; he has not yet attained a visionary consciousness. Just as spiritual life enters the poet and the artist, so does it enter him through what I have called in my book the moral imagination. If one were to look into the spiritual world at the spiritual counterpart of moral imagination, one would find imaginations; for what moral impulses are does not live within us. Emotionally, their reflection is found in the conscience; in terms of perception, their reflection in consciousness is moral imagination, which possesses the moral impulses. Speaking in the language of spiritual science, one says: The drives behind moral impulses do not lie solely within us, but are borrowed from the spiritual world; yet they enter consciousness as moral imagination. This is what underlies human free will.

[ 30 ] Schauen wir noch einmal auf das hin, was in der höheren Extremitätenorganisation, die in die menschliche Organisation hineingeht, zum Ausdruck kommt. Das ist ja nicht für das Leben, das bis zum Tode geht; es enthält ja die Impulse, die nach dem Tode ihre Bedeutung haben. Sie sind vorhanden, leben im Menschen, verrichten also etwas, was über das gewöhnliche Leben hinaus seine Bedeutung hat; sie sind nicht im Organismus begründet. Denn der Organismus muß über sein Maß der Organisation hinausgehen, indem er das hervorbringen will. Da bewirkt er etwas. Da bewirkt er etwas im Menschen, was nichts zu tun hat mit einer bloß naturwissenschaftlichen Notwendigkeit, denn diese naturwissenschaftliche Notwendigkeit betrachtet den Menschen in bezug auf alles, was zwischen Geburt und Tod liegt. Wenn aber das auftritt, was zwar hier wirkt, aber seine volle Realität erst nach dem Tode erhält, dann ist es das «Zukunfts-Ich», wenn wir so sagen dürfen. Und was ergreift dieses Zukunfts-Ich? Ich sagte: das freie Denken. Das Vergangenheits-Ich — der Dreiklang ‘der Iche liegt im Menschen -, das er in die Verkörperung hereinbringt, das in des Menschen Seelenleben hereininspiriert, das macht es, daß wir überhaupt freies, vom bloßen Vorstellen freies Denken haben, das auch die Antriebe für das moralische Handeln abgibt. Aber das würde passiv bleiben. Das muß jedoch ergriffen werden von lebensvollen Impulsen. Die sind von dem Zukunfts-Ich. In jeder freien Handlung lebt sich das aus, was des Menschen unsterbliches Wesen ist. Denn in das gegenwärtige Ich, das durch den Leib lebt, das erst in der Zukunft seine Bedeutung erhält durch das, was sich durch das Geistig-Seelische vorbereitet, in dieses gegenwärtige Ich herein wirkt, es übergreifend, das Zukunfts-Ich mit allen Impulsen, allen tätigen Kräften, die das freie Denken des Vergangenheits-Ich ergreifen. In den gegenwärtigen Menschen wirkt der unsterbliche Mensch im Zusammenklang mit dem Zukunfts-Menschen herein. Dadurch ist der Mensch ein freies Wesen!

[ 30 ] Let us take another look at what is expressed in the higher organization of the extremities, which is integrated into the human organism. This is not meant for the life that extends until death; it contains impulses that have significance after death. They are present, live within the human being, and thus accomplish something that has significance beyond ordinary life; they are not rooted in the organism. For the organism must go beyond its own level of organization in order to bring this about. There it brings about something. There it brings about something within the human being that has nothing to do with a mere scientific necessity, for this scientific necessity considers the human being in relation to everything that lies between birth and death. But when that which acts here, yet attains its full reality only after death, comes into play, then it is the “future self,” if we may put it that way. And what does this future “I” grasp? I said: free thinking. The past “I”—the triad of “I’s” within the human being—which the past “I” brings into the physical body and inspires into the human soul’s life, is what enables us to have free thinking at all—thinking that is free from mere imagination—and which also provides the impulses for moral action. But that would remain passive. It must, however, be seized upon by life-filled impulses. These come from the future “I.” In every free action, what constitutes the human being’s immortal essence comes to life. For the present “I,” which lives through the body and only attains its significance in the future through what is being prepared by the spiritual-soul aspect—into this present “I” the future “I” works, transcending it, with all the impulses and active forces that seize the free thinking of the past “I.” The immortal human being acts within the present human being in harmony with the future human being. This is what makes the human being a free being!

[ 31 ] Man muß erst darauf kommen, daß in einer freien Menschentat das unsterbliche Wesen des Menschen liegt, um einzusehen, daß die Naturwissenschaft ganz recht hat, wenn sie von keinen freien Handlungen spricht; denn sie betrachtet nicht — das ist auch nicht ihre Aufgabe — das unsterbliche Wesen des Menschen. Aber ehe man dieses unsterbliche Wesen nicht einsieht, kann man nicht zu dem vordringen, was aus den unterbewußten Tiefen heraufkommt und in moralischen Handlungen sich auslebt. Der menschliche Wille ist unfrei in diesen seinen Trieben, aber es liegt die Entwickelung zur Freiheit in ihm. Der Mensch ist ein immer mehr sich befreiendes Wesen. Und um so mehr Freiheit erringt er sich, je mehr sich in ihm entfaltet, was als ein ewiger Wesenskern in ihm lebt. Frei sind wir, weil wir unsterblich sind; frei sind wir mit demjenigen Teil unseres Wesens, mit dem wir unsterblich sind.

[ 31 ] One must first realize that the immortal essence of the human being lies in a free human act in order to understand that the natural sciences are quite correct when they speak of no free actions; for they do not consider—nor is that their task—the immortal essence of the human being. But until one grasps this immortal essence, one cannot penetrate to what rises from the depths of the subconscious and finds expression in moral actions. The human will is unfree in these drives of its own, but the potential for freedom lies within it. Human beings are beings who are increasingly liberating themselves. And the more that which lives within them as an eternal core of their being unfolds, the more freedom they attain. We are free because we are immortal; we are free with that part of our being through which we are immortal.

[ 32 ] Das ist der Weg, wie alles das gefunden werden kann, was mit Bezug auf diese beiden Fragen — Willensfreiheit und Seelenunsterblichkeit — die Naturwissenschaft niemals finden kann; und sie wird um so mehr gute Naturwissenschaft bleiben, je weniger sie Anspruch machen wird, in diese Gebiete einzugreifen. Aber Wissenschaft bleibt es doch, was so in den Geist und in das Geistesleben eingreift. Die Menschheit früherer Jahrhunderte und Jahrtausende, die noch ein anderes Seelenleben hatte, brauchte noch nicht diese Wissenschaft. Aber heute nähern wir uns immer mehr der Zeit, wo volle Bewußtheit über das eintreten muß, was dem Menschenleben zugrunde liegt. Der Mensch wird immer mehr das brauchen, was ihm die Wissenschaft vom übersinnlichen Leben geben kann. Ich habe oft ausgeführt: Eindringen in das übersinnliche Leben kann zwar nur der Geistesforscher; aber was er sagt, prüfe man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, und man wird es ebenso annehmen können, wenn man selbst auch nicht Geistesforscher ist, obwohl es jeder heute werden kann. Wenn der Geistesforscher seine Ergebnisse vor das gewöhnliche Bewußtsein hinstellt, so kann man sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein verstehen, wenn man sich nur nicht beirren läßt von dem, was zwar auf seinem Boden seine volle Berechtigung hat, was aber immerzu seinen Boden übertritt, wenn es verbieten will, auf andern Territorien zu forschen als auf denen des bloßen Naturgeschehens. Allerdings führt so manches ab von der Geistesforschung, und wer etwa glaubt, daß der Geistesforscher die geringste Anlage zur Phantastik haben darf, der irrt sehr. Wer da meint, daß es leicht sei, in die geistige Welt einzudringen, und daß dagegen die gewöhnliche Forschung in Kliniken und Laboratorien schwer ist, der hat keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen. Im Grunde genommen ist alles, was auf dem Gebiete der äußeren Wissenschaft an Anstrengungen gemacht wird, ein Kleines gegenüber dem, was dem wirklichen Forschen zugrunde liegt, wenn man in die heute geschilderten Gebiete eindringen will.

[ 32 ] This is the way to discover everything that natural science can never discover with regard to these two questions—free will and the immortality of the soul; and the less it claims to intervene in these areas, the more it will remain sound natural science. Yet what does intervene in the spirit and in spiritual life remains science. Humanity in earlier centuries and millennia, which still had a different spiritual life, did not yet need this science. But today we are drawing ever closer to the time when full awareness must dawn regarding what underlies human life. Humanity will increasingly need what the science of the supersensible life can offer. I have often explained: Only the spiritual researcher can penetrate the supersensible life; but what he says should be examined with ordinary consciousness, and one will be able to accept it just as readily even if one is not a spiritual researcher oneself—although anyone can become one today. When the spiritual researcher presents his findings to ordinary consciousness, they can be understood by ordinary consciousness—provided one does not allow oneself to be misled by that which, while fully justified within its own realm, constantly oversteps its bounds when it seeks to prohibit research into territories other than those of mere natural phenomena. Admittedly, many things lead one astray from spiritual research, and anyone who believes, for example, that the spiritual researcher may possess even the slightest inclination toward fantasy is greatly mistaken. Anyone who thinks it is easy to penetrate the spiritual world, and that, by contrast, ordinary research in clinics and laboratories is difficult, has no idea of the real circumstances. Essentially, all the efforts made in the realm of external science pale in comparison to what underlies true research when one seeks to penetrate the realms described today.

[ 33 ] Aber es ist auch noch notwendig, daß man mit unbefangenem Auge darauf hinsieht, wie Menschen oftmals glauben, unbefangen zu sein, und drinnen stehen in der Befangenheit. Ich muß daran denken, wenn ich immer wieder bei den gebräuchlichen Philosophen sehe, wie sie die heute besprochenen Fragen so behandeln, daß sie immer wieder und wieder sagen: Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Sie wissen — den ganzen Betrachtungen dieses Winters lag das zugrunde -, daß man mit der Menschenbetrachtung nicht zurechtkommt, wenn man den Menschen nicht gliedert in Leib, Seele und Geist. Das macht eigentlich heute nur die Geisteswissenschaft. Aber die Mehrzahl der Philosophen redet heute noch nicht von Leib, Seele und Geist, und sie glaubt, vorurteilslose Wissenschaft damit zu treiben. Man muß nur wirklich in die Dinge hineinsehen. Woher kommt es, daß die Philosophen heute nicht sprechen von Leib, Seele und Geist - und sich selbst die Klarheit darüber trüben? Sie glauben, voraussetrzungslos zu forschen, aber sie folgen in Wirklichkeit dem Achten ökumenischen Konzil vom Jahre 869! Sie wissen nur nicht, daß es dem damals aufgestellten Dogma entspricht, daß der Mensch nicht als dreigliedrig angesehen werden darf, sondern daß man nur reden darf von Leib und Seele, und der letzteren höchstens geisthafte Eigenschaften beimessen darf. Was durch das ganze Mittelalter als ein wahrer Horror da war, das hat sich in die neuere Zeit fortgepflanzt; und wenn heute Wundt von Leib und Seele redet, so glaubt er vorurteilslos zu reden, in Wahrheit befolgt er nur die Richtschnur des Achten ökumenischen Konzils. So stehen die Menschen unter den Impressionen des Unbewußten. Doch die heutige Menschheit ist ja nicht «autoritätsgläubig», und deshalb gibt sie auch nicht acht, ob die, welche die Autoritäten sind für die nicht-autoritätsgläubigen Menschen, aus solchen Untergründen zu ihren Behauptungen kommen, oder vorurteilsfreie Wissenschaft treiben. Das ist das eine, was sich dem Beobachter darstellt.

[ 33 ] But it is also necessary to look at this with an unbiased eye—how people often believe themselves to be unbiased, while in fact they are caught up in bias. I am reminded of this whenever I see, time and again, how mainstream philosophers address the questions discussed today by repeatedly stating: “Human beings consist of body and soul.” They know—and this has been the foundation of all our reflections this winter—that one cannot properly understand human beings unless one divides them into body, soul, and spirit. In fact, only spiritual science does this today. But the majority of philosophers still do not speak of body, soul, and spirit, and they believe they are thereby conducting unbiased science. One need only truly look into these matters. Why is it that philosophers today do not speak of body, soul, and spirit—and thereby cloud their own clarity on the matter? They believe they are conducting research without presuppositions, but in reality they are following the Eighth Ecumenical Council of 869! They simply do not realize that it corresponds to the dogma established at that time: that human beings must not be regarded as tripartite, but that one may speak only of body and soul, and may at most attribute spiritual qualities to the latter. What was a true horror throughout the entire Middle Ages has carried over into modern times; and when Wundt speaks today of body and soul, he believes he is speaking without prejudice, but in truth he is merely following the guiding principle of the Eighth Ecumenical Council. Thus, people are subject to the influences of the unconscious. Yet today’s humanity is not “authority-worshipping,” and therefore pays no attention to whether those who are regarded as authorities by non-authority-worshipping people arrive at their assertions from such underlying sources or engage in unbiased science. This is the one thing that presents itself to the observer.

[ 34 ] Das andere ist, daß innere Kraft dazu gehört, um zur Imagination aufzusteigen, um das verstärkte Bewußtsein so zu halten, daß es einem nicht fortwährend entfällt. Man darf nicht in den Glauben verfallen, man komme sogleich in die Phantastik hinein, wenn man nicht am Gängelbande der äußeren Wirklichkeit mit seinem Erleben fortschreitert, wenn man aus einer inneren Notwendigkeit heraus, mutvoll, in dem neuen Erleben sich zu stehen getraut, um in den Geist hineinzukommen. Dieser innere Mut fehlt den Leuten, sonst würde die Geistesforschung leichter vordringen können. Kleinmut und die Furcht vor der Einsamkeit sind im Unterbewußten unten. Und die, welche diesen Kleinmut und diese Furcht haben, sie treten auf und nennen die Geistesforschung eine Phantasterei und glauben, mit ihren Gründen könnten sie die Geistesforschung widerlegen. Prüft man ihre Gründe, so findet man, es ist unbewußter Kleinmut, unbewußte Furcht und Ängstlichkeit, die sich über sich selbst hinwegtäuschen und sich betäuben will über die Gründe, die sie gegen die Geistesforschung vorbringt. Aber jeder Geistesforscher weiß, daß der, der sich in die Geisteswissenschaft einlebt in bezug auf das geistig Übersinnliche der Menschenwesenheit, zu einem Verstehen der Dinge kommen kann. Die Wahrheit findet, trotz aller ihr entgegenstehender Finsternis und wie sehr sie auch angefeindet und verleumdet wird, ihren Weg — wie ein geistvoller deutscher Denker gesagt hat — durch die Menschheitsentwickelung hindurch, selbst durch die engsten Ritzen und Felsspalten; sie findet den Weg zur Menschheit. Die Menschheit wird darauf kommen, daß sie ein übersinnliches Wesen ist und zur wahren Selbsterkenntnis, aber auch zum wirklichen praktischen Leben übersinnliche Erkenntnisse immer mehr und mehr brauchen wird. Deshalb darf man, indem man empfindungsgemäß zusammenschließt, was als Gesinnung zum Ausdruck kommt, wenn man die heute noch so paradoxen Vorstellungen der Geisteswissenschaft vor ein Publikum hinträgt, wenn es einem ernst ist und man sich nicht um die entgegengebrachten Mißverständnisse kümmert, aufmerksam machen auf diese sich durchsetzende Kraft der Wahrheit und auf diesen immer lebendigen Impuls. Und das legt es einem auf die Zunge, nicht als Phrase, sondern als tiefernste Überzeugung: Mag auch das Einzelne, so wie es heute erforscht wird, noch von diesem oder jenem Irrtum angefressen oder angekränkelt sein; der Impuls der Wahrheit lebt in dem, was durch die geisteswissenschaftliche Forschung fließen soll. Das fühlt der, der in ihr drinnensteht. Deshalb sagt er es, wahrhaftig nicht als Phrase, sondern als einen Ausdruck des mit dem Geist verbundenen Lebens selbst: Trotz allem — die Wahrheit wird auch auf diesem Gebiete siegen müssen!

[ 34 ] The other point is that it takes inner strength to rise to the level of imagination, to maintain that heightened state of consciousness so that it does not constantly slip away. One must not fall into the belief that one immediately enters the realm of fantasy if one does not proceed with one’s experience while remaining tethered to external reality; rather, out of an inner necessity, one must courageously dare to stand firm in the new experience in order to enter into the spirit. This inner courage is lacking in people; otherwise, spiritual research could advance more easily. Timidity and the fear of loneliness lie deep in the subconscious. And those who possess this timidity and this fear speak out, calling spiritual research a fantasy and believing that their arguments can refute it. If one examines their arguments, one finds that it is unconscious timidity, unconscious fear, and anxiety that are deceiving themselves and attempting to numb themselves through the arguments they put forward against spiritual research. But every researcher in spiritual science knows that whoever immerses themselves in spiritual science with regard to the spiritual, supersensible aspects of human existence can come to an understanding of these things. The truth, despite all the darkness that opposes it and no matter how much it is vilified and slandered, finds its way—as a profound German thinker once said—through the course of human evolution, even through the narrowest crevices and rock fissures; it finds its way to humanity. Humanity will come to realize that it is a supersensible being and will increasingly need supersensible insights not only for true self-knowledge but also for real, practical life. Therefore, by intuitively synthesizing what is expressed as a mindset—when presenting the ideas of spiritual science, which still seem so paradoxical today, to an audience—if one is serious and pays no heed to the misunderstandings encountered, one can draw attention to this prevailing power of truth and to this ever-living impulse. And this puts the words on one’s tongue—not as a cliché, but as a deeply held conviction: Even if individual aspects, as they are currently being researched, may still be marred or weakened by this or that error, the impulse of truth lives in what is meant to flow through spiritual scientific research. This is what one feels when one is immersed in it. That is why they say it—truly not as a cliché, but as an expression of life itself, connected to the spirit: Despite everything—the truth must prevail in this field as well!