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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

28 March 1904, Cologne

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

1. Geburt Und Tod Im Leben Der Seele

1. Birth and Death in the Life of the Soul

Bericht in unbekannter Kölner Zeitung

Article in an unknown Cologne newspaper

[ 1 ] Geburt und Tod im Leben der Seele. Ein Blick in die theosophische Weltanschauung. Über dieses Thema hielt am Montagabend Herr Dr. Rudolf Steiner aus Berlin in der Theosophischen Gesellschaft (Sektion Köln) einen Vortrag, zu dem sich annähernd 100 Personen im Isabellensaale des Gürzenichs eingefunden hatten. Der Gedankengang der fesselnden zweistündigen Rede sei hier in Kürze wiedergegeben.

[ 1 ] Birth and Death in the Life of the Soul. A Glimpse into the Theosophical Worldview. On Monday evening, Dr. Rudolf Steiner from Berlin gave a lecture on this topic at the Theosophical Society (Cologne Section), attended by approximately 100 people in the Isabellensaal of the Gürzenich. The main points of this captivating two-hour speech are summarized here briefly.

[ 2 ] Wer nicht ganz im materiellen Leben aufgeht, wird sich die Fragen stellen müssen: Was geschieht mit uns nach dem Tode, was sind wir vor der Geburt gewesen? Diese Fragen haben schon die ältesten Philosophen aufgeworfen. Aus dem Gespräche des sterbenden Sokrates mit seinen Schülern wird es uns deutlich, dass Sokrates fest an ein Weiterleben seiner Seele geglaubt hat. Dieser Glaube ist in seinem Schüler Plato noch zu höherer Entfaltung gekommen. Er hat die Frage gestellt: «Warum leben wir?» Ihm war es klar, dass der Zweck unseres Lebens mit dem Absterben des Körpers nicht erfüllt sein könne. Durch die Geburt ist unser Leben im Wesentlichen schon vorgezeichnet. Die Umgebung, in die uns die Geburt versetzt, bestimmt es, ob wir in Reichtum oder Armut, in Freude oder Leid unser Dasein fristen, ob unser Geist voranschreiten oder auf niederer Stufe stehen bleiben wird. Sollte mit dem Tode für den Armen und Unwissenden das Leben erfüllt sein? Nur selten stirbt ein Mensch ohne Wünsche; sie deuten darauf hin, dass es für uns noch ein anderes Leben geben muss, in dem wir zu höherer Entwicklung gelangen können. Der Körper freilich ist vergänglich, unser Geist aber ewig. Er kann niemals ein Produkt des Körpers sein. Jener empfängt seine Nahrung aus Körperlichem, dieser aus Geistigem. Was der Geist in sich aufgenommen hat, vergeht nicht, die Wahrheit und Güte, die den Geist auf eine höhere Stufe gelangen lassen, sind ewig. Der hervorragende Physiologe Wilhelm Preyer sagte: Alles Körperliche vergeht und zerfällt wieder in seine Bestandteile, aber die Kraft, die Bewegung sind bleibend. Redner ergänzt diesen Ausspruch mit den Worten: und der Geist ist bleibend. Wenn wir an die Ewigkeit der Seele glauben, müssen wir auch annehmen, dass sich unsere Seele weiterentwickelt und dass es eine höchste Stufe dieser Entwicklung gibt. Um diese zu erreichen, wird sich die Seele immer wieder neu verkörpern. Die Lehre von der Wiederverkörperung (Reinkarnation) haben die Stifter der großen Religionen mehr oder weniger ausgesprochen, an sie haben unsere großen Weisen geglaubt. Redner erinnert an Giordano Bruno, Lessing, Goethe und an Naturforscher vergangener Zeiten und der Gegenwart. Auch in den ersten Jahrhunderten des Christentums hat der Glaube von der Wiederverkörperung geherrscht. Im Mittelalter ist er aber verloren gegangen. Damals hat der Mensch nur Erde und Himmel gekannt. Heute jedoch, wo wir in der Erkenntnis der Natur weit vorangeschritten sind, ist es notwendig geworden, aufgrund dieser Naturanschauung unsere Seele wieder zu studieren. Wie die Lilie auf dem Felde vergeht und ein Samenkorn zurücklässt, in dem alle Kraft ruht, um eine neue Pflanze gleich der abgestorbenen entstehen zu lassen, so kehrt die Seele des Menschen immer wieder in einen neuen Körper zurück. Es sind nicht spekulative Gedanken, welche zu diesem Glauben geful-m haben, sondern das, was hoch entwickelte Menschen mit dem geistigen Auge geschaut haben. Unter Theosophie versteht man dieses Studium der Seele. Redner gibt nun in erzählender Weise einen Einblick in die theosophische Weltanschauung. Er legt dar, wie der Mensch aus drei Teilen bestehe. Die äußere Hülle sei der vergängliche Körper, von diesem werde die Seele eingeschlossen, womit man die Fähigkeit erhalte, die Anschauungen der Außenwelt zu erfassen, womit man Freude und Leid, Liebe und Hass empfinden könne. Diese seelischen Stoffe trennen sich bald nach dem Tode vom Körper und teilen sich dem All mit. Den Kern des Menschen aber bilde der Geist. Der Geist, der nur dem Menschen, nicht dem hoch entwickelten Tier zu eigen sei, bleibe ewig und werde stets wieder in einen menschlichen Körper zurückkehren, bis er, auf der höchsten Stufe angelangt, in das Reich des Geistes eingehe.

[ 2 ] Those who are not completely absorbed in material life will have to ask themselves: What happens to us after death? What were we before birth? Even the earliest philosophers raised these questions. From the dying Socrates’ conversation with his students, it becomes clear to us that Socrates firmly believed in the continued existence of his soul. This belief reached an even higher level of development in his student Plato. He asked the question: “Why do we live?” It was clear to him that the purpose of our life could not be fulfilled with the death of the body. Through birth, our life is essentially already predetermined. The environment into which birth places us determines whether we eke out our existence in wealth or poverty, in joy or suffering, and whether our spirit will progress or remain at a lower level. Should life be considered fulfilled with death for the poor and the ignorant? Rarely does a person die without desires; these desires suggest that there must be another life for us in which we can attain higher development. The body, of course, is transitory, but our spirit is eternal. It can never be a product of the body. The body derives its nourishment from the physical, while the spirit derives it from the spiritual. What the spirit has absorbed does not perish; the truth and goodness that enable the spirit to ascend to a higher level are eternal. The eminent physiologist Wilhelm Preyer said: “Everything physical passes away and breaks down into its constituent parts, but force and motion are enduring.” Redner adds to this statement with the words: “and the spirit is enduring.” If we believe in the eternity of the soul, we must also accept that our soul continues to develop and that there is a highest stage of this development. To reach this level, the soul will incarnate again and again. The doctrine of reincarnation was more or less explicitly taught by the founders of the major religions, and our great sages believed in it. Redner recalls Giordano Bruno, Lessing, Goethe, and natural scientists of both past and present. The belief in reincarnation also prevailed during the early centuries of Christianity. In the Middle Ages, however, it was lost. At that time, people knew only of earth and heaven. Today, however, now that we have made great strides in our understanding of nature, it has become necessary to study our soul anew based on this view of nature. Just as the lily of the field fades and leaves behind a seed in which all the power resides to bring forth a new plant like the one that has died, so the human soul returns again and again to a new body. It is not speculative thoughts that have led to this belief, but rather what highly developed individuals have beheld with the spiritual eye. Theosophy is understood as this study of the soul. Redner now provides a narrative insight into the Theosophical worldview. He explains how human beings consist of three parts. The outer shell is the perishable body; within it lies the soul, which grants the ability to perceive the external world and to feel joy and sorrow, love and hate. These elements of the soul separate from the body shortly after death and merge with the universe. The core of the human being, however, is the spirit. The spirit—which is unique to humans and not found even in highly developed animals—remains eternal and will always return to a human body until, having reached the highest level, it enters the realm of the spirit.

[ 3 ] Den Ausführungen des Redners wurde lebhafter Beifall gezollt. Es dürfte interessieren, dass Herr Dr. Steiner früher Bibliothekar des Goethe-Archivs in Weimar gewesen ist und an der Bearbeitung der naturSgsenschaftlichen Scheiften für die große Weimarsche Coabk Ausgabä beteiligt war.

[ 3 ] The speaker's remarks were met with enthusiastic applause. It may be of interest to note that Dr. Steiner was formerly the librarian of the Goethe Archive in Weimar and was involved in editing the scientific manuscripts for the major Weimar edition.