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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

7 January 1905, Munich

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Der Kreislauf des Menschen
  1. The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL

3. Geburt und Tod im Leben der Seele

3. Geburt und Tod im Leben der Seele

Bericht in den «Münchner Neuesten Nachrichten», Januar 1905

Bericht in den «Münchner Neuesten Nachrichten», Januar 1905

[ 1 ] Theosophische Vorträge. Der Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland, Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner aus Berlin, hielt im Caf& Luitpold wieder zwei theosophische Vorträge.

[ 1 ] Theosophische Vorträge. Der Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland, Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner aus Berlin, hielt im Caf& Luitpold wieder zwei theosophische Vorträge.

[ 2 ] Im ersten Vortrage behandelte er das Thema: «Geburt und Tod im Leben der Seele», Er deutete zunächst auf Platos Darstellung des Todes des Sokrates hin, die eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele biete, in der die mystische Überzeugung von der Unvergänglichkeit der Seele aufgrund innerer Erfahrung und der innere Sieg über den Tod klar zum Ausdruck komme. Der Mystiker fühle sich, wie Sokrates, unabhängig in seinem wahren inneren Leben von dem ihn umgebenden Sinnenschein. Um dieses wahre, innere Leben, das Wesen, das hinter der phänomenalen Welt liegt, in eigener Innenschau zu erkennen, um die Seele zu suchen, müsse der Mensch, wie die Mystik lehre, in sich jene innere Stille durch Sammlung und Meditation herzustellen suchen, durch die er für längere oder kürzere Zeit wie taub und blind gegen die Eindrücke der Außenwelt werden könne. Die Welt des Geistes müsse seiner inneren Anschauung so wirklich werden wie der sinnlichen Anschauung die Sinneswelt. Der Mystiker müsse unmittelbar sinnenfrei erkennen lernen, im Gegensatze zur mittelbaren sinnesgebundenen Erkenntnis. Wenn er in dieser Bewusstseinssteigerung in der bewussten und gewollten Erhebung über die Sinnenwelt das Ewige erfahren, könne man von ihm in der traditionellen Sprache der Mystik sagen, dass er die enge Pforte des Todes überschritten habe, insofern er für die Sinnenwelt gestorben sei; der Tod sei für die Mystiker das Bild für das Höchste, was sie zu höherer Erkenntnis anstreben, Wie der Mystiker sich in die eigene Seele vertiefend zu sinnenfreier Erkenntnis in der Geisteswelt neugeboren werde, so werde ihm auch die Antwort auf die Frage in innerer Anschauung klar werden, was Geburt und Tod seien. Die Geburt stellt sich dem Mystiker dar als eine Veräußerung der Seele zu mittelbarer Erkenntnis durch die Sinneswelt, zur mittelbaren Verbindung mit ihr, nach dem inneren Drange, dem Verlangen und Begehren, zur Sammlung von Erfahrung durch die Sinneswelt. Der Tod ist für ihn das Mittel zur Befreiung, zur allmählichen Wiedergeburt in der Geisteswelt, nachdem das Verlangen sich ausgelebt hat, und zur Verinnerlichung der gesammelten Erfahrungen in dem geistigen Zustande, der von der indischen Mystik als Devachan bezeichnet werde. Diese aufgenommenen, verinnerlichten Erfahrungen verwerte die

[ 2 ] Im ersten Vortrage behandelte er das Thema: «Geburt und Tod im Leben der Seele», Er deutete zunächst auf Platos Darstellung des Todes des Sokrates hin, die eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele biete, in der die mystische Überzeugung von der Unvergänglichkeit der Seele aufgrund innerer Erfahrung und der innere Sieg über den Tod klar zum Ausdruck komme. Der Mystiker fühle sich, wie Sokrates, unabhängig in seinem wahren inneren Leben von dem ihn umgebenden Sinnenschein. Um dieses wahre, innere Leben, das Wesen, das hinter der phänomenalen Welt liegt, in eigener Innenschau zu erkennen, um die Seele zu suchen, müsse der Mensch, wie die Mystik lehre, in sich jene innere Stille durch Sammlung und Meditation herzustellen suchen, durch die er für längere oder kürzere Zeit wie taub und blind gegen die Eindrücke der Außenwelt werden könne. Die Welt des Geistes müsse seiner inneren Anschauung so wirklich werden wie der sinnlichen Anschauung die Sinneswelt. Der Mystiker müsse unmittelbar sinnenfrei erkennen lernen, im Gegensatze zur mittelbaren sinnesgebundenen Erkenntnis. Wenn er in dieser Bewusstseinssteigerung in der bewussten und gewollten Erhebung über die Sinnenwelt das Ewige erfahren, könne man von ihm in der traditionellen Sprache der Mystik sagen, dass er die enge Pforte des Todes überschritten habe, insofern er für die Sinnenwelt gestorben sei; der Tod sei für die Mystiker das Bild für das Höchste, was sie zu höherer Erkenntnis anstreben, Wie der Mystiker sich in die eigene Seele vertiefend zu sinnenfreier Erkenntnis in der Geisteswelt neugeboren werde, so werde ihm auch die Antwort auf die Frage in innerer Anschauung klar werden, was Geburt und Tod seien. Die Geburt stellt sich dem Mystiker dar als eine Veräußerung der Seele zu mittelbarer Erkenntnis durch die Sinneswelt, zur mittelbaren Verbindung mit ihr, nach dem inneren Drange, dem Verlangen und Begehren, zur Sammlung von Erfahrung durch die Sinneswelt. Der Tod ist für ihn das Mittel zur Befreiung, zur allmählichen Wiedergeburt in der Geisteswelt, nachdem das Verlangen sich ausgelebt hat, und zur Verinnerlichung der gesammelten Erfahrungen in dem geistigen Zustande, der von der indischen Mystik als Devachan bezeichnet werde. Diese aufgenommenen, verinnerlichten Erfahrungen verwerte die

[ 3 ] Seele, indem sie, hiemit bereichert, neuerdings in der Sinnenwelt geboren werde, das Verinnerlichte neuerdings aus sich herausentwickle. Verinnerlichung (Involution) und Entwicklung (Evolution) bilden den Lebensprozess der Seele. Sie muss immer wieder hinabsteigen in die Sinneswelt und hinaufsteigen in die Geisteswelt, im ewigen Werden und Sterben — ein ewiges Gesetz, auf das der große Mystiker Goethe hingedeutet hat mit den Dichterworten: «Wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein träger Gast auf dieser Erde.»

[ 3 ] Seele, indem sie, hiemit bereichert, neuerdings in der Sinnenwelt geboren werde, das Verinnerlichte neuerdings aus sich herausentwickle. Verinnerlichung (Involution) und Entwicklung (Evolution) bilden den Lebensprozess der Seele. Sie muss immer wieder hinabsteigen in die Sinneswelt und hinaufsteigen in die Geisteswelt, im ewigen Werden und Sterben — ein ewiges Gesetz, auf das der große Mystiker Goethe hingedeutet hat mit den Dichterworten: «Wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein träger Gast auf dieser Erde.»