The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b
21 March 1906, Leipzig
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Der Kreislauf des Menschen
18. Haeckels Welträtsel und die Theosophie
18. Haeckels Welträtsel und die Theosophie
[ 1 ] Theosophie ist Friedensvermittlerin, und ihr zweiter Grundsatz, die Wahrheitskeime in allen Weltanschauungen zu finden, soll sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern ganz besonders auch auf die Gegenwart beziehen.
[ 1 ] Theosophie ist Friedensvermittlerin, und ihr zweiter Grundsatz, die Wahrheitskeime in allen Weltanschauungen zu finden, soll sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern ganz besonders auch auf die Gegenwart beziehen.
[ 2 ] Haeckels «Welträtsel» nun will die große Daseinsfrage behandeln. Das Aufsehen, was dieses Buch macht, zeigt zunächst das Interesse für diese Frage. Das Buch ist aber ganz aus dem Materialismus entsprungen. Will die Theosophie Leben sein, muss sie sich mit solchen Tatsachen befassen.
[ 2 ] Haeckels «Welträtsel» nun will die große Daseinsfrage behandeln. Das Aufsehen, was dieses Buch macht, zeigt zunächst das Interesse für diese Frage. Das Buch ist aber ganz aus dem Materialismus entsprungen. Will die Theosophie Leben sein, muss sie sich mit solchen Tatsachen befassen.
[ 3 ] Welche Stellung nimmt der Verfasser in dem modernen Geistesleben ein? Ein kühner Geist hat sich in diesem Werk gezeigt. Ernst Haeckel hat seit einem Jahrzehnt einen großen Einfluss auf das moderne Geistesleben. Er war einer der Ersten, der den Darwinismus ergriff, kühn und mutig bis in die letzten Konsequenzen.
[ 3 ] Welche Stellung nimmt der Verfasser in dem modernen Geistesleben ein? Ein kühner Geist hat sich in diesem Werk gezeigt. Ernst Haeckel hat seit einem Jahrzehnt einen großen Einfluss auf das moderne Geistesleben. Er war einer der Ersten, der den Darwinismus ergriff, kühn und mutig bis in die letzten Konsequenzen.
[ 4 ] Beschäftigen wir uns zunächst mit Haeckelianismus und Darwinismus. Alles, was von Haeckel kommt, ist durchgearbeitet, ist Erworbenes. Wie sind aber die Folgerungen aus seinen wissenschaftlichen Anschauungen zu beurteilen? Der Mensch ist eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, ist nur ein höheres Tier. Nach seinem Tode ist kein Vorhandensein mehr. Der wissenschaftliche Materialismus ist eine Denkweise des vorigen Jahrhunderts, aber nicht Folge des Darwinismus. Haeckel sah in Goethe seinen Vorläufer. Goethe entdeckte beim Menschen den von ihm gefolgerten und gesuchten Zwischenkieferknochen. Dies war ihm der Beweis der Wahrheit für die Verwandtschaft des Menschen mit dem höheren Tier. — Selbst als Geheimrat noch stand er in Jena mitten unter den Studenten zu diesem Zweck.
[ 4 ] Beschäftigen wir uns zunächst mit Haeckelianismus und Darwinismus. Alles, was von Haeckel kommt, ist durchgearbeitet, ist Erworbenes. Wie sind aber die Folgerungen aus seinen wissenschaftlichen Anschauungen zu beurteilen? Der Mensch ist eingeschlossen zwischen Geburt und Tod, ist nur ein höheres Tier. Nach seinem Tode ist kein Vorhandensein mehr. Der wissenschaftliche Materialismus ist eine Denkweise des vorigen Jahrhunderts, aber nicht Folge des Darwinismus. Haeckel sah in Goethe seinen Vorläufer. Goethe entdeckte beim Menschen den von ihm gefolgerten und gesuchten Zwischenkieferknochen. Dies war ihm der Beweis der Wahrheit für die Verwandtschaft des Menschen mit dem höheren Tier. — Selbst als Geheimrat noch stand er in Jena mitten unter den Studenten zu diesem Zweck.
[ 5 ] Haeckel sah seinen Materialismus in seinen Darwinismus hinein. Durch das letzte Jahrzehnt ist Haeckels Anschauung sehr erschüttert worden. Haeckel gründete die Affenverwandtschaft. Nun schließt er: Einer muss von dem andern abstammen. Zum Beispiel: Nehmen wir zwei Brüder an. Der eine ist ein Lump, der andere ein moralischer Mensch. Sie haben beide gleiche Ahnen. Der eine entwickelt sich nach abwärts, der andere nach aufwärts. Einst gab es nur eine Wesensart mit der Möglichkeit der Entwicklung nach beiden Richtungen. Das war Hacckels voreiliger Schluss.
[ 5 ] Haeckel sah seinen Materialismus in seinen Darwinismus hinein. Durch das letzte Jahrzehnt ist Haeckels Anschauung sehr erschüttert worden. Haeckel gründete die Affenverwandtschaft. Nun schließt er: Einer muss von dem andern abstammen. Zum Beispiel: Nehmen wir zwei Brüder an. Der eine ist ein Lump, der andere ein moralischer Mensch. Sie haben beide gleiche Ahnen. Der eine entwickelt sich nach abwärts, der andere nach aufwärts. Einst gab es nur eine Wesensart mit der Möglichkeit der Entwicklung nach beiden Richtungen. Das war Hacckels voreiliger Schluss.
[ 6 ] Es gibt heute nichts Nützlicheres, als die Geheimschrift der Natur zu studieren. Einzelne Einseitigkeiten abgerechnet, sind die ersten 30 Seiten von Haeckels Buch von Wichtigkeit.
[ 6 ] Es gibt heute nichts Nützlicheres, als die Geheimschrift der Natur zu studieren. Einzelne Einseitigkeiten abgerechnet, sind die ersten 30 Seiten von Haeckels Buch von Wichtigkeit.
[ 7 ] Rätselfragen:
[ 7 ] Rätselfragen:
1. Welchen Anstoß erhielt Stoff und Kraft?
2. Wie trat Bewegung hinzu?
3. Woher kam das Leben?
4. Woher kam der Zweckmäßigkeitsgedanke?
5. Wie konnte Bewusstsein entstehen?
6. Wie ist die Sprache entstanden? (Gesetze müssen dem zugrunde liegen.)
7. Wie verträgt sich das mit dem freien Willen?
1. Welchen Anstoß erhielt Stoff und Kraft?
2. Wie trat Bewegung hinzu?
3. Woher kam das Leben?
4. Woher kam der Zweckmäßigkeitsgedanke?
5. Wie konnte Bewusstsein entstehen?
6. Wie ist die Sprache entstanden? (Gesetze müssen dem zugrunde liegen.)
7. Wie verträgt sich das mit dem freien Willen?
[ 8 ] Haeckel sagt: Nach Stoff und Kraft fragen ist nicht nötig, sie waren immer da. Bewegung und Leben waren auch immer da, Die Zweckmäßigkeit hat den Sieg erlangt. — Den freien Willen leugnet er einfach.
[ 8 ] Haeckel sagt: Nach Stoff und Kraft fragen ist nicht nötig, sie waren immer da. Bewegung und Leben waren auch immer da, Die Zweckmäßigkeit hat den Sieg erlangt. — Den freien Willen leugnet er einfach.
[ 9 ] Auf eine andere Weise macht es die Theosophie uns klar. Betrachten wir mit ihr den Schlaf. Was liegt da im Menschen? Leben ist vorhanden, aber keine Wahrnehmungsfähigkeit. Die Seele hat zwei Richtungen, eine nach dem Niederen, eine nach dem Höheren, dem Devachanischen. Jetzt ist die Seele in uns noch Baby, aber sie wird sich entwickeln und immer reicher gegliedert werden und hinaufwachsen in das Göttliche. Durch den Okkultismus wird diese Entwicklung gefördert. Da wird die höhere Welt erfahren. Das, was als Geist lebt, scheint in die Finsternis der Nacht.
[ 9 ] Auf eine andere Weise macht es die Theosophie uns klar. Betrachten wir mit ihr den Schlaf. Was liegt da im Menschen? Leben ist vorhanden, aber keine Wahrnehmungsfähigkeit. Die Seele hat zwei Richtungen, eine nach dem Niederen, eine nach dem Höheren, dem Devachanischen. Jetzt ist die Seele in uns noch Baby, aber sie wird sich entwickeln und immer reicher gegliedert werden und hinaufwachsen in das Göttliche. Durch den Okkultismus wird diese Entwicklung gefördert. Da wird die höhere Welt erfahren. Das, was als Geist lebt, scheint in die Finsternis der Nacht.
[ 10 ] Was Haeckel fehlt, ist: Er geht dem Entwicklungsgedanken nur in der Vergangenheit nach, anstatt ihn auch nach der Zukunft zu zu verfolgen. Auf diese Weise wird die Theosophie die Haeckel’schen Gedanken fruchtbar machen.
[ 10 ] Was Haeckel fehlt, ist: Er geht dem Entwicklungsgedanken nur in der Vergangenheit nach, anstatt ihn auch nach der Zukunft zu zu verfolgen. Auf diese Weise wird die Theosophie die Haeckel’schen Gedanken fruchtbar machen.
[ 11 ] Wir sollen an ihm lernen, aber ihn nicht kritisieren. Kraft und Stoff ist nichts als kristallisierter Geist; verhalten sich, bildlich gesprochen, wie Eis zu Wasser. Materie ist nichts Wirkliches, es ist nur Geist in anderer Form. Nehmen wir Steinkohle. Was ist’s? Stein - und war vor Jahrmillionen wachsender Farrenbaum. Lebendiges ist zum Leblosen geworden. Alle Erdkruste ist aus Lebendigem entstanden.
[ 11 ] Wir sollen an ihm lernen, aber ihn nicht kritisieren. Kraft und Stoff ist nichts als kristallisierter Geist; verhalten sich, bildlich gesprochen, wie Eis zu Wasser. Materie ist nichts Wirkliches, es ist nur Geist in anderer Form. Nehmen wir Steinkohle. Was ist’s? Stein - und war vor Jahrmillionen wachsender Farrenbaum. Lebendiges ist zum Leblosen geworden. Alle Erdkruste ist aus Lebendigem entstanden.
[ 12 ] Der Ursprung aller Dinge liegt in dem Allbewusstsein. Die Frage muss nicht lauten: Wie ist Geist aus Bewegung entstanden, sondern umgekehrt: Wie entstand Bewegung aus Geist? Die Religion der Materialisten ist nichts anderes als Fetischismus. Atom ist Fetisch. Der schlimmste Aberglaube ist der Atomglaube, wirklicher Fetischismus. Haeckel sagt: «Für uns ist Gott in jedem Atom. Das ist bewegte Materie.» Ein Körnchen Wahrheit ist drin, denn in jedem Atom lebt Gottesgeist. Nur sieht der Materialist die Materie als das erste an. Für den Theosophen ist Gott in aller Welt ausgebreitet: Die Theosophie ist bestrebt, alle Wesen zu Gott hinaufzuziehen. Damit vergöttlicht sie und vergeistigt die Welt.
[ 12 ] Der Ursprung aller Dinge liegt in dem Allbewusstsein. Die Frage muss nicht lauten: Wie ist Geist aus Bewegung entstanden, sondern umgekehrt: Wie entstand Bewegung aus Geist? Die Religion der Materialisten ist nichts anderes als Fetischismus. Atom ist Fetisch. Der schlimmste Aberglaube ist der Atomglaube, wirklicher Fetischismus. Haeckel sagt: «Für uns ist Gott in jedem Atom. Das ist bewegte Materie.» Ein Körnchen Wahrheit ist drin, denn in jedem Atom lebt Gottesgeist. Nur sieht der Materialist die Materie als das erste an. Für den Theosophen ist Gott in aller Welt ausgebreitet: Die Theosophie ist bestrebt, alle Wesen zu Gott hinaufzuziehen. Damit vergöttlicht sie und vergeistigt die Welt.
