The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b
29 October 1909, Berlin
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Der Kreislauf des Menschen
53. Der Menschliche Charakter
53. Der Menschliche Charakter
[ 1 ] Die letzten Vorträge dieses Zyklus waren der Betrachtung der menschlichen Seele gewidmet. Und es wird sich denjenigen der Zuhörer, die den letzten drei Vorträgen gefolgt sind, gezeigt haben, welche innere Berechtigung es hat, die menschliche Seele nicht als ein unbestimmtes, in ihren Eigenschaften durcheinanderschwimmendes Wesen zu betrachten, sondern es in sorgfältigster Weise in den einzelnen Gliederungen wirklich auch zu verfolgen. Für diejenigen, die etwa heute zum ersten Mal da sind, braucht nur hingedeutet zu werden [darauf], dass diese menschliche Seele im Sinne der Geisteswissenschaft unterschieden wird in das, was wir die Empfindungsseele nennen, das sozusagen unterste der Glieder der menschlichen Seele, das noch dem, was wir die leiblichen Glieder des Menschen nennen, nahe steht. Dann ist in dieser Seele zu unterscheiden [die] Verstandes- oder Gemütsseele, die sich schon wie eine selbstständige Wesenheit heraushebt, selbstständig macht gegenüber [der] Empfindungsseele und [dem] Leibesleben, und schließlich [ist] noch ... [die] Bewusstseinsseele anzusehen.
[ 1 ] Die letzten Vorträge dieses Zyklus waren der Betrachtung der menschlichen Seele gewidmet. Und es wird sich denjenigen der Zuhörer, die den letzten drei Vorträgen gefolgt sind, gezeigt haben, welche innere Berechtigung es hat, die menschliche Seele nicht als ein unbestimmtes, in ihren Eigenschaften durcheinanderschwimmendes Wesen zu betrachten, sondern es in sorgfältigster Weise in den einzelnen Gliederungen wirklich auch zu verfolgen. Für diejenigen, die etwa heute zum ersten Mal da sind, braucht nur hingedeutet zu werden [darauf], dass diese menschliche Seele im Sinne der Geisteswissenschaft unterschieden wird in das, was wir die Empfindungsseele nennen, das sozusagen unterste der Glieder der menschlichen Seele, das noch dem, was wir die leiblichen Glieder des Menschen nennen, nahe steht. Dann ist in dieser Seele zu unterscheiden [die] Verstandes- oder Gemütsseele, die sich schon wie eine selbstständige Wesenheit heraushebt, selbstständig macht gegenüber [der] Empfindungsseele und [dem] Leibesleben, und schließlich [ist] noch ... [die] Bewusstseinsseele anzusehen.
[ 2 ] Wir haben darauf hingewiesen, dass das, was man heute allgemein in jeder Wissenschaft als Entwicklung betrachtet, in einem höheren Sinne als Selbstentwicklung des Menschen uns entgegentritt innerhalb dieses Seelenlebens. [Der] Mensch [ist] in Entwicklung und steht auf unterster Stufe so, dass dabei zur Geltung kommt das, was wir Empfindungsseele nennen. Bei weiterer Entwicklung kommt die Verstandes- oder Gemütsseele zur Geltung. Dann kann sich der Mensch in gewisser Weise in sich selber finden und sich durchleuchten mit dem Lichte des Denkens, Verstehens, Wissens. Dann sprechen wir von der Bewusstseinsseele. [Wir haben] nicht nur über diese Seelenglieder herumgeredet, sondern die Eigenschaften hervorgehoben, welche ganz besondere Formen annehmen, wenn diese Selbstentwicklung des Menschen [ernst genommen wird].
[ 2 ] Wir haben darauf hingewiesen, dass das, was man heute allgemein in jeder Wissenschaft als Entwicklung betrachtet, in einem höheren Sinne als Selbstentwicklung des Menschen uns entgegentritt innerhalb dieses Seelenlebens. [Der] Mensch [ist] in Entwicklung und steht auf unterster Stufe so, dass dabei zur Geltung kommt das, was wir Empfindungsseele nennen. Bei weiterer Entwicklung kommt die Verstandes- oder Gemütsseele zur Geltung. Dann kann sich der Mensch in gewisser Weise in sich selber finden und sich durchleuchten mit dem Lichte des Denkens, Verstehens, Wissens. Dann sprechen wir von der Bewusstseinsseele. [Wir haben] nicht nur über diese Seelenglieder herumgeredet, sondern die Eigenschaften hervorgehoben, welche ganz besondere Formen annehmen, wenn diese Selbstentwicklung des Menschen [ernst genommen wird].
[ 3 ] Insbesondere wurde auf eine der Eigenschaften hingewiesen, den Zorn, [und] gezeigt, wie in der Überwindung eines solchen Affektes Selbstentwicklung liegt. Des Menschen Wahrheitssinn [als Erzieher der Gemüts- oder Verstandesseele wurde] weiter[hin] gefunden, [und] wie dann ein besonderer Impuls ist für die Entwicklung der Bewusstseinsseele dasjenige, was wir gestern beschrieben haben als Andacht im rechten Sinne des Wortes. Da wir uns gefragt haben um das im menschlichen Innern, was eigentlich die Entwicklung leitet und führt, da sind wir auf das gestoßen, von dem wir sagen mussten, dass es sich im Wesentlichen nach zwei Seiten hin offenbaren kann: Wir sind gestoßen auf das die ganze Seele durchpulsende, durchwebende Ich. Es ist das, was an der Seele arbeitet. Es muss nach zwei Seiten sich offenbaren: nach der einen Seite stark und kräftig und inhaltsvoll, reicher an Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen, das selbst sich [als Wesen] immer mehr erweitern muss; dadurch haben wir gezeigt, wie die Selbstheit immer mehr wächst. Ferner, dass nach der andern Seite dieses Ich, dadurch dass es die Selbstheit in besonderer Weise zum Ausdrucke bringt, in Selbstsucht und Egoismus ausarten kann. ... So wurde uns in gewisser Beziehung das Ich Mittelpunkt des Seelenlebens.
[ 3 ] Insbesondere wurde auf eine der Eigenschaften hingewiesen, den Zorn, [und] gezeigt, wie in der Überwindung eines solchen Affektes Selbstentwicklung liegt. Des Menschen Wahrheitssinn [als Erzieher der Gemüts- oder Verstandesseele wurde] weiter[hin] gefunden, [und] wie dann ein besonderer Impuls ist für die Entwicklung der Bewusstseinsseele dasjenige, was wir gestern beschrieben haben als Andacht im rechten Sinne des Wortes. Da wir uns gefragt haben um das im menschlichen Innern, was eigentlich die Entwicklung leitet und führt, da sind wir auf das gestoßen, von dem wir sagen mussten, dass es sich im Wesentlichen nach zwei Seiten hin offenbaren kann: Wir sind gestoßen auf das die ganze Seele durchpulsende, durchwebende Ich. Es ist das, was an der Seele arbeitet. Es muss nach zwei Seiten sich offenbaren: nach der einen Seite stark und kräftig und inhaltsvoll, reicher an Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen, das selbst sich [als Wesen] immer mehr erweitern muss; dadurch haben wir gezeigt, wie die Selbstheit immer mehr wächst. Ferner, dass nach der andern Seite dieses Ich, dadurch dass es die Selbstheit in besonderer Weise zum Ausdrucke bringt, in Selbstsucht und Egoismus ausarten kann. ... So wurde uns in gewisser Beziehung das Ich Mittelpunkt des Seelenlebens.
[ 4 ] Heute obliegt es uns nun, gerade die Arbeit dieses Ich an der Seele noch weiter zu belauschen. Was dasselbe für die einzelnen Glieder wird, wenn wir jedes derselben rein für sich betrachten, haben wir gesehen. Aber es ist auch dazu berufen, Ordnung und Harmonie im Seelenleben zu bewirken, ... die einzelnen Glieder desselben, Empfindungs-, Verstandes- und Bewusstseinsseele, in entsprechender Weise durcheinanderzuarbeiten, das eine durch das andere zu befruchten, die Empfindungsseele in die Verstandesseele und diese wieder in die Bewusstseinsseele [hineinspielen zu lassen], und so weiter.
[ 4 ] Heute obliegt es uns nun, gerade die Arbeit dieses Ich an der Seele noch weiter zu belauschen. Was dasselbe für die einzelnen Glieder wird, wenn wir jedes derselben rein für sich betrachten, haben wir gesehen. Aber es ist auch dazu berufen, Ordnung und Harmonie im Seelenleben zu bewirken, ... die einzelnen Glieder desselben, Empfindungs-, Verstandes- und Bewusstseinsseele, in entsprechender Weise durcheinanderzuarbeiten, das eine durch das andere zu befruchten, die Empfindungsseele in die Verstandesseele und diese wieder in die Bewusstseinsseele [hineinspielen zu lassen], und so weiter.
[ 5 ] War das Ich des Menschen nicht in der Lage, diese einzelnen Seelenglieder miteinander in Beziehung zu setzen, Ordnung, Harmonie et cetera herzustellen, so fallen die einzelnen Seelenglieder auseinander. Das Ich muss sich kräftig erweisen durch alle einzelnen Seelenglieder hindurch und jedes Einzelne in die andern in entsprechender Weise hineinspielen lassen.
[ 5 ] War das Ich des Menschen nicht in der Lage, diese einzelnen Seelenglieder miteinander in Beziehung zu setzen, Ordnung, Harmonie et cetera herzustellen, so fallen die einzelnen Seelenglieder auseinander. Das Ich muss sich kräftig erweisen durch alle einzelnen Seelenglieder hindurch und jedes Einzelne in die andern in entsprechender Weise hineinspielen lassen.
[ 6 ] Dabei können Sie sich denken, dass, indem es die einzelnen Seelenglieder ineinander spielen lässt, das Ich so spielt, wie der Musiker auf einem Instrument - wenn wir auch zunächst nur drei Saiten desselben überschauen können. Aber es spielt das Ich auf den drei Saiten des Seelenlebens ganz besondere Harmonien und Melodien: Je nachdem es die eine oder andere Saite mehr anschlägt, sie zugleich mit der andern anschlägt und so weiter, je nachdem entsteht im Menschen eine ganz besondere Musik der Seele. Darin drückt sich das menschliche Seelenleben aus, wie dies Ich spielt auf den drei Saiten des Seelenlebens.
[ 6 ] Dabei können Sie sich denken, dass, indem es die einzelnen Seelenglieder ineinander spielen lässt, das Ich so spielt, wie der Musiker auf einem Instrument - wenn wir auch zunächst nur drei Saiten desselben überschauen können. Aber es spielt das Ich auf den drei Saiten des Seelenlebens ganz besondere Harmonien und Melodien: Je nachdem es die eine oder andere Saite mehr anschlägt, sie zugleich mit der andern anschlägt und so weiter, je nachdem entsteht im Menschen eine ganz besondere Musik der Seele. Darin drückt sich das menschliche Seelenleben aus, wie dies Ich spielt auf den drei Saiten des Seelenlebens.
[ 7 ] Was ist dieser Ausdruck des Spielens des Ich auf den drei Saiten des Seelenlebens? — Nichts anderes ist das dabei Herauskommende, als der menschliche Charakter. Nur der kann das, was mit dem so oft rätselvollen und uns doch auf Schritt und Tritt im Leben entgegentretenden [Phänomen des menschlichen Charakters gemeint ist], verstehen, der nicht infrage zieht, wie dieses Ich spielt und arbeitet in dem Zusammenklingenlassen der verschiedenen Seelenglieder. Ja, wenn die einzelnen Fähigkeiten der Menschenseele, die einzelnen Betätigungen auseinanderfallen, wenn das Ich nicht gemeinsame Herrschaft ausübt, so erscheint uns der Mensch auseinanderstrebend. Dies ist das Trivialste im Charakterleben, sodass seine Seelentätigkeiten nach der einen Seite so, nach der andern Seite anders arbeiten. So kann im Leben auseinandergehen der Patriot und der Privatmann. Dann sprechen wir von keinem einheitlichen Charakter, und meinen damit, dass das Ich seine Wirkung nicht gleichmäßig verteilt auf die verschiedenen Partien [der Seele].
[ 7 ] Was ist dieser Ausdruck des Spielens des Ich auf den drei Saiten des Seelenlebens? — Nichts anderes ist das dabei Herauskommende, als der menschliche Charakter. Nur der kann das, was mit dem so oft rätselvollen und uns doch auf Schritt und Tritt im Leben entgegentretenden [Phänomen des menschlichen Charakters gemeint ist], verstehen, der nicht infrage zieht, wie dieses Ich spielt und arbeitet in dem Zusammenklingenlassen der verschiedenen Seelenglieder. Ja, wenn die einzelnen Fähigkeiten der Menschenseele, die einzelnen Betätigungen auseinanderfallen, wenn das Ich nicht gemeinsame Herrschaft ausübt, so erscheint uns der Mensch auseinanderstrebend. Dies ist das Trivialste im Charakterleben, sodass seine Seelentätigkeiten nach der einen Seite so, nach der andern Seite anders arbeiten. So kann im Leben auseinandergehen der Patriot und der Privatmann. Dann sprechen wir von keinem einheitlichen Charakter, und meinen damit, dass das Ich seine Wirkung nicht gleichmäßig verteilt auf die verschiedenen Partien [der Seele].
[ 8 ] Dieses zuweilen auftretende Unvermögen, Einklang zu schaffen zwischen den verschiedenen Betätigungen der menschlichen Seele, ist für den Künstler immer gewesen eine Art Materie für die Dichtung oder andere künstlerische Darstellung. Denken Sie an Shakespeares Hamlet; da ist eine Seelentätigkeit, die durch das Ich nicht mit dem Handeln in Einklang gebracht werden kann. Goethe hat diese Zweiteilung des Seelenlebens im Hamlet schon ausgedrückt, indem er sagte: Eine große Aufgabe ist auf eine Seele gelegt, die ihr nicht gewachsen ist.
[ 8 ] Dieses zuweilen auftretende Unvermögen, Einklang zu schaffen zwischen den verschiedenen Betätigungen der menschlichen Seele, ist für den Künstler immer gewesen eine Art Materie für die Dichtung oder andere künstlerische Darstellung. Denken Sie an Shakespeares Hamlet; da ist eine Seelentätigkeit, die durch das Ich nicht mit dem Handeln in Einklang gebracht werden kann. Goethe hat diese Zweiteilung des Seelenlebens im Hamlet schon ausgedrückt, indem er sagte: Eine große Aufgabe ist auf eine Seele gelegt, die ihr nicht gewachsen ist.
[ 9 ] Alle möglichen Situationen in den Kunstwerken ergeben sich aus einem solchen Missklang im Spiel des Ich auf dem Seeleninstrument. Alle komischen und dramatischen Situationen können auf dies zurückgeführt werden.
[ 9 ] Alle möglichen Situationen in den Kunstwerken ergeben sich aus einem solchen Missklang im Spiel des Ich auf dem Seeleninstrument. Alle komischen und dramatischen Situationen können auf dies zurückgeführt werden.
[ 10 ] Wir müssen aber das menschliche Seelenleben genauer betrachten, wenn wir voll erhärten wollen, was ich im Allgemeinen gesagt habe. Das menschliche Ich arbeitet sich selber herauf von der Empfindungsseele bis in die Bewusstseinsseele hinein und kann nur so auch sich selber erfassen. Dadurch kann es [sich] in jedem dieser Glieder lebendig darstellen. Es kann sich noch [so] ausleben, dass es in Trieben und Begierden der Empfindungsseele sich äußert; es kann in der geläuterten Weise in der Verstandesseele zum Ausdruck kommen; und es kann, weiter durchdrungen vom Wissen über die Welt, von menschlichen Gedanken über die Dinge, in der Bewusstseinsseele sich ausdrücken — jedes Mal werden wir dabei finden, dass uns da eine ganz besondere Form dessen, was wir den Charakter nennen, entgegentritt.
[ 10 ] Wir müssen aber das menschliche Seelenleben genauer betrachten, wenn wir voll erhärten wollen, was ich im Allgemeinen gesagt habe. Das menschliche Ich arbeitet sich selber herauf von der Empfindungsseele bis in die Bewusstseinsseele hinein und kann nur so auch sich selber erfassen. Dadurch kann es [sich] in jedem dieser Glieder lebendig darstellen. Es kann sich noch [so] ausleben, dass es in Trieben und Begierden der Empfindungsseele sich äußert; es kann in der geläuterten Weise in der Verstandesseele zum Ausdruck kommen; und es kann, weiter durchdrungen vom Wissen über die Welt, von menschlichen Gedanken über die Dinge, in der Bewusstseinsseele sich ausdrücken — jedes Mal werden wir dabei finden, dass uns da eine ganz besondere Form dessen, was wir den Charakter nennen, entgegentritt.
[ 11 ] So sehen wir, wie das Ich ganz leben kann in der Bewusstseinsseele. Wenn es dieses Leben in der Bewusstseinsseele betont, ist es betätigt an dem innersten Gliede des menschlichen Seelenlebens, das in sich selber verbergen kann seine Anregungen von der Außenwelt. Wenn es seine Arbeit in der Bewusstseinsseele betont, so entsteht das, was wir den in sich verborgenen, den verschlossenen Charakter nennen. Ihm können wir nicht beikommen, weil die Bewusstseinsseele sich der Außenwelt entzieht. Wir können daher wie durch eine Scheidewand von einem Menschen geschieden sein. Sein Ich ist in die Bewusstseinsseele eingesperrt.
[ 11 ] So sehen wir, wie das Ich ganz leben kann in der Bewusstseinsseele. Wenn es dieses Leben in der Bewusstseinsseele betont, ist es betätigt an dem innersten Gliede des menschlichen Seelenlebens, das in sich selber verbergen kann seine Anregungen von der Außenwelt. Wenn es seine Arbeit in der Bewusstseinsseele betont, so entsteht das, was wir den in sich verborgenen, den verschlossenen Charakter nennen. Ihm können wir nicht beikommen, weil die Bewusstseinsseele sich der Außenwelt entzieht. Wir können daher wie durch eine Scheidewand von einem Menschen geschieden sein. Sein Ich ist in die Bewusstseinsseele eingesperrt.
[ 12 ] Weiter kann das Ich sich betätigen und ausleben in dem, was wir Verstandes- oder Gemütsseele nennen. Dadurch entsteht der bildsame Charakter, die Mitte haltend zwischen den beiden anderen. So gibt das Ich das, was man Gleichmaß der Seelenkräfte nennen könnte. Solche Menschen, welche ihr Ich innerhalb der Verstandesseele betätigen, sind die, welche bedacht sind, von der Außenwelt sich anregen zu lassen, aber auch bedacht darin, diese Eindrücke im Dienste des eigenen Selbstes zu verarbeiten, sich immer mehr und mehr heranzubilden durch die Eindrücke der Außenwelt, [durch das], was von ihr gehört, gesehen, gewusst wird.
[ 12 ] Weiter kann das Ich sich betätigen und ausleben in dem, was wir Verstandes- oder Gemütsseele nennen. Dadurch entsteht der bildsame Charakter, die Mitte haltend zwischen den beiden anderen. So gibt das Ich das, was man Gleichmaß der Seelenkräfte nennen könnte. Solche Menschen, welche ihr Ich innerhalb der Verstandesseele betätigen, sind die, welche bedacht sind, von der Außenwelt sich anregen zu lassen, aber auch bedacht darin, diese Eindrücke im Dienste des eigenen Selbstes zu verarbeiten, sich immer mehr und mehr heranzubilden durch die Eindrücke der Außenwelt, [durch das], was von ihr gehört, gesehen, gewusst wird.
[ 13 ] Man muss, wenn man erzieherisch wirken will, dieses Wirken des Ich in der Verstandes- oder Gemütsseele kennen. Wenn eine solche Anlage im Menschen vorhanden ist, muss man sehen, dass man nach der einen oder anderen Seite das Richtige tut. Solches sind die bildsamsten Menschen, leicht hingegeben an das ihnen in der Umgebung Entgegentretende, und [sie] verwenden es im Sinne ihrer eigenen Emporbildung.
[ 13 ] Man muss, wenn man erzieherisch wirken will, dieses Wirken des Ich in der Verstandes- oder Gemütsseele kennen. Wenn eine solche Anlage im Menschen vorhanden ist, muss man sehen, dass man nach der einen oder anderen Seite das Richtige tut. Solches sind die bildsamsten Menschen, leicht hingegeben an das ihnen in der Umgebung Entgegentretende, und [sie] verwenden es im Sinne ihrer eigenen Emporbildung.
[ 14 ] Wenn das Ich sich aber auslebt in der Empfindungsseele, so betätigt es sich in der Weise, dass es das, was in der Empfindungsseele ist, seine Triebe und so weiter, gerne wohl nach außen kehrt. Sobald das Ich anfängt, tätig zu sein in der Empfindungsseele, entsteht der Wille zum Wirken nach außen. Wir haben die Menschen vor uns, die vorzugsweise neigen zu einem aktiven Charakter, die immer dafür zu haben sind, dies oder jenes zu tun. Wenn es ins Extrem geht, werden sie die geschäftigen Menschen.
[ 14 ] Wenn das Ich sich aber auslebt in der Empfindungsseele, so betätigt es sich in der Weise, dass es das, was in der Empfindungsseele ist, seine Triebe und so weiter, gerne wohl nach außen kehrt. Sobald das Ich anfängt, tätig zu sein in der Empfindungsseele, entsteht der Wille zum Wirken nach außen. Wir haben die Menschen vor uns, die vorzugsweise neigen zu einem aktiven Charakter, die immer dafür zu haben sind, dies oder jenes zu tun. Wenn es ins Extrem geht, werden sie die geschäftigen Menschen.
[ 15 ] So sehen wir, wie der Mensch sich äußert, wenn das Ich die eine oder andere Saite anschlägt. Wir können auch sagen, das Ich des Menschen betätigt sich zunächst so, dass es selber wie verborgen in der Empfindungsseele drinnen ruht, nämlich bei jungen Menschen oder [auf] niedriger Kulturstufe. Dort ist das Ich in der Empfindungsseele verschlossen, [es hat] noch nicht die Möglichkeit, in die Verstandesseele heraufzusteigen [und seine Tätigkeiten zeigen], wie es in gewisser Weise unbewusst in der Empfindungsseele sich äußert. In diesem Falle sprechen wir wohl von einem Charakter, der auf niedriger Stufe steht, niedrige Triebe und Begierden zum Ausdruck bringt.
[ 15 ] So sehen wir, wie der Mensch sich äußert, wenn das Ich die eine oder andere Saite anschlägt. Wir können auch sagen, das Ich des Menschen betätigt sich zunächst so, dass es selber wie verborgen in der Empfindungsseele drinnen ruht, nämlich bei jungen Menschen oder [auf] niedriger Kulturstufe. Dort ist das Ich in der Empfindungsseele verschlossen, [es hat] noch nicht die Möglichkeit, in die Verstandesseele heraufzusteigen [und seine Tätigkeiten zeigen], wie es in gewisser Weise unbewusst in der Empfindungsseele sich äußert. In diesem Falle sprechen wir wohl von einem Charakter, der auf niedriger Stufe steht, niedrige Triebe und Begierden zum Ausdruck bringt.
[ 16 ] Dieser unterscheidet sich von dem Charakter, wo das Ich schon in die Bewusstseinsseele hinaufgestiegen ist, das aber dennoch sich dann äußert in der Empfindungsseele. Dann trägt das Ich das, was es innerhalb der [Bewusstseinsseele gelernt hat, in die Empfindungsseele]; dann folgt es seinen Trieben, Begierden, aber mit dem, was es durch die Bewusstseinsseele gelernt hat. Und weil es ihnen hiermit folgt, so erscheint ein solcher Mensch im Leben so, dass wir sagen: Ach, der geht doch nur seinen Trieben und Begierden nach, doch so, dass er in kluger, raffinierter Weise ihnen nachgeht. Sein Charakter ist zugleich von niederer Gesinnung durchströmt [und kluger Überlegung. Es gibt dem] Charakter höheren Sinn, wenn mit der Gesinnung der Mensch so hoch steigt wie mit dem Wissen.
[ 16 ] Dieser unterscheidet sich von dem Charakter, wo das Ich schon in die Bewusstseinsseele hinaufgestiegen ist, das aber dennoch sich dann äußert in der Empfindungsseele. Dann trägt das Ich das, was es innerhalb der [Bewusstseinsseele gelernt hat, in die Empfindungsseele]; dann folgt es seinen Trieben, Begierden, aber mit dem, was es durch die Bewusstseinsseele gelernt hat. Und weil es ihnen hiermit folgt, so erscheint ein solcher Mensch im Leben so, dass wir sagen: Ach, der geht doch nur seinen Trieben und Begierden nach, doch so, dass er in kluger, raffinierter Weise ihnen nachgeht. Sein Charakter ist zugleich von niederer Gesinnung durchströmt [und kluger Überlegung. Es gibt dem] Charakter höheren Sinn, wenn mit der Gesinnung der Mensch so hoch steigt wie mit dem Wissen.
[ 17 ] Dieses wunderbare Phänomen des menschlichen Charakters [müssen wir] begreifen wie eine Art von innerer Seelenmusik, von einem Spiel des Ich auf den verschiedenen Saiten des menschlichen Seelenlebens. Nun spielt es nicht nur im Allgemeinen mit den Seelengliedern, sondern in all dem, was in diesen einzelnen Seelenteilen des Menschen vorhanden ist. Wir sehen zum Beispiel eine solche Seeleneigenschaft als einen Affekt der Empfindungsseele: den Zorn. Wenn das Ich wenig entwickelt ist, nicht hinaufgestiegen [ist] in die höheren Regionen des Seelenlebens, gibt es sich dem Zorn hin; dann finden wir [solch einen] Zornesausbruch, der uns zeigt, wie ein sich seiner selbst unbewusstes Ich in die Welt hinausstürmt. Es hat sich nicht in seiner Gewalt, weil es in einer gewissen Beziehung unentwickelt geblieben ist, ... sich nicht in der Hand hat, wenn es vom Zorne übermannt ist.
[ 17 ] Dieses wunderbare Phänomen des menschlichen Charakters [müssen wir] begreifen wie eine Art von innerer Seelenmusik, von einem Spiel des Ich auf den verschiedenen Saiten des menschlichen Seelenlebens. Nun spielt es nicht nur im Allgemeinen mit den Seelengliedern, sondern in all dem, was in diesen einzelnen Seelenteilen des Menschen vorhanden ist. Wir sehen zum Beispiel eine solche Seeleneigenschaft als einen Affekt der Empfindungsseele: den Zorn. Wenn das Ich wenig entwickelt ist, nicht hinaufgestiegen [ist] in die höheren Regionen des Seelenlebens, gibt es sich dem Zorn hin; dann finden wir [solch einen] Zornesausbruch, der uns zeigt, wie ein sich seiner selbst unbewusstes Ich in die Welt hinausstürmt. Es hat sich nicht in seiner Gewalt, weil es in einer gewissen Beziehung unentwickelt geblieben ist, ... sich nicht in der Hand hat, wenn es vom Zorne übermannt ist.
[ 18 ] [Man stelle sich einen] Lehrer einem Schüler gegenüber [vor]: [Der] Schüler [hat] an einem Nebenschüler etwas Unrechtes bemerkt und haut dem Nebenschüler im Zorn eins herunter mit einem Buche. Da kann der Lehrer ein Mensch sein, der die Verstandesseele und die Bewusstseinsseele entwickelt hat, doch in diesem Augenblick kann auch ihn der Zorn so übermannen, dass ein junger Bursche so in Zorn komme. Da haut der Lehrer dem Buben ein paar links und rechts herunter. Wenn die Zornesaufwallung kommt, so unterdrückt [sie nur ein sehr beherrschter Mensch].
[ 18 ] [Man stelle sich einen] Lehrer einem Schüler gegenüber [vor]: [Der] Schüler [hat] an einem Nebenschüler etwas Unrechtes bemerkt und haut dem Nebenschüler im Zorn eins herunter mit einem Buche. Da kann der Lehrer ein Mensch sein, der die Verstandesseele und die Bewusstseinsseele entwickelt hat, doch in diesem Augenblick kann auch ihn der Zorn so übermannen, dass ein junger Bursche so in Zorn komme. Da haut der Lehrer dem Buben ein paar links und rechts herunter. Wenn die Zornesaufwallung kommt, so unterdrückt [sie nur ein sehr beherrschter Mensch].
[ 19 ] Das Aufhalten des Ich in der Empfindungsseele gibt sich kund wie in einer Wut. Das ist das Extrem des Zornes, wenn das Ich fast versinkt im Zorn und die Seele in ihrem Zustand einer Ohnmacht ähnlich wird. Dann entsteht die Wut. Das Ich kann nicht Sieger werden über den Zorn. Wird es Sieger, so wird der Zorn, dadurch, dass er besiegt wird, in der richtigen Weise zum Erzieher, auf dem Umwege durch das Ich selber, wenn das Ich sich nicht vom Affekte übermannen lässt, Selbstbeherrschung übt. In der Empfindungsseele hat das Ich an seiner eigenen Bildung das zu leisten, was wir Erziehung zur Selbstbeherrschung nennen. Auf der einen Seite die blind ausbrechende Wut, auf der andern Seite die Selbstbeherrschung, [die] durch edle Selbsterziehung erreicht [wird].
[ 19 ] Das Aufhalten des Ich in der Empfindungsseele gibt sich kund wie in einer Wut. Das ist das Extrem des Zornes, wenn das Ich fast versinkt im Zorn und die Seele in ihrem Zustand einer Ohnmacht ähnlich wird. Dann entsteht die Wut. Das Ich kann nicht Sieger werden über den Zorn. Wird es Sieger, so wird der Zorn, dadurch, dass er besiegt wird, in der richtigen Weise zum Erzieher, auf dem Umwege durch das Ich selber, wenn das Ich sich nicht vom Affekte übermannen lässt, Selbstbeherrschung übt. In der Empfindungsseele hat das Ich an seiner eigenen Bildung das zu leisten, was wir Erziehung zur Selbstbeherrschung nennen. Auf der einen Seite die blind ausbrechende Wut, auf der andern Seite die Selbstbeherrschung, [die] durch edle Selbsterziehung erreicht [wird].
[ 20 ] Nehmen wir weiter das Ich, das in der Verstandesoder Gemütsseele ist. An ihm zeigt sich die Mission des Wahrheitsgefühles. Es besteht darin, dass der Mensch an der Wahrheit etwas hat, das er pflegen darf — weil, wenn er sich der Wahrheit hingibt, so pflegt er etwas —, was er in seinem eigenen Innern pflegen darf. [Die Wahrheit kann er] nur in seinem eigenen Innern verarbeiten, [um] da höchste Kraft des Ich in der Innerlichkeit [zu] entfalten. Zugleich aber führt sie uns mit der gesamten Menschheit [und] mit der Welt zusammen. Wir sehen in der Pflege der Wahrheit etwas, woran das Ich zur Selbstheit und Selbststärke sich entwickeln kann, und dadurch zugleich zur Selbstlosigkeit.
[ 20 ] Nehmen wir weiter das Ich, das in der Verstandesoder Gemütsseele ist. An ihm zeigt sich die Mission des Wahrheitsgefühles. Es besteht darin, dass der Mensch an der Wahrheit etwas hat, das er pflegen darf — weil, wenn er sich der Wahrheit hingibt, so pflegt er etwas —, was er in seinem eigenen Innern pflegen darf. [Die Wahrheit kann er] nur in seinem eigenen Innern verarbeiten, [um] da höchste Kraft des Ich in der Innerlichkeit [zu] entfalten. Zugleich aber führt sie uns mit der gesamten Menschheit [und] mit der Welt zusammen. Wir sehen in der Pflege der Wahrheit etwas, woran das Ich zur Selbstheit und Selbststärke sich entwickeln kann, und dadurch zugleich zur Selbstlosigkeit.
[ 21 ] Aber die eine oder die andere Saite können in unrichtiger Weise angeschlagen werden. Es kann doch vorkommen, dass das Ich sich in gewisser Weise vergreift, oder da, wo es stark wirken sollte, schwach wirkt. Wenn es sich innerhalb der Verstandesseele vergreift, dann entsteht das, woran sich zeigt, dass selbst ein Edelstes im Menschenleben verzerrt werden kann, zur Karikatur werden kann, wenn in dem, was das Ich als Wahrheit erkannt hat, wenn es sich darin verliert.
[ 21 ] Aber die eine oder die andere Saite können in unrichtiger Weise angeschlagen werden. Es kann doch vorkommen, dass das Ich sich in gewisser Weise vergreift, oder da, wo es stark wirken sollte, schwach wirkt. Wenn es sich innerhalb der Verstandesseele vergreift, dann entsteht das, woran sich zeigt, dass selbst ein Edelstes im Menschenleben verzerrt werden kann, zur Karikatur werden kann, wenn in dem, was das Ich als Wahrheit erkannt hat, wenn es sich darin verliert.
[ 22 ] Wenn das Ich in der Wahrheit untergeht, dann kann [Folgendes] eintreten: Weil der Mensch nicht imstande ist, ein umfassendes Gebiet der Wahrheit nach allen Seiten zu beherrschen, und nur einen Teil der Wahrheit beherrschen kann, wenn das Ich sich darin verliert, so kann es sich selber vergessen und blind draufloswüten in seinem eingeschränkten Kreis der Wahrheit. Dann wird es zum Fanatiker, und es tritt uns entgegen, was im Leben als der fanatische Charakter bezeichnet wird.
[ 22 ] Wenn das Ich in der Wahrheit untergeht, dann kann [Folgendes] eintreten: Weil der Mensch nicht imstande ist, ein umfassendes Gebiet der Wahrheit nach allen Seiten zu beherrschen, und nur einen Teil der Wahrheit beherrschen kann, wenn das Ich sich darin verliert, so kann es sich selber vergessen und blind draufloswüten in seinem eingeschränkten Kreis der Wahrheit. Dann wird es zum Fanatiker, und es tritt uns entgegen, was im Leben als der fanatische Charakter bezeichnet wird.
[ 23 ] Dieser hat sein Gegenbild dann, wenn das Ich mit richtiger Stärke nicht nur sich der Wahrheit hingibt, sondern auch in richtiger Weise in sich selber hineinschaut und darauf aufmerksam wird, dass der Mensch auch irren kann. Wenn das Ich sich nicht etwa in der Wahrheit verliert, sondern immer sich selber schaut im Verstand und im Gemüt, so kann der Fanatiker nicht entstehen.
[ 23 ] Dieser hat sein Gegenbild dann, wenn das Ich mit richtiger Stärke nicht nur sich der Wahrheit hingibt, sondern auch in richtiger Weise in sich selber hineinschaut und darauf aufmerksam wird, dass der Mensch auch irren kann. Wenn das Ich sich nicht etwa in der Wahrheit verliert, sondern immer sich selber schaut im Verstand und im Gemüt, so kann der Fanatiker nicht entstehen.
[ 24 ] Indem das Ich immer mehr diese Selbstprüfung nach den Eigenschaften des Verstandes und Gemütes übt, erlangt es das, was man innerhalb der Charakterologie gesundes Selbstgefühl oder gesundes Selbstbewusstsein nennt, verbunden mit richtiger Selbstkritik, [die] das Gleichmaß halten lässt in Bezug auf erkannte Wahrheit[en] und die Möglichkeit des Irrtums auf der andern Seite.
[ 24 ] Indem das Ich immer mehr diese Selbstprüfung nach den Eigenschaften des Verstandes und Gemütes übt, erlangt es das, was man innerhalb der Charakterologie gesundes Selbstgefühl oder gesundes Selbstbewusstsein nennt, verbunden mit richtiger Selbstkritik, [die] das Gleichmaß halten lässt in Bezug auf erkannte Wahrheit[en] und die Möglichkeit des Irrtums auf der andern Seite.
[ 25 ] Dann ... zu dem, was am meisten beiträgt zu dem Hinaufentwickeln der Seele in die Bewusstseinsseele hinein, zur Andacht. Auch hier kann das Ich falsch oder richtig die Saite anschlagen. Es kann sich verlieren in der Andacht, sich aufgeben in der Hingebung an das Andere und Unbekannte. Dann haben wir es zu tun mit dem sich selbst verlierenden Ich, mit der falschen Heiligkeit des Menschen, die gleichkommt mit einer Art von Selbstertötung. Wenn das Ich aber in richtiger Weise diese Eigenschaft der Bewusstseinsseele anklingen lässt, wenn es stark hineinwirkt mit seinem Selbst in die Andacht, so kommen wir zu dem, was man berechtigte Selbstachtung und Selbsterkenntnis nennen kann.
[ 25 ] Dann ... zu dem, was am meisten beiträgt zu dem Hinaufentwickeln der Seele in die Bewusstseinsseele hinein, zur Andacht. Auch hier kann das Ich falsch oder richtig die Saite anschlagen. Es kann sich verlieren in der Andacht, sich aufgeben in der Hingebung an das Andere und Unbekannte. Dann haben wir es zu tun mit dem sich selbst verlierenden Ich, mit der falschen Heiligkeit des Menschen, die gleichkommt mit einer Art von Selbstertötung. Wenn das Ich aber in richtiger Weise diese Eigenschaft der Bewusstseinsseele anklingen lässt, wenn es stark hineinwirkt mit seinem Selbst in die Andacht, so kommen wir zu dem, was man berechtigte Selbstachtung und Selbsterkenntnis nennen kann.
[ 26 ] So sehen wir, wie das Ich in der verschiedensten Weise sich zum Ausdruck bringt. Es ist der Vereiniger der einzelnen Glieder des menschlichen Seelenlebens. Und dass der Mensch nicht in Stücke auseinanderfällt, wird bewirkt durch die eben geschilderte charakterologische Tätigkeit des Ich an den einzelnen Seelengliedern. Wenn das Ich aber nicht die Herrschaft behält über die einzelnen Seelenglieder, so tritt das ein, dass uns der Mensch erscheint wie zerstückelt, dass das Ich hinuntersinkt und nicht mehr gesehen werden kann: Charakterlosigkeit, Hingegebensein an die Dämonen seiner eigenen Seele, hin- und hergerissen von Trieben und Gefühlen; Gedanken, die einen zur Verzweiflung bringen, Hingebung auf der anderen Seite et cetera.
[ 26 ] So sehen wir, wie das Ich in der verschiedensten Weise sich zum Ausdruck bringt. Es ist der Vereiniger der einzelnen Glieder des menschlichen Seelenlebens. Und dass der Mensch nicht in Stücke auseinanderfällt, wird bewirkt durch die eben geschilderte charakterologische Tätigkeit des Ich an den einzelnen Seelengliedern. Wenn das Ich aber nicht die Herrschaft behält über die einzelnen Seelenglieder, so tritt das ein, dass uns der Mensch erscheint wie zerstückelt, dass das Ich hinuntersinkt und nicht mehr gesehen werden kann: Charakterlosigkeit, Hingegebensein an die Dämonen seiner eigenen Seele, hin- und hergerissen von Trieben und Gefühlen; Gedanken, die einen zur Verzweiflung bringen, Hingebung auf der anderen Seite et cetera.
[ 27 ] [Ich habe] schon in einem Beispiel aus der Kunst auf das Verlieren der Herrschaft über die einzelnen Teile hingewiesen, wo das Ich hinuntergesunken ist in den Selbstverlust. Dieses Kunstwerk ist der berühmte Laokoon: ein Priester mit seinen zwei Söhnen dastehend und umwunden von den Schlangen. Viele Menschen haben danach gestrebt, dieses Kunstwerk sich zum Verständnis zu bringen. ... Das alles ist in wunderbarer Weise ausgedrückt muss man ... in richtiger Weise verstehen. /Größere L cken; wohl Beschreibung des «Laokoon».] Im Verständnis dieses Kunstwerkes haben selbst die, welche sich ihm mit Ergebung gewidmet haben, manch Irrtümliches gesagt. Winckelmann, der in der Kunstbetrachtung Lehrer Lessings und Goethes geworden ist, er betrachtete den Laokoon so, dass er sagte, es sei besonders schön, dass hier
[ 27 ] [Ich habe] schon in einem Beispiel aus der Kunst auf das Verlieren der Herrschaft über die einzelnen Teile hingewiesen, wo das Ich hinuntergesunken ist in den Selbstverlust. Dieses Kunstwerk ist der berühmte Laokoon: ein Priester mit seinen zwei Söhnen dastehend und umwunden von den Schlangen. Viele Menschen haben danach gestrebt, dieses Kunstwerk sich zum Verständnis zu bringen. ... Das alles ist in wunderbarer Weise ausgedrückt muss man ... in richtiger Weise verstehen. /Größere L cken; wohl Beschreibung des «Laokoon».] Im Verständnis dieses Kunstwerkes haben selbst die, welche sich ihm mit Ergebung gewidmet haben, manch Irrtümliches gesagt. Winckelmann, der in der Kunstbetrachtung Lehrer Lessings und Goethes geworden ist, er betrachtete den Laokoon so, dass er sagte, es sei besonders schön, dass hier
[ 28 ] die höchste Adelung des Schmerzes stattfinde. Er sieht die Seele in ihrer Hoheit im Laokoon, der im Augenblick vor dem Tode seine volle Seelenkraft zusammennehme; und in dem Gesichte, nämlich in den Augen, könne man sehen, wie die inneren Seelenkräfte hier zu einem Höchsten hinaufschauen. Der Vater zeige in den Erbarmen aussprechenden Augen, dass Mitleid mit seinen Söhnen den Sieg über den Schmerz davonträgt.
[ 28 ] die höchste Adelung des Schmerzes stattfinde. Er sieht die Seele in ihrer Hoheit im Laokoon, der im Augenblick vor dem Tode seine volle Seelenkraft zusammennehme; und in dem Gesichte, nämlich in den Augen, könne man sehen, wie die inneren Seelenkräfte hier zu einem Höchsten hinaufschauen. Der Vater zeige in den Erbarmen aussprechenden Augen, dass Mitleid mit seinen Söhnen den Sieg über den Schmerz davonträgt.
[ 29 ] Diese Schilderung scheitert vor dem Überblick des Kunstwerkes. Schon in einem Abguss lässt es sich sehen. Wenn man das Auge so beurteilen will, so scheitert dies daran, dass das Auge nach oben gerichtet ist, und der Laokoon keinen seiner Söhne sieht. [Das Mitleid mit den Söhnen ist] nicht zu sehen, da Winckelmann [es] hineingedichtet hat. Doch zeigt sich diese Gruppe vom Lichte des Verständnisses durchleuchtet, wenn man sieht, was da ist, und sich klar darüber ist: Dieser Laokoon mit dem eingezogenen Unterleib, mit der heraustretenden Brust, mit den nach oben gerichteten umflorten Augen, den sich sträubenden Haaren —- wenn wir das alles sehen, so ist uns klar, da ist die Wirkung des Menschen nicht mehr überwunden von dem Ich-Bewusstsein, sondern wir stehen vor dem Momente, wo dieses Ich-Bewusstsein geschwunden ist. Eben ist das Ich herausgefahren, und in diesem Augenblicke folgt er nicht mehr der Wirkung des Ich, das die starken Zügel in Bezug auf die Äußerungen des Seelenlebens halten würde. Einzelne Glieder gehen ihre eigenen Wege. Natur ... [Der Schmerz] zieht den Unterleib ein, der Oberleib ist heraustretend, andere Glieder gehen ihre eigenen Wege; alles wird auseinandergerissen. Durch die Entseelung, die eben eingetreten ist, zeigt sich, was der Mensch ist, wenn wirklich das Ich unterdrückt wird und die einzelnen kräftigen Glieder in letztem Aufzucken ihre eigenen Wege gehen.
[ 29 ] Diese Schilderung scheitert vor dem Überblick des Kunstwerkes. Schon in einem Abguss lässt es sich sehen. Wenn man das Auge so beurteilen will, so scheitert dies daran, dass das Auge nach oben gerichtet ist, und der Laokoon keinen seiner Söhne sieht. [Das Mitleid mit den Söhnen ist] nicht zu sehen, da Winckelmann [es] hineingedichtet hat. Doch zeigt sich diese Gruppe vom Lichte des Verständnisses durchleuchtet, wenn man sieht, was da ist, und sich klar darüber ist: Dieser Laokoon mit dem eingezogenen Unterleib, mit der heraustretenden Brust, mit den nach oben gerichteten umflorten Augen, den sich sträubenden Haaren —- wenn wir das alles sehen, so ist uns klar, da ist die Wirkung des Menschen nicht mehr überwunden von dem Ich-Bewusstsein, sondern wir stehen vor dem Momente, wo dieses Ich-Bewusstsein geschwunden ist. Eben ist das Ich herausgefahren, und in diesem Augenblicke folgt er nicht mehr der Wirkung des Ich, das die starken Zügel in Bezug auf die Äußerungen des Seelenlebens halten würde. Einzelne Glieder gehen ihre eigenen Wege. Natur ... [Der Schmerz] zieht den Unterleib ein, der Oberleib ist heraustretend, andere Glieder gehen ihre eigenen Wege; alles wird auseinandergerissen. Durch die Entseelung, die eben eingetreten ist, zeigt sich, was der Mensch ist, wenn wirklich das Ich unterdrückt wird und die einzelnen kräftigen Glieder in letztem Aufzucken ihre eigenen Wege gehen.
[ 30 ] Wenn wir ein solches Kunstwerk vor uns haben, ist es ein negatives Symbolum [dafür], wie das Ich sein muss, das dieses Zusammenspiel der einzelnen Seelenglieder bewirkt. Indem wir so den menschlichen Charakter betrachten, können wir viel gewinnen für das Verständnis des Lebens, aber auch mancherlei, was der Erzieher braucht, wenn er den menschlichen Charakter nach und nach herausentwickeln will. Wir werden das Leben verstehen, wenn wir uns fragen: Was ist denn das Eigenartige des menschlichen Charakters selber?
[ 30 ] Wenn wir ein solches Kunstwerk vor uns haben, ist es ein negatives Symbolum [dafür], wie das Ich sein muss, das dieses Zusammenspiel der einzelnen Seelenglieder bewirkt. Indem wir so den menschlichen Charakter betrachten, können wir viel gewinnen für das Verständnis des Lebens, aber auch mancherlei, was der Erzieher braucht, wenn er den menschlichen Charakter nach und nach herausentwickeln will. Wir werden das Leben verstehen, wenn wir uns fragen: Was ist denn das Eigenartige des menschlichen Charakters selber?
[ 31 ] Wenn wir den tierischen Charakter betrachten, so können wir sagen: Das Tier kommt mit fertigem Charakter in die Welt, er bleibt durch die ganze Lebenszeit des Tieres bestehen. Was am Anfang ist, das ist auch am Ende: ein bestimmt ausgesprochener Gattungs- oder Artcharakter. Wenn man eine Hyäne charakterisiert, so hat man alle charakterisiert. Warum ist das [so]? Das ist deshalb, weil das Tier in gewisser Weise keine Geschichte hat und nicht das Element der Zeit in sein Leben aufnimmt. Es können nicht die Erfahrungen der Jugendzeit zum Gelernten werden und in die späteren Entwicklungselemente hineingetragen werden.
[ 31 ] Wenn wir den tierischen Charakter betrachten, so können wir sagen: Das Tier kommt mit fertigem Charakter in die Welt, er bleibt durch die ganze Lebenszeit des Tieres bestehen. Was am Anfang ist, das ist auch am Ende: ein bestimmt ausgesprochener Gattungs- oder Artcharakter. Wenn man eine Hyäne charakterisiert, so hat man alle charakterisiert. Warum ist das [so]? Das ist deshalb, weil das Tier in gewisser Weise keine Geschichte hat und nicht das Element der Zeit in sein Leben aufnimmt. Es können nicht die Erfahrungen der Jugendzeit zum Gelernten werden und in die späteren Entwicklungselemente hineingetragen werden.
[ 32 ] Der Mensch nimmt auf in sein Seelenleben das, was wir Zeit nennen. Das Ich entwickelt den verborgenen Keim nach und nach heraus, die seelischen Eigentümlichkeiten aus der Empfindungsseele, aus der Verstandesseele herauf bis in die Bewusstseinsseele hinein. So tritt uns das Kind in anderer Weise entgegen in Bezug auf den Charakter als ein junges Tier. Dieses übt von den ersten Zeiten an die Betätigungen, die ihm vermöge seiner Art obliegen. Der Mensch tritt in gewisser Beziehung charakterlos in die Welt. Die einzelnen Formen, selbst die in seiner Anlage begründeten, selbst das, was sich der Mensch erwirbt dadurch, dass er von andern bearbeitet wird, alles das, was im späteren Leben auftritt, muss durch die Zeit erworben werden.
[ 32 ] Der Mensch nimmt auf in sein Seelenleben das, was wir Zeit nennen. Das Ich entwickelt den verborgenen Keim nach und nach heraus, die seelischen Eigentümlichkeiten aus der Empfindungsseele, aus der Verstandesseele herauf bis in die Bewusstseinsseele hinein. So tritt uns das Kind in anderer Weise entgegen in Bezug auf den Charakter als ein junges Tier. Dieses übt von den ersten Zeiten an die Betätigungen, die ihm vermöge seiner Art obliegen. Der Mensch tritt in gewisser Beziehung charakterlos in die Welt. Die einzelnen Formen, selbst die in seiner Anlage begründeten, selbst das, was sich der Mensch erwirbt dadurch, dass er von andern bearbeitet wird, alles das, was im späteren Leben auftritt, muss durch die Zeit erworben werden.
[ 33 ] Zunächst ist der Mensch bestimmbar in Bezug auf sein Charakterleben. Wir können in ihn hineinarbeiten, [aber wir können] nicht ein Wort gebrauchen, welches das Kind bezeichnet in Bezug auf Charakter; das Kind hat noch nicht Charakter. Indem es in den einzelnen Betätigungen sich anders zeigt als ein anderes Kind, so hat es doch keinen Charakter, wohl aber eine Individualität. Das Ich hat eben noch nicht die Selbstentwicklung in die Hand genommen. Es ist noch unter die Empfindungsseele hineingedrückt, noch im Verborgensten enthalten. Solange es sich noch nicht zur Betätigung, zum inneren Spiel auf den Saiten des Seeleninstrumentes entwickelt hat, solange noch ist es nur eine Individualität, nicht ein Charakter. Erst dann beginnt die Charakteranlage herauszutreten, wenn das Ich anfängt, sich seiner Selbst, zunächst dunkel, bewusst zu werden. Dann tritt im Verlaufe des Lebens immer mehr diese Selbsterziehung durch das Ich ein.
[ 33 ] Zunächst ist der Mensch bestimmbar in Bezug auf sein Charakterleben. Wir können in ihn hineinarbeiten, [aber wir können] nicht ein Wort gebrauchen, welches das Kind bezeichnet in Bezug auf Charakter; das Kind hat noch nicht Charakter. Indem es in den einzelnen Betätigungen sich anders zeigt als ein anderes Kind, so hat es doch keinen Charakter, wohl aber eine Individualität. Das Ich hat eben noch nicht die Selbstentwicklung in die Hand genommen. Es ist noch unter die Empfindungsseele hineingedrückt, noch im Verborgensten enthalten. Solange es sich noch nicht zur Betätigung, zum inneren Spiel auf den Saiten des Seeleninstrumentes entwickelt hat, solange noch ist es nur eine Individualität, nicht ein Charakter. Erst dann beginnt die Charakteranlage herauszutreten, wenn das Ich anfängt, sich seiner Selbst, zunächst dunkel, bewusst zu werden. Dann tritt im Verlaufe des Lebens immer mehr diese Selbsterziehung durch das Ich ein.
[ 34 ] Erziehen aber wird man den Menschen nur dann in richtiger Weise, wenn man beachtet: Ist es das Ich, welches geneigt ist, unten in der Empfindungsseele zu wühlen, oder [eines], welches die Eigenschaften besonders der Verstandesseele oder der Bewusstseinsseele zum Ausdruck bringen will? Hier hat man mit einem begrenzenden Blicke dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Tätigkeiten des Ich in richtiger Weise angeregt werden. Sieht man, dass das Kind veranlagt ist, sich selber zu verlieren in den einzelnen Betätigungen, dass es im schlimmen Sinne zur Selbstlosigkeit hinneigt, dann ist es gut, wenn man so früh als möglich beginnt, diesem Kinde die Begriffe von Menschenwürde und Menschenbedeutung beizubringen. Man wird dann schlecht erziehen, wenn man hier seinen Egoismus aufstachelt, an den eigenen Egoismus des Kindes appelliert. Man wird gut erziehen, wenn man ihm allgemeine Begriffe beibringt, was ein Mensch ist und in der Welt bedeutet.
[ 34 ] Erziehen aber wird man den Menschen nur dann in richtiger Weise, wenn man beachtet: Ist es das Ich, welches geneigt ist, unten in der Empfindungsseele zu wühlen, oder [eines], welches die Eigenschaften besonders der Verstandesseele oder der Bewusstseinsseele zum Ausdruck bringen will? Hier hat man mit einem begrenzenden Blicke dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Tätigkeiten des Ich in richtiger Weise angeregt werden. Sieht man, dass das Kind veranlagt ist, sich selber zu verlieren in den einzelnen Betätigungen, dass es im schlimmen Sinne zur Selbstlosigkeit hinneigt, dann ist es gut, wenn man so früh als möglich beginnt, diesem Kinde die Begriffe von Menschenwürde und Menschenbedeutung beizubringen. Man wird dann schlecht erziehen, wenn man hier seinen Egoismus aufstachelt, an den eigenen Egoismus des Kindes appelliert. Man wird gut erziehen, wenn man ihm allgemeine Begriffe beibringt, was ein Mensch ist und in der Welt bedeutet.
[ 35 ] Wenn in der Gemütsseele das Lebensgefühl stark entwickelt ist, kann es ja auch übersprudeln, an Unwertes sich verlieren. In diesem Falle, wenn es an Unwertes sich verlieren will, dann muss man bei einem solchen heranwachsenden Menschen dafür sorgen, dass er sich richtige Begriffe von der Welt, von den Dingen und Wesenheiten macht, um sie gegeneinander richtig abzuschätzen. Man muss dafür sorgen, dass er lernt eine richtige Wertschätzung der Dinge.
[ 35 ] Wenn in der Gemütsseele das Lebensgefühl stark entwickelt ist, kann es ja auch übersprudeln, an Unwertes sich verlieren. In diesem Falle, wenn es an Unwertes sich verlieren will, dann muss man bei einem solchen heranwachsenden Menschen dafür sorgen, dass er sich richtige Begriffe von der Welt, von den Dingen und Wesenheiten macht, um sie gegeneinander richtig abzuschätzen. Man muss dafür sorgen, dass er lernt eine richtige Wertschätzung der Dinge.
[ 36 ] So müssen wir als Erzieher dasjenige tun, wodurch wir die Arbeit des Ich herüberleiten auf die unberücksichtigte Seite. Wir haben in Bezug auf den Charakter eine ausgleichende, harmonisierende Arbeit zu leisten, doch zuerst für das eigentümliche Spiel des Ich an den verschiedenen Teilen der Seele [Verständnis zu erwerben].
[ 36 ] So müssen wir als Erzieher dasjenige tun, wodurch wir die Arbeit des Ich herüberleiten auf die unberücksichtigte Seite. Wir haben in Bezug auf den Charakter eine ausgleichende, harmonisierende Arbeit zu leisten, doch zuerst für das eigentümliche Spiel des Ich an den verschiedenen Teilen der Seele [Verständnis zu erwerben].
[ 37 ] So sehen wir, wie berechtigt es war, das Wort Charakter zu bilden, das heißt nämlich «Prägung». Eine bestimmte Prägung und Formung erhält das ganze Seelenleben durch dieses Ich. Wie der Mensch dann selbst auf das Leben wirkt, zeigt sich am besten, wenn wir verstehen, wie das Ich in den einzelnen Gliedern der Seele sich betätigt und wie diese zusammenspielen.
[ 37 ] So sehen wir, wie berechtigt es war, das Wort Charakter zu bilden, das heißt nämlich «Prägung». Eine bestimmte Prägung und Formung erhält das ganze Seelenleben durch dieses Ich. Wie der Mensch dann selbst auf das Leben wirkt, zeigt sich am besten, wenn wir verstehen, wie das Ich in den einzelnen Gliedern der Seele sich betätigt und wie diese zusammenspielen.
[ 38 ] Nun ist etwas noch ganz besonders zu beachten. Ich habe gesagt, dass das Ich die Seele bis herauf zur Bewusstseinsseele erzieht. Ist diese Erziehung hiermit vollendet? Sie ist damit noch nicht abgeschlossen. Dann tritt erst das ein, was in Bezug auf Charakterentwicklung wichtig ist im Menschenleben. Dann erst ist ihm in der Bewusstseinsseele zugänglich, was aus einer höheren Welt in die menschliche Seele hineinragen kann. Was kann da hineinragen, zunächst in die Bewusstseinsseele?
[ 38 ] Nun ist etwas noch ganz besonders zu beachten. Ich habe gesagt, dass das Ich die Seele bis herauf zur Bewusstseinsseele erzieht. Ist diese Erziehung hiermit vollendet? Sie ist damit noch nicht abgeschlossen. Dann tritt erst das ein, was in Bezug auf Charakterentwicklung wichtig ist im Menschenleben. Dann erst ist ihm in der Bewusstseinsseele zugänglich, was aus einer höheren Welt in die menschliche Seele hineinragen kann. Was kann da hineinragen, zunächst in die Bewusstseinsseele?
[ 39 ] Vor allem wichtig in Bezug auf den Charakter sind die moralischen Begriffe und Ideen, die wir im Leben draußen nicht finden. Da finden wir Triebe und Instinkte, worin ein Ich arbeitet, das im Blinden steckt. Dem Leben können wir nicht unsere [Vernunfteinsichten] und Ideale und moralischen Urteile abgewinnen. Diese müssen wir erst ins Leben hineintragen. Diese muss die Menschenseele wie eine Eingebung aus anderer Welt empfangen und ins Leben hineinzutragen versuchen; doch nicht so ohne Weiteres.
[ 39 ] Vor allem wichtig in Bezug auf den Charakter sind die moralischen Begriffe und Ideen, die wir im Leben draußen nicht finden. Da finden wir Triebe und Instinkte, worin ein Ich arbeitet, das im Blinden steckt. Dem Leben können wir nicht unsere [Vernunfteinsichten] und Ideale und moralischen Urteile abgewinnen. Diese müssen wir erst ins Leben hineintragen. Diese muss die Menschenseele wie eine Eingebung aus anderer Welt empfangen und ins Leben hineinzutragen versuchen; doch nicht so ohne Weiteres.
[ 40 ] In der menschlichen Seele leuchtet der sittliche Imperativ [auf], [leuchten auf] die großen Ideale, durch die wir das Leben vorwärts bringen können, was das Leben noch nicht hat und der Mensch erst hineinzubringen hat. Da erfasst das Ich dieses Licht aus einer anderen Welt an den moralischen Begriffen und Idealen. In die Bewusstseinsseele strömen sie zuerst hinein; das Ich erfasst sie. Früher [vollzog sich die] Entwicklung von unten nach oben; jetzt, wenn das Ich diese moralischen Urteile und Ideale gewonnen hat, so trägt es sie wieder hinunter in die Verstandesseele, wandelt den moralischen Gedanken in das moralische Gefühl um. Das moralische Gefühl ist in der Gemütsseele das, was in der Bewusstseinsseele [moralischer Begriff] war. Wenn so ein moralischer Begriff in die Gemütsseele hinuntergebracht ist, so erglühen wir bei einer moralischen Tat. Dann haben wir Sympathie für das, was um uns vorgeht. Immer mehr drängen sich die moralischen Urteile und Gedanken hinunter und werden zu Gefühlen. Wir entflammen für das, was aus hohen moralischen Idealen heraus geschieht. Dadurch, dass das Ich aus der Bewusstseinsseele moralische Urteile und Ideale hinunterträgt, werden wir veranlasst, zu erglühen für das Gute, Sympathie mit dem Edlen und Großen zu empfinden.
[ 40 ] In der menschlichen Seele leuchtet der sittliche Imperativ [auf], [leuchten auf] die großen Ideale, durch die wir das Leben vorwärts bringen können, was das Leben noch nicht hat und der Mensch erst hineinzubringen hat. Da erfasst das Ich dieses Licht aus einer anderen Welt an den moralischen Begriffen und Idealen. In die Bewusstseinsseele strömen sie zuerst hinein; das Ich erfasst sie. Früher [vollzog sich die] Entwicklung von unten nach oben; jetzt, wenn das Ich diese moralischen Urteile und Ideale gewonnen hat, so trägt es sie wieder hinunter in die Verstandesseele, wandelt den moralischen Gedanken in das moralische Gefühl um. Das moralische Gefühl ist in der Gemütsseele das, was in der Bewusstseinsseele [moralischer Begriff] war. Wenn so ein moralischer Begriff in die Gemütsseele hinuntergebracht ist, so erglühen wir bei einer moralischen Tat. Dann haben wir Sympathie für das, was um uns vorgeht. Immer mehr drängen sich die moralischen Urteile und Gedanken hinunter und werden zu Gefühlen. Wir entflammen für das, was aus hohen moralischen Idealen heraus geschieht. Dadurch, dass das Ich aus der Bewusstseinsseele moralische Urteile und Ideale hinunterträgt, werden wir veranlasst, zu erglühen für das Gute, Sympathie mit dem Edlen und Großen zu empfinden.
[ 41 ] Aber das Ich muss diese Ideale auch in die Empfindungsseele hinuntertragen. Dort bearbeiten die moralischen Ideale auch unsere Triebe, Instinkte und Leidenschaften und machen sie zu etwas ganz anderem. Nach und nach ergießt sich in dieses Triebleben das moralische Ideal, der Trieb wirkt nun als Kraft, und das moralische Ideal bekommt Gewalt, sich zu verwirklichen. Der Trieb hat seine Triebnatur aufgegeben und was in ihm als Kraft ist, wird zum Träger des moralischen Urteils und Ideals. So werden wir im Leben zu handelnden Menschen, die nicht bloß Triebe und Leidenschaften ausleben, sondern zu solchen, die das Licht der moralischen Ideale hinuntertragen, sodass in ihnen kein Widerspruch besteht zwischen dem, worin sie die Leidenschaften tragen, und dem, was da leuchtet als moralische Urteile und Ideale. So trägt das Ich wieder hinunter in die unteren Regionen des Seelenlebens, was es oben gewonnen hat. So durchwärmt es die Seele mit dem in der Bewusstseinsseele Gewonnenen.
[ 41 ] Aber das Ich muss diese Ideale auch in die Empfindungsseele hinuntertragen. Dort bearbeiten die moralischen Ideale auch unsere Triebe, Instinkte und Leidenschaften und machen sie zu etwas ganz anderem. Nach und nach ergießt sich in dieses Triebleben das moralische Ideal, der Trieb wirkt nun als Kraft, und das moralische Ideal bekommt Gewalt, sich zu verwirklichen. Der Trieb hat seine Triebnatur aufgegeben und was in ihm als Kraft ist, wird zum Träger des moralischen Urteils und Ideals. So werden wir im Leben zu handelnden Menschen, die nicht bloß Triebe und Leidenschaften ausleben, sondern zu solchen, die das Licht der moralischen Ideale hinuntertragen, sodass in ihnen kein Widerspruch besteht zwischen dem, worin sie die Leidenschaften tragen, und dem, was da leuchtet als moralische Urteile und Ideale. So trägt das Ich wieder hinunter in die unteren Regionen des Seelenlebens, was es oben gewonnen hat. So durchwärmt es die Seele mit dem in der Bewusstseinsseele Gewonnenen.
[ 42 ] Dadurch, dass das Ich sich in die Bewusstseinsseele hinaufentwickelt, wird der Mensch ein Charakter. Dadurch, dass [er] es wieder herunterträgt in die unteren Glieder, wird der Mensch ein moralischer, ein sittlicher Charakter. Dieses Hinauftragen und wieder Heruntertragen des Gewonnenen, ... so verstehen wir, was Charakter ist, was sittlicher Charakter ist.
[ 42 ] Dadurch, dass das Ich sich in die Bewusstseinsseele hinaufentwickelt, wird der Mensch ein Charakter. Dadurch, dass [er] es wieder herunterträgt in die unteren Glieder, wird der Mensch ein moralischer, ein sittlicher Charakter. Dieses Hinauftragen und wieder Heruntertragen des Gewonnenen, ... so verstehen wir, was Charakter ist, was sittlicher Charakter ist.
[ 43 ] Dem Menschen gibt das [Arbeiten des Ich an den Seelengliedern] das Gepräge dadurch so weit, dass es sich [in der Leiblichkeit] ausdrückt. Wie sich die Seele in der äußeren Leiblichkeit überhaupt ausdrückt, so drückt sich diese Arbeit des Ich an den Seelengliedern aus in der äußeren Leiblichkeit. Wir können dies verfolgen bis in Einzelheiten hinein und sind davon frappiert, wie das Ich in der äußeren Leiblichkeit des Menschen zum Vorschein kommt. Da sehen wir, wie das Ich in der Bewusstseinsseele arbeitet. Wenn dieses Arbeiten sich äußerlich ausdrückt, so an dem, was im Äußeren zur höchsten menschlichen Betätigung gehört. Was den Menschen über das Tier hinaushebt, ist die freie Beweglichkeit seiner Glieder und die Unterordnung seiner Glieder unter die Empfindungen und Begriffe seines Seelenlebens.
[ 43 ] Dem Menschen gibt das [Arbeiten des Ich an den Seelengliedern] das Gepräge dadurch so weit, dass es sich [in der Leiblichkeit] ausdrückt. Wie sich die Seele in der äußeren Leiblichkeit überhaupt ausdrückt, so drückt sich diese Arbeit des Ich an den Seelengliedern aus in der äußeren Leiblichkeit. Wir können dies verfolgen bis in Einzelheiten hinein und sind davon frappiert, wie das Ich in der äußeren Leiblichkeit des Menschen zum Vorschein kommt. Da sehen wir, wie das Ich in der Bewusstseinsseele arbeitet. Wenn dieses Arbeiten sich äußerlich ausdrückt, so an dem, was im Äußeren zur höchsten menschlichen Betätigung gehört. Was den Menschen über das Tier hinaushebt, ist die freie Beweglichkeit seiner Glieder und die Unterordnung seiner Glieder unter die Empfindungen und Begriffe seines Seelenlebens.
[ 44 ] Eine Bewegung, die das innere Seelenleben [besonders] ausdrückt, ist die Mimik [und Gestik]. Wir sehen, wie besonders die [Betätigung] seiner Seele in dem mimischen [und gestischen] Ausdruck sich eine äußere Prägung verschafft. Derjenige, der den mimischen Ausdruck, die Gebärden des Menschen in der richtigen Weise zu deuten vermag, der sieht, wie sich in der äußeren Leiblichkeit zeigt das ganze Spiel des Ich auf den verschiedenen Seelengliedern in der äußeren Gebärde. Wenn zum Beispiel das Ich in der Bewusstseinsseele sich betätigt, aber da hinaufgeschleppt hat, was es eigentlich in der Empfindungsseele ist, und solches hinaufspielen lässt in die Bewusstseinsseele, so drückt sich das aus, wovon man sagen kann: Der Mensch lebt in seinen Empfindungen, bringt dies zum Bewusstsein und drückt es aus. Das kommt äußerlich zum Ausdruck dadurch, dass sich der Mensch höchst behaglich etwa nach einer Mahlzeit an den Unterleib klopft.
[ 44 ] Eine Bewegung, die das innere Seelenleben [besonders] ausdrückt, ist die Mimik [und Gestik]. Wir sehen, wie besonders die [Betätigung] seiner Seele in dem mimischen [und gestischen] Ausdruck sich eine äußere Prägung verschafft. Derjenige, der den mimischen Ausdruck, die Gebärden des Menschen in der richtigen Weise zu deuten vermag, der sieht, wie sich in der äußeren Leiblichkeit zeigt das ganze Spiel des Ich auf den verschiedenen Seelengliedern in der äußeren Gebärde. Wenn zum Beispiel das Ich in der Bewusstseinsseele sich betätigt, aber da hinaufgeschleppt hat, was es eigentlich in der Empfindungsseele ist, und solches hinaufspielen lässt in die Bewusstseinsseele, so drückt sich das aus, wovon man sagen kann: Der Mensch lebt in seinen Empfindungen, bringt dies zum Bewusstsein und drückt es aus. Das kommt äußerlich zum Ausdruck dadurch, dass sich der Mensch höchst behaglich etwa nach einer Mahlzeit an den Unterleib klopft.
[ 45 ] Nehmen Sie an, es wird das, was besonders in der Gemütsseele sich regt und wodurch das Ich von der Gemütsseele angeregt wird, besonders entwickelt und kommt äußerlich in der Geste zum Ausdruck: Der Mensch greift sich dann an das Herz. So steigt er herauf an seinem eigenen Leib, indem er mit seinem Ich heraufsteigt und indem dieses Ich in immer höheren Gliedern spielt. Drückt sich das Ich so aus, dass es nur die Bewusstseinsseele ausdrückt und von [den] andern Teilen nicht berührt ist, nur die Bewusstseinsseele, wo die Gedanken, das Wissen dominieren, wo menschliches Unterscheidungsvermögen zum Ausdruck kommt — wenn der Mensch scharf über etwas nachdenkt und so nachdenkt, dass er etwas analysieren will — dann legt er den Finger an die Nase, um gleichsam sein Gesicht in zwei Teile zu zerlegen. Es prägt sich aus das, was in der Bewusstseinsseele gearbeitet wird. Der Charakter spiegelt sich in der äußeren Geste durch Kratzen hinter dem Ohr, oder durch Greifen an den Kopf, wenn einem etwas nicht einfällt.
[ 45 ] Nehmen Sie an, es wird das, was besonders in der Gemütsseele sich regt und wodurch das Ich von der Gemütsseele angeregt wird, besonders entwickelt und kommt äußerlich in der Geste zum Ausdruck: Der Mensch greift sich dann an das Herz. So steigt er herauf an seinem eigenen Leib, indem er mit seinem Ich heraufsteigt und indem dieses Ich in immer höheren Gliedern spielt. Drückt sich das Ich so aus, dass es nur die Bewusstseinsseele ausdrückt und von [den] andern Teilen nicht berührt ist, nur die Bewusstseinsseele, wo die Gedanken, das Wissen dominieren, wo menschliches Unterscheidungsvermögen zum Ausdruck kommt — wenn der Mensch scharf über etwas nachdenkt und so nachdenkt, dass er etwas analysieren will — dann legt er den Finger an die Nase, um gleichsam sein Gesicht in zwei Teile zu zerlegen. Es prägt sich aus das, was in der Bewusstseinsseele gearbeitet wird. Der Charakter spiegelt sich in der äußeren Geste durch Kratzen hinter dem Ohr, oder durch Greifen an den Kopf, wenn einem etwas nicht einfällt.
[ 46 ] Im ganzen Spiel des Mimischen kommt zum Ausdruck das Heraufgehen äußerlich wie das Heraufgehen im Seelenleben. Wenn der Mensch ein Urteil fällt und irgendetwas verneinen will, so kann in der Bewusstseinsseele dieses Menschen das dadurch ausgedrückt werden, dass er ruhig urteilt. Eine ohne Emotion vorgebrachte Verneinung ist dann eine Bewegung mit dem Kopfe einfach nach links und rechts. Wenn er aber mit dem Willen verneint, so wirft er den Kopf nach rückwärts.
[ 46 ] Im ganzen Spiel des Mimischen kommt zum Ausdruck das Heraufgehen äußerlich wie das Heraufgehen im Seelenleben. Wenn der Mensch ein Urteil fällt und irgendetwas verneinen will, so kann in der Bewusstseinsseele dieses Menschen das dadurch ausgedrückt werden, dass er ruhig urteilt. Eine ohne Emotion vorgebrachte Verneinung ist dann eine Bewegung mit dem Kopfe einfach nach links und rechts. Wenn er aber mit dem Willen verneint, so wirft er den Kopf nach rückwärts.
[ 47 ] Insbesondere ist es interessant, den äußeren Gestus bei verschiedenen Nationen zu studieren. Hier könnte man das Spiel des Ich erkennen, wenn man fragen würde: Wie drückt die eine oder andere Nation die Verneinung aus? — und so weiter. Hier sehen wir, wie im mimischen Spiel der Charakter zum Ausdruck kommt, zur Prägung gelangt.
[ 47 ] Insbesondere ist es interessant, den äußeren Gestus bei verschiedenen Nationen zu studieren. Hier könnte man das Spiel des Ich erkennen, wenn man fragen würde: Wie drückt die eine oder andere Nation die Verneinung aus? — und so weiter. Hier sehen wir, wie im mimischen Spiel der Charakter zum Ausdruck kommt, zur Prägung gelangt.
[ 48 ] Wenn das Ich die anderen Seelenglieder in die Verstandesseele hineinspielen lässt, so prägt sich dies so aus, dass es in der menschlichen Physiognomie zum Ausdruck kommt. Was wir den Menschen am Gesichte ablesen, ist der Ausdruck des Arbeitens des Ich an Verstandes- oder Gemütsseele, wohin das Ich die andern Seelenglieder arbeiten lässt. Nun haben wir gesagt, dass der Mensch, wo das Ich besonders in der Gemütsseele spielt, einen bildsamen Charakter bekommt; daher wird sich diese Bildsamkeit auch äußerlich zeigen. Diese Bildsamkeit, die zur Zeit, zur Geschichte gehört, können wir ablesen von der Physiognomie: ein gramdurchfurchtes Gesicht. Hier ist die Geschichte eines Menschen eingeprägt, die Schrift dessen, was der Mensch in seinem Schicksal erfahren hat.
[ 48 ] Wenn das Ich die anderen Seelenglieder in die Verstandesseele hineinspielen lässt, so prägt sich dies so aus, dass es in der menschlichen Physiognomie zum Ausdruck kommt. Was wir den Menschen am Gesichte ablesen, ist der Ausdruck des Arbeitens des Ich an Verstandes- oder Gemütsseele, wohin das Ich die andern Seelenglieder arbeiten lässt. Nun haben wir gesagt, dass der Mensch, wo das Ich besonders in der Gemütsseele spielt, einen bildsamen Charakter bekommt; daher wird sich diese Bildsamkeit auch äußerlich zeigen. Diese Bildsamkeit, die zur Zeit, zur Geschichte gehört, können wir ablesen von der Physiognomie: ein gramdurchfurchtes Gesicht. Hier ist die Geschichte eines Menschen eingeprägt, die Schrift dessen, was der Mensch in seinem Schicksal erfahren hat.
[ 49 ] Bei der tierischen Physiognomie kann man wunderbar den tierischen Art- oder Gattungscharakter beobachten. Was ein [einzelner] Mensch erlitten hat, was aus ihm geworden ist, kann man sehen, wenn man die menschliche Physiognomie beobachtet. Darin ist seine Geschichte geschrieben. Im tieferen Sinne drücken sich im Gesichtsausdruck auch die verschiedenen Anlagen des Charakters in besonderer Weise aus. Doch darf man dabei kein Pedant sein; denn es kann alles auch durch andere Wirkung ausgeglichen werden.
[ 49 ] Bei der tierischen Physiognomie kann man wunderbar den tierischen Art- oder Gattungscharakter beobachten. Was ein [einzelner] Mensch erlitten hat, was aus ihm geworden ist, kann man sehen, wenn man die menschliche Physiognomie beobachtet. Darin ist seine Geschichte geschrieben. Im tieferen Sinne drücken sich im Gesichtsausdruck auch die verschiedenen Anlagen des Charakters in besonderer Weise aus. Doch darf man dabei kein Pedant sein; denn es kann alles auch durch andere Wirkung ausgeglichen werden.
[ 50 ] So können wir beim Menschen unterscheiden im Antlitz den mentalen Teil, den unteren Teil um Mund und Kinn, dann den nasalen Teil und den frontalen Teil oder Stirnteil. Je nachdem das Ich in die Verstandesseele [besonders hineinwirkt], in die Empfindungsseele oder in die Bewusstseinsseele, drückt sich dies in verschiedenster Weise aus. Ein Mensch, der seine Eigenheit nur durch die Empfindungsseele betätigt, wird häufig durch das spitz hervorstechende Kinn zum Ausdruck gebracht.
[ 50 ] So können wir beim Menschen unterscheiden im Antlitz den mentalen Teil, den unteren Teil um Mund und Kinn, dann den nasalen Teil und den frontalen Teil oder Stirnteil. Je nachdem das Ich in die Verstandesseele [besonders hineinwirkt], in die Empfindungsseele oder in die Bewusstseinsseele, drückt sich dies in verschiedenster Weise aus. Ein Mensch, der seine Eigenheit nur durch die Empfindungsseele betätigt, wird häufig durch das spitz hervorstechende Kinn zum Ausdruck gebracht.
[ 51 ] Alles, was im Leben geschieht, ist an dem mittleren Teil am stärksten ausgeprägt. Wenn das Ich die Gemütsseele besonders anschlägt, von oben die Bewusstseinsseele und von unten die Empfindungsseele spielen lässt, wenn ein Gleichmaß in der Verstandesseele ist, dann ist das in der physiognomischen Gestalt so ausgedrückt, dass der mittlere Teil des Gesichts einen besonderen Ausdruck hat. Ein solches Gleichmaß im Seelenleben findet der, der das Leben beobachten kann, bei den Griechen. Daher wird die berühmte griechische Nase als ein Vorbild des Menschenleibes für die ganze Bildhauerei angesehen. Im Griechentum wird das ganze menschliche Antlitz auf die menschliche Nase hin reduziert.
[ 51 ] Alles, was im Leben geschieht, ist an dem mittleren Teil am stärksten ausgeprägt. Wenn das Ich die Gemütsseele besonders anschlägt, von oben die Bewusstseinsseele und von unten die Empfindungsseele spielen lässt, wenn ein Gleichmaß in der Verstandesseele ist, dann ist das in der physiognomischen Gestalt so ausgedrückt, dass der mittlere Teil des Gesichts einen besonderen Ausdruck hat. Ein solches Gleichmaß im Seelenleben findet der, der das Leben beobachten kann, bei den Griechen. Daher wird die berühmte griechische Nase als ein Vorbild des Menschenleibes für die ganze Bildhauerei angesehen. Im Griechentum wird das ganze menschliche Antlitz auf die menschliche Nase hin reduziert.
[ 52 ] Der Charakter, den das Ich in der Seele geprägt hat, wird dem menschlichen Körper aufgedrückt. Wenn insbesondere die Bewusstseinsseele in die Verstandesseele hinuntergedrückt wird, erhält die Stirn eine besondere Form. Man darf nur diese Dinge nicht übertreiben, sondern muss sich klar sein, dass das Ich in jedem Menschen individuell arbeitet. Wenn Pedanterie hier eingreift, so werden solche Dinge verzerrt. Es muss so abstoßen, wenn eine pedantische Schulfuchserei an sie herantritt. Hier unterscheidet nicht abstrakte Urteilskraft, sondern wissenschaftlicher Takt. Dieser geht nicht immer in richtiger Weise vor, und es kommt mancherlei Törichtes zustande, wenn man diese Dinge übertreibt.
[ 52 ] Der Charakter, den das Ich in der Seele geprägt hat, wird dem menschlichen Körper aufgedrückt. Wenn insbesondere die Bewusstseinsseele in die Verstandesseele hinuntergedrückt wird, erhält die Stirn eine besondere Form. Man darf nur diese Dinge nicht übertreiben, sondern muss sich klar sein, dass das Ich in jedem Menschen individuell arbeitet. Wenn Pedanterie hier eingreift, so werden solche Dinge verzerrt. Es muss so abstoßen, wenn eine pedantische Schulfuchserei an sie herantritt. Hier unterscheidet nicht abstrakte Urteilskraft, sondern wissenschaftlicher Takt. Dieser geht nicht immer in richtiger Weise vor, und es kommt mancherlei Törichtes zustande, wenn man diese Dinge übertreibt.
[ 53 ] Wenn das Ich in der Verstandesseele sich betätigt, dann prägt das Ich diese [nicht nur in die] Physiognomie, nicht nur in die Leiblichkeit, sondern auch in die Schrift hinein. Charakter und Gepräge der Schrift sind in gewisser Weise ein Spiegelbild des Arbeitens des Ich in der Verstandesseele. Hier freilich [ist der Deutungs-] Trieb recht gefährlich. Wenn nicht gesunde Allseitigkeit in der Beurteilung sich geltend macht, so kommt ein Dilettantismus oder Humbug in der Schriftdeutung heraus. Damit wird nicht dieses abgelehnt, sondern aus höherem Gesichtspunkte gerechtfertigt, dass wirklich der Charakter in die Schrift einfließen kann.
[ 53 ] Wenn das Ich in der Verstandesseele sich betätigt, dann prägt das Ich diese [nicht nur in die] Physiognomie, nicht nur in die Leiblichkeit, sondern auch in die Schrift hinein. Charakter und Gepräge der Schrift sind in gewisser Weise ein Spiegelbild des Arbeitens des Ich in der Verstandesseele. Hier freilich [ist der Deutungs-] Trieb recht gefährlich. Wenn nicht gesunde Allseitigkeit in der Beurteilung sich geltend macht, so kommt ein Dilettantismus oder Humbug in der Schriftdeutung heraus. Damit wird nicht dieses abgelehnt, sondern aus höherem Gesichtspunkte gerechtfertigt, dass wirklich der Charakter in die Schrift einfließen kann.
[ 54 ] So kann man auch verstehen, weil es sich bei der Gemütsseele um den bildsamen Charakter handelt, die Veränderungen der Schriftzüge. Man muss sie durch verschiedene Jahre beobachten und kann sich dadurch ein Bild von der Veränderung seines Charakters machen; [das ist sinnvoller] als wenn man aus einer einzelnen Schrift dies gemacht hat. Ohne das Lebensalter zu kennen, kann hier [auch] nichts Ordentliches herauskommen. Wenn man in diesen Sachen kundig ist, kann man sogar eher aus gewissen Charaktermerkmalen der Schrift heraus auf frühere Erlebnisse schließen, als dass man den Charakterzug selber aus der Schrift heraus lesen könnte. Doch nur bei richtigem Takt kann Richtiges herauskommen.
[ 54 ] So kann man auch verstehen, weil es sich bei der Gemütsseele um den bildsamen Charakter handelt, die Veränderungen der Schriftzüge. Man muss sie durch verschiedene Jahre beobachten und kann sich dadurch ein Bild von der Veränderung seines Charakters machen; [das ist sinnvoller] als wenn man aus einer einzelnen Schrift dies gemacht hat. Ohne das Lebensalter zu kennen, kann hier [auch] nichts Ordentliches herauskommen. Wenn man in diesen Sachen kundig ist, kann man sogar eher aus gewissen Charaktermerkmalen der Schrift heraus auf frühere Erlebnisse schließen, als dass man den Charakterzug selber aus der Schrift heraus lesen könnte. Doch nur bei richtigem Takt kann Richtiges herauskommen.
[ 55 ] Was geschieht, wenn das Ich vorzugsweise arbeitet an der Empfindungsseele, aber als ein starkes Ich, das innerlich an der Menschenseele arbeitet? Da ist insbesondere der Fall von Bedeutung, der uns dieses Ich zeigt auf der Stufe, wo es erleuchtet ist von den moralischen Urteilen und Idealen. Aber wenn das Ich nun hinuntergetragen hat in die Empfindungsseele moralische Ideale und Urteile und die Triebe und Leidenschaften geläutert sind und den moralischen Idealen Kraft geben, wie drückt sich dies in der äußeren Körperlichkeit aus?
[ 55 ] Was geschieht, wenn das Ich vorzugsweise arbeitet an der Empfindungsseele, aber als ein starkes Ich, das innerlich an der Menschenseele arbeitet? Da ist insbesondere der Fall von Bedeutung, der uns dieses Ich zeigt auf der Stufe, wo es erleuchtet ist von den moralischen Urteilen und Idealen. Aber wenn das Ich nun hinuntergetragen hat in die Empfindungsseele moralische Ideale und Urteile und die Triebe und Leidenschaften geläutert sind und den moralischen Idealen Kraft geben, wie drückt sich dies in der äußeren Körperlichkeit aus?
[ 56 ] Wenn das Ich so gearbeitet hat, dann kann dies zunächst nicht äußerlich ausgedrückt werden. Was da aus den Höhen der Bewusstseinsseele heruntergeholt wird, muss von der Bewusstseinsseele durchdrungen bleiben, müsste sich ausdrücken in dem physischen Werkzeug der Bewusstseinsseele, im menschlichen Gehirn. Doch ist nicht die Möglichkeit, in Folge der festen Schädelkapsel, in der Schädeldecke dies zum Ausdruck zu bringen. Es kann die einzelnen Knochen, die verhärtet sind, nicht mehr entsprechend umformen.
[ 56 ] Wenn das Ich so gearbeitet hat, dann kann dies zunächst nicht äußerlich ausgedrückt werden. Was da aus den Höhen der Bewusstseinsseele heruntergeholt wird, muss von der Bewusstseinsseele durchdrungen bleiben, müsste sich ausdrücken in dem physischen Werkzeug der Bewusstseinsseele, im menschlichen Gehirn. Doch ist nicht die Möglichkeit, in Folge der festen Schädelkapsel, in der Schädeldecke dies zum Ausdruck zu bringen. Es kann die einzelnen Knochen, die verhärtet sind, nicht mehr entsprechend umformen.
[ 57 ] Da tritt das ein, dass wir mit den verschiedenartigsten Formungen der Schädeldecke die Menschen veranlagt sehen zu gewissen Veranlagungen. Er hat die Schädeldecke mit den verschiedensten Erhöhungen und Vertiefungen geformt. So lange im Leben die Schädeldecke fest ist, kann das, was der Charakter ausgebildet hat, nicht darin spielen.
[ 57 ] Da tritt das ein, dass wir mit den verschiedenartigsten Formungen der Schädeldecke die Menschen veranlagt sehen zu gewissen Veranlagungen. Er hat die Schädeldecke mit den verschiedensten Erhöhungen und Vertiefungen geformt. So lange im Leben die Schädeldecke fest ist, kann das, was der Charakter ausgebildet hat, nicht darin spielen.
[ 58 ] Hier sind wir an dem Punkte, wo wir eine vernünftige Erklärung erhalten [von] einer Erscheinung, wenn wir uns berufen auf das, was in seinem Zusammenhang später besprochen werden soll, wenn wir uns auf die Wiederverkörperung der Menschenseele berufen. Was in einem bestimmten Leben die Seele nicht kann, kommt zum Vorschein, wenn die Seele wiedergeboren wird. Da prägt sich in den weichen Organismus das hinein, was der Charakter an moralischen Urteilen und Idealen aufgenommen hat in der Empfindungsseele. Dies erscheint in der plastischen Bildung der menschlichen Schädeldecke.
[ 58 ] Hier sind wir an dem Punkte, wo wir eine vernünftige Erklärung erhalten [von] einer Erscheinung, wenn wir uns berufen auf das, was in seinem Zusammenhang später besprochen werden soll, wenn wir uns auf die Wiederverkörperung der Menschenseele berufen. Was in einem bestimmten Leben die Seele nicht kann, kommt zum Vorschein, wenn die Seele wiedergeboren wird. Da prägt sich in den weichen Organismus das hinein, was der Charakter an moralischen Urteilen und Idealen aufgenommen hat in der Empfindungsseele. Dies erscheint in der plastischen Bildung der menschlichen Schädeldecke.
[ 59 ] Wenn wir diese[n] Menschenschädel betrachten, eine Art Kraniologie treiben, können wir zurückschauen auf des Menschen vorhergehende Verkörperung. Da bekommen wir das, was sehr unähnlich ist [dem], was man durch viele Zeiten hindurch als Phrenologie getrieben hat. Hier [hat man] alles Mögliche als Anlage entdeckt. Ein Überblick darüber zeigt uns, wie ohnmächtig hier das menschliche Wissen ist, wenn es nicht in die Tiefe hineingeht. Was wir an der Schädeldecke sehen, lässt sich nicht in einzelne Formen bringen, sondern es ist das Ergebnis der Arbeit des Ich an der Empfindungsseele in einem früheren Leben. Das ist durchaus individuell, nicht aus einer Klassifizierung zu erklären. Was sich ein Mensch in einem Leben erworben hat, dass er nicht in sich verschlossen geblieben ist, sondern die moralischen Ideale in sich hat wirken lassen, tritt in einer späteren Verkörperung wieder auf.
[ 59 ] Wenn wir diese[n] Menschenschädel betrachten, eine Art Kraniologie treiben, können wir zurückschauen auf des Menschen vorhergehende Verkörperung. Da bekommen wir das, was sehr unähnlich ist [dem], was man durch viele Zeiten hindurch als Phrenologie getrieben hat. Hier [hat man] alles Mögliche als Anlage entdeckt. Ein Überblick darüber zeigt uns, wie ohnmächtig hier das menschliche Wissen ist, wenn es nicht in die Tiefe hineingeht. Was wir an der Schädeldecke sehen, lässt sich nicht in einzelne Formen bringen, sondern es ist das Ergebnis der Arbeit des Ich an der Empfindungsseele in einem früheren Leben. Das ist durchaus individuell, nicht aus einer Klassifizierung zu erklären. Was sich ein Mensch in einem Leben erworben hat, dass er nicht in sich verschlossen geblieben ist, sondern die moralischen Ideale in sich hat wirken lassen, tritt in einer späteren Verkörperung wieder auf.
[ 60 ] So prägt sich das, was Geist und Seele ist, in der äußeren Leiblichkeit aus, und der Leib wird ein Spiegelbild des Geistes, wird selbst ein Charakter. Phrenologie kann, wenn sie nicht in d[iesJer Weise auf die Dinge eingehen will, zur Torheit werden. Wenn wir [aber] so die Dinge betrachten, sehen wir das, was Goethe die schöpferische Natur nennt, im Gegensatz zur geschaffenen. So erfassen wir das den Kosmos durchwebende Werden des Geistes, das sich in der äußeren Erscheinung ausprägt.
[ 60 ] So prägt sich das, was Geist und Seele ist, in der äußeren Leiblichkeit aus, und der Leib wird ein Spiegelbild des Geistes, wird selbst ein Charakter. Phrenologie kann, wenn sie nicht in d[iesJer Weise auf die Dinge eingehen will, zur Torheit werden. Wenn wir [aber] so die Dinge betrachten, sehen wir das, was Goethe die schöpferische Natur nennt, im Gegensatz zur geschaffenen. So erfassen wir das den Kosmos durchwebende Werden des Geistes, das sich in der äußeren Erscheinung ausprägt.
[ 61 ] Hier sehen wir, wie der Charakter sich bildet und das Ich die Seele im Charakter prägt. Nur wenn das Ich sich verschließt in der Bewusstseinsseele, entsteht der verschlossene Charakter, der sich von der Welt abschließt. Wenn es aber die anderen Seelenglieder ergreift, so entsteht dadurch etwas, was bis zur Formung der Leiblichkeit ausgeprägt wird. Es war eine tiefe Ahnung des Dichters, als er das Wort sprach: Wenn der Mensch seine Fähigkeiten und Talente ausbildet, so arbeitet das Ich in seinem Innern; wenn er aber seinen Charakter ausbildet, so arbeitet es an der Welt und dem äußeren Leben:
[ 61 ] Hier sehen wir, wie der Charakter sich bildet und das Ich die Seele im Charakter prägt. Nur wenn das Ich sich verschließt in der Bewusstseinsseele, entsteht der verschlossene Charakter, der sich von der Welt abschließt. Wenn es aber die anderen Seelenglieder ergreift, so entsteht dadurch etwas, was bis zur Formung der Leiblichkeit ausgeprägt wird. Es war eine tiefe Ahnung des Dichters, als er das Wort sprach: Wenn der Mensch seine Fähigkeiten und Talente ausbildet, so arbeitet das Ich in seinem Innern; wenn er aber seinen Charakter ausbildet, so arbeitet es an der Welt und dem äußeren Leben:
Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt.
Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt.
[ 62 ] Wenn der Dichter herangeht an diese Erscheinungen, so kann sich in aller Tiefe ihm ergeben, dass ihn etwas durchfloss, in seiner ganzen Art und Weise ... So kann sich ergeben dem, der das Leben betrachtet, wie das Leben von innen heraus geformt wird. Die Natur ist es, die in ihrem Festen da steht. Sie ist aber dasjenige, was den Geist in sich enthält und aus sich herausgeboren werden lässt. Der Geist aber lässt wieder Natur aus sich herausgehen, im mimischen Spiel, [in der] Physiognomie, [in der] Formung der Schädeldecke. Er prägt der Materie wiederum ein durch das Ich dasjenige, was das Ich in den verborgenen Tiefen der Seele auf jenem wunderbaren Musikinstrument spielt.
[ 62 ] Wenn der Dichter herangeht an diese Erscheinungen, so kann sich in aller Tiefe ihm ergeben, dass ihn etwas durchfloss, in seiner ganzen Art und Weise ... So kann sich ergeben dem, der das Leben betrachtet, wie das Leben von innen heraus geformt wird. Die Natur ist es, die in ihrem Festen da steht. Sie ist aber dasjenige, was den Geist in sich enthält und aus sich herausgeboren werden lässt. Der Geist aber lässt wieder Natur aus sich herausgehen, im mimischen Spiel, [in der] Physiognomie, [in der] Formung der Schädeldecke. Er prägt der Materie wiederum ein durch das Ich dasjenige, was das Ich in den verborgenen Tiefen der Seele auf jenem wunderbaren Musikinstrument spielt.
[ 63 ] Das kann demjenigen einfallen, der vor einem solchen Wunderwerke eines solchen Formens steht. Solch ein Gedanke durchzuckte einmal einen Mann, als er nach vielen Jahren die Gruft eines Freundes geöffnet erhält und der Schädel herausgenommen wurde. An der Betrachtung dieses Schädels ging ihm der Gedanke auf, wie die Form ausdrückt, was die Seele gelebt hat. [So schrieb] Goethe, als er Schillers Schädel betrachtete:
[ 63 ] Das kann demjenigen einfallen, der vor einem solchen Wunderwerke eines solchen Formens steht. Solch ein Gedanke durchzuckte einmal einen Mann, als er nach vielen Jahren die Gruft eines Freundes geöffnet erhält und der Schädel herausgenommen wurde. An der Betrachtung dieses Schädels ging ihm der Gedanke auf, wie die Form ausdrückt, was die Seele gelebt hat. [So schrieb] Goethe, als er Schillers Schädel betrachtete:
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als dass sich Gott-Natur ihm offenbare,
Wie sie das Feste lässt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geist-Erzeugte fest bewahre.
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als dass sich Gott-Natur ihm offenbare,
Wie sie das Feste lässt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geist-Erzeugte fest bewahre.
