Goethe and the Present
GA 68c
8 January 1905, Munich
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Goethe and the Present, tr. SOL
14. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie von Goethe
14. Goethe's Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily
[An dem großen Flusse, der eben von einem starken Regen geschwollen und übergetreten war, lag in seiner kleinen Hütte, müde von der Anstrengung des Tages, der alte Fährmann und schlief.]
[By the great river, which had just swollen and overflowed its banks after a heavy rain, the old ferryman lay in his little hut, weary from the day’s exertions, and slept.]
[ 1 ] Der Fährmann — die niederen Kräfte der Natur — ruht am jenseitigen Ufer — die Mentalebene — des Stromes — des Astral-Begierden-Planes.
[ 1 ] The ferryman—the lower forces of nature—rests on the opposite bank—the mental plane—of the stream—of the astral plane of desire.
[ 2 ] Da kommen zwei Irrlichter: Menschen, in denen nur Kama-Manas lebt, also der niedere Verstand, der sein Wissen aus der niederen materiellen Ebene schöpft. Die Irrlichter wollen den Fährmann mit ihrem Gold bezahlen, das sie aus sich herausschütteln. Das kann er nicht gebrauchen; der niedere Verstand kann die niederen Kräfte der Natur nicht beherrschen. Entsetzt sammelt der Fährmann das Goldwissen auf.
[ 2 ] Here come two will-o'-the-wisps: human beings in whom only Kama-Manas dwells—that is, the lower mind, which draws its knowledge from the lower material plane. The will-o’-the-wisps want to pay the ferryman with the gold they shake out of themselves. He has no use for it; the lower mind cannot master the lower forces of nature. Horrified, the ferryman gathers up the gold of knowledge.
Wäre ein Goldstück ins Wasser gefallen, so würde der Strom,
If a gold coin had fallen into the water, the current would,
[ 3 ] — die Leidenschaft —
[ 3 ] — Passion —
der dies Metall nicht leiden kann,
who cannot tolerate this metal,
[ 4 ] — Gold und Wissen regt die Leidenschaften auf —
[ 4 ] — Gold and knowledge stir up passions —
sich in ensetzlichen Wellen erhoben, das Schiff und mich verschlungen haben. Und wer weiß, wie es euch gegangen sein würde! Nehmt euer Geld wieder zu euch,
rose up in terrifying waves, engulfing the ship and me. And who knows what would have happened to you! Take your money back,
[ 5 ] sagt der Fährmann.
[ 5 ] says the ferryman.
Wir können nichts wieder zu uns nehmen, was wir abgeschüttelt haben,
We cannot take back anything we have shaken off,
[ 6 ] sagen die Irrlichter. Ganz richtig; was die irdische Weisheit von sich gegeben hat, kann sie nicht wieder aufsammeln. Der Fährmann verlangt von den Irrlichtern seinen Lohn: Früchte der Erde; drei Kohlhäupter, drei Zwiebeln, drei Artischocken. Die Irrlichter können sie ihm nicht geben, versprechen aber, sie zu schaffen. Der Fährmann sammelt das Gold sorgfältig in seine Mütze, fährt den Fluss entlang an derselben Seite, wo die Irrlichter sind, die ihn vergeblich noch einmal anrufen, bis in eine felsige Gegend, wo er das gefährliche Gold, da wo das Wasser es niemals erreichen [kann], in eine ungeheure Kluft schüttet; dann kehrt er in seine Hütte zurück.
[ 6 ] say the will-o'-the-wisps. Quite right; what earthly wisdom has given away, it cannot take back. The ferryman demands his wages from the will-o’-the-wisps: fruits of the earth—three heads of cabbage, three onions, three artichokes. The will-o’-the-wisps cannot give them to him, but they promise to provide them. The ferryman carefully gathers the gold into his cap, rows along the river on the same side where the will-o’-the-wisps are—who call out to him once more in vain—until he reaches a rocky area, where he pours the dangerous gold into a vast chasm, where the water can never reach it; then he returns to his hut.
In dieser Kluft [befand sich] die schöne grüne Schlange,
In this crevice [lay] the beautiful green snake,
[ 7 ] — der höhere Manas —
[ 7 ] — the higher Manas —
die durch die herabklingende Münze aus ihrem Schlafe geweckt wurde.
who was awakened from her sleep by the clinking coin.
[ 8 ] Sie verschlingt mit Begierde das Gold, das in ihrem Innern schmilzt und sie durchleuchtet, was ihr Freude und Behagen verursacht. Dann sucht sie nach dem Spender des Goldes, achtet nicht Beschwerden und Gefahren.
[ 8 ] She devours the gold with eagerness; it melts within her and illuminates her, bringing her joy and comfort. Then she searches for the giver of the gold, paying no heed to hardships or dangers.
Sehr ermüdet gelangte sie endlich zu einem feuchten Ried, wo unsere beiden Irrlichter hin und wieder spielten.
Exhausted, she finally reached a damp marsh where our two will-o'-the-wisps played now and then.
[ 9 ] Sie freut sich, in ihnen Verwandtschaft zu finden. Die Irrlichter begrüßen sie auch freundlich, doch sagen, sie seien
[ 9 ] She is delighted to find kinship in them. The will-o'-the-wisps also greet her warmly, but say that they are
nur von Seiten des Scheines verwandt.
related only in appearance.
[ 10 ] Die Schlange fühlt sich unbehaglich in Gegenwart der Bekanntschaft; kann sich nicht nach ihrer Höhe strecken und fürchtet, ihren eigenen Schein zu verlieren. Sie fragt die Herren nach der Herkunft des Goldes, von dem sie glaubt, es sei als Goldregen vom Himmel gekommen. Die Irrlichter schütteln sich vor Lachen und streuen neues Gold aus, das die Schlange mit Begier verschlingt und dadurch immer leuchtender wird, während die Irrlichter abnehmen und zusammenschrumpfen, aber immer lustig bleiben. Die Schlange will sich dankbar erzeigen und verspricht, ihnen zu dienen.
[ 10 ] The snake feels uncomfortable in the presence of the stranger; it cannot stretch to her height and fears losing its own radiance. It asks the gentlemen about the origin of the gold, which it believes fell from the sky like a shower of gold. The will-o’-the-wisps shake with laughter and scatter new gold, which the snake devours greedily, becoming ever more luminous as a result, while the will-o’-the-wisps diminish and shrink, yet remain ever merry. The snake wishes to show its gratitude and promises to serve them.
[ 11 ] Die Irrlichter fragen nach dem Weg zur schönen Lilie — die höchste Glückseligkeit — und erfahren zu ihrem Schrecken und Kummer, dass sie jenseits des Wassers wohnt, wo sie herkommen. Sie ersuchen die Schlange, den Fährmann für sie zu rufen, damit er sie wieder herüberführe. Da müssen sie zu ihrem Kummer vernehmen, dass der Fährmann jedermann herüber, aber niemanden wieder hinüber fahren dürfe. In die [irdische] Welt werden wir durch Naturkräfte befördert, zurück in die höhere Welt muss der Mensch sich selbst befördern.
[ 11 ] The will-o'-the-wisps ask for directions to the beautiful lily—the highest bliss—and learn, to their horror and sorrow, that she dwells across the water, where they came from. They ask the snake to call the ferryman for them, so that he may take them back across. But to their sorrow, they are told that the ferryman is allowed to bring anyone across, but no one back again. We are brought into the [earthly] world by the forces of nature; to return to the higher world, a person must carry themselves.
[ 12 ] Die Irrlichter fragen nach der Möglichkeit, wie das geschehen kann. Die Schlange gibt ihnen zwei Möglichkeiten dazu an: Sie selbst erbietet sich, sie um die Mittagszeit hinüberzusetzen. Doch diese Stunde passt den Herren nicht. Die zweite Möglichkeit bietet der Riese — der Tod —, dessen Körper zwar nichts vermag, aber dessen Schatten — der Schlaf, Tiefschlaf, Trance —
[ 12 ] The will-o'-the-wisps ask how this can happen. The serpent offers them two options: She herself offers to carry them across at noon. But that hour does not suit the gentlemen. The second option is offered by the giant—Death—whose body is powerless, but whose shadow—sleep, deep sleep, trance—
viel, ja alles
a lot, yes, everything
[ 13 ] vermag. Sein Schatten legt sich abends und morgens über den Strom, und den könnten die Herren als Brücke benutzen. Die Irrlichter entfernen sich, die Schlange ist froh, sie los zu sein. Sie begibt sich zurück in ihre Felsenschlucht. Dort hat sie schon früher eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Durch eine Felsenspalte war sie an einen Ort gelangt, wo sie Dinge fand, die ihr [bisher] fremd waren. Bis dahin war sie nur Naturprodukten begegnet, welche sie durch ihr Gefühl auch in unterirdischen Räumen wohl unterscheiden konnte, die spitzigen Kristalle, die
[ 13 ] Perhaps. Its shadow falls across the river in the evening and in the morning, and the gentlemen could use it as a bridge. The will-o’-the-wisps drift away; the snake is glad to be rid of them. She makes her way back to her rocky gorge. There, she had already made a strange discovery. Through a crevice in the rock, she had reached a place where she found things that were [until then] unfamiliar to her. Until then, she had encountered only natural products, which she could easily distinguish by feel even in underground spaces—the pointed crystals that
Haken und Haare des gediegenen Silbers,
Hooks and hair made of sterling silver,
[ 14 ] und sie brachte auch manchen Edelstein mit hinauf ans Licht. An dem erwähnten Ort nun fand sie zu ihrer größten Verwunderung glatte Wände und Dinge, die von Menschenhand gemacht waren; schöne Säulen und so weiter und menschliche Figuren, um die sie sich geschlungen und sie betrachtet hatte. Diese Dinge nun wollte sie jetzt, wo sie leuchtend geworden war, auch noch vermittels des Gesichtes prüfen, um sich davon einen vollständigen Begriff zu machen. Mit ihrem Licht konnte sie die Höhle, in welcher sie auf dem bekannten Wege eingedrungen war, nicht ganz erhellen, aber sie erkannte die einzelnen Gegenstände, in deren Nähe sie kam. In einer Nische stand das Bildnis eines Königs, ganz aus purem Golde gebaut. Wenn auch in übermenschlicher Größe dargestellt, schien es doch
[ 14 ] and she also brought many a gemstone up into the light. At the place mentioned, to her great astonishment, she found smooth walls and objects made by human hands—beautiful columns and so on, as well as human figures, which she had wrapped herself around and gazed upon. Now that she had become luminous, she wanted to examine these things with her eyes as well, in order to form a complete understanding of them. With her light, she could not fully illuminate the cave into which she had entered along the familiar path, but she could make out the individual objects as she approached them. In a niche stood the likeness of a king, fashioned entirely of pure gold. Although depicted as larger than life, it nevertheless seemed
das Bildnis eher eines kleinen als eines großen Mannes
the portrait of a man who is small rather than tall
[ 15 ] zu sein. Der goldene König
[ 15 ] To Be. The Golden King
fragte: ‹Wo kommst du her› — ‹Aus den Klüften,› versetzte die Schlange, in denen das Gold wohnt.› — ‹Was ist herrlicher als Gold?› fragte der König. ‹Das Licht›, antwortete die Schlange. ‹Was ist erquicklicher als Licht?› fragte jener. ‹Das Gespräch,› antwortete diese.
asked, “Where do you come from?”—“From the chasms,” replied the snake, “where gold dwells.”—“What is more magnificent than gold?” asked the king. “Light,” replied the snake. “What is more refreshing than light?” asked the king. “Conversation,” replied the snake.
[ 16 ] In der nächsten Nische saß ein silberner König - Budhi —
[ 16 ] In the next alcove sat a silver king—Budhi—
von langer und eher schmächtiger Gestalt,
tall and rather slight in build,
[ 17 ] geschmückt mit herrlichem Gewand,
[ 17 ] adorned with magnificent robes,
Krone, Gürtel und Zepter, mit Edelsteinen geschmückt. Er trug die Heiterkeit des Stolzes in seinem Angesichte und schien eben reden zu wollen, als an der marmornen Wand eine Ader, die dunkelfarbig hindurchlief, auf einmal hell ward und ein angenehmes Licht durch den ganzen Tempel verbreitete. Bei diesem Lichte sah die Schlange den dritten König, der von Erz in mächtiger Gestalt dasaß, sich auf seine Keule lehnte, mit einem Lorbeerkranze geschmückt war und eher einem Felsen als einem Menschen glich. Sie wollte sich nach dem vierten König umsehen, der in der grö| ten Entfernung von ihr stand, aber die Mauer öffnete sich, indem die erleuchtete Ader wie ein Blitz zuckte und verschwand.
A crown, a belt, and a scepter, all adorned with precious stones. His face bore the cheerful air of pride, and he seemed just about to speak when a dark vein running through the marble wall suddenly brightened, spreading a pleasant light throughout the entire temple. In this light, the serpent saw the third king, who sat there in a mighty form cast in bronze, leaning on his mace, adorned with a laurel wreath, and resembling a rock more than a man. She wanted to look for the fourth king, who stood farthest away from her, but the wall opened as the illuminated vein flickered like lightning and vanished.
[ 18 ] Ein bäurisch gekleideter Mann mit einer kleinen Lampe in der Hand trat ein,
[ 18 ] A man dressed in peasant clothes, holding a small lamp, walked in,
in deren stille Flamme man gern hineinsah und die auf eine wunderbare Weise, ohne auch nur einen Schatten zu werfen, den ganzen Dom erhellte.
whose quiet flame was a delight to gaze upon and which, in a marvelous way, illuminated the entire cathedral without casting even a single shadow.
[ 19 ] Der Mann mit der Lampe ist die Religion.
[ 19 ] The man with the lamp is religion.
«Warum kommst du, da wir Licht haben? fragte der goldene König - der Denker. Ihr wisst, dass ich das Dunkle nicht erleuchten darf.>
“Why do you come now that we have light?” asked the Golden King—the Thinker. “You know that I must not illuminate the darkness.”
[ 20 ] Die Kraft der Religion wirkt nur erleuchtend, wenn ihr eine andere Kraft entgegenkommt. Der Religion muss der Glaube entgegenkommen, sonst kann sie den Menschen nicht erleuchten.
[ 20 ] The power of religion has an enlightening effect only when it is met by another power. Faith must meet religion; otherwise, religion cannot enlighten people.
«Endigt sich mein Reich? fragte der silberne König
“Is my kingdom coming to an end?” asked the Silver King
[ 21 ] — Budhi, Lebensgeist, der geistige, spirituelle Leib.
[ 21 ] — Budhi, the life spirit, the mental, spiritual body.
‹Spät oder nie.› versetzte der Alte. ‹Wann werde ich aufstehn?›
“Better late than never,” the old man replied. “When will I get up?”
[ 22 ] — das heißt, meine Herrschaft gewinnen — fing der eherne König — der Geistmensch, Atma —
[ 22 ] — that is, to gain my dominion — began the Iron King — the spiritual being, Atma —
an zu fragen. ‹Bald›, versetzte der Alte. ‹Mit wem soll ich mich verbinden?› fragte der König. ‹Mit deinen älteren Brüdern,› sagte der Alte. ‹Was wird aus dem jüngsten werden?› fragte der König. ‹Er wird sich setzen›
to ask. “Soon,” replied the old man. “Who should I contact?” asked the king. “Your older brothers,” said the old man. “What will become of the youngest?” asked the king. “He will sit down”
[ 23 ] — ein Ausdruck für die Niederlegung der Herrschaft —
[ 23 ] — an expression for the relinquishment of power —
sagte der Alte. ‹Ich bin nicht müde.› rief der vierte König mit einer rauen, stotternden Stimme.
said the old man. “I’m not tired,” cried the fourth king in a hoarse, stuttering voice.
[ 24 ] Der vierte König ist ein Symbol für die vier niederen, vergänglichen Grundteile des Menschen; also:
[ 24 ] The fourth king symbolizes the four lower, impermanent fundamental elements of human beings; that is:
[ 25 ] erstens der physische Körper,
[ 25 ] first, the physical body,
[ 26 ] zweitens der Ätherleib — Linga scharira,
[ 26 ] second, the etheric body — Linga sharira,
[ 27 ] drittens der empfindende Seelenleib — Astralkörper, viertens die Verstandesseele — niederer Manas, KamaManas — also der Verstand, die Denkkraft, die noch von den Sinneseindrücken und den Begierden getrübt wird, und daher außerstande ist, das Höhere, Göttliche, den höheren Manas, den eigentlichen Denker, den wahren Menschen und noch weniger den Geistesmenschen, Atma, zu erkennen. Inzwischen war die Schlange in dem Tempel herumgekrochen
[ 27 ] third, the feeling soul-body—the astral body; fourth, the intellectual soul—lower Manas; Kama-Manas—that is, the intellect, the power of thought, which is still clouded by sensory impressions and desires, and is therefore incapable of recognizing the Higher, the Divine, the higher Manas, the true Thinker, the true human being, and even less so the spiritual human being, Atma. Meanwhile, the serpent had been slithering around the temple
und besah nunmehr den vierten König in der Nähe. Er stand an eine Säule gelehnt, und seine ansehnliche Gestalt war eher schwerfällig als schön. Allein das Metall, woraus er gegossen war, konnte man nicht leicht unterscheiden. Genau betrachtet war es eine Mischung der drei Metalle, aus denen seine Brüder gebildet waren. Aber beim Gusse schienen diese Materien nicht recht zusammengeschmolzen zu sein; goldne und silberne Adern liefen unregelmäßig durch eine eherne Masse hindurch und gaben dem Bilde ein unangenehmes Ansehn.
Indessen sagte der goldene König zum Manne: «Wieviel Geheimnisse weißt du? — ‹Drei,› versetzte der Alte. ‹Welches ist das wichtigste?› fragte der silberne König. ‹Das Offenbare,› versetzte der Alte. ‹Willst du es auch uns eröffnen?› fragte der eherne. Sobald ich das vierte weiß, sagte der Alte. ‹Was kümmert’s mich!› murmelte der zusammengesetzte König vor sich hin. ‹Ich weiß das vierte,› sagte die Schlange, näherte sich dem Alten und zischte ihm etwas ins Ohr. ‹Es ist an der Zeit!› rief der Alte mit gewaltiger Stimme. Der Tempel schallte wider, die metallenen Bildsäulen klangen, und in dem Augenblicke versank der Alte nach Westen und die Schlange nach Osten, und jedes durchstrich mit großer Schnelle die Klüfte der Felsen.
and now looked at the fourth king standing nearby. He was leaning against a pillar, and his imposing figure was more ponderous than handsome. Yet the metal from which he was cast was not easily discernible. On closer inspection, it was a mixture of the three metals from which his brothers were formed. But during the casting process, these materials did not seem to have fused properly; golden and silver veins ran irregularly through a mass of bronze, giving the statue an unpleasant appearance.
Meanwhile, the Golden King said to the man, “How many secrets do you know?” — “Three,” replied the old man. “Which is the most important?” asked the Silver King. ‹The obvious one,› replied the old man. ‹Will you reveal it to us as well?› asked the bronze king. ‹As soon as I know the fourth,› said the old man. ‹What do I care!› muttered the composite king to himself. ‹I know the fourth,› said the serpent, approaching the old man and hissing something in his ear. “The time has come!” cried the old man in a mighty voice. The temple resounded, the metal statues rang out, and in that instant the old man sank toward the west and the serpent toward the east, each darting with great speed through the crevices of the rocks.
[ 28 ] Der Felsen, der hier geschildert ist, ist eine Beschreibung der alten Mysterientempel, in welchen die Jünger in die Geheimnisse des Daseins eingeführt wurden. Die Grundteile des Menschen waren dort sinnbildlich dargestellt. Solcher Tempel gibt es in Indien noch viele, und seitdem das geistige Leben die Menschen nicht mehr so durchdringt wie in alten Zeiten, wo der Intellekt, der Verstand, noch nicht so entwickelt war, sind sie verlassen und von wilder Hand zerstört und zertrümmert; als Ruinen selbst machen sie noch einen großartigen, zum Teil Grausen erregenden Eindruck. Die Gestalten, die dort symbolisch aufgeführt sind und für unsere Augen ein scheußliches Bild darstellen, wurden einst, mit dem Auge des Geistes betrachtet, zum Mittel, um das höhere Leben zunächst verstehen zu lernen und hernach, nach Erlangung der Reife, selbst zu schauen. Wir Abendländer betrachten sie nur als scheußliche Götzenbilder; der Morgenländer sieht durch die äußere Form hindurch die Bedeutung der Symbole. Der Schönheitssinn für die Form geht ihnen noch ab. Die äußere Form war ihnen in den alten Zeiten, wo die grotesken Bilder entstanden sind, eine so große Nebensache, dass sie sie nur benutzten, um damit einen Gedanken auszudrücken, wie wir jetzt die Sprache, die Schriftsprache, zum Medium gebrauchen, um die Dinge, die wir im Geiste erfasst, unseren Mitmenschen mitzuteilen. Die rohe Art, mit welcher wir Abendländer oft über diese Dinge urteilen, die Bekehrungssucht, die in der Vertilgung der «Götzen» ihre Aufgabe suchte, zeugt von einer vollständigen Unkenntnis dieser Dinge.
[ 28 ] The rock described here represents the ancient mystery temples, where disciples were initiated into the mysteries of existence. The fundamental aspects of the human being were symbolically represented there. There are still many such temples in India, and since spiritual life no longer permeates people’s lives as it did in ancient times—when the intellect and reason were not yet so developed—they have been abandoned and destroyed and shattered by the hand of savage forces; even as ruins, they still make a magnificent, and in some cases, terrifying impression. The figures depicted there symbolically—which appear hideous to our eyes—were once, when viewed through the eye of the spirit, a means of first learning to understand the higher life and then, upon reaching maturity, of beholding it for oneself. We Westerners regard them merely as hideous idols; the Easterners see the meaning of the symbols beyond the outer form. They still lack a sense of beauty in form. In ancient times, when these grotesque images were created, the outer form was such a minor consideration to them that they used it merely to express a thought, just as we now use language—written language—as a medium to communicate to our fellow human beings the things we have grasped in our minds. The crude manner in which we Westerners often judge these things, along with the zeal for conversion that sought its purpose in the destruction of “idols,” testifies to a complete ignorance of these matters.
[ 29 ] Die Schlange hat dem Alten ins Ohr geflüstert, dass sie bereit sei, sich ganz aufzuopfern, und daraufhin ruft der Alte:
[ 29 ] The snake whispered in the old man's ear that she was ready to sacrifice herself completely, and the old man then cried out:
Es ist an der Zeit!
It's time!
[ 30 ] worauf der Tempel tönt. Wir brauchen keine orientalische Weisheit, um dieses «Tönen» zu verstehen. Goethe gibt uns in seinem «Faust»-Prolog im Himmel eine Erklärung:
[ 30 ] to which the temple resounds. We don’t need Eastern wisdom to understand this “resounding.” Goethe provides an explanation in the prologue to Faust, set in heaven:
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang.
The sun resounds in the old way
In the realms of brotherhood, a contest of song.
[ 31 ] Der Himmel — das Devachan — ist die Ebene, wo es tönt. Der Laut hat da sein Reich.
[ 31 ] Heaven—the Devachan—is the plane where sound resonates. Sound has its realm there.
Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren!
With a sound that resonates in the ears of the spirit
The new day is already dawning!
[ 32 ] Die Schlange, der Intellekt, der nach Erleuchtung trachtet, geht nach Osten, der Mann mit der Lampe — die Religion — nach Westen.
[ 32 ] The serpent—the intellect—which seeks enlightenment, travels east; the man with the lamp—religion—travels west.
Alle Gänge, durch die der Alte hindurchwandelte, füllten sich hinter ihm sogleich mit Gold; denn seine Lampe hatte die wunderbare Eigenschaft, alle Steine in Gold, alles Holz in Silber, tote Tiere in Edelsteine zu verwandeln und alle Metalle zu zernichten. Um diese Wirkung zu äußern, musste sie aber ganz allein leuchten; wenn ein ander Licht neben ihr war, wirkte sie nur einen schönen, hellen Schein, und alles Lebendige ward immer durch sie erquickt.
Der Alte trat in seine Hütte, die an dem Berge angebauet war, und fand sein Weib in der größten Betrübnis. Sie saß am Feuer und weinte und konnte sich nicht zufrieden geben. «Wie unglücklich bin ich‘ rief sie aus; «wollt ich dich heute doch nicht fortlassen!»
Every corridor through which the old man walked was immediately filled with gold behind him; for his lamp had the miraculous power to turn all stones into gold, all wood into silver, dead animals into precious stones, and to destroy all metals. To produce this effect, however, it had to shine all by itself; if another light was beside it, it cast only a beautiful, bright glow, and all living things were always refreshed by it.
The old man entered his hut, which was built against the mountain, and found his wife in the deepest sorrow. She was sitting by the fire, weeping, and could not console herself. “How unhappy I am!” she cried out; “If only I hadn’t let you go today!”
[ 33 ] Auf die gelassene Frage des Mannes erzählt die Frau, dass während seiner Abwesenheit zwei Herren — die Irrlichter — bei ihr gewesen seien und sich sehr zudringlich benommen hätten.
[ 33 ] In response to the man’s calm question, the woman explains that while he was away, two men—the will-o’-the-wisps—had visited her and behaved very intrusively.
‹Und sieh dich nur um, wie die Wände aussehen; sieh nur die alten Steine, die ich seit hundert Jahren nicht mehr gesehen habe: alles Gold haben sie heruntergeleckt, du glaubst nicht mit welcher Behendigkeit, und sie versicherten immer, es schmecke viel besser als gemeines Gold.›
“And just look around you at the walls; just look at those old stones, which I haven’t seen in a hundred years: they’ve licked all the gold off them—you wouldn’t believe how deftly—and they always claimed it tasted much better than ordinary gold.”
[ 34 ] Dann wären sie immer übermütiger geworden, hätten sie gestreichelt und ihre Königin geheißen, sich geschüttelt, sodass eine Menge Goldstücke umhergestreut wurden, und zum Unglück habe ihr Mops einige davon gefressen, und nun läge er tot am Kamin.
[ 34 ] Then they would have grown increasingly boisterous; they would have petted her and called her “Queen,” and she would have shaken herself, scattering a pile of gold coins all over the place; and, unfortunately, her pug had eaten some of them, and now he lay dead by the fireplace.
[ 35 ] ‹Ich sah es erst, da sie fort waren; denn sonst hätte ich nicht versprochen, ihre Schuld beim Fährmann abzutragen.› ‹Was sind sie schuldig? fragte der Alte. «Drei Kohlhäupter» sagte die Frau, <«drei Artischocken und drei Zwiebeln; wenn es Tag wird, habe ich versprochen, sie an den Fluss zu tragen.»
[ 35 ] “I didn’t see it until they were gone; otherwise, I wouldn’t have promised to pay off their debt to the ferryman.” “How much do they owe?” asked the old man. “Three heads of cabbage,” said the woman, <“three artichokes and three onions; I promised to carry them to the river when day breaks.”
[ 36 ] Die Alte ist die seelische Wesenheit, das gewöhnliche, sinnliche Leben des Menschen. Die Irrlichter — die Verstandeswissenschaft — lecken das Gold — das historische Wissen — ab und streuen es wieder aus. Sie [die Verstandeswissenschaft] schmeichelt der niederen Natur, hat aber keine belebende Kraft; der Mops, der davon frisst, stirbt. Die Naturwissenschaft leugnet die Lebenskraft, und ohne die belebende Kraft der Lampe —- dem Licht, das die Religion bringt — erstirbt das Leben durch das tote Wissen. In der ersten Runde birgt das Mineralreich die Form für die Weisheit. Dreimal drei ist neun — menschliche Sinnlichkeit. Drei Kohlhäupter, drei Zwiebeln, drei Artischocken. Der Mensch ist durch die drei Reiche hindurchgegangen. Die Frau bezahlt den Strom der Leidenschaften mit Früchten der Erde. Der Kohl, das Schalengewächs, [repräsentiert] die Blätter; die Zwiebel, die Wesenheit, die aus Hüllen besteht, [repräsentiert] die Wurzel; die Artischocke [repräsentiert] die Frucht. Sie [die Frau des Alten mit der Lampe] muss diesen [Tribut] an den Strom bezahlen.
[ 36 ] The Old Woman is the spiritual essence, the ordinary, sensory life of human beings. The will-o’-the-wisps—rational science—lick the gold—historical knowledge—and scatter it again. It [intellectual science] flatters the lower nature, but has no life-giving power; the pug that feeds on it dies. Natural science denies the life force, and without the life-giving power of the lamp—the light that religion brings—life withers away through dead knowledge. In the first cycle, the mineral kingdom holds the form for wisdom. Three times three is nine—human sensuality. Three cabbages, three onions, three artichokes. Man has passed through the three kingdoms. Woman pays for the flow of passions with the fruits of the earth. The cabbage, the bulbous plant, [represents] the leaves; the onion, the essence consisting of layers, [represents] the root; the artichoke [represents] the fruit. She [the wife of the old man with the lamp] must pay this [tribute] to the current.
‹Du kannst ihnen den Gefallen tun» sagte der Alte; «denn sie werden uns gelegentlich auch wieder dienen.»
“You can do them this favor,” said the old man, “because they’ll serve us again someday.” “I don’t know if they’ll serve us, but they’ve promised and assured us they will.”
[ 37 ] [Der Alte] löscht das Herdfeuer aus, sammelt die übrigen Goldstücke sorgfältig auf,
[ 37 ] [The Old Man] extinguishes the hearth fire, carefully gathers up the remaining gold pieces,
und nun leuchtet sein Lämpchen wieder allein in dem schönsten Glanze, die Mauern überzogen sich mit Gold, und der Mops war zum schönsten Onyx geworden. «Nimm deinen Korb», sagte der Alte, «und stelle den Onyx hinein; alsdann nimm die drei Kohlhäupter, die drei Artischocken und die drei Zwiebeln, lege sie umher und trage sie zum Flusse! Gegen Mittag lass dich von der Schlange übersetzen und besuche die schöne Lilie, bring ihr den Onyx! Sie wird ihn durch ihre Berührung lebendig machen, wie sie alles Lebendige durch ihre Berührung tötet; sie wird einen treuen Gefährten an ihm haben. Sage ihr, sie solle nicht trauern, ihre Erlösung sei nahe, das größte Unglück könne sie als das größte Glück betrachten, denn es sei an der Zeit.» Die Alte packte ihren Korb und machte sich, als es Tag war, auf den Weg. Die aufgehende Sonne schien hell über den Fluss herüber, der in der Ferne glänzte; das Weib ging mit langsamem Schritt, denn der Korb drückt sie aufs Haupt, und es war doch nicht der Onyx, der so lastete
And now his little lamp shone once more on its own in the most beautiful radiance; the walls were covered in gold, and the pug had turned into the most beautiful onyx. “Take your basket,” said the old man, “and put the onyx inside; then take the three cabbages, the three artichokes, and the three onions, arrange them around it, and carry them to the river! Around noon, let the snake ferry you across and visit the beautiful lily; bring her the onyx! She will bring it to life with her touch, just as she kills all living things with her touch; she will find a faithful companion in it. Tell her not to grieve—her redemption is near, and she should regard the greatest misfortune as the greatest happiness, for the time has come.” The old woman grabbed her basket and set off at daybreak. The rising sun shone brightly across the river, which glistened in the distance; the woman walked slowly, for the basket weighed heavily on her head, and yet it was not the onyx that weighed so heavily
[ 38 ] — sondern das frische Gemüse.
[ 38 ] — but rather the fresh vegetables.
Alles Tote, was sie trug, fühlte sie nicht; vielmehr hob sich alsdann der Korb in die Höhe und schwebte über ihrem Haupte. Aber ein frisches Gemüs oder ein kleines, lebendiges Tier zu tragen, war ihr äußerst beschwerlich. Verdrießlich war sie eine Zeit lang hingegangen, als sie auf einmal erschreckt stille stand; denn sie hätte beinahe auf den Schatten des Riesen getreten, der sich über die Ebene bis zu ihr hin erstreckte. Und nun sah sie erst den gewaltigen Riesen, der sich in dem Fluss gebadet hatte, aus dem Wasser steigen, und sie wusste nicht, wie sie ihm ausweichen sollte. Sobald er sie gewahr ward, fing er an, sie scherzhaft zu begrüßen, und die Hände seines Schattens griffen sogleich in den Korb. Mit Leichtigkeit und Geschicklichkeit nahmen sie ein Kohlhaupt, eine Artischocke und eine Zwiebel heraus und brachten sie dem Riesen zum Munde, der sodann weiter den Fluss hinaufging und dem Weibe den Weg frei ließ.
She did not feel the weight of anything dead that she carried; rather, the basket would then rise up and float above her head. But carrying fresh vegetables or a small, living animal was extremely difficult for her. She had been walking along in a bad mood for a while when she suddenly stopped, startled; for she had nearly stepped on the giant’s shadow, which stretched across the plain toward her. And only then did she see the mighty giant, who had been bathing in the river, emerge from the water, and she did not know how to avoid him. As soon as he noticed her, he began to greet her playfully, and the hands of his shadow immediately reached into the basket. With ease and dexterity, they took out a head of cabbage, an artichoke, and an onion and brought them to the giant’s mouth, who then continued walking upriver, leaving the way clear for the woman.
[ 39 ] Die Alte besann sich, ob sie umkehren und das Fehlende holen sollte aus ihrem Garten, ging dabei aber immer weiter, bis sie an den Fluss kam und lange auf den Fährmann wartete. Endlich kam er. Ein junger, edler, schöner Mann stieg aus dem Kahn.
[ 39 ] The old woman wondered whether she should turn back and fetch what was missing from her garden, but instead kept walking until she reached the river, where she waited a long time for the ferryman. Finally, he arrived. A young, noble, handsome man stepped out of the boat.
Was bringt ihr?
What are you bringing?
[ 40 ] rief der Fährmann.
[ 40 ] cried the ferryman.
Es ist das Gemüse, das Euch die Irrlichter schuldig sind,
It is the vegetable that the will-o'-the-wisps owe you,
[ 41 ] erwiderte die Frau. Der Fährmann wollte es nicht annehmen, da von jeder Art eines fehlte. Obgleich die Frau flehte und bat, die Gabe anzunehmen, sie könne den beschwerlichen Weg nicht wieder zurückgehen, lehnte er es doch ab,
[ 41 ] the woman replied. The ferryman would not accept it, since one of each kind was missing. Although the woman pleaded with him to accept the gift, saying she could not make the arduous journey back, he still refused,
indem er ihr versicherte, dass es nicht einmal von ihm abhange. «Was mir gebührt, muss ich neun Stunden zusammen lassen, und ich darf nichts annehmen, bis ich dem Fluss ein Drittteil übergeben habe, [...] Es ist noch ein Mittel. Wenn Ihr Euch gegen den Fluss verbürgt und Euch als Schuldnerin bekennen wollt, so nehm ich die sechs Stücke zu mir; es ist aber einige Gefahr dabei.» — «Wenn ich mein Wort halte, so laufe ich doch keine Gefahr? — «Nicht die geringste. Steckt Eure Hand in den Fluss [...] und versprecht, dass Ihr in vierundzwanzig Stunden die Schuld abtragen wollt.» Die Alte tats; aber wie erschrak sie nicht, als sie ihre Hand kohlschwarz wieder aus dem Wasser zog!
by assuring her that it wasn’t even up to him. “I must set aside what is due to me for nine hours, and I may not accept anything until I have handed over a third to the river, [...] There is another way. If you will vouch for yourself against the river and acknowledge yourself as a debtor, then I will take the six pieces; but there is some danger involved.” — “If I keep my word, I’m not in any danger, am I?” — “Not the slightest. Put your hand in the river [...] and promise that you will pay off the debt within twenty-four hours.” The old woman did so; but how terrified she was when she pulled her hand out of the water, black as coal!
[ 42 ] Alte ist sehr unglücklich, dass ihre schöne Hand schwarz geworden ist und sogar zu schwinden beginnt.
[ 42 ] Alte is very unhappy that her beautiful hand has turned black and is even beginning to wither.
‹Jetzt scheint es nur so›, sagte [der Fährmann]; ‹wenn Ihr aber nicht Wort haltet, kann es wahr werden. Die Hand wird nach und nach schwinden, [...], ohne dass Ihr den Gebrauch derselben entbehrt. Ihr werdet alles damit verrichten können, nur dass sie niemand sehen wird.› — ‹Ich wollte lieber, ich könnte sie nicht brauchen und man säh mirs nicht an» sagte die Alte; indessen hat das nichts zu bedeuten, ich werde mein Wort halten, um diese schwarze Hand und diese Sorge bald los zu werden.›
“It only seems that way for now,” said [the ferryman]; “but if you don’t keep your word, it may come true. The hand will gradually wither away, [...], without you losing the ability to use it. You’ll be able to do everything with it, except that no one will see it.” — “‘I’d rather not have to use it and not have anyone notice,’ said the old woman; ‘but that doesn’t matter—I’ll keep my word to get rid of this black hand and this worry soon.’”
[ 43 ] Dreimal drei ist neun, die Zahl der menschlichen Sinnlichkeit; sie ist durch alle drei Reiche hindurchgegangen. Die Frau bezahlt den Strom der Leidenschaften mit den Früchten der Erde. Sie muss den Tribut an den Strom bezahlen. Der Kohlkopf symbolisiert die Blätter, die Zwiebel die Wurzel, die Artischocke die Frucht. Alle drei sind Schalengewächse.
[ 43 ] Three times three is nine, the number of human sensuality; it has passed through all three kingdoms. Woman pays for the flow of passions with the fruits of the earth. She must pay tribute to the flow. The cabbage symbolizes the leaves, the onion the root, and the artichoke the fruit. All three are members of the cabbage family.
[ 44 ] Der seelischen Wesenheit — der Frau — geht ein Teil ihrer Früchte und Triebe, die sie sich durch Fleiß im Gartenland erworben hat, verloren; und zwar durch Schlafen, Träumen und Mangel an Wachsamkeit. Doch hat sie sich verpflichtet, die Schuld der Irrlichter — der Verstandeskraft — zu bezahlen. Der Verstand allein vermag weder Blätter noch Blüten noch Früchte zu treiben, das überlässt er den seelischen Kräften. Aber die niederen Naturkräfte — der Fährmann — bestehen auf ihr Recht; auch der Strom der Leidenschaften will befriedigt sein. Da es der Frau aber an den genügenden Mitteln dazu fehlt, büßt sie es an ihrem Leibe. Die Kräfte fehlen ihr zwar nicht, aber ihr Körper wird sehr entstellt dadurch, dass sie ihre Hand in den Strom getaucht hat. Gibt der Mensch der Leidenschaft Raum, so erleidet er Schaden. Sehr bezeichnend für die niedere Gesinnung des Menschen ist der Umstand, dass die Frau sich viel mehr grämt um das Aussehen — was werden die Leute sagen? — als um den Verlust der Fähigkeit zu arbeiten, die ihr freilich nicht droht, nach Ausspruch des Fährmannes.
[ 44 ] The spiritual being—the woman—loses a portion of the fruits and shoots she has earned through diligence in the garden; specifically, through sleep, dreams, and a lack of vigilance. Yet she has committed herself to paying the debt owed to the will-o’-the-wisps—the power of the intellect. The intellect alone cannot produce leaves, blossoms, or fruit; it leaves that to the spiritual forces. But the lower forces of nature—the ferryman—insist on their rights; the stream of passions, too, demands satisfaction. Since the woman lacks the sufficient means to do so, she atones for it with her body. She does not lack the strength, but her body becomes severely disfigured by the fact that she has dipped her hand into the stream. If a person gives way to passion, they suffer harm. It is very telling of man’s base disposition that the woman is far more distressed about her appearance—what will people say?—than about the loss of her ability to work, which, according to the ferryman, does not actually threaten her.
[ 45 ] Die Frau nimmt nun den Korb wieder auf, der frei über ihrem Kopfe schwebt,
[ 45 ] The woman now picks up the basket again, which is floating freely above her head,
und eilte dem jungen Manne nach, der sachte und in Gedanken am Ufer hinging. Seine herrliche Gestalt und sein sonderbarer Anzug hatten sich der Alten tief eingedruckt. Seine Brust war mit einem glänzenden Harnisch bedeckt, durch den alle Teile seines schönen Leibes sich durchbewegten. Um seine Schultern hing ein Purpurmantel, um sein unbedecktes Haupt wallten braune Haare in schönen Locken; sein holdes Gesicht war den Strahlen der Sonne ausgesetzt so wie seine schöngebauten Füße. Mit nackten Sohlen ging er gelassen über den heißen Sand hin, und ein tiefer Schmerz schien alle äußeren Eindrücke abzustumpfen.
and hurried after the young man, who was walking slowly and pensively along the shore. His magnificent figure and his unusual attire had made a deep impression on the old woman. His chest was covered with gleaming armor, through which every part of his beautiful body was visible as he moved. A purple cloak hung around his shoulders; brown hair in beautiful curls flowed around his bare head; his lovely face was exposed to the sun’s rays, as were his well-proportioned feet. With bare feet, he walked calmly across the hot sand, and a deep sorrow seemed to dull all external impressions.
[ 46 ] Die Alte knüpfte ein Gespräch mit ihm an, worauf er aber kaum einging. Das wurde ihr langweilig und sie empfahl sich mit dem Bemerk, dass sie eilen müsse, um über die grüne Schlange den Fluss zu passieren und der schönen Lilie das Geschenk ihres Mannes zu überbringen. Als der Jüngling dies hört, ermannt er sich und läuft der Frau nach.
[ 46 ] The old woman struck up a conversation with him, but he barely responded. She grew bored with this and took her leave, remarking that she had to hurry to cross the river via the green snake and deliver her husband’s gift to the beautiful lily. When the young man hears this, he summons his courage and runs after the woman.
‹Ihr geht zur schönen Lilie!› rief er aus;
‹da gehen wir Einen Weg.›
“You’re going to the beautiful lily!” he exclaimed;
“We’re going the same way.”
[ 47 ] Unterwegs tauschen sie ihre Schicksale aus. Der Jüngling beschreibt seinen elenden Zustand: Harnisch und Purpur sind ihm nur unnütze Last und Zierde geworden, Krone, Zepter und Schwert sind fort, er ist
[ 47 ] Along the way, they share their stories. The young man describes his wretched condition: armor and purple robes have become nothing but a useless burden and adornment to him; his crown, scepter, and sword are gone; he is
nackt und bedürftig als jeder andere Erdensohn, denn so unselig wirken ihre [der Lilie] schönen blauen Augen, dass sie allen lebendigen Wesen ihre Kraft nehmen und dass diejenigen, die ihre berührende Hand nicht tötet, sich in den Zustand lebendig wandelnder Schatten versetzt fühlen.
naked and in need like any other son of the earth, for her [the lily’s] beautiful blue eyes appear so wretched that they sap the strength of all living beings, and those whom her touching hand does not kill find themselves transformed into living, moving shadows.
[ 48 ] Er beneidet den Mops, weil dieser durch ihre Berührung Leben gewinnen würde.
[ 48 ] He envies the pug because it would gain life through her touch.
[ 49 ] Der Jüngling ist die Menschheit überhaupt. Sie ist krank vor Sehnsucht nach dem Leben. Das Ewig-Weibliche zieht sie hinan. Wenn der Mensch hinan nach höherem Wissen strebt, so überfällt ihn eine Lähmung: Ohne feste moralische Grundlage ist es gefährlich, das höhere Wissen zu suchen. Der stürmische Angriff hat den Tod zur Folge. Die Liebe tötet das Leben; aber sie tötet, damit das wahre Leben erstehen könne. Stirb und werde.
[ 49 ] The young man represents humanity as a whole. Humanity is sick with a longing for life. The Eternal Feminine draws it upward. When a person strives upward toward higher knowledge, a paralysis overtakes him: without a firm moral foundation, it is dangerous to seek higher knowledge. The stormy assault results in death. Love kills life; but it kills so that true life may arise. Die and be reborn.
Wer nicht stirbt, eh’ er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt.
Whoever does not die before he dies will perish when he dies.
[ 50 ] Das niedere Selbst muss sterben. So ist der Tod die Wurzel des Lebens.
[ 50 ] The lower self must die. Thus, death is the root of life.
[ 51 ] Sie kommen nun zur Brücke, sind erstaunt über die Herrlichkeit der grünen Schlange, die ganz von Edelsteinen funkelt; hoch gewölbt schwingt sie sich über den Fluss. Drüben angekommen, merken sie, dass noch mehrere Reisende mit hinübergegangen sind — die Irrlichter, die sie zwar nicht sehen, aber deren Gegenwart sich verrät durch ihr Zischeln mit der Schlange, welche sich nach erfolgtem Übergang ihnen anschließt. Weib, Jüngling und Schlange begeben sich nun zur weißen Lilie, während sich die Irrlichter einstweilen in dem Garten der Königin umsehen, bis es dämmerig wird.
[ 51 ] They now come to the bridge and are amazed by the splendor of the green serpent, which sparkles entirely with precious stones; arched high, it spans the river. Once they reach the other side, they notice that several other travelers have crossed over as well—the will-o’-the-wisps, whom they cannot see, but whose presence is revealed by their hissing at the snake, which joins them once the crossing is complete. The woman, the young man, and the serpent now make their way to the white lily, while the will-o’-the-wisps look around the queen’s garden for the time being, until twilight falls.
[ 52 ] Die Alte tritt der königlichen Jungfrau zuerst nahe und ist so entzückt von ihrer Schönheit und ihrem lieblichen Gesang zur Harfe, dass sie in begeisterte Lobpreisung ausbricht. Die Lilie spricht:
[ 52 ] The old woman approaches the royal maiden first and is so enchanted by her beauty and her lovely singing accompanied by the harp that she bursts into enthusiastic praise. The lily says:
Betrübe mich nicht durch ein unzeitiges Lob! Ich empfinde nur desto stärker mein Unglück.
Don't sadden me with untimely praise! It only makes me feel my misfortune all the more keenly.
[ 53 ] Sie erzählt, dass ihr Kanarienvogel, ihre ganze Freude und Wonne, durch den Habicht erschreckt, sich an ihren Busen geflüchtet habe und dort gestorben sei. Sie sei untröstlich, denn dass der Täter, durch ihren Blick gelähmt, dort am Teiche seine Strafe verbüße, könne ihr nicht helfen. Ihr Vogel - die prophetische Kraft — sei tot und müsse begraben werden.
[ 53 ] She recounts that her canary—her sole source of joy and delight—startled by the hawk, had taken refuge in her bosom and died there. She is inconsolable, for the fact that the culprit, paralyzed by her gaze, is serving his punishment there by the pond offers her no solace. Her bird—the prophetic power—is dead and must be buried.
‹Ermannt euch, schöne Lilie!› rief die Frau, [...] ‹mein Alter lässt Euch sagen, Ihr sollt [...] das größte Unglück als Vorbote des größten Glücks ansehen, denn es sei an der Zeit.›
“Take heart, fair lily!” cried the woman, [...] “My husband sends word that you should [...] regard the greatest misfortune as a harbinger of the greatest happiness, for the time has come.”
[ 54 ] Dann erzählt sie von ihrem Missgeschick und bittet die Lilie, ihr den fehlenden Kohlkopf, Zwiebel und Artischocke zu geben, damit sie damit ihre Schuld bezahle und ihre Hand wieder weiß würde. Kohlkopf und Zwiebel [- Wurzel und Blätter —] will die Lilie gern geben, aber die Artischocke — eine Frucht — weist der Garten nicht auf, in welchem auf dem Grabe ihres Lieblings frisches Grün sprosste, Früchte aber brächte er nicht hervor.
[ 54 ] Then she tells of her misfortune and asks the lily to give her the missing cabbage, onion, and artichoke so that she may pay her debt with them and her hand may become white again. The lily is happy to give the head of cabbage and the onion [— root and leaves —], but the garden, in which fresh greens sprouted on her beloved’s grave, does not yield an artichoke—a fruit—for it bears no fruit.
[ 55 ] Die Frau achtet kaum auf die Rede der schönen Lilie; sie sieht zu ihrem Schrecken die Hand immer schwärzer werden und immer mehr schwinden und will sich eilig entfernen, als sie des Mopses eingedenk wird, den sie der Lilie nun hingibt.
[ 55 ] The woman pays little attention to the beautiful lily’s words; to her horror, she sees her hand growing blacker and blacker and shrinking more and more, and she is about to hurry away when she remembers the pug, which she now hands over to the lily.
Die schöne Lilie sah das artige Tier mit Vergnügen und, [...], mit Verwunderung an. ‹Es kommen viele Zeichen zusammen,› sagte sie, ‹die mir einige Hoffnung einflößen; aber ach! ist es nicht bloß ein Wahn unsrer Natur, dass wir dann, wenn vieles Unglück zusammentrifft, uns einbilden, das Beste sei nah?
Was helfen mir die vielen guten Zeichen?
Des Vogels Tod, der Freundin schwarze Hand?
Der Mops von Edelstein, hat er wohl seinesgleichen?
Und hat ihn nicht die Lampe mir gesandt?
Entfernt vom süßen menschlichen Genusse,
Bin ich doch mit dem Jammer nur vertraut.
Ach! warum steht der Tempel nicht am Flusse!
Ach! warum ist die Brücke nicht gebaut!›
The beautiful Lilie looked at the gentle animal with pleasure and, [...], with wonder. “Many signs are coming together,” she said, “that give me some hope; but alas! Is it not merely a delusion of our nature that, when many misfortunes coincide, we imagine that the best is near?”
What good are all these good omens to me?
The bird’s death, my friend’s black hand?
Edelstein’s pug—is there another like it?
And wasn’t it the lamp that sent him to me?
Far removed from sweet human pleasures,
I am, after all, only familiar with sorrow.
Alas! Why isn’t the temple by the river!
Alas! Why isn’t the bridge built!›
[ 56 ] Ungeduldig ob des langen Gesanges will die Frau sich entfernen, als sie durch das Erscheinen der Schlange gehindert wird. Diese naht der schönen Lilie und spricht ihr Mut ein:
[ 56 ] Impatient with the long song, the woman is about to leave when she is stopped by the appearance of the snake. The snake approaches the beautiful lily and encourages her:
Die Weissagung von der Brücke ist erfüllt!
The prophecy of the bridge has come true!
[ 57 ] Viel herrlicher als früher erhöbe sie sich über den Fluss von lauter Edelsteinen glänzend, sagt die Frau. Die Lilie hält aber doch die Weissagung noch nicht für erfüllt, da nur Fußgänger die Brücke passieren können; die Verheißung aber laute, dass auch Pferde und Wagen über eine feste Brücke fahren würden — deren Pfeiler im Strome ruhten —, die aus dem Flusse heraussteigen würde.
[ 57 ] “It rises above the river, shining with precious stones, far more magnificent than before,” says the woman. The lily, however, does not yet consider the prophecy fulfilled, since only pedestrians can cross the bridge; the promise, however, was that horses and carriages would also travel across a solid bridge—whose pillars rested in the river—that would rise out of the river.
[ 58 ] Die Alte will, immer ihre Hand betrachtend, sich nun verabschieden, da bittet die Lilie sie, ihren armen Kanarienvogel mitzunehmen.
[ 58 ] The old woman, still staring at her hand, is about to take her leave when the lily asks her to take her poor canary with her.
‹Bittet die Lampe, dass sie ihn in einen schönen Topas verwandle; ich will ihn durch meine Berührung beleben und er, mit Eurem guten Mops, soll mein bester Zeitvertreib sein; aber eilt, was Ihr könnt! denn mit Sonnenuntergang ergreift unleidliche Fäulnis das arme Tier und zerreißt den schönen Zusammenhang seiner Gestalt auf ewig.› Die Alte legt den kleinen Leichnam zwischen zarte Blätter in den Korb und eilt davon.
‹Ask the lamp to turn him into a beautiful topaz; I will bring him to life with my touch, and he, along with your good pug, shall be my greatest source of amusement; but hurry as fast as you can! For at sunset, unbearable decay will overtake the poor creature and tear apart the beautiful harmony of his form forever.› The old woman places the little corpse among delicate leaves in the basket and hurries away.
[ 59 ] Die Schlange setzt das Gespräch fort:
[ 59 ] The snake continues the conversation:
‹Der Tempel ist erbauet.› — ‹Er steht aber noch nicht am Flusse› versetzte die Schöne. ‹Noch ruht er in den Tiefen der Erde,› sagte die Schlange; ‹Ich habe die Könige gesehen und gesprochen.› - ‹Aber wann werden sie aufstehn?› fragte Lilie. Die Schlange versetzte: ‹Ich hörte die großen Worte im Tempel ertönen: Es ist an der Zeit!› Eine angenehme Heiterkeit verbreitete sich über das Antlitz der Schönen. ‹Höre ich doch›, sagte sie, ‹die glücklichen Worte heute schon zum zweiten Mal; wann wird der Tag kommen, an dem ich sie dreimal höre?›
“The temple has been built.”—“But it does not yet stand by the river,” replied the Beauty. “It still rests in the depths of the earth,” said the serpent; “I have seen the kings and spoken with them.”—“But when will they rise?” asked Lilie. The serpent replied, “I heard the great words resound in the temple: ‘The time has come!’” A pleasant cheerfulness spread across the beauty’s face. “I have already heard,” she said, “those happy words for the second time today; when will the day come when I hear them three times?”
[ 60 ] Nun folgt die Beschreibung ihres Gefolges, der drei lieblichen Dienerinnen. Durch ihre Berührung wird der Mops lebendig, und wenn auch nur halbes Leben in ihm ist, so spielt sie doch gern mit ihm.
[ 60 ] Next comes a description of her entourage: three lovely maidservants. Their touch brings the pug to life, and even if he has only half a life left in him, she still enjoys playing with him.
[ 61 ] Der traurige Jüngling naht, abgemattet und blass naht er sich der Geliebten. Er trägt den Habicht — das Symbol des Zukunftverkünders, Propheten der Mysterien — auf seiner Hand.
[ 61 ] The sorrowful youth approaches; weary and pale, he draws near to his beloved. He carries the hawk—the symbol of the herald of the future, the prophet of the mysteries—on his hand.
‹Es ist nicht freundlich,› rief Lilie ihm entgegen, ‹dass du mir das verhasste Tier vor die Augen bringst, das [...] meinen kleinen Sänger heute getötet hat.› ‹Schilt den unglücklichen Vogel nicht!› versetzte darauf der Jüngling; ‹klage vielmehr dich an und das Schicksal und vergönne mir, dass ich mit dem Gefährten meines Elends Gesellschaft mache.›
“It’s not kind of you,” Lilie called out to him, “to put that hated beast before my eyes—the one that [...] killed my little singer today.” “Do not blame the unfortunate bird!” replied the young man; “rather, blame yourself and fate, and grant me the privilege of keeping company with the companion of my misery.”
[ 62 ] Eifersüchtig auf den Mops, mit dem die schöne Lilie spielt und ihn an ihren Busen drückt, erwacht in dem Jüngling der letzte Rest seines Heldenmutes. Er macht eine heftige Bewegung, der Habicht fliegt auf, er aber stürzt auf die Schöne los, und das Unglück ist geschehen: Er stürzt tot zu ihren Füßen. In stummer Verzweiflung sieht die Lilie nach Hilfe aus. Die Schlange bildet mit ihrem Leib
[ 62 ] Jealous of the pug with which the beautiful Lily is playing and pressing to her bosom, the last remnant of the young man’s heroism stirs within him. He makes a sudden movement; the hawk takes flight, but he lunges at the beautiful girl, and the tragedy is complete: he falls dead at her feet. In silent despair, the Lily looks around for help. The snake forms a circle with its body
einen weiten Kreis um den Leichnam, fasste das Ende ihres Schwanzes mit den Zähnen und blieb ruhig liegen.
She formed a wide circle around the corpse, grasped the tip of her tail between her teeth, and lay still.
[ 63 ] Die Dienerinnen, von denen die erste den Sessel bringt, nahen wieder, die zweite legt einen feuerfarbigen Schleier um das Haupt der Gebieterin, die dritte bringt die Harfe. Kaum hatte die Lilie dem Instrument einige Töne entlockt, als die Erste mit einem Spiegel kam, ihn der Gebieterin vorhielt, sodass sie ihr herrliches Bild, welches durch die Trauer noch verschönert war, darin erschaute.
[ 63 ] The maidservants—the first of whom brings the armchair—approach once more; the second drapes a fiery-red veil around their mistress’s head, and the third brings the harp. No sooner had the Lily drawn a few notes from the instrument than the first servant arrived with a mirror, holding it up before the mistress so that she could behold her magnificent reflection, which was made even more beautiful by her mourning.
Wer schafft uns den Mann mit der Lampe,
Who can get us the man with the lamp?
[ 64 ] zischte die Schlange. Die Schöne schluchzte nur. In diesem Augenblick kommt atemlos die Frau angelaufen:
[ 64 ] hissed the snake. The beauty just sobbed. At that moment, the woman came running up, out of breath:
Ich bin verloren und verstümmelt!
I am lost and maimed!
[ 65 ] rief sie aus. Weder der Fährmann noch Riese wollten sie hinübersetzen.
[ 65 ] she exclaimed. Neither the ferryman nor the giant would take her across.
Vergesst eure Not und helft hier. Sucht die Irrlichter auf, dass der Schatten des Riesen sie übersetze und sie den Mann mit der Lampe holen.
Forget your troubles and help out here. Go find the will-o'-the-wisps so that the giant's shadow can carry them across and they can fetch the man with the lamp.
[ 66 ] In großer Betrübnis harrte die Lilie, in Ungeduld sah die Schlange nach Hilfe aus. Da
[ 66 ] The lily waited in great sorrow; the serpent looked around impatiently for help. Then
erblickte sie hoch in den Lüften mit purpurroten Federn den Habicht, dessen Brust die letzten Strahlen der Sonne auffing. Sie schüttelte sich vor Freude über das gute Zeichen, und sie betrog sich nicht; denn kurz darauf sah man den Mann mit der Lampe über den See hergleiten, gleich als ob er auf Schlittschuhen ginge.
High in the sky, she spotted the hawk with its crimson feathers, its breast catching the last rays of the sun. She shivered with joy at this good omen, and she was not mistaken; for shortly afterward, the man with the lantern was seen gliding across the lake, as if he were skating on ice skates.
[ 67 ] Nachdem er sein Kommen erklärt [hat], spricht er:
[ 67 ] After announcing his arrival, he says:
‹Sei ruhig, schönstes Mädchen! Ob ich helfen kann, weiß ich nicht; ein einzelner hilft nicht, sondern wer sich mit vielen zur rechten Stunde vereinigt. Aufschieben wollen wir und hoffen. Halte deinen Kreis geschlossem», sprach er zur Schlange.
“Be still, most beautiful girl! I don’t know if I can help; one person alone cannot help, but those who join with many at the right moment can. Let us delay and hope. Keep your circle closed,” he said to the snake.
[ 68 ] Er selbst setzte sich auf einen Stein daneben und ließ den Schein der Lampe auf den Leichnam fallen.
[ 68 ] He sat down on a rock nearby and let the light from the lamp fall on the corpse.
Bringt auch den toten Kanarienvogel her.
Bring the dead canary here, too.
[ 69 ] Er wird auch auf den Leichnam gelegt. Die Sonne war untergegangen; die Lampe, die Schlange und der Schleier der Jungfrau leuchteten, jedes mit eigenem Licht.
[ 69 ] It is also placed on the corpse. The sun had set; the lamp, the snake, and the maiden’s veil glowed, each with its own light.
Sorge und Trauer waren durch eine sichere Hoffnung gemildert.
Worry and grief were eased by a steadfast hope.
[ 70 ] Nur die Alte, die mit den Irrlichtern hergekommen war, war voller Besorgnis für ihre Hand. Die Irrlichter unterhielten sich mit der schönen Lilie, und Mitternacht kam heran, ehe man sich’s versah.
[ 70 ] Only the old woman, who had come here with the will-o'-the-wisps, was deeply concerned about her hand. The will-o'-the-wisps were chatting with the beautiful lily, and midnight came before anyone realized it.
Der Alte sah nach den Sternen und fing darauf zu reden an: ‹Wir sind zur glücklichen Stunde beisammen, jeder verrichte sein Amt, jeder tue seine Pflicht, und ein allgemeines Glück wird die einzelnen Schmerzen in sich auflösen, wie ein allgemeines Unglück einzelne Freuden verzehrt.›
The old man looked up at the stars and began to speak: “We are gathered here at a fortunate hour; let each one fulfill his duty, let each one do his part, and a shared happiness will dissolve individual sorrows, just as a shared misfortune consumes individual joys.”
[ 71 ] Das Zusammenwirken aller Kräfte war nötig, um Hilfe zu schaffen. Jeder Einzelne war erfüllt von seiner Aufgabe und äußerte sich darüber laut sprechend, nur die drei Dienerinnen waren eingeschlafen vor Müdigkeit.
[ 71 ] It took the combined efforts of everyone to provide help. Each person was fully absorbed in their task and spoke loudly about it; only the three maids had fallen asleep from exhaustion.
‹Fasse›, sagte der Alte zum Habicht, ‹den Spiegel, und mit dem ersten Sonnenstrahl beleuchte die Schläferinnen und wecke sie mit dem zurückgeworfenen Lichte aus der Höhe!›
“Take,” said the old man to the hawk, “the mirror, and when the first ray of sunlight appears, shine it on the sleeping women and wake them with the light reflected from on high!”
[ 72 ] Die Schlange machte sich nun los und schlängelte dem Flusse zu, die Irrlichter folgten ganz ernsthaft. Der Alte und seine Frau zogen den Korb in die Länge, welcher einen eigenen, früher nicht bemerkten Schein verbreitete, legten den Leichnam des Jünglings hinein und legten den toten Kanarienvogel auf seine Brust. Der Korb hob sich in die Höhe und schwebte über dem Kopf der Alten, die den Irrlichtern unmittelbar folgte.
[ 72 ] The snake now broke free and slithered toward the river, with the will-o'-the-wisps following in earnest. The old man and his wife pulled out the basket, which emitted a glow of its own that had not been noticed before; they placed the young man’s body inside and laid the dead canary on his chest. The basket rose into the air and hovered above the old woman’s head as she followed the will-o’-the-wisps closely.
Die schöne Lilie nahm den Mops auf ihren Arm und folgte der Alten, der Mann mit der Lampe beschloss den Zug und die Gegend war von diesen vielerlei Lichtern auf das sonderbarste erhellt.
The beautiful Lilie took the pug in her arms and followed the old woman; the man with the lamp brought up the rear, and the area was illuminated in the strangest way by these various lights.
[ 73 ] Am Ufer angelangt, betrachtete die Gesellschaft staunend den wundervollen Bogen, den die Schlange über den Fluss geschlagen hatte. Die Edelsteine leuchteten und strahlten in wunderbarer Schöne. Als alle hinüber waren, bewegte sich auch die Schlange ans Ufer und schloss wieder einen Kreis um den Leichnam.
[ 73 ] Upon reaching the shore, the group gazed in wonder at the magnificent arch the snake had formed across the river. The gemstones glowed and shone with wondrous beauty. Once everyone had crossed, the snake also moved to the shore and formed a circle around the corpse once more.
Der Fährmann, der von ferne aus seiner Hütte hervorsah, betrachtete mit Staunen den leuchtenden Kreis und die sonderbaren Lichter, die darüber hinzogen.
The ferryman, peering out from his hut in the distance, gazed in wonder at the glowing circle and the strange lights passing overhead.
[ 74 ] Der Alte verneigte sich vor der Schlange und sagte:
[ 74 ] The old man bowed to the snake and said:
‹Was hast du beschlossen?› — ‹Mich aufzuopfern, ehe ich aufgeopfert werde›, versetzte die Schlange; ‹Versprich mir, dass du keinen Stein am Lande lassen willst!› Der Alte versprach’s und sagte darauf zur schönen Lilie: ‹Rühre die Schlange mit der linken Hand an und deinen Geliebten mit der rechten› Lilie kniete nieder und berührte die Schlange und den Leichnam. Im Augenblick schien dieser in das Leben überzugehen; er bewegte sich im Korbe, ja er richtete sich in die Höhe und saß. Lilie wollte ihn umarmen, allein der Alte hielt sie zurück, er half dagegen dem Jüngling aufstehn und leitete ihn, indem er aus dem Korbe und dem Kreise trat.
Der Jüngling stand, der Kanarienvogel flatterte auf seiner Schulter, es war wieder Leben in beiden, aber der Geist war noch nicht zurückgekehrt; der schöne Freund hatte die Augen offen und sah nicht, wenigstens schien er alles ohne Teilnahme anzusehen.
“What have you decided?” — “To sacrifice myself before I am sacrificed,” replied the serpent; “Promise me that you’ll leave no stone unturned!” The old man promised and then said to the beautiful Lilie: “Touch the serpent with your left hand and your beloved with your right.” Lilie knelt down and touched the serpent and the corpse. In that instant, the young man seemed to come back to life; he stirred in the basket, then sat up. Lily wanted to embrace him, but the old man held her back; instead, he helped the young man to his feet and guided him as he stepped out of the basket and out of the circle.
The young man stood there, the canary fluttering on his shoulder; life had returned to both of them, but their spirits had not yet returned; the handsome friend had his eyes open but did not see—or at least he seemed to look at everything without interest.
[ 75 ] Als die Verwunderung über diese Begebenheit sich etwas gelegt hatte, bemerkte man mit Staunen die Veränderung, die mit der Schlange vor sich gegangen war. Der Körper war in tausend und tausend Edelsteine zerfallen, als die Alte unvorsichtig an sie gestoßen hatte, während sie nach ihrem Korbe greifen wollte. Der Alte und seine Frau sammelten sorgfältig die Edelsteine in ihren Korb, trugen sie an eine hohe Stelle am Ufer des Flusses und schütteten sie in den Strom. Der Alte eröffnete nun den Zug nach dem Heiligtum; er schritt mit der Lampe voraus. Der Jüngling folgte halb mechanisch. Die Lilie zaghaft in einiger Entfernung, die Alte suchte ihre Hand in das Licht der Lampe zu bringen, die Irrlichter schlossen den Zug. Der Weg führte durch den Felsen, der sich vor ihnen öffnete. Bald kamen sie vor ein großes, ehernes Tor,
[ 75 ] Once the astonishment at this incident had subsided somewhat, people noticed with amazement the transformation that had taken place with the snake. Its body had shattered into thousands upon thousands of gemstones when the old woman had accidentally bumped into it while reaching for her basket. The old man and his wife carefully gathered the gemstones into their basket, carried them to a high spot on the riverbank, and poured them into the river. The old man now led the procession toward the sanctuary; he strode ahead with the lamp. The young man followed, almost mechanically. The lily hesitated at a distance; the old woman tried to bring her hand into the light of the lamp; the will-o’-the-wisps brought up the rear. The path led through the rock, which opened up before them. Soon they came to a large, bronze gate,
dessen Flügel mit einem goldenen Schloss verschlossen waren. Der Alte rief sogleich die Irrlichter herbei, die [...] geschäftig mit ihren spitzesten Flammen Schloss und Riegel aufzehrten.
whose wings were locked with a golden lock. The old man immediately summoned the will-o'-the-wisps, which [...] busily consumed the lock and bolt with their sharpest flames.
[ 76 ] Der Eingang zu den höheren Bewusstseinsstufen muss zunächst durch den Verstand gesucht werden.
[ 76 ] The path to higher levels of consciousness must first be sought through the mind.
Laut tönte das Erz, als die Pforten schnell aufsprangen und im Heiligtum die würdigen Bilder der Könige, durch die hereintretenden Lichter beleuchtet, erschienen. Jeder neigte sich vor den ehrwürdigen Herrschern [...]. Nach einiger Pause fragte der goldne König: «Woher kommt ihr? — «Aus der Welt» antwortete der Alte. «Wohin geht ihr? fragte der silberne König. «In die Welt,, sagte der Alte, «Was wollt ihr bei uns® fragte der eherne König. «Euch begleiten, sagte der Alte.
The metal rang out as the gates swung open quickly, and within the sanctuary the majestic images of the kings appeared, illuminated by the light streaming in. Everyone bowed before the venerable rulers [...]. After a brief pause, the golden king asked, “Where do you come from?”—“From the world,” replied the old man. “Where are you going?” asked the silver king. “To the world,” said the old man. “What do you want from us?” asked the bronze king. “To accompany you,” said the old man.
[ 77 ] Die Irrlichter hatten sich an den goldenen König herangemacht. Der wehrt ihnen und sagte:
[ 77 ] The will-o'-the-wisps had approached the Golden King. He fended them off and said:
Hebet euch weg von mir! Mein Gold ist nicht für euren Gaumen!
Get away from me! My gold isn't for your taste buds!
[ 78 ] Nachdem sie den silbernen beleuchtet, schlichen sie am ehernen vorbei zu dem gemischten.
[ 78 ] After lighting the silver one, they crept past the bronze one toward the mixed one.
‹Wer wird die Welt beherrschen?› rief dieser mit stotternder Stimme. ‹Wer auf seinen Füßen steht.› antwortete der Alte, ‹Das bin ich!› sagt der gemischte König. ‹Es wird sich offenbaren›, sagte der Alte; ‹denn es ist an der Zeit.›
Die schöne Lilie fiel dem Alten um den Hals und küsste ihn aufs herzlichste. ‹Heiliger Vater› sagte sie, ‹tausendmal danke ich dir, denn ich höre das ahnungsvolle Wort zum drittenmal.› Sie hatte kaum ausgeredet, als sie sich noch fester an den Alten anhielt, denn der Boden fing unter ihnen an zu schwanken. Die Alte und der Jüngling hielten sich auch aneinander, nur die beweglichen Irrlichter merkten nichts.
“Who will rule the world?” he cried out in a stuttering voice. “Whoever stands on his own two feet,” replied the old man. “That’s me!” said the mixed-race king. “It will become clear,” said the old man; “for the time has come.”
The beautiful Lily threw her arms around the old man’s neck and kissed him most affectionately. “Holy Father,” she said, “a thousand times I thank you, for this is the third time I have heard that prophetic word.” She had barely finished speaking when she clung even tighter to the old man, for the ground beneath them began to sway. The old woman and the young man also held on to each other; only the shifting will-o’-the-wisps noticed nothing.
[ 79 ] Der Tempel bewegte sich erst in die Tiefe, dann unter dem Strom hindurch, und beim Aufstieg fielen die Trümmer der kleinen Hütte des Fährmanns durch die Kuppel des Tempels und bedeckten den Alten und den Jüngling. Die Frauen waren beiseitegesprungen.
[ 79 ] The temple first moved downward, then passed beneath the river, and as it rose again, the debris from the ferryman’s small hut fell through the temple’s dome and covered the old man and the young man. The women had jumped aside.
Die Weiber schrien laut, und der Tempel schütterte wie ein Schiff, das unvermutet ans Land stößt. Ängstlich irrten die Frauen in der Dämmerung um die Hütte; die Tür war verschlossen, und auf ihr Pochen hörte niemand.
The women screamed loudly, and the temple shook like a ship that had unexpectedly run aground. Frightened, the women wandered around the hut in the twilight; the door was locked, and no one heard their pounding.
[ 80 ] Zu ihrer Verwunderung fing das Holz an zu klingen. Durch die Kraft der verschlossenen Lampe hatte das Holz sich in Silber verwandelt, und allmählich dehnte es sich zu einem herrlichen Gehäuse von getriebener Arbeit aus. Nun stand ein kleiner Tempel oder Altar in der Mitte des großen.
[ 80 ] To their amazement, the wood began to ring out. Through the power of the sealed lamp, the wood had turned into silver, and gradually it expanded into a magnificent case of repoussé work. Now a small temple or altar stood in the center of the large one.
Durch eine Treppe, die von innen heraufging, trat nunmehr der edle Jüngling in die Höhe, der Mann mit der Lampe leuchtete ihm, und ein anderer schien ihn zu unterstützen, der in einem weißen, kurzen Gewand hervorkam und ein silbernes Ruder in der Hand hielt;
The noble young man now ascended a staircase leading upward from inside; the man with the lamp illuminated his path, and another, who emerged wearing a short white robe and holding a silver oar, seemed to be assisting him;
[ 81 ] es war der Fährmann, der ehemalige Bewohner der verwandelten Hütte.
[ 81 ] It was the ferryman, the former resident of the transformed hut.
[ 82 ] [Durch den] Gang über die Brücke, der notwendig war, sollte der Tempel offenbar werden, das konnte nur geschehen durch das Zusammenwirken aller Kräfte. Nur durch die Aufopferung des Selbst war das Überschreiten des Stromes der Leidenschaften möglich. Die Irrlichter müssen den Tempel aufschließen; man muss natürliches Wissen haben, um in die Geheimnisse einzudringen.
[ 82 ] [Through] crossing the bridge—which was necessary—the temple was to be revealed; this could only happen through the combined action of all forces. Only through the sacrifice of the self was it possible to cross the stream of passions. The will-o’-the-wisps must unlock the temple; one must possess natural knowledge to penetrate its mysteries.
Die schöne Lilie stieg die äußeren Stufen hinauf, die von dem Tempel auf den Altar führten; aber noch immer musste sie sich von ihrem Geliebten entfernt halten. Die Alte, deren Hand
The beautiful Lily climbed the outer steps leading from the temple to the altar; but she still had to keep her distance from her beloved. The old woman, whose hand
[ 83 ] fast ganz geschwunden war, war sehr unglücklich, dass bei so vielen Wundern kein Wunder ihre Hand retten könne.
[ 83 ] had almost completely disappeared; she was very unhappy that, despite so many miracles, no miracle could save her hand.
Ihr Mann deutete nach der offenen Pforte und sagte: ‹Siehe, der Tag bricht an, eile und bade dich im Flusse!› — ‹Welch ein Rat!› rief sie; ‹ich soll wohl ganz schwarz werden und ganz verschwinden; habe ich doch meine Schuld noch nicht bezahlt› — ‹Gehe›, sagte der Alte, ‹und folge mir! Alle Schulden sind abgetragen.› Die Alte eilte weg, und in dem Augenblick erschien das Licht der aufgehenden Sonne an dem Kranze der Kuppel; der Alte trat zwischen den Jüngling und die Jungfrau und rief mit lauter Stimme: ‹Drei sind, die da herrschen auf Erden: die Weisheit, der Schein und die Gewalt.› Bei dem ersten Worte stand der goldene König auf, bei dem zweiten der silberne, und bei dem dritten hatte sich der eherne langsam emporgehoben, als der zusammengesetzte König sich plötzlich ungeschickt niedersetzte.
Her husband pointed toward the open gate and said, “Behold, the day is breaking; hurry and bathe in the river!” — “What advice!” she cried; “I suppose I’m supposed to turn completely black and vanish entirely; after all, I haven’t yet paid off my debt.” — “Go,” said the old man, “and follow me! All debts have been paid off.’ The old woman hurried away, and at that moment the light of the rising sun appeared on the rim of the dome; the old man stepped between the young man and the maiden and cried out in a loud voice: ‘There are three who rule the earth: Wisdom, Appearance, and Power.’ At the first word, the golden king rose; at the second, the silver one; and at the third, the bronze one had slowly raised himself when the composite king suddenly sat down clumsily.
[ 84 ] Die Irrlichter hatten sich lange um ihn beschäftigt und nicht eher geruht, bis sie auch die feinsten Äderchen aus seiner Gestalt herausgeholt hatten. Damit war ihm aber jeglicher Halt geraubt und er sank in sich zusammen, wurde ein unförmlicher Klumpen.
[ 84 ] The will-o'-the-wisps had been at him for a long time and did not rest until they had extracted even the finest little veins from his form. But this robbed him of all support, and he collapsed into a shapeless lump.
Der Mann mit der Lampe führte nunmehr den schönen, aber noch immer starr vor sich hinblickenden Jüngling vom Altare herab und gerade auf den ehernen König los. Zu den Füßen des mächtigen Fürsten lag ein Schwert in eherner Scheide. Der Jüngling gürtete sich. ‹Das Schwert an der Linken,›
The man with the lamp now led the handsome young man—who was still staring straight ahead, his expression frozen—down from the altar and straight toward the bronze king. At the feet of the mighty prince lay a sword in a bronze sheath. The young man buckled it to his waist. “The sword on the left,”
[ 85 ] — nur zur Abwehr, nicht zum Angriff —
[ 85 ] — for defense only, not for attack —
‹die Rechte frei!›
“Free the Right!”
[ 86 ] — um Segen und Frieden zu spenden —
[ 86 ] — to bestow blessings and peace —
rief der gewaltige König. Sie gingen darauf zum silbernen, der sein Zepter gegen den Jüngling neigte. Dieser ergriff es mit der linken Hand und der König sagte mit gefälliger Stimme: «Weide die Schafe' Als sie zum goldenen König kamen, drückte er mit väterlich segnender Gebärde dem Jüngling den Eichenkranz aufs Haupt und sprach: «Erkenne das Höchste!
cried the mighty king. They then approached the silver king, who bowed his scepter toward the young man. The young man took it in his left hand, and the king said in a gracious voice, “Tend the sheep.” When they came to the golden king, he placed the oak wreath upon the young man’s head with a fatherly, blessing gesture and said, “Recognize the Supreme!”
[ 87 ] Der Alte, der den Jüngling während des Umganges genau beobachtet hatte, sah, wie sich nach der Umgürtung seine Brust hob, seine Arme sich reckten und seine Füße fester auftraten;
[ 87 ] The old man, who had been watching the young man closely during the procession, saw how, after the girding ceremony, his chest rose, his arms stretched out, and his feet stepped more firmly;
indem er das Zepter in die Hand nahm, schien sich die Kraft zu mildern und durch einen unaussprechlichen Reiz noch mächtiger zu werden; als aber der Eichenkranz seine Locken zierte, belebten sich seine Gesichtszüge, sein Auge glänzte von unaussprechlichem Geist, und das erste Wort seines Mundes war: «Lilie. ‹Liebe Lilie›, rief er, als er ihr die silbernen Treppen hinauf entgegeneilte, [...] «was kann der Mann, ausgestattet mit allem, sich Köstlicheres wünschen als die Unschuld und die stille Neigung, die mir dein Busen entgegenbringt? - O! mein Freund, fuhr er fort, indem er sich zu dem Alten wendete und die drei heiligen Bildsäulen ansah, ‹herrlich und sicher ist das Reich unserer Väter, aber du hast die vierte Kraft vergessen, die noch früher, allgemeiner, gewisser die Welt beherrscht: die Kraft der Liebe.› Mit diesen Worten fiel er dem schönen Mädchen um den Hals; sie hatte den Schleier weggeworfen und ihre Wangen färbten sich mit der schönsten, unvergänglichsten Röte. Hierauf sagte der Alte lächelnd: ‹Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet und das ist mehr.›
As he took the scepter in his hand, his power seemed to soften and, through an indescribable charm, become even more powerful; but when the oak wreath adorned his curls, his features came alive, his eyes shone with indescribable spirit, and the first word from his lips was: “Lily.” ‹Dear Lily,› he cried as he hurried up the silver stairs to meet her, [...] “What man, endowed with everything, could wish for anything more delightful than the innocence and quiet affection that your heart offers me?” “O! my friend,” he continued, turning to the old man and gazing at the three sacred statues, “‘Glorious and secure is the realm of our fathers, but you have forgotten the fourth power, which rules the world even earlier, more universally, and more certainly: the power of love.’” With these words, he threw his arms around the beautiful girl’s neck; she had cast aside her veil, and her cheeks flushed with the most beautiful, everlasting blush. Upon this, the old man said with a smile: “Love does not rule, but it shapes—and that is more.”
[ 88 ] Unvermerkt war der Tag völlig angebrochen und die erstaunten Augen sahen durch die offenen Pforten:
[ 88 ] Before they realized it, day had fully broken, and their astonished eyes looked out through the open gates:
ein großer, von Säulen umgebener Platz machte den Vorhof, an dessen Ende man eine lange und prächtige Brücke sah, die mit vielen Bogen über den Fluss hinüberreichte.
A large square surrounded by columns served as the forecourt; at the far end of it, one could see a long and magnificent bridge that spanned the river with many arches.
[ 89 ] Diese herrliche Brücke war schon belebt mit allerlei Volk zu Fuß und zu Wagen. Beglückt durch ihre wechselseitige Liebe, schauten der König und seine Gemahlin entzückt auf das Volk.
[ 89 ] This magnificent bridge was already bustling with all sorts of people on foot and in carriages. Blessed by their mutual love, the king and his queen gazed at the crowd with delight.
‹Gedenke der Schlange in Ehren!› sagte der Mann mit der Lampe; ‹du bist ihr das Leben, deine Völker sind ihr die Brücke schuldig, wodurch diese nachbarlichen Ufer erst zu Ländern belebt und verbunden werden. Jene schwimmenden und leuchtenden Edelsteine, die Reste ihres aufgeopferten Körpers, sind die Grundpfeiler dieser herrlichen Brücke; auf ihnen hat sie sich selbst erbaut und wird sich selbst erhalten.› Man wollte eben die Aufklärung dieses sonderbaren Geheimnisses von ihm verlangen, als vier schöne Mädchen zu der Pforte des Tempels hereintraten. An der Harfe, dem Sonnenschirm und dem Feldstuhl erkannte man gleich die Begleiterinnen Lilies. Aber die vierte [...] war eine Unbekannte [...]. «Wirst du mir künftig mehr glauben, liebes Weib?› sagte der Mann mit der Lampe zu der Schönen. ‹Wohl dir und jedem Geschöpf, das sich diesen Morgen im Flusse badet!› Die verjüngte und verschönerte Alte, [:..], umfasste [...] den Mann mit der Lampe, der ihre Liebkosungen mit Freundlichkeit aufnahm. ‹Wenn ich dir zu alt bin,› sagte er lächelnd, ‹so darfst du heute einen anderen Gatten wählen; von heute an ist keine Ehe gültig, die nicht aufs neue geschlossen wird.› ‹Weißt du denn nicht,› versetzte sie, ‹dass auch du jünger geworden bist?› — ‹Es freut mich, wenn ich deinen jungen Augen als ein wackrer Jüngling erscheine; ich nehme deine Hand von neuem an und mag gern mit dir in das folgende Jahrtausend hinüberleben.›
“Honor the serpent!” said the man with the lamp; “You are its life; your peoples owe it the bridge through which these neighboring shores are brought to life and united as lands. Those floating, luminous gemstones—the remains of its sacrificed body—are the cornerstones of this magnificent bridge; upon them it has built itself and will sustain itself.’ Just as they were about to ask him to explain this strange mystery, four beautiful girls entered through the temple gate. By the harp, the parasol, and the folding chair, one could immediately recognize Lily’s companions. But the fourth [...] was a stranger [...]. “Will you believe me more in the future, my dear wife?” said the man with the lamp to the beautiful woman. “Blessed be you and every creature that bathes in the river this morning!” The rejuvenated and beautified old woman, [:..], embraced [...] the man with the lamp, who accepted her caresses with kindness. “If I am too old for you,” he said with a smile, “then you may choose another husband today; from this day forward, no marriage is valid unless it is renewed.” “Don’t you know,” she replied, “that you, too, have grown younger?” — “‘It pleases me to appear to your young eyes as a dashing young man; I accept your hand once more and would gladly live on with you into the next millennium.’”
[ 90 ] Eine Störung in das allgemeine Glück brachte der große Riese, der noch nicht erholt vom Morgenschlaf über die Brücke taumelte. Schlaftrunken wollte er sich wie gewöhnlich im Flusse baden und fand da plötzlich die Brücke, auf welcher er ungeschickt zwischen Menschen und Vieh hineintrat. Seine Gegenwart wurde
[ 90 ] The great giant, still groggy from his morning sleep, stumbled across the bridge, disrupting the general happiness. Still half-asleep, he wanted to bathe in the river as usual, but suddenly found himself on the bridge, where he clumsily stepped among the people and livestock. His presence was
von allen angestaunt, doch von niemandem gefühlt; als ihm aber die Sonne in die Augen schien und er die Hände aufhub, sie auszuwischen, fuhr der Schatten seiner ungeheuren Fäuste hinter ihm so kräftig und ungeschickt unter der Menge hin und wieder, dass Menschen und Tiere in großen Massen zusammenstürzten, beschädigt wurden und Gefahr liefen, in den Fluss geschleudert zu werden. Der König, der diese Untat erblickte, fuhr mit einer unwillkürlichen Bewegung nach dem Schwerte, doch besann er sich und blickte ruhig erst sein Zepter, dann die Lampe und das Ruder seiner Gefährten an. ‹Ich errate deine Gedanken,› sagte der Mann mit der Lampe; ‹aber wir und unsere Kräfte sind gegen diesen Ohnmächtigen ohnmächtig. Sei ruhig! er schadet zum letztenmal, und glücklicherweise ist sein Schatten von uns abgekehrt.› Indessen war der Riese immer näher gekommen, hatte vor Verwunderung über das, was er mit offenen Augen sah, die Hände sinken lassen, tat keinen Schaden mehr und trat gaffend in den Vorhof hinein. Gerade ging er auf die Türe des Tempels zu, als er auf einmal in der Mitte des Hofes an dem Boden festgehalten wurde. Er stand als eine kolossale, mächtige Bildsäule von rötlich glänzendem Stein da, und sein Schatten zeigte die Stunden, die in einen Kreis auf dem Boden um ihn her nicht in Zahlen, sondern in edlen und bedeutenden Bildern eingelegt waren. Nicht wenig erfreut war der König, den Schatten des Ungeheuers in nützlicher Richtung zu sehen; [...] Indessen hatte sich das Volk dem Riesen nachgedrängt, [...] und seine Verwandlung angestaunt. Von da wandte sich die Menge nach dem Tempel, den sie erst jetzt gewahr zu werden schien, und drängte sich nach der Tür. In diesem Augenblick schwebte der Habicht mit dem Spiegel über dem Dom, fing das Licht der Sonne auf und warf es über die auf dem Altar stehende Gruppe.
marveled at by all, yet felt by none; but when the sun shone in his eyes and he raised his hands to wipe them, the shadow of his monstrous fists swept so forcefully and clumsily back and forth among the crowd behind him that people and animals tumbled together in great masses, were injured, and were in danger of being hurled into the river. The king, witnessing this atrocity, reached for his sword in an involuntary movement, but then reconsidered and calmly looked first at his scepter, then at the lamp and the oar held by his companions. “I can guess your thoughts,” said the man with the lamp; “but we and our powers are powerless against this powerless one. “Be at ease! He is causing harm for the last time, and fortunately his shadow has turned away from us.” Meanwhile, the giant had drawn ever closer; astonished by what he saw with his own eyes, he had let his hands drop, caused no further harm, and stepped into the forecourt, gazing in wonder. He was just heading toward the temple door when he was suddenly pinned to the ground in the middle of the courtyard. He stood there like a colossal, mighty statue of reddish, gleaming stone, and his shadow marked the hours, which were laid out in a circle on the ground around him—not in numbers, but in noble and meaningful images. The king was quite pleased to see the monster’s shadow serving a useful purpose; [...] Meanwhile, the people had crowded around the giant, [...] marveling at his transformation. From there, the crowd turned toward the temple, which they seemed to notice only now, and pressed toward the door. At that very moment, the hawk with the mirror hovered above the cathedral, catching the sunlight and casting it over the group standing on the altar.
[ 91 ] Der Habicht, der Zukunftsverkünder, lehrt auch die Gesetze verstehen. Wenn diese verstanden werden, kann das Wissen ertragen werden.
[ 91 ] The hawk, the herald of the future, also teaches us to understand the laws. Once these are understood, the knowledge can be borne.
Der König, die Königin und ihre Begleiter erschienen in dem dämmernden Gewölbe des Tempels von einem himmlischen Glanze erleuchtet, und das Volk fiel auf sein Angesicht. Als die Menge sich wieder erholt hatte und aufstand, war der König mit den Seinigen in den Altar hinabgestiegen, um durch verborgene Hallen nach seinem Palaste zu gehen, und das Volk zerstreute sich in dem Tempel, seine Neugierde zu befriedigen. Es betrachtete die drei aufrecht stehenden Könige mit Staunen und Ehrfurcht,
The king, the queen, and their entourage appeared in the twilight-shrouded vault of the temple, illuminated by a heavenly radiance, and the people fell on their faces. When the crowd had recovered and risen, the king and his entourage had descended into the altar to make their way through hidden chambers to his palace, and the people dispersed throughout the temple to satisfy their curiosity. They gazed at the three kings standing upright with amazement and awe,
[ 92 ] aber als sie voll Neugierde zu dem vierten kamen, war der unförmliche Klumpen mit einem kostbaren Teppich zugedeckt, den niemand zu heben vermochte. Das Volk hätte sich im Tempel fast selbst erdrückt, wenn nicht die Irrlichter ihre Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hätten. Es machte ihnen Spaß, während sie abzogen, das eingesogene Gold von sich abzuschütteln, worüber denn die Leute mit Scherz und Lachen herfielen.
[ 92 ] But when they reached the fourth one, filled with curiosity, they found the misshapen lump covered with a precious carpet that no one could lift. The crowd would have nearly crushed itself inside the temple had the will-o'-the-wisps not drawn their attention to themselves. As they were leaving, they enjoyed shaking off the gold that had clung to them, which made the people burst into laughter and jokes.
Begierig lief das Volk noch eine Zeitlang hin und wider, drängte und zerriss sich auch noch, da keine Goldstücke mehr herabfielen. Endlich verlief es sich allmählich, zog seine Straße, und bis auf den heutigen Tag wimmelt die Brücke von Wanderern, und der Tempel ist der besuchteste auf der ganzen Erde.
Eagerly, the crowd continued to run back and forth for a while longer, jostling and pushing one another even as no more gold pieces fell from above. Finally, they gradually dispersed, went their separate ways, and to this day the bridge is teeming with travelers, and the temple is the most visited in the entire world.
[ 93 ] Vieles gibt es noch zu deuten. Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt und den toten Jüngling einschließt, ist das Budhi-Prinzip, das gelebt und geliebt werden muss. Das Scheinen des Göttlichen - Atma — ist der Frieden, die Harmonie, das Allbewusstsein. Es ist erreicht worden durch die Umgestaltung des Verlangens in Liebe. Alles wird wieder jung.
[ 93 ] There is still much to interpret. The serpent biting its own tail and enclosing the dead youth represents the Budhi principle, which must be lived and loved. The radiance of the Divine—Atma—is peace, harmony, and universal consciousness. It has been attained through the transformation of desire into love. Everything becomes young again.
[ 94 ] Die zerbrochene Hütte der niederen Kräfte wird verwandelt durch den Lebensgeist; nun können die niederen Kräfte hinüber und herüber leiten. Der Riese — die Naturkräfte — haben ihre zerstörende Kraft verloren; das ist der Schluss, der erst nach einem bestimmten Zeitabschnitt eintreten wird. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod. Dann geben sie [die Naturkräfte] nur die rhythmischen Zeitmaße an. Und die Brücke, auf welcher das Volk unbehindert hin und wieder zum Tempel gehen kann? Ist sie nicht der Glaube, der unabhängige Glaube, der durch den Opfertod Christi erst möglich geworden ist; der Glaube, der beseligt, auch ohne das Schauen der Mysterien? Aber das Höchste verbirgt sich dem Auge der Menge. Der König und die Königin steigen von ihrem Throne herab und verbergen sich. Die ganze Herrlichkeit wird dem Glauben erst klar und offenbar, wenn die Weisheit sich zum Glauben gesellt, dann erst kann Vollkommenheit erreicht werden.
[ 94 ] The shattered dwelling of the lower forces is transformed by the spirit of life; now the lower forces can guide people back and forth. The giant—the forces of nature—has lost its destructive power; this is the conclusion that will only come to pass after a certain period of time. The last enemy to be overcome is death. Then they [the forces of nature] will merely mark out the rhythmic measures of time. And what of the bridge upon which the people can walk unhindered back and forth to the temple? Is it not faith—independent faith—which was made possible only through Christ’s sacrificial death; the faith that brings bliss, even without beholding the mysteries? But the highest truth is hidden from the eyes of the masses. The king and queen descend from their throne and conceal themselves. All this glory becomes clear and manifest to faith only when wisdom joins with faith; only then can perfection be attained.
[ 95 ] Fassen wir kurz zusammen, was Goethe uns mit dem «Märchen» sagen wollte: Es ist die symbolische Darstellung von der Erlösung des einzelnen Menschen sowohl wie des ganzen Menschengeschlechts; das Geheimnis des Werdens und Vergehens und der endlichen Seligkeit.
[ 95 ] Let us briefly summarize what Goethe intended to convey to us through the “fairy tale”: It is a symbolic representation of the redemption of both the individual and the entire human race; the mystery of becoming and passing away, and of ultimate bliss.
[ 96 ] Viele haben sich an die Deutung des «Märchen» gewagt. Man hat Goethe gebeten, selbst eine Erklärung zu geben. Er versprach dies zu tun, wenn hundert Erklärungen abgegeben wären. Darauf sind alle Erklärungen gesammelt und gezählt worden, doch ist Goethe gestorben, ohne dass die Zahl hundert erreicht wurde. Somit fehlte es bisher an einer richtigen Deutung. Es war wohl noch nicht an der Zeit. Die richtige Deutung kann eben nur einer geben, der die Mysterien kennt.
[ 96 ] Many have attempted to interpret the “fairy tale.” Goethe was asked to provide an explanation himself. He promised to do so once a hundred explanations had been submitted. All the explanations were then collected and counted, but Goethe died before the number reached one hundred. Thus, a correct interpretation has been lacking until now. The time was probably not yet right. Only someone who knows the mysteries can provide the correct interpretation.
