Goethe and the Present
GA 68c
28 November 1906, Leipzig
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Goethe and the Present, tr. SOL
29. Das Wesen Des Egoismus (Goethes «Wilhelm Meister»)
29. The Nature of Egoism (Goethe’s “Wilhelm Meister”)
[ 1 ] Man soll nie die Dinge verwechseln mit den Worten, besonders mit Schlagworten. Wenn wir die Bereicherung des eigenen Selbst als Egoismus auffassen, müssten wir die Egoität in eine Kategorie hineinstellen, zu der sie gehört. [Streben wir Bereicherung des eigenen Selbst an, müssen wir uns zunächst mit der menschlichen Natur befassen und komme ich hier vorerst auf das Ich, welches sich in den drei menschlichen Leibern verschiedentlich geltend machen kann.] Ich habe Ihnen schon oft gesprochen von unseren vier Leibern. Das Ich drin ist nur ein anderer Name für das Selbst. Es durchdringt mit seiner Substanzialität die drei Leiber, macht sich in ihnen in verschiedener Kraft geltend.
[ 1 ] One should never confuse things with words, especially with buzzwords. If we regard the enrichment of one’s own self as egoism, we would have to place egoity in the category to which it belongs. [If we strive for the enrichment of our own self, we must first deal with human nature, and here I will begin by discussing the “I,” which can assert itself in various ways within the three human bodies.] I have often spoken to you about our four bodies. The “I” within is simply another name for the self. With its substantiality, it permeates the three bodies, asserting itself within them with varying degrees of power.
[ 2 ] In Bezug auf den physischen Leib hat der Mensch es nicht in seiner Willkür, dieses Ich, das sich in ihm fester geltend macht, als es sollte, [zu zügeln. Es geht nicht]. Warum tut es das? Weil der Mensch einmal in seiner Entwicklung einen Einfluss in der lemurischen Zeit erfahren hat, den luziferischen Einfluss. Der Mensch ist durchsetzt von den luziferischen Wesenheiten. Auf allen drei Leibesgebieten macht sich das geltend. [Später wird es dem Menschen gelingen, auf alle drei Leiber zu wirken; jetzt gelingt es ihm bloß auf seinen astralischen Leib, auf seine Begierden und Leidenschaften.] Sie wissen, dass der Mensch immer mehr und mehr fähig wird, die Leiber umzuarbeiten. Heute hat er dies in der Hand beim astralischen Leib. Schwieriger ist es beim Ätherleib. Und beim physischen Leib [hat er willkürlich gar keinen Einfluss], liegt das erst in einer fernen Zukunft. Es wird erst möglich werden durch die okkulte Entwicklung des Atmungsprozesses, [da entwickelt er «Atma» in sich, was durch ein besonderes Atmen geschieht]. Der Teil vom Ätherleib, den wir umarbeiten, [entwickelt «Budhi» in sich, und jetzt, wo er auf seinen Astralleib wirken kann, entwickelt er «Manas», Diese Einwirkungen sind Umbildungen der verschiedenen Leiber. Die seinerzeit stattgefundene Beeinflussung durch luziferische Wesenheiten bezeichnet man mit «Schlange», und durch diese Beeinflussung des Menschen wurde das Ich des Menschen zur stärkeren Betätigung gebracht.] Wenn heute das Ich sich stärker geltend macht im physischen Leib, als das ohne den luziferischen Einfluss in der lemurischen Zeit wäre — Schlange im Paradies —, so kann der Mensch nichts machen. Luzifer bringt eben das Ich zu intensiverer Wirkung im physischen Leib. Das Erste, was dadurch entstanden ist, ist der Tod. Der Tod ist die unmittelbare Folge eines verstärkten Ichs. [Und der Tod wird nicht mehr kommen, wenn der Einfluss der luziferischen Wesenheiten überwunden ist.]
[ 2 ] With regard to the physical body, human beings do not have the free will to restrain this “I” that asserts itself within them more strongly than it should. [It is not possible.] Why does it do this? Because at one point in their development, during the Lemurian epoch, human beings were subjected to a certain influence: the Luciferic influence. Human beings are permeated by Luciferic beings. This makes itself felt in all three bodies. [Later, human beings will succeed in influencing all three bodies; for now, they can only influence their astral body—their desires and passions.] You know that human beings are becoming increasingly capable of transforming their bodies. Today, humans have this ability with regard to the astral body. It is more difficult with the etheric body. And with the physical body [they have no influence at all], this lies in the distant future. It will only become possible through the occult development of the breathing process, [in which they develop “Atma” within themselves, which occurs through a special form of breathing]. The part of the etheric body that we transform [develops “Budhi” within itself, and now that we can act upon our astral body, we develop “Manas.” These influences are transformations of the various bodies. The influence exerted at that time by Luciferic beings is referred to as the “serpent,” and through this influence on humanity, the human ego was brought to greater activity.] If today the ego asserts itself more strongly in the physical body than it would have done without the Luciferic influence during the Lemurian epoch—the serpent in Paradise—then there is nothing the human being can do about it. Lucifer simply causes the “I” to exert a more intense influence in the physical body. The first thing that resulted from this was death. Death is the direct consequence of a strengthened “I.” [And death will no longer occur once the influence of the Luciferic beings has been overcome.]
[ 3 ] Was würde ohne Luzifer eingetreten sein? Wir brauchen nur zu schildern, wie der Mensch sein würde. Er würde alt werden, aber beginnen, durch die seelischen Kräfte seine Muskeln und Knochen aufzuweichen, Teile loslösen, materielle Teile nach und nach ausschwitzen. Er würde dadurch fähig, andere Materie anzuziehen und neu den Leib aufzubauen. Es wäre eine Verwandlung da, die sich bewusst vollziehen würde, ein wohltuender Prozess. [Das kann er jetzt noch nicht, und daher tritt der Tod ein, die Materie aufzulösen.] Der Tod ist eingetreten durch das Dichterwerden des Knochensystems. [Krankheit würde nicht da sein, wenn die Kraft des Ich nicht so stark arbeitete.] Diese Unfähigkeit, seine eigene Materie aufzulösen, das ist der Tod. Wenn die Erde am Ende ihrer Entwicklung sein wird, macht sie eine Metamorphose durch. Anders ist das nun durch diese Verfestigung durch den Luzifer. Durch seinen Einfluss kommt die Krankheit. Darauf hat der Mensch wiederum gegenwärtig keinen Einfluss. In den Prozessen, die sich so vollziehen sollten wie Auflösung und Zusammensetzung, und nun nicht sich so abspielen, überwiegt die Ursache der Krankheiten. Das Tagesdenken ist ein fortwährendes Auflösen von Substanzen im Gehirn. [In der Nacht werden die aufgelösten Teile wieder zusammengesetzt durch die geistige Welt.] Die Nacht ist dazu da, aus der geistigen Welt Kräfte hereinzusenden. [Irgendwie muss Gleichgewicht im Abbau und Aufbau sein.] In dem Augenblick, wo nachts nicht so viel eingebaut wird, als am Tag aufgelöst wird, ist die Krankheit da. Die Krankheit kann nur dadurch eintreten, dass im Organismus ein zu stark sich geltend machendes Ich wirkt.
[ 3 ] What would have happened without Lucifer? We need only describe what human beings would be like. They would grow old, but would begin to use their soul forces to soften their muscles and bones, detach parts of themselves, and gradually sweat out material components. This would enable them to attract other matter and rebuild their bodies. There would be a transformation taking place consciously, a beneficial process. [He cannot do this yet, and therefore death occurs to dissolve the matter.] Death has occurred due to the ossification of the skeletal system. [Illness would not exist if the power of the “I” were not working so strongly.] This inability to dissolve one’s own matter—that is death. When the Earth reaches the end of its development, it will undergo a metamorphosis. The situation is different now due to this solidification brought about by Lucifer. Illness arises through his influence. Human beings, in turn, currently have no influence over this. In the processes that should take place—such as dissolution and recomposition—but which now do not unfold in this way, the cause of illness prevails. Daytime thinking is a continuous dissolution of substances in the brain. [At night, the dissolved parts are recomposed by the spiritual world.] The night serves to channel forces from the spiritual world. [Somehow, there must be a balance between breakdown and rebuilding.] The moment there is not as much rebuilding at night as there is breakdown during the day, illness sets in. Illness can only arise when an “I” that asserts itself too strongly is at work within the organism.
[ 4 ] Nun, im Ätherleib, wie ist da die Betätigung [durch ein zu stark wirkendes Ich]? Sie macht sich geltend durch die Möglichkeit des Irrtums auf der einen und der Lüge auf der andern Seite. Dem Irrtum ist der Mensch dadurch unterworfen, dass das Ich zu sehr im Ätherleib arbeitet, nicht im Einklang dabei steht mit der Außenwelt. Nun, und die Lüge? [Wenn wir lügen, bildet sich diese Gedankenform als reale Tatsache, und es entsteht in der geistigen Welt, was wir in der physischen eine Explosion nennen.] Würde das Ich nicht so verschmelzen im Ätherleib, so würde der Mensch wissen, dass, was nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit, der Wirklichkeit ist, Zerstörung bewirkt, eine Explosion. Die müssen wir aufnehmen in unser Karma, zerstören unsere Lebenslaufbahn, bis wir sie wieder ausgeglichen haben. Wer lügt, zerstört sich so viel in seinem Karma wie Bombenexplosionen in der physischen Welt. Lüge und Irrtum werden also bewirkt durch ein zu starkes Sich-geltend-Machen des Ichs im Ätherleib.
[ 4 ] Now, in the etheric body, how does this activity [caused by an “I” that exerts too strong an influence] manifest? It manifests itself through the possibility of error on the one hand and of falsehood on the other. Human beings are subject to error because the “I” is active too strongly in the etheric body and is not in harmony with the external world. Now, what about lying? [When we lie, this thought-form takes shape as a real fact, and what we call an “explosion” in the physical world occurs in the spiritual world.] If the “I” did not merge so completely with the etheric body, human beings would know that whatever is not in accordance with the truth—with reality—brings about destruction, an explosion. We must take these on as part of our karma; they destroy our life path until we have balanced them out again. Those who lie destroy as much in their karma as bomb explosions do in the physical world. Lies and errors are thus caused by the ego asserting itself too strongly in the etheric body.
[ 5 ] Der Astralleib wird dadurch, dass das Ich über das Maß des geltend Machens hinausgeht, mit dem erfüllt, was man Selbstsucht, Egoismus nennt. Wir müssen uns darüber klar sein in dem Moment, wo wir den Egoismus im Astralleib genau studieren. Der Astralleib besteht aus Empfindungsleib und aus Empfindungsseele. Wir müssen das genau unterscheiden. Der Empfindungsleib ist astraler Natur, aber von außen dem Menschen aufgebaut während der Mondenzeit. Nun wird in dem Empfindungsleib auf unterbewusster Stufe herausgesondert die Substanz der Empfindungsseele. Was Empfindungsleib ist, das ist beim Menschen ganz in Ordnung. Daher hat er die Möglichkeit, die Umwelt ordnungsgemäß zu empfinden. Schopenhauer [hielt nur die Vorstellung fest]: die Welt als Vorstellung. [Er sagte:] Ohne Auge kein Licht. Wahr ist aber auch: Ohne Licht kein Auge. Denn das physische Licht ist ganz durchflutet durch astralisches Licht, und das ist, was das Auge herausgebildet hat [aus dem Menschen]. So ist es Astralisches, was im Menschen Astralisches herausholt und dann ausmeißelt.
[ 5 ] When the “I” goes beyond the proper limits of self-assertion, the astral body becomes filled with what is called selfishness or egoism. We must be clear about this when we closely study egoism in the astral body. The astral body consists of the sensory body and the sensory soul. We must distinguish between them precisely. The sensory body is of an astral nature but is formed externally in the human being during the Lunar period. Now, within the sensory body, the substance of the sensory soul is separated out at a subconscious level. The sensory body, as it is in human beings, is perfectly in order. This is why human beings are able to perceive their environment properly. Schopenhauer [held fast only to the idea]: the world as an idea. [He said:] Without an eye, there is no light. But it is also true: Without light, there is no eye. For physical light is entirely permeated by astral light, and that is what the eye has formed [from within the human being]. Thus, it is the astral that draws out the astral in the human being and then sculpts it into shape.
[ 6 ] [Zuerst werden durch das Hineinfließen der astralischen Substanz die astralischen Sinne ausgebildet.] Dadurch kommen wir in Harmonie mit der Außenwelt. Wenn wir nur den Empfindungsleib hätten, würden wir seelenlose Geschöpfe sein, [wir würden mit dem Auge sehen], aber ohne Freude; [die Außenwelt würde sich nur in uns spiegeln]. Nun haben wir aber dazu die Empfindungsseele. Im Empfindungsleib wird das Ich wenig stärker sein können, als das richtige Maß gewesen wäre, ohne den Einfluss des Luzifer. [Der Einfluss der luziferischen Wesenheiten macht sich geltend in der Empfindungsseele, an den Empfindungsleib kommt er nicht heran.] Das wirkt sich aus in der Empfindungsseele. Dann entsteht der Missklang. Das ist der Egoismus. Wenn das Ich zu stark die Kräfte der Empfindungsseele zusammenschnürt, dann entsteht der Egoismus. Der Empfindungsleib nimmt auch dann schöne Eindrücke auf, die Empfindungsseele kann sich aber nicht daran freuen. Die Welt gibt die Farben. Die Empfindungsseele soll sich hineinergießen in das, was der Empfindungsleib gibt. Wer die Möglichkeit findet, aus sich so weit herauszugehen, dass er die Welt umfasst, macht sein Ich kräftig. Dieser Egoismus ist gesund, weil inhaltreich. Alle Wesen sollen das tun.
[ 6 ] [First, the astral senses are formed through the inflow of astral substance.] This brings us into harmony with the outside world. If we had only the sensory body, we would be soulless creatures; [we would see with our eyes], but without joy; [the external world would merely be reflected within us]. But now we also have the soul of sensation. In the sensory body, the “I” will be able to be only slightly stronger than would have been the proper measure without the influence of Lucifer. [The influence of the Luciferic beings makes itself felt in the soul of sensation; it does not reach the sensory body.] This has an effect on the soul of sensation. Then disharmony arises. This is egoism. When the “I” constricts the forces of the soul of sensation too strongly, egoism arises. The body of sensation still takes in beautiful impressions, but the soul of sensation cannot take joy in them. The world provides the colors. The soul of sensation is meant to pour itself into what the body of sensation offers. Whoever finds the ability to step outside of themselves to the extent that they embrace the world strengthens their “I.” This egoism is healthy because it is rich in content. All beings should do this.
Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.
When the rose adorns itself, it also adorns the garden.
[ 7 ] Schiller sagt:
[ 7 ] Schiller says:
Suchst du das Höchste, das Größte? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend — das ist’s!
Are you searching for the highest, the greatest? The plant can teach you. What it is without will, let you be with will—that’s it!
[ 8 ] Angelus Silesius:
[ 8 ] Angelus Silesius:
Die Ros’ ist ohn’ Warum,
sie blühet, weil sie blühet;
sie acht'’t nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie siehet.
The rose has no reason,
it blooms simply because it blooms;
it pays no heed to itself,
nor does it ask if anyone sees it.
[ 9 ] Derjenige Mensch wird seinen Mitmenschen am meisten dienen, der so viel als möglich eigene Fähigkeiten entwickelt. Keine Kräfte, die in uns sind, unentwickelt zu lassen führt uns zum Heil. [Nun ist aber bei dem Streben, seine Kräfte so viel als möglich zu entwickeln], die Gefahr, in verderblichen Egoismus zu geraten, aber ohne das könnte der Mensch keine Freiheit entwickeln. [Und so kann der Egoismus den einen zum Heil, den anderen zum Unheil führen.] Bei der Pflanze ist gesorgt, dass sie über das Maß nicht gehen kann. Wenn die Blüte am schönsten ist, bringt sie ihr eigenes Wesen heraus. In dem Moment, wo die Gefahr besteht, ihr Ich herauszustellen, die Selbstheit zu entwickeln, kommt der Blütenstaub, und die Blüte muss zum Keim übergehen, stirbt ab. Dies Gesetz gilt in gewisser Weise auch für den Menschen. Der erlebt auch, wenn er den Einklang schafft zwischen Empfindungsseele und Empfindungsleib, dass er in dem Moment, wo er verhärtet, sich nicht in die Welt ausgießt, dahinwelkt. Es gibt Menschen, die den Einklang schaffen zwischen dem, was in die Seele einströmt, und was sie erlebt. Die sind dann harmonisch. Das muss durch die Erziehung angestrebt werden. [Die Menschen aber, bei denen das Ich zu sehr in der Empfindungsseele wirkt, ohne Ausgleich nach außen, also wo das Ein- und Ausströmen nicht harmonisch ist, diese veröden.] Die können auch vor einem Kunstwerk nichts empfinden. Das ist das Geheimnis des Geschehens im Egoismus. Die Menschen müssen die Möglichkeit finden, zu entflammen an den Eindrücken der Natur, [bei Kunstwerken etwas empfinden lernen]. Der Arzt müsste sich hineinversetzen in das, was die Seele erlebt; [bis in die äußeren Bewegungen hinein, zum Beispiel beim Turnen, muss ein inneres Empfinden dringen]. Er muss sich freuen können an der Umwelt, das ist ein Geistgläubiger.
[ 9 ] The person who develops their own abilities as much as possible will serve their fellow human beings the most. Not leaving any of the powers within us undeveloped leads us to salvation. [However, in the endeavor to develop one’s powers as much as possible], there is a danger of falling into destructive selfishness; yet without this, a person could not develop freedom. [And so selfishness can lead one person to salvation and another to ruin.] In the case of a plant, it is ensured that it cannot go beyond a certain limit. When the flower is at its most beautiful, it reveals its very essence. The moment there is a danger of it asserting its “I”—of developing selfhood—the pollen arrives, and the flower must transition into a seed and die. In a certain sense, this law also applies to human beings. Humans, too, experience that when they achieve harmony between the feeling soul and the feeling body, the moment they become hardened—failing to pour themselves out into the world—they wither away. There are people who achieve harmony between what flows into the soul and what they experience. They are then harmonious. This must be the goal of education. [But those in whom the “I” exerts too much influence on the feeling soul, without balance toward the outside—that is, where the inflow and outflow are not harmonious—these wither away.] They are unable to feel anything even in the presence of a work of art. This is the secret of what happens in egoism. People must find the ability to be inspired by the impressions of nature, [to learn to feel something when encountering works of art]. The doctor must put himself in the place of what the soul experiences; [an inner feeling must permeate even the outward movements, for example, during gymnastics]. He must be able to take joy in his surroundings; that is what it means to be a believer in the spirit.
[ 10 ] Auf anderem Gebiet [müssen] wir diese Harmonie [herstellen, zum Beispiel] in der Erkenntnis [unseres Selbst]. In unserer Erkenntnis selber müssen wir die Harmonie finden. «Erkenne dich selbst» wird oft falsch verstanden. [Unser wahres Selbst mit der] Welterkenntnis [in Einklang zu bringen], ist Selbsterkenntnis, ist ein Stück in der Erziehung des Menschen zu jener Selbsterkenntnis, welche selbstlos ist; zur berechtigten Selbstlosigkeit, sodass sich das Ich wieder ergießt in die Welt. Nur nicht in sich hineinbrüten! Das verhärtet. Selbsterkenntnis ist etwas, was uns dazu führt, aufzublühen. Sonst welken wir dahin als Sonderlinge, als blasse Neidlinge. Suchen wir den Gott nur in uns, so stellen wir uns in Missklang zu der Welt. Suchen wir ihn in der Welterkenntnis, [wirken wir nach außen], dann gibt es ein herstellendes Gleichgewicht in unseren Willensimpulsen. Das ist ein wichtiges Gesetz in Bezug auf das, was wir wollen. Denn nichts wirkt, solange es in unserem Innern bleibt, sondern erst, wenn es aus uns heraustritt. Dann wirkt es zu unserem Gedeihen, wenn es [von außen] im Spiegel uns entgegentritt. Das sind die bestdenkbaren Taten: hinauszusetzen in die Welt das Getane. Sie sind das Belebende. [So lange kann der Mensch sein Ich reich machen, als die Förderung des eigenen Ich ihn belebt.] Die besten Taten des Egoisten, seinetwegen getan, fördern ihn nicht. In dem Augenblick, wo der Egoismus einen gewissen Grad übersteigt, ertötet er die Seele. Viele sind unbefriedigt und verödet, viele Egoisten leben in der Verwelkung. Der Egoismus, der über sein Ziel hinausschießt, kehrt sich gegen den Egoisten selber. Wenn der Mensch in der Entfaltung seines Ichs die Grenze überschreitet, verödet er. [Der Egoist lebt in der Verwelkung.] Das würde mehr hervortreten, wenn der Mensch nicht in einer äußerlichen Gesellschaft lebte. Wir stehen in einem Zusammenhang, wir Menschen, und so trägt hier nicht der Egoist die Wirkung seines Egoismus, sondern ein anderer muss sie tragen. Für den Egoisten selbst drückt sich dies erst im Karma aus.
[ 10 ] In other areas, we [must] establish this harmony [for example] in the knowledge [of ourselves]. We must find harmony within our very knowledge. “Know thyself” is often misunderstood. [Bringing our true self into] harmony with our understanding of the world is self-knowledge; it is a step in the education of the human being toward that self-knowledge which is selfless—toward a justified selflessness—so that the self once again pours out into the world. Just don’t brood inwardly! That leads to hardening. Self-knowledge is something that leads us to blossom. Otherwise, we wither away as eccentrics, as pale, envious souls. If we seek God only within ourselves, we place ourselves at odds with the world. If we seek Him in our understanding of the world, [and act outwardly], then there is a restorative balance in our impulses of will. This is an important law regarding what we want. For nothing has an effect as long as it remains within us, but only when it steps out of us. Then it works for our flourishing when it confronts us [from the outside] in the mirror. These are the best conceivable deeds: to project what has been done out into the world. They are what give life. [A person can enrich their ego only as long as the cultivation of their own ego enlivens them.] The best deeds of the egoist, done for their own sake, do not benefit them. The moment egoism exceeds a certain degree, it kills the soul. Many are dissatisfied and desolate; many egoists live in a state of withering. Egoism that overshoots its mark turns against the egoist himself. When a person crosses the line in the development of his ego, he withers. [The egoist lives in a state of withering.] This would be more apparent if a person did not live in an external society. We humans are interconnected, and so it is not the egoist who bears the consequences of his egoism, but someone else must bear them. For the egoist himself, this is expressed only through karma.
[ 11 ] «Wilhelm Meister» behandelt das Problem des Egoisten. Was will Wilhelm Meister? Nichts anderes als seine Individualität so reich und vollkommen als möglich machen. Deshalb verlässt er seinen Beruf für den Beruf, in dem er die größte Freiheit erwartet, damit alles von außen auf ihn einwirken kann. Goethe zeigt, wohin Wilhelm Meister der Irrtum getrieben hat. Er wusste, dass es eine geistige Gesetzmäßigkeit gibt. Goethe selbst nannte die Menschheit das große Individuum und so weiter. Er sagte: Wilhelm Meister ist ein recht armer Hund. Aber es gibt doch eine Führung im Menschen, die ihn immer wieder auf das Richtige bringt. Das ist das große Karmagesetz, das uns nicht erlaubt, Dummheiten zu machen, ohne im andern Leben Gescheitheiten zu machen. Man hat schwer getadelt, dass Goethe die geheime Führung merken lässt. Es kann niemand mehr in einem anderen Menschen sehen, als er selbst ist. So schildern moderne Biographen Goethe als Philister - [Engel ist ein grotesker, ungeheuerlicher Goethe-Darsteller]. Goethe wurde 1780 Mitglied der Freimaurer-Loge «Herzogin Amalie» — Symbol für geistiges Führen.
[ 11 ] “Wilhelm Meister” addresses the problem of the egoist. What does Wilhelm Meister want? Nothing other than to make his individuality as rich and complete as possible. That is why he leaves his profession for one in which he expects the greatest freedom, so that everything from the outside can influence him. Goethe shows where Wilhelm Meister’s error has led him. He knew that there is a spiritual law. Goethe himself called humanity the “great individual,” and so on. He said: Wilhelm Meister is a rather poor soul. But there is, after all, a guiding force within man that always brings him back to the right path. This is the great law of karma, which does not allow us to do foolish things without doing wise things in the next life. Goethe has been severely criticized for hinting at this secret guiding force. No one can see in another person anything other than what they themselves are. Thus, modern biographers portray Goethe as a philistine—[Engel is a grotesque, outrageous portrayer of Goethe]. In 1780, Goethe became a member of the “Duchess Amalie” Masonic lodge—a symbol of spiritual guidance.
[ 12 ] Die beste Erklärung des «Hamlet» ist im «Wilhelm Meister». In den «Bekenntnissen einer schönen Seele» zeigt sich — wörtlich fast — die Susanne von Klettenberg, wie ein Spiegelbild ihrer Entwicklung. Makarie hat in ihrer Krankheit möglichst viel in ihr Inneres hineingebrütet, aber die innere Natur sucht die Außenwelt wieder im eigenen Innern, findet Umgang mit göttlichen Wesenheiten im eigenen Wesen, genießt dies Vorleben der Mystik. Sie erreicht eine hohe Stufe. Die gesunde Natur drängt darüber hinaus und kommt [durch ein] wichtiges Ereignis [dazu, zu fragen]: Ist Gott nur im Innern? Da wendet sich ihr Blick nach Palästina, zum Christentum. Christus wurde Mensch, machte alles durch bis zum Tode. Als sie das gründlich verstand, sagte sie: In jeder Blume offenbart sich die Gottheit heraus aus dem Innern in die Welt. Jetzt lebt sie mit das Ereignis von Golgatha. Susanne von Klettenberg gab Goethe einen bedeutsamen Stoß für seine innere Entwicklung. Er ist nie stehen geblieben.
[ 12 ] The best explanation of Hamlet is found in Wilhelm Meister. In Confessions of a Beautiful Soul, Susanne von Klettenberg appears—almost word for word—as a mirror image of her own development. During her illness, Makarie brooded as much as possible over her inner world, but her inner nature seeks the outer world once more within herself, finds communion with divine beings within her own being, and delights in this foretaste of mysticism. She reaches a high level. Her healthy nature pushes beyond this and, [through] a significant event, [comes to ask]: Is God only within? Then her gaze turns toward Palestine, toward Christianity. Christ became human, endured everything even unto death. When she thoroughly understood this, she said: In every flower, the divine reveals itself from within into the world. Now she lives with the event of Golgotha. Susanne von Klettenberg gave Goethe a significant impetus for his inner development. He never stood still.
[ 13 ] Die «Lehrjahre» sind vollendet worden unter Schillers Kritik. Die «Wanderjahre» sind unter eigentümlichen Umständen entstanden. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Setzer schneller druckte, als Goethe schreiben konnte; und anfangs [half er] nach [mit Sachen, die er früher geschrieben hatte: Der heilige Joseph, Mann von 50 Jahren, Melusine und andere]. Zuletzt kam er nicht nach, gab es Eckermann zum Überarbeiten. So kamen die «Wanderjahre» zustande. Aber es kommt dabei in Betracht, dass alles, was Goethe schrieb, voll von höchster Lebensweisheit ist [und es ist ein gedrängter Auszug seiner eigenen Entwicklung]. Jedes bedeutet eine Etappe seiner eigenen Entwicklung, ist eine Werdestufe Goethe’scher Entwicklung. So verfließt dann das Leben wie eine Komposition, wenn es nur in richtiger Weise aufgenommen wird und wirken kann auf die Individualität. Da ist manches hervorgegangen aus Goethes Werdegang. Nehmen wir die «Pädagogische Provinz»: Die Jungen haben drei Gebärden. [Zeichen der] Einsicht in die Wirkung der Symbole. [Es sind drei religiöse Stufen.] Das Beste aus den drei religiösen Kategorien: [Eine Gebärde nach oben, nach unten, nach seinesgleichen versinnbildlichen reale Ehrfurcht vor dem Höchsten, vor denen, die unter uns stehen, und vor unseresgleichen.] Nach oben nennt Goethe die erste Ehrfurchtsrichtung, die zweite zu seinesgleichen, dann die Ehrfurcht nach unten. Auch was unter uns ist, ist gottentstanden. Dann haben wir die Ehrfurcht [vor] der Religion, weil die Gottheit heruntergestiegen ist. Indem der [Schüler] sich hineinlebt in das, was die Gebärde zeigt, soll die Gebärde sich hineinziehen in seine Seele. Die Jungen sind verschieden bekleidet. Warum? Um die Individualität zu bilden, sollen sie sich selber die Farben wählen.
[ 13 ] The “Apprenticeship Years” were completed under Schiller’s critical guidance. The “Wandering Years” came about under unusual circumstances. It turned out, in fact, that the typesetter could print faster than Goethe could write; and at first [he filled in] with [material he had written earlier: “Saint Joseph,” “A Man of 50,” “Melusine,” and others]. Eventually, he could no longer keep up, so he gave the manuscripts to Eckermann to revise. That is how the “Wandering Years” came into being. But it is worth noting that everything Goethe wrote is full of the highest wisdom [and it is a condensed account of his own development]. Each represents a stage in his own development, a stage in Goethe’s evolution. Thus, life flows like a composition, provided it is received in the right way and can have an effect on the individual. Much has emerged from Goethe’s life journey. Take The Pedagogical Province: The boys have three gestures. [Signs of] insight into the effect of symbols. [These are three religious stages.] The best of the three religious categories: [A gesture upward, downward, and toward one’s peers symbolizes genuine reverence for the Supreme, for those who stand below us, and for our peers.] Goethe calls the first direction of reverence “upward,” the second “toward one’s peers,” and the third “downward.” Even what is beneath us is of divine origin. Then we have reverence [for] religion, because the deity has descended. As the [student] immerses himself in what the gesture signifies, the gesture is meant to draw itself into his soul. The boys are dressed differently. Why? To foster individuality, they should choose their own colors.
[ 14 ] Der Schluss zeigt, wie das Ich sich erweitert über die ganze Welt in Makarie, die innerlich schaut die Gesetze der Sterne — sie hat einen Astronomen zur Seite —, ihre Maße aus dem Sonnensystem. Selbstloses Erkennen, das selbst in der Welt aufgeht — wo Goethe in feinsinniger Weise das ganze Empfindungsleben solcher hellsehender Wesen schildert. Der okkulte Blick in die Welt ist am Schluss des «Wilhelm Meister» in Makarie geschildert, denn Goethe will die Entfaltung des Selbst schildern.
[ 14 ] The conclusion shows how the “I” expands to encompass the entire world in Makarie, who intuitively perceives the laws of the stars—she has an astronomer at her side—and derives their measurements from the solar system. Selfless cognition that merges with the world itself—where Goethe subtly depicts the entire emotional life of such clairvoyant beings. The occult view of the world is portrayed in Makarie at the end of Wilhelm Meister, for Goethe seeks to depict the unfolding of the self.
[ 15 ] So zeigt Goethe in «Wilhelm Meister» das Ich, das von Stufe zu Stufe steigt, reicher und immer reicher wird im Hineinwachsen des Ichs in das Weltproblem. Damit das Menschenwesen nicht zum Tode führt, muss die Hülle zerreißen. Die Arbeit ist wahr und echt.
[ 15 ] Thus, in Wilhelm Meister, Goethe depicts the “I” as rising from stage to stage, becoming richer and ever richer as it grows into the problem of the world. In order for the human being not to lead to death, the shell must be torn apart. The work is true and genuine.
