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Truths and Errors in Spiritual Research
GA 69a

17 May 1913, Stuttgart

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Wahrheiten und Irrtümer der Geistesforschung
  1. Truths and Errors in Spiritual Research, tr. SOL

8. Ergebnisse der Geistesforschung für Lebensfragen und das Todesrätsel

8. Ergebnisse der Geistesforschung für Lebensfragen und das Todesrätsel

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit einer Reihe von Jahren durfte ich hier über Gegenstände der Geisteswissenschaft vor diesem Zuhörerkreis sprechen, und eine Reihe der verehrten Zuhörer, welche schon des öfteren an diesen Betrachtungen teilgenommen haben, werden gerade in der heutigen zusammenfassenden Betrachtung mancherlei Erkenntnisse finden, die ihnen nicht neu sind. Allein das, was ich in diesem Jahre über Geisteswissenschaft sagen durfte, gibt ja genügend Veranlassung dazu, die hier betrachteten Gegenstände von den verschiedensten Gesichtspunkten aus ins Auge zu fassen. Denn man darf ja sagen: Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die – mit einem gewissen Recht – in weiteren Kreisen ja zusammengeworfen wird mit allem, was man mehr oder weniger genau «Theosophie» nennt – Geisteswissenschaft oder Theosophie ist heute keineswegs so allgemein bekannt und namentlich keineswegs allgemein anerkannt.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Seit einer Reihe von Jahren durfte ich hier über Gegenstände der Geisteswissenschaft vor diesem Zuhörerkreis sprechen, und eine Reihe der verehrten Zuhörer, welche schon des öfteren an diesen Betrachtungen teilgenommen haben, werden gerade in der heutigen zusammenfassenden Betrachtung mancherlei Erkenntnisse finden, die ihnen nicht neu sind. Allein das, was ich in diesem Jahre über Geisteswissenschaft sagen durfte, gibt ja genügend Veranlassung dazu, die hier betrachteten Gegenstände von den verschiedensten Gesichtspunkten aus ins Auge zu fassen. Denn man darf ja sagen: Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die – mit einem gewissen Recht – in weiteren Kreisen ja zusammengeworfen wird mit allem, was man mehr oder weniger genau «Theosophie» nennt – Geisteswissenschaft oder Theosophie ist heute keineswegs so allgemein bekannt und namentlich keineswegs allgemein anerkannt.

[ 2 ] Der sogenannte Zufall spielt einem in dieser Beziehung ja gar manches in die Hand. Als ich auf einer meiner Vortragsreisen vor ganz kurzer Zeit durch eine gewisse Stadt kam, fand ich in einer Buchhandlung, in der ich allerdings nach etwas ganz anderem suchte, auf dem Tisch auch zwei Schriftchen. Die eine enthielt eine populäre Darstellung der philosophischen Welt- und Lebensanschauungen des 19. Jahrhunderts. Wenn man diese Schrift sich genauer ansieht, so bekommt man den Eindruck, daß diese Schrift mit einem gewissen Ernst gearbeitet ist; die einzelnen Kapitel entsprechen einer nicht ungründlichen Kenntnis desjenigen, was da besprochen wird – mit der einzigen Ausnahme, das ist die Theosophie, oder wie sie im engeren Sinne hier gemeint ist, die Geisteswissenschaft.

[ 2 ] Der sogenannte Zufall spielt einem in dieser Beziehung ja gar manches in die Hand. Als ich auf einer meiner Vortragsreisen vor ganz kurzer Zeit durch eine gewisse Stadt kam, fand ich in einer Buchhandlung, in der ich allerdings nach etwas ganz anderem suchte, auf dem Tisch auch zwei Schriftchen. Die eine enthielt eine populäre Darstellung der philosophischen Welt- und Lebensanschauungen des 19. Jahrhunderts. Wenn man diese Schrift sich genauer ansieht, so bekommt man den Eindruck, daß diese Schrift mit einem gewissen Ernst gearbeitet ist; die einzelnen Kapitel entsprechen einer nicht ungründlichen Kenntnis desjenigen, was da besprochen wird – mit der einzigen Ausnahme, das ist die Theosophie, oder wie sie im engeren Sinne hier gemeint ist, die Geisteswissenschaft.

[ 3 ] Ich darf versuchen, diese Geisteswissenschaft zusammenzubringen mit dem, was da gerade in diesem Kapitel gesagt wird, und da muß man sagen: Ebenso gut, ja bis zu einem gewissen Grade gewissenhaft wie die anderen Kapitel sind, ebenso grotesk oberflächlich ist das Kapitel über die Geisteswissenschaft. Es obliegt mir hier nicht, auf dieses Kapitel näher einzugehen, ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß neben mancherlei Unzutreffendem auch das vorkommt, daß Geisteswissenschaft sich verführen lasse zu den wüstesten Phantasiebildern über diese oder jene Weltentatsachen. – Nun dachte ich, es könnte da vielleicht auf meine «Geheimwissenschaft» angespielt werden, und es könnte jemand – was ja heutzutage begreiflich wäre ohne Kenntnisnahme der Sache dasjenige, was da gut belegt ist, verneinen. Aber ich las sogleich weiter, und da kam ich auf den Satz, daß in den Kreisen der Bekenner dieser Geistesforschung überall Prophezeiungen über kriegerische und Erdbeben-Katastrophen eine große Rolle spielten. – Nun, nachdem Sie das gehört haben, möchte ich Sie bitten, darüber nachzudenken, ob solche Prophezeiungen in dem, was von mir gesagt worden ist, eine große Rolle spielen oder gespielt haben.

[ 3 ] Ich darf versuchen, diese Geisteswissenschaft zusammenzubringen mit dem, was da gerade in diesem Kapitel gesagt wird, und da muß man sagen: Ebenso gut, ja bis zu einem gewissen Grade gewissenhaft wie die anderen Kapitel sind, ebenso grotesk oberflächlich ist das Kapitel über die Geisteswissenschaft. Es obliegt mir hier nicht, auf dieses Kapitel näher einzugehen, ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß neben mancherlei Unzutreffendem auch das vorkommt, daß Geisteswissenschaft sich verführen lasse zu den wüstesten Phantasiebildern über diese oder jene Weltentatsachen. – Nun dachte ich, es könnte da vielleicht auf meine «Geheimwissenschaft» angespielt werden, und es könnte jemand – was ja heutzutage begreiflich wäre ohne Kenntnisnahme der Sache dasjenige, was da gut belegt ist, verneinen. Aber ich las sogleich weiter, und da kam ich auf den Satz, daß in den Kreisen der Bekenner dieser Geistesforschung überall Prophezeiungen über kriegerische und Erdbeben-Katastrophen eine große Rolle spielten. – Nun, nachdem Sie das gehört haben, möchte ich Sie bitten, darüber nachzudenken, ob solche Prophezeiungen in dem, was von mir gesagt worden ist, eine große Rolle spielen oder gespielt haben.

[ 4 ] Man könnte denken, solche Schriften würden nicht viel gelesen. Aber ich griff daneben ein Schriftchen, das den Titel trägt: «Sieben Sekten des Verderbens. Eine Warnung für evangelische Christen». Ich werde es Ihnen nicht vorlesen. Wenn man sich dieses Schriftchen seiner Überschrift nach ansieht, so findet man als die sieben Sekten des Verderbens aufgezählt:

[ 4 ] Man könnte denken, solche Schriften würden nicht viel gelesen. Aber ich griff daneben ein Schriftchen, das den Titel trägt: «Sieben Sekten des Verderbens. Eine Warnung für evangelische Christen». Ich werde es Ihnen nicht vorlesen. Wenn man sich dieses Schriftchen seiner Überschrift nach ansieht, so findet man als die sieben Sekten des Verderbens aufgezählt:

[ 5 ] Erstens: Adventisten oder Sabbatisten – darüber vier Seiten. Zweitens: die Tagesanbruchleute – auch vier Seiten. Drittens: Die Neuapostolischen – drei Seiten. Viertens: Die Mormonen – wieder vier Seiten. Fünftens: Die Scientisten – drei Seiten. Sechstens: Die Spiritisten – nun, da wußte der Schreiber schon etwas weniger, etwas über zwei Seiten. Siebentens: Theosophie – darüber weiß er nur eine halbe Seite. Aber auch diese will ich Ihnen nicht ganz vorlesen, sondern nur die Hälfte davon. «Insbesondere lehrt sie [die Theosophie] anstelle der Erlösung durch Christus die Selbsterlösung, ist also dem Heidentum gleichzurechnen», und es wird auf die Kirchengeschichte hingewiesen. Interessant ist es auch vielleicht, daß dieses kleine Schriftchen, das in Elberfeld erschienen ist in der Buchhandlung der Evangelischen Gemeinschaft, die Anmerkung enthält, daß das Büchlein zu allen Preisen und in allen Größen zu haben ist, auch in einzelnen Blättern. Man kann sich also für soundso viel Pfennige ein Urteil bilden über das, wovon heute die Rede sein soll, und man kann sich dann, um es immer vor Augen zu haben, das betreffende Blatt an die Wand anschlagen.

[ 5 ] Erstens: Adventisten oder Sabbatisten – darüber vier Seiten. Zweitens: die Tagesanbruchleute – auch vier Seiten. Drittens: Die Neuapostolischen – drei Seiten. Viertens: Die Mormonen – wieder vier Seiten. Fünftens: Die Scientisten – drei Seiten. Sechstens: Die Spiritisten – nun, da wußte der Schreiber schon etwas weniger, etwas über zwei Seiten. Siebentens: Theosophie – darüber weiß er nur eine halbe Seite. Aber auch diese will ich Ihnen nicht ganz vorlesen, sondern nur die Hälfte davon. «Insbesondere lehrt sie [die Theosophie] anstelle der Erlösung durch Christus die Selbsterlösung, ist also dem Heidentum gleichzurechnen», und es wird auf die Kirchengeschichte hingewiesen. Interessant ist es auch vielleicht, daß dieses kleine Schriftchen, das in Elberfeld erschienen ist in der Buchhandlung der Evangelischen Gemeinschaft, die Anmerkung enthält, daß das Büchlein zu allen Preisen und in allen Größen zu haben ist, auch in einzelnen Blättern. Man kann sich also für soundso viel Pfennige ein Urteil bilden über das, wovon heute die Rede sein soll, und man kann sich dann, um es immer vor Augen zu haben, das betreffende Blatt an die Wand anschlagen.

[ 6 ] Dadurch wird erklärlich, woher die Urteile stammen, die einem von manchen Seiten entgegentreten, wenn diese unsere Sache in Grund und Boden verdammt werden soll. Charakteristisch ist auch, daß der Verfasser dieser Schrift über die «siebente Sekte» nur eine halbe Seite zu sagen hat. Nun, aus diesem äußeren Beispiel geht hervor, sehr verehrte Anwesende, wie es in der Tat in unserer Zeit Vorurteil über Vorurteil gibt gegen das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, und wie wenig Wille vorhanden ist, wirklich auf den Grundnerv dieser Geisteswissenschaft einzugehen. Denn man sollte doch glauben, daß derjenige, der ein Urteil fällen will über eine Sache, diese erst wirklich kennen müsse. Gegenüber der Geisteswissenschaft ist das in weitesten Kreisen offenbar nicht der Fall. Von denjenigen Menschen, die nichts von ihr wissen wollen, braucht nicht verlangt zu werden, daß sie sich damit befassen, wohl aber von denen, die ein öffentliches Urteil fällen. Es würde für manche Menschen der Gegenwart, die sich berufen fühlen, über Geisteswissenschaft ein Urteil zu fällen, wohl einigermaßen beirrend sein, sich nur einige Zeit mit den Dingen befassen zu müssen, über die sie «gewissenhaft» urteilen wollen.

[ 6 ] Dadurch wird erklärlich, woher die Urteile stammen, die einem von manchen Seiten entgegentreten, wenn diese unsere Sache in Grund und Boden verdammt werden soll. Charakteristisch ist auch, daß der Verfasser dieser Schrift über die «siebente Sekte» nur eine halbe Seite zu sagen hat. Nun, aus diesem äußeren Beispiel geht hervor, sehr verehrte Anwesende, wie es in der Tat in unserer Zeit Vorurteil über Vorurteil gibt gegen das, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist, und wie wenig Wille vorhanden ist, wirklich auf den Grundnerv dieser Geisteswissenschaft einzugehen. Denn man sollte doch glauben, daß derjenige, der ein Urteil fällen will über eine Sache, diese erst wirklich kennen müsse. Gegenüber der Geisteswissenschaft ist das in weitesten Kreisen offenbar nicht der Fall. Von denjenigen Menschen, die nichts von ihr wissen wollen, braucht nicht verlangt zu werden, daß sie sich damit befassen, wohl aber von denen, die ein öffentliches Urteil fällen. Es würde für manche Menschen der Gegenwart, die sich berufen fühlen, über Geisteswissenschaft ein Urteil zu fällen, wohl einigermaßen beirrend sein, sich nur einige Zeit mit den Dingen befassen zu müssen, über die sie «gewissenhaft» urteilen wollen.

[ 7 ] Immer wieder muß gefragt werden: Wie will sich die Geisteswissenschaft hineinstellen in das unmittelbare Leben der Gegenwart? Wie und mit welchem Recht stellt sie sich in ihrer Art zu den großen Lebensfragen und zu dem, was über den Tod zu sagen ist?

[ 7 ] Immer wieder muß gefragt werden: Wie will sich die Geisteswissenschaft hineinstellen in das unmittelbare Leben der Gegenwart? Wie und mit welchem Recht stellt sie sich in ihrer Art zu den großen Lebensfragen und zu dem, was über den Tod zu sagen ist?

[ 8 ] Immer mehr und mehr zeigt sich, wie aus unbewußten Tiefen des Seelenlebens heraus diese Kardinalfragen zu Sehnsüchten in den Seelen der Menschen der Gegenwart werden. Das Gebiet der Geisteswissenschaft ist allerdings so weit wie die Welt, und man müßte viel sprechen, wenn man nur andeuten wollte, was alles Geisteswissenschaft zu umfassen hat. Aber wenn auch Geisteswissenschaft in unendliche Weite ihre Forschung zu erstrecken hat, es gipfeln ihre Untersuchungen doch in den beiden Lebensrätseln, die sich einschließen in die Worte Schicksal und Tod. Und immer weiter muß auch die Erkenntnis dringen, daß gegenüber der großen Schicksalsfrage des Lebens und gegenüber der sogenannten Unsterblichkeitsfrage die äußere Wissenschaft machtlos ist, wenn sie sich ihrer Grenzen bewußt ist. Doch versucht diese äußere Wissenschaft in unserer Zeit die mannigfaltigsten Weltanschauungen mit den mannigfaltigsten Bezeichnungen hervorzubringen, und zwar gerade solche Weltanschauungen, die glauben, auf dem Boden der Naturwissenschaft zu stehen, und diese glauben sagen zu müssen, daß ihre Ergebnisse in direktem Widerspruch stünden zu dem, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.

[ 8 ] Immer mehr und mehr zeigt sich, wie aus unbewußten Tiefen des Seelenlebens heraus diese Kardinalfragen zu Sehnsüchten in den Seelen der Menschen der Gegenwart werden. Das Gebiet der Geisteswissenschaft ist allerdings so weit wie die Welt, und man müßte viel sprechen, wenn man nur andeuten wollte, was alles Geisteswissenschaft zu umfassen hat. Aber wenn auch Geisteswissenschaft in unendliche Weite ihre Forschung zu erstrecken hat, es gipfeln ihre Untersuchungen doch in den beiden Lebensrätseln, die sich einschließen in die Worte Schicksal und Tod. Und immer weiter muß auch die Erkenntnis dringen, daß gegenüber der großen Schicksalsfrage des Lebens und gegenüber der sogenannten Unsterblichkeitsfrage die äußere Wissenschaft machtlos ist, wenn sie sich ihrer Grenzen bewußt ist. Doch versucht diese äußere Wissenschaft in unserer Zeit die mannigfaltigsten Weltanschauungen mit den mannigfaltigsten Bezeichnungen hervorzubringen, und zwar gerade solche Weltanschauungen, die glauben, auf dem Boden der Naturwissenschaft zu stehen, und diese glauben sagen zu müssen, daß ihre Ergebnisse in direktem Widerspruch stünden zu dem, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.

[ 9 ] Nun wäre es ein ganz vergebliches Bemühen, davon zu sprechen, daß die Grundlagen der Geisteswissenschaft in irgendeinen wahrhaften Widerspruch mit der Naturwissenschaft kommen würden. Diese Naturwissenschaft hat seit drei, vier Jahrhunderten viele Dinge hervorgebracht, die bis in die weitesten Verzweigungen hinein unser ganzes Leben umgestaltet haben. Und wenn es wahr ist, was Goethe sagt, daß eine Denkrichtung sich durch ihre Fruchtbarkeit erweist, so hat Naturwissenschaft ihre Fruchtbarkeit erwiesen – allerdings nur in der Lösung materieller Lebensrätsel. Aber es ist noch etwas anderes zu beachten. Die Naturwissenschaft hat die Menschheit auch in einer ganz bestimmten Weise erzogen. Sie ist ein wunderbares Erziehungsmittel gewesen für die Menschenseelen, so daß diese die Fragen des Lebens und auch des Todes in einer anderen Weise aufwerfen, als sie aufgeworfen worden sind, bevor die neuere Wissenschaft die Menschen gelehrt hat, in einer gewissen Weise zu fragen. Heute fragen die Seelen anders nach den Lebensrätseln als vor Jahrhunderten. Und dem entspricht es auch, sehr verehrte Anwesende, daß die Geisteswissenschaft im Grunde genommen in ihrer Methode, in ihrer ganzen Anschauung, ganz nach dem Muster der Naturwissenschaft ihre Arbeit leistet. Aber während sich die Fragen vertieft haben, sind die Seelen auch verführt worden, nur das gelten zu lassen, was ihnen in physischem Anschauen vor Augen gebracht werden kann.

[ 9 ] Nun wäre es ein ganz vergebliches Bemühen, davon zu sprechen, daß die Grundlagen der Geisteswissenschaft in irgendeinen wahrhaften Widerspruch mit der Naturwissenschaft kommen würden. Diese Naturwissenschaft hat seit drei, vier Jahrhunderten viele Dinge hervorgebracht, die bis in die weitesten Verzweigungen hinein unser ganzes Leben umgestaltet haben. Und wenn es wahr ist, was Goethe sagt, daß eine Denkrichtung sich durch ihre Fruchtbarkeit erweist, so hat Naturwissenschaft ihre Fruchtbarkeit erwiesen – allerdings nur in der Lösung materieller Lebensrätsel. Aber es ist noch etwas anderes zu beachten. Die Naturwissenschaft hat die Menschheit auch in einer ganz bestimmten Weise erzogen. Sie ist ein wunderbares Erziehungsmittel gewesen für die Menschenseelen, so daß diese die Fragen des Lebens und auch des Todes in einer anderen Weise aufwerfen, als sie aufgeworfen worden sind, bevor die neuere Wissenschaft die Menschen gelehrt hat, in einer gewissen Weise zu fragen. Heute fragen die Seelen anders nach den Lebensrätseln als vor Jahrhunderten. Und dem entspricht es auch, sehr verehrte Anwesende, daß die Geisteswissenschaft im Grunde genommen in ihrer Methode, in ihrer ganzen Anschauung, ganz nach dem Muster der Naturwissenschaft ihre Arbeit leistet. Aber während sich die Fragen vertieft haben, sind die Seelen auch verführt worden, nur das gelten zu lassen, was ihnen in physischem Anschauen vor Augen gebracht werden kann.

[ 10 ] Mit physischen Dingen kann Geisteswissenschaft nicht kommen. Sie kann nicht sich ins Laboratorium stellen und da Erkenntnisse über den Geist schaffen. Schon der Geist, der zwischen Geburt und Tod in uns lebt, ist dauernd nur für eine gewisse Zeit und für unser Bewußtsein nur durch innere Seelenprozesse ergründbar. Jeder weiß, daß das geistige Leben seit seiner Geburt in ihm ist; jeder sollte wissen, daß das, was er zum Beispiel vor zwanzig Jahren erlebt hat, nur noch durch die Erinnerung erreicht werden kann, und daß man diesen Prozeß der Erinnerung nicht heraufpumpen kann mit äußeren Experimental-Apparaten. Und so sollte man auch erkennen, daß durch eine Steigerung solcher inneren Erlebnisse, wie die Erinnerung es ist, die Geisteswissenschaft ihre Quellen suchen muß. Hier wird es aber noch lange dauern, bis die Menschheit einsieht, daß die Methode der Geisteswissenschaft zwar eine tief innerliche ist, aber doch von demselben Geiste beseelt ist wie die äußere Naturwissenschaft. Das kann man gleich erkennen, wenn man hinblickt auf das, was solche Beurteiler der Geisteswissenschaft sagen, die leugnen, daß man das erreichen kann, was hinter den sinnlichen Wahrnehmungen liegt. Auch wenn sie zugeben, daß es etwas Übersinnliches gibt, so sagen sie doch, das menschliche Erkennen sei nicht imstande, da hineinzudringen.

[ 10 ] Mit physischen Dingen kann Geisteswissenschaft nicht kommen. Sie kann nicht sich ins Laboratorium stellen und da Erkenntnisse über den Geist schaffen. Schon der Geist, der zwischen Geburt und Tod in uns lebt, ist dauernd nur für eine gewisse Zeit und für unser Bewußtsein nur durch innere Seelenprozesse ergründbar. Jeder weiß, daß das geistige Leben seit seiner Geburt in ihm ist; jeder sollte wissen, daß das, was er zum Beispiel vor zwanzig Jahren erlebt hat, nur noch durch die Erinnerung erreicht werden kann, und daß man diesen Prozeß der Erinnerung nicht heraufpumpen kann mit äußeren Experimental-Apparaten. Und so sollte man auch erkennen, daß durch eine Steigerung solcher inneren Erlebnisse, wie die Erinnerung es ist, die Geisteswissenschaft ihre Quellen suchen muß. Hier wird es aber noch lange dauern, bis die Menschheit einsieht, daß die Methode der Geisteswissenschaft zwar eine tief innerliche ist, aber doch von demselben Geiste beseelt ist wie die äußere Naturwissenschaft. Das kann man gleich erkennen, wenn man hinblickt auf das, was solche Beurteiler der Geisteswissenschaft sagen, die leugnen, daß man das erreichen kann, was hinter den sinnlichen Wahrnehmungen liegt. Auch wenn sie zugeben, daß es etwas Übersinnliches gibt, so sagen sie doch, das menschliche Erkennen sei nicht imstande, da hineinzudringen.

[ 11 ] An solchen Geistern kann ermessen werden, mit welchen Schwierigkeiten Geisteswissenschaft zu kämpfen hat. Denn für eine richtig prüfende Seele hat ein solcher Einwurf keinen anderen Wert, als wollte jemand zum Beispiel sagen: Was fällt den heutigen Botanikern eigentlich ein? Sie sagen – und das soll eine Grunderrungenschaft des 19. Jahrhunderts sein –, die Pflanzen bestehen aus einzelnen Zellen, und aus solchen Zellen sollen auch die Tiere bestehen. Nehmen wir an, ein anderer weist nun nach, wieviel ein Mensch sehen kann mit seinen Augen. Die Zellen kann er jedenfalls nicht sehen, also überschreitet das die Grenzen des physischen Erkennens. – Die so sprechen, weisen damit also nach, daß das Auge nicht in das hineinsehen kann, was doch die Naturforscher gesehen haben. Ja, sehen Sie, verehrte Anwesende, solch ein Beweis kann absolut richtig sein; man würde dann beweisen, daß es unmöglich ist, die Zellenzusammensetzung des pflanzlichen und tierischen Organismus mit den menschlichen Augen zu erreichen und in diese feinsten Vorgänge einzudringen. Es wäre derjenige ein Tor, der nachweisen wollte, daß ein solcher Beweise unrichtig ist. – Auf ganz der gleichen Linie stehen heute zahlreiche Beweise, die davon ausgehen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen, so wie es unmittelbar ist, nichts über das Übersinnliche wissen kann. Ganz richtig können solche Beweise sein, und ein Tor wäre, wer sie widerlegen wollte.

[ 11 ] An solchen Geistern kann ermessen werden, mit welchen Schwierigkeiten Geisteswissenschaft zu kämpfen hat. Denn für eine richtig prüfende Seele hat ein solcher Einwurf keinen anderen Wert, als wollte jemand zum Beispiel sagen: Was fällt den heutigen Botanikern eigentlich ein? Sie sagen – und das soll eine Grunderrungenschaft des 19. Jahrhunderts sein –, die Pflanzen bestehen aus einzelnen Zellen, und aus solchen Zellen sollen auch die Tiere bestehen. Nehmen wir an, ein anderer weist nun nach, wieviel ein Mensch sehen kann mit seinen Augen. Die Zellen kann er jedenfalls nicht sehen, also überschreitet das die Grenzen des physischen Erkennens. – Die so sprechen, weisen damit also nach, daß das Auge nicht in das hineinsehen kann, was doch die Naturforscher gesehen haben. Ja, sehen Sie, verehrte Anwesende, solch ein Beweis kann absolut richtig sein; man würde dann beweisen, daß es unmöglich ist, die Zellenzusammensetzung des pflanzlichen und tierischen Organismus mit den menschlichen Augen zu erreichen und in diese feinsten Vorgänge einzudringen. Es wäre derjenige ein Tor, der nachweisen wollte, daß ein solcher Beweise unrichtig ist. – Auf ganz der gleichen Linie stehen heute zahlreiche Beweise, die davon ausgehen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen, so wie es unmittelbar ist, nichts über das Übersinnliche wissen kann. Ganz richtig können solche Beweise sein, und ein Tor wäre, wer sie widerlegen wollte.

[ 12 ] Aber ganz abgesehen von den Grenzen des physischen Auges, [muß doch berücksichtigt werden], daß man die Augen bewaffnet hat mit Erkenntnismitteln wie Mikroskop, Teleskop, Spektroskop und dadurch zu dem Vermögen gekommen ist, Vorgänge und Substanzen zu sehen, [die zuvor unsichtbar waren], zum Beispiel durch die Spektralanalyse. Daß das getan worden ist, ist doch auch richtig, und es ist ebenso richtig, wie wenn alte Weltanschauungen von den Grenzen der menschlichen Erkenntnis gesprochen haben. Genauso wie die Naturwissenschaft das Auge verschärft, erkraftet hat, ebenso verschärft und erkraftet die Geisteswissenschaft dasjenige, wovon man in seinem natürlichen Zustande wohl mit Recht sagen kann: es hat seine Grenzen. Daraus sehen wir aber, daß der Beweis von den Grenzen der Erkenntnis ebensowenig Berechtigung hat wie der Beweis von den Grenzen des Auges. Das Auge bewaffnet sich mit Mikroskop, Teleskop und Spektroskop den Geist des Menschen erstarkt man durch innere, intime Mittel, die mit den Worten bezeichnet werden: Meditation, Konzentration und Kontemplation. Auch das wurde ja schon erwähnt und soll hier nur kurz angedeutet werden. Sie können aber genauer erfahren aus meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», was man versteht unter den Worten Meditation, Konzentration und Kontemplation.

[ 12 ] Aber ganz abgesehen von den Grenzen des physischen Auges, [muß doch berücksichtigt werden], daß man die Augen bewaffnet hat mit Erkenntnismitteln wie Mikroskop, Teleskop, Spektroskop und dadurch zu dem Vermögen gekommen ist, Vorgänge und Substanzen zu sehen, [die zuvor unsichtbar waren], zum Beispiel durch die Spektralanalyse. Daß das getan worden ist, ist doch auch richtig, und es ist ebenso richtig, wie wenn alte Weltanschauungen von den Grenzen der menschlichen Erkenntnis gesprochen haben. Genauso wie die Naturwissenschaft das Auge verschärft, erkraftet hat, ebenso verschärft und erkraftet die Geisteswissenschaft dasjenige, wovon man in seinem natürlichen Zustande wohl mit Recht sagen kann: es hat seine Grenzen. Daraus sehen wir aber, daß der Beweis von den Grenzen der Erkenntnis ebensowenig Berechtigung hat wie der Beweis von den Grenzen des Auges. Das Auge bewaffnet sich mit Mikroskop, Teleskop und Spektroskop den Geist des Menschen erstarkt man durch innere, intime Mittel, die mit den Worten bezeichnet werden: Meditation, Konzentration und Kontemplation. Auch das wurde ja schon erwähnt und soll hier nur kurz angedeutet werden. Sie können aber genauer erfahren aus meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», was man versteht unter den Worten Meditation, Konzentration und Kontemplation.

[ 13 ] Die Tätigkeit der Seele, wie sie im normalen Menschenleben ist, wie sie geübt wird innerhalb der physischsinnlichen Welt, diese Tätigkeit ist allerdings voll angewiesen auf die Leiblichkeit, gewisse Tätigkeiten auf die Nerven oder das Gehirn. Dagegen wendet auch Geisteswissenschaft nichts ein. Aber Geisteswissenschaft wendet Methoden an, wodurch die Denkkraft eine andere wird, so wie die Sehkraft eine andere geworden ist durch die Anwendung von Mikroskop und Teleskop.

[ 13 ] Die Tätigkeit der Seele, wie sie im normalen Menschenleben ist, wie sie geübt wird innerhalb der physischsinnlichen Welt, diese Tätigkeit ist allerdings voll angewiesen auf die Leiblichkeit, gewisse Tätigkeiten auf die Nerven oder das Gehirn. Dagegen wendet auch Geisteswissenschaft nichts ein. Aber Geisteswissenschaft wendet Methoden an, wodurch die Denkkraft eine andere wird, so wie die Sehkraft eine andere geworden ist durch die Anwendung von Mikroskop und Teleskop.

[ 14 ] Sprechen wir zuerst von der Denkkraft. Im gewöhnlichen Leben beschäftigt sie sich mit der Welt der Dinge. Wie wirkt diese Denkkraft? Nun, wir stehen hier gerade an einem der Punkte, wo sich vielleicht schon in der nächsten Zeit zeigen wird, wie Naturwissenschaft, wenn sie richtig verstanden wird, in allem Einklang mit dem steht, was die Geisteswissenschaft zu geben hat. Die Naturwissenschaft rührt schon daran. Wenn wir einen Gedanken entwickeln, der im gewöhnlichen Leben auf den Bereich unseres sinnlichen Daseins gerichtet ist, so greift die Denkkraft in unser Gehirn ein. Das ist eben ein solches gemeinsames Ergebnis der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft, nur daß die Geisteswissenschaft es weiß, während die Naturwissenschaft es als Hypothese hinstellt. Aber das gewöhnliche Leben lehrt schon, wie das Denken eingreift in das Gehirn, und man weiß, daß Denkkraft so wirkt, daß sie Zerstörungsprozesse im Gehirn bewirkt, Zerstörungsprozesse der kleinsten, feinsten Strukturen des Gehirns. Die Denkkraft ist aktiv, und was sie tut, ist ein fortwährendes Zerstören des Gehirns. Unsere Denkkraft könnte davor bewahrt bleiben, diese Zerstörung zu bewirken, wenn sie in anderer Weise verwendet würde.

[ 14 ] Sprechen wir zuerst von der Denkkraft. Im gewöhnlichen Leben beschäftigt sie sich mit der Welt der Dinge. Wie wirkt diese Denkkraft? Nun, wir stehen hier gerade an einem der Punkte, wo sich vielleicht schon in der nächsten Zeit zeigen wird, wie Naturwissenschaft, wenn sie richtig verstanden wird, in allem Einklang mit dem steht, was die Geisteswissenschaft zu geben hat. Die Naturwissenschaft rührt schon daran. Wenn wir einen Gedanken entwickeln, der im gewöhnlichen Leben auf den Bereich unseres sinnlichen Daseins gerichtet ist, so greift die Denkkraft in unser Gehirn ein. Das ist eben ein solches gemeinsames Ergebnis der Geisteswissenschaft und der Naturwissenschaft, nur daß die Geisteswissenschaft es weiß, während die Naturwissenschaft es als Hypothese hinstellt. Aber das gewöhnliche Leben lehrt schon, wie das Denken eingreift in das Gehirn, und man weiß, daß Denkkraft so wirkt, daß sie Zerstörungsprozesse im Gehirn bewirkt, Zerstörungsprozesse der kleinsten, feinsten Strukturen des Gehirns. Die Denkkraft ist aktiv, und was sie tut, ist ein fortwährendes Zerstören des Gehirns. Unsere Denkkraft könnte davor bewahrt bleiben, diese Zerstörung zu bewirken, wenn sie in anderer Weise verwendet würde.

[ 15 ] Ebenso wie sich ein Mensch verhält, der sich im Spiegel sieht, verhalten sich die Denkprozesse, die eingreifen in das Gehirn: sie spiegeln die Arbeit des Denkens so in unsere Seele hinein, daß dieser Denkprozeß uns bewußt wird. So verläuft die gewöhnliche Denkkraft. Und das gewöhnliche Leben gibt den Beweis dafür, indem dies Denken die Ermüdung hervorruft, die durch den Schlaf wieder ausgeglichen wird. Das ist der reguläre Verlauf: der Ausgleich dieser Zerstörungsprozesse durch den Schlaf. Naturwissenschaft hat schon Worte dafür wie Assimilation und Dissimilation, und für denjenigen, der diese Dinge zu beobachten versteht, steht fest, daß das, was die Naturwissenschaft daran ergründen wird, auch zu dem kommen wird, was Geisteswissenschaft lehrt.

[ 15 ] Ebenso wie sich ein Mensch verhält, der sich im Spiegel sieht, verhalten sich die Denkprozesse, die eingreifen in das Gehirn: sie spiegeln die Arbeit des Denkens so in unsere Seele hinein, daß dieser Denkprozeß uns bewußt wird. So verläuft die gewöhnliche Denkkraft. Und das gewöhnliche Leben gibt den Beweis dafür, indem dies Denken die Ermüdung hervorruft, die durch den Schlaf wieder ausgeglichen wird. Das ist der reguläre Verlauf: der Ausgleich dieser Zerstörungsprozesse durch den Schlaf. Naturwissenschaft hat schon Worte dafür wie Assimilation und Dissimilation, und für denjenigen, der diese Dinge zu beobachten versteht, steht fest, daß das, was die Naturwissenschaft daran ergründen wird, auch zu dem kommen wird, was Geisteswissenschaft lehrt.

[ 16 ] Nun ist dieser Prozeß des Denkens ebenso natürlich wie das Sehen des Auges. Und ebenso wie man das Auge erkraften kann durch Instrumente, so kann man auch die Denkkraft erstarken, nur nicht durch äußere Mittel, sondern durch die inneren Mittel der Konzentration, Meditation und Kontemplation. Worin bestehen diese? Darin, daß der Mensch dazu kommt – wenn er ein Geistesforscher werden will –, sich aus innerer Willkür heraus einen Gedankeninhalt zu geben, der sich nicht an Anregungen von außen anknüpft. Das gewöhnliche Denken verläuft so, daß wir von äußeren Eindrücken zu inneren Erlebnissen schreiten. Das geistige Denken verläuft so, daß diese innere Arbeit abweicht von der gewöhnlichen Art [des Denkens]. Die Gedanken müssen sich längere Zeit auf ein inneres Seelenerlebnis richten, das sich die Seele gemacht hat und das den Charakter hat, nicht auf äußere Anregung hin zu arbeiten. Zum Beispiel gibt sich die Seele den Worten hin:

[ 16 ] Nun ist dieser Prozeß des Denkens ebenso natürlich wie das Sehen des Auges. Und ebenso wie man das Auge erkraften kann durch Instrumente, so kann man auch die Denkkraft erstarken, nur nicht durch äußere Mittel, sondern durch die inneren Mittel der Konzentration, Meditation und Kontemplation. Worin bestehen diese? Darin, daß der Mensch dazu kommt – wenn er ein Geistesforscher werden will –, sich aus innerer Willkür heraus einen Gedankeninhalt zu geben, der sich nicht an Anregungen von außen anknüpft. Das gewöhnliche Denken verläuft so, daß wir von äußeren Eindrücken zu inneren Erlebnissen schreiten. Das geistige Denken verläuft so, daß diese innere Arbeit abweicht von der gewöhnlichen Art [des Denkens]. Die Gedanken müssen sich längere Zeit auf ein inneres Seelenerlebnis richten, das sich die Seele gemacht hat und das den Charakter hat, nicht auf äußere Anregung hin zu arbeiten. Zum Beispiel gibt sich die Seele den Worten hin:

Im strahlenden Licht lebt strömende Weisheit.

Im strahlenden Licht lebt strömende Weisheit.

[ 17 ] Das ist natürlich für das gewöhnliche Denken Torheit. Es kommt aber darauf an, daß wir [in der Meditation] nicht Abbilder der Außenwelt haben. Diese Vorstellungen haben vielmehr den Zweck, innerlich die Kräfte der Seele zu vertiefen. Und das geschieht, wenn die Seele ihr inneres Vermögen, ihre inneren Fähigkeiten aus den Tiefen der Seele heraufzurufen sucht, um etwas zu tun, was man im gewöhnlichen Leben gar nicht tut: sich konzentrieren auf eine solche Vorstellung. Eine solche Arbeit ist damit zu vergleichen, wie wir unsere Muskeln stärken durch Muskelarbeit. Die Kräfte der Seele, die in der Meditation in Kraft treten, sind im gewöhnlichen Tagesleben eigentlich unangewendet, höchstens klingen sie an. Ganz anders werden sie heraufgeholt in dieser Meditation. Kräfte werden heraufgeholt in anderer Art als die von außen. Es kommen aus den Tiefen der Seele schlummernde Denkkräfte hervor, und es zeigt sich dann, daß diese Denkkräfte sich unabhängig erweisen von dem, wovon die gewöhnliche Denkkraft abhängig ist. Während das gewöhnliche Denken abhängig ist von dem leiblichen Gehirn und Zerstörungsprozesse schafft, schafft jenes Denken sich eine innere Kraft, die der Seele die Erfahrung gibt: Ich bin unabhängig von meiner Leiblichkeit.

[ 17 ] Das ist natürlich für das gewöhnliche Denken Torheit. Es kommt aber darauf an, daß wir [in der Meditation] nicht Abbilder der Außenwelt haben. Diese Vorstellungen haben vielmehr den Zweck, innerlich die Kräfte der Seele zu vertiefen. Und das geschieht, wenn die Seele ihr inneres Vermögen, ihre inneren Fähigkeiten aus den Tiefen der Seele heraufzurufen sucht, um etwas zu tun, was man im gewöhnlichen Leben gar nicht tut: sich konzentrieren auf eine solche Vorstellung. Eine solche Arbeit ist damit zu vergleichen, wie wir unsere Muskeln stärken durch Muskelarbeit. Die Kräfte der Seele, die in der Meditation in Kraft treten, sind im gewöhnlichen Tagesleben eigentlich unangewendet, höchstens klingen sie an. Ganz anders werden sie heraufgeholt in dieser Meditation. Kräfte werden heraufgeholt in anderer Art als die von außen. Es kommen aus den Tiefen der Seele schlummernde Denkkräfte hervor, und es zeigt sich dann, daß diese Denkkräfte sich unabhängig erweisen von dem, wovon die gewöhnliche Denkkraft abhängig ist. Während das gewöhnliche Denken abhängig ist von dem leiblichen Gehirn und Zerstörungsprozesse schafft, schafft jenes Denken sich eine innere Kraft, die der Seele die Erfahrung gibt: Ich bin unabhängig von meiner Leiblichkeit.

[ 18 ] Nun wollen wir einmal diesen Prozeß der unabhängigen Denkkraft etwas näher charakterisieren. Wir kommen hier auf ein Gebiet, zu dem auch die Naturwissenschaft sich zustimmend bekennen kann. Ein Kapitel ist schon berührt worden. Du Bois-Reymond hat [in seinem Vortrag] auf der Leipziger naturwissenschaftlichen Versammlung aufmerksam gemacht auf die Grenzen des Erkennens und nur den schlafenden Menschen für erklärbar angesehen, weil er frei von Affekten, Begierden und Vorstellungen ist. Was liegt da vor? Es liegt da etwas vor, was gerade solche naturwissenschaftliche Denker, die die Tatsachen nehmen, wie sie sind, immer mehr und mehr erkennen werden. Nehmen wir an, jemand sagt: Luft umgibt uns, der Mensch atmet sie ein, dann ist ein Quantum Luft in ihm drinnen; jetzt will ich einmal die Luft untersuchen. Ich untersuche die Lunge, wie sie ernährt wird, wie sie ihre organischen Prozesse vollzieht und so weiter. – Es wäre die schlechteste Methode, die Luft so zu untersuchen. Man würde über die Lunge etwas erfahren. Die Luft aber untersucht man am besten in der Atmosphäre, denn die Luft wird nur von der Lunge aufgenommen, hat ihr Dasein aber in der Atmosphäre.Wenn jemand durch Untersuchungen der Lunge die Luft erkennen wollte, würde man ihn töricht nennen.

[ 18 ] Nun wollen wir einmal diesen Prozeß der unabhängigen Denkkraft etwas näher charakterisieren. Wir kommen hier auf ein Gebiet, zu dem auch die Naturwissenschaft sich zustimmend bekennen kann. Ein Kapitel ist schon berührt worden. Du Bois-Reymond hat [in seinem Vortrag] auf der Leipziger naturwissenschaftlichen Versammlung aufmerksam gemacht auf die Grenzen des Erkennens und nur den schlafenden Menschen für erklärbar angesehen, weil er frei von Affekten, Begierden und Vorstellungen ist. Was liegt da vor? Es liegt da etwas vor, was gerade solche naturwissenschaftliche Denker, die die Tatsachen nehmen, wie sie sind, immer mehr und mehr erkennen werden. Nehmen wir an, jemand sagt: Luft umgibt uns, der Mensch atmet sie ein, dann ist ein Quantum Luft in ihm drinnen; jetzt will ich einmal die Luft untersuchen. Ich untersuche die Lunge, wie sie ernährt wird, wie sie ihre organischen Prozesse vollzieht und so weiter. – Es wäre die schlechteste Methode, die Luft so zu untersuchen. Man würde über die Lunge etwas erfahren. Die Luft aber untersucht man am besten in der Atmosphäre, denn die Luft wird nur von der Lunge aufgenommen, hat ihr Dasein aber in der Atmosphäre.Wenn jemand durch Untersuchungen der Lunge die Luft erkennen wollte, würde man ihn töricht nennen.

[ 19 ] Man ist noch weit davon, die Affekte und Leidenschaften des Seelenlebens kennenzulernen, wenn man die Leiblichkeit untersucht. Und es ist das Denken nicht kennenzulernen, indem man das Gehirn untersucht. Das wäre ebenso töricht wie in der Lunge die Luft zu untersuchen. Wie die Lunge in einem Atmungsprozeß die Luft einsaugt, die als Atmosphäre die Erde umhüllt, so atmet der Leib mit jedem Aufwachen das Seelenleben ein. Und so wie sich die eingeatmete Luft zur Lunge, so verhält sich das Seelenleben zum Gehirn. Und beim Einschlafen atmet der Leib das Seelenleben wieder aus. Während wir wachen, haben wir das Seelenleben in uns, das ebenso wahr dem geistig-seelischen Leben angehört, in dem wir leben, wie wir physisch leben in der Atmosphäre.

[ 19 ] Man ist noch weit davon, die Affekte und Leidenschaften des Seelenlebens kennenzulernen, wenn man die Leiblichkeit untersucht. Und es ist das Denken nicht kennenzulernen, indem man das Gehirn untersucht. Das wäre ebenso töricht wie in der Lunge die Luft zu untersuchen. Wie die Lunge in einem Atmungsprozeß die Luft einsaugt, die als Atmosphäre die Erde umhüllt, so atmet der Leib mit jedem Aufwachen das Seelenleben ein. Und so wie sich die eingeatmete Luft zur Lunge, so verhält sich das Seelenleben zum Gehirn. Und beim Einschlafen atmet der Leib das Seelenleben wieder aus. Während wir wachen, haben wir das Seelenleben in uns, das ebenso wahr dem geistig-seelischen Leben angehört, in dem wir leben, wie wir physisch leben in der Atmosphäre.

[ 20 ] Hier haben wir ein Gebiet, wo sich klar zeigt, wie Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft ineinanderweben, wie Du Bois-Reymond schon auf dem Wege war einzusehen. Das Geistesleben gehört der gesamten Geisteswelt an, so wie die Luft der physischen Atmosphäre angehört. Wir können also sagen: Wenn der Mensch schläft, hat er sein Geistig-Seelisches ausgeatmet. Sein Geistig-Seelisches ist dann in dem Geistig-Seelischen der ganzen Welt; nur kann er es da nicht wahrnehmen, weil für ihn Bewußtlosigkeit eingetreten ist.

[ 20 ] Hier haben wir ein Gebiet, wo sich klar zeigt, wie Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft ineinanderweben, wie Du Bois-Reymond schon auf dem Wege war einzusehen. Das Geistesleben gehört der gesamten Geisteswelt an, so wie die Luft der physischen Atmosphäre angehört. Wir können also sagen: Wenn der Mensch schläft, hat er sein Geistig-Seelisches ausgeatmet. Sein Geistig-Seelisches ist dann in dem Geistig-Seelischen der ganzen Welt; nur kann er es da nicht wahrnehmen, weil für ihn Bewußtlosigkeit eingetreten ist.

[ 21 ] Wer seine Denkkraft so ausgebildet hat durch Meditation, der reißt seine Gedankenkraft los von den materiellen Leibeskräften, er wird seiner selbst bewußt gleichsam außerhalb des Leibes, das heißt, er entwikkelt Denkprozesse, die nicht durch Anwendung auf die Dinge der materiellen Welt entstehen, sondern er wandelt mit seinem Denken hinaus in die geistige Welt. Er weiß durch unmittelbares Erleben, daß er den Denkprozeß außerhalb der Leiblichkeit entwickelt und erlebt Wesenheiten, die ihm rein geistig entgegentreten. Das beruht auf dem Unabhängigwerden des Denkens von der Leiblichkeit und ist das, was als die erste Quelle der Geistesforschung anzusehen ist. Auch innerlich kann man erleben, daß das Denken ein ganz anderes ist, das man sich auf diesem Wege erwirbt; es bringt uns nicht zur Ermüdung. Denn es ist eine wichtige Erscheinung, daß wir, wenn wir durch Meditation, Konzentration, Kontemplation unser Denken frei machen, dann solche Prozesse erleben, daß wir nicht ermüden. Manche Meditanten glauben allerdings zunächst zu bemerken, daß sie sogleich bei der Meditation einschlafen. Das rührt davon her, daß dann der Prozeß noch nicht weit genug vorgerückt ist, weil es schwierig ist, den Denkprozeß loszulösen von dem rein Äußerlichen. Es bedarf Jahre und Jahre.

[ 21 ] Wer seine Denkkraft so ausgebildet hat durch Meditation, der reißt seine Gedankenkraft los von den materiellen Leibeskräften, er wird seiner selbst bewußt gleichsam außerhalb des Leibes, das heißt, er entwikkelt Denkprozesse, die nicht durch Anwendung auf die Dinge der materiellen Welt entstehen, sondern er wandelt mit seinem Denken hinaus in die geistige Welt. Er weiß durch unmittelbares Erleben, daß er den Denkprozeß außerhalb der Leiblichkeit entwickelt und erlebt Wesenheiten, die ihm rein geistig entgegentreten. Das beruht auf dem Unabhängigwerden des Denkens von der Leiblichkeit und ist das, was als die erste Quelle der Geistesforschung anzusehen ist. Auch innerlich kann man erleben, daß das Denken ein ganz anderes ist, das man sich auf diesem Wege erwirbt; es bringt uns nicht zur Ermüdung. Denn es ist eine wichtige Erscheinung, daß wir, wenn wir durch Meditation, Konzentration, Kontemplation unser Denken frei machen, dann solche Prozesse erleben, daß wir nicht ermüden. Manche Meditanten glauben allerdings zunächst zu bemerken, daß sie sogleich bei der Meditation einschlafen. Das rührt davon her, daß dann der Prozeß noch nicht weit genug vorgerückt ist, weil es schwierig ist, den Denkprozeß loszulösen von dem rein Äußerlichen. Es bedarf Jahre und Jahre.

[ 22 ] Was aber erlebt man dann? Man erlebt dann etwas, was nicht abstrakt zu charakterisieren ist, man erlebt erschütternde innere Dinge. Man erlebt, wenn man sein Denken sozusagen losgerissen hat von der Leiblichkeit, daß man das, was man bisher als sein Selbst angesehen hat, nun wie außer sich hat, daß man wie von außen überschaut, was man an sich selbst erlebt hat.

[ 22 ] Was aber erlebt man dann? Man erlebt dann etwas, was nicht abstrakt zu charakterisieren ist, man erlebt erschütternde innere Dinge. Man erlebt, wenn man sein Denken sozusagen losgerissen hat von der Leiblichkeit, daß man das, was man bisher als sein Selbst angesehen hat, nun wie außer sich hat, daß man wie von außen überschaut, was man an sich selbst erlebt hat.

[ 23 ] Wie man im Tagesbewußtsein sich eingeschlossen fühlt in seiner Haut, das erlebt man jetzt als äußeren Gegenstand. Dieses Äußere bleibt einem nicht gleichgültig, von diesem Äußeren ist man wie mit hundert und aberhundert magnetischen Kräften angezogen; man will sich nicht losreißen lassen von diesem Äußeren. Man fühlt sozusagen, daß man damit zusammengehört. Das sind aber Gefühls- und Empfindungskräfte, die aber darum erst recht der Wirklichkeit des höheren Erlebens angehören, und man lernt diese Kräfte erkennen, mit denen man sich hingezogen fühlt zur äußeren Leiblichkeit. Man lernt jetzt den Grund kennen, warum man morgens aufwacht, man lernt erkennen, wie der Leib zu uns sagt: du gehörst zu mir, du mußt dich mit mir so verbinden wie das sich mit mir verbindet, was ausgeatmet wird von der äußeren Leiblichkeit [während des Schlafens], wenn es ausgebessert wird in bezug auf das, was zerstört ist durch das äußere Leben. Man lernt erkennen, warum das seelische Wesen zurücksteigt in diese äußere Leiblichkeit.

[ 23 ] Wie man im Tagesbewußtsein sich eingeschlossen fühlt in seiner Haut, das erlebt man jetzt als äußeren Gegenstand. Dieses Äußere bleibt einem nicht gleichgültig, von diesem Äußeren ist man wie mit hundert und aberhundert magnetischen Kräften angezogen; man will sich nicht losreißen lassen von diesem Äußeren. Man fühlt sozusagen, daß man damit zusammengehört. Das sind aber Gefühls- und Empfindungskräfte, die aber darum erst recht der Wirklichkeit des höheren Erlebens angehören, und man lernt diese Kräfte erkennen, mit denen man sich hingezogen fühlt zur äußeren Leiblichkeit. Man lernt jetzt den Grund kennen, warum man morgens aufwacht, man lernt erkennen, wie der Leib zu uns sagt: du gehörst zu mir, du mußt dich mit mir so verbinden wie das sich mit mir verbindet, was ausgeatmet wird von der äußeren Leiblichkeit [während des Schlafens], wenn es ausgebessert wird in bezug auf das, was zerstört ist durch das äußere Leben. Man lernt erkennen, warum das seelische Wesen zurücksteigt in diese äußere Leiblichkeit.

[ 24 ] Noch etwas anderes lernt man dann erkennen: die Kräfte, die da waren vor unserer Geburt, vor unserer Empfängnis, bevor das erste Substanzliche da war. Man lernt das Seelische kennen, wie es heute ist, man lernt aber auch erkennen, daß es dieselben Seelenkräfte sind, die vor der Geburt da waren, durch die wir hingezogen wurden zu den Eltern, die den physischen Leib geben konnten. Man lernt die Kräfte kennen, die zu dem gegenwärtigen Erdenleben führten, auch die Kräfte, die zu unserem Schicksal führten. Und wenn die Menschen Kräfte entwickeln, mit dem Denken leibfrei zu werden, wenn die Seele durch Konzentration, Meditation, Kontemplation lernt, leibfrei zu denken, dann kommt sie dazu, durch Sinnbilder die Kräfte zu erkennen, die ihr Schicksal führen. Auch die materialistische Traumforschung konnte schon dazu kommen zu sagen, daß im Traume Abbilder, Reminiszenzen erlebt werden. Man wird sich nicht leicht vorstellen können, daß im gewöhnlichen Alltag für die Seele ein Unglück, das sie vor zwanzig Jahren erlebt hat, nicht etwas ist, wonach sie sich im Tiefsten sehnt. Wenn wir uns mit dem Denken herausgezogen haben aus dem Leiblichen, dann erleben wir in bezug auf das, was uns damals unsympathisch war, daß wir uns jetzt davon angezogen fühlen. Warum? Weil die Seele erkennt, daß sie Unvollkommenheiten hat; diese sitzen so tief, daß man sie mit gewöhnlichem Tagesbewußtsein nicht erfaßt. Dieses innere Sich-Hingezogen-Fühlen zum Ausgleichen der Unvollkommenheiten wirkt in den Tiefen der Seele, auch wenn sie im Oberbewußtsein nichts davon weiß. Sie fühlt sich hingezogen zu etwas, was ihr in diesem Leben Unglück bedeutet; erst wenn sie geprüft ist an diesem Unglück, kann sich die frühere Unvollkommenheit der Seele in eine Vollkommenheit verwandeln.

[ 24 ] Noch etwas anderes lernt man dann erkennen: die Kräfte, die da waren vor unserer Geburt, vor unserer Empfängnis, bevor das erste Substanzliche da war. Man lernt das Seelische kennen, wie es heute ist, man lernt aber auch erkennen, daß es dieselben Seelenkräfte sind, die vor der Geburt da waren, durch die wir hingezogen wurden zu den Eltern, die den physischen Leib geben konnten. Man lernt die Kräfte kennen, die zu dem gegenwärtigen Erdenleben führten, auch die Kräfte, die zu unserem Schicksal führten. Und wenn die Menschen Kräfte entwickeln, mit dem Denken leibfrei zu werden, wenn die Seele durch Konzentration, Meditation, Kontemplation lernt, leibfrei zu denken, dann kommt sie dazu, durch Sinnbilder die Kräfte zu erkennen, die ihr Schicksal führen. Auch die materialistische Traumforschung konnte schon dazu kommen zu sagen, daß im Traume Abbilder, Reminiszenzen erlebt werden. Man wird sich nicht leicht vorstellen können, daß im gewöhnlichen Alltag für die Seele ein Unglück, das sie vor zwanzig Jahren erlebt hat, nicht etwas ist, wonach sie sich im Tiefsten sehnt. Wenn wir uns mit dem Denken herausgezogen haben aus dem Leiblichen, dann erleben wir in bezug auf das, was uns damals unsympathisch war, daß wir uns jetzt davon angezogen fühlen. Warum? Weil die Seele erkennt, daß sie Unvollkommenheiten hat; diese sitzen so tief, daß man sie mit gewöhnlichem Tagesbewußtsein nicht erfaßt. Dieses innere Sich-Hingezogen-Fühlen zum Ausgleichen der Unvollkommenheiten wirkt in den Tiefen der Seele, auch wenn sie im Oberbewußtsein nichts davon weiß. Sie fühlt sich hingezogen zu etwas, was ihr in diesem Leben Unglück bedeutet; erst wenn sie geprüft ist an diesem Unglück, kann sich die frühere Unvollkommenheit der Seele in eine Vollkommenheit verwandeln.

[ 25 ] Das Leben mit der freigewordenen Denkkraft sieht so aus, daß in der Seele selber die Kräfte sich uns zeigen, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Die Schicksalsfrage wird zur Vorstellungsfrage. Wir fangen an, das Unglück zu begreifen, weil wir wissen, die Seele muß das Unglück suchen, um gewisse Unvollkommenheiten auszugleichen. Und sie muß wissen, daß wir vor unserer Geburt mit Kräften ausgerüstet waren, die uns hingezogen haben zu dem entsprechenden Keim im Leiblichen, so wie der Pflanzensamen zu dem Mutterboden hingezogen wird, der ihm entspricht. Geisteswissenschaft ist auch in dieser Beziehung in Einklang mit der Naturwissenschaft, die nicht ableugnen kann, daß zum Beispiel eine Alpenpflanze in einer Umgebung wächst, deren Verhältnisse ihrem Wachstum entsprechen. Ebenso wird die Seele zu einem solchen Schicksal geführt, in dem sie Unvollkommenheit in Vollkommenheit umwandeln kann. Wir schreiten durch die Pforte des Todes. Wenn die Seele jemand ein Leid angetan hat und nun unabhängig vom Leibe durch die Pforte des Todes geht, so fühlt sie: Ich kann mich erst vollkommen fühlen in der Zukunft, wenn ich auszugleichen suche, was ich Unrechtes getan habe. Getanes Verbrechen verwandelt sich in ein Gefühl: Meine Seele ist ohnmächtig gegenüber dem Geschehenen, aber ich kann lernen, Kräfte zu entwickeln, die als Keimanlage in mir liegen und die bewirken, daß ich ein Schicksal bekomme, in dem ich mich umwandeln kann.

[ 25 ] Das Leben mit der freigewordenen Denkkraft sieht so aus, daß in der Seele selber die Kräfte sich uns zeigen, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Die Schicksalsfrage wird zur Vorstellungsfrage. Wir fangen an, das Unglück zu begreifen, weil wir wissen, die Seele muß das Unglück suchen, um gewisse Unvollkommenheiten auszugleichen. Und sie muß wissen, daß wir vor unserer Geburt mit Kräften ausgerüstet waren, die uns hingezogen haben zu dem entsprechenden Keim im Leiblichen, so wie der Pflanzensamen zu dem Mutterboden hingezogen wird, der ihm entspricht. Geisteswissenschaft ist auch in dieser Beziehung in Einklang mit der Naturwissenschaft, die nicht ableugnen kann, daß zum Beispiel eine Alpenpflanze in einer Umgebung wächst, deren Verhältnisse ihrem Wachstum entsprechen. Ebenso wird die Seele zu einem solchen Schicksal geführt, in dem sie Unvollkommenheit in Vollkommenheit umwandeln kann. Wir schreiten durch die Pforte des Todes. Wenn die Seele jemand ein Leid angetan hat und nun unabhängig vom Leibe durch die Pforte des Todes geht, so fühlt sie: Ich kann mich erst vollkommen fühlen in der Zukunft, wenn ich auszugleichen suche, was ich Unrechtes getan habe. Getanes Verbrechen verwandelt sich in ein Gefühl: Meine Seele ist ohnmächtig gegenüber dem Geschehenen, aber ich kann lernen, Kräfte zu entwickeln, die als Keimanlage in mir liegen und die bewirken, daß ich ein Schicksal bekomme, in dem ich mich umwandeln kann.

[ 26 ] In ähnlicher Weise kommt der Mensch über das bisherige Seelenleben hinaus, wenn er eine andere Seelenkraft erwirbt. Wie wir die Denkkraft frei machen können, so daß sie innerlich seelisch verläuft, so können wir noch eine andere Kraft frei bekommen, die im gewöhnlichen Leben andere Verwendung findet, das ist die Sprachkraft – die Kraft, die sich verbindet mit dem Wort. Was geschieht mit dieser Sprachkraft? In der Sprache entwickeln wir ein Geistig-Seelisches, aber es bleibt auch im gewöhnlichen Leben nicht ein GeistigSeelisches. Es greift ein in die Prozesse des Gehirns, ja bis zu dem Kehlkopf hin – die Sprachkraft greift ein in das Materiell-Leibliche. Wie wir die Denkkraft anhalten, bevor sie in das Gehirn eingreift, so können wir auch die Sprachkraft anhalten, bevor sie in das Gehirn und den Kehlkopf eingreift.

[ 26 ] In ähnlicher Weise kommt der Mensch über das bisherige Seelenleben hinaus, wenn er eine andere Seelenkraft erwirbt. Wie wir die Denkkraft frei machen können, so daß sie innerlich seelisch verläuft, so können wir noch eine andere Kraft frei bekommen, die im gewöhnlichen Leben andere Verwendung findet, das ist die Sprachkraft – die Kraft, die sich verbindet mit dem Wort. Was geschieht mit dieser Sprachkraft? In der Sprache entwickeln wir ein Geistig-Seelisches, aber es bleibt auch im gewöhnlichen Leben nicht ein GeistigSeelisches. Es greift ein in die Prozesse des Gehirns, ja bis zu dem Kehlkopf hin – die Sprachkraft greift ein in das Materiell-Leibliche. Wie wir die Denkkraft anhalten, bevor sie in das Gehirn eingreift, so können wir auch die Sprachkraft anhalten, bevor sie in das Gehirn und den Kehlkopf eingreift.

[ 27 ] Naturwissenschaft sucht die Sprachorgane in der dritten Gehirnwindung, in dem Brocaschen Organ; beim Affen findet sich dieses nicht. Wer die Tatsachen nur mit der Anschauung der Naturwissenschaft verfolgt, sagt: Durch das Brocasche Organ kommt die Sprache zustande. – Dagegen spricht aber, daß jemand, der allein auf einer einsamen Insel aufwächst, nicht die Sprache erlangt, trotz des Brocaschen Organes. Die Sache vielmehr liegt so, daß die Sprachkraft das Gehirn gliedert, so daß das Brocasche Organ [gegliedert] wird und von da aus die Willenstätigkeiten sich so entwickeln, daß die Sprache entsteht. So haben wir in der Sprachkraft etwas Geistiges, das in das Organische eingreift. Nun können wir aber die Sprachkraft, die in Kehlkopf und Brocasches Organ ergreift, umwandeln, indem wir sie nicht bis zum Leiblichen kommen lassen. Das erreichen wir, indem wir unsere Meditation, Konzentration, Kontemplation etwas anders machen. Für die Befreiung der Sprachkraft genügt es nicht, daß wir uns bloß gedanklichen Vorstellungsinhalten hingeben, sondern es kommt darauf an, daß wir den Gegenstand unserer Gedankenvorstellung durchdringen mit Empfindung und Gefühl. Meditieren über einen solchen Spruch wie

[ 27 ] Naturwissenschaft sucht die Sprachorgane in der dritten Gehirnwindung, in dem Brocaschen Organ; beim Affen findet sich dieses nicht. Wer die Tatsachen nur mit der Anschauung der Naturwissenschaft verfolgt, sagt: Durch das Brocasche Organ kommt die Sprache zustande. – Dagegen spricht aber, daß jemand, der allein auf einer einsamen Insel aufwächst, nicht die Sprache erlangt, trotz des Brocaschen Organes. Die Sache vielmehr liegt so, daß die Sprachkraft das Gehirn gliedert, so daß das Brocasche Organ [gegliedert] wird und von da aus die Willenstätigkeiten sich so entwickeln, daß die Sprache entsteht. So haben wir in der Sprachkraft etwas Geistiges, das in das Organische eingreift. Nun können wir aber die Sprachkraft, die in Kehlkopf und Brocasches Organ ergreift, umwandeln, indem wir sie nicht bis zum Leiblichen kommen lassen. Das erreichen wir, indem wir unsere Meditation, Konzentration, Kontemplation etwas anders machen. Für die Befreiung der Sprachkraft genügt es nicht, daß wir uns bloß gedanklichen Vorstellungsinhalten hingeben, sondern es kommt darauf an, daß wir den Gegenstand unserer Gedankenvorstellung durchdringen mit Empfindung und Gefühl. Meditieren über einen solchen Spruch wie

Im strahlenden Lichte lebt strömende Weisheit

Im strahlenden Lichte lebt strömende Weisheit

[ 28 ] können wir in Gedanken. Wir können aber unsere Gedanken mit Gefühlen durchglühen, wir können fühlen unser Seelenleben im Lichte, das uns ein Sinnbild wird für die strömende Weisheit. Dann fühlen wir, daß wir die Kräfte zurückhalten, die wir sonst ausströmen in Worte. Dies führt zur Inspiration, so wie die Gedankenkraft, wenn sie zurückgehalten wird, zur Imagination führt. Und wenn der Mensch die Sprachkraft so emanzipiert, daß er dieselben Kräfte innerlich anwendet, aber sie in der Seele zurückbehält, wenn er Schweigen entwickelt, dann dehnt sich das Anschauen der geistigen Welt weiter aus, dann kommen wir dazu, weitere Ergebnisse der Geisteswissenschaft in uns aufnehmen zu können. Denn dann erweitert sich in der Tat das innere Seelenleben nicht nur bis zum Außerhalb-des-Leibes-Sein, sondern wir lernen zurückzuschauen in frühere Erdenleben. Das In-sich-Sprechen, das Aufhalten der Sprachkraft, das macht uns fähig zum Erleben früherer Erdenleben, das läßt uns erleben, wie die Erinnerung an unser früheres Leben in unser gegenwärtiges Leben eintritt. Schweigen ist immer als etwas Besonderes genannt worden. Man braucht deshalb nicht das äußere Reden einzuschränken, man braucht nur die inneren Kräfte anzuwenden.

[ 28 ] können wir in Gedanken. Wir können aber unsere Gedanken mit Gefühlen durchglühen, wir können fühlen unser Seelenleben im Lichte, das uns ein Sinnbild wird für die strömende Weisheit. Dann fühlen wir, daß wir die Kräfte zurückhalten, die wir sonst ausströmen in Worte. Dies führt zur Inspiration, so wie die Gedankenkraft, wenn sie zurückgehalten wird, zur Imagination führt. Und wenn der Mensch die Sprachkraft so emanzipiert, daß er dieselben Kräfte innerlich anwendet, aber sie in der Seele zurückbehält, wenn er Schweigen entwickelt, dann dehnt sich das Anschauen der geistigen Welt weiter aus, dann kommen wir dazu, weitere Ergebnisse der Geisteswissenschaft in uns aufnehmen zu können. Denn dann erweitert sich in der Tat das innere Seelenleben nicht nur bis zum Außerhalb-des-Leibes-Sein, sondern wir lernen zurückzuschauen in frühere Erdenleben. Das In-sich-Sprechen, das Aufhalten der Sprachkraft, das macht uns fähig zum Erleben früherer Erdenleben, das läßt uns erleben, wie die Erinnerung an unser früheres Leben in unser gegenwärtiges Leben eintritt. Schweigen ist immer als etwas Besonderes genannt worden. Man braucht deshalb nicht das äußere Reden einzuschränken, man braucht nur die inneren Kräfte anzuwenden.

[ 29 ] Ich will nicht nur Ergebnisse der Geisteswissenschaft bringen, sondern auch die Mittel zeigen, die zu denselben führen. Man denkt vielleicht darüber nach: Wie lange dauert eigentlich der Zwischenraum zwischen zwei Erdenleben? Für den Geistesforscher ergibt sich, daß unser früheres Erdenleben zurückführt bis zu einer Zeit, wo noch nichts von der individuellen Sprache da war. Die individuelle Sprache hat so lange Zeit zu ihrer Entwicklung gebraucht, wie Zeit verlaufen ist seit unserem letzten Erdenleben. – Dies als ein Beispiel dafür, daß man allerdings Tatsachen der geistigen Welt nur erforschen kann, wenn die gekennzeichneten Kräfte der Seele entwickelt werden. Um aber das zu verstehen, was vom Geistesforscher gesagt wird, vorurteilslos, braucht man nur logisch zu denken. So wie das Bild des Malers auch von dem verstanden werden kann, der nicht die Technik des Malens versteht, so kann auch, was der Geistesforscher sagt, von jedem Menschen verstanden werden. Man muß Geistesforscher sein, um in die geistige Welt einzudringen, aber wenn das Erforschte in Worte eingekleidet wird, so ist, wenn man es nicht verständlich findet, das bloß deshalb, weil man nicht den gesunden Menschenverstand anwenden will. Jeder kann es verteilen, wenn er nicht Knüppel zwischen die Räder seines Lebenswagens wirft.

[ 29 ] Ich will nicht nur Ergebnisse der Geisteswissenschaft bringen, sondern auch die Mittel zeigen, die zu denselben führen. Man denkt vielleicht darüber nach: Wie lange dauert eigentlich der Zwischenraum zwischen zwei Erdenleben? Für den Geistesforscher ergibt sich, daß unser früheres Erdenleben zurückführt bis zu einer Zeit, wo noch nichts von der individuellen Sprache da war. Die individuelle Sprache hat so lange Zeit zu ihrer Entwicklung gebraucht, wie Zeit verlaufen ist seit unserem letzten Erdenleben. – Dies als ein Beispiel dafür, daß man allerdings Tatsachen der geistigen Welt nur erforschen kann, wenn die gekennzeichneten Kräfte der Seele entwickelt werden. Um aber das zu verstehen, was vom Geistesforscher gesagt wird, vorurteilslos, braucht man nur logisch zu denken. So wie das Bild des Malers auch von dem verstanden werden kann, der nicht die Technik des Malens versteht, so kann auch, was der Geistesforscher sagt, von jedem Menschen verstanden werden. Man muß Geistesforscher sein, um in die geistige Welt einzudringen, aber wenn das Erforschte in Worte eingekleidet wird, so ist, wenn man es nicht verständlich findet, das bloß deshalb, weil man nicht den gesunden Menschenverstand anwenden will. Jeder kann es verteilen, wenn er nicht Knüppel zwischen die Räder seines Lebenswagens wirft.

[ 30 ] Von dem, was Wissenschaft ist, hat man keine Antwort zu erwarten auf Fragen über die geistige Welt. Aber der gesunde Menschenverstand weiß, was richtig ist. Zahlreiche Philosophen sagen, daß der Mensch Fragen aufwirft, die über das gewöhnliche Sinnesvermögen hinausgehen, zum Beispiel die Frage über das menschliche Schicksal. Das äußere Leben beantwortet sie nicht. Das Denken, von dem heute hier gesprochen worden ist, beantwortet sie, indem es die Frage von einer sympathischen oder unsympathischen Frage in eine Vorstellungsfrage verwandelt. Die großen Fragen beantworten sich so, daß das Leben überall die Geisteswissenschaft bestätigt.

[ 30 ] Von dem, was Wissenschaft ist, hat man keine Antwort zu erwarten auf Fragen über die geistige Welt. Aber der gesunde Menschenverstand weiß, was richtig ist. Zahlreiche Philosophen sagen, daß der Mensch Fragen aufwirft, die über das gewöhnliche Sinnesvermögen hinausgehen, zum Beispiel die Frage über das menschliche Schicksal. Das äußere Leben beantwortet sie nicht. Das Denken, von dem heute hier gesprochen worden ist, beantwortet sie, indem es die Frage von einer sympathischen oder unsympathischen Frage in eine Vorstellungsfrage verwandelt. Die großen Fragen beantworten sich so, daß das Leben überall die Geisteswissenschaft bestätigt.

[ 31 ] Außer der Denkkraft und der Sprachkraft kann noch eine dritte Kraft entwickelt werden. Der Mensch weiß, daß er durch sie schon im gewöhnlichen Leben so eingreift, daß seine Blutzirkulation erfaßt werden kann. Scham läßt uns erröten, Furcht läßt uns erblassen. Bis in die Herztätigkeit greift unser Seelenleben ein. Auch diese Kraft kann im Seelischen zurückgehalten werden, wenn der Mensch die Konzentration, Meditation und Kontemplation in entsprechender Weise ausübt, so daß das, was in der Blutzirkulation sich auslebt, im GeistigSeelischen zurückbleibt. Wenn er seine Willensimpulse verbindet mit jenen Kräften, wenn er zum Beispiel den Satz meditiert:

[ 31 ] Außer der Denkkraft und der Sprachkraft kann noch eine dritte Kraft entwickelt werden. Der Mensch weiß, daß er durch sie schon im gewöhnlichen Leben so eingreift, daß seine Blutzirkulation erfaßt werden kann. Scham läßt uns erröten, Furcht läßt uns erblassen. Bis in die Herztätigkeit greift unser Seelenleben ein. Auch diese Kraft kann im Seelischen zurückgehalten werden, wenn der Mensch die Konzentration, Meditation und Kontemplation in entsprechender Weise ausübt, so daß das, was in der Blutzirkulation sich auslebt, im GeistigSeelischen zurückbleibt. Wenn er seine Willensimpulse verbindet mit jenen Kräften, wenn er zum Beispiel den Satz meditiert:

Im strahlenden Lichte lebt strömende Weisheit

Im strahlenden Lichte lebt strömende Weisheit

[ 32 ] und ihn so fühlt: Ich will mich durch die Zeit so bewegen, daß ich mittue an dem strömenden Lichtprozeß –, dann reißt er einen Teil derjenigen Kraft los, die im täglichen materiellen Leben in der Blutbewegung, in der Handbewegung, in der Geste, in der Gehbewegung zum Ausdruck kommt und richtet sie auf ins Geistige. Äußerlich muß die Meditation Zustandekommen bei solcher Regungslosigkeit der Glieder, wie sonst nur im Schlafe. Wenn man sich diese Kräfte losreißt, dann wird man fähig, das zu ergreifen, was außerhalb der Erde als geistig-seelisches Leben wirkt. Man lernt die Erde kennen als eine Wiederverkörperung einer geistigen Wesenheit, wie man die Menschenseele erkannte als wiederverkörpert von früheren Leben.

[ 32 ] und ihn so fühlt: Ich will mich durch die Zeit so bewegen, daß ich mittue an dem strömenden Lichtprozeß –, dann reißt er einen Teil derjenigen Kraft los, die im täglichen materiellen Leben in der Blutbewegung, in der Handbewegung, in der Geste, in der Gehbewegung zum Ausdruck kommt und richtet sie auf ins Geistige. Äußerlich muß die Meditation Zustandekommen bei solcher Regungslosigkeit der Glieder, wie sonst nur im Schlafe. Wenn man sich diese Kräfte losreißt, dann wird man fähig, das zu ergreifen, was außerhalb der Erde als geistig-seelisches Leben wirkt. Man lernt die Erde kennen als eine Wiederverkörperung einer geistigen Wesenheit, wie man die Menschenseele erkannte als wiederverkörpert von früheren Leben.

[ 33 ] So erhebt sich der Mensch in den Kosmos, so erlebt er seinen Zusammenhang mit einem Geistig-Seelischen, das uns so umgibt, wie uns physisch die Luft umgibt. So wachsen wir in die geistige Welt hinein, nicht nur theoretisch die Fragen des Lebens lösend, sondern die Lösung erlebend. – Dann ist das, was Geisteswissenschaft gibt, nicht Theorie, dann wird sie Lebenselixier, dann strömt sie ein in unser Seelenleben wie Dampfkraft in die Maschine. Wie Naturwissenschaft in das äußere Leben eingreift und Triumph auf Triumph feiert, so wird Geisteswissenschaft in bezug auf das innere Menschenleben eingreifen, sie wird uns Kraft und Lebenssicherheit geben. Das wird nicht Theorie bleiben, sondern der Lösung der Lebensfragen auf Schritt und Tritt [näherkommen], indem der Mensch sich dessen bewußt wird, was er in seinem Innern hat, so wie er die Luft in der Lunge hat. Dann weiß er, daß er in sich eine Seele hat, etwas, was von Leben zu Leben geht. Man lernt von der Unsterblichkeit nicht nur in der Theorie, sondern indem man sie in sich selbst erlebt, so wie man die zukünftige Pflanze erleben kann in dem Keim, der sie erst erzeugt. Ja, Geisteswissenschaft zeigt uns den lebendigen Geisteskern schon jetzt, wir lernen ihn erleben, und er ist es, der das nächste Leben zimmert. Unsterblichkeit wird begriffen, indem sie so erlebt werden kann, daß es eine Garantie für das Weiterleben gibt. Wir werden erkennen, daß etwas nach diesem Leben ist und etwas vor diesem Leben war. Wir lernen erkennen einen ursprünglich geistigen Zustand, aus dem wir entsprungen sind. Wir lernen erkennen, daß, solange wir den gegenwärtigen Unvollkommenheitsgrad in uns haben, wir uns weiter entwickeln müssen und daß wir mit der Erde übergehen werden in einen geistig-seelischen Zustand, in den sie übergehen wird am Ziele unserer Erdenleben. Wir werden wissen, daß wir unsere Schuld in diesem Leben, in zukünftigen Leben als Unvollkommenheiten erleben müssen, bis wir erkennen lernen, daß unsere Leben sich aneinander gliedern, wie aus einzelnen Kettengliedern ein Stück in das andere sich gliedert zur Kette. Wir lernen die Unsterblichkeit in der eigenen Seele erkennen. Und damit stellt die Geisteswissenschaft das in uns hinein, was der Mensch in dieser Gegenwart braucht, um die Lebensfragen und das Todesrätsel zu lösen.

[ 33 ] So erhebt sich der Mensch in den Kosmos, so erlebt er seinen Zusammenhang mit einem Geistig-Seelischen, das uns so umgibt, wie uns physisch die Luft umgibt. So wachsen wir in die geistige Welt hinein, nicht nur theoretisch die Fragen des Lebens lösend, sondern die Lösung erlebend. – Dann ist das, was Geisteswissenschaft gibt, nicht Theorie, dann wird sie Lebenselixier, dann strömt sie ein in unser Seelenleben wie Dampfkraft in die Maschine. Wie Naturwissenschaft in das äußere Leben eingreift und Triumph auf Triumph feiert, so wird Geisteswissenschaft in bezug auf das innere Menschenleben eingreifen, sie wird uns Kraft und Lebenssicherheit geben. Das wird nicht Theorie bleiben, sondern der Lösung der Lebensfragen auf Schritt und Tritt [näherkommen], indem der Mensch sich dessen bewußt wird, was er in seinem Innern hat, so wie er die Luft in der Lunge hat. Dann weiß er, daß er in sich eine Seele hat, etwas, was von Leben zu Leben geht. Man lernt von der Unsterblichkeit nicht nur in der Theorie, sondern indem man sie in sich selbst erlebt, so wie man die zukünftige Pflanze erleben kann in dem Keim, der sie erst erzeugt. Ja, Geisteswissenschaft zeigt uns den lebendigen Geisteskern schon jetzt, wir lernen ihn erleben, und er ist es, der das nächste Leben zimmert. Unsterblichkeit wird begriffen, indem sie so erlebt werden kann, daß es eine Garantie für das Weiterleben gibt. Wir werden erkennen, daß etwas nach diesem Leben ist und etwas vor diesem Leben war. Wir lernen erkennen einen ursprünglich geistigen Zustand, aus dem wir entsprungen sind. Wir lernen erkennen, daß, solange wir den gegenwärtigen Unvollkommenheitsgrad in uns haben, wir uns weiter entwickeln müssen und daß wir mit der Erde übergehen werden in einen geistig-seelischen Zustand, in den sie übergehen wird am Ziele unserer Erdenleben. Wir werden wissen, daß wir unsere Schuld in diesem Leben, in zukünftigen Leben als Unvollkommenheiten erleben müssen, bis wir erkennen lernen, daß unsere Leben sich aneinander gliedern, wie aus einzelnen Kettengliedern ein Stück in das andere sich gliedert zur Kette. Wir lernen die Unsterblichkeit in der eigenen Seele erkennen. Und damit stellt die Geisteswissenschaft das in uns hinein, was der Mensch in dieser Gegenwart braucht, um die Lebensfragen und das Todesrätsel zu lösen.

[ 34 ] Es zeigt sich so recht, wenn man einen Blick in die gegenwärtige Zeit tut, wie zwar auf der einen Seite das Bedürfnis vorhanden ist nach alledem, was Geisteswissenschaft geben kann – wie aber auf der anderen Seite ihr gerade dann, wenn [einzelne] Fragen kommen über alles das, was Geisteswissenschaft sein muß, man ihr da die herbsten Vorurteile entgegenbringt.

[ 34 ] Es zeigt sich so recht, wenn man einen Blick in die gegenwärtige Zeit tut, wie zwar auf der einen Seite das Bedürfnis vorhanden ist nach alledem, was Geisteswissenschaft geben kann – wie aber auf der anderen Seite ihr gerade dann, wenn [einzelne] Fragen kommen über alles das, was Geisteswissenschaft sein muß, man ihr da die herbsten Vorurteile entgegenbringt.

[ 35 ] Nehmen wir nur ein Beispiel. Es wird ja heute meist nach äußeren Gründen geurteilt. Da gibt es einen ganz berühmten Professor der Philosophie. Wenn er über die Seele spricht, da findet man bei ihm folgende Worte, und unzählige Studenten tragen diese Worte als höchste Weisheit in die Welt hinaus. Angesichts dieser Tatsache darf man sich über Vorurteile gegen die Geisteswissenschaft nicht wundern. Da heißt es, die Summe unserer Erlebnisse, unseres Vorstellens, Fühlens und Wollens, wie sie sich im Bewußtsein zusammenfügen zu einer Einheit, sei die Seele, die auf einer Stufe der Vollkommenheit zu einem sittlichen Wollen sich erhebt. — Selbstverständlich, wer solche Definitionen von der Seele gibt, der kann zu keinem anderen Resultat kommen, als daß die Seele sich auflöst beim Tode. Das Kind muß in der Schule schon lernen, daß man Apfel, Birnen, Pflaumen nicht summieren kann; und: «Wenn das Erste und Zweite nicht wär’, das Dritte und Vierte gäb’s nimmermehr». – Was aber denkt der Philosoph? Bei ihm ist die Rede von einer Summe aus Vorstellen, Fühlen und Wollen, und – merkwürdig! — diese Summe kann zum sogenannten sittlichen Fühlen und Wollen werden. – Ein solches Wunder wird gedankenlos hingestellt: Die einzelnen Erlebnisse fügen sich zu einer Summe, zu einer Einheit zusammen, und nachdem sie sich zur Summe gebildet haben, [kommen sie zu sittlichem Fühlen und Wollen]. Schon das Kind lernt in der Schule, daß man eine Summe nicht aus verschiedenen Einheiten bildet.

[ 35 ] Nehmen wir nur ein Beispiel. Es wird ja heute meist nach äußeren Gründen geurteilt. Da gibt es einen ganz berühmten Professor der Philosophie. Wenn er über die Seele spricht, da findet man bei ihm folgende Worte, und unzählige Studenten tragen diese Worte als höchste Weisheit in die Welt hinaus. Angesichts dieser Tatsache darf man sich über Vorurteile gegen die Geisteswissenschaft nicht wundern. Da heißt es, die Summe unserer Erlebnisse, unseres Vorstellens, Fühlens und Wollens, wie sie sich im Bewußtsein zusammenfügen zu einer Einheit, sei die Seele, die auf einer Stufe der Vollkommenheit zu einem sittlichen Wollen sich erhebt. — Selbstverständlich, wer solche Definitionen von der Seele gibt, der kann zu keinem anderen Resultat kommen, als daß die Seele sich auflöst beim Tode. Das Kind muß in der Schule schon lernen, daß man Apfel, Birnen, Pflaumen nicht summieren kann; und: «Wenn das Erste und Zweite nicht wär’, das Dritte und Vierte gäb’s nimmermehr». – Was aber denkt der Philosoph? Bei ihm ist die Rede von einer Summe aus Vorstellen, Fühlen und Wollen, und – merkwürdig! — diese Summe kann zum sogenannten sittlichen Fühlen und Wollen werden. – Ein solches Wunder wird gedankenlos hingestellt: Die einzelnen Erlebnisse fügen sich zu einer Summe, zu einer Einheit zusammen, und nachdem sie sich zur Summe gebildet haben, [kommen sie zu sittlichem Fühlen und Wollen]. Schon das Kind lernt in der Schule, daß man eine Summe nicht aus verschiedenen Einheiten bildet.

[ 36 ] Das ist dasjenige, woher die Einwendungen gegen die Geisteswissenschaft genommen werden. Da aber, wo sie am Leben gemessen wird, da finden sich Lösungen am Leben selbst, die begriffen werden können und deren Begreiflichkeit die Seele gesund machen kann. An dem Gewachsensein gegenüber dem Leben selbst, daran kann Geisteswissenschaft gemessen werden. Das Leben beantwortet die Fragen so, wie endlich auch die naturwissenschaftlichen Fragen beantwortet werden. Eine naturwissenschaftliche Erfindung ist so lange ein Hirngespinst, bis das Leben sie als richtig beweist. Sie beweist sich, indem sie sagt: Ja, wenn die Tatsachen sich am Leben als richtig erweisen, dann kann ich mich dir enthüllen. Und das gilt auch für die Geisteswissenschaft.

[ 36 ] Das ist dasjenige, woher die Einwendungen gegen die Geisteswissenschaft genommen werden. Da aber, wo sie am Leben gemessen wird, da finden sich Lösungen am Leben selbst, die begriffen werden können und deren Begreiflichkeit die Seele gesund machen kann. An dem Gewachsensein gegenüber dem Leben selbst, daran kann Geisteswissenschaft gemessen werden. Das Leben beantwortet die Fragen so, wie endlich auch die naturwissenschaftlichen Fragen beantwortet werden. Eine naturwissenschaftliche Erfindung ist so lange ein Hirngespinst, bis das Leben sie als richtig beweist. Sie beweist sich, indem sie sagt: Ja, wenn die Tatsachen sich am Leben als richtig erweisen, dann kann ich mich dir enthüllen. Und das gilt auch für die Geisteswissenschaft.

[ 37 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreiten wird, dann erkämpft er sich in einer rein geistigen Welt, was er sich hier schon vorbereitet hat: den Keim zu einem neuen Leben. Dann erweist sich im Leben zwischen Tod und neuer Geburt das Leben zwischen Geburt und Tod als Verwandlungsform eines neuen Seelenlebens.

[ 37 ] Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreiten wird, dann erkämpft er sich in einer rein geistigen Welt, was er sich hier schon vorbereitet hat: den Keim zu einem neuen Leben. Dann erweist sich im Leben zwischen Tod und neuer Geburt das Leben zwischen Geburt und Tod als Verwandlungsform eines neuen Seelenlebens.

[ 38 ] Gehen wir zu einem tief modernen Seelenforscher, um über den Tod etwas zu lesen, jenen Tod, der für die Geisteswissenschaft nur ein anderer Bewußtseinszustand ist. Hören wir Bartholomäus von Carneri vom Tode sprechen; indem er ihn charakterisieren will, sagt er: Das Leben war ein Kampf, der Mensch ist von diesem Kampf müde geworden, und der Tod sei am wohltätigsten, wenn er nach der schweren Arbeit des Lebens sich erweise als ein durch keinen Gott zu störender Schlaf. – Ja, man kann es hier an dieser Charakteristik, die unbewußt stecken geblieben ist in unmöglichen Vorstellungen, sozusagen wie in einer Schlinge fangen. Einer, der gerade das Aufhören des menschlichen Seelenlebens beweisen will, redet davon, daß es am wohltätigsten ist, wenn er einen durch keinen Gott zu störenden Schlaf hat. Ich möchte wissen, welcher Mechaniker sagt, wenn seine Maschine aufgebraucht ist: ich lege sie hin zum Schlafen. Da merkt man, wie sich diejenigen in Schlingen fangen, die noch nicht sich auf die Geistesforschung einlassen wollen.

[ 38 ] Gehen wir zu einem tief modernen Seelenforscher, um über den Tod etwas zu lesen, jenen Tod, der für die Geisteswissenschaft nur ein anderer Bewußtseinszustand ist. Hören wir Bartholomäus von Carneri vom Tode sprechen; indem er ihn charakterisieren will, sagt er: Das Leben war ein Kampf, der Mensch ist von diesem Kampf müde geworden, und der Tod sei am wohltätigsten, wenn er nach der schweren Arbeit des Lebens sich erweise als ein durch keinen Gott zu störender Schlaf. – Ja, man kann es hier an dieser Charakteristik, die unbewußt stecken geblieben ist in unmöglichen Vorstellungen, sozusagen wie in einer Schlinge fangen. Einer, der gerade das Aufhören des menschlichen Seelenlebens beweisen will, redet davon, daß es am wohltätigsten ist, wenn er einen durch keinen Gott zu störenden Schlaf hat. Ich möchte wissen, welcher Mechaniker sagt, wenn seine Maschine aufgebraucht ist: ich lege sie hin zum Schlafen. Da merkt man, wie sich diejenigen in Schlingen fangen, die noch nicht sich auf die Geistesforschung einlassen wollen.

[ 39 ] Andere geben [die Existenz einer Seele] zu, wie jener Amerikaner, der eigentlich Chemiker war, in einer Rede sagte, die er im Jahre 1909 gehalten hat: Ein jeder Mensch muß sich als eine selbständige Seele fühlen. – Ja, so weit sind die Naturforscher gekommen, die nicht sich Knüppel zwischen die Räder ihres Wagens werfen, die mit unbefangenem Urteil sich umgeben: Hinter dem Leiblichen liegt ein Geistiges. Das ist heute schon erlaubt, von Seele, von Geist, die hinter der Sinneswelt liegen, im allgemeinen zu sprechen. Aber man wird zum Phantasten, zum Träumer, wenn nicht noch Schlimmerem abgestempelt, wenn man nicht bloß sagt: Geist, Geist, Geist ist das. In der Tat, wenn man sagt, so wie man in der Tierwelt und Pflanzenwelt Wesenheiten findet, so gibt es geistige Hierarchien, die über dem Menschen stehen –, dann wird das für Phantasterei erklärt. Das ist etwa so, wie wenn man auf dem Gebiete der Naturwissenschaft nur sagen dürfte: Du stehst im Garten Rosen gegenüber und auf dem Felde Lilien, und das ist alles Natur, Natur, Natur –, und es wäre nicht erlaubt, die einzelnen Pflanzen zu kennen. So wird der Geisteswissenschaft nur erlaubt, von Geist zu reden; aber von einzelnen Wesenheiten sprechen, das darf man nicht. Man soll immer nur sagen: Geist, Geist, Geist.

[ 39 ] Andere geben [die Existenz einer Seele] zu, wie jener Amerikaner, der eigentlich Chemiker war, in einer Rede sagte, die er im Jahre 1909 gehalten hat: Ein jeder Mensch muß sich als eine selbständige Seele fühlen. – Ja, so weit sind die Naturforscher gekommen, die nicht sich Knüppel zwischen die Räder ihres Wagens werfen, die mit unbefangenem Urteil sich umgeben: Hinter dem Leiblichen liegt ein Geistiges. Das ist heute schon erlaubt, von Seele, von Geist, die hinter der Sinneswelt liegen, im allgemeinen zu sprechen. Aber man wird zum Phantasten, zum Träumer, wenn nicht noch Schlimmerem abgestempelt, wenn man nicht bloß sagt: Geist, Geist, Geist ist das. In der Tat, wenn man sagt, so wie man in der Tierwelt und Pflanzenwelt Wesenheiten findet, so gibt es geistige Hierarchien, die über dem Menschen stehen –, dann wird das für Phantasterei erklärt. Das ist etwa so, wie wenn man auf dem Gebiete der Naturwissenschaft nur sagen dürfte: Du stehst im Garten Rosen gegenüber und auf dem Felde Lilien, und das ist alles Natur, Natur, Natur –, und es wäre nicht erlaubt, die einzelnen Pflanzen zu kennen. So wird der Geisteswissenschaft nur erlaubt, von Geist zu reden; aber von einzelnen Wesenheiten sprechen, das darf man nicht. Man soll immer nur sagen: Geist, Geist, Geist.

[ 40 ] Wenn aber die Menschheit allmählich begreifen und einsehen wird, wie Geistesforschung sich wirklich in das Geistesleben der Gegenwart hineinstellt, dann wird sie wissen: Das ist so, wie es mit der Naturwissenschaft gegangen ist, als Galilei, Kopernikus und Kepler aufgetreten sind. Damals haben die Leute gesagt: Da hat die menschliche Anschauung mit Sicherheit ergeben, daß die Erde stillsteht und die Sonne um sie herumläuft, und gegen allen Anschein behaupten sie, daß die Erde sich um die Sonne bewege – also Unsinn. – Aber obschon Kopernikus von seinen Gegnern angegriffen und als Schwindler bezeichnet wurde, ist doch seine Lehre später angenommen worden.

[ 40 ] Wenn aber die Menschheit allmählich begreifen und einsehen wird, wie Geistesforschung sich wirklich in das Geistesleben der Gegenwart hineinstellt, dann wird sie wissen: Das ist so, wie es mit der Naturwissenschaft gegangen ist, als Galilei, Kopernikus und Kepler aufgetreten sind. Damals haben die Leute gesagt: Da hat die menschliche Anschauung mit Sicherheit ergeben, daß die Erde stillsteht und die Sonne um sie herumläuft, und gegen allen Anschein behaupten sie, daß die Erde sich um die Sonne bewege – also Unsinn. – Aber obschon Kopernikus von seinen Gegnern angegriffen und als Schwindler bezeichnet wurde, ist doch seine Lehre später angenommen worden.

[ 41 ] Heute ist die Welt nicht viel anders geworden in bezug auf das, was gegen die Geisteswissenschaft vorgebracht wird, die die geistige Wirklichkeit an die Stelle des naturwissenschaftlichen Materialismus stellt. Heute zeigt die Geistesforschung, was durch ihre Erkenntnisse gegeben werden kann. Sie löst Lebensfragen und auch die Todesfrage. Ihr wird aber entgegengerufen, was im Beginne dieses Vortrages [aus den zwei Schriften] vorgelesen worden ist. Wer heute der Geisteswissenschaft so gegenübersteht wie dazumal diejenigen, welche das Kopernikus-Galilei-Keplertum als Ketzerei hinstellten, die werden lange «beweisen», daß das Begreifen des Menschenlebens nur von der Geburt bis zum Tod gehen kann. Der Gang der Zeiten ist aber anders, und der Gang der durch die Welt schreitetenden Geistigkeit wird so sein, daß die Menschheit wird erkennen müssen, daß sie dasselbe erleben wird, was sie erlebt hat bei Giordano Bruno in bezug auf die äußeren Grenzen des Raumes. Die Menschen betrachteten das [sichtbare Firmament] als die Grenze des Raumes, die die Welt abschließt.

[ 41 ] Heute ist die Welt nicht viel anders geworden in bezug auf das, was gegen die Geisteswissenschaft vorgebracht wird, die die geistige Wirklichkeit an die Stelle des naturwissenschaftlichen Materialismus stellt. Heute zeigt die Geistesforschung, was durch ihre Erkenntnisse gegeben werden kann. Sie löst Lebensfragen und auch die Todesfrage. Ihr wird aber entgegengerufen, was im Beginne dieses Vortrages [aus den zwei Schriften] vorgelesen worden ist. Wer heute der Geisteswissenschaft so gegenübersteht wie dazumal diejenigen, welche das Kopernikus-Galilei-Keplertum als Ketzerei hinstellten, die werden lange «beweisen», daß das Begreifen des Menschenlebens nur von der Geburt bis zum Tod gehen kann. Der Gang der Zeiten ist aber anders, und der Gang der durch die Welt schreitetenden Geistigkeit wird so sein, daß die Menschheit wird erkennen müssen, daß sie dasselbe erleben wird, was sie erlebt hat bei Giordano Bruno in bezug auf die äußeren Grenzen des Raumes. Die Menschen betrachteten das [sichtbare Firmament] als die Grenze des Raumes, die die Welt abschließt.

[ 42 ] Giordano Bruno hat bewiesen, daß diese Grenze nur gegeben war durch das damalige [begrenzte] menschliche Erkenntnisvermögen. Die Geisteswissenschaft zeigt heute, daß das zeitliche Firmament, [die Begrenzung des menschlichen Lebens auf die Zeit] zwischen Geburt und Tod, hinweggefegt werden muß. Und wie Giordano Bruno die Grenzen des Firmamentes hinausgerückt hat, so wird die Geisteswissenhaft die unendliche Zeitlichkeit [des menschlichen Lebens] zeigen, die unendliche Verwandlungsmöglichkeit des Lebens, [so daß die Menschen] durch Selbsterkenntnis das Wirken in seiner Ewigkeit wahrhaft erkennen werden.

[ 42 ] Giordano Bruno hat bewiesen, daß diese Grenze nur gegeben war durch das damalige [begrenzte] menschliche Erkenntnisvermögen. Die Geisteswissenschaft zeigt heute, daß das zeitliche Firmament, [die Begrenzung des menschlichen Lebens auf die Zeit] zwischen Geburt und Tod, hinweggefegt werden muß. Und wie Giordano Bruno die Grenzen des Firmamentes hinausgerückt hat, so wird die Geisteswissenhaft die unendliche Zeitlichkeit [des menschlichen Lebens] zeigen, die unendliche Verwandlungsmöglichkeit des Lebens, [so daß die Menschen] durch Selbsterkenntnis das Wirken in seiner Ewigkeit wahrhaft erkennen werden.

[ 43 ] Mag daher in populären Schriften von Fabeleien und Prophezeiungen gesprochen werden, derjenige, der die Entwicklung erkennt, wird sagen: Mögen die Leute sagen, was sie wollen, mögen sie noch so sehr die Geistesforschung und die Geisteswissenschaft verketzern. Der Lauf der Zeit wird zeigen, daß man es bei der Geistesforschung so wenig mit einer Sekte zu tun hat wie man es bei der Naturforschung mit einer Sekte zu tun hat. Und über diejenigen, die durchaus auf keine Verbindung mit den Fortschritten auf dem Gebiet der Wahrheit sich einlassen wollen, darf man sagen: Über sie wird der Genius der Menschheit hinweggehen, und man wird erkennen, daß es sich bei der Geisteswissenschaft nicht um eine Sekte handelt, sondern daß von der Geisteswissenschaft aus tiefer Erkenntnis heraus über wirkliche Lebensrätsel gesprochen wird und daß ihre Erkenntnisse – wie die Erkenntnisse des Kopernikus, Galilei, Kepler – zum Heile der menschlichen Entwicklung der Menschheit übergeben werden müssen.

[ 43 ] Mag daher in populären Schriften von Fabeleien und Prophezeiungen gesprochen werden, derjenige, der die Entwicklung erkennt, wird sagen: Mögen die Leute sagen, was sie wollen, mögen sie noch so sehr die Geistesforschung und die Geisteswissenschaft verketzern. Der Lauf der Zeit wird zeigen, daß man es bei der Geistesforschung so wenig mit einer Sekte zu tun hat wie man es bei der Naturforschung mit einer Sekte zu tun hat. Und über diejenigen, die durchaus auf keine Verbindung mit den Fortschritten auf dem Gebiet der Wahrheit sich einlassen wollen, darf man sagen: Über sie wird der Genius der Menschheit hinweggehen, und man wird erkennen, daß es sich bei der Geisteswissenschaft nicht um eine Sekte handelt, sondern daß von der Geisteswissenschaft aus tiefer Erkenntnis heraus über wirkliche Lebensrätsel gesprochen wird und daß ihre Erkenntnisse – wie die Erkenntnisse des Kopernikus, Galilei, Kepler – zum Heile der menschlichen Entwicklung der Menschheit übergeben werden müssen.