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A New Experience of Christ
GA 69c

18 November 1910, Dresden

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Neues Christus-Erleben
  1. A New Experience of Christ, tr. SOL

7. Von Buddha zu Christus

7. Von Buddha zu Christus

[ 1 ] Innerhalb unserer europäischen Geisteskultur darf man heute den Namen Buddhas schon mit ganz anderen Gefühlen aussprechen als vor fünfzig Jahren; ja, man muss bedenken, dass der größte Geist unserer Kultur, Goethe, nichts von Buddha wusste. Gerade hier können wir erkennen, wie sich Gefühle ändern. Ein weitgehendes Interesse ist heute für Buddha da. Woher kommt dieses Interesse, das in weiten Schichten vorhanden ist, woher kommt es, dass nicht nur in der Forschung der Name Buddhas geläufig ist? Das hängt zusammen mit der Menschheitsentwicklung, mit dem Hineindrängen geistiger Elemente in diese Entwicklung, die in späterer Zeit Allgemeingut sein werden. Ich möchte aufmerksam machen auf dasjenige, was mit dem Interesse zusammenhängt, das man Buddha entgegenbringt, was verspricht, zur Herzensfrage zu werden, zu einer Seelenfrage zu werden. Seelenfragen beurteilt der Mensch zunächst nicht immer richtig, wenn sie sich [in die Entwicklung hineindrängen]. Nun vollzieht sich heute etwas, was sich [in ähnlicher Art] vor einigen Jahrhunderten auf einem von dem großen Interesse mehr abseits liegenden Gebiet vollzogen hat, als die alten Gelehrten, durch ungenaue Beobachtung irregeführt, den Satz Francesco Redis «Lebendiges stammt nur von Lebendigem» nicht annehmen wollten. Wir sehen darin eine Parallele zu unserer Zeit, welche den Satz «GeistigSeelisches stammt nur von Geistig-Seelischem» auch glaubt ablehnen zu müssen – eben auch aufgrund ungenauer Beobachtung.

[ 1 ] Innerhalb unserer europäischen Geisteskultur darf man heute den Namen Buddhas schon mit ganz anderen Gefühlen aussprechen als vor fünfzig Jahren; ja, man muss bedenken, dass der größte Geist unserer Kultur, Goethe, nichts von Buddha wusste. Gerade hier können wir erkennen, wie sich Gefühle ändern. Ein weitgehendes Interesse ist heute für Buddha da. Woher kommt dieses Interesse, das in weiten Schichten vorhanden ist, woher kommt es, dass nicht nur in der Forschung der Name Buddhas geläufig ist? Das hängt zusammen mit der Menschheitsentwicklung, mit dem Hineindrängen geistiger Elemente in diese Entwicklung, die in späterer Zeit Allgemeingut sein werden. Ich möchte aufmerksam machen auf dasjenige, was mit dem Interesse zusammenhängt, das man Buddha entgegenbringt, was verspricht, zur Herzensfrage zu werden, zu einer Seelenfrage zu werden. Seelenfragen beurteilt der Mensch zunächst nicht immer richtig, wenn sie sich [in die Entwicklung hineindrängen]. Nun vollzieht sich heute etwas, was sich [in ähnlicher Art] vor einigen Jahrhunderten auf einem von dem großen Interesse mehr abseits liegenden Gebiet vollzogen hat, als die alten Gelehrten, durch ungenaue Beobachtung irregeführt, den Satz Francesco Redis «Lebendiges stammt nur von Lebendigem» nicht annehmen wollten. Wir sehen darin eine Parallele zu unserer Zeit, welche den Satz «GeistigSeelisches stammt nur von Geistig-Seelischem» auch glaubt ablehnen zu müssen – eben auch aufgrund ungenauer Beobachtung.

[ 2 ] Man glaubt, dass die inneren Anlagen eines Menschen sich nur von Vater und Mutter vererben. Freilich, wer nicht an geistige Wesenhaftigkeit glaubt, kann nicht weitergehen, wer aber die Realitäten der geistigen Welt anerkennt, der wird es selbstverständlich finden, dass das Geistig-Seelische eines Menschen von einem früheren Geistig-Seelischen stammt und dass dieses Geistig-Seelische die Anlagen der Voreltern heranzieht, dass also ein Wesenskern da ist. Und das ist die Lehre der Reinkarnation. So wie das Tier die Wiederholung seiner Gattung ist, so ist der Mensch die Wiederholung seiner Individualität. Was wir hier an inneren Gaben in uns heranwachsen sehen, das ist nichts anderes, als was wir uns in früheren Erdenleben erworben haben. So wie jede Pflanze nur gedeihen kann in dem ihr gemäßen Boden, wie etwa das Edelweiß nur im Hochgebirge Wurzeln fassen kann, so sucht sich jeder Mensch seine Umgebung, die die Grundlage bildet für sein Schicksal, weil die Umgebung, welche für ihn förderlich und gemäß ist, eine Anziehungskraft auf ihn ausübt. So wird dieser Mensch in diesem Land und diesem Sprachgebiet, in dieser Familie geboren, jener in jenem Lande in jener Familie – weil sein individueller Charakter dies bedingt. Das ist das Gesetz vom Karma: Wir zimmern uns unser Schicksal selber. Phantastisch erscheint das vielen, und kinderleicht ist die Widerlegung aus der Wissenschaft heraus. Aber wie Francesco Redi durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen gedrängt wurde, seine Behauptung «Lebendiges stammt nur von Lebendigem» auszusprechen, so drängt es uns, den Satz auszusprechen: «Seelisch-Geistiges stammt nur von Seelisch-Geistigem.» So wie der Satz Francesco Redis missverstanden wurde, so wird auch unser Satz missverstanden werden. Doch jede neue Wahrheit ruft Widerstände hervor – und aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus dürfen wir Mut schöpfen.

[ 2 ] Man glaubt, dass die inneren Anlagen eines Menschen sich nur von Vater und Mutter vererben. Freilich, wer nicht an geistige Wesenhaftigkeit glaubt, kann nicht weitergehen, wer aber die Realitäten der geistigen Welt anerkennt, der wird es selbstverständlich finden, dass das Geistig-Seelische eines Menschen von einem früheren Geistig-Seelischen stammt und dass dieses Geistig-Seelische die Anlagen der Voreltern heranzieht, dass also ein Wesenskern da ist. Und das ist die Lehre der Reinkarnation. So wie das Tier die Wiederholung seiner Gattung ist, so ist der Mensch die Wiederholung seiner Individualität. Was wir hier an inneren Gaben in uns heranwachsen sehen, das ist nichts anderes, als was wir uns in früheren Erdenleben erworben haben. So wie jede Pflanze nur gedeihen kann in dem ihr gemäßen Boden, wie etwa das Edelweiß nur im Hochgebirge Wurzeln fassen kann, so sucht sich jeder Mensch seine Umgebung, die die Grundlage bildet für sein Schicksal, weil die Umgebung, welche für ihn förderlich und gemäß ist, eine Anziehungskraft auf ihn ausübt. So wird dieser Mensch in diesem Land und diesem Sprachgebiet, in dieser Familie geboren, jener in jenem Lande in jener Familie – weil sein individueller Charakter dies bedingt. Das ist das Gesetz vom Karma: Wir zimmern uns unser Schicksal selber. Phantastisch erscheint das vielen, und kinderleicht ist die Widerlegung aus der Wissenschaft heraus. Aber wie Francesco Redi durch die naturwissenschaftlichen Tatsachen gedrängt wurde, seine Behauptung «Lebendiges stammt nur von Lebendigem» auszusprechen, so drängt es uns, den Satz auszusprechen: «Seelisch-Geistiges stammt nur von Seelisch-Geistigem.» So wie der Satz Francesco Redis missverstanden wurde, so wird auch unser Satz missverstanden werden. Doch jede neue Wahrheit ruft Widerstände hervor – und aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus dürfen wir Mut schöpfen.

[ 3 ] Nun stellt man die Frage: Warum erinnert sich der Mensch nicht an seine früheren Erdenleben? Diese Fähigkeit des Erinnerns kann errungen werden, was zwar schwer ist, aber es muss sich ein Faden ziehen lassen bis zu den vorigen Erdenleben. Nun, der heutige Mensch kann ihn zumeist nicht überblicken; der heutige europäische Mensch ist nicht einmal imstande, sich bis zur Geburt zu erinnern, und die ersten Jahre sind dunkel für ihn. Wir haben gehört, dass das Erinnern anfängt, wenn die Ich-Vorstellung in der Seele auftaucht. Wir wissen ferner, dass die Ich-Vorstellung sich wie eine Wand vor das Vergangene stellt und dass wir daher nicht in die geistige Welt schauen können. Wenn wir dies verstehen, dann können wir auch verstehen, was für Arbeit dazu gehört, die vergangenen Erdenleben zu durchdringen. Strenge Seelenübungen gehören dazu: Das Ich muss hinausgetragen werden, das Ich muss objektiv werden; alles, was kommen könnte, muss uns in völliger Gelassenheit treffen. Das ist schwer, dies nicht nur theoretisch, sondern im inneren Leben praktisch zu erreichen und durchzuführen, aber dadurch erringt man sich eine [unabhängige Stellung gegenüber dem Ich]. So stehen wir in einer wichtigen Zeit. Das menschliche Gehirn wird anders denken, wenn es sich sagen muss, dass alles Ursache und Wirkung [eines vergangenen Lebens] ist. Das ist etwas, was tief eingreift bei jedem. Daran muss der Mensch heranreifen.

[ 3 ] Nun stellt man die Frage: Warum erinnert sich der Mensch nicht an seine früheren Erdenleben? Diese Fähigkeit des Erinnerns kann errungen werden, was zwar schwer ist, aber es muss sich ein Faden ziehen lassen bis zu den vorigen Erdenleben. Nun, der heutige Mensch kann ihn zumeist nicht überblicken; der heutige europäische Mensch ist nicht einmal imstande, sich bis zur Geburt zu erinnern, und die ersten Jahre sind dunkel für ihn. Wir haben gehört, dass das Erinnern anfängt, wenn die Ich-Vorstellung in der Seele auftaucht. Wir wissen ferner, dass die Ich-Vorstellung sich wie eine Wand vor das Vergangene stellt und dass wir daher nicht in die geistige Welt schauen können. Wenn wir dies verstehen, dann können wir auch verstehen, was für Arbeit dazu gehört, die vergangenen Erdenleben zu durchdringen. Strenge Seelenübungen gehören dazu: Das Ich muss hinausgetragen werden, das Ich muss objektiv werden; alles, was kommen könnte, muss uns in völliger Gelassenheit treffen. Das ist schwer, dies nicht nur theoretisch, sondern im inneren Leben praktisch zu erreichen und durchzuführen, aber dadurch erringt man sich eine [unabhängige Stellung gegenüber dem Ich]. So stehen wir in einer wichtigen Zeit. Das menschliche Gehirn wird anders denken, wenn es sich sagen muss, dass alles Ursache und Wirkung [eines vergangenen Lebens] ist. Das ist etwas, was tief eingreift bei jedem. Daran muss der Mensch heranreifen.

[ 4 ] Wir werden verstehen, wie heute der Mensch Interesse für die Lehre Buddhas haben kann: Innerhalb des Buddhismus, innerhalb dieses religiösen Bekenntnisses ist die Lehre der Reinkarnation enthalten – wenn auch nicht ganz so, wie sie in der Theosophie aufgefasst wird. So hängt das Interesse für den Buddhismus mit etwas zusammen, was heute in der Menschheit wirkt. Nun muss es uns interessieren: Wie stellt sich diese Wahrheit hinein in das, was europäische Kultur bedeutet? Wie stellt sie sich zum Christentum? Denn unsere Kultur beruht völlig auf dem Christentum, und alle Gegner des Christentums haben ihre Begriffe aus dem christlichen Arsenal genommen. Für den, der so [im Sinne der Reinkarnationslehre] denkt, entsteht die Frage: Wie kann sich der christliche Impuls mit diesem Satz vertragen? Auch ohne Buddhismus müsste die Reinkarnationslehre sich aus der europäischen Kultur herauskristallisieren.

[ 4 ] Wir werden verstehen, wie heute der Mensch Interesse für die Lehre Buddhas haben kann: Innerhalb des Buddhismus, innerhalb dieses religiösen Bekenntnisses ist die Lehre der Reinkarnation enthalten – wenn auch nicht ganz so, wie sie in der Theosophie aufgefasst wird. So hängt das Interesse für den Buddhismus mit etwas zusammen, was heute in der Menschheit wirkt. Nun muss es uns interessieren: Wie stellt sich diese Wahrheit hinein in das, was europäische Kultur bedeutet? Wie stellt sie sich zum Christentum? Denn unsere Kultur beruht völlig auf dem Christentum, und alle Gegner des Christentums haben ihre Begriffe aus dem christlichen Arsenal genommen. Für den, der so [im Sinne der Reinkarnationslehre] denkt, entsteht die Frage: Wie kann sich der christliche Impuls mit diesem Satz vertragen? Auch ohne Buddhismus müsste die Reinkarnationslehre sich aus der europäischen Kultur herauskristallisieren.

[ 5 ] Wenn Sie heute ein Buch über den Buddhismus lesen, so werden Sie viele [besondere] Begriffe finden: «Nirwana» [zum Beispiel] ist hingestellt als großes Ziel für den Buddhisten; «Nirwana» ist ein Ort, der zusammenhängt mit Ausgelöscht-Sein, ein Vernichtet-Sein alles Daseins – man kann es eben nicht in Worte fassen, da es für das Nichtsein kein Wort gibt. Man könnte große Diskussionen darüber führen, was Buddha damit meinte. Doch wir wollen nur versuchen, den Stimmungsgehalt festzustellen, wollen Buddhismus und Christentum gegenüberstellen, das Empfinden des Buddhisten neben das des Christen stellen. Da gibt es zunächst eine Erzählung bei den Buddhisten: Der weise König Milinda kommt zu einem Eingeweihten und will etwas hören über die Geheimnisse des Lebens. Das Gespräch verläuft folgendermaßen. Der Eingeweihte fragt: Wie bist du hierhergekommen? — Der König antwortet: Mit dem Wagen. — Der Weise sieht sich den Wagen an; er sieht die Räder: Sind diese Räder der Wagen? – Nein, sie sind es nicht. – Ist dieser Sitz der Wagen? – Nein, er ist es nicht. Das sind nur die Teile des Wagens, doch alle Teile sind noch nicht der Wagen. Was ist also außerdem noch da? — Name und Form. Wirklich da sind alle einzelnen Teile, aber zusammen sind sie nur Name und Form. Name und Form aber sind etwas Unwirkliches wie auch die Mangofrucht auf dem Baume, welche mit jener Frucht, aus welcher der Baum gewachsen ist, nur Name und Form gemeinsam hat. – Was will der Weise damit sagen? Der Begriff der Wiederverkörperung war ihm selbstverständlich. So führt er aus, wie der Mensch im jetzigen Leben mit dem vorigen Leben nur Name und Form gemeinsam hat. Der Buddhist erkennt das durchgehende Ich nicht an, das durch die Verkörperungen hindurchgeht – nur Name und Form erkennt er an. Die einzelnen Teile des Wagens sieht er, verbunden durch Name und Form zu einem Ganzen. Mit den Lehren des Buddha stimmt dies nicht ganz genau überein, aber es kommt darauf an, zu welchen Empfindungen ein Bekenner des Buddhismus kommt.

[ 5 ] Wenn Sie heute ein Buch über den Buddhismus lesen, so werden Sie viele [besondere] Begriffe finden: «Nirwana» [zum Beispiel] ist hingestellt als großes Ziel für den Buddhisten; «Nirwana» ist ein Ort, der zusammenhängt mit Ausgelöscht-Sein, ein Vernichtet-Sein alles Daseins – man kann es eben nicht in Worte fassen, da es für das Nichtsein kein Wort gibt. Man könnte große Diskussionen darüber führen, was Buddha damit meinte. Doch wir wollen nur versuchen, den Stimmungsgehalt festzustellen, wollen Buddhismus und Christentum gegenüberstellen, das Empfinden des Buddhisten neben das des Christen stellen. Da gibt es zunächst eine Erzählung bei den Buddhisten: Der weise König Milinda kommt zu einem Eingeweihten und will etwas hören über die Geheimnisse des Lebens. Das Gespräch verläuft folgendermaßen. Der Eingeweihte fragt: Wie bist du hierhergekommen? — Der König antwortet: Mit dem Wagen. — Der Weise sieht sich den Wagen an; er sieht die Räder: Sind diese Räder der Wagen? – Nein, sie sind es nicht. – Ist dieser Sitz der Wagen? – Nein, er ist es nicht. Das sind nur die Teile des Wagens, doch alle Teile sind noch nicht der Wagen. Was ist also außerdem noch da? — Name und Form. Wirklich da sind alle einzelnen Teile, aber zusammen sind sie nur Name und Form. Name und Form aber sind etwas Unwirkliches wie auch die Mangofrucht auf dem Baume, welche mit jener Frucht, aus welcher der Baum gewachsen ist, nur Name und Form gemeinsam hat. – Was will der Weise damit sagen? Der Begriff der Wiederverkörperung war ihm selbstverständlich. So führt er aus, wie der Mensch im jetzigen Leben mit dem vorigen Leben nur Name und Form gemeinsam hat. Der Buddhist erkennt das durchgehende Ich nicht an, das durch die Verkörperungen hindurchgeht – nur Name und Form erkennt er an. Die einzelnen Teile des Wagens sieht er, verbunden durch Name und Form zu einem Ganzen. Mit den Lehren des Buddha stimmt dies nicht ganz genau überein, aber es kommt darauf an, zu welchen Empfindungen ein Bekenner des Buddhismus kommt.

[ 6 ] Nun denken wir uns dieses Gleichnis ins Christliche übertragen: Stellen wir uns einen christlichen Weisen vor, mit einem christlichen König sprechend. Denken wir uns, dass das Gespräch gleich verläuft wie jenes oben genannte, aber zum Schluss müsste der Weise aus dem Geiste des Christentums heraus sagen: Auf einem bloßen Namen, auf einer bloßen Form kannst du nicht herfahren. Das sind Worte, hinter denen etwas Reales, etwas Geistiges stehen muss. Diese Mangofrucht oben auf dem Baume ist der Frucht, die der Ursprung des ganzen Baumes war, gleich geworden, obwohl sie kein Physisches miteinander verbindet. Es muss doch etwas da sein, was sie als Gleiche gebildet hat: Etwas Geistiges muss da sein. – So muss auch bei der Reinkarnation das christliche Empfinden ein von Verkörperung zu Verkörperung durchgehendes Ich annehmen. Der Buddhist dagegen sieht den Weg von Verkörperung zu Verkörperung, ohne das Band eines gemeinsamen Ichs zu kennen, und dadurch bekommt er das Gefühl des Zwecklosen.

[ 6 ] Nun denken wir uns dieses Gleichnis ins Christliche übertragen: Stellen wir uns einen christlichen Weisen vor, mit einem christlichen König sprechend. Denken wir uns, dass das Gespräch gleich verläuft wie jenes oben genannte, aber zum Schluss müsste der Weise aus dem Geiste des Christentums heraus sagen: Auf einem bloßen Namen, auf einer bloßen Form kannst du nicht herfahren. Das sind Worte, hinter denen etwas Reales, etwas Geistiges stehen muss. Diese Mangofrucht oben auf dem Baume ist der Frucht, die der Ursprung des ganzen Baumes war, gleich geworden, obwohl sie kein Physisches miteinander verbindet. Es muss doch etwas da sein, was sie als Gleiche gebildet hat: Etwas Geistiges muss da sein. – So muss auch bei der Reinkarnation das christliche Empfinden ein von Verkörperung zu Verkörperung durchgehendes Ich annehmen. Der Buddhist dagegen sieht den Weg von Verkörperung zu Verkörperung, ohne das Band eines gemeinsamen Ichs zu kennen, und dadurch bekommt er das Gefühl des Zwecklosen.

[ 7 ] Buddha, der Königssohn, der aufgewachsen war, ohne das Leid kennengelernt zu haben, wurde, als er zum ersten Male einen Siechen sah, tief ergriffen – da ergoss sich in ihn die Vorstellung des Leidens. Als er einen Leichnam sah, das erste Mal, da erkannte er: Tod ist Leiden. Und nun ergab sich ihm: Leben ist Leiden, Geborenwerden ist Leiden, Kranksein ist Leiden, Getrenntsein von dem, was wir lieben, ist Leiden – alles ist Leiden. Warum ist alles zum Leiden bestimmt?

[ 7 ] Buddha, der Königssohn, der aufgewachsen war, ohne das Leid kennengelernt zu haben, wurde, als er zum ersten Male einen Siechen sah, tief ergriffen – da ergoss sich in ihn die Vorstellung des Leidens. Als er einen Leichnam sah, das erste Mal, da erkannte er: Tod ist Leiden. Und nun ergab sich ihm: Leben ist Leiden, Geborenwerden ist Leiden, Kranksein ist Leiden, Getrenntsein von dem, was wir lieben, ist Leiden – alles ist Leiden. Warum ist alles zum Leiden bestimmt?

[ 8 ] Nun stelle man sich einen Menschen wie Buddha vor, wie er vor diesem Rätsel des Lebens stand. Viele Leben vorher, viele Leben nachher – und immer, immer nur Leiden, Leiden! Es trat bei ihm der Drang ein, dies zu erforschen, und ein langes Streben folgte. Als ihm die Erleuchtung kam – was wir mit dem «Sitzen unter dem Bodhibaum» bezeichnen –, da erkannte er: Aus früheren Inkarnationen stammt die Leidenschaft, der Durst nach Dasein, und dies ist verbunden mit dem Leben. Daher ist das Leiden verbunden mit dem Durst nach Dasein, daher muss, wenn das Leiden aufhören soll, der Durst nach Dasein ausgelöscht werden. Das hat er ausgesprochen in der Predigt von Benares. Der Mensch kann durch eigene Arbeit dahin kommen, dass er gleichgültig gegen das Dasein wird und dadurch alle vorherigen Verkörperungen auslöschen und sich von dem Leiden befreien kann. Nichts gibt es in der Welt, was uns nicht Leiden bereiten kann. Befreien wir uns von allem, so können wir in das Nirwana eingehen. Bezeichnen können wir das Nirwana nicht, denn für das absolute Nichts fehlt uns der Begriff, wir müssen einfach alles weglassen, was in unserer Vorstellung ist. Das Ideal des Buddhismus ist ein Auslöschen des Daseins. Buddha steht vor uns und sagt: Ich sehe zurück auf viele Verkörperungen. In meinem jetzigen Körper weiß ich, dass ich frei werden muss von allem Durst nach Dasein. Die vorherige Verkörperung drängte mich hin zu diesem Körper, zu dem, was mich nun drängt, frei zu werden von der Leiblichkeit. Ich weiß ganz gewiss, dass mir die Geistigkeit jedes Mal den Leib als einen Tempel aufgebaut hat; mein Ziel aber ist, nicht mehr zurückzukehren in einen solchen Leibestempel – ich fühle dies.

[ 8 ] Nun stelle man sich einen Menschen wie Buddha vor, wie er vor diesem Rätsel des Lebens stand. Viele Leben vorher, viele Leben nachher – und immer, immer nur Leiden, Leiden! Es trat bei ihm der Drang ein, dies zu erforschen, und ein langes Streben folgte. Als ihm die Erleuchtung kam – was wir mit dem «Sitzen unter dem Bodhibaum» bezeichnen –, da erkannte er: Aus früheren Inkarnationen stammt die Leidenschaft, der Durst nach Dasein, und dies ist verbunden mit dem Leben. Daher ist das Leiden verbunden mit dem Durst nach Dasein, daher muss, wenn das Leiden aufhören soll, der Durst nach Dasein ausgelöscht werden. Das hat er ausgesprochen in der Predigt von Benares. Der Mensch kann durch eigene Arbeit dahin kommen, dass er gleichgültig gegen das Dasein wird und dadurch alle vorherigen Verkörperungen auslöschen und sich von dem Leiden befreien kann. Nichts gibt es in der Welt, was uns nicht Leiden bereiten kann. Befreien wir uns von allem, so können wir in das Nirwana eingehen. Bezeichnen können wir das Nirwana nicht, denn für das absolute Nichts fehlt uns der Begriff, wir müssen einfach alles weglassen, was in unserer Vorstellung ist. Das Ideal des Buddhismus ist ein Auslöschen des Daseins. Buddha steht vor uns und sagt: Ich sehe zurück auf viele Verkörperungen. In meinem jetzigen Körper weiß ich, dass ich frei werden muss von allem Durst nach Dasein. Die vorherige Verkörperung drängte mich hin zu diesem Körper, zu dem, was mich nun drängt, frei zu werden von der Leiblichkeit. Ich weiß ganz gewiss, dass mir die Geistigkeit jedes Mal den Leib als einen Tempel aufgebaut hat; mein Ziel aber ist, nicht mehr zurückzukehren in einen solchen Leibestempel – ich fühle dies.

[ 9 ] Stellen wir nun diese Empfindung der christlichen gegenüber. Im Johannesevangelium sagt der Christus Jesus vom Tempel seines Leibes: «Zerbrechet ihn, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen.» Der Christus Jesus hat den Willen in sich, nicht mehr zu verlassen das, was das Erdenleben ist. Dieses ist nicht Leiden, sondern etwas, was entwickelt werden soll. Auch wenn noch viele Verkörperungen kommen: Verbessere deinen Tempel immerzu, lebe jedes Erdenleben so, dass du dich immer weiter vervollkommnest. Wenn wir die Wärme des Evangeliums auf uns wirken lassen, dann fragen wir: Was hat Christus gebracht? — Die Antwort lautet: Im Christus-Impuls finden wir den Hinweis, dass das Leben geläutert werden kann. Buddha steigt hinunter, um frei zu werden von den Verkörperungen; Christus steigt hinunter, um das Leben vollkommen zu machen. Der Buddhismus ist eine Erlösungslehre, das Christentum aber ist eine Auferstehungslehre! Christus sagt: Wenn du das Höhere erwirbst, so wirst du immer höher, und ein Neues wird auferstehen. Der christliche Impuls verträgt sich mit dem Begriff der Reinkarnation – er ist dazu stark genug. Warum ist das so? Weil Christus nicht nur ein Lehrer ist. Es ist bedeutsam, dass Christus nichts selbst aufgeschrieben hat, denn das Wesentliche ist seine Tat seine Tat auf Golgatha hat ewige Bedeutung.

[ 9 ] Stellen wir nun diese Empfindung der christlichen gegenüber. Im Johannesevangelium sagt der Christus Jesus vom Tempel seines Leibes: «Zerbrechet ihn, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen.» Der Christus Jesus hat den Willen in sich, nicht mehr zu verlassen das, was das Erdenleben ist. Dieses ist nicht Leiden, sondern etwas, was entwickelt werden soll. Auch wenn noch viele Verkörperungen kommen: Verbessere deinen Tempel immerzu, lebe jedes Erdenleben so, dass du dich immer weiter vervollkommnest. Wenn wir die Wärme des Evangeliums auf uns wirken lassen, dann fragen wir: Was hat Christus gebracht? — Die Antwort lautet: Im Christus-Impuls finden wir den Hinweis, dass das Leben geläutert werden kann. Buddha steigt hinunter, um frei zu werden von den Verkörperungen; Christus steigt hinunter, um das Leben vollkommen zu machen. Der Buddhismus ist eine Erlösungslehre, das Christentum aber ist eine Auferstehungslehre! Christus sagt: Wenn du das Höhere erwirbst, so wirst du immer höher, und ein Neues wird auferstehen. Der christliche Impuls verträgt sich mit dem Begriff der Reinkarnation – er ist dazu stark genug. Warum ist das so? Weil Christus nicht nur ein Lehrer ist. Es ist bedeutsam, dass Christus nichts selbst aufgeschrieben hat, denn das Wesentliche ist seine Tat seine Tat auf Golgatha hat ewige Bedeutung.

[ 10 ] Das historische Ereignis auf Golgatha ist ein Keim für etwas anderes als die Befreiung von Leiden. Ist Geburt Leiden? Nein. – Ist Tod Leiden? Nein. – Ist das Getrenntsein von denen, die man liebt, Leiden? Nein. — Denn Tod führt zu neuer Geburt, und jede Geburt bringt Kräfte, die durch das Leben erschöpft werden. Krankheit aber ist Läuterung; durch Besiegung der Krankheit erfolgt Kräftigung. Das Nicht-verbunden-Sein mit denen, die man liebt, ist nicht Leid, denn der Christ kennt das Reich des Geistes, wo zusammen ist, was zusammengehört. Auch das Verbundensein mit denen, die man nicht liebt, ist nicht Leid, denn der Christ sucht die Liebe zu leben. Alles zu durchchristen — das ist Christentum. Zu lernen durch Leid, zu lernen durch Glück, das ist es, was wir als Christen wollen.

[ 10 ] Das historische Ereignis auf Golgatha ist ein Keim für etwas anderes als die Befreiung von Leiden. Ist Geburt Leiden? Nein. – Ist Tod Leiden? Nein. – Ist das Getrenntsein von denen, die man liebt, Leiden? Nein. — Denn Tod führt zu neuer Geburt, und jede Geburt bringt Kräfte, die durch das Leben erschöpft werden. Krankheit aber ist Läuterung; durch Besiegung der Krankheit erfolgt Kräftigung. Das Nicht-verbunden-Sein mit denen, die man liebt, ist nicht Leid, denn der Christ kennt das Reich des Geistes, wo zusammen ist, was zusammengehört. Auch das Verbundensein mit denen, die man nicht liebt, ist nicht Leid, denn der Christ sucht die Liebe zu leben. Alles zu durchchristen — das ist Christentum. Zu lernen durch Leid, zu lernen durch Glück, das ist es, was wir als Christen wollen.

[ 11 ] Und so sehen wir den großen Unterschied in der Entwicklung, der sich hinzieht von Buddha bis Christus. Die eine Religion ist eine Erlösungsreligion, die andere eine Auferstehungsreligion. Dann aber werden wir auch begreifen, wie der buddhistische Bekenner gar nicht an das Selbst herankommen kann. Die Empfindungen, die Gefühle, die Vorstellungen, das Bewusstsein – das ist alles nicht das Selbst. Der Christ dagegen sagt: Das Selbst ist überall. Das geistige Selbst ist hinter allem, aber wir sehen es nicht, weil wir es nicht wahrzunehmen vermögen. Die Auferstehung unseres Selbst durch Christus [mögen wir anstreben] — auf dass der Geist uns entgegenleuchte aus jedem Stein, aus jedem Baum. Und so kann das abendländische Geistesleben durch den Buddhismus nichts gewinnen, durch das Aufnehmen der Reinkarnationslehre aber kann es viel, sehr viel gewinnen. Und so wie Buddha an einen Leichnam die Lehre vom Leide anknüpfte, so sehen wir mehrere Jahrhunderte später Menschen aufsehen zu einem Leichnam. Ein Leichnam wurde ihnen zum Trost und zur Stärkung: Christus am Kreuz.

[ 11 ] Und so sehen wir den großen Unterschied in der Entwicklung, der sich hinzieht von Buddha bis Christus. Die eine Religion ist eine Erlösungsreligion, die andere eine Auferstehungsreligion. Dann aber werden wir auch begreifen, wie der buddhistische Bekenner gar nicht an das Selbst herankommen kann. Die Empfindungen, die Gefühle, die Vorstellungen, das Bewusstsein – das ist alles nicht das Selbst. Der Christ dagegen sagt: Das Selbst ist überall. Das geistige Selbst ist hinter allem, aber wir sehen es nicht, weil wir es nicht wahrzunehmen vermögen. Die Auferstehung unseres Selbst durch Christus [mögen wir anstreben] — auf dass der Geist uns entgegenleuchte aus jedem Stein, aus jedem Baum. Und so kann das abendländische Geistesleben durch den Buddhismus nichts gewinnen, durch das Aufnehmen der Reinkarnationslehre aber kann es viel, sehr viel gewinnen. Und so wie Buddha an einen Leichnam die Lehre vom Leide anknüpfte, so sehen wir mehrere Jahrhunderte später Menschen aufsehen zu einem Leichnam. Ein Leichnam wurde ihnen zum Trost und zur Stärkung: Christus am Kreuz.