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A New Experience of Christ
GA 69c

1 December 1911, Nuremberg

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Neues Christus-Erleben
  1. A New Experience of Christ, tr. SOL

10. Von Jesus zu Christus

10. Von Jesus zu Christus

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer Umschau hält in unserem geistigen Leben, der wird gewahr, wie tief eingreifend in unserer gegenwärtigen Bildung das Rätsel ist, das sich anknüpft an den Namen des Christus Jesus. Und man darf wohl sagen, alle Fragen, die die Gegenwart berühren – das hat sich zweifellos in den letzten Jahren so herausgestellt –, sind die Folge des Christus- oder JesusProblems, eines der allerbedeutendsten Probleme überhaupt. Wir haben es sogar erlebt, dass selbst Männer unserer Gegenwart, welche glauben, über all das hinaus zu sein, was sie Religionsvorurteil des Christentums nennen, sich intensiv mit diesem Problem beschäftigen. So liegt zum Beispiel die Tatsache vor, dass sich von mehr oder weniger monistischer Seite her Interesse für dieses Rätsel gezeigt hat. Nur ist die Frage, die dabei zutage tritt, ja zu allen Zeiten, seit es ein Christentum gibt, seit dieses in Erscheinung trat, in der mannigfaltigsten, in der tiefsinnigsten und zuweilen auch in der oberflächlichsten Weise zu lösen versucht worden.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer Umschau hält in unserem geistigen Leben, der wird gewahr, wie tief eingreifend in unserer gegenwärtigen Bildung das Rätsel ist, das sich anknüpft an den Namen des Christus Jesus. Und man darf wohl sagen, alle Fragen, die die Gegenwart berühren – das hat sich zweifellos in den letzten Jahren so herausgestellt –, sind die Folge des Christus- oder JesusProblems, eines der allerbedeutendsten Probleme überhaupt. Wir haben es sogar erlebt, dass selbst Männer unserer Gegenwart, welche glauben, über all das hinaus zu sein, was sie Religionsvorurteil des Christentums nennen, sich intensiv mit diesem Problem beschäftigen. So liegt zum Beispiel die Tatsache vor, dass sich von mehr oder weniger monistischer Seite her Interesse für dieses Rätsel gezeigt hat. Nur ist die Frage, die dabei zutage tritt, ja zu allen Zeiten, seit es ein Christentum gibt, seit dieses in Erscheinung trat, in der mannigfaltigsten, in der tiefsinnigsten und zuweilen auch in der oberflächlichsten Weise zu lösen versucht worden.

[ 2 ] Da wir von einem ganz bestimmten Gesichtspunkte auszugehen haben, nämlich von dem der Geisteswissenschaft, wollen wir uns einmal vergegenwärtigen, aus welchen Untergründen heraus die besondere Färbung eigentlich entspringt, welche unsere Gegenwart diesem Rätsel gibt. Wir müssen dann sehen – und dies ist besonders bezeichnend für unsere Gegenwart —, dass in den Seelen, in den Herzen ein gewaltiger Gegensatz hervortritt: Einesteils ist das Bedürfnis, die intensive Sehnsucht vorhanden, über diejenigen Fragen etwas zu wissen, die seit allen Zeiten den Menschengeist beschäftigen, andernteils zeigt sich uns die Zerklüftung, das Chaotische, das hervortritt. Während man sich gewissermaßen zu weich fühlt oder zu schwach zeigt, dieses Problem in allen Tiefen wirklich anzugreifen, gibt es auf diesem Gebiet wiederum Fachleute, die sich in eingehendster Weise damit beschäftigen, irgendeine neue Offenbarung, irgendein neues Ereignis in Bezug auf dieses Problem zu erwarten.

[ 2 ] Da wir von einem ganz bestimmten Gesichtspunkte auszugehen haben, nämlich von dem der Geisteswissenschaft, wollen wir uns einmal vergegenwärtigen, aus welchen Untergründen heraus die besondere Färbung eigentlich entspringt, welche unsere Gegenwart diesem Rätsel gibt. Wir müssen dann sehen – und dies ist besonders bezeichnend für unsere Gegenwart —, dass in den Seelen, in den Herzen ein gewaltiger Gegensatz hervortritt: Einesteils ist das Bedürfnis, die intensive Sehnsucht vorhanden, über diejenigen Fragen etwas zu wissen, die seit allen Zeiten den Menschengeist beschäftigen, andernteils zeigt sich uns die Zerklüftung, das Chaotische, das hervortritt. Während man sich gewissermaßen zu weich fühlt oder zu schwach zeigt, dieses Problem in allen Tiefen wirklich anzugreifen, gibt es auf diesem Gebiet wiederum Fachleute, die sich in eingehendster Weise damit beschäftigen, irgendeine neue Offenbarung, irgendein neues Ereignis in Bezug auf dieses Problem zu erwarten.

[ 3 ] Das Eigenartige dieser Frage ist schon eingeschlossen in den beiden Namen, die vor die Seele treten: «Christus» und «Jesus». Und wenn wir nur kurz Umschau halten, was im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist, von der Zeit der Evangelisten, der ersten Christen angefangen bis über die Reihe der Jahrhunderte hin, begegnen wir der Frage: Wie kann sich der Mensch eine Vorstellung darüber bilden, dass sich die Gott-Wesenheit des Christus in einen Menschen, in einen menschlichen Leib, verkörpern kann? Wie ist es möglich, dass die göttliche Natur in einem menschlichen Leib das vollbracht hat, was man als die Erlösung bezeichnet? Kurz, wir können sagen, was die Menschheit zu allen Zeiten so stark beschäftigt hat, ist die Frage: Wie konnte Christus auf Erden erscheinen, wie geschah eben jene Zusammenfügung der beiden Wesen, des Gottes Christus und des Menschen Jesus? Aber immer mehr und mehr nimmt die Frage, je näher wir zu der Gegenwart kommen, eine andere Gestalt an. Die Frage nimmt eine Gestalt an – das ist das Merkwürdige –, die ganz der jeweiligen Kulturanschauung, zu der sich die Menschheit hindurchgerungen hat, angepasst ist. Wenn wir die Gegenwart betrachten, finden wir geradezu den anderen Pol, den vollen Gegensatz zu dem, was man bei den ersten Anfängen des Christentums in Bezug auf die Christus-Frage erkannte.

[ 3 ] Das Eigenartige dieser Frage ist schon eingeschlossen in den beiden Namen, die vor die Seele treten: «Christus» und «Jesus». Und wenn wir nur kurz Umschau halten, was im Laufe der Jahrhunderte geschehen ist, von der Zeit der Evangelisten, der ersten Christen angefangen bis über die Reihe der Jahrhunderte hin, begegnen wir der Frage: Wie kann sich der Mensch eine Vorstellung darüber bilden, dass sich die Gott-Wesenheit des Christus in einen Menschen, in einen menschlichen Leib, verkörpern kann? Wie ist es möglich, dass die göttliche Natur in einem menschlichen Leib das vollbracht hat, was man als die Erlösung bezeichnet? Kurz, wir können sagen, was die Menschheit zu allen Zeiten so stark beschäftigt hat, ist die Frage: Wie konnte Christus auf Erden erscheinen, wie geschah eben jene Zusammenfügung der beiden Wesen, des Gottes Christus und des Menschen Jesus? Aber immer mehr und mehr nimmt die Frage, je näher wir zu der Gegenwart kommen, eine andere Gestalt an. Die Frage nimmt eine Gestalt an – das ist das Merkwürdige –, die ganz der jeweiligen Kulturanschauung, zu der sich die Menschheit hindurchgerungen hat, angepasst ist. Wenn wir die Gegenwart betrachten, finden wir geradezu den anderen Pol, den vollen Gegensatz zu dem, was man bei den ersten Anfängen des Christentums in Bezug auf die Christus-Frage erkannte.

[ 4 ] Man könnte auf Hunderte und Aberhunderte von ähnlichen Fällen hinweisen wie den, den ich jetzt herausgreifen will. In einer Zeitschrift vom Jahre 1861, die in der Schweiz erschienen ist, sagt uns ein dem Christentum nahestehender Mann [ungefähr] das Folgende: Wenn ich durch irgendetwas genötigt würde, zugeben zu müssen, dass Christus leiblich auferstanden sei, dass die Auferstehung überhaupt in evangelischem Sinne etwas Mögliches sei, dann müsste ich alles zugeben, was, nicht entsprechend meiner eigenen Weltanschauung, mir irgendwie entgegentreten würde; dann müsste ich finden, dass meine ganze Weltanschauung einen Riss hat. – Wie viele Menschen der Gegenwart, auch Religionsgelehrte und Theologen, müssten in ganz der gleichen Weise ein solches Bekenntnis abgeben! Wenn sie nachdenken würden, kämen sie zur Überzeugung, dass sie ganz das Gleiche bekennen müssten.

[ 4 ] Man könnte auf Hunderte und Aberhunderte von ähnlichen Fällen hinweisen wie den, den ich jetzt herausgreifen will. In einer Zeitschrift vom Jahre 1861, die in der Schweiz erschienen ist, sagt uns ein dem Christentum nahestehender Mann [ungefähr] das Folgende: Wenn ich durch irgendetwas genötigt würde, zugeben zu müssen, dass Christus leiblich auferstanden sei, dass die Auferstehung überhaupt in evangelischem Sinne etwas Mögliches sei, dann müsste ich alles zugeben, was, nicht entsprechend meiner eigenen Weltanschauung, mir irgendwie entgegentreten würde; dann müsste ich finden, dass meine ganze Weltanschauung einen Riss hat. – Wie viele Menschen der Gegenwart, auch Religionsgelehrte und Theologen, müssten in ganz der gleichen Weise ein solches Bekenntnis abgeben! Wenn sie nachdenken würden, kämen sie zur Überzeugung, dass sie ganz das Gleiche bekennen müssten.

[ 5 ] Stellen wir diesem Bekenntnis das gegenüber, was Paulus gesagt hat, indem er sprach:

[ 5 ] Stellen wir diesem Bekenntnis das gegenüber, was Paulus gesagt hat, indem er sprach:

Ist Christus nicht auferstanden, so sind eure Werke eitel und eitel auch euer Glaube.

Ist Christus nicht auferstanden, so sind eure Werke eitel und eitel auch euer Glaube.

[ 6 ] Findet man sich in das hinein, was Paulus sagt, so muss man gestehen: Das Wesentlichste, was ihn durchdringt, ist die Tatsache, dass der Christus auferstanden ist. Man wird zugeben müssen, dass das Christentum überhaupt seinen Sinn verliert, wenn das Mysterium der Auferstehung gestrichen wird, wenn das gestrichen wird, was für die Entwicklung der Menschheit geschehen ist. Paulus hat die Auferstehung als das Wesentlichste, als den Grundnerv der christlichen Weltanschauung angesehen. Und in unserer Zeit ist es so weit gekommen – dies ist tief bezeichnend –, dass sich gewisse Leute sagen, wenn sie die Auferstehung anerkennen müssten, dann würde ihre ganze Weltanschauung einen Riss bekommen.

[ 6 ] Findet man sich in das hinein, was Paulus sagt, so muss man gestehen: Das Wesentlichste, was ihn durchdringt, ist die Tatsache, dass der Christus auferstanden ist. Man wird zugeben müssen, dass das Christentum überhaupt seinen Sinn verliert, wenn das Mysterium der Auferstehung gestrichen wird, wenn das gestrichen wird, was für die Entwicklung der Menschheit geschehen ist. Paulus hat die Auferstehung als das Wesentlichste, als den Grundnerv der christlichen Weltanschauung angesehen. Und in unserer Zeit ist es so weit gekommen – dies ist tief bezeichnend –, dass sich gewisse Leute sagen, wenn sie die Auferstehung anerkennen müssten, dann würde ihre ganze Weltanschauung einen Riss bekommen.

[ 7 ] Es berührt jemanden, bei dem man diese Dinge noch nicht überkleistert hat, nicht gerade sympathisch, die Grundfrage des Christentums — denn um diese handelt es sich dabei – in dieser Gestalt vor die Seele hingestellt zu finden. Allein, die Theosophie hat nicht die Aufgabe, die Dinge sozusagen zu übertünchen, sondern sie ihrer wahren Namen nach zu charakterisieren. In gewisser Weise kann keine Zeit aus sich selber, [aus ihrer Natur] heraus; der allgemeine Charakter der Zeitbildung drückt sich auch in der Auffassung der Christus-Frage aus. Wir sehen im neunzehnten Jahrhundert die Christus-Frage in eine Jesus-Frage verwandelt; wir sehen, wie durch den Fortschritt der Wissenschaft es dem Menschen immer weniger möglich wird, in dem Menschen Jesus von Nazareth ein göttlich-geistiges Wesen verkörpert zu sehen, wie es gesehen werden konnte in alten Zeiten. Als die Evangelien durch die [sich verbreitende] Bildung immer mehr zugänglich wurden, da las man sich tief in sie hinein, und die Seelen wurden gleichsam zu etwas Göttlichem hinaufgezogen. Dann stellte sich ein allmähliches Übergehen ein von den paradoxesten Vorstellungen über den Christus Jesus bis zu dem, wozu sich jetzt viele Theologen bekennen, nämlich dass man anzunehmen habe, Jesus sei nur eine besonders überragende Persönlichkeit in der Weltentwicklung, also bei ihm sei das, was der Mensch als höchstes Ideal ansehe, in [besonders] großem Maße vorhanden gewesen. Man sieht in ihm nur einen Menschen, allerdings auf eine höhere Stufe hinaufgehoben.

[ 7 ] Es berührt jemanden, bei dem man diese Dinge noch nicht überkleistert hat, nicht gerade sympathisch, die Grundfrage des Christentums — denn um diese handelt es sich dabei – in dieser Gestalt vor die Seele hingestellt zu finden. Allein, die Theosophie hat nicht die Aufgabe, die Dinge sozusagen zu übertünchen, sondern sie ihrer wahren Namen nach zu charakterisieren. In gewisser Weise kann keine Zeit aus sich selber, [aus ihrer Natur] heraus; der allgemeine Charakter der Zeitbildung drückt sich auch in der Auffassung der Christus-Frage aus. Wir sehen im neunzehnten Jahrhundert die Christus-Frage in eine Jesus-Frage verwandelt; wir sehen, wie durch den Fortschritt der Wissenschaft es dem Menschen immer weniger möglich wird, in dem Menschen Jesus von Nazareth ein göttlich-geistiges Wesen verkörpert zu sehen, wie es gesehen werden konnte in alten Zeiten. Als die Evangelien durch die [sich verbreitende] Bildung immer mehr zugänglich wurden, da las man sich tief in sie hinein, und die Seelen wurden gleichsam zu etwas Göttlichem hinaufgezogen. Dann stellte sich ein allmähliches Übergehen ein von den paradoxesten Vorstellungen über den Christus Jesus bis zu dem, wozu sich jetzt viele Theologen bekennen, nämlich dass man anzunehmen habe, Jesus sei nur eine besonders überragende Persönlichkeit in der Weltentwicklung, also bei ihm sei das, was der Mensch als höchstes Ideal ansehe, in [besonders] großem Maße vorhanden gewesen. Man sieht in ihm nur einen Menschen, allerdings auf eine höhere Stufe hinaufgehoben.

[ 8 ] Natürlich findet man bei den Auffassungen über den Christus Jesus alle möglichen Schattierungen. So tritt uns im achtzehnten Jahrhundert die Tatsache entgegen, dass der Mensch nur das, was er sich vorstellen, was er sich denken konnte, in das Christus-Jesus-Problem hineinlegte. So erscheint dem Aufklärer Reimarus der Christus Jesus kaum als etwas anderes als ein besonders hervorragender Mensch. [Hingegen trug Lessing ein substanziell anderes geistiges Bild in sich.] Er sprach einmal aus, er wünsche, es noch erleben zu können, dass irgendjemand aufträte, der in gründlicher Weise das widerlegt, was man über den Christus Jesus verbreitet. Alles stützte sich [damals] auf die Evangelienkritik, insbesondere auf die Widersprüche, und zwar speziell auf diejenigen, die bei einem Vergleich der verschiedenen Auferstehungsberichte zutage treten. Das Naheliegende war, dass man zum Schluss kam, die Berichterstatter hätten etwas Nicht-Wirkliches überliefert – was aber keineswegs Tatsache ist.

[ 8 ] Natürlich findet man bei den Auffassungen über den Christus Jesus alle möglichen Schattierungen. So tritt uns im achtzehnten Jahrhundert die Tatsache entgegen, dass der Mensch nur das, was er sich vorstellen, was er sich denken konnte, in das Christus-Jesus-Problem hineinlegte. So erscheint dem Aufklärer Reimarus der Christus Jesus kaum als etwas anderes als ein besonders hervorragender Mensch. [Hingegen trug Lessing ein substanziell anderes geistiges Bild in sich.] Er sprach einmal aus, er wünsche, es noch erleben zu können, dass irgendjemand aufträte, der in gründlicher Weise das widerlegt, was man über den Christus Jesus verbreitet. Alles stützte sich [damals] auf die Evangelienkritik, insbesondere auf die Widersprüche, und zwar speziell auf diejenigen, die bei einem Vergleich der verschiedenen Auferstehungsberichte zutage treten. Das Naheliegende war, dass man zum Schluss kam, die Berichterstatter hätten etwas Nicht-Wirkliches überliefert – was aber keineswegs Tatsache ist.

[ 9 ] Wenn man in irgendeiner Sache Zeugen vernimmt, die verschieden aussagen, so ist dies durchaus kein Beweis gegen die Tatsache als solche. Wenn wir nun eine Welt-Gerichtsverhandlung uns vorstellen und fragen: Sind denn diese Zeugen glaubwürdig? –, so ist dies nicht richtig, sondern eine andere Frage ist die allein maßgebende und wichtige: Wer hat gewonnen in diesem Prozess? — Zweifellos hat das Christentum, das gestützt war auf die Auferstehungstatsache, den Sieg davongetragen in der Weltgeschichte. Es liegt also die Tatsache vor, dass, wenn auch die Zeugen etwas Verschiedenes aussagten, der Prozess selbst doch entschieden ist.

[ 9 ] Wenn man in irgendeiner Sache Zeugen vernimmt, die verschieden aussagen, so ist dies durchaus kein Beweis gegen die Tatsache als solche. Wenn wir nun eine Welt-Gerichtsverhandlung uns vorstellen und fragen: Sind denn diese Zeugen glaubwürdig? –, so ist dies nicht richtig, sondern eine andere Frage ist die allein maßgebende und wichtige: Wer hat gewonnen in diesem Prozess? — Zweifellos hat das Christentum, das gestützt war auf die Auferstehungstatsache, den Sieg davongetragen in der Weltgeschichte. Es liegt also die Tatsache vor, dass, wenn auch die Zeugen etwas Verschiedenes aussagten, der Prozess selbst doch entschieden ist.

[ 10 ] Es rückte dann immer mehr und mehr die Zeit heran, in welcher man die Sache so gestaltete, dass jede Möglichkeit entschwand, etwas Übermenschliches dabei zu denken, oder, um mit jener Zeitstimmung zu sprechen: Es rückt immer mehr und mehr die Zeit heran, wo es unmöglich wird, über die Auferstehung so zu denken und zu sprechen, wie man es ursprünglich tat. Daher beschäftigte man sich im neunzehnten Jahrhundert in der Religionsgeschichte zunächst damit, ein Bild des Menschen Jesus aus den Evangelien zu bekommen. Wir brauchen hier nicht auseinanderzusetzen, was nun mit den Evangelien getan wurde, wie man versuchte, das Gleichlautende [synoptisch] zusammenzustellen, damit ein annähernd gleiches Gesamtbild entstehe, wie man sogar dabei versuchte, dasjenige Evangelium, das den übersinnlichsten Inhalt hat, das Johannes-Evangelium, ganz auszuscheiden, indem man sich sagte, es handle sich hierbei um einen Hymnus auf das Individuelle des Jesus von Nazareth. Es gab aber auch andere Forscher des neunzehnten Jahrhunderts, welche sagten, dass man das ganze Christentum fallen lassen müsse, wenn das Johannes-Evangelium nicht mehr anerkannt würde. Ein Forscher, der, wenn er auch heute als veraltet gilt, doch einst große Bedeutung hatte, wies dabei nachdrücklich auf die Tatsachen gerade des Johannes-Evangeliums hin. Doch alle Bestrebungen liefen darauf hinaus, den Menschen Jesus glaubhaft vor die Seele hinzustellen; man musste aber dabei von vornherein vieles ausschalten, das zwar in den Evangelien steht, das man aber im neunzehnten Jahrhundert nicht mehr glauben konnte, und man nahm eine Menge Tatsachen, wie Wunder und so weiter, hinweg es hörte jede Möglichkeit auf, etwas Nicht-Natürliches zuzugeben.

[ 10 ] Es rückte dann immer mehr und mehr die Zeit heran, in welcher man die Sache so gestaltete, dass jede Möglichkeit entschwand, etwas Übermenschliches dabei zu denken, oder, um mit jener Zeitstimmung zu sprechen: Es rückt immer mehr und mehr die Zeit heran, wo es unmöglich wird, über die Auferstehung so zu denken und zu sprechen, wie man es ursprünglich tat. Daher beschäftigte man sich im neunzehnten Jahrhundert in der Religionsgeschichte zunächst damit, ein Bild des Menschen Jesus aus den Evangelien zu bekommen. Wir brauchen hier nicht auseinanderzusetzen, was nun mit den Evangelien getan wurde, wie man versuchte, das Gleichlautende [synoptisch] zusammenzustellen, damit ein annähernd gleiches Gesamtbild entstehe, wie man sogar dabei versuchte, dasjenige Evangelium, das den übersinnlichsten Inhalt hat, das Johannes-Evangelium, ganz auszuscheiden, indem man sich sagte, es handle sich hierbei um einen Hymnus auf das Individuelle des Jesus von Nazareth. Es gab aber auch andere Forscher des neunzehnten Jahrhunderts, welche sagten, dass man das ganze Christentum fallen lassen müsse, wenn das Johannes-Evangelium nicht mehr anerkannt würde. Ein Forscher, der, wenn er auch heute als veraltet gilt, doch einst große Bedeutung hatte, wies dabei nachdrücklich auf die Tatsachen gerade des Johannes-Evangeliums hin. Doch alle Bestrebungen liefen darauf hinaus, den Menschen Jesus glaubhaft vor die Seele hinzustellen; man musste aber dabei von vornherein vieles ausschalten, das zwar in den Evangelien steht, das man aber im neunzehnten Jahrhundert nicht mehr glauben konnte, und man nahm eine Menge Tatsachen, wie Wunder und so weiter, hinweg es hörte jede Möglichkeit auf, etwas Nicht-Natürliches zuzugeben.

[ 11 ] Es war daher von besonderer Bedeutung, als ein Theologe des neunzehnten Jahrhunderts, der in Basel gelebt hat, Franz Overbeck, ein sehr merkwürdiges Buch schrieb, das er betitelte «Über die Christlichkeit der heutigen Theologie». Dieses Buch ist nicht nur seines Inhaltes wegen merkwürdig, sondern es ist für jeden, den solche Dinge interessieren, bedeutsam als Ausdruck des Bekenntnisses eines Menschen, der sein ganzes Leben lang als Theologe in der schwersten Weise mit der Tatsache zu ringen hatte, dass er sich vor seine Studenten hinstellen musste mit solchen Empfindungen, wie sie in seiner Seele waren. Ringen musste Overbeck mit dieser Tatsache, bis es ihn schließlich drängte, das auszusprechen, was in seiner Seele lebte. Wer sich auf solche Dinge versteht, blickt wahrlich auf ein stürmisches Geschick hin beim Verfolgen des merkwürdigen Lebenslaufes des Baslers Overbeck, der sich im Grunde genommen die Frage: Kann Theologie heute noch überhaupt christlich genannt werden, wenn sie zugleich eine Wissenschaft ist? – nur mit «nein» beantwortete. Als Theologe suchte er den Nachweis zu führen, dass die Theologie als Wissenschaft gar nicht christlich sein könne, denn jegliche Wissenschaft – so meinte Overbeck – muss mit vielem von dem aufräumen, brechen, was die Grundbedeutung einer jeden Religion ist; in dem Augenblick, wo eine vorchristliche Religion mit der Wissenschaft in Berührung kam, erfuhr sie eine Zersetzung, und so geschah es auch mit dem Christentum: Wissenschaft zerstört unter allen Umständen das Christentum und muss stets eine Gegnerin desselben sein.

[ 11 ] Es war daher von besonderer Bedeutung, als ein Theologe des neunzehnten Jahrhunderts, der in Basel gelebt hat, Franz Overbeck, ein sehr merkwürdiges Buch schrieb, das er betitelte «Über die Christlichkeit der heutigen Theologie». Dieses Buch ist nicht nur seines Inhaltes wegen merkwürdig, sondern es ist für jeden, den solche Dinge interessieren, bedeutsam als Ausdruck des Bekenntnisses eines Menschen, der sein ganzes Leben lang als Theologe in der schwersten Weise mit der Tatsache zu ringen hatte, dass er sich vor seine Studenten hinstellen musste mit solchen Empfindungen, wie sie in seiner Seele waren. Ringen musste Overbeck mit dieser Tatsache, bis es ihn schließlich drängte, das auszusprechen, was in seiner Seele lebte. Wer sich auf solche Dinge versteht, blickt wahrlich auf ein stürmisches Geschick hin beim Verfolgen des merkwürdigen Lebenslaufes des Baslers Overbeck, der sich im Grunde genommen die Frage: Kann Theologie heute noch überhaupt christlich genannt werden, wenn sie zugleich eine Wissenschaft ist? – nur mit «nein» beantwortete. Als Theologe suchte er den Nachweis zu führen, dass die Theologie als Wissenschaft gar nicht christlich sein könne, denn jegliche Wissenschaft – so meinte Overbeck – muss mit vielem von dem aufräumen, brechen, was die Grundbedeutung einer jeden Religion ist; in dem Augenblick, wo eine vorchristliche Religion mit der Wissenschaft in Berührung kam, erfuhr sie eine Zersetzung, und so geschah es auch mit dem Christentum: Wissenschaft zerstört unter allen Umständen das Christentum und muss stets eine Gegnerin desselben sein.

[ 12 ] Wenn dies ausgesprochen wird, so mag es vielleicht nicht tief zu Herzen gehen, ja vom Laien in einer gewissen Beziehung leicht hingenommen werden. Wenn man aber einer Zeit gegenübersteht, die einen derart bedeutenden Theologen zu einem solchen Bekenntnis drängt, muss man schon fühlen, wie tief eingreifend in unserer jetzigen Entwicklung die entsprechende Frage [nach dem Verhältnis des Christus zum Jesus], das Christus-Jesus-Problem, eigentlich ist. Und Overbeck sagt noch etwas anderes, nämlich ungefähr das Folgende: Was wir auch aufbringen können an Gedanken, an wissenschaftlichen Gründen über die christliche Weltanschauung, all das muss uns als entsetzlich klein und ungeeignet erscheinen, um eine Stütze zu sein für das christliche Glaubensbekenntnis. In der ersten Zeit lebten die Christen mit dem Gedanken, dass eine neue Welt komme, doch bald kam eine andere Zeit, und es waren nicht mehr die Lehrsätze der Kirchenväter, die das Christentum befruchteten. Zuerst hatte man die Hoffnung auf das Kommen des Himmels zur Erde, dann aber schließlich die Empfindung, dass diese Welt nimmermehr dem Menschenherz genügen könne; es machte sich eine asketische Stimmung bemerkbar.

[ 12 ] Wenn dies ausgesprochen wird, so mag es vielleicht nicht tief zu Herzen gehen, ja vom Laien in einer gewissen Beziehung leicht hingenommen werden. Wenn man aber einer Zeit gegenübersteht, die einen derart bedeutenden Theologen zu einem solchen Bekenntnis drängt, muss man schon fühlen, wie tief eingreifend in unserer jetzigen Entwicklung die entsprechende Frage [nach dem Verhältnis des Christus zum Jesus], das Christus-Jesus-Problem, eigentlich ist. Und Overbeck sagt noch etwas anderes, nämlich ungefähr das Folgende: Was wir auch aufbringen können an Gedanken, an wissenschaftlichen Gründen über die christliche Weltanschauung, all das muss uns als entsetzlich klein und ungeeignet erscheinen, um eine Stütze zu sein für das christliche Glaubensbekenntnis. In der ersten Zeit lebten die Christen mit dem Gedanken, dass eine neue Welt komme, doch bald kam eine andere Zeit, und es waren nicht mehr die Lehrsätze der Kirchenväter, die das Christentum befruchteten. Zuerst hatte man die Hoffnung auf das Kommen des Himmels zur Erde, dann aber schließlich die Empfindung, dass diese Welt nimmermehr dem Menschenherz genügen könne; es machte sich eine asketische Stimmung bemerkbar.

[ 13 ] In unserer heutigen Zeit sehen wir, dass die Menschen etwas auf wissenschaftliche Wahrheiten geben – diese leuchten eben ein, sie erobern die Welt der äußeren Sinne, und daher sehen wir die Triebkraft des Religionsbekenntnisses im Menschen dahinschlummern. Wer wollte nicht zugeben, dass dies tief, tief charakterisierend für unsere heutige Zeit ist? Ist es nicht ergreifend, erschütternd, dass das, was Tausenden und Abertausenden Trost und Hoffnung gab, immer mehr und mehr an Eigenkraft verliert? Nehmen wir eine Tatsache: 1873 war es, als man versuchte, in Frankreich diejenigen Menschen zu zählen, die noch von Christus ergriffen waren, und man stellte fest, dass ein Drittel der Gesamtbevölkerung noch an ihn glaubte. Heute nimmt man an, dass von der Londoner Gesamtbevölkerung nur noch etwa ein Fünftel vom Christentum durchdrungen ist. Was hilft es da, dass diejenigen, die mit sich selber schnell fertig werden, sagen: Was brauchen wir eine neue Begründung, das Alte genügt uns. – Wer nur an sich selber denkt und damit zufrieden ist, der mag so sprechen; wer aber an die Menschheit denkt und sieht, wie die besten Wahrheitssucher keine Stütze mehr finden können, wird zugeben müssen, dass die Zeiten ernst sind, dass es begreiflich ist, wenn die Menschen Sehnsucht haben nach einer Erneuerung des Alten.

[ 13 ] In unserer heutigen Zeit sehen wir, dass die Menschen etwas auf wissenschaftliche Wahrheiten geben – diese leuchten eben ein, sie erobern die Welt der äußeren Sinne, und daher sehen wir die Triebkraft des Religionsbekenntnisses im Menschen dahinschlummern. Wer wollte nicht zugeben, dass dies tief, tief charakterisierend für unsere heutige Zeit ist? Ist es nicht ergreifend, erschütternd, dass das, was Tausenden und Abertausenden Trost und Hoffnung gab, immer mehr und mehr an Eigenkraft verliert? Nehmen wir eine Tatsache: 1873 war es, als man versuchte, in Frankreich diejenigen Menschen zu zählen, die noch von Christus ergriffen waren, und man stellte fest, dass ein Drittel der Gesamtbevölkerung noch an ihn glaubte. Heute nimmt man an, dass von der Londoner Gesamtbevölkerung nur noch etwa ein Fünftel vom Christentum durchdrungen ist. Was hilft es da, dass diejenigen, die mit sich selber schnell fertig werden, sagen: Was brauchen wir eine neue Begründung, das Alte genügt uns. – Wer nur an sich selber denkt und damit zufrieden ist, der mag so sprechen; wer aber an die Menschheit denkt und sieht, wie die besten Wahrheitssucher keine Stütze mehr finden können, wird zugeben müssen, dass die Zeiten ernst sind, dass es begreiflich ist, wenn die Menschen Sehnsucht haben nach einer Erneuerung des Alten.

[ 14 ] So geschah es allmählich, dass auf theologischem Grunde ein Mensch namens Jesus von Nazareth erwuchs, von dem alles Übersinnliche hinweggezogen war. Im neunzehnten Jahrhundert kam dazu auch noch eine Reaktion von merkwürdiger Art. Man könnte sagen: Um mit dem Christus-Problem fertig zu werden, das über dem JesusProblem ganz verloren worden war, suchte man den Christus dennoch zu halten, ihn anzuerkennen. Dabei machte man ihn aber zu einem Wesen, dem im Grunde jede wahre Realität mangelt. Es hat dahin geführt, den Christus zu einem mystischen Wesen zu machen, das nicht gebunden zu sein braucht an das, was die Evangelisten erzählen – man versuchte, die Evangelien [sozusagen] hintanzuhalten. Es würde in ein Chaos führen, wenn man all die Strömungen der letzten Jahrzehnte behandeln wollte – jedenfalls haben wir es mit einer Krisis zu tun.

[ 14 ] So geschah es allmählich, dass auf theologischem Grunde ein Mensch namens Jesus von Nazareth erwuchs, von dem alles Übersinnliche hinweggezogen war. Im neunzehnten Jahrhundert kam dazu auch noch eine Reaktion von merkwürdiger Art. Man könnte sagen: Um mit dem Christus-Problem fertig zu werden, das über dem JesusProblem ganz verloren worden war, suchte man den Christus dennoch zu halten, ihn anzuerkennen. Dabei machte man ihn aber zu einem Wesen, dem im Grunde jede wahre Realität mangelt. Es hat dahin geführt, den Christus zu einem mystischen Wesen zu machen, das nicht gebunden zu sein braucht an das, was die Evangelisten erzählen – man versuchte, die Evangelien [sozusagen] hintanzuhalten. Es würde in ein Chaos führen, wenn man all die Strömungen der letzten Jahrzehnte behandeln wollte – jedenfalls haben wir es mit einer Krisis zu tun.

[ 15 ] Für den, der diese ganze Entwicklung verfolgt, gibt es etwas zu erkennen, das leicht begreiflich ist. Die Zusammenfügung der mystischen Anschauung mit all dem, was durch die Evangelienforschung zutage gefördert wurde, stellt die letzte Phase dieser Entwicklung dar. Es trat etwas zutage, was man als die Verbindung dieser beiden Strömungen bezeichnen kann, und die Folge war, dass man sogar daran zweifelte, ob überhaupt ein Jesus gelebt habe. Es entspricht durchaus dem Stil unserer Zeit, dass man sich, nachdem einmal der bloße äußere, historische Maßstab an Jesus angelegt wurde, fragte: Bleibt denn überhaupt von den Evangelien noch etwas übrig, was uns den Beweis liefert, dass ein Jesus gelebt hat? — Doch hat man kein Recht zu leugnen, dass ein Jesus existierte, denn mit einer gewissen Berechtigung wird man darauf hingeleitet, dass das Dasein des Jesus ein klar beweisbares ist. Allerdings ist für den, der die heutige Historienforschung kennt, der sich den heutigen Stand der Jesus-Forschung vergegenwärtigt, ein Beweis für das Dasein des Jesus nicht zu erbringen, denn es ist möglich – wenn man will –, die Urkunden der Evangelien anzufechten. Und man müsste leichtsinnig sein, wenn man nicht zugeben wollte, dass diese Bekämpfung doch recht bedeutsame Gründe hat.

[ 15 ] Für den, der diese ganze Entwicklung verfolgt, gibt es etwas zu erkennen, das leicht begreiflich ist. Die Zusammenfügung der mystischen Anschauung mit all dem, was durch die Evangelienforschung zutage gefördert wurde, stellt die letzte Phase dieser Entwicklung dar. Es trat etwas zutage, was man als die Verbindung dieser beiden Strömungen bezeichnen kann, und die Folge war, dass man sogar daran zweifelte, ob überhaupt ein Jesus gelebt habe. Es entspricht durchaus dem Stil unserer Zeit, dass man sich, nachdem einmal der bloße äußere, historische Maßstab an Jesus angelegt wurde, fragte: Bleibt denn überhaupt von den Evangelien noch etwas übrig, was uns den Beweis liefert, dass ein Jesus gelebt hat? — Doch hat man kein Recht zu leugnen, dass ein Jesus existierte, denn mit einer gewissen Berechtigung wird man darauf hingeleitet, dass das Dasein des Jesus ein klar beweisbares ist. Allerdings ist für den, der die heutige Historienforschung kennt, der sich den heutigen Stand der Jesus-Forschung vergegenwärtigt, ein Beweis für das Dasein des Jesus nicht zu erbringen, denn es ist möglich – wenn man will –, die Urkunden der Evangelien anzufechten. Und man müsste leichtsinnig sein, wenn man nicht zugeben wollte, dass diese Bekämpfung doch recht bedeutsame Gründe hat.

[ 16 ] Aber was zeigt uns das alles? Es zeigt uns, dass wir auf dem ganzen Gebiet [der Jesus-Forschung] in einer Krisis stehen. In die gegenwärtige Bildung hat sich jedoch auch eine neue Weltanschauung hineingefügt, welche zunächst plausibel zu machen weiß, dass sie andere Quellen der Wahrheit hat als diejenigen, die man bisher hatte – ich meine die Theosophie oder Geisteswissenschaft. Wenn auch Theosophie etwas zu sagen hat über das Christentum und seine Entstehung, dann könnte es sich doch als Notwendigkeit ergeben, dass Religion und Religionsforschung sich auseinandersetzen mit dem, was Theosophie über Christus Jesus sagt. Man muss deshalb wissen, dass man beiderseits von einigen elementaren, grundlegenden Ereignissen, die geschehen und nicht abzusprechen sind, ausgeht.

[ 16 ] Aber was zeigt uns das alles? Es zeigt uns, dass wir auf dem ganzen Gebiet [der Jesus-Forschung] in einer Krisis stehen. In die gegenwärtige Bildung hat sich jedoch auch eine neue Weltanschauung hineingefügt, welche zunächst plausibel zu machen weiß, dass sie andere Quellen der Wahrheit hat als diejenigen, die man bisher hatte – ich meine die Theosophie oder Geisteswissenschaft. Wenn auch Theosophie etwas zu sagen hat über das Christentum und seine Entstehung, dann könnte es sich doch als Notwendigkeit ergeben, dass Religion und Religionsforschung sich auseinandersetzen mit dem, was Theosophie über Christus Jesus sagt. Man muss deshalb wissen, dass man beiderseits von einigen elementaren, grundlegenden Ereignissen, die geschehen und nicht abzusprechen sind, ausgeht.

[ 17 ] Dasjenige, woran unsere gegenwärtige Bildung unzweifelhaft den meisten Anstoß nehmen muss, ist die Auferstehungsgeschichte, dass eben etwas eingetreten ist, was man heute nicht mehr begreiflich finden kann, nämlich dass ein Sieg des Lebens über den Tod da war. Vom theosophischen Gesichtspunkt aus lässt sich hierüber nur dann etwas sagen, wenn man auf das Nächstliegende Rücksicht nimmt, nämlich auf den Schauplatz des eigenen Herzens, der eigenen Seele. Und was zeigt uns dieser Schauplatz? Er zeigt uns etwas, was allerdings von der tonangebenden Bildung nicht zugegeben werden kann; er zeigt uns, wie für den Menschen die Möglichkeit vorhanden ist, dass sich in irgendeiner Zeit seines Lebens ein innerliches Wunder vollzieht. Wenn das als ein Wunder anzusehen ist, was man charakterisieren kann als im Gegensatz stehend zu dem, was mit dem Verstand zusammenhängt, dann ist es eine Tatsache, dass ein solches Wunder sich in der Menschennatur vollziehen kann. Und für jede Seele, bei welcher sich dieses Wunder vollzogen hat, ist es innerlich klar, dass es Wunder gibt.

[ 17 ] Dasjenige, woran unsere gegenwärtige Bildung unzweifelhaft den meisten Anstoß nehmen muss, ist die Auferstehungsgeschichte, dass eben etwas eingetreten ist, was man heute nicht mehr begreiflich finden kann, nämlich dass ein Sieg des Lebens über den Tod da war. Vom theosophischen Gesichtspunkt aus lässt sich hierüber nur dann etwas sagen, wenn man auf das Nächstliegende Rücksicht nimmt, nämlich auf den Schauplatz des eigenen Herzens, der eigenen Seele. Und was zeigt uns dieser Schauplatz? Er zeigt uns etwas, was allerdings von der tonangebenden Bildung nicht zugegeben werden kann; er zeigt uns, wie für den Menschen die Möglichkeit vorhanden ist, dass sich in irgendeiner Zeit seines Lebens ein innerliches Wunder vollzieht. Wenn das als ein Wunder anzusehen ist, was man charakterisieren kann als im Gegensatz stehend zu dem, was mit dem Verstand zusammenhängt, dann ist es eine Tatsache, dass ein solches Wunder sich in der Menschennatur vollziehen kann. Und für jede Seele, bei welcher sich dieses Wunder vollzogen hat, ist es innerlich klar, dass es Wunder gibt.

[ 18 ] Es ist eine Tatsache, dass es ein innerliches, mystisches Erleben gibt, in der Art, dass in die menschliche Seele etwas hereintritt, was im natürlichen Lebenslauf in keiner Beziehung mit der Seele steht. Um dies einzusehen, muss man den natürlichen Lebenslauf des Menschen verfolgen. Es zeigt sich, dass wir es neben allen äußeren Tatsachen des Lebens immerfort zu tun haben mit einem tiefinneren Leben – wir haben es zu tun mit der Tatsache, dass sich der Lauf des Lebens in der Menschenseele zeigt. Nehmen wir eine Seele, welche zu den ringenden Seelen im Leben gehört – nicht eine wissenschaftliche. Nehmen wir eine Menschenseele, welche sich mit den Problemfragen des Daseins beschäftigt, die innere tragische Geschicke, Schmerzen und Leiden, aber auch Seligkeit und Erlösung erfährt. Nehmen wir eine solche Menschenseele, welche Jahre hindurch in solchen Stimmungen lebt, und stellen wir uns vor, es hätte jemand diesen Menschen zehn Jahre nicht mehr gesehen. Er würde eine merkwürdige Entdeckung machen, nämlich die, dass sich dieses Ringen der Seele zum Ausdruck bringt in der Veränderung der Physiognomie, der Gesten und so weiter. Das geistige Ringen drückt sich am Körper aus. Was sich im Innern des Menschen abspielt, arbeitet an der Umgestaltung des menschlichen Äußeren.

[ 18 ] Es ist eine Tatsache, dass es ein innerliches, mystisches Erleben gibt, in der Art, dass in die menschliche Seele etwas hereintritt, was im natürlichen Lebenslauf in keiner Beziehung mit der Seele steht. Um dies einzusehen, muss man den natürlichen Lebenslauf des Menschen verfolgen. Es zeigt sich, dass wir es neben allen äußeren Tatsachen des Lebens immerfort zu tun haben mit einem tiefinneren Leben – wir haben es zu tun mit der Tatsache, dass sich der Lauf des Lebens in der Menschenseele zeigt. Nehmen wir eine Seele, welche zu den ringenden Seelen im Leben gehört – nicht eine wissenschaftliche. Nehmen wir eine Menschenseele, welche sich mit den Problemfragen des Daseins beschäftigt, die innere tragische Geschicke, Schmerzen und Leiden, aber auch Seligkeit und Erlösung erfährt. Nehmen wir eine solche Menschenseele, welche Jahre hindurch in solchen Stimmungen lebt, und stellen wir uns vor, es hätte jemand diesen Menschen zehn Jahre nicht mehr gesehen. Er würde eine merkwürdige Entdeckung machen, nämlich die, dass sich dieses Ringen der Seele zum Ausdruck bringt in der Veränderung der Physiognomie, der Gesten und so weiter. Das geistige Ringen drückt sich am Körper aus. Was sich im Innern des Menschen abspielt, arbeitet an der Umgestaltung des menschlichen Äußeren.

[ 19 ] Viel interessanter ist jedoch das Folgende: Wer derart ringt, der spürt, dass er, wenn für gewisse Rätsel eine Beantwortung, eine Lösung, eingetreten ist, in einer anderen Seelenverfassung ist. Und das Charakteristische ist, dass dann, wenn die Lösung eingetreten ist, die Umgestaltung der Physiognomie aufhört und nun der Ausdruck konstant bleibt. Solange das Ringen dauert, bilden sich Furchen. Allein auch dies hat ein Ende; es ist gleichsam so, als wenn der menschliche Leib an die Grenze seiner Elastizität käme. Kommt der Mensch an diese Grenze, dann hört die leibliche Umgestaltung schließlich auf. Es verwandeln sich die Kräfte des Bewusstseins, die Seelenkräfte. Erst arbeiten sie am Leib, und dann, wenn dies nicht mehr möglich ist, arbeiten sie sich bewusst in sich selbst hinein. Man hat festgestellt, dass diese menschlichen Seelenkräfte das ganze Menschenleben hindurch innerlich arbeiten, und es zeigt sich, dass von dem, was in den Tiefen der Seele arbeitet, manchmal auch etwas ins Bewusstsein hinaufdringt, und dies zeigt sich in besonders merkwürdigen Träumen. Das bedeutet, dass die Traumbilder etwas verraten von dem, was in der Seele vorgeht.

[ 19 ] Viel interessanter ist jedoch das Folgende: Wer derart ringt, der spürt, dass er, wenn für gewisse Rätsel eine Beantwortung, eine Lösung, eingetreten ist, in einer anderen Seelenverfassung ist. Und das Charakteristische ist, dass dann, wenn die Lösung eingetreten ist, die Umgestaltung der Physiognomie aufhört und nun der Ausdruck konstant bleibt. Solange das Ringen dauert, bilden sich Furchen. Allein auch dies hat ein Ende; es ist gleichsam so, als wenn der menschliche Leib an die Grenze seiner Elastizität käme. Kommt der Mensch an diese Grenze, dann hört die leibliche Umgestaltung schließlich auf. Es verwandeln sich die Kräfte des Bewusstseins, die Seelenkräfte. Erst arbeiten sie am Leib, und dann, wenn dies nicht mehr möglich ist, arbeiten sie sich bewusst in sich selbst hinein. Man hat festgestellt, dass diese menschlichen Seelenkräfte das ganze Menschenleben hindurch innerlich arbeiten, und es zeigt sich, dass von dem, was in den Tiefen der Seele arbeitet, manchmal auch etwas ins Bewusstsein hinaufdringt, und dies zeigt sich in besonders merkwürdigen Träumen. Das bedeutet, dass die Traumbilder etwas verraten von dem, was in der Seele vorgeht.

[ 20 ] Nehmen wir einen charakteristischen Traum aus dem Leben, der einem mir nahestehenden Freund widerfuhr. Als junger Mensch, der die Mittelschule besuchte, hatte er in der letzten Klasse eine Zeichnung anzufertigen, und man gab ihm, weil man wusste, dass er über Talent verfügte, eine besonders schwierige Vorlage, und gerade deshalb ging es auch mit der Arbeit etwas langsam vorwärts. Der Schulschluss nahte, und der Schüler sah ein, dass er unmöglich rechtzeitig fertig werden konnte, da erst ein kleiner Teil gezeichnet war. Er empfand darüber Angst, doch am Schulschluss genügte seine Leistung dennoch den Lehrern, denn sie sahen ein, dass er eben infolge der großen Begabung nur langsam vorwärtsgekommen war. Der Mann wurde älter, ergriff den Beruf des Zeichners, und merkwürdigerweise stellte sich in gewissen Zeitabständen dieses Schulerlebnis im Traum wieder ein, und zwar erlebte er alles genau so, wie es sich einst zugetragen hatte, nur die Angst, dass er nicht fertig werden könne, war im Traum viel, viel größer. Es kam vor, dass der Traum tagelang hintereinander regelmäßig wiederkam, dann setzte es aus, für Jahre, und kam dann wieder.

[ 20 ] Nehmen wir einen charakteristischen Traum aus dem Leben, der einem mir nahestehenden Freund widerfuhr. Als junger Mensch, der die Mittelschule besuchte, hatte er in der letzten Klasse eine Zeichnung anzufertigen, und man gab ihm, weil man wusste, dass er über Talent verfügte, eine besonders schwierige Vorlage, und gerade deshalb ging es auch mit der Arbeit etwas langsam vorwärts. Der Schulschluss nahte, und der Schüler sah ein, dass er unmöglich rechtzeitig fertig werden konnte, da erst ein kleiner Teil gezeichnet war. Er empfand darüber Angst, doch am Schulschluss genügte seine Leistung dennoch den Lehrern, denn sie sahen ein, dass er eben infolge der großen Begabung nur langsam vorwärtsgekommen war. Der Mann wurde älter, ergriff den Beruf des Zeichners, und merkwürdigerweise stellte sich in gewissen Zeitabständen dieses Schulerlebnis im Traum wieder ein, und zwar erlebte er alles genau so, wie es sich einst zugetragen hatte, nur die Angst, dass er nicht fertig werden könne, war im Traum viel, viel größer. Es kam vor, dass der Traum tagelang hintereinander regelmäßig wiederkam, dann setzte es aus, für Jahre, und kam dann wieder.

[ 21 ] Recht verstehen kann man die ganze Bedeutung dieses Traumerlebnisses nur, wenn man es mit dem Leben vergleicht. Es zeigte sich nämlich, dass jedes Mal, wenn dieses Traumerlebnis abgelaufen war, dieser Mensch eine Erhöhung seiner Fähigkeiten erkannte, er konnte mehr in Bezug auf das Anschauen der Formen und das Ausdrücken derselben durch die Hand; er erlebte jedes Mal einen merklichen Fortschritt. Der Mensch arbeitet geistig-seelisch wie dieser Zeichner, und zeitweilig offenbart sich gleichsam seine Seelenarbeit im Traum – in jenem merkwürdigen Zustand, der zwischen Bewusstsein und Unbewausstsein steht, in jenem Übergang aus dem Unterbewusstsein in das Bewusste. Das sehen wir durch das ganze Leben hindurch.

[ 21 ] Recht verstehen kann man die ganze Bedeutung dieses Traumerlebnisses nur, wenn man es mit dem Leben vergleicht. Es zeigte sich nämlich, dass jedes Mal, wenn dieses Traumerlebnis abgelaufen war, dieser Mensch eine Erhöhung seiner Fähigkeiten erkannte, er konnte mehr in Bezug auf das Anschauen der Formen und das Ausdrücken derselben durch die Hand; er erlebte jedes Mal einen merklichen Fortschritt. Der Mensch arbeitet geistig-seelisch wie dieser Zeichner, und zeitweilig offenbart sich gleichsam seine Seelenarbeit im Traum – in jenem merkwürdigen Zustand, der zwischen Bewusstsein und Unbewausstsein steht, in jenem Übergang aus dem Unterbewusstsein in das Bewusste. Das sehen wir durch das ganze Leben hindurch.

[ 22 ] Wir haben im menschlichen Leben einen wichtigen Punkt, bis zu welchem man sich im Lebenslauf zurückerinnert. Jeder muss sagen: Ich erinnere mich bis zu einem gewissen Zeitpunkt, aber das, was vor diesem Zeitpunkt liegt, ist mir völlig unbewusst, und ich weiß nur durch Berichte anderer auch darüber etwas. Dieser Zeitpunkt ist derjenige, zu welchem wir uns angeeignet haben, «ich» zu sagen. Was aber war vor jenem Zeitpunkt? Sehen wir das Kind an, mit den ungeschickten Bewegungen, dem ungeschickten Tun. Wir wissen, dass das wichtigste Organ des Menschen, das Gehirn, noch völlig unentwickelt ist, wenn das Kind ins Dasein tritt, und erst während des Erdenlebens, bis das Kind «ich» sagen lernt, arbeitet es an den denkerischen Organen. Wir haben es also außer dem geistig-natürlichen Bewusstsein des Menschen mit einer von diesem völlig unabhängigen, übersinnlich-seelischen Tätigkeit zu tun, die den Ausgangspunkt jener gehirnlichen Tätigkeit darstellt. Jenes Übersinnliche, Seelische im Menschen wird durch das folgende Beispiel charakterisiert.

[ 22 ] Wir haben im menschlichen Leben einen wichtigen Punkt, bis zu welchem man sich im Lebenslauf zurückerinnert. Jeder muss sagen: Ich erinnere mich bis zu einem gewissen Zeitpunkt, aber das, was vor diesem Zeitpunkt liegt, ist mir völlig unbewusst, und ich weiß nur durch Berichte anderer auch darüber etwas. Dieser Zeitpunkt ist derjenige, zu welchem wir uns angeeignet haben, «ich» zu sagen. Was aber war vor jenem Zeitpunkt? Sehen wir das Kind an, mit den ungeschickten Bewegungen, dem ungeschickten Tun. Wir wissen, dass das wichtigste Organ des Menschen, das Gehirn, noch völlig unentwickelt ist, wenn das Kind ins Dasein tritt, und erst während des Erdenlebens, bis das Kind «ich» sagen lernt, arbeitet es an den denkerischen Organen. Wir haben es also außer dem geistig-natürlichen Bewusstsein des Menschen mit einer von diesem völlig unabhängigen, übersinnlich-seelischen Tätigkeit zu tun, die den Ausgangspunkt jener gehirnlichen Tätigkeit darstellt. Jenes Übersinnliche, Seelische im Menschen wird durch das folgende Beispiel charakterisiert.

[ 23 ] Es ist allgemein bekannt, dass Nietzsche im Wahnsinn endete. In der letzten Zeit vor dem Ausbruch des Wahnsinns schrieb er «verfängliche» Briefe an Bekannte, so auch an den vorhin erwähnten Basler Theologen Overbeck. Als Overbeck Ende der achtziger Jahre einen dieser Briefe bekam, da wusste er, dass er nicht mehr säumen durfte, seinen Freund Nietzsche von Turin – wo er sich aufhielt – abzuholen. Wichtig erscheint nun als Beispiel für das, was ich anführte, Folgendes: Als Nietzsche mit Overbeck zusammentraf, hatte er für das, was ihn umgab, gar keine Aufmerksamkeit mehr; er ließ mit sich machen, was man wollte, und zeigte absolut kein Interesse. Nur als er den Namen jener Persönlichkeit aussprechen hörte, die vor ihm stand und die dieselbe war, die als Kollege jahrelang mit ihm verkehrt hatte, da durchzuckte es ihn: Das ist ja jener Irrenarzt, mit dem ich damals zusammen war. – Und Nietzsche begann zum größten Erstaunen Overbecks ein Gespräch an dem Punkt fortzusetzen, wo es vor sieben Jahren unterbrochen worden war. Ein Mensch, der keine Aufmerksamkeit für die Außenwelt hat, setzt ein Gespräch an der Stelle fort, wo es vor sieben Jahren unterbrochen worden ist! Overbeck hatte jenes Gespräch in der Zwischenzeit zwar vergessen, erinnerte sich aber sogleich wieder daran. Und es ist merkwürdig: Als Nietzsche dann nach Jena gebracht wurde und Overbeck ihn in der Irrenanstalt besuchte, konnte man nicht mit ihm darüber reden, was in seiner Umgebung vorging — nur über das, was er vor Jahren gedacht, ersonnen, seelisch durchgekämpft, erlebt hatte, nur darüber konnte man mit ihm sprechen.

[ 23 ] Es ist allgemein bekannt, dass Nietzsche im Wahnsinn endete. In der letzten Zeit vor dem Ausbruch des Wahnsinns schrieb er «verfängliche» Briefe an Bekannte, so auch an den vorhin erwähnten Basler Theologen Overbeck. Als Overbeck Ende der achtziger Jahre einen dieser Briefe bekam, da wusste er, dass er nicht mehr säumen durfte, seinen Freund Nietzsche von Turin – wo er sich aufhielt – abzuholen. Wichtig erscheint nun als Beispiel für das, was ich anführte, Folgendes: Als Nietzsche mit Overbeck zusammentraf, hatte er für das, was ihn umgab, gar keine Aufmerksamkeit mehr; er ließ mit sich machen, was man wollte, und zeigte absolut kein Interesse. Nur als er den Namen jener Persönlichkeit aussprechen hörte, die vor ihm stand und die dieselbe war, die als Kollege jahrelang mit ihm verkehrt hatte, da durchzuckte es ihn: Das ist ja jener Irrenarzt, mit dem ich damals zusammen war. – Und Nietzsche begann zum größten Erstaunen Overbecks ein Gespräch an dem Punkt fortzusetzen, wo es vor sieben Jahren unterbrochen worden war. Ein Mensch, der keine Aufmerksamkeit für die Außenwelt hat, setzt ein Gespräch an der Stelle fort, wo es vor sieben Jahren unterbrochen worden ist! Overbeck hatte jenes Gespräch in der Zwischenzeit zwar vergessen, erinnerte sich aber sogleich wieder daran. Und es ist merkwürdig: Als Nietzsche dann nach Jena gebracht wurde und Overbeck ihn in der Irrenanstalt besuchte, konnte man nicht mit ihm darüber reden, was in seiner Umgebung vorging — nur über das, was er vor Jahren gedacht, ersonnen, seelisch durchgekämpft, erlebt hatte, nur darüber konnte man mit ihm sprechen.

[ 24 ] Was zeigt uns dies aber? Es zeigt uns, dass im körperlichen Leib ein übersinnlicher Leib steckt. Wenn man auf Tatsachen baut, so muss man das, was hier in Betracht kommt, als hochwichtig anerkennen. Der Mensch kann nur durch seine physischen Organe mit der gegenständlichen Außenwelt in Verbindung treten. Nietzsches Organe waren zerstört, und deshalb konnte er dies nicht mehr; allein der zentrale Geisteskern innerhalb des Leiblichen, des Körpers war davon unberührt. Dieses eine Beispiel aber könnte hundertfach vermehrt werden. Das Vorhandensein dieses zentralen Geisteskernes im leiblichen Körper kann nicht bestritten werden, und es ist eine Tatsache, dass der Mensch unter gewissen Umständen in die übersinnliche Welt hineinzuschauen vermag. Wenn wir Gedanken, die symbolisch sind, durch den starken Willen so in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellen, dass sich alle Aufmerksamkeit darauf konzentriert und durch nichts abgelenkt wird, wenn wir nur auf dasjenige hinschauen und es immer und immer wiederholen – ein Jahr lang, und wenn ein Jahr nicht genügt, dann zehn Jahre hindurch: Ein Resultat stellt sich schließlich ein. Die Seele gelangt dazu, aus den Tiefen alles heraufzuholen; sie blickt in alles hinein.

[ 24 ] Was zeigt uns dies aber? Es zeigt uns, dass im körperlichen Leib ein übersinnlicher Leib steckt. Wenn man auf Tatsachen baut, so muss man das, was hier in Betracht kommt, als hochwichtig anerkennen. Der Mensch kann nur durch seine physischen Organe mit der gegenständlichen Außenwelt in Verbindung treten. Nietzsches Organe waren zerstört, und deshalb konnte er dies nicht mehr; allein der zentrale Geisteskern innerhalb des Leiblichen, des Körpers war davon unberührt. Dieses eine Beispiel aber könnte hundertfach vermehrt werden. Das Vorhandensein dieses zentralen Geisteskernes im leiblichen Körper kann nicht bestritten werden, und es ist eine Tatsache, dass der Mensch unter gewissen Umständen in die übersinnliche Welt hineinzuschauen vermag. Wenn wir Gedanken, die symbolisch sind, durch den starken Willen so in den Mittelpunkt des Bewusstseins stellen, dass sich alle Aufmerksamkeit darauf konzentriert und durch nichts abgelenkt wird, wenn wir nur auf dasjenige hinschauen und es immer und immer wiederholen – ein Jahr lang, und wenn ein Jahr nicht genügt, dann zehn Jahre hindurch: Ein Resultat stellt sich schließlich ein. Die Seele gelangt dazu, aus den Tiefen alles heraufzuholen; sie blickt in alles hinein.

[ 25 ] Nicht mit Hilfe gewöhnlicher Werkzeuge kann dieser übersinnliche Zustand erreicht werden, sondern durch intime seelische Verrichtungen. Wenn der Mensch lange genug in dieser Weise alle Gedanken konzentriert und [mit ihnen] gearbeitet hat, dann kommt er schließlich an einen Punkt, wo er sich sagt: Ja, ich erlebe jetzt in mir etwas, von dem ich ganz sicher bin, dass es etwas Überirdisches ist. Aber merkwürdig, ich kann es nicht in der Weise denken, wie ich die Dinge sonst denke. – Der Mensch fühlt dann etwas, was nur denen zum Bewusstsein kommt, die es erleben, denn in diesem Augenblick des Überschreitens des Widerstandes seines physischen Leibes ist das Gehirn nicht mehr geeignet, das Erlebte zum Ausdruck zu bringen. Der Mensch erkennt: Das, was er gewohnt war, in der Seele zu empfinden, das will übertreten ins Bewusstsein. Aber er verspürt: Die Leibeswerkzeuge waren zwar für das bisherige natürliche Leben geeignet, aber jetzt erlebe ich etwas, wofür mein Gehirn noch nicht genügend entwickelt ist. Der Mensch empfindet dann die Zweiheit des geistig-seelischen Wesens. Er erlebt dann weiter, wie endlich das, was zuerst schwach war, anfängt, fühlbar, wahrnehmbar weiterzuarbeiten am Gehirn, am Bewusstsein, am Leib.

[ 25 ] Nicht mit Hilfe gewöhnlicher Werkzeuge kann dieser übersinnliche Zustand erreicht werden, sondern durch intime seelische Verrichtungen. Wenn der Mensch lange genug in dieser Weise alle Gedanken konzentriert und [mit ihnen] gearbeitet hat, dann kommt er schließlich an einen Punkt, wo er sich sagt: Ja, ich erlebe jetzt in mir etwas, von dem ich ganz sicher bin, dass es etwas Überirdisches ist. Aber merkwürdig, ich kann es nicht in der Weise denken, wie ich die Dinge sonst denke. – Der Mensch fühlt dann etwas, was nur denen zum Bewusstsein kommt, die es erleben, denn in diesem Augenblick des Überschreitens des Widerstandes seines physischen Leibes ist das Gehirn nicht mehr geeignet, das Erlebte zum Ausdruck zu bringen. Der Mensch erkennt: Das, was er gewohnt war, in der Seele zu empfinden, das will übertreten ins Bewusstsein. Aber er verspürt: Die Leibeswerkzeuge waren zwar für das bisherige natürliche Leben geeignet, aber jetzt erlebe ich etwas, wofür mein Gehirn noch nicht genügend entwickelt ist. Der Mensch empfindet dann die Zweiheit des geistig-seelischen Wesens. Er erlebt dann weiter, wie endlich das, was zuerst schwach war, anfängt, fühlbar, wahrnehmbar weiterzuarbeiten am Gehirn, am Bewusstsein, am Leib.

[ 26 ] Ich habe Ihnen jetzt diesen Entwicklungsgang geschildert. Es handelt sich dabei um nichts willkürlich Erdachtes, um keine Thesen, sondern um eine Tatsache, die jeder wahre Geistessucher erleben kann. Was erlebt aber der Geistessucher? Er erlebt das, was ich bezeichnete als «Wunder-Tatsache». Es tritt in die Seele etwas Außerweltliches, zu dem der Mensch vorher keine Beziehung hatte. Man könnte das, was hereintritt, bezeichnen als einen höheren Menschen im Menschen, als etwas, was zu jenem Geistigen hinzutritt, das vorher schon da war. Nun könnte sich vielleicht eine Frage aufdrängen: Ja, so etwas erlebt aber doch nur ein kleiner Kreis von Menschen, so etwas erlebt nur der Geistessucher, der diese Verrichtungen mit der Seele vornimmt. — Das soeben Geschilderte kann aber von jeder Seele erlebt werden, allerdings in den verschiedensten Schattierungen, in den verschiedensten Abstufungen, der Individualität des jeweiligen Menschen entsprechend. Wenn wir die Schilderungen jener Menschen lesen, die wir die christlichen Mystiker nennen, so fühlen wir heraus, dass diese Mystiker zwar nicht das erlebten, was ich eben schilderte, dass aber doch in diese Seelen etwas eingezogen ist, das anderer Natur ist, das etwas anderes ist als das vorhandene Geistige – man nennt diese Umwandlung «Auferweckung».

[ 26 ] Ich habe Ihnen jetzt diesen Entwicklungsgang geschildert. Es handelt sich dabei um nichts willkürlich Erdachtes, um keine Thesen, sondern um eine Tatsache, die jeder wahre Geistessucher erleben kann. Was erlebt aber der Geistessucher? Er erlebt das, was ich bezeichnete als «Wunder-Tatsache». Es tritt in die Seele etwas Außerweltliches, zu dem der Mensch vorher keine Beziehung hatte. Man könnte das, was hereintritt, bezeichnen als einen höheren Menschen im Menschen, als etwas, was zu jenem Geistigen hinzutritt, das vorher schon da war. Nun könnte sich vielleicht eine Frage aufdrängen: Ja, so etwas erlebt aber doch nur ein kleiner Kreis von Menschen, so etwas erlebt nur der Geistessucher, der diese Verrichtungen mit der Seele vornimmt. — Das soeben Geschilderte kann aber von jeder Seele erlebt werden, allerdings in den verschiedensten Schattierungen, in den verschiedensten Abstufungen, der Individualität des jeweiligen Menschen entsprechend. Wenn wir die Schilderungen jener Menschen lesen, die wir die christlichen Mystiker nennen, so fühlen wir heraus, dass diese Mystiker zwar nicht das erlebten, was ich eben schilderte, dass aber doch in diese Seelen etwas eingezogen ist, das anderer Natur ist, das etwas anderes ist als das vorhandene Geistige – man nennt diese Umwandlung «Auferweckung».

[ 27 ] Wer sich mit der nötigen Andacht in die Schilderungen der Evangelien vertieft, wird in mehr oder minder großem Maße das erleben, was ich beschrieben habe. Allein, jeder kann es – abgesehen vom Studium der Evangelien – erleben, es empfinden, dass in der Seele ein Gefühl vorhanden ist, das im natürlichen Verlauf des Lebens in der Seele nicht zu finden ist. Die Bibel jedoch vermag am einfachsten eine übersinnlich-geistige Welt in den Horizont des Bewusstseins zu bringen. Wenn man diese Wunder-Tatsache zugibt, dann liefert die Menschheit dazu eine notwendige Ergänzung, und diese ergibt sich aus der Theosophie selber. Wenn wir noch einmal zurückblicken auf das über den zentralen Geisteskern Gesagte, so sehen wir, dass dieser zentrale Geisteskern nicht zurückgeführt werden kann auf den bloßen Anfang, auf die Entstehung des Leibes, denn dieser zentrale Geisteskern ist ja völlig unabhängig vom Lebensanfang, von der gehirnlichen Tätigkeit des Menschen, sondern er muss vielmehr zurückgeführt werden auf ein früheres Menschenleben, sodass wir also von wiederholten Erdenleben sprechen müssen. Was wir so als zentralen Geisteskern, als übersinnliches Leben kennengelernt haben, das behauptet sich also durch den Tod hindurch, und mit diesem Standpunkt stehen wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft.

[ 27 ] Wer sich mit der nötigen Andacht in die Schilderungen der Evangelien vertieft, wird in mehr oder minder großem Maße das erleben, was ich beschrieben habe. Allein, jeder kann es – abgesehen vom Studium der Evangelien – erleben, es empfinden, dass in der Seele ein Gefühl vorhanden ist, das im natürlichen Verlauf des Lebens in der Seele nicht zu finden ist. Die Bibel jedoch vermag am einfachsten eine übersinnlich-geistige Welt in den Horizont des Bewusstseins zu bringen. Wenn man diese Wunder-Tatsache zugibt, dann liefert die Menschheit dazu eine notwendige Ergänzung, und diese ergibt sich aus der Theosophie selber. Wenn wir noch einmal zurückblicken auf das über den zentralen Geisteskern Gesagte, so sehen wir, dass dieser zentrale Geisteskern nicht zurückgeführt werden kann auf den bloßen Anfang, auf die Entstehung des Leibes, denn dieser zentrale Geisteskern ist ja völlig unabhängig vom Lebensanfang, von der gehirnlichen Tätigkeit des Menschen, sondern er muss vielmehr zurückgeführt werden auf ein früheres Menschenleben, sodass wir also von wiederholten Erdenleben sprechen müssen. Was wir so als zentralen Geisteskern, als übersinnliches Leben kennengelernt haben, das behauptet sich also durch den Tod hindurch, und mit diesem Standpunkt stehen wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft.

[ 28 ] Diese Anschauung von wiederholten Erdenleben hat sich bereits in unsere neuere Kultur hereingestellt. Lessing hat aus einer inneren Notwendigkeit heraus von der Wiederholung des Lebens sprechen müssen. Er sagte: Betrachtet man die gesamte menschliche Entwicklung, so erscheint sie einem wie eine umfassende Erziehung der Menschheit. – Sinnlos wäre es Lessing vorgekommen, wenn eine Seele gelebt haben würde, die [mit dem Tode] ganz geendet hätte. Lessing dachte sich, dass die Seele das, was sie an Schulungen besitzt, mitnimmt, [dann wieder damit auf die Erde kommt und so weiter. So würde ein einheitlicher Organismus geschaffen: Die in einer Entwicklung stehende Seele stirbt nicht ab], sondern lebt immer weiter, lebt ewig fort. Das neunzehnte Jahrhundert hat allerdings wenig Geschmack gefunden an der Ausarbeitung dieser Tatsache. Aber diese Tatsache tritt mit Notwendigkeit hervor. Als vor wenigen Jahrzehnten ein Preis für die beste schriftstellerische Arbeit über das Thema «Die Unsterblichkeit der Seele» ausgesetzt wurde, erkannte man den ersten Preis einer Arbeit zu, die betitelt war: «Die Unsterblichkeit der Seele auf Grund des wiederholten Erdenlebens». Dies ist ein Beweis dafür, dass es schon damals Menschen zu dieser Auffassung von wiederholten Erdenleben drängte.

[ 28 ] Diese Anschauung von wiederholten Erdenleben hat sich bereits in unsere neuere Kultur hereingestellt. Lessing hat aus einer inneren Notwendigkeit heraus von der Wiederholung des Lebens sprechen müssen. Er sagte: Betrachtet man die gesamte menschliche Entwicklung, so erscheint sie einem wie eine umfassende Erziehung der Menschheit. – Sinnlos wäre es Lessing vorgekommen, wenn eine Seele gelebt haben würde, die [mit dem Tode] ganz geendet hätte. Lessing dachte sich, dass die Seele das, was sie an Schulungen besitzt, mitnimmt, [dann wieder damit auf die Erde kommt und so weiter. So würde ein einheitlicher Organismus geschaffen: Die in einer Entwicklung stehende Seele stirbt nicht ab], sondern lebt immer weiter, lebt ewig fort. Das neunzehnte Jahrhundert hat allerdings wenig Geschmack gefunden an der Ausarbeitung dieser Tatsache. Aber diese Tatsache tritt mit Notwendigkeit hervor. Als vor wenigen Jahrzehnten ein Preis für die beste schriftstellerische Arbeit über das Thema «Die Unsterblichkeit der Seele» ausgesetzt wurde, erkannte man den ersten Preis einer Arbeit zu, die betitelt war: «Die Unsterblichkeit der Seele auf Grund des wiederholten Erdenlebens». Dies ist ein Beweis dafür, dass es schon damals Menschen zu dieser Auffassung von wiederholten Erdenleben drängte.

[ 29 ] Wenn wir die Entwicklung der Menschheit betrachten, so stellt sich heraus: Erst von einem gewissen Zeitpunkt an war es möglich, dass die Menschenseele jenes innerliche Wunder erleben konnte, dass in die Seele jene Gewissheit treten kann, die [zunächst] als Frage [an sie] herankommt. Wir können zwei große Epochen unterscheiden: die alte, vorchristliche Zeit, wo der Mensch noch nicht zum Bewusstsein seines Ichs gekommen ist, und die Zeit nach Christus, wo der Mensch mit voller Aufrechterhaltung seines selbstbewussten Ichs in die Welt tritt. Wie die menschliche Abstammung auf ein Urwesen zurückzuführen ist, so muss auch dasjenige, was in der Seele als eine innere Auferstehung für jeden Einzelnen sich erweisen kann, auf einen Stammvater für dieses InnenWunder zurückzuführen sein. Wie für den einzelnen Menschen sich die Auferstehung vollzieht, so muss sich auch für die Menschheit die Auferstehung vollzogen haben, und die Theosophie zeigt uns klar: Was den einzelnen Menschen zu einem anderen macht, das machte auch den Menschen Jesus von Nazareth zu einem anderen.

[ 29 ] Wenn wir die Entwicklung der Menschheit betrachten, so stellt sich heraus: Erst von einem gewissen Zeitpunkt an war es möglich, dass die Menschenseele jenes innerliche Wunder erleben konnte, dass in die Seele jene Gewissheit treten kann, die [zunächst] als Frage [an sie] herankommt. Wir können zwei große Epochen unterscheiden: die alte, vorchristliche Zeit, wo der Mensch noch nicht zum Bewusstsein seines Ichs gekommen ist, und die Zeit nach Christus, wo der Mensch mit voller Aufrechterhaltung seines selbstbewussten Ichs in die Welt tritt. Wie die menschliche Abstammung auf ein Urwesen zurückzuführen ist, so muss auch dasjenige, was in der Seele als eine innere Auferstehung für jeden Einzelnen sich erweisen kann, auf einen Stammvater für dieses InnenWunder zurückzuführen sein. Wie für den einzelnen Menschen sich die Auferstehung vollzieht, so muss sich auch für die Menschheit die Auferstehung vollzogen haben, und die Theosophie zeigt uns klar: Was den einzelnen Menschen zu einem anderen macht, das machte auch den Menschen Jesus von Nazareth zu einem anderen.

[ 30 ] So wie wir leben mit unserem zentralen Geisteskern, dem durch den Tod keine Grenze gezogen ist, so untersteht die Welt mit dem zentralen Geisteskern ihrem eigenen Gesetz. Deshalb ist nach Auffassung der Theosophie die Auferstehung für das ganze Menschengeschlecht geradezu dasselbe Wunder wie das innerliche Wunder für den Einzelnen. Nachdem der physische Leib [des Jesus] ans Kreuz gehängt worden war, lebte doch der Geist [des Christus] weiter. Betrachten wir im Evangelium das Wort des Paulus, dass der Christus für die Menschheit gestorben und am dritten Tage wiederauferstanden ist, dass er dann dem Petrus zuerst erschienen ist, dann mehr als fünfhundert Menschen und schließlich ihm selbst. Nicht in der ursprünglichen Jesus-Gestalt erschien er dem Paulus, sondern in einer Geistesgestalt, die er als ChristusGestalt anerkennen musste, die so war, dass aus ihr selber heraus die Überzeugung sich geltend machte: Der Christus lebt! Von dem auferstandenen Christus dürfen wir nicht anders sprechen als so, dass dasjenige, was in ihm geistig, unabhängig vom körperlichen Leib, gelebt hat, im Tode nicht wirklich tot war, sondern weiterhin da war, weiterlebte.

[ 30 ] So wie wir leben mit unserem zentralen Geisteskern, dem durch den Tod keine Grenze gezogen ist, so untersteht die Welt mit dem zentralen Geisteskern ihrem eigenen Gesetz. Deshalb ist nach Auffassung der Theosophie die Auferstehung für das ganze Menschengeschlecht geradezu dasselbe Wunder wie das innerliche Wunder für den Einzelnen. Nachdem der physische Leib [des Jesus] ans Kreuz gehängt worden war, lebte doch der Geist [des Christus] weiter. Betrachten wir im Evangelium das Wort des Paulus, dass der Christus für die Menschheit gestorben und am dritten Tage wiederauferstanden ist, dass er dann dem Petrus zuerst erschienen ist, dann mehr als fünfhundert Menschen und schließlich ihm selbst. Nicht in der ursprünglichen Jesus-Gestalt erschien er dem Paulus, sondern in einer Geistesgestalt, die er als ChristusGestalt anerkennen musste, die so war, dass aus ihr selber heraus die Überzeugung sich geltend machte: Der Christus lebt! Von dem auferstandenen Christus dürfen wir nicht anders sprechen als so, dass dasjenige, was in ihm geistig, unabhängig vom körperlichen Leib, gelebt hat, im Tode nicht wirklich tot war, sondern weiterhin da war, weiterlebte.

[ 31 ] Es würde heute zu weit führen, wenn ich Ihnen auch noch das ausführen wollte, was mit dem Leib geschah. Das Wichtigste ist, dass die Schrift uns klar und deutlich darauf hinweist: Vom Zeitpunkt der Auferstehung an haben wir es zu tun mit dem Eintreten einer neuen geistigen Kraft, die vorher nicht vorhanden war, mit einer Ausgießung des Geistes. Und jenes innerliche Wunder führt zurück auf die Erweckung vom Tod, auf das Fortleben des Christus, den man als Jesus von Nazareth kreuzigte. Christus hat für die Menschheit ein neues Verhältnis zur geistigen Welt möglich gemacht; so ist das Wunder vom Kreuz der Stammvater aller Wunder, die sich im Menschenleben vollziehen. So zeigt uns Geisteswissenschaft einen Weg zu Christus; sie zeigt uns den Christus als einen für die Menschheit Notwendigen. Nur ein scheues Gemüt könnte bei einem solchen Weg zu Christus eine Gefahr wittern, denn jeder zu Christus führende Weg, der auf Wahrheit beruht, muss und wird [demjenigen, der nach dem Christus sucht,] willkommen sein.

[ 31 ] Es würde heute zu weit führen, wenn ich Ihnen auch noch das ausführen wollte, was mit dem Leib geschah. Das Wichtigste ist, dass die Schrift uns klar und deutlich darauf hinweist: Vom Zeitpunkt der Auferstehung an haben wir es zu tun mit dem Eintreten einer neuen geistigen Kraft, die vorher nicht vorhanden war, mit einer Ausgießung des Geistes. Und jenes innerliche Wunder führt zurück auf die Erweckung vom Tod, auf das Fortleben des Christus, den man als Jesus von Nazareth kreuzigte. Christus hat für die Menschheit ein neues Verhältnis zur geistigen Welt möglich gemacht; so ist das Wunder vom Kreuz der Stammvater aller Wunder, die sich im Menschenleben vollziehen. So zeigt uns Geisteswissenschaft einen Weg zu Christus; sie zeigt uns den Christus als einen für die Menschheit Notwendigen. Nur ein scheues Gemüt könnte bei einem solchen Weg zu Christus eine Gefahr wittern, denn jeder zu Christus führende Weg, der auf Wahrheit beruht, muss und wird [demjenigen, der nach dem Christus sucht,] willkommen sein.