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The Rudolf Steiner Archive

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Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d

18 April 1912, Stockholm

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Death and Immortality in the Light of Spiritual Science, tr. SOL
  1. Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft

25. Tod und Unsterblichkeit

25. Death and Immortality

«Svenska Dagbladet» (?), Stockholm, 19. April 1912. Übersetzung

“Svenska Dagbladet” (?), Stockholm, April 19, 1912. Translation

[ 1 ] Doktor Rudolf Steiner. Ein berühmter Dozent vor dem Stockholmer Publikum. [...] Der gestrige Vortrag: «Tod und Unsterblichkeit». Dr. Steiners Vortrag am Donnerstagabend fand in deutscher Sprache statt und handelte von Tod und Unsterblichkeit. Der Saal war gut besetzt, mit einem Publikum, das unter sich viele Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft zählte. Dr. Steiner ist bekanntlich ein bedeutender Theosoph. Mit der Macht seiner Eloquenz hielt Dr. Steiner sein Auditorium für fast zwei Stunden gefesselt. Seine Gestalt und seine Darstellungskunst haben etwas Gebieterisches, und das dunkle asketische Gesicht mit seinem schnellen Mienenspiel hat einen beherrschenden Ausdruck. Ein Übermaß von Gesten stört zu einem gewissen Grad den harmonischen Eindruck von der Persönlichkeit des Sprechers.

[ 1 ] Dr. Rudolf Steiner. A renowned lecturer before a Stockholm audience. [...] Yesterday’s lecture: “Death and Immortality.” Dr. Steiner’s lecture on Thursday evening was delivered in German and dealt with death and immortality. The hall was well attended, with an audience that included many members of the Theosophical Society. Dr. Steiner is, as is well known, a prominent theosophist. With the power of his eloquence, Dr. Steiner captivated his audience for nearly two hours. There is something commanding about his bearing and his art of presentation, and his dark, ascetic face, with its rapid changes of expression, has a commanding air. An excess of gestures, however, detracts to some extent from the harmonious impression of the speaker’s personality.

[ 2 ] Wie zu Giordano Brunos Zeit, sagte der Redner, das neue Weltbild des Menschen auf die Tatsachen gegründet war, dass sie entdeckt und in Konflikt mit der damaligen Wahrnehmung der Natur waren, die auf Sinneseindrücken basierte, so weist auch heute die Theosophie, oder die Wissenschaft des Lebens der Seele, über die Grenzen der Erfahrung hinaus. Man fühlt sich im Leben gerüstet, um zu arbeiten und ein nützliches Individuum zu werden. Beim Schicksal hat man eine bestimmte emotionale Wahrnehmung, und die äußere Welt der Sinne berührt einen sympathisch oder unsympathisch. Durch das Erfahrene wird der Mensch besser und reifer. Wird sich dann diese Reife in Nichts auflösen? So lautet die bange Frage. Der Materialismus spricht vom Nutzen der Persönlichkeit für die Kultur, aber die menschliche Seele ist mit dieser Antwort nicht zufrieden. Die Wissenschaft der Seele, wie sie in ihren Methoden so streng wie die Wissenschaft ist, sagt, dass die Unsterblichkeit ein Merkmal unserer Seele ist, und versucht auch, dies zu beweisen. Es gibt einen Kern der menschlichen Seele, der im Normalzustand verdeckt ist durch das, was sie erlebt. Im Zwischenzustand zwischen Schlaf und Wachsein kann man die innerste Seele spüren, und die Träume verraten ihre Existenz. Die Seele arbeitet an der Umgestaltung unseres äußeren Organismus, und in den Träumen findet diese Arbeit einen Ausdruck. Es ist nicht allen selbstverständlich, ein Forscher in der Geisterwelt zu sein, aber es gibt Wissenschaftler, die weit fortgeschritten in diesem Bereich sind. Derjenige, der seiner Seele Mittelpunkt gefunden hat, ist gewappnet gegen alle Sorgen und ist Meister seines Schicksals. Das ist schwierig, aber notwendig. Für einen solchen Menschen ist es nicht schwer, seiner Seele Leben von der Geburt an und darüber hinaus zu verfolgen. Die Kräfte, die mit unserem Leben verbunden sind, liegen als Wachstumskraft im Samen, das Leben ist Wachstumszeit und Blütezeit, und wenn der Tod kommt, sind diese Kräfte gewachsen und gereift, und sind bereit, neues Leben zu geben. Die Lehre vom Eingang der Seele in einen neuen Körper erklärt deren Kräfte Fortbestand. Dass der Mensch keine Erinnerung an ein vorangegangenes Leben hat, beruht darauf, dass er seine Gedanken nicht konzentriert auf die Erinnerung an diese Existenz. Allerdings gibt es Menschen, die eine Erinnerung an frühere Reinkarnationen haben, obwohl man immer noch nicht wissenschaftlich beweisen kann, dass es sich so verhält, wie sie sagen. Es kommt eine Zeit, da wird die Erziehung auf die Wissenschaft der Seele sich konzentrieren, und viele Probleme werden dann gelöst werden. Die Seele schließt in sich die Welten ein und zeichnet sich durch ihr Mitgefühl und ihre Liebe in Verbindung mit den Welten aus.

[ 2 ] Just as in Giordano Bruno’s time, the speaker said, the new worldview was based on facts that had been discovered and were at odds with the contemporary perception of nature—which was based on sensory impressions—so too today, theosophy, or the science of the life of the soul, points beyond the limits of experience. In life, one feels equipped to work and become a useful individual. One has a certain emotional perception of fate, and the external world of the senses appeals to one or repels one. Through experience, a person becomes better and more mature. Will this maturity then dissolve into nothingness? That is the anxious question. Materialism speaks of the personality’s usefulness to culture, but the human soul is not satisfied with this answer. The science of the soul, which is as rigorous in its methods as science itself, asserts that immortality is a characteristic of our soul and also seeks to prove it. There is a core to the human soul that, under normal circumstances, is obscured by what the soul experiences. In the liminal state between sleep and wakefulness, one can sense the innermost soul, and dreams reveal its existence. The soul works to transform our outer organism, and this work finds expression in dreams. Not everyone is naturally inclined to be a researcher in the spirit world, but there are scientists who are highly advanced in this field. The one who has found the center of their soul is armed against all worries and is the master of their own destiny. This is difficult, but necessary. For such a person, it is not difficult to trace the life of their soul from birth and beyond. The forces connected to our life lie as a power of growth within the seed; life is a time of growth and blossoming, and when death comes, these forces have grown and matured and are ready to give new life. The teaching about the soul’s entry into a new body explains the continuity of its forces. The fact that a person has no memory of a previous life stems from the fact that they do not focus their thoughts on the memory of that existence. However, there are people who have memories of past reincarnations, although it is still not possible to scientifically prove that things are as they say. A time will come when education will focus on the science of the soul, and many problems will then be solved. The soul encompasses the worlds within itself and is distinguished by its compassion and love in connection with the worlds.

[ 3 ] Die Vorlesung, die mehr als alles andere einer Predigt über das Ewige ähnelte, wurde andächtig von den Anwesenden angehört. Am Abend liest Dr. Steiner über Christus im zwanzigsten Jahrhundert.

[ 3 ] The lecture, which more than anything else resembled a sermon on eternity, was listened to with reverence by those present. In the evening, Dr. Steiner will speak on Christ in the Twentieth Century.

Unbekannte Stockholmer Zeitung, 19. April 1912 [?], Übersetzung

Unknown Stockholm newspaper, April 19, 1912 [?], translation

[ 4 ] Ein Vortrag des Dr. Steiner über Geisteswissenschaft Dr. Rudolf Steiner hielt gestern Abend auf Einladung des Theosophischen Zentralbüros einen Vortrag in deutscher Sprache über den Stoff «Tod und Unsterblichkeit». Die Vorlesung, die in der Aula der Akademie der Wissenschaften stattfand, wurde von einem sehr zahlreichen Publikum gehört. Das Interesse des Publikums war groß und die Aufmerksamkeit offenbar bis zum Äußersten gespannt.

[ 4 ] A Lecture by Dr. Steiner on Spiritual Science Last night, at the invitation of the Theosophical Central Office, Dr. Rudolf Steiner delivered a lecture in German on the topic “Death and Immortality.” The lecture, which took place in the auditorium of the Academy of Sciences, was attended by a very large audience. The audience showed great interest and was clearly completely engrossed.

[ 5 ] Der Sprecher betonte zunächst, dass diejenigen, die sich jetzt im geistigen Bereich mit Forschung beschäftigen, von der gleichen Verständnislosigkeit getroffen werden wie die wegweisenden Naturwissenschaftler zu Kopernikus’ Zeit. Wie es für die Menschen damals schwer war zu glauben, dass etwas außerhalb des Himmelsgewölbes sei, das wir mit eigenen Augen sehen, so haben sie jetzt schwer, eine Existenz sich vorzustellen, die nicht von Geburt und Tod begrenzt ist. Aber, sagte der Vortragende, das Schönste und Edelste, was der Einzelne im Laufe seines Lebens den Erfahrungen verdankt, kann nicht an andere weitergegeben werden, es bleibt ein persönliches Eigentum. Soll das dann zerstört und vergeudet sein durch den Tod? Die Physik lehrt uns, dass alles unzerstörbar ist und ist nur Verwandlungen unterliegt. Dieses Gesetz, das für die materiellen Dinge gilt, gilt auch für die geistigen.

[ 5 ] The speaker began by emphasizing that those who are now engaged in research in the spiritual realm are met with the same lack of understanding as the pioneering natural scientists of Copernicus’s time. Just as it was difficult for people back then to believe that there was anything beyond the celestial vault that we see with our own eyes, so too do they now find it difficult to imagine an existence that is not limited by birth and death. But, said the speaker, the most beautiful and noble things that an individual experiences in the course of his or her life cannot be passed on to others; they remain a personal possession. Is that then to be destroyed and wasted by death? Physics teaches us that everything is indestructible and is subject only to transformation. This law, which applies to material things, also applies to spiritual ones.

[ 6 ] Dass es möglich ist, in Verbindung mit der geistigen Welt zu treten, bemerken wir, zum Beispiel, im Traum. Da tritt das Unterbewusstsein hervor, und wir erfahren Dinge, die wir im wirklichen Leben nie lernen. Aber selbst im Wachzustand kann man einen Einblick in die geistige Welt erhalten, indem man streng wegabstrahiert von der Außenwelt und all die Gedanken und Empfindungen und den Willen auf das Eindringen in den Seelenmittelpunkt konzentriert. Wie der Naturforscher in seinem Labor Experimente mit natürlichen Objekten macht, so muss man mit dem Instrument der Seele geistige Feldexperimente vornehmen. Der Vortrag endete mit einigen Zukunftsausblicken, worüber der Redner dachte, dass jeder Mensch auf diese Weise einen Blick auf Erfahrungen aus seinen früheren Existenzen machen werde.

[ 6 ] We realize, for example, in dreams that it is possible to connect with the spiritual world. There, the subconscious comes to the fore, and we experience things we would never learn in real life. But even while awake, one can gain insight into the spiritual world by strictly abstracting oneself from the external world and concentrating all thoughts, feelings, and the will on penetrating the center of the soul. Just as a natural scientist conducts experiments with natural objects in his laboratory, so must one conduct spiritual field experiments using the instrument of the soul. The lecture concluded with some outlooks on the future, in which the speaker expressed his belief that every person would, in this way, gain a glimpse into experiences from their past lives.