Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e
4 January 1914, Leipzig
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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
17. Theosophie als Lebensgut
17. Theosophy as a Way of Life
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Nach dem gestrigen Vortrage, den ich hier halten durfte, kann vielleicht mancher der Zuhörer erstaunt sein darüber, dass man sprechen könne von Geisteswissenschaft oder Theosophie als Lebensgut. Denn was ich versuchte, gleichsam als das Fundamentale, das Prinzipielle der Erforschung der geistigen Welten gestern hier auseinanderzusetzen, das setzt voraus eine energische, eine geduldige, langandauernde Übung der menschlichen Seele. Erst dadurch kann erreicht werden, wovon gestern gesprochen worden ist: dass die Seele in sich so erstarkt und erkraftet wird, um sich als geistigseelisches Wesen zu erfühlen und tatsächlich das Physisch-Leibliche zu verlassen, also so zu leben, dass, im richtigen Sinne des Wortes gesprochen, die Seele selbst in ihrem Erleben ein geistiges Wesen unter anderen geistigen Wesen wird, dass sie eine neue Welt betritt in dieser geistigen Welt.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Following yesterday’s lecture, which I had the privilege of delivering here, some in the audience may be surprised that one can speak of spiritual science or theosophy as a source of life. For what I attempted to expound here yesterday—as it were, the fundamental, the essential principle of the exploration of the spiritual worlds—requires an energetic, patient, and sustained cultivation of the human soul. Only through this can what was spoken of yesterday be achieved: that the soul is strengthened and empowered within itself to perceive itself as a spiritual-soul being and to actually leave the physical-bodily realm—that is, to live in such a way that, in the true sense of the word, the soul itself, in its experience, becomes a spiritual being among other spiritual beings, entering a new world within this spiritual world.
[ 2 ] Das war dasjenige, wozu die Wege gestern dargestellt worden sind. Wenn wir uns noch einmal ganz kurz durch die Seele ziehen lassen, was sich da ergeben hat, so ist es dieses, dass die menschliche Seele imstande ist, eine geistige Chemie zu treiben; dass sie imstande ist, sich selbst als geistig-seelisches Wesen so aus dem Zusammenhang herauszuziehen, in dem sie im alltäglichen Leben mit dem Leibe steht, wie man imstande ist, den Wasserstoff aus dem Wasser zu ziehen. Und wir haben gesehen, dass durch das energische Fortsetzen der gestern charakterisierten Übungen die Seele wirklich dazu gelangt, ihr Physisch-Leibliches zunächst als etwas Äußeres zu wissen, wie die anderen Dinge, sich selbst aber zu wissen als herausgehoben und in eine geistige Welt versetzt. Und im weiteren Fortgang des Seelenübens stellt sich das heraus, dass die Seele auch das verlässt, was sie gewissermaßen im Alltag seelisch erlebt — das ihr nur zurückbringt die Erinnerung an ihr Leben bis zu dem Punkte, an dem unser gewöhnliches Erinnern, als an einem Punkte unserer Kindheit, vor unserem Selbstbewusstsein aufgetaucht ist —, dass sich aber dann dieser innere Inhalt der Seele verändert und dass mit herauskommt das, was man den geistigen Kern des Menschen nennen kann, der, wenn er erlebt wird, das Ewige des Menschen enthält, das durch die Pforte des Todes hindurchgeht und von dem man aus wirklicher Erkenntnis dann wissen kann, dass er [der Mensch] durch wiederholte Erdenleben geht, dass er ein Leben führt abwechselnd zwischen einem Leben auf Erden, das zwischen Geburt und Tod verläuft, und einem Leben in der geistigen Welt, das zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verläuft.
[ 2 ] That was the very point for which the paths were presented yesterday. If we allow what has emerged there to pass through our soul once more very briefly, it is this: that the human soul is capable of engaging in spiritual chemistry; that it is capable of withdrawing itself—as a spiritual-soul being—from the connection in which it stands with the body in everyday life, just as one is capable of extracting hydrogen from water. And we have seen that through the energetic continuation of the exercises characterized yesterday, the soul truly comes to perceive its physical body, at first, as something external, like other things, while perceiving itself as lifted out and placed into a spiritual world. And as the soul’s training progresses further, it becomes apparent that the soul also leaves behind what it experiences, so to speak, in everyday life on a soul level —which merely brings back to her the memory of her life up to the point at which our ordinary memory, like a moment from our childhood, emerged before our self-consciousness—but that this inner content of the soul then changes, and that what emerges along with it is what one might call the spiritual core of the human being, which, when experienced, contains the eternal aspect of the human being, which passes through the gate of death, and from which one can then know, through true insight, that the human being passes through repeated earthly lives, that he leads a life alternating between a life on earth, which extends from birth to death, and a life in the spiritual world, which extends from death to a new birth.
[ 3 ] Nun könnte ja gesagt werden: Liegt es denn nicht in der Natur der Sache, dass dieses Verlassen des physischen Leibes, dieses Sich-Erleben als geistig-seelisches Wesen in einer ganz anderen Welt, das nur nach großen Anstrengungen zu erreichen ist, dass es vielleicht in der Gegenwart für wenig Menschen geeignet ist, [dass] also nicht jeder ein Seelenforscher werden kann? Ist es daher nicht unnötig, dasjenige, was nur wenige wirklich können, was nur wenige wissen können, zu einem Allgemeingut zu machen? Man könnte einwenden: Wie kann derjenige, der nicht selbst ein Geistesforscher wird, irgendetwas haben von den Mitteilungen, die ihm gemacht werden von Seiten des Geistesforschers über Vorgänge, Zustände und Wesenheiten der geistigen Welt? Für Einzelne, für einige wenige Menschen, so könnte man sagen, mag die Erringung der Geisteswissenschaft ein Lebensgut sein; für die aber, die nicht diesen Weg gehen wollen, die nicht einen bestimmten Punkt des Weges, der gestern geschildert wurde, erreichen, für die könne die Geisteswissenschaft kein Lebensgut sein. — Und dennoch! Schon dem abstrakten Gedanken muss es so erscheinen, als ob das, was auf die angedeutete Weise erreicht werden kann, ein wirkliches inneres Gut sein müsse.
[ 3 ] Now one might say: Isn’t it simply in the nature of things that this leaving of the physical body—this experiencing oneself as a spiritual-soul being in a completely different world, which can only be achieved through great effort—is perhaps not suitable for many people in the present, [and that] therefore not everyone can become a researcher of the soul? Is it not therefore unnecessary to make common knowledge what only a few can truly do, what only a few can know? One might object: How can someone who does not become a spiritual researcher themselves derive any benefit from the information provided to them by a spiritual researcher regarding processes, states, and beings of the spiritual world? For individuals—for a select few, one might say—the attainment of spiritual science may be a source of fulfillment in life; but for those who do not wish to follow this path, who do not reach a certain point along the path described yesterday, spiritual science cannot be a source of fulfillment in life. — And yet! Even to the abstract mind, it must seem as though what can be attained in the manner described must be a true inner good.
[ 4 ] In dem heutigen Thema des Vortrages wird der Ausdruck «Theosophie» gebraucht. Geisteswissenschaft, kann man sagen, ist eine theosophische Weltanschauung. Denn darunter hat man immer verstanden eine Weltanschauung, die der menschlichen Seele Gewissheit darüber gibt und Erkenntnis, dass unseres Wesens tiefster, innerster Kern erreichbar ist, und so sich herausstellt, dass wir in seinem Wesen erfahren: Er hängt als die Wurzel unseres Daseins mit der Wurzel alles Daseins der Welt, mit dem göttlich-geistigen Dasein der Welt zusammen. Wir wurzeln durch unsern Wesenskern selbst im Göttlich-Geistigen. Das soll ja angedeutet werden mit dem Ausdrucke Theosophie. Und nicht nur will eine theosophische Weltanschauung sagen, dass man ahnen, glauben könne, dass der Mensch zusammenhängt in seinem Wesen mit der göttlich-geistigen Welt, sondern sie will besagen, dass der Mensch auch erkennen kann diesen seinen Zusammenhang, dass er vordringen kann bis zu diesem Punkte seines Innern, wo er mit dem Göttlich-Geistigen zusammenhängt, das die Welt durchwellt und durchwebt. Und aus dem Bewusstsein dieses erkennbaren Zusammenhanges will eine theosophische Weltanschauung Kraft und Hoffnung für das Leben schaffen.
[ 4 ] Today’s lecture topic uses the term “theosophy.” One might say that spiritual science is a theosophical worldview. For this has always been understood to mean a worldview that gives the human soul the certainty and knowledge that the deepest, innermost core of our being is attainable, and thus it becomes clear that we experience in its essence: It is connected, as the root of our existence, to the root of all existence in the world—to the divine-spiritual existence of the world. Through the very core of our being, we are rooted in the divine-spiritual. This is precisely what the term “theosophy” is meant to convey. And a theosophical worldview does not merely seek to say that one can sense or believe that human beings are connected in their very being to the divine-spiritual world; rather, it seeks to assert that human beings can also recognize this connection of theirs, that they can penetrate to that point within themselves where they are connected to the divine-spiritual, which permeates and interweaves the world. And from the awareness of this recognizable connection, a theosophical worldview seeks to draw strength and hope for life.
[ 5 ] So müsste eigentlich eine theosophische Weltanschauung ein wahres Lebensgut sein. Aber selbst wenn jemand die Überzeugung gewonnen hätte durch den gestern geschilderten Weg der Seele, dass man erkennen kann, wie unsere Seele zusammenhängt mit ihrem Urquell, so könnte es doch noch scheinen, als ob eben nur derjenige ein wirkliches Bewusstsein, ein Erkenntnisbewusstsein von diesem Zusammenhang haben könne, der solche Forschungen der Seele selbst anzustellen vermag. Doch ist es nicht so. Dieses muss immer wieder und wieder betont werden: Erforscht werden können die Zustände, Vorgänge und Wesenheiten der geistigen Welt nur auf dem Wege, der gestern geschildert worden ist. Nur dadurch, dass wir selbst durch die Anwendung der geschilderten Methode aus unserem Physisch-Leiblichen hinausgehen und Geist unter Geistern sind, können wir erkennen die geistigen Grundlagen der Welt. Wenn sie aber erkannt sind durch den Geistesforscher, dann braucht derjenige, dem sie mitgeteilt werden, nicht selbst ein Geistesforscher zu sein, um sie verständlich und begreiflich zu finden, um sie im vollsten Sinne im Leben anzuwenden, um das Leben mit ihnen zu durchdringen.
[ 5 ] Thus, a theosophical worldview should actually be a true treasure in life. But even if someone were to have gained the conviction—through the path of the soul described yesterday—that one can recognize how our soul is connected to its source, it might still seem as though only those who are capable of undertaking such investigations of the soul themselves could possess a true awareness, a conscious understanding, of this connection. Yet this is not the case. This must be emphasized again and again: The states, processes, and entities of the spiritual world can be explored only through the path described yesterday. Only by stepping beyond our physical body ourselves through the application of the described method—and becoming spirit among spirits—can we recognize the spiritual foundations of the world. But once they have been recognized by the spiritual researcher, the person to whom they are communicated need not be a spiritual researcher themselves in order to find them understandable and comprehensible, to apply them to life in the fullest sense, and to permeate life with them.
[ 6 ] Um etwas erforschen zu können in der geistigen Welt, muss man ein Geistesforscher sein, wie man ein Maler sein muss, um ein Bild malen zu können. Wenn das Bild aber da ist, wäre es traurig, wenn nur der Maler es verstehen könnte. Und so ist es auch mit dem, was durch geistige Forschung gefunden werden kann. Wird es dargestellt auf die richtige Weise, dann ist die Menschenseele gestimmt auf Wahrheit und nicht auf Irrtum. Und ebenso, wie wir das Bild verstehen können, das der Maler gemalt hat, der malen kann, so können wir alles dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, einsehen, begreiflich finden und in den Dienst des Lebens stellen, ohne selbst Geistesforscher zu sein.
[ 6 ] To be able to explore something in the spiritual world, one must be a spiritual researcher, just as one must be a painter to be able to paint a picture. But once the picture is there, it would be a shame if only the painter could understand it. And so it is with what can be discovered through spiritual research. If it is presented in the right way, the human soul is attuned to truth and not to error. And just as we can understand the painting created by a skilled painter, so too can we comprehend everything the spiritual researcher has to say, find it meaningful, and put it to use in life—without being spiritual researchers ourselves.
[ 7 ] Dass das so ist für einen weiteren Kreis von Menschen, dazu hat es allerdings in unserer Gegenwart noch weite Wege. Denn gar vieles stellt sich der heutigen Seele entgegen, wenn sie verstehen will, was der Geistesforscher der Welt zu sagen hat. Der Mensch kommt heute von der bewunderungswürdigen naturwissenschaftlichen Kultur her. Sie hat ihn ausgestattet mit den aufs Äußere gerichteten Denkgewohnheiten. Der Mensch ist heute nicht gewöhnt, sich hineinzuleben in die ganz andersartigen Begriffe, die der Geistesforscher herausholt aus dem Gebiete der geistigen Welt.
[ 7 ] However, there is still a long way to go before this becomes true for a wider circle of people in our time. For there are many obstacles standing in the way of the modern soul when it seeks to understand what the spiritual researcher has to say to the world. People today come from an admirable scientific culture. It has equipped them with habits of thought directed toward the external world. People today are not accustomed to immersing themselves in the very different concepts that the spiritual researcher draws from the realm of the spiritual world.
[ 8 ] Das wird aber anders werden, wenn erst die Denkgewohnheiten der Menschen erkannt haben werden, dass das, was sich der Geistesforschung entgegenstellt, Vorurteil ist. Dann wird man erfahren, dass die Darstellungen der Geisteswissenschaft allgemein verständlich sind. Ebenso, wie Chemie, Physik, wie irgendeine andere Wissenschaft, trotzdem nicht jeder Chemiker, Physiker und so weiter werden kann, in den Dienst des Lebens tritt, und die Menschen dasjenige gebrauchen, was von Chemie und Physik kommt, ohne selbst Chemiker und Physiker zu sein, so ist es gewiss wahr, dass dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, sich in den Dienst des Lebens stellen kann, sich einleben kann in unsere Seele, die Seele durchdringen kann.
[ 8 ] But this will change once people’s ways of thinking have come to recognize that what stands in the way of spiritual research is prejudice. Then people will discover that the concepts of spiritual science are generally understandable. Just as with chemistry, physics, or any other science—even though not everyone who becomes a chemist, physicist, and so on, serves life, and people make use of what comes from chemistry and physics without being chemists or physicists themselves—so it is certainly true that what the spiritual researcher has to say can serve life, can take root in our soul, and can penetrate the soul.
[ 9 ] Dann aber haben die Begriffe und Ideen, die der Geistesforscher unmittelbar aus der geistigen Welt heraus zu geben hat, eine andere Wirkung auf die Seele als die äußeren Begriffe und Ideen. Und erst wenn man so betrachtet dasjenige, was Geistesforschung als die theosophische Weltanschauung sein kann, kommt man dazu, einzusehen, welches Lebensgut diese Geisteswissenschaft ist. Allerdings möchte man sagen: Wenn vom Geistesforscher von einem Lebensgut geredet wird — Brot und äußere Güter kann sie zunächst nicht geben, diese Geisteswissenschaft. Aber was sie hat, das gibt sie; und was sie gibt, das ist Nahrung der Seele, aber solche Nahrung der Seele, wie sie in der Tat durch eine gewisse Konfiguration, welche unser Leben in unserer Zeit angenommen hat, die Seelen immer mehr brauchen werden.
[ 9 ] But then the concepts and ideas that the spiritual researcher must convey directly from the spiritual world have a different effect on the soul than external concepts and ideas. And only when one views what spiritual research can be as the theosophical worldview does one come to realize what a treasure this spiritual science is. Admittedly, one might say: When the spiritual researcher speaks of a treasure—this spiritual science cannot, at first, provide bread or material goods. But what it has, it gives; and what it gives is nourishment for the soul—nourishment of the soul that, in fact, souls will increasingly need due to a certain configuration that our lives have taken on in our time.
[ 10 ] Nun wollen wir, um das Lebensgut der Geisteswissenschaft einzusehen, zunächst an eines denken. Das ist, dass die Geistesforschung sich unterscheidet von der gewöhnlichen Forschung in der Sinneswelt dadurch, dass der Mensch [sich durch] die anderen Wissenschaften passiv beeindrucken lässt von dem Wahren; dass der Mensch sich hingeben muss und die Welt von außen ihm die Wahrheit überliefert. In der Geistesforschung aber muss die Seele von Anfang an aktiv sein, innere Energie entwickeln.
[ 10 ] Now, in order to understand the essence of spiritual science, let us first consider one thing. That is, spiritual research differs from ordinary research in the sensory world in that, in the other sciences, a person is passively influenced by the truth; a person must surrender, and the world conveys the truth to him from the outside. In spiritual research, however, the soul must be active from the very beginning and develop inner energy.
[ 11 ] Wir haben gesehen, wie die Seele in dreifacher Weise aufsteigen muss zu den rein übersinnlichen Zuständen, Vorgängen und Wesenheiten. Dadurch, dass sie sich versetzt in die Zustände, gelangt sie zu einer inneren Mimik, zu einer rein geistigen Mimik. Man kann nicht bloß von außen hereinscheinen lassen das, was Zustände sind der geistigen Welt. Man muss es mit sich vereinigen; man muss so eins damit werden, dass man es in sich ausdrückt, aber in seiner vom Leibe emanzipierten Seele ausdrückt. Man schreitet also hinein als Geistesforscher in die geistige Welt. Solange man passiv bleibt, sagt sie einem nichts. Dann erst, wenn man selbst ausdrückt, was sie einem mitzuteilen hat, wenn das innere geistige Mienenspiel ein Ausdruck dessen ist, was man erlebt, dann erst spricht sie. Und die Geste, die Gebärde in der Seele, sie lebt sich ein in die geistige Welt, aber wiederum aktiv, nicht indem man sich hineinlebt wie durch die äußere Wissenschaft, indem man spekuliert, sondern indem man die Gedanken lebendig in sich walten lässt, ergreift man die Vorgänge der geistigen Welt. Nur indem man sie nachahmt mit seiner eigenen geistigen Wesenheit, kann man sie gewahr werden. Und das Dritte war, dass der Mensch eindringt durch die geistige Physiognomik, indem er sich in das geistige Wesen einlebt und die Kräfte in sich aus seinen Tiefen heraufhebt, welche ihn selbst ähnlich machen in seiner geistig-seelischen Verfassung für die Augenblicke, wo er sich in ein geistiges Wesen einleben will, diesem geistigen Wesen.
[ 11 ] We have seen how the soul must ascend in three ways to the purely supersensible states, processes, and beings. By placing itself within these states, it attains an inner mimicry, a purely spiritual mimicry. One cannot merely allow the states of the spiritual world to shine in from the outside. One must unite with them; one must become so one with them that one expresses them within oneself—but expresses them in one’s soul, which has been emancipated from the body. As a spiritual researcher, one thus steps into the spiritual world. As long as one remains passive, it reveals nothing. Only when one expresses for oneself what it has to communicate, when the inner spiritual expression is a reflection of what one experiences—only then does it speak. And the gesture, the gesture within the soul, immerses itself in the spiritual world—but again, actively—not by immersing oneself as in external science, through speculation, but by allowing thoughts to flow vividly within oneself; in this way, one grasps the processes of the spiritual world. Only by imitating them with one’s own spiritual being can one become aware of them. And the third aspect was that a person penetrates through spiritual physiognomy by attuning oneself to the spiritual being and drawing up from within one’s depths the forces that make one’s own spiritual-soul constitution similar to that of the spiritual being for those moments when one wishes to attune oneself to it.
[ 12 ] Dreifach also steigt der Geistesforscher ein in die geistige Welt: durch geistiges Mienenspiel, durch geistige Geste und Gebärde, durch geistige Physiognomik, aber immer tätig, immer in Aktivität. Und was er so herausholt aus der geistigen Welt, das muss er in Begriffe prägen. Und hier stehen wir an dem Punkte, wo es sich herausstellt, wie man es eigentlich schwieriger hat, die Erkenntnisse der geistigen Welt mitzuteilen, als man es hat beim Mitteilen der Erkenntnisse der physischen Welt. Ein Mensch unseres Zeitalters macht darauf Anspruch, dass Geisteswissenschaft auch in äußerer Weise genau sich ausdrücke, wie die äußere Wissenschaft sich ausdrückt. Nun, äußere Wissenschaft drückt sich so aus, dass sie den Gegenstand voraussetzt, den sie erkennen will. Und erst hinterher will sie die Begriffe darüber geben. Und sie tut recht von ihrem Standpunkte aus. Der Geistesforscher lebt sich aktiv in die geistige Welt ein und er muss selbst in der dreifachen Weise, wie es geschildert wurde, ein Ausdruck werden dessen, was er erlebt; und seine Begriffe werden so gebildet, dass sie lebendig in ihm aufsteigen, und nicht als Abbild ihre Wahrheit bezeugen, sondern durch ihren Gehalt und ihre Kraft. Der äußere Forscher teilt dasjenige mit, was er gesehen, was er beobachtet hat. Anders der Geistesforscher: Dasjenige, was er erlebt hat, was ein Stück von ihm selbst geworden ist, wozu er sich durchgerungen hat, das prägt er in Begriffe; sie müssen im Fluss sein, sie müssen sich gegenseitig beleuchten, sodass die Begriffe wie lebendige Wesen sind. Aber sie sind so, dass sie gerade aus dem heraus sind, was die tiefste Wesenheit selbst ist.
[ 12 ] The spiritual researcher thus enters the spiritual world in three ways: through spiritual facial expressions, through spiritual gestures and movements, and through spiritual physiognomy—but always actively, always in motion. And whatever he draws from the spiritual world in this way, he must cast into concepts. And here we come to the point where it becomes clear that it is actually more difficult to communicate insights from the spiritual world than it is to communicate insights from the physical world. People of our age insist that spiritual science, too, should express itself externally in exactly the same way that external science does. Well, external science expresses itself in such a way that it presupposes the object it seeks to understand. And only afterward does it provide the concepts regarding it. And it is right to do so from its own standpoint. The spiritual researcher actively immerses himself in the spiritual world and must himself, in the threefold manner described, become an expression of what he experiences; and his concepts are formed in such a way that they arise vividly within him, testifying to their truth not as mere images but through their content and their power. The external researcher communicates what he has seen and observed. The spiritual researcher is different: what he has experienced—what has become a part of himself, what he has struggled to grasp—he shapes into concepts; these must be in a state of flux, they must illuminate one another, so that the concepts are like living beings. But they are such that they arise precisely from what the deepest essence itself is.
[ 13 ] Wenn der Geistesforscher seine Begriffe prägt und vor das Publikum bringt, so sind in diesen Begriffen Inhalte gegeben, die er nur dadurch erleben kann, dass er das Tiefste der menschlichen Seele zusammengebracht hat mit den Weltengründen, soweit sie uns zugänglich sind, mit den geistigen Weltengründen, sodass seine Begriffe herausgeschöpft sind aus den Seelentiefen. Und diese Seelentiefen sind in jeder Menschenseele vorhanden. Von etwas spricht der Geistesforscher, was in jeder Menschenseele vorhanden ist. Hat er es erforscht und spricht er es aus, dann spricht er es so aus, dass er einen Ton ertönen lässt, mit dem die Saiten der Seele mitklingen können, dem sie volles Verständnis entgegenbringen kann, weil es eben der Ton des eigenen Wesens ist.
[ 13 ] When the spiritual researcher formulates his concepts and presents them to the public, these concepts contain content that he can experience only by bringing together the deepest recesses of the human soul with the foundations of the worlds—insofar as they are accessible to us—with the spiritual foundations of the worlds, so that his concepts are drawn from the depths of the soul. And these depths of the soul are present in every human soul. The spiritual researcher speaks of something that is present in every human soul. When he has explored it and expresses it, he does so in a way that strikes a chord with which the strings of the soul can resonate—a chord to which the soul can respond with full understanding, because it is, after all, the very tone of its own being.
[ 14 ] Aber das haben diese Begriffe, diese Vorstellungen, diese Empfindungen, in die der Geistesforscher einkleiden muss dasjenige, was er erlebt, dass sie das Innerste unserer Seele so beeindrucken, dass sie sich hingezogen fühlt, weil die Begriffe aus dem Aktiven sind und zur Aktivität führen. Man kann nicht mit einem lässigen Geiste, der nicht in sich lebendig sein will, Geisteswissenschaft verstehen. Verstehen kann man sie nur, indem man versucht, ihr zu folgen mit dem lebendigen Leben und Weben der Begriffe. So stammt Geistesforschung aus der Aktivität der Seele und fordert zugleich heraus, indem sie aufgefasst wird, die Aktivität der Seele.
[ 14 ] But these concepts, these ideas, these feelings—into which the spiritual researcher must clothe what he experiences—have the power to impress the innermost part of our soul so deeply that it feels drawn to them, because the concepts arise from activity and lead to activity. One cannot understand spiritual science with a casual mind that does not wish to be alive within itself. One can understand it only by attempting to follow it with the living life and interweaving of concepts. Thus, spiritual research stems from the activity of the soul and, at the same time, challenges the activity of the soul as it is grasped.
[ 15 ] Daraus aber ersehen wir, dass, wenn wir der Geistesforschung Verständnis entgegenbringen, wir die aktive Kraft der Seele wachrufen. Sie appelliert gerade an alles das, was tätig sein will in unserer Seele. Die Jahrhunderte alte naturwissenschaftliche Erziehung der Menschen hat allerdings diese aktive Kraft der Seele in den Hintergrund treten lassen. Aber, wenn eine Kraft aufs Höchste gespannt ist, macht sich die Gegenkraft geltend. Und wer in die Untergründe der heutigen Seelen hineinschauen kann, der weiß, dass die Seelen lechzen, herauszukommen aus dem bloßen Hinschauen und Beobachten, nach dem, was aufruft die innerste Aktivität. Dadurch lernt der Mensch fühlen und erleben, dass er mitten in der geistigen Welt steht, aber nicht als ein verständiges Wesen, das an ihrem Leben teilnimmt.
[ 15 ] From this, however, we see that when we show understanding toward spiritual research, we awaken the active power of the soul. It appeals precisely to everything within our soul that seeks to be active. Centuries of scientific education, however, have caused this active force of the soul to recede into the background. But when a force is stretched to its limit, the counterforce makes itself felt. And anyone who can look into the depths of today’s souls knows that they yearn to break free from mere watching and observing, toward that which calls forth their innermost activity. Through this, human beings learn to feel and experience that they stand in the midst of the spiritual world—but not as rational beings who merely participate in its life.
[ 16 ] So sind die Begriffe und Ideen und Empfindungen der Geisteswissenschaft selbst die Erzieher der Seele, die sie hinlenken wollen zu dem Teilnehmen an den Gründen des Daseins, in denen wir wurzeln. Zuerst macht sich das geltend dadurch, dass unser Denken orientiert wird — und wir können wirklich von einem inneren Seelengut sprechen, das uns durch das Verständnis, das wir den Vorstellungen der Geistesforschung entgegenbringen, innerlich durchdringt —, dass unsere Denkgewohnheiten, unsere Auffassungsweise, unsere Seelenstimmung ergriffen wird. Und während man es sonst erleben kann, dass in unserer Gegenwart, gerade auch bei den wohlmeinend Denkenden, es gerade an der Orientierung des Denkens etwas gibt, was viel zu wünschen übrig lässt, so kann Geisteswissenschaft, die Mitteilungen der Geistesforschungen, den Menschen wirklich dazu bringen, sein Denken so zu orientieren, dass er dieses Denken von Gewohnheiten durchdringt, die einen gewissen, natürlichen Hang zum Wahrhaftigen haben; die einen Hang haben, nicht auf die Widersprüche des Lebens sich einzulassen; zu bemerken, wie das Denken eindringen muss in die äußeren Dinge. Die Erziehung unseres Denkens, die Schärfung unseres Denkens ist das, was zunächst [daraus] hervorgehen wird, wenn Geisteswissenschaft in unser Kulturleben eindringt.
[ 16 ] Thus, the concepts, ideas, and feelings of spiritual science itself are the educators of the soul, seeking to guide it toward participation in the foundations of existence in which we are rooted. This first makes itself felt in that our thinking is guided—and we can truly speak of an inner spiritual treasure that permeates us through the understanding we bring to the concepts of spiritual science—in that our habits of thought, our way of perceiving, and our spiritual disposition are transformed. And while one may otherwise observe that in our time, especially among well-meaning thinkers, there is something about the orientation of thought that leaves much to be desired, spiritual science—the findings of spiritual research—can truly lead people to orient their thinking in such a way that it is permeated by habits that have a certain natural inclination toward truth; habits that have a tendency not to engage with the contradictions of life; to notice how thinking must penetrate external things. The education of our thinking, the sharpening of our thinking, is what will first emerge when spiritual science penetrates our cultural life.
[ 17 ] Ein Beispiel möchte ich anführen, das so recht zeigen kann, wie es mit der Schärfe des Denkens in unserer Zeit bestellt ist. Nehmen wir an, ein sehr bedeutender Denker der Gegenwart, der in den weitesten Kreisen heute als ein scharfsinniger Geist angesehen wird, er hat sich so mancherlei geleistet, was derjenige bemerkt, der sein Denken geschult hat auf das, was das Denken nicht machen darf. So gibt es ein neueres Buch von einem Denker, darin finden sich durch dreißig oder vierzig Seiten voneinander getrennt zwei Behauptungen. Der betreffende Denker will darlegen, in welchem Sinne die Menschen heute noch Christen sein können. Und man kommt heran in einer wohlgefälligen Weise an die Seele der heutigen freigeistigen Menschen, wenn man sagt — und er sagt es —: Heute müssen wir hinaus sein über die Dämonengeschichten, die in der Bibel erzählt werden. — Gut, er mag der Ansicht sein. Dreißig Seiten später liest man aber den merkwürdigen Satz in demselben Buche: Wenn sich Geistiges und Physisches in der Seele berühren, dann treten dämonische Mächte auf. — Man erzählt das dann jemand, der kann sagen: Nun ja, das zweite Mal meinte er das nicht so, da meint er es bildlich. — Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, darum handelt es sich eben, dass man solche Phrasen gebrauchen darf und sich nicht bewusst ist, in welch grotesker Weise man jedem geordneten Denken ins Gesicht schlägt.
[ 17 ] I would like to cite an example that clearly illustrates the state of intellectual acuity in our time. Let us suppose that a very prominent contemporary thinker—who is widely regarded today as a sharp mind—has engaged in various lines of thought that are noticed by those who have trained their own thinking in what thinking must not do. There is, for example, a recent book by such a thinker in which two assertions appear, separated by thirty or forty pages. The thinker in question seeks to explain in what sense people today can still be Christians. And one appeals in a pleasing way to the souls of today’s free-thinking people when one says—and he does say it—: “Today we must move beyond the stories of demons told in the Bible.”—Well, he may hold that view. Thirty pages later, however, one reads this curious sentence in the same book: “When the spiritual and the physical come into contact in the soul, demonic forces arise.” — If you tell this to someone, they might say: “Well, he didn’t mean it that way the second time; he meant it figuratively.” — Yes, my esteemed audience, that is precisely the point: that one is allowed to use such phrases without realizing how grotesquely one is thumbing one’s nose at all orderly thinking.
[ 18 ] Aber die Menschen bemerken das heute nicht. Und wir sind erst auf dem Wege, dass unser Denken durch die bloße Passivität nach dieser Richtung verdorben wird. Für denjenigen, der die Dinge durchschauen und beobachten kann, ist es so. In einem anderen berühmten Buche können Sie heute lesen — es ist die Rede von der Bekämpfung einer gewissen philosophischen Denkrichtung —, dass ein Autor das Bild gebraucht: Diese Philosophie bewegt sich wie ein Clown, der die Leiter, auf der er hinaufgeklettert ist, zu sich heraufzieht und herunterfällt. Das Buch ist durchaus geistreich, aber ich möchte Sie fragen, wie das der Clown machen soll, die Leiter zu sich heraufzuziehen. So etwas denkt man nur und schreibt man nur, wenn das Denken unorientiert ist. Wir sind heute aber erst im Anfang; solche Bücher strotzen von Unmöglichkeiten des Denkens.
[ 18 ] But people don’t notice this today. And we are only just beginning to see our thinking corrupted in this direction by sheer passivity. This is the case for those who can see through things and observe them. In another famous book you can read today—it discusses the fight against a certain philosophical school of thought—that an author uses the following image: This philosophy moves like a clown who pulls the ladder he climbed up after him and then falls down. The book is certainly witty, but I would like to ask you how the clown is supposed to pull the ladder up after him. One thinks and writes such things only when one’s thinking is disoriented. But we are only at the beginning today; such books are brimming with intellectual impossibilities.
[ 19 ] Da aber die äußere Kultur gleichsam der Abdruck ist desjenigen, was die Menschen denken, so muss unsere Kultur allmählich durchdrungen werden von dem ungeordneten Denken, wenn nicht gerade dieses Denken nach und nach sich so erzieht, dass es mit einem feinen Gefühl antworten kann für das, was man sagen kann und was man nicht sagen kann. Was man sagen kann, das muss man empfinden als verbunden mit dem Wesen und Weben der Wirklichkeit. Durch orientiertes Denken sich einleben in die Wirklichkeit, das wird die Frucht sein der Geisteswissenschaft. Jeder wird bemerken, dass diese Frucht der Geisteswissenschaft unser Leben harmonisiert; dass sie so in die Seele etwas hereingießen wird, was dieses Leben in Wahrheit mit den Wirklichkeiten in Harmonie zu versetzen vermag. So wirkt Geisteswissenschaft schon auf unser Denken schulend und erziehend, sodass es innerlich regsam und lebendig wird.
[ 19 ] But since external culture is, as it were, the imprint of what people think, our culture must gradually become permeated by disordered thinking—unless this very thinking gradually educates itself to the point where it can respond with a subtle sense of what can and cannot be said. What can be said must be felt as connected to the essence and fabric of reality. Immersing oneself in reality through focused thinking—that will be the fruit of spiritual science. Everyone will notice that this fruit of spiritual science harmonizes our lives; that it will thus pour into the soul something capable of truly bringing this life into harmony with reality. In this way, spiritual science already has a training and educational effect on our thinking, so that it becomes inwardly active and alive.
[ 20 ] Und noch etwas anderes resultiert daraus. Wer nach und nach in sich aufnimmt dasjenige, was das in der Geisteswissenschaft erzogene Denken in ihm bilden kann, der wird erfühlen in sich die Selbstständigkeit seines inneren Wesens, die Weisheit, die Geistigkeit seines eigentlichen Wesenskernes. Und es gäbe keinen Materialismus und keinen Monismus, wenn man wirklich sich einlassen würde auf ein wirklich geschultes, energisches, innerlich sich selbst erfassendes Denken. Stärkung, Durchkräftigung unserer Seele ist die Frucht desjenigen, was wir für unser Denken von der Geisteswissenschaft haben.
[ 20 ] And something else follows from this. Whoever gradually takes in within themselves what thinking—trained in spiritual science—can form within them will sense within themselves the independence of their inner being, the wisdom, and the spirituality of their very core. And there would be no materialism and no monism if one were truly to engage with a genuinely trained, energetic, and self-aware way of thinking. The strengthening and fortification of our soul is the fruit of what we gain for our thinking from spiritual science.
[ 21 ] Aber die Geisteswissenschaft führt außerdem als eine zweite Lebensfrucht herbei dasjenige, was auf das Gebiet der Selbsterkenntnis gehört. So, wie ein krankhafter Organismus manchmal die frischeste Luft nicht ertragen kann, aber man gerade daran bemerken kann, dass der Organismus nicht gesund ist, so kann es mancher auch bemerken gegenüber der Geisteswissenschaft, wenn er sich irrige Begriffe aneignet, dass er sie nicht vertragen kann, dass sie auf ihn den Eindruck macht, diese Geisteswissenschaft, sie sei Phantastik, Illusion. Man wird allmählich übergehen zu der Erkenntnis, dass dieses eine Selbsterkenntnis ist; dass man daraus sehen kann, wie man sich hinaufringen soll in der Seele, Verständnis haben zu können für das, was aus den Weltengründen der Geistesforscher holen kann.
[ 21 ] But spiritual science also brings forth, as a second fruit of life, that which belongs to the realm of self-knowledge. Just as a diseased organism sometimes cannot tolerate even the freshest air—yet it is precisely this that reveals the organism’s illness—so, too, some people may find, when they adopt erroneous concepts regarding spiritual science, that they cannot tolerate it, that it gives them the impression that this spiritual science is mere fantasy or illusion. One will gradually come to realize that this is a matter of self-knowledge; that from it one can see how one must strive within the soul to gain an understanding of what the spiritual researchers can draw from the depths of the worlds.
[ 22 ] Wie weit man entfernt ist von Selbsterkenntnis, das kann man erkennen, indem man sich abmisst an dem, was der Geistesforscher für Forderungen stellt an die Seele. Daher soll sich niemand zurückschrecken lassen, wenn er bemerkt: Durch die Geisteswissenschaft wird sein Denken in einer gewissen Weise zuerst wie etwas betäubt, in Unordnung gebracht, oder sein Gedächtnis scheint ihm nicht mehr so zusammenhängend zu sein wie früher. Das alles sind Übergangserscheinungen. Wir müssen uns gerade da selbst erkennen und uns sagen: Wir müssen uns dazu hinaufranken, die stärkeren Anforderungen in der Seele zu ertragen. Dann aber wird diese Geisteswissenschaft uns umso mehr ihre gesunde geistige Lebensluft mitteilen.
[ 22 ] One can gauge how far one is from self-knowledge by measuring oneself against the demands that the spiritual researcher places on the soul. Therefore, no one should be deterred if they notice that, through spiritual science, their thinking is at first, in a certain way, as if numbed or thrown into disarray, or that their memory no longer seems as coherent as it used to be. These are all temporary phenomena. It is precisely here that we must recognize ourselves and tell ourselves: We must strive to rise to the point where we can endure the greater demands placed on the soul. Then, however, this spiritual science will impart its wholesome spiritual breath of life to us all the more.
[ 23 ] Und wenn wir weitergehen, so können wir finden, dass vielleicht heute noch Geisteswissenschaft als Lebensgut nicht überall geachtet wird aus dem Grunde, weil man ja ihren Wert nicht so unmittelbar auf der Hand liegend hat. Man schätzt ja heute die materiellen Güter selbstverständlich viel mehr als die geistigen Güter, weil man nicht recht durchschaut, wie die materiellen Güter doch von den geistigen Gütern abhängig sind. Aber wenn sich mancher Mensch wirklich fragen könnte aus einer gewissen Erkenntnis der Dinge heraus — und die Frage können wir hören in unserer Zeit aus vielen Seelen, die nicht recht wissen mit sich dieses oder jenes anzufangen, denen eine gesunde Lebensrichtung fehlt, denen es fehlt, sich selbst aus einem kraftvollen Innern heraus Richtung und Stärkung geben zu können —, wenn sich mancher Mensch fragen könnte: Woher kommt das alles?
[ 23 ] And if we take this further, we may find that even today, spiritual science is not universally valued as an essential part of life, simply because its value is not immediately apparent. After all, people today naturally value material goods far more than spiritual ones, because they do not fully grasp how material goods are, in fact, dependent on spiritual ones. But if some people could truly ask themselves—based on a certain understanding of things—and we can hear this question in our time from many souls who do not quite know what to make of this or that, who lack a healthy direction in life, who are unable to give themselves direction and strength from a powerful inner source—if some people could ask themselves: Where does all this come from?
[ 24 ] Diese Dinge gehen herunter bis in das leibliche Befinden. Mehr als in anderen Zeiten muss man heute sprechen von der Nervosität unseres Zeitalters, wie die Menschen unausgeglichen sind, wie ihnen ein Gleichmaß fehlt. Woher kommt dieses Fehlen des Gleichmaßes? Es ist zuletzt doch in der Seele wurzelnd. Ein Beispiel dafür: Dasjenige, was am meisten führen kann auch zum äußeren Unbehaglich-Fühlen, zu allen möglichen Symptomen der Nervosität, zu allem Übrigen, was unser soziales Leben so schwierig macht, was dazu führen kann, ist Seelenöde, Leerheit der Seele, ein Nichtzusammenhängen der Seele mit dem, was gerade Geistesforschung geben will, womit die Geistesforschung die Seelen erfüllen will.
[ 24 ] These things extend all the way down to our physical well-being. Today, more than ever before, we must speak of the nervousness of our age—how unbalanced people are, how they lack a sense of equilibrium. Where does this lack of equilibrium come from? Ultimately, it is rooted in the soul. Here is an example: What can most lead to a sense of physical discomfort, to all manner of symptoms of nervousness, and to everything else that makes our social life so difficult—what can lead to all of this—is spiritual desolation, an emptiness of the soul, and a disconnect between the soul and what spiritual research seeks to offer, what spiritual research seeks to fill the soul with.
[ 25 ] Es gibt ja allerdings heute manche Menschen, die sagen, sie haben gar kein Bedürfnis nach den Begriffen der Geisteswissenschaft. Das ist ganz gewiss so. Aber das ist nur in ihrem Oberbewusstsein so. In den Tiefen der Seele ist immer die Sehnsucht nach den Quellen des Daseins. Und was wir der Seele nicht geben, das macht sich in ihr geltend als Leerheit, Öde, Zweifel. Und, nicht von heute auf morgen, aber durch Jahrzehnte hindurch, ergießt sich das, was in der Seele fehlt, was als Chaos in der Seele vorhanden ist, bis in die leibliche Organisation hinein. Wir sind dem Leben nicht mehr gewachsen. Wir können nicht mehr, weil die Seele leer ist, die Kräfte der Seele in das Leibliche gießen. Weil in einer natürlichen Weise durch Jahrhunderte hindurch die Menschen sich gewöhnt haben, sich an das Äußerliche zu halten, sind sie entfremdet worden demjenigen, was die Seele mit geistigem Gehalt durchziehen kann. Eine ganz große Summe von ungesunden Symptomen, die bis ins Leibliche gehen, dass der Mensch dem Leben nicht mehr gewachsen ist, rührt davon her. Und das wird immer ärger werden, wenn nicht die Geisteswissenschaft eingreift und den Seelen geben wird dasjenige, wonach sie lechzen, ohne es zu wissen mit dem Oberbewusstsein.
[ 25 ] There are, of course, some people today who say they have no need at all for the concepts of spiritual science. That is certainly true. But this is only true at the level of their conscious mind. In the depths of the soul there is always a longing for the sources of existence. And what we do not give to the soul manifests itself within it as emptiness, desolation, and doubt. And—not overnight, but over the course of decades—what is lacking in the soul, what exists as chaos within it, spills over into the physical organism. We are no longer up to the task of life. We can no longer channel the soul’s forces into the physical body because the soul is empty. Because, in a natural way over the course of centuries, people have become accustomed to clinging to the external, they have become alienated from that which can permeate the soul with spiritual content. A vast array of unhealthy symptoms, extending even into the physical body—which prevent people from coping with life—stems from this. And this will only get worse unless spiritual science intervenes and gives the souls what they yearn for, without even realizing it in their conscious awareness.
[ 26 ] Haben wir nicht gesehen, dass in unserer Zeit — ich will nicht sagen, es überhaupt einen Pessimismus gibt, sondern dass er in einer eigentümlichen Weise untersucht worden ist? Wenn man von Pessimismus im Allgemeinen spricht, müsste man allerlei Missverständliches erwähnen. Man könnte davon sprechen, dass auch manche ältere Religionen den Pessimismus enthalten. Aber darauf kommt es nicht an, sondern auf die Art und Weise, wie man den Pessimismus in unserer heutigen Zeit zu stützen versucht. Dieses Stützen zeigt etwas sehr Eigentümliches. Vielleicht wird mancher von Ihnen als ein Kuriosum ansehen, was ich jetzt zu erzählen habe. In unserer Zeit hat Kant Nachfolger gefunden. Und einer dieser Nachfolger hat geschrieben Studien zu einer Psychologie des Pessimismus. Er hat eine merkwürdige Untersuchung angestellt, die sich in ganz objektiver Weise, in passiv wissenschaftlicher Art über den Menschen macht und untersuchen will, ob das Leben mehr des Leidvollen, des Unangenehmen enthält als des Lustvollen, des Glückfördernden und so weiter. Dieser Professor [Kowalewski] hat zunächst versucht, festzustellen, ob es wirklich so ist, indem er sich an Schulkinder gewandt hat. Er hat die Kinder aufschreiben lassen, was sie ein Glück des Lebens nennen und was sie ein Leid des Lebens nennen. Da haben sie aufgeschrieben als Leid: Krankheit, Tod, Überschwemmung. An Lust haben sie aufgeschrieben: Eis, Spiel, Geschenke. Wir wollen uns über die Qualität dieser Lebenslust nicht verwundern. Aber für den positiven Forscher kommt es auf Zahlenverhältnisse an, und Kowalewski hat in der Tat nicht nur gewöhnliche Zahlen aufgestellt, sondern schwere Integralbegriffe. Seine Begründung über den Pessimismus ist daher nicht leicht lesbar. Er hat feststellen können, dass in 39 Fällen das Leid hervorgehoben wurde, in 25 bis 27 Fällen die Lust. Also kann man aus dem Kindergemüt den Schluss ziehen, dass das Leben mehr des Leidvollen als des Lustvollen bietet. Und er hat gemeint: Das geht denn doch nicht ganz ins Positive hinein, man muss es noch anders machen. — Er hat auch das Tagebuch eines bekannten Philosophen der Gegenwart verwendet. Dieser hat sich immer aufgeschrieben, wann er Lust und wann er Leid empfunden hat. Und als Professor Kowalewski dieses Tagebuch durchgesehen hatte, fand er, dass das Leid die Lust überwog. Da hatte er den zweiten Beweis. Er ging aber noch weiter, er suchte noch etwas Sichereres. Er beobachtete die Leute, die rasch gehen, und die Leute, die langsam gehen. Wenn man traurig ist, sagt er, geht man langsam; wenn man froh ist, geht man schnell. Das ist die Voraussetzung jenes Professors. Und siehe da, da stellt sich wiederum heraus, dass eine weitaus überwiegende Zahl der betrübten Langsamgeher vorhanden ist. Und so ist denn ein Buch zustande gekommen, in dem diese Zahlenverhältnisse in mathematische Integralformen gebracht worden sind, und man kann sozusagen mit diesen ausgerüstet sagen: Nun, wenn man das äußere Leben untersucht, so stellt sich die pessimistische Weltanschauung als gerechtfertigt heraus, denn das äußere Leben enthält ja des Fatalen, des Leidvollen viel mehr als des uns Förderlichen, des Lustvollen. Das hat ja nun die Wissenschaft bewiesen!
[ 26 ] Have we not seen that in our time—I do not mean to say that pessimism exists at all, but rather that it has been examined in a peculiar way? When one speaks of pessimism in general, one would have to mention all sorts of misunderstandings. One could say that some older religions also contain elements of pessimism. But that is not the point; rather, it is the way in which people today attempt to substantiate pessimism. This substantiation reveals something very peculiar. Perhaps some of you will regard what I am about to say as a curiosity. In our time, Kant has found successors. And one of these successors has written *Studies on a Psychology of Pessimism*. He has conducted a peculiar investigation that takes a completely objective, passively scientific approach to human beings, seeking to determine whether life contains more suffering and unpleasantness than pleasure, happiness, and so on. This professor [Kowalewski] first attempted to determine whether this is truly the case by turning to schoolchildren. He had the children write down what they consider to be the joys of life and what they consider to be the sorrows of life. As sorrows, they wrote down: illness, death, flooding. As pleasures, they wrote down: ice cream, play, gifts. We should not be surprised by the nature of this zest for life. But for the positive researcher, it is the numerical ratios that matter, and Kowalewski did indeed not merely present ordinary numbers but complex integral concepts. His reasoning regarding pessimism is therefore not easy to follow. He found that in 39 cases, sorrow was emphasized, while in 25 to 27 cases, joy was emphasized. Thus, one can conclude from the children’s perspectives that life offers more sorrow than joy. And he argued: “That doesn’t quite lead to a positive conclusion; we need to approach it differently.” — He also consulted the diary of a well-known contemporary philosopher. This philosopher had always written down when he felt pleasure and when he felt suffering. And when Professor Kowalewski had reviewed this diary, he found that suffering outweighed pleasure. There he had his second piece of evidence. But he went even further; he sought something even more certain. He observed people who walk quickly and people who walk slowly. When one is sad, he says, one walks slowly; when one is happy, one walks quickly. That is the premise of that professor. And lo and behold, it turns out once again that there is a far greater number of sad, slow walkers. And so a book came into being in which these numerical ratios have been expressed in mathematical integral form, and, armed with these, one might say: Well, if one examines external life, the pessimistic worldview turns out to be justified, for external life contains far more of the fatal and the painful than of what is beneficial or pleasurable. Science has now proven this!
[ 27 ] Nun braucht man nicht einmal zu lächeln über solche Vorstellungen. Ich will gar nicht über den Wert einer solchen Forschung sprechen, inwiefern sie so recht gewisse Wissenschaften charakterisiert. Ich will nur fragen: Worauf wird denn da eigentlich gesehen? Nun, auf das, was den Menschen von der äußeren Welt berührt, was auf den Menschen Eindruck macht, denn anderes kann ja nicht mit solchen Methoden erforscht werden. Nicht wird darauf gesehen, was der Mensch imstande ist, entgegenzuhalten an Geschlossenheit und Aufsichgestelltsein seines inneren Wesens dem, was da von außen Eindruck macht.
[ 27 ] Well, there’s really no need to even smile at such ideas. I don’t even want to discuss the value of such research or the extent to which it truly characterizes certain sciences. I simply want to ask: What exactly is the focus here? Well, it is on what affects human beings from the external world, what makes an impression on them, for nothing else can be investigated using such methods. The focus is not on what human beings are capable of offering—in terms of the coherence and integrity of their inner being—in response to the impressions coming from the outside.
[ 28 ] Ich möchte noch etwas anführen, was in seinen «Beiträgen zum Optimismus» Metschnikow angeführt hat. Er redet von jemand, der ihm befreundet war, von einem Menschen, der sehr nervös war, der die Unlust des Lebens im tiefsten Sinne erlebt hat. Er konnte kein Wagengerassel mehr hören. Er konnte nicht hören, dass man an seiner Klingel klingelte. Er konnte nicht sehen, dass ihm viele Leute entgegenkamen. Und viele andere Dinge noch. Sie können sich denken, was alles für diesen Menschen unausstehbar war. Zuletzt wusste er sich nicht anders zu retten als durch Morphium, um ein gewisses Haltgefühl in sich zu haben. Oft war er nahe daran, die Morphiumdosis so groß zu nehmen, dass er den Tod finden konnte. Er war auch öfter dem Tode nahe, immer wieder wurde er gerettet. Dann erzählte Metschnikow weiter: So war also der Mensch, aber es wurde immer besser und besser mit seinem Pessimismus. Und eigentlich ganz richtig sagt Metschnikow, warum das so ist: Es wurde sozusagen seine äußere Auffassung immer mehr abgestumpft; es machte die Außenwelt nicht mehr einen solch heftigen Eindruck wie früher.
[ 28 ] I’d like to mention something else that Mechnikov cited in his *Contributions to Optimism*. He speaks of a friend of his, a man who was very nervous, who experienced a profound aversion to life. He could no longer bear the sound of a carriage rattling. He could not hear when someone rang his doorbell. He could not see that many people were coming toward him. And many other things as well. You can imagine what was all unbearable for this man. In the end, he saw no other way to save himself than through morphine, in order to maintain a certain sense of stability within himself. He was often close to taking a dose of morphine so large that it would lead to his death. He was also close to death on several occasions, but time and again he was saved. Then Mechnikov continued: “That’s what this man was like, but his pessimism kept getting better and better.” And Mechnikov actually explains quite correctly why that is: “His external perception, so to speak, became increasingly dulled; the outside world no longer made as strong an impression on him as it used to.”
[ 29 ] Nun fragen wir uns: Was hat bei diesem Menschen ein größeres Gleichmaß der Seele herbeigeführt? Das, dass er stumpfer wurde gegenüber den Eindrücken der Außenwelt, dass er sich diesen Eindrücken verschließen konnte. Aber zeitlebens war sein Inneres schwach. Nie aber kann es sich darum handeln, uns erst zu schwächen für alles, was an Schönem und Erhabenem von der Welt kommen kann, um nicht nervös zu werden, sondern nur darauf kann es hinausgehen, was ich in die Worte kleiden möchte: Hätte der Mensch nicht dasselbe früher haben können, wenn ein starkes, von Seelensubstanz durchzogenes Inneres sich entgegengestellt hätte den Wahrnehmungen der Außenwelt? Das aber strebt Geisteswissenschaft gerade an, den Menschen in sich gefestigt zu machen gegen die wechselnden Eindrücke der Außenwelt; sodass wir nicht stumpf zu werden brauchen gegen die Welt, und dennoch mit Sicherheit in der Welt stehen.
[ 29 ] Now let us ask ourselves: What brought about a greater equanimity of soul in this person? It was the fact that he became more numb to the impressions of the outside world, that he was able to shut himself off from these impressions. But throughout his life, his inner self was weak. However, it can never be a matter of first weakening ourselves to everything beautiful and sublime that the world has to offer in order to avoid becoming nervous; rather, it must come down to what I would like to express in the following words: Could this person not have achieved the same thing earlier, if a strong inner life, imbued with the substance of the soul, had stood in opposition to the perceptions of the external world? But this is precisely what spiritual science strives for: to make people internally steadfast against the changing impressions of the external world; so that we need not become numb to the world, and yet stand securely in the world.
[ 30 ] Dann wird man nicht mehr nötig haben, die Fragen nach dem besseren oder schlechteren Leben nach rein äußerlichen Dingen zu untersuchen. Kowalewski hat ein noch genaueres Experiment gemacht und eine sorgfältige Analyse herausbekommen, dass wir allen Grund haben, wenn wir der Außenwelt gegenüberstehen, die Außenwelt eigentlich als viel reicher an Leidvollem als an Lustvollem anzugehen. Er hat nämlich Folgendes gemacht. Er sagt: Nehmen wir einmal an, untersuchen wir den Geschmacksinn. — Nun hat er festgestellt — in der äußeren Wissenschaft braucht man Begriffe; wo der Geist fehlt, braucht man Begriffe und Worte —, er nannte das, was in geringster Menge von irgendeinem Stoff noch einen Geschmackseindruck macht bei uns, die «Gustie»; und so stellte er fest, was die Gustie ist des Chinins, das einen unangenehmen Eindruck macht; Zucker macht einen angenehmen Eindruck. Und er ließ nun eine Anzahl von Personen Chinin und Zucker zusammen nehmen, um zu prüfen, wie viel man braucht von jedem, damit sich dieses ausgleicht. Und siehe da, er brachte heraus, dass fast doppelt so viel Zucker-Gustie angewendet werden musste als Chinin-Gustie, wenn die Zucker-Gustie die Chinin-Gustie ausgleichen sollte. Das heißt, wir müssen in Bezug auf den Geschmacksinn das Angenehme verdoppeln, wenn das Unangenehme aus dem Felde geschlagen werden soll.
[ 30 ] Then there will no longer be any need to examine questions about a better or worse life based on purely external factors. Kowalewski conducted an even more precise experiment and, through careful analysis, concluded that when we confront the external world, we have every reason to regard it as far richer in suffering than in pleasure. Here is what he did. He says: Let’s assume we are examining the sense of taste. — Now he determined—in the external sciences, concepts are necessary; where the spirit is lacking, concepts and words are needed—he called the sensation that even the smallest amount of any substance can still evoke in us the “gustie”; and so he determined what the gustie of quinine is, which creates an unpleasant sensation; sugar creates a pleasant sensation. He then had a number of people take quinine and sugar together to test how much of each was needed to balance them out. And lo and behold, he discovered that nearly twice as much sugar “gustie” had to be used as quinine “gustie” if the sugar “gustie” was to counteract the quinine “gustie.” That is to say, when it comes to the sense of taste, we must double the pleasant sensation if the unpleasant one is to be neutralized.
[ 31 ] Dasjenige, worauf ich reflektiere, ist, dass man etwas nicht messen kann, was allerdings einschlägt in unser Leben. Und der Fehler ist der, dass man nicht berücksichtigt, dass man eigentlich in Bezug auf das äußere Leben gar nicht geeignet ist, die Zucker-Gustie in der richtigen Weise einzuschätzen. Wir nehmen sie als selbstverständlich ein, aber die Chinin-Gustie schätzen wir recht stark ein. Von der Krankheit werden wir bekanntlich sehr stark berührt, die Lust der Gesundheit fühlen wir selten in vollem Maße. Und mit diesem hängt zusammen, was in solchen Untersuchungen an Fehlern gemacht wird.
[ 31 ] What I am reflecting on is that one cannot measure something that nevertheless has an impact on our lives. And the mistake lies in failing to take into account that, when it comes to external life, we are actually not at all equipped to assess the “sugar taste” properly. We take it for granted, but we place a great deal of value on the taste of quinine. As is well known, illness affects us very deeply, while we rarely feel the joy of good health to its fullest extent. And this is related to the errors made in such studies.
[ 32 ] Aber wir können auch unsere Gesundheit, die nach und nach, wenn die Seelenleere bleibt, uns anöden muss, erfüllen mit dem, was uns aus der geistigen Welt herauskommt, und wir können entgegenhalten sozusagen dem Selbstverständlichen der Unlust der Außenwelt dasjenige, was aus der geistigen Welt uns hereinströmt, was uns immer halten und tragen kann. Nicht so hat man eine pessimistische Stimmung zu behandeln, indem man untersucht: Ist die Welt gut oder schlecht? —, sondern so, dass man sich sagt: Der Mensch, der nicht die Stärke findet, in der Welt sicher zu stehen, der hat nicht genug aus der geistigen Welt geschöpft. Was jener Mensch, von dem Metschnikow spricht, sich durch die Abstumpfung seiner äußeren Organisation erworben hat an Gleichmaß, das strömt in unsere Seele als ein wahres Lebensgut herein, wenn wir die geisteswissenschaftlichen Begriffe und Ideen aufnehmen. Wie aus dem Gleichmaß der Seele Wichtigstes fließt für die Ausbildung der Seele des Geistesforschers selbst, so strömen wiederum Gleichmaß und Harmonie der Seele aus als ein Lebensgut von den Mitteilungen der Geistesforschung.
[ 32 ] But we can also fill our health—which, if the emptiness of the soul persists, will gradually lead to boredom—with what comes to us from the spiritual world; and we can counter, so to speak, the self-evident dismalness of the external world with that which flows into us from the spiritual world, which can always sustain and support us. One should not deal with a pessimistic mood by asking: Is the world good or bad? — but rather by telling oneself: The person who cannot find the strength to stand firmly in the world has not drawn enough from the spiritual world. The equanimity that the person of whom Mechnikov speaks has acquired through the dulling of his outer constitution flows into our soul as a true source of life when we take in the concepts and ideas of spiritual science. Just as the most essential elements for the development of the spiritual researcher’s own soul flow from the soul’s equanimity, so, in turn, equanimity and harmony of the soul flow forth as a source of life from the findings of spiritual research.
[ 33 ] Und ein Weiteres können wir anführen. Wir haben jetzt gesprochen von den Einflüssen der Geisteswissenschaft auf unser Denken und Vorstellen, auf unser Gemüt. Wir können auch sprechen von einem Einfluss auf unseren Willen, auf die Initiative unseres Handelns. Dadurch, dass wir von dem Geistesforscher solche Begriffe bekommen, die herabgeholt sind aus den geistigen Welten, dadurch dringen diese Begriffe auch so in unsere Seele hinein, dass sie geeignet sind, unsere Seele hinzuweisen auf das, was in ihr unabhängig ist von der äußeren Sinneswelt.
[ 33 ] And there is one more point we can raise. We have now spoken of the influences of spiritual science on our thinking and imagination, on our mind. We can also speak of an influence on our will, on the initiative of our actions. Because the spiritual scientist provides us with concepts drawn down from the spiritual worlds, these concepts penetrate our soul in such a way that they are capable of directing our soul toward that which within it is independent of the external sensory world.
[ 34 ] Nun aber, wie viel entsteht in unserem Wollen auf äußere Anregung hin? Irgendetwas sehe ich, das regt mich an. Ich sehe vielleicht eine Blume, ich pflücke sie ab; ich bin angeregt von ihr. Ich führe irgendetwas im Leben so oder so aus. Einmal haben die Erzieher mir etwas beigebracht; dadurch ist in mir die Geschicklichkeit entstanden zu diesem oder jenem. Wenn wir unsern Willen durchforschen, wir finden überall die Anregungen von außen. Gerade das zeichnet den Willen im alltäglichen Leben aus, dass er in einem höheren Maße angeregt ist von außen, als man gewöhnlich glaubt. Selbst die Menschen, die sich am freiesten glauben, sind abhängig von dieser oder jener Anregung. Sie glauben, frei zu handeln, sie handeln aber nur nach dem, was von der Außenwelt als Reiz ausgeübt worden ist. Besonders können wir oftmals sehen: Wenn sich die Leute gegen das oder jenes sträuben im Namen der Freiheit ihrer Seele, dann sträuben sie sich in Wahrheit infolge ihres Eigensinns, ihrer Unfreiheit, nicht infolge der Freiheit ihres Sinnes. Kurz, der Wille ist überall sozusagen wurzelnd in der Außenwelt zunächst.
[ 34 ] But now, how much of our volition arises in response to external stimuli? I see something, and it stimulates me. Perhaps I see a flower; I pick it; I am stimulated by it. I carry out something in life one way or another. At one time, my teachers taught me something; as a result, I developed the skill to do this or that. When we examine our will, we find external stimuli everywhere. This is precisely what characterizes the will in everyday life: that it is stimulated from the outside to a greater extent than is commonly believed. Even people who consider themselves the freest are dependent on one stimulus or another. They believe they are acting freely, but they are acting only in response to what the outside world has presented as a stimulus. In particular, we can often observe that when people resist this or that in the name of the freedom of their soul, they are in truth resisting as a result of their own obstinacy, their lack of freedom—not as a result of the freedom of their spirit. In short, the will is, so to speak, initially rooted in the external world everywhere.
[ 35 ] Gerade auf diesen Willen wirkt, wenn wir Geisteswissenschaft aufnehmen, stärkend und erkraftend dasjenige, was aus ihren Erkenntnissen fließt. Es wirkt so, dass dieser Wille in der Seele sich verselbstständigt. Wenn er das aber tut, dann fühlen wir ihn als eine Kraft in der Seele, als etwas, was nur Anregung von innen empfangen kann. Wir sind bereichert in unserer Seele, wenn wir so unseren Willen durchkraften. Auf dieses Stück unseres Inneren, das wir uns erworben haben als unseren auf sich selbst gestellten Willen, wirkten die äußeren Anlässe nicht mehr. Wir ziehen uns zurück vor den äußeren Anlässen mit unserem Willen. Wenn sich jemand immer tiefer einlässt in die Geisteswissenschaft, dann fühlt er erstarken in sich seinen Willen. Er kann sagen: Ich kann jetzt mehr wollen als früher. Man erlangt dieses aber nur durch seine Hingabe an die Geisteswissenschaft.
[ 35 ] When we take up spiritual science, what flows from its insights has a strengthening and invigorating effect precisely on this will. It works in such a way that this will becomes independent within the soul. But when it does so, we feel it as a force in the soul, as something that can receive inspiration only from within. We are enriched in our soul when we thus strengthen our will. External circumstances no longer affect this part of our inner being, which we have acquired as our self-determined will. We withdraw from external influences through our will. When someone delves ever deeper into spiritual science, they feel their will growing stronger within them. They can say: “I can now will more than before.” But this is attained only through devotion to spiritual science.
[ 36 ] Aber wenn nun von außen kein Anstoß da ist zum Willen, woher müssen dann Anstöße kommen? Wiederum bleibt das nicht in Ruhe, in Untätigkeit, was da als neuer Wille aufsteigt, wenn es von innen Anstoß erhält. Da gibt es nur eines, was nicht mehr zwingt: was man im umfassendsten Sinne die Liebe nennt. Das heißt: Die Motive unseres Willens müssen durch den Einfluss der Geisteswissenschaft durchwärmt werden von der Liebe. Wir lernen immer mehr erkennen die tiefe Bedeutung des Wortes:
[ 36 ] But if there is no external impetus for the will, where must such impulses come from? Again, that which arises as a new will does not remain at rest, in inactivity, when it receives an impulse from within. There is only one thing that no longer compels: what is called love in the broadest sense. This means: The motives of our will must be warmed by love through the influence of spiritual science. We are learning more and more to recognize the deep meaning of the word:
[Pflicht]: wo man liebt, was man sich selbst befiehlt —,
[Duty]: where one loves what one commands of oneself —,
[ 37 ] wo das, was uns zum Handeln führt, ganz und gar dadurch uns führt, dass wir lieben dasjenige, was zu verrichten ist, dass wir es in der Seelenkraft zu verrichten versuchen, in der wir eben alles das zu verrichten versuchen, was aus der Liebe hervorgeht. Damit haben wir aber eine schöne Frucht als Lebensgut aus der Geisteswissenschaft errungen. Wir haben die Umwandlung unseres Willens in Liebewillen errungen. Immer größer wird der Schatz von Liebewillen, wenn uns Geisteswissenschaft Lebensgut wird. Es ist wiederum zunächst nicht etwas, was uns mit einem materiellen Gut versorgt. Aber ein stärkendes, wertvolles Gut für die äußere Lebenssicherheit ist dieser Liebewille, den wir, wenn wir richtig in die Geisteswissenschaft eindringen, durch die Begriffe und Ideen der Geisteswissenschaft immer wachsen sehen werden.
[ 37 ] where what leads us to act guides us entirely through the fact that we love what is to be done, that we strive to accomplish it with the power of the soul, with which we strive to accomplish everything that springs from love. In this way, we have attained a beautiful fruit as a treasure of life from spiritual science. We have achieved the transformation of our will into a will of love. The treasure of loving will grows ever greater when spiritual science becomes a source of life for us. Again, it is not, at first, something that provides us with material goods. But this loving will is a strengthening, valuable asset for our external security in life—and if we truly delve into spiritual science, we will see it growing ever more through the concepts and ideas of spiritual science.
[ 38 ] Und wiederum kann ein Stück Selbsterkenntnis damit verknüpft sein. Oft erfährt man, dass die Menschen sich in Bezug auf ihren Liebewillen viel zugute tun. Aber es ist nicht sehr weit her [damit]. Denn wenn die Menschen gerade in weiser Selbstbeobachtung kennenlernen, wie durch das Einfließen der Ideen und Begriffe der Geisteswissenschaft sie aufmerksam werden, was in ihnen noch an Egoismus, an Liebeleerheit ist, dann ist Geisteswissenschaft wieder das schöne Korrektiv, die echte Führerin zur Selbsterkenntnis. Sie gibt uns auf der einen Seite den Liebewillen; auf der anderen Seite macht sie uns aufmerksam, wie viel uns noch fehlt von diesem Liebewillen. So ist die Geisteswissenschaft im höchsten Maße auch das Lebensgut, das man mit dem Worte Selbsterziehung bezeichnen kann.
[ 38 ] And once again, a measure of self-knowledge may be associated with this. One often finds that people give themselves a lot of credit when it comes to their will to love. But this is not very far-reaching. For when people, through wise self-observation, come to realize how the infusion of ideas and concepts from spiritual science makes them aware of what selfishness and lack of love still remain within them, then spiritual science once again becomes the beautiful corrective, the true guide to self-knowledge. On the one hand, it gives us the will to love; on the other hand, it makes us aware of how much of this will to love we still lack. Thus, spiritual science is also, to the highest degree, the treasure of life that can be described by the term “self-education.”
[ 39 ] Und weiter, Geisteswissenschaft führt uns hinaus über das, was uns die von der Außenwelt entlehnten Begriffe geben können. Sie führt uns zu dem, was der Geistesforscher dadurch findet, dass er selbst mit seiner Seele aus seinem Leibe herausgeht, und mit den Wurzeln der Welt zusammenhängt, aus der er, Geist vom Geiste, genommen ist. Sie führt uns also zu dem, was das Tiefste unserer Seele ist.
[ 39 ] Furthermore, spiritual science leads us beyond what concepts borrowed from the external world can offer us. It leads us to what the spiritual researcher discovers by stepping out of his body with his soul and connecting with the roots of the world from which he, spirit born of spirit, has been taken. It thus leads us to the very depths of our soul.
[ 40 ] Immer mehr wird man sehen, wie ich auch gestern versuchte auszuführen — durch das Gleichnis am Schluss —, dass die Wissenschaft, die nach dem Muster der äußeren Wissenschaft aufgebaut ist, an einem gewissen Punkte stehen bleiben muss, wenn sie Weltanschauung werden will. Ich könnte das für viele Vorstellungen, die wichtige Lebensvorstellungen sind, ausführen. Ich will es nur für eine Vorstellung jetzt ausführen. Nehmen wir an, irgendein Philosoph, der zunächst nichts wissen will von der Geisteswissenschaft, Lotze, ein geistvoller Mann — ich will an meiner Gewohnheit festhalten, dass ich diejenigen anführe, die ich als bekämpfenswert, als Kapazität schätze — Lotze, der ein Buch geschrieben hat, «Mikrokosmus», der viele bedeutende Werke über Philosophie geschrieben hat, er hat auch versucht, eine Religionsphilosophie darzustellen. Er kommt aber nur zu einem Wahrheitsbegriff, zu einer Anerkenntnis einer solchen Wahrheitserkenntnis, welche gewonnen ist nach dem Muster jener Begriffe und Ideen, die von der äußeren Wirklichkeit entfernt sind, die passiv gewonnen sind. Lotze versucht daher, eine Religionsphilosophie zu gewinnen dadurch, dass er sie aufbaut im Sinne der äußeren Wissenschaft. Und siehe da, Lotze geht so weit als nur irgend möglich. Er kommt aus seinen Voraussetzungen heraus zu der Annahme eines seelischen Wesens, eines göttlichen Wesens, das die Welt durchwellt und durchwallt, das sich schöpferisch betätigt. Er kommt dazu, sich die Naturgesetze denken zu können als geprägt und durchgeistigt von einer einheitlichen göttlichen Wesenheit. Jedes Mal aber, wenn eine solche Religionsphilosophie den Menschen zeigen will, wie zusammenhängt dasjenige, was nach dem Muster der äußeren Wahrheit so geprägt ist wie ein Naturgesetz, mit den sittlichen Geboten, mit dem, was als innere Impulse uns im Leben anregt, dann muss er vor einer Zweiheit stehen bleiben, für die er keine Verbindung weiß. Auf der einen Seite Gesetze, die mit starrer, kalter Notwendigkeit wirken. Wo, in diesem ganzen System von Naturgesetzen, wo entspringt das, was in uns lebt als unsere sittlichen Impulse, als das, was uns zum Edelsein im menschlichen Sein treibt, das uns mit Moralität durchdringt? Wo quillt das da draußen? Wenn Philosophie Lebensanschauung werden soll, dann wird diese Frage aktuell. Sie gewinnt Bedeutung. Wenn die Philosophie Regler werden soll der Lebensanschauung, dass sie hinweist darauf, wie auf der einen Seite die Welt der Notwendigkeiten steht, auf der anderen Seite die Welt der sittlichen Gebote, die aber wie herausgeschlossen aus der Welt in uns lebt — wie wurzelt sie in der Welt? Solange man beim passiven Wahrheitsbegriff bleibt, kann man diese Kluft nie überbrücken, weil ein Verhältnis besteht zwischen der notwendigen Wahrheit und ihrer Gesetzmäßigkeit und der sittlichen Wahrheit und ihrer Gesetzmäßigkeit, welches sich in der Außenwelt nicht erschauen lässt, welches sich nicht passiv begreifen lässt. So wenig lässt sich das Verhältnis der Naturordnung zur sittlichen Ordnung begreifen, wie sich das Verhältnis der Mutter zum Kinde durch nur natürliche Gesetze begreifen lässt. Der Vater könnte da sein, ohne dass das Kind da ist. Wenn das Kind da ist, geht das Kind aus dem Vater hervor, aber er könnte ohne Kind sein. Es ist keine Notwendigkeit da im Vater, dennoch führt der Vater zum Kind. Es gehört zu den vielleicht bedeutungsvollsten Auffassungen und Ideen des Christentums, dass das Verhältnis des einen Gottes zu dem Gotte, der durchdringen soll unser Innerstes in unserer Moralität, als das Verhältnis vorgestellt wird von dem Vater zu dem Sohne, dem Christus. Theosophie oder Geisteswissenschaft zeigt uns, dass ein Verhältnis besteht zwischen der moralischen Weltordnung und der naturgesetzlichen Notwendigkeit und Weltordnung wie etwa das des Sohnes zum Vater.
[ 40 ] It will become increasingly clear—as I also tried to explain yesterday through the parable at the end—that science, structured along the lines of external science, must come to a standstill at a certain point if it is to become a worldview. I could illustrate this with many ideas that are central to our understanding of life. But for now, I will illustrate it with just one idea. Let us suppose a philosopher who initially wants nothing to do with spiritual science—Lotze, a man of great intellect—I will stick to my habit of citing those whom I consider worthy of debate and regard as authorities — Lotze, who wrote a book, *Mikrokosmos*, and who has written many significant works on philosophy; he has also attempted to present a philosophy of religion. However, he arrives only at a concept of truth, at a recognition of such knowledge of truth that is gained according to the pattern of those concepts and ideas that are removed from external reality, that are passively acquired. Lotze therefore attempts to arrive at a philosophy of religion by constructing it in the spirit of external science. And lo and behold, Lotze goes as far as is humanly possible. Based on his premises, he arrives at the assumption of a spiritual being, a divine being that permeates and surges through the world, acting creatively. He comes to conceive of the laws of nature as shaped and imbued with spirit by a unified divine entity. But every time such a philosophy of religion seeks to show people how that which, according to the pattern of external truth, is shaped like a law of nature, is connected to moral precepts—to that which stirs us in life as inner impulses—they must come to a standstill before a duality for which they know of no connection. On the one hand, there are laws that operate with rigid, cold necessity. Where, in this entire system of natural laws, does that which lives within us as our moral impulses—that which drives us toward nobility in human existence and imbues us with morality—originate? Where does that spring forth out there? If philosophy is to become a worldview, then this question becomes pressing. It gains significance. If philosophy is to become the guide for a worldview—pointing out how, on the one hand, there is the world of necessities, and on the other, the world of moral precepts, which, however, lives within us as if excluded from the world—how is it rooted in the world? As long as one adheres to a passive concept of truth, one can never bridge this chasm, because there is a relationship between necessary truth and its lawfulness, on the one hand, and moral truth and its lawfulness, on the other—a relationship that cannot be perceived in the external world and cannot be passively grasped. Just as the relationship between the natural order and the moral order cannot be grasped, so too can the relationship between a mother and her child not be grasped through natural laws alone. The father could be there without the child being there. When the child is there, the child proceeds from the father, but the father could exist without a child. There is no necessity inherent in the father, yet the father leads to the child. One of the most significant concepts and ideas in Christianity is that the relationship of the one God to the God who is to permeate our innermost being in our morality is presented as the relationship of the Father to the Son, Christ. Theosophy, or spiritual science, shows us that there is a relationship between the moral world order and the necessity and world order governed by natural law, much like that of the Son to the Father.
[ 41 ] Dieses Verhältnis begreift man aber nur, wenn man hinausgeht über das, was in passiven Begriffen gegeben werden kann, zu dem, was erfasst werden kann in der geistigen Welt; das so vor uns steht, dass Goethe die Worte prägen kann — er blickte auf Kant hin, der der menschlichen Erkenntnis Grenzen zu setzen versuchte, der als bloßen Glauben ansehen wollte dasjenige, was sittliche Weltordnung ist; er nannte es ein «Abenteuer der Vernunft», das man nicht ausführen soll —, Goethe, der eine solche Weltanschauung, wie sie Kant vertritt, ablehnen musste; er sagte, wenn man wirklich im Sittlichen durch Tugend und Glaube in die oberen Regionen sich erheben könne, so müsse man das Abenteuer der Vernunft wacker bestehen, und auch mit der ganzen Seele in eine obere Welt hinaufgehen.
[ 41 ] However, this relationship can only be understood by going beyond what can be expressed in passive concepts, to that which can be grasped in the spiritual world; which stands before us in such a way that Goethe could coin the words—he looked to Kant, who sought to set limits on human knowledge, who wished to regard the moral order of the world as mere faith; he called it an “adventure of reason” that one should not undertake—Goethe, who had to reject a worldview such as Kant’s; he said that if one could truly rise into the higher realms through virtue and faith in the moral realm, then one must bravely endure the adventure of reason and ascend into a higher world with one’s whole soul.
[ 42 ] Dann wird gleichzeitig eines hineingegossen, in die Naturordnung wie in die sittliche Ordnung, was so gemeinschaftlich ist wie das, was waltet zwischen Vater und Sohn, weil die Natur, wenn wir sie betrachten, wie sie ist, ohne Sittlichkeit da sein könnte, wie der Vater ohne Sohn. Nur wenn wir gehen auf das, was wirklich geschehen ist, finden wir das richtige Verhältnis zwischen Vater und Sohn.
[ 42 ] Then something is poured into both the natural order and the moral order at the same time—something as communal as the relationship between father and son—because nature, if we consider it as it is, could exist without morality, just as a father could exist without a son. Only when we turn to what actually happened do we find the proper relationship between Father and Son.
[ 43 ] So müssen wir gehen auf das, was geschehen ist wirklich in der Welt, und wir kommen da auf den Grundnerv des Christentums.
[ 43 ] So we must turn to what has actually happened in the world, and there we come to the very heart of Christianity.
[ 44 ] Ein Beispiel wollte ich Ihnen geben, wie religiöse Begriffe, die das menschliche Gemüt braucht, um seinen Zusammenhang zu fühlen mit dem, was die Welt durchpulst als Göttlich-Geistiges, wie der Mensch in Bezug auf dieses sein religiöses Leben gestärkt werden kann durch Geisteswissenschaft. Denn Geisteswissenschaft zeigt ihm, dass man wirklich dasjenige noch begreifen und verstehen kann, wovon man selbst nach einem bedeutenden Philosophen, wie es Kant war, nur annehmen sollte, dass man es nur glauben könne.
[ 44 ] I wanted to give you an example of how spiritual science can strengthen a person’s religious life in relation to the divine-spiritual force that pulses through the world—the religious concepts that the human mind needs to feel its connection to this force. For spiritual science shows us that we can truly grasp and understand that which, even according to a significant philosopher such as Kant, we were supposed to assume could only be believed.
[ 45 ] Unsere Zeit aber lebt sich in eine Epoche hinein, wo wiederum für den Geistesforscher ganz klar ersichtlich ist, wie die Seelen immer mehr und mehr lechzen danach, nicht nur auf die Glaubensautorität hin die religiöse Vertiefung anzunehmen, sondern auch erkennen zu können, wie wir die Natur erkennen, dasjenige, was die Menschen zusammenbindet mit dem Göttlich-Geistigen im Kosmos draußen.
[ 45 ] Our time, however, is moving into an epoch in which it is once again quite clear to the spiritual researcher how souls are yearning more and more not only to accept religious deepening based on the authority of faith, but also to be able to recognize, just as we recognize nature, that which binds human beings to the divine-spiritual in the cosmos outside.
[ 46 ] Ein weiteres Lebensgut also wird sein, dass den neu erwachenden religiösen Bedürfnissen — denn sie werden erwachen, die unserer Zeit angemessenen religiösen Bedürfnisse —, diese geisteswissenschaftlichen Begriffe inneren Halt, wiederum inneres Aufsichgestelltsein geben.
[ 46 ] Another source of strength, then, will be that these concepts from the spiritual sciences will provide inner stability—and, in turn, a sense of inner grounding—for the newly awakening religious needs; for they will indeed awaken—religious needs appropriate to our time.
[ 47 ] Alle Einwände, die gemacht werden können, kennt der Geistesforscher selber. Wenn man zum Beispiel sagen will: Nun hast du ja die Geisteswissenschaft als eine besondere Bringerin der Liebe hingestellt. Tut das das Christentum nicht für sich? — Ja, gewiss. Derjenige, der das sagt, ist voll davon überzeugt, und vielleicht von seinem Gesichtspunkte aus mit vollem Recht. Aber man könnte ihm eine Antwort geben, die ich einmal geben musste einem Geistlichen, der mir sagte: Ja, was da die Geisteswissenschaft über das Christentum sagt, damit kann man ja, wenigstens in vielem, durchaus mitgehen. Aber eines fällt mir auf. So, wie Sie sprechen, so sprechen Sie ja nur zu einzelnen Gebildeten, bei denen gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Wir aber, wir sprechen zu allen Menschen. Und das muss doch eine wahre Lehre sein, die zu allen Menschen spricht. — Ich antwortete ihm: Herr Pfarrer, haben Sie die Erfahrung gemacht, dass alle Leute zu Ihnen in die Kirche gehen? — Das konnte er nicht sagen. Sehen Sie, sagte ich, zu denjenigen, die nicht zu Ihnen in die Kirche gehen, zu denen möchte ich sprechen, denn die haben auch eine lebendige Sehnsucht nach einem Verständnis des Christentums. Nur zeigt die Tatsache, dass Sie für diese nicht sprechen. Also sprechen Sie nicht für alle Menschen richtig. Und wir haben nicht das Recht zu sagen: Etwas ist richtig, weil es uns gefällt; wir müssen die Tatsachen beobachten. Sie mögen meinen, Ihre Lehre zu kleiden in Worte, die zu allen Menschen dringen, aber das ist nicht immer richtig, was wir meinen, sondern die Tatsachen müssen sprechen. Für die, die nicht in die Kirche gehen, und die dennoch die Sehnsucht haben nach einem Verständnis des Christentums, muss auch gesprochen werden.
[ 47 ] The spiritual researcher himself is aware of all the objections that can be raised. For example, if someone were to say: “Well, you’ve presented spiritual science as a special bearer of love. Doesn’t Christianity claim that for itself?” — Yes, certainly. The person who says this is fully convinced of it, and perhaps quite rightly so from his point of view. But one could give him an answer that I once had to give to a clergyman who said to me: “Yes, what spiritual science says about Christianity—one can certainly go along with that, at least in many respects.” But one thing strikes me. The way you speak, you are speaking only to a select group of educated people who meet certain prerequisites. We, however, speak to all people. And surely a true teaching must be one that speaks to all people. — I replied to him: “Reverend, have you found that everyone goes to church with you?” — He could not say that. “You see,” I said, “it is to those who do not go to church with you that I wish to speak, for they, too, have a deep longing to understand Christianity. Yet the fact is that you do not speak to them. Therefore, you do not speak correctly to all people.” And we do not have the right to say: Something is right simply because we like it; we must observe the facts. You may think you are expressing your teaching in words that reach all people, but what we think is not always correct—rather, the facts must speak for themselves. We must also speak to those who do not go to church but who nonetheless have a longing to understand Christianity.
[ 48 ] Gewiss spricht das Christentum auch von der Liebe, aber es handelt sich nicht darum, dass man nur spricht von dem Weg zur Liebe; es handelt sich darum, den Weg zu finden, der gerade für eine bestimmte Zeit der richtige Weg ist. Man darf nicht so egoistisch sein, dass man sagt: Ich will nichts wissen von einem solchen Wege zur Liebe, denn mir ist der alte gut genug. — Das ist Egoismus, der nicht achten will auf die Sehnsuchten und die Tendenzen der Seelen, die berührt sind von dem, wovon immer mehr Seelen berührt sein werden gegen die Zukunft hin. Diese Seelen aber, die die neuen Wege brauchen — und immer größer wird die Zahl dieser Seelen werden —, die will anregen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung. Sie will Lebensgüter geben von der Art, wie jetzt über solche Lebensgüter gesprochen worden ist.
[ 48 ] Certainly, Christianity also speaks of love, but it is not merely a matter of speaking about the path to love; it is a matter of finding the path that is the right one for a particular time. One must not be so selfish as to say: “I want nothing to do with such a path to love, for the old one is good enough for me.”—That is selfishness that refuses to heed the longings and tendencies of souls who are touched by what will touch more and more souls as we move toward the future. But the spiritual-scientific worldview seeks to inspire those souls who need the new paths—and the number of such souls will continue to grow. It seeks to provide the kinds of life-giving gifts that have just been discussed.
[ 49 ] Über manches andere Lebensgut könnte ich noch sprechen, das aus der Geisteswissenschaft erfließen kann, aber das Prinzipielle ist, wie Geisteswissenschaft Lebensgüter schafft, wie Geisteswissenschaft hervorholt dasjenige, was unsterblich ist in uns. Dadurch aber wird erweckt und rege gemacht, was in uns das Bewusstsein hervorruft: Du bist ein selbstständiges Wesen; in dir ist ein Quell, durch den sprudeln kann geistiges Leben, das dich erkraftet, das dir Stärke geben kann, das dir geben kann alles, was du brauchst für dein Leben.
[ 49 ] I could speak of many other blessings in life that can flow from spiritual science, but the fundamental point is how spiritual science creates these blessings, how spiritual science brings forth that which is immortal within us. Through this, however, that which awakens and stirs within us is brought to life—the realization: You are an independent being; within you is a source through which spiritual life can gush forth, a life that empowers you, that can give you strength, that can provide you with everything you need for your life.
[ 50 ] Geisteswissenschaft verwandelt sich ja tatsächlich nach und nach in Gefühle und Empfindungen. Wir erfahren nicht nur theoretisch die Unsterblichkeit. Aus der ganzen Anlage meines Vortrages konnten Sie entnehmen, dass die Begriffe der Geisteswissenschaft in uns das lebendig wirksam machen und nachklingen lassen, was der Geistesforscher erforscht. So ist es insbesondere mit einer wichtigsten Lebensfrage, mit der Frage nach der Unsterblichkeit.
[ 50 ] Spiritual science does indeed gradually transform into feelings and sensations. We do not merely experience immortality in a theoretical sense. From the overall structure of my lecture, you could see that the concepts of spiritual science bring to life within us—and allow to resonate—what the spiritual researcher investigates. This is particularly true of one of the most important questions of life: the question of immortality.
[ 51 ] Wenn Sie sich tiefer einlassen auf die Geisteswissenschaft, dann bekommen Sie eine geisteswissenschaftliche Unsterblichkeitslehre, eine Lehre über den Kern des Menschen so, dass diese in Begriffe und Ideen gekleidet werden kann, sodass wir nicht nur wissen von Unsterblichkeit, sondern dass wir in uns erfühlen das, was in uns unsterblich ist. Wie eine Pflanze werden wir, die fühlen könnte, wie in ihr der Keim erwächst zu einer neuen Pflanze. Wir fühlen das, was durch die Pforte des Todes hindurchgeht, wir lernen es erleben. Und die Zeit wird kommen, wo man solche Grundsätze, wie sie in meinem Buche «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» angegeben sind, anwenden wird auf die Erziehung des Kindes, wo dann die Seele so angeregt wird, dass sie so in uns weiterleben, dass wir durch die aufgenommenen Begriffe ein Gefühl bekommen haben, dass wir wissen: Indem du dem Tode entgegenlebst, bildest du das immer mehr aus, was dein ewiger Teil ist. Fühlen wird man selber, wenn man in der zweiten Lebenshälfte sieht, wie die Runzeln sich bilden auf der Haut, wie das Haar bleicht, fühlen wird man, wie das alles ist wie die abfallende Pflanzenblüte, wie aber in uns etwas ist, was immer stärker sich herausbildet, was überwindet dasjenige, was in uns abfällt. Und wie sich entgegenlebend wird man fühlen ein neues Leben. Das Alter wird nicht bloß von einer leeren Hoffnung erfüllt sein, sondern von dem Erleben dessen in sich, was als eine Realität erfühlt wird, was durch den Tod hindurch getragen wird in die Gefilde des Geistigen. Das aber wird Lebenssicherheit geben. Das wird zerstreuen alle Oberflächlichkeit, alles Unzusammenhängende des Geistes, alles Chaotische im Leben. So wird zu den anderen Lebensgütern kommen ein besonders intimes Lebensgut für unsere Seele.
[ 51 ] If you delve deeper into spiritual science, you will encounter a spiritual scientific doctrine of immortality—a teaching about the core of the human being—that can be clothed in concepts and ideas, so that we not only know about immortality but also feel within ourselves that which is immortal. We become like a plant that can feel the seed growing within it into a new plant. We feel what passes through the gate of death; we learn to experience it. And the time will come when such principles, as set forth in my book *The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science*, will be applied to the education of the child—when the soul will be so inspired that it continues to live within us, and through the concepts we have absorbed, we will have developed a sense that enables us to know: As you live toward death, you increasingly develop that which is your eternal part. One will feel this oneself when, in the second half of life, one sees how wrinkles form on the skin, how the hair turns gray; one will feel how all this is like a withering flower, yet how there is something within us that develops ever more strongly, overcoming that which withers within us. And as one lives toward death, one will feel a new life. Old age will not merely be filled with empty hope, but with the experience within oneself of what is felt as a reality—that which is carried through death into the realms of the spiritual. And this will give us a sense of security in life. It will dispel all superficiality, all mental disjointedness, and all chaos in life. Thus, in addition to the other blessings of life, we will gain a particularly intimate blessing for our soul.
[ 52 ] So, wie ich darauf aufmerksam gemacht habe, dass man mit den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft aus der Tiefe des menschlichen inneren und äußeren Wahrnehmens sich doch in Einklang fühlen kann mit all denen, die im rechten Sinne geahnt haben durch die ganze Menschheitsentwicklung die Bedeutung des menschlichen Seelenlebens und seiner Beziehungen zur ganzen geistigen Welt, so möchte ich zum Schlusse sprechen von einem Denker, der heute vielfach vergessen ist; einem innigen, einem mutigen Denker, der in einem kleinen Büchelchen, das wirklich das ist, was auf seinem Titelblatt steht, eine «Diätetik der Seele» — erinnern möchte ich an diesen lieben Kenner der menschlichen Seele, an Feuchtersleben, der sich so intim zu vertiefen suchte in die Erfordernisse und Bedürfnisse des menschlichen Lebens, der menschlichen Seele; seine «Diätetik der Seele» ist vor mehr als 50 Jahren erschienen. Es wird sie kaum ein Mensch, der ein inneres Fühlen hat, lesen können, ohne dass angesprochen werden wird etwas in [ihm], was die Seele mit innerer Wärme erfüllt; weil eben Feuchtersleben auch eine von denjenigen Seelen war, die, wenn es auch für sie noch keine Geisteswissenschaft gegeben hat, geahnt und gefühlt haben, wonach die Seele lechzen muss. Und ein schönes Wort ist es, in das ich, wie in eine Empfindung, wiederum zusammendrängen will dasjenige, was ich zu Ihnen gesprochen habe. Er sagt:
[ 52 ] Just as I have pointed out that, through the insights of spiritual science drawn from the depths of human inner and outer perception, one can indeed feel in harmony with all those who, throughout the course of human development, have intuitively grasped—in the true sense—the significance of human soul life and its relationship to the entire spiritual world, so I would like to conclude by speaking of a thinker who is largely forgotten today; a sincere, courageous thinker who, in a small booklet that truly is what its title page says—a “Dietetics of the Soul”—I would like to recall this dear connoisseur of the human soul, Feuchtersleben, who sought to delve so intimately into the requirements and needs of human life and the human soul; his *Dietetics of the Soul* was published more than 50 years ago. Hardly anyone with inner feeling will be able to read it without something within [them] being stirred—something that fills the soul with inner warmth; for Feuchtersleben was indeed one of those souls who, even though the science of the spirit did not yet exist for them, sensed and felt what the soul must yearn for. And there is a beautiful phrase into which I would like to condense, as into a single sensation, what I have spoken to you. He says:
Die menschliche Seele kann es sich nicht verhehlen, dass ihr Glück doch zuletzt nur in der Erweiterung ihres innersten Wesens und Besitzes bestehe.
The human soul cannot deny that its happiness ultimately consists only in the expansion of its innermost being and possessions.
[ 53 ] Ja, in der Erweiterung des inneren Wesens und Besitzes der Seele besteht der Seele rechtes Glück, und, so dürfen wir hinzufügen, bestehen die wahren Seelenlebensgüter. Und wenn die Geisteswissenschaft dasjenige ist, was ich versuchte darzustellen gestern und heute, dann ist sie ja ganz und gar dasjenige, das mit all seinen Impulsen hinstrebt nach der Erweiterung des inneren Wesens und Besitzes der Seele. Und wirklich, man fühlt sich mit dem, was die Geisteswissenschaft gibt, drinnen stehend in dem, was die besten Geister der Menschheit ersehnt und erdurstet haben, weil es die Seele braucht zu ihrer inneren geistigen Nahrung. Daher steht man im Einklang mit einer solchen feinen, zarten, und doch ins Große denkenden und fühlenden Seele wie Feuchtersleben. Und man darf zum Schlusse zusammenfassen, wenn man in eine Empfindung, in ein allgemeines Gefühl zusammensammeln will das, was als ihr Bestes Geisteswissenschaft geben kann, man darf sagen: Geisteswissenschaft, sie gibt Lebensgüter; sie fördert das echte, wahre Glück der Seele. Sie ist gehalten in dem Sinne, in dem der Spruch Feuchterslebens gemeint ist:
[ 53 ] Yes, the soul’s true happiness lies in the expansion of its inner being and possessions, and—we might add—this is where the true treasures of the soul’s life lie. And if spiritual science is what I have attempted to describe yesterday and today, then it is indeed entirely that which, with all its impulses, strives toward the expansion of the soul’s inner being and possessions. And truly, with what spiritual science offers, one feels oneself standing within that which the finest minds of humanity have longed for and yearned for, because the soul needs it as its inner spiritual nourishment. Thus, one is in harmony with a soul as refined, delicate, and yet thinking and feeling on a grand scale as Feuchtersleben’s. And in conclusion, if one wishes to distill into a single sentiment, a general feeling, the very best that spiritual science can offer, one may say: Spiritual science provides the essentials of life; it fosters the genuine, true happiness of the soul. It is upheld in the sense intended by Feuchtersleben’s saying:
Die menschliche Seele kann es sich nicht verhehlen, dass ihr Glück doch zuletzt nur in der Erweiterung ihres innersten Wesens und Besitzes bestehe.
The human soul cannot deny that its happiness ultimately lies only in the expansion of its innermost being and possessions.
Fragenbeantwortung
Question and Answer
Frage: Darf man Kinder auf die Hand schlagen?
Question: Is it okay to spank children?
[ 54 ] Rudolf Steiner: Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Solche Fragen bekommen in unserer Zeit eine neue Bedeutung und Wichtigkeit. Nicht immer ist eine einfache Antwort auf eine einfache Frage zu geben. Einfachheit ist zwar bequem, aber schon eine Uhr ist nicht einfach. Das Weltenall ist erst recht nicht so einfach, dass weniger Kraft in ihr ist als bei einer Uhr. Durch die Geisteswissenschaft werden die Dinge nicht bequemer, aber durch sie sieht man hinein in Gebiete, die für die Gestaltung des Lebens unentbehrlich sind. Dann findet man, dass einfache Dinge kompliziert sind. Die Geisteswissenschaft gewöhnt einen daran, etwas genauer alle Dinge zu nehmen, etwas gewichtiger alle Dinge zu nehmen. Bauernkinder wird recht ordentlich auf die Finger geklopft, [mit] ordentlichen Klopfern, verziert mit einem eisernen Ring, sie sind trotzdem nicht nervös geworden. Stadtkinder, die niemals auf die Finger geschlagen wurden, sind oft nervös. Das Leben ist eben kompliziert. Was in der einen Natur durch etwas bewirkt wird, wird nicht immer in der anderen Natur dadurch bewirkt.
[ 54 ] Rudolf Steiner: That’s not so easy to answer. Questions like this are taking on new meaning and importance in our time. There isn’t always a simple answer to a simple question. Simplicity may be convenient, but even a watch isn’t simple. The universe is certainly not so simple that it contains less power than a watch. Spiritual science does not make things more convenient, but through it one gains insight into areas that are indispensable for shaping one’s life. Then one discovers that simple things are actually complicated. Spiritual science accustoms one to taking all things a little more precisely, to taking all things a little more seriously. Farm children are given a good rap on the fingers—[with] sturdy tapper sticks adorned with an iron ring—yet they never became nervous. City children, who were never hit on the fingers, are often nervous. Life is simply complicated. What is brought about by one thing in one nature is not always brought about by the same thing in another nature.
[ 55 ] [Goethe sagt mit Recht]: «Eines schickt sich nicht für alle»; man muss die Menschen nehmen nach ihrer Individualität und nicht nach Abstraktionen urteilen. Man kann nicht sagen, dass das eine oder andere im Allgemeinen schädlich oder nützlich ist. Vom Abstrakten zum Konkreten, zum unmittelbaren Auffassen des unmittelbar konkreten Lebens wird Geisteswissenschaft führen. Dann wird man finden, dass die Frage mit Nervosität nicht viel zu tun haben wird; aber viel wichtiger ist die Frage nach der Erziehung vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt. Dann kann man vollständig entbehren dasjenige, worauf hier hingedeutet ist. Diese Erziehung bedarf aber wiederum viel mehr der Aktivität der Seele des Erziehers, die sich in jede Seele hineinzufinden vermag.
[ 55 ] [Goethe rightly says]: “One thing does not suit everyone”; one must judge people according to their individuality and not according to abstractions. One cannot say that one thing or another is generally harmful or useful. Spiritual science will lead from the abstract to the concrete, to the direct perception of immediate, concrete life. Then one will find that the issue has little to do with nervousness; but far more important is the question of education from the standpoint of spiritual science. Then one can completely do without what is alluded to here. This education, however, requires much more the activity of the educator’s soul, which is able to find its way into every soul.
[ 56 ] Klopfer werden zumeist erfordert durch die Eigenart des Erziehers, nicht des zu Erziehenden. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Schläge als Erziehungsmittel nicht besonders zu empfehlen sind, gleichgültig, ob auf die Finger oder anderswohin.
[ 56 ] Physical punishment is usually necessitated by the nature of the educator, not by that of the student. In general, it can be said that hitting—whether on the fingers or elsewhere—is not particularly recommended as a means of discipline.
Frage: Ist Hellsehen beim Wachen möglich? [...]
Question: Is clairvoyance possible while awake? [...]
[ 57 ] Rudolf Steiner: In der Regel kann man nicht gleichzeitig die physisch-sinnliche Welt und die geistige Welt schauen. Die physische Welt ist dann wie ein Versinkendes, und das gleichzeitige Schauen wird meistens dadurch hervorgerufen, dass man herüberbringt in die Geistesschau etwas wie ein Haben [Erheben?] der Seele. Nicht auf den Zustand kommt es an, sondern darauf, dass man in der Geistesschau so mit seinem Ich, mit seinem Bewusstsein dabei ist, dass nicht wie in Trance erlebt wird, sondern bewusst. Dann erst kann man das Zusammenhängen der beiden Welten suchen. Es wird gesagt, dass die Materie nicht vorhanden erscheint, wenn dieser Zustand eintritt. Ja, es wurde ja gestern gesagt, dass man ein Bild vor sich hat und man diese Bilder erst lesen lernen muss. Man kann sie nicht auf die Wirklichkeit beziehen wie in der physischen Welt, sondern muss sie erst lesen lernen.
[ 57 ] Rudolf Steiner: As a rule, one cannot perceive both the physical-sensory world and the spiritual world at the same time. The physical world then seems to fade away, and the ability to perceive both simultaneously is usually brought about by bringing into spiritual vision something like an elevation of the soul. What matters is not the state itself, but rather that one is present in spiritual vision with one’s “I,” with one’s consciousness, in such a way that the experience is not like being in a trance, but is conscious. Only then can one seek the connection between the two worlds. It is said that matter does not appear to exist when this state occurs. Yes, it was said yesterday that one has an image before one’s eyes and must first learn to interpret these images. One cannot relate them to reality as in the physical world, but must first learn to interpret them.
Frage: Wird eigentlich in der Theosophie der Begriff Gott ganz beiseitegestellt, oder wenigstens nicht so hervorgehoben wie in der christlichen Religion?
Question: Is the concept of God actually set aside entirely in Theosophy, or at least not emphasized as much as it is in the Christian religion?
[ 58 ] Rudolf Steiner: Die Frage ist eigentümlich, denn nach dem Begriff «Gott» oder «Theos» heißt die Theosophie. Das ist so, als ob man von Selterswasser spricht, von dem das Wässrige, Flüssige ganz beiseite geschafft ist. Solche Einwendungen kann man nur machen, solange man sich mit der Sache nicht befasst hat. Wir haben nicht die Unbescheidenheit, den Gott in einen begrenzten Begriff zu spannen; in ihm leben, weben und sind wir, auch unsere Begriffe. Man kann sich nur ganz allmählich einleben in das Göttliche. Zumeist will eine solche Frage doch nur sagen: Ich will kein anderes Christentum, als ich schon immer begriffen habe. Frage: Soll Fehlerlosigkeit erreicht werden?
[ 58 ] Rudolf Steiner: The question is peculiar, because theosophy is named after the concept of “God” or “Theos.” It is as if one were speaking of Selters water from which the watery, liquid element has been completely removed. Such objections can only be raised as long as one has not engaged with the subject. We do not have the presumption to confine God within a limited concept; in Him we live, weave, and exist—as do our concepts. One can only become accustomed to the Divine very gradually. More often than not, such a question really means: “I want no other Christianity than the one I have always understood.” Question: Should infallibility be attained?
[ 59 ] Rudolf Steiner: Das ist eine Abstraktion. Es werden häufig Fragen über Weltenanfang, Weltenende und so weiter gestellt, doch der Mensch kann nur allmählich zum Begreifen aufsteigen. Die Begriffe, die man gewöhnlich herbeibringt, sind zumeist so ungeeignet als möglich. Geisteswissenschaft stellt uns ins Leben hinein und hält uns von abstrakten Spekulationen ab. Durch Theosophie wird auch das Sittliche ins Konkrete geführt.
[ 59 ] Rudolf Steiner: That is an abstraction. Questions are often asked about the beginning of the world, the end of the world, and so on, but human beings can only gradually rise to an understanding of these things. The concepts that are usually brought up are, for the most part, as unsuitable as possible. Spiritual science places us within life itself and keeps us from abstract speculation. Through theosophy, moral issues are also brought into the concrete realm.
Frage: Liegt für Theosophen nicht die Gefahr vor, durch den Kultus mit dem Ich den Mitmenschen entzogen zu werden?
Question: Isn't there a danger that theosophists, through their focus on the “I,” might become detached from their fellow human beings?
[ 60 ] Rudolf Steiner: Wo starkes Licht ist, ist starker Schatten. Es muss eine Umwandlung in Liebeswillen stattfinden, sodass das Ich dadurch viel mehr außen gesucht wird als innen.
[ 60 ] Rudolf Steiner: Where there is strong light, there is strong shadow. A transformation into the will to love must take place, so that the “I” is thereby sought much more externally than internally.
Frage: Christi Leiden und Sterben ist für uns doch nur Urbild, da man für seine Fehler ja doch später büßen muss.
Question: Christ’s suffering and death are merely a model for us, since we still have to atone for our mistakes later on.
[ 61 ] Rudolf Steiner: Ich muss mich erst hineinfinden in diese Frage. Sie beruht auf einem Missverstehen der KarmaIdee. Man sagt dann: Warum sollte ich einem Menschen, der in Not und Elend ist, helfen? Man soll ihm dann erst gerade helfen, das wird auf sein karmisches Konto geschrieben, wirkt weiter. Wie ich einem helfen kann, kann ich zweien, drei, fünf, fünfzig, hundert, tausend helfen, und ein mächtiges Wesen wie der Christus kann allen Menschen helfen im Karma.
[ 61 ] Rudolf Steiner: I first need to get to the heart of this question. It stems from a misunderstanding of the concept of karma. People then ask: Why should I help someone who is in need and misery? It is precisely then that one should help them; that act is credited to their karmic account and continues to have an effect. Just as I can help one person, I can help two, three, five, fifty, a hundred, a thousand—and a powerful being like Christ can help all people in the realm of karma.
Frage: Wie komme ich von einer Gedankensünde frei, die ich nicht durch Abbitte gutmachen kann, weil der Betreffende inzwischen verstorben ist?
Question: How can I be freed from a sin of the mind that I cannot make amends for through repentance because the person involved has since passed away?
[ 62 ] Rudolf Steiner: Das muss im weiteren Verlauf des Lebens ausgeglichen werden. Man darf das nicht nach bloß irdischem Gesichtspunkt beurteilen. Wir sind mit unserem Schicksal nicht unzufrieden von einem höheren Gesichtspunkte aus. Zwischen Tod und Geburt wären wir sehr unzufrieden, wenn wir das Leid nicht hätten, das aus unseren Taten fließt; wir empfinden es gar nicht als Leid, sondern als eine Wohltat, es ausgleichen zu können, wir streben danach, es auszugleichen. Es herrscht eben ein ganz anderer Zustand zwischen Geburt und Tod als zwischen Tod und neuer Geburt.
[ 62 ] Rudolf Steiner: This must be balanced out in the course of one’s life. One must not judge this from a merely earthly perspective. From a higher perspective, we are not dissatisfied with our fate. Between death and birth, we would be very dissatisfied if we did not have the suffering that flows from our actions; we do not perceive it as suffering at all, but rather as a blessing to be able to balance it out; we strive to balance it out. There is simply a completely different state between birth and death than between death and a new birth.
Frage: Welchen Einfluss auf die feineren Körper hat die Narkose?
Question: How does anesthesia affect the subtle bodies?
[ 63 ] Rudolf Steiner: Wo man es vermeiden kann, die Narkose anzuwenden, soll man es vermeiden. Die normale Art ist, dass der geistig-seelische Teil herausgeht im Schlafe, bei Narkose wird er herausgepresst, also Zwang angetan. Wenn es nötig ist, soll man selbstverständlich dazu greifen. Frage: Hat ein totgeborenes Kind ein Ich?
[ 63 ] Rudolf Steiner: Whenever it is possible to avoid using anesthesia, one should do so. Normally, the spiritual-soul aspect leaves the body during sleep; under anesthesia, it is forced out—that is, coercion is applied. If it is necessary, one should, of course, resort to it. Question: Does a stillborn child have an “I”?
[ 64 ] Rudolf Steiner: Ebenso wenig wie ein Leichnam. Es kann der Versuch zur Inkarnation des Ich gemacht worden sein, bevor es im Leibe der Mutter tot geworden ist.
[ 64 ] Rudolf Steiner: Just as little as a corpse. An attempt may have been made to incarnate the “I” before it died in the mother’s womb.
Frage: Wir haben öfter von den Karma-Wirkungen gehört. Wie steht es mit dem Ausgleich für die grausamen Strafen im Mittelalter?
Question: We’ve often heard about the effects of karma. What about compensation for the cruel punishments of the Middle Ages?
[ 65 ] Rudolf Steiner: Das ist wie in einem Konto-Buch. Die Strafe steht gewissermaßen auf der Soll-Seite und gleicht sich aus mit der anderen Seite. Es braucht nicht sogleich ein unbedingter Ausgleich da zu sein, wenn eine Strafe eintritt. Die Seele würde nach dem Tode nicht einmal damit zufrieden sein, denn sie will ausgleichen.
[ 65 ] Rudolf Steiner: It is like a ledger. The punishment is, so to speak, on the debit side and balances out with the other side. There does not have to be an immediate and unconditional balance when a punishment occurs. The soul would not even be satisfied with that after death, because it wants to achieve balance.
Frage: Ein Teil der Theosophinnen nimmt sich in Haartracht und Kleidung ungewöhnlich aus. Ein fremd Gegenüberstehender kann sich unangenehm berührt fühlen!?
Question: Some of the female Theosophists have an unusual appearance in terms of hairstyle and clothing. A stranger might feel uncomfortable seeing them!?
[ 66 ] Rudolf Steiner: Das ist jedenfalls kein Ergebnis der geistigen Strömung! Man muss tolerant sein gegen den Geschmack der anderen, das gehört zu den Lebensgütern der Theosophie vielleicht. Wenn man selber tragen will, was einem gefällt, warum sollte man das auch den andern nicht gestatten? Es ist hoffentlich doch nicht allzu häufig, dass Theosophinnen durch Haartracht und Kleidung gleich Theosophen werden. Und, meine sehr verehrten Anwesenden, das tragen, was einem gefällt, das tun ja die anderen Frauen auch, und man sagt auf Seite der Theosophinnen auch nichts, wenn es einem auch nicht immer gefällt.
[ 66 ] Rudolf Steiner: That is certainly not a result of the spiritual movement! One must be tolerant of others’ tastes; perhaps that is one of the treasures of Theosophy. If you yourself want to wear what you like, why shouldn’t you allow others to do the same? Hopefully, it is not all too common for female Theosophists to become just like male Theosophists simply because of their hairstyles and clothing. And, my dear friends here today, wearing what one likes is something other women do as well, and the female Theosophists don’t say anything about it either, even if they don’t always like it.
[ 67 ] Frage: [Gibt es ein] Selbstbewusstsein nach dem Tode?
[ 67 ] Question: [Is there] self-awareness after death?
[ 68 ] Rudolf Steiner: In dem, was bleibt nach dem Tode, wurzelt das Selbstbewusstsein. Nur hat man nach dem Tode andere Werkzeuge zum Wahrnehmen. Augen, Ohren fallen ab. Die Seele stellt sich andere Werkzeuge her. [Das] Ich-Bewusstsein erhält sich durchaus, ja mit viel intensiverem Charakter. Andere Theosophen sollen gesagt haben, dass nach dem Tode nur Bewusstsein, aber kein Selbstbewusstsein vorhanden ist? Das mag in diesen oder jenen Büchern stehen, hat aber mit der hier gemeinten Geisteswissenschaft nichts zu tun.
[ 68 ] Rudolf Steiner: Self-consciousness is rooted in what remains after death. It’s just that after death, one has different tools for perception. The eyes and ears fall away. The soul creates other tools for itself. [The] sense of self is certainly preserved—indeed, with a much more intense character. Are other theosophists said to have claimed that after death there is only consciousness, but no sense of self? That may be written in this or that book, but it has nothing to do with the spiritual science meant here.
Frage: Andererseits die Seherin von Prevorst: Die Personen, von denen sie spricht, zeigen noch Reue.
Question: On the other hand, the visionary of Prevorst: The people she speaks of still show remorse.
[ 69 ] Rudolf Steiner: Das schließt nicht das Selbstbewusstsein aus.
[ 69 ] Rudolf Steiner: That does not rule out self-awareness.
[ 70 ] Die übrigen Fragen sind nicht von der Art, dass sie geeignet wären, hier beantwortet zu werden.
[ 70 ] The remaining questions are not of a nature that would make them suitable for answering here.
