Spiritual Science
and the Future of Humanity
GA 69e
27 January 1914, Berlin
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Spiritual Science and the Future of Humanity, tr. SOL
19. Theosophie und Antisophie
19. Theosophy and Antisophy
[ 1 ] Als ich das letzte Mal vor einigen Wochen hier sprechen durfte über Geisteswissenschaft, da versuchte ich, den allgemeinen Charakter und die Art des Forschens dieser Geisteswissenschaft darzulegen und auch hinzuweisen darauf, inwiefern diese Geisteswissenschaft nicht nur in vollem Einklange steht mit der naturwissenschaftlichen Forschung und ihren Entdeckungen, sondern dass sie sich auch durch die Gesichtspunkte, die sich diese naturwissenschaftliche Forschung für unsere allgemeine Weltanschauung erobert hat, als Geisteswissenschaft heute notwendig in die Ziele der Zeit hineinfügen muss, dass sie aufgenommen werden muss von den Zielen unserer Zeit.
[ 1 ] The last time I had the opportunity to speak here a few weeks ago about the science of the spirit, I attempted to outline the general character and nature of research in this field and to point out to what extent this science of the spirit is not only fully in harmony with scientific research and its discoveries, but that, through the perspectives that scientific research has opened up for our general worldview, it must—as a spiritual science—necessarily align itself with the goals of our time and be incorporated into those goals.
[ 2 ] Am heutigen Abend werde ich mir gestatten, von der Stimmung zu sprechen, welche in der Seele hervorrufen kann Gegnerschaft, Feindlichkeit gegenüber dieser Geisteswissenschaft. Damit wir uns aber verstehen, damit auch diejenigen die Ausführungen verfolgen können, die unter den heutigen verehrten Zuhörern beim letzten Vortrag nicht anwesend waren, so gestatten Sie mir, mit ein paar Worten einleitend auf dasjenige hinzuweisen, was Gegenstand des letzten Vortrages war und was den allgemeinen Charakter der Geisteswissenschaft charakterisieren soll.
[ 2 ] This evening, I will take the liberty of speaking about the state of mind that can give rise to opposition and hostility toward this spiritual science. However, so that we may understand one another—and so that those among our esteemed audience today who were not present at the last lecture may also follow my remarks—please allow me to begin by briefly summarizing the subject of the last lecture and outlining the general nature of spiritual science.
[ 3 ] So wahr es ist, dass auf der einen Seite Geisteswissenschaft wie eine Art Fortsetzerin des naturwissenschaftlichen Denkens, der naturwissenschaftlichen Weltauffassung für das geistige Gebiet ist, so wahr ist es auf der anderen Seite, dass diese Geisteswissenschaft, weil sie sich eben auf das Gebiet des geistigen Lebens, des Geistes, der geistigen Wesenheiten erstreckt, andere Forschungsmethoden, eine andere Art der Weltanschauung braucht als die auf das äußere materielle Dasein gerichtete Naturwissenschaft. Der Naturforscher verwendet zu seinen Forschungen, zum Erlangen seiner Ergebnisse äußere Instrumente und äußere Beobachtungsmethoden. Er hat gewissermaßen dasjenige vor sich, was ihm die Gegenstände seines Forschens gibt und was ihn die Gesetze seines Forschens gewinnen lässt. Anders der Geistesforscher: Er muss den Zusammenhang finden zu einer Welt, die zwar als Quell, als der geistige Quell unseres Daseins aller äußeren Wirklichkeit zugrunde liegt, der aber sich den Sinnen und auch dem Verstande entzieht, der auf die Aussagen der Sinne, auf die äußere Wahrnehmung sich stützt. Der Geistesforscher muss hineindringen in ein Gebiet, das zunächst für die äußere Wahrnehmung, für die äußere Beobachtung überhaupt nicht da ist. Und das einzige Instrument, welches ihm zunächst zur Verfügung steht, und zwar im Sinne wahrer Geisteswissenschaft, in die geistige Welt einzudringen, ist nur die eigene Seele.
[ 3 ] Just as it is true that, on the one hand, spiritual science serves as a kind of continuation of scientific thinking and the scientific worldview—but applied to the spiritual realm—so it is true, on the other hand, that this spiritual science, precisely because it extends into the realm of spiritual life, the spirit, and spiritual beings, requires different research methods and a different kind of worldview than the natural sciences, which are directed toward external, material existence. The natural scientist uses external instruments and external methods of observation for his research and to arrive at his results. In a sense, he has before him what the objects of his research provide and what the laws of his research enable him to discover. The spiritual researcher is different: he must find a connection to a world that, while lying at the foundation of all external reality as the source—the spiritual source—of our existence, nevertheless eludes the senses and even the intellect, which relies on the data of the senses and on external perception. The spiritual researcher must penetrate a realm that, at first, does not exist at all for external perception or external observation. And the only instrument initially available to him—in the sense of true spiritual science—to penetrate the spiritual world is his own soul.
[ 4 ] Diese eigene Seele ist aber so, wie sie sich zunächst im Alltagsleben und auch für die äußere Wissenschaft findet, nicht geeignet, in die geistige Welt einzudringen. Sie ist, diese menschliche Seele, für das äußere Leben so eingerichtet, dass sie sich bedienen muss der Organe, der Instrumente des Leibes. Durch die Sinnesorgane, durch den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, wird ihr die Außenwelt zugänglich. Dass die Sinne und auch der Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, nur an das physisch-sinnliche Dasein herandringen können, das wurde das letzte Mal hier genauer ausgeführt, daher soll es uns heute nicht beschäftigen.
[ 4 ] However, this soul of our own—as it first appears in everyday life and also to external science—is not suited to entering the spiritual world. This human soul is so constituted for external life that it must make use of the organs, the instruments of the body. Through the sense organs and through the intellect, which is bound to the brain, the external world becomes accessible to it. The fact that the senses—and also the intellect, which is bound to the brain—can only penetrate physical-sensory existence was explained in more detail here last time, so we will not concern ourselves with it today.
[ 5 ] Beschäftigen soll uns einleitungsweise zunächst, dass diese Menschenseele, so, wie sie im Alltagsleben ist, umgewandelt werden muss, um in die geistige Welt einzudringen. Sie muss dasjenige, wodurch sie in die geistige Welt eindringen kann, erst werden und durch nichts kann sie es werden als dadurch, dass der Mensch selbst sie dazu macht. Und nicht äußere Vorgänge, nicht Erlebnisse, die etwa wiederum in der physischen Welt sind, können die Seele vorwärts bringen, dass sie in das Gebiet des Geistes eindringen kann, sondern nur intime, innere Vorgänge der Seele selbst. Sie bestehen im Wesentlichen darin, dass diese Seele Konzentration des Denkens und Meditation — wie man die Dinge nennt — übt. Alles Genauere finden Sie in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgeführt.
[ 5 ] To begin with, we should consider that the human soul, as it exists in everyday life, must be transformed in order to enter the spiritual world. It must first become that which enables it to enter the spiritual world, and it can become so only through the human being’s own efforts. And it is not external processes, nor experiences that take place in the physical world, that can advance the soul so that it can enter the realm of the spirit; rather, it is only the intimate, inner processes of the soul itself. These consist essentially in the soul practicing concentration of thought and meditation—as these things are called. You will find a more detailed explanation in my book *How Does One Gain Insights into the Higher Worlds?*
[ 6 ] Wenn die Seele unter gewissen Voraussetzungen in sich tilgt, in sich austilgt die Auffassungen durch die Sinne und durch das Denken des gewöhnlichen Verstandes und dennoch als Seele sich selber erlebend bleibt, dann ist sie in dem Zustande, in dem sie allmählich sich hineinentwickelt in die geistige Welt. Man kann diesen Zustand vergleichen mit dem gewöhnlichen Schlafzustand des Menschen. Wenn im Einschlafen des Menschen die gewöhnlichen Sinne allmählich zum Schweigen kommen, wenn das gewöhnliche Denken, die gewöhnlichen Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensimpulse aufhören, dann ist in der Tat die menschliche Seele so, dass sie sich nicht mehr ihres Leibes als Werkzeug bedient. Aber sie wird dann zugleich bewusstlos. Um sie breitet sich die Finsternis der Bewusstlosigkeit. Alles dasjenige, was im Schlafe schweigt, das muss auch im Geistesforscher schweigen. Aber durch innere Verstärkung des Seelenlebens, dadurch, dass der Geistesforscher energisch und geduldig durch viele Jahre hindurch oftmals eine Seelentätigkeit, wenn auch nur für kurze Zeit, nur für Minuten konzentriert auf bestimmte Vorstellungen — das Nähere finden Sie in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, dadurch wird die Seele befähigt, sich in innerer Kraft zusammenzuziehen so, dass diese Seele ein Leben entwickeln kann, das nicht durch den Leib, nicht durch die Sinneswerkzeuge vermittelt wird.
[ 6 ] When, under certain conditions, the soul erases within itself—wipes out within itself—the perceptions derived from the senses and from the thinking of the ordinary intellect, yet remains self-aware as a soul, it is in the state in which it gradually develops into the spiritual world. One can compare this state to the ordinary state of human sleep. When, as a person falls asleep, the ordinary senses gradually fall silent, and ordinary thinking, along with the ordinary impulses of imagination, feeling, and will, cease, then the human soul is indeed in a state where it no longer uses its body as an instrument. But at the same time, it becomes unconscious. The darkness of unconsciousness spreads around it. Everything that is silent during sleep must also be silent within the spiritual researcher. But through the inner strengthening of the soul’s life—by the spiritual researcher energetically and patiently, over many years, repeatedly focusing the soul’s activity, even if only for a short time, even for just a few minutes, on specific images—you will find further details in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* — through this, the soul is enabled to draw itself together in inner strength so that it can develop a life that is not mediated by the body or by the sense organs.
[ 7 ] Man kann in der Tat die Seele in denselben Zustand bringen, in dem sie sonst nur im normalen Schlaf ist, aber der sich von diesem Zustande dadurch unterscheidet, dass man wach ist, trotzdem man nicht so denkt und wahrnimmt wie im gewöhnlichen Wachzustand. Man kann diese Seele — der Ausdruck wurde hier schon gebraucht — wie durch geistige Chemie vom Leibe loslösen. Wenn man das Denken und Fühlen in entsprechender Weise verstärkt, wenn man es immer kräftiger macht, erlangt man in dem Instrument seines eigenen menschlichen Wesens etwas, was sich vergleichen lässt mit der Absonderung des Wasserstoffes vom Wasser in der äußeren Chemie — und so, wie das Wasser nichts verrät von den Eigenschaften des Wasserstoffes als solchem, so verrät der Mensch als dem Alltag gegenüberstehend nichts von den eigentlichen Eigenschaften seiner Seele.
[ 7 ] It is indeed possible to bring the soul into the same state in which it is otherwise found only during normal sleep, but this state differs from normal sleep in that one is awake, even though one does not think or perceive as one does in the ordinary waking state. One can detach this soul—the term has already been used here—from the body, as it were, through spiritual chemistry. If one intensifies one’s thinking and feeling in an appropriate manner, if one makes them ever more powerful, one achieves within the instrument of one’s own human being something comparable to the separation of hydrogen from water in physical chemistry—and just as water reveals nothing of the properties of hydrogen as such, so too does the human being, when confronted with everyday life, reveal nothing of the actual properties of his soul.
[ 8 ] Wenn aber diese Seele durch entsprechende Verstärkung ihrer inneren Kräfte sich erkraftet, dann gelangt sie dazu, nicht bewusstlos, sondern vollwissend sich zu erleben außerhalb ihres Leibes, sodass ihr eigener Leib und ihr sonstiges alltägliches Schicksal, ihre alltäglichen Erlebnisse ihr wie die Außenwelt gegenüberstehen. Wie der Tisch oder der Stuhl als Gegenstand, so kann der kraftvoll erstarkten Seele der eigene Leib entgegenstehen. Sie drückt sich aus dem Leibe heraus durch die gesteigerte Kraft, welche sie erlangt durch Meditation und Konzentration, wie diese Übungen zur Kräftigung der Seele genannt werden. So können wir hineinschauen, wenn unsere Seele erkraftet ist, wir sehen gleichsam uns selbst in der Welt, aber unsere Seele ist außer dem Leibe, der ganz anschaulich ist durch die Methode, welche die Seele wirklich aus dem Leibe herausgehen macht.
[ 8 ] But when this soul gains strength through the corresponding strengthening of its inner powers, it comes to experience itself outside its body—not in a state of unconsciousness, but with full awareness—so that its own body and its other everyday circumstances, its everyday experiences, appear to it just as the external world does. Just as a table or a chair is an object, so too can one’s own body stand before the soul that has been powerfully strengthened. It pushes itself out of the body through the increased strength it gains through meditation and concentration—as these exercises for strengthening the soul are called. Thus, when our soul is strengthened, we can look inward; we see, as it were, ourselves in the world, but our soul is outside the body—a state made entirely vivid by the method that truly enables the soul to step out of the body.
[ 9 ] Darauf beruht im Wesentlichen alle Möglichkeit, in die geistige Welt einzudringen, dass die menschliche Seele lebensvoll und wahrnehmend werden kann außerhalb des Leibes. Darauf, dass diese Seele außer ihrem Leibe durch die geisteswissenschaftliche Methode erleben und wahrnehmen kann, beruht im Grunde auch der strikteste Beweis für die Selbstständigkeit der Seele. Man könnte leugnen, dass die Seele etwas ist außer dem Leibe, zum Beispiel, wenn der Mensch schläft. Man könnte sagen, die Seele ist nichts anderes, als was durch die Maschine des Leibes zustande kommt; wenn die Maschine des Leibes stillsteht, so zeigen sich keine Äußerungen des Lebens. Man könnte behaupten, wenn die Maschine des Leibes stillsteht im Tode, hört die ganze Seelentätigkeit auf.
[ 9 ] Essentially, every possibility of entering the spiritual world is based on the fact that the human soul can become alive and perceptive outside the body. The fact that this soul, outside its body, can experience and perceive through the method of spiritual science is also, in essence, the most rigorous proof of the soul’s independence. One could deny that the soul is anything apart from the body, for example, when a person is asleep. One could say that the soul is nothing other than what arises through the machinery of the body; when the machinery of the body comes to a standstill, no manifestations of life are evident. One could claim that when the machinery of the body comes to a standstill in death, all soul activity ceases.
[ 10 ] Wenn aber gezeigt wird durch die Geisteswissenschaft, dass die Seele sich erleben kann und sich wahrnehmen kann, wenn sie außerhalb des Leibes ist, wenn sie den Leib vor sich hat, so ist damit zugleich der Beweis für die Selbstständigkeit der Seele gebracht. Dieser Beweis ist möglich. Er ist möglich durch die Verstärkung derselben inneren Kräfte, die wir sonst im Leben auch üben, aber nur auf alle äußeren Ereignisse des Lebens anwenden, und durch das Loslösen der Kräfte von den äußeren Ereignissen des Tages und das In-sich-Verstärken dieser Kräfte durch die Meditation und Konzentration. Diese Beweise — soweit sie auseinandergesetzt werden können, wurden [sie] es im letzten Vortrag.
[ 10 ] But if spiritual science demonstrates that the soul can experience and perceive itself when it is outside the body, when it has the body before it, then this simultaneously provides proof of the soul’s independence. This proof is possible. It is possible through the strengthening of the very same inner powers that we otherwise practice in life—though we usually apply them only to the external events of life—and through detaching these powers from the external events of the day and strengthening them within ourselves through meditation and concentration. These proofs—insofar as they can be elaborated upon—were discussed in the last lecture.
[ 11 ] Wenn nun der Geistesforscher auf diese Weise gekommen ist zu einem leibfreien Wahrnehmen, wenn er sich erlebt in seiner Seele, sodass diese Seele außerhalb seines Leibes ist, dann ist er in der Tat genau ebenso in der geistigen Welt, wie er im Alltagsleben in der Sinnenwelt ist, wenn er mit der Seele untergetaucht ist in seinen Leib und sich der Sinne und des gewöhnlichen Verstandes bedient. In einer geistigen Welt weiß sich dann der Geistesforscher, und er weiß sich so in der geistigen Welt, dass er nicht nur überschaut das Leben zwischen Geburt oder, sagen wir, zwischen Empfängnis und Tod, sondern dass er überschaut auch das Leben, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist bis zu einem neuen Leben. Denn eines der wichtigsten Kriterien ist das Anschauen von den wiederholten Erdenleben, indem das ganze Erdenleben so verläuft, dass der Mensch lebt zwischen Tod und neuer Geburt und zwischen Geburt und Tod.
[ 11 ] When the spiritual researcher has thus attained a form of perception independent of the body—when he experiences himself in his soul in such a way that this soul is outside his body—then he is, in fact, just as much in the spiritual world as he is in everyday life in the sensory world, when he is immersed in his body with his soul and makes use of the senses and ordinary intellect. The spiritual researcher then knows that he is in the spiritual world, and he knows himself to be in the spiritual world in such a way that he not only surveys life between birth—or, let us say, between conception and death—but also surveys life after he has passed through the gate of death on into a new life. For one of the most important criteria is the contemplation of repeated earthly lives, in which the entire earthly life unfolds such that the human being lives between death and a new birth and between birth and death.
[ 12 ] Das, was wir erleben im gegenwärtigen Leben, ist die Folge von früheren Erdenleben. Aber zwischen zwei Erdenleben fällt die Zeit, die wir im rein Geistigen zubringen, in jenem Geistigen, in das der Geistesforscher untertaucht, wenn er seine Seele leibfrei zum Erleben bringt. So erweitert sich der Überblick über die menschlichen Leben durch die Geistesforschung. Und dasjenige, was eben jetzt auseinandergesetzt worden ist, zusammenhängend mit weiten, weiten Gesichtspunkten über diese Zusammenhänge der Welt und ihre Erschaffung, über den Quell des menschlichen Lebens, über das, was in das menschliche Leben Sicherheit, Hoffnung, Zielstrebigkeit bringt, will eben die Geistesforschung umfassen und hinzutragen zu dem, was für die äußere Welt die Naturforschung zu geben hat.
[ 12 ] What we experience in our present life is the result of previous earthly lives. But between two earthly lives lies the time we spend in the purely spiritual realm—that spiritual realm into which the spiritual researcher immerses himself when he allows his soul to experience life without a physical body. In this way, spiritual research broadens our perspective on human lives. And what has just been expounded—in connection with broad, far-reaching perspectives on these interrelationships of the world and its creation, on the source of human life, and on what brings security, hope, and purpose to human life—is precisely what spiritual research seeks to encompass and to contribute to what natural science has to offer the outer world.
[ 13 ] Nun findet sich gegenüber der Geistesforschung in unserer Zeit — aber es haben sich zu allen Zeiten gefunden — Gegner, Leute, die geradezu mit Feindseligkeit diese Geistesforschung betrachten. Nicht auf einzelne Angriffe etwaiger Gegnerschaften gegen die Geisteswissenschaft soll heute eingegangen werden. Etwas anderes soll gezeigt werden. Gezeigt werden soll, woher aus der menschlichen Natur heraus Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft kommen kann, was in der menschlichen Natur vorhanden ist, normalerweise, möchte man sagen, was, wenn es besonders verstärkt und ausgebildet in dieser oder jener Persönlichkeit auftritt, zu einer richtigen Feindseligkeit führen muss gegenüber der Erforschung des geistigen Lebens, gegenüber den Geistesmethoden. Geisteswissenschaft ist ja im wahren Sinne, im echten Sinne dasjenige, was man da, wo man die Worte versteht, Theosophie genannt hat. Theosophie genannt hat — damit soll nicht gesagt werden, dass die Geistesforschung, die hier vertreten wird, sich mit alldem identifizieren will, was Theosophie genannt wird. Denn man findet heute recht zweifelhafte Lehren unter dem Namen der Theosophie zusammengefasst. Wenn man es ehrlich und rechtschaffen versteht, bedeutet das Wort Theosophie nichts anderes, als dass der Mensch sich bewusst werden kann, dass er in sich einen seelisch-geistigen Urquell trägt, durch den er verbunden ist mit den göttlich-geistigen Urquellen, die durch die Welt quellen und wirken, dass der Mensch in sich fühlen kann das, was durch die ganze Welt als göttlich-geistiger Urgrund vorhanden ist. Dass er es in sich erleben kann, dass er in sich ein Göttliches nicht nur vermuten und glauben, sondern auch zur Erkenntnis bringen kann. Das gibt die theosophische Stimmung. Antisophische Stimmung würde sich ergeben, wenn der Mensch entweder durchaus leugnete, dass er in seiner Seele Tiefen etwas so erfassen kann, dass das, was er erfasst, mit einem göttlich-geistigen Leben zusammenhängt, das durch die Welt wogt. Oder aber antisophische Stimmung würde sich ergeben, wenn er wenigstens leugnete, dass er diese Zusammenhänge mit dem Göttlich-Geistigen durch die Kräfte der menschlichen Natur erkennt.
[ 13 ] Now, in our time—though there have always been such people—there are opponents of spiritual science, people who view it with outright hostility. Today, we will not address individual attacks by any opponents of spiritual science. We intend to demonstrate something else. We shall show where, within human nature, opposition to spiritual science can arise—what is present in human nature, one might say as a matter of course—and how, when this is particularly intensified and developed in one personality or another, it must lead to genuine hostility toward the study of spiritual life and toward spiritual methods. Spiritual science is, in the true sense, in the genuine sense, that which—where the terms are understood—has been called theosophy. Has been called theosophy—this is not to say that the spiritual research advocated here wishes to identify itself with everything that is called theosophy. For today one finds quite dubious teachings grouped under the name of theosophy. When understood honestly and uprightly, the word “theosophy” means nothing other than that human beings can become aware that they carry within themselves a spiritual-soul source through which they are connected to the divine-spiritual sources that well up and work throughout the world; that human beings can feel within themselves what exists throughout the entire world as a divine-spiritual foundation. That they can experience it within themselves—that they can not only suspect and believe in a Divine presence within themselves, but also bring it to full realization. This is what constitutes the theosophical disposition. An antisophical disposition would arise if a person either completely denied that they can perceive something in the depths of their soul in such a way that what they perceive is connected to a divine-spiritual life that surges through the world, Or an antisophical attitude would arise if they at least denied that they recognize these connections to the divine-spiritual through the powers of human nature.
[ 14 ] Man kann sagen: Die menschliche Seele kann entwickeln eine theosophische und eine antisophische Stimmung. Und weil Geisteswissenschaft gleichsam durch das seelische Experiment, durch seelische Chemie zeigt: Man kann die Seele erleben, wenn man sie zunächst zu dem Standpunkte bringt, wo sie leibfrei ist —, muss Geisteswissenschaft auf dem theosophischen Standpunkte stehen und ihm sich ergeben. Dasjenige, was man leibfrei machen kann, das ist, wenn es leibfrei ist, eingesenkt in eine Welt geistiger Tatsachen und geistiger Wesenheiten. Das Leben mit den geistigen Welten und den geistigen Wesenheiten ist Theosophie, ist Geisteswissenschaft. Sie wird aber, gerade weil sie auf die Quellen des Daseins einzugehen vermag, sich gerade dadurch unterscheiden von anderen Weltanschauungen, dass sie im Grunde genommen niemals engherzig werden kann. Wir erleben es an den anderen Weltanschauungen, dass ihre Träger einfach dasjenige verstehen und begreifen wollen, was sie selber behaupten, und alles andere oftmals blindwütig bekämpfen, geradezu wie eine Torheit blindwütig bekämpfen und sagen, dass es nicht da sein soll. Geisteswissenschaft, weil sie versucht, einzudringen gerade in die Urquellen der menschlichen Seelen, kann verstehen, voll verstehen, auch woher andere Stimmungen kommen, als die ihrige ist, ja sie kann sogar, wie wir heute zeigen wollen, die antisophische Stimmung voll verstehen. Gerade davon soll die heutige Betrachtung handeln, dass die antisophische Stimmung nicht nur verzeihlich sozusagen ist, wenn sie auftritt bei den Feinden und den Gegnern der Geisteswissenschaft, sondern dass sie bis zu einem gewissen Grad sogar der menschlichen Natur und ihren Anlagen entspricht.
[ 14 ] One could say: The human soul can develop both a theosophical and an antisophical disposition. And because spiritual science demonstrates, as it were, through psychological experimentation, through the chemistry of the soul: one can experience the soul by first bringing it to a state where it is free from the body—spiritual science must therefore stand on the theosophical standpoint and submit to it. That which can be made free from the body is, when it is free from the body, immersed in a world of spiritual realities and spiritual beings. Life with the spiritual worlds and spiritual beings is theosophy; it is spiritual science. But precisely because it is capable of delving into the sources of existence, it differs from other worldviews in that, fundamentally, it can never become narrow-minded. We see this in other worldviews: their proponents simply want to understand and comprehend only what they themselves assert, and often fight everything else with blind fury—fighting it with a fury bordering on folly—and claim that it should not exist. Spiritual science, precisely because it seeks to penetrate the very primal sources of the human soul, can understand—fully understand—where attitudes other than its own come from; indeed, as we wish to demonstrate today, it can even fully understand the antisophic attitude. Today’s reflection is to be precisely about this: that the antisophical mood is not only, so to speak, forgivable when it arises among the enemies and opponents of spiritual science, but that to a certain extent it even corresponds to human nature and its inclinations.
[ 15 ] Der Geistesforscher wundert sich gar nicht darüber, dass sich Gegner und Feinde seiner Forschungsrichtung erheben, weil er erkennt, dass diese Gegnerschaft im Grunde in der menschlichen Natur begründet ist. Wir wollen einmal eine Tatsache aus dem Gebiet dieser Geistesforschung selber anführen, die auch gleich zeigen wird, was gemeint ist unter der naturgemäß gegebenen antisophischen Stimmung.
[ 15 ] The spiritual researcher is not at all surprised that opponents and enemies of his field of research arise, because he recognizes that this opposition is fundamentally rooted in human nature. Let us cite a fact from the field of spiritual research itself, which will immediately illustrate what is meant by the naturally occurring anti-sophical sentiment.
[ 16 ] Wie muss Geisteswissenschaft den Menschen betrachten? Es ist schon in früheren Vorträgen ausgesprochen, dass für den Geistesforscher das Eintreten des Menschen in die Erdenwelt ein wunderbares Mysterium ist. Diesem Geistesforscher ist klar: Wenn da ein Mensch durch die Geburt ins Erdenleben hereintritt, so richtet er sein Erdenleben auf der Grundlage der früheren Erdenleben, die er durchlaufen hat, ein. Vor der Geburt war er als geistigseelisches Wesen in der geistigen Welt. Zu demjenigen, was der Mensch überkommt von Vater und Mutter, von seinen Vorfahren, was er durch die Vererbungssubstanz bekommt, zu dem kommt aus der geistigen Welt das Geistig-Seelische. Was von Vater und Mutter kommt, es verbindet sich mit dem, was aus der geistigen Welt kommt. Da sehen wir zunächst, wie dieses, was aus der geistigen Welt kommt, sich langsam hineinarbeitet in dasjenige, was durch die Vererbungstendenz kommt. Wir sehen zuerst, wie selbst die Gesichtszüge des Kindes unbestimmt sind, dass sie aber sich immer bestimmter gestalten in dem Maße, als das Geistig-Seelische des Kindes zur Geltung gelangt. Der Geistesforscher weiß dadurch, dass zuerst nur lose verbunden ist das Geistig-Seelische mit dem Physisch-Leiblichen. So sehen wir mit jedem Bestimmter-Werden der Gesichtszüge, mit dem Hervortreten der Fähigkeiten und Anlagen ein stärkeres Untertauchen des Geistig-Seelischen in das Leiblich-Physische. Beweise könnten angeführt werden, wenn die Zeit dazu ausreichte, dafür, dass man in dem heranwachsenden Leiblich-Physischen allmählich untertauchen sieht das Geistig-Seelische, dass das Geistig-Seelische plastisch ausgestaltet das Physisch-Leibliche, dass es Besitz ergreift von den Bewegungen, den Geschicklichkeiten des Physisch-Leiblichen.
[ 16 ] How must spiritual science view human beings? It has already been stated in earlier lectures that, for the spiritual researcher, the human being’s entry into the earthly world is a wondrous mystery. It is clear to this spiritual researcher that when a human being enters earthly life through birth, he organizes his earthly life on the basis of the previous earthly lives he has lived. Before birth, the human being existed as a spiritual-soul being in the spiritual world. In addition to what the human being inherits from father and mother, from their ancestors—what they receive through hereditary substance—the spiritual-soul aspect comes from the spiritual world. What comes from father and mother combines with what comes from the spiritual world. Here we see, to begin with, how that which comes from the spiritual world gradually works its way into what comes through hereditary tendencies. We see first how even the child’s facial features are indefinite, but that they take on an increasingly defined form to the extent that the child’s spiritual-soul aspect comes to the fore. The spiritual researcher thereby knows that at first the spiritual-soul aspect is only loosely connected to the physical-bodily aspect. Thus, with every increase in the definiteness of the facial features, with the emergence of abilities and aptitudes, we see a deeper immersion of the spiritual-soul aspect into the physical-bodily aspect. Evidence could be cited—if there were sufficient time—to show that one can observe the spiritual-soul aspect gradually becoming immersed in the developing physical body; that the spiritual-soul aspect sculpts the physical body; and that it takes possession of the movements and dexterities of the physical body.
[ 17 ] Vielleicht darf ich Einzelne der verehrten Zuhörer, welche schon einmal so etwas genauer betrachtet haben, auf das aufmerksam machen, wie Kinder, wenn sie zunächst durch die Geburt in die Welt treten, oftmals so aussehen, dass man nicht weiß, wem sehen sie ähnlich, dass sie erst im Laufe der Zeit hineinwachsen in die Ähnlichkeit. Das ist [so] aus dem Grunde, weil zwei Strömungen einander entgegenstehen: dasjenige, was im Physisch-Leiblichen veranlagt ist, was sich sozusagen als physische Kraft heraufarbeitet, [und] das, was aus dem Geistig-Seelischen kommt, was sich mit dem physischen Leibe durchdringt und was nach und nach geltend macht die Gründe, warum es gerade in diese oder jene Familie hineingeboren werden sollte. Man wird nicht umsonst in eine Familie hineingeboren, sondern weil das, was man aus der geistig-seelischen Welt mitbringt, eine gewisse Verwandtschaft zu dem fühlt, was oftmals in der betreffenden Familie ist. Selbst wenn Unglück in der betreffenden Familie ist, braucht die Seele gerade dasjenige zu ihrer Weiterentwicklung, was ihr als Unglück zustoßen kann. Anziehungskraft aus dem Seelisch-Geistigen und Anziehungskraft, die aus der Vererbung kommt, wirken aufeinander ein. Das Geistig-Seelische wächst erst allmählich hinein in dasjenige, was ihm die Außenwelt entgegenbringt. Daher findet erst allmählich ein Ausgleich statt mit dem, was in der Vererbungslinie gegeben ist.
[ 17 ] Perhaps I may draw the attention of some members of this esteemed audience—who have already examined this matter more closely—to the fact that children, when they first enter the world at birth, often look in such a way that one does not know whom they resemble; it is only over time that they come to resemble someone. This is [so] because two forces are in opposition to one another: that which is inherent in the physical body—which, so to speak, works its way up as a physical force— [and] that which comes from the spiritual-soul realm, which permeates the physical body and gradually makes evident the reasons why the child should be born into this particular family. One is not born into a family by chance, but because what one brings with one from the spiritual-soul world feels a certain kinship with what is often found in that particular family. Even if there is misfortune in that family, the soul needs precisely what may befall it as misfortune for its further development. The forces of attraction from the spiritual-soul realm and those arising from heredity interact with one another. The spiritual-soul realm only gradually grows into what the external world presents to it. Therefore, a balance with what is present in the hereditary line is established only gradually.
[ 18 ] In solch brutaler Weise, wie die physische Experimentiermethode diese Dinge zur Besprechung bringt, kann allerdings die Geisteswissenschaft nicht mittun. Man muss da sich schon in die Lage versetzen, genauer, intimer die Lebensverhältnisse anzuschauen, wenn man sie vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte verstehen will. So sehen wir denn herunterkommen aus dem Geistig-Seelischen das Geistig-Seelische des Menschen, sehen es sich verbinden mit dem Physisch-Leiblichen. Wir sehen, dass in der ersten Zeit der kindlichen Entwicklung der Leib wie traumhaft ist. Nicht nur, dass das Kind einen großen Teil des Daseins zu seiner Gesundheit verschlafen muss, sein Leben hat etwas Traumhaftes. Dann kommt der Zeitpunkt — es ist der Punkt, bis zu dem man sich zurückerinnert —, wo das Selbstbewusstsein klar hervortritt, wo das Kind lernt, sich als ein Ich zu fühlen, sein Selbstbewusstsein klar zum Ausdruck zu bringen.
[ 18 ] Spiritual science, however, cannot participate in the discussion of these matters in the brutal manner in which the physical experimental method approaches them. One must place oneself in a position to observe the conditions of life more closely and intimately if one wishes to understand them from the perspective of spiritual science. Thus, we see the spiritual-soul aspect of the human being descending from the spiritual-soul realm and uniting with the physical-bodily realm. We see that in the early stages of a child’s development, the body is almost dreamlike. Not only must the child spend a large part of its existence sleeping for the sake of its health, but its life also has a dreamlike quality. Then comes the moment—it is the point up to which one can recall—when self-awareness clearly emerges, when the child learns to feel itself as an “I” and to clearly express its self-awareness.
[ 19 ] Worauf beruht dies? In den ersten Zeiten, bevor dies geschieht, da arbeiten die geistig-seelischen Kräfte erst daran, den Leib zu einem geeigneten Werkzeug zu machen für die Mission, die Sendung. Wenn der Mensch geboren ist, muss noch lange an dem Gehirn und den feineren Organen gearbeitet werden, die anfangs noch ganz unbestimmt sind. Das Geistig-Seelische muss untertauchen, muss immer mehr Besitz ergreifen von dem Physisch-Leiblichen, muss hineinwachsen in das Physisch-Leibliche. Die Kräfte, die aus der geistigen Welt herunterkommen, tun das, die gestalten das Gehirn plastisch aus, die «ordinieren» die einzelnen Glieder des menschlichen Leibes, sodass er ein Werkzeug hat zu seinem Handeln und Wahrnehmen in der Außenwelt. Unendlich bedeutsam und wichtig ist diese innere Arbeit, die das Seelische im Leibe verrichtet. Solange diese Innenarbeit dauert, muss das Kind eine Art Traumleben leben, besonders solange diese Arbeit noch auf die physische Ausgestaltung des Gehirns und der feineren Glieder des Nervensystems gerichtet sein muss. Dann kommt ein Punkt, bis zu dem wir uns später zurückerinnern. In diesem Zeitpunkt ist die innere Arbeit bis zu einem Grade abgeschlossen. Es ist schwierig, in solchen Dingen genau zu sprechen im gewöhnlichen Stil des Lebens, weil unsere Sprache für die Außenwelt, nicht für die Geisteswelt gemacht ist. Daher muss man versuchen, die Worte so zu prägen, dass sie hinweisen auf das, was zugrunde liegt. Wenn, so möchte ich sagen, dasjenige, was das GeistigSeelische am Physisch-Leiblichen zu tun hat, so weit zugearbeitet ist, dass das Physisch-Leibliche verdichtet und hergerichtet ist, wie der Mensch es braucht für sein späteres Leben, dann werden die Kräfte, die früher im Innern gearbeitet haben, frei. Sie versenken sich nicht mehr hinein ins Physisch-Leibliche, sie werden für sich da sein. Und was ist die Folge davon? Dasjenige, was die Folge ist, möchte ich durch einen Vergleich ausdrücken. Das Gleichnis soll nicht gebraucht werden als Analogie, um irgendetwas zu erklären, sondern es soll nur verständlich machen, was hier gemeint ist: Denken wir, wir haben vor uns eine Glastafel und eine Masse und wir schauen durch das Glas, so sehen wir, was dahinter ist. Nehmen wir jetzt die Masse und formen sie so, dass wir sie als Belag auf die Glastafel auflegen können, so machen wir allmählich dasjenige, was eine durchsichtige Glastafel war, zum Spiegel. Schauen wir nun in das Glas, so scheinen wir uns selbst entgegen. Was hier als Gleichnis dargestellt ist, entsprechend ausgedacht, macht uns klar, was geschieht in den ersten Jahren des Kindes im Menschen.
[ 19 ] What is the basis for this? In the early stages, before this happens, the spiritual-soul forces are first at work making the body a suitable instrument for the mission, the task. Once a human being is born, work must continue for a long time on the brain and the finer organs, which are initially still quite undifferentiated. The spiritual-soul aspect must take root, must increasingly take possession of the physical-bodily aspect, must grow into the physical-bodily aspect. The forces descending from the spiritual world do this; they plastically shape the brain and “organize” the individual members of the human body so that the person has an instrument for acting and perceiving in the external world. This inner work that the soul performs within the body is infinitely significant and important. As long as this inner work continues, the child must live a kind of dream life, especially while this work is still focused on the physical development of the brain and the finer parts of the nervous system. Then a point is reached, which we will recall later. At this point, the inner work is completed to a certain degree. It is difficult to speak precisely about such matters in the ordinary language of everyday life, because our language is made for the outer world, not for the spiritual world. Therefore, one must try to choose words in such a way that they point to what lies at the foundation. When, I would say, the work of the spiritual-soul aspect on the physical-bodily aspect has progressed to the point where the physical-bodily aspect has been condensed and prepared as the human being needs it for his or her later life, then the forces that previously worked within are set free. They no longer immerse themselves in the physical-bodily aspect; they will exist independently. And what is the result of this? I would like to express this result through a comparison. This parable is not meant to serve as an analogy to explain anything, but simply to make clear what is meant here: Imagine we have a glass pane and a mass in front of us, and as we look through the glass, we see what is behind it. Now, if we take the mass and shape it so that we can place it as a covering over the glass pane, we gradually transform what was once a transparent glass pane into a mirror. If we now look into the glass, we seem to see our own reflection. What is presented here as a parable, conceived accordingly, makes clear to us what happens in the first years of a child’s life.
[ 20 ] Das Kind arbeitet zuerst im Geistig-Seelischen so, dass es sein Leibliches formt, es plastisch gestaltet, wir können sagen, es so dicht macht, dass es dann nicht mehr als geistig-seelische Tätigkeit hineingeht, sich [nicht mehr] hineinarbeitet in den Leib. Vergleichen können wir das damit, dass man nun nicht mehr durch das Glas schauen kann, das einen Spiegelbelag hat. Der Leib wird jetzt zurückwerfen die geistig-seelische Tätigkeit, wird sie zurückstrahlen; das Selbstbewusstsein beginnt. Von dem Augenblick an, wo das Geistig-Seelische fertig ist, wird der Leib zum Spiegel, wird das Nervensystem zum Spiegel. Und wie in einem fertigen Spiegel man sich selbst sieht, so erlebt man sich als selbstständiges Ich von dem Moment an, wo man als Kind mit den geistig-seelischen Kräften sein Physisch-Leibliches zum Spiegel gemacht hat. Sodass nun, wie man sich im Spiegelbilde wahrnimmt, das Selbstbewusstsein beginnt, sich als Ich zu fühlen. Das ist der Punkt, bis zu dem man sich später zurückerinnert. Das ist das Erwachen des Selbstbewusstseins, das ist das Auftreten des Ich im Kinde. Und zugleich weiß man aus diesem, dass diejenigen Kräfte, die vorher verwendet worden sind zur Organisation des Leibes, die den Leib bis zu der Dichte gebracht haben, wodurch er ein Spiegelungsapparat geworden ist, dass diese nun für das alltägliche Leben, das Fühlen, Vorstellen und Denken verwendet werden. Was tritt da noch ein? Das wird uns zeigen die Entwicklung, die der Geistesforscher durchmachen muss; wenn der Geistesforscher wirklich seine Seele leibfrei gestaltet, wenn er wirklich durch die im letzten Vortrag erwähnten und in der Geheimwissenschaft geschilderten Mittel zum leibfreien Erleben und Wahrnehmen kommt, dann bedient er sich gerade in seiner Seele derjenigen Mittel, welche das Kind verwendet, um den Leib plastisch auszugestalten. Er muss die Mittel wiederum flottmachen, die da aufgehört haben, sich zu betätigen, als das Verhältnis zur Außenwelt ein bewusstes zu werden begann. Dasjenige, was der Geistesforscher für seine geistige Methode braucht, musste gerade zurückgedämmt werden durch die leiblichen Anschauungen und Vorstellungen.
[ 20 ] At first, the child works in the spiritual-soul realm in such a way that it shapes its physical body, molds it plastically; we might say it makes it so dense that spiritual-soul activity can no longer enter it, can no longer work its way into the body. We can compare this to the fact that one can no longer see through glass that has a mirror coating. The body will now reflect the spiritual-soul activity; self-consciousness begins. From the moment the spiritual-soul aspect is complete, the body becomes a mirror, and the nervous system becomes a mirror. And just as one sees oneself in a finished mirror, so does one experience oneself as an independent “I” from the moment when, as a child, one has turned one’s physical body into a mirror through one’s spiritual-soul forces. Thus, just as one perceives oneself in the mirror image, self-consciousness begins—one begins to feel oneself as an “I.” This is the point up to which one later recalls one’s past. This is the awakening of self-consciousness; this is the emergence of the “I” in the child. And at the same time, one realizes from this that the forces which were previously used to organize the body—the forces that brought the body to the level of density through which it became a mirroring apparatus—are now employed for everyday life: for feeling, imagining, and thinking. What else occurs here? This will be revealed to us by the development that the spiritual researcher must undergo; when the spiritual researcher truly shapes his soul to be free of the body, when he truly attains body-free experiencing and perception through the means mentioned in the last lecture and described in *The Secret Science*, then he makes use, precisely within his soul, of those very means that the child employs to shape the body plastically. He must once again activate the means that ceased to function when his relationship to the external world began to take on a conscious character. Precisely what the spiritual researcher needs for his spiritual method had to be suppressed by physical perceptions and concepts.
[ 21 ] Man kann eine genaue Ausdrucksweise gebrauchen, die sich eines Wortes bedient, das heute schon öfters angewendet wird. Man kann sagen: Dasjenige, was der Geistesforscher zum Bewusstsein heraufbringen muss, ist dasselbe, was beim gewöhnlichen Menschen vorhanden wäre, wenn im Schlafzustande plötzlich Bewusstsein eintreten würde und der Mensch dennoch schlafen würde. Das Geistig-Seelische liegt im gewöhnlichen Menschen im Unterbewusstsein drunten, es kommt nicht zum Bewusstsein. Denn was kommt im Alltagsleben zum Bewusstsein? Nicht das Seelisch-Geistige selber, sondern seine Spiegelung im Leibe, gerade wie der vor dem Spiegel Stehende sich nicht da stehen sieht, sondern sein Bild, sein Spiegelbild. So ist das Alltagsbewusstsein auch nicht ein solches, wo sich das Geistig-Seelische selbst wahrnimmt, sondern das, was als Spiegelbild vom Leben zurückgeworfen wird von dem Augenblick an, wo das Selbstbewusstsein erwacht ist.
[ 21 ] One can use a precise formulation that employs a word which is already in common use today. One could say: What the spiritual researcher must bring to consciousness is the very same thing that would be present in the ordinary person if consciousness were to suddenly arise during sleep, yet the person would still be asleep. In the ordinary person, the spiritual-soul aspect lies deep in the subconscious; it does not come to consciousness. For what comes to consciousness in everyday life? Not the spiritual-soul aspect itself, but its reflection in the body—just as the person standing before a mirror does not see himself standing there, but rather his image, his reflection. Thus, everyday consciousness is not one in which the spiritual-soul aspect perceives itself, but rather that which is reflected back from life as a mirror image from the moment self-consciousness awakens.
[ 22 ] Das, was da aufgehört hat von diesem bestimmten Zeitpunkt an im gewöhnlichen menschlichen Erleben, was da ins Unterbewusstsein hinuntergedrängt wird, damit er seine Aufmerksamkeit während des physischen Lebens auf das Spiegelbild verwendet, das muss der Geistesforscher wieder heraufholen in dasjenige, was ein Bruchstück der menschlichen Organisation selber erst erarbeitet während der Keimeszeit und später während der Zeit, nachdem der Mensch geboren ist, bis zu dem Moment, wo das Selbstbewusstsein auftritt. Zweierlei steht sich da gegenüber: das alltägliche Leben, wo der Mensch nur mit dem Spiegelbilde zu tun hat, während im Unterbewusstsein bleibt das wirklich reale Erleben des Geistig-Seelischen. Was der Geistesforscher zu tun hat, das ist das Heraufholen desjenigen, wovon man sonst nur ein Spiegelbild im täglichen Erleben hat.
[ 22 ] That which has ceased to exist in ordinary human experience from that particular point onward—that which is suppressed into the subconscious so that, during physical life, a person directs their attention to the mirror image—must be brought back up by the spiritual researcher into that which a fragment of the human organism itself first develops during the embryonic stage and later during the period after the human being is born, up to the moment when self-consciousness emerges. Two things stand in opposition here: everyday life, where the human being deals only with the mirror image, while the truly real experience of the spiritual-soul aspect remains in the subconscious. The task of the spiritual researcher is to bring up what we otherwise experience only as a mirror image in daily life.
[ 23 ] Nun muss man eines bedenken: Es liegt in der Natur des Menschen, dass dieser Mensch in das alltägliche Leben so hineingestellt ist, dass er die Kräfte nur in der ersten, zartesten Kindheit in seinen Leib hereinschickt, bis zu dem Zeitpunkt, wo das Traumleben sich verwandelt in das vollbewusste gewöhnliche Tagesleben, wo der Mensch die Spiegelung seines Seelenlebens wahrnimmt. Alles, wodurch der Mensch im äußeren Leben tüchtig ist, wodurch der Mensch im sozialen Leben feststeht, wodurch er die gewöhnliche Wissenschaft zustande bringt, das beruht darauf, dass er von dem charakterisierten Kindheitsstandpunkte an die Kräfte für das äußere Leben nicht mehr verwendet, die dann sich nur spiegeln können, die er vor diesem Zeitpunkt verwendet hat für die Ausgestaltung des Physisch-Leiblichen.
[ 23 ] Now, one must bear in mind: It is in human nature that a person is situated in everyday life in such a way that they draw these forces into their body only during the earliest, most tender stage of childhood, up until the point when the dream life transforms into fully conscious, ordinary daily life, in which a person perceives the reflection of their soul life. Everything that enables a person to be capable in external life, to be firmly grounded in social life, and to engage in ordinary science is based on the fact that, from the defined stage of childhood onward, they no longer direct the forces toward external life—forces that can then only be reflected—which they had previously used to shape the physical body.
[ 24 ] Die Kräfte, die der Mensch braucht für den äußeren physischen Leib, die müssen daher geradezu die Tendenz haben, zunächst zurückzudrängen, hinunterzudrücken ins Unbewusste alles dasjenige, was der Geistesforscher für seine Geistesforschung gerade gebraucht, was aber da istund was den Menschen gestaltet aus der geistigen Welt heraus, was ihn zum Ebenbilde der geistigen Welt macht. Da muss sich dadurch notwendigerweise die Stimmung entwickeln, gerade bei dem Menschen, der im äußeren physischen Leben drinnensteht, der ein Bewusstsein davon hat: Ich bin durch das, was ich erworben habe als Mensch, tüchtig geworden für die äußere Welt —, und der nicht weiß, dass es noch andere Kräfte gibt, nämlich die Kräfte, die bis dahin sein Inneres erarbeitet haben, für ihn muss die Stimmung entstehen, zunächst festzuhalten an den Kräften, die entgegengesetzt sind den Kräften der Geistesforschung. Diese Stimmung nimmt leicht überhand im gewöhnlichen Leben. Sie erzeugt eine Abneigung, eine Antipathie gegen alle Geistesforschung. Man fühlt instinktiv, man soll im physischen Leibe diejenigen Kräfte anwenden, die man für das physische Leben braucht, dann sind das Kräfte, die nichts zu tun haben mit den Kräften, von denen der Geistesforscher reden will.
[ 24 ] The forces that a human being needs for the outer physical body must therefore have a tendency to initially push back—to press down into the unconscious—everything that the spiritual researcher needs for his spiritual research, everything that is present there and that shapes the human being from the spiritual world, everything that makes him the image of the spiritual world. This necessarily gives rise to a certain disposition, especially in the person who is immersed in outer physical life and who is conscious of the fact: “Through what I have acquired as a human being, I have become capable of functioning in the outer world”—and who does not know that there are other forces, namely the forces that have until then shaped his inner being; for him, the disposition must arise to cling, at first, to the forces that are opposed to the forces of spiritual research. This attitude easily takes hold in ordinary life. It gives rise to an aversion, an antipathy toward all spiritual research. One instinctively feels that one should apply within the physical body those forces that are needed for physical life; these are forces that have nothing to do with the forces the spiritual researcher wishes to discuss.
[ 25 ] Man kann die Sache, wenn man sie eindringlich konstatieren will, in folgender Weise charakterisieren. Man kann sagen: Ja, der Mensch fühlt in sich das Bewusstsein, dass er tüchtig ist im physischen Sinnesdasein durch die Kräfte seines Leibes, wenn er vergisst an die andere Kraft, die geistig-seelische Kraft, die eben ohne sein Zutun, ohne dass er sich angestrengt hat, in den ersten Jahren seiner Kindheit erst den Leib zubereitet hat, an dem sich dann die Seele spiegelt. Auf das achtet der Mensch nicht, dass die Kräfte leben, die ihn erst zu dem gemacht haben, wodurch er erst tüchtig sein kann. Er nimmt die Instrumente, die er ohne sein Zutun zubereitet hat, hin. Er denkt nicht, dass sie aus der seelisch-geistigen Welt gebildet sind. Er nimmt wahr dieses Instrument, wenn es fertig ist, auf dass es ihn tüchtig macht in der äußeren, physischen Welt.
[ 25 ] If one wishes to state the matter emphatically, it can be characterized as follows. One can say: Yes, human beings feel within themselves the awareness that they are capable in the physical, sensory realm through the powers of their body—when they forget the other power, the spiritual-soul power, which, without any effort on their part, without their having exerted themselves, first prepared the body in the early years of their childhood, in which the soul is then reflected. Human beings do not pay attention to the fact that the forces are at work that have made them what they are—the very forces that enable them to be capable in the first place. They simply accept the instruments that have been prepared for them without their own doing. They do not realize that these instruments are formed from the spiritual-soul world. They perceive this instrument, once it is ready, as something that enables them to function effectively in the outer, physical world.
[ 26 ] Wenn der Mensch also gestimmt ist, wenn er sich sagt: Was geht es mich an, wodurch sie entstanden sind, ich will dieses Werkzeug benutzen —, dann kann er in die antisophische Stimmung hineinkommen. Er will nichts wissen von den Kräften, die dieses Werkzeug geformt haben und die hervorholen muss und zum Bewusstsein bringen muss der Geistesforscher. Werden Sie begreifen, dass gerade in einer Zeit, in welcher das materielle Leben so viele Anforderungen an den Menschen stellt, in einer Zeit, die so reich blühende Gebiete des Wissens hat, die so stolz ist auf die materiellen Fortschritte, dass in einer solchen Zeit [vor allen Dingen] die antisophische Stimmung überhandnehmen muss? Werden Sie begreifen, dass die Antipathie auf die Theosophie, auf die Kraft, die im Verborgenen waltet und die hervorgeholt werden muss vom Geistesforscher, mit Missgunst hinsehen wird? Aber diese Kräfte, sie liegen in der Tiefe der Seele verborgen und sie werden durch die Geistesforschung hervorgeholt. Und wenn sie emporgeholt werden, dann werden diese Kräfte diejenigen, durch die wir eingeführt werden in die wirklichen Tatsachen und Wesenheiten der geistigen Welt.
[ 26 ] So when a person is in this frame of mind—when they say to themselves, “Why should I care how they came to be? I just want to use this tool”—then they can slip into an antisophical mindset. They want nothing to do with the forces that shaped this tool—forces that the spiritual researcher must uncover and bring to consciousness. Will you understand that precisely in a time when material life places so many demands on human beings, in a time that boasts such rich and flourishing fields of knowledge and takes such pride in material progress—that in such a time, [above all else] the antisophical mood is bound to gain the upper hand? Will you understand that antipathy toward theosophy—toward the power that reigns in the unseen and must be brought to light by the spiritual researcher—will be met with resentment? But these forces lie hidden in the depths of the soul, and they are brought to light through spiritual research. And when they are brought to light, these forces will be the very ones that introduce us to the true facts and entities of the spiritual world.
[ 27 ] Nun kann sich da die antisophische Stimmung noch ein zweites Mal entzünden, weil der Weg der Geistesforschung nicht besonders leicht ist. Was geschieht, wenn der Mensch dazu kommt, ein Seelisch-Geistiges leibfrei zu machen, herauszuschlüpfen gleichsam aus dem Physisch-Leiblichen? Dann treten vor seine Seele Wahrnehmungen hin, die nicht mehr die Wahrnehmungen der äußeren Sinne sind, Gedanken, die nicht mehr Gedanken seines gewöhnlichen Verstandes sind. Dann versinkt genau wie im Einschlafen die alltägliche Sinneswelt. So versinkt ins Unbestimmte die äußere Welt. Aber nicht die Finsternis des Schlafes taucht auf, sondern eine neue Welt, eine Welt, die im richtigen Sinne verstanden werden muss, wenn sie nicht missverstanden werden soll.
[ 27 ] Now, this antisophic sentiment can flare up a second time, because the path of spiritual research is not particularly easy. What happens when a person comes to liberate a soul-spiritual element from the body, to slip out, as it were, from the physical-bodily realm? Then perceptions arise before their soul that are no longer the perceptions of the external senses—thoughts that are no longer the thoughts of their ordinary intellect. Then, just as when falling asleep, the everyday sensory world fades away. Thus the external world sinks into the indeterminate. But it is not the darkness of sleep that emerges, but a new world—a world that must be understood in the proper sense if it is not to be misunderstood.
[ 28 ] Wenn der Geistesforscher in Geduld und Energie lange genug geübt hat, um seine Seele loszumachen — um den Ausdruck zu gebrauchen —, gleichsam sie herauszustellen aus dem Leibe, dann ist das Erste nicht, dass man gleich innerhalb einer Summe von geistigen Tatsachen und Wesenheiten ist. Aber man fühlt sich gleich in einer anderen Welt. Man weiß von einem gewissen Moment an, was es heißt, außerhalb seines Leibes in einem Geistig-Seelischen zu sein. Es tritt dadurch auf, dass man beginnt, mit einer Art von innerer Seelentätigkeit traumhafte Vorstellungen zu haben, so, wie der Nachtschlaf durchbrochen werden kann von Träumen, die sich hineinmischen in den Nachtschlaf und von denen wir wissen, dass sie nicht in gewöhnlicher Weise durch äußere Dinge veranlasst sind. Es treten Bilder auf, die der, welcher nichts davon versteht, für Hirngespinste halten wird, von denen aber der Geistesforscher weiß, dass, wenn sein Geistig-Seelisches in richtiger Weise entwickelt wird, nicht so entwickelt, wie die heutige Menschheit die Evolution versteht, sondern so, dass die Seele sich aus der Tiefe ihres natürlichen Wesens heraus entwickelt, dass er dann in einer neuen Welt ist. Man hat da um sich Bilder, die man nie gesehen hat, Eindrücke, die man nie gehabt hat.
[ 28 ] When the spiritual researcher has practiced with patience and energy long enough to detach his soul—to use the expression—as it were, to bring it out of the body, the first thing that happens is not that one immediately finds oneself within a multitude of spiritual facts and beings. But one immediately feels oneself in another world. From a certain point on, one knows what it means to be outside one’s body in a spiritual-soul realm. This occurs because one begins to have dreamlike visions through a kind of inner soul activity, just as nighttime sleep can be interrupted by dreams that intrude upon it—dreams that we know are not caused in the ordinary way by external things. Images appear that someone who understands nothing of this will regard as figments of the imagination, but of which the spiritual researcher knows that when one’s spiritual-soul life is developed in the right way—not as modern humanity understands evolution, but in such a way that the soul develops from the depths of its natural being—one then finds oneself in a new world. There, one is surrounded by images one has never seen, impressions one has never had.
[ 29 ] Damit ich nicht missverstanden werde, muss ich nun gleich auf etwas aufmerksam machen. Die Seele hat natürlich, wenn sie aus dem Leib herausgekommen ist und um sich eine Welt erblickt, die erinnert an hin- und herhuschende Farbenbilder, eine Welt von Tönen. Aber in dieser neuen Welt ist im Grunde genommen doch nicht alles so, wie es in der physischen Welt auch ist. Wenn alles nur Erinnerung, Reminiszenz wäre an die Sinnenwelt, könnte man den Eindruck machen, den ein Schüler des Plato machte, der sagte: Sokrates hat nichts anderes gewusst, als was andere Menschen auch wissen. Jeder Schulbube weiß das auch. Warum soll Sokrates mehr wissen als ein Schulbube? Gewiss, die einzelnen Farbenbilder erinnern an den äußeren Lebensinhalt, aber so, wie die Lettern eines Buches uns etwas ganz Neues überliefern, trotzdem wir alle einzelnen Lettern kennen, so führen uns die Erlebnisse der Seele in die geistige Welt ein, trotzdem sie erscheinen wie Reminiszenzen des äußeren physischen Lebens.
[ 29 ] So that I am not misunderstood, I must point something out right away. Naturally, once the soul has left the body and beholds a world around it that resembles images of colors flitting back and forth—a world of sounds— But in this new world, not everything is, strictly speaking, exactly as it is in the physical world. If everything were merely a memory or a reminiscence of the sensory world, one might get the impression expressed by a student of Plato, who said: Socrates knew nothing more than what other people also know. Every schoolboy knows that, too. Why should Socrates know more than a schoolboy? Certainly, the individual images of color are reminiscent of the content of external life, but just as the letters of a book convey something entirely new to us, even though we know all the individual letters, so the experiences of the soul introduce us to the spiritual world, even though they appear to be reminiscences of external physical life.
[ 30 ] Nur über einen Punkt muss man hinwegkommen. Dasjenige, was da zuerst auftritt, was unser seelisches Wahrnehmungsfeld erfüllt, ist etwas, was der Materialist Phantasiebilder nennen kann, wenn er nicht weiß, dass diese Bilder zunächst nicht ein wirkliches Wahrnehmen eines Äußeren sind, sondern die erste Ausgestaltung des geistigen Organismus. Wie wir im Laufe der Kindheit lernen, unsere Organe zu bilden, die Dinge in der richtigen Weise zu befühlen, zu sehen, wie wir unseres Leibes dadurch erst bewusst werden, so müssen wir, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, unseres Geistleibes bewusst werden. Was diese Menschen als eine geistige Welt ansehen, das ist erst das, was wir ausbilden müssen wie einen Geistleib. Und in diesem Geistleib müssen wir gleichsam ertasten die wirkliche geistige Welt. Und tatsächlich: Was wir zuerst wahrnehmen, das sind wir selbst. In diesem Sinne kann man von Visionen, von Halluzinationen sprechen. Derjenige, der materialistischer Forscher ist, der lernt überhaupt nichts kennen als dieses. Und weil er nichts anderes kennenlernen kann, kann er nicht glauben, dass der Zeitpunkt eintritt, wo der wirkliche Geistesforscher sie gebraucht. Wie der materialistische Forscher seine Hände gebraucht, um das Physische zu erfühlen, so gebraucht der Geistesforscher das, was hervorgebracht wird von leibfreien Sinnen, um die geistige Welt zu ergreifen und wahrzunehmen. Erst bilden wir uns Geistesauge und Geistesohr aus, und wenn wir uns dieser bedienen, dringen wir durch sie in die geistige Welt.
[ 30 ] There is just one point we must get past. What first appears there—what fills our field of mental perception—is something that a materialist might call “imaginary images,” if he does not realize that these images are not, at first, a real perception of the external world, but rather the initial formation of the spiritual organism. Just as we learn in the course of childhood to develop our senses, to feel and see things in the right way, and thereby become aware of our physical body for the first time, so too must we—if I may use the expression—become aware of our spiritual body. What these people regard as a spiritual world is, in fact, something we must first develop, like a spiritual body. And within this spiritual body, we must, as it were, feel our way toward the real spiritual world. And in fact: what we perceive first is ourselves. In this sense, one can speak of visions or hallucinations. The materialistic researcher comes to know nothing at all beyond this. And because he cannot come to know anything else, he cannot believe that the time will come when the true spiritual researcher will need them. Just as the materialistic researcher uses his hands to feel the physical world, so the spiritual researcher uses what is produced by the senses independent of the body to grasp and perceive the spiritual world. First, we develop the spiritual eye and the spiritual ear, and when we make use of them, we penetrate the spiritual world through them.
[ 31 ] Da, an dieser Schwelle der geistigen Welt treten zwei Dinge auf, die gewissermaßen den Menschen scheu machen, in die geistige Welt wirklich hineinzudringen, die davor zurückhalten. Was da auftritt, ist das Folgende: Zunächst ist die Welt des Geistes, in die wir da eintreten, eine ganz andere als die physische Welt. Nicht einmal unsere Begriffe, Ideen und Vorstellungen aus der physischen Welt können wir ohne Weiteres gebrauchen, um in diese geistige Welt einzudringen. Wir sind in unserem gewöhnlichen Alltagsleben gewöhnt, Wirklichkeiten wahrzunehmen, die wir mit dem Leibe wahrnehmen, die wir durch unsere Augen und Ohren wahrnehmen. Wir sind gewohnt, dasjenige wirklich zu nennen, was wir mit den Händen betasten können, was wir in seinen Gesetzen verstehen können durch unseren Verstand, der ans physische Gehirn gebunden ist.
[ 31 ] At this threshold of the spiritual world, two things arise that, in a sense, make people hesitant to truly enter the spiritual world—they hold them back. What arises there is as follows: First of all, the spiritual world into which we are entering is entirely different from the physical world. We cannot even readily use our concepts, ideas, and notions from the physical world to enter this spiritual world. In our ordinary everyday life, we are accustomed to perceiving realities that we experience with our bodies—that we perceive through our eyes and ears. We are accustomed to calling “real” that which we can touch with our hands, that which we can understand in terms of its laws through our intellect, which is bound to the physical brain.
[ 32 ] Diesen Leib haben wir aber abgelegt, wenn wir als Geistesforscher in die geistige Welt eintreten. Nichts von dem ist darinnen, was durch den Leib wahrgenommen werden kann. Da erlebt man sich in seiner Seele zunächst so, dass man weiß: Der Leib ist weg, nur mit der Seele ist man in der geistigen Welt. Dasjenige macht sich geltend, was man nennen kann eine vollständige Ungewohntheit mit der neuen Situation. Während man bis jetzt gewohnt war, eingehüllt, umgeben mit dem Leib in der Welt zu stehen, steht man jetzt mit bloßer Seele und ohne innere Erfahrung da. Und dasselbe starke Gefühl tritt auf, das sich nur vergleichen lässt mit dem, was Sie erlebt haben, wenn Sie geträumt haben, Sie fühlen sich plötzlich entkleidet an einem Ort, wo viele Menschen sind, voll Schamgefühl, weil Sie sich in einer Welt fühlen, in die Sie nicht hineingehören. Dieser Traum gibt ein verschwimmendes Bild, etwa wie eine Vorbedeutung, von dem, was mit unendlicher Verstärkung auftritt, wenn man in die geistige Welt hineinkommt und sich ungewohnt fühlt, sodass man sagt: Du stehst demjenigen, was du Wirklichkeit genannt hast, anders gegenüber, nicht kannst du sehen oder fühlen, was dir bisher die wirkliche Welt gegolten hat. Was willst du dich bemühen, in die Welt einzutreten, die entblößt ist von dem, was du wirklich wahrgenommen hast? Sobald man in die geistige Welt eintritt und so in einer Welt ist, die ganz andere Wesenheiten enthält, die bloß geistig-seelisch sind, zwischen denen sich Handlungen abspielen, die bloß in der geistigen Welt liegen, sobald man eintritt, muss man mit aller Gewalt zuerst sein Ich bewahren. Bewahrt man sein Ich nicht, so taucht man unter in diese ganze geistige Welt. Daher werden Sie sehen, wenn Sie das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» durchlesen, dass alle Übungen, die dort angeraten sind, darauf hinauslaufen, das Ich stärker, als es sich in der äußeren Welt erlebt, hineinzutragen in die geistige Welt. Wenn ich in der Sinnenwelt eine blaue Farbe sehe, sage ich: Ich sehe sie. Ich denke, sie ist außerhalb meiner. Tritt man in die geistige Welt ein, nimmt man ihre Eigenschaften an, indem man in die geistige Welt untertaucht, muss man eins werden mit der geistigen Welt. Das ganze innere Wesen verbreitet sich in der geistigen Welt, fließt aus in die geistige Welt. Und die Gedanken — von denen hat man nicht das Gefühl, man denkt sie, sondern sie denken sich selber. Man ist wirklich in dieser geistigen Welt so darin, dass man Erlkönig und sein Söhnchen wie zugleich ist: der Vater sorgenvoll, das Söhnchen von allerlei Gesichten in der Seele durchwogt. Man ist diese beiden zugleich. Man empfindet eine neue Welt, aber man fühlt sich wie von unbestimmten Kräften zu jedem Ding, zu jeder Tat hingezogen. Man fühlt sich wie aus sich herausgerissen. Das erzeugt in der Seele ein Gefühl, das man wohl genau kennenlernen muss. Ein Gefühl von Furcht vor dem Sich-selbst-genommen-Werden, genommen werden dem, was einem bisher die Wirklichkeit verbürgt hat.
[ 32 ] But we have shed this body when, as spiritual researchers, we enter the spiritual world. Nothing that can be perceived through the body is present there. At first, one experiences oneself in one’s soul in such a way that one knows: The body is gone; one is in the spiritual world with only one’s soul. What makes itself felt is what one might call a complete unfamiliarity with the new situation. Whereas until now one was accustomed to standing in the world enveloped and surrounded by the body, one now stands there with one’s soul alone and without any inner experience. And the same intense feeling arises, one that can only be compared to what you have experienced when you have dreamed: you suddenly feel undressed in a place where there are many people, filled with shame because you feel you belong in a world where you do not belong. This dream offers a blurred image—something like a foreshadowing—of what occurs with infinite intensity when one enters the spiritual world and feels out of place, so that one says: You now face what you once called reality differently; you can no longer see or feel what you previously regarded as the real world. Why would you strive to enter a world stripped of what you have truly perceived? As soon as one enters the spiritual world—and thus finds oneself in a world that contains entirely different beings, who are purely spiritual and soul-like, among whom events unfold that lie solely within the spiritual world—as soon as one enters, one must first and foremost preserve one’s “I” with all one’s might. If one does not preserve one’s “I,” one will be submerged in this entire spiritual world. That is why, when you read the book *How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?*, you will see that all the exercises recommended there boil down to carrying the “I”—stronger than it is experienced in the outer world—into the spiritual world. When I see the color blue in the sensory world, I say, “I see it.” I think it is outside of me. When one enters the spiritual world, one takes on its qualities; by immersing oneself in the spiritual world, one must become one with it. One’s entire inner being spreads out into the spiritual world, flows out into it. And as for thoughts—one does not have the feeling that one is thinking them; rather, they think themselves. One is truly so immersed in this spiritual world that one is like both the Erlking and his little son at the same time: the father full of worry, the little son tossed about by all manner of visions in his soul. One is both of them at once. One perceives a new world, yet one feels drawn by indefinable forces to every thing, to every action. One feels as if torn from oneself. This creates a feeling in the soul that one must come to know precisely. A feeling of fear of being taken from oneself, of being taken away from what has hitherto guaranteed one’s reality.
[ 33 ] Beide Gefühle, das Gefühl des Ungewohntseins in der geistigen Welt und das Entblößtsein in derselben, das Gefühl der Furcht vor derselben finden sich in der Tiefe der menschlichen Seele darin. Beide Gefühle würden auftreten und den Menschen plötzlich packen, wenn er erwachen würde, wie der Geistesforscher erwachen muss, wenn er so erwachen würde im alltäglichen Schlaf; unendliche Furcht vor dem Ungewohnt-Sein und Entblößt-Sein würde ihn ergreifen. Aber der gewöhnliche Schlaf korrigiert sogleich diese Gefühle. Sie drücken sich nicht aus. Der Mensch betäubt sich, indem der Wille in ihm entsteht, in seinen Leib zurückzutreten und dadurch aufzuwachen. Das ist der Grund, warum der Mensch wie durch einen Willensimpuls sich hingedrängt fühlt zu seinem Leibe im Aufwachen, solange der Leib ihn aufnehmen kann, also bis zum Tode, weil der Leib das Gefühl des Entblößt-Seins betäubt. Die Gefühle der Furcht betäubt der Mensch dadurch, dass er überhaupt zunächst sich nicht einlässt darauf, in die geistige Welt einzudringen.
[ 33 ] Both feelings—the sense of being unfamiliar with the spiritual world and the sense of vulnerability within it, as well as the fear of that world—are found deep within the human soul. Both feelings would arise and suddenly seize a person if he were to awaken as a spiritual researcher must awaken—if he were to awaken in this way from ordinary sleep; an infinite fear of being unfamiliar with and exposed in that world would grip him. But ordinary sleep immediately corrects these feelings. They do not manifest themselves. A person numbs these feelings by generating within himself the will to return to his body and thereby awaken. This is why, as if driven by an impulse of will, a person feels compelled to return to his body upon waking—as long as the body can receive him, that is, until death—because the body numbs the feeling of being exposed. A person numbs feelings of fear by initially refusing to allow themselves to enter the spiritual world at all.
[ 34 ] In dem Augenblick, wo der Mensch beginnt, in die geistige Welt durch Übungen, die der Geistesforscher anrät, einzudringen, kommt an seine Seele leise heran diese Furcht. Der Mensch sucht sie zu betäuben, indem er die geistige Welt fernhält, indem er materialistisch gesinnt ist, mit anderen Worten, indem er das, was in ihm antisophische Stimmung ist, zur höchsten Entfaltung bringt, weil sich der Mensch betäuben muss über das, was ihn erfüllen würde, wenn er in die geistige Welt eindringen wollte. Über das Gefühl der Furcht ist die Seele antisophisch gestimmt. Um nicht antisophisch gestimmt zu sein, muss der Mensch solche Übungen machen, die ihn vor allen Dingen befähigen, sich nicht entblößt zu fühlen, sondern sich bekleidet zu fühlen von einem Geistleib, wie er hier von einem physischen Leib bekleidet ist. Um das Gefühl von Furcht zu überwinden, muss der Mensch Übungen machen, die ihn befähigen, furchtlos und kühn der geistigen Welt näher zu treten.
[ 34 ] The moment a person begins to enter the spiritual world through the exercises recommended by the spiritual researcher, this fear quietly creeps into their soul. The person seeks to numb this fear by keeping the spiritual world at a distance, by adopting a materialistic mindset—in other words, by bringing to its fullest expression the antisophical disposition within them—because the person must numb themselves against what would fill them if they were to enter the spiritual world. Through this feeling of fear, the soul is disposed toward antisophism. In order not to be in an antisophical frame of mind, a person must engage in exercises that, above all, enable them not to feel exposed, but rather to feel clothed in a spiritual body, just as they are clothed here in a physical body. To overcome the feeling of fear, a person must engage in exercises that enable them to approach the spiritual world fearlessly and boldly.
[ 35 ] Daher sind viele Menschen antisophisch gestimmt. Das ist aber im Grunde genommen nicht böser Wille, nicht etwas, das man den Menschen stark zuschreiben kann, sondern das ist die Sehnsucht des Menschen, sich gegenüber der Furcht zu betäuben. Das ist es, was sie zu antisophischer Stimmung hintreibt. Es ist nicht im uneigentlichen Sinne gesprochen, wenn irgendwo für die Geisteswissenschaft ein Gebäude errichtet wird und in der ganzen Umgebung und auch weiterhin überall die Gegnerschaft sich geltend macht. Daher geht die antisophische Stimmung aus dem hervor, aus dem die Leute sich betäuben wollen gegenüber ihrer eigenen Fähigkeiten, in die geistige Welt einzutreten. Weil die Menschen nicht diese Furcht überwinden können, werden sie antisophisch gestimmt. So, wie der Mensch sich etwas einredet, um etwas anderes nicht zu Gesicht, nicht ins Bewusstsein heraufkommen zu lassen, so würden auch die Menschen das, was in ihrem Unterbewusstsein ist, mit ehrlichen Worten so sagen müssen: Wir fürchten uns vor der geistigen Welt, daher darf für uns die geistige Welt nicht vorhanden sein. Die Folge davon ist, dass dieser Mensch die Geisteswissenschaft für Unsinn, Phantasterei, Träumerei, für unnötig erklärt, dass er allerlei Dinge erfindet, um sie anzuschwärzen. Das sind Mittel, um sich zu betäuben die Furcht — die Furcht, die man selbstverständlich, wenn man redet, nicht versteht.
[ 35 ] That is why many people have an antisophic disposition. But this is not, at its core, ill will, nor is it something that can be strongly attributed to people; rather, it is the human longing to numb oneself against fear. That is what drives them toward an antisophic disposition. It is not an exaggeration to say that whenever a building is erected for spiritual science, opposition makes itself felt throughout the surrounding area and continues to manifest everywhere. Thus, the anti-sophistic sentiment arises from people’s desire to numb themselves to their own ability to enter the spiritual world. Because people cannot overcome this fear, they adopt an anti-sophistic attitude. Just as a person convinces themselves of one thing in order to prevent another from coming into view or rising into consciousness, so too would people have to express what lies in their subconscious with honest words: “We are afraid of the spiritual world; therefore, the spiritual world must not exist for us.” The consequence of this is that such a person declares spiritual science to be nonsense, fantasy, daydreaming, or unnecessary, and invents all sorts of things to denigrate it. These are means of numbing one’s fear—the fear that, naturally, one does not understand when speaking.
[ 36 ] Wir können gerade in der Gegenwart mit den Mitteln der Geisteswissenschaft auf diese Furcht ganz besonders hinweisen und auch darauf hindeuten, dass sie nicht eingestanden wird, dafür aber etwas erfunden wird, sie zu betäuben. Auf eine charakteristische Erscheinung sei hingewiesen.
[ 36 ] Especially today, using the methods of spiritual science, we can draw particular attention to this fear and also point out that, rather than acknowledging it, people invent something to numb it. Let us point out one characteristic phenomenon.
[ 37 ] Ein sehr bedeutender Physiologe, der vor einiger Zeit gestorben ist, hat auf etwas hingewiesen, das nur in richtiger Weise betrachtet werden muss, um die eben erwähnte Tatsache zu erhärten. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass ich, wenn ich etwas anführe, was antisophische Stimmung ist, ich nicht gewillt bin, Gegner anzugreifen, die ich nicht herabwürdige, sondern die ich auf ihren eigenen Gebieten aufs Höchste schätze. So schätze ich Du Bois-Reymond, der auf einer berühmten Naturforscherversammlung der 70er-Jahre eine berühmte, geistvolle Rede gehalten hat. Die glänzenden, hervorragenden Ausführungen eines auf der gegenwärtigen Naturwissenschaft stehenden Menschen finden für das, was er ausführt, überall Belege, er bringt überall Gründe hervor. Dann nähert er sich dem Schlusse.
[ 37 ] A very prominent physiologist, who passed away some time ago, pointed out something that need only be considered properly to corroborate the fact just mentioned. I would like to point out, however, that when I cite something that reflects an anti-sophisticated attitude, I am not intent on attacking opponents whom I do not disparage, but whom I hold in the highest regard in their own fields. For example, I hold Du Bois-Reymond in high regard, who delivered a famous, witty speech at a renowned naturalists’ conference in the 1870s. The brilliant, outstanding arguments of a man grounded in contemporary natural science find evidence everywhere for what he asserts; he presents reasons at every turn. Then he approaches the conclusion.
[ 38 ] Wozu ist er gekommen? Er hat ausgeführt, dass Naturwissenschaft überhaupt nur dazu führen kann, die Welt so zu begreifen, dass sie die Bewegung der kleinsten Teile begreift, dass sie alles zurückführt auf die Bewegung. Aber so wahr alle Naturforschung darauf gegründet ist, dass sie die Bewegung der Atome und so weiter erforscht, so wahr ist es auch, dass Naturforschung niemals die Seele begreifen kann. Der Naturforscher kann sagen, dass die rote Farbe durch gewisse Bewegungen entsteht, aber er kann nicht sagen, wodurch in uns das Bewusstsein der roten Farbe entsteht. Keine Naturforschung könnte jemals aus der Bewegung irgendetwas Seelisches begreifen. Wollte man es begreifen, dieses Seelische, aus dem, was einzig und allein in der Naturwissenschaft berechtigt ist, so begänne das, was er als Supernaturalismus bezeichnet. Und so schließt Du Bois-Reymond seine Rede: Naturforschung muss auf äußere Bewegung gehen, sie kann niemals begreifen auch nur den einfachsten Teil der menschlichen Seele. Diese Seele könnte nur da begriffen werden, wo der Supernaturalismus anfängt und die Naturwissenschaft aufhört.
[ 38 ] What was his point? He argued that natural science can, in general, only lead to an understanding of the world in terms of the motion of its smallest parts—that is, it reduces everything to motion. But just as true as it is that all natural science is based on investigating the motion of atoms and so on, it is also true that natural science can never comprehend the soul. The natural scientist can say that the color red arises from certain movements, but he cannot say what causes the awareness of the color red to arise within us. No natural science could ever comprehend anything spiritual from movement alone. If one were to attempt to comprehend this spiritual aspect using the sole method justified by natural science, that would mark the beginning of what he calls “supernaturalism.” And so Du Bois-Reymond concludes his speech: Natural science must focus on external motion; it can never comprehend even the simplest part of the human soul. This soul could only be understood where supernaturalism begins and natural science ends.
[ 39 ] Wir können die Rede des Du Bois-Reymond durchgehen, wir finden überall die schönsten Gründe für das, was er sagt. Nur die letzte Behauptung ist wie aus einer Pistole geschossen. Für sie bringt er keine Belege. Wir haben das Gefühl — und wir müssen es haben, denn es ist berechtigt —, indem Du Bois-Reymond von dem, was das berechtigte Gebiet seiner Wissenschaft ist, übergeht zum Supernaturalismus, bringt er keine Gründe mehr vor, sondern Antipathie. Das Gefühl der Abneigung schießt aus seinem Unterbewusstsein heraus, das lässt ihn den Supernaturalismus antipathisch anschauen, aber Gründe hat er keine für seine Behauptung. Du Bois-Reymond steht nicht allein, ich habe ihn nur als typischen Vertreter dieser Richtung erwähnt. Da, wo Abneigung auftritt gegen die Mitteilung der Geisteswissenschaft, also da, wo antisophische Stimmung auftritt, sehen wir überall die Leute, ob wir sie nun Materialisten oder Monisten nennen, sie bringen die schönsten Gründe bei für das, was sie Positives sagen.
[ 39 ] We can go through Du Bois-Reymond’s speech; everywhere we find the most compelling reasons for what he says. Only the last assertion comes out of the blue. He provides no evidence for it. We have the feeling—and we must have it, for it is justified—that when Du Bois-Reymond moves from the legitimate realm of his science to supernaturalism, he no longer presents reasons but rather antipathy. This feeling of aversion springs from his subconscious, causing him to view supernaturalism with antipathy, but he has no reasons to support his claim. Du Bois-Reymond is not alone; I have merely mentioned him as a typical representative of this school of thought. Wherever aversion arises toward the teachings of spiritual science—that is, wherever an antisophical sentiment prevails—we see people everywhere, whether we call them materialists or monists, who present the most compelling arguments for the positive things they assert.
[ 40 ] Aber sehen Sie, es könnten hundert und hundert Belege dafür gebracht werden; da, wo die Leute ihre Antipathie gegen die Geisteswissenschaft zum Ausdruck bringen, da hören die Gründe auf. Aus dem Unterbewussten, aus dem, was nichts zu tun hat mit dem, was sie zu begründen wissen, kommt diese Antipathie. Um das zu sehen, was da heraufkommt, muss man hineinleuchten mit den Mitteln der Geisteswissenschaft in die menschliche Seelenorganisation, und da kommt tatsächlich die äußere Naturwissenschaft schon entgegen der Geisteswissenschaft, wie überall die Naturwissenschaft entgegenkommt, wo diese sich selbst versteht und nicht in missverstandenem Wissen eine umfassende Weltanschauung begründen will.
[ 40 ] But you see, one could cite hundreds upon hundreds of examples of this; wherever people express their antipathy toward spiritual science, that is where the reasons end. This antipathy arises from the subconscious—from something that has nothing to do with what they are able to articulate as a justification. To see what is emerging there, one must shine a light—using the methods of spiritual science—into the organization of the human soul; and here, in fact, external natural science already aligns with spiritual science, just as natural science aligns with it wherever it understands itself and does not seek to establish a comprehensive worldview based on misunderstood knowledge.
[ 41 ] Man kann durch die besondere Art, wodurch der rein äußerlich, rein auf Tatsachen sich stützende Gelehrte, der sich außerdem nur darauf stützt, was ihm sein Denken an Gesetzen gibt über die äußere Welt, untersuchen, wie seine Organisation wirkt unter dem Einfluss des Denkens, das nur auf die äußere Welt der Sinneswahrnehmungen und des Verstandes gerichtet ist. Man kann sehen, da werden die Nerven in eine solche Lage versetzt, in die der Mensch versetzt wird, wenn er in Furchtzustand kommt, nur dass beim Furchtzustand, der durch einen Schrecken auftritt, bei einem plötzlichen Furchtzustand das Blut in seiner Zirkulation gestört werden kann; es kann von den äußeren Partien des Körpers abgezogen und dem Herzen und Gehirn zugeführt werden, sodass Ohnmacht als Folge eines plötzlichen Schreckens eintreten kann. Der Gelehrte verteilt das, was plötzlich die Furcht hervorruft, auf ein langes Leben. Er löst gleichsam die Furchtzustände auseinander. Wenn er der Welt gegenübertritt, dass er durchdrungen wäre in seiner ganzen Seele von Furcht, dann löst er diese Furcht in die antisophische Stimmung auf.
[ 41 ] One can examine, through the particular manner in which the purely external scholar—who relies solely on facts and, moreover, relies only on what his thinking provides him in terms of laws governing the external world—examines how his constitution functions under the influence of thinking directed solely toward the external world of sensory perceptions and the intellect. One can see that the nerves are placed in a state similar to that which a person experiences when entering a state of fear, except that in a state of fear caused by a sudden fright—a sudden state of fear—blood circulation can be disrupted; it can be drawn away from the outer parts of the body and directed to the heart and brain, so that fainting may occur as a result of a sudden fright. The scholar distributes what suddenly causes fear over the course of a long life. He, as it were, breaks down the states of fear. When he faces the world—as if he were permeated in his entire soul by fear—he dissolves this fear into the antisophic mood.
[ 42 ] Der dänische Forscher Lange hat ein Buch über die Gemütsbewegungen geschrieben, worin auch die Furchtzustände seelisch charakterisiert sind. Aber auch die Geisteswissenschaft kann mit ihren Mitteln dies tun. Das ganze Gefäß-System kommt in eine andere Stimmung, wenn eine Furcht, ein Schreck im Menschen auftritt. Wenn Furcht in der Seele des Menschen auftritt, ist es so, dass sogar die Säfte in eine andere Stimmung kommen. Das könnte im Einzelnen beschrieben werden. Es würde uns zu viel Zeit rauben; eines aber werden Sie alle wissen: Wenn der Mensch unter dem Eindruck eines Schreckens, einer Furcht steht, fühlt er sich plötzlich unsicher. Er hat das Verlangen: Ach, könnte ich mich doch an etwas anhalten, er fällt vielleicht sogar in Ohnmacht. Im Physischen sucht er sich anzuhalten.
[ 42 ] The Danish researcher Lange has written a book on emotional states, in which states of fear are also characterized from a psychological perspective. But spiritual science, too, can do this with its own methods. The entire circulatory system enters a different state when fear or fright arises in a person. When fear arises in the human soul, even the bodily fluids enter a different state. This could be described in detail. It would take up too much of our time; but there is one thing you will all know: When a person is under the influence of a shock or fear, they suddenly feel insecure. They have the desire: “Oh, if only I could hold on to something”—they may even faint. Physically, they seek something to hold on to.
[ 43 ] Das, was man erzeugt durch eine rein auf die äußere Beobachtungswelt gerichtete Tätigkeit, ist eine über die laufenden Jahre verteilte Furcht und Schreck. Langsam und allmählich wird in die Seele Furcht hineingegossen und in den Organismus dasjenige, was die Furchtverfassung ist, wenn man nur dasjenige darlebt, was auf die äußere Sinnenwelt Bezug hat. Wenn Menschen nun diese Furchtverfassung haben, dann drückt sich bei ihnen dasjenige aus, auf ihrem Gebiet, was sich beim Menschen ausdrückt, der in Furcht und Schreck ist und sagt: Ich falle um, gebt mir etwas, woran ich mich halten kann. So sagt derjenige, der so gestimmt ist, dass er die supernaturale Welt ablehnt. Die geistige Welt werde ich abweisen, gebt mir etwas, woran ich mich halten kann. Die physische Wahrnehmung, die Theorie der Atome, an die hält sich derjenige, der von der unterbewussten Furchtstimmung ergriffen ist.
[ 43 ] What one produces through activity directed purely toward the external world of observation is a sense of fear and dread spread out over the years. Slowly and gradually, fear is poured into the soul, and the state of fear takes root in the organism when one lives solely in relation to the external sensory world. When people are in this state of fear, they express—in their own sphere—what is expressed by a person who is in a state of fear and terror and says: “I’m falling; give me something to hold on to.” This is what someone says who is so disposed as to reject the supernatural world. “I will reject the spiritual world; give me something to hold on to.” Physical perception—the theory of atoms—is what one clings to when seized by a subconscious mood of fear.
[ 44 ] Das ist die Antwort, die die aufs Äußere gerichtete Wissenschaft erzeugen muss, die von dieser Geisteswissenschaft nichts wissen will, von den Zuständen, die man erleben soll, ohne dass man sich anhalten kann an das äußere Wissen, an die physischen Gesetze. Wie der Fürchtende am Tisch oder Stuhl sich halten will, so will derjenige, der sich vor der geistigen Welt fürchtet, sich an der Materie halten, weil er sich fürchtet, in eine Ohnmacht zu versinken, wenn er sich nicht an die Materie anhalten kann, er fürchtet, in eine geistige Ohnmacht zu versinken. Über diese Furcht betäubt er sich hinweg, indem er sich einbildet: Es gibt nichts Supernaturales.
[ 44 ] This is the answer that must be produced by science, which is focused on the external world and refuses to acknowledge this spiritual science—the states that one is supposed to experience without being able to rely on external knowledge or physical laws. Just as someone who is afraid tries to hold on to a table or chair, so too does the person who fears the spiritual world cling to matter, because he fears sinking into a state of powerlessness if he cannot hold on to matter; he fears sinking into a spiritual powerlessness. To numb himself against this fear, he deludes himself into believing: “There is nothing supernatural.”
[ 45 ] An diesen Ausführungen sehen wir, wie auf naturgemäße Weise antisophische Stimmung erzeugt werden muss, sehen, [wie] gerade in den Formen, die diese äußere Wissenschaft annimmt, antisophische Stimmung erzeugt werden muss. Sie werden umso mehr Antisophie finden, je mehr der Mensch sich innerlich infizieren lässt von der Stimmung, die diese Wissenschaft erzeugt, die auf das Äußere gerichtet ist. So kann man sagen: Es ist dem Menschen ganz in seiner natürlichen Veranlagung etwas gegeben, was man als antisophische Stimmung bezeichnen kann. Und je mehr der Mensch sich in das äußere Leben hineinstellt — sei es in die Praxis oder in die Wissenschaft —, umso mehr antisophische Stimmung speichert sich auf.
[ 45 ] From these remarks, we see how an antisophic mood must be generated in a natural way; we see [how] it is precisely in the forms that this external science takes that an antisophic mood must be generated. The more a person allows themselves to be inwardly imbued with the mood generated by this science—which is directed toward the external world—the more they will find antisophia. Thus, one can say: There is something inherent in a person’s natural disposition that can be described as an antisophic mood. And the more a person immerses themselves in external life—whether in practice or in science—the more antisophic mood accumulates within them.
[ 46 ] Aber so, wie ein Pendel, wenn es nach der einen Seite ausschlägt, auch nach der anderen Seite ausschlagen muss, so muss auch der Mensch, wenn die äußere Form in die antisophische Stimmung ausschlägt, auch nach der anderen Seite — theosophisch — ausschlagen. Der Mensch kann nicht seelisch in Ruhe dastehen, wie das Pendel nicht ruhig sein kann, wenn es nach der einen Seite ausgeschlagen hat. Der Mensch könnte nur dann in seiner Seele Ruhe bewahren, wenn er sich vollständig stumpf in einem seelischen Dämmerzustand halten würde. Es kann vorkommen gerade durch die Stimmung der Gegenwart, dass die Seele hingerissen wird von der antisophischen Stimmung. Umso mehr ist es zu bemerken, in den Tiefen der menschlichen Seele, für den, der sie intimer betrachten kann, dass das Pendel nach der anderen Seite ausschlagen will, dass auch die theosophische Stimmung in zahlreichen Menschenseelen ist. Es handelt sich darum, dass diese Theosophie gerade für die Geisteswissenschaft in die richtigen Wege geleitet wird. Sie hat nicht die Aufgabe, theosophische Stimmung zu erzeugen — diese Stimmung wird sich als der entgegengesetzte Pendelschlag schon ergeben; je mehr wir der Zukunft entgegengehen, desto mehr wird gegenüber der antisophischen Stimmung bei allen Menschenseelen, die sich richtig verstehen, auch die theosophische Stimmung entstehen. Aber die theosophische Stimmung, so wenig sie erzeugt zu werden braucht, so sehr muss sie gelenkt und geleitet werden durch die Geisteswissenschaft, sie muss die richtige Bahn finden durch die Geisteswissenschaft, so, wie die antisophische Stimmung ihre richtige Bahn finden muss. Sonst könnte leicht dasjenige geschehen, was ich durch einen Vergleich andeuten will.
[ 46 ] But just as a pendulum, when it swings to one side, must also swing to the other, so too must human beings, when their outer form swings toward an antisophical state of mind, also swing to the other side—toward theosophy. A person cannot remain at peace spiritually, just as a pendulum cannot remain at rest once it has swung to one side. A person could only maintain inner peace if he were to keep himself in a state of complete numbness, as if in a spiritual twilight. It may happen, precisely because of the prevailing mood of the present, that the soul is swept away by the antisophical mood. All the more reason, then, for those who can observe the depths of the human soul more intimately to note that the pendulum seeks to swing in the opposite direction—that the theosophical mood is also present in numerous human souls. The point is that this theosophy must be guided along the right paths, especially for spiritual science. Its task is not to generate a theosophical mood—this mood will arise naturally as the opposite swing of the pendulum; the more we move toward the future, the more the theosophical mood will emerge in all human souls that truly understand themselves, in contrast to the antisophical mood. But the theosophical mood—as little as it needs to be created—must be guided and directed by spiritual science; it must find its proper course through spiritual science, just as the antisophical mood must find its proper course. Otherwise, what I wish to suggest through a comparison could easily happen.
[ 47 ] Tasso ist nicht nur durch seine eigenen Dichtungen bekannt, sondern auch durch das Werk Goethes. Tasso sprach von einem Geiste, mit dem er verkehrt. Er sprach nicht so, wie der Geistesforscher spricht. Der Geistesforscher, der sich zum Bewusstsein bringt und weiß, um was für ein Wesen es sich da handelt, der sein Bewusstsein aufrechthalten kann, der muss anders sprechen als der Dichter, der das, was er empfindet, in Phantasie einkleidet. Der Geistesforscher der Gegenwart hält das Ich fest und lässt die Furcht nicht aufkommen. Tasso lebte noch nicht in dem Zeitalter, in dem die Geistesforschung begonnen hat, über die geistige Welt aufzuklären. Tasso sprach von einem Geiste, mit dem er verkehrt und dem er seine besten Gedanken verdankt. Manso, der ein Leben des Tasso geschrieben hat, lacht immer über diesen sonderbaren Geist, mit dem Tasso verkehrte. Er sieht nichts, so sagt man. Da sagte Tasso einmal zu ihm: Ich will einmal machen, dass du ihn wirklich siehst und hörst. Und einmal, als die beiden eine Jagd absolviert hatten, sieht Tasso plötzlich gegen das Fenster hin, an dem er mit Manso stand. Manso sieht, wie Tasso anfängt zu sprechen wie mit einem fremden Wesen. Tasso unterhält sich mit ihm. Und nicht konnte Manso damit auskommen, dass er sagte, das kann Tasso erfunden haben. Er sprach so, dass er Antworten gab, die er nicht von sich selbst aus geben konnte. Als das Gespräch zu Ende war, sagte Tasso zu ihm: Hast du jetzt den Beweis für den Geist, zu dem ich spreche? Ja, sagte Manso, ich habe dich zwar reden hören mit einem Geiste, aber ich habe nichts gesehen. Da sagte Tasso: Da hast genug gesehen und gehört. Hättest du mehr gesehen, so — da brach er ab. So hättest du es nicht ertragen können, so könnten wir seine Worte ergänzen.
[ 47 ] Tasso is known not only for his own poetry, but also through Goethe’s work. Tasso spoke of a spirit with whom he communed. He did not speak in the same way as a spiritual researcher does. The spiritual researcher, who attains consciousness and knows what kind of being is involved, who can maintain his consciousness—he must speak differently than the poet, who cloaks what he feels in imagination. The modern spiritual researcher holds fast to the “I” and does not allow fear to arise. Tasso did not yet live in the age in which spiritual research began to shed light on the spiritual world. Tasso spoke of a spirit with whom he communicated and to whom he owed his best thoughts. Manso, who wrote a biography of Tasso, always laughed at this strange spirit with whom Tasso conversed. He sees nothing, so they say. Then Tasso once said to him: “I will make it so that you really see and hear him.” And once, after the two had gone on a hunt, Tasso suddenly looked toward the window where he was standing with Manso. Manso saw Tasso begin to speak as if to a foreign being. Tasso was conversing with him. And Manso could not dismiss it by saying that Tasso might have made it up. He spoke in such a way that he gave answers he could not have given on his own. When the conversation was over, Tasso said to him, “Do you now have proof of the spirit I am speaking to?” “Yes,” said Manso, “I did hear you speaking with a spirit, but I didn’t see anything.” Then Tasso said: “You’ve seen and heard enough. If you had seen more, then—” he broke off. “Then you wouldn’t have been able to bear it; that’s how we might complete his words.”
[ 48 ] So könnte es den Seelen ergehen, wenn sie nicht, wie es naturgemäß ist, die theosophische Stimmung als Antwort, als Gegenpol entwickeln müssten gegen die antisophische Stimmung. Sie könnten notwendigerweise das Geistige vernehmen, aber zweifeln muss man, ob sie es ertragen könnten. Geisteswissenschaft muss diese Seelen in richtige Bahnen lenken. Solange die Menschen sich antisophischen Stimmungen hingeben werden, so lange wird das da sein, dass Antisophen gewissermaßen die Abbilder sind des für die neuere Zeit Urantisophen Mephisto. Er ist Urantisoph. Als er dem Faust den Schlüssel zum Reiche der Mütter gibt, erklärt er, dass der Faust da ins Nichts eindringen werde. Faust, der Theosoph, erklärt: «In deinem Nichts hoff ich das All zu finden.» Er hat die Furcht überwunden, er braucht sich der Furcht gegenüber nicht zu betäuben.
[ 48 ] This is what might happen to souls if they did not, as is natural, have to develop a theosophical disposition as a response, as a counterbalance to the antisophical disposition. They would necessarily be able to perceive the spiritual, but one must doubt whether they could bear it. Spiritual science must guide these souls onto the right path. As long as people indulge in antisophic dispositions, antisophists will continue to be, in a sense, the counterparts of Mephisto, the primordial antisophist of modern times. He is the primordial antisophist. When he gives Faust the key to the realm of the mothers, he explains that Faust will thereby penetrate into nothingness. Faust, the theosophist, declares: “In your nothingness I hope to find the universe.” He has overcome fear; he need not numb himself in the face of it.
[ 49 ] Wenn wir dieses entwickeln, was aus der antisophischen in die theosophische Stimmung hinleitet, dann ist wiederum das der Fall, wovon man sagen kann: Mit der Geisteswissenschaft fühlt man sich im Einklang mit all denjenigen Menschen, die im Laufe der Zeit, wenn sie auch noch nicht in die Geisteswissenschaft einlenken konnten — denn Geisteswissenschaft kann erst in unserer Zeit die Seelen ergreifen und sich neben die Naturwissenschaft hinstellen —, mit all denjenigen, die aus einem wahren, echten geistigen Forschen heraus den Fortschritt der Menschheit darstellen, mit all denen fühlt man sich im Einklang.
[ 49 ] If we develop this—which leads from the antisophical to the theosophical mood—then once again we find ourselves in a situation where one can say: Through spiritual science, one feels in harmony with all those people who, over the course of time, even though they have not yet been able to turn toward spiritual science — for spiritual science can only now, in our time, capture the souls and stand alongside the natural sciences —, with all those who, through true, genuine spiritual research, embody the progress of humanity; one feels in harmony with all of them.
[ 50 ] Wenn wir so betrachten die menschliche Seele mit ihren anti- und theosophischen Stimmungen, die beide notwendig in der menschlichen Seele da sein müssen, wie wir das heute getan haben, dann kann man sagen, man steht durchaus begreifend allen Gegnern und Feinden der Geisteswissenschaft gegenüber. Wehren muss man sich gegen sie, aber man begreift sie. Und das Begreifen kann sogar zum Mitleid übergehen, weil zumeist die Gegnerschaft nichts anderes ist als ein Betäubungsmittel gegenüber der Furcht, die den Menschen befällt, wenn er zunächst in die geistige Welt dringen will und nicht vorbereitet ist. Der Antisoph fühlt nicht, dass er diese Furcht hat, aber sie ist in seinem Unterbewusstsein vorhanden. Und er stellt sich an die Seite desjenigen, der im achtzehnten Jahrhundert als ein Philosoph der antisophischen Strömung geantwortet hat. Haller, der große Weise, der auch hier in der Schweiz genügend bekannt ist. Man wird ihn gerade, so wie andere Menschen, lieber anführen als kleinere Gegner, weil er einer der größten auf seinem Gebiete war. Weil in seiner Seele, gerade um dasjenige zu erringen, worin er groß geworden war, nämlich als Naturforscher auf den äußeren Gebieten, die antisophische Stimmung immer größer geworden ist, sagt er:
[ 50 ] If we consider the human soul with its anti-theosophical and theosophical dispositions—both of which must necessarily exist within the human soul—as we have done today, then one can say that one faces all opponents and enemies of spiritual science with complete understanding. One must defend oneself against them, but one understands them. And this understanding can even turn into compassion, because in most cases, this opposition is nothing more than a numbing agent against the fear that overtakes a person when they first seek to enter the spiritual world without being prepared. The Antisoph does not feel that he has this fear, but it is present in his subconscious. And he aligns himself with the one who, in the eighteenth century, spoke out as a philosopher of the Antisophic movement: Haller, the great sage, who is also well known here in Switzerland. Just as with other people, one is more inclined to cite him rather than lesser opponents, because he was one of the greatest in his field. Because in his soul—precisely in order to attain that in which he had become great, namely as a natural scientist in the outer realms—the antisophic mood grew ever stronger, he says:
Ins Innre der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist.
Into the heart of nature
No creative spirit penetrates.
Blessed is the one to whom she shows
Only the outer shell.
[ 51 ] Das ist die antisophische Stimmung, die nicht durchdringen kann, anzuerkennen, dass der Mensch einen inneren Daseinsquell hat, und die nicht an diesen Quell wissenschaftlich herankommen kann. Goethe stellt dem seine theosophische Stimmung entgegen. Nicht, dass er von theosophischer oder antisophischer Stimmung spricht. Aber er sagt gerade mit Hinblick auf das Wort Hallers:
[ 51 ] This is the antisophic mindset, which is incapable of acknowledging that human beings have an inner source of existence, and which cannot approach this source scientifically. Goethe contrasts this with his theosophic mindset. Not that he speaks of a theosophic or antisophic mindset. But, referring specifically to Haller’s words, he says:
Das hör ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen;
Sage mir tausend, tausend Male:
Alles gibt sie reichlich und gern,
Natur hat weder Kern
noch Schale,
Alles ist sie mit Einem Male;
Dich prüfe du nur allermeist
Ob du Kern oder Schale seist.
I’ve heard that repeated for sixty years,
I curse it, but secretly;
Tell me a thousand, a thousand times:
She gives everything abundantly and gladly,
Nature has neither core
nor shell,
She is everything at once;
You, above all, must examine yourself
To see whether you are core or shell.
[ 52 ] Der Mensch kann die antisophische Stimmung in sich entwickeln. Er kann zu der Seelenverfassung kommen, zu sagen: Ich will an den Kern kommen, an das, was meine Realität verbürgt, wenn ich nur in meiner Schale bin. Was zugrunde liegt dem, was mir das Leben verbirgt, sein Kern, das bleibe verborgen. Das liegt in dem Satze:
[ 52 ] A person can develop an antisophic disposition within themselves. They can reach a state of mind in which they say: “I want to get to the core, to that which guarantees my reality, even when I am merely within my shell. Whatever lies at the root of what life conceals from me—its core—let that remain hidden.” This is expressed in the sentence:
Ins Innre der Natur
Dringt kein erschaffner Geist.
Glückselig, wem sie nur
Die äußre Schale weist.
Into the heart of nature
No creative spirit penetrates.
Blessed is he to whom she shows
Only the outer shell.
[ 53 ] Der Theosoph sagt: Der Mensch ist im Inneren seines Wesens das, was sein Geistig-Seelisches ist. Das GeistigSeelische triumphiert über den Leib, [es ist das], was im Tod den Leib überwindet und durch den Tod in die geistige Welt geht, um durch den Tod die geistige Welt zu erleben und zur weiteren Entwicklung durch eine neue Geburt wieder in den Leib zurückzukommen! Der Mensch kann in seinem Kern leben, und wenn er in seinem Kern lebt und nur diesen erlebt, dann erlebt er das Geistig-Seelische, das durch die Welt webt und wogt. Wie wir uns durch unseren Leib als Instrumente und Kräfte in der ganzen physischen Welt drinnen befinden, so befinden wir uns, indem wir das Innerste unserer Seele erleben, im Geistig-Seelischen der Welt drinnen, im Kern. Und wenn auch nicht jeder ein Geistesforscher werden kann, so ist doch die Seele des Menschen auf Wahrheitserkenntnis veranlagt. Wenige Menschen nur brauchen Geistesforscher zu werden. Aber auch wer nicht selbst Geistesforscher ist, bei dem ist das gewöhnliche Menschendenken, wenn er nur sich selbst prüft, in der Lage, alles zu verstehen, was der Geistesforscher sagt, wenn der Mensch das anwendet, was über die Seelenentwicklung angedeutet worden ist.
[ 53 ] The Theosophist says: At the core of his being, man is what constitutes his spiritual-soul aspect. The spiritual-psychic aspect triumphs over the body; [it is that] which overcomes the body in death and passes through death into the spiritual world, in order to experience the spiritual world through death and to return to the body through a new birth for further development! Human beings can live in their innermost core, and when they live in their innermost core and experience only that, then they experience the spiritual-psychic realm that weaves and surges through the world. Just as we find ourselves within the entire physical world through our bodies as instruments and forces, so too, by experiencing the innermost core of our soul, do we find ourselves within the spiritual-psychic realm of the world—at its core. And even if not everyone can become a spiritual researcher, the human soul is nonetheless predisposed to the recognition of truth. Only a few people need to become spiritual researchers. But even those who are not spiritual researchers themselves—if they simply examine themselves—are capable, through ordinary human thinking, of understanding everything the spiritual researcher says, provided they apply what has been indicated regarding the development of the soul.
[ 54 ] Der Geistesforscher ist nicht darauf angewiesen, nur vor Geistesforschern zu sprechen. Er weiß, dass er vor dem innersten Kern, der in jeder Seele ist, spricht. Und wenn nicht äußere Vorurteile diese Seele abhalten, kann auch jede Seele nachklingend die Wahrheit empfinden von dem, was der Geistesforscher sagt. Diese theosophische Stimmung wird sich immer mehr in das Leben hineinstellen, wird immer mehr die Ziele des geistigen Lebens ergreifen gerade dann, wenn die Menschen zu immer glorreicherem und fruchtbarerem geistigen Leben kommen. Dann wird die menschliche Seele sich gegen die antisophische Stimmung in ihren stillen Stunden wehren, in den Augenblicken, wo sie fühlt, wo sie gewahr wird, wie sie zusammenhängt mit dem Kern alles Daseins. Dann wird die Seele versuchen, eine solche theosophische Stimmung zu erwecken, die sich ausspricht darin, dass man immer mehr gegenüber aller antisophischen Stimmung sagt:
[ 54 ] The spiritual researcher is not limited to speaking only to other spiritual researchers. He knows that he is speaking to the innermost core that resides in every soul. And if external prejudices do not hold that soul back, every soul can also deeply feel the truth of what the spiritual researcher says. This theosophical mood will increasingly take root in life and will increasingly embrace the goals of spiritual life, precisely as people attain an ever more glorious and fruitful spiritual life. Then the human soul will resist the anti-theosophical mood in its quiet hours, in those moments when it feels and becomes aware of its connection to the core of all existence. Then the soul will seek to awaken such a theosophical mood, which expresses itself in saying, more and more in the face of all anti-theosophical sentiment:
Natur hat weder Kern
noch Schale,
Alles ist sie mit Einem Male;
— Nichts ist drinnen, nichts ist draußen.
Denn was innen, das ist außen. —
Dich prüfe du nur allermeist
Ob du Kern oder Schale seist.
Nature has neither core
nor shell;
It is all at once;
— Nothing is inside, nothing is outside.
For what is inside is outside. —
Examine yourself above all else
To see whether you are core or shell.
