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The Human Soul, Fate and Death
GA 70a

16 February 1915, Stuttgart

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Menschenseele, Schicksal und Tod
  1. The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL

4. Was ist am Menschenwesen Unsterblich?

4. Was ist am Menschenwesen Unsterblich?

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist ja zweifellos für den Menschen zu jeder Zeit bedeutsam, sich Betrachtungen, die nötig sind, hinzugeben über die große Frage der seelischen Wesenheit und des menschlichen Schicksals. Und im Grunde genommen sind es diese Fragen, welche auch der Betrachtung des heutigen Abends zugrunde liegen sollen. Ganz besonders aber scheint es nahezuliegen dem menschlichen Herzen in unserer schicksalsschweren Zeit, wo der Tod, wo das Schicksal selbst so gewaltig und tragisch über die Welt hinschreiten, hinzuneigen die Empfindungen, hinzuneigen die Vorstellungen und Betrachtungen zu diesem ins Menschenseelenleben so einschneidenden Rätsel.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist ja zweifellos für den Menschen zu jeder Zeit bedeutsam, sich Betrachtungen, die nötig sind, hinzugeben über die große Frage der seelischen Wesenheit und des menschlichen Schicksals. Und im Grunde genommen sind es diese Fragen, welche auch der Betrachtung des heutigen Abends zugrunde liegen sollen. Ganz besonders aber scheint es nahezuliegen dem menschlichen Herzen in unserer schicksalsschweren Zeit, wo der Tod, wo das Schicksal selbst so gewaltig und tragisch über die Welt hinschreiten, hinzuneigen die Empfindungen, hinzuneigen die Vorstellungen und Betrachtungen zu diesem ins Menschenseelenleben so einschneidenden Rätsel.

[ 2 ] Nun ist ja öfter, wenn ich hier solche Betrachtungen aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft anstellen durfte, darauf hingewiesen worden, dass Art und Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft gar sehr noch widerstreben demjenigen, was in unserer Zeit durch Jahrhunderte alte Gewohnheit des Denkens und des Fühlens anerkannt, für möglich gehalten wird. An dem, was heute die äußere Wissenschaft ist, und insbesondere an demjenigen, was sich wie eine Art von Glaubensbekenntnis in den weitesten Kreisen aus dieser Wissenschaft herausentwickelt hat, an alledem hat Geisteswissenschaft heute noch keine Stütze. Denn alle Denkgewohnheiten, alle [Forschungsusancen], die sich auf die angedeutete Art entwickelt haben, scheinen — ich sage ausdrücklich, scheinen — demjenigen direkt zu widerstreben, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, über die großen Rätsel des Menschendaseins.

[ 2 ] Nun ist ja öfter, wenn ich hier solche Betrachtungen aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft anstellen durfte, darauf hingewiesen worden, dass Art und Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft gar sehr noch widerstreben demjenigen, was in unserer Zeit durch Jahrhunderte alte Gewohnheit des Denkens und des Fühlens anerkannt, für möglich gehalten wird. An dem, was heute die äußere Wissenschaft ist, und insbesondere an demjenigen, was sich wie eine Art von Glaubensbekenntnis in den weitesten Kreisen aus dieser Wissenschaft herausentwickelt hat, an alledem hat Geisteswissenschaft heute noch keine Stütze. Denn alle Denkgewohnheiten, alle [Forschungsusancen], die sich auf die angedeutete Art entwickelt haben, scheinen — ich sage ausdrücklich, scheinen — demjenigen direkt zu widerstreben, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, über die großen Rätsel des Menschendaseins.

[ 3 ] Allein, auch das ist ja hier öfter erwähnt worden, verhältnismäßig, sehr verehrte Anwesende, verhältnismäßig wird der Umschwung, der sich zu vollziehen hat im menschlichen Denken von der gegenwärtigen Anschauungsweise zu derjenigen der Geisteswissenschaft nicht größer sein — verhältnismäßig —, als derjenige, der sich vollziehen musste, als die Morgenröte der naturwissenschaftlichen Denkungsart heraufkam; als gewissermaßen alle Begriffe, alle Ideen und Vorstellungen, die man über den Weltenbau und Weltenzusammenhang und Menschen-Seelenwesen und Menschen-Schicksalsweben hatte, als alle diese Vorstellungen der Umgestaltung unterworfen worden sind. Wie es damals ganz gewiss vielen Menschen geschienen hat, wie der feste Boden des Vorstellungslebens, auf dem sie standen, erschüttert werde, so mag es gegenüber den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen auch in unserer gegenwärtigen Zeit vielen sein. Aber die Menschenseele ist wandelbar, die Menschenseele ist für den Fortschritt geboren. Und gleich wie sich die naturwissenschaftliche Anschauungsweise in die Menschheitsentwicklung einverwoben hat, wird sich ihr einverweben die geisteswissenschaftliche Weltanschauung.

[ 3 ] Allein, auch das ist ja hier öfter erwähnt worden, verhältnismäßig, sehr verehrte Anwesende, verhältnismäßig wird der Umschwung, der sich zu vollziehen hat im menschlichen Denken von der gegenwärtigen Anschauungsweise zu derjenigen der Geisteswissenschaft nicht größer sein — verhältnismäßig —, als derjenige, der sich vollziehen musste, als die Morgenröte der naturwissenschaftlichen Denkungsart heraufkam; als gewissermaßen alle Begriffe, alle Ideen und Vorstellungen, die man über den Weltenbau und Weltenzusammenhang und Menschen-Seelenwesen und Menschen-Schicksalsweben hatte, als alle diese Vorstellungen der Umgestaltung unterworfen worden sind. Wie es damals ganz gewiss vielen Menschen geschienen hat, wie der feste Boden des Vorstellungslebens, auf dem sie standen, erschüttert werde, so mag es gegenüber den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen auch in unserer gegenwärtigen Zeit vielen sein. Aber die Menschenseele ist wandelbar, die Menschenseele ist für den Fortschritt geboren. Und gleich wie sich die naturwissenschaftliche Anschauungsweise in die Menschheitsentwicklung einverwoben hat, wird sich ihr einverweben die geisteswissenschaftliche Weltanschauung.

[ 4 ] Nun muss man allerdings sagen: Gerade wenn die Frage in Betracht kommt: Was ist am Menschenwesen unsterblich? —, dann widerstreben die Denkgewohnheiten der Gegenwart in der allermannigfaltigsten Weise der Anerkennung jener Wahrheiten, welche Geisteswissenschaft von ihren Grundlagen aus zu geben hat. Vor allen Dingen — wir werden es im Verlauf des heutigen Vortrages noch erhärtet finden —, vor allen Dingen ist schon der ganze Charakter jener Wahrheiten, die sich auf das unsterbliche Menschenwesen beziehen, ein ganz anderer, als es der Charakter jener Wahrheiten ist, die sich auf die äußeren, sinnlichen Dinge und auf die naturwissenschaftliche Zusammenfassung dieser Sinnendinge beziehen. Der Mensch ist so sehr gewohnt worden, Realität, Wirklichkeit demjenigen zuzuschreiben, von dem er sagen kann: Es hat sich mir durch etwas, was außerhalb meines Seelenlebens liegt, die Sache bewahrheitet. So aber können die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nicht auftreten. Unmöglich ist es, dass sie sich berufen, so wie die naturwissenschaftlichen Wahrheiten, auf etwas, das die Bewahrheitung von außen abgibt und dem wir uns nur hinzugeben haben, sodass man sagen kann: Die Sache ist wahr, weil sie uns so und so in der Beobachtung, unabhängig von unserem Seelenleben, entgegentritt. Dasjenige, was als Wahrheiten der Geisteswissenschaft auftritt, insbesondere auch als Wahrheiten über die unsterbliche Menschenseele, das muss innerlich ergriffen werden. Und für dieses Ergreifen gibt es keine äußeren Anhaltspunkte, gibt es kein Sich-Berufen auf irgendetwas, was unabhängig von der Menschenseele sich bewahrheitet.

[ 4 ] Nun muss man allerdings sagen: Gerade wenn die Frage in Betracht kommt: Was ist am Menschenwesen unsterblich? —, dann widerstreben die Denkgewohnheiten der Gegenwart in der allermannigfaltigsten Weise der Anerkennung jener Wahrheiten, welche Geisteswissenschaft von ihren Grundlagen aus zu geben hat. Vor allen Dingen — wir werden es im Verlauf des heutigen Vortrages noch erhärtet finden —, vor allen Dingen ist schon der ganze Charakter jener Wahrheiten, die sich auf das unsterbliche Menschenwesen beziehen, ein ganz anderer, als es der Charakter jener Wahrheiten ist, die sich auf die äußeren, sinnlichen Dinge und auf die naturwissenschaftliche Zusammenfassung dieser Sinnendinge beziehen. Der Mensch ist so sehr gewohnt worden, Realität, Wirklichkeit demjenigen zuzuschreiben, von dem er sagen kann: Es hat sich mir durch etwas, was außerhalb meines Seelenlebens liegt, die Sache bewahrheitet. So aber können die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nicht auftreten. Unmöglich ist es, dass sie sich berufen, so wie die naturwissenschaftlichen Wahrheiten, auf etwas, das die Bewahrheitung von außen abgibt und dem wir uns nur hinzugeben haben, sodass man sagen kann: Die Sache ist wahr, weil sie uns so und so in der Beobachtung, unabhängig von unserem Seelenleben, entgegentritt. Dasjenige, was als Wahrheiten der Geisteswissenschaft auftritt, insbesondere auch als Wahrheiten über die unsterbliche Menschenseele, das muss innerlich ergriffen werden. Und für dieses Ergreifen gibt es keine äußeren Anhaltspunkte, gibt es kein Sich-Berufen auf irgendetwas, was unabhängig von der Menschenseele sich bewahrheitet.

[ 5 ] Daher muss die Geisteswissenschaft, wie schon gestern ausgesprochen worden ist, ohne allen Hochmut sagen: Sie muss eine Art tapfere Wissenschaft sein; eine Wissenschaft, welche es mutig wagt, die Impulse der Wahrheit nicht durch Anschauung, sondern durch innerliches Erleben zu erfahren. Daher kann Geisteswissenschaft sich nicht passiv der Weltbetrachtung hingeben, sondern muss entstehen, indem die Seele in sich verborgene Kräfte aktiv entwickelt, indem sie dasjenige, was in ihren Tiefen unten verborgen ist, heraufholt, dasjenige, was die Kraft der Wahrheit in sich selber schließt. Das ist einer der Gründe, warum die geisteswissenschaftliche Wahrheit so sehr den gegenwärtigen Denkgewohnheiten entgegensteht.

[ 5 ] Daher muss die Geisteswissenschaft, wie schon gestern ausgesprochen worden ist, ohne allen Hochmut sagen: Sie muss eine Art tapfere Wissenschaft sein; eine Wissenschaft, welche es mutig wagt, die Impulse der Wahrheit nicht durch Anschauung, sondern durch innerliches Erleben zu erfahren. Daher kann Geisteswissenschaft sich nicht passiv der Weltbetrachtung hingeben, sondern muss entstehen, indem die Seele in sich verborgene Kräfte aktiv entwickelt, indem sie dasjenige, was in ihren Tiefen unten verborgen ist, heraufholt, dasjenige, was die Kraft der Wahrheit in sich selber schließt. Das ist einer der Gründe, warum die geisteswissenschaftliche Wahrheit so sehr den gegenwärtigen Denkgewohnheiten entgegensteht.

[ 6 ] Der andere, sehr verehrte Anwesende, liegt noch näher gerade der Betrachtung, die heute angestellt werden soll. Wir werden sehen, dass Geisteswissenschaft als unsterblich in der Menschenseele etwas aufweist, was in gewissem Sinne so grundverschieden sich darlegt von alledem, was uns die Sinne übermitteln, von alledem, was wir im Alltag denken, fühlen und wollen, so grundverschieden ist von alledem, dass der Mensch in diesem alltäglichen Leben gerade an dem, was in ihm ewig und unsterblich ist, achtlos eigentlich vorübergeht. Und er geht umso achtloser vorüber aus dem Grunde, weil er geneigt ist, Wirklichkeit, Realität gerade dem nicht zuzuschreiben was ihm so entgegentritt wie das Wesen in seinem eigenen Inneren, das den Weg findet durch die Ewigkeiten und durch Geburten und Tode. Es ist gewissermaßen etwas so Leichtes und Flüchtiges für das Alltagsleben, was in uns unsterblich ist, dass wir gar nicht leicht geneigt sind, diesem Leichten und Flüchtigen gerade die intensivste Realität des Lebens zuzuschreiben.

[ 6 ] Der andere, sehr verehrte Anwesende, liegt noch näher gerade der Betrachtung, die heute angestellt werden soll. Wir werden sehen, dass Geisteswissenschaft als unsterblich in der Menschenseele etwas aufweist, was in gewissem Sinne so grundverschieden sich darlegt von alledem, was uns die Sinne übermitteln, von alledem, was wir im Alltag denken, fühlen und wollen, so grundverschieden ist von alledem, dass der Mensch in diesem alltäglichen Leben gerade an dem, was in ihm ewig und unsterblich ist, achtlos eigentlich vorübergeht. Und er geht umso achtloser vorüber aus dem Grunde, weil er geneigt ist, Wirklichkeit, Realität gerade dem nicht zuzuschreiben was ihm so entgegentritt wie das Wesen in seinem eigenen Inneren, das den Weg findet durch die Ewigkeiten und durch Geburten und Tode. Es ist gewissermaßen etwas so Leichtes und Flüchtiges für das Alltagsleben, was in uns unsterblich ist, dass wir gar nicht leicht geneigt sind, diesem Leichten und Flüchtigen gerade die intensivste Realität des Lebens zuzuschreiben.

[ 7 ] Wie dieses Unsterbliche in der Menschenseele gefunden wird, ich habe hier schon öfter davon gesprochen, doch muss immer wieder und wiederum von anderen Gesichtspunkten aus über dieses Suchen nach dem Unsterblichen des Menschenwesens gesprochen werden, aus dem einfachen Grunde, weil die geisteswissenschaftlichen Untersuchungen komplizierter und mannigfaltiger Art sind. Und erst dann, wenn sie charakterisiert werden von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus, ist es möglich, eine wahrhaftige Vorstellung von ihnen zu gewinnen.

[ 7 ] Wie dieses Unsterbliche in der Menschenseele gefunden wird, ich habe hier schon öfter davon gesprochen, doch muss immer wieder und wiederum von anderen Gesichtspunkten aus über dieses Suchen nach dem Unsterblichen des Menschenwesens gesprochen werden, aus dem einfachen Grunde, weil die geisteswissenschaftlichen Untersuchungen komplizierter und mannigfaltiger Art sind. Und erst dann, wenn sie charakterisiert werden von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus, ist es möglich, eine wahrhaftige Vorstellung von ihnen zu gewinnen.

[ 8 ] Wenn man nun sagt, dasjenige, was am Menschenwesen unsterblich ist, es müsse erfasst werden durch die Entfaltung solcher seelischer Kräfte, die zunächst verborgen im tiefsten Innern des Menschen sind, und die hervorgeholt werden müssen im inneren seelischen [Erleben], wenn man dies sagt, so hat zunächst der Mensch der Gegenwart den Glauben, dass damit im Grunde genommen eigentlich nur etwas Subjektives, etwas, was persönlichen Wert habe, erreicht werden könne.

[ 8 ] Wenn man nun sagt, dasjenige, was am Menschenwesen unsterblich ist, es müsse erfasst werden durch die Entfaltung solcher seelischer Kräfte, die zunächst verborgen im tiefsten Innern des Menschen sind, und die hervorgeholt werden müssen im inneren seelischen [Erleben], wenn man dies sagt, so hat zunächst der Mensch der Gegenwart den Glauben, dass damit im Grunde genommen eigentlich nur etwas Subjektives, etwas, was persönlichen Wert habe, erreicht werden könne.

[ 9 ] Der Anfang der geistigen Forschung, der ist in der Tat etwas Subjektives, er ist ein innerliches Erleben und innerliches Entwickeln sonst in der Seele verborgener Kräfte. Er ist ein Überwinden, ein Innerliches, ein Empor-sich-Arbeiten aus Finsternis ins Licht, das also von den verschiedenen Seelen der Menschen in der verschiedensten Weise durchlebt werden muss; das gewiss subjektiv zunächst ist. Aber nur, weil die meisten Menschen nicht die Geduld haben, hinreichend weit mitzugehen mit dem Geistesforscher, kann dieser Glaube bestehen. Denn ist auch aller Anfang der geistigen Forschung in das Subjektive getaucht, sodass er sich herausentwickelt aus dem persönlichsten Persönlichen, so wird gerade durch die innere Überwindung, durch das innere Ringen, die Seele getrieben, sodass sie im Innern das Innere selbst überwindet. Und indem sie innerlich ein Objektives — in ihr liegend — herausarbeitet, kann sie den Eintritt halten in eine neue Welt, die ihr daneben so aufgeht, wie wenn ungefähr in unserer Körperlichkeit ein neuer Sinn uns erwachen würde, uns ein ganz neues Gebiet auch der äußeren Sinnenwelt aufgehen müsste. Der Drang aber aus dem Subjektiven ins Objektive des geistigen Ringens, des geistigen Forschens, dieser Drang ist ein intimer; er ist ein solcher, welcher notwendig macht, dass der Mensch in seinem Innern sich seelische Gewohnheiten aneignet, die eigentlich im alltäglichen Leben sonst nicht vorkommen. Ich habe auch jene innere Betätigung der Seele schon hervorgehoben, welche diese Seele so umformt und umwandelt, dass sie ihren Einzug halten kann in die geistigen Welten, die uns immer umgeben und die nur der nicht vorbereiteten Seele verborgen bleiben.

[ 9 ] Der Anfang der geistigen Forschung, der ist in der Tat etwas Subjektives, er ist ein innerliches Erleben und innerliches Entwickeln sonst in der Seele verborgener Kräfte. Er ist ein Überwinden, ein Innerliches, ein Empor-sich-Arbeiten aus Finsternis ins Licht, das also von den verschiedenen Seelen der Menschen in der verschiedensten Weise durchlebt werden muss; das gewiss subjektiv zunächst ist. Aber nur, weil die meisten Menschen nicht die Geduld haben, hinreichend weit mitzugehen mit dem Geistesforscher, kann dieser Glaube bestehen. Denn ist auch aller Anfang der geistigen Forschung in das Subjektive getaucht, sodass er sich herausentwickelt aus dem persönlichsten Persönlichen, so wird gerade durch die innere Überwindung, durch das innere Ringen, die Seele getrieben, sodass sie im Innern das Innere selbst überwindet. Und indem sie innerlich ein Objektives — in ihr liegend — herausarbeitet, kann sie den Eintritt halten in eine neue Welt, die ihr daneben so aufgeht, wie wenn ungefähr in unserer Körperlichkeit ein neuer Sinn uns erwachen würde, uns ein ganz neues Gebiet auch der äußeren Sinnenwelt aufgehen müsste. Der Drang aber aus dem Subjektiven ins Objektive des geistigen Ringens, des geistigen Forschens, dieser Drang ist ein intimer; er ist ein solcher, welcher notwendig macht, dass der Mensch in seinem Innern sich seelische Gewohnheiten aneignet, die eigentlich im alltäglichen Leben sonst nicht vorkommen. Ich habe auch jene innere Betätigung der Seele schon hervorgehoben, welche diese Seele so umformt und umwandelt, dass sie ihren Einzug halten kann in die geistigen Welten, die uns immer umgeben und die nur der nicht vorbereiteten Seele verborgen bleiben.

[ 10 ] Das Erste, was die Seele üben muss, um ihr eigenes Wesen wirklich, und zwar wissenschaftlich, nicht bloß gläubig kennenzulernen, ist das, was man nennen kann technisch scharfe Gedankenkonzentration, solche Gedankenkonzentration, welche nicht bloß an die innere Kraft des Denkens appelliert, sondern welche an die Aufwendung innerer Willenskraft im Denken und Vorstellen appelliert. Diejenigen Gedanken, die uns dadurch werden, dass die äußere Welt auf uns Eindruck macht, und die sich dadurch in uns befestigen, dass sie durch die Sinne in uns eindringen, dass sie einen sinnlichen Prozess in unserem Leibe erregen und dass dieser sinnliche Prozess uns in unserem Inneren erfüllt, die Realität verbürgt, diese Gedanken, die durch die Wirkungen der äußeren Sinnenwelt innerhalb unseres eigenen Leibes als Realität getragen werden, sodass wir an ihre Realität glauben, diese Gedanken, sie können uns nicht helfen, wenn wir das unsterbliche Wesen der Menschenseele suchen.

[ 10 ] Das Erste, was die Seele üben muss, um ihr eigenes Wesen wirklich, und zwar wissenschaftlich, nicht bloß gläubig kennenzulernen, ist das, was man nennen kann technisch scharfe Gedankenkonzentration, solche Gedankenkonzentration, welche nicht bloß an die innere Kraft des Denkens appelliert, sondern welche an die Aufwendung innerer Willenskraft im Denken und Vorstellen appelliert. Diejenigen Gedanken, die uns dadurch werden, dass die äußere Welt auf uns Eindruck macht, und die sich dadurch in uns befestigen, dass sie durch die Sinne in uns eindringen, dass sie einen sinnlichen Prozess in unserem Leibe erregen und dass dieser sinnliche Prozess uns in unserem Inneren erfüllt, die Realität verbürgt, diese Gedanken, die durch die Wirkungen der äußeren Sinnenwelt innerhalb unseres eigenen Leibes als Realität getragen werden, sodass wir an ihre Realität glauben, diese Gedanken, sie können uns nicht helfen, wenn wir das unsterbliche Wesen der Menschenseele suchen.

[ 11 ] Das müssen andere Gedanken sein, Gedanken, die im Grunde genommen recht ähnlich sind, äußerlich wenigstens ähnlich sind solchen Geistgebilden, solchem inneren Erleben, Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, welche einem ganz besonderen inneren Schicksal nur allzu leicht erliegen, dem Schicksal, dass sie ebenso schnell wie Träume kommen und wiederum vergehen, welche dem Schicksal des Vergessenwerdens leicht erliegen. Wir kennen ja dieses Schicksal des Vergessenwerdens an einem allgemeinen menschlichen Erlebnis, an dem Erlebnis des Traumes. Wir wissen, dasjenige, was als Traumerlebnis durch unsere Seele huscht, das wird rasch vergessen. Warum? Weil der Traum in einer viel weniger intensiven Weise unsere ganze Leiblichkeit ergreift, und dadurch innerhalb dieser Leiblichkeit viel weniger die Bedingungen schafft, durch die wir innerlich erfühlen, erfühlen eben in der Verkörperung der Gedanken die Realität und dann auch bleibend erhalten die Realität. Es geht gewissermaßen das Gedankenerlebnis nicht so in das körperliche über und huscht deshalb vorbei.

[ 11 ] Das müssen andere Gedanken sein, Gedanken, die im Grunde genommen recht ähnlich sind, äußerlich wenigstens ähnlich sind solchen Geistgebilden, solchem inneren Erleben, Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, welche einem ganz besonderen inneren Schicksal nur allzu leicht erliegen, dem Schicksal, dass sie ebenso schnell wie Träume kommen und wiederum vergehen, welche dem Schicksal des Vergessenwerdens leicht erliegen. Wir kennen ja dieses Schicksal des Vergessenwerdens an einem allgemeinen menschlichen Erlebnis, an dem Erlebnis des Traumes. Wir wissen, dasjenige, was als Traumerlebnis durch unsere Seele huscht, das wird rasch vergessen. Warum? Weil der Traum in einer viel weniger intensiven Weise unsere ganze Leiblichkeit ergreift, und dadurch innerhalb dieser Leiblichkeit viel weniger die Bedingungen schafft, durch die wir innerlich erfühlen, erfühlen eben in der Verkörperung der Gedanken die Realität und dann auch bleibend erhalten die Realität. Es geht gewissermaßen das Gedankenerlebnis nicht so in das körperliche über und huscht deshalb vorbei.

[ 12 ] Ähnlich ist es auch mit Gedanken, die wir uns gewissermaßen als frei von uns selbst gebildete Gedanken durch die Seele zichen lassen. Wir betrachten sie ja oft und nennen sie ja oft Träumerei, sie werden rasch vergessen, sie entschwinden rasch wieder dahin. Und dennoch, je weiter man es bringt, je gründlicher man sich darin schult, dass man gerade diejenigen Kräfte in sich entfaltet, die gebildete Gedankenerlebnisse in der Seele erhalten [können], wie sonst nur auf äußere Sinneseindrücke gestützte Erscheinungen erhalten werden, je [weiter] man es in diesem Entfalten sich im Inneren der Seele bleibenden seelischen Wirkens bringt, desto besser schult man sich für die Geistesforschung. Darauf beruht das, was man im wirklich geistig forschenden Sinne die Gedankenkonzentration nennt.

[ 12 ] Ähnlich ist es auch mit Gedanken, die wir uns gewissermaßen als frei von uns selbst gebildete Gedanken durch die Seele zichen lassen. Wir betrachten sie ja oft und nennen sie ja oft Träumerei, sie werden rasch vergessen, sie entschwinden rasch wieder dahin. Und dennoch, je weiter man es bringt, je gründlicher man sich darin schult, dass man gerade diejenigen Kräfte in sich entfaltet, die gebildete Gedankenerlebnisse in der Seele erhalten [können], wie sonst nur auf äußere Sinneseindrücke gestützte Erscheinungen erhalten werden, je [weiter] man es in diesem Entfalten sich im Inneren der Seele bleibenden seelischen Wirkens bringt, desto besser schult man sich für die Geistesforschung. Darauf beruht das, was man im wirklich geistig forschenden Sinne die Gedankenkonzentration nennt.

[ 13 ] Am wenigsten taugt für diese Gedankenkonzentration die Hingabe an solche Gedanken, die Abbilder der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit sind. Sinnbilder, die wir uns bilden, die nichts unmittelbar abbilden, sondern die wir frei im Geiste bilden, und denen wir uns dann hingeben, die taugen am allermeisten. Ich habe solche [für die Meditation tauglichen inneren Seelenverrichtungen] in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», [beispielsweise] beschrieben. Wenn man solche Gedankengebilde, die frei geistig erzeugt sind, festhalten will, so muss man einen stärkeren, einen kraftvolleren inneren Willen anwenden, um sie festzuhalten, als man sonst gewöhnlich im äußeren Leben hat.

[ 13 ] Am wenigsten taugt für diese Gedankenkonzentration die Hingabe an solche Gedanken, die Abbilder der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit sind. Sinnbilder, die wir uns bilden, die nichts unmittelbar abbilden, sondern die wir frei im Geiste bilden, und denen wir uns dann hingeben, die taugen am allermeisten. Ich habe solche [für die Meditation tauglichen inneren Seelenverrichtungen] in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», [beispielsweise] beschrieben. Wenn man solche Gedankengebilde, die frei geistig erzeugt sind, festhalten will, so muss man einen stärkeren, einen kraftvolleren inneren Willen anwenden, um sie festzuhalten, als man sonst gewöhnlich im äußeren Leben hat.

[ 14 ] Im Äußeren haben wir gerade dadurch eine feste Stütze im Seelenerleben, dass die Gedanken einen wirklichen materiellen Prozess hervorrufen, Eindruck machen, [wirkliche Veränderungen im Leibe hervorrufen]. Auf diese Veränderungen gestützt ist gleichsam das Erlebnis so grob, dass wir wenig Willen aufzubringen brauchen, wenig innerlichen Seelenwillen aufzubringen brauchen, um solche Gedanken festzuhalten. Zu Gedanken aber, die wir frei bilden, zu denen uns nichts zwingt, die wir unter dem Gesichtspunkt feststellen, dass wir uns ihnen einfach hingeben, um unsere innere Seelenkraft zu stärken, zum Festhalten solcher Gedankengebilde oder Empfindungen oder auch Willensimpulse gehört eine starke Anspannung der inneren Kraft der Seele, gehört ein weit stärkerer Wille als zum alltäglichen Denken. Aber gerade darauf beruht jene Geistesschulung, die notwendig ist zur [Erforschung der geistigen Welten,] dass gleichsam losgelöst werden innere Stärke, innere Energie, die sonst unverwendet bleiben im alltäglichen Denken.

[ 14 ] Im Äußeren haben wir gerade dadurch eine feste Stütze im Seelenerleben, dass die Gedanken einen wirklichen materiellen Prozess hervorrufen, Eindruck machen, [wirkliche Veränderungen im Leibe hervorrufen]. Auf diese Veränderungen gestützt ist gleichsam das Erlebnis so grob, dass wir wenig Willen aufzubringen brauchen, wenig innerlichen Seelenwillen aufzubringen brauchen, um solche Gedanken festzuhalten. Zu Gedanken aber, die wir frei bilden, zu denen uns nichts zwingt, die wir unter dem Gesichtspunkt feststellen, dass wir uns ihnen einfach hingeben, um unsere innere Seelenkraft zu stärken, zum Festhalten solcher Gedankengebilde oder Empfindungen oder auch Willensimpulse gehört eine starke Anspannung der inneren Kraft der Seele, gehört ein weit stärkerer Wille als zum alltäglichen Denken. Aber gerade darauf beruht jene Geistesschulung, die notwendig ist zur [Erforschung der geistigen Welten,] dass gleichsam losgelöst werden innere Stärke, innere Energie, die sonst unverwendet bleiben im alltäglichen Denken.

[ 15 ] Daher ist es auch, dass Menschen, welche die erwähnte Stütze für ihr Denken brauchen, in diesem konzentrierten Denken allzu bald erlahmen, allzu bald in einen Zustand verfallen, der dem Einschlafen nicht unähnlich ist. Aber nur dadurch, dass die inneren, bloß sich auf die innere Bewegung der Gedanken beziehenden Willenskräfte angespannt werden, erlangen wir jene stärkeren Kräfte, die wir brauchen in der Seele, um nicht nur das Vergängliche, sondern das Unvergängliche, das Unsterbliche der Menschenseele zu erfassen.

[ 15 ] Daher ist es auch, dass Menschen, welche die erwähnte Stütze für ihr Denken brauchen, in diesem konzentrierten Denken allzu bald erlahmen, allzu bald in einen Zustand verfallen, der dem Einschlafen nicht unähnlich ist. Aber nur dadurch, dass die inneren, bloß sich auf die innere Bewegung der Gedanken beziehenden Willenskräfte angespannt werden, erlangen wir jene stärkeren Kräfte, die wir brauchen in der Seele, um nicht nur das Vergängliche, sondern das Unvergängliche, das Unsterbliche der Menschenseele zu erfassen.

[ 16 ] Und nun zeigt sich, wenn der Mensch also längere Zeit, man möchte sagen das mit dem Willen vermählte Denken und Empfinden in treulich innerer Schulung entfaltet, dass der Mensch dann in die Lage kommt, [ein] wirklich inneres Vorstellungserlebnis zu haben, dass er in diesem inneren Vorstellungserlebnis ganz aufgeht, dass alle seine Kräfte gesammelt werden in diesem Vorstellungserlebnis und sein übriges Scelenleben wie versinkt. Dazu muss es gebracht werden vonseiten des Geistesforschers, dass gewissermaßen die Welt nach allen Seiten abgelenkt [wird] und die Seele ganz eins wird mit etwas, was sie selber in den Mittelpunkt des Seelenlebens in gesündester Weise, [wie ich ausdrücklich betonen möchte], gestellt hat. Alle Willenskräfte müssen hin zu dem, was so in der Tiefe des Seelenlebens steht. Dann merkt der Mensch erst, was die Kraft des Gedankens ist und wie der Gedanke, wenn er frei walten soll im Menschenseelenleben durch starke Willenskräfte gestützt sein muss.

[ 16 ] Und nun zeigt sich, wenn der Mensch also längere Zeit, man möchte sagen das mit dem Willen vermählte Denken und Empfinden in treulich innerer Schulung entfaltet, dass der Mensch dann in die Lage kommt, [ein] wirklich inneres Vorstellungserlebnis zu haben, dass er in diesem inneren Vorstellungserlebnis ganz aufgeht, dass alle seine Kräfte gesammelt werden in diesem Vorstellungserlebnis und sein übriges Scelenleben wie versinkt. Dazu muss es gebracht werden vonseiten des Geistesforschers, dass gewissermaßen die Welt nach allen Seiten abgelenkt [wird] und die Seele ganz eins wird mit etwas, was sie selber in den Mittelpunkt des Seelenlebens in gesündester Weise, [wie ich ausdrücklich betonen möchte], gestellt hat. Alle Willenskräfte müssen hin zu dem, was so in der Tiefe des Seelenlebens steht. Dann merkt der Mensch erst, was die Kraft des Gedankens ist und wie der Gedanke, wenn er frei walten soll im Menschenseelenleben durch starke Willenskräfte gestützt sein muss.

[ 17 ] Und dann, [meine sehr verehrten Anwesenden], macht der Geistesforscher eine ganz bestimmte Erfahrung, eine Erfahrung die man wohl ins Auge fassen muss. Die Erfahrung kommt in einem ganz bestimmten Punkt. Jene Übung, die ich eben besprochen habe, sie muss lange Monate, jahrelang ausgeführt werden. Immer wieder und wiederum müssen wir darauf zurückkommen, also bloß durch die innere seelische Willenskraft bewirkte [Gedanken und Vorstellungen] in unserem Bewusstsein hervorzurufen. Und immer wieder und wiederum müssen wir dieses direkte Gedankenleben entwickeln. Dann machen wir nach einiger Zeit ganz aus diesem Erleben heraus eine bestimmte Erfahrung. Zunächst gelingt es dem Geistesforscher, gewissermaßen [immer heller und klarer], intensiver und intensiver das Denken zu konzentrieren, im Gedankenerlebnis darin zu sein. Und er merkt, das Gedankenerlebnis verstärkt sich, wird immer gewaltiger und gewaltiger. Ja, er erfühlt, wie sein ganzes Seinsbewusstsein im Zusammenschließen, im allgemeinen Zusammenschließen und Identisch-Werden mit dem konzentrierten Denken immer mehr erschüttert und erschüttert wird.

[ 17 ] Und dann, [meine sehr verehrten Anwesenden], macht der Geistesforscher eine ganz bestimmte Erfahrung, eine Erfahrung die man wohl ins Auge fassen muss. Die Erfahrung kommt in einem ganz bestimmten Punkt. Jene Übung, die ich eben besprochen habe, sie muss lange Monate, jahrelang ausgeführt werden. Immer wieder und wiederum müssen wir darauf zurückkommen, also bloß durch die innere seelische Willenskraft bewirkte [Gedanken und Vorstellungen] in unserem Bewusstsein hervorzurufen. Und immer wieder und wiederum müssen wir dieses direkte Gedankenleben entwickeln. Dann machen wir nach einiger Zeit ganz aus diesem Erleben heraus eine bestimmte Erfahrung. Zunächst gelingt es dem Geistesforscher, gewissermaßen [immer heller und klarer], intensiver und intensiver das Denken zu konzentrieren, im Gedankenerlebnis darin zu sein. Und er merkt, das Gedankenerlebnis verstärkt sich, wird immer gewaltiger und gewaltiger. Ja, er erfühlt, wie sein ganzes Seinsbewusstsein im Zusammenschließen, im allgemeinen Zusammenschließen und Identisch-Werden mit dem konzentrierten Denken immer mehr erschüttert und erschüttert wird.

[ 18 ] Dann aber kommt ein ganz bestimmter kritischer Punkt, der darin besteht, dass gerade dann, wenn wir angekommen sind in dem Erleben der Stärke des Gedankens, dieser Gedanke wie in sich selbst sich in unserer Seele zersplittert, wie in unserer Seele sich auflöst. Man möchte sagen, der kritische Punkt tritt ein, dass der Gedanke, wenn er zu seiner höchsten Energie getragen wird, sich verdunkelt, sich verfinstert, aufhört für uns gegenwärtig zu sein. Und wir, die wir gleichsam dem Denken nachgegangen sind, mit dem Denken uns identifiziert haben, wir fühlen, wie etwas, wie unser ganzes Sein mit dem Denken mitgeht. Und das ist ein bedeutsames, ein ungemein bedeutsames Erlebnis.

[ 18 ] Dann aber kommt ein ganz bestimmter kritischer Punkt, der darin besteht, dass gerade dann, wenn wir angekommen sind in dem Erleben der Stärke des Gedankens, dieser Gedanke wie in sich selbst sich in unserer Seele zersplittert, wie in unserer Seele sich auflöst. Man möchte sagen, der kritische Punkt tritt ein, dass der Gedanke, wenn er zu seiner höchsten Energie getragen wird, sich verdunkelt, sich verfinstert, aufhört für uns gegenwärtig zu sein. Und wir, die wir gleichsam dem Denken nachgegangen sind, mit dem Denken uns identifiziert haben, wir fühlen, wie etwas, wie unser ganzes Sein mit dem Denken mitgeht. Und das ist ein bedeutsames, ein ungemein bedeutsames Erlebnis.

[ 19 ] Wenn man es so ausspricht, könnte es einfach scheinen; es ist nicht einfach, das Erlebnis, das ich jetzt meine. Es ist ein Erlebnis, welches alle menschlichen Seelenkräfte durcheinanderrüttelt, welches alles, was man bis dahin erfühlt hat, was man sich bis dahin angeeignet hat als in diesem oder jenem Sinne wertvoll für die Seele, gewissermaßen infrage stellt. Und was sich insbesondere sträubt, bis zu diesem Erlebnis heranzurücken, was uns immer wieder und wiederum wie ein Hemmnis entgegensteht, stecken zu bleiben früher, nicht so weit zu gehen, dass dies Erlebnis herantritt, das uns gleichsam nicht heranlässt an dies letzte Erlebnis, das sind die mit den Tiefen der Seele verbundenen Kräfte des menschlichen Egoismus.

[ 19 ] Wenn man es so ausspricht, könnte es einfach scheinen; es ist nicht einfach, das Erlebnis, das ich jetzt meine. Es ist ein Erlebnis, welches alle menschlichen Seelenkräfte durcheinanderrüttelt, welches alles, was man bis dahin erfühlt hat, was man sich bis dahin angeeignet hat als in diesem oder jenem Sinne wertvoll für die Seele, gewissermaßen infrage stellt. Und was sich insbesondere sträubt, bis zu diesem Erlebnis heranzurücken, was uns immer wieder und wiederum wie ein Hemmnis entgegensteht, stecken zu bleiben früher, nicht so weit zu gehen, dass dies Erlebnis herantritt, das uns gleichsam nicht heranlässt an dies letzte Erlebnis, das sind die mit den Tiefen der Seele verbundenen Kräfte des menschlichen Egoismus.

[ 20 ] So ist das gemeint, sehr verehrte Anwesende, dass wir, wenn wir nicht alle Energien, alle inneren Willensenergien anspannen, einfach früher stecken bleiben, nicht dahin kommen, wo der Gedanke sich gleichsam zersplittert. Nicht im Bewusstsein vollziehen wir das, sondern ganz im unbewussten Wollen vollzieht es sich. Es lässt uns nicht hin, weil wir Furcht haben, eine innerliche, wieder nicht zum Bewusstsein kommende, dass uns nun etwas viel Schlimmeres passieren könnte als selbst der physische Tod.

[ 20 ] So ist das gemeint, sehr verehrte Anwesende, dass wir, wenn wir nicht alle Energien, alle inneren Willensenergien anspannen, einfach früher stecken bleiben, nicht dahin kommen, wo der Gedanke sich gleichsam zersplittert. Nicht im Bewusstsein vollziehen wir das, sondern ganz im unbewussten Wollen vollzieht es sich. Es lässt uns nicht hin, weil wir Furcht haben, eine innerliche, wieder nicht zum Bewusstsein kommende, dass uns nun etwas viel Schlimmeres passieren könnte als selbst der physische Tod.

[ 21 ] Wenn ich von dieser Furcht spreche, so ist dies natürlich eine Kleinigkeit, dass irgendjemand, der an materialistischen Vorstellungen festhalten will, sagt: Na ja, gegen den physischen Tod wird ja doch das Erlebnis so schlimm nicht sein. Aber es ist in der Tat ein Erlebnis, welches gar nicht in das gewöhnliche Bewusstsein hereintritt, welches aber ergreift als eine Kraft, als ein Impuls das Seelenleben, als ein solcher Impuls, der wie unbewusste Furcht wirkt: vor dem nicht nur Zerstörtwerden des Leibes, sondern vor dem Aufgehen, vor dem AusgegossenWerden des ganzen eigenen Seins in den Kosmos, in die ganze Umgebung. Man will nicht so sich hinausergießen. [Nicht bewusst hat man das in der Seele gefühlt, man will aber nicht heran an das Erlebnis.]

[ 21 ] Wenn ich von dieser Furcht spreche, so ist dies natürlich eine Kleinigkeit, dass irgendjemand, der an materialistischen Vorstellungen festhalten will, sagt: Na ja, gegen den physischen Tod wird ja doch das Erlebnis so schlimm nicht sein. Aber es ist in der Tat ein Erlebnis, welches gar nicht in das gewöhnliche Bewusstsein hereintritt, welches aber ergreift als eine Kraft, als ein Impuls das Seelenleben, als ein solcher Impuls, der wie unbewusste Furcht wirkt: vor dem nicht nur Zerstörtwerden des Leibes, sondern vor dem Aufgehen, vor dem AusgegossenWerden des ganzen eigenen Seins in den Kosmos, in die ganze Umgebung. Man will nicht so sich hinausergießen. [Nicht bewusst hat man das in der Seele gefühlt, man will aber nicht heran an das Erlebnis.]

[ 22 ] Überwindet man alle die unaussprechbaren, aber doch Furchtgefühle zu nennenden Empfindungen, überwindet man das alles, dann, sehr verehrte Anwesende, kommt ein Zeitpunkt, wo man ganz genau weiß, weiß durch innerliche Erfahrung: Jetzt ziehst du durch diejenigen Kräfte, die du auf diese Weise durch Gedankenkonzentration dir entwickelt hast, ziehst du etwas aus deinem Leibe heraus. Aber gerade dieses Herausziehen eines sonst den Leib — wie man nun weiß — durchdringenden Geistwesens, dieses Herausziehen erscheint immer ganz besonders gefahrvoll: Denn dieses Herausziehen ist eben verbunden mit dem Gefühl, als ob man sich auflösen müsste und als ob etwas in uns stecken bliebe, was wir auf diese Weise nicht herausziehen können und was aber doch aus uns herausgezogen werden muss, wenn das nicht dem auflösenden Nichts verfallen soll, was auf die geschilderte Weise herausgezogen werden soll. Wir haben das deutliche Bewusstsein: Nun, noch etwas anderes muss herausgezogen werden aus uns, [wenn wir den ganzen inneren Menschen aus uns herausziehen wollen.] Mit der Gedankenkonzentration allein geht es nicht. Die zieht einen Teil von uns heraus. Wir haben das deutliche Bewusstsein.

[ 22 ] Überwindet man alle die unaussprechbaren, aber doch Furchtgefühle zu nennenden Empfindungen, überwindet man das alles, dann, sehr verehrte Anwesende, kommt ein Zeitpunkt, wo man ganz genau weiß, weiß durch innerliche Erfahrung: Jetzt ziehst du durch diejenigen Kräfte, die du auf diese Weise durch Gedankenkonzentration dir entwickelt hast, ziehst du etwas aus deinem Leibe heraus. Aber gerade dieses Herausziehen eines sonst den Leib — wie man nun weiß — durchdringenden Geistwesens, dieses Herausziehen erscheint immer ganz besonders gefahrvoll: Denn dieses Herausziehen ist eben verbunden mit dem Gefühl, als ob man sich auflösen müsste und als ob etwas in uns stecken bliebe, was wir auf diese Weise nicht herausziehen können und was aber doch aus uns herausgezogen werden muss, wenn das nicht dem auflösenden Nichts verfallen soll, was auf die geschilderte Weise herausgezogen werden soll. Wir haben das deutliche Bewusstsein: Nun, noch etwas anderes muss herausgezogen werden aus uns, [wenn wir den ganzen inneren Menschen aus uns herausziehen wollen.] Mit der Gedankenkonzentration allein geht es nicht. Die zieht einen Teil von uns heraus. Wir haben das deutliche Bewusstsein.

[ 23 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man sich klarmachen will, warum der Mensch so schwer zu solchen Erlebnissen, wie ich sie geschildert habe, kommt, dann kann man ausgehen von recht alltäglichen Erlebnissen, die aber zunächst gar nicht bemerkt werden. Dasjenige, was dargestellt worden ist, es besteht ja in einem Anziehungsverhältnis, in das der Mensch zu sich selber zu treten hat. Es setzt voraus, dass der Mensch die innerliche Kraft hat, gewissermaßen an sein eigenes Wesen heranzutreten. Aber nichts ist so sehr fraglich im gewöhnlichen Leben, sehr verehrte Anwesende, als des Menschen Verhältnis zu sich selbst. In der gewöhnlichen Selbsterkenntnis spricht sich dies Verhältnis des Menschen zu sich selbst nur recht, recht mangelhaft aus, selbst im alltäglichen Leben.

[ 23 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man sich klarmachen will, warum der Mensch so schwer zu solchen Erlebnissen, wie ich sie geschildert habe, kommt, dann kann man ausgehen von recht alltäglichen Erlebnissen, die aber zunächst gar nicht bemerkt werden. Dasjenige, was dargestellt worden ist, es besteht ja in einem Anziehungsverhältnis, in das der Mensch zu sich selber zu treten hat. Es setzt voraus, dass der Mensch die innerliche Kraft hat, gewissermaßen an sein eigenes Wesen heranzutreten. Aber nichts ist so sehr fraglich im gewöhnlichen Leben, sehr verehrte Anwesende, als des Menschen Verhältnis zu sich selbst. In der gewöhnlichen Selbsterkenntnis spricht sich dies Verhältnis des Menschen zu sich selbst nur recht, recht mangelhaft aus, selbst im alltäglichen Leben.

[ 24 ] Ich möchte ein Beispiel anführen, das scheinbar ganz woanders hergenommen ist als von den Dingen, von denen ich jetzt gesprochen habe. Ein bedeutender Philosoph der Gegenwart hat ein Buch geschrieben über die «Analyse der Empfindungen». Da spricht er gleich auf der dritten Seite von einem merkwürdigen Erlebnis, das er zweimal gehabt hat. Er ist ein Philosoph, Universitätsprofessor gewesen. Er hat in seiner Art selber ähnlich nach einer Weltanschauung gerungen: Dr. Ernst Mach.

[ 24 ] Ich möchte ein Beispiel anführen, das scheinbar ganz woanders hergenommen ist als von den Dingen, von denen ich jetzt gesprochen habe. Ein bedeutender Philosoph der Gegenwart hat ein Buch geschrieben über die «Analyse der Empfindungen». Da spricht er gleich auf der dritten Seite von einem merkwürdigen Erlebnis, das er zweimal gehabt hat. Er ist ein Philosoph, Universitätsprofessor gewesen. Er hat in seiner Art selber ähnlich nach einer Weltanschauung gerungen: Dr. Ernst Mach.

[ 25 ] Er sagt da:

[ 25 ] Er sagt da:

Als ganz junger Mensch ging ich einmal auf der Straße und da sah ich mir entgegenkommen einen Menschen mit einem mir höchst unsympathischen, ja widerwärtigen Gesicht. Ich erschrak nicht wenig, als ich bemerkte, dass es mein eigenes Gesicht im Profil sei, welches mir dadurch erschien, dass ich an einer Spiegelniederlage vorbeigegangen bin und die Spiegel in der Weise gegeneinandergestellt waren, dass ich mein eigenes Gesicht sah.

Als ganz junger Mensch ging ich einmal auf der Straße und da sah ich mir entgegenkommen einen Menschen mit einem mir höchst unsympathischen, ja widerwärtigen Gesicht. Ich erschrak nicht wenig, als ich bemerkte, dass es mein eigenes Gesicht im Profil sei, welches mir dadurch erschien, dass ich an einer Spiegelniederlage vorbeigegangen bin und die Spiegel in der Weise gegeneinandergestellt waren, dass ich mein eigenes Gesicht sah.

[ 26 ] So wenig kennt nicht nur der Mensch, sondern sogar der Philosoph seine eigene Gestalt! Aber noch ein zweites, ähnliches Erlebnis, das dem Betreffenden nicht als ganz junger Mensch, sondern in sehr reifen Jahren passiert ist, erzählt er. Er sagt:

[ 26 ] So wenig kennt nicht nur der Mensch, sondern sogar der Philosoph seine eigene Gestalt! Aber noch ein zweites, ähnliches Erlebnis, das dem Betreffenden nicht als ganz junger Mensch, sondern in sehr reifen Jahren passiert ist, erzählt er. Er sagt:

Vor nicht allzu langer Zeit

Vor nicht allzu langer Zeit

[ 27 ] —in den Neunzigerjahren —

[ 27 ] —in den Neunzigerjahren —

stieg ich nach einer sehr anstrengenden Eisenbahnfahrt sehr ermüdet in einen Omnibus und bemerkte, dass von der anderen Seite in den Omnibus auch ein Mann hereinstieg, und ich dachte mir: Was für ein herabgekommener Schulmeister steigt denn da ein? Da bemerkte ich erst, dass an der Rückwand ein großer Spiegel war, der mir mein eigenes Bild zeigte!

stieg ich nach einer sehr anstrengenden Eisenbahnfahrt sehr ermüdet in einen Omnibus und bemerkte, dass von der anderen Seite in den Omnibus auch ein Mann hereinstieg, und ich dachte mir: Was für ein herabgekommener Schulmeister steigt denn da ein? Da bemerkte ich erst, dass an der Rückwand ein großer Spiegel war, der mir mein eigenes Bild zeigte!

[ 28 ] Er setzt hinzu:

[ 28 ] Er setzt hinzu:

Der Standeshabitus war mir also bekannter als mein eigener persönlicher Habitus.

Der Standeshabitus war mir also bekannter als mein eigener persönlicher Habitus.

[ 29 ] Er kannte sich also so wenig, dass er höchst erstaunt war über sein eigenes Aussehen. [Also, er wusste zwar, wie ein herabgekommener Schulmeister aussieht, aber er wusste nicht genau, wie er selber aussah.]

[ 29 ] Er kannte sich also so wenig, dass er höchst erstaunt war über sein eigenes Aussehen. [Also, er wusste zwar, wie ein herabgekommener Schulmeister aussieht, aber er wusste nicht genau, wie er selber aussah.]

[ 30 ] [Ja, meine sehr verehrten Anwesenden], man lacht über solche Dinge selbstverständlich sehr leicht, aber sie sind tief, tief bedeutsam, wenn man sich eine Vorstellung machen will, wie fragwürdig das Verhältnis ist, das der Mensch im gewöhnlichen Leben zu sich selber hat. Also das aber, was uns hindert, sehr verehrte Anwesende, in ein zur Selbsterkenntnis gelangendes Verhältnis zu sich selbst im gewöhnlichen Leben zu kommen, all das ist zugleich eine Summe von Kräften, die den Menschen hindern, seine Gedankenkonzentration zu solcher Entwicklung zu bringen, wie sie oben geschildert worden ist, bis zum Herausholen eines im Innern des Menschen befindlichen zweiten Menschen. Man sieht, dass geradezu in der Menschenwesenheit aufgespeichert sind die Kräfte, die den Menschen abhalten davon, sich loszulösen von seiner Innerlichkeit, von dem, womit diese Innerlichkeit von der Geburt bis zum Tode verbunden ist. Aber dieses Loslösen gelingt durch das Geschilderte. Aber so, dass wir zunächst durch dieses Hindernis nicht so weit sind, dass wir unser ganzes Wesen aus uns herausbringen. Zu der Gedankenkonzentration muss etwas anderes hinzutreten. Wir müssen nicht nur zu unseren Gedanken ein energischeres Verhältnis gewinnen als das im Alltagsleben der Fall ist, sondern wir müssen auch zu dem, was unser Schicksal ausmacht, unser Schicksal, in dem wir leben, ein ganz anderes Verhältnis gewinnen als im Alltäglichen.

[ 30 ] [Ja, meine sehr verehrten Anwesenden], man lacht über solche Dinge selbstverständlich sehr leicht, aber sie sind tief, tief bedeutsam, wenn man sich eine Vorstellung machen will, wie fragwürdig das Verhältnis ist, das der Mensch im gewöhnlichen Leben zu sich selber hat. Also das aber, was uns hindert, sehr verehrte Anwesende, in ein zur Selbsterkenntnis gelangendes Verhältnis zu sich selbst im gewöhnlichen Leben zu kommen, all das ist zugleich eine Summe von Kräften, die den Menschen hindern, seine Gedankenkonzentration zu solcher Entwicklung zu bringen, wie sie oben geschildert worden ist, bis zum Herausholen eines im Innern des Menschen befindlichen zweiten Menschen. Man sieht, dass geradezu in der Menschenwesenheit aufgespeichert sind die Kräfte, die den Menschen abhalten davon, sich loszulösen von seiner Innerlichkeit, von dem, womit diese Innerlichkeit von der Geburt bis zum Tode verbunden ist. Aber dieses Loslösen gelingt durch das Geschilderte. Aber so, dass wir zunächst durch dieses Hindernis nicht so weit sind, dass wir unser ganzes Wesen aus uns herausbringen. Zu der Gedankenkonzentration muss etwas anderes hinzutreten. Wir müssen nicht nur zu unseren Gedanken ein energischeres Verhältnis gewinnen als das im Alltagsleben der Fall ist, sondern wir müssen auch zu dem, was unser Schicksal ausmacht, unser Schicksal, in dem wir leben, ein ganz anderes Verhältnis gewinnen als im Alltäglichen.

[ 31 ] Wie stehen wir denn im Alltag zu unserem Schicksal? Dasjenige, was wir unsere Schicksalserlebnisse nennen, wir sehen sie an uns herankommen, sympathisch und antipathisch. Sie treffen uns als «Zufälle des Lebens», wie wir sagen. Wir betrachten gewissermaßen dasjenige, was als Schicksal auf uns zufällt wie etwas Äußerliches, wie etwas von unserem Wesen Äußerliches und wir wachsen auf und entwickeln uns von der Geburt bis zum Tode in dieser Vorstellung, dass das Schicksal so uns anfällt, dass es etwas uns Äußerliches ist. Aber schon ein gewöhnliches Nachdenken, das sich nur ausdehnt über das Leben zwischen der Geburt und dem Tod, kann uns belehren darüber, dass dasjenige was Schicksal genannt werden muss, keineswegs etwas so Äußerliches für den Menschen ist.

[ 31 ] Wie stehen wir denn im Alltag zu unserem Schicksal? Dasjenige, was wir unsere Schicksalserlebnisse nennen, wir sehen sie an uns herankommen, sympathisch und antipathisch. Sie treffen uns als «Zufälle des Lebens», wie wir sagen. Wir betrachten gewissermaßen dasjenige, was als Schicksal auf uns zufällt wie etwas Äußerliches, wie etwas von unserem Wesen Äußerliches und wir wachsen auf und entwickeln uns von der Geburt bis zum Tode in dieser Vorstellung, dass das Schicksal so uns anfällt, dass es etwas uns Äußerliches ist. Aber schon ein gewöhnliches Nachdenken, das sich nur ausdehnt über das Leben zwischen der Geburt und dem Tod, kann uns belehren darüber, dass dasjenige was Schicksal genannt werden muss, keineswegs etwas so Äußerliches für den Menschen ist.

[ 32 ] Wenn wir uns in irgendeiner Zeit des Lebens betrachten, in einem, sagen wir späteren, reifen Lebensalter und einmal hinblicken auf das, was wir sind, was wir können, vermögen im Leben, dann werden wir, wenn wir uns nicht verschließen wollen vor einer wirklichen Menschenkenntnis, dann werden wir darauf kommen, sehr verehrte Anwesende, uns zu sagen: Ja, dies oder jenes würde ich jetzt nicht können, wenn nicht vor achtzehn, zwanzig, dreißig, fünfunddreißig Jahren dies oder jenes in meinem Leben eingetreten wäre, [wenn nicht] dies oder jenes mitzumachen mich auf diese und jene Verrichtungen gestoßen hätte. Ich bin das Ergebnis von dem, was dazumal als Schicksalserlebnis in mein Leben eingetreten ist, und wäre es nicht gekommen, wäre ich nicht das Ich, was ich heute bin.

[ 32 ] Wenn wir uns in irgendeiner Zeit des Lebens betrachten, in einem, sagen wir späteren, reifen Lebensalter und einmal hinblicken auf das, was wir sind, was wir können, vermögen im Leben, dann werden wir, wenn wir uns nicht verschließen wollen vor einer wirklichen Menschenkenntnis, dann werden wir darauf kommen, sehr verehrte Anwesende, uns zu sagen: Ja, dies oder jenes würde ich jetzt nicht können, wenn nicht vor achtzehn, zwanzig, dreißig, fünfunddreißig Jahren dies oder jenes in meinem Leben eingetreten wäre, [wenn nicht] dies oder jenes mitzumachen mich auf diese und jene Verrichtungen gestoßen hätte. Ich bin das Ergebnis von dem, was dazumal als Schicksalserlebnis in mein Leben eingetreten ist, und wäre es nicht gekommen, wäre ich nicht das Ich, was ich heute bin.

[ 33 ] Und nehmen wir dies ganze Bündel von dem, was wir an Talenten, an Kräften, an Gewohnheiten, an Art des Seelenlebens haben, so sehen wir schon, wie es sich zwischen Geburt und Tod herausentwickelt aus den Schicksalserlebnissen, die uns getroffen haben, wie wir ein ganz anderer wären, wenn uns das Schicksal nicht gemacht hätte zu dem, was wir sind. Wir sind ja schon im gewöhnlichen Leben unser aufgerolltes, zusammengewundenes Schicksal. Man betrachtet sich nicht abstrakt, sondern konkret in alle dem, was man als fünfzigjähriger Mensch geworden ist; und man fragt sich, was man da kann, was man da ist, zusammengerollt aus den Schicksalserlebnissen, ob man nicht den ganzen Knäuel verfolgen kann, [der da zusammengewickelt ist], zu den Schicksalserlebnissen zurück.

[ 33 ] Und nehmen wir dies ganze Bündel von dem, was wir an Talenten, an Kräften, an Gewohnheiten, an Art des Seelenlebens haben, so sehen wir schon, wie es sich zwischen Geburt und Tod herausentwickelt aus den Schicksalserlebnissen, die uns getroffen haben, wie wir ein ganz anderer wären, wenn uns das Schicksal nicht gemacht hätte zu dem, was wir sind. Wir sind ja schon im gewöhnlichen Leben unser aufgerolltes, zusammengewundenes Schicksal. Man betrachtet sich nicht abstrakt, sondern konkret in alle dem, was man als fünfzigjähriger Mensch geworden ist; und man fragt sich, was man da kann, was man da ist, zusammengerollt aus den Schicksalserlebnissen, ob man nicht den ganzen Knäuel verfolgen kann, [der da zusammengewickelt ist], zu den Schicksalserlebnissen zurück.

[ 34 ] [Aber, was tritt ein, wenn man mit einer solchen Betrachtung Ernst macht, jenen Ernst, der im alltäglichen Leben wahrhaftig nicht allzu häufig ist, der aber, wenn er ausgebildet wird, zu einem zweiten Mittel der Geistesforschung wird. Wenn man Ernst macht mit einer solchen Betrachtung], dann kommt man dazu, sich zu sagen, ja, das Schicksal ist überhaupt nichts Äußerliches für mich; in dem Schicksal stecke ich drinnen. Das Erlebnis, das an mich herangegangen ist, ist jetzt zu meinem Ich geworden. Und wenn ich mein ganzes Schicksal überblicke, dann steckt da mein Ich drin. Ich trete gleichsam mit meinem Bewusstsein aus mir heraus und gieße mich aus in den ganzen Strom meines Schicksals. Das aber muss tief ernst betrachtet werden, das muss gewissermaßen methodisch werden. Dann tritt durch eine solche seelische Betätigung gewissermaßen das Entgegengesetzte von dem ein, was durch die Denkkonzentration eingetreten ist. Mit unserem Denken sind wir sonst in uns. Wir haben ja gewöhnlich diejenigen Gedanken, die sich stützen auf äußere Eindrücke und die daher ihre Grundlage und ihre Macht haben in inneren komplizierten Verhältnissen. Aber, indem wir zur Gedankenkonzentration gehen, gehen wir mit den Gedanken so stark heraus, dass unser inneres Wesen mitgeht und wir uns da zu verlieren glauben. Wenn wir in unser Schicksal uns hineinversenken, dann machen wir den umgekehrten Prozess durch. Dann gehen wir aus uns heraus, aber in etwas hinein, was wir [sonst] im Äußerlichen glauben, was wir glauben, dass es aus dem äußeren Strom des Lebens uns zufließt. Wir treten aus uns heraus und in etwas hinein, von dem wir jetzt erst erkennen: [Das ist dasjenige, was uns erzeugt und macht; wir wachsen zusammen mit etwas, was wir äußerlich glaubten].

[ 34 ] [Aber, was tritt ein, wenn man mit einer solchen Betrachtung Ernst macht, jenen Ernst, der im alltäglichen Leben wahrhaftig nicht allzu häufig ist, der aber, wenn er ausgebildet wird, zu einem zweiten Mittel der Geistesforschung wird. Wenn man Ernst macht mit einer solchen Betrachtung], dann kommt man dazu, sich zu sagen, ja, das Schicksal ist überhaupt nichts Äußerliches für mich; in dem Schicksal stecke ich drinnen. Das Erlebnis, das an mich herangegangen ist, ist jetzt zu meinem Ich geworden. Und wenn ich mein ganzes Schicksal überblicke, dann steckt da mein Ich drin. Ich trete gleichsam mit meinem Bewusstsein aus mir heraus und gieße mich aus in den ganzen Strom meines Schicksals. Das aber muss tief ernst betrachtet werden, das muss gewissermaßen methodisch werden. Dann tritt durch eine solche seelische Betätigung gewissermaßen das Entgegengesetzte von dem ein, was durch die Denkkonzentration eingetreten ist. Mit unserem Denken sind wir sonst in uns. Wir haben ja gewöhnlich diejenigen Gedanken, die sich stützen auf äußere Eindrücke und die daher ihre Grundlage und ihre Macht haben in inneren komplizierten Verhältnissen. Aber, indem wir zur Gedankenkonzentration gehen, gehen wir mit den Gedanken so stark heraus, dass unser inneres Wesen mitgeht und wir uns da zu verlieren glauben. Wenn wir in unser Schicksal uns hineinversenken, dann machen wir den umgekehrten Prozess durch. Dann gehen wir aus uns heraus, aber in etwas hinein, was wir [sonst] im Äußerlichen glauben, was wir glauben, dass es aus dem äußeren Strom des Lebens uns zufließt. Wir treten aus uns heraus und in etwas hinein, von dem wir jetzt erst erkennen: [Das ist dasjenige, was uns erzeugt und macht; wir wachsen zusammen mit etwas, was wir äußerlich glaubten].

[ 35 ] Wenn wir das in intensivem Ernste [betreiben], wenn wir mit unserem Willen also aus uns herausgehen und uns zu sagen verstehen: Dasjenige, was ich als Schicksal erlebt habe, in dem stecke ich schon drinnen, ich habe es selbst herbeigeführt, denn ich bin mit meinem Ich darin verbunden. [Wenn wir dieses zu einer gewohnheitsmäßigen inneren Betätigung führen], dann kommen wir wiederum aus uns heraus, aber so, dass wir das andere von unserem inneren Menschen, das gleichsam abgerissen ist, das, was nicht herausgebracht worden [ist] durch die Gedankenkonzentration, dass wir das nun nachziehen und dass das sich mit dem erst Herausgeholten verbindet, und nun ein ganzer, zuerst verborgener innerer Mensch herausgezogen wird aus uns, ein innerer Mensch, in dem wir uns dann lebend wissen, in dem wir uns so lebend wissen, dass wir nun auf diesen äußeren, diesen physischen Menschen hinschauen, wie wir sonst auf die äußere Umgebung, Tische und Stühle hinschauen.

[ 35 ] Wenn wir das in intensivem Ernste [betreiben], wenn wir mit unserem Willen also aus uns herausgehen und uns zu sagen verstehen: Dasjenige, was ich als Schicksal erlebt habe, in dem stecke ich schon drinnen, ich habe es selbst herbeigeführt, denn ich bin mit meinem Ich darin verbunden. [Wenn wir dieses zu einer gewohnheitsmäßigen inneren Betätigung führen], dann kommen wir wiederum aus uns heraus, aber so, dass wir das andere von unserem inneren Menschen, das gleichsam abgerissen ist, das, was nicht herausgebracht worden [ist] durch die Gedankenkonzentration, dass wir das nun nachziehen und dass das sich mit dem erst Herausgeholten verbindet, und nun ein ganzer, zuerst verborgener innerer Mensch herausgezogen wird aus uns, ein innerer Mensch, in dem wir uns dann lebend wissen, in dem wir uns so lebend wissen, dass wir nun auf diesen äußeren, diesen physischen Menschen hinschauen, wie wir sonst auf die äußere Umgebung, Tische und Stühle hinschauen.

[ 36 ] Damit habe ich Ihnen zwei Mittel angedeutet, die ebenso technische Mittel der wirklichen Geistesforschung sind, wie die Verrichtungen des Laboratoriums oder des physikalischen Kabinetts oder der Klinik streng zu unterscheidende Mittel für die äußere Naturforschung sind. Nur dass, wenn man das Geistige erforschen will, man nicht äußere [Experimente] machen kann, sondern innere Seelenerlebnisse, die bewirken eine Umwandlung, sodass die Seele in ihrem Wesen sich aus ihrem Leibe herauszieht.

[ 36 ] Damit habe ich Ihnen zwei Mittel angedeutet, die ebenso technische Mittel der wirklichen Geistesforschung sind, wie die Verrichtungen des Laboratoriums oder des physikalischen Kabinetts oder der Klinik streng zu unterscheidende Mittel für die äußere Naturforschung sind. Nur dass, wenn man das Geistige erforschen will, man nicht äußere [Experimente] machen kann, sondern innere Seelenerlebnisse, die bewirken eine Umwandlung, sodass die Seele in ihrem Wesen sich aus ihrem Leibe herauszieht.

[ 37 ] Nicht einmal als Abstraktum braucht Geisteswissenschaft heute zu sprechen davon, dass des Menschen geistiges Wesen etwas Reales ist, das sich vom Leibe trennt; sondern, man möchte sagen geistig experimentell weiß Geisteswissenschaft heute, wie es gemacht wird, Leibliches und Seelisches so zu trennen, wie man den Sauerstoff vom Wasserstoff trennt, um zu zeigen, dass der Sauerstoff im [Wasser] drinnensteckt. Und das GeistigSeelische steckt darin und kann herausgezogen werden durch streng zu beobachtende Verrichtungen. Nur allerdings, während wir im Laboratorium experimentieren, stehen wir den Dingen äußerlich mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber.

[ 37 ] Nicht einmal als Abstraktum braucht Geisteswissenschaft heute zu sprechen davon, dass des Menschen geistiges Wesen etwas Reales ist, das sich vom Leibe trennt; sondern, man möchte sagen geistig experimentell weiß Geisteswissenschaft heute, wie es gemacht wird, Leibliches und Seelisches so zu trennen, wie man den Sauerstoff vom Wasserstoff trennt, um zu zeigen, dass der Sauerstoff im [Wasser] drinnensteckt. Und das GeistigSeelische steckt darin und kann herausgezogen werden durch streng zu beobachtende Verrichtungen. Nur allerdings, während wir im Laboratorium experimentieren, stehen wir den Dingen äußerlich mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber.

[ 38 ] Diejenigen Verrichtungen, die der Geistesforscher durchzumachen hat, sind solche, welche gleichsam innere Seelentragödien darstellen, Überwindungen darstellen und ein inneres Ringen darstellen, inneres Beglücktwerden, inneres Enttäuschtwerden, inneres Stehen auf festem Boden, und wiederum wie Sich-Fühlen dem Bodenlosen gegenüber; das alles in oftmals schauriger, oftmals auch beseligender Konkretheit des inneren seelischen Erlebens. Dann aber, wenn der Geistesforscher es dazu gebracht hat, also dies wirkliche innere Selbst abgetrennt zu haben von seinem Leiblichen, dann weiß er, dass das Leibliche, das er nun mit dem Wesen, das nun außerhalb des Leibes ist, anschaut, dass das enthält all die Kräfte, welche mit der Geburt oder sagen wir mit der Empfängnis beginnen und mit dem Tode dem Erdenelement übergeben werden, und sich sagt, an diesem Irdisch-Leiblichen arbeitet dasjenige, was er also herausgezogen hat, dass er in dem also Herausgezogenen des Menschen ewigen Seelenkern erfasst, und zwar zugleich erfasst hat mit dem Schicksal. Jetzt weiß er, dass das dasjenige, was jede Nacht beim Einschlafen sich trennt von dem im Bette liegen bleibenden physischen Leibe, dieser ewige Wesenskern zugleich ist, der vom Einschlafen bis [zum] Aufwachen in [der] geistigen Welt ist und sich deshalb nur nicht wahrnehmen kann, weil der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht die innerliche Kraft hat, die Durchdringung und Durchwebung für dies außerhalb des Leibes befindliche Seelenwesen, es auch zum Leuchten, zum Tönen — geistig gemeint —, zu bringen, [sodass] man es für sich wahrnimmt und wieder die Kraft [hat], wieder hinabzuschauen [auf das Äußerlich-Leibliche].

[ 38 ] Diejenigen Verrichtungen, die der Geistesforscher durchzumachen hat, sind solche, welche gleichsam innere Seelentragödien darstellen, Überwindungen darstellen und ein inneres Ringen darstellen, inneres Beglücktwerden, inneres Enttäuschtwerden, inneres Stehen auf festem Boden, und wiederum wie Sich-Fühlen dem Bodenlosen gegenüber; das alles in oftmals schauriger, oftmals auch beseligender Konkretheit des inneren seelischen Erlebens. Dann aber, wenn der Geistesforscher es dazu gebracht hat, also dies wirkliche innere Selbst abgetrennt zu haben von seinem Leiblichen, dann weiß er, dass das Leibliche, das er nun mit dem Wesen, das nun außerhalb des Leibes ist, anschaut, dass das enthält all die Kräfte, welche mit der Geburt oder sagen wir mit der Empfängnis beginnen und mit dem Tode dem Erdenelement übergeben werden, und sich sagt, an diesem Irdisch-Leiblichen arbeitet dasjenige, was er also herausgezogen hat, dass er in dem also Herausgezogenen des Menschen ewigen Seelenkern erfasst, und zwar zugleich erfasst hat mit dem Schicksal. Jetzt weiß er, dass das dasjenige, was jede Nacht beim Einschlafen sich trennt von dem im Bette liegen bleibenden physischen Leibe, dieser ewige Wesenskern zugleich ist, der vom Einschlafen bis [zum] Aufwachen in [der] geistigen Welt ist und sich deshalb nur nicht wahrnehmen kann, weil der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht die innerliche Kraft hat, die Durchdringung und Durchwebung für dies außerhalb des Leibes befindliche Seelenwesen, es auch zum Leuchten, zum Tönen — geistig gemeint —, zu bringen, [sodass] man es für sich wahrnimmt und wieder die Kraft [hat], wieder hinabzuschauen [auf das Äußerlich-Leibliche].

[ 39 ] [Dann aber, indem man das erkundet hat, was im Leibe lebt, hat man zugleich erfasst dasjenige, was durch Geburten und Tode geht.] Und indem man die Seele als vereint mit ihrem Schicksal erfasst hat, hat man dasjenige erfasst, was in der geistigen Welt da war, bevor der Mensch geboren oder empfangen worden [ist], was die Summe der Kräfte darstellt, die selber erst sich senken zu dem, was durch Vater und Mutter gegeben ist als physischer Leib, und in diesen sich einarbeiten, [um] den Leib zu gebrauchen zum Werkzeuge, [um] [innere Bildekraft zu sein durch das Leben], um in der sinnlichen Welt zu wirken und um den Leib aber auch abzubrauchen im Leben und [um] innerlich immer mehr und mehr zu erstarken, um dann durch die Pforte des Todes zu gehen wiederum in die geistige Welt, um in der sich vorzubereiten zu einem neuen Leibesleben.

[ 39 ] [Dann aber, indem man das erkundet hat, was im Leibe lebt, hat man zugleich erfasst dasjenige, was durch Geburten und Tode geht.] Und indem man die Seele als vereint mit ihrem Schicksal erfasst hat, hat man dasjenige erfasst, was in der geistigen Welt da war, bevor der Mensch geboren oder empfangen worden [ist], was die Summe der Kräfte darstellt, die selber erst sich senken zu dem, was durch Vater und Mutter gegeben ist als physischer Leib, und in diesen sich einarbeiten, [um] den Leib zu gebrauchen zum Werkzeuge, [um] [innere Bildekraft zu sein durch das Leben], um in der sinnlichen Welt zu wirken und um den Leib aber auch abzubrauchen im Leben und [um] innerlich immer mehr und mehr zu erstarken, um dann durch die Pforte des Todes zu gehen wiederum in die geistige Welt, um in der sich vorzubereiten zu einem neuen Leibesleben.

[ 40 ] Noch etwas wird konkret lebendig vor dem Geistesforscher: dass er sich aufzuklären vermag, warum eigentlich für das gewöhnliche Leben dieser ewige, unsterbliche Wesenskern nicht wahrzunehmen ist, warum man nichts von ihm weiß. Wenn man zwischen Geburt und Tod lebt, arbeitet man allerdings alle die Erfahrungen des Lebens, [alle Empfindungen, Gefühle und Gedanken], alles das, was das Leben bietet in diesen unsterblichen Wesenskern hinein. Aber indem man für das alltägliche Leben nur gewohnt ist, mit den beiden Augen des Leibes wahrzunehmen und zu arbeiten, verdunkeln einem fortwährend die Arbeitskräfte des physischen Leibes diese inneren Bildungskräfte, welche in den Leib untertauchen und im Leib arbeitend eben nicht zur Erkenntnis werden können, sondern, statt [dass] sie zur Erkenntniskraft werden können, ewige Bildungskräfte des Leibes sind, zu etwas anderem verbraucht werden, ähnlich zu dem, was Erarbeitung des äußeren physischen Daseins darstellt. Aber man lernt sie kennen, diese Kraft, sodass der gegenwärtige Leib, den wir zwischen Geburt und Tod tragen, nicht ihre Ursache ist, wie der Materialismus glaubt, sondern im Gegenteil ihre Wirkung ist: [So, wie er sich darstellt im Leben, ist er die Wirkung desjenigen, was heruntergestiegen ist aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Frucht früherer Erdenleben.] Dasjenige, was aus ihm hervorgeht, was hinuntergestiegen [ist] aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Charakteristik früherer Erdenleben. Denn sobald man dazu kommt, dasjenige zu beobachten, was im Leibe lebt und auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehoben werden kann, sobald weiß man, dass das, was da im Leibe lebt, so ist, wie es jetzt ist, deshalb, weil es nicht zum ersten Male im Leibe lebt; man sieht geistig, dass es solche Früchte an sich trägt, die es in früheren Erdenleben sich erarbeitet hat. Und in unmittelbarer Anschauung tritt das gesamte Leben so vor den Geistesforscher, dass es sich zusammensetzt wie dasjenige, was errungen ist im Geiste, [das] wird so verwandelt, dass es wiederum ein neues Leben bilden kann.

[ 40 ] Noch etwas wird konkret lebendig vor dem Geistesforscher: dass er sich aufzuklären vermag, warum eigentlich für das gewöhnliche Leben dieser ewige, unsterbliche Wesenskern nicht wahrzunehmen ist, warum man nichts von ihm weiß. Wenn man zwischen Geburt und Tod lebt, arbeitet man allerdings alle die Erfahrungen des Lebens, [alle Empfindungen, Gefühle und Gedanken], alles das, was das Leben bietet in diesen unsterblichen Wesenskern hinein. Aber indem man für das alltägliche Leben nur gewohnt ist, mit den beiden Augen des Leibes wahrzunehmen und zu arbeiten, verdunkeln einem fortwährend die Arbeitskräfte des physischen Leibes diese inneren Bildungskräfte, welche in den Leib untertauchen und im Leib arbeitend eben nicht zur Erkenntnis werden können, sondern, statt [dass] sie zur Erkenntniskraft werden können, ewige Bildungskräfte des Leibes sind, zu etwas anderem verbraucht werden, ähnlich zu dem, was Erarbeitung des äußeren physischen Daseins darstellt. Aber man lernt sie kennen, diese Kraft, sodass der gegenwärtige Leib, den wir zwischen Geburt und Tod tragen, nicht ihre Ursache ist, wie der Materialismus glaubt, sondern im Gegenteil ihre Wirkung ist: [So, wie er sich darstellt im Leben, ist er die Wirkung desjenigen, was heruntergestiegen ist aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Frucht früherer Erdenleben.] Dasjenige, was aus ihm hervorgeht, was hinuntergestiegen [ist] aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Charakteristik früherer Erdenleben. Denn sobald man dazu kommt, dasjenige zu beobachten, was im Leibe lebt und auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehoben werden kann, sobald weiß man, dass das, was da im Leibe lebt, so ist, wie es jetzt ist, deshalb, weil es nicht zum ersten Male im Leibe lebt; man sieht geistig, dass es solche Früchte an sich trägt, die es in früheren Erdenleben sich erarbeitet hat. Und in unmittelbarer Anschauung tritt das gesamte Leben so vor den Geistesforscher, dass es sich zusammensetzt wie dasjenige, was errungen ist im Geiste, [das] wird so verwandelt, dass es wiederum ein neues Leben bilden kann.

[ 41 ] So gelangt die Geistesforschung, sehr verehrte Anwesende, nicht durch Phantasterei, nicht indem irgendwelche vagen philosophisch-abstrakten Betrachtungen [angestellt werden], sondern in einer eigentlich der Naturwissenschaft ganz nachgebildeten geistigen Experimentalmethode dazu, den ewigen unstörbaren Wesenskern des Menschen zu verfolgen, wie er vom irdischen Leben zu irdischen Leben geht und das Schicksal formt, sodass man sich sagen kann: Dasjenige, was du jetzt erlebst, dasjenige was auf dich jetzt eindringt, das wird Kraft in deinem unsterblichen Menschen, das geht durch die Pforte des Todes, das wandelt sich um, sodass es in deinem nächsten Leben dein Selbst, dein in deinem Schicksal arbeitendes Selbst bereichert. Du bist es selber, der in deinem Schicksal das herübergebracht [hat] aus einem früheren Leben und es ins Jetzt hineinträgt; du bist es selbst in deinem unsterblichen Wesenskern.

[ 41 ] So gelangt die Geistesforschung, sehr verehrte Anwesende, nicht durch Phantasterei, nicht indem irgendwelche vagen philosophisch-abstrakten Betrachtungen [angestellt werden], sondern in einer eigentlich der Naturwissenschaft ganz nachgebildeten geistigen Experimentalmethode dazu, den ewigen unstörbaren Wesenskern des Menschen zu verfolgen, wie er vom irdischen Leben zu irdischen Leben geht und das Schicksal formt, sodass man sich sagen kann: Dasjenige, was du jetzt erlebst, dasjenige was auf dich jetzt eindringt, das wird Kraft in deinem unsterblichen Menschen, das geht durch die Pforte des Todes, das wandelt sich um, sodass es in deinem nächsten Leben dein Selbst, dein in deinem Schicksal arbeitendes Selbst bereichert. Du bist es selber, der in deinem Schicksal das herübergebracht [hat] aus einem früheren Leben und es ins Jetzt hineinträgt; du bist es selbst in deinem unsterblichen Wesenskern.

[ 42 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es wird lange, lange Zeit dauern in der menschlichen, geistigen Kulturentwicklung, bis eine größere Anzahl von Menschen teilnehmen wird an der hier als etwas Positives geschilderten Geisteswissenschaft. Aber diese Geisteswissenschaft wird gerade so wie Chemie oder Physik, wie nur irgendein Zweig der äußeren Naturwissenschaft ein wirklich realer Bestandteil der geistigen Menschheitskultur werden. Und so wie die äußeren Naturwissenschaften gebracht haben dem Menschen Fortschritt auf äußerlichem materiellen Gebiet, gewissermaßen das Erdenleben radikal umgestaltet haben, soweit es den Menschen und seine Verhältnisse betraf, so wird Geistesforschung eingreifen in das menschliche Leben. Und dasjenige, was moralische Impulse, das Bewusstsein des Menschen von seiner eigenen Wesenheit, Leben in seiner eigentlichen Wesenheit ist, in das alles wird Geisteswissenschaft umgestaltend eingreifen, wenn nur einmal jene Vorurteile überwunden sein werden, die heute noch ganz begreiflicherweise dieser Geisteswissenschaft entgegenstehen. Diese Vorurteile werden so wahr überwunden werden, wie einstmals die Vorurteile gegen die Naturwissenschaft überwunden worden sind.

[ 42 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es wird lange, lange Zeit dauern in der menschlichen, geistigen Kulturentwicklung, bis eine größere Anzahl von Menschen teilnehmen wird an der hier als etwas Positives geschilderten Geisteswissenschaft. Aber diese Geisteswissenschaft wird gerade so wie Chemie oder Physik, wie nur irgendein Zweig der äußeren Naturwissenschaft ein wirklich realer Bestandteil der geistigen Menschheitskultur werden. Und so wie die äußeren Naturwissenschaften gebracht haben dem Menschen Fortschritt auf äußerlichem materiellen Gebiet, gewissermaßen das Erdenleben radikal umgestaltet haben, soweit es den Menschen und seine Verhältnisse betraf, so wird Geistesforschung eingreifen in das menschliche Leben. Und dasjenige, was moralische Impulse, das Bewusstsein des Menschen von seiner eigenen Wesenheit, Leben in seiner eigentlichen Wesenheit ist, in das alles wird Geisteswissenschaft umgestaltend eingreifen, wenn nur einmal jene Vorurteile überwunden sein werden, die heute noch ganz begreiflicherweise dieser Geisteswissenschaft entgegenstehen. Diese Vorurteile werden so wahr überwunden werden, wie einstmals die Vorurteile gegen die Naturwissenschaft überwunden worden sind.

[ 43 ] Jeder, der da glaubt, Geisteswissenschaft, wie sie hier geschildert worden ist in einem kleinen Teil, sie sei etwas ganz Erträumtes, Phantastisches, von dem weiß derjenige, der das innere Wesen dieser Geisteswissenschaft ins Auge zu fassen vermag, dass er in dem gleichen Irrtum lebt wie der, der damals zu jenen gehörte, die da sagten, dass dieser Narr, der Kopernikus, sich vorstellt, dass die Erde um die Sonne herumläuft, während doch jedermann mit gesunden fünf Sinnen sehen konnte, dass die Erde stillstehe und die Sonne sich rundherum bewege! So haben ja die Leute dazumal gesagt: Wer gesunde Sinne hat, kann doch dem Narr Kopernikus nicht glauben, dass alle beide der äußeren kosmischen Welt dem Scheine der gesunden fünf Sinne widersprechen. So müssen selbstverständlich auch die Menschen heute sagen: Wer seine gesunden fünf Sinne beisammenhat, kann doch wahrhaftig nicht glauben, dass man sein Denken so steigern kann, dass man das zuerst wie etwa ein Stück innerer Mensch aus sich herauszieht und dann das andere nachzieht durch Versenken in das Schicksal. Aber die Menschengeschichte schreitet hinweg über solche Vorurteile. Und wenn schon die Menschheit gelernt hat, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf den Gang der Gestirne, so wird sie lernen müssen, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf das, was gerade durch Geburten und Tode durch die Menschenseele geht, und sich dem Sinnenschein wieder entzieht, wenn es durch die Pforte des Todes aus dem Sinnenschein wieder hinausgeht.

[ 43 ] Jeder, der da glaubt, Geisteswissenschaft, wie sie hier geschildert worden ist in einem kleinen Teil, sie sei etwas ganz Erträumtes, Phantastisches, von dem weiß derjenige, der das innere Wesen dieser Geisteswissenschaft ins Auge zu fassen vermag, dass er in dem gleichen Irrtum lebt wie der, der damals zu jenen gehörte, die da sagten, dass dieser Narr, der Kopernikus, sich vorstellt, dass die Erde um die Sonne herumläuft, während doch jedermann mit gesunden fünf Sinnen sehen konnte, dass die Erde stillstehe und die Sonne sich rundherum bewege! So haben ja die Leute dazumal gesagt: Wer gesunde Sinne hat, kann doch dem Narr Kopernikus nicht glauben, dass alle beide der äußeren kosmischen Welt dem Scheine der gesunden fünf Sinne widersprechen. So müssen selbstverständlich auch die Menschen heute sagen: Wer seine gesunden fünf Sinne beisammenhat, kann doch wahrhaftig nicht glauben, dass man sein Denken so steigern kann, dass man das zuerst wie etwa ein Stück innerer Mensch aus sich herauszieht und dann das andere nachzieht durch Versenken in das Schicksal. Aber die Menschengeschichte schreitet hinweg über solche Vorurteile. Und wenn schon die Menschheit gelernt hat, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf den Gang der Gestirne, so wird sie lernen müssen, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf das, was gerade durch Geburten und Tode durch die Menschenseele geht, und sich dem Sinnenschein wieder entzieht, wenn es durch die Pforte des Todes aus dem Sinnenschein wieder hinausgeht.

[ 44 ] Es gibt, sehr verehrte Anwesende, eine stärkere Kraft des Für-wahr-Haltens, als diejenige ist, auf die sich viele heute noch — und zwar, wenn man die Zeitgeschichte und Zeitverhältnisse in Betracht zieht — mit Recht berufen, als diejenige ist, welche die heranziehen, welche [sich] auf die sogenannten gesunden fünf Sinne und auf heute als gültig anerkannte Forschung beziehen. Es gibt eine stärkere Kraft. Aber diese Kraft ist verbunden mit dem tiefsten Impuls alles menschlichen Wahrheitsfortschrittes. Und das muss man schon ein wenig in sich entwickeln, wenn man sich heute zur Geisteswissenschaft bekennen will: dieses Vertrauen in den Wahrheitsfortschritt der Menschheit. Aber dies Vertrauen ist auch etwas, was uns eine starke moralische Kraft in unsere Seele hineindrückt. Und schon darin besteht Gewinn des Lebens, dass der Mensch sich in die Lage zu bringen vermag, an die Erkenntniskräfte in seinem Innern zu appellieren, die er durch die eigene Stärke der Seele [selber] mutig hervorbringen muss und die die Bewahrheitung auf ihren eigenen Flügeln mit sich durch die Welt tragen und sie nicht bloß zu entlehnen brauchen aus dem, was sich den äußeren Sinnen darbietet. Starke innere Schicksalserlebnisse aber sind es, welche die Menschenseele durchmachen muss, wenn sie sich mit dem, was, man möchte sagen selbstverständlich unbeachtet bleibt im alltäglichen Leben, wenn sie sich mit dem unsterblichen Wesenskern befassen will. Damit darf man sagen, steht man heute an dem Punkte der Menschheitsentwicklung, in dem Wissenschaft werden muss, was vorher nicht Wissenschaft sein konnte.

[ 44 ] Es gibt, sehr verehrte Anwesende, eine stärkere Kraft des Für-wahr-Haltens, als diejenige ist, auf die sich viele heute noch — und zwar, wenn man die Zeitgeschichte und Zeitverhältnisse in Betracht zieht — mit Recht berufen, als diejenige ist, welche die heranziehen, welche [sich] auf die sogenannten gesunden fünf Sinne und auf heute als gültig anerkannte Forschung beziehen. Es gibt eine stärkere Kraft. Aber diese Kraft ist verbunden mit dem tiefsten Impuls alles menschlichen Wahrheitsfortschrittes. Und das muss man schon ein wenig in sich entwickeln, wenn man sich heute zur Geisteswissenschaft bekennen will: dieses Vertrauen in den Wahrheitsfortschritt der Menschheit. Aber dies Vertrauen ist auch etwas, was uns eine starke moralische Kraft in unsere Seele hineindrückt. Und schon darin besteht Gewinn des Lebens, dass der Mensch sich in die Lage zu bringen vermag, an die Erkenntniskräfte in seinem Innern zu appellieren, die er durch die eigene Stärke der Seele [selber] mutig hervorbringen muss und die die Bewahrheitung auf ihren eigenen Flügeln mit sich durch die Welt tragen und sie nicht bloß zu entlehnen brauchen aus dem, was sich den äußeren Sinnen darbietet. Starke innere Schicksalserlebnisse aber sind es, welche die Menschenseele durchmachen muss, wenn sie sich mit dem, was, man möchte sagen selbstverständlich unbeachtet bleibt im alltäglichen Leben, wenn sie sich mit dem unsterblichen Wesenskern befassen will. Damit darf man sagen, steht man heute an dem Punkte der Menschheitsentwicklung, in dem Wissenschaft werden muss, was vorher nicht Wissenschaft sein konnte.

[ 45 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was der Geistesforscher gleichsam [herausdestilliert] aus dem Menschen, um es vor die Erkenntnis hinzustellen, das ist ja immer im Menschen drinnen, das ist ja das im Menschenwesen Unsterbliche. Der Geistesforscher erfasst es nicht, der Geistesforscher ruft es nur herein in den Horizont der Erkenntnis.

[ 45 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was der Geistesforscher gleichsam [herausdestilliert] aus dem Menschen, um es vor die Erkenntnis hinzustellen, das ist ja immer im Menschen drinnen, das ist ja das im Menschenwesen Unsterbliche. Der Geistesforscher erfasst es nicht, der Geistesforscher ruft es nur herein in den Horizont der Erkenntnis.

[ 46 ] Und gewiss kann man hier einen Einwand machen, einen naheliegenden Einwand, der insbesondere deshalb naheliegt, weil er dem, was ja so sehr mit unserem Seelenleben auch innerlich verknüpft ist, naheliegt, der Menschen inneren Seelenbequemlichkeit naheliegt. Man kann sagen: Warum sich bemühen um diesen ewigen Wesenskern? Wir werden schon im ewigen Leben, wenn wir unseren Leib abgelegt haben, zu ihm kommen. Wozu sich darum bemühen? [Er ist doch nun einmal ewig, wir werden schon sehen nach dem Tode!] Wir können uns ganz ruhig dem Leben überlassen und im Übrigen den Weltengeistern dasjenige, was sie mit unserem unsterblichen Wesenskern tun wollen, überlassen! Zweierlei muss gesagt werden gegen einen solch billigen Einwand.

[ 46 ] Und gewiss kann man hier einen Einwand machen, einen naheliegenden Einwand, der insbesondere deshalb naheliegt, weil er dem, was ja so sehr mit unserem Seelenleben auch innerlich verknüpft ist, naheliegt, der Menschen inneren Seelenbequemlichkeit naheliegt. Man kann sagen: Warum sich bemühen um diesen ewigen Wesenskern? Wir werden schon im ewigen Leben, wenn wir unseren Leib abgelegt haben, zu ihm kommen. Wozu sich darum bemühen? [Er ist doch nun einmal ewig, wir werden schon sehen nach dem Tode!] Wir können uns ganz ruhig dem Leben überlassen und im Übrigen den Weltengeistern dasjenige, was sie mit unserem unsterblichen Wesenskern tun wollen, überlassen! Zweierlei muss gesagt werden gegen einen solch billigen Einwand.

[ 47 ] Erstens handelt es sich darum, dass dem Menschen zu tun sein muss, nicht nur darum, dass er dies oder jenes weiß, dass er dieses oder jenes erblickt, sondern dass es ihm zu tun sein muss darum, dass der allgemeine Evolutions-, Entwicklungsprozess der Menschheit auf der Erde fortschreitet. So wie die Gesetze und Ideen der Naturwissenschaft einmal unbekannt waren und damals aus der [unbekannten] Finsternis hervorgeholt wurden in die Tat der Erkenntnis, so sind die meisten Wahrheiten erst unbekannt und müssen hervorgeholt werden aus dem Unbekannten in das Bekannte. Auf diesem Hervorholen des vorher Unbekannten beruht eben aller Menschheitsfortschritt. Und derjenige, der an diesem Menschheitsfortschritt nicht teilnehmen will, sodass die geistigen Wahrheiten ebenso diesem Menschheitsfortschritt einverleibt werden in der Zukunft, wie in der Vergangenheit die Naturwissenschaft einverleibt werden musste, der soll nur gestehen, dass ihm im Grunde genommen aller Menschheitsfortschritt gleichgültig ist, in dem er doch drinnensteckt. Das ist der mehr abstrakte Weg, wenn er auch [gewichtig] ist.

[ 47 ] Erstens handelt es sich darum, dass dem Menschen zu tun sein muss, nicht nur darum, dass er dies oder jenes weiß, dass er dieses oder jenes erblickt, sondern dass es ihm zu tun sein muss darum, dass der allgemeine Evolutions-, Entwicklungsprozess der Menschheit auf der Erde fortschreitet. So wie die Gesetze und Ideen der Naturwissenschaft einmal unbekannt waren und damals aus der [unbekannten] Finsternis hervorgeholt wurden in die Tat der Erkenntnis, so sind die meisten Wahrheiten erst unbekannt und müssen hervorgeholt werden aus dem Unbekannten in das Bekannte. Auf diesem Hervorholen des vorher Unbekannten beruht eben aller Menschheitsfortschritt. Und derjenige, der an diesem Menschheitsfortschritt nicht teilnehmen will, sodass die geistigen Wahrheiten ebenso diesem Menschheitsfortschritt einverleibt werden in der Zukunft, wie in der Vergangenheit die Naturwissenschaft einverleibt werden musste, der soll nur gestehen, dass ihm im Grunde genommen aller Menschheitsfortschritt gleichgültig ist, in dem er doch drinnensteckt. Das ist der mehr abstrakte Weg, wenn er auch [gewichtig] ist.

[ 48 ] Der andere aber ist der, dass nicht nur ein solcher abstrakter Fortschritt stattfindet in der Menschheit Entwicklungsprozess, sondern ein recht, recht konkreter Fortschritt stattfindet. Es entspricht nur einer oberflächlichen Betrachtung der Menschheitsentwicklung auf der Erde, wenn man glaubt, solange es Menschen auf der Erde gegeben hat, waren sie sich im Wesentlichen gleich. Sie waren sich eben gar nicht im Wesentlichen gleich. Wir erlauben uns heute eine griechische, eine römische, eine aus der alten persischen Geschichte stammende Seele zu beurteilen, weil wir gar nicht ahnen, wie sehr die Seelen der Menschen in alten Zeiten verschieden waren von den Menschen in der Gegenwart. Wenn wir zurückschauen in alte Zeiten, finden wir [überall auf dem Grunde der Seelen] aus Urzeiten herstammendes, aus alten Regionen herstammendes innerlich-hellsichtiges Bewusstsein, wodurch die Seelen ihren Zusammenhang in sich hatten mit göttlich-geistigen Kräften der Welt. Darin aber besteht gerade alle Selbstständigkeit bei des Menschen Wesen, dass er im Verlauf der Entwicklungsgeschichte zur Freiheit sich entzieht, sich herausholt aus diesem ursprünglichen traumhaften Hellsehen zunächst. Darauf beruht auch die Möglichkeit der heutigen rein äußeren Erkenntnis, und nun muss aber wiederum — nachdem der Mensch errungen die Stufe der Loslösung vom geistigen Leben —, muss er wiederum vom geistigen Leben erfasst werden, wiederum [hineinfüllen in seine Seele] das substanzielle Geistesleben durch Geisteswissenschaft.

[ 48 ] Der andere aber ist der, dass nicht nur ein solcher abstrakter Fortschritt stattfindet in der Menschheit Entwicklungsprozess, sondern ein recht, recht konkreter Fortschritt stattfindet. Es entspricht nur einer oberflächlichen Betrachtung der Menschheitsentwicklung auf der Erde, wenn man glaubt, solange es Menschen auf der Erde gegeben hat, waren sie sich im Wesentlichen gleich. Sie waren sich eben gar nicht im Wesentlichen gleich. Wir erlauben uns heute eine griechische, eine römische, eine aus der alten persischen Geschichte stammende Seele zu beurteilen, weil wir gar nicht ahnen, wie sehr die Seelen der Menschen in alten Zeiten verschieden waren von den Menschen in der Gegenwart. Wenn wir zurückschauen in alte Zeiten, finden wir [überall auf dem Grunde der Seelen] aus Urzeiten herstammendes, aus alten Regionen herstammendes innerlich-hellsichtiges Bewusstsein, wodurch die Seelen ihren Zusammenhang in sich hatten mit göttlich-geistigen Kräften der Welt. Darin aber besteht gerade alle Selbstständigkeit bei des Menschen Wesen, dass er im Verlauf der Entwicklungsgeschichte zur Freiheit sich entzieht, sich herausholt aus diesem ursprünglichen traumhaften Hellsehen zunächst. Darauf beruht auch die Möglichkeit der heutigen rein äußeren Erkenntnis, und nun muss aber wiederum — nachdem der Mensch errungen die Stufe der Loslösung vom geistigen Leben —, muss er wiederum vom geistigen Leben erfasst werden, wiederum [hineinfüllen in seine Seele] das substanzielle Geistesleben durch Geisteswissenschaft.

[ 49 ] Heute stehen wir allerdings als Menschen zum größten Teil noch auf der Stufe, dass wir sagen können: Wir haben noch so viele ererbte Kräfte, dass unsere Seele nicht verdunkelt und [abgedämmert] wird, wenn sie durch die Pforte des Todes tritt. Aber der Mensch geht, indem er von Leben zu Leben fortschreitet, eine Entwicklung durch. Es werden die innerlichen spirituellen Kräfte abgekannt und abgedämpft. Und angewiesen ist der Mensch darauf, wenn er von den jetzigen in die zukünftigen Lebensläufe hineingeht, dass er in sich nun bewusst und aus innerer Freiheit heraus entwickelt dasjenige, was ihn erfüllt mit bewusstem Zusammenhang mit der astralen Welt, mit solchen Kräften, die nur in der Seele selber losgelöst werden können, sodass er das Leben zwischen Tod und neuer Geburt nicht in Dumpfheit, sondern in hellem innerlichen Erfühlen und Erfahren durchmacht.

[ 49 ] Heute stehen wir allerdings als Menschen zum größten Teil noch auf der Stufe, dass wir sagen können: Wir haben noch so viele ererbte Kräfte, dass unsere Seele nicht verdunkelt und [abgedämmert] wird, wenn sie durch die Pforte des Todes tritt. Aber der Mensch geht, indem er von Leben zu Leben fortschreitet, eine Entwicklung durch. Es werden die innerlichen spirituellen Kräfte abgekannt und abgedämpft. Und angewiesen ist der Mensch darauf, wenn er von den jetzigen in die zukünftigen Lebensläufe hineingeht, dass er in sich nun bewusst und aus innerer Freiheit heraus entwickelt dasjenige, was ihn erfüllt mit bewusstem Zusammenhang mit der astralen Welt, mit solchen Kräften, die nur in der Seele selber losgelöst werden können, sodass er das Leben zwischen Tod und neuer Geburt nicht in Dumpfheit, sondern in hellem innerlichen Erfühlen und Erfahren durchmacht.

[ 50 ] Dass Geisteswissenschaft gegenwärtig in unsere Menschheitsentwicklung eintritt, das hängt zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwicklung; hängt damit zusammen, dass der Mensch nur frei werden konnte, indem er in einer gewissen Weise abriss den Faden, der ihn an die geistigen Welten band. Aber anknüpfen muss er nun aus Freiheit, aus freiem Bewusstsein heraus wiederum dies Band, das ihn mit den geistigen Welten zusammenhält. Es ist unmöglich, dass nicht nach und nach, von der Jetztzeit ab immer mehr und mehr von den Menschen erkannt wird die Notwendigkeit, ins Bewusstsein hineinzunehmen Erkenntnisse der geistigen Welt, Erkenntnis des ewigen Wesenskerns des Menschen.

[ 50 ] Dass Geisteswissenschaft gegenwärtig in unsere Menschheitsentwicklung eintritt, das hängt zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwicklung; hängt damit zusammen, dass der Mensch nur frei werden konnte, indem er in einer gewissen Weise abriss den Faden, der ihn an die geistigen Welten band. Aber anknüpfen muss er nun aus Freiheit, aus freiem Bewusstsein heraus wiederum dies Band, das ihn mit den geistigen Welten zusammenhält. Es ist unmöglich, dass nicht nach und nach, von der Jetztzeit ab immer mehr und mehr von den Menschen erkannt wird die Notwendigkeit, ins Bewusstsein hineinzunehmen Erkenntnisse der geistigen Welt, Erkenntnis des ewigen Wesenskerns des Menschen.

[ 51 ] Daher tritt auf da, wo das geistige Leben intensiver wurde in neuerer Zeit, wo es sich mehr angewiesen fühlte, aus dem Innen heraus Lebens- und Schicksalsgewissheit zu gewinnen, da tritt auf der Gedanke der wiederholten Erdenleben. Er tritt uns entgegen zum Beispiel im achtzehnten Jahrhundert bei einem der führenden Geister des deutschen Geisteslebens, bei Lessing. Ich habe es schon erwähnt hier, sein reifstes Werk «Die Erziehung des Menschengeschlechts» hat Lessing wie ein Testament der Menschheit hinterlassen. Und der Grundgedanke dieses reifsten Werkes Lessings, dieses Testaments Lessings ist der Gedanke der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden rein geistigen Leben. Ich habe es schon erwähnt, ganz gescheite Leute, die heute Geisteswissenschaft noch so behandeln, dass sie sagen: Ein Mensch mit seinen gesunden fünf Sinnen könne davon nichts verstehen, solche Leute sagen etwa: Nun, der Lessing war ein großer Mann; sein ganzes Leben hindurch hat er wirklich vernünftig oder genial geschrieben; im Alter, da ist er eben etwas schwächer geworden, und dann hat er die vertrackte Idee von den wiederholten Erdenleben gehabt.

[ 51 ] Daher tritt auf da, wo das geistige Leben intensiver wurde in neuerer Zeit, wo es sich mehr angewiesen fühlte, aus dem Innen heraus Lebens- und Schicksalsgewissheit zu gewinnen, da tritt auf der Gedanke der wiederholten Erdenleben. Er tritt uns entgegen zum Beispiel im achtzehnten Jahrhundert bei einem der führenden Geister des deutschen Geisteslebens, bei Lessing. Ich habe es schon erwähnt hier, sein reifstes Werk «Die Erziehung des Menschengeschlechts» hat Lessing wie ein Testament der Menschheit hinterlassen. Und der Grundgedanke dieses reifsten Werkes Lessings, dieses Testaments Lessings ist der Gedanke der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden rein geistigen Leben. Ich habe es schon erwähnt, ganz gescheite Leute, die heute Geisteswissenschaft noch so behandeln, dass sie sagen: Ein Mensch mit seinen gesunden fünf Sinnen könne davon nichts verstehen, solche Leute sagen etwa: Nun, der Lessing war ein großer Mann; sein ganzes Leben hindurch hat er wirklich vernünftig oder genial geschrieben; im Alter, da ist er eben etwas schwächer geworden, und dann hat er die vertrackte Idee von den wiederholten Erdenleben gehabt.

[ 52 ] Es mag ja sein, dass diese ganz gescheiten Leute heute noch ein Recht fühlen können, gegen einen solchen Sucher sich aufzulehnen, wie Lessing es war, der etwas fühlte von der Zeit, die stärkere Seelenkraft braucht als die bloß passive der äußeren Naturwissenschaft. Dasjenige, was also durch einen Geist wie Lessing in der deutschen Geistesgeschichte angeknüpft worden ist, es bildet wiederum eine Art von Anlage, die ausgebildet werden muss; und insbesondere gefühlt werden muss in alledem, was im Bereich der deutschen Volksseele liegt — [gefühlt wird es werden] — und was dahin führen wird, dass insbesondere aus dem Bereich der deutschen Volksseele, [nicht] aus irgendeiner mitteleuropäischen Kultur heraus, dasjenige [ausgebildet wird], was auch von solch [einem] klaren Geist wie Lessing ausgebildet wird, um langsam einzulaufen in den Strom geisteswissenschaftlicher Forschung, die aufklärt über das Wesen, über das wahre Wesen der unsterblichen Menschenseele, so wie [es] heute angedeutet worden ist.

[ 52 ] Es mag ja sein, dass diese ganz gescheiten Leute heute noch ein Recht fühlen können, gegen einen solchen Sucher sich aufzulehnen, wie Lessing es war, der etwas fühlte von der Zeit, die stärkere Seelenkraft braucht als die bloß passive der äußeren Naturwissenschaft. Dasjenige, was also durch einen Geist wie Lessing in der deutschen Geistesgeschichte angeknüpft worden ist, es bildet wiederum eine Art von Anlage, die ausgebildet werden muss; und insbesondere gefühlt werden muss in alledem, was im Bereich der deutschen Volksseele liegt — [gefühlt wird es werden] — und was dahin führen wird, dass insbesondere aus dem Bereich der deutschen Volksseele, [nicht] aus irgendeiner mitteleuropäischen Kultur heraus, dasjenige [ausgebildet wird], was auch von solch [einem] klaren Geist wie Lessing ausgebildet wird, um langsam einzulaufen in den Strom geisteswissenschaftlicher Forschung, die aufklärt über das Wesen, über das wahre Wesen der unsterblichen Menschenseele, so wie [es] heute angedeutet worden ist.

[ 53 ] Diese Anlage, sie lag allerdings tief, tief in dem begründet, wovon gestern gesagt worden ist, dass es Johann Gottlieb Fichte als den eigentlichen Urquell der Deutschheit empfand. Noch einmal sei heute hingewiesen auf etwas, was Fichte immer wieder und wiederum prägnant, immer wieder und wiederum hervorgehoben [hat]. Auf einen wunderbar schönen Gedanken Fichtes, einen Gedanken, der ungefähr so lautet dem Sinne nach, [nicht wortwörtlich], Fichte sagt: Nicht erst, wenn wir durch den Tod gegangen sind, werden wir unsterbliche Lebewesen in der geistigen Welt. Nein, schon hier im Leibe können wir gewahr werden desjenigen, was in uns unsterblich ist, desjenigen, was als das Unsterbliche unseres sterblichen Leibes selber schafft und wirkt und was dann durch den Tod tritt. Und ich — meint Fichte — meinerseits muss sagen, dass ich allein im Erfassen dieses über alles Sterbliche im Menschen triumphierenden Unsterblichen den eigentlichen Sinn des Lebens erkenne, dasjenige erkenne, um dessentwillen eigentlich allein einer in diesem sterblichen Leibe leben mag.

[ 53 ] Diese Anlage, sie lag allerdings tief, tief in dem begründet, wovon gestern gesagt worden ist, dass es Johann Gottlieb Fichte als den eigentlichen Urquell der Deutschheit empfand. Noch einmal sei heute hingewiesen auf etwas, was Fichte immer wieder und wiederum prägnant, immer wieder und wiederum hervorgehoben [hat]. Auf einen wunderbar schönen Gedanken Fichtes, einen Gedanken, der ungefähr so lautet dem Sinne nach, [nicht wortwörtlich], Fichte sagt: Nicht erst, wenn wir durch den Tod gegangen sind, werden wir unsterbliche Lebewesen in der geistigen Welt. Nein, schon hier im Leibe können wir gewahr werden desjenigen, was in uns unsterblich ist, desjenigen, was als das Unsterbliche unseres sterblichen Leibes selber schafft und wirkt und was dann durch den Tod tritt. Und ich — meint Fichte — meinerseits muss sagen, dass ich allein im Erfassen dieses über alles Sterbliche im Menschen triumphierenden Unsterblichen den eigentlichen Sinn des Lebens erkenne, dasjenige erkenne, um dessentwillen eigentlich allein einer in diesem sterblichen Leibe leben mag.

[ 54 ] Da tritt uns bei Fichte als Anlage vor der Erkenntnis klar zutage, was durch die Geisteswissenschaft heute weiter ausgeführt werden soll, was immer mehr ausgeführt werden muss in der Zukunft. Wovon spricht denn Fichte? Davon spricht Fichte, dass in diesem sterblichen Menschenleibe, der [heranwächst] und sich entwickelt, eben gerade durch die unsterbliche Seele zwischen Geburt und Tod, dass in diesem sterblichen Menschenleib erfasst werden kann — wenn nur die rechte, die taugliche innere Kraft aus der Seele losgelöst werde —, erfasst werden kann schon das Unsterbliche, dass sich der Mensch in seiner Sterblichkeit schon des Unsterblichen bewusst werden kann und dass er nicht erst zu warten hat auf die Anerkennung der Unsterblichkeit im Tode, sondern dass er dasjenige, was durch Geburten und Tode, durch Ewigkeiten geht, mit den dazu tauglichen Erkenntniskräften in sich finden kann.

[ 54 ] Da tritt uns bei Fichte als Anlage vor der Erkenntnis klar zutage, was durch die Geisteswissenschaft heute weiter ausgeführt werden soll, was immer mehr ausgeführt werden muss in der Zukunft. Wovon spricht denn Fichte? Davon spricht Fichte, dass in diesem sterblichen Menschenleibe, der [heranwächst] und sich entwickelt, eben gerade durch die unsterbliche Seele zwischen Geburt und Tod, dass in diesem sterblichen Menschenleib erfasst werden kann — wenn nur die rechte, die taugliche innere Kraft aus der Seele losgelöst werde —, erfasst werden kann schon das Unsterbliche, dass sich der Mensch in seiner Sterblichkeit schon des Unsterblichen bewusst werden kann und dass er nicht erst zu warten hat auf die Anerkennung der Unsterblichkeit im Tode, sondern dass er dasjenige, was durch Geburten und Tode, durch Ewigkeiten geht, mit den dazu tauglichen Erkenntniskräften in sich finden kann.

[ 55 ] Veranlagt ist diese Geisteswissenschaft insbesondere bei jenen Persönlichkeiten des geistigen Strebens, deren Zeit erst ein wenig charakterisiert werden musste, und veranlagt ist es da so — und das ist das Wesentliche, denn naturgemäß treten Sachen an den verschiedensten Orten in deren Richtung uns entgegen —, aber veranlagt ist es da so, dass wir gewissermaßen eine gerade Linie ziehen können zwischen dem, was da beginnt, anfängt, geistig Frucht zu tragen, zu dem, was sich nunmehr entwickeln muss. Und man möchte sagen, sehr verehrte Anwesende, niemals wiederum ist in dem Strome gerade des deutschen, des mitteleuropäischen Geisteslebens diese Bewusstheit in Erfassung dieses unsterblichen Menschenkernes im wissenschaftlichen Erfassen verloren gegangen. Immer war es wieder und wiederum da. Ich könnte vieles, vieles, was hervorgetreten ist im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts bis in unsere Tage aufzählen. Ich möchte nur auf eines aufmerksam machen, das zeigen soll, wie in der Tat ein Bewusstsein, wenn auch ein zartes Bewusstsein, oder besser gesagt, das sich zart nur ergeben wollte, vorhanden war von dem gerade, was heute hier entwickelt worden ist.

[ 55 ] Veranlagt ist diese Geisteswissenschaft insbesondere bei jenen Persönlichkeiten des geistigen Strebens, deren Zeit erst ein wenig charakterisiert werden musste, und veranlagt ist es da so — und das ist das Wesentliche, denn naturgemäß treten Sachen an den verschiedensten Orten in deren Richtung uns entgegen —, aber veranlagt ist es da so, dass wir gewissermaßen eine gerade Linie ziehen können zwischen dem, was da beginnt, anfängt, geistig Frucht zu tragen, zu dem, was sich nunmehr entwickeln muss. Und man möchte sagen, sehr verehrte Anwesende, niemals wiederum ist in dem Strome gerade des deutschen, des mitteleuropäischen Geisteslebens diese Bewusstheit in Erfassung dieses unsterblichen Menschenkernes im wissenschaftlichen Erfassen verloren gegangen. Immer war es wieder und wiederum da. Ich könnte vieles, vieles, was hervorgetreten ist im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts bis in unsere Tage aufzählen. Ich möchte nur auf eines aufmerksam machen, das zeigen soll, wie in der Tat ein Bewusstsein, wenn auch ein zartes Bewusstsein, oder besser gesagt, das sich zart nur ergeben wollte, vorhanden war von dem gerade, was heute hier entwickelt worden ist.

[ 56 ] Einer derjenigen Geister, der der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts angehört, der auch auf dem Boden der Goethe-Schiller-Fichte’sehen Weltanschauung steht, der in seinem Leben in ununterbrochenem Fortgang diese Weltanschauung herausgebildet hat, ist der im Jahre 1901 verstorbene, ausgezeichnete, auch hier schon mehrfach von mir erwähnte Kunstforscher Herman Grimm.

[ 56 ] Einer derjenigen Geister, der der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts angehört, der auch auf dem Boden der Goethe-Schiller-Fichte’sehen Weltanschauung steht, der in seinem Leben in ununterbrochenem Fortgang diese Weltanschauung herausgebildet hat, ist der im Jahre 1901 verstorbene, ausgezeichnete, auch hier schon mehrfach von mir erwähnte Kunstforscher Herman Grimm.

[ 57 ] Dieser Kunstforscher Herman Grimm hat aber auch Novellen geschrieben. In seinem Novellenbande ist eine der ersten Novellen gleich diese, die da heißt: «Die Sängerin». Da schildert er, wie eine gewisse Lebensbeziehung sich zwischen zwei Menschen, einer Sängerin und einem Mann, anspinnt, ich will nur in ganz kurzen Strichen den Sinn anführen. Er schildert, wie dann die beiden Menschen im Leben durch Charakter und Verhältnisse auseinandergetrieben werden. Und er schildert da, wie der Mann aus Gram Selbstmord begeht, wie die Sängerin das erfährt, wie das auf sie wirkt. Und nun schildert Herman Grimm in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts ganz anschaulich in seiner Novelle «Die Sängerin», wie die losgelöste Äthergestalt — ein Teil dessen, was, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, eben in die geistige Welt übergeht — vor der Sängerin auftritt, sodass diese tatsächlich nach dem Tode des von ihr im Leben Verschmähten, man möchte sagen den Inbegriff seiner unsterblichen Wesenheit vor sich hat. Würde ich Ihnen das ausführlich schildern können, würde ich auch rechtfertigen können, warum ich gerade diese Novelle herbeiziehe. Selbstverständlich kann erwidert werden, dass der Dichter alles aufzubauschen und auszurichten vermag. Darauf kommt es nicht an, sondern der Geistesforscher hat den unmittelbaren Eindruck: Hier gibt ein Dichter sachgemäß [wieder], so wie man weiß, dass die Sache sich abspielt, [er gibt] Kunde von dem Leben nach dem Tode.

[ 57 ] Dieser Kunstforscher Herman Grimm hat aber auch Novellen geschrieben. In seinem Novellenbande ist eine der ersten Novellen gleich diese, die da heißt: «Die Sängerin». Da schildert er, wie eine gewisse Lebensbeziehung sich zwischen zwei Menschen, einer Sängerin und einem Mann, anspinnt, ich will nur in ganz kurzen Strichen den Sinn anführen. Er schildert, wie dann die beiden Menschen im Leben durch Charakter und Verhältnisse auseinandergetrieben werden. Und er schildert da, wie der Mann aus Gram Selbstmord begeht, wie die Sängerin das erfährt, wie das auf sie wirkt. Und nun schildert Herman Grimm in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts ganz anschaulich in seiner Novelle «Die Sängerin», wie die losgelöste Äthergestalt — ein Teil dessen, was, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, eben in die geistige Welt übergeht — vor der Sängerin auftritt, sodass diese tatsächlich nach dem Tode des von ihr im Leben Verschmähten, man möchte sagen den Inbegriff seiner unsterblichen Wesenheit vor sich hat. Würde ich Ihnen das ausführlich schildern können, würde ich auch rechtfertigen können, warum ich gerade diese Novelle herbeiziehe. Selbstverständlich kann erwidert werden, dass der Dichter alles aufzubauschen und auszurichten vermag. Darauf kommt es nicht an, sondern der Geistesforscher hat den unmittelbaren Eindruck: Hier gibt ein Dichter sachgemäß [wieder], so wie man weiß, dass die Sache sich abspielt, [er gibt] Kunde von dem Leben nach dem Tode.

[ 58 ] Und einen Roman hat Herman Grimm geschrieben, der auch aus anderen Gründen gründlich gelesen werden sollte: «Unüberwindliche Mächte». Die Geschichte des Romans spielt gerade während der Zeit des Krieges, 1866. In gleicher Art meisterhafter Weise ist das Ineinanderspiel der europäischen und der amerikanischen Kulturverhältnisse in diesem Roman geschildert. Und aus diesem Untergrund heraus erhebt sich das Schicksal verschiedener Menschen; gegen den Schluss hin die Schilderung des Todes der Heldin. Gewissermaßen am Schluss des Romans nun findet sich, dass jener Dichter Herman Grimm wiederum uns sehr Merkwürdiges schildert. Er schildert sehr anschaulich den Tod, und er schildert den Tod so, indem wir dasjenige, wovon ich heute geschildert habe, wie es sich heraushebt, ich möchte sagen durch geistesforscherische Experimentalkunst aus dem Leibe im Tode. [Lücke im Text]. Es war noch nicht die Zeit gekommen in den Sechzigerjahren, Geisteswissenschaft zu treiben, aber jene Menschen, die durch das besondere Gefüge ihres Seelenlebens Zusammenhang hatten mit dem Geistigen, standen eben drinnen in diesem Geistigen und hatten das Bedürfnis, auch da, wo sie Kräfte schilderten, nicht bloß die äußere Sinneswelt zu zeigen, sondern dasjenige, was der ewige Teil dieser Sinneswelt ist.

[ 58 ] Und einen Roman hat Herman Grimm geschrieben, der auch aus anderen Gründen gründlich gelesen werden sollte: «Unüberwindliche Mächte». Die Geschichte des Romans spielt gerade während der Zeit des Krieges, 1866. In gleicher Art meisterhafter Weise ist das Ineinanderspiel der europäischen und der amerikanischen Kulturverhältnisse in diesem Roman geschildert. Und aus diesem Untergrund heraus erhebt sich das Schicksal verschiedener Menschen; gegen den Schluss hin die Schilderung des Todes der Heldin. Gewissermaßen am Schluss des Romans nun findet sich, dass jener Dichter Herman Grimm wiederum uns sehr Merkwürdiges schildert. Er schildert sehr anschaulich den Tod, und er schildert den Tod so, indem wir dasjenige, wovon ich heute geschildert habe, wie es sich heraushebt, ich möchte sagen durch geistesforscherische Experimentalkunst aus dem Leibe im Tode. [Lücke im Text]. Es war noch nicht die Zeit gekommen in den Sechzigerjahren, Geisteswissenschaft zu treiben, aber jene Menschen, die durch das besondere Gefüge ihres Seelenlebens Zusammenhang hatten mit dem Geistigen, standen eben drinnen in diesem Geistigen und hatten das Bedürfnis, auch da, wo sie Kräfte schilderten, nicht bloß die äußere Sinneswelt zu zeigen, sondern dasjenige, was der ewige Teil dieser Sinneswelt ist.

[ 59 ] Menschen entwickelten sich aus jenem geistigen Kulturanfang heraus, welche wussten, dass man, wenn man die wahre Wirklichkeit schildern will, mehr zu schildern hat als den physischen äußeren Sinnenschein, welche wussten, dass der, der dies ableugnet, so redet wie einer, der ein stark magnetisches Hufeisen, das er vor sich hat, sagt: «Du bist ein phantastischer Narr. Es hat keine unsichtbaren Kräfte in sich.» So wie es hier im Groben ist, ist es mit der ganzen Sinneswelt zum geistigen Teile /Lücke im Text]. Das aber wussten die Menschen, welche gelernt haben namentlich aus der Vertiefung des deutschen Idealismus heraus, die spirituelle Wirklichkeit zu empfinden. Das ist der Weg der Menschheitsentwicklung, sehr verehrte Anwesende, aus dem bloßen Idealismus heraus, der die Größe einer abgelaufenen und insbesondere deutschen Epoche ausmacht, herauszuentwickeln eine echte geistgemäße Weltanschauung. Das ist — man kann es so recht empfinden gerade durch ein objektives unbefangenes Anschauen des deutschen Geisteslebens —, das ist wirklich eine Mission des deutschen Idealismus, sich zu konkretisieren, sich innerlich zu erfüllen, damit er aus der ideellen Anerkennung des geistigen Lebens, wie wir es haben bei Fichte, bei Schelling, bei Hegel, [vordringen kann] zu der wirklichen Anschauung des geistigen Erlebens mit geistigen Augen und geistigen Ohren, von denen Goethe gesprochen hat.

[ 59 ] Menschen entwickelten sich aus jenem geistigen Kulturanfang heraus, welche wussten, dass man, wenn man die wahre Wirklichkeit schildern will, mehr zu schildern hat als den physischen äußeren Sinnenschein, welche wussten, dass der, der dies ableugnet, so redet wie einer, der ein stark magnetisches Hufeisen, das er vor sich hat, sagt: «Du bist ein phantastischer Narr. Es hat keine unsichtbaren Kräfte in sich.» So wie es hier im Groben ist, ist es mit der ganzen Sinneswelt zum geistigen Teile /Lücke im Text]. Das aber wussten die Menschen, welche gelernt haben namentlich aus der Vertiefung des deutschen Idealismus heraus, die spirituelle Wirklichkeit zu empfinden. Das ist der Weg der Menschheitsentwicklung, sehr verehrte Anwesende, aus dem bloßen Idealismus heraus, der die Größe einer abgelaufenen und insbesondere deutschen Epoche ausmacht, herauszuentwickeln eine echte geistgemäße Weltanschauung. Das ist — man kann es so recht empfinden gerade durch ein objektives unbefangenes Anschauen des deutschen Geisteslebens —, das ist wirklich eine Mission des deutschen Idealismus, sich zu konkretisieren, sich innerlich zu erfüllen, damit er aus der ideellen Anerkennung des geistigen Lebens, wie wir es haben bei Fichte, bei Schelling, bei Hegel, [vordringen kann] zu der wirklichen Anschauung des geistigen Erlebens mit geistigen Augen und geistigen Ohren, von denen Goethe gesprochen hat.

[ 60 ] Und wiederum ist es sehr merkwürdig, sehr verehrte Anwesende, dass erleuchtete Geister des neunzehnten Jahrhunderts gleich da, wo sie den Blick hinwenden auf deutsches Geistesleben — [insbesondere Goethe] —, dass sie darauf kommen, dass eine Art Hoffnung der Menschheit zusammenhängt mit der Entwicklung gerade dieses Geisteslebens. Man möchte sagen, dass man, wenn ja heute in diesen unseren schicksalsschweren Zeiten vielleicht gerade an dem, was sich zwischen den Zeilen des Lebens — verzeihen Sie den törichten, aber vielleicht doch prägnanten Ausdruck — abspielt, wenn man eben [mit geschärften Seelenkräften] prüft, etwas fühlt von dem, wie gerade durch die Fortentwicklung des Geisteslebens aus den Wurzeln des deutschen Idealismus heraus die Welt zum Erfassen des Geistigen kommen kann. Man fühlt das, ohne dass man dabei von einer besonderen Überhebung in Bezug auf das eigene deutsche Geistesleben erfüllt zu sein braucht. Man braucht nicht von Hochmut erfüllt zu sein, man kann heute wirklich an manchen Erscheinungen fühlen, wie dasjenige, was sich als Großes in die Welt hereingestellt hat in der Goethe-Schiller-Fichte-Zeit, der Anfang war einer großen geistigen Entwicklung, die zu verteidigen ist [in Mitteleuropa].

[ 60 ] Und wiederum ist es sehr merkwürdig, sehr verehrte Anwesende, dass erleuchtete Geister des neunzehnten Jahrhunderts gleich da, wo sie den Blick hinwenden auf deutsches Geistesleben — [insbesondere Goethe] —, dass sie darauf kommen, dass eine Art Hoffnung der Menschheit zusammenhängt mit der Entwicklung gerade dieses Geisteslebens. Man möchte sagen, dass man, wenn ja heute in diesen unseren schicksalsschweren Zeiten vielleicht gerade an dem, was sich zwischen den Zeilen des Lebens — verzeihen Sie den törichten, aber vielleicht doch prägnanten Ausdruck — abspielt, wenn man eben [mit geschärften Seelenkräften] prüft, etwas fühlt von dem, wie gerade durch die Fortentwicklung des Geisteslebens aus den Wurzeln des deutschen Idealismus heraus die Welt zum Erfassen des Geistigen kommen kann. Man fühlt das, ohne dass man dabei von einer besonderen Überhebung in Bezug auf das eigene deutsche Geistesleben erfüllt zu sein braucht. Man braucht nicht von Hochmut erfüllt zu sein, man kann heute wirklich an manchen Erscheinungen fühlen, wie dasjenige, was sich als Großes in die Welt hereingestellt hat in der Goethe-Schiller-Fichte-Zeit, der Anfang war einer großen geistigen Entwicklung, die zu verteidigen ist [in Mitteleuropa].

[ 61 ] Ich möchte nicht anders, als, ich darf sagen, aus einem «tragischen» Gefühl heraus, zwei Bilder hinstellen, die sich mir persönlich vor die Seele gerückt haben; wirklich nicht aus irgendeiner nationalen Subjektivität heraus, möchte ich diese zwei Bilder hinstellen, sondern weil sie mit gewissen Empfindungen unserer schicksalsschweren Zeit im Zusammenhang stehen.

[ 61 ] Ich möchte nicht anders, als, ich darf sagen, aus einem «tragischen» Gefühl heraus, zwei Bilder hinstellen, die sich mir persönlich vor die Seele gerückt haben; wirklich nicht aus irgendeiner nationalen Subjektivität heraus, möchte ich diese zwei Bilder hinstellen, sondern weil sie mit gewissen Empfindungen unserer schicksalsschweren Zeit im Zusammenhang stehen.

[ 62 ] Wir haben sie erlebt, die ersten Augusttage des [letzten] Jahres — des Jahres 1914 —, sie erlebt so, dass wir Kunde erhalten haben, wie sie durchlebt worden sind in den verschiedenen Ländern Europas. Nur zwei Bilder möchte ich hinstellen. Das eine Bild: Man steht vor einem großen Ereignis, dessen Größe man noch nicht einmal ermessen kann! Der Deutsche Reichstag tritt zusammen. Ich will nicht eingehen, weil ich nach Bismarcks bekanntem Wort nicht mischen will dasjenige, was bei Worten bleiben will, in dasjenige, was durch Taten entschieden werden soll, ich will nicht eingehen auf die unmittelbare Tagespolitik, auf das was von dieser Tagespolitik mit den politischen Ereignissen zusammenhängt, aber ein Bild als Bild steht da lebhaft vor der Seele: Da stehen sie, die Vertreter der einzelnen Parteirichtungen und schweigen, schweigen! Und dieses Schweigen, das macht einen gewaltigen Eindruck; einen Eindruck, sehr verehrte Anwesende, wie wenn es der Herold wäre zu dem, was hinterher geschehen soll. Und in diesem Schweigen liegt das Wort von einer großen, durch die Weltgeschichte raunenden Wahrheit.

[ 62 ] Wir haben sie erlebt, die ersten Augusttage des [letzten] Jahres — des Jahres 1914 —, sie erlebt so, dass wir Kunde erhalten haben, wie sie durchlebt worden sind in den verschiedenen Ländern Europas. Nur zwei Bilder möchte ich hinstellen. Das eine Bild: Man steht vor einem großen Ereignis, dessen Größe man noch nicht einmal ermessen kann! Der Deutsche Reichstag tritt zusammen. Ich will nicht eingehen, weil ich nach Bismarcks bekanntem Wort nicht mischen will dasjenige, was bei Worten bleiben will, in dasjenige, was durch Taten entschieden werden soll, ich will nicht eingehen auf die unmittelbare Tagespolitik, auf das was von dieser Tagespolitik mit den politischen Ereignissen zusammenhängt, aber ein Bild als Bild steht da lebhaft vor der Seele: Da stehen sie, die Vertreter der einzelnen Parteirichtungen und schweigen, schweigen! Und dieses Schweigen, das macht einen gewaltigen Eindruck; einen Eindruck, sehr verehrte Anwesende, wie wenn es der Herold wäre zu dem, was hinterher geschehen soll. Und in diesem Schweigen liegt das Wort von einer großen, durch die Weltgeschichte raunenden Wahrheit.

[ 63 ] Man kann den Blick wegwenden, eigentlich müsste ich ihn hinwenden nach dem anderen Orte, mehr östlich. Ich möchte sagen, wirklich, nein, ich muss es sagen mit einer Art innerlichem Weinen, das Bild, das sich dann ungefähr in denselben Tagen darbot in der Versammlung der Gossudarstwennaja Duma. Da war kein Schweigen, da redeten alle. Die Leute der verschiedenen Parteiengenossenschaften. Und da redeten sie so, dass diese Reden wirkten, dass sie den Eindruck formten, man habe es mit einer zusammengestellten, welthistorischen Theatervorstellung zu tun — man verzeihe den Ausdruck da, wo man ihn nicht gern verzeihen will, denn, wie gesagt, mit innerlichem Weinen nur konnte man dahin schauen. Der Taumelrausch einer unwahren Begeisterung trug [bei] dasjenige, was da viel, viel geredet wurde in der Gossudarstwennaja Duma, im Gegensatz zu dem Schweigen, das da herrschte weiter westlich.

[ 63 ] Man kann den Blick wegwenden, eigentlich müsste ich ihn hinwenden nach dem anderen Orte, mehr östlich. Ich möchte sagen, wirklich, nein, ich muss es sagen mit einer Art innerlichem Weinen, das Bild, das sich dann ungefähr in denselben Tagen darbot in der Versammlung der Gossudarstwennaja Duma. Da war kein Schweigen, da redeten alle. Die Leute der verschiedenen Parteiengenossenschaften. Und da redeten sie so, dass diese Reden wirkten, dass sie den Eindruck formten, man habe es mit einer zusammengestellten, welthistorischen Theatervorstellung zu tun — man verzeihe den Ausdruck da, wo man ihn nicht gern verzeihen will, denn, wie gesagt, mit innerlichem Weinen nur konnte man dahin schauen. Der Taumelrausch einer unwahren Begeisterung trug [bei] dasjenige, was da viel, viel geredet wurde in der Gossudarstwennaja Duma, im Gegensatz zu dem Schweigen, das da herrschte weiter westlich.

[ 64 ] Man wird, wenn man nicht mehr bloß aus Äußerlichem, sondern aus dem Hineinleben in die inneren Stimmungen der Weltgeschichte, eine Geschichte wird erforschen wollen, gleichsam geistig greifen wollen, was die Menschheitsentwicklung raunt, auf solche Stimmungen hinzuschauen haben. Etwas ist in diesem Schweigen, was wiederum Vertrauen gibt zu einer innerlichen Kraft, was ahnen uns lässt, dass im Schoße der mitteleuropäischen Kultur geistige Wahrheit und geistige Kraft gut aufgehoben ist und dass, wie sie da ruht, sie verteidigt werden muss.

[ 64 ] Man wird, wenn man nicht mehr bloß aus Äußerlichem, sondern aus dem Hineinleben in die inneren Stimmungen der Weltgeschichte, eine Geschichte wird erforschen wollen, gleichsam geistig greifen wollen, was die Menschheitsentwicklung raunt, auf solche Stimmungen hinzuschauen haben. Etwas ist in diesem Schweigen, was wiederum Vertrauen gibt zu einer innerlichen Kraft, was ahnen uns lässt, dass im Schoße der mitteleuropäischen Kultur geistige Wahrheit und geistige Kraft gut aufgehoben ist und dass, wie sie da ruht, sie verteidigt werden muss.

[ 65 ] Das ist es, was noch einen seelisch hinweghebt über den [von] Schmerz [durchdrungenen] Anblick, der von Tod und schwerem Schicksal in uns einzieht, wenn wir Europa und die Welt der Gegenwart überschauen. Und dann begreift man es, dass es heute noch lebt im deutschen Wesen, was wiederum einem außerdeutschen Geiste auffiel, Emerson, dem großen Amerikaner, als er Goethe beschreiben wollte und von Goethe ausgehend hinweisen wollte auf die Mission, die gerade die GoetheKultur für die Zukunft der Menschheit zu bedeuten hat.

[ 65 ] Das ist es, was noch einen seelisch hinweghebt über den [von] Schmerz [durchdrungenen] Anblick, der von Tod und schwerem Schicksal in uns einzieht, wenn wir Europa und die Welt der Gegenwart überschauen. Und dann begreift man es, dass es heute noch lebt im deutschen Wesen, was wiederum einem außerdeutschen Geiste auffiel, Emerson, dem großen Amerikaner, als er Goethe beschreiben wollte und von Goethe ausgehend hinweisen wollte auf die Mission, die gerade die GoetheKultur für die Zukunft der Menschheit zu bedeuten hat.

[ 66 ] Der Amerikaner Emerson sagt es von seiner Zeit, der Zeit des neunzehnten Jahrhunderts, von der Zeit, die aber auch die unsere ist:

[ 66 ] Der Amerikaner Emerson sagt es von seiner Zeit, der Zeit des neunzehnten Jahrhunderts, von der Zeit, die aber auch die unsere ist:

Die Welt ist jung, große Männer [vergangener Zeiten] rufen zu uns mit freundlichen Stimmen.

Die Welt ist jung, große Männer [vergangener Zeiten] rufen zu uns mit freundlichen Stimmen.

[ 67 ] Und das sind nun die eigenen Worte Emersons:

[ 67 ] Und das sind nun die eigenen Worte Emersons:

Wir müssen [heilige] Schriften schreiben,

Wir müssen [heilige] Schriften schreiben,

[ 68 ] — die Kunde geben vom Ewigen —,

[ 68 ] — die Kunde geben vom Ewigen —,

um den Himmel und die irdische Welt aufs Neue zu vereinen. Das Geheimnis des Genius ist, nicht zu dulden, dass eine Lüge für uns bestehen bleibt

um den Himmel und die irdische Welt aufs Neue zu vereinen. Das Geheimnis des Genius ist, nicht zu dulden, dass eine Lüge für uns bestehen bleibt

[ 69 ] — Emerson meint die Lüge, dass es kein Geistiges hinter dem Sinnlichen gäbe —,

[ 69 ] — Emerson meint die Lüge, dass es kein Geistiges hinter dem Sinnlichen gäbe —,

alles, dessen wir bewusst sind, zu einer Wahrheit zu machen, im Raffinement des modernen Lebens, in Kunst und Wissenschaft, in den Büchern und in den Menschen Glauben, Bestimmtheit und Vertrauen zu erwecken, und zu Anfang wie am Schluss, mitten auf dem Wege wie für [endlose] Zeiten jede Wahrheit dadurch zu ehren, dass wir sie nicht allein erkennen, sondern sie zu einer Richtschnur uns’res Handelns machen.

alles, dessen wir bewusst sind, zu einer Wahrheit zu machen, im Raffinement des modernen Lebens, in Kunst und Wissenschaft, in den Büchern und in den Menschen Glauben, Bestimmtheit und Vertrauen zu erwecken, und zu Anfang wie am Schluss, mitten auf dem Wege wie für [endlose] Zeiten jede Wahrheit dadurch zu ehren, dass wir sie nicht allein erkennen, sondern sie zu einer Richtschnur uns’res Handelns machen.

[ 70 ] Wenn Geisteswissenschaft herantritt an die Betrachtung, was im Menschenwesen unsterblich ist, so glaubt sie ja nichts anderes, als wahr zu machen dasjenige, was solche, die Menschheit führenden Genien als die Aufgabe gerade unserer und der kommenden Zeit gefühlt haben.

[ 70 ] Wenn Geisteswissenschaft herantritt an die Betrachtung, was im Menschenwesen unsterblich ist, so glaubt sie ja nichts anderes, als wahr zu machen dasjenige, was solche, die Menschheit führenden Genien als die Aufgabe gerade unserer und der kommenden Zeit gefühlt haben.

[ 71 ] Und in unseren schicksalstragenden Tagen, fühlen wir es denn nicht so recht aus den uns jeden Tag so nahe tretenden Stimmen des Todes und des Schicksals, fühlen wir es denn nicht, dass aus der Dämmerung der Zeitereignisse, die uns umgibt, ein helle Sonne hervorgeht, sich herausentwickeln muss, dass aus dem furchtbaren Kriege ein Friede zum Menschenheil heraus sich entwickeln muss? Fühlen wir denn nicht aber auch, dass all dasjenige, was erdulden diejenigen, die mit Leib und Leben einzutreten haben für das große Schicksal unserer Zeit, dass diese, indem sie das Todesopfer bringen, eine Lebensmahnung sind für diejenigen, die später leben werden? Können wir denn nicht heute vielleicht mehr als je fühlen, was es Bedeutsames habe, das umschließt irdisches und geistiges Leben, wenn wir hinblicken auf des Menschen unsterblichen Wesenskern, wenn wir ein gleichsam geistiges Sich-Loslösen sehen, wie er im Tode sich loslöst von dem Physisch-Leiblichen. Dann sagen wir uns: Da, da gehen sie hin, viele von jenen Menschenwesen, die noch unverbrauchte Menschenkräfte in sich tragen, die noch durch lange Jahrzehnte ihres Lebens hätten hier auf Erden wirken, leben, arbeiten, erkennen, wahrnehmen können. Das geht, indem sie durch die Pforte des Todes schreiten, unverbraucht hinaus [in die geistige Welt]. Die Menschheit wird es erkennen, dass in der geistigen Welt ebenso das Gesetz von der Erhaltung, von dem NichtVergehen-der-Kräfte herrscht wie in der physischen Welt.

[ 71 ] Und in unseren schicksalstragenden Tagen, fühlen wir es denn nicht so recht aus den uns jeden Tag so nahe tretenden Stimmen des Todes und des Schicksals, fühlen wir es denn nicht, dass aus der Dämmerung der Zeitereignisse, die uns umgibt, ein helle Sonne hervorgeht, sich herausentwickeln muss, dass aus dem furchtbaren Kriege ein Friede zum Menschenheil heraus sich entwickeln muss? Fühlen wir denn nicht aber auch, dass all dasjenige, was erdulden diejenigen, die mit Leib und Leben einzutreten haben für das große Schicksal unserer Zeit, dass diese, indem sie das Todesopfer bringen, eine Lebensmahnung sind für diejenigen, die später leben werden? Können wir denn nicht heute vielleicht mehr als je fühlen, was es Bedeutsames habe, das umschließt irdisches und geistiges Leben, wenn wir hinblicken auf des Menschen unsterblichen Wesenskern, wenn wir ein gleichsam geistiges Sich-Loslösen sehen, wie er im Tode sich loslöst von dem Physisch-Leiblichen. Dann sagen wir uns: Da, da gehen sie hin, viele von jenen Menschenwesen, die noch unverbrauchte Menschenkräfte in sich tragen, die noch durch lange Jahrzehnte ihres Lebens hätten hier auf Erden wirken, leben, arbeiten, erkennen, wahrnehmen können. Das geht, indem sie durch die Pforte des Todes schreiten, unverbraucht hinaus [in die geistige Welt]. Die Menschheit wird es erkennen, dass in der geistigen Welt ebenso das Gesetz von der Erhaltung, von dem NichtVergehen-der-Kräfte herrscht wie in der physischen Welt.

[ 72 ] Wissen wird die Menschheit, dass das nicht verschwindet, was scheinbar unverbraucht ist, in dem so viele Menschen in blühender Lebenskraft durch die Pforte des Todes treten müssen. Nicht nur glauben, wissen wird man in Zukunft. Diese Welt hängt zusammen mit einer Welt des Geistes; und real drinnen sind in jener geistigen Welt alle die Kräfte, die jetzt unverbraucht den physischen Leib verlassen mussten. Herabstrahlen werden sie auf den Horizont des Erdenwirkens in zukünftigen Zeiten; reale Kräfte werden sie sein für diejenigen Menschen, die ein Bewusstsein haben werden des Zusammenhanges des Physischen mit der geistigen Welt. Hinweg wird sein die Kluft, welche vergessen lässt in Wirklichkeit dasjenige, was nur scheinbar verloren ist. Wissen wird man sich im physischen Leben durchdrungen von denjenigen, die um Menschheitsziele und menschlichen Fortschritt das Todesopfer gebracht haben.

[ 72 ] Wissen wird die Menschheit, dass das nicht verschwindet, was scheinbar unverbraucht ist, in dem so viele Menschen in blühender Lebenskraft durch die Pforte des Todes treten müssen. Nicht nur glauben, wissen wird man in Zukunft. Diese Welt hängt zusammen mit einer Welt des Geistes; und real drinnen sind in jener geistigen Welt alle die Kräfte, die jetzt unverbraucht den physischen Leib verlassen mussten. Herabstrahlen werden sie auf den Horizont des Erdenwirkens in zukünftigen Zeiten; reale Kräfte werden sie sein für diejenigen Menschen, die ein Bewusstsein haben werden des Zusammenhanges des Physischen mit der geistigen Welt. Hinweg wird sein die Kluft, welche vergessen lässt in Wirklichkeit dasjenige, was nur scheinbar verloren ist. Wissen wird man sich im physischen Leben durchdrungen von denjenigen, die um Menschheitsziele und menschlichen Fortschritt das Todesopfer gebracht haben.

[ 73 ] Witwen, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern und alle diejenigen, die mit teuren Toten verbunden sind, werden sich wissen real konkret verbunden; und eins wird werden in Zukunft diejenige Welt, in der des Menschen sterblicher Leib lebt, diejenige Welt aber auch, in der des Menschen unsterblicher Wesenskern lebt. Und wahrhaftig, nicht schwach wird der Mensch im Hinblick von der physischen Welt auf die geistige werden. Wie wir erst entdecken die Kräfte, die im Eisen leben, wenn wir wissen, dass es magnetisch ist, so werden wir erst finden wahrhaftige Menschenstärke, Erhöhung, Steigerung, Bereicherung des Lebens, wenn wir den anderen Teil der wahren Wirklichkeit, wenn wir den geistigen Teil der Wirklichkeit in uns tragen.

[ 73 ] Witwen, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern und alle diejenigen, die mit teuren Toten verbunden sind, werden sich wissen real konkret verbunden; und eins wird werden in Zukunft diejenige Welt, in der des Menschen sterblicher Leib lebt, diejenige Welt aber auch, in der des Menschen unsterblicher Wesenskern lebt. Und wahrhaftig, nicht schwach wird der Mensch im Hinblick von der physischen Welt auf die geistige werden. Wie wir erst entdecken die Kräfte, die im Eisen leben, wenn wir wissen, dass es magnetisch ist, so werden wir erst finden wahrhaftige Menschenstärke, Erhöhung, Steigerung, Bereicherung des Lebens, wenn wir den anderen Teil der wahren Wirklichkeit, wenn wir den geistigen Teil der Wirklichkeit in uns tragen.

[ 74 ] Das will Geisteswissenschaft von dem unsterblichen Wesenskern des Menschen allmählich in die Menschheitskultur hineinbringen. So will sie im Konkreten für das Leben wirken. Sodass wir zusammenfassen können jetzt im Schlussworte dasjenige, was entwickelt worden ist. Ich möchte es zusammenfassen, etwas umwandelnd ein deutsches Dichterwort, der gerade seine Hoffnung auf die Menschenweltanschauung der Zukunft in solchen Worten auszusprechen versuchte: Geisteswissenschaft [will] ergründen ein Wissen vom Menschen, das sich nicht bloß erstreckt auf die kurze Gegenwart zwischen Geburt und Tod, das ins Auge fasst dasjenige, was von Leben zu Leben durch Ewigkeiten geht und hinaufhebt das, was also aus der geistigen Ewigkeit heraus erkundet ist, auf den Thron der Wahrheit, wo es regieren soll zur wahrhaften Befreiung der Menschen, der Seelen in den Menschen.

[ 74 ] Das will Geisteswissenschaft von dem unsterblichen Wesenskern des Menschen allmählich in die Menschheitskultur hineinbringen. So will sie im Konkreten für das Leben wirken. Sodass wir zusammenfassen können jetzt im Schlussworte dasjenige, was entwickelt worden ist. Ich möchte es zusammenfassen, etwas umwandelnd ein deutsches Dichterwort, der gerade seine Hoffnung auf die Menschenweltanschauung der Zukunft in solchen Worten auszusprechen versuchte: Geisteswissenschaft [will] ergründen ein Wissen vom Menschen, das sich nicht bloß erstreckt auf die kurze Gegenwart zwischen Geburt und Tod, das ins Auge fasst dasjenige, was von Leben zu Leben durch Ewigkeiten geht und hinaufhebt das, was also aus der geistigen Ewigkeit heraus erkundet ist, auf den Thron der Wahrheit, wo es regieren soll zur wahrhaften Befreiung der Menschen, der Seelen in den Menschen.