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The Human Soul, Fate and Death
GA 70a

16 February 1915, Stuttgart

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The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
  1. Menschenseele, Schicksal und Tod

4. Was ist am Menschenwesen Unsterblich?

4. What is Immortal about Human Beings?

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist ja zweifellos für den Menschen zu jeder Zeit bedeutsam, sich Betrachtungen, die nötig sind, hinzugeben über die große Frage der seelischen Wesenheit und des menschlichen Schicksals. Und im Grunde genommen sind es diese Fragen, welche auch der Betrachtung des heutigen Abends zugrunde liegen sollen. Ganz besonders aber scheint es nahezuliegen dem menschlichen Herzen in unserer schicksalsschweren Zeit, wo der Tod, wo das Schicksal selbst so gewaltig und tragisch über die Welt hinschreiten, hinzuneigen die Empfindungen, hinzuneigen die Vorstellungen und Betrachtungen zu diesem ins Menschenseelenleben so einschneidenden Rätsel.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! It is undoubtedly important for human beings at all times to engage in the necessary reflections on the great question of the spiritual nature of the human being and human destiny. And, fundamentally, it is these questions that are to form the basis of our reflections this evening. But it seems particularly natural for the human heart, in these fateful times—when death and fate itself stride so powerfully and tragically across the world—to turn its feelings, its ideas, and its reflections toward this enigma that cuts so deeply into the life of the human soul.

[ 2 ] Nun ist ja öfter, wenn ich hier solche Betrachtungen aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft anstellen durfte, darauf hingewiesen worden, dass Art und Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft gar sehr noch widerstreben demjenigen, was in unserer Zeit durch Jahrhunderte alte Gewohnheit des Denkens und des Fühlens anerkannt, für möglich gehalten wird. An dem, was heute die äußere Wissenschaft ist, und insbesondere an demjenigen, was sich wie eine Art von Glaubensbekenntnis in den weitesten Kreisen aus dieser Wissenschaft herausentwickelt hat, an alledem hat Geisteswissenschaft heute noch keine Stütze. Denn alle Denkgewohnheiten, alle [Forschungsusancen], die sich auf die angedeutete Art entwickelt haben, scheinen — ich sage ausdrücklich, scheinen — demjenigen direkt zu widerstreben, was Geisteswissenschaft zu sagen hat, über die großen Rätsel des Menschendaseins.

[ 2 ] Now, whenever I have been permitted to offer such reflections here from the field of spiritual science, it has often been pointed out that the nature and perspectives of spiritual science still stand in stark contrast to what is recognized and considered possible in our time through centuries-old habits of thought and feeling. Spiritual science still finds no support in what constitutes “external science” today, and especially not in what has developed from this science—like a kind of creed—in the widest circles; in all of this, spiritual science still finds no support. For all habits of thought, all [research practices] that have developed in the manner indicated, seem—and I say expressly, seem—to be in direct opposition to what spiritual science has to say about the great mysteries of human existence.

[ 3 ] Allein, auch das ist ja hier öfter erwähnt worden, verhältnismäßig, sehr verehrte Anwesende, verhältnismäßig wird der Umschwung, der sich zu vollziehen hat im menschlichen Denken von der gegenwärtigen Anschauungsweise zu derjenigen der Geisteswissenschaft nicht größer sein — verhältnismäßig —, als derjenige, der sich vollziehen musste, als die Morgenröte der naturwissenschaftlichen Denkungsart heraufkam; als gewissermaßen alle Begriffe, alle Ideen und Vorstellungen, die man über den Weltenbau und Weltenzusammenhang und Menschen-Seelenwesen und Menschen-Schicksalsweben hatte, als alle diese Vorstellungen der Umgestaltung unterworfen worden sind. Wie es damals ganz gewiss vielen Menschen geschienen hat, wie der feste Boden des Vorstellungslebens, auf dem sie standen, erschüttert werde, so mag es gegenüber den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen auch in unserer gegenwärtigen Zeit vielen sein. Aber die Menschenseele ist wandelbar, die Menschenseele ist für den Fortschritt geboren. Und gleich wie sich die naturwissenschaftliche Anschauungsweise in die Menschheitsentwicklung einverwoben hat, wird sich ihr einverweben die geisteswissenschaftliche Weltanschauung.

[ 3 ] However—and this, too, has been mentioned here frequently—relatively speaking, my esteemed audience, the shift that must take place in human thought from the current way of viewing things to that of spiritual science will not be any greater—relatively speaking —than the one that had to take place when the dawn of the scientific way of thinking broke; when, so to speak, all concepts, all ideas, and all notions people held about the structure of the world, the interrelationships of the world, the nature of the human soul, and the fabric of human destiny—when all these notions were subjected to transformation. Just as it certainly seemed to many people back then that the firm ground of their imaginative life upon which they stood was being shaken, so it may be for many today in relation to the concepts of spiritual science. But the human soul is malleable; the human soul is born for progress. And just as the natural-scientific perspective has become interwoven with human development, so too will the spiritual-scientific worldview become interwoven with it.

[ 4 ] Nun muss man allerdings sagen: Gerade wenn die Frage in Betracht kommt: Was ist am Menschenwesen unsterblich? —, dann widerstreben die Denkgewohnheiten der Gegenwart in der allermannigfaltigsten Weise der Anerkennung jener Wahrheiten, welche Geisteswissenschaft von ihren Grundlagen aus zu geben hat. Vor allen Dingen — wir werden es im Verlauf des heutigen Vortrages noch erhärtet finden —, vor allen Dingen ist schon der ganze Charakter jener Wahrheiten, die sich auf das unsterbliche Menschenwesen beziehen, ein ganz anderer, als es der Charakter jener Wahrheiten ist, die sich auf die äußeren, sinnlichen Dinge und auf die naturwissenschaftliche Zusammenfassung dieser Sinnendinge beziehen. Der Mensch ist so sehr gewohnt worden, Realität, Wirklichkeit demjenigen zuzuschreiben, von dem er sagen kann: Es hat sich mir durch etwas, was außerhalb meines Seelenlebens liegt, die Sache bewahrheitet. So aber können die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten nicht auftreten. Unmöglich ist es, dass sie sich berufen, so wie die naturwissenschaftlichen Wahrheiten, auf etwas, das die Bewahrheitung von außen abgibt und dem wir uns nur hinzugeben haben, sodass man sagen kann: Die Sache ist wahr, weil sie uns so und so in der Beobachtung, unabhängig von unserem Seelenleben, entgegentritt. Dasjenige, was als Wahrheiten der Geisteswissenschaft auftritt, insbesondere auch als Wahrheiten über die unsterbliche Menschenseele, das muss innerlich ergriffen werden. Und für dieses Ergreifen gibt es keine äußeren Anhaltspunkte, gibt es kein Sich-Berufen auf irgendetwas, was unabhängig von der Menschenseele sich bewahrheitet.

[ 4 ] Now, however, it must be said: Precisely when the question arises—What is immortal in the human being?—the habits of thought of the present day resist, in the most diverse ways, the recognition of those truths that spiritual science has to offer based on its foundations. Above all—as we shall see confirmed in the course of today’s lecture—the very nature of those truths that pertain to the immortal human being is entirely different from the nature of those truths that pertain to external, sensory things and to the scientific description of these sensory phenomena. Human beings have become so accustomed to attributing reality to that of which they can say: “The matter has been confirmed to me by something that lies outside my inner life.” But this is not how the truths of spiritual science can present themselves. It is impossible for them to refer, as the truths of natural science do, to something that provides external confirmation and to which we need only surrender, so that one can say: “The matter is true because it presents itself to us in such and such a way in observation, independently of our inner life.” That which appears as truths of spiritual science—especially truths about the immortal human soul—must be grasped from within. And for this grasping, there are no external points of reference; there is no appeal to anything that proves itself true independently of the human soul.

[ 5 ] Daher muss die Geisteswissenschaft, wie schon gestern ausgesprochen worden ist, ohne allen Hochmut sagen: Sie muss eine Art tapfere Wissenschaft sein; eine Wissenschaft, welche es mutig wagt, die Impulse der Wahrheit nicht durch Anschauung, sondern durch innerliches Erleben zu erfahren. Daher kann Geisteswissenschaft sich nicht passiv der Weltbetrachtung hingeben, sondern muss entstehen, indem die Seele in sich verborgene Kräfte aktiv entwickelt, indem sie dasjenige, was in ihren Tiefen unten verborgen ist, heraufholt, dasjenige, was die Kraft der Wahrheit in sich selber schließt. Das ist einer der Gründe, warum die geisteswissenschaftliche Wahrheit so sehr den gegenwärtigen Denkgewohnheiten entgegensteht.

[ 5 ] Therefore, as was already stated yesterday, spiritual science must say, without any arrogance: It must be a kind of courageous science—a science that boldly dares to experience the impulses of truth not through observation but through inner experience. Therefore, spiritual science cannot passively devote itself to observing the world, but must arise as the soul actively develops the powers hidden within itself, bringing to the surface what lies hidden in its deepest depths—that which contains the power of truth within itself. This is one of the reasons why the truth of spiritual science stands in such stark contrast to current habits of thought.

[ 6 ] Der andere, sehr verehrte Anwesende, liegt noch näher gerade der Betrachtung, die heute angestellt werden soll. Wir werden sehen, dass Geisteswissenschaft als unsterblich in der Menschenseele etwas aufweist, was in gewissem Sinne so grundverschieden sich darlegt von alledem, was uns die Sinne übermitteln, von alledem, was wir im Alltag denken, fühlen und wollen, so grundverschieden ist von alledem, dass der Mensch in diesem alltäglichen Leben gerade an dem, was in ihm ewig und unsterblich ist, achtlos eigentlich vorübergeht. Und er geht umso achtloser vorüber aus dem Grunde, weil er geneigt ist, Wirklichkeit, Realität gerade dem nicht zuzuschreiben was ihm so entgegentritt wie das Wesen in seinem eigenen Inneren, das den Weg findet durch die Ewigkeiten und durch Geburten und Tode. Es ist gewissermaßen etwas so Leichtes und Flüchtiges für das Alltagsleben, was in uns unsterblich ist, dass wir gar nicht leicht geneigt sind, diesem Leichten und Flüchtigen gerade die intensivste Realität des Lebens zuzuschreiben.

[ 6 ] The other, highly esteemed person present here is even more closely related to the topic we are to consider today. We shall see that spiritual science reveals something in the human soul that is immortal—something that, in a certain sense, is so fundamentally different from everything our senses convey to us, from everything we think, feel, and will in everyday life, so fundamentally different from all of that that, in this everyday life, human beings actually pass by heedlessly precisely that which is eternal and immortal within them. And they pass it by all the more carelessly precisely because they are inclined to attribute reality not to what confronts them as the essence within their own inner being—which finds its way through the eternities and through births and deaths. In a sense, what is immortal within us is something so light and fleeting in everyday life that we are not at all inclined to attribute the most intense reality of life to this very lightness and fleetingness.

[ 7 ] Wie dieses Unsterbliche in der Menschenseele gefunden wird, ich habe hier schon öfter davon gesprochen, doch muss immer wieder und wiederum von anderen Gesichtspunkten aus über dieses Suchen nach dem Unsterblichen des Menschenwesens gesprochen werden, aus dem einfachen Grunde, weil die geisteswissenschaftlichen Untersuchungen komplizierter und mannigfaltiger Art sind. Und erst dann, wenn sie charakterisiert werden von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus, ist es möglich, eine wahrhaftige Vorstellung von ihnen zu gewinnen.

[ 7 ] I have spoken here many times about how this immortality is found in the human soul, yet this search for the immortality of the human being must be discussed again and again from different perspectives, for the simple reason that spiritual scientific investigations are complex and multifaceted. And only when they are characterized from the most diverse perspectives is it possible to gain a true understanding of them.

[ 8 ] Wenn man nun sagt, dasjenige, was am Menschenwesen unsterblich ist, es müsse erfasst werden durch die Entfaltung solcher seelischer Kräfte, die zunächst verborgen im tiefsten Innern des Menschen sind, und die hervorgeholt werden müssen im inneren seelischen [Erleben], wenn man dies sagt, so hat zunächst der Mensch der Gegenwart den Glauben, dass damit im Grunde genommen eigentlich nur etwas Subjektives, etwas, was persönlichen Wert habe, erreicht werden könne.

[ 8 ] If one says that what is immortal in the human being must be grasped through the unfolding of those soul forces that are initially hidden in the deepest innermost part of the human being and that must be brought forth through inner soul [experience]—if one says this, then modern people initially believe that, in essence, only something subjective, something of personal value, can be attained through this.

[ 9 ] Der Anfang der geistigen Forschung, der ist in der Tat etwas Subjektives, er ist ein innerliches Erleben und innerliches Entwickeln sonst in der Seele verborgener Kräfte. Er ist ein Überwinden, ein Innerliches, ein Empor-sich-Arbeiten aus Finsternis ins Licht, das also von den verschiedenen Seelen der Menschen in der verschiedensten Weise durchlebt werden muss; das gewiss subjektiv zunächst ist. Aber nur, weil die meisten Menschen nicht die Geduld haben, hinreichend weit mitzugehen mit dem Geistesforscher, kann dieser Glaube bestehen. Denn ist auch aller Anfang der geistigen Forschung in das Subjektive getaucht, sodass er sich herausentwickelt aus dem persönlichsten Persönlichen, so wird gerade durch die innere Überwindung, durch das innere Ringen, die Seele getrieben, sodass sie im Innern das Innere selbst überwindet. Und indem sie innerlich ein Objektives — in ihr liegend — herausarbeitet, kann sie den Eintritt halten in eine neue Welt, die ihr daneben so aufgeht, wie wenn ungefähr in unserer Körperlichkeit ein neuer Sinn uns erwachen würde, uns ein ganz neues Gebiet auch der äußeren Sinnenwelt aufgehen müsste. Der Drang aber aus dem Subjektiven ins Objektive des geistigen Ringens, des geistigen Forschens, dieser Drang ist ein intimer; er ist ein solcher, welcher notwendig macht, dass der Mensch in seinem Innern sich seelische Gewohnheiten aneignet, die eigentlich im alltäglichen Leben sonst nicht vorkommen. Ich habe auch jene innere Betätigung der Seele schon hervorgehoben, welche diese Seele so umformt und umwandelt, dass sie ihren Einzug halten kann in die geistigen Welten, die uns immer umgeben und die nur der nicht vorbereiteten Seele verborgen bleiben.

[ 9 ] The beginning of spiritual research is, in fact, something subjective; it is an inner experience and the inner development of powers otherwise hidden within the soul. It is a process of overcoming, an inner journey, a working one’s way up from darkness into light—a process that must therefore be lived through in the most diverse ways by the various souls of human beings; a process that is certainly subjective at first. But this belief can persist only because most people lack the patience to accompany the spiritual researcher far enough along the path. For even though every beginning of spiritual research is steeped in the subjective—so that it develops out of the most personal of the personal—it is precisely through this inner overcoming, through this inner struggle, that the soul is driven, so that it overcomes the inner self within itself. And by working out an objective element—lying within her—from within, she can gain entry into a new world that opens up to her just as if, for example, a new sense were to awaken within our physicality, forcing a whole new realm of the external sensory world to open up to us. But the impulse from the subjective toward the objective in spiritual struggle and spiritual inquiry—this impulse is an intimate one; it is one that necessitates the human being’s acquisition, within himself, of spiritual habits that do not otherwise occur in everyday life. I have also already emphasized that inner activity of the soul which reshapes and transforms it in such a way that it can enter the spiritual worlds that always surround us and that remain hidden only from the unprepared soul.

[ 10 ] Das Erste, was die Seele üben muss, um ihr eigenes Wesen wirklich, und zwar wissenschaftlich, nicht bloß gläubig kennenzulernen, ist das, was man nennen kann technisch scharfe Gedankenkonzentration, solche Gedankenkonzentration, welche nicht bloß an die innere Kraft des Denkens appelliert, sondern welche an die Aufwendung innerer Willenskraft im Denken und Vorstellen appelliert. Diejenigen Gedanken, die uns dadurch werden, dass die äußere Welt auf uns Eindruck macht, und die sich dadurch in uns befestigen, dass sie durch die Sinne in uns eindringen, dass sie einen sinnlichen Prozess in unserem Leibe erregen und dass dieser sinnliche Prozess uns in unserem Inneren erfüllt, die Realität verbürgt, diese Gedanken, die durch die Wirkungen der äußeren Sinnenwelt innerhalb unseres eigenen Leibes als Realität getragen werden, sodass wir an ihre Realität glauben, diese Gedanken, sie können uns nicht helfen, wenn wir das unsterbliche Wesen der Menschenseele suchen.

[ 10 ] The first thing the soul must practice in order to truly—and scientifically, not merely through faith—come to know its own nature is what might be called technically precise concentration of thought—a concentration that appeals not merely to the inner power of thought, but to the exertion of inner willpower in thinking and imagining. Those thoughts that arise because the external world makes an impression on us, and that become established within us because they penetrate us through the senses, because they trigger a sensory process in our body, and because this sensory process fills us from within, attest to reality—these thoughts, which are sustained as reality within our own bodies through the effects of the external sensory world, so that we believe in their reality—these thoughts cannot help us when we seek the immortal essence of the human soul.

[ 11 ] Das müssen andere Gedanken sein, Gedanken, die im Grunde genommen recht ähnlich sind, äußerlich wenigstens ähnlich sind solchen Geistgebilden, solchem inneren Erleben, Erlebnisse, sehr verehrte Anwesende, welche einem ganz besonderen inneren Schicksal nur allzu leicht erliegen, dem Schicksal, dass sie ebenso schnell wie Träume kommen und wiederum vergehen, welche dem Schicksal des Vergessenwerdens leicht erliegen. Wir kennen ja dieses Schicksal des Vergessenwerdens an einem allgemeinen menschlichen Erlebnis, an dem Erlebnis des Traumes. Wir wissen, dasjenige, was als Traumerlebnis durch unsere Seele huscht, das wird rasch vergessen. Warum? Weil der Traum in einer viel weniger intensiven Weise unsere ganze Leiblichkeit ergreift, und dadurch innerhalb dieser Leiblichkeit viel weniger die Bedingungen schafft, durch die wir innerlich erfühlen, erfühlen eben in der Verkörperung der Gedanken die Realität und dann auch bleibend erhalten die Realität. Es geht gewissermaßen das Gedankenerlebnis nicht so in das körperliche über und huscht deshalb vorbei.

[ 11 ] These must be other thoughts—thoughts that are, in essence, quite similar, or at least outwardly similar, to such mental constructs, such inner experiences—experiences, my esteemed audience, that all too easily succumb to a very particular inner fate: the fate of coming as quickly as dreams and passing away just as swiftly—experiences that easily succumb to the fate of being forgotten. We are, after all, familiar with this fate of being forgotten through a universal human experience: the experience of dreaming. We know that what flits through our soul as a dream experience is quickly forgotten. Why? Because the dream engages our entire physical being in a much less intense way, and thus creates far fewer conditions within that physicality through which we inwardly feel—feel, precisely in the embodiment of thoughts, the reality—and thereby permanently retain that reality. In a sense, the experience of thought does not translate into the physical to the same extent and therefore flits by.

[ 12 ] Ähnlich ist es auch mit Gedanken, die wir uns gewissermaßen als frei von uns selbst gebildete Gedanken durch die Seele zichen lassen. Wir betrachten sie ja oft und nennen sie ja oft Träumerei, sie werden rasch vergessen, sie entschwinden rasch wieder dahin. Und dennoch, je weiter man es bringt, je gründlicher man sich darin schult, dass man gerade diejenigen Kräfte in sich entfaltet, die gebildete Gedankenerlebnisse in der Seele erhalten [können], wie sonst nur auf äußere Sinneseindrücke gestützte Erscheinungen erhalten werden, je [weiter] man es in diesem Entfalten sich im Inneren der Seele bleibenden seelischen Wirkens bringt, desto besser schult man sich für die Geistesforschung. Darauf beruht das, was man im wirklich geistig forschenden Sinne die Gedankenkonzentration nennt.

[ 12 ] The same is true of thoughts that we, in a sense, allow to pass through our souls as thoughts formed independently of ourselves. We often observe them and call them daydreams; they are quickly forgotten and vanish just as quickly. And yet, the further one progresses, the more thoroughly one trains oneself to develop precisely those inner forces that can sustain formed thought experiences in the soul—just as phenomena based solely on external sensory impressions are otherwise sustained— the [further] one advances in this unfolding of inner soul activity that remains within the soul, the better one trains oneself for spiritual research. This is the basis of what, in the true sense of spiritual research, is called “concentration of thought.”

[ 13 ] Am wenigsten taugt für diese Gedankenkonzentration die Hingabe an solche Gedanken, die Abbilder der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit sind. Sinnbilder, die wir uns bilden, die nichts unmittelbar abbilden, sondern die wir frei im Geiste bilden, und denen wir uns dann hingeben, die taugen am allermeisten. Ich habe solche [für die Meditation tauglichen inneren Seelenverrichtungen] in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», [beispielsweise] beschrieben. Wenn man solche Gedankengebilde, die frei geistig erzeugt sind, festhalten will, so muss man einen stärkeren, einen kraftvolleren inneren Willen anwenden, um sie festzuhalten, als man sonst gewöhnlich im äußeren Leben hat.

[ 13 ] The least suitable form of mental concentration is immersing oneself in thoughts that are mere reflections of external, sensory reality. The most suitable are the mental images we create—those that do not directly represent anything, but which we freely form in our minds and to which we then devote ourselves. I have described such [inner mental processes suitable for meditation] in the book *How Does One Attain Knowledge of Higher Worlds?*, [for example]. If one wishes to hold on to such thought-forms—which are freely created in the mind—one must apply a stronger, more powerful inner will to hold them than one usually has in everyday life.

[ 14 ] Im Äußeren haben wir gerade dadurch eine feste Stütze im Seelenerleben, dass die Gedanken einen wirklichen materiellen Prozess hervorrufen, Eindruck machen, [wirkliche Veränderungen im Leibe hervorrufen]. Auf diese Veränderungen gestützt ist gleichsam das Erlebnis so grob, dass wir wenig Willen aufzubringen brauchen, wenig innerlichen Seelenwillen aufzubringen brauchen, um solche Gedanken festzuhalten. Zu Gedanken aber, die wir frei bilden, zu denen uns nichts zwingt, die wir unter dem Gesichtspunkt feststellen, dass wir uns ihnen einfach hingeben, um unsere innere Seelenkraft zu stärken, zum Festhalten solcher Gedankengebilde oder Empfindungen oder auch Willensimpulse gehört eine starke Anspannung der inneren Kraft der Seele, gehört ein weit stärkerer Wille als zum alltäglichen Denken. Aber gerade darauf beruht jene Geistesschulung, die notwendig ist zur [Erforschung der geistigen Welten,] dass gleichsam losgelöst werden innere Stärke, innere Energie, die sonst unverwendet bleiben im alltäglichen Denken.

[ 14 ] Externally, we have a firm foundation in our spiritual experience precisely because thoughts trigger a real material process, make an impression, [and bring about real changes in the body]. Supported by these changes, the experience is, as it were, so concrete that we need to muster little will—little inner spiritual will—to hold on to such thoughts. But when it comes to thoughts that we form freely—thoughts to which nothing compels us, which we engage with simply to strengthen our inner spiritual power—maintaining such thought-forms, feelings, or even impulses of will requires a strong concentration of the soul’s inner power and a far stronger will than that required for everyday thinking. But it is precisely on this that the spiritual training necessary for [exploring the spiritual worlds] is based—that inner strength and inner energy, which otherwise remain untapped in everyday thinking, are, as it were, set free.

[ 15 ] Daher ist es auch, dass Menschen, welche die erwähnte Stütze für ihr Denken brauchen, in diesem konzentrierten Denken allzu bald erlahmen, allzu bald in einen Zustand verfallen, der dem Einschlafen nicht unähnlich ist. Aber nur dadurch, dass die inneren, bloß sich auf die innere Bewegung der Gedanken beziehenden Willenskräfte angespannt werden, erlangen wir jene stärkeren Kräfte, die wir brauchen in der Seele, um nicht nur das Vergängliche, sondern das Unvergängliche, das Unsterbliche der Menschenseele zu erfassen.

[ 15 ] This is why people who need the aforementioned support for their thinking grow weary all too quickly in this concentrated thinking and all too quickly fall into a state not unlike falling asleep. But it is only by exerting the inner forces of the will—those that relate solely to the inner movement of thoughts—that we attain the greater powers we need in the soul to grasp not only the transitory, but also the imperishable, the immortal aspect of the human soul.

[ 16 ] Und nun zeigt sich, wenn der Mensch also längere Zeit, man möchte sagen das mit dem Willen vermählte Denken und Empfinden in treulich innerer Schulung entfaltet, dass der Mensch dann in die Lage kommt, [ein] wirklich inneres Vorstellungserlebnis zu haben, dass er in diesem inneren Vorstellungserlebnis ganz aufgeht, dass alle seine Kräfte gesammelt werden in diesem Vorstellungserlebnis und sein übriges Scelenleben wie versinkt. Dazu muss es gebracht werden vonseiten des Geistesforschers, dass gewissermaßen die Welt nach allen Seiten abgelenkt [wird] und die Seele ganz eins wird mit etwas, was sie selber in den Mittelpunkt des Seelenlebens in gesündester Weise, [wie ich ausdrücklich betonen möchte], gestellt hat. Alle Willenskräfte müssen hin zu dem, was so in der Tiefe des Seelenlebens steht. Dann merkt der Mensch erst, was die Kraft des Gedankens ist und wie der Gedanke, wenn er frei walten soll im Menschenseelenleben durch starke Willenskräfte gestützt sein muss.

[ 16 ] And now it becomes apparent that when a person, over a longer period of time, one might say, thought and feeling—united with the will—are developed through faithful inner training, it becomes evident that the person is then able to have [a] truly inner experience of imagination, that they are completely absorbed in this inner experience of imagination, that all their powers are gathered within this experience of imagination, and that the rest of their soul life seems to sink into the background. To achieve this, the spiritual researcher must ensure that, so to speak, the world is diverted in all directions and the soul becomes entirely one with something that it has itself placed at the center of its inner life in the healthiest way possible, [as I would like to expressly emphasize]. All powers of the will must be directed toward that which stands thus in the depths of the soul’s life. Only then does the human being realize what the power of thought is and how thought, if it is to reign freely in the human soul’s life, must be supported by strong powers of the will.

[ 17 ] Und dann, [meine sehr verehrten Anwesenden], macht der Geistesforscher eine ganz bestimmte Erfahrung, eine Erfahrung die man wohl ins Auge fassen muss. Die Erfahrung kommt in einem ganz bestimmten Punkt. Jene Übung, die ich eben besprochen habe, sie muss lange Monate, jahrelang ausgeführt werden. Immer wieder und wiederum müssen wir darauf zurückkommen, also bloß durch die innere seelische Willenskraft bewirkte [Gedanken und Vorstellungen] in unserem Bewusstsein hervorzurufen. Und immer wieder und wiederum müssen wir dieses direkte Gedankenleben entwickeln. Dann machen wir nach einiger Zeit ganz aus diesem Erleben heraus eine bestimmte Erfahrung. Zunächst gelingt es dem Geistesforscher, gewissermaßen [immer heller und klarer], intensiver und intensiver das Denken zu konzentrieren, im Gedankenerlebnis darin zu sein. Und er merkt, das Gedankenerlebnis verstärkt sich, wird immer gewaltiger und gewaltiger. Ja, er erfühlt, wie sein ganzes Seinsbewusstsein im Zusammenschließen, im allgemeinen Zusammenschließen und Identisch-Werden mit dem konzentrierten Denken immer mehr erschüttert und erschüttert wird.

[ 17 ] And then, [my esteemed audience], the spiritual researcher has a very specific experience—one that we must certainly take seriously. This experience occurs at a very specific point. The exercise I have just discussed must be practiced for many months, even years. Time and again, we must return to the task of evoking [thoughts and images] in our consciousness through the inner, spiritual power of the will alone. And time and again, we must develop this direct life of thought. Then, after some time, we have a specific experience arising entirely from this process. At first, the spiritual researcher succeeds, so to speak, in concentrating their thinking [ever more brightly and clearly], more and more intensely, and in being fully immersed in the experience of thought. And they notice that the experience of thought intensifies, becoming ever more powerful and more powerful. Indeed, he feels how his entire consciousness of being is increasingly shaken and shaken as it merges—in a general merging and becoming one—with the concentrated thinking.

[ 18 ] Dann aber kommt ein ganz bestimmter kritischer Punkt, der darin besteht, dass gerade dann, wenn wir angekommen sind in dem Erleben der Stärke des Gedankens, dieser Gedanke wie in sich selbst sich in unserer Seele zersplittert, wie in unserer Seele sich auflöst. Man möchte sagen, der kritische Punkt tritt ein, dass der Gedanke, wenn er zu seiner höchsten Energie getragen wird, sich verdunkelt, sich verfinstert, aufhört für uns gegenwärtig zu sein. Und wir, die wir gleichsam dem Denken nachgegangen sind, mit dem Denken uns identifiziert haben, wir fühlen, wie etwas, wie unser ganzes Sein mit dem Denken mitgeht. Und das ist ein bedeutsames, ein ungemein bedeutsames Erlebnis.

[ 18 ] But then there comes a very specific critical point, which consists in the fact that just when we have arrived at the experience of the thought’s power, this thought shatters within itself in our soul, as if dissolving within our soul. One might say that the critical point occurs when the thought, as it is carried to its highest energy, darkens, grows dim, and ceases to be present to us. And we, who have, as it were, followed the thought, identified ourselves with it, feel how something—how our entire being—goes along with the thought. And that is a significant, an immensely significant experience.

[ 19 ] Wenn man es so ausspricht, könnte es einfach scheinen; es ist nicht einfach, das Erlebnis, das ich jetzt meine. Es ist ein Erlebnis, welches alle menschlichen Seelenkräfte durcheinanderrüttelt, welches alles, was man bis dahin erfühlt hat, was man sich bis dahin angeeignet hat als in diesem oder jenem Sinne wertvoll für die Seele, gewissermaßen infrage stellt. Und was sich insbesondere sträubt, bis zu diesem Erlebnis heranzurücken, was uns immer wieder und wiederum wie ein Hemmnis entgegensteht, stecken zu bleiben früher, nicht so weit zu gehen, dass dies Erlebnis herantritt, das uns gleichsam nicht heranlässt an dies letzte Erlebnis, das sind die mit den Tiefen der Seele verbundenen Kräfte des menschlichen Egoismus.

[ 19 ] When put that way, it might seem simple; but the experience I am referring to is not simple. It is an experience that shakes up all the soul’s powers, one that, in a sense, calls into question everything one has felt up to that point, everything one has come to regard as valuable to the soul in one way or another. And what particularly resists drawing near to this experience—what stands in our way again and again like an obstacle, causing us to remain stuck in the past, to not go far enough for this experience to approach us, that which, as it were, does not allow us to draw near to this final experience—these are the forces of human egoism connected to the depths of the soul.

[ 20 ] So ist das gemeint, sehr verehrte Anwesende, dass wir, wenn wir nicht alle Energien, alle inneren Willensenergien anspannen, einfach früher stecken bleiben, nicht dahin kommen, wo der Gedanke sich gleichsam zersplittert. Nicht im Bewusstsein vollziehen wir das, sondern ganz im unbewussten Wollen vollzieht es sich. Es lässt uns nicht hin, weil wir Furcht haben, eine innerliche, wieder nicht zum Bewusstsein kommende, dass uns nun etwas viel Schlimmeres passieren könnte als selbst der physische Tod.

[ 20 ] This is what is meant, esteemed audience: that if we do not mobilize all our energies—all our inner forces of will—we will simply get stuck sooner, unable to reach the point where the thought, as it were, shatters. We do not accomplish this in our consciousness; rather, it takes place entirely through unconscious will. It prevents us from moving forward because we are afraid—an inner fear that does not rise to consciousness—that something far worse than even physical death could happen to us.

[ 21 ] Wenn ich von dieser Furcht spreche, so ist dies natürlich eine Kleinigkeit, dass irgendjemand, der an materialistischen Vorstellungen festhalten will, sagt: Na ja, gegen den physischen Tod wird ja doch das Erlebnis so schlimm nicht sein. Aber es ist in der Tat ein Erlebnis, welches gar nicht in das gewöhnliche Bewusstsein hereintritt, welches aber ergreift als eine Kraft, als ein Impuls das Seelenleben, als ein solcher Impuls, der wie unbewusste Furcht wirkt: vor dem nicht nur Zerstörtwerden des Leibes, sondern vor dem Aufgehen, vor dem AusgegossenWerden des ganzen eigenen Seins in den Kosmos, in die ganze Umgebung. Man will nicht so sich hinausergießen. [Nicht bewusst hat man das in der Seele gefühlt, man will aber nicht heran an das Erlebnis.]

[ 21 ] When I speak of this fear, it is, of course, a trivial matter that someone who wants to cling to materialistic ideas might say: “Well, compared to physical death, the experience can’t be that bad.” But it is in fact an experience that does not enter ordinary consciousness at all, yet which seizes the life of the soul as a force, as an impulse—an impulse that acts like an unconscious fear: not only of the body’s destruction, but of dissolving, of the whole of one’s own being being poured out into the cosmos, into the entire surroundings. One does not want to pour oneself out in this way. [One has not consciously felt this in one’s soul, but one does not want to approach this experience.]

[ 22 ] Überwindet man alle die unaussprechbaren, aber doch Furchtgefühle zu nennenden Empfindungen, überwindet man das alles, dann, sehr verehrte Anwesende, kommt ein Zeitpunkt, wo man ganz genau weiß, weiß durch innerliche Erfahrung: Jetzt ziehst du durch diejenigen Kräfte, die du auf diese Weise durch Gedankenkonzentration dir entwickelt hast, ziehst du etwas aus deinem Leibe heraus. Aber gerade dieses Herausziehen eines sonst den Leib — wie man nun weiß — durchdringenden Geistwesens, dieses Herausziehen erscheint immer ganz besonders gefahrvoll: Denn dieses Herausziehen ist eben verbunden mit dem Gefühl, als ob man sich auflösen müsste und als ob etwas in uns stecken bliebe, was wir auf diese Weise nicht herausziehen können und was aber doch aus uns herausgezogen werden muss, wenn das nicht dem auflösenden Nichts verfallen soll, was auf die geschilderte Weise herausgezogen werden soll. Wir haben das deutliche Bewusstsein: Nun, noch etwas anderes muss herausgezogen werden aus uns, [wenn wir den ganzen inneren Menschen aus uns herausziehen wollen.] Mit der Gedankenkonzentration allein geht es nicht. Die zieht einen Teil von uns heraus. Wir haben das deutliche Bewusstsein.

[ 22 ] If one overcomes all those indescribable sensations—which must nevertheless be called feelings of fear—if one overcomes all of that, then, esteemed audience, there comes a moment when one knows with absolute certainty, knows through inner experience: Now, through the powers you have developed in this way through concentration of thought, you draw something out of your body. But it is precisely this drawing out of a spiritual being that—as you now know—otherwise permeates the body; this drawing out always seems particularly perilous: For this extraction is precisely connected with the feeling that one must dissolve, and that something remains trapped within us—something we cannot extract in this way, yet which must be drawn out of us if it is not to fall into the dissolving nothingness that is to be drawn out in the manner described. We have a clear awareness: Well, something else must be drawn out of us [if we want to draw the entire inner human being out of ourselves]. Concentration of thought alone is not enough. It draws only a part of us out. We have this clear awareness.

[ 23 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man sich klarmachen will, warum der Mensch so schwer zu solchen Erlebnissen, wie ich sie geschildert habe, kommt, dann kann man ausgehen von recht alltäglichen Erlebnissen, die aber zunächst gar nicht bemerkt werden. Dasjenige, was dargestellt worden ist, es besteht ja in einem Anziehungsverhältnis, in das der Mensch zu sich selber zu treten hat. Es setzt voraus, dass der Mensch die innerliche Kraft hat, gewissermaßen an sein eigenes Wesen heranzutreten. Aber nichts ist so sehr fraglich im gewöhnlichen Leben, sehr verehrte Anwesende, als des Menschen Verhältnis zu sich selbst. In der gewöhnlichen Selbsterkenntnis spricht sich dies Verhältnis des Menschen zu sich selbst nur recht, recht mangelhaft aus, selbst im alltäglichen Leben.

[ 23 ] Well, ladies and gentlemen, if one wants to understand why it is so difficult for a person to have experiences such as those I have described, one can start with quite ordinary experiences that are not even noticed at first. What has been described consists, after all, of a relationship of attraction into which a person must enter with themselves. It presupposes that a person has the inner strength to approach their own being, so to speak. But nothing is as questionable in ordinary life, ladies and gentlemen, as a person’s relationship to themselves. In ordinary self-knowledge, this relationship of a person to themselves is expressed only very, very inadequately, even in everyday life.

[ 24 ] Ich möchte ein Beispiel anführen, das scheinbar ganz woanders hergenommen ist als von den Dingen, von denen ich jetzt gesprochen habe. Ein bedeutender Philosoph der Gegenwart hat ein Buch geschrieben über die «Analyse der Empfindungen». Da spricht er gleich auf der dritten Seite von einem merkwürdigen Erlebnis, das er zweimal gehabt hat. Er ist ein Philosoph, Universitätsprofessor gewesen. Er hat in seiner Art selber ähnlich nach einer Weltanschauung gerungen: Dr. Ernst Mach.

[ 24 ] I would like to cite an example that seems to come from a completely different source than the topics I have just discussed. A prominent contemporary philosopher has written a book on the “Analysis of Sensations.” Right on the third page, he describes a strange experience he had twice. He was a philosopher and a university professor. In his own way, he, too, struggled to develop a worldview: Dr. Ernst Mach.

[ 25 ] Er sagt da:

[ 25 ] He says there:

Als ganz junger Mensch ging ich einmal auf der Straße und da sah ich mir entgegenkommen einen Menschen mit einem mir höchst unsympathischen, ja widerwärtigen Gesicht. Ich erschrak nicht wenig, als ich bemerkte, dass es mein eigenes Gesicht im Profil sei, welches mir dadurch erschien, dass ich an einer Spiegelniederlage vorbeigegangen bin und die Spiegel in der Weise gegeneinandergestellt waren, dass ich mein eigenes Gesicht sah.

When I was very young, I was walking down the street one day when I saw a person coming toward me with a face I found extremely unappealing—even repulsive. I was quite startled when I realized that it was my own face in profile, which I saw because I had walked past a row of mirrors that were positioned in such a way that I could see my own face.

[ 26 ] So wenig kennt nicht nur der Mensch, sondern sogar der Philosoph seine eigene Gestalt! Aber noch ein zweites, ähnliches Erlebnis, das dem Betreffenden nicht als ganz junger Mensch, sondern in sehr reifen Jahren passiert ist, erzählt er. Er sagt:

[ 26 ] Not only do people, but even philosophers, know so little about their own nature! But he recounts a second, similar experience that happened to him not when he was very young, but in his later years. He says:

Vor nicht allzu langer Zeit

Not too long ago

[ 27 ] —in den Neunzigerjahren —

[ 27 ] —in the 1990s —

stieg ich nach einer sehr anstrengenden Eisenbahnfahrt sehr ermüdet in einen Omnibus und bemerkte, dass von der anderen Seite in den Omnibus auch ein Mann hereinstieg, und ich dachte mir: Was für ein herabgekommener Schulmeister steigt denn da ein? Da bemerkte ich erst, dass an der Rückwand ein großer Spiegel war, der mir mein eigenes Bild zeigte!

After a very exhausting train ride, I got on a bus, feeling very tired, and noticed that a man was also getting on from the other side of the bus, and I thought to myself: What kind of shabby schoolteacher is getting on there? Only then did I notice that there was a large mirror on the back wall, reflecting my own image!

[ 28 ] Er setzt hinzu:

[ 28 ] He adds:

Der Standeshabitus war mir also bekannter als mein eigener persönlicher Habitus.

So I was more familiar with the social habitus than with my own personal habitus.

[ 29 ] Er kannte sich also so wenig, dass er höchst erstaunt war über sein eigenes Aussehen. [Also, er wusste zwar, wie ein herabgekommener Schulmeister aussieht, aber er wusste nicht genau, wie er selber aussah.]

[ 29 ] He knew himself so little that he was extremely surprised by his own appearance. [In other words, he knew what a down-and-out schoolmaster looked like, but he didn’t know exactly what he himself looked like.]

[ 30 ] [Ja, meine sehr verehrten Anwesenden], man lacht über solche Dinge selbstverständlich sehr leicht, aber sie sind tief, tief bedeutsam, wenn man sich eine Vorstellung machen will, wie fragwürdig das Verhältnis ist, das der Mensch im gewöhnlichen Leben zu sich selber hat. Also das aber, was uns hindert, sehr verehrte Anwesende, in ein zur Selbsterkenntnis gelangendes Verhältnis zu sich selbst im gewöhnlichen Leben zu kommen, all das ist zugleich eine Summe von Kräften, die den Menschen hindern, seine Gedankenkonzentration zu solcher Entwicklung zu bringen, wie sie oben geschildert worden ist, bis zum Herausholen eines im Innern des Menschen befindlichen zweiten Menschen. Man sieht, dass geradezu in der Menschenwesenheit aufgespeichert sind die Kräfte, die den Menschen abhalten davon, sich loszulösen von seiner Innerlichkeit, von dem, womit diese Innerlichkeit von der Geburt bis zum Tode verbunden ist. Aber dieses Loslösen gelingt durch das Geschilderte. Aber so, dass wir zunächst durch dieses Hindernis nicht so weit sind, dass wir unser ganzes Wesen aus uns herausbringen. Zu der Gedankenkonzentration muss etwas anderes hinzutreten. Wir müssen nicht nur zu unseren Gedanken ein energischeres Verhältnis gewinnen als das im Alltagsleben der Fall ist, sondern wir müssen auch zu dem, was unser Schicksal ausmacht, unser Schicksal, in dem wir leben, ein ganz anderes Verhältnis gewinnen als im Alltäglichen.

[ 30 ] [Yes, my esteemed audience], it is, of course, very easy to laugh at such things, but they are deeply, deeply significant if one wishes to grasp just how questionable the relationship is that a person has with himself in everyday life. But what prevents us, dear friends, from entering into a relationship with ourselves in everyday life that leads to self-knowledge—all of that is at the same time a sum of forces that prevent human beings from directing their concentration of thought toward the kind of development described above, to the point of bringing forth a second human being located within the inner self. One can see that the very forces that prevent a person from detaching themselves from their inner life—from that with which this inner life is connected from birth to death—are stored within the human being. But this detachment is achieved through the process described. However, this is such that, due to this obstacle, we are not yet at the point where we can bring our entire being out of ourselves. Something else must be added to the concentration of thought. We must not only develop a more energetic relationship to our thoughts than is the case in everyday life, but we must also develop a completely different relationship to what constitutes our destiny—the destiny in which we live—than we do in everyday life.

[ 31 ] Wie stehen wir denn im Alltag zu unserem Schicksal? Dasjenige, was wir unsere Schicksalserlebnisse nennen, wir sehen sie an uns herankommen, sympathisch und antipathisch. Sie treffen uns als «Zufälle des Lebens», wie wir sagen. Wir betrachten gewissermaßen dasjenige, was als Schicksal auf uns zufällt wie etwas Äußerliches, wie etwas von unserem Wesen Äußerliches und wir wachsen auf und entwickeln uns von der Geburt bis zum Tode in dieser Vorstellung, dass das Schicksal so uns anfällt, dass es etwas uns Äußerliches ist. Aber schon ein gewöhnliches Nachdenken, das sich nur ausdehnt über das Leben zwischen der Geburt und dem Tod, kann uns belehren darüber, dass dasjenige was Schicksal genannt werden muss, keineswegs etwas so Äußerliches für den Menschen ist.

[ 31 ] How do we actually relate to our fate in everyday life? What we call our experiences of fate—we see them approaching us, some pleasant, some unpleasant. They befall us as “coincidences of life,” as we say. In a sense, we regard what befalls us as fate as something external, as something outside our very being, and we grow up and develop from birth to death with this notion that fate befalls us in such a way that it is something external to us. But even a simple reflection extending merely over the span of life between birth and death can teach us that what must be called fate is by no means something so external to human beings.

[ 32 ] Wenn wir uns in irgendeiner Zeit des Lebens betrachten, in einem, sagen wir späteren, reifen Lebensalter und einmal hinblicken auf das, was wir sind, was wir können, vermögen im Leben, dann werden wir, wenn wir uns nicht verschließen wollen vor einer wirklichen Menschenkenntnis, dann werden wir darauf kommen, sehr verehrte Anwesende, uns zu sagen: Ja, dies oder jenes würde ich jetzt nicht können, wenn nicht vor achtzehn, zwanzig, dreißig, fünfunddreißig Jahren dies oder jenes in meinem Leben eingetreten wäre, [wenn nicht] dies oder jenes mitzumachen mich auf diese und jene Verrichtungen gestoßen hätte. Ich bin das Ergebnis von dem, was dazumal als Schicksalserlebnis in mein Leben eingetreten ist, und wäre es nicht gekommen, wäre ich nicht das Ich, was ich heute bin.

[ 32 ] When we look back on ourselves at some point in life—at, let’s say, a later, more mature age—and take stock of who we are, what we can do, and what we are capable of in life, then—if we do not wish to shut ourselves off from a true understanding of human nature—we will come to realize, my esteemed audience, that we must say to ourselves: Yes, I would not be able to do this or that now if this or that had not happened in my life eighteen, twenty, thirty, or thirty-five years ago, [if] experiencing this or that had not led me to these and those endeavors. I am the result of what entered my life back then as a fateful experience, and had it not happened, I would not be the “I” that I am today.

[ 33 ] Und nehmen wir dies ganze Bündel von dem, was wir an Talenten, an Kräften, an Gewohnheiten, an Art des Seelenlebens haben, so sehen wir schon, wie es sich zwischen Geburt und Tod herausentwickelt aus den Schicksalserlebnissen, die uns getroffen haben, wie wir ein ganz anderer wären, wenn uns das Schicksal nicht gemacht hätte zu dem, was wir sind. Wir sind ja schon im gewöhnlichen Leben unser aufgerolltes, zusammengewundenes Schicksal. Man betrachtet sich nicht abstrakt, sondern konkret in alle dem, was man als fünfzigjähriger Mensch geworden ist; und man fragt sich, was man da kann, was man da ist, zusammengerollt aus den Schicksalserlebnissen, ob man nicht den ganzen Knäuel verfolgen kann, [der da zusammengewickelt ist], zu den Schicksalserlebnissen zurück.

[ 33 ] And if we take this whole bundle of what we possess in terms of talents, strengths, habits, and our inner life, we can already see how it develops between birth and death out of the experiences of fate that have befallen us—how we would be a completely different person if fate had not made us what we are. Even in ordinary life, we are our own coiled-up, intertwined destiny. One does not view oneself abstractly, but concretely in all that one has become as a fifty-year-old person; and one asks oneself what one is capable of, what one is—woven together from the experiences of fate—and whether one cannot trace the entire tangle [that is wound together there] back to those experiences of fate.

[ 34 ] [Aber, was tritt ein, wenn man mit einer solchen Betrachtung Ernst macht, jenen Ernst, der im alltäglichen Leben wahrhaftig nicht allzu häufig ist, der aber, wenn er ausgebildet wird, zu einem zweiten Mittel der Geistesforschung wird. Wenn man Ernst macht mit einer solchen Betrachtung], dann kommt man dazu, sich zu sagen, ja, das Schicksal ist überhaupt nichts Äußerliches für mich; in dem Schicksal stecke ich drinnen. Das Erlebnis, das an mich herangegangen ist, ist jetzt zu meinem Ich geworden. Und wenn ich mein ganzes Schicksal überblicke, dann steckt da mein Ich drin. Ich trete gleichsam mit meinem Bewusstsein aus mir heraus und gieße mich aus in den ganzen Strom meines Schicksals. Das aber muss tief ernst betrachtet werden, das muss gewissermaßen methodisch werden. Dann tritt durch eine solche seelische Betätigung gewissermaßen das Entgegengesetzte von dem ein, was durch die Denkkonzentration eingetreten ist. Mit unserem Denken sind wir sonst in uns. Wir haben ja gewöhnlich diejenigen Gedanken, die sich stützen auf äußere Eindrücke und die daher ihre Grundlage und ihre Macht haben in inneren komplizierten Verhältnissen. Aber, indem wir zur Gedankenkonzentration gehen, gehen wir mit den Gedanken so stark heraus, dass unser inneres Wesen mitgeht und wir uns da zu verlieren glauben. Wenn wir in unser Schicksal uns hineinversenken, dann machen wir den umgekehrten Prozess durch. Dann gehen wir aus uns heraus, aber in etwas hinein, was wir [sonst] im Äußerlichen glauben, was wir glauben, dass es aus dem äußeren Strom des Lebens uns zufließt. Wir treten aus uns heraus und in etwas hinein, von dem wir jetzt erst erkennen: [Das ist dasjenige, was uns erzeugt und macht; wir wachsen zusammen mit etwas, was wir äußerlich glaubten].

[ 34 ] [But what happens when one takes such a line of thought seriously—that kind of seriousness which is truly not all too common in everyday life, but which, when cultivated, becomes a second means of spiritual research. If one takes such a line of thought seriously], then one comes to say to oneself: Yes, fate is not at all something external to me; I am right in the midst of fate. The experience that has come to me has now become part of my self. And when I survey my entire fate, my self is right there within it. I step, as it were, out of myself with my consciousness and pour myself into the entire stream of my destiny. But this must be considered with deep seriousness; it must, in a sense, become methodical. Then, through such a spiritual activity, the opposite of what has occurred through concentration of thought comes about, so to speak. With our thinking, we are otherwise within ourselves. After all, we usually have thoughts that are based on external impressions and therefore derive their foundation and power from complex inner circumstances. But when we engage in concentration of thought, we project our thoughts outward so strongly that our inner being follows, and we feel as though we are losing ourselves in the process. When we immerse ourselves in our destiny, we undergo the reverse process. Then we step out of ourselves, but into something we [otherwise] believe to be external—something we believe flows to us from the outer stream of life. We step out of ourselves and into something of which we now realize: [This is what creates and shapes us; we grow together with something we believed to be external].

[ 35 ] Wenn wir das in intensivem Ernste [betreiben], wenn wir mit unserem Willen also aus uns herausgehen und uns zu sagen verstehen: Dasjenige, was ich als Schicksal erlebt habe, in dem stecke ich schon drinnen, ich habe es selbst herbeigeführt, denn ich bin mit meinem Ich darin verbunden. [Wenn wir dieses zu einer gewohnheitsmäßigen inneren Betätigung führen], dann kommen wir wiederum aus uns heraus, aber so, dass wir das andere von unserem inneren Menschen, das gleichsam abgerissen ist, das, was nicht herausgebracht worden [ist] durch die Gedankenkonzentration, dass wir das nun nachziehen und dass das sich mit dem erst Herausgeholten verbindet, und nun ein ganzer, zuerst verborgener innerer Mensch herausgezogen wird aus uns, ein innerer Mensch, in dem wir uns dann lebend wissen, in dem wir uns so lebend wissen, dass wir nun auf diesen äußeren, diesen physischen Menschen hinschauen, wie wir sonst auf die äußere Umgebung, Tische und Stühle hinschauen.

[ 35 ] If we [pursue this] with intense seriousness—that is, if we step outside ourselves through our will and are able to say to ourselves: “What I have experienced as fate, I am already immersed in; I have brought it about myself, for I am connected to it through my ‘I.’ [If we make this a habitual inner practice], then we step out of ourselves once more, but in such a way that we draw in the other part of our inner being—the part that has, as it were, been torn away, the part that has not been brought forth through concentration of thought—so that this part is now drawn in and unites with what was first brought forth, and now a whole, previously hidden inner human being is drawn out of us—an inner human being in whom we then know ourselves to be alive, in whom we know ourselves to be so alive that we now look at this outer, this physical human being just as we otherwise look at our external surroundings, tables, and chairs.

[ 36 ] Damit habe ich Ihnen zwei Mittel angedeutet, die ebenso technische Mittel der wirklichen Geistesforschung sind, wie die Verrichtungen des Laboratoriums oder des physikalischen Kabinetts oder der Klinik streng zu unterscheidende Mittel für die äußere Naturforschung sind. Nur dass, wenn man das Geistige erforschen will, man nicht äußere [Experimente] machen kann, sondern innere Seelenerlebnisse, die bewirken eine Umwandlung, sodass die Seele in ihrem Wesen sich aus ihrem Leibe herauszieht.

[ 36 ] I have thus indicated two methods to you that are just as much technical means of genuine spiritual research as the procedures carried out in the laboratory, the physics laboratory, or the clinic are—methods that must be strictly distinguished from those used in the study of external nature. The difference is that when one wishes to investigate the spiritual realm, one cannot conduct external [experiments], but rather must engage in inner soul experiences that bring about a transformation, so that the soul, in its very essence, withdraws from its body.

[ 37 ] Nicht einmal als Abstraktum braucht Geisteswissenschaft heute zu sprechen davon, dass des Menschen geistiges Wesen etwas Reales ist, das sich vom Leibe trennt; sondern, man möchte sagen geistig experimentell weiß Geisteswissenschaft heute, wie es gemacht wird, Leibliches und Seelisches so zu trennen, wie man den Sauerstoff vom Wasserstoff trennt, um zu zeigen, dass der Sauerstoff im [Wasser] drinnensteckt. Und das GeistigSeelische steckt darin und kann herausgezogen werden durch streng zu beobachtende Verrichtungen. Nur allerdings, während wir im Laboratorium experimentieren, stehen wir den Dingen äußerlich mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber.

[ 37 ] Today, spiritual science need not even speak in abstract terms about the fact that the human spiritual being is something real that separates from the body; rather, one might say that spiritual science now knows, through spiritual experimentation, how to separate the physical and the psychological just as one separates oxygen from hydrogen, in order to show that the oxygen is contained within [water]. And the spiritual-psychic is contained within it and can be extracted through procedures that must be strictly observed. However, while we are experimenting in the laboratory, we approach these things from the outside with a certain indifference.

[ 38 ] Diejenigen Verrichtungen, die der Geistesforscher durchzumachen hat, sind solche, welche gleichsam innere Seelentragödien darstellen, Überwindungen darstellen und ein inneres Ringen darstellen, inneres Beglücktwerden, inneres Enttäuschtwerden, inneres Stehen auf festem Boden, und wiederum wie Sich-Fühlen dem Bodenlosen gegenüber; das alles in oftmals schauriger, oftmals auch beseligender Konkretheit des inneren seelischen Erlebens. Dann aber, wenn der Geistesforscher es dazu gebracht hat, also dies wirkliche innere Selbst abgetrennt zu haben von seinem Leiblichen, dann weiß er, dass das Leibliche, das er nun mit dem Wesen, das nun außerhalb des Leibes ist, anschaut, dass das enthält all die Kräfte, welche mit der Geburt oder sagen wir mit der Empfängnis beginnen und mit dem Tode dem Erdenelement übergeben werden, und sich sagt, an diesem Irdisch-Leiblichen arbeitet dasjenige, was er also herausgezogen hat, dass er in dem also Herausgezogenen des Menschen ewigen Seelenkern erfasst, und zwar zugleich erfasst hat mit dem Schicksal. Jetzt weiß er, dass das dasjenige, was jede Nacht beim Einschlafen sich trennt von dem im Bette liegen bleibenden physischen Leibe, dieser ewige Wesenskern zugleich ist, der vom Einschlafen bis [zum] Aufwachen in [der] geistigen Welt ist und sich deshalb nur nicht wahrnehmen kann, weil der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht die innerliche Kraft hat, die Durchdringung und Durchwebung für dies außerhalb des Leibes befindliche Seelenwesen, es auch zum Leuchten, zum Tönen — geistig gemeint —, zu bringen, [sodass] man es für sich wahrnimmt und wieder die Kraft [hat], wieder hinabzuschauen [auf das Äußerlich-Leibliche].

[ 38 ] The trials that the spiritual researcher must undergo are those that represent, as it were, inner spiritual tragedies, represent acts of overcoming, and represent an inner struggle—inner joy, inner disappointment, standing on solid ground, and, in turn, the feeling of facing the abyss; all of this in the often eerie, often also blissful concreteness of inner psychological experience. But then, when the spiritual researcher has managed to separate this true inner self from his physical body, he knows that the physical body—which he now regards, together with the being that is now outside the body, that it contains all the forces which begin with birth—or, let us say, with conception—and are surrendered to the earthly element at death; and he tells himself that what he has thus drawn out is at work in this earthly, physical body, that in this drawn-out part of the human being he has grasped the eternal core of the soul, and has grasped it together with its destiny. Now he knows that what separates itself every night upon falling asleep from the physical body that remains in bed is at the same time this eternal core of being, which, from the moment of falling asleep until [until] waking is in [the] spiritual world, and can therefore not be perceived simply because, in ordinary life, the human being lacks the inner strength to bring about the permeation and interweaving necessary for this soul-being—which lies outside the body—to make it shine and sound—in a spiritual sense—[so that] one perceives it for oneself and once again [has] the strength [to] look back down [at the outer, physical body].

[ 39 ] [Dann aber, indem man das erkundet hat, was im Leibe lebt, hat man zugleich erfasst dasjenige, was durch Geburten und Tode geht.] Und indem man die Seele als vereint mit ihrem Schicksal erfasst hat, hat man dasjenige erfasst, was in der geistigen Welt da war, bevor der Mensch geboren oder empfangen worden [ist], was die Summe der Kräfte darstellt, die selber erst sich senken zu dem, was durch Vater und Mutter gegeben ist als physischer Leib, und in diesen sich einarbeiten, [um] den Leib zu gebrauchen zum Werkzeuge, [um] [innere Bildekraft zu sein durch das Leben], um in der sinnlichen Welt zu wirken und um den Leib aber auch abzubrauchen im Leben und [um] innerlich immer mehr und mehr zu erstarken, um dann durch die Pforte des Todes zu gehen wiederum in die geistige Welt, um in der sich vorzubereiten zu einem neuen Leibesleben.

[ 39 ] [But then, by investigating what lives within the body, one has at the same time grasped that which passes through births and deaths.] And by comprehending the soul as united with its destiny, one has grasped that which existed in the spiritual world before a human being was born or conceived, which represents the sum of the forces that first descend into what is given by the father and mother as the physical body, and work their way into it, [in order] to use the body as an instrument, [to] [be an inner creative force throughout life], to work in the sensory world and also to wear out the body in the course of life, and [to] grow ever stronger inwardly, so as to then pass through the gate of death back into the spiritual world, in order to prepare there for a new physical life.

[ 40 ] Noch etwas wird konkret lebendig vor dem Geistesforscher: dass er sich aufzuklären vermag, warum eigentlich für das gewöhnliche Leben dieser ewige, unsterbliche Wesenskern nicht wahrzunehmen ist, warum man nichts von ihm weiß. Wenn man zwischen Geburt und Tod lebt, arbeitet man allerdings alle die Erfahrungen des Lebens, [alle Empfindungen, Gefühle und Gedanken], alles das, was das Leben bietet in diesen unsterblichen Wesenskern hinein. Aber indem man für das alltägliche Leben nur gewohnt ist, mit den beiden Augen des Leibes wahrzunehmen und zu arbeiten, verdunkeln einem fortwährend die Arbeitskräfte des physischen Leibes diese inneren Bildungskräfte, welche in den Leib untertauchen und im Leib arbeitend eben nicht zur Erkenntnis werden können, sondern, statt [dass] sie zur Erkenntniskraft werden können, ewige Bildungskräfte des Leibes sind, zu etwas anderem verbraucht werden, ähnlich zu dem, was Erarbeitung des äußeren physischen Daseins darstellt. Aber man lernt sie kennen, diese Kraft, sodass der gegenwärtige Leib, den wir zwischen Geburt und Tod tragen, nicht ihre Ursache ist, wie der Materialismus glaubt, sondern im Gegenteil ihre Wirkung ist: [So, wie er sich darstellt im Leben, ist er die Wirkung desjenigen, was heruntergestiegen ist aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Frucht früherer Erdenleben.] Dasjenige, was aus ihm hervorgeht, was hinuntergestiegen [ist] aus der geistigen Welt, ja, was in sich trägt die Charakteristik früherer Erdenleben. Denn sobald man dazu kommt, dasjenige zu beobachten, was im Leibe lebt und auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehoben werden kann, sobald weiß man, dass das, was da im Leibe lebt, so ist, wie es jetzt ist, deshalb, weil es nicht zum ersten Male im Leibe lebt; man sieht geistig, dass es solche Früchte an sich trägt, die es in früheren Erdenleben sich erarbeitet hat. Und in unmittelbarer Anschauung tritt das gesamte Leben so vor den Geistesforscher, dass es sich zusammensetzt wie dasjenige, was errungen ist im Geiste, [das] wird so verwandelt, dass es wiederum ein neues Leben bilden kann.

[ 40 ] Something else becomes vividly real to the spiritual researcher: that he is able to understand why, in ordinary life, this eternal, immortal core of being cannot be perceived, why nothing is known about it. While living between birth and death, however, one works all of life’s experiences—[all sensations, feelings, and thoughts]—everything that life offers—into this immortal core of being. But since in everyday life one is accustomed to perceiving and working only with the two physical eyes, the active forces of the physical body continually obscure these inner formative forces, which submerge into the body and, while working within it, cannot become objects of knowledge; instead, [that] they might become a power of cognition, they are eternal formative forces of the body, are consumed for something else, similar to what constitutes the working out of external physical existence. But we come to know this force, so that the present body, which we bear between birth and death, is not its cause, as materialism believes, but on the contrary is its effect: [Just as it presents itself in life, it is the effect of that which has descended from the spiritual world—indeed, that which bears within itself the fruit of earlier earthly lives.] That which emerges from it, that which has descended from the spiritual world—indeed, that which bears within itself the characteristics of earlier earthly lives. For as soon as one comes to observe that which lives within the body and can be extracted from the body in the manner described, one knows that what lives there is as it is now precisely because it is not living in the body for the first time; one sees spiritually that it bears within itself the fruits it has earned in previous earthly lives. And in direct perception, the entire life appears before the spiritual researcher in such a way that it is composed of what has been attained in the spirit; [this] is transformed so that it can in turn form a new life.

[ 41 ] So gelangt die Geistesforschung, sehr verehrte Anwesende, nicht durch Phantasterei, nicht indem irgendwelche vagen philosophisch-abstrakten Betrachtungen [angestellt werden], sondern in einer eigentlich der Naturwissenschaft ganz nachgebildeten geistigen Experimentalmethode dazu, den ewigen unstörbaren Wesenskern des Menschen zu verfolgen, wie er vom irdischen Leben zu irdischen Leben geht und das Schicksal formt, sodass man sich sagen kann: Dasjenige, was du jetzt erlebst, dasjenige was auf dich jetzt eindringt, das wird Kraft in deinem unsterblichen Menschen, das geht durch die Pforte des Todes, das wandelt sich um, sodass es in deinem nächsten Leben dein Selbst, dein in deinem Schicksal arbeitendes Selbst bereichert. Du bist es selber, der in deinem Schicksal das herübergebracht [hat] aus einem früheren Leben und es ins Jetzt hineinträgt; du bist es selbst in deinem unsterblichen Wesenskern.

[ 41 ] Thus, my esteemed audience, spiritual research does not proceed through fantasy, nor by engaging in vague, philosophically abstract reflections [are undertaken], but through a spiritual experimental method modeled entirely on the natural sciences, to trace the eternal, undisturbed essence of the human being as it passes from one earthly life to the next and shapes destiny, so that one can say: That which you are now experiencing, that which is now making an impression on you, becomes a force within your immortal being; it passes through the gate of death, it is transformed, so that in your next life it enriches your self—the self that works within your destiny. It is you yourself who, within your destiny, have brought this over from a previous life and carry it into the present; it is you yourself in the core of your immortal being.

[ 42 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, es wird lange, lange Zeit dauern in der menschlichen, geistigen Kulturentwicklung, bis eine größere Anzahl von Menschen teilnehmen wird an der hier als etwas Positives geschilderten Geisteswissenschaft. Aber diese Geisteswissenschaft wird gerade so wie Chemie oder Physik, wie nur irgendein Zweig der äußeren Naturwissenschaft ein wirklich realer Bestandteil der geistigen Menschheitskultur werden. Und so wie die äußeren Naturwissenschaften gebracht haben dem Menschen Fortschritt auf äußerlichem materiellen Gebiet, gewissermaßen das Erdenleben radikal umgestaltet haben, soweit es den Menschen und seine Verhältnisse betraf, so wird Geistesforschung eingreifen in das menschliche Leben. Und dasjenige, was moralische Impulse, das Bewusstsein des Menschen von seiner eigenen Wesenheit, Leben in seiner eigentlichen Wesenheit ist, in das alles wird Geisteswissenschaft umgestaltend eingreifen, wenn nur einmal jene Vorurteile überwunden sein werden, die heute noch ganz begreiflicherweise dieser Geisteswissenschaft entgegenstehen. Diese Vorurteile werden so wahr überwunden werden, wie einstmals die Vorurteile gegen die Naturwissenschaft überwunden worden sind.

[ 42 ] Certainly, esteemed audience, it will take a long, long time in the development of human spiritual culture before a larger number of people will participate in spiritual science, which has been described here as something positive. But this spiritual science will become, just like chemistry or physics—or indeed any branch of the external natural sciences—a truly integral part of humanity’s spiritual culture. And just as the external natural sciences have brought progress to humanity in the external, material realm—in a sense, radically transforming life on Earth as far as human beings and their circumstances are concerned—so too will spiritual research intervene in human life. And that which consists of moral impulses, human consciousness of one’s own being, and life in its very essence—spiritual science will transform all of this, once and for all, provided that the prejudices that still quite understandably stand in the way of this spiritual science today are overcome. These prejudices will be overcome just as the prejudices against the natural sciences were once overcome.

[ 43 ] Jeder, der da glaubt, Geisteswissenschaft, wie sie hier geschildert worden ist in einem kleinen Teil, sie sei etwas ganz Erträumtes, Phantastisches, von dem weiß derjenige, der das innere Wesen dieser Geisteswissenschaft ins Auge zu fassen vermag, dass er in dem gleichen Irrtum lebt wie der, der damals zu jenen gehörte, die da sagten, dass dieser Narr, der Kopernikus, sich vorstellt, dass die Erde um die Sonne herumläuft, während doch jedermann mit gesunden fünf Sinnen sehen konnte, dass die Erde stillstehe und die Sonne sich rundherum bewege! So haben ja die Leute dazumal gesagt: Wer gesunde Sinne hat, kann doch dem Narr Kopernikus nicht glauben, dass alle beide der äußeren kosmischen Welt dem Scheine der gesunden fünf Sinne widersprechen. So müssen selbstverständlich auch die Menschen heute sagen: Wer seine gesunden fünf Sinne beisammenhat, kann doch wahrhaftig nicht glauben, dass man sein Denken so steigern kann, dass man das zuerst wie etwa ein Stück innerer Mensch aus sich herauszieht und dann das andere nachzieht durch Versenken in das Schicksal. Aber die Menschengeschichte schreitet hinweg über solche Vorurteile. Und wenn schon die Menschheit gelernt hat, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf den Gang der Gestirne, so wird sie lernen müssen, dem Sinnenschein nicht mehr zu vertrauen in Bezug auf das, was gerade durch Geburten und Tode durch die Menschenseele geht, und sich dem Sinnenschein wieder entzieht, wenn es durch die Pforte des Todes aus dem Sinnenschein wieder hinausgeht.

[ 43 ] Anyone who believes that spiritual science—as described here in just a small part—is something entirely imaginary and fantastical—anyone who is able to grasp the inner essence of this spiritual science knows that such a person is living in the same error as those who, back then, said that this fool, Copernicus, imagined that the Earth revolves around the Sun, when yet anyone with sound five senses could see that the Earth stood still and the Sun moved around it!” Just as people said back then: Anyone with sound senses cannot possibly believe the fool Copernicus, since both aspects of the outer cosmic world contradict the appearance perceived by the sound five senses. So, of course, people today must also say: Anyone in their right mind truly cannot believe that one can elevate one’s thinking to such an extent that one first draws it out of oneself—as if it were a part of one’s inner self—and then draws the rest along by immersing oneself in destiny. But human history marches right past such prejudices. And just as humanity has learned to no longer trust the appearance of the senses regarding the course of the heavenly bodies, so too will it have to learn to no longer trust the appearance of the senses regarding what passes through the human soul through births and deaths—and which withdraws from the appearance of the senses once more when it passes through the gate of death and leaves the realm of the senses.

[ 44 ] Es gibt, sehr verehrte Anwesende, eine stärkere Kraft des Für-wahr-Haltens, als diejenige ist, auf die sich viele heute noch — und zwar, wenn man die Zeitgeschichte und Zeitverhältnisse in Betracht zieht — mit Recht berufen, als diejenige ist, welche die heranziehen, welche [sich] auf die sogenannten gesunden fünf Sinne und auf heute als gültig anerkannte Forschung beziehen. Es gibt eine stärkere Kraft. Aber diese Kraft ist verbunden mit dem tiefsten Impuls alles menschlichen Wahrheitsfortschrittes. Und das muss man schon ein wenig in sich entwickeln, wenn man sich heute zur Geisteswissenschaft bekennen will: dieses Vertrauen in den Wahrheitsfortschritt der Menschheit. Aber dies Vertrauen ist auch etwas, was uns eine starke moralische Kraft in unsere Seele hineindrückt. Und schon darin besteht Gewinn des Lebens, dass der Mensch sich in die Lage zu bringen vermag, an die Erkenntniskräfte in seinem Innern zu appellieren, die er durch die eigene Stärke der Seele [selber] mutig hervorbringen muss und die die Bewahrheitung auf ihren eigenen Flügeln mit sich durch die Welt tragen und sie nicht bloß zu entlehnen brauchen aus dem, was sich den äußeren Sinnen darbietet. Starke innere Schicksalserlebnisse aber sind es, welche die Menschenseele durchmachen muss, wenn sie sich mit dem, was, man möchte sagen selbstverständlich unbeachtet bleibt im alltäglichen Leben, wenn sie sich mit dem unsterblichen Wesenskern befassen will. Damit darf man sagen, steht man heute an dem Punkte der Menschheitsentwicklung, in dem Wissenschaft werden muss, was vorher nicht Wissenschaft sein konnte.

[ 44 ] Ladies and gentlemen, there is a power of belief that is stronger than the one to which many still rightly appeal today—especially when one considers contemporary history and current circumstances—and stronger than the one invoked by those who rely on the so-called five healthy senses and on research recognized as valid today. There is a stronger force. But this force is connected to the deepest impulse of all human progress toward truth. And one must cultivate this within oneself to some extent if one wishes to commit to spiritual science today: this trust in humanity’s progress toward truth. But this trust is also something that instills a strong moral force within our souls. And there lies a gain in life in the very fact that a person is able to put themselves in a position to appeal to the powers of knowledge within themselves—powers that they must courageously bring forth through the strength of their own soul, and which carry the truth on their own wings through the world, rather than merely borrowing it from what presents itself to the external senses. Yet it is powerful inner experiences of destiny that the human soul must undergo if it wishes to engage with what—one might say—naturally goes unnoticed in everyday life, if it wishes to engage with the immortal core of being. Thus, one may say that we have now reached a point in human development where what could not previously be science must now become science.

[ 45 ] Gewiss, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was der Geistesforscher gleichsam [herausdestilliert] aus dem Menschen, um es vor die Erkenntnis hinzustellen, das ist ja immer im Menschen drinnen, das ist ja das im Menschenwesen Unsterbliche. Der Geistesforscher erfasst es nicht, der Geistesforscher ruft es nur herein in den Horizont der Erkenntnis.

[ 45 ] Certainly, esteemed audience, what the spiritual researcher, so to speak, [distills] from the human being in order to present it to our understanding is, after all, always within the human being; it is, in fact, the immortal aspect of the human being. The spiritual researcher does not grasp it; the spiritual researcher merely brings it into the realm of knowledge.

[ 46 ] Und gewiss kann man hier einen Einwand machen, einen naheliegenden Einwand, der insbesondere deshalb naheliegt, weil er dem, was ja so sehr mit unserem Seelenleben auch innerlich verknüpft ist, naheliegt, der Menschen inneren Seelenbequemlichkeit naheliegt. Man kann sagen: Warum sich bemühen um diesen ewigen Wesenskern? Wir werden schon im ewigen Leben, wenn wir unseren Leib abgelegt haben, zu ihm kommen. Wozu sich darum bemühen? [Er ist doch nun einmal ewig, wir werden schon sehen nach dem Tode!] Wir können uns ganz ruhig dem Leben überlassen und im Übrigen den Weltengeistern dasjenige, was sie mit unserem unsterblichen Wesenskern tun wollen, überlassen! Zweierlei muss gesagt werden gegen einen solch billigen Einwand.

[ 46 ] And certainly one can raise an objection here—an obvious objection—which is particularly obvious precisely because it is closely tied to what is so deeply intertwined with our inner spiritual life: it is closely tied to the inner spiritual comfort of human beings. One might ask: Why bother with this eternal core of our being? We will come to it anyway in eternal life, once we have shed our bodies. Why make the effort? [After all, it is eternal—we’ll see after death!] We can calmly surrender ourselves to life and, for the rest, leave it to the spirits of the world to do whatever they wish with our immortal core! Two things must be said in response to such a flimsy objection.

[ 47 ] Erstens handelt es sich darum, dass dem Menschen zu tun sein muss, nicht nur darum, dass er dies oder jenes weiß, dass er dieses oder jenes erblickt, sondern dass es ihm zu tun sein muss darum, dass der allgemeine Evolutions-, Entwicklungsprozess der Menschheit auf der Erde fortschreitet. So wie die Gesetze und Ideen der Naturwissenschaft einmal unbekannt waren und damals aus der [unbekannten] Finsternis hervorgeholt wurden in die Tat der Erkenntnis, so sind die meisten Wahrheiten erst unbekannt und müssen hervorgeholt werden aus dem Unbekannten in das Bekannte. Auf diesem Hervorholen des vorher Unbekannten beruht eben aller Menschheitsfortschritt. Und derjenige, der an diesem Menschheitsfortschritt nicht teilnehmen will, sodass die geistigen Wahrheiten ebenso diesem Menschheitsfortschritt einverleibt werden in der Zukunft, wie in der Vergangenheit die Naturwissenschaft einverleibt werden musste, der soll nur gestehen, dass ihm im Grunde genommen aller Menschheitsfortschritt gleichgültig ist, in dem er doch drinnensteckt. Das ist der mehr abstrakte Weg, wenn er auch [gewichtig] ist.

[ 47 ] First, it is a matter of what humans must do—not merely that they know this or that, or that they perceive this or that—but that they must be concerned with ensuring that the general process of evolution and development of humanity on Earth continues. Just as the laws and ideas of natural science were once unknown and were brought forth from the [unknown] darkness into the realm of knowledge, so too are most truths initially unknown and must be brought forth from the unknown into the known. All of humanity’s progress is based precisely on this bringing forth of what was previously unknown. And anyone who does not wish to participate in this progress of humanity—so that spiritual truths may be incorporated into this progress in the future, just as natural science had to be incorporated in the past—should simply admit that, deep down, they are indifferent to all human progress, even though they are part of it. This is the more abstract approach, even if it is [significant].

[ 48 ] Der andere aber ist der, dass nicht nur ein solcher abstrakter Fortschritt stattfindet in der Menschheit Entwicklungsprozess, sondern ein recht, recht konkreter Fortschritt stattfindet. Es entspricht nur einer oberflächlichen Betrachtung der Menschheitsentwicklung auf der Erde, wenn man glaubt, solange es Menschen auf der Erde gegeben hat, waren sie sich im Wesentlichen gleich. Sie waren sich eben gar nicht im Wesentlichen gleich. Wir erlauben uns heute eine griechische, eine römische, eine aus der alten persischen Geschichte stammende Seele zu beurteilen, weil wir gar nicht ahnen, wie sehr die Seelen der Menschen in alten Zeiten verschieden waren von den Menschen in der Gegenwart. Wenn wir zurückschauen in alte Zeiten, finden wir [überall auf dem Grunde der Seelen] aus Urzeiten herstammendes, aus alten Regionen herstammendes innerlich-hellsichtiges Bewusstsein, wodurch die Seelen ihren Zusammenhang in sich hatten mit göttlich-geistigen Kräften der Welt. Darin aber besteht gerade alle Selbstständigkeit bei des Menschen Wesen, dass er im Verlauf der Entwicklungsgeschichte zur Freiheit sich entzieht, sich herausholt aus diesem ursprünglichen traumhaften Hellsehen zunächst. Darauf beruht auch die Möglichkeit der heutigen rein äußeren Erkenntnis, und nun muss aber wiederum — nachdem der Mensch errungen die Stufe der Loslösung vom geistigen Leben —, muss er wiederum vom geistigen Leben erfasst werden, wiederum [hineinfüllen in seine Seele] das substanzielle Geistesleben durch Geisteswissenschaft.

[ 48 ] The other point, however, is that it is not merely such abstract progress that takes place in the process of human development, but rather a very, very concrete progress. It is merely a superficial view of human development on Earth to believe that, as long as humans have existed on Earth, they have essentially remained the same. In fact, they were not essentially the same at all. Today we presume to judge a Greek, a Roman, or a soul from ancient Persian history, because we have no idea how very different the souls of people in ancient times were from those of people today. When we look back to ancient times, we find [everywhere at the core of the souls] an inner, clairvoyant consciousness dating back to primeval times and originating from ancient regions, through which the souls maintained their inner connection with the divine-spiritual forces of the world. But it is precisely in this that all independence of the human being lies: that in the course of evolutionary history, he withdraws from this original, dreamlike clairvoyance, freeing himself from it at first. This is also the basis for the possibility of today’s purely external knowledge; and now—after humanity has attained the stage of detachment from spiritual life—it must once again be embraced by spiritual life, and the substantial spiritual life must once again be [infused into the soul] through spiritual science.

[ 49 ] Heute stehen wir allerdings als Menschen zum größten Teil noch auf der Stufe, dass wir sagen können: Wir haben noch so viele ererbte Kräfte, dass unsere Seele nicht verdunkelt und [abgedämmert] wird, wenn sie durch die Pforte des Todes tritt. Aber der Mensch geht, indem er von Leben zu Leben fortschreitet, eine Entwicklung durch. Es werden die innerlichen spirituellen Kräfte abgekannt und abgedämpft. Und angewiesen ist der Mensch darauf, wenn er von den jetzigen in die zukünftigen Lebensläufe hineingeht, dass er in sich nun bewusst und aus innerer Freiheit heraus entwickelt dasjenige, was ihn erfüllt mit bewusstem Zusammenhang mit der astralen Welt, mit solchen Kräften, die nur in der Seele selber losgelöst werden können, sodass er das Leben zwischen Tod und neuer Geburt nicht in Dumpfheit, sondern in hellem innerlichen Erfühlen und Erfahren durchmacht.

[ 49 ] Today, however, most of us as human beings are still at a stage where we can say: We still possess so many inherited powers that our soul is not darkened or [diminished] when it passes through the gate of death. But as human beings progress from one life to the next, they undergo a process of development. The inner spiritual powers are diminished and subdued. And as human beings move from their present lives into future ones, they must consciously and out of inner freedom develop within themselves that which fills them with a conscious connection to the astral world—with powers that can be unleashed only within the soul itself— so that he may experience the life between death and rebirth not in dullness, but in bright inner feeling and experience.

[ 50 ] Dass Geisteswissenschaft gegenwärtig in unsere Menschheitsentwicklung eintritt, das hängt zusammen mit dem ganzen Sinn der Erdenentwicklung; hängt damit zusammen, dass der Mensch nur frei werden konnte, indem er in einer gewissen Weise abriss den Faden, der ihn an die geistigen Welten band. Aber anknüpfen muss er nun aus Freiheit, aus freiem Bewusstsein heraus wiederum dies Band, das ihn mit den geistigen Welten zusammenhält. Es ist unmöglich, dass nicht nach und nach, von der Jetztzeit ab immer mehr und mehr von den Menschen erkannt wird die Notwendigkeit, ins Bewusstsein hineinzunehmen Erkenntnisse der geistigen Welt, Erkenntnis des ewigen Wesenskerns des Menschen.

[ 50 ] The fact that spiritual science is now entering the course of human development is connected with the entire meaning of Earth’s evolution; it is connected with the fact that human beings could only become free by, in a certain sense, severing the thread that bound them to the spiritual worlds. But now, out of freedom and out of free consciousness, human beings must once again reestablish this bond that connects them to the spiritual worlds. It is impossible that, little by little, beginning with the present time, more and more people will not come to recognize the necessity of incorporating into their consciousness insights from the spiritual world—insights into the eternal essence of the human being.

[ 51 ] Daher tritt auf da, wo das geistige Leben intensiver wurde in neuerer Zeit, wo es sich mehr angewiesen fühlte, aus dem Innen heraus Lebens- und Schicksalsgewissheit zu gewinnen, da tritt auf der Gedanke der wiederholten Erdenleben. Er tritt uns entgegen zum Beispiel im achtzehnten Jahrhundert bei einem der führenden Geister des deutschen Geisteslebens, bei Lessing. Ich habe es schon erwähnt hier, sein reifstes Werk «Die Erziehung des Menschengeschlechts» hat Lessing wie ein Testament der Menschheit hinterlassen. Und der Grundgedanke dieses reifsten Werkes Lessings, dieses Testaments Lessings ist der Gedanke der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden rein geistigen Leben. Ich habe es schon erwähnt, ganz gescheite Leute, die heute Geisteswissenschaft noch so behandeln, dass sie sagen: Ein Mensch mit seinen gesunden fünf Sinnen könne davon nichts verstehen, solche Leute sagen etwa: Nun, der Lessing war ein großer Mann; sein ganzes Leben hindurch hat er wirklich vernünftig oder genial geschrieben; im Alter, da ist er eben etwas schwächer geworden, und dann hat er die vertrackte Idee von den wiederholten Erdenleben gehabt.

[ 51 ] Therefore, wherever spiritual life has become more intense in recent times—where it has felt a greater need to draw certainty about life and destiny from within—there the idea of repeated earthly lives arises. We encounter it, for example, in the eighteenth century in one of the leading figures of German intellectual life, Lessing. As I have already mentioned here, Lessing left behind his most mature work, *The Education of the Human Race*, as a testament to humanity. And the fundamental idea of this, Lessing’s most mature work—this testament of Lessing’s—is the idea of repeated earthly lives and the purely spiritual lives in between. As I have already mentioned, very intelligent people who still approach spiritual science today in such a way that they say: A person with their five healthy senses cannot understand any of this; such people say, for example: “Well, Lessing was a great man; throughout his entire life he wrote in a truly rational or brilliant manner; in his old age, he simply became a bit weaker, and then he came up with the convoluted idea of repeated earthly lives.”

[ 52 ] Es mag ja sein, dass diese ganz gescheiten Leute heute noch ein Recht fühlen können, gegen einen solchen Sucher sich aufzulehnen, wie Lessing es war, der etwas fühlte von der Zeit, die stärkere Seelenkraft braucht als die bloß passive der äußeren Naturwissenschaft. Dasjenige, was also durch einen Geist wie Lessing in der deutschen Geistesgeschichte angeknüpft worden ist, es bildet wiederum eine Art von Anlage, die ausgebildet werden muss; und insbesondere gefühlt werden muss in alledem, was im Bereich der deutschen Volksseele liegt — [gefühlt wird es werden] — und was dahin führen wird, dass insbesondere aus dem Bereich der deutschen Volksseele, [nicht] aus irgendeiner mitteleuropäischen Kultur heraus, dasjenige [ausgebildet wird], was auch von solch [einem] klaren Geist wie Lessing ausgebildet wird, um langsam einzulaufen in den Strom geisteswissenschaftlicher Forschung, die aufklärt über das Wesen, über das wahre Wesen der unsterblichen Menschenseele, so wie [es] heute angedeutet worden ist.

[ 52 ] It may well be that these very intelligent people still feel justified today in rebelling against a seeker such as Lessing, who sensed the need for a time that requires a stronger spiritual force than the merely passive one of external natural science. That which has thus been established in German intellectual history by a mind like Lessing, in turn, forms a kind of foundation that must be developed; and it must be felt, in particular, in all that lies within the realm of the German national soul—[it will be felt]—and which will lead to the fact that, specifically from the realm of the German national soul, [not] from any Central European culture, that which is also developed by such a clear mind as Lessing will be cultivated, so that it may gradually flow into the stream of spiritual scientific research that sheds light on the nature—the true nature—of the immortal human soul, as has been indicated today.

[ 53 ] Diese Anlage, sie lag allerdings tief, tief in dem begründet, wovon gestern gesagt worden ist, dass es Johann Gottlieb Fichte als den eigentlichen Urquell der Deutschheit empfand. Noch einmal sei heute hingewiesen auf etwas, was Fichte immer wieder und wiederum prägnant, immer wieder und wiederum hervorgehoben [hat]. Auf einen wunderbar schönen Gedanken Fichtes, einen Gedanken, der ungefähr so lautet dem Sinne nach, [nicht wortwörtlich], Fichte sagt: Nicht erst, wenn wir durch den Tod gegangen sind, werden wir unsterbliche Lebewesen in der geistigen Welt. Nein, schon hier im Leibe können wir gewahr werden desjenigen, was in uns unsterblich ist, desjenigen, was als das Unsterbliche unseres sterblichen Leibes selber schafft und wirkt und was dann durch den Tod tritt. Und ich — meint Fichte — meinerseits muss sagen, dass ich allein im Erfassen dieses über alles Sterbliche im Menschen triumphierenden Unsterblichen den eigentlichen Sinn des Lebens erkenne, dasjenige erkenne, um dessentwillen eigentlich allein einer in diesem sterblichen Leibe leben mag.

[ 53 ] This disposition, however, was deeply, deeply rooted in what was mentioned yesterday—that which Johann Gottlieb Fichte perceived as the true source of German identity. Today, let us once again draw attention to something that Fichte repeatedly and concisely emphasized time and again. Regarding a wonderfully beautiful thought of Fichte’s—a thought that, in essence, goes something like this [not verbatim]—Fichte says: It is not only after we have passed through death that we become immortal beings in the spiritual world. No, even here in the body we can become aware of that which is immortal within us—that which, as the immortal element of our mortal body, creates and acts within it, and which then passes through death. And I—says Fichte—for my part must say that it is solely in grasping this immortality, which triumphs over all that is mortal in human beings, that I recognize the true meaning of life, that which is the sole reason why one might actually choose to live in this mortal body.

[ 54 ] Da tritt uns bei Fichte als Anlage vor der Erkenntnis klar zutage, was durch die Geisteswissenschaft heute weiter ausgeführt werden soll, was immer mehr ausgeführt werden muss in der Zukunft. Wovon spricht denn Fichte? Davon spricht Fichte, dass in diesem sterblichen Menschenleibe, der [heranwächst] und sich entwickelt, eben gerade durch die unsterbliche Seele zwischen Geburt und Tod, dass in diesem sterblichen Menschenleib erfasst werden kann — wenn nur die rechte, die taugliche innere Kraft aus der Seele losgelöst werde —, erfasst werden kann schon das Unsterbliche, dass sich der Mensch in seiner Sterblichkeit schon des Unsterblichen bewusst werden kann und dass er nicht erst zu warten hat auf die Anerkennung der Unsterblichkeit im Tode, sondern dass er dasjenige, was durch Geburten und Tode, durch Ewigkeiten geht, mit den dazu tauglichen Erkenntniskräften in sich finden kann.

[ 54 ] Here, in Fichte, it becomes clear to us—as a predisposition prior to cognition—what is to be further elaborated today by the science of the spirit, and what must be elaborated more and more in the future. What, then, is Fichte speaking of? Fichte speaks of the fact that in this mortal human body, which [grows] and develops precisely through the immortal soul between birth and death, that in this mortal human body—if only the right, the suitable inner power were released from the soul— the immortal can already be grasped; that human beings, even in their mortality, can already become aware of the immortal; and that they need not wait until death to recognize immortality, but can find within themselves—with the appropriate powers of cognition—that which passes through births and deaths, through eternities.

[ 55 ] Veranlagt ist diese Geisteswissenschaft insbesondere bei jenen Persönlichkeiten des geistigen Strebens, deren Zeit erst ein wenig charakterisiert werden musste, und veranlagt ist es da so — und das ist das Wesentliche, denn naturgemäß treten Sachen an den verschiedensten Orten in deren Richtung uns entgegen —, aber veranlagt ist es da so, dass wir gewissermaßen eine gerade Linie ziehen können zwischen dem, was da beginnt, anfängt, geistig Frucht zu tragen, zu dem, was sich nunmehr entwickeln muss. Und man möchte sagen, sehr verehrte Anwesende, niemals wiederum ist in dem Strome gerade des deutschen, des mitteleuropäischen Geisteslebens diese Bewusstheit in Erfassung dieses unsterblichen Menschenkernes im wissenschaftlichen Erfassen verloren gegangen. Immer war es wieder und wiederum da. Ich könnte vieles, vieles, was hervorgetreten ist im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts bis in unsere Tage aufzählen. Ich möchte nur auf eines aufmerksam machen, das zeigen soll, wie in der Tat ein Bewusstsein, wenn auch ein zartes Bewusstsein, oder besser gesagt, das sich zart nur ergeben wollte, vorhanden war von dem gerade, was heute hier entwickelt worden ist.

[ 55 ] This spiritual science is particularly suited to those individuals engaged in spiritual striving whose era first had to be characterized to some extent, and it is so—and this is the essential point, for naturally, things in this direction come to meet us in the most diverse places— but it is so predisposed that we can, as it were, draw a straight line between what is beginning there, starting to bear spiritual fruit, and what must now develop. And one might say, esteemed audience, that never again in the very current of German, of Central European, spiritual life has this awareness—in the scientific grasping of this immortal human core—been lost. It has always been there, time and again. I could list many, many things that have emerged in the course of the nineteenth century right up to the present day. I would like to draw attention to just one thing, which is intended to show how, in fact, an awareness—albeit a delicate one, or rather, one that sought only to emerge delicately—was present of precisely what has been developed here today.

[ 56 ] Einer derjenigen Geister, der der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts angehört, der auch auf dem Boden der Goethe-Schiller-Fichte’sehen Weltanschauung steht, der in seinem Leben in ununterbrochenem Fortgang diese Weltanschauung herausgebildet hat, ist der im Jahre 1901 verstorbene, ausgezeichnete, auch hier schon mehrfach von mir erwähnte Kunstforscher Herman Grimm.

[ 56 ] One of the leading figures of the second half of the nineteenth century—who also stood on the foundation of the Goethe-Schiller-Fichte worldview and who, throughout his life, continuously developed this worldview—was the distinguished art historian Herman Grimm, who died in 1901 and whom I have already mentioned here on several occasions.

[ 57 ] Dieser Kunstforscher Herman Grimm hat aber auch Novellen geschrieben. In seinem Novellenbande ist eine der ersten Novellen gleich diese, die da heißt: «Die Sängerin». Da schildert er, wie eine gewisse Lebensbeziehung sich zwischen zwei Menschen, einer Sängerin und einem Mann, anspinnt, ich will nur in ganz kurzen Strichen den Sinn anführen. Er schildert, wie dann die beiden Menschen im Leben durch Charakter und Verhältnisse auseinandergetrieben werden. Und er schildert da, wie der Mann aus Gram Selbstmord begeht, wie die Sängerin das erfährt, wie das auf sie wirkt. Und nun schildert Herman Grimm in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts ganz anschaulich in seiner Novelle «Die Sängerin», wie die losgelöste Äthergestalt — ein Teil dessen, was, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, eben in die geistige Welt übergeht — vor der Sängerin auftritt, sodass diese tatsächlich nach dem Tode des von ihr im Leben Verschmähten, man möchte sagen den Inbegriff seiner unsterblichen Wesenheit vor sich hat. Würde ich Ihnen das ausführlich schildern können, würde ich auch rechtfertigen können, warum ich gerade diese Novelle herbeiziehe. Selbstverständlich kann erwidert werden, dass der Dichter alles aufzubauschen und auszurichten vermag. Darauf kommt es nicht an, sondern der Geistesforscher hat den unmittelbaren Eindruck: Hier gibt ein Dichter sachgemäß [wieder], so wie man weiß, dass die Sache sich abspielt, [er gibt] Kunde von dem Leben nach dem Tode.

[ 57 ] This art historian, Herman Grimm, also wrote short stories. In his collection of short stories, one of the first is this one, titled “The Singer.” In it, he describes how a certain relationship develops between two people—a singer and a man; I’ll just outline the gist very briefly. He describes how the two are then driven apart in life by their characters and circumstances. And he describes how the man commits suicide out of grief, how the singer learns of this, and how it affects her. And now, in the 1860s, Herman Grimm vividly depicts in his novella *The Singer* how the disembodied ethereal form—a part of what, when a person has passed through the gate of death, enters the spiritual world—appears before the singer, so that after the death of the man she had spurned in life, one might say, the very embodiment of his immortal being. If I could describe this to you in detail, I would also be able to justify why I am drawing on this particular novella. Of course, one might counter that a poet is capable of exaggerating and shaping everything. That is not the point; rather, the spiritual researcher has the immediate impression: Here, a poet is accurately [depicting]—just as we know the matter unfolds—[he is] giving an account of life after death.

[ 58 ] Und einen Roman hat Herman Grimm geschrieben, der auch aus anderen Gründen gründlich gelesen werden sollte: «Unüberwindliche Mächte». Die Geschichte des Romans spielt gerade während der Zeit des Krieges, 1866. In gleicher Art meisterhafter Weise ist das Ineinanderspiel der europäischen und der amerikanischen Kulturverhältnisse in diesem Roman geschildert. Und aus diesem Untergrund heraus erhebt sich das Schicksal verschiedener Menschen; gegen den Schluss hin die Schilderung des Todes der Heldin. Gewissermaßen am Schluss des Romans nun findet sich, dass jener Dichter Herman Grimm wiederum uns sehr Merkwürdiges schildert. Er schildert sehr anschaulich den Tod, und er schildert den Tod so, indem wir dasjenige, wovon ich heute geschildert habe, wie es sich heraushebt, ich möchte sagen durch geistesforscherische Experimentalkunst aus dem Leibe im Tode. [Lücke im Text]. Es war noch nicht die Zeit gekommen in den Sechzigerjahren, Geisteswissenschaft zu treiben, aber jene Menschen, die durch das besondere Gefüge ihres Seelenlebens Zusammenhang hatten mit dem Geistigen, standen eben drinnen in diesem Geistigen und hatten das Bedürfnis, auch da, wo sie Kräfte schilderten, nicht bloß die äußere Sinneswelt zu zeigen, sondern dasjenige, was der ewige Teil dieser Sinneswelt ist.

[ 58 ] Herman Grimm also wrote a novel that deserves to be read thoroughly for other reasons as well: *Unüberwindliche Mächte* (Insurmountable Forces). The novel is set during the war of 1866. The interplay between European and American cultural conditions is depicted in this novel with the same masterful skill. And against this backdrop, the fates of various characters unfold; toward the end comes the depiction of the heroine’s death. Toward the end of the novel, so to speak, we find that the poet Herman Grimm once again describes something very remarkable to us. He depicts death very vividly, and he depicts it in such a way that what I have described today stands out—I would say—through the experimental art of spiritual research emerging from the body in death. [Gap in the text]. The time had not yet come in the 1860s to pursue spiritual science, but those people who, through the special structure of their inner life, were connected to the spiritual realm, were indeed immersed in this spiritual realm and felt the need—even when describing forces—not merely to show the outer sensory world, but that which is the eternal part of this sensory world.

[ 59 ] Menschen entwickelten sich aus jenem geistigen Kulturanfang heraus, welche wussten, dass man, wenn man die wahre Wirklichkeit schildern will, mehr zu schildern hat als den physischen äußeren Sinnenschein, welche wussten, dass der, der dies ableugnet, so redet wie einer, der ein stark magnetisches Hufeisen, das er vor sich hat, sagt: «Du bist ein phantastischer Narr. Es hat keine unsichtbaren Kräfte in sich.» So wie es hier im Groben ist, ist es mit der ganzen Sinneswelt zum geistigen Teile /Lücke im Text]. Das aber wussten die Menschen, welche gelernt haben namentlich aus der Vertiefung des deutschen Idealismus heraus, die spirituelle Wirklichkeit zu empfinden. Das ist der Weg der Menschheitsentwicklung, sehr verehrte Anwesende, aus dem bloßen Idealismus heraus, der die Größe einer abgelaufenen und insbesondere deutschen Epoche ausmacht, herauszuentwickeln eine echte geistgemäße Weltanschauung. Das ist — man kann es so recht empfinden gerade durch ein objektives unbefangenes Anschauen des deutschen Geisteslebens —, das ist wirklich eine Mission des deutschen Idealismus, sich zu konkretisieren, sich innerlich zu erfüllen, damit er aus der ideellen Anerkennung des geistigen Lebens, wie wir es haben bei Fichte, bei Schelling, bei Hegel, [vordringen kann] zu der wirklichen Anschauung des geistigen Erlebens mit geistigen Augen und geistigen Ohren, von denen Goethe gesprochen hat.

[ 59 ] Human beings evolved from those early spiritual beginnings—those who knew that if one wishes to describe true reality, there is more to describe than the physical, outward appearance to the senses; those who knew that anyone who denies this speaks like someone who, looking at a strongly magnetic horseshoe in front of him, says: “You are a fanciful fool. ‘It contains no invisible forces.’ Just as this is roughly the case here, so it is with the entire sensory world in its spiritual aspect /gap in the text]. But this was known to those who, particularly through the deepening of German idealism, had learned to perceive spiritual reality. This is the path of human development, esteemed audience: to develop, out of mere idealism—which constitutes the greatness of a bygone and specifically German epoch—a genuine, spiritually grounded worldview. This is—and one can truly sense it precisely through an objective, unbiased contemplation of German spiritual life— this is truly a mission of German idealism: to take concrete form, to fulfill itself inwardly, so that it may [advance] from the ideal recognition of spiritual life—as we find it in Fichte, Schelling, and Hegel—to the actual perception of spiritual experience with spiritual eyes and spiritual ears, of which Goethe spoke.

[ 60 ] Und wiederum ist es sehr merkwürdig, sehr verehrte Anwesende, dass erleuchtete Geister des neunzehnten Jahrhunderts gleich da, wo sie den Blick hinwenden auf deutsches Geistesleben — [insbesondere Goethe] —, dass sie darauf kommen, dass eine Art Hoffnung der Menschheit zusammenhängt mit der Entwicklung gerade dieses Geisteslebens. Man möchte sagen, dass man, wenn ja heute in diesen unseren schicksalsschweren Zeiten vielleicht gerade an dem, was sich zwischen den Zeilen des Lebens — verzeihen Sie den törichten, aber vielleicht doch prägnanten Ausdruck — abspielt, wenn man eben [mit geschärften Seelenkräften] prüft, etwas fühlt von dem, wie gerade durch die Fortentwicklung des Geisteslebens aus den Wurzeln des deutschen Idealismus heraus die Welt zum Erfassen des Geistigen kommen kann. Man fühlt das, ohne dass man dabei von einer besonderen Überhebung in Bezug auf das eigene deutsche Geistesleben erfüllt zu sein braucht. Man braucht nicht von Hochmut erfüllt zu sein, man kann heute wirklich an manchen Erscheinungen fühlen, wie dasjenige, was sich als Großes in die Welt hereingestellt hat in der Goethe-Schiller-Fichte-Zeit, der Anfang war einer großen geistigen Entwicklung, die zu verteidigen ist [in Mitteleuropa].

[ 60 ] And yet again, distinguished guests, it is very curious that the enlightened minds of the nineteenth century—precisely when they turn their gaze to German intellectual life— [especially Goethe]—they come to the conclusion that a certain hope for humanity is connected with the development of precisely this intellectual life. One might say that, especially today in these fateful times of ours, perhaps it is precisely in what unfolds between the lines of life—forgive me for this foolish, but perhaps nonetheless incisive expression—if one examines it [with heightened spiritual powers], one senses something of how, precisely through the further development of spiritual life from the roots of German idealism, the world can come to grasp the spiritual. One senses this without needing to be filled with any particular arrogance regarding one’s own German spiritual life. One need not be filled with arrogance; today one can truly sense in certain phenomena how that which emerged as something great into the world during the Goethe-Schiller-Fichte era was the beginning of a great spiritual development that must be defended [in Central Europe].

[ 61 ] Ich möchte nicht anders, als, ich darf sagen, aus einem «tragischen» Gefühl heraus, zwei Bilder hinstellen, die sich mir persönlich vor die Seele gerückt haben; wirklich nicht aus irgendeiner nationalen Subjektivität heraus, möchte ich diese zwei Bilder hinstellen, sondern weil sie mit gewissen Empfindungen unserer schicksalsschweren Zeit im Zusammenhang stehen.

[ 61 ] I would like—out of what I might call a “tragic” feeling—to present two images that have personally come to the forefront of my mind; I truly do not wish to present these two images out of any kind of national subjectivity, but rather because they are connected to certain feelings characteristic of our fateful times.

[ 62 ] Wir haben sie erlebt, die ersten Augusttage des [letzten] Jahres — des Jahres 1914 —, sie erlebt so, dass wir Kunde erhalten haben, wie sie durchlebt worden sind in den verschiedenen Ländern Europas. Nur zwei Bilder möchte ich hinstellen. Das eine Bild: Man steht vor einem großen Ereignis, dessen Größe man noch nicht einmal ermessen kann! Der Deutsche Reichstag tritt zusammen. Ich will nicht eingehen, weil ich nach Bismarcks bekanntem Wort nicht mischen will dasjenige, was bei Worten bleiben will, in dasjenige, was durch Taten entschieden werden soll, ich will nicht eingehen auf die unmittelbare Tagespolitik, auf das was von dieser Tagespolitik mit den politischen Ereignissen zusammenhängt, aber ein Bild als Bild steht da lebhaft vor der Seele: Da stehen sie, die Vertreter der einzelnen Parteirichtungen und schweigen, schweigen! Und dieses Schweigen, das macht einen gewaltigen Eindruck; einen Eindruck, sehr verehrte Anwesende, wie wenn es der Herold wäre zu dem, was hinterher geschehen soll. Und in diesem Schweigen liegt das Wort von einer großen, durch die Weltgeschichte raunenden Wahrheit.

[ 62 ] We experienced the first days of August of [last] year—the year 1914—and we experienced them in such a way that we received reports on how they were lived through in the various countries of Europe. I would like to present just two images. The first image: We stand on the threshold of a great event, the magnitude of which we cannot even begin to fathom! The German Reichstag is convening. I do not wish to go into detail, for—in accordance with Bismarck’s famous saying—I do not wish to mix that which is meant to remain in words with that which is to be decided by deeds; I do not wish to delve into immediate day-to-day politics, nor into what in this day-to-day politics is connected to political events. But one image stands vividly before the mind: There they stand, the representatives of the various political factions, and they are silent—silent! And this silence makes a powerful impression—an impression, ladies and gentlemen, as if it were the herald of what is to follow. And in this silence lies the word of a great truth murmuring through world history.

[ 63 ] Man kann den Blick wegwenden, eigentlich müsste ich ihn hinwenden nach dem anderen Orte, mehr östlich. Ich möchte sagen, wirklich, nein, ich muss es sagen mit einer Art innerlichem Weinen, das Bild, das sich dann ungefähr in denselben Tagen darbot in der Versammlung der Gossudarstwennaja Duma. Da war kein Schweigen, da redeten alle. Die Leute der verschiedenen Parteiengenossenschaften. Und da redeten sie so, dass diese Reden wirkten, dass sie den Eindruck formten, man habe es mit einer zusammengestellten, welthistorischen Theatervorstellung zu tun — man verzeihe den Ausdruck da, wo man ihn nicht gern verzeihen will, denn, wie gesagt, mit innerlichem Weinen nur konnte man dahin schauen. Der Taumelrausch einer unwahren Begeisterung trug [bei] dasjenige, was da viel, viel geredet wurde in der Gossudarstwennaja Duma, im Gegensatz zu dem Schweigen, das da herrschte weiter westlich.

[ 63 ] One can look away, but really I should be turning my gaze toward that other place, further east. I would like to say—no, really, I must say this with a kind of inner weeping—the scene that unfolded around the same time in the session of the State Duma. There was no silence; everyone was speaking. People from the various party factions. And they spoke in such a way that these speeches seemed—that they created the impression—that one was witnessing a staged, world-historical theatrical performance—forgive the expression where one might be reluctant to forgive it, for, as I said, one could only look upon it with an inner weeping. The intoxicating frenzy of false enthusiasm fueled all that was said—and said at great length—in the State Duma, in stark contrast to the silence that reigned further west.

[ 64 ] Man wird, wenn man nicht mehr bloß aus Äußerlichem, sondern aus dem Hineinleben in die inneren Stimmungen der Weltgeschichte, eine Geschichte wird erforschen wollen, gleichsam geistig greifen wollen, was die Menschheitsentwicklung raunt, auf solche Stimmungen hinzuschauen haben. Etwas ist in diesem Schweigen, was wiederum Vertrauen gibt zu einer innerlichen Kraft, was ahnen uns lässt, dass im Schoße der mitteleuropäischen Kultur geistige Wahrheit und geistige Kraft gut aufgehoben ist und dass, wie sie da ruht, sie verteidigt werden muss.

[ 64 ] If one wishes to explore history—no longer merely from an external perspective, but by immersing oneself in the inner moods of world history—and, as it were, to grasp spiritually what the development of humanity is whispering, one must look to such moods. There is something in this silence that restores our confidence in an inner strength, something that lets us sense that spiritual truth and spiritual power are in good hands within the bosom of Central European culture, and that, as they rest there, they must be defended.

[ 65 ] Das ist es, was noch einen seelisch hinweghebt über den [von] Schmerz [durchdrungenen] Anblick, der von Tod und schwerem Schicksal in uns einzieht, wenn wir Europa und die Welt der Gegenwart überschauen. Und dann begreift man es, dass es heute noch lebt im deutschen Wesen, was wiederum einem außerdeutschen Geiste auffiel, Emerson, dem großen Amerikaner, als er Goethe beschreiben wollte und von Goethe ausgehend hinweisen wollte auf die Mission, die gerade die GoetheKultur für die Zukunft der Menschheit zu bedeuten hat.

[ 65 ] This is what still lifts one’s spirit above the [pain-filled] sight of death and grim fate that takes hold of us when we survey Europe and the world of the present. And then one realizes that what still lives today in the German spirit is precisely what struck a non-German mind—Emerson, the great American—when he sought to describe Goethe and, taking Goethe as his starting point, to point out the mission that Goethe’s culture in particular holds for the future of humanity.

[ 66 ] Der Amerikaner Emerson sagt es von seiner Zeit, der Zeit des neunzehnten Jahrhunderts, von der Zeit, die aber auch die unsere ist:

[ 66 ] The American Emerson says this about his time—the nineteenth century—a time that is also our own:

Die Welt ist jung, große Männer [vergangener Zeiten] rufen zu uns mit freundlichen Stimmen.

The world is young; great men [of times past] call out to us with friendly voices.

[ 67 ] Und das sind nun die eigenen Worte Emersons:

[ 67 ] And these are Emerson's own words:

Wir müssen [heilige] Schriften schreiben,

We must write [sacred] scriptures,

[ 68 ] — die Kunde geben vom Ewigen —,

[ 68 ] — who proclaim the message of the Eternal One —,

um den Himmel und die irdische Welt aufs Neue zu vereinen. Das Geheimnis des Genius ist, nicht zu dulden, dass eine Lüge für uns bestehen bleibt

to reunite heaven and the earthly world. The secret of genius is not to allow a lie to persist for us

[ 69 ] — Emerson meint die Lüge, dass es kein Geistiges hinter dem Sinnlichen gäbe —,

[ 69 ] — Emerson is referring to the lie that there is nothing spiritual beyond the sensory world —,

alles, dessen wir bewusst sind, zu einer Wahrheit zu machen, im Raffinement des modernen Lebens, in Kunst und Wissenschaft, in den Büchern und in den Menschen Glauben, Bestimmtheit und Vertrauen zu erwecken, und zu Anfang wie am Schluss, mitten auf dem Wege wie für [endlose] Zeiten jede Wahrheit dadurch zu ehren, dass wir sie nicht allein erkennen, sondern sie zu einer Richtschnur uns’res Handelns machen.

to make everything of which we are aware a truth; to inspire faith, certainty, and trust in the sophistication of modern life, in art and science, in books, and in people; and, at the beginning as well as at the end, in the middle of the journey, and for [endless] ages, to honor every truth not only by recognizing it, but by making it a guiding principle for our actions.

[ 70 ] Wenn Geisteswissenschaft herantritt an die Betrachtung, was im Menschenwesen unsterblich ist, so glaubt sie ja nichts anderes, als wahr zu machen dasjenige, was solche, die Menschheit führenden Genien als die Aufgabe gerade unserer und der kommenden Zeit gefühlt haben.

[ 70 ] When the humanities set out to examine what is immortal in human beings, they believe they are doing nothing other than bringing to life what those geniuses who have guided humanity have felt to be the very task of our time and of the times to come.

[ 71 ] Und in unseren schicksalstragenden Tagen, fühlen wir es denn nicht so recht aus den uns jeden Tag so nahe tretenden Stimmen des Todes und des Schicksals, fühlen wir es denn nicht, dass aus der Dämmerung der Zeitereignisse, die uns umgibt, ein helle Sonne hervorgeht, sich herausentwickeln muss, dass aus dem furchtbaren Kriege ein Friede zum Menschenheil heraus sich entwickeln muss? Fühlen wir denn nicht aber auch, dass all dasjenige, was erdulden diejenigen, die mit Leib und Leben einzutreten haben für das große Schicksal unserer Zeit, dass diese, indem sie das Todesopfer bringen, eine Lebensmahnung sind für diejenigen, die später leben werden? Können wir denn nicht heute vielleicht mehr als je fühlen, was es Bedeutsames habe, das umschließt irdisches und geistiges Leben, wenn wir hinblicken auf des Menschen unsterblichen Wesenskern, wenn wir ein gleichsam geistiges Sich-Loslösen sehen, wie er im Tode sich loslöst von dem Physisch-Leiblichen. Dann sagen wir uns: Da, da gehen sie hin, viele von jenen Menschenwesen, die noch unverbrauchte Menschenkräfte in sich tragen, die noch durch lange Jahrzehnte ihres Lebens hätten hier auf Erden wirken, leben, arbeiten, erkennen, wahrnehmen können. Das geht, indem sie durch die Pforte des Todes schreiten, unverbraucht hinaus [in die geistige Welt]. Die Menschheit wird es erkennen, dass in der geistigen Welt ebenso das Gesetz von der Erhaltung, von dem NichtVergehen-der-Kräfte herrscht wie in der physischen Welt.

[ 71 ] And in these fateful days of ours, do we not sense it—from the voices of death and fate that draw so close to us every day—do we not feel that from the twilight of the events of our time that surround us, a bright sun must emerge, must develop; that from this terrible war, a peace for the good of humanity must emerge? But do we not also sense that all that is endured by those who must stake their very lives for the great destiny of our time—that these individuals, by making the ultimate sacrifice, serve as a reminder of life for those who will live afterward? Can we not perhaps feel today, more than ever before, the profound significance that encompasses both earthly and spiritual life when we look upon the immortal core of the human being, when we witness, as it were, a spiritual detachment—how, in death, the soul detaches itself from the physical body? Then we say to ourselves: There, there they go—many of those human beings who still carry unspent human powers within them, who could still have acted, lived, worked, recognized, and perceived here on earth for many decades of their lives. As they pass through the gate of death, they go forth unspent [into the spiritual world]. Humanity will come to realize that in the spiritual world, just as in the physical world, the law of conservation—the imperishability of forces—prevails.

[ 72 ] Wissen wird die Menschheit, dass das nicht verschwindet, was scheinbar unverbraucht ist, in dem so viele Menschen in blühender Lebenskraft durch die Pforte des Todes treten müssen. Nicht nur glauben, wissen wird man in Zukunft. Diese Welt hängt zusammen mit einer Welt des Geistes; und real drinnen sind in jener geistigen Welt alle die Kräfte, die jetzt unverbraucht den physischen Leib verlassen mussten. Herabstrahlen werden sie auf den Horizont des Erdenwirkens in zukünftigen Zeiten; reale Kräfte werden sie sein für diejenigen Menschen, die ein Bewusstsein haben werden des Zusammenhanges des Physischen mit der geistigen Welt. Hinweg wird sein die Kluft, welche vergessen lässt in Wirklichkeit dasjenige, was nur scheinbar verloren ist. Wissen wird man sich im physischen Leben durchdrungen von denjenigen, die um Menschheitsziele und menschlichen Fortschritt das Todesopfer gebracht haben.

[ 72 ] Humanity will come to know that what appears to be unspent does not disappear, even as so many people, in the prime of their lives, must pass through the gates of death. In the future, people will not merely believe—they will know. This world is interconnected with a spiritual world; and within that spiritual world lie, in reality, all the forces that have now had to leave the physical body while still unspent. In times to come, they will radiate down upon the horizon of earthly activity; they will be real forces for those people who will be conscious of the connection between the physical and the spiritual worlds. Gone will be the gulf that causes us to forget, in reality, that which is only seemingly lost. In physical life, we will know ourselves to be permeated by those who have made the ultimate sacrifice for the sake of humanity’s goals and human progress.

[ 73 ] Witwen, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern und alle diejenigen, die mit teuren Toten verbunden sind, werden sich wissen real konkret verbunden; und eins wird werden in Zukunft diejenige Welt, in der des Menschen sterblicher Leib lebt, diejenige Welt aber auch, in der des Menschen unsterblicher Wesenskern lebt. Und wahrhaftig, nicht schwach wird der Mensch im Hinblick von der physischen Welt auf die geistige werden. Wie wir erst entdecken die Kräfte, die im Eisen leben, wenn wir wissen, dass es magnetisch ist, so werden wir erst finden wahrhaftige Menschenstärke, Erhöhung, Steigerung, Bereicherung des Lebens, wenn wir den anderen Teil der wahren Wirklichkeit, wenn wir den geistigen Teil der Wirklichkeit in uns tragen.

[ 73 ] Widows, mothers, fathers, brothers, and sisters—and all those connected to their dear departed—will know that they are truly and tangibly connected; and in the future, there will be one world in which a person’s mortal body lives, and also one in which a person’s immortal core of being lives. And truly, man will not become weak when he turns his gaze from the physical world to the spiritual one. Just as we only discover the powers that dwell in iron when we know that it is magnetic, so too will we only find true human strength, elevation, growth, and enrichment of life when we carry within us the other part of true reality—the spiritual part of reality.

[ 74 ] Das will Geisteswissenschaft von dem unsterblichen Wesenskern des Menschen allmählich in die Menschheitskultur hineinbringen. So will sie im Konkreten für das Leben wirken. Sodass wir zusammenfassen können jetzt im Schlussworte dasjenige, was entwickelt worden ist. Ich möchte es zusammenfassen, etwas umwandelnd ein deutsches Dichterwort, der gerade seine Hoffnung auf die Menschenweltanschauung der Zukunft in solchen Worten auszusprechen versuchte: Geisteswissenschaft [will] ergründen ein Wissen vom Menschen, das sich nicht bloß erstreckt auf die kurze Gegenwart zwischen Geburt und Tod, das ins Auge fasst dasjenige, was von Leben zu Leben durch Ewigkeiten geht und hinaufhebt das, was also aus der geistigen Ewigkeit heraus erkundet ist, auf den Thron der Wahrheit, wo es regieren soll zur wahrhaften Befreiung der Menschen, der Seelen in den Menschen.

[ 74 ] Spiritual science seeks to gradually introduce this understanding of the immortal core of the human being into human culture. In this way, it aims to have a concrete impact on life. So that we may now, in closing, summarize what has been developed. I would like to summarize it by slightly adapting a line from a German poet who sought to express his hope for the future human worldview in these very words: Spiritual science [seeks] to fathom a knowledge of the human being that does not merely extend to the brief present between birth and death, but takes into account that which passes from life to life through eternities, and lifts that which has thus been explored from spiritual eternity onto the throne of truth, where it is to reign for the true liberation of human beings—of the souls within them.