The Human Soul, Fate and Death
GA 70a
17 May 1915, Linz
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Menschenseele, Schicksal und Tod
16. Die übersinnliche Erkenntnis und ihre stärkende Seelenkraft in unserer schicksalstragenden Zeit
16. Die übersinnliche Erkenntnis und ihre stärkende Seelenkraft in unserer schicksalstragenden Zeit
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, schon in früheren Jahren durfte ich auch in dieser Stadt Vorträge halten über Weltanschauungsfragen, die sich stützen auf dasjenige, was ich mir erlaube zu nennen «Geisteswissenschaft». Und auch in dieser unserer schicksalstragenden Zeit vermeinten die Freunde unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung hier in dieser Stadt, dass es möglich sei, über einiges aus dem Gebiet dieser Geisteswissenschaft hier zu sprechen. Und das dürfte ja wohl auch dieser Zeit angemessen sein; handelt doch dasjenige, was hier Geisteswissenschaft genannt wird, von dem Tiefsten, Schicksalbewegendsten des Menschen, handelt es doch von demjenigen, was den Menschen führt zu den bittersten Enttäuschungen des Lebens, aber auch zu jenen Empfindungen, die wir so gewaltig in unserer Zeit an Mut und Opferwilligkeit sich entfalten sehen.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, schon in früheren Jahren durfte ich auch in dieser Stadt Vorträge halten über Weltanschauungsfragen, die sich stützen auf dasjenige, was ich mir erlaube zu nennen «Geisteswissenschaft». Und auch in dieser unserer schicksalstragenden Zeit vermeinten die Freunde unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung hier in dieser Stadt, dass es möglich sei, über einiges aus dem Gebiet dieser Geisteswissenschaft hier zu sprechen. Und das dürfte ja wohl auch dieser Zeit angemessen sein; handelt doch dasjenige, was hier Geisteswissenschaft genannt wird, von dem Tiefsten, Schicksalbewegendsten des Menschen, handelt es doch von demjenigen, was den Menschen führt zu den bittersten Enttäuschungen des Lebens, aber auch zu jenen Empfindungen, die wir so gewaltig in unserer Zeit an Mut und Opferwilligkeit sich entfalten sehen.
[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was Geisteswissenschaft genannt wird im Sinne der Betrachtungen des heutigen Abends, ist nun keineswegs etwas, was in weiten Kreisen unserer Gegenwart irgendwie Zustimmung oder Anerkennung heute schon finden kann. Und man muss sagen: Gerade derjenige, welcher ganz und mit allen Kräften seiner Seele drinnensteht in dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, der wird es selbstverständlich finden, dass gerade die geschultesten Gebildeten in unserer Zeit Widerspruch über Widerspruch erheben gegen dasjenige, was von dieser Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Und viel, viel begreiflicher wird es einem solchen erscheinen, wenn gesagt wird, diese Geisteswissenschaft sei eine Summe von Träumereien, von Phantastereien oder noch Schlimmeres, als wenn derjenige, der heute in den Denkgewohnheiten, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte herausgebildet haben, völlig drinnensteht, gerade drinnensteht mit einer im Sinne der heutigen Zeit gelegenen wissenschaftlichen Schulung, wenn der etwa auf den ersten Anhub hin sogleich mit dieser Geisteswissenschaft übereinstimmen könnte.
[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was Geisteswissenschaft genannt wird im Sinne der Betrachtungen des heutigen Abends, ist nun keineswegs etwas, was in weiten Kreisen unserer Gegenwart irgendwie Zustimmung oder Anerkennung heute schon finden kann. Und man muss sagen: Gerade derjenige, welcher ganz und mit allen Kräften seiner Seele drinnensteht in dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, der wird es selbstverständlich finden, dass gerade die geschultesten Gebildeten in unserer Zeit Widerspruch über Widerspruch erheben gegen dasjenige, was von dieser Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Und viel, viel begreiflicher wird es einem solchen erscheinen, wenn gesagt wird, diese Geisteswissenschaft sei eine Summe von Träumereien, von Phantastereien oder noch Schlimmeres, als wenn derjenige, der heute in den Denkgewohnheiten, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte herausgebildet haben, völlig drinnensteht, gerade drinnensteht mit einer im Sinne der heutigen Zeit gelegenen wissenschaftlichen Schulung, wenn der etwa auf den ersten Anhub hin sogleich mit dieser Geisteswissenschaft übereinstimmen könnte.
[ 3 ] Insbesondere von drei Seiten ist es ganz naheliegend und verständlich, dass Einwände über Einwände, ja Spott und Hohn vielleicht erhoben werden gegen dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat. Zunächst vonseiten derjenigen, die da glauben, auf dem festen Boden naturwissenschaftlicher Weltanschauung in der Gegenwart zu stehen. Die werden sagen müssen — ich sage ausdrücklich —, die werden sagen müssen heute noch, dass diese Geisteswissenschaft verleugnet alles dasjenige, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte in sorgfältigster Weise für die Menschheit, sowohl theoretisch wie praktisch, in der menschlichen Entwicklung geleistet hat. Und von einer anderen Seite wird wieder Einwand über Einwand erhoben werden müssen gegen diese Geisteswissenschaft von der Seite, die da glauben kann, dass alles Mögliche von altem Aberglauben und alten Vorurteilen aufgeführt werden soll durch dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat.
[ 3 ] Insbesondere von drei Seiten ist es ganz naheliegend und verständlich, dass Einwände über Einwände, ja Spott und Hohn vielleicht erhoben werden gegen dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat. Zunächst vonseiten derjenigen, die da glauben, auf dem festen Boden naturwissenschaftlicher Weltanschauung in der Gegenwart zu stehen. Die werden sagen müssen — ich sage ausdrücklich —, die werden sagen müssen heute noch, dass diese Geisteswissenschaft verleugnet alles dasjenige, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte in sorgfältigster Weise für die Menschheit, sowohl theoretisch wie praktisch, in der menschlichen Entwicklung geleistet hat. Und von einer anderen Seite wird wieder Einwand über Einwand erhoben werden müssen gegen diese Geisteswissenschaft von der Seite, die da glauben kann, dass alles Mögliche von altem Aberglauben und alten Vorurteilen aufgeführt werden soll durch dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat.
[ 4 ] Und noch ein Drittes mag sich immer wiederum erheben gegen diese Geisteswissenschaft. Es ist die Meinung, dass das Wertvollste, das tief Bedeutsamste, das die Menschenseele halten und tragen kann im Leben, dass das religiöse Element gefährdet werden könnte durch dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.
[ 4 ] Und noch ein Drittes mag sich immer wiederum erheben gegen diese Geisteswissenschaft. Es ist die Meinung, dass das Wertvollste, das tief Bedeutsamste, das die Menschenseele halten und tragen kann im Leben, dass das religiöse Element gefährdet werden könnte durch dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.
[ 5 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich hoffe, dass, auch wenn ich nicht unmittelbar eingehe auf die Widerlegung der Einwände von diesen verschiedenen Seiten her, die Ausführungen dieses Abends selber zeigen werden, wie unbegründet und aus Missverständnissen entspringend dasjenige ist, was also gegen Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Vor allen Dingen, was will denn diese Geisteswissenschaft sein? Sie will sein eine für unsere Zeit, eine für den gegenwärtigen Entwicklungsweg der Menschheit angemessene Fortsetzung gerade desjenigen, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft der Menschheit gebracht hat. Nur allerdings will sie dasjenige, was Naturwissenschaft ist für das äußere Leben und die äußere Sinnenbeobachtung, das will sie sein für die Beobachtungen, für die Erkenntnisse der geistigen Welt. Und gerade aus diesem Grunde, weil sie die echte, wahre Fortsetzerin der Naturwissenschaft auf dem geisteswissenschaftlichen Gebiete sein will, deshalb muss sie in einer gewissen Weise, um ebenso wissenschaftlich zu sein, wie die Naturwissenschaft auf ihren Gebieten ist, andere Wege, andere Methoden einschlagen als die Naturwissenschaft.
[ 5 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich hoffe, dass, auch wenn ich nicht unmittelbar eingehe auf die Widerlegung der Einwände von diesen verschiedenen Seiten her, die Ausführungen dieses Abends selber zeigen werden, wie unbegründet und aus Missverständnissen entspringend dasjenige ist, was also gegen Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Vor allen Dingen, was will denn diese Geisteswissenschaft sein? Sie will sein eine für unsere Zeit, eine für den gegenwärtigen Entwicklungsweg der Menschheit angemessene Fortsetzung gerade desjenigen, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft der Menschheit gebracht hat. Nur allerdings will sie dasjenige, was Naturwissenschaft ist für das äußere Leben und die äußere Sinnenbeobachtung, das will sie sein für die Beobachtungen, für die Erkenntnisse der geistigen Welt. Und gerade aus diesem Grunde, weil sie die echte, wahre Fortsetzerin der Naturwissenschaft auf dem geisteswissenschaftlichen Gebiete sein will, deshalb muss sie in einer gewissen Weise, um ebenso wissenschaftlich zu sein, wie die Naturwissenschaft auf ihren Gebieten ist, andere Wege, andere Methoden einschlagen als die Naturwissenschaft.
[ 6 ] Und um sogleich in das einzutreten, worauf es ankommt, möchte ich auseinandersetzen das Verhältnis zwischen dem, was ein Geistesforscher ist, ein Forscher auf dem Gebiete der geistigen Welten im Gegensatz zu dem Naturforscher, welcher seine Sinnesbeobachtungen, seine Experimente, sein Denken erstreckt über dasjenige, was in der Zeit und im Raum ausgebreitet ist. Gerade wenn Geisteswissenschaft echt wissenschaftlich sein will, muss sie in gewissem Sinne mit ihrem Forschen da fortfahren, wo Naturwissenschaft, wo überhaupt das ganze Denken und Fühlen und Empfinden des alltäglichen Lebens aufhört. Und da kommen wir sogleich auf das, was schnurstracks zuwiderläuft den Denkgewohnheiten der weitaus größten Kreise der Gebildeten unserer Gegenwart.
[ 6 ] Und um sogleich in das einzutreten, worauf es ankommt, möchte ich auseinandersetzen das Verhältnis zwischen dem, was ein Geistesforscher ist, ein Forscher auf dem Gebiete der geistigen Welten im Gegensatz zu dem Naturforscher, welcher seine Sinnesbeobachtungen, seine Experimente, sein Denken erstreckt über dasjenige, was in der Zeit und im Raum ausgebreitet ist. Gerade wenn Geisteswissenschaft echt wissenschaftlich sein will, muss sie in gewissem Sinne mit ihrem Forschen da fortfahren, wo Naturwissenschaft, wo überhaupt das ganze Denken und Fühlen und Empfinden des alltäglichen Lebens aufhört. Und da kommen wir sogleich auf das, was schnurstracks zuwiderläuft den Denkgewohnheiten der weitaus größten Kreise der Gebildeten unserer Gegenwart.
[ 7 ] Wenn man im alltäglichen Leben drinnensteht, wenn man seine Sinne über dieses alltägliche Leben schweifen lässt, wenn man denkt, wenn man empfindet über dieses alltägliche Leben, dann ist man mit Recht befriedigt, wenn man sich Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Ideen, Vorstellungen macht über dasjenige, was da draußen im Raume ausgebreitet ist und in der Zeit verläuft. Und man anerkennt, wiederum mit vollem Recht, dass man ein Wissen habe, dass man etwas habe, was den Menschen befriedigen kann, dass man gewissermaßen in Vorstellungen und Ideen Abbilder hat dessen, was in Raum und Zeit sich abspielt. Man bleibt gewissermaßen bei den Vorstellungen, den Ideen stehen, man bewahrt sie auf als dasjenige, in das man die äußere Welt verwandelt hat.
[ 7 ] Wenn man im alltäglichen Leben drinnensteht, wenn man seine Sinne über dieses alltägliche Leben schweifen lässt, wenn man denkt, wenn man empfindet über dieses alltägliche Leben, dann ist man mit Recht befriedigt, wenn man sich Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Ideen, Vorstellungen macht über dasjenige, was da draußen im Raume ausgebreitet ist und in der Zeit verläuft. Und man anerkennt, wiederum mit vollem Recht, dass man ein Wissen habe, dass man etwas habe, was den Menschen befriedigen kann, dass man gewissermaßen in Vorstellungen und Ideen Abbilder hat dessen, was in Raum und Zeit sich abspielt. Man bleibt gewissermaßen bei den Vorstellungen, den Ideen stehen, man bewahrt sie auf als dasjenige, in das man die äußere Welt verwandelt hat.
[ 8 ] An dem Punkte nun, wo man da stehen bleibt mit den Vorstellungen und Ideen, muss man beginnen als Geistesforscher, um den Weg hineinzufinden in die geistigen Welten. Ich möchte sagen: Der Geistesforscher hat auch, geradeso wie der Naturforscher und der Chemiker, sein Laboratorium, seine Experimentiermethoden. Aber sein Laboratorium ist durchaus im Innern der Seele selber gelegen. Seine Methoden sind nicht solche, durch die irgendetwas äußerlich im Raum verrichtet wird, wie [es] der Chemiker, der Physiker, der Kliniker tun, die durch ihre Verrichtungen dem Räumlichen, dem Zeitlichen ablauschen deren Gesetze. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, das sind intime Verrichtungen, die ganz und gar im Innern der Seele selber ablaufen. Während man im alltäglichen Leben, während man in der gewöhnlichen Wissenschaft ganz beim Vorstellen, bei Begriffen stehen bleibt, muss man bei Begriffen, Ideen, Empfindungen in der Geistesforschung erst anfangen. Und man muss nicht diese Vorstellungen, die man bekommt in der äußeren Welt, aufbewahren in der Seele, sondern man muss mit dem, was die Seele entwickelt im Vorstellungs- und Gemütsleben, innig zusammenleben, in anderer Weise zusammenleben, als man das im gewöhnlichen Dasein des Tages gewohnt ist. Und da ich nicht im Abstrakten herumreden will, sondern wirklich zeigen will, welches der geistesforscherische Weg ist, so möchte ich sogleich ins Konkrete eingehen.
[ 8 ] An dem Punkte nun, wo man da stehen bleibt mit den Vorstellungen und Ideen, muss man beginnen als Geistesforscher, um den Weg hineinzufinden in die geistigen Welten. Ich möchte sagen: Der Geistesforscher hat auch, geradeso wie der Naturforscher und der Chemiker, sein Laboratorium, seine Experimentiermethoden. Aber sein Laboratorium ist durchaus im Innern der Seele selber gelegen. Seine Methoden sind nicht solche, durch die irgendetwas äußerlich im Raum verrichtet wird, wie [es] der Chemiker, der Physiker, der Kliniker tun, die durch ihre Verrichtungen dem Räumlichen, dem Zeitlichen ablauschen deren Gesetze. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, das sind intime Verrichtungen, die ganz und gar im Innern der Seele selber ablaufen. Während man im alltäglichen Leben, während man in der gewöhnlichen Wissenschaft ganz beim Vorstellen, bei Begriffen stehen bleibt, muss man bei Begriffen, Ideen, Empfindungen in der Geistesforschung erst anfangen. Und man muss nicht diese Vorstellungen, die man bekommt in der äußeren Welt, aufbewahren in der Seele, sondern man muss mit dem, was die Seele entwickelt im Vorstellungs- und Gemütsleben, innig zusammenleben, in anderer Weise zusammenleben, als man das im gewöhnlichen Dasein des Tages gewohnt ist. Und da ich nicht im Abstrakten herumreden will, sondern wirklich zeigen will, welches der geistesforscherische Weg ist, so möchte ich sogleich ins Konkrete eingehen.
[ 9 ] Des Menschen Seele muss etwas ganz anderes werden als im alltäglichen Leben, wenn sie dasjenige, was in der geistigen Welt ist, beobachten will. Und das kann sie werden, wenn sie sich gewöhnt, innerlich zu leben mit demjenigen, was sonst bloß /Lücke im Text]. Nehmen wir an, wir stellen irgendeine Vorstellung, einen Begriff willkürlich, aus eigener innerer Seelenkraft herein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins und versuchen nun nicht, was wir im alltäglichen Leben tun, was wir in der gewöhnlichen Wissenschaft tun, uns zu fragen: «Was drückt dieser Begriff uns aus?», sondern wir versuchen, als Geistesforscher mit dem Begriff, der Idee, der Empfindung, auch mit dem Willensimpuls zu leben, meditierend zu leben; ich meine, minutenlang oder eine halbe Stunde lang zu leben. Dabei ist es sogar von Vorteil, wenn wir zu dieser, ich möchte sagen, inneren Laboratoriumsarbeit der Seele nicht Begriffe und Vorstellungen und Empfindungen verwenden, die etwas Äußerliches abbilden, sondern wenn wir dazu verwenden Vorstellungen, Ideen, die Sinnbilder sind, die nichts Äußerliches abbilden.
[ 9 ] Des Menschen Seele muss etwas ganz anderes werden als im alltäglichen Leben, wenn sie dasjenige, was in der geistigen Welt ist, beobachten will. Und das kann sie werden, wenn sie sich gewöhnt, innerlich zu leben mit demjenigen, was sonst bloß /Lücke im Text]. Nehmen wir an, wir stellen irgendeine Vorstellung, einen Begriff willkürlich, aus eigener innerer Seelenkraft herein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins und versuchen nun nicht, was wir im alltäglichen Leben tun, was wir in der gewöhnlichen Wissenschaft tun, uns zu fragen: «Was drückt dieser Begriff uns aus?», sondern wir versuchen, als Geistesforscher mit dem Begriff, der Idee, der Empfindung, auch mit dem Willensimpuls zu leben, meditierend zu leben; ich meine, minutenlang oder eine halbe Stunde lang zu leben. Dabei ist es sogar von Vorteil, wenn wir zu dieser, ich möchte sagen, inneren Laboratoriumsarbeit der Seele nicht Begriffe und Vorstellungen und Empfindungen verwenden, die etwas Äußerliches abbilden, sondern wenn wir dazu verwenden Vorstellungen, Ideen, die Sinnbilder sind, die nichts Äußerliches abbilden.
[ 10 ] Ich will sagen, man nehme zum Beispiel die Vorstellung: «Im Lichte, das die Welt durchwebt und durchwaltet, lebt wirkende Weisheit.» Gewiss, jemand kann sagen: In dieser Vorstellung wird nichts Wirkliches abgebildet. Sie ist rein aus der Phantasie gebildet. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, dass wir nun diese Vorstellung ganz und gar allein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins rücken, dass wir unsere Aufmerksamkeit nun abziehen von alledem, was sonst im alltäglichen Leben um uns ist oder Gegenstand der Wissenschaft ausmacht. Das heißt: Alle Eindrücke der Sinne, alle Vorstellungen, die etwas Äußerliches abbilden, Erinnerungsbilder, Gemütsbewegungen, sie müssen vergessen werden in den Augenblicken, in denen wir in den Mittelpunkt all unserer Seelenverrichtungen solch eine Vorstellung stellen, wie es eben charakterisiert worden ist. Da nehmen wir dann alle Kräfte unserer Seele zusammen, die wir sonst verteilen auf die äußeren Vorstellungen, auf das äußere Erleben; sie konzentrieren wir und fixieren sie auf diese einzige Vorstellung. Nun kommt es nicht darauf an, was wir für eine Vorstellung haben. Deshalb sagte ich: Es kann eine solche Vorstellung besser durch innere Willkür gemacht werden. Es kommt nicht darauf an, was wir vorstellen, sondern darauf, dass wir anwenden innerlich jene starken Kräfte, die die Seele anwenden muss, um so durch inneren Willensentschluss alles, was in ihr ist, in dieser inneren Arbeit nach diesem einen Punkte hin zu konzentrieren. Dies nur vorübergehend ein-, zweimal machen übt gar keinen Einfluss auf das menschliche Seelenleben aus. Anders aber ist es, wenn wir dasjenige, was eben charakterisiert worden ist, zur fortgesetzten Übung der Seele machen. Je nachdem die Veranlagung des Menschen ist, muss der eine vielleicht bloß wochenlang, der andere jahrelang immer wiederum kurze Zeit hindurch also sein inneres Seelenleben auf einen Punkt konzentrieren. Darauf kommt es an, dass wir in der rechten Weise immer wiederholen dieselbe Vorstellung oder auch abwechseln mit andern Vorstellungen.
[ 10 ] Ich will sagen, man nehme zum Beispiel die Vorstellung: «Im Lichte, das die Welt durchwebt und durchwaltet, lebt wirkende Weisheit.» Gewiss, jemand kann sagen: In dieser Vorstellung wird nichts Wirkliches abgebildet. Sie ist rein aus der Phantasie gebildet. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, dass wir nun diese Vorstellung ganz und gar allein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins rücken, dass wir unsere Aufmerksamkeit nun abziehen von alledem, was sonst im alltäglichen Leben um uns ist oder Gegenstand der Wissenschaft ausmacht. Das heißt: Alle Eindrücke der Sinne, alle Vorstellungen, die etwas Äußerliches abbilden, Erinnerungsbilder, Gemütsbewegungen, sie müssen vergessen werden in den Augenblicken, in denen wir in den Mittelpunkt all unserer Seelenverrichtungen solch eine Vorstellung stellen, wie es eben charakterisiert worden ist. Da nehmen wir dann alle Kräfte unserer Seele zusammen, die wir sonst verteilen auf die äußeren Vorstellungen, auf das äußere Erleben; sie konzentrieren wir und fixieren sie auf diese einzige Vorstellung. Nun kommt es nicht darauf an, was wir für eine Vorstellung haben. Deshalb sagte ich: Es kann eine solche Vorstellung besser durch innere Willkür gemacht werden. Es kommt nicht darauf an, was wir vorstellen, sondern darauf, dass wir anwenden innerlich jene starken Kräfte, die die Seele anwenden muss, um so durch inneren Willensentschluss alles, was in ihr ist, in dieser inneren Arbeit nach diesem einen Punkte hin zu konzentrieren. Dies nur vorübergehend ein-, zweimal machen übt gar keinen Einfluss auf das menschliche Seelenleben aus. Anders aber ist es, wenn wir dasjenige, was eben charakterisiert worden ist, zur fortgesetzten Übung der Seele machen. Je nachdem die Veranlagung des Menschen ist, muss der eine vielleicht bloß wochenlang, der andere jahrelang immer wiederum kurze Zeit hindurch also sein inneres Seelenleben auf einen Punkt konzentrieren. Darauf kommt es an, dass wir in der rechten Weise immer wiederholen dieselbe Vorstellung oder auch abwechseln mit andern Vorstellungen.
[ 11 ] Ich kann selbstverständlich hier nur das Prinzipielle auseinandersetzen; Genaueres finden Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und auch im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wo auseinandergesetzt ist, wie man im Einzelnen diese, ich möchte immer wieder sagen, diese Laboratoriumsarbeit der Seele verrichtet. Dies ist etwas, was leicht geschildert ist, und wovon man sich auch vorstellen kann, dass es leicht verläuft in der Seele; doch möchte ich dafür das von Goethe gebrauchte Wort anwenden: «Zwar scheint es leicht, doch ist das Leichte schwer.» Denn es handelt sich darum, dass die Kräfte, die die Seele anwendet in solchen Verrichtungen, ganz und gar im gewöhnlichen Leben ungeübte sind. Indem man also mit Ablenkung der Aufmerksamkeit von allen äußeren und inneren Eindrücken das gesamte Seelenleben durch innere Willkür konzentriert — man nennt diese Verrichtungen «Meditation» und «Konzentration» —, geht mit der Seele eine innerliche, intime Veränderung vor sich. Nicht sogleich tritt diese Veränderung ein; auch nicht so, dass man etwa sich vornehmen kann: «Ich tue jetzt recht, recht viel und werde dann erreichen, was erreicht werden soll», das ist nicht der Fall, sondern das ist das Wesentliche, dass wir einen Begriff, eine Vorstellung, eine Empfindung, irgendeinen Gemütsimpuls nicht so verwenden wie sonst, sondern dass wir mit ihnen leben, dass wir uns ihnen ganz hingeben.
[ 11 ] Ich kann selbstverständlich hier nur das Prinzipielle auseinandersetzen; Genaueres finden Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und auch im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wo auseinandergesetzt ist, wie man im Einzelnen diese, ich möchte immer wieder sagen, diese Laboratoriumsarbeit der Seele verrichtet. Dies ist etwas, was leicht geschildert ist, und wovon man sich auch vorstellen kann, dass es leicht verläuft in der Seele; doch möchte ich dafür das von Goethe gebrauchte Wort anwenden: «Zwar scheint es leicht, doch ist das Leichte schwer.» Denn es handelt sich darum, dass die Kräfte, die die Seele anwendet in solchen Verrichtungen, ganz und gar im gewöhnlichen Leben ungeübte sind. Indem man also mit Ablenkung der Aufmerksamkeit von allen äußeren und inneren Eindrücken das gesamte Seelenleben durch innere Willkür konzentriert — man nennt diese Verrichtungen «Meditation» und «Konzentration» —, geht mit der Seele eine innerliche, intime Veränderung vor sich. Nicht sogleich tritt diese Veränderung ein; auch nicht so, dass man etwa sich vornehmen kann: «Ich tue jetzt recht, recht viel und werde dann erreichen, was erreicht werden soll», das ist nicht der Fall, sondern das ist das Wesentliche, dass wir einen Begriff, eine Vorstellung, eine Empfindung, irgendeinen Gemütsimpuls nicht so verwenden wie sonst, sondern dass wir mit ihnen leben, dass wir uns ihnen ganz hingeben.
[ 12 ] Dann müssen wir warten, nicht, was wir mit ihnen tun, sondern was sie, indem wir uns hingeben, was sie selber wachsend in uns werden. Es verwandelt sich unsere innere Seele wie in einen Zuschauer dessen, was in uns geschieht dadurch, dass wir uns ganz und gar identifizieren mit dem, was wir also in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins gestellt haben. Nicht viel Zeit ist dazu notwendig im Laufe des Tages. Minuten genügen für manche, eine halbe Stunde für andere im Tage; aber lange fortgesetzt muss die Sache werden, und immer wiederum müssen diese sonst verborgenen Kräfte der Seele in einer solchen Weise gelenkt werden, wie ich es eben geschildert habe. Dann merkt derjenige, welcher sich solchen Übungen hingibt, der also ein Geistesforscher wirklich werden will, dass innerlich in ihm etwas vorgeht, wovon man im äußeren Leben keinen Begriff hat. Ebenso wenig kann man einen Begriff haben davon, wie derjenige, der von Chemie nie etwas gehört hat, sich einen Begriff machen kann, dass durch besondere chemische Verrichtungen Wasserstoff abgesondert werden kann aus dem Wasser; Wasserstoff, der ein Gas ist, der ganz anders aussieht als das Wasser, der brennt, während das Wasser löscht. Sowenig wie der, der von Chemie nie etwas gehört hat, eine Vorstellung davon haben kann, was da als Wasserstoff aus Wasser kommen kann, sowenig kann man im gewöhnlichen Leben einen Begriff haben von dem, was nun wird, wenn die Seele also mit Aufwendung von ungeheurer innerer Energie und Ausdauer Kräfte, die sie sonst nicht anwendet, auf einen Punkt hin ständig konzentriert.
[ 12 ] Dann müssen wir warten, nicht, was wir mit ihnen tun, sondern was sie, indem wir uns hingeben, was sie selber wachsend in uns werden. Es verwandelt sich unsere innere Seele wie in einen Zuschauer dessen, was in uns geschieht dadurch, dass wir uns ganz und gar identifizieren mit dem, was wir also in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins gestellt haben. Nicht viel Zeit ist dazu notwendig im Laufe des Tages. Minuten genügen für manche, eine halbe Stunde für andere im Tage; aber lange fortgesetzt muss die Sache werden, und immer wiederum müssen diese sonst verborgenen Kräfte der Seele in einer solchen Weise gelenkt werden, wie ich es eben geschildert habe. Dann merkt derjenige, welcher sich solchen Übungen hingibt, der also ein Geistesforscher wirklich werden will, dass innerlich in ihm etwas vorgeht, wovon man im äußeren Leben keinen Begriff hat. Ebenso wenig kann man einen Begriff haben davon, wie derjenige, der von Chemie nie etwas gehört hat, sich einen Begriff machen kann, dass durch besondere chemische Verrichtungen Wasserstoff abgesondert werden kann aus dem Wasser; Wasserstoff, der ein Gas ist, der ganz anders aussieht als das Wasser, der brennt, während das Wasser löscht. Sowenig wie der, der von Chemie nie etwas gehört hat, eine Vorstellung davon haben kann, was da als Wasserstoff aus Wasser kommen kann, sowenig kann man im gewöhnlichen Leben einen Begriff haben von dem, was nun wird, wenn die Seele also mit Aufwendung von ungeheurer innerer Energie und Ausdauer Kräfte, die sie sonst nicht anwendet, auf einen Punkt hin ständig konzentriert.
[ 13 ] Da merkt nämlich die Seele nach und nach, dass etwas eintritt, was nicht im gewöhnlichen Leben vor sich geht. Die Seele merkt — das ist ein Erlebnis —, dass sie sich loslöst vom Physisch-Leiblichen; und das gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen des Geistesforschers, dass er nun dasjenige, was im äußeren Leben oder in der äußeren Wissenschaft geleugnet wird, dass er das wirklich erlebt. Man kann nicht sagen, das Seelische sei schon losgelöst vom gewöhnlichen Leben. Nein, es ist damit verbunden. Aber indem der Geistesforscher so arbeitet, wie charakterisiert wurde, wird für ihn das Seelische losgelöst nach und nach erscheinen von dem Leiblichen. Er erlebt wirklich diese Loslösung, bevor man wirklich sagen kann, es schlüpfe das Seelisch-Geistige aus dem Physisch-Leiblichen heraus. Er kommt in einen Zustand, in dem er weiß: Du bist nicht mehr im Leibe mit deinem Denken und Empfinden, sondern du bist außerhalb des Leibes. Gerade das muss erlebt werden, was die gerade sich am wissenschaftlichsten dünkende Weltanschauung der Gegenwart leugnet, dass es ein geistig-seelisches Leben gibt, unabhängig vom Leibe.
[ 13 ] Da merkt nämlich die Seele nach und nach, dass etwas eintritt, was nicht im gewöhnlichen Leben vor sich geht. Die Seele merkt — das ist ein Erlebnis —, dass sie sich loslöst vom Physisch-Leiblichen; und das gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen des Geistesforschers, dass er nun dasjenige, was im äußeren Leben oder in der äußeren Wissenschaft geleugnet wird, dass er das wirklich erlebt. Man kann nicht sagen, das Seelische sei schon losgelöst vom gewöhnlichen Leben. Nein, es ist damit verbunden. Aber indem der Geistesforscher so arbeitet, wie charakterisiert wurde, wird für ihn das Seelische losgelöst nach und nach erscheinen von dem Leiblichen. Er erlebt wirklich diese Loslösung, bevor man wirklich sagen kann, es schlüpfe das Seelisch-Geistige aus dem Physisch-Leiblichen heraus. Er kommt in einen Zustand, in dem er weiß: Du bist nicht mehr im Leibe mit deinem Denken und Empfinden, sondern du bist außerhalb des Leibes. Gerade das muss erlebt werden, was die gerade sich am wissenschaftlichsten dünkende Weltanschauung der Gegenwart leugnet, dass es ein geistig-seelisches Leben gibt, unabhängig vom Leibe.
[ 14 ] Nun verläuft dasjenige, was der Geistesforscher weiter erlebt, in überraschender Weise. Zuerst fühlt man, wie man innerlich immer stärker und stärker lebt in Kräften, die man früher nicht kannte. Dann kommt ein Moment, wo diese innere, starke Energie und Kraftentfaltung, in der man sich schon, ich möchte sagen wie in einer Art innerem Wohlbefinden darinnen fühlt, dass diese abgedämpft wird, dass sie herabgedämpft wird. Und ein Moment tritt ein, wo man so etwas erlebt, wie wenn Finsternis sich ausbreitete über das Bewusstsein, das man sich außerhalb des Leibes erworben hat. Man könnte auch sagen: eine Art innerer Ohnmacht, ein Verschwinden und Versinken in etwas, was man wie ein inneres Erleben hat.
[ 14 ] Nun verläuft dasjenige, was der Geistesforscher weiter erlebt, in überraschender Weise. Zuerst fühlt man, wie man innerlich immer stärker und stärker lebt in Kräften, die man früher nicht kannte. Dann kommt ein Moment, wo diese innere, starke Energie und Kraftentfaltung, in der man sich schon, ich möchte sagen wie in einer Art innerem Wohlbefinden darinnen fühlt, dass diese abgedämpft wird, dass sie herabgedämpft wird. Und ein Moment tritt ein, wo man so etwas erlebt, wie wenn Finsternis sich ausbreitete über das Bewusstsein, das man sich außerhalb des Leibes erworben hat. Man könnte auch sagen: eine Art innerer Ohnmacht, ein Verschwinden und Versinken in etwas, was man wie ein inneres Erleben hat.
[ 15 ] Das alles, was der Geistesforscher durchmacht, ist nicht so gleichgültig zur Seele wie die Erlebnisse, die der gewöhnliche Wissenschaftler durchlebt. Denn das ergreift ihn in seinem ganzen Gemüt, das nimmt ihn ganz in Anspruch, das gießt über die Seele eine Fülle von zunächst erschütternden Erlebnissen aus. Dasjenige Erlebnis, das man also hat, wenn man vorrückt in der angedeuteten Weise, das ist so etwas wie die Vernichtung, wie ein ungeheures Einsamkeitsgefühl.
[ 15 ] Das alles, was der Geistesforscher durchmacht, ist nicht so gleichgültig zur Seele wie die Erlebnisse, die der gewöhnliche Wissenschaftler durchlebt. Denn das ergreift ihn in seinem ganzen Gemüt, das nimmt ihn ganz in Anspruch, das gießt über die Seele eine Fülle von zunächst erschütternden Erlebnissen aus. Dasjenige Erlebnis, das man also hat, wenn man vorrückt in der angedeuteten Weise, das ist so etwas wie die Vernichtung, wie ein ungeheures Einsamkeitsgefühl.
[ 16 ] Und noch etwas erlebt man, was ich durch einen Vergleich charakterisieren will, der aber mehr sein soll als ein Vergleich: Nehmen Sie an, der Keim, der sich in der Pflanze entwickelt, der könnte sich etwas vorstellen, der könnte denken. Während die Pflanze wächst von der Wurzel zu den einzelnen Blättern, zur Blüte, bereitet sich ja der Keim vor; in ihm sind die Kräfte, die sich dann später entwickeln zu einer neuen Pflanze. Nur dadurch kann er sich entwickeln, dass er seine Kräfte entzieht der gesamten Pflanze. Nehmen wir nun an, er könnte mitfühlen das Leben der Pflanze — was müsste er fühlen? Er müsste sich sagen: Indem ich immer stärker werde, indem ich mich immer mehr entwickle, tue ich das auf Kosten der Pflanze, auf der ich mich entwickle. Ich bringe dort, dadurch dass die Kräfte in mir stark werden, dasjenige, was in den Laubblättern, in den Blüten ist, zum Welken, zum Abfallen, das muss ersterben. So auch fühlt derjenige, der in der geschilderten Weise durch Konzentration, durch Meditation hinschreitet zu dem, was ja nun auch ein wirklicher Kern, aber ein geistig-seelischer Kern im ganzen Leben des Menschen darinnen ist — so fühlt der, wirklich, so fühlt und empfindet er, als wenn er in demselben Maße, in dem er sich entwickelt, diesen Leib selbst wie welk werdend, wie zerschmelzend empfinden müsse im ganzen Weltenall. Aber derjenige, der wirkliches Erkennen haben will in der geistigen Welt, der muss diese Empfindung haben.
[ 16 ] Und noch etwas erlebt man, was ich durch einen Vergleich charakterisieren will, der aber mehr sein soll als ein Vergleich: Nehmen Sie an, der Keim, der sich in der Pflanze entwickelt, der könnte sich etwas vorstellen, der könnte denken. Während die Pflanze wächst von der Wurzel zu den einzelnen Blättern, zur Blüte, bereitet sich ja der Keim vor; in ihm sind die Kräfte, die sich dann später entwickeln zu einer neuen Pflanze. Nur dadurch kann er sich entwickeln, dass er seine Kräfte entzieht der gesamten Pflanze. Nehmen wir nun an, er könnte mitfühlen das Leben der Pflanze — was müsste er fühlen? Er müsste sich sagen: Indem ich immer stärker werde, indem ich mich immer mehr entwickle, tue ich das auf Kosten der Pflanze, auf der ich mich entwickle. Ich bringe dort, dadurch dass die Kräfte in mir stark werden, dasjenige, was in den Laubblättern, in den Blüten ist, zum Welken, zum Abfallen, das muss ersterben. So auch fühlt derjenige, der in der geschilderten Weise durch Konzentration, durch Meditation hinschreitet zu dem, was ja nun auch ein wirklicher Kern, aber ein geistig-seelischer Kern im ganzen Leben des Menschen darinnen ist — so fühlt der, wirklich, so fühlt und empfindet er, als wenn er in demselben Maße, in dem er sich entwickelt, diesen Leib selbst wie welk werdend, wie zerschmelzend empfinden müsse im ganzen Weltenall. Aber derjenige, der wirkliches Erkennen haben will in der geistigen Welt, der muss diese Empfindung haben.
[ 17 ] Nun wissen Sie, dass die gewöhnliche wissenschaftliche Philosophie spricht von Erkenntnisgrenzen, davon, dass des Menschen Erkennen über einen gewissen Punkt nicht hinausdringen könne. Sehr viele sagen, der Mensch könne nicht hinausdringen über das sinnlich Gegebene, das von dem Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, begriffen wird. Man bringt logische Beweise auf dafür, dass der Mensch über gewisse Grenzen der Erkenntnis nicht hinauskommen könne. Allein mit diesen logischen Beweisen, da hat es seine ganz besondere Bewandtnis. Etwas kann ganz gut logisch bewiesen sein, das Leben aber, das Leben in der Wahrheit, das überwindet dasjenige, was nur logischer Beweis ist. Ich will durch einen Vergleich klarmachen dasjenige, was ich eigentlich sagen will, obwohl auch wiederum mit diesem Vergleich mehr als ein Vergleich gegeben sein soll. Denken wir: In der Zeit, in der man noch kein Mikroskop gehabt hat, ja da ahnten gewisse Menschen, dass man kleinste Zellen, kleinste Gebilde in der Pflanze entdecken kann, aber sie sagten: Die menschlichen Sinne sind so eingerichtet, dass man solche kleinen Zellen nicht sehen kann. Daher, wenn sie auch vorhanden wären, wird man sie doch nie sehen können. Ein solcher Beweis konnte ganz richtig sein. Nichts konnte dagegen eingewendet werden. Das Leben aber ist darüber hinausgegangen: Man hat das Mikroskop gefunden und die kleinen Pflanzenzellen entdeckt.
[ 17 ] Nun wissen Sie, dass die gewöhnliche wissenschaftliche Philosophie spricht von Erkenntnisgrenzen, davon, dass des Menschen Erkennen über einen gewissen Punkt nicht hinausdringen könne. Sehr viele sagen, der Mensch könne nicht hinausdringen über das sinnlich Gegebene, das von dem Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, begriffen wird. Man bringt logische Beweise auf dafür, dass der Mensch über gewisse Grenzen der Erkenntnis nicht hinauskommen könne. Allein mit diesen logischen Beweisen, da hat es seine ganz besondere Bewandtnis. Etwas kann ganz gut logisch bewiesen sein, das Leben aber, das Leben in der Wahrheit, das überwindet dasjenige, was nur logischer Beweis ist. Ich will durch einen Vergleich klarmachen dasjenige, was ich eigentlich sagen will, obwohl auch wiederum mit diesem Vergleich mehr als ein Vergleich gegeben sein soll. Denken wir: In der Zeit, in der man noch kein Mikroskop gehabt hat, ja da ahnten gewisse Menschen, dass man kleinste Zellen, kleinste Gebilde in der Pflanze entdecken kann, aber sie sagten: Die menschlichen Sinne sind so eingerichtet, dass man solche kleinen Zellen nicht sehen kann. Daher, wenn sie auch vorhanden wären, wird man sie doch nie sehen können. Ein solcher Beweis konnte ganz richtig sein. Nichts konnte dagegen eingewendet werden. Das Leben aber ist darüber hinausgegangen: Man hat das Mikroskop gefunden und die kleinen Pflanzenzellen entdeckt.
[ 18 ] Es wird sich schon einmal die Menschheit der Gegenwart und der Zukunft bekannt machen müssen mit dem für die Erkenntnis so wichtigen Satze, dass Beweise nichts besagen. Es kann etwas streng bewiesen sein und dennoch, das Leben in der Wahrheit kann darüber hinausgehen. Es kann jemand sagen: Da kommt solch ein vertrackter Geistesforscher und redet davon, dass der Mensch, die menschliche Erkenntnis hineinwachsen kann in die geistige Welt, während doch Kant unwiderleglich bewiesen hat, und andere auch, dass die menschliche Erkenntnis Grenzen hat. Solche Beweise will der Geistesforscher gar nicht antasten. Sie sind aber nicht mehr wert als der vorhin angedeutete Beweis. Das Leben wird darüber hinausgehen. Aber eine andere Frage: Woher kommt es denn, dass überhaupt Philosophen sich finden, die von Erkenntnisgrenzen sprechen, die sagen, man könne nicht eindringen in geistige Gebiete?
[ 18 ] Es wird sich schon einmal die Menschheit der Gegenwart und der Zukunft bekannt machen müssen mit dem für die Erkenntnis so wichtigen Satze, dass Beweise nichts besagen. Es kann etwas streng bewiesen sein und dennoch, das Leben in der Wahrheit kann darüber hinausgehen. Es kann jemand sagen: Da kommt solch ein vertrackter Geistesforscher und redet davon, dass der Mensch, die menschliche Erkenntnis hineinwachsen kann in die geistige Welt, während doch Kant unwiderleglich bewiesen hat, und andere auch, dass die menschliche Erkenntnis Grenzen hat. Solche Beweise will der Geistesforscher gar nicht antasten. Sie sind aber nicht mehr wert als der vorhin angedeutete Beweis. Das Leben wird darüber hinausgehen. Aber eine andere Frage: Woher kommt es denn, dass überhaupt Philosophen sich finden, die von Erkenntnisgrenzen sprechen, die sagen, man könne nicht eindringen in geistige Gebiete?
[ 19 ] Nun, dasjenige, was der Geistesforscher findet, es ist durch ihn nicht geschaffen, es ist nur erkannt; dadurch, dass man etwas erkennt, verändert man nicht dasjenige, was da ist. Dasjenige, was der Geistesforscher erlebt wie eine innere Ohnmacht der Seele, wie eine innere Einsamkeit der Seele, das ist immer auf dem Grunde der Seele ausgebreitet. Das liegt da unten in der Seele, nur eben eine gnadenvolle Weisheit deckt einen Schleier darüber, und es bleibt dem Menschen unbewusst. Und nun kommt der Philosoph; er arbeitet nur mit dem Bewusstsein, das an das Gehirn gebunden ist. Er weiß nicht, dass da unten in der Seele geheime Furcht und Scheu ist davor, bis zu dem Punkte aufzusteigen, wo die Erkenntnis zunächst sich wie in einsamer Ohnmacht fühlt. Davon weiß er nichts, und unbewusst schreckt er davor zurück. Er scheut sich nur, weiter vorzudringen, als das Denken geht, das an das Gehirn gebunden ist. Nun dauert dasjenige, was ich beschrieben habe — oder wenigstens darf es nicht dauern über eine gewisse Zeit hinaus.
[ 19 ] Nun, dasjenige, was der Geistesforscher findet, es ist durch ihn nicht geschaffen, es ist nur erkannt; dadurch, dass man etwas erkennt, verändert man nicht dasjenige, was da ist. Dasjenige, was der Geistesforscher erlebt wie eine innere Ohnmacht der Seele, wie eine innere Einsamkeit der Seele, das ist immer auf dem Grunde der Seele ausgebreitet. Das liegt da unten in der Seele, nur eben eine gnadenvolle Weisheit deckt einen Schleier darüber, und es bleibt dem Menschen unbewusst. Und nun kommt der Philosoph; er arbeitet nur mit dem Bewusstsein, das an das Gehirn gebunden ist. Er weiß nicht, dass da unten in der Seele geheime Furcht und Scheu ist davor, bis zu dem Punkte aufzusteigen, wo die Erkenntnis zunächst sich wie in einsamer Ohnmacht fühlt. Davon weiß er nichts, und unbewusst schreckt er davor zurück. Er scheut sich nur, weiter vorzudringen, als das Denken geht, das an das Gehirn gebunden ist. Nun dauert dasjenige, was ich beschrieben habe — oder wenigstens darf es nicht dauern über eine gewisse Zeit hinaus.
[ 20 ] Der Mensch darf nicht bloß in die innere Stimmung hineinkommen, die ich eben geschildert habe, sondern der Mensch muss, wenn er ein wirklicher Geistesforscher werden will, eine parallel gehende Übung machen, er muss eine andere Übung machen, welche Sie ebenso in allen Einzelheiten geschildert finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Überall da, wo geistesforscherische Methoden recht getrieben werden, wird nicht einseitig das empfohlen, was eben beschrieben worden ist, sondern auch der andere Weg.
[ 20 ] Der Mensch darf nicht bloß in die innere Stimmung hineinkommen, die ich eben geschildert habe, sondern der Mensch muss, wenn er ein wirklicher Geistesforscher werden will, eine parallel gehende Übung machen, er muss eine andere Übung machen, welche Sie ebenso in allen Einzelheiten geschildert finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Überall da, wo geistesforscherische Methoden recht getrieben werden, wird nicht einseitig das empfohlen, was eben beschrieben worden ist, sondern auch der andere Weg.
[ 21 ] Dieser andere Weg — ich kann ihn am besten durch das Folgende verständlich machen —, er hängt zusammen mit einem Begreifen desjenigen, was ein für das menschliche Leben unendlich bedeutungsvolles Wort einschließt, nämlich das Wort «Schicksal». Was alles schließt das Wort «Schicksal» für das menschliche Leben ein! Allein, wie treten diejenigen Tatsachen an den Menschen heran, die gewöhnlich als Schicksal bezeichnet werden? Wir leben drinnen in der Welt. Dasjenige, was herankommt an uns als Leid oder Freude, als Schmerz oder Lust bereitendes Schicksal, das wird gewöhnlich aufgefasst wie Zufälle, die an den Menschen herantreten. Und der Verlauf unseres Schicksals zwischen Geburt und Tod wird so aufgefasst wie eine Summe von Ereignissen, in deren Zusammenhang man nicht weiter hineinblickt, als dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Wenn so der Mensch seinem Schicksal im gewöhnlichen Leben gegenübersteht, ist es so, wie wenn derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, gegenübersteht den Tatsachen der äußeren Natur. Da geht die Sonne auf; da gehen die Sterne auf und unter; da kommen Wind und Wetter und so weiter. Derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, der sucht in diesen Tatsachen keinen Zusammenhang; er sucht nicht die Gesetze, die da drinnen walten.
[ 21 ] Dieser andere Weg — ich kann ihn am besten durch das Folgende verständlich machen —, er hängt zusammen mit einem Begreifen desjenigen, was ein für das menschliche Leben unendlich bedeutungsvolles Wort einschließt, nämlich das Wort «Schicksal». Was alles schließt das Wort «Schicksal» für das menschliche Leben ein! Allein, wie treten diejenigen Tatsachen an den Menschen heran, die gewöhnlich als Schicksal bezeichnet werden? Wir leben drinnen in der Welt. Dasjenige, was herankommt an uns als Leid oder Freude, als Schmerz oder Lust bereitendes Schicksal, das wird gewöhnlich aufgefasst wie Zufälle, die an den Menschen herantreten. Und der Verlauf unseres Schicksals zwischen Geburt und Tod wird so aufgefasst wie eine Summe von Ereignissen, in deren Zusammenhang man nicht weiter hineinblickt, als dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Wenn so der Mensch seinem Schicksal im gewöhnlichen Leben gegenübersteht, ist es so, wie wenn derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, gegenübersteht den Tatsachen der äußeren Natur. Da geht die Sonne auf; da gehen die Sterne auf und unter; da kommen Wind und Wetter und so weiter. Derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, der sucht in diesen Tatsachen keinen Zusammenhang; er sucht nicht die Gesetze, die da drinnen walten.
[ 22 ] Aber geradeso, wie jemand, der nicht etwas von Naturwissenschaft gehört hat, sich zu einem Naturforscher verhält, so verhält sich der Mensch im gewöhnlichen Leben zu demjenigen, wie der Geistesforscher nun dieses Schicksal aufzufassen hat. Da gehen wir aus von einem ganz Gewöhnlichen, von dem Alltäglichsten in diesem unserem Menschenleben. Fragen wir uns einmal vorurteilslos und unbefangen, was wir denn in irgendeinem Moment unseres Lebens — wir wollen zunächst nur vom gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod sprechen —, was wir da in Bezug auf unser Selbst sind. Ja, dasjenige, was wir unser Selbst nennen, es besteht doch in dem, was wir können, was wir vermögen, was unsere Fähigkeiten sind, wie stark oder schwach wir dem Leben gegenüberstehen. Woher kommt das aber also?
[ 22 ] Aber geradeso, wie jemand, der nicht etwas von Naturwissenschaft gehört hat, sich zu einem Naturforscher verhält, so verhält sich der Mensch im gewöhnlichen Leben zu demjenigen, wie der Geistesforscher nun dieses Schicksal aufzufassen hat. Da gehen wir aus von einem ganz Gewöhnlichen, von dem Alltäglichsten in diesem unserem Menschenleben. Fragen wir uns einmal vorurteilslos und unbefangen, was wir denn in irgendeinem Moment unseres Lebens — wir wollen zunächst nur vom gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod sprechen —, was wir da in Bezug auf unser Selbst sind. Ja, dasjenige, was wir unser Selbst nennen, es besteht doch in dem, was wir können, was wir vermögen, was unsere Fähigkeiten sind, wie stark oder schwach wir dem Leben gegenüberstehen. Woher kommt das aber also?
[ 23 ] Wenn wir so das Leben betrachten, wird uns auffallen können, indem wir zurückschauen von einem späteren Lebensalter auf ein früheres Lebensalter, sagen wir, die Zwanzigerjahre, da sind diese oder jene Ereignisse an uns herangetreten, die wir Schicksals-Zufälle nennen. Bedenken wir: Was dadurch an uns herantrat, davon hängt das ab, was wir heute können. Wäre es nicht an uns herangetreten, so wären wir ein ganz anderer. Derjenige, der wir sind, sind wir geworden durch das Erlebte. Wiederum dasjenige, was hier gemeint ist, kann als «leicht» bezeichnet werden, doch kann man auch hier sagen: «doch ist das Leichte schwer». Denn der Geistesforscher wird erst in die Geisteswissenschaft hineingeführt dadurch, dass er hinblickt auf das Schicksal, wie es der Schmied ist unseres Selbst mit allem seinem Können, mit all seinem Vermögen, dass er dieses Hinblicken zu einer inneren Übung macht und immer mehr und mehr sich klar wird: Ja, du bist ja eigentlich nichts anderes als dasjenige, was das Schicksal aus dir geschmiedet hat. Sieh auf den Strom deines Schicksals hin, dann findest du, dass du dir ganz [Lücke im Text] ließest; du musst selbst verfolgen, wie es dahinströmt im Schicksal. Das muss eine EmpfindungsGewohnheit werden, die im Menschen erwacht, dass er jetzt wirklich auch auf diesem Wege aus sich selbst herauskommt und dass er in dem hinfließenden Strom des Schicksalserlebens sich als seinen Schöpfer ansieht. Wenn das wiederum immer wiederholt wird, dann fällt etwas ab von unserem Schicksalserleben.
[ 23 ] Wenn wir so das Leben betrachten, wird uns auffallen können, indem wir zurückschauen von einem späteren Lebensalter auf ein früheres Lebensalter, sagen wir, die Zwanzigerjahre, da sind diese oder jene Ereignisse an uns herangetreten, die wir Schicksals-Zufälle nennen. Bedenken wir: Was dadurch an uns herantrat, davon hängt das ab, was wir heute können. Wäre es nicht an uns herangetreten, so wären wir ein ganz anderer. Derjenige, der wir sind, sind wir geworden durch das Erlebte. Wiederum dasjenige, was hier gemeint ist, kann als «leicht» bezeichnet werden, doch kann man auch hier sagen: «doch ist das Leichte schwer». Denn der Geistesforscher wird erst in die Geisteswissenschaft hineingeführt dadurch, dass er hinblickt auf das Schicksal, wie es der Schmied ist unseres Selbst mit allem seinem Können, mit all seinem Vermögen, dass er dieses Hinblicken zu einer inneren Übung macht und immer mehr und mehr sich klar wird: Ja, du bist ja eigentlich nichts anderes als dasjenige, was das Schicksal aus dir geschmiedet hat. Sieh auf den Strom deines Schicksals hin, dann findest du, dass du dir ganz [Lücke im Text] ließest; du musst selbst verfolgen, wie es dahinströmt im Schicksal. Das muss eine EmpfindungsGewohnheit werden, die im Menschen erwacht, dass er jetzt wirklich auch auf diesem Wege aus sich selbst herauskommt und dass er in dem hinfließenden Strom des Schicksalserlebens sich als seinen Schöpfer ansieht. Wenn das wiederum immer wiederholt wird, dann fällt etwas ab von unserem Schicksalserleben.
[ 24 ] Ich sagte früher, dass wir ja im gewöhnlichen Leben unser Schicksal so betrachten, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Diese Empfindung des Sympathischen und Antipathischen hört auf, muss aufhören, wenn wir das Schicksal als Schöpfer von uns selbst betrachten. Und je mehr wir überwinden diese Sympathie und Antipathie methodisch innerlich, im innersten Seelenlaboratorium überwinden, je mehr wir dazu kommen, zum Schicksal aufzublicken und zu sagen: Du hast mich geschaffen, aus dir bin ich ja hervorgegangen, desto mehr wird vertieft diese Empfindung des Identifizierens mit dem Schicksal. Damit geschieht aber viel mehr. Indem diese Empfindung immer mehr auftaucht willkürlich durch innere Meditation — jetzt mehr durch Empfindungs- und Gefühls-Meditation bewirkt wird —, umso mehr werden wir wiederum frei in diesem Empfinden und Fühlen, frei von unserem Leiblichen. Und wir fühlen, wie wir heraustreten wiederum aus diesem Leiblichen, jetzt aber nicht in eine Vernichtung hinein, sondern jetzt so, dass wir, indem wir aus uns herausgehen, wie in die gesamte äußere Welt, in das Universum, in den Kosmos aufgehen.
[ 24 ] Ich sagte früher, dass wir ja im gewöhnlichen Leben unser Schicksal so betrachten, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Diese Empfindung des Sympathischen und Antipathischen hört auf, muss aufhören, wenn wir das Schicksal als Schöpfer von uns selbst betrachten. Und je mehr wir überwinden diese Sympathie und Antipathie methodisch innerlich, im innersten Seelenlaboratorium überwinden, je mehr wir dazu kommen, zum Schicksal aufzublicken und zu sagen: Du hast mich geschaffen, aus dir bin ich ja hervorgegangen, desto mehr wird vertieft diese Empfindung des Identifizierens mit dem Schicksal. Damit geschieht aber viel mehr. Indem diese Empfindung immer mehr auftaucht willkürlich durch innere Meditation — jetzt mehr durch Empfindungs- und Gefühls-Meditation bewirkt wird —, umso mehr werden wir wiederum frei in diesem Empfinden und Fühlen, frei von unserem Leiblichen. Und wir fühlen, wie wir heraustreten wiederum aus diesem Leiblichen, jetzt aber nicht in eine Vernichtung hinein, sondern jetzt so, dass wir, indem wir aus uns herausgehen, wie in die gesamte äußere Welt, in das Universum, in den Kosmos aufgehen.
[ 25 ] Aber nicht das, was wir in dem Sinne [Lücke im Text], sondern indem unser Schicksal willensmäßig gewoben wird. Wir strömen ein mit unserem Selbst in das durch die Welt webende und lebende Willenselement höherer geistiger Wesenheiten. Wir dringen aus uns heraus, und wir haben das Gefühl: Das Auge an dir ist eingebettet in deinen Organismus, so bist du eingewoben in den ganzen Kosmos. Du bist aus dem Kosmos herausgewollt, du bist ein Willensakt aus dem Kosmos.
[ 25 ] Aber nicht das, was wir in dem Sinne [Lücke im Text], sondern indem unser Schicksal willensmäßig gewoben wird. Wir strömen ein mit unserem Selbst in das durch die Welt webende und lebende Willenselement höherer geistiger Wesenheiten. Wir dringen aus uns heraus, und wir haben das Gefühl: Das Auge an dir ist eingebettet in deinen Organismus, so bist du eingewoben in den ganzen Kosmos. Du bist aus dem Kosmos herausgewollt, du bist ein Willensakt aus dem Kosmos.
[ 26 ] Und wenn man charakterisieren will, was man da nun wiederum erschütternd empfindet — denn alles, was geisteswissenschaftliche Methode ist, ist zu gleicher Zeit, in seinen Anfängen wenigstens, mit erschütternden Ereignissen verwoben —, wenn man das charakterisieren will, so könnte man es durch folgende Worte ausdrücken, was man da empfindet: Dasjenige, was man war oder zu sein glaubte, dieses Selbst mit allen seinen Fähigkeiten, mit alledem, was man da ist, das hat man eigentlich verloren. Das ist ausgeströmt zuerst in die Schicksalswelt, dann in das allgemeine Universum, und man muss sich in einer neuen Weise aus der ganzen Welt empfangen, sich gegenübertreten. Das wird ein Erlebnis, dass man sich sagt: So, wie man früher war, so ist man jetzt nicht mehr. Aber dir tritt ein höheres Selbst aus der ganzen Welt entgegen, du schaust dich an.
[ 26 ] Und wenn man charakterisieren will, was man da nun wiederum erschütternd empfindet — denn alles, was geisteswissenschaftliche Methode ist, ist zu gleicher Zeit, in seinen Anfängen wenigstens, mit erschütternden Ereignissen verwoben —, wenn man das charakterisieren will, so könnte man es durch folgende Worte ausdrücken, was man da empfindet: Dasjenige, was man war oder zu sein glaubte, dieses Selbst mit allen seinen Fähigkeiten, mit alledem, was man da ist, das hat man eigentlich verloren. Das ist ausgeströmt zuerst in die Schicksalswelt, dann in das allgemeine Universum, und man muss sich in einer neuen Weise aus der ganzen Welt empfangen, sich gegenübertreten. Das wird ein Erlebnis, dass man sich sagt: So, wie man früher war, so ist man jetzt nicht mehr. Aber dir tritt ein höheres Selbst aus der ganzen Welt entgegen, du schaust dich an.
[ 27 ] Dieses Gefühl ist wiederum mit etwas Unterbewusstem im Empfinden verknüpft, das man im gewöhnlichen Leben nicht kennt, über das wiederum ein Schleier gnadenvoll gewoben ist, mit dem Gefühle der Furcht, der Furcht vor dem, was man in Wahrheit ist, wenn man sich so vor sich selbst gestellt findet, wie einen die Welt will. Und diese Furcht muss überwunden werden. Man kann nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis kommen, als wenn man erst die Furcht vor dem Selbst überwindet.
[ 27 ] Dieses Gefühl ist wiederum mit etwas Unterbewusstem im Empfinden verknüpft, das man im gewöhnlichen Leben nicht kennt, über das wiederum ein Schleier gnadenvoll gewoben ist, mit dem Gefühle der Furcht, der Furcht vor dem, was man in Wahrheit ist, wenn man sich so vor sich selbst gestellt findet, wie einen die Welt will. Und diese Furcht muss überwunden werden. Man kann nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis kommen, als wenn man erst die Furcht vor dem Selbst überwindet.
[ 28 ] So muss man gehen durch zwei Erlebnisse: eine Art Ohnmachtsgefühl und eine Art Furchtgefühl. Während man durch das erste Erlebnis die Einsamkeit kennenlernt, findet man sich wieder durch das zweite Erlebnis, sodass dasjenige, was man früher verloren hat, indem man aus dem Leibe herausgegangen ist durch Meditation, Konzentration, was übergegangen ist in eine Art Vernichtungsgefühl, das erscheint einem jetzt von der anderen Seite wiederum, indem man sieht, wie man gewollt ist vom Universum. Wiedergegeben wird man sich vom Universum.
[ 28 ] So muss man gehen durch zwei Erlebnisse: eine Art Ohnmachtsgefühl und eine Art Furchtgefühl. Während man durch das erste Erlebnis die Einsamkeit kennenlernt, findet man sich wieder durch das zweite Erlebnis, sodass dasjenige, was man früher verloren hat, indem man aus dem Leibe herausgegangen ist durch Meditation, Konzentration, was übergegangen ist in eine Art Vernichtungsgefühl, das erscheint einem jetzt von der anderen Seite wiederum, indem man sieht, wie man gewollt ist vom Universum. Wiedergegeben wird man sich vom Universum.
[ 29 ] Diejenigen, die im Laufe der menschlichen Entwicklung etwas gewusst haben von solch wirklich tieferen Erkenntniserlebnissen, die haben dasjenige, was da erlebt werden konnte, mit dem sehr treffenden Wort bezeichnet: Der Geistesforscher komme, indem er diese Erlebnisse hat, in die Nähe der Pforte des Todes. Und in der Tat, dasjenige, was zuerst geschildert wurde als eine Art Ohnmacht, das führt einen wie in die Nähe des Todes. Sehen wir uns einmal an, wie das äußere Leben im gewöhnlichen Dasein uns entgegentritt. In der Kindheit heranwachsend, tritt es uns entgegen, indem unsere Kräfte stärker werden. Aber wenn das Leben wieder abwärts geht, sehen wir, wie Vernichtung unser Leben ergreift. Und dass wir dem Tode entgegengehen, das zeigt uns die Vernichtung an. Und alles, was der Mensch im gewöhnlichen Leben vom Tode weiß, ist nichts anderes als dasjenige, dass der Tod die Vernichtung desjenigen ist, was der Mensch durch die Geburt geworden ist. Und weil der Mensch festhält an der äußeren Vernichtung, erscheint ihm der Tod als Abschluss des äußeren Lebens.
[ 29 ] Diejenigen, die im Laufe der menschlichen Entwicklung etwas gewusst haben von solch wirklich tieferen Erkenntniserlebnissen, die haben dasjenige, was da erlebt werden konnte, mit dem sehr treffenden Wort bezeichnet: Der Geistesforscher komme, indem er diese Erlebnisse hat, in die Nähe der Pforte des Todes. Und in der Tat, dasjenige, was zuerst geschildert wurde als eine Art Ohnmacht, das führt einen wie in die Nähe des Todes. Sehen wir uns einmal an, wie das äußere Leben im gewöhnlichen Dasein uns entgegentritt. In der Kindheit heranwachsend, tritt es uns entgegen, indem unsere Kräfte stärker werden. Aber wenn das Leben wieder abwärts geht, sehen wir, wie Vernichtung unser Leben ergreift. Und dass wir dem Tode entgegengehen, das zeigt uns die Vernichtung an. Und alles, was der Mensch im gewöhnlichen Leben vom Tode weiß, ist nichts anderes als dasjenige, dass der Tod die Vernichtung desjenigen ist, was der Mensch durch die Geburt geworden ist. Und weil der Mensch festhält an der äußeren Vernichtung, erscheint ihm der Tod als Abschluss des äußeren Lebens.
[ 30 ] Wenn wir das erste geschilderte Erlebnis haben, merken wir, dass wir eigentlich unser Denkleben, unser Seelenleben gerade den Kräften verdanken, welche am menschlichen Leibe vernichtend wirken; das ist das tragisch Erschütternde im Fortschreiten der Erkenntnis. Wir sehen, dass nicht mit den Wachstumskräften, sondern gerade mit den abtragenden Kräften unser Seelenleben zusammenhängt, gerade mit den abtragenden Kräften, mit den Kräften, welche im gewöhnlichen Leben schon von Geburt an dem Tode entgegenarbeiten. Und so merken wir, dass mit all dem, was schon mit der Geburt beginnt, das Leben auf zu [Lücke im Text] in diese Zerstörungskräfte gegeben sind, in denen unser Seelenleben wurzelt, indem es überwindet die äußeren physischen Wachstumskräfte.
[ 30 ] Wenn wir das erste geschilderte Erlebnis haben, merken wir, dass wir eigentlich unser Denkleben, unser Seelenleben gerade den Kräften verdanken, welche am menschlichen Leibe vernichtend wirken; das ist das tragisch Erschütternde im Fortschreiten der Erkenntnis. Wir sehen, dass nicht mit den Wachstumskräften, sondern gerade mit den abtragenden Kräften unser Seelenleben zusammenhängt, gerade mit den abtragenden Kräften, mit den Kräften, welche im gewöhnlichen Leben schon von Geburt an dem Tode entgegenarbeiten. Und so merken wir, dass mit all dem, was schon mit der Geburt beginnt, das Leben auf zu [Lücke im Text] in diese Zerstörungskräfte gegeben sind, in denen unser Seelenleben wurzelt, indem es überwindet die äußeren physischen Wachstumskräfte.
[ 31 ] Dann erleben wir, dass der Mensch den Moment des Todes braucht, den Moment, wo abfällt das physisch-leibliche Dasein, dass dieser Moment für das Leben in der geistigen Welt ebenso das Bewusstsein verleiht, wie durch die Kräfte der Geburt das Bewusstsein für das gewöhnliche Leben verliehen wird. Man merkt, dass der Tod der Schöpfer des Bewusstseins nach dem Tode ist, dass wir den Tod als den Schöpfer des nachtodlichen Bewusstseins haben. Und wir merken die Lebensbedeutung des Todes; wir merken, wie der Tod, indem er immer in uns waltet, uns als Geistesforscher dahinführt, dass wir erkennen, dass wir einen Wesenskern in uns tragen, der als Geistig-Seelisches nach dem Tode aus uns geht. Wie der Pflanzenkeim aus der Pflanze hervorgeht und eine neue Pflanze bewirkt, so geht dieser geistig-seelische Wesenskern durch die Pforte des Todes hindurch in eine geistige Welt hinein, in der er sich dann weiterentwickelt. Und wie wir selbst aus der Welt heraus uns entwickelt haben, das wird uns klar durch das andere, wie wir herausgewollt sind aus dem Leben.
[ 31 ] Dann erleben wir, dass der Mensch den Moment des Todes braucht, den Moment, wo abfällt das physisch-leibliche Dasein, dass dieser Moment für das Leben in der geistigen Welt ebenso das Bewusstsein verleiht, wie durch die Kräfte der Geburt das Bewusstsein für das gewöhnliche Leben verliehen wird. Man merkt, dass der Tod der Schöpfer des Bewusstseins nach dem Tode ist, dass wir den Tod als den Schöpfer des nachtodlichen Bewusstseins haben. Und wir merken die Lebensbedeutung des Todes; wir merken, wie der Tod, indem er immer in uns waltet, uns als Geistesforscher dahinführt, dass wir erkennen, dass wir einen Wesenskern in uns tragen, der als Geistig-Seelisches nach dem Tode aus uns geht. Wie der Pflanzenkeim aus der Pflanze hervorgeht und eine neue Pflanze bewirkt, so geht dieser geistig-seelische Wesenskern durch die Pforte des Todes hindurch in eine geistige Welt hinein, in der er sich dann weiterentwickelt. Und wie wir selbst aus der Welt heraus uns entwickelt haben, das wird uns klar durch das andere, wie wir herausgewollt sind aus dem Leben.
[ 32 ] Und wenn also der Geistesforscher dasjenige, was geschildert worden ist, entwickelt nach zwei Seiten hin und frei wird das Geistig-Seelische von dem PhysischLeiblichen, dann versinkt die äußere, physisch-sinnliche Welt. Der Geistesforscher weiß, dass er sie zurückgelassen hat, aber er tritt ein in eine geistige Welt. Er weiß sich nunmehr drinnen wirkend in dieser geistigen Welt. Er weiß, dass er da drinnen eine Wesenheit ist, denn er hat gelernt anzuschauen, wie diese Wesenheit sich loslösen kann vom Physisch-Leiblichen. Und indem man anschaut, wie man herausgewollt ist aus der Welt, kommt man zu ganz anderen Inhalten der Welt. Ein anderes Bewusstsein über eine Welt, die man vorher nicht kannte, die eine wirkliche geistige Welt ist, bekommt man. Und jetzt wird es wirklich Erlebnis, dass hinter der sinnlich-physischen Welt eine Welt von geistigen Wesenheiten ist, dass die physische Welt ein Schleier ist, hinter dem die geistigen Wesenheiten sind. Wenn der Mensch also selber gefunden hat, wie er aus dem Universum gewollt ist, findet er die geistige Welt, eine Welt von wirklichen Wesenheiten, nicht bloß von Begriffen und Ideen, wie der Pantheismus sagt. Ja, der Mensch findet noch viel mehr. Gerade dadurch, dass er dieses Gemütselement ausbildet, dieses Fühlen, das damit elementar beginnt, dass man sich mit dem Schicksal identifiziert, dadurch lebt sich der Mensch allmählich ein in die Welt, in der die Menschen sind, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind.
[ 32 ] Und wenn also der Geistesforscher dasjenige, was geschildert worden ist, entwickelt nach zwei Seiten hin und frei wird das Geistig-Seelische von dem PhysischLeiblichen, dann versinkt die äußere, physisch-sinnliche Welt. Der Geistesforscher weiß, dass er sie zurückgelassen hat, aber er tritt ein in eine geistige Welt. Er weiß sich nunmehr drinnen wirkend in dieser geistigen Welt. Er weiß, dass er da drinnen eine Wesenheit ist, denn er hat gelernt anzuschauen, wie diese Wesenheit sich loslösen kann vom Physisch-Leiblichen. Und indem man anschaut, wie man herausgewollt ist aus der Welt, kommt man zu ganz anderen Inhalten der Welt. Ein anderes Bewusstsein über eine Welt, die man vorher nicht kannte, die eine wirkliche geistige Welt ist, bekommt man. Und jetzt wird es wirklich Erlebnis, dass hinter der sinnlich-physischen Welt eine Welt von geistigen Wesenheiten ist, dass die physische Welt ein Schleier ist, hinter dem die geistigen Wesenheiten sind. Wenn der Mensch also selber gefunden hat, wie er aus dem Universum gewollt ist, findet er die geistige Welt, eine Welt von wirklichen Wesenheiten, nicht bloß von Begriffen und Ideen, wie der Pantheismus sagt. Ja, der Mensch findet noch viel mehr. Gerade dadurch, dass er dieses Gemütselement ausbildet, dieses Fühlen, das damit elementar beginnt, dass man sich mit dem Schicksal identifiziert, dadurch lebt sich der Mensch allmählich ein in die Welt, in der die Menschen sind, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind.
[ 33 ] Ich möchte nicht davor zurückschrecken, sehr verehrte Anwesende, weil ich nicht allein im Abstrakten herumreden will, sondern Konkretes zeigen will, wirklich auch etwas Konkretes anzuführen: Dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, man erlebt, man erfährt es anders, als man erfährt die Dinge hier in der physisch-sinnlichen Welt. Hier sind die Wesenheiten außer uns, wir stehen vor ihnen, wir nehmen sie wahr, wir begreifen sie durch den Verstand. Wenn wir auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehen, werden wir ergriffen von den Wesenheiten der geistigen Welt. Ich möchte sagen: Wie von vorne treten an uns heran in der sinnlichen Welt die Wesenheiten und Tatsachen in uns hinein. Wie gleichsam von hinten uns nehmend und uns in sich hineinstellend, so werden wir gewahr, was in der geistigen Welt als Wesenheiten wirklich drinnen ist.
[ 33 ] Ich möchte nicht davor zurückschrecken, sehr verehrte Anwesende, weil ich nicht allein im Abstrakten herumreden will, sondern Konkretes zeigen will, wirklich auch etwas Konkretes anzuführen: Dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, man erlebt, man erfährt es anders, als man erfährt die Dinge hier in der physisch-sinnlichen Welt. Hier sind die Wesenheiten außer uns, wir stehen vor ihnen, wir nehmen sie wahr, wir begreifen sie durch den Verstand. Wenn wir auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehen, werden wir ergriffen von den Wesenheiten der geistigen Welt. Ich möchte sagen: Wie von vorne treten an uns heran in der sinnlichen Welt die Wesenheiten und Tatsachen in uns hinein. Wie gleichsam von hinten uns nehmend und uns in sich hineinstellend, so werden wir gewahr, was in der geistigen Welt als Wesenheiten wirklich drinnen ist.
[ 34 ] Ein einzelnes Beispiel möchte ich Ihnen heute anführen. Ich möchte von vornherein sagen, dass ich wohl weiß, dass, gerade wenn man in solche einzelne Beispiele eingeht, sich erhebt dasjenige, was immer wieder gesagt wird: Das alles ist ja doch nur eine verrückte Phantasterei! Und ich finde es durchaus begreiflich, dass die Denkgewohnheiten der Gegenwart so sprechen. Aber ich werde gleich nachher sagen, auf welchen Standpunkt sich der Geistesforscher in diesem Punkte stellen muss. Ich war vor einiger Zeit — verzeihen Sie, dass ich etwas Persönliches anführe, aber der Chemiker muss das ja auch anführen, was zeigen soll, was er entdeckt hat in seinem Laboratorium —, vor einiger Zeit war ich in die Notwendigkeit versetzt, den geistigen Verlauf der Menschheitsentwicklung geschichtlich in einer gewissen Richtung zu verfolgen. Es war, als ich die Einleitung schrieb zu meinem Buche «Rätsel der Philosophie». Ich wollte in einem einleitenden Kapitel die großen Gesichtspunkte, welche die Philosophieperioden in der Entwicklung der Menschheit [Lücke im Text]. Da war ich in der Lage, dass gerade für die ersten Jahrhunderte der christlichen Entwicklung ich ahnen konnte, dass da wichtige Impulse im abendländischen Geistesleben vorhanden sind. Allein, wenn man es ernst nimmt gerade mit der Erforschung des geistigen Lebens, wird man wirklich sehr bald die Gelegenheit haben, zu bemerken, wie man recht bescheiden wird mit Bezug auf dasjenige, was der menschliche Forschungssinn vermag gegenüber den Tiefen der Welt. Und da gestehe ich denn offen — und gerade aus der Offenheit, mit der ich es gestehe, werden Sie etwas von dem erfühlen können, was als Wahrheit das zu Sagende durchdringt —, ich gestehe es offen, dass ich zunächst wie stumpf den eigenen Forschungssinn fand gerade gegenüber der philosophischen Eigentümlichkeit der ersten christlichen Jahrhunderte. Nun war eine befreundete Persönlichkeit unserer geistigen Bewegung einige Zeit vorher gestorben; und dasjenige, was als Seele gerade dieser befreundeten Persönlichkeit in der geistigen Welt war, konnte ich wie an mich herankommend fühlen, indem ich forschte nach diesen Eigentümlichkeiten der philosophischen Entwicklung in den ersten christlichen Jahrhunderten. Und da ich hier in der physischen Welt jene Persönlichkeit recht genau gekannt habe, war es möglich, aus dem, was nun in meine eigenen Empfindungen und Gedanken eindrang — ich meine dieses Von-hinten-Eindringen —, das konnte ich erkennen als von dieser Persönlichkeit herrührend. Und sehr bald konnte ich Bekanntschaft fühlen mit dieser Seele, die genauere Einsicht nach dem Tode hatte über die ersten christlichen Jahrhunderte; und in mein eigenes Darstellen der Eigentümlichkeit des Charakters der ersten christlichen Jahrhunderte floss ein dasjenige, was diese Seele hineininspirierte. Und dasjenige, was ich dazumal selbst vermochte, was ich charakterisierte in meinen «Rätsel der Philosophie» über diese Periode, das verdanke ich dem geistigen Zusammensein mit dieser sogenannten toten Seele, die eben einige Zeit vorher in die geistige Welt gegangen war.
[ 34 ] Ein einzelnes Beispiel möchte ich Ihnen heute anführen. Ich möchte von vornherein sagen, dass ich wohl weiß, dass, gerade wenn man in solche einzelne Beispiele eingeht, sich erhebt dasjenige, was immer wieder gesagt wird: Das alles ist ja doch nur eine verrückte Phantasterei! Und ich finde es durchaus begreiflich, dass die Denkgewohnheiten der Gegenwart so sprechen. Aber ich werde gleich nachher sagen, auf welchen Standpunkt sich der Geistesforscher in diesem Punkte stellen muss. Ich war vor einiger Zeit — verzeihen Sie, dass ich etwas Persönliches anführe, aber der Chemiker muss das ja auch anführen, was zeigen soll, was er entdeckt hat in seinem Laboratorium —, vor einiger Zeit war ich in die Notwendigkeit versetzt, den geistigen Verlauf der Menschheitsentwicklung geschichtlich in einer gewissen Richtung zu verfolgen. Es war, als ich die Einleitung schrieb zu meinem Buche «Rätsel der Philosophie». Ich wollte in einem einleitenden Kapitel die großen Gesichtspunkte, welche die Philosophieperioden in der Entwicklung der Menschheit [Lücke im Text]. Da war ich in der Lage, dass gerade für die ersten Jahrhunderte der christlichen Entwicklung ich ahnen konnte, dass da wichtige Impulse im abendländischen Geistesleben vorhanden sind. Allein, wenn man es ernst nimmt gerade mit der Erforschung des geistigen Lebens, wird man wirklich sehr bald die Gelegenheit haben, zu bemerken, wie man recht bescheiden wird mit Bezug auf dasjenige, was der menschliche Forschungssinn vermag gegenüber den Tiefen der Welt. Und da gestehe ich denn offen — und gerade aus der Offenheit, mit der ich es gestehe, werden Sie etwas von dem erfühlen können, was als Wahrheit das zu Sagende durchdringt —, ich gestehe es offen, dass ich zunächst wie stumpf den eigenen Forschungssinn fand gerade gegenüber der philosophischen Eigentümlichkeit der ersten christlichen Jahrhunderte. Nun war eine befreundete Persönlichkeit unserer geistigen Bewegung einige Zeit vorher gestorben; und dasjenige, was als Seele gerade dieser befreundeten Persönlichkeit in der geistigen Welt war, konnte ich wie an mich herankommend fühlen, indem ich forschte nach diesen Eigentümlichkeiten der philosophischen Entwicklung in den ersten christlichen Jahrhunderten. Und da ich hier in der physischen Welt jene Persönlichkeit recht genau gekannt habe, war es möglich, aus dem, was nun in meine eigenen Empfindungen und Gedanken eindrang — ich meine dieses Von-hinten-Eindringen —, das konnte ich erkennen als von dieser Persönlichkeit herrührend. Und sehr bald konnte ich Bekanntschaft fühlen mit dieser Seele, die genauere Einsicht nach dem Tode hatte über die ersten christlichen Jahrhunderte; und in mein eigenes Darstellen der Eigentümlichkeit des Charakters der ersten christlichen Jahrhunderte floss ein dasjenige, was diese Seele hineininspirierte. Und dasjenige, was ich dazumal selbst vermochte, was ich charakterisierte in meinen «Rätsel der Philosophie» über diese Periode, das verdanke ich dem geistigen Zusammensein mit dieser sogenannten toten Seele, die eben einige Zeit vorher in die geistige Welt gegangen war.
[ 35 ] Gerade der Geistesforscher wird es in der Gegenwart ganz begreiflich finden, wenn solche Dinge, wenn sie ausgesprochen werden, nur Spott und Hohn begegnen. Allein Spott und Hohn und Widerspruch über die «Phantasterei» hat sich ja auch schon einmal erhoben, sehr verehrte Anwesende, als etwas heraufgekommen ist, was den Denkgewohnheiten der Menschen widersprochen hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es jemand gibt, der da sagt: Was der behauptet, das widerstrebt ja ganz und gar den gesunden fünf Sinnen! Es hat einmal eine Zeit gegeben, wo cs angemessen den fünf Sinnen war, dass die Erde stillstehe und dass die Sonne sich um die Erde, dass die Sterne sich um die Erde ringsherum bewegen. Das entsprach durchaus den gesunden fünf Sinnen. Dann kam Kopernikus und erklärte, dass es in Wahrheit ganz anders ist. Und wie man sich gewöhnt hat, ganz langsam sich gewöhnt hat, auch mit Bezug auf dieses als Wahrheit hinzunehmen, was den sogenannten fünf Sinnen widerspricht, so wird sich die Menschheit auch gewöhnen, mit Bezug auf dasjenige, was hier angedeutet wurde über das Eindringen in geistige Welten, das hinzunehmen, was so scheinbar den fünf Sinnen widerspricht.
[ 35 ] Gerade der Geistesforscher wird es in der Gegenwart ganz begreiflich finden, wenn solche Dinge, wenn sie ausgesprochen werden, nur Spott und Hohn begegnen. Allein Spott und Hohn und Widerspruch über die «Phantasterei» hat sich ja auch schon einmal erhoben, sehr verehrte Anwesende, als etwas heraufgekommen ist, was den Denkgewohnheiten der Menschen widersprochen hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es jemand gibt, der da sagt: Was der behauptet, das widerstrebt ja ganz und gar den gesunden fünf Sinnen! Es hat einmal eine Zeit gegeben, wo cs angemessen den fünf Sinnen war, dass die Erde stillstehe und dass die Sonne sich um die Erde, dass die Sterne sich um die Erde ringsherum bewegen. Das entsprach durchaus den gesunden fünf Sinnen. Dann kam Kopernikus und erklärte, dass es in Wahrheit ganz anders ist. Und wie man sich gewöhnt hat, ganz langsam sich gewöhnt hat, auch mit Bezug auf dieses als Wahrheit hinzunehmen, was den sogenannten fünf Sinnen widerspricht, so wird sich die Menschheit auch gewöhnen, mit Bezug auf dasjenige, was hier angedeutet wurde über das Eindringen in geistige Welten, das hinzunehmen, was so scheinbar den fünf Sinnen widerspricht.
[ 36 ] Dann kam einer nach Kopernikus, Giordano Bruno war es, der musste sagen, nachdem er in seine ganze Seele aufgenommen hatte das Weltbild des Kopernikus: die Entwicklung eurer Sinne — und die hat dazumal wirklich allen gesunden Sinnen entsprochen —, die macht es, dass ihr da oben das blaue Firmament seht. Ihr haltet es für eine Wirklichkeit, aber das ist gar nicht da oben. In den unendlichen Raum hinein sind eingebettet unendliche Welten, und nur die Begrenztheit eures Schvermögens macht es, dass da oben das blaue Firmament ist. So war dieses Firmament als eine Begrenztheit des menschlichen Sehvermögens bloß erklärt. So aber ist auch für das materialistische Denken ein zeitliches Firmament da. Das ist auf der einen Seite begrenzt durch die Geburt, auf der anderen Seite durch den Tod. Geradeso, wie das blaue Raumesfirmament nicht da ist, so ist nicht da jenes zeitliche Firmament, jene Grenze des Lebens, das verfließt zwischen Geburt und Tod, sondern das Leben dehnt sich hinaus jenseits von Geburt und Tod in die Unendlichkeit. Und eingebettet ist darin, in diese Unendlichkeit, dasjenige, was erst das wahre Menschenleben ist.
[ 36 ] Dann kam einer nach Kopernikus, Giordano Bruno war es, der musste sagen, nachdem er in seine ganze Seele aufgenommen hatte das Weltbild des Kopernikus: die Entwicklung eurer Sinne — und die hat dazumal wirklich allen gesunden Sinnen entsprochen —, die macht es, dass ihr da oben das blaue Firmament seht. Ihr haltet es für eine Wirklichkeit, aber das ist gar nicht da oben. In den unendlichen Raum hinein sind eingebettet unendliche Welten, und nur die Begrenztheit eures Schvermögens macht es, dass da oben das blaue Firmament ist. So war dieses Firmament als eine Begrenztheit des menschlichen Sehvermögens bloß erklärt. So aber ist auch für das materialistische Denken ein zeitliches Firmament da. Das ist auf der einen Seite begrenzt durch die Geburt, auf der anderen Seite durch den Tod. Geradeso, wie das blaue Raumesfirmament nicht da ist, so ist nicht da jenes zeitliche Firmament, jene Grenze des Lebens, das verfließt zwischen Geburt und Tod, sondern das Leben dehnt sich hinaus jenseits von Geburt und Tod in die Unendlichkeit. Und eingebettet ist darin, in diese Unendlichkeit, dasjenige, was erst das wahre Menschenleben ist.
[ 37 ] Es war ja, wie bekannt ist, der große Denker, der tonangebende Denker der neueren Zeit, Lessing, der zuerst gesprochen hat davon, dass der ganze geschichtliche Verlauf der Menschheit nur einen Sinn habe, wenn man sich vorstellt, dass die Menschen in wiederholten Erdenleben ihr Leben absolvieren; sodass das ganze menschliche Leben verläuft so, dass wir leben zwischen Geburt und Tod, oder meinetwillen zwischen Empfängnis und Tod, dann ein geistiges Leben führen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durch eine neue Geburt wieder in ein Erdenleben eintreten, und so weiter, bis Zustände kommen, für die dieses nicht mehr gilt. Ebenso können wir auch zurückblicken in die Vergangenheit auf wiederholte Erdenleben. Ich kann heute nicht eingehen auf dasjenige, was als Zustände voranging, bevor die wiederholten Erdenleben begonnen haben. Lessing, so sagen die Menschen, Lessing hat ja Großes geschaffen, aber als er «Die Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, da war er schon altersschwach. 'Trotzdem ist dieses das bedeutsamste geistige Dokument, das Lessing der Menschheit geschenkt hat. Darinnen hat er zuerst aufmerksam gemacht, wie ein Zusammenhang ist zwischen Vergangenheit und Zukunft der Weltentwicklung. Unsere Seelen selbst haben gelebt in vergangenen Epochen und trugen hinüber die Früchte dieser Leben in unsere Gegenwart; und was sie jetzt durchleben, werden sie wiederum in spätere Epochen hineintragen, in späteren Epochen anwenden.
[ 37 ] Es war ja, wie bekannt ist, der große Denker, der tonangebende Denker der neueren Zeit, Lessing, der zuerst gesprochen hat davon, dass der ganze geschichtliche Verlauf der Menschheit nur einen Sinn habe, wenn man sich vorstellt, dass die Menschen in wiederholten Erdenleben ihr Leben absolvieren; sodass das ganze menschliche Leben verläuft so, dass wir leben zwischen Geburt und Tod, oder meinetwillen zwischen Empfängnis und Tod, dann ein geistiges Leben führen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durch eine neue Geburt wieder in ein Erdenleben eintreten, und so weiter, bis Zustände kommen, für die dieses nicht mehr gilt. Ebenso können wir auch zurückblicken in die Vergangenheit auf wiederholte Erdenleben. Ich kann heute nicht eingehen auf dasjenige, was als Zustände voranging, bevor die wiederholten Erdenleben begonnen haben. Lessing, so sagen die Menschen, Lessing hat ja Großes geschaffen, aber als er «Die Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, da war er schon altersschwach. 'Trotzdem ist dieses das bedeutsamste geistige Dokument, das Lessing der Menschheit geschenkt hat. Darinnen hat er zuerst aufmerksam gemacht, wie ein Zusammenhang ist zwischen Vergangenheit und Zukunft der Weltentwicklung. Unsere Seelen selbst haben gelebt in vergangenen Epochen und trugen hinüber die Früchte dieser Leben in unsere Gegenwart; und was sie jetzt durchleben, werden sie wiederum in spätere Epochen hineintragen, in späteren Epochen anwenden.
[ 38 ] Wie eine gewaltige Ahnung ist es dessen, was als Wirklichkeit erlebt wird, erlebt wird von denen, die die Seele also frei machen vom Leibe, die wirklich zum geistig-seelischen Wesenskern in der geschilderten Weise vordringen. Da stellt sich, wenn man also sieht, wie man gewollt ist aus dem Universum heraus, etwas hinein in dieses Gewollte, was man nun selbst ist, in diesem Schicksal, das man sich selbst zubereitet hat in früheren Erdenleben. Man muss erst aufsteigen, wie ich es geschildert habe, dass einem dieses höhere Selbst entgegentritt. Dann sieht man dieses höhere Selbst durch wiederholte Erdenleben hindurchgehend.
[ 38 ] Wie eine gewaltige Ahnung ist es dessen, was als Wirklichkeit erlebt wird, erlebt wird von denen, die die Seele also frei machen vom Leibe, die wirklich zum geistig-seelischen Wesenskern in der geschilderten Weise vordringen. Da stellt sich, wenn man also sieht, wie man gewollt ist aus dem Universum heraus, etwas hinein in dieses Gewollte, was man nun selbst ist, in diesem Schicksal, das man sich selbst zubereitet hat in früheren Erdenleben. Man muss erst aufsteigen, wie ich es geschildert habe, dass einem dieses höhere Selbst entgegentritt. Dann sieht man dieses höhere Selbst durch wiederholte Erdenleben hindurchgehend.
[ 39 ] Das ist ebenso ein Ergebnis wirklicher Wissenschaft, wie es die Ergebnisse der Physik, der Astronomie, der Chemie sind. Nicht anders wird es mit diesen Dingen gehen, als es mit dem gegangen ist, was Kopernikus, was Giordano Bruno der Menschheit gebracht haben. Kopernikus hatte seine Gegner, die ihn heftig bekämpften. Giordano Bruno hatte ein tragisches Schicksal, er wurde verbrannt. Heute verbrennt man nicht mehr die Leute, aber sie werden ausgelacht. Das ist dasjenige, was man aus den Denkgewohnheiten der heutigen Zeit tut. Als Phantasten, als Träumer, ja als Schlimmeres werden heute verschrien diejenigen, die heute für geistige Gebiete das bringen wollen, was für die Zukunft notwendig ist.
[ 39 ] Das ist ebenso ein Ergebnis wirklicher Wissenschaft, wie es die Ergebnisse der Physik, der Astronomie, der Chemie sind. Nicht anders wird es mit diesen Dingen gehen, als es mit dem gegangen ist, was Kopernikus, was Giordano Bruno der Menschheit gebracht haben. Kopernikus hatte seine Gegner, die ihn heftig bekämpften. Giordano Bruno hatte ein tragisches Schicksal, er wurde verbrannt. Heute verbrennt man nicht mehr die Leute, aber sie werden ausgelacht. Das ist dasjenige, was man aus den Denkgewohnheiten der heutigen Zeit tut. Als Phantasten, als Träumer, ja als Schlimmeres werden heute verschrien diejenigen, die heute für geistige Gebiete das bringen wollen, was für die Zukunft notwendig ist.
[ 40 ] Gewiss, es wird heute Leute geben, die sind sehr naiv, die sagen: Ja was Kopernikus gefunden hat, das sind eben Tatsachen, während dasjenige, was Geistesforschung findet, Dinge sind, die erdacht worden sind! Die Menschen, die so sprechen, die wissen nicht, wie naiv sie sind und wie Kopernikus nicht Tatsachen etwa beobachtete; es war ja nicht so, dass er einen Stuhl genommen hätte und sich in den Weltenraum hinausgesetzt hätte, wie es den Kindern in der Schule gezeigt wird; sondern das alles waren nur Rechnungsergebnisse und sonst nichts; durchaus nicht etwa eine sinnenfällig beobachtete Tatsache.
[ 40 ] Gewiss, es wird heute Leute geben, die sind sehr naiv, die sagen: Ja was Kopernikus gefunden hat, das sind eben Tatsachen, während dasjenige, was Geistesforschung findet, Dinge sind, die erdacht worden sind! Die Menschen, die so sprechen, die wissen nicht, wie naiv sie sind und wie Kopernikus nicht Tatsachen etwa beobachtete; es war ja nicht so, dass er einen Stuhl genommen hätte und sich in den Weltenraum hinausgesetzt hätte, wie es den Kindern in der Schule gezeigt wird; sondern das alles waren nur Rechnungsergebnisse und sonst nichts; durchaus nicht etwa eine sinnenfällig beobachtete Tatsache.
[ 41 ] Der Geistesforscher muss durchaus, sehr verehrte Anwesende, auf den Gang der geistigen Entwicklung der Menschheit hinblicken, dann wird er gegenüber allem Widerspruch, der ihm nur selbstverständlich ist, wissen, dass sich heute schon zahlreiche Seelen sehnen nach einer tieferen Erkenntnis dessen, was da in uns lebt und was Geburt und Tod besiegt, was unser ewiger Wesenskern ist, dass das erforscht werden kann.
[ 41 ] Der Geistesforscher muss durchaus, sehr verehrte Anwesende, auf den Gang der geistigen Entwicklung der Menschheit hinblicken, dann wird er gegenüber allem Widerspruch, der ihm nur selbstverständlich ist, wissen, dass sich heute schon zahlreiche Seelen sehnen nach einer tieferen Erkenntnis dessen, was da in uns lebt und was Geburt und Tod besiegt, was unser ewiger Wesenskern ist, dass das erforscht werden kann.
[ 42 ] Nun könnte gesagt werden: Ja, dann kann nur der Geistesforscher etwas wissen von dem, dass es geistige Welten gibt außer der sinnlichen, dass der Mensch denselben angehört. Das ist nicht richtig. Gerade wie der Chemiker in seinem Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande bringt, die dann praktisch nutzbar gemacht werden, so bringt der Geistesforscher im geistigen Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande. Wie man nicht Chemiker zu sein braucht, um zu verwenden dasjenige, was die Chemie erzeugt, so braucht man nicht selber Geistesforscher zu sein, um in seiner Wahrheit zu erkennen dasjenige, was Geisteswissenschaft sei. Ich betone sehr ausdrücklich den Unterschied: Bei der Chemie kann man durch den praktischen Nutzen die Wahrheit feststellen; bei der Geistesforschung handelt es sich darum, dass der Geistesforscher dasjenige, was erforscht werden kann, nur auf geistesforscherischem Wege erforschen kann. Wenn es aber erforscht ist, kann jede Seele dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, auch einsehen. Wenn sie es nicht vermag, so ist es nur dadurch, dass sie sich selbst den Weg verlegt durch Vorurteile, die sie sich eben aus rein naturwissenschaftlichem Standpunkte gebildet hat durch Jahrhunderte. Wenn die Menschen diese vor ihnen vorgelagerten Vorurteile ablegen werden, werden sie — auch wenn sie keine Geistesforscher sind — aufnehmen können, was der Geistesforscher zu sagen hat, obwohl in einem gewissen Sinne bis zu einem gewissen Grade jeder heute Geistesforscher werden kann durch Beobachtung der Regeln, die Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden können; obwohl jeder heute wenigstens so weit Geistesforscher werden kann, dass er selbst durch seine innere Entwicklung einsehen kann, dass jedes Wort wahr ist von dem, was der Geistesforscher zu sagen hat.
[ 42 ] Nun könnte gesagt werden: Ja, dann kann nur der Geistesforscher etwas wissen von dem, dass es geistige Welten gibt außer der sinnlichen, dass der Mensch denselben angehört. Das ist nicht richtig. Gerade wie der Chemiker in seinem Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande bringt, die dann praktisch nutzbar gemacht werden, so bringt der Geistesforscher im geistigen Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande. Wie man nicht Chemiker zu sein braucht, um zu verwenden dasjenige, was die Chemie erzeugt, so braucht man nicht selber Geistesforscher zu sein, um in seiner Wahrheit zu erkennen dasjenige, was Geisteswissenschaft sei. Ich betone sehr ausdrücklich den Unterschied: Bei der Chemie kann man durch den praktischen Nutzen die Wahrheit feststellen; bei der Geistesforschung handelt es sich darum, dass der Geistesforscher dasjenige, was erforscht werden kann, nur auf geistesforscherischem Wege erforschen kann. Wenn es aber erforscht ist, kann jede Seele dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, auch einsehen. Wenn sie es nicht vermag, so ist es nur dadurch, dass sie sich selbst den Weg verlegt durch Vorurteile, die sie sich eben aus rein naturwissenschaftlichem Standpunkte gebildet hat durch Jahrhunderte. Wenn die Menschen diese vor ihnen vorgelagerten Vorurteile ablegen werden, werden sie — auch wenn sie keine Geistesforscher sind — aufnehmen können, was der Geistesforscher zu sagen hat, obwohl in einem gewissen Sinne bis zu einem gewissen Grade jeder heute Geistesforscher werden kann durch Beobachtung der Regeln, die Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden können; obwohl jeder heute wenigstens so weit Geistesforscher werden kann, dass er selbst durch seine innere Entwicklung einsehen kann, dass jedes Wort wahr ist von dem, was der Geistesforscher zu sagen hat.
[ 43 ] Neue Wahrheiten widersprechen immer alten Vorurteilen. Das Allerbegreiflichste ist, dass solche neuen Wahrheiten zunächst nur mit Gegnerschaft aufgenommen werden. Aber nun, wenn wir also anblicken dasjenige — ich konnte nur mit einigen Kohlestrichen sozusagen das Bild der Geistesforschung zeichnen; alles Weitere können Sie in Büchern, in unserer Literatur finden —, wenn wir auf dasjenige hinblicken, was der Geistesforscher da verkündet, was bringt denn das in das Leben des Menschen eigentlich hinein? Ich habe es ja schon öfter betont: Dasjenige was der Geistesforscher zunächst zustande bringt, ist Erkenntnis. Dadurch, dass ich dieses Zimmer anschaue, wird nichts daran geändert, das Zimmer wäre ohne mein Anschauen dasselbe. Dadurch dass der Geistesforscher erkennt, erzeugt er nicht den geistigen Wesenskern, der aus ewigen Elementen stammt. Der Geistesforscher tut nichts dazu als erkennen dasjenige, was im Seeleninnern ist, was nur unbewusst bleibt, was da unten rumort und webt und west. Wenn der Geistesforscher also aufsteigt, wie beschrieben, dann ist es ja für ihn so, dass er sich durchkämpfen muss erst durch das Gefühl der Vereinsamung und Ohnmacht. Und wie er sich fühlt, man kann es nur vergleichen, wie wenn aus einer Sonate ein einzelner Ton, der seine Bedeutung in der ganzen Sonate hat, sich verlöre. Wie dieser Ton sich fühlen müsste, da er seinen ganzen Daseinswert in der Sonate hat, so fühlt sich der Mensch, wenn er so durch die erste Übung in einsame Ohnmacht gekommen ist; er fühlt das Ewige, das in ihm ist, aber in Vereinsamung.
[ 43 ] Neue Wahrheiten widersprechen immer alten Vorurteilen. Das Allerbegreiflichste ist, dass solche neuen Wahrheiten zunächst nur mit Gegnerschaft aufgenommen werden. Aber nun, wenn wir also anblicken dasjenige — ich konnte nur mit einigen Kohlestrichen sozusagen das Bild der Geistesforschung zeichnen; alles Weitere können Sie in Büchern, in unserer Literatur finden —, wenn wir auf dasjenige hinblicken, was der Geistesforscher da verkündet, was bringt denn das in das Leben des Menschen eigentlich hinein? Ich habe es ja schon öfter betont: Dasjenige was der Geistesforscher zunächst zustande bringt, ist Erkenntnis. Dadurch, dass ich dieses Zimmer anschaue, wird nichts daran geändert, das Zimmer wäre ohne mein Anschauen dasselbe. Dadurch dass der Geistesforscher erkennt, erzeugt er nicht den geistigen Wesenskern, der aus ewigen Elementen stammt. Der Geistesforscher tut nichts dazu als erkennen dasjenige, was im Seeleninnern ist, was nur unbewusst bleibt, was da unten rumort und webt und west. Wenn der Geistesforscher also aufsteigt, wie beschrieben, dann ist es ja für ihn so, dass er sich durchkämpfen muss erst durch das Gefühl der Vereinsamung und Ohnmacht. Und wie er sich fühlt, man kann es nur vergleichen, wie wenn aus einer Sonate ein einzelner Ton, der seine Bedeutung in der ganzen Sonate hat, sich verlöre. Wie dieser Ton sich fühlen müsste, da er seinen ganzen Daseinswert in der Sonate hat, so fühlt sich der Mensch, wenn er so durch die erste Übung in einsame Ohnmacht gekommen ist; er fühlt das Ewige, das in ihm ist, aber in Vereinsamung.
[ 44 ] Und durch die andere Übung, wo der Mensch die innere Furcht überwindet, wo er vor sich selbst tritt, wo die Erkenntnis vor seine Seele tritt, dass er durch wiederholte Erdenleben hindurchgeht, tritt der Ton wiederum in die Sonate ein. In das tritt der Mensch da ein, was diejenigen, die von diesen Dingen etwas geahnt haben, die Sphärenmusik genannt haben. Die Sphärenmusik ist nicht eine philosophische Abstraktion, von der die Menschen träumen als Philosophen, sondern sie ist eine Realität, eine Wirklichkeit. Wenn man sie hört — als Menschenseele, ein Ton selbst ist in den anderen Tönen —, man hört nicht die Gesamtheit der Töne, sondern man ist ein Ton und erlebt sich in der Sphärenmusik darinnen. Aber bevor man dazu kommt, was geistige Wirklichkeit ist, was west und webt und wallt und wirkt, bevor man dazu aufsteigt, muss man zwischen der einen Empfindung [unterscheiden], wo man wie abschmelzen fühlt — während man selbst einsam wird —, dasjenige, was physisch-leiblich ist; und auf der anderen Seite fühlt man, wie einen Furcht durchdringt, wie dasjenige, was einen aus der Welt heraus, aus dem Universum heraus will, einem sich zeigt, man möchte sagen, wie nach Versteinerung, nach Petrifizierung strebend. Während nach der einen Seite man die geistige Welt wie in Vernichtung übergehen fühlt — es ist dies mit äußeren Worten nicht anders auszusprechen —, zum Weltenmeere fließend fühlt, fühlt man auf der andern Seite dasjenige, was also in einem erstarrt. Dieser Kampf aber, der geht auf dem Grunde der Seele immer vor sich. Und was gewinnt man, wenn einen Geisteswissenschaft aufmerksam macht auf dasjenige, was durch sie erkannt wird? Man weiß, dieses alltägliche Leben, in dem man denkt und fühlt und will, das verläuft so, wie wir es als Lebensgut haben, aber es könnte nicht verlaufen, wenn da unten nicht das wäre, was Ohnmacht und Furcht erzeugen würde, wenn es nicht gnadenvoll durch einen Schleier zugedeckt würde und erst durch die Geistesforschung aufgedeckt würde. Das aber empfindet man gegenüber den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft, die jahrhundertelang, als die Menschheit noch nicht vorbereitet war, verborgen blieben, aber doch nur einzelnen, wenigen zugänglich waren; das empfindet man gegenüber diesen geisteswissenschaftlichen Ergebnissen, die jetzt allmählich und gegen die Zukunft zu in die geistige Entwicklung der Menschheit eindringen müssen.
[ 44 ] Und durch die andere Übung, wo der Mensch die innere Furcht überwindet, wo er vor sich selbst tritt, wo die Erkenntnis vor seine Seele tritt, dass er durch wiederholte Erdenleben hindurchgeht, tritt der Ton wiederum in die Sonate ein. In das tritt der Mensch da ein, was diejenigen, die von diesen Dingen etwas geahnt haben, die Sphärenmusik genannt haben. Die Sphärenmusik ist nicht eine philosophische Abstraktion, von der die Menschen träumen als Philosophen, sondern sie ist eine Realität, eine Wirklichkeit. Wenn man sie hört — als Menschenseele, ein Ton selbst ist in den anderen Tönen —, man hört nicht die Gesamtheit der Töne, sondern man ist ein Ton und erlebt sich in der Sphärenmusik darinnen. Aber bevor man dazu kommt, was geistige Wirklichkeit ist, was west und webt und wallt und wirkt, bevor man dazu aufsteigt, muss man zwischen der einen Empfindung [unterscheiden], wo man wie abschmelzen fühlt — während man selbst einsam wird —, dasjenige, was physisch-leiblich ist; und auf der anderen Seite fühlt man, wie einen Furcht durchdringt, wie dasjenige, was einen aus der Welt heraus, aus dem Universum heraus will, einem sich zeigt, man möchte sagen, wie nach Versteinerung, nach Petrifizierung strebend. Während nach der einen Seite man die geistige Welt wie in Vernichtung übergehen fühlt — es ist dies mit äußeren Worten nicht anders auszusprechen —, zum Weltenmeere fließend fühlt, fühlt man auf der andern Seite dasjenige, was also in einem erstarrt. Dieser Kampf aber, der geht auf dem Grunde der Seele immer vor sich. Und was gewinnt man, wenn einen Geisteswissenschaft aufmerksam macht auf dasjenige, was durch sie erkannt wird? Man weiß, dieses alltägliche Leben, in dem man denkt und fühlt und will, das verläuft so, wie wir es als Lebensgut haben, aber es könnte nicht verlaufen, wenn da unten nicht das wäre, was Ohnmacht und Furcht erzeugen würde, wenn es nicht gnadenvoll durch einen Schleier zugedeckt würde und erst durch die Geistesforschung aufgedeckt würde. Das aber empfindet man gegenüber den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft, die jahrhundertelang, als die Menschheit noch nicht vorbereitet war, verborgen blieben, aber doch nur einzelnen, wenigen zugänglich waren; das empfindet man gegenüber diesen geisteswissenschaftlichen Ergebnissen, die jetzt allmählich und gegen die Zukunft zu in die geistige Entwicklung der Menschheit eindringen müssen.
[ 45 ] Dadurch, dass diese geisteswissenschaftlichen Ergebnisse eindringen, wird klar, was da unten auf dem Grunde der Seele ist, was für ein Kampf sich abspielt — Kämpfe in Furcht und Ohnmacht —, und wie dieses alltägliche Leben nur durch einen Sieg [über] unterbewusste Mächte erlangt werden kann. Dadurch aber fühlt man sich als Mensch in der Welt, auf dem Untergrund eines Systems von einander widerstrebenden Mächten, gegen die Sieger wird dasjenige, was Mensch ist, wenn es auch nur im alltäglichen Bewusstsein sich auslebt. Das aber bringt uns Stärkung, Seelenstärkung, dass wir wissen: Das Leben ist ein Sieg; auf dem Grunde unserer Seele kämpfen übersinnliche Mächte gegeneinander, um im gegenseitigen Spiel ihrer Kräfte das zustande zu bringen, was wir im alltäglichen Leben sind. Es ist ein großer Sieg, dasjenige, was uns das Alleralltäglichste ist; es ist die Frucht von Siegen, vom Spiel widerstrebender Kräfte und Mächte, übersinnlicher Kräfte und Mächte, welche immerzu zu kämpfen haben auf dem Grunde unserer Seele. Seelenstärkung, Festigkeit der Seele, inneren Mut werden die Ergebnisse der Geisteswissenschaft eingießen können den menschlichen Seelen.
[ 45 ] Dadurch, dass diese geisteswissenschaftlichen Ergebnisse eindringen, wird klar, was da unten auf dem Grunde der Seele ist, was für ein Kampf sich abspielt — Kämpfe in Furcht und Ohnmacht —, und wie dieses alltägliche Leben nur durch einen Sieg [über] unterbewusste Mächte erlangt werden kann. Dadurch aber fühlt man sich als Mensch in der Welt, auf dem Untergrund eines Systems von einander widerstrebenden Mächten, gegen die Sieger wird dasjenige, was Mensch ist, wenn es auch nur im alltäglichen Bewusstsein sich auslebt. Das aber bringt uns Stärkung, Seelenstärkung, dass wir wissen: Das Leben ist ein Sieg; auf dem Grunde unserer Seele kämpfen übersinnliche Mächte gegeneinander, um im gegenseitigen Spiel ihrer Kräfte das zustande zu bringen, was wir im alltäglichen Leben sind. Es ist ein großer Sieg, dasjenige, was uns das Alleralltäglichste ist; es ist die Frucht von Siegen, vom Spiel widerstrebender Kräfte und Mächte, übersinnlicher Kräfte und Mächte, welche immerzu zu kämpfen haben auf dem Grunde unserer Seele. Seelenstärkung, Festigkeit der Seele, inneren Mut werden die Ergebnisse der Geisteswissenschaft eingießen können den menschlichen Seelen.
[ 46 ] Und wenn ich also das eigentliche geisteswissenschaftliche Gebiet nach Wegen und Inhalt charakterisiert habe, so wird es in unserer schicksalstragenden Zeit, wenn auch nicht äußerlich verstandesgemäß, so doch empfindungsgemäß richtig erscheinen können, wenn ich mit ein paar Worten noch hinweise, wie diese seelenstärkenden Kräfte eine gewisse Bedeutung haben müssen in unserer schicksalstragenden Zeit, leben wir doch heute darinnen auch äußerlich in Kämpfen und widerstrebenden Kräften, in Kämpfen in der äußeren, geschichtlichen Welt so darinnen, dass wir in ihnen wirklich wahrnehmen können ein äußeres physisches Abbild von demjenigen, was wir eben haben so charakterisieren können, dass wir sagen können: Es wird entdeckt, im Unterbewusstsein der Seele kämpfend, von der Geisteswissenschaft. Das gewöhnliche alltägliche Leben baut sich auf als Lebensgut auf einander widerstrebenden Mächten. Weiß man, dass das einzelne Menschenleben ein Sieg ist über einander widerstrebende Mächte, dann bekommt man gerade in einer solchen Zeit, wie die heutige ist, Mut und Zuversicht, dass die Kämpfe, in denen wir drinnenstehen, dass sie sich vergleichen lassen mit demjenigen, was auf dem Grunde einer jeden Menschenseele vorgeht. Und wie als Frucht desjenigen erscheint, was da auf dem Grunde der Seele als Kampf vorgeht, wie als ein Sieg erscheint das alleralltäglichste Leben, so können wir den Blick hinwenden auf dasjenige, was als Wirkung, als Frucht hervorgehen wird aus den Kämpfen der Mächte, die in der äußeren Welt uns entgegentreten.
[ 46 ] Und wenn ich also das eigentliche geisteswissenschaftliche Gebiet nach Wegen und Inhalt charakterisiert habe, so wird es in unserer schicksalstragenden Zeit, wenn auch nicht äußerlich verstandesgemäß, so doch empfindungsgemäß richtig erscheinen können, wenn ich mit ein paar Worten noch hinweise, wie diese seelenstärkenden Kräfte eine gewisse Bedeutung haben müssen in unserer schicksalstragenden Zeit, leben wir doch heute darinnen auch äußerlich in Kämpfen und widerstrebenden Kräften, in Kämpfen in der äußeren, geschichtlichen Welt so darinnen, dass wir in ihnen wirklich wahrnehmen können ein äußeres physisches Abbild von demjenigen, was wir eben haben so charakterisieren können, dass wir sagen können: Es wird entdeckt, im Unterbewusstsein der Seele kämpfend, von der Geisteswissenschaft. Das gewöhnliche alltägliche Leben baut sich auf als Lebensgut auf einander widerstrebenden Mächten. Weiß man, dass das einzelne Menschenleben ein Sieg ist über einander widerstrebende Mächte, dann bekommt man gerade in einer solchen Zeit, wie die heutige ist, Mut und Zuversicht, dass die Kämpfe, in denen wir drinnenstehen, dass sie sich vergleichen lassen mit demjenigen, was auf dem Grunde einer jeden Menschenseele vorgeht. Und wie als Frucht desjenigen erscheint, was da auf dem Grunde der Seele als Kampf vorgeht, wie als ein Sieg erscheint das alleralltäglichste Leben, so können wir den Blick hinwenden auf dasjenige, was als Wirkung, als Frucht hervorgehen wird aus den Kämpfen der Mächte, die in der äußeren Welt uns entgegentreten.
[ 47 ] Geisteswissenschaft ist auch in einem andern Sinne im Grunde genommen nur eine Fortsetzerin der Naturwissenschaft. Goethe war es, der sich auflehnte gegen die Zweckmäßigkeitstheorie, gegen dasjenige, was man eine ursächliche Theorie nennen kann. Goethe war es, der betonte, dass man erst zu einer wahren Wissenschaft kommen werde, wenn man nicht mehr die Natur nur nach Zweckmäßigkeitsgründen anschauen werde, wenn man nicht mehr fragt: Warum hat der Ochs Hörner? — damit er stoßen kann! —, sondern dass der Ochse eben stößt, weil er Hörner hat. Goethe sagte: Dieses ursächliche Denken dringt immer mehr ein in das naturwissenschaftliche Weltbild. Geisteswissenschaft führt gerade zu den geistigen Ursachen. Sie setzt also das ursächliche Denken noch weiter fort zu den Ursachen, welche der äußeren Beobachtung unzugänglich sind.
[ 47 ] Geisteswissenschaft ist auch in einem andern Sinne im Grunde genommen nur eine Fortsetzerin der Naturwissenschaft. Goethe war es, der sich auflehnte gegen die Zweckmäßigkeitstheorie, gegen dasjenige, was man eine ursächliche Theorie nennen kann. Goethe war es, der betonte, dass man erst zu einer wahren Wissenschaft kommen werde, wenn man nicht mehr die Natur nur nach Zweckmäßigkeitsgründen anschauen werde, wenn man nicht mehr fragt: Warum hat der Ochs Hörner? — damit er stoßen kann! —, sondern dass der Ochse eben stößt, weil er Hörner hat. Goethe sagte: Dieses ursächliche Denken dringt immer mehr ein in das naturwissenschaftliche Weltbild. Geisteswissenschaft führt gerade zu den geistigen Ursachen. Sie setzt also das ursächliche Denken noch weiter fort zu den Ursachen, welche der äußeren Beobachtung unzugänglich sind.
[ 48 ] Wenn von gewissen Seiten her, oft sogar in verleumderischer Weise, oftmals auch in gut gemeinter Weise, die Meinung auftritt, Geisteswissenschaft sei geeignet, alle religiösen Gefühle auszutreiben, so muss man sagen: Der Geistesforscher hat doch von dem, was Religion ist, eine höhere Meinung als derjenige, der glaubt, dass Geisteswissenschaft eine Religion irgendwie zerstören könne. Die Religion ist nicht zerstört worden durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung für denjenigen, der die Dinge durchschauen kann. Dasjenige, was Religion ist, es ist so stark für denjenigen, der es durchschaut, dass keine Wissenschaft es zerstören kann. Während allerdings durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung mancher, der sich als Freigeist fühlt, weil er die Wissenschaft nur ein Viertel oder ein Achtel durchschaut, entfremdet worden ist der Religion, werden die Menschen durch geisteswissenschaftliche Vertiefung zur Religion wieder hingeführt werden, weil sie ja durch Geisteswissenschaft die wirkliche geistige Welt kennenlernen und weil sie wissen lernen, dass ihre Seelen damit zusammenhängen. Das wird die Gefühle der Menschen so vertiefen, dass die Menschen in einem immer höheren Grade, selbst wenn sie schon entfremdet waren der Religion, zurückkehren werden zur Religion.
[ 48 ] Wenn von gewissen Seiten her, oft sogar in verleumderischer Weise, oftmals auch in gut gemeinter Weise, die Meinung auftritt, Geisteswissenschaft sei geeignet, alle religiösen Gefühle auszutreiben, so muss man sagen: Der Geistesforscher hat doch von dem, was Religion ist, eine höhere Meinung als derjenige, der glaubt, dass Geisteswissenschaft eine Religion irgendwie zerstören könne. Die Religion ist nicht zerstört worden durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung für denjenigen, der die Dinge durchschauen kann. Dasjenige, was Religion ist, es ist so stark für denjenigen, der es durchschaut, dass keine Wissenschaft es zerstören kann. Während allerdings durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung mancher, der sich als Freigeist fühlt, weil er die Wissenschaft nur ein Viertel oder ein Achtel durchschaut, entfremdet worden ist der Religion, werden die Menschen durch geisteswissenschaftliche Vertiefung zur Religion wieder hingeführt werden, weil sie ja durch Geisteswissenschaft die wirkliche geistige Welt kennenlernen und weil sie wissen lernen, dass ihre Seelen damit zusammenhängen. Das wird die Gefühle der Menschen so vertiefen, dass die Menschen in einem immer höheren Grade, selbst wenn sie schon entfremdet waren der Religion, zurückkehren werden zur Religion.
[ 49 ] Das andere, was wichtig ist, das ist, dass die Geisteswissenschaft mit Bezug auf dasjenige, was geschichtlich sich abspielt, was um uns ist, hinführen wird zu den Wirkungen, zu dem, was sich ausleben soll. Bei demjenigen, was da ist — nicht, was wir sind —, blicken wir hin nach den Ursachen. Wenn aber in der Geschichte die Tatsachen uns entgegentreten — man kann es nicht beweisen, man kann es nur erleben, dass solche Empfindungen aus der Geisteswissenschaft hervorgehen —, [ist es wichtig], dass man die Tatsachen so auffasst, dass wir vor allen Dingen auf die Wirkungen schauen. Wie aber ist die heutige Diskussion unter dem Einfluss der materialistischen Weltanschauung? Wie erstreckt sie sich darüber, wer unter den Völkern den Krieg gewollt oder nicht gewollt hat, wer verursacht hat dieses oder jenes? Die geisteswissenschaftliche Betrachtung führt, wie sie sonst zu den wahren Ursachen führt, gerade zu den Wirkungen. Man sieht hin auf dasjenige, was in widerstrebenden Mächten durch Blut- und Lebensopfer errungen werden muss. Man sieht hin, wie man auf das unterbewusste Seelenleben hinsieht; wie sich daraus entwickelt das bewusste Seelenleben, so sieht man hin auf dasjenige, was in unserer Zeit uns umgibt, schmerzbewegend, aber hoffnungsreich uns umgibt, und auf dasjenige, was als Wirkung hervorgehen kann.
[ 49 ] Das andere, was wichtig ist, das ist, dass die Geisteswissenschaft mit Bezug auf dasjenige, was geschichtlich sich abspielt, was um uns ist, hinführen wird zu den Wirkungen, zu dem, was sich ausleben soll. Bei demjenigen, was da ist — nicht, was wir sind —, blicken wir hin nach den Ursachen. Wenn aber in der Geschichte die Tatsachen uns entgegentreten — man kann es nicht beweisen, man kann es nur erleben, dass solche Empfindungen aus der Geisteswissenschaft hervorgehen —, [ist es wichtig], dass man die Tatsachen so auffasst, dass wir vor allen Dingen auf die Wirkungen schauen. Wie aber ist die heutige Diskussion unter dem Einfluss der materialistischen Weltanschauung? Wie erstreckt sie sich darüber, wer unter den Völkern den Krieg gewollt oder nicht gewollt hat, wer verursacht hat dieses oder jenes? Die geisteswissenschaftliche Betrachtung führt, wie sie sonst zu den wahren Ursachen führt, gerade zu den Wirkungen. Man sieht hin auf dasjenige, was in widerstrebenden Mächten durch Blut- und Lebensopfer errungen werden muss. Man sieht hin, wie man auf das unterbewusste Seelenleben hinsieht; wie sich daraus entwickelt das bewusste Seelenleben, so sieht man hin auf dasjenige, was in unserer Zeit uns umgibt, schmerzbewegend, aber hoffnungsreich uns umgibt, und auf dasjenige, was als Wirkung hervorgehen kann.
[ 50 ] Und jeder muss da feststehen auf dem Boden, auf den das Schicksal ihn hingestellt hat. Wir stehen in der mitteleuropäischen Kultur. Uns hat das Schicksal hingestellt auf diesen Boden der mitteleuropäischen Kultur. Da wird jedem, der diese mitteleuropäische Kultur kennt, auch demjenigen, der einmal das Walten und Weben des Geistes erkannt hat, das aufgehen, dass sie selbst ist wie der Leib eines in ihm wirkenden Geistig-Seelischen. Vieles könnte ich nun anführen, was sich in dieser unserer Zeit als das eigentlich charakteristische Seelisch-Geistige der mitteleuropäischen Kultur ausnimmt. Nur ein Beispiel will ich anführen, aber ich möchte, dass wir dessen eingedenk sind, dass, wie die Hand nicht gedacht werden kann, ohne dass sie in Verbindung gedacht wird mit demjenigen, was der Mensch denkt und empfindet, so nicht gedacht werden kann dasjenige, was heute im Osten und im Westen mitteleuropäische Söhne in Blut und Opfern vollbringen, mutig vollbringen, was mit Blut und Leben erkämpft wird, nicht anders kann es gedacht werden als im Zusammenhang mit dem gesamten mitteleuropäischen Geistesleben, mit dem, was die besten Zeiten dieses Geisteslebens als die Blüten dieses Geisteslebens hervorgebracht haben.
[ 50 ] Und jeder muss da feststehen auf dem Boden, auf den das Schicksal ihn hingestellt hat. Wir stehen in der mitteleuropäischen Kultur. Uns hat das Schicksal hingestellt auf diesen Boden der mitteleuropäischen Kultur. Da wird jedem, der diese mitteleuropäische Kultur kennt, auch demjenigen, der einmal das Walten und Weben des Geistes erkannt hat, das aufgehen, dass sie selbst ist wie der Leib eines in ihm wirkenden Geistig-Seelischen. Vieles könnte ich nun anführen, was sich in dieser unserer Zeit als das eigentlich charakteristische Seelisch-Geistige der mitteleuropäischen Kultur ausnimmt. Nur ein Beispiel will ich anführen, aber ich möchte, dass wir dessen eingedenk sind, dass, wie die Hand nicht gedacht werden kann, ohne dass sie in Verbindung gedacht wird mit demjenigen, was der Mensch denkt und empfindet, so nicht gedacht werden kann dasjenige, was heute im Osten und im Westen mitteleuropäische Söhne in Blut und Opfern vollbringen, mutig vollbringen, was mit Blut und Leben erkämpft wird, nicht anders kann es gedacht werden als im Zusammenhang mit dem gesamten mitteleuropäischen Geistesleben, mit dem, was die besten Zeiten dieses Geisteslebens als die Blüten dieses Geisteslebens hervorgebracht haben.
[ 51 ] Wie beim Menschen dasjenige, was seine Seele hervorgebracht hat, zusammenhängt mit seiner Hand, so steht dasjenige was Goethe, Schiller, Lessing, Hegel hervorgebracht haben, im innigen Zusammenhang mit dem, was die Krieger im Osten und im Westen für mitteleuropäisches Wesen zu vollbringen haben. Eins ist das. Aber die Dinge erkennt man an ihren Früchten. Deshalb wollen wir eine — ich will nicht einmal sagen, eine Frucht, sondern eine Seite der Früchte dieses mitteleuropäischen Geisteslebens hervorheben, um zu sehen, ob es etwas besonders Charakteristisches hat, was den anderen nicht eigen ist, die wie in einer mächtigen Festung heute dieses mitteleuropäische Geistesleben einschließen. Da müssen wir aber in Konkretes eingehen.
[ 51 ] Wie beim Menschen dasjenige, was seine Seele hervorgebracht hat, zusammenhängt mit seiner Hand, so steht dasjenige was Goethe, Schiller, Lessing, Hegel hervorgebracht haben, im innigen Zusammenhang mit dem, was die Krieger im Osten und im Westen für mitteleuropäisches Wesen zu vollbringen haben. Eins ist das. Aber die Dinge erkennt man an ihren Früchten. Deshalb wollen wir eine — ich will nicht einmal sagen, eine Frucht, sondern eine Seite der Früchte dieses mitteleuropäischen Geisteslebens hervorheben, um zu sehen, ob es etwas besonders Charakteristisches hat, was den anderen nicht eigen ist, die wie in einer mächtigen Festung heute dieses mitteleuropäische Geistesleben einschließen. Da müssen wir aber in Konkretes eingehen.
[ 52 ] Es war etwas wirklich Gewaltiges, als Goethe, dieser Repräsentant des deutschen, mitteleuropäischen Geisteslebens, dieser Geist, der geradezu mit dem deutschen Volksgeist in den höchsten Momenten seines Schaffens intime Zwiesprache halten konnte und hervorbrachte, was der deutsche Volksgeist durch die Ewigkeiten raunt, als er hinschrieb die Worte, mit denen sein «Faust» beginnt, jene Worte, die schon in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts hingeschrieben wurden als sein eigenes Bekenntnis, das er Faust in den Mund legte. Goethe hat sich umgesehen in allem, was die Sinnenwelt und die Wissenschaft geben kann. Er sehnte sich nach dem, was über alle Sinnenwelt hinausliegt, das er in den heute schon fast trivial gewordenen Worten ausspricht, aber in Worten, die, wenn sie in aller elementarer Gewalt empfunden werden, als etwas ganz Gewaltiges im individuellen Menschenerleben erscheinen:
[ 52 ] Es war etwas wirklich Gewaltiges, als Goethe, dieser Repräsentant des deutschen, mitteleuropäischen Geisteslebens, dieser Geist, der geradezu mit dem deutschen Volksgeist in den höchsten Momenten seines Schaffens intime Zwiesprache halten konnte und hervorbrachte, was der deutsche Volksgeist durch die Ewigkeiten raunt, als er hinschrieb die Worte, mit denen sein «Faust» beginnt, jene Worte, die schon in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts hingeschrieben wurden als sein eigenes Bekenntnis, das er Faust in den Mund legte. Goethe hat sich umgesehen in allem, was die Sinnenwelt und die Wissenschaft geben kann. Er sehnte sich nach dem, was über alle Sinnenwelt hinausliegt, das er in den heute schon fast trivial gewordenen Worten ausspricht, aber in Worten, die, wenn sie in aller elementarer Gewalt empfunden werden, als etwas ganz Gewaltiges im individuellen Menschenerleben erscheinen:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
[ 53 ] So steht Faust da, nach Goethes Empfindung, in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts.
[ 53 ] So steht Faust da, nach Goethes Empfindung, in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts.
[ 54 ] Dann kam über das deutsche, mitteleuropäische Geistesleben jene große Zeit, welche nicht nur durch große Musiker, große Künstler auf anderen Gebieten, sondern auch durch große idealistische Philosophen des deutschen Lebens charakterisiert ist. Jene Philosophen, ein Fichte, ein Schelling, ein Hegel, man braucht nicht inhaltlich einverstanden zu sein mit ihren Werken, man braucht nur hinzublicken darauf, wie sie versuchten, sich den ewigen Wahrheiten zu nähern, so wird man einen Einblick gewinnen in das große, gewaltige Wort Fichtes: Was für ein Philosoph man ist, das hängt davon ab, was für ein Mensch man ist. — Den ganzen Menschen wollte er in Verbindung bringen mit dem, was als Wahrheit aus dem Menschen herausblüht. Daher konnte er seinerseits wiederum die Worte ablauschen dem deutschen Volksgeiste, jene tiefen, aber auch eindringlich-innerlichen Worte, die er gesprochen hat in Deutschlands schmerzbewegter Zeit in seinen «Reden an die deutsche Nation», die so Großes gewirkt haben. Was er lebte, dachte und philosophisch erstrebte, es war bei ihm so eins, dass, als er erkrankte — seine Frau brachte ihm aus dem Krankenhaus, in dem sie kranke Krieger pflegte, eine Krankheit nach Hause, die sich auf ihn übertrug —, als er am Fieber erkrankte und dem Tode entgegenging, da, in den letzten Stunden — sein Sohn stand neben ihm, er erzählt uns, dass selbst in den Fieberträumen dieser deutscheste der Philosophen, dieser Weltphilosoph zugleich — das miterlebte, dass sein Miterleben so groß war, das Miterleben dessen, was dazumal in Mitteleuropa erlebt wurde, als er schon fieberte, in den Träumen, in den Fieberträumen, fühlte sich Fichte drinnen in dem Heere bei Blüchers Rheinübergang; und er lebte da ganz drinnen, er, der Philosoph, der im nüchternsten, abgezogensten, im kristallklarsten Denken strebte sein ganzes Leben hindurch. Bis in die Fieberträume hinein geht sein Miterleben mit dem Erleben seines Volkes. Das ist ein Mensch aus einem Guss.
[ 54 ] Dann kam über das deutsche, mitteleuropäische Geistesleben jene große Zeit, welche nicht nur durch große Musiker, große Künstler auf anderen Gebieten, sondern auch durch große idealistische Philosophen des deutschen Lebens charakterisiert ist. Jene Philosophen, ein Fichte, ein Schelling, ein Hegel, man braucht nicht inhaltlich einverstanden zu sein mit ihren Werken, man braucht nur hinzublicken darauf, wie sie versuchten, sich den ewigen Wahrheiten zu nähern, so wird man einen Einblick gewinnen in das große, gewaltige Wort Fichtes: Was für ein Philosoph man ist, das hängt davon ab, was für ein Mensch man ist. — Den ganzen Menschen wollte er in Verbindung bringen mit dem, was als Wahrheit aus dem Menschen herausblüht. Daher konnte er seinerseits wiederum die Worte ablauschen dem deutschen Volksgeiste, jene tiefen, aber auch eindringlich-innerlichen Worte, die er gesprochen hat in Deutschlands schmerzbewegter Zeit in seinen «Reden an die deutsche Nation», die so Großes gewirkt haben. Was er lebte, dachte und philosophisch erstrebte, es war bei ihm so eins, dass, als er erkrankte — seine Frau brachte ihm aus dem Krankenhaus, in dem sie kranke Krieger pflegte, eine Krankheit nach Hause, die sich auf ihn übertrug —, als er am Fieber erkrankte und dem Tode entgegenging, da, in den letzten Stunden — sein Sohn stand neben ihm, er erzählt uns, dass selbst in den Fieberträumen dieser deutscheste der Philosophen, dieser Weltphilosoph zugleich — das miterlebte, dass sein Miterleben so groß war, das Miterleben dessen, was dazumal in Mitteleuropa erlebt wurde, als er schon fieberte, in den Träumen, in den Fieberträumen, fühlte sich Fichte drinnen in dem Heere bei Blüchers Rheinübergang; und er lebte da ganz drinnen, er, der Philosoph, der im nüchternsten, abgezogensten, im kristallklarsten Denken strebte sein ganzes Leben hindurch. Bis in die Fieberträume hinein geht sein Miterleben mit dem Erleben seines Volkes. Das ist ein Mensch aus einem Guss.
[ 55 ] So wie mitteleuropäische Philosophen strebten — über den Inhalt mag man denken, wie man will —, als Streben, als Ausdruck des Menschentums sehe man dieses Streben an. Dann wiederum sehe man an das wunderbar künstlerische Weltgebäude, das Schelling aufgerichtet hat, man sehe an Hegels großartig logisches Bild des Universums — wie sind sie alle durch die erste Hälfte des neuen Jahrhunderts [gegangen], diese großen Philosophen-Gestalten, was ist da alles hereingekommen in die Welt! Und nun nehmen wir an, Goethe hätte im Jahre 1840 noch gelebt und noch einmal den Anfang seines «Faust» geschrieben. Die großen Philosophen haben gelebt. Fichte hat ein «Naturrecht» geschrieben, Hegel hat ein «Naturrecht» geschrieben, sie haben die Juristerei erneuert, Schelling hat über Medizin geschrieben, Theologen wollten sie alle sein — sie haben vieles hinzugebracht zu dem, was vorher da war und von dem Goethe sagte:
[ 55 ] So wie mitteleuropäische Philosophen strebten — über den Inhalt mag man denken, wie man will —, als Streben, als Ausdruck des Menschentums sehe man dieses Streben an. Dann wiederum sehe man an das wunderbar künstlerische Weltgebäude, das Schelling aufgerichtet hat, man sehe an Hegels großartig logisches Bild des Universums — wie sind sie alle durch die erste Hälfte des neuen Jahrhunderts [gegangen], diese großen Philosophen-Gestalten, was ist da alles hereingekommen in die Welt! Und nun nehmen wir an, Goethe hätte im Jahre 1840 noch gelebt und noch einmal den Anfang seines «Faust» geschrieben. Die großen Philosophen haben gelebt. Fichte hat ein «Naturrecht» geschrieben, Hegel hat ein «Naturrecht» geschrieben, sie haben die Juristerei erneuert, Schelling hat über Medizin geschrieben, Theologen wollten sie alle sein — sie haben vieles hinzugebracht zu dem, was vorher da war und von dem Goethe sagte:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
[ 56 ] Ungeheures ist eingeflossen durch sie in das deutsche Geistesleben. Können Sie deshalb glauben, dass, wenn Goethe seinen Faust 1840 begonnen hätte, dass er begonnen hätte:
[ 56 ] Ungeheures ist eingeflossen durch sie in das deutsche Geistesleben. Können Sie deshalb glauben, dass, wenn Goethe seinen Faust 1840 begonnen hätte, dass er begonnen hätte:
Habe nun, Gott sei Dank, bei Fichte Philosophie,
bei Schelling, Hegel Naturrecht
und Juristerei und auch Medizin studiert.
Da steh ich nun, ich weiser Mann,
und bin klüger als je zuvor?
Habe nun, Gott sei Dank, bei Fichte Philosophie,
bei Schelling, Hegel Naturrecht
und Juristerei und auch Medizin studiert.
Da steh ich nun, ich weiser Mann,
und bin klüger als je zuvor?
[ 57 ] Niemals würde Goethe dieses als Beginn des «Faust» geschrieben haben, sondern wiederum hätte er seinen Faust begonnen:
[ 57 ] Niemals würde Goethe dieses als Beginn des «Faust» geschrieben haben, sondern wiederum hätte er seinen Faust begonnen:
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
[ 58 ] Das aber ist das Bedeutsame, das repräsentativ ausdrückt, wie gerade im mitteleuropäischen Geistesleben da ist ein gewisses Streben, ein ewiges Streben; und sobald man fertig ist mit einem Streben, steht man wiederum da, um weiter zu streben. So steht man in dem, was man als eigenes Volkstum erfasst. Während man Italiener, Brite, Franzose ist dadurch, dass man in dieses Volkstum hineingeboren ist, muss man als Deutscher, als Mitteleuropäer entdecken, was die Nationalität ist, was das innerste Wesen des Volkstums ist.
[ 58 ] Das aber ist das Bedeutsame, das repräsentativ ausdrückt, wie gerade im mitteleuropäischen Geistesleben da ist ein gewisses Streben, ein ewiges Streben; und sobald man fertig ist mit einem Streben, steht man wiederum da, um weiter zu streben. So steht man in dem, was man als eigenes Volkstum erfasst. Während man Italiener, Brite, Franzose ist dadurch, dass man in dieses Volkstum hineingeboren ist, muss man als Deutscher, als Mitteleuropäer entdecken, was die Nationalität ist, was das innerste Wesen des Volkstums ist.
Was man ererbt von seinen Vätern hat,
man muss es stets erobern, um es zu besitzen.
Was man ererbt von seinen Vätern hat,
man muss es stets erobern, um es zu besitzen.
[ 59 ] Und erobern auch als Volkheit musste gerade Mitteleuropa dasjenige, was — verzeihen Sie, wenn ich wiederum etwas Persönliches vorbringe, das möchte ich sagen: Ich darf vielleicht mir ein Empfindungsurteil in bescheidener Weise über etwas zuschreiben, was wichtig ist für dieses Schmieden des mitteleuropäischen Volkstums. Ich habe die Hälfte meines Lebens, ungefähr von den Sechzigerjahren bis Achtzigerjahren in meinem österreichischen Vaterlande gelebt, die andere Hälfte in Deutschland. Ich war noch in jenem Österreich, in dem alles das, was draußen in Deutschland war, als Wirkung von 1866 gehasst war. Und jetzt erlebt man jenes Zusammengehen, jenes Zusammengeschmiedersein zu einer großen mitteleuropäischen, zu einer Welt-Kulturtat, erobert gegen widerstrebende Kräfte ist das auch geworden. Und wenn man hinschaut auf dasjenige, was dieses Mitteleuropa, und darin eingeschlossen alle anderen Nationalitäten, die dieser großen Festung angehören, was es in sich birgt, so muss man eben sich daran erinnern, dass es so ist wie die Seele des Menschen, die durch ihre Arbeit sich erobert, dass es dadurch gerade verwandt ist mit dem, was geisteswissenschaftliches Streben ist. Dieses muss die Seele über sich hinausführen. Aber mitteleuropäisches Streben ist auf diesem Wege, geisteswissenschaftliches Streben zu werden. Daher darf man sich vorstellen, dass dasjenige, was einmal war, in Zukunft als Blüte des mitteleuropäischen Wesens hervorgehen wird, dass das seine Keime hat in dem, was mitteleuropäisches Volkstum birgt und was sich großartig im «Faust» darstellt. Das Verwobensein mit dem Universum, das Sichempfinden im Universum, das Durch-die-Furcht-Durchgehen, das ich charakterisiert habe, wenn man stehen will vor dem Ewigen — wie schön hat es Goethe charakterisiert, als er in reiferen Jahren schrieb:
[ 59 ] Und erobern auch als Volkheit musste gerade Mitteleuropa dasjenige, was — verzeihen Sie, wenn ich wiederum etwas Persönliches vorbringe, das möchte ich sagen: Ich darf vielleicht mir ein Empfindungsurteil in bescheidener Weise über etwas zuschreiben, was wichtig ist für dieses Schmieden des mitteleuropäischen Volkstums. Ich habe die Hälfte meines Lebens, ungefähr von den Sechzigerjahren bis Achtzigerjahren in meinem österreichischen Vaterlande gelebt, die andere Hälfte in Deutschland. Ich war noch in jenem Österreich, in dem alles das, was draußen in Deutschland war, als Wirkung von 1866 gehasst war. Und jetzt erlebt man jenes Zusammengehen, jenes Zusammengeschmiedersein zu einer großen mitteleuropäischen, zu einer Welt-Kulturtat, erobert gegen widerstrebende Kräfte ist das auch geworden. Und wenn man hinschaut auf dasjenige, was dieses Mitteleuropa, und darin eingeschlossen alle anderen Nationalitäten, die dieser großen Festung angehören, was es in sich birgt, so muss man eben sich daran erinnern, dass es so ist wie die Seele des Menschen, die durch ihre Arbeit sich erobert, dass es dadurch gerade verwandt ist mit dem, was geisteswissenschaftliches Streben ist. Dieses muss die Seele über sich hinausführen. Aber mitteleuropäisches Streben ist auf diesem Wege, geisteswissenschaftliches Streben zu werden. Daher darf man sich vorstellen, dass dasjenige, was einmal war, in Zukunft als Blüte des mitteleuropäischen Wesens hervorgehen wird, dass das seine Keime hat in dem, was mitteleuropäisches Volkstum birgt und was sich großartig im «Faust» darstellt. Das Verwobensein mit dem Universum, das Sichempfinden im Universum, das Durch-die-Furcht-Durchgehen, das ich charakterisiert habe, wenn man stehen will vor dem Ewigen — wie schön hat es Goethe charakterisiert, als er in reiferen Jahren schrieb:
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
[ 60 ] Das innige Verwobensein desjenigen, was der Mensch ist, mit demjenigen, was draußen ist — wo überall in den zugrunde liegenden Wesenheiten die Brüder, das heißt Seelenwesen sind, wie Geist-Seelen-Wesen der Mensch selbst ist —, das liegt schon in dem, was Goethe, was die anderen Genies dichterisch begründet haben. So, wie aus dem Keim der Pflanze der Stamm und die Blätter, die Blüten und die Früchte sich entwickeln, so muss sich entwickeln aus dem, was keimhaft angelegt ist, die höchste geistige Frucht in der mitteleuropäischen Kultur. Wer in Geistiges sich einlebt, der kann erkennen, nicht aus äußeren, aus inneren Gründen, welche Lebensfähigkeit in dem Zum-Geiste-Hinstreben der mitteleuropäischen Kultur lebt. Dann, wenn man so diese mitteleuropäische Kultur in ihrem Zum-Spiritualismus-Hinstreben — nicht zum Idealismus, zum Spiritualismus —, schaut, dann sagt man sich: Es gibt Gründe, die uns zuversichtlich machen, die uns aus den Empfindungen der Geisteswissenschaft heraus den gegenwärtigen harten Kampf anschauen lassen, dass wir uns sagen: Wie das einzelne Menschenleben sich aufbaut auf Kampf und Krieg widerstreitender Mächte — Krieg und Kampf sehen wir im Unterbewussten, auf denen sich aufbaut, was wir an Lebensgut haben —, so stehen wir im Kampf und Krieg drinnen; aber dasjenige, was geschichtliches Lebensgut ist, was Kulturgut ist, es wird aus diesen Kämpfen hervorgehen. Und sofern wir uns eins fühlen mit dem mitteleuropäischen Geistesleben, sagen wir uns: Das Idealistische, das Spirituelle dieses mitteleuropäischen Geisteslebens wird sich herausentwickeln müssen aus dieser unserer Zeit, die, man kann es empfinden, so Tiefes in ihrem Schoße trägt.
[ 60 ] Das innige Verwobensein desjenigen, was der Mensch ist, mit demjenigen, was draußen ist — wo überall in den zugrunde liegenden Wesenheiten die Brüder, das heißt Seelenwesen sind, wie Geist-Seelen-Wesen der Mensch selbst ist —, das liegt schon in dem, was Goethe, was die anderen Genies dichterisch begründet haben. So, wie aus dem Keim der Pflanze der Stamm und die Blätter, die Blüten und die Früchte sich entwickeln, so muss sich entwickeln aus dem, was keimhaft angelegt ist, die höchste geistige Frucht in der mitteleuropäischen Kultur. Wer in Geistiges sich einlebt, der kann erkennen, nicht aus äußeren, aus inneren Gründen, welche Lebensfähigkeit in dem Zum-Geiste-Hinstreben der mitteleuropäischen Kultur lebt. Dann, wenn man so diese mitteleuropäische Kultur in ihrem Zum-Spiritualismus-Hinstreben — nicht zum Idealismus, zum Spiritualismus —, schaut, dann sagt man sich: Es gibt Gründe, die uns zuversichtlich machen, die uns aus den Empfindungen der Geisteswissenschaft heraus den gegenwärtigen harten Kampf anschauen lassen, dass wir uns sagen: Wie das einzelne Menschenleben sich aufbaut auf Kampf und Krieg widerstreitender Mächte — Krieg und Kampf sehen wir im Unterbewussten, auf denen sich aufbaut, was wir an Lebensgut haben —, so stehen wir im Kampf und Krieg drinnen; aber dasjenige, was geschichtliches Lebensgut ist, was Kulturgut ist, es wird aus diesen Kämpfen hervorgehen. Und sofern wir uns eins fühlen mit dem mitteleuropäischen Geistesleben, sagen wir uns: Das Idealistische, das Spirituelle dieses mitteleuropäischen Geisteslebens wird sich herausentwickeln müssen aus dieser unserer Zeit, die, man kann es empfinden, so Tiefes in ihrem Schoße trägt.
[ 61 ] Wahrhaftig, unsere materialistische Zeit, sie hat sich ja auch auf Kampf aufgebaut. Da gibt es im Nordwesten drüben ein Volk — es sollen heute keine Werturteile gefällt werden, es soll nur charakterisiert werden —, da gibt es ein Volk, die Briten, die am meisten rufen, dass sie für Freiheit, dass sie gegen mitteleuropäische «Barbarei» kämpfen wollen, kämpfen müssen, dass sie den Krieg nicht gewollt haben. Immer wieder hören wir es in Mitteleuropa, hören es in beschimpfenden Worten, dass Mitteleuropa den Krieg gewollt hat. Da darf man vielleicht fragen: Hat denn das Volk der Briten früher, in den Jahren zum Beispiel, in denen in Mitteleuropa der tiefste Friede zum Segen und Heil gewollt worden ist, keine Kriege geführt? Von 1856 bis 1900 hat England 34 Kriege geführt, [vier] Millionen Quadratmeilen Land für eine rein materielle Kultur erobert, die es über den Erdball ausbreitete, und 57 Millionen Menschen zu neuen britischen Untertanen gemacht. Das ist eine materielle Kultur, sehr verehrte Anwesende, welche auf Kampf begründet ist. Man sieht ja überhaupt, dass Logik gerade im weitesten Umkreise in unserer materialistischen Kultur nicht gedeiht. Da gibt es einen französischen Philosophen — ja, ich weiß nicht, ob man ihn nicht jetzt nennen muss «Fils de Montagne», früher hieß er Bergson; jetzt ändern sich ja die Dinge. Bergson, der viel überschätzt worden ist, aber wenigstens eine Lebensphilosophie versucht hat gegenüber der toten materialistischen Philosophie — im letzten Winter hat er in Paris in der Akademie der Wissenschaften eine Rede gehalten, in der er das deutsche Geistesleben etwa so charakterisiert: Wenn man heute Deutschland ansieht, aller Idealismus ist vergangen, es stehen uns nur die Mechanismen gegenüber, die ganze Kultur ist eine mechanische geworden. — Er deutet hin auf die Kanonen und alles dasjenige, was als mechanische Hilfsmittel dem Westen gegenübergestellt worden ist. Man darf vielleicht mit einer Frage antworten, um zu charakterisieren, wie heute das Denken und die Logik angewandt wird: Hat denn Bergson erwartet, dass, wenn die mitteleuropäische Kultur angegriffen wird, man sich an die Rheingrenze stellen wird und Schiller und Goethe zitieren wird, um zu beweisen, dass die mitteleuropäische Kultur geistig geblieben ist?
[ 61 ] Wahrhaftig, unsere materialistische Zeit, sie hat sich ja auch auf Kampf aufgebaut. Da gibt es im Nordwesten drüben ein Volk — es sollen heute keine Werturteile gefällt werden, es soll nur charakterisiert werden —, da gibt es ein Volk, die Briten, die am meisten rufen, dass sie für Freiheit, dass sie gegen mitteleuropäische «Barbarei» kämpfen wollen, kämpfen müssen, dass sie den Krieg nicht gewollt haben. Immer wieder hören wir es in Mitteleuropa, hören es in beschimpfenden Worten, dass Mitteleuropa den Krieg gewollt hat. Da darf man vielleicht fragen: Hat denn das Volk der Briten früher, in den Jahren zum Beispiel, in denen in Mitteleuropa der tiefste Friede zum Segen und Heil gewollt worden ist, keine Kriege geführt? Von 1856 bis 1900 hat England 34 Kriege geführt, [vier] Millionen Quadratmeilen Land für eine rein materielle Kultur erobert, die es über den Erdball ausbreitete, und 57 Millionen Menschen zu neuen britischen Untertanen gemacht. Das ist eine materielle Kultur, sehr verehrte Anwesende, welche auf Kampf begründet ist. Man sieht ja überhaupt, dass Logik gerade im weitesten Umkreise in unserer materialistischen Kultur nicht gedeiht. Da gibt es einen französischen Philosophen — ja, ich weiß nicht, ob man ihn nicht jetzt nennen muss «Fils de Montagne», früher hieß er Bergson; jetzt ändern sich ja die Dinge. Bergson, der viel überschätzt worden ist, aber wenigstens eine Lebensphilosophie versucht hat gegenüber der toten materialistischen Philosophie — im letzten Winter hat er in Paris in der Akademie der Wissenschaften eine Rede gehalten, in der er das deutsche Geistesleben etwa so charakterisiert: Wenn man heute Deutschland ansieht, aller Idealismus ist vergangen, es stehen uns nur die Mechanismen gegenüber, die ganze Kultur ist eine mechanische geworden. — Er deutet hin auf die Kanonen und alles dasjenige, was als mechanische Hilfsmittel dem Westen gegenübergestellt worden ist. Man darf vielleicht mit einer Frage antworten, um zu charakterisieren, wie heute das Denken und die Logik angewandt wird: Hat denn Bergson erwartet, dass, wenn die mitteleuropäische Kultur angegriffen wird, man sich an die Rheingrenze stellen wird und Schiller und Goethe zitieren wird, um zu beweisen, dass die mitteleuropäische Kultur geistig geblieben ist?
[ 62 ] Aber man will ja manchmal noch tiefer eingehen, und da sagt man zum Beispiel: Wir haben diesen Krieg nicht gewollt! Die wahre Ursache zu diesem Kriege liegt in Mitteleuropa! Die Logik, die man dabei anwendet, wenn man sie wirklich durchschaut — und Geisteswissenschaft lehrt zugleich eine gewisse Beweglichkeit des Geistes, sie macht die Gedanken so flüssig, dass einem eine schlechte Logik Schmerz bereitet —, wenn man sie durchschaut, so ist die Logik, die heute vielfach angewendet wird, diese, dass man auch sagen könnte: Ja, es ist vieles, vieles an Spott und Hohn und Schimpf herübergehört worden vom Westen nach Mitteleuropa. Ja, alles wäre nicht geschehen, wenn die Buchdruckerkunst nicht erfunden worden wäre. Die Deutschen haben die Buchdruckerkunst erfunden, also sind sie schuld an diesen Verleumdungen. Und geschossen könnte nicht werden, weder aus der Luft noch auf der Erde, wenn die Deutschen nicht das Pulver erfunden hätten. Die Deutschen haben schon einmal das Pulver erfunden. Nicht wahr, man kann von den Franzosen nicht sagen, dass sie das Pulver erfunden hätten. Also sind die Deutschen schuld daran, dass die Völker einander mit Kanonen gegenüberstehen!
[ 62 ] Aber man will ja manchmal noch tiefer eingehen, und da sagt man zum Beispiel: Wir haben diesen Krieg nicht gewollt! Die wahre Ursache zu diesem Kriege liegt in Mitteleuropa! Die Logik, die man dabei anwendet, wenn man sie wirklich durchschaut — und Geisteswissenschaft lehrt zugleich eine gewisse Beweglichkeit des Geistes, sie macht die Gedanken so flüssig, dass einem eine schlechte Logik Schmerz bereitet —, wenn man sie durchschaut, so ist die Logik, die heute vielfach angewendet wird, diese, dass man auch sagen könnte: Ja, es ist vieles, vieles an Spott und Hohn und Schimpf herübergehört worden vom Westen nach Mitteleuropa. Ja, alles wäre nicht geschehen, wenn die Buchdruckerkunst nicht erfunden worden wäre. Die Deutschen haben die Buchdruckerkunst erfunden, also sind sie schuld an diesen Verleumdungen. Und geschossen könnte nicht werden, weder aus der Luft noch auf der Erde, wenn die Deutschen nicht das Pulver erfunden hätten. Die Deutschen haben schon einmal das Pulver erfunden. Nicht wahr, man kann von den Franzosen nicht sagen, dass sie das Pulver erfunden hätten. Also sind die Deutschen schuld daran, dass die Völker einander mit Kanonen gegenüberstehen!
[ 63 ] Nun so fadenscheinig diese Logik wäre, so fadenscheinig ist auch die heutige Logik, die angewendet wird auf dasjenige, was wirklich sich entwickelt aus der mitteleuropäischen Kultur: echtes, sich zum Geistigen erziehendes Leben, vor dem man wie vor einem Höheren Furcht hat, geheime Furcht hat. Aber wenn gesagt worden ist, dass der heutige Krieg nur geführt wird für materielle Interessen, so mag das in einem eingeschränkten Sinne richtig sein. Gewiss, für Handel und Industriefleiß, für die materielle Kultur Mitteleuropas muss vieles von dem errungen werden, was nur durch diesen Krieg errungen werden kann. Aber sicher ist es, dass, wenn nicht schon durch die Väter, die als Industrielle wirken und hinaustreten in die Welt, so durch die Söhne mindestens dasjenige, was als Gesinnung Mitteleuropas, die in «Faust» ihren Ausdruck gefunden hat, die aus Wagner, Beethoven, die aus Fichte und Schelling hervorgeht, in alle Welten hinausgetragen wird; und das wird ein neues Element in aller Welt sein. Und wie sich unser gewöhnliches, alltägliches Leben aufbaut auf einen Sieg über einander widerstrebende Mächte, so wird sich das mitteleuropäische Kulturgut wie ein Sieg aufbauen auf dem, was so heiß erstrebt werden muss.
[ 63 ] Nun so fadenscheinig diese Logik wäre, so fadenscheinig ist auch die heutige Logik, die angewendet wird auf dasjenige, was wirklich sich entwickelt aus der mitteleuropäischen Kultur: echtes, sich zum Geistigen erziehendes Leben, vor dem man wie vor einem Höheren Furcht hat, geheime Furcht hat. Aber wenn gesagt worden ist, dass der heutige Krieg nur geführt wird für materielle Interessen, so mag das in einem eingeschränkten Sinne richtig sein. Gewiss, für Handel und Industriefleiß, für die materielle Kultur Mitteleuropas muss vieles von dem errungen werden, was nur durch diesen Krieg errungen werden kann. Aber sicher ist es, dass, wenn nicht schon durch die Väter, die als Industrielle wirken und hinaustreten in die Welt, so durch die Söhne mindestens dasjenige, was als Gesinnung Mitteleuropas, die in «Faust» ihren Ausdruck gefunden hat, die aus Wagner, Beethoven, die aus Fichte und Schelling hervorgeht, in alle Welten hinausgetragen wird; und das wird ein neues Element in aller Welt sein. Und wie sich unser gewöhnliches, alltägliches Leben aufbaut auf einen Sieg über einander widerstrebende Mächte, so wird sich das mitteleuropäische Kulturgut wie ein Sieg aufbauen auf dem, was so heiß erstrebt werden muss.
[ 64 ] Das ist es, was als stärkende Seelenkraft wirklich empfindungsgemäß auch hervorgeht aus dem, was uns die Geisteswissenschaft sagen kann. Ja, widerstrebende Mächte sind es, die da draußen in der Welt um uns herum jetzt rumoren, rumoren wie im einzelnen Menschen die Seelenuntergründe. Aber wie sich auf diesen Seelenuntergründen erhebt das Lebensgut, so wird sich das Kulturgut erheben auf demjenigen, was einmal erkämpft werden muss. 34 Völker — kleinere Nationalitätenunterschiede nicht mitgerechnet —, 34 Völker stehen heute miteinander im Kampf; und wir sehen, wie sich die Kampfesstimmung noch ausbreitet. Aber wir blicken hin auf dasjenige, was sich da abspielt, indem wir aufschauen zu dem, was sich als Wirkungen ergeben muss. Und wir in Mitteleuropa, wir dürfen uns, wenn wir dies alles geistig betrachten, wir dürfen uns sagen: So, wie der einzelne Mensch sich wiederum in jeder einzelnen Verkörperung seinen Leib aufbauen muss und immer wieder aufbauen muss von sieben zu sieben Jahren — denn nach sieben Jahren haben sich immer die ganzen Ingredienzien geändert, der Leib muss mehrmals aufgebaut werden —, so müssen die Menschen durchschreiten durch Kämpfe, so muss die Menschheit heute hindurchgehen durch all das Schmerzliche, um zu einem höheren Lebensgut zu kommen.
[ 64 ] Das ist es, was als stärkende Seelenkraft wirklich empfindungsgemäß auch hervorgeht aus dem, was uns die Geisteswissenschaft sagen kann. Ja, widerstrebende Mächte sind es, die da draußen in der Welt um uns herum jetzt rumoren, rumoren wie im einzelnen Menschen die Seelenuntergründe. Aber wie sich auf diesen Seelenuntergründen erhebt das Lebensgut, so wird sich das Kulturgut erheben auf demjenigen, was einmal erkämpft werden muss. 34 Völker — kleinere Nationalitätenunterschiede nicht mitgerechnet —, 34 Völker stehen heute miteinander im Kampf; und wir sehen, wie sich die Kampfesstimmung noch ausbreitet. Aber wir blicken hin auf dasjenige, was sich da abspielt, indem wir aufschauen zu dem, was sich als Wirkungen ergeben muss. Und wir in Mitteleuropa, wir dürfen uns, wenn wir dies alles geistig betrachten, wir dürfen uns sagen: So, wie der einzelne Mensch sich wiederum in jeder einzelnen Verkörperung seinen Leib aufbauen muss und immer wieder aufbauen muss von sieben zu sieben Jahren — denn nach sieben Jahren haben sich immer die ganzen Ingredienzien geändert, der Leib muss mehrmals aufgebaut werden —, so müssen die Menschen durchschreiten durch Kämpfe, so muss die Menschheit heute hindurchgehen durch all das Schmerzliche, um zu einem höheren Lebensgut zu kommen.
[ 65 ] Wie eine Mahnung im höheren Sinne muss dastehen dasjenige, was Europa jetzt durchlebt. Dasjenige, was der Leib Mitteleuropas ist, neu muss er erobert werden gegen dasjenige, was einstürmt von Ost und West. Und es ist nicht ohne Grund, wenn in der Zukunft dasjenige, was ersprießen muss aus den großen geistigen Keimen, die nach innerlichem Werden streben in Mitteleuropa, wenn das sich entwickeln muss, nachdem rings umher der Boden mit dem Blute unserer Edelsten getränkt worden ist, die Luft mit den Empfindungen durchsetzt worden ist, die aus den Opfern, die notwendig geworden sind in unserer Zeit, hervorgehen, wenn diese Luft von dem Schmerz und dem Leid derjenigen [schwer ist], die als Brüder und Schwestern, als Väter und Mütter, als Töchter und Söhne ihre Teuren verloren haben. Empfindungsgemäß, sagte ich, wenn auch nicht verstandesgemäß, wird dasjenige, was ich mir erlaubte noch anzuführen in dem ja schon ohnedies zu langen Vortrage, gefühlt werden können im Zusammenhange mit dem Gesagten, weil gezeigt werden sollte, wie dasjenige, was als Seelenstärkung aus der Geisteswissenschaft kommt, uns wirklich zusammenbringt mit dem, was der ewige, den Tod besiegende und alle Widerstände besiegende unsterbliche Wesenskern in dem Menschen ist, von dem wirklich nur ein Gleichnis das vorübergehende Sterben ist.
[ 65 ] Wie eine Mahnung im höheren Sinne muss dastehen dasjenige, was Europa jetzt durchlebt. Dasjenige, was der Leib Mitteleuropas ist, neu muss er erobert werden gegen dasjenige, was einstürmt von Ost und West. Und es ist nicht ohne Grund, wenn in der Zukunft dasjenige, was ersprießen muss aus den großen geistigen Keimen, die nach innerlichem Werden streben in Mitteleuropa, wenn das sich entwickeln muss, nachdem rings umher der Boden mit dem Blute unserer Edelsten getränkt worden ist, die Luft mit den Empfindungen durchsetzt worden ist, die aus den Opfern, die notwendig geworden sind in unserer Zeit, hervorgehen, wenn diese Luft von dem Schmerz und dem Leid derjenigen [schwer ist], die als Brüder und Schwestern, als Väter und Mütter, als Töchter und Söhne ihre Teuren verloren haben. Empfindungsgemäß, sagte ich, wenn auch nicht verstandesgemäß, wird dasjenige, was ich mir erlaubte noch anzuführen in dem ja schon ohnedies zu langen Vortrage, gefühlt werden können im Zusammenhange mit dem Gesagten, weil gezeigt werden sollte, wie dasjenige, was als Seelenstärkung aus der Geisteswissenschaft kommt, uns wirklich zusammenbringt mit dem, was der ewige, den Tod besiegende und alle Widerstände besiegende unsterbliche Wesenskern in dem Menschen ist, von dem wirklich nur ein Gleichnis das vorübergehende Sterben ist.
[ 66 ] Und weil, wenn wir so erblicken, dass dieses Lebensgut auf einem Sieg beruht, wir nur Seelenstärkung, nicht Seelenohnmacht als Ergebnis der Geisteswissenschaft haben können, so bringt uns die Geisteswissenschaft zu dem, was ich, nun nicht in einzelne verstandesgemäße Worte, sondern empfindungsgemäß zusammenfassen möchte. Das soll ja das Beste sein als Ergebnis der Geisteswissenschaft, dass sie nicht nur eine Theorie, nicht nur ein Wissen bleibt, sondern dass sie sich ausgießt in das Gemütsleben, dass sie zu einer Kraft der Seelenstärkung in uns wird. Denn sie zeigt uns, dass des Menschen innerstes Wesen da erst beginnt, wo die Eindrücke der Sinneswelt aufhören, wo der Verstand nichts mehr zu sagen hat. Was als Empfindung, als Grundstimmung des Gemütes aus der Geisteswissenschaft seelenstärkend jederzeit und insbesondere in unserer schicksalstragenden, so Großes in ihrem Schoße bergenden Zeit hervorgehen kann, das möchte ich am Schlusse mit ein paar Worten gefühls- und empfindungsgemäß zusammenfassen, damit den Vortrag abschließend, durch den ich über das Prinzipielle und über die Aussichten der Geisteswissenschaft sprechen wollte:
[ 66 ] Und weil, wenn wir so erblicken, dass dieses Lebensgut auf einem Sieg beruht, wir nur Seelenstärkung, nicht Seelenohnmacht als Ergebnis der Geisteswissenschaft haben können, so bringt uns die Geisteswissenschaft zu dem, was ich, nun nicht in einzelne verstandesgemäße Worte, sondern empfindungsgemäß zusammenfassen möchte. Das soll ja das Beste sein als Ergebnis der Geisteswissenschaft, dass sie nicht nur eine Theorie, nicht nur ein Wissen bleibt, sondern dass sie sich ausgießt in das Gemütsleben, dass sie zu einer Kraft der Seelenstärkung in uns wird. Denn sie zeigt uns, dass des Menschen innerstes Wesen da erst beginnt, wo die Eindrücke der Sinneswelt aufhören, wo der Verstand nichts mehr zu sagen hat. Was als Empfindung, als Grundstimmung des Gemütes aus der Geisteswissenschaft seelenstärkend jederzeit und insbesondere in unserer schicksalstragenden, so Großes in ihrem Schoße bergenden Zeit hervorgehen kann, das möchte ich am Schlusse mit ein paar Worten gefühls- und empfindungsgemäß zusammenfassen, damit den Vortrag abschließend, durch den ich über das Prinzipielle und über die Aussichten der Geisteswissenschaft sprechen wollte:
Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein eröffnet.
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarkt
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen,
Wenn sie durch sich vertreibt
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geistesnacht umhüllt.
Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein eröffnet.
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarkt
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen,
Wenn sie durch sich vertreibt
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geistesnacht umhüllt.
