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The Human Soul, Fate and Death
GA 70a

17 May 1915, Linz

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The Human Soul, Fate and Death, tr. SOL
  1. Menschenseele, Schicksal und Tod

16. Die übersinnliche Erkenntnis und ihre stärkende Seelenkraft in unserer schicksalstragenden Zeit

16. Supernatural Knowledge and Its Strengthening Power for the Soul in These Fateful Times

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, schon in früheren Jahren durfte ich auch in dieser Stadt Vorträge halten über Weltanschauungsfragen, die sich stützen auf dasjenige, was ich mir erlaube zu nennen «Geisteswissenschaft». Und auch in dieser unserer schicksalstragenden Zeit vermeinten die Freunde unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung hier in dieser Stadt, dass es möglich sei, über einiges aus dem Gebiet dieser Geisteswissenschaft hier zu sprechen. Und das dürfte ja wohl auch dieser Zeit angemessen sein; handelt doch dasjenige, was hier Geisteswissenschaft genannt wird, von dem Tiefsten, Schicksalbewegendsten des Menschen, handelt es doch von demjenigen, was den Menschen führt zu den bittersten Enttäuschungen des Lebens, aber auch zu jenen Empfindungen, die wir so gewaltig in unserer Zeit an Mut und Opferwilligkeit sich entfalten sehen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen, in previous years I have had the privilege of giving lectures in this city on questions of worldview based on what I take the liberty of calling “spiritual science.” And even in these fateful times of ours, the friends of our spiritual-scientific worldview here in this city believed it would be possible to speak here about certain aspects of this spiritual science. And that should indeed be appropriate for this time; for what is called spiritual science here deals with the deepest, most fateful aspects of the human being; it deals with that which leads people to the bitterest disappointments of life, but also to those feelings of courage and willingness to make sacrifices that we see unfolding so powerfully in our time.

[ 2 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was Geisteswissenschaft genannt wird im Sinne der Betrachtungen des heutigen Abends, ist nun keineswegs etwas, was in weiten Kreisen unserer Gegenwart irgendwie Zustimmung oder Anerkennung heute schon finden kann. Und man muss sagen: Gerade derjenige, welcher ganz und mit allen Kräften seiner Seele drinnensteht in dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, der wird es selbstverständlich finden, dass gerade die geschultesten Gebildeten in unserer Zeit Widerspruch über Widerspruch erheben gegen dasjenige, was von dieser Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Und viel, viel begreiflicher wird es einem solchen erscheinen, wenn gesagt wird, diese Geisteswissenschaft sei eine Summe von Träumereien, von Phantastereien oder noch Schlimmeres, als wenn derjenige, der heute in den Denkgewohnheiten, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte herausgebildet haben, völlig drinnensteht, gerade drinnensteht mit einer im Sinne der heutigen Zeit gelegenen wissenschaftlichen Schulung, wenn der etwa auf den ersten Anhub hin sogleich mit dieser Geisteswissenschaft übereinstimmen könnte.

[ 2 ] Well, ladies and gentlemen, what is called “spiritual science” in the sense of this evening’s reflections is by no means something that can already find any kind of approval or recognition in broad circles of our present-day society. And it must be said: Precisely those who are fully immersed, with all the powers of their soul, in this spiritual-scientific worldview will find it only natural that the most highly educated and cultured people of our time raise one objection after another against what this spiritual science puts forward. And it will seem far, far more understandable to such a person when it is said that this spiritual science is a collection of daydreams, fantasies, or even worse, than if the person who is today completely immersed in the habits of thought that have developed over the course of the last few centuries is precisely steeped in a scientific education suited to the spirit of our times, were to find himself immediately in agreement with this spiritual science at first glance.

[ 3 ] Insbesondere von drei Seiten ist es ganz naheliegend und verständlich, dass Einwände über Einwände, ja Spott und Hohn vielleicht erhoben werden gegen dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat. Zunächst vonseiten derjenigen, die da glauben, auf dem festen Boden naturwissenschaftlicher Weltanschauung in der Gegenwart zu stehen. Die werden sagen müssen — ich sage ausdrücklich —, die werden sagen müssen heute noch, dass diese Geisteswissenschaft verleugnet alles dasjenige, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte in sorgfältigster Weise für die Menschheit, sowohl theoretisch wie praktisch, in der menschlichen Entwicklung geleistet hat. Und von einer anderen Seite wird wieder Einwand über Einwand erhoben werden müssen gegen diese Geisteswissenschaft von der Seite, die da glauben kann, dass alles Mögliche von altem Aberglauben und alten Vorurteilen aufgeführt werden soll durch dasjenige, was diese Geisteswissenschaft vorzubringen hat.

[ 3 ] It is quite obvious and understandable—particularly from three perspectives—that objections upon objections, and perhaps even ridicule and scorn, might be raised against what this spiritual science has to offer. First, from those who believe they stand on the solid ground of a scientific worldview in the present day. They will have to say—and I say this explicitly—they will have to say even today that this spiritual science denies everything that the so-admired natural sciences have so meticulously accomplished for humanity, both theoretically and practically, in the course of the last three to four centuries in the development of humankind. And from another side, objection after objection will have to be raised against this spiritual science by those who believe that all manner of old superstitions and prejudices are being brought to light by what this spiritual science has to offer.

[ 4 ] Und noch ein Drittes mag sich immer wiederum erheben gegen diese Geisteswissenschaft. Es ist die Meinung, dass das Wertvollste, das tief Bedeutsamste, das die Menschenseele halten und tragen kann im Leben, dass das religiöse Element gefährdet werden könnte durch dasjenige, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.

[ 4 ] And yet a third argument may repeatedly arise against this spiritual science. It is the view that the most valuable and profoundly significant thing that the human soul can hold onto and sustain in life—the religious element—could be endangered by what spiritual science has to say.

[ 5 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich hoffe, dass, auch wenn ich nicht unmittelbar eingehe auf die Widerlegung der Einwände von diesen verschiedenen Seiten her, die Ausführungen dieses Abends selber zeigen werden, wie unbegründet und aus Missverständnissen entspringend dasjenige ist, was also gegen Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Vor allen Dingen, was will denn diese Geisteswissenschaft sein? Sie will sein eine für unsere Zeit, eine für den gegenwärtigen Entwicklungsweg der Menschheit angemessene Fortsetzung gerade desjenigen, was die so bewunderungswürdige Naturwissenschaft der Menschheit gebracht hat. Nur allerdings will sie dasjenige, was Naturwissenschaft ist für das äußere Leben und die äußere Sinnenbeobachtung, das will sie sein für die Beobachtungen, für die Erkenntnisse der geistigen Welt. Und gerade aus diesem Grunde, weil sie die echte, wahre Fortsetzerin der Naturwissenschaft auf dem geisteswissenschaftlichen Gebiete sein will, deshalb muss sie in einer gewissen Weise, um ebenso wissenschaftlich zu sein, wie die Naturwissenschaft auf ihren Gebieten ist, andere Wege, andere Methoden einschlagen als die Naturwissenschaft.

[ 5 ] Well, distinguished guests, I hope that, even if I do not directly address the refutation of the objections raised from these various quarters, the remarks made this evening will themselves demonstrate how unfounded—and stemming from misunderstandings—are the arguments put forward against spiritual science. Above all, what does this spiritual science aim to be? It aims to be a continuation—appropriate for our time and for humanity’s current path of development—of precisely what the admirable natural science has brought to humanity. However, just as natural science is for external life and external sensory observation, so spiritual science seeks to be for the observations and insights of the spiritual world. And precisely for this reason—because it seeks to be the genuine, true successor to natural science in the realm of spiritual science—it must, in a certain sense, in order to be just as scientific as natural science is in its own fields, take different paths and employ different methods than natural science.

[ 6 ] Und um sogleich in das einzutreten, worauf es ankommt, möchte ich auseinandersetzen das Verhältnis zwischen dem, was ein Geistesforscher ist, ein Forscher auf dem Gebiete der geistigen Welten im Gegensatz zu dem Naturforscher, welcher seine Sinnesbeobachtungen, seine Experimente, sein Denken erstreckt über dasjenige, was in der Zeit und im Raum ausgebreitet ist. Gerade wenn Geisteswissenschaft echt wissenschaftlich sein will, muss sie in gewissem Sinne mit ihrem Forschen da fortfahren, wo Naturwissenschaft, wo überhaupt das ganze Denken und Fühlen und Empfinden des alltäglichen Lebens aufhört. Und da kommen wir sogleich auf das, was schnurstracks zuwiderläuft den Denkgewohnheiten der weitaus größten Kreise der Gebildeten unserer Gegenwart.

[ 6 ] And to get straight to the heart of the matter, I would like to examine the relationship between what a spiritual researcher is—a researcher in the realm of the spiritual worlds—as opposed to the natural scientist, who extends his sensory observations, his experiments, and his thinking to that which is spread out in time and space. Precisely if spiritual science is to be genuinely scientific, it must, in a certain sense, continue its research where natural science—and indeed the entire thinking, feeling, and perceiving of everyday life—ends. And this brings us immediately to what runs directly counter to the habits of thought of the vast majority of educated people in our time.

[ 7 ] Wenn man im alltäglichen Leben drinnensteht, wenn man seine Sinne über dieses alltägliche Leben schweifen lässt, wenn man denkt, wenn man empfindet über dieses alltägliche Leben, dann ist man mit Recht befriedigt, wenn man sich Gedanken, Empfindungen, Gefühle, Ideen, Vorstellungen macht über dasjenige, was da draußen im Raume ausgebreitet ist und in der Zeit verläuft. Und man anerkennt, wiederum mit vollem Recht, dass man ein Wissen habe, dass man etwas habe, was den Menschen befriedigen kann, dass man gewissermaßen in Vorstellungen und Ideen Abbilder hat dessen, was in Raum und Zeit sich abspielt. Man bleibt gewissermaßen bei den Vorstellungen, den Ideen stehen, man bewahrt sie auf als dasjenige, in das man die äußere Welt verwandelt hat.

[ 7 ] When one is immersed in everyday life, when one lets one’s senses wander over this everyday life, when one thinks and feels about this everyday life, then one is rightly satisfied when one forms thoughts, sensations, feelings, ideas, and conceptions about that which is spread out in space and unfolds in time. And one recognizes, again quite rightly, that one possesses knowledge, that one has something capable of satisfying human beings, that one has, so to speak, images in one’s conceptions and ideas of what unfolds in space and time. One, so to speak, remains with these conceptions and ideas; one preserves them as that into which one has transformed the external world.

[ 8 ] An dem Punkte nun, wo man da stehen bleibt mit den Vorstellungen und Ideen, muss man beginnen als Geistesforscher, um den Weg hineinzufinden in die geistigen Welten. Ich möchte sagen: Der Geistesforscher hat auch, geradeso wie der Naturforscher und der Chemiker, sein Laboratorium, seine Experimentiermethoden. Aber sein Laboratorium ist durchaus im Innern der Seele selber gelegen. Seine Methoden sind nicht solche, durch die irgendetwas äußerlich im Raum verrichtet wird, wie [es] der Chemiker, der Physiker, der Kliniker tun, die durch ihre Verrichtungen dem Räumlichen, dem Zeitlichen ablauschen deren Gesetze. Dasjenige, was der Geistesforscher zu tun hat, das sind intime Verrichtungen, die ganz und gar im Innern der Seele selber ablaufen. Während man im alltäglichen Leben, während man in der gewöhnlichen Wissenschaft ganz beim Vorstellen, bei Begriffen stehen bleibt, muss man bei Begriffen, Ideen, Empfindungen in der Geistesforschung erst anfangen. Und man muss nicht diese Vorstellungen, die man bekommt in der äußeren Welt, aufbewahren in der Seele, sondern man muss mit dem, was die Seele entwickelt im Vorstellungs- und Gemütsleben, innig zusammenleben, in anderer Weise zusammenleben, als man das im gewöhnlichen Dasein des Tages gewohnt ist. Und da ich nicht im Abstrakten herumreden will, sondern wirklich zeigen will, welches der geistesforscherische Weg ist, so möchte ich sogleich ins Konkrete eingehen.

[ 8 ] At the point where one comes to a standstill with concepts and ideas, one must begin, as a spiritual researcher, to find one’s way into the spiritual worlds. I would like to say: The spiritual researcher, just like the natural scientist and the chemist, has his own laboratory and his own experimental methods. But his laboratory is located entirely within the soul itself. His methods are not those through which anything is carried out externally in space, as the chemist, the physicist, and the clinician do, who, through their work, discern the laws of space and time. What the spiritual scientist has to do consists of intimate activities that take place entirely within the soul itself. Whereas in everyday life and in conventional science one remains entirely at the level of imagination and concepts, in spiritual science one must begin with concepts, ideas, and sensations. And one must not store these images—which one receives from the external world—in the soul; rather, one must live intimately with what the soul develops in its life of imagination and feeling, living with it in a different way than one is accustomed to in ordinary daily life. And since I do not wish to speak in abstract terms, but rather to truly show what the path of spiritual research is, I would like to move straight to the concrete.

[ 9 ] Des Menschen Seele muss etwas ganz anderes werden als im alltäglichen Leben, wenn sie dasjenige, was in der geistigen Welt ist, beobachten will. Und das kann sie werden, wenn sie sich gewöhnt, innerlich zu leben mit demjenigen, was sonst bloß /Lücke im Text]. Nehmen wir an, wir stellen irgendeine Vorstellung, einen Begriff willkürlich, aus eigener innerer Seelenkraft herein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins und versuchen nun nicht, was wir im alltäglichen Leben tun, was wir in der gewöhnlichen Wissenschaft tun, uns zu fragen: «Was drückt dieser Begriff uns aus?», sondern wir versuchen, als Geistesforscher mit dem Begriff, der Idee, der Empfindung, auch mit dem Willensimpuls zu leben, meditierend zu leben; ich meine, minutenlang oder eine halbe Stunde lang zu leben. Dabei ist es sogar von Vorteil, wenn wir zu dieser, ich möchte sagen, inneren Laboratoriumsarbeit der Seele nicht Begriffe und Vorstellungen und Empfindungen verwenden, die etwas Äußerliches abbilden, sondern wenn wir dazu verwenden Vorstellungen, Ideen, die Sinnbilder sind, die nichts Äußerliches abbilden.

[ 9 ] The human soul must become something entirely different from what it is in everyday life if it is to observe what exists in the spiritual world. And it can become that if it accustoms itself to living inwardly with that which is otherwise merely /gap in the text]. Let’s suppose we place some idea, some concept—chosen arbitrarily from our own inner soul power—at the center of our consciousness, and then, unlike what we do in everyday life or in conventional science, we do not ask ourselves: “What does this concept express to us?” but rather, as researchers of the spirit, we try to live with the concept, the idea, the sensation, and even the impulse of the will—to live meditatively; I mean, to live with them for minutes or half an hour. In doing so, it is even advantageous if, in this—I would say—inner laboratory work of the soul, we do not use concepts, ideas, and sensations that represent something external, but rather use ideas and concepts that are symbols, which do not represent anything external.

[ 10 ] Ich will sagen, man nehme zum Beispiel die Vorstellung: «Im Lichte, das die Welt durchwebt und durchwaltet, lebt wirkende Weisheit.» Gewiss, jemand kann sagen: In dieser Vorstellung wird nichts Wirkliches abgebildet. Sie ist rein aus der Phantasie gebildet. Darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, dass wir nun diese Vorstellung ganz und gar allein in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins rücken, dass wir unsere Aufmerksamkeit nun abziehen von alledem, was sonst im alltäglichen Leben um uns ist oder Gegenstand der Wissenschaft ausmacht. Das heißt: Alle Eindrücke der Sinne, alle Vorstellungen, die etwas Äußerliches abbilden, Erinnerungsbilder, Gemütsbewegungen, sie müssen vergessen werden in den Augenblicken, in denen wir in den Mittelpunkt all unserer Seelenverrichtungen solch eine Vorstellung stellen, wie es eben charakterisiert worden ist. Da nehmen wir dann alle Kräfte unserer Seele zusammen, die wir sonst verteilen auf die äußeren Vorstellungen, auf das äußere Erleben; sie konzentrieren wir und fixieren sie auf diese einzige Vorstellung. Nun kommt es nicht darauf an, was wir für eine Vorstellung haben. Deshalb sagte ich: Es kann eine solche Vorstellung besser durch innere Willkür gemacht werden. Es kommt nicht darauf an, was wir vorstellen, sondern darauf, dass wir anwenden innerlich jene starken Kräfte, die die Seele anwenden muss, um so durch inneren Willensentschluss alles, was in ihr ist, in dieser inneren Arbeit nach diesem einen Punkte hin zu konzentrieren. Dies nur vorübergehend ein-, zweimal machen übt gar keinen Einfluss auf das menschliche Seelenleben aus. Anders aber ist es, wenn wir dasjenige, was eben charakterisiert worden ist, zur fortgesetzten Übung der Seele machen. Je nachdem die Veranlagung des Menschen ist, muss der eine vielleicht bloß wochenlang, der andere jahrelang immer wiederum kurze Zeit hindurch also sein inneres Seelenleben auf einen Punkt konzentrieren. Darauf kommt es an, dass wir in der rechten Weise immer wiederholen dieselbe Vorstellung oder auch abwechseln mit andern Vorstellungen.

[ 10 ] Let me say, for example, take the following idea: “In the light that interweaves and permeates the world, active wisdom lives.” Certainly, someone might say: This idea does not depict anything real. It is formed purely from the imagination. That is not the point; rather, the point is that we now place this idea entirely and solely at the center of our consciousness, that we now withdraw our attention from everything else that otherwise surrounds us in everyday life or constitutes the subject matter of science. This means: All sensory impressions, all mental images that represent something external—memories, emotional stirrings—must be set aside in the moments when we place such a concept, as it has just been characterized, at the center of all our soul’s activities. We then gather together all the powers of our soul—which we otherwise distribute among external ideas and external experiences—and concentrate and fix them on this single idea. Now, it does not matter what kind of idea we have. That is why I said: Such an idea can be better created through inner volition. It does not matter what we imagine, but rather that we apply inwardly those strong forces that the soul must employ in order to concentrate, through an inner act of will, everything within it toward this one point in this inner work. Doing this only once or twice, temporarily, has no effect whatsoever on the life of the human soul. It is different, however, when we make what has just been described a continuous practice of the soul. Depending on a person’s disposition, one person may need to concentrate their inner soul life on a single point for just a few weeks, while another may need to do so for years, always in short intervals. What matters is that we repeatedly repeat the same image in the proper way or alternate it with other images.

[ 11 ] Ich kann selbstverständlich hier nur das Prinzipielle auseinandersetzen; Genaueres finden Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und auch im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft», wo auseinandergesetzt ist, wie man im Einzelnen diese, ich möchte immer wieder sagen, diese Laboratoriumsarbeit der Seele verrichtet. Dies ist etwas, was leicht geschildert ist, und wovon man sich auch vorstellen kann, dass es leicht verläuft in der Seele; doch möchte ich dafür das von Goethe gebrauchte Wort anwenden: «Zwar scheint es leicht, doch ist das Leichte schwer.» Denn es handelt sich darum, dass die Kräfte, die die Seele anwendet in solchen Verrichtungen, ganz und gar im gewöhnlichen Leben ungeübte sind. Indem man also mit Ablenkung der Aufmerksamkeit von allen äußeren und inneren Eindrücken das gesamte Seelenleben durch innere Willkür konzentriert — man nennt diese Verrichtungen «Meditation» und «Konzentration» —, geht mit der Seele eine innerliche, intime Veränderung vor sich. Nicht sogleich tritt diese Veränderung ein; auch nicht so, dass man etwa sich vornehmen kann: «Ich tue jetzt recht, recht viel und werde dann erreichen, was erreicht werden soll», das ist nicht der Fall, sondern das ist das Wesentliche, dass wir einen Begriff, eine Vorstellung, eine Empfindung, irgendeinen Gemütsimpuls nicht so verwenden wie sonst, sondern dass wir mit ihnen leben, dass wir uns ihnen ganz hingeben.

[ 11 ] Of course, I can only discuss the principles here; You will find more detailed information in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and also in the second part of my *Esoteric Science*, where it is explained in detail how one carries out this—I cannot stress this enough—laboratory work of the soul. This is something that is easy to describe, and one can imagine that it proceeds easily within the soul; yet I would like to apply the phrase used by Goethe: “It may seem easy, but what is easy is difficult.” For the point is that the forces the soul employs in such activities are entirely untrained in ordinary life. Thus, by diverting one’s attention from all external and internal impressions and concentrating the entire life of the soul through inner volition—these activities are called “meditation” and “concentration”—an inner, intimate transformation takes place within the soul. This transformation does not occur immediately; nor does it happen in such a way that one can simply resolve: “I will now do a great deal, and then I will achieve what is to be achieved”—that is not the case. Rather, the essential point is that we do not use a concept, an idea, a sensation, or any emotional impulse in the usual way, but that we live with them, that we surrender ourselves entirely to them.

[ 12 ] Dann müssen wir warten, nicht, was wir mit ihnen tun, sondern was sie, indem wir uns hingeben, was sie selber wachsend in uns werden. Es verwandelt sich unsere innere Seele wie in einen Zuschauer dessen, was in uns geschieht dadurch, dass wir uns ganz und gar identifizieren mit dem, was wir also in den Mittelpunkt unseres Bewusstseins gestellt haben. Nicht viel Zeit ist dazu notwendig im Laufe des Tages. Minuten genügen für manche, eine halbe Stunde für andere im Tage; aber lange fortgesetzt muss die Sache werden, und immer wiederum müssen diese sonst verborgenen Kräfte der Seele in einer solchen Weise gelenkt werden, wie ich es eben geschildert habe. Dann merkt derjenige, welcher sich solchen Übungen hingibt, der also ein Geistesforscher wirklich werden will, dass innerlich in ihm etwas vorgeht, wovon man im äußeren Leben keinen Begriff hat. Ebenso wenig kann man einen Begriff haben davon, wie derjenige, der von Chemie nie etwas gehört hat, sich einen Begriff machen kann, dass durch besondere chemische Verrichtungen Wasserstoff abgesondert werden kann aus dem Wasser; Wasserstoff, der ein Gas ist, der ganz anders aussieht als das Wasser, der brennt, während das Wasser löscht. Sowenig wie der, der von Chemie nie etwas gehört hat, eine Vorstellung davon haben kann, was da als Wasserstoff aus Wasser kommen kann, sowenig kann man im gewöhnlichen Leben einen Begriff haben von dem, was nun wird, wenn die Seele also mit Aufwendung von ungeheurer innerer Energie und Ausdauer Kräfte, die sie sonst nicht anwendet, auf einen Punkt hin ständig konzentriert.

[ 12 ] Then we must wait—not to see what we will do with them, but what they, as we surrender ourselves to them, will become as they grow within us. Our inner soul is transformed, as it were, into a spectator of what is happening within us, as we identify completely with what we have thus placed at the center of our consciousness. It does not take much time during the day. Minutes are enough for some, half an hour for others; but the practice must be sustained over the long term, and these otherwise hidden powers of the soul must be guided again and again in the manner I have just described. Then the person who devotes himself to such exercises—that is, the one who truly wishes to become a spiritual researcher—will notice that something is taking place within him of which one has no conception in external life. Just as one cannot have any concept of this, so too can someone who has never heard of chemistry not conceive of how, through specific chemical processes, hydrogen can be separated from water—hydrogen, which is a gas that looks entirely different from water, that burns while water extinguishes. Just as someone who has never heard of chemistry cannot form a concept of what can emerge from water as hydrogen, so too can one not, in ordinary life, have any concept of what happens when the soul—exerting immense inner energy and perseverance—constantly concentrates powers it would not otherwise use onto a single point.

[ 13 ] Da merkt nämlich die Seele nach und nach, dass etwas eintritt, was nicht im gewöhnlichen Leben vor sich geht. Die Seele merkt — das ist ein Erlebnis —, dass sie sich loslöst vom Physisch-Leiblichen; und das gehört zu den erschütterndsten Erlebnissen des Geistesforschers, dass er nun dasjenige, was im äußeren Leben oder in der äußeren Wissenschaft geleugnet wird, dass er das wirklich erlebt. Man kann nicht sagen, das Seelische sei schon losgelöst vom gewöhnlichen Leben. Nein, es ist damit verbunden. Aber indem der Geistesforscher so arbeitet, wie charakterisiert wurde, wird für ihn das Seelische losgelöst nach und nach erscheinen von dem Leiblichen. Er erlebt wirklich diese Loslösung, bevor man wirklich sagen kann, es schlüpfe das Seelisch-Geistige aus dem Physisch-Leiblichen heraus. Er kommt in einen Zustand, in dem er weiß: Du bist nicht mehr im Leibe mit deinem Denken und Empfinden, sondern du bist außerhalb des Leibes. Gerade das muss erlebt werden, was die gerade sich am wissenschaftlichsten dünkende Weltanschauung der Gegenwart leugnet, dass es ein geistig-seelisches Leben gibt, unabhängig vom Leibe.

[ 13 ] For the soul gradually realizes that something is happening that does not occur in ordinary life. The soul realizes—and this is an experience—that it is detaching itself from the physical body; and one of the most profound experiences for the spiritual researcher is that he now truly experiences what is denied in external life or in external science. One cannot say that the soul is already detached from ordinary life. No, it is connected to it. But as the spiritual researcher works in the manner described, the soul will gradually appear to him as detached from the physical body. He truly experiences this detachment before one can truly say that the soul-spiritual is slipping out of the physical body. He enters a state in which he knows: You are no longer in the body with your thinking and feeling, but you are outside the body. It is precisely this that must be experienced—what the worldview of the present day, which considers itself the most scientific, denies: that there is a spiritual-soul life independent of the body.

[ 14 ] Nun verläuft dasjenige, was der Geistesforscher weiter erlebt, in überraschender Weise. Zuerst fühlt man, wie man innerlich immer stärker und stärker lebt in Kräften, die man früher nicht kannte. Dann kommt ein Moment, wo diese innere, starke Energie und Kraftentfaltung, in der man sich schon, ich möchte sagen wie in einer Art innerem Wohlbefinden darinnen fühlt, dass diese abgedämpft wird, dass sie herabgedämpft wird. Und ein Moment tritt ein, wo man so etwas erlebt, wie wenn Finsternis sich ausbreitete über das Bewusstsein, das man sich außerhalb des Leibes erworben hat. Man könnte auch sagen: eine Art innerer Ohnmacht, ein Verschwinden und Versinken in etwas, was man wie ein inneres Erleben hat.

[ 14 ] What the spiritual researcher experiences next unfolds in a surprising way. At first, one feels oneself living more and more intensely within forces that were previously unknown. Then comes a moment when this inner, powerful energy and the unfolding of strength—in which one already feels, I might say, a kind of inner well-being—begins to subside, to be dampened. And a moment arrives when one experiences something as if darkness were spreading over the consciousness one has acquired outside the body. One could also say: a kind of inner powerlessness, a vanishing and sinking into something that one experiences as an inner sensation.

[ 15 ] Das alles, was der Geistesforscher durchmacht, ist nicht so gleichgültig zur Seele wie die Erlebnisse, die der gewöhnliche Wissenschaftler durchlebt. Denn das ergreift ihn in seinem ganzen Gemüt, das nimmt ihn ganz in Anspruch, das gießt über die Seele eine Fülle von zunächst erschütternden Erlebnissen aus. Dasjenige Erlebnis, das man also hat, wenn man vorrückt in der angedeuteten Weise, das ist so etwas wie die Vernichtung, wie ein ungeheures Einsamkeitsgefühl.

[ 15 ] Everything that the spiritual researcher goes through is not as indifferent to the soul as the experiences that the ordinary scientist goes through. For it grips his entire being, it completely absorbs him, and it pours out upon the soul a wealth of experiences that are at first deeply unsettling. The experience one has, then, when one proceeds in the manner described, is something like annihilation, like an immense feeling of loneliness.

[ 16 ] Und noch etwas erlebt man, was ich durch einen Vergleich charakterisieren will, der aber mehr sein soll als ein Vergleich: Nehmen Sie an, der Keim, der sich in der Pflanze entwickelt, der könnte sich etwas vorstellen, der könnte denken. Während die Pflanze wächst von der Wurzel zu den einzelnen Blättern, zur Blüte, bereitet sich ja der Keim vor; in ihm sind die Kräfte, die sich dann später entwickeln zu einer neuen Pflanze. Nur dadurch kann er sich entwickeln, dass er seine Kräfte entzieht der gesamten Pflanze. Nehmen wir nun an, er könnte mitfühlen das Leben der Pflanze — was müsste er fühlen? Er müsste sich sagen: Indem ich immer stärker werde, indem ich mich immer mehr entwickle, tue ich das auf Kosten der Pflanze, auf der ich mich entwickle. Ich bringe dort, dadurch dass die Kräfte in mir stark werden, dasjenige, was in den Laubblättern, in den Blüten ist, zum Welken, zum Abfallen, das muss ersterben. So auch fühlt derjenige, der in der geschilderten Weise durch Konzentration, durch Meditation hinschreitet zu dem, was ja nun auch ein wirklicher Kern, aber ein geistig-seelischer Kern im ganzen Leben des Menschen darinnen ist — so fühlt der, wirklich, so fühlt und empfindet er, als wenn er in demselben Maße, in dem er sich entwickelt, diesen Leib selbst wie welk werdend, wie zerschmelzend empfinden müsse im ganzen Weltenall. Aber derjenige, der wirkliches Erkennen haben will in der geistigen Welt, der muss diese Empfindung haben.

[ 16 ] And there is something else one experiences, which I would like to characterize through a comparison—though it is meant to be more than just a comparison: Suppose the germ that develops within the plant were capable of imagining something, of thinking. As the plant grows from the root to the individual leaves and on to the flower, the seed is preparing itself; within it lie the forces that will later develop into a new plant. It can develop only by drawing its forces from the entire plant. Now let’s assume it could empathize with the plant’s life—what would it have to feel? It would have to say to itself: As I grow stronger and stronger, as I develop more and more, I am doing so at the expense of the plant on which I am developing. By allowing the forces within me to grow stronger, I cause what is in the leaves and flowers to wither and fall off; it must die. In the same way, the person who, through concentration and meditation, advances in the manner described toward what is, after all, a real core— but a spiritual-soul core within the whole life of the human being—such a person truly feels and senses it as if, to the very same extent that he develops, he must perceive this body itself as withering, as melting away throughout the entire universe. But whoever wishes to attain true knowledge in the spiritual world must have this sensation.

[ 17 ] Nun wissen Sie, dass die gewöhnliche wissenschaftliche Philosophie spricht von Erkenntnisgrenzen, davon, dass des Menschen Erkennen über einen gewissen Punkt nicht hinausdringen könne. Sehr viele sagen, der Mensch könne nicht hinausdringen über das sinnlich Gegebene, das von dem Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, begriffen wird. Man bringt logische Beweise auf dafür, dass der Mensch über gewisse Grenzen der Erkenntnis nicht hinauskommen könne. Allein mit diesen logischen Beweisen, da hat es seine ganz besondere Bewandtnis. Etwas kann ganz gut logisch bewiesen sein, das Leben aber, das Leben in der Wahrheit, das überwindet dasjenige, was nur logischer Beweis ist. Ich will durch einen Vergleich klarmachen dasjenige, was ich eigentlich sagen will, obwohl auch wiederum mit diesem Vergleich mehr als ein Vergleich gegeben sein soll. Denken wir: In der Zeit, in der man noch kein Mikroskop gehabt hat, ja da ahnten gewisse Menschen, dass man kleinste Zellen, kleinste Gebilde in der Pflanze entdecken kann, aber sie sagten: Die menschlichen Sinne sind so eingerichtet, dass man solche kleinen Zellen nicht sehen kann. Daher, wenn sie auch vorhanden wären, wird man sie doch nie sehen können. Ein solcher Beweis konnte ganz richtig sein. Nichts konnte dagegen eingewendet werden. Das Leben aber ist darüber hinausgegangen: Man hat das Mikroskop gefunden und die kleinen Pflanzenzellen entdeckt.

[ 17 ] Now you know that conventional scientific philosophy speaks of the limits of knowledge—that human cognition cannot go beyond a certain point. Many people say that humans cannot go beyond what is given through the senses, which is grasped by the intellect bound to the brain. Logical proofs are presented to show that human beings cannot go beyond certain limits of knowledge. But there is something quite special about these logical proofs. Something may well be logically proven, but life—life in truth—transcends what is merely logical proof. I want to use a comparison to clarify what I actually mean to say, although this comparison is meant to be more than just a comparison. Let us consider: In the time before microscopes existed, certain people did indeed suspect that one could discover the tiniest cells and structures within plants, but they said: The human senses are constituted in such a way that one cannot see such tiny cells. Therefore, even if they existed, they would never be visible. Such an argument could have been entirely correct. Nothing could be said against it. But life has gone beyond that: the microscope was invented, and the tiny plant cells were discovered.

[ 18 ] Es wird sich schon einmal die Menschheit der Gegenwart und der Zukunft bekannt machen müssen mit dem für die Erkenntnis so wichtigen Satze, dass Beweise nichts besagen. Es kann etwas streng bewiesen sein und dennoch, das Leben in der Wahrheit kann darüber hinausgehen. Es kann jemand sagen: Da kommt solch ein vertrackter Geistesforscher und redet davon, dass der Mensch, die menschliche Erkenntnis hineinwachsen kann in die geistige Welt, während doch Kant unwiderleglich bewiesen hat, und andere auch, dass die menschliche Erkenntnis Grenzen hat. Solche Beweise will der Geistesforscher gar nicht antasten. Sie sind aber nicht mehr wert als der vorhin angedeutete Beweis. Das Leben wird darüber hinausgehen. Aber eine andere Frage: Woher kommt es denn, dass überhaupt Philosophen sich finden, die von Erkenntnisgrenzen sprechen, die sagen, man könne nicht eindringen in geistige Gebiete?

[ 18 ] Humanity—both present and future—will have to come to terms with the idea, so crucial to understanding, that proofs mean nothing. Something may be rigorously proven, and yet life in truth can go beyond that. Someone might say: Here comes such a convoluted spiritual researcher, talking about how human beings and human knowledge can grow into the spiritual world, when Kant—and others as well—have irrefutably proven that human knowledge has limits. The spiritual researcher has no intention of challenging such proofs. But they are no more valid than the proof mentioned earlier. Life will go beyond that. But here is another question: Why is it that there are philosophers at all who speak of the limits of knowledge, who say that one cannot penetrate into spiritual realms?

[ 19 ] Nun, dasjenige, was der Geistesforscher findet, es ist durch ihn nicht geschaffen, es ist nur erkannt; dadurch, dass man etwas erkennt, verändert man nicht dasjenige, was da ist. Dasjenige, was der Geistesforscher erlebt wie eine innere Ohnmacht der Seele, wie eine innere Einsamkeit der Seele, das ist immer auf dem Grunde der Seele ausgebreitet. Das liegt da unten in der Seele, nur eben eine gnadenvolle Weisheit deckt einen Schleier darüber, und es bleibt dem Menschen unbewusst. Und nun kommt der Philosoph; er arbeitet nur mit dem Bewusstsein, das an das Gehirn gebunden ist. Er weiß nicht, dass da unten in der Seele geheime Furcht und Scheu ist davor, bis zu dem Punkte aufzusteigen, wo die Erkenntnis zunächst sich wie in einsamer Ohnmacht fühlt. Davon weiß er nichts, und unbewusst schreckt er davor zurück. Er scheut sich nur, weiter vorzudringen, als das Denken geht, das an das Gehirn gebunden ist. Nun dauert dasjenige, was ich beschrieben habe — oder wenigstens darf es nicht dauern über eine gewisse Zeit hinaus.

[ 19 ] Well, what the spiritual researcher discovers is not created by him; it is merely recognized. Recognizing something does not change what is already there. What the spiritual researcher experiences as an inner powerlessness of the soul, as an inner loneliness of the soul, is always spread out at the very depths of the soul. It lies there deep within the soul; it is merely that a gracious wisdom casts a veil over it, and it remains unconscious to the person. And now comes the philosopher; he works only with the consciousness that is bound to the brain. He does not know that deep within the soul there is a secret fear and hesitation about ascending to the point where knowledge initially feels as if in solitary helplessness. He knows nothing of this, and unconsciously he shrinks back from it. He is simply afraid to venture further than the thinking bound to the brain can reach. Now, what I have described—or at least it must not last beyond a certain time.

[ 20 ] Der Mensch darf nicht bloß in die innere Stimmung hineinkommen, die ich eben geschildert habe, sondern der Mensch muss, wenn er ein wirklicher Geistesforscher werden will, eine parallel gehende Übung machen, er muss eine andere Übung machen, welche Sie ebenso in allen Einzelheiten geschildert finden in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Überall da, wo geistesforscherische Methoden recht getrieben werden, wird nicht einseitig das empfohlen, was eben beschrieben worden ist, sondern auch der andere Weg.

[ 20 ] One must not merely enter into the inner state of mind that I have just described; rather, if one wishes to become a true spiritual researcher, one must undertake a parallel practice—one must engage in another exercise, which you will also find described in full detail in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. Wherever spiritual research methods are properly practiced, the approach just described is not recommended in isolation; rather, the other path is also recommended.

[ 21 ] Dieser andere Weg — ich kann ihn am besten durch das Folgende verständlich machen —, er hängt zusammen mit einem Begreifen desjenigen, was ein für das menschliche Leben unendlich bedeutungsvolles Wort einschließt, nämlich das Wort «Schicksal». Was alles schließt das Wort «Schicksal» für das menschliche Leben ein! Allein, wie treten diejenigen Tatsachen an den Menschen heran, die gewöhnlich als Schicksal bezeichnet werden? Wir leben drinnen in der Welt. Dasjenige, was herankommt an uns als Leid oder Freude, als Schmerz oder Lust bereitendes Schicksal, das wird gewöhnlich aufgefasst wie Zufälle, die an den Menschen herantreten. Und der Verlauf unseres Schicksals zwischen Geburt und Tod wird so aufgefasst wie eine Summe von Ereignissen, in deren Zusammenhang man nicht weiter hineinblickt, als dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Wenn so der Mensch seinem Schicksal im gewöhnlichen Leben gegenübersteht, ist es so, wie wenn derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, gegenübersteht den Tatsachen der äußeren Natur. Da geht die Sonne auf; da gehen die Sterne auf und unter; da kommen Wind und Wetter und so weiter. Derjenige, der niemals von Naturwissenschaft gehört hat, der sucht in diesen Tatsachen keinen Zusammenhang; er sucht nicht die Gesetze, die da drinnen walten.

[ 21 ] This other path—which I can best explain through what follows—is connected to an understanding of what is encompassed by a word of infinite significance for human life, namely the word “fate.” What does the word “fate” encompass for human life! But how do those facts—which are usually referred to as fate—manifest themselves to human beings? We live in the world. What comes to us as fate—bringing suffering or joy, pain or pleasure—is usually understood as mere coincidences that befall us. And the course of our fate between birth and death is viewed as a sum of events, into the context of which one does not look any deeper than to recognize that one is pleasant and the other unpleasant. When a person faces their fate in everyday life in this way, it is as if someone who has never heard of the natural sciences were facing the facts of the external natural world. The sun rises; the stars rise and set; wind and weather come and go, and so on. Someone who has never heard of natural science does not seek any connection in these facts; he does not seek the laws that govern them.

[ 22 ] Aber geradeso, wie jemand, der nicht etwas von Naturwissenschaft gehört hat, sich zu einem Naturforscher verhält, so verhält sich der Mensch im gewöhnlichen Leben zu demjenigen, wie der Geistesforscher nun dieses Schicksal aufzufassen hat. Da gehen wir aus von einem ganz Gewöhnlichen, von dem Alltäglichsten in diesem unserem Menschenleben. Fragen wir uns einmal vorurteilslos und unbefangen, was wir denn in irgendeinem Moment unseres Lebens — wir wollen zunächst nur vom gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod sprechen —, was wir da in Bezug auf unser Selbst sind. Ja, dasjenige, was wir unser Selbst nennen, es besteht doch in dem, was wir können, was wir vermögen, was unsere Fähigkeiten sind, wie stark oder schwach wir dem Leben gegenüberstehen. Woher kommt das aber also?

[ 22 ] But just as someone who has never heard of the natural sciences behaves toward a natural scientist, so does the average person in everyday life behave toward the spiritual scientist—who must now come to terms with this fate. Let us start from something entirely ordinary, from the most everyday aspects of our human life. Let us ask ourselves, without prejudice or preconceptions, what we are—in relation to our own self—at any given moment of our lives—let us speak for now only of ordinary life between birth and death. Yes, what we call our “self” consists, after all, in what we can do, what we are capable of, what our abilities are, and how strong or weak we are in the face of life. But where does that come from?

[ 23 ] Wenn wir so das Leben betrachten, wird uns auffallen können, indem wir zurückschauen von einem späteren Lebensalter auf ein früheres Lebensalter, sagen wir, die Zwanzigerjahre, da sind diese oder jene Ereignisse an uns herangetreten, die wir Schicksals-Zufälle nennen. Bedenken wir: Was dadurch an uns herantrat, davon hängt das ab, was wir heute können. Wäre es nicht an uns herangetreten, so wären wir ein ganz anderer. Derjenige, der wir sind, sind wir geworden durch das Erlebte. Wiederum dasjenige, was hier gemeint ist, kann als «leicht» bezeichnet werden, doch kann man auch hier sagen: «doch ist das Leichte schwer». Denn der Geistesforscher wird erst in die Geisteswissenschaft hineingeführt dadurch, dass er hinblickt auf das Schicksal, wie es der Schmied ist unseres Selbst mit allem seinem Können, mit all seinem Vermögen, dass er dieses Hinblicken zu einer inneren Übung macht und immer mehr und mehr sich klar wird: Ja, du bist ja eigentlich nichts anderes als dasjenige, was das Schicksal aus dir geschmiedet hat. Sieh auf den Strom deines Schicksals hin, dann findest du, dass du dir ganz [Lücke im Text] ließest; du musst selbst verfolgen, wie es dahinströmt im Schicksal. Das muss eine EmpfindungsGewohnheit werden, die im Menschen erwacht, dass er jetzt wirklich auch auf diesem Wege aus sich selbst herauskommt und dass er in dem hinfließenden Strom des Schicksalserlebens sich als seinen Schöpfer ansieht. Wenn das wiederum immer wiederholt wird, dann fällt etwas ab von unserem Schicksalserleben.

[ 23 ] When we look at life in this way, we may notice—as we look back from a later stage of life to an earlier one, say, our twenties—that certain events came our way, which we call twists of fate. Let us consider: What came our way through these events determines what we are capable of today. Had they not come our way, we would be entirely different people. We have become who we are through what we have experienced. Again, what is meant here can be described as “easy,” yet one can also say in this context: “yet the easy is difficult.” For the spiritual researcher is only introduced to spiritual science by looking upon destiny—which is the smith of our self, with all its skill and all its power—and by making this act of looking an inner exercise, becoming more and more clearly aware: Yes, you are actually nothing other than what destiny has forged out of you. Look upon the stream of your destiny, and you will find that you have completely [gap in the text] allowed yourself to be carried along; you must yourself follow how it flows along in destiny. This must become a habitual sensibility that awakens within the human being, so that he now truly steps out of himself in this way and, in the flowing stream of the experience of fate, sees himself as its creator. When this, in turn, is repeated again and again, something falls away from our experience of fate.

[ 24 ] Ich sagte früher, dass wir ja im gewöhnlichen Leben unser Schicksal so betrachten, dass einem das eine sympathisch, das andere antipathisch ist. Diese Empfindung des Sympathischen und Antipathischen hört auf, muss aufhören, wenn wir das Schicksal als Schöpfer von uns selbst betrachten. Und je mehr wir überwinden diese Sympathie und Antipathie methodisch innerlich, im innersten Seelenlaboratorium überwinden, je mehr wir dazu kommen, zum Schicksal aufzublicken und zu sagen: Du hast mich geschaffen, aus dir bin ich ja hervorgegangen, desto mehr wird vertieft diese Empfindung des Identifizierens mit dem Schicksal. Damit geschieht aber viel mehr. Indem diese Empfindung immer mehr auftaucht willkürlich durch innere Meditation — jetzt mehr durch Empfindungs- und Gefühls-Meditation bewirkt wird —, umso mehr werden wir wiederum frei in diesem Empfinden und Fühlen, frei von unserem Leiblichen. Und wir fühlen, wie wir heraustreten wiederum aus diesem Leiblichen, jetzt aber nicht in eine Vernichtung hinein, sondern jetzt so, dass wir, indem wir aus uns herausgehen, wie in die gesamte äußere Welt, in das Universum, in den Kosmos aufgehen.

[ 24 ] I used to say that in everyday life we view our fate in such a way that we find some things appealing and others unappealing. This sense of what is appealing and what is unappealing ceases—must cease—when we view fate as the creator of ourselves. And the more we methodically overcome this sympathy and antipathy inwardly—in the innermost laboratory of the soul—the more we come to look up to fate and say, “You have created me; I have indeed emerged from you,” the more this sense of identification with fate deepens. But much more happens as a result. As this feeling arises more and more spontaneously through inner meditation—now brought about more by meditation on sensations and emotions—the more we, in turn, become free within this sensing and feeling, free from our physical body. And we feel how we step out once again from this physical body, but now not into annihilation, but rather in such a way that, as we step out of ourselves, we merge with the entire outer world, the universe, and the cosmos.

[ 25 ] Aber nicht das, was wir in dem Sinne [Lücke im Text], sondern indem unser Schicksal willensmäßig gewoben wird. Wir strömen ein mit unserem Selbst in das durch die Welt webende und lebende Willenselement höherer geistiger Wesenheiten. Wir dringen aus uns heraus, und wir haben das Gefühl: Das Auge an dir ist eingebettet in deinen Organismus, so bist du eingewoben in den ganzen Kosmos. Du bist aus dem Kosmos herausgewollt, du bist ein Willensakt aus dem Kosmos.

[ 25 ] But not what we mean in that sense [gap in the text], but rather in that our destiny is woven by the will. We flow, together with our self, into the element of will—woven through the world and alive—of higher spiritual beings. We reach out from within ourselves, and we have the feeling: Just as your eye is embedded in your organism, so are you woven into the entire cosmos. You were willed forth from the cosmos; you are an act of will from the cosmos.

[ 26 ] Und wenn man charakterisieren will, was man da nun wiederum erschütternd empfindet — denn alles, was geisteswissenschaftliche Methode ist, ist zu gleicher Zeit, in seinen Anfängen wenigstens, mit erschütternden Ereignissen verwoben —, wenn man das charakterisieren will, so könnte man es durch folgende Worte ausdrücken, was man da empfindet: Dasjenige, was man war oder zu sein glaubte, dieses Selbst mit allen seinen Fähigkeiten, mit alledem, was man da ist, das hat man eigentlich verloren. Das ist ausgeströmt zuerst in die Schicksalswelt, dann in das allgemeine Universum, und man muss sich in einer neuen Weise aus der ganzen Welt empfangen, sich gegenübertreten. Das wird ein Erlebnis, dass man sich sagt: So, wie man früher war, so ist man jetzt nicht mehr. Aber dir tritt ein höheres Selbst aus der ganzen Welt entgegen, du schaust dich an.

[ 26 ] And if one wishes to describe what one finds so deeply unsettling—for everything that constitutes the method of the humanities is, at least in its early stages, interwoven with deeply unsettling events—if one wishes to describe that, one could express what one feels in the following words: That which one was, or believed oneself to be—that self with all its faculties, with everything that one is—one has actually lost. It has flowed out first into the world of destiny, then into the universal cosmos, and one must receive oneself anew from the whole world, encounter oneself anew. This becomes an experience in which one says to oneself: One is no longer the person one used to be. But a higher self steps toward you from the whole world; you look at yourself.

[ 27 ] Dieses Gefühl ist wiederum mit etwas Unterbewusstem im Empfinden verknüpft, das man im gewöhnlichen Leben nicht kennt, über das wiederum ein Schleier gnadenvoll gewoben ist, mit dem Gefühle der Furcht, der Furcht vor dem, was man in Wahrheit ist, wenn man sich so vor sich selbst gestellt findet, wie einen die Welt will. Und diese Furcht muss überwunden werden. Man kann nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis kommen, als wenn man erst die Furcht vor dem Selbst überwindet.

[ 27 ] This feeling, in turn, is linked to something subconscious in one’s perception—something unknown in ordinary life—over which a veil has been mercifully woven, a veil that conceals feelings of fear: the fear of what one truly is when one finds oneself confronted with the self as the world wants it to be. And this fear must be overcome. One cannot attain true self-knowledge unless one first overcomes the fear of the self.

[ 28 ] So muss man gehen durch zwei Erlebnisse: eine Art Ohnmachtsgefühl und eine Art Furchtgefühl. Während man durch das erste Erlebnis die Einsamkeit kennenlernt, findet man sich wieder durch das zweite Erlebnis, sodass dasjenige, was man früher verloren hat, indem man aus dem Leibe herausgegangen ist durch Meditation, Konzentration, was übergegangen ist in eine Art Vernichtungsgefühl, das erscheint einem jetzt von der anderen Seite wiederum, indem man sieht, wie man gewollt ist vom Universum. Wiedergegeben wird man sich vom Universum.

[ 28 ] One must thus go through two experiences: a kind of feeling of powerlessness and a kind of feeling of fear. While the first experience introduces one to loneliness, the second experience brings one back to oneself, so that what one had previously lost—by stepping outside one’s body through meditation and concentration, which had turned into a kind of feeling of annihilation—now reappears from the other side as one realizes how one is wanted by the universe. One is restored by the universe.

[ 29 ] Diejenigen, die im Laufe der menschlichen Entwicklung etwas gewusst haben von solch wirklich tieferen Erkenntniserlebnissen, die haben dasjenige, was da erlebt werden konnte, mit dem sehr treffenden Wort bezeichnet: Der Geistesforscher komme, indem er diese Erlebnisse hat, in die Nähe der Pforte des Todes. Und in der Tat, dasjenige, was zuerst geschildert wurde als eine Art Ohnmacht, das führt einen wie in die Nähe des Todes. Sehen wir uns einmal an, wie das äußere Leben im gewöhnlichen Dasein uns entgegentritt. In der Kindheit heranwachsend, tritt es uns entgegen, indem unsere Kräfte stärker werden. Aber wenn das Leben wieder abwärts geht, sehen wir, wie Vernichtung unser Leben ergreift. Und dass wir dem Tode entgegengehen, das zeigt uns die Vernichtung an. Und alles, was der Mensch im gewöhnlichen Leben vom Tode weiß, ist nichts anderes als dasjenige, dass der Tod die Vernichtung desjenigen ist, was der Mensch durch die Geburt geworden ist. Und weil der Mensch festhält an der äußeren Vernichtung, erscheint ihm der Tod als Abschluss des äußeren Lebens.

[ 29 ] Those who, in the course of human development, have had some experience of such truly profound insights have described what could be experienced there with the very apt phrase: By having these experiences, the spiritual researcher comes close to the gate of death. And indeed, what was first described as a kind of fainting sensation leads one, as it were, close to death. Let us consider how external life presents itself to us in ordinary existence. As we grow up in childhood, it confronts us as our powers grow stronger. But when life begins to decline again, we see how destruction takes hold of our lives. And it is this destruction that shows us that we are heading toward death. And all that a person knows about death in ordinary life is nothing other than that death is the destruction of what a person has become through birth. And because a person clings to external destruction, death appears to them as the end of external life.

[ 30 ] Wenn wir das erste geschilderte Erlebnis haben, merken wir, dass wir eigentlich unser Denkleben, unser Seelenleben gerade den Kräften verdanken, welche am menschlichen Leibe vernichtend wirken; das ist das tragisch Erschütternde im Fortschreiten der Erkenntnis. Wir sehen, dass nicht mit den Wachstumskräften, sondern gerade mit den abtragenden Kräften unser Seelenleben zusammenhängt, gerade mit den abtragenden Kräften, mit den Kräften, welche im gewöhnlichen Leben schon von Geburt an dem Tode entgegenarbeiten. Und so merken wir, dass mit all dem, was schon mit der Geburt beginnt, das Leben auf zu [Lücke im Text] in diese Zerstörungskräfte gegeben sind, in denen unser Seelenleben wurzelt, indem es überwindet die äußeren physischen Wachstumskräfte.

[ 30 ] When we have the first experience described, we realize that we actually owe our life of thought, our soul life, precisely to the forces that have a destructive effect on the human body; this is what is so tragically shocking about the progression of our understanding. We see that our soul life is connected not with the forces of growth, but precisely with the forces of decay—precisely with the forces of decay, with the forces that, in ordinary life, work toward death from the very moment of birth. And so we realize that, with everything that begins at birth, life is given over to [gap in the text] these destructive forces, in which our soul life is rooted, as it overcomes the external physical forces of growth.

[ 31 ] Dann erleben wir, dass der Mensch den Moment des Todes braucht, den Moment, wo abfällt das physisch-leibliche Dasein, dass dieser Moment für das Leben in der geistigen Welt ebenso das Bewusstsein verleiht, wie durch die Kräfte der Geburt das Bewusstsein für das gewöhnliche Leben verliehen wird. Man merkt, dass der Tod der Schöpfer des Bewusstseins nach dem Tode ist, dass wir den Tod als den Schöpfer des nachtodlichen Bewusstseins haben. Und wir merken die Lebensbedeutung des Todes; wir merken, wie der Tod, indem er immer in uns waltet, uns als Geistesforscher dahinführt, dass wir erkennen, dass wir einen Wesenskern in uns tragen, der als Geistig-Seelisches nach dem Tode aus uns geht. Wie der Pflanzenkeim aus der Pflanze hervorgeht und eine neue Pflanze bewirkt, so geht dieser geistig-seelische Wesenskern durch die Pforte des Todes hindurch in eine geistige Welt hinein, in der er sich dann weiterentwickelt. Und wie wir selbst aus der Welt heraus uns entwickelt haben, das wird uns klar durch das andere, wie wir herausgewollt sind aus dem Leben.

[ 31 ] Then we come to realize that human beings need the moment of death—the moment when physical existence ceases—because this moment bestows consciousness for life in the spiritual world just as the forces of birth bestow consciousness for ordinary life. We realize that death is the creator of consciousness after death, that we have death as the creator of postmortem consciousness. And we perceive the significance of death for life; we perceive how death, by always reigning within us, leads us—as spiritual researchers—to recognize that we carry within us an essential core that, as a spiritual-soul element, departs from us after death. Just as the plant seed emerges from the plant and gives rise to a new plant, so this spiritual-soul core passes through the gateway of death into a spiritual world, where it then continues to develop. And just as we ourselves have developed out of the world, this becomes clear to us through the other—through the way we have been willed out of life.

[ 32 ] Und wenn also der Geistesforscher dasjenige, was geschildert worden ist, entwickelt nach zwei Seiten hin und frei wird das Geistig-Seelische von dem PhysischLeiblichen, dann versinkt die äußere, physisch-sinnliche Welt. Der Geistesforscher weiß, dass er sie zurückgelassen hat, aber er tritt ein in eine geistige Welt. Er weiß sich nunmehr drinnen wirkend in dieser geistigen Welt. Er weiß, dass er da drinnen eine Wesenheit ist, denn er hat gelernt anzuschauen, wie diese Wesenheit sich loslösen kann vom Physisch-Leiblichen. Und indem man anschaut, wie man herausgewollt ist aus der Welt, kommt man zu ganz anderen Inhalten der Welt. Ein anderes Bewusstsein über eine Welt, die man vorher nicht kannte, die eine wirkliche geistige Welt ist, bekommt man. Und jetzt wird es wirklich Erlebnis, dass hinter der sinnlich-physischen Welt eine Welt von geistigen Wesenheiten ist, dass die physische Welt ein Schleier ist, hinter dem die geistigen Wesenheiten sind. Wenn der Mensch also selber gefunden hat, wie er aus dem Universum gewollt ist, findet er die geistige Welt, eine Welt von wirklichen Wesenheiten, nicht bloß von Begriffen und Ideen, wie der Pantheismus sagt. Ja, der Mensch findet noch viel mehr. Gerade dadurch, dass er dieses Gemütselement ausbildet, dieses Fühlen, das damit elementar beginnt, dass man sich mit dem Schicksal identifiziert, dadurch lebt sich der Mensch allmählich ein in die Welt, in der die Menschen sind, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind.

[ 32 ] And so when the spiritual researcher develops what has been described in two directions, and the spiritual-soul aspect becomes free from the physical-bodily aspect, then the outer, physical-sensory world recedes. The spiritual researcher knows that he has left it behind, but he enters a spiritual world. He now knows that he is active within this spiritual world. He knows that he is a being there, for he has learned to observe how this being can detach itself from the physical-bodily realm. And by observing how one has willed oneself out of the world, one gains access to entirely different aspects of the world. One acquires a different awareness of a world that was previously unknown—a world that is truly spiritual. And now it truly becomes a lived experience that behind the sensory-physical world lies a world of spiritual beings, that the physical world is a veil behind which the spiritual beings exist. Thus, when a person has discovered for themselves how they are intended to exist within the universe, they find the spiritual world—a world of real beings, not merely of concepts and ideas, as pantheism claims. Yes, human beings discover much more than that. Precisely by developing this emotional element—this feeling that begins at a fundamental level with identifying with one’s destiny—human beings gradually become attuned to the world in which people dwell after they have passed through the gate of death.

[ 33 ] Ich möchte nicht davor zurückschrecken, sehr verehrte Anwesende, weil ich nicht allein im Abstrakten herumreden will, sondern Konkretes zeigen will, wirklich auch etwas Konkretes anzuführen: Dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, man erlebt, man erfährt es anders, als man erfährt die Dinge hier in der physisch-sinnlichen Welt. Hier sind die Wesenheiten außer uns, wir stehen vor ihnen, wir nehmen sie wahr, wir begreifen sie durch den Verstand. Wenn wir auf die geschilderte Weise aus dem Leibe herausgehen, werden wir ergriffen von den Wesenheiten der geistigen Welt. Ich möchte sagen: Wie von vorne treten an uns heran in der sinnlichen Welt die Wesenheiten und Tatsachen in uns hinein. Wie gleichsam von hinten uns nehmend und uns in sich hineinstellend, so werden wir gewahr, was in der geistigen Welt als Wesenheiten wirklich drinnen ist.

[ 33 ] I do not wish to shy away from this, distinguished audience, because I do not want to merely speak in abstract terms, but rather to show something concrete—to actually cite something concrete: What takes place in the spiritual world is experienced differently than how we experience things here in the physical-sensory world. Here, the beings are outside of us; we stand before them, we perceive them, and we grasp them through our intellect. When we step out of our bodies in the manner described, we are embraced by the beings of the spiritual world. I would like to say: Just as in the physical world the entities and facts approach us from the front and enter into us, so—as if taking us from behind and placing us within themselves—we become aware of what is truly within the spiritual world as entities.

[ 34 ] Ein einzelnes Beispiel möchte ich Ihnen heute anführen. Ich möchte von vornherein sagen, dass ich wohl weiß, dass, gerade wenn man in solche einzelne Beispiele eingeht, sich erhebt dasjenige, was immer wieder gesagt wird: Das alles ist ja doch nur eine verrückte Phantasterei! Und ich finde es durchaus begreiflich, dass die Denkgewohnheiten der Gegenwart so sprechen. Aber ich werde gleich nachher sagen, auf welchen Standpunkt sich der Geistesforscher in diesem Punkte stellen muss. Ich war vor einiger Zeit — verzeihen Sie, dass ich etwas Persönliches anführe, aber der Chemiker muss das ja auch anführen, was zeigen soll, was er entdeckt hat in seinem Laboratorium —, vor einiger Zeit war ich in die Notwendigkeit versetzt, den geistigen Verlauf der Menschheitsentwicklung geschichtlich in einer gewissen Richtung zu verfolgen. Es war, als ich die Einleitung schrieb zu meinem Buche «Rätsel der Philosophie». Ich wollte in einem einleitenden Kapitel die großen Gesichtspunkte, welche die Philosophieperioden in der Entwicklung der Menschheit [Lücke im Text]. Da war ich in der Lage, dass gerade für die ersten Jahrhunderte der christlichen Entwicklung ich ahnen konnte, dass da wichtige Impulse im abendländischen Geistesleben vorhanden sind. Allein, wenn man es ernst nimmt gerade mit der Erforschung des geistigen Lebens, wird man wirklich sehr bald die Gelegenheit haben, zu bemerken, wie man recht bescheiden wird mit Bezug auf dasjenige, was der menschliche Forschungssinn vermag gegenüber den Tiefen der Welt. Und da gestehe ich denn offen — und gerade aus der Offenheit, mit der ich es gestehe, werden Sie etwas von dem erfühlen können, was als Wahrheit das zu Sagende durchdringt —, ich gestehe es offen, dass ich zunächst wie stumpf den eigenen Forschungssinn fand gerade gegenüber der philosophischen Eigentümlichkeit der ersten christlichen Jahrhunderte. Nun war eine befreundete Persönlichkeit unserer geistigen Bewegung einige Zeit vorher gestorben; und dasjenige, was als Seele gerade dieser befreundeten Persönlichkeit in der geistigen Welt war, konnte ich wie an mich herankommend fühlen, indem ich forschte nach diesen Eigentümlichkeiten der philosophischen Entwicklung in den ersten christlichen Jahrhunderten. Und da ich hier in der physischen Welt jene Persönlichkeit recht genau gekannt habe, war es möglich, aus dem, was nun in meine eigenen Empfindungen und Gedanken eindrang — ich meine dieses Von-hinten-Eindringen —, das konnte ich erkennen als von dieser Persönlichkeit herrührend. Und sehr bald konnte ich Bekanntschaft fühlen mit dieser Seele, die genauere Einsicht nach dem Tode hatte über die ersten christlichen Jahrhunderte; und in mein eigenes Darstellen der Eigentümlichkeit des Charakters der ersten christlichen Jahrhunderte floss ein dasjenige, was diese Seele hineininspirierte. Und dasjenige, was ich dazumal selbst vermochte, was ich charakterisierte in meinen «Rätsel der Philosophie» über diese Periode, das verdanke ich dem geistigen Zusammensein mit dieser sogenannten toten Seele, die eben einige Zeit vorher in die geistige Welt gegangen war.

[ 34 ] I’d like to give you a single example today. I would like to say from the outset that I am well aware that, precisely when one goes into such individual examples, the oft-repeated objection arises: “All of this is just crazy fantasy!” And I find it entirely understandable that contemporary ways of thinking would speak in this way. But I will explain shortly what position the researcher of the spiritual realm must take on this point. Some time ago—forgive me for mentioning something personal, but a chemist must, after all, cite examples to demonstrate what he has discovered in his laboratory—some time ago I was compelled to trace the spiritual course of human development historically in a certain direction. It was when I was writing the introduction to my book *The Riddles of Philosophy*. In an introductory chapter, I wanted to outline the major perspectives that characterize the periods of philosophy in the development of humanity [gap in the text]. I found myself in a position where, particularly regarding the first centuries of Christian development, I could sense that there were important impulses present in Western intellectual life. However, if one takes the study of spiritual life seriously, one will very soon have the opportunity to realize just how humble one becomes when considering what the human spirit of inquiry is capable of in the face of the depths of the world. And so I confess openly—and it is precisely from the openness with which I confess this that you will be able to sense something of the truth that permeates what I am about to say—I confess openly that at first I found my own spirit of inquiry to be, as it were, dulled, particularly in the face of the philosophical distinctiveness of the first Christian centuries. Now, a friend from our spiritual movement had died some time before; and as I was investigating these peculiarities of philosophical development in the early Christian centuries, I could feel what was in the spiritual world as the soul of this very friend drawing near to me. And since I had known that person quite well here in the physical world, it was possible for me to recognize that what was now penetrating my own feelings and thoughts—I mean this penetration from behind—originated from that person. And very soon I felt a connection with this soul, who, after death, had a deeper insight into the early Christian centuries; and what this soul inspired flowed into my own description of the distinctive character of the early Christian centuries. And what I was able to accomplish myself at that time—what I described in my *Riddles of Philosophy* regarding this period—I owe to the spiritual communion with this so-called dead soul, who had entered the spiritual world just some time before.

[ 35 ] Gerade der Geistesforscher wird es in der Gegenwart ganz begreiflich finden, wenn solche Dinge, wenn sie ausgesprochen werden, nur Spott und Hohn begegnen. Allein Spott und Hohn und Widerspruch über die «Phantasterei» hat sich ja auch schon einmal erhoben, sehr verehrte Anwesende, als etwas heraufgekommen ist, was den Denkgewohnheiten der Menschen widersprochen hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es jemand gibt, der da sagt: Was der behauptet, das widerstrebt ja ganz und gar den gesunden fünf Sinnen! Es hat einmal eine Zeit gegeben, wo cs angemessen den fünf Sinnen war, dass die Erde stillstehe und dass die Sonne sich um die Erde, dass die Sterne sich um die Erde ringsherum bewegen. Das entsprach durchaus den gesunden fünf Sinnen. Dann kam Kopernikus und erklärte, dass es in Wahrheit ganz anders ist. Und wie man sich gewöhnt hat, ganz langsam sich gewöhnt hat, auch mit Bezug auf dieses als Wahrheit hinzunehmen, was den sogenannten fünf Sinnen widerspricht, so wird sich die Menschheit auch gewöhnen, mit Bezug auf dasjenige, was hier angedeutet wurde über das Eindringen in geistige Welten, das hinzunehmen, was so scheinbar den fünf Sinnen widerspricht.

[ 35 ] Especially the spiritual researcher will find it quite understandable in the present day that when such things are spoken of, they are met with nothing but ridicule and scorn. Yet, dear friends, mockery, scorn, and objections regarding “fantasy” have arisen before whenever something emerged that contradicted people’s habitual ways of thinking. I can very well imagine that there are those who would say: What he claims is completely at odds with the five healthy senses! There was once a time when it seemed entirely consistent with the five senses that the Earth stood still, that the Sun revolved around the Earth, and that the stars moved in circles around the Earth. That was entirely in line with the five senses. Then Copernicus came along and explained that the truth was actually quite different. And just as people have gradually become accustomed—very slowly—to accepting as truth even what contradicts the so-called five senses, so too will humanity become accustomed to accepting, with regard to what has been hinted at here concerning the penetration into spiritual worlds, that which seemingly contradicts the five senses.

[ 36 ] Dann kam einer nach Kopernikus, Giordano Bruno war es, der musste sagen, nachdem er in seine ganze Seele aufgenommen hatte das Weltbild des Kopernikus: die Entwicklung eurer Sinne — und die hat dazumal wirklich allen gesunden Sinnen entsprochen —, die macht es, dass ihr da oben das blaue Firmament seht. Ihr haltet es für eine Wirklichkeit, aber das ist gar nicht da oben. In den unendlichen Raum hinein sind eingebettet unendliche Welten, und nur die Begrenztheit eures Schvermögens macht es, dass da oben das blaue Firmament ist. So war dieses Firmament als eine Begrenztheit des menschlichen Sehvermögens bloß erklärt. So aber ist auch für das materialistische Denken ein zeitliches Firmament da. Das ist auf der einen Seite begrenzt durch die Geburt, auf der anderen Seite durch den Tod. Geradeso, wie das blaue Raumesfirmament nicht da ist, so ist nicht da jenes zeitliche Firmament, jene Grenze des Lebens, das verfließt zwischen Geburt und Tod, sondern das Leben dehnt sich hinaus jenseits von Geburt und Tod in die Unendlichkeit. Und eingebettet ist darin, in diese Unendlichkeit, dasjenige, was erst das wahre Menschenleben ist.

[ 36 ] Then came someone after Copernicus—it was Giordano Bruno—who, after having fully absorbed Copernicus’s worldview into his very soul, had to say: The development of your senses—and at that time, this truly corresponded to all sound judgment—is what enables you to see the blue firmament up there. You take it to be a reality, but it is not really up there at all. Infinite worlds are embedded within infinite space, and it is only the limitations of your vision that cause the blue firmament to appear up there. Thus, this firmament was merely explained as a limitation of human vision. But for materialistic thinking, too, there is a temporal firmament. It is bounded on one side by birth and on the other by death. Just as the blue firmament of space does not exist, so too does that temporal firmament—that boundary of life that flows between birth and death—not exist; rather, life extends beyond birth and death into infinity. And embedded within this infinity is that which alone constitutes true human life.

[ 37 ] Es war ja, wie bekannt ist, der große Denker, der tonangebende Denker der neueren Zeit, Lessing, der zuerst gesprochen hat davon, dass der ganze geschichtliche Verlauf der Menschheit nur einen Sinn habe, wenn man sich vorstellt, dass die Menschen in wiederholten Erdenleben ihr Leben absolvieren; sodass das ganze menschliche Leben verläuft so, dass wir leben zwischen Geburt und Tod, oder meinetwillen zwischen Empfängnis und Tod, dann ein geistiges Leben führen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durch eine neue Geburt wieder in ein Erdenleben eintreten, und so weiter, bis Zustände kommen, für die dieses nicht mehr gilt. Ebenso können wir auch zurückblicken in die Vergangenheit auf wiederholte Erdenleben. Ich kann heute nicht eingehen auf dasjenige, was als Zustände voranging, bevor die wiederholten Erdenleben begonnen haben. Lessing, so sagen die Menschen, Lessing hat ja Großes geschaffen, aber als er «Die Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, da war er schon altersschwach. 'Trotzdem ist dieses das bedeutsamste geistige Dokument, das Lessing der Menschheit geschenkt hat. Darinnen hat er zuerst aufmerksam gemacht, wie ein Zusammenhang ist zwischen Vergangenheit und Zukunft der Weltentwicklung. Unsere Seelen selbst haben gelebt in vergangenen Epochen und trugen hinüber die Früchte dieser Leben in unsere Gegenwart; und was sie jetzt durchleben, werden sie wiederum in spätere Epochen hineintragen, in späteren Epochen anwenden.

[ 37 ] As is well known, it was Lessing—the great thinker, the leading thinker of modern times—who first spoke of the idea that the entire historical course of humanity has meaning only if one imagines that people live out their lives through repeated earthly existences; so that the entire course of human life unfolds in such a way that we live between birth and death—or, if you will, between conception and death—then lead a spiritual life between death and a new birth, re-enter an earthly life through a new birth, and so on, until conditions arise for which this no longer applies. Likewise, we can also look back into the past at repeated earthly lives. I cannot go into detail today about the states that preceded the beginning of these repeated earthly lives. Lessing—so people say—achieved great things, but when he wrote *The Education of the Human Race*, he was already frail with age. Nevertheless, this is the most significant spiritual document that Lessing has given to humanity. In it, he was the first to draw attention to the connection between the past and the future of world development. Our souls themselves have lived in past epochs and have carried the fruits of those lives over into our present; and what they are now experiencing, they will in turn carry into later epochs and apply in later epochs.

[ 38 ] Wie eine gewaltige Ahnung ist es dessen, was als Wirklichkeit erlebt wird, erlebt wird von denen, die die Seele also frei machen vom Leibe, die wirklich zum geistig-seelischen Wesenskern in der geschilderten Weise vordringen. Da stellt sich, wenn man also sieht, wie man gewollt ist aus dem Universum heraus, etwas hinein in dieses Gewollte, was man nun selbst ist, in diesem Schicksal, das man sich selbst zubereitet hat in früheren Erdenleben. Man muss erst aufsteigen, wie ich es geschildert habe, dass einem dieses höhere Selbst entgegentritt. Dann sieht man dieses höhere Selbst durch wiederholte Erdenleben hindurchgehend.

[ 38 ] It is like a powerful intuition of what is experienced as reality—experienced by those who thus free the soul from the body, who truly penetrate to the spiritual-soul core of their being in the manner described. Then, when one sees how one has been willed out of the universe, something arises within this “willed being”—which is now oneself—in this destiny that one has prepared for oneself in earlier earthly lives. One must first ascend, as I have described, for this higher self to meet one. Then one sees this higher self passing through repeated earthly lives.

[ 39 ] Das ist ebenso ein Ergebnis wirklicher Wissenschaft, wie es die Ergebnisse der Physik, der Astronomie, der Chemie sind. Nicht anders wird es mit diesen Dingen gehen, als es mit dem gegangen ist, was Kopernikus, was Giordano Bruno der Menschheit gebracht haben. Kopernikus hatte seine Gegner, die ihn heftig bekämpften. Giordano Bruno hatte ein tragisches Schicksal, er wurde verbrannt. Heute verbrennt man nicht mehr die Leute, aber sie werden ausgelacht. Das ist dasjenige, was man aus den Denkgewohnheiten der heutigen Zeit tut. Als Phantasten, als Träumer, ja als Schlimmeres werden heute verschrien diejenigen, die heute für geistige Gebiete das bringen wollen, was für die Zukunft notwendig ist.

[ 39 ] This is just as much a result of true science as are the findings of physics, astronomy, and chemistry. These things will meet the same fate as what Copernicus and Giordano Bruno brought to humanity. Copernicus had his opponents, who fought him fiercely. Giordano Bruno met a tragic fate; he was burned at the stake. Today people are no longer burned at the stake, but they are ridiculed. That is what the prevailing mindset of our time does. Those who seek to bring to the realm of the spirit what is necessary for the future are denounced today as fantasists, dreamers—or even worse.

[ 40 ] Gewiss, es wird heute Leute geben, die sind sehr naiv, die sagen: Ja was Kopernikus gefunden hat, das sind eben Tatsachen, während dasjenige, was Geistesforschung findet, Dinge sind, die erdacht worden sind! Die Menschen, die so sprechen, die wissen nicht, wie naiv sie sind und wie Kopernikus nicht Tatsachen etwa beobachtete; es war ja nicht so, dass er einen Stuhl genommen hätte und sich in den Weltenraum hinausgesetzt hätte, wie es den Kindern in der Schule gezeigt wird; sondern das alles waren nur Rechnungsergebnisse und sonst nichts; durchaus nicht etwa eine sinnenfällig beobachtete Tatsache.

[ 40 ] Certainly, there will be people today who are very naive and who say: “Well, what Copernicus discovered are simply facts, whereas what spiritual research uncovers are things that have been imagined!” People who speak this way do not realize how naive they are, nor do they understand that Copernicus did not, for example, observe facts; it was not as if he had taken a chair and sat himself out into outer space, as is shown to children in school; rather, all of that was merely the result of calculations and nothing more—by no means a fact observed through the senses.

[ 41 ] Der Geistesforscher muss durchaus, sehr verehrte Anwesende, auf den Gang der geistigen Entwicklung der Menschheit hinblicken, dann wird er gegenüber allem Widerspruch, der ihm nur selbstverständlich ist, wissen, dass sich heute schon zahlreiche Seelen sehnen nach einer tieferen Erkenntnis dessen, was da in uns lebt und was Geburt und Tod besiegt, was unser ewiger Wesenskern ist, dass das erforscht werden kann.

[ 41 ] The spiritual researcher must certainly, dear friends, look to the course of humanity’s spiritual development; then, in the face of all opposition—which is only natural to him—he will know that even today numerous souls yearn for a deeper understanding of what lives within us and what overcomes birth and death, what is our eternal core being, and that this can be explored.

[ 42 ] Nun könnte gesagt werden: Ja, dann kann nur der Geistesforscher etwas wissen von dem, dass es geistige Welten gibt außer der sinnlichen, dass der Mensch denselben angehört. Das ist nicht richtig. Gerade wie der Chemiker in seinem Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande bringt, die dann praktisch nutzbar gemacht werden, so bringt der Geistesforscher im geistigen Laboratorium gewisse Ergebnisse zustande. Wie man nicht Chemiker zu sein braucht, um zu verwenden dasjenige, was die Chemie erzeugt, so braucht man nicht selber Geistesforscher zu sein, um in seiner Wahrheit zu erkennen dasjenige, was Geisteswissenschaft sei. Ich betone sehr ausdrücklich den Unterschied: Bei der Chemie kann man durch den praktischen Nutzen die Wahrheit feststellen; bei der Geistesforschung handelt es sich darum, dass der Geistesforscher dasjenige, was erforscht werden kann, nur auf geistesforscherischem Wege erforschen kann. Wenn es aber erforscht ist, kann jede Seele dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, auch einsehen. Wenn sie es nicht vermag, so ist es nur dadurch, dass sie sich selbst den Weg verlegt durch Vorurteile, die sie sich eben aus rein naturwissenschaftlichem Standpunkte gebildet hat durch Jahrhunderte. Wenn die Menschen diese vor ihnen vorgelagerten Vorurteile ablegen werden, werden sie — auch wenn sie keine Geistesforscher sind — aufnehmen können, was der Geistesforscher zu sagen hat, obwohl in einem gewissen Sinne bis zu einem gewissen Grade jeder heute Geistesforscher werden kann durch Beobachtung der Regeln, die Sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden können; obwohl jeder heute wenigstens so weit Geistesforscher werden kann, dass er selbst durch seine innere Entwicklung einsehen kann, dass jedes Wort wahr ist von dem, was der Geistesforscher zu sagen hat.

[ 42 ] Now one might say: Yes, then only the spiritual researcher can know that there are spiritual worlds beyond the sensory world, and that human beings belong to them. That is not correct. Just as the chemist produces certain results in his laboratory that are then put to practical use, so the spiritual researcher produces certain results in the spiritual laboratory. Just as one does not need to be a chemist to make use of what chemistry produces, so one does not need to be a spiritual researcher oneself to recognize, in its truth, what spiritual science is. I emphasize this difference very explicitly: In chemistry, one can ascertain the truth through its practical utility; in spiritual research, the point is that the spiritual researcher can investigate what can be investigated only through spiritual-research methods. But once it has been investigated, every soul can also understand what the spiritual researcher has to say. If a soul is unable to do so, it is only because it has blocked its own path with prejudices that it has formed over the centuries from a purely scientific standpoint. When people cast off these preconceptions that stand in their way, they will—even if they are not spiritual researchers—be able to take in what the spiritual researcher has to say, although in a certain sense and to a certain degree, anyone today can become a spiritual researcher by observing the rules you can find in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* ; although everyone today can become a spiritual researcher at least to the extent that, through their own inner development, they can recognize that every word spoken by the spiritual researcher is true.

[ 43 ] Neue Wahrheiten widersprechen immer alten Vorurteilen. Das Allerbegreiflichste ist, dass solche neuen Wahrheiten zunächst nur mit Gegnerschaft aufgenommen werden. Aber nun, wenn wir also anblicken dasjenige — ich konnte nur mit einigen Kohlestrichen sozusagen das Bild der Geistesforschung zeichnen; alles Weitere können Sie in Büchern, in unserer Literatur finden —, wenn wir auf dasjenige hinblicken, was der Geistesforscher da verkündet, was bringt denn das in das Leben des Menschen eigentlich hinein? Ich habe es ja schon öfter betont: Dasjenige was der Geistesforscher zunächst zustande bringt, ist Erkenntnis. Dadurch, dass ich dieses Zimmer anschaue, wird nichts daran geändert, das Zimmer wäre ohne mein Anschauen dasselbe. Dadurch dass der Geistesforscher erkennt, erzeugt er nicht den geistigen Wesenskern, der aus ewigen Elementen stammt. Der Geistesforscher tut nichts dazu als erkennen dasjenige, was im Seeleninnern ist, was nur unbewusst bleibt, was da unten rumort und webt und west. Wenn der Geistesforscher also aufsteigt, wie beschrieben, dann ist es ja für ihn so, dass er sich durchkämpfen muss erst durch das Gefühl der Vereinsamung und Ohnmacht. Und wie er sich fühlt, man kann es nur vergleichen, wie wenn aus einer Sonate ein einzelner Ton, der seine Bedeutung in der ganzen Sonate hat, sich verlöre. Wie dieser Ton sich fühlen müsste, da er seinen ganzen Daseinswert in der Sonate hat, so fühlt sich der Mensch, wenn er so durch die erste Übung in einsame Ohnmacht gekommen ist; er fühlt das Ewige, das in ihm ist, aber in Vereinsamung.

[ 43 ] New truths always contradict old prejudices. The most understandable thing is that such new truths are initially met only with opposition. But now, when we look at this—I could only sketch the picture of spiritual research with a few strokes of charcoal, so to speak; you can find everything else in books, in our literature—when we look at what the spiritual researcher proclaims there, what does that actually bring into a person’s life? I have emphasized this many times before: What the spiritual researcher initially brings about is knowledge. The fact that I look at this room does not change anything; the room would be the same even without my looking at it. The fact that the spiritual researcher gains insight does not create the spiritual core of being that originates from eternal elements. The spiritual researcher does nothing more than recognize what lies within the soul—what remains only unconscious, what rumbles, weaves, and stirs down there. So when the spiritual researcher ascends, as described, he must first struggle through a sense of isolation and powerlessness. And how he feels—one can only compare it to a single note in a sonata, a note that has its significance within the entire sonata, being lost. Just as that note must feel—since its entire reason for existence lies within the sonata—so does the human being feel when he has reached this state of solitary powerlessness through the first exercise; he feels the Eternal that is within him, but in isolation.

[ 44 ] Und durch die andere Übung, wo der Mensch die innere Furcht überwindet, wo er vor sich selbst tritt, wo die Erkenntnis vor seine Seele tritt, dass er durch wiederholte Erdenleben hindurchgeht, tritt der Ton wiederum in die Sonate ein. In das tritt der Mensch da ein, was diejenigen, die von diesen Dingen etwas geahnt haben, die Sphärenmusik genannt haben. Die Sphärenmusik ist nicht eine philosophische Abstraktion, von der die Menschen träumen als Philosophen, sondern sie ist eine Realität, eine Wirklichkeit. Wenn man sie hört — als Menschenseele, ein Ton selbst ist in den anderen Tönen —, man hört nicht die Gesamtheit der Töne, sondern man ist ein Ton und erlebt sich in der Sphärenmusik darinnen. Aber bevor man dazu kommt, was geistige Wirklichkeit ist, was west und webt und wallt und wirkt, bevor man dazu aufsteigt, muss man zwischen der einen Empfindung [unterscheiden], wo man wie abschmelzen fühlt — während man selbst einsam wird —, dasjenige, was physisch-leiblich ist; und auf der anderen Seite fühlt man, wie einen Furcht durchdringt, wie dasjenige, was einen aus der Welt heraus, aus dem Universum heraus will, einem sich zeigt, man möchte sagen, wie nach Versteinerung, nach Petrifizierung strebend. Während nach der einen Seite man die geistige Welt wie in Vernichtung übergehen fühlt — es ist dies mit äußeren Worten nicht anders auszusprechen —, zum Weltenmeere fließend fühlt, fühlt man auf der andern Seite dasjenige, was also in einem erstarrt. Dieser Kampf aber, der geht auf dem Grunde der Seele immer vor sich. Und was gewinnt man, wenn einen Geisteswissenschaft aufmerksam macht auf dasjenige, was durch sie erkannt wird? Man weiß, dieses alltägliche Leben, in dem man denkt und fühlt und will, das verläuft so, wie wir es als Lebensgut haben, aber es könnte nicht verlaufen, wenn da unten nicht das wäre, was Ohnmacht und Furcht erzeugen würde, wenn es nicht gnadenvoll durch einen Schleier zugedeckt würde und erst durch die Geistesforschung aufgedeckt würde. Das aber empfindet man gegenüber den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft, die jahrhundertelang, als die Menschheit noch nicht vorbereitet war, verborgen blieben, aber doch nur einzelnen, wenigen zugänglich waren; das empfindet man gegenüber diesen geisteswissenschaftlichen Ergebnissen, die jetzt allmählich und gegen die Zukunft zu in die geistige Entwicklung der Menschheit eindringen müssen.

[ 44 ] And through the other exercise—in which a person overcomes inner fear, faces oneself, and comes to realize that one passes through repeated earthly lives—the tone re-enters the sonata. It is into this that the human being enters—what those who have had a glimpse of these things have called the music of the spheres. The music of the spheres is not a philosophical abstraction that people dream of as philosophers, but rather it is a reality, a fact. When one hears it—as a human soul, a tone itself within the other tones—one does not hear the totality of the tones, but rather one is a tone and experiences oneself within the music of the spheres. But before one arrives at what spiritual reality is—what exists, weaves, surges, and works—before one ascends to it, one must distinguish between, on the one hand, that sensation in which one feels as if melting away—while one becomes solitary—that which is physical and corporeal; and on the other hand, one feels fear piercing through one, as that which wants to draw one out of the world, out of the universe, reveals itself to one—one might say, as if striving toward petrification. While on the one hand one feels the spiritual world passing away as if into annihilation—there is no other way to express this in ordinary language—flowing into the ocean of the world, on the other hand one feels that which thus solidifies within oneself. But this struggle is always taking place in the depths of the soul. And what does one gain when spiritual science draws one’s attention to that which is recognized through it? One knows that this everyday life, in which one thinks, feels, and wills, unfolds as we experience it as a gift of life; yet it could not unfold this way if there were not, down below, that which would engender powerlessness and fear—if it were not mercifully veiled and only revealed through spiritual research. But this is what one feels toward the insights of spiritual science, which remained hidden for centuries—when humanity was not yet prepared—yet were accessible only to a select few; this is what one feels toward these findings of spiritual science, which must now gradually, and with a view to the future, find their way into the spiritual development of humanity.

[ 45 ] Dadurch, dass diese geisteswissenschaftlichen Ergebnisse eindringen, wird klar, was da unten auf dem Grunde der Seele ist, was für ein Kampf sich abspielt — Kämpfe in Furcht und Ohnmacht —, und wie dieses alltägliche Leben nur durch einen Sieg [über] unterbewusste Mächte erlangt werden kann. Dadurch aber fühlt man sich als Mensch in der Welt, auf dem Untergrund eines Systems von einander widerstrebenden Mächten, gegen die Sieger wird dasjenige, was Mensch ist, wenn es auch nur im alltäglichen Bewusstsein sich auslebt. Das aber bringt uns Stärkung, Seelenstärkung, dass wir wissen: Das Leben ist ein Sieg; auf dem Grunde unserer Seele kämpfen übersinnliche Mächte gegeneinander, um im gegenseitigen Spiel ihrer Kräfte das zustande zu bringen, was wir im alltäglichen Leben sind. Es ist ein großer Sieg, dasjenige, was uns das Alleralltäglichste ist; es ist die Frucht von Siegen, vom Spiel widerstrebender Kräfte und Mächte, übersinnlicher Kräfte und Mächte, welche immerzu zu kämpfen haben auf dem Grunde unserer Seele. Seelenstärkung, Festigkeit der Seele, inneren Mut werden die Ergebnisse der Geisteswissenschaft eingießen können den menschlichen Seelen.

[ 45 ] As these findings from the humanities take hold, it becomes clear what lies at the very depths of the soul, what kind of struggle is taking place there—struggles marked by fear and powerlessness—and how everyday life can be attained only through a victory [over] subconscious forces. But through this, one feels oneself as a human being in the world, set against the backdrop of a system of conflicting forces; what is human becomes the victor, even if it is expressed only in everyday consciousness. But this gives us strength—strength of soul—because we know: Life is a victory; at the very core of our soul, supersensory forces battle one another to bring about, through the interplay of their powers, what we are in everyday life. What is most ordinary to us is a great victory; it is the fruit of victories, of the interplay of opposing forces and powers—supernatural forces and powers—that are constantly struggling at the very depths of our soul. Spiritual science will be able to instill in human souls spiritual strength, steadfastness of the soul, and inner courage.

[ 46 ] Und wenn ich also das eigentliche geisteswissenschaftliche Gebiet nach Wegen und Inhalt charakterisiert habe, so wird es in unserer schicksalstragenden Zeit, wenn auch nicht äußerlich verstandesgemäß, so doch empfindungsgemäß richtig erscheinen können, wenn ich mit ein paar Worten noch hinweise, wie diese seelenstärkenden Kräfte eine gewisse Bedeutung haben müssen in unserer schicksalstragenden Zeit, leben wir doch heute darinnen auch äußerlich in Kämpfen und widerstrebenden Kräften, in Kämpfen in der äußeren, geschichtlichen Welt so darinnen, dass wir in ihnen wirklich wahrnehmen können ein äußeres physisches Abbild von demjenigen, was wir eben haben so charakterisieren können, dass wir sagen können: Es wird entdeckt, im Unterbewusstsein der Seele kämpfend, von der Geisteswissenschaft. Das gewöhnliche alltägliche Leben baut sich auf als Lebensgut auf einander widerstrebenden Mächten. Weiß man, dass das einzelne Menschenleben ein Sieg ist über einander widerstrebende Mächte, dann bekommt man gerade in einer solchen Zeit, wie die heutige ist, Mut und Zuversicht, dass die Kämpfe, in denen wir drinnenstehen, dass sie sich vergleichen lassen mit demjenigen, was auf dem Grunde einer jeden Menschenseele vorgeht. Und wie als Frucht desjenigen erscheint, was da auf dem Grunde der Seele als Kampf vorgeht, wie als ein Sieg erscheint das alleralltäglichste Leben, so können wir den Blick hinwenden auf dasjenige, was als Wirkung, als Frucht hervorgehen wird aus den Kämpfen der Mächte, die in der äußeren Welt uns entgegentreten.

[ 46 ] And so, having characterized the actual field of spiritual science in terms of its paths and content, it may seem correct—even if not outwardly in accordance with reason, then at least in accordance with feeling—in our fateful time, if I point out in a few words how these soul-strengthening forces must have a certain significance in our fateful time, for we are living within them today, even outwardly, in struggles and conflicting forces—in struggles in the external, historical world—in such a way that we can truly perceive in them an external, physical reflection of that which we have just characterized, so that we can say: It is being discovered, struggling in the soul’s subconscious, by spiritual science. Ordinary, everyday life is built upon mutually opposing forces. If one knows that the individual human life is a victory over opposing forces, then—especially in a time like the present—one gains courage and confidence that the struggles we are engaged in can be compared to what takes place at the very core of every human soul. And just as the most ordinary of daily lives appears as a victory—as the fruit of the struggle taking place at the very depths of the soul—so too can we turn our gaze toward what will emerge as the effect, as the fruit, of the struggles between the forces that confront us in the outer world.

[ 47 ] Geisteswissenschaft ist auch in einem andern Sinne im Grunde genommen nur eine Fortsetzerin der Naturwissenschaft. Goethe war es, der sich auflehnte gegen die Zweckmäßigkeitstheorie, gegen dasjenige, was man eine ursächliche Theorie nennen kann. Goethe war es, der betonte, dass man erst zu einer wahren Wissenschaft kommen werde, wenn man nicht mehr die Natur nur nach Zweckmäßigkeitsgründen anschauen werde, wenn man nicht mehr fragt: Warum hat der Ochs Hörner? — damit er stoßen kann! —, sondern dass der Ochse eben stößt, weil er Hörner hat. Goethe sagte: Dieses ursächliche Denken dringt immer mehr ein in das naturwissenschaftliche Weltbild. Geisteswissenschaft führt gerade zu den geistigen Ursachen. Sie setzt also das ursächliche Denken noch weiter fort zu den Ursachen, welche der äußeren Beobachtung unzugänglich sind.

[ 47 ] In another sense, too, the humanities are, at their core, merely a continuation of the natural sciences. It was Goethe who rebelled against the theory of expediency, against what might be called a causal theory. It was Goethe who emphasized that one would only arrive at true science when one no longer viewed nature solely through the lens of expediency, when one no longer asked: “Why does the ox have horns?”—“So that it can butt!”—but rather recognized that the ox butts precisely because it has horns. Goethe said: “This causal way of thinking is increasingly permeating the scientific worldview.” Spiritual science leads precisely to the spiritual causes. It thus extends causal thinking even further to causes that are inaccessible to external observation.

[ 48 ] Wenn von gewissen Seiten her, oft sogar in verleumderischer Weise, oftmals auch in gut gemeinter Weise, die Meinung auftritt, Geisteswissenschaft sei geeignet, alle religiösen Gefühle auszutreiben, so muss man sagen: Der Geistesforscher hat doch von dem, was Religion ist, eine höhere Meinung als derjenige, der glaubt, dass Geisteswissenschaft eine Religion irgendwie zerstören könne. Die Religion ist nicht zerstört worden durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung für denjenigen, der die Dinge durchschauen kann. Dasjenige, was Religion ist, es ist so stark für denjenigen, der es durchschaut, dass keine Wissenschaft es zerstören kann. Während allerdings durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung mancher, der sich als Freigeist fühlt, weil er die Wissenschaft nur ein Viertel oder ein Achtel durchschaut, entfremdet worden ist der Religion, werden die Menschen durch geisteswissenschaftliche Vertiefung zur Religion wieder hingeführt werden, weil sie ja durch Geisteswissenschaft die wirkliche geistige Welt kennenlernen und weil sie wissen lernen, dass ihre Seelen damit zusammenhängen. Das wird die Gefühle der Menschen so vertiefen, dass die Menschen in einem immer höheren Grade, selbst wenn sie schon entfremdet waren der Religion, zurückkehren werden zur Religion.

[ 48 ] When certain quarters—often in a slanderous manner, though frequently also with good intentions—express the view that spiritual science is capable of driving out all religious feelings, one must say: The spiritual scientist, after all, has a higher regard for what religion is than those who believe that spiritual science could somehow destroy religion. Religion has not been destroyed by the scientific worldview for those who can see through things. What religion is remains so powerful for those who understand it that no science can destroy it. However, while the scientific worldview has alienated many who consider themselves free thinkers—because they have only grasped a quarter or an eighth of science—from religion, people will be led back to religion through a deeper engagement with spiritual science, because through spiritual science they come to know the real spiritual world and learn that their souls are connected to it. This will deepen people’s feelings to such an extent that, even if they had already become estranged from religion, they will return to it to an ever-greater degree.

[ 49 ] Das andere, was wichtig ist, das ist, dass die Geisteswissenschaft mit Bezug auf dasjenige, was geschichtlich sich abspielt, was um uns ist, hinführen wird zu den Wirkungen, zu dem, was sich ausleben soll. Bei demjenigen, was da ist — nicht, was wir sind —, blicken wir hin nach den Ursachen. Wenn aber in der Geschichte die Tatsachen uns entgegentreten — man kann es nicht beweisen, man kann es nur erleben, dass solche Empfindungen aus der Geisteswissenschaft hervorgehen —, [ist es wichtig], dass man die Tatsachen so auffasst, dass wir vor allen Dingen auf die Wirkungen schauen. Wie aber ist die heutige Diskussion unter dem Einfluss der materialistischen Weltanschauung? Wie erstreckt sie sich darüber, wer unter den Völkern den Krieg gewollt oder nicht gewollt hat, wer verursacht hat dieses oder jenes? Die geisteswissenschaftliche Betrachtung führt, wie sie sonst zu den wahren Ursachen führt, gerade zu den Wirkungen. Man sieht hin auf dasjenige, was in widerstrebenden Mächten durch Blut- und Lebensopfer errungen werden muss. Man sieht hin, wie man auf das unterbewusste Seelenleben hinsieht; wie sich daraus entwickelt das bewusste Seelenleben, so sieht man hin auf dasjenige, was in unserer Zeit uns umgibt, schmerzbewegend, aber hoffnungsreich uns umgibt, und auf dasjenige, was als Wirkung hervorgehen kann.

[ 49 ] The other important point is that spiritual science, in relation to what is unfolding historically—what is happening around us—will lead us to the effects, to what is meant to unfold. In what is there—not what we are—we look for the causes. But when the facts of history confront us—one cannot prove it, one can only experience that such insights arise from spiritual science—[it is important] that we interpret the facts in such a way that we look first and foremost at the effects. But what is the nature of today’s discussion under the influence of the materialistic worldview? Does it focus on which nations wanted or did not want the war, or on who caused this or that? The spiritual-scientific perspective, just as it otherwise leads to the true causes, leads precisely to the effects. One looks at that which must be won through the sacrifice of blood and life amidst conflicting forces. One looks at how one observes the subconscious life of the soul; just as the conscious life of the soul develops from this, so one looks at what surrounds us in our time—surrounding us in a way that is both painful and yet full of hope—and at what may emerge as a consequence.

[ 50 ] Und jeder muss da feststehen auf dem Boden, auf den das Schicksal ihn hingestellt hat. Wir stehen in der mitteleuropäischen Kultur. Uns hat das Schicksal hingestellt auf diesen Boden der mitteleuropäischen Kultur. Da wird jedem, der diese mitteleuropäische Kultur kennt, auch demjenigen, der einmal das Walten und Weben des Geistes erkannt hat, das aufgehen, dass sie selbst ist wie der Leib eines in ihm wirkenden Geistig-Seelischen. Vieles könnte ich nun anführen, was sich in dieser unserer Zeit als das eigentlich charakteristische Seelisch-Geistige der mitteleuropäischen Kultur ausnimmt. Nur ein Beispiel will ich anführen, aber ich möchte, dass wir dessen eingedenk sind, dass, wie die Hand nicht gedacht werden kann, ohne dass sie in Verbindung gedacht wird mit demjenigen, was der Mensch denkt und empfindet, so nicht gedacht werden kann dasjenige, was heute im Osten und im Westen mitteleuropäische Söhne in Blut und Opfern vollbringen, mutig vollbringen, was mit Blut und Leben erkämpft wird, nicht anders kann es gedacht werden als im Zusammenhang mit dem gesamten mitteleuropäischen Geistesleben, mit dem, was die besten Zeiten dieses Geisteslebens als die Blüten dieses Geisteslebens hervorgebracht haben.

[ 50 ] And everyone must stand firm on the ground where fate has placed them. We are part of Central European culture. Fate has placed us on this ground of Central European culture. It will become clear to everyone who knows this Central European culture—and to anyone who has ever recognized the workings and interplay of the spirit—that it is itself like the body of a spiritual-soul being at work within it. I could now cite many examples of what stands out in our time as the truly characteristic spiritual-soul aspect of Central European culture. I will cite just one example, but I would like us to bear in mind that, just as the hand cannot be conceived of without being conceived in connection with what the human being thinks and feels, so too cannot that which Central European sons are accomplishing today in the East and West through blood and sacrifice be conceived of courageously accomplishing what is won through blood and life—cannot be conceived of except in connection with the entire Central European spiritual life, with what the best eras of this spiritual life have brought forth as its blossoms.

[ 51 ] Wie beim Menschen dasjenige, was seine Seele hervorgebracht hat, zusammenhängt mit seiner Hand, so steht dasjenige was Goethe, Schiller, Lessing, Hegel hervorgebracht haben, im innigen Zusammenhang mit dem, was die Krieger im Osten und im Westen für mitteleuropäisches Wesen zu vollbringen haben. Eins ist das. Aber die Dinge erkennt man an ihren Früchten. Deshalb wollen wir eine — ich will nicht einmal sagen, eine Frucht, sondern eine Seite der Früchte dieses mitteleuropäischen Geisteslebens hervorheben, um zu sehen, ob es etwas besonders Charakteristisches hat, was den anderen nicht eigen ist, die wie in einer mächtigen Festung heute dieses mitteleuropäische Geistesleben einschließen. Da müssen wir aber in Konkretes eingehen.

[ 51 ] Just as, in human beings, what the soul has produced is connected to the hand, so too is what Goethe, Schiller, Lessing, and Hegel have produced intimately connected to what the warriors in the East and West must accomplish for the Central European spirit. It is one and the same. But things are recognized by their fruits. Therefore, let us highlight one—I will not even say a fruit, but rather an aspect of the fruits—of this Central European intellectual life, to see if it has something particularly characteristic that is not found in the others, which today enclose this Central European intellectual life as if within a mighty fortress. But here we must go into specifics.

[ 52 ] Es war etwas wirklich Gewaltiges, als Goethe, dieser Repräsentant des deutschen, mitteleuropäischen Geisteslebens, dieser Geist, der geradezu mit dem deutschen Volksgeist in den höchsten Momenten seines Schaffens intime Zwiesprache halten konnte und hervorbrachte, was der deutsche Volksgeist durch die Ewigkeiten raunt, als er hinschrieb die Worte, mit denen sein «Faust» beginnt, jene Worte, die schon in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts hingeschrieben wurden als sein eigenes Bekenntnis, das er Faust in den Mund legte. Goethe hat sich umgesehen in allem, was die Sinnenwelt und die Wissenschaft geben kann. Er sehnte sich nach dem, was über alle Sinnenwelt hinausliegt, das er in den heute schon fast trivial gewordenen Worten ausspricht, aber in Worten, die, wenn sie in aller elementarer Gewalt empfunden werden, als etwas ganz Gewaltiges im individuellen Menschenerleben erscheinen:

[ 52 ] It was truly a momentous event when Goethe, this representative of German and Central European intellectual life, this spirit who, in the highest moments of his creative work, was able to engage in an intimate dialogue with the German national spirit and bring forth what the German national spirit has been whispering through the ages—when he wrote down the words with which his *Faust* begins, those words that were already written in the 1770s as his own creed, which he placed in Faust’s mouth. Goethe explored everything that the sensory world and science have to offer. He longed for that which lies beyond the sensory world—a longing he expressed in words that have become almost trivial today, yet words that, when felt with all their elemental power, appear as something truly mighty in the individual human experience:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

Alas! I have now studied philosophy,
law, and medicine,
and, alas, theology as well
with great diligence.
And here I stand, poor fool that I am,
just as wise as I was before!

[ 53 ] So steht Faust da, nach Goethes Empfindung, in den Siebzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts.

[ 53 ] This is how Faust appears, according to Goethe's conception, in the 1770s.

[ 54 ] Dann kam über das deutsche, mitteleuropäische Geistesleben jene große Zeit, welche nicht nur durch große Musiker, große Künstler auf anderen Gebieten, sondern auch durch große idealistische Philosophen des deutschen Lebens charakterisiert ist. Jene Philosophen, ein Fichte, ein Schelling, ein Hegel, man braucht nicht inhaltlich einverstanden zu sein mit ihren Werken, man braucht nur hinzublicken darauf, wie sie versuchten, sich den ewigen Wahrheiten zu nähern, so wird man einen Einblick gewinnen in das große, gewaltige Wort Fichtes: Was für ein Philosoph man ist, das hängt davon ab, was für ein Mensch man ist. — Den ganzen Menschen wollte er in Verbindung bringen mit dem, was als Wahrheit aus dem Menschen herausblüht. Daher konnte er seinerseits wiederum die Worte ablauschen dem deutschen Volksgeiste, jene tiefen, aber auch eindringlich-innerlichen Worte, die er gesprochen hat in Deutschlands schmerzbewegter Zeit in seinen «Reden an die deutsche Nation», die so Großes gewirkt haben. Was er lebte, dachte und philosophisch erstrebte, es war bei ihm so eins, dass, als er erkrankte — seine Frau brachte ihm aus dem Krankenhaus, in dem sie kranke Krieger pflegte, eine Krankheit nach Hause, die sich auf ihn übertrug —, als er am Fieber erkrankte und dem Tode entgegenging, da, in den letzten Stunden — sein Sohn stand neben ihm, er erzählt uns, dass selbst in den Fieberträumen dieser deutscheste der Philosophen, dieser Weltphilosoph zugleich — das miterlebte, dass sein Miterleben so groß war, das Miterleben dessen, was dazumal in Mitteleuropa erlebt wurde, als er schon fieberte, in den Träumen, in den Fieberträumen, fühlte sich Fichte drinnen in dem Heere bei Blüchers Rheinübergang; und er lebte da ganz drinnen, er, der Philosoph, der im nüchternsten, abgezogensten, im kristallklarsten Denken strebte sein ganzes Leben hindurch. Bis in die Fieberträume hinein geht sein Miterleben mit dem Erleben seines Volkes. Das ist ein Mensch aus einem Guss.

[ 54 ] Then came that great era in German and Central European intellectual life, characterized not only by great musicians and great artists in other fields, but also by great idealist philosophers of German life. Those philosophers—Fichte, Schelling, Hegel—one need not agree with the content of their works; one need only look at how they sought to approach eternal truths, and one will gain insight into Fichte’s grand, powerful statement: “What kind of philosopher one is depends on what kind of human being one is.” — He sought to connect the whole human being with what blossoms from within the human being as truth. Thus, he was in turn able to listen to the words of the German national spirit—those profound yet deeply personal words he spoke during Germany’s time of suffering in his *Addresses to the German Nation*, which had such a profound impact. What he lived, thought, and philosophically aspired to was so one and the same in him that when he fell ill—his wife brought home from the hospital, where she was nursing wounded soldiers, an illness that spread to him—when he fell ill with a fever and was facing death, there, in his final hours—his son stood beside him, he tells us that even in his feverish dreams, this most German of philosophers, this philosopher of the world as well—experienced it all; his shared experience was so profound, his shared experience of what was happening in Central Europe at that time, even as he was already feverish—in his dreams, in his feverish dreams, Fichte felt himself right there in the army during Blücher’s crossing of the Rhine; and he lived right there in the thick of it—he, the philosopher who, throughout his entire life, strove for the most sober, most stripped-down, and most crystal-clear thinking. His shared experience with the experiences of his people extends even into his fever dreams. This is a man of a single mold.

[ 55 ] So wie mitteleuropäische Philosophen strebten — über den Inhalt mag man denken, wie man will —, als Streben, als Ausdruck des Menschentums sehe man dieses Streben an. Dann wiederum sehe man an das wunderbar künstlerische Weltgebäude, das Schelling aufgerichtet hat, man sehe an Hegels großartig logisches Bild des Universums — wie sind sie alle durch die erste Hälfte des neuen Jahrhunderts [gegangen], diese großen Philosophen-Gestalten, was ist da alles hereingekommen in die Welt! Und nun nehmen wir an, Goethe hätte im Jahre 1840 noch gelebt und noch einmal den Anfang seines «Faust» geschrieben. Die großen Philosophen haben gelebt. Fichte hat ein «Naturrecht» geschrieben, Hegel hat ein «Naturrecht» geschrieben, sie haben die Juristerei erneuert, Schelling hat über Medizin geschrieben, Theologen wollten sie alle sein — sie haben vieles hinzugebracht zu dem, was vorher da war und von dem Goethe sagte:

[ 55 ] Just as Central European philosophers strove—whatever one may think of the content—one should regard this striving as an expression of humanity. Then, in turn, consider the wonderfully artistic world-structure that Schelling erected; consider Hegel’s magnificent logical picture of the universe—how they all made their way through the first half of the new century, these great philosophical figures; just think of all that was brought into the world! And now let us suppose that Goethe were still alive in 1840 and were to write the beginning of his *Faust* all over again. The great philosophers lived. Fichte wrote a *Natural Law*, Hegel wrote a *Natural Law*; they renewed the field of jurisprudence; Schelling wrote about medicine; they all wanted to be theologians—they added much to what had existed before and of which Goethe said:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

Alas! I have now studied philosophy,
law, and medicine,
and, unfortunately, theology as well.
I have studied them all thoroughly, with great effort.
So here I stand, poor fool that I am,
and I am just as wise as I was before!

[ 56 ] Ungeheures ist eingeflossen durch sie in das deutsche Geistesleben. Können Sie deshalb glauben, dass, wenn Goethe seinen Faust 1840 begonnen hätte, dass er begonnen hätte:

[ 56 ] An immense amount has flowed into German intellectual life through her. Can you therefore believe that, if Goethe had begun his *Faust* in 1840, he would have started it as follows:

Habe nun, Gott sei Dank, bei Fichte Philosophie,
bei Schelling, Hegel Naturrecht
und Juristerei und auch Medizin studiert.
Da steh ich nun, ich weiser Mann,
und bin klüger als je zuvor?

Thank God, I have now studied philosophy with Fichte,
natural law with Schelling and Hegel
as well as law and medicine.
So here I stand, a wise man,
and am I wiser than ever before?

[ 57 ] Niemals würde Goethe dieses als Beginn des «Faust» geschrieben haben, sondern wiederum hätte er seinen Faust begonnen:

[ 57 ] Goethe would never have written this as the opening of *Faust*; rather, he would have begun his *Faust* as follows:

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

Alas! I have now studied philosophy,
law, and medicine,
and, unfortunately, theology as well
with the utmost diligence.
So here I stand, poor fool that I am,
and I am just as wise as before!

[ 58 ] Das aber ist das Bedeutsame, das repräsentativ ausdrückt, wie gerade im mitteleuropäischen Geistesleben da ist ein gewisses Streben, ein ewiges Streben; und sobald man fertig ist mit einem Streben, steht man wiederum da, um weiter zu streben. So steht man in dem, was man als eigenes Volkstum erfasst. Während man Italiener, Brite, Franzose ist dadurch, dass man in dieses Volkstum hineingeboren ist, muss man als Deutscher, als Mitteleuropäer entdecken, was die Nationalität ist, was das innerste Wesen des Volkstums ist.

[ 58 ] But this is what is significant: it vividly illustrates how, particularly in Central European intellectual life, there is a certain striving, an eternal striving; and as soon as one has finished one phase of that striving, one finds oneself once again ready to strive onward. This is how one stands within what one perceives as one’s own national character. While one is Italian, British, or French simply by virtue of being born into that national character, as a German, as a Central European, one must discover what nationality is, what the innermost essence of national character is.

Was man ererbt von seinen Vätern hat,
man muss es stets erobern, um es zu besitzen.

What one inherits from one's fathers,
one must always conquer in order to possess it.

[ 59 ] Und erobern auch als Volkheit musste gerade Mitteleuropa dasjenige, was — verzeihen Sie, wenn ich wiederum etwas Persönliches vorbringe, das möchte ich sagen: Ich darf vielleicht mir ein Empfindungsurteil in bescheidener Weise über etwas zuschreiben, was wichtig ist für dieses Schmieden des mitteleuropäischen Volkstums. Ich habe die Hälfte meines Lebens, ungefähr von den Sechzigerjahren bis Achtzigerjahren in meinem österreichischen Vaterlande gelebt, die andere Hälfte in Deutschland. Ich war noch in jenem Österreich, in dem alles das, was draußen in Deutschland war, als Wirkung von 1866 gehasst war. Und jetzt erlebt man jenes Zusammengehen, jenes Zusammengeschmiedersein zu einer großen mitteleuropäischen, zu einer Welt-Kulturtat, erobert gegen widerstrebende Kräfte ist das auch geworden. Und wenn man hinschaut auf dasjenige, was dieses Mitteleuropa, und darin eingeschlossen alle anderen Nationalitäten, die dieser großen Festung angehören, was es in sich birgt, so muss man eben sich daran erinnern, dass es so ist wie die Seele des Menschen, die durch ihre Arbeit sich erobert, dass es dadurch gerade verwandt ist mit dem, was geisteswissenschaftliches Streben ist. Dieses muss die Seele über sich hinausführen. Aber mitteleuropäisches Streben ist auf diesem Wege, geisteswissenschaftliches Streben zu werden. Daher darf man sich vorstellen, dass dasjenige, was einmal war, in Zukunft als Blüte des mitteleuropäischen Wesens hervorgehen wird, dass das seine Keime hat in dem, was mitteleuropäisches Volkstum birgt und was sich großartig im «Faust» darstellt. Das Verwobensein mit dem Universum, das Sichempfinden im Universum, das Durch-die-Furcht-Durchgehen, das ich charakterisiert habe, wenn man stehen will vor dem Ewigen — wie schön hat es Goethe charakterisiert, als er in reiferen Jahren schrieb:

[ 59 ] And as a people, Central Europe in particular had to conquer that which—please forgive me if I bring up something personal again, but I would like to say this: Perhaps I may modestly attribute to myself an emotional judgment regarding something that is important for the forging of Central European national identity. I spent half my life—roughly from the 1860s to the 1880s—in my Austrian homeland, and the other half in Germany. I was still in that Austria where everything that existed out there in Germany was hated as a consequence of 1866. And now we are witnessing that coming together, that forging of a united identity into a great Central European—indeed, a global—cultural achievement, which has also become a triumph won against resistant forces. And when one looks at what this Central Europe—and included within it all the other nationalities that belong to this great stronghold—holds within itself, one must remember that it is like the human soul, which conquers itself through its work; in this way, it is closely related to what spiritual scientific endeavor is. This must lead the soul beyond itself. But Central European striving is on this path to becoming spiritual scientific striving. Therefore, one may imagine that what once was will emerge in the future as the flowering of the Central European essence, that it has its seeds in what Central European folklore holds and what is magnificently portrayed in *Faust*. The interwoven connection with the universe, the sense of self within the universe, the passing through fear—which I have characterized as necessary when one wishes to stand before the Eternal—how beautifully Goethe characterized it when he wrote in his later years:

Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freunds, zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

Sublime Spirit, you gave me, gave me everything,
That I asked for. You did not in vain
Turn your face toward me in the fire.
You gave me magnificent nature as my kingdom,
The power to feel it, to enjoy it. You do not
do you merely permit me to be a cold, marveling visitor,
but grant me to gaze into its deep bosom,
as into the bosom of a friend.
You lead the procession of the living
past me, and teach me to know my brothers
in the silent thicket, in the air and water.
And when the storm roars and creaks in the forest,
The giant spruce, crashing down,
Crushing neighboring branches and trunks as it sweeps downward,
And the hill thunders with a dull, hollow roar at its fall,
Then you lead me to the safe cave, show
Me to myself, and within my own breast
Secret, profound wonders unfold.

[ 60 ] Das innige Verwobensein desjenigen, was der Mensch ist, mit demjenigen, was draußen ist — wo überall in den zugrunde liegenden Wesenheiten die Brüder, das heißt Seelenwesen sind, wie Geist-Seelen-Wesen der Mensch selbst ist —, das liegt schon in dem, was Goethe, was die anderen Genies dichterisch begründet haben. So, wie aus dem Keim der Pflanze der Stamm und die Blätter, die Blüten und die Früchte sich entwickeln, so muss sich entwickeln aus dem, was keimhaft angelegt ist, die höchste geistige Frucht in der mitteleuropäischen Kultur. Wer in Geistiges sich einlebt, der kann erkennen, nicht aus äußeren, aus inneren Gründen, welche Lebensfähigkeit in dem Zum-Geiste-Hinstreben der mitteleuropäischen Kultur lebt. Dann, wenn man so diese mitteleuropäische Kultur in ihrem Zum-Spiritualismus-Hinstreben — nicht zum Idealismus, zum Spiritualismus —, schaut, dann sagt man sich: Es gibt Gründe, die uns zuversichtlich machen, die uns aus den Empfindungen der Geisteswissenschaft heraus den gegenwärtigen harten Kampf anschauen lassen, dass wir uns sagen: Wie das einzelne Menschenleben sich aufbaut auf Kampf und Krieg widerstreitender Mächte — Krieg und Kampf sehen wir im Unterbewussten, auf denen sich aufbaut, was wir an Lebensgut haben —, so stehen wir im Kampf und Krieg drinnen; aber dasjenige, was geschichtliches Lebensgut ist, was Kulturgut ist, es wird aus diesen Kämpfen hervorgehen. Und sofern wir uns eins fühlen mit dem mitteleuropäischen Geistesleben, sagen wir uns: Das Idealistische, das Spirituelle dieses mitteleuropäischen Geisteslebens wird sich herausentwickeln müssen aus dieser unserer Zeit, die, man kann es empfinden, so Tiefes in ihrem Schoße trägt.

[ 60 ] The intimate interweaving of what it means to be human with what exists outside—where, in all the underlying beings, there are brothers, that is, soul-beings, just as human beings themselves are spirit-soul-beings—is already inherent in what Goethe and other geniuses have poetically articulated. Just as the stem, leaves, flowers, and fruits develop from the plant’s seed, so too must the highest spiritual fruit in Central European culture develop from what lies latent within it. Those who immerse themselves in the spiritual realm can recognize—not for external, but for internal reasons—the vitality that lives in Central European culture’s striving toward the spiritual. Then, when one views this Central European culture in this way—in its striving toward spiritualism (not toward idealism, but toward spiritualism)—one says to oneself: There are reasons that give us confidence, that allow us, from the perspective of spiritual science, to look upon the current arduous struggle and say to ourselves: Just as the individual human life is built upon the struggle and conflict of opposing forces—we see this struggle and conflict in the subconscious, upon which our life’s assets are founded—so too are we caught up in this struggle and conflict; but that which constitutes our historical heritage, our cultural heritage, will emerge from these struggles. And insofar as we feel at one with Central European intellectual life, we say to ourselves: The idealistic, the spiritual aspect of this Central European intellectual life will have to develop out of our present age, which—as one can sense—harbors such profound depths within its bosom.

[ 61 ] Wahrhaftig, unsere materialistische Zeit, sie hat sich ja auch auf Kampf aufgebaut. Da gibt es im Nordwesten drüben ein Volk — es sollen heute keine Werturteile gefällt werden, es soll nur charakterisiert werden —, da gibt es ein Volk, die Briten, die am meisten rufen, dass sie für Freiheit, dass sie gegen mitteleuropäische «Barbarei» kämpfen wollen, kämpfen müssen, dass sie den Krieg nicht gewollt haben. Immer wieder hören wir es in Mitteleuropa, hören es in beschimpfenden Worten, dass Mitteleuropa den Krieg gewollt hat. Da darf man vielleicht fragen: Hat denn das Volk der Briten früher, in den Jahren zum Beispiel, in denen in Mitteleuropa der tiefste Friede zum Segen und Heil gewollt worden ist, keine Kriege geführt? Von 1856 bis 1900 hat England 34 Kriege geführt, [vier] Millionen Quadratmeilen Land für eine rein materielle Kultur erobert, die es über den Erdball ausbreitete, und 57 Millionen Menschen zu neuen britischen Untertanen gemacht. Das ist eine materielle Kultur, sehr verehrte Anwesende, welche auf Kampf begründet ist. Man sieht ja überhaupt, dass Logik gerade im weitesten Umkreise in unserer materialistischen Kultur nicht gedeiht. Da gibt es einen französischen Philosophen — ja, ich weiß nicht, ob man ihn nicht jetzt nennen muss «Fils de Montagne», früher hieß er Bergson; jetzt ändern sich ja die Dinge. Bergson, der viel überschätzt worden ist, aber wenigstens eine Lebensphilosophie versucht hat gegenüber der toten materialistischen Philosophie — im letzten Winter hat er in Paris in der Akademie der Wissenschaften eine Rede gehalten, in der er das deutsche Geistesleben etwa so charakterisiert: Wenn man heute Deutschland ansieht, aller Idealismus ist vergangen, es stehen uns nur die Mechanismen gegenüber, die ganze Kultur ist eine mechanische geworden. — Er deutet hin auf die Kanonen und alles dasjenige, was als mechanische Hilfsmittel dem Westen gegenübergestellt worden ist. Man darf vielleicht mit einer Frage antworten, um zu charakterisieren, wie heute das Denken und die Logik angewandt wird: Hat denn Bergson erwartet, dass, wenn die mitteleuropäische Kultur angegriffen wird, man sich an die Rheingrenze stellen wird und Schiller und Goethe zitieren wird, um zu beweisen, dass die mitteleuropäische Kultur geistig geblieben ist?

[ 61 ] Truly, our materialistic age has, after all, been built on struggle. There is a people over in the Northwest—I do not intend to pass moral judgment here, only to describe them—there is a people, the British, who are the most vocal in proclaiming that they want to fight for freedom, that they must fight against Central European “barbarism,” and that they did not want the war. Time and again we hear it in Central Europe, heard in scornful terms, that Central Europe wanted the war. So perhaps one might ask: Did the British people not wage wars in the past, for example, during the years when Central Europe sought the deepest peace as a blessing and salvation? From 1856 to 1900, England waged 34 wars, conquered [four] million square miles of land for a purely material culture—which it spread across the globe—and made 57 million people new British subjects. That, ladies and gentlemen, is a material culture founded on struggle. One can see, in fact, that logic does not flourish at all, even in the broadest sense, within our materialistic culture. There is a French philosopher—yes, I don’t know if one must now call him “Fils de Montagne”; he used to be called Bergson; things do change, after all. Bergson, who has been greatly overrated, but who at least attempted to develop a philosophy of life in contrast to dead materialistic philosophy—last winter he gave a speech at the Academy of Sciences in Paris in which he characterized German intellectual life something like this: When one looks at Germany today, all idealism has vanished; we are faced only with mechanisms; the entire culture has become a mechanical one. — He points to the cannons and all those things that have been pitted against the West as mechanical tools. Perhaps one might respond with a question to characterize how thought and logic are applied today: Did Bergson expect that, when Central European culture comes under attack, people would stand at the Rhine border and quote Schiller and Goethe to prove that Central European culture has remained spiritual?

[ 62 ] Aber man will ja manchmal noch tiefer eingehen, und da sagt man zum Beispiel: Wir haben diesen Krieg nicht gewollt! Die wahre Ursache zu diesem Kriege liegt in Mitteleuropa! Die Logik, die man dabei anwendet, wenn man sie wirklich durchschaut — und Geisteswissenschaft lehrt zugleich eine gewisse Beweglichkeit des Geistes, sie macht die Gedanken so flüssig, dass einem eine schlechte Logik Schmerz bereitet —, wenn man sie durchschaut, so ist die Logik, die heute vielfach angewendet wird, diese, dass man auch sagen könnte: Ja, es ist vieles, vieles an Spott und Hohn und Schimpf herübergehört worden vom Westen nach Mitteleuropa. Ja, alles wäre nicht geschehen, wenn die Buchdruckerkunst nicht erfunden worden wäre. Die Deutschen haben die Buchdruckerkunst erfunden, also sind sie schuld an diesen Verleumdungen. Und geschossen könnte nicht werden, weder aus der Luft noch auf der Erde, wenn die Deutschen nicht das Pulver erfunden hätten. Die Deutschen haben schon einmal das Pulver erfunden. Nicht wahr, man kann von den Franzosen nicht sagen, dass sie das Pulver erfunden hätten. Also sind die Deutschen schuld daran, dass die Völker einander mit Kanonen gegenüberstehen!

[ 62 ] But sometimes one wants to delve even deeper, and then one says, for example: We did not want this war! The true cause of this war lies in Central Europe! The logic applied here—if one truly sees through it—and the humanities teach a certain agility of mind; they make thoughts so fluid that poor logic causes one pain—if one sees through it, the logic that is widely applied today is such that one might also say: Yes, a great deal—a great deal—of mockery, scorn, and abuse has been heard coming from the West to Central Europe. Yes, none of this would have happened if the art of printing had not been invented. The Germans invented the art of printing, so they are to blame for these slanders. And it would not be possible to fire shots—neither from the air nor on the ground—if the Germans had not invented gunpowder. The Germans did, after all, invent gunpowder. After all, one cannot say that the French invented gunpowder. So the Germans are to blame for the fact that nations are facing off against one another with cannons!

[ 63 ] Nun so fadenscheinig diese Logik wäre, so fadenscheinig ist auch die heutige Logik, die angewendet wird auf dasjenige, was wirklich sich entwickelt aus der mitteleuropäischen Kultur: echtes, sich zum Geistigen erziehendes Leben, vor dem man wie vor einem Höheren Furcht hat, geheime Furcht hat. Aber wenn gesagt worden ist, dass der heutige Krieg nur geführt wird für materielle Interessen, so mag das in einem eingeschränkten Sinne richtig sein. Gewiss, für Handel und Industriefleiß, für die materielle Kultur Mitteleuropas muss vieles von dem errungen werden, was nur durch diesen Krieg errungen werden kann. Aber sicher ist es, dass, wenn nicht schon durch die Väter, die als Industrielle wirken und hinaustreten in die Welt, so durch die Söhne mindestens dasjenige, was als Gesinnung Mitteleuropas, die in «Faust» ihren Ausdruck gefunden hat, die aus Wagner, Beethoven, die aus Fichte und Schelling hervorgeht, in alle Welten hinausgetragen wird; und das wird ein neues Element in aller Welt sein. Und wie sich unser gewöhnliches, alltägliches Leben aufbaut auf einen Sieg über einander widerstrebende Mächte, so wird sich das mitteleuropäische Kulturgut wie ein Sieg aufbauen auf dem, was so heiß erstrebt werden muss.

[ 63 ] As flimsy as this logic may be, so too is the logic applied today to that which truly arises from Central European culture: a genuine life that cultivates the spiritual, a life before which one feels a sense of awe—a secret fear—as one would before something higher. But if it has been said that today’s war is being waged solely for material interests, that may be true in a limited sense. Certainly, for trade and industrial enterprise, for the material culture of Central Europe, much of what can only be achieved through this war must be attained. But it is certain that, if not already through the fathers—who act as industrialists and go out into the world—then at least through the sons, that which constitutes the spirit of Central Europe—which has found its expression in *Faust*, which springs from Wagner, Beethoven, Fichte, and Schelling—will be carried out into all the worlds; and that will be a new element throughout the world. And just as our ordinary, everyday life is built upon a victory over conflicting forces, so too will Central European cultural heritage be built—like a victory—upon that which must be so ardently sought.

[ 64 ] Das ist es, was als stärkende Seelenkraft wirklich empfindungsgemäß auch hervorgeht aus dem, was uns die Geisteswissenschaft sagen kann. Ja, widerstrebende Mächte sind es, die da draußen in der Welt um uns herum jetzt rumoren, rumoren wie im einzelnen Menschen die Seelenuntergründe. Aber wie sich auf diesen Seelenuntergründen erhebt das Lebensgut, so wird sich das Kulturgut erheben auf demjenigen, was einmal erkämpft werden muss. 34 Völker — kleinere Nationalitätenunterschiede nicht mitgerechnet —, 34 Völker stehen heute miteinander im Kampf; und wir sehen, wie sich die Kampfesstimmung noch ausbreitet. Aber wir blicken hin auf dasjenige, was sich da abspielt, indem wir aufschauen zu dem, was sich als Wirkungen ergeben muss. Und wir in Mitteleuropa, wir dürfen uns, wenn wir dies alles geistig betrachten, wir dürfen uns sagen: So, wie der einzelne Mensch sich wiederum in jeder einzelnen Verkörperung seinen Leib aufbauen muss und immer wieder aufbauen muss von sieben zu sieben Jahren — denn nach sieben Jahren haben sich immer die ganzen Ingredienzien geändert, der Leib muss mehrmals aufgebaut werden —, so müssen die Menschen durchschreiten durch Kämpfe, so muss die Menschheit heute hindurchgehen durch all das Schmerzliche, um zu einem höheren Lebensgut zu kommen.

[ 64 ] This is what truly emerges, in a way that resonates with our innermost feelings, from what spiritual science can tell us as a strengthening force of the soul. Yes, it is opposing forces that are now rumbling out there in the world around us, rumbling just as the depths of the soul do within each individual. But just as the essence of life rises from these depths of the soul, so too will cultural heritage rise from that which must first be won through struggle. Thirty-four peoples—not counting minor national differences—thirty-four peoples are at war with one another today; and we see how the spirit of strife continues to spread. But we look upon what is unfolding there by looking up to what must result as its effects. And we in Central Europe, when we contemplate all this spiritually, may say to ourselves: Just as the individual human being must rebuild his body in every single incarnation and must rebuild it again and again every seven years—for after seven years all the constituent elements have changed, and the body must be rebuilt several times—so must human beings pass through struggles; so must humanity today pass through all that is painful in order to attain a higher quality of life.

[ 65 ] Wie eine Mahnung im höheren Sinne muss dastehen dasjenige, was Europa jetzt durchlebt. Dasjenige, was der Leib Mitteleuropas ist, neu muss er erobert werden gegen dasjenige, was einstürmt von Ost und West. Und es ist nicht ohne Grund, wenn in der Zukunft dasjenige, was ersprießen muss aus den großen geistigen Keimen, die nach innerlichem Werden streben in Mitteleuropa, wenn das sich entwickeln muss, nachdem rings umher der Boden mit dem Blute unserer Edelsten getränkt worden ist, die Luft mit den Empfindungen durchsetzt worden ist, die aus den Opfern, die notwendig geworden sind in unserer Zeit, hervorgehen, wenn diese Luft von dem Schmerz und dem Leid derjenigen [schwer ist], die als Brüder und Schwestern, als Väter und Mütter, als Töchter und Söhne ihre Teuren verloren haben. Empfindungsgemäß, sagte ich, wenn auch nicht verstandesgemäß, wird dasjenige, was ich mir erlaubte noch anzuführen in dem ja schon ohnedies zu langen Vortrage, gefühlt werden können im Zusammenhange mit dem Gesagten, weil gezeigt werden sollte, wie dasjenige, was als Seelenstärkung aus der Geisteswissenschaft kommt, uns wirklich zusammenbringt mit dem, was der ewige, den Tod besiegende und alle Widerstände besiegende unsterbliche Wesenskern in dem Menschen ist, von dem wirklich nur ein Gleichnis das vorübergehende Sterben ist.

[ 65 ] What Europe is now going through must be seen as a warning in the higher sense. The very essence of Central Europe must be reclaimed against what is storming in from the East and the West. And it is not without reason that in the future, what must spring forth from the great spiritual seeds striving for inner growth in Central Europe—if this is to develop— after the ground all around has been saturated with the blood of our noblest people, the air has been permeated with the emotions arising from the sacrifices that have become necessary in our time—if this air is heavy with the pain and suffering of those who, as brothers and sisters, as fathers and mothers, as daughters and sons, have lost their loved ones. Emotionally, I said—even if not intellectually—what I took the liberty of adding to this lecture, which was already far too long anyway, can be felt in connection with what has been said, because the aim was to show how that which comes from spiritual science as a source of strength for the soul truly brings us together with what is the eternal, death-conquering, and all-overcoming immortal core of being within the human being—of which temporary death is truly only a metaphor.

[ 66 ] Und weil, wenn wir so erblicken, dass dieses Lebensgut auf einem Sieg beruht, wir nur Seelenstärkung, nicht Seelenohnmacht als Ergebnis der Geisteswissenschaft haben können, so bringt uns die Geisteswissenschaft zu dem, was ich, nun nicht in einzelne verstandesgemäße Worte, sondern empfindungsgemäß zusammenfassen möchte. Das soll ja das Beste sein als Ergebnis der Geisteswissenschaft, dass sie nicht nur eine Theorie, nicht nur ein Wissen bleibt, sondern dass sie sich ausgießt in das Gemütsleben, dass sie zu einer Kraft der Seelenstärkung in uns wird. Denn sie zeigt uns, dass des Menschen innerstes Wesen da erst beginnt, wo die Eindrücke der Sinneswelt aufhören, wo der Verstand nichts mehr zu sagen hat. Was als Empfindung, als Grundstimmung des Gemütes aus der Geisteswissenschaft seelenstärkend jederzeit und insbesondere in unserer schicksalstragenden, so Großes in ihrem Schoße bergenden Zeit hervorgehen kann, das möchte ich am Schlusse mit ein paar Worten gefühls- und empfindungsgemäß zusammenfassen, damit den Vortrag abschließend, durch den ich über das Prinzipielle und über die Aussichten der Geisteswissenschaft sprechen wollte:

[ 66 ] And because, when we recognize that this gift of life is based on a victory, we can only gain spiritual strength—not spiritual weakness—as a result of spiritual science, spiritual science leads us to what I would now like to summarize—not in individual rational terms, but in accordance with our feelings. That is indeed supposed to be the greatest benefit of spiritual science: that it does not remain merely a theory or mere knowledge, but that it pours into our inner life, becoming a source of strength for the soul within us. For it shows us that the innermost essence of the human being begins only where the impressions of the sensory world end, where the intellect has nothing more to say. What can emerge from spiritual science as a feeling, as a fundamental mood of the soul that strengthens the spirit at any time—and especially in our fateful era, which holds so much greatness within its bosom—I would like to summarize in a few words, in accordance with my feelings and sensibilities, to conclude this lecture, in which I sought to speak about the principles and prospects of spiritual science:

Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein eröffnet.
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarkt
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen,
Wenn sie durch sich vertreibt
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geistesnacht umhüllt.

Where sensory knowledge ends,
There stands the gate,
Which opens the realities of life
To the soul’s existence.
The soul forges the key,
when it grows strong within itself
in the struggle that the powers of the world
wage on their own ground
with human forces,
when it drives away
the sleep that shrouds the powers of knowledge
at the limits of the senses
with the darkness of the spirit.