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Extending Natural Science
through Anthroposophy
GA 73

5 November 1917, Zurich

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1. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die menschlichen Seelenfragen

1. Findings from the Humanities on Questions Concerning the Human Soul

[ 1 ] Was in diesem Vortrage hier mit Anthroposophie gemeint sein wird, soll nicht irgend etwas sein, das sich aus einer sektiererischen Bewegung oder Geistesströmung oder dergleichen heraus ergibt, sondern etwas viel AllgemeinerMenschliches: eine Geistesströmung, welche sich mit innerer Notwendigkeit in unserer Zeitepoche ergibt aus dem Heraufkommen der naturwissenschaftlichen Weltanschauung im Laufe der letzten Jahrhunderte in der Gestalt, welche diese naturwissenschaftliche Weltanschauung insbesondere in unserer Zeit angenommen hat.

[ 1 ] What is meant by “anthroposophy” in this lecture is not something that arises from a sectarian movement, a spiritual current, or the like, but rather something much more universal and human: a spiritual current that has arisen with inner necessity in our epoch from the emergence of the scientific worldview over the course of the last few centuries, in the form that this scientific worldview has taken on, particularly in our time.

[ 2 ] Dabei ist aber nicht zu denken, daß dieses als Anthroposophie Gemeinte wie eine logische Folge, wie irgendeine Urteilskonsequenz sich ergeben soll aus naturwissenschaftlichen Voraussetzungen; sondern gedacht ist vielmehr, daß diese Anthroposophie sich als lebendiges Gebilde, als Erlebnis, selbst entwickeln muß in einem Zeitalter, das für viele Fragen des Lebens, der Welt, naturwissenschaftlich denken muß. Mehr wie ein lebendiges Kind — wenn ich so sagen darf — der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart, denn als eine bloß logische Konsequenz, ist diese Anthroposophie gedacht.

[ 2 ] However, one must not think that what is meant by anthroposophy is supposed to arise as a logical consequence, as some kind of inferential result, from scientific premises; rather, the idea is that this anthroposophy must develop on its own as a living entity, as an experience, in an age that must think scientifically about many questions concerning life and the world. This anthroposophy is conceived more as a living child—if I may put it that way—of the scientific way of thinking than as a mere logical consequence.

[ 3 ] Nun muß ich mich allerdings bemühen, sehr verehrte Anwesende, diese vier Vorträge, die über die verschiedensten Gebiete der gegenwärtigen Wissenschaften sich erstrekken sollen, zu einem Ganzen zu gestalten. Daher wird der einzelne Vortrag als solcher kein abgeschlossenes Ganzes sein können, und ich werde sehr bitten müssen, dieses zu berücksichtigen.

[ 3 ] Now, however, I must endeavor, distinguished audience, to weave these four lectures—which are intended to cover a wide variety of fields in contemporary science—into a coherent whole. Therefore, each individual lecture will not be a self-contained whole, and I must ask you to bear this in mind.

[ 4 ] Wenn ich die Vortragsserie eröffne mit einer Besprechung der Beziehungen von Anthroposophie und Seelenwissenschaft, so scheint dies insofern natürlich, ja selbstverständlich zu sein, als Anthroposophie, die orientiert sein will nach der geistigen Welt, die ihre Forschungsergebnisse aus der geistigen Welt heraus suchen soll, zunächst ganz besonders sich wird zu schaffen machen müssen mit den inneren Angelegenheiten des Menschen selbst, mit dem seelischen Leben des Menschen. Dies auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber kommt in Betracht, daß im Laufe der letzten Jahrhunderte, insbesondere im Laufe des 19. Jahrhunderts, dasjenige, was man Seelenwissenschaft, Psychologie nennt, im Grunde ein ganz anderes Gepräge erhalten hat, als es noch vor kurzer Zeit hatte. Seelenwissenschaft ist gerade durch die Ausdehnung des naturwissenschaftlichen Denkens über viele Gebiete des Lebens vielleicht rätselvoller geworden, mehr erfüllt worden von allen möglichen Lebensrätseln als irgendeine andere wissenschaftliche Betätigung der neueren Zeit. Es war ja nur natürlich bei den großen, gewaltigen Ergebnissen des naturwissenschaftlichen Forschens, daß naturwissenschaftlich-methodisches Denken, naturwissenschaftliche Anschauungsweise gewissermaßen Besitz ergriff von alldem, was im Bereiche der menschlichen Erkenntnis liegt. So ist es denn auch gekommen, daß diese naturwissenschaftliche Anschauungsweise, man könnte sagen, ihre Macht ausgedehnt hat in der neueren Zeit über das Gebiet des Seelenlebens.

[ 4 ] If I open this lecture series with a discussion of the relationship between anthroposophy and the science of the soul, this seems natural insofar as indeed self-evident, in that anthroposophy—which seeks to be guided by the spiritual world and to derive its research findings from that world—must first and foremost concern itself with the inner affairs of the human being, with the human soul life. That is one side of the matter. On the other hand, however, it must be considered that over the course of the last few centuries—especially during the 19th century—what is called the science of the soul, or psychology, has essentially taken on a completely different character than it had until recently. Precisely because of the expansion of scientific thinking into many areas of life, the science of the soul has perhaps become more enigmatic, more filled with all manner of life’s mysteries than any other scientific endeavor of modern times. Given the great and formidable achievements of scientific research, it was only natural that scientific-methodological thinking and the scientific worldview would, so to speak, take hold of everything that lies within the realm of human knowledge. And so it has come to pass that this scientific worldview has, one might say, extended its influence in recent times to the realm of the life of the soul.

[ 5 ] Nun möchte ich von vornherein das Vorurteil, das Mißverständnis, das sich so leicht gerade gegenüber anthroposophischer Forschung erheben will, berichtigen, das darinnen bestehen könnte, daß anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht rechnen wolle mit dem, was naturwissenschaftliche Vorstellungsart der neueren Zeit der Menschheit zu bieten hat. Im Gegenteil, die weiteren Vorträge, die ich hier werde zu halten haben, werden gerade zeigen, wie Naturwissenschaft erst dann zu ihrem vollen Rechte kommt, wenn sie diejenige starke Begründung erfährt, die sie durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft erfahren kann. Und in gewisser Beziehung wird sich das schon bei der Betrachtung des Verhältnisses der Anthroposophie zur menschlichen Seelenwissenschaft zeigen. Es ist ein berechtigtes Ideal der modernen Naturwissenschaft, dasjenige, was sie betrachtet als natürliches Geschehen, als Inhalt der Naturprozesse und Naturtatsachen, abzulösen von jeglichem Seelischen, nirgends in die wissenschaftliche Beobachtung, in das wissenschaftliche Experiment hineinzumischen irgend etwas, was aus dem Subjektiven — wie man es nennt —, was aus dem seelischen Erleben kommt. Dadurch allein kann diese naturwissenschaftliche Denkweise hoffen, daß der Mensch nicht das objektive Bild der Naturtatsachen durch dasjenige trübt, was er durch seine seelischen Tendenzen, durch seine seelischen Erlebnisse in die Natur hineinträgt.

[ 5 ] I would like to correct, right from the start, the prejudice and misunderstanding that so easily arise, particularly in relation to anthroposophical research—namely, the notion that anthroposophically oriented spiritual science refuses to take into account what the modern scientific worldview has to offer humanity. On the contrary, the subsequent lectures I will be giving here will show precisely how the natural sciences only come into their own when they receive the strong foundation that they can gain through anthroposophy or spiritual science. And in a certain sense, this will already become apparent when considering the relationship between anthroposophy and the science of the human soul. It is a legitimate ideal of modern natural science to separate what it regards as natural phenomena—the content of natural processes and natural facts—from anything psychological, and to refrain from introducing into scientific observation or scientific experimentation anything that originates from the “subjective”—as it is called—or from psychological experience. Only in this way can this scientific way of thinking hope that human beings will not cloud the objective picture of natural facts with what they bring into nature through their psychological tendencies and experiences.

[ 6 ] Es ist nur natürlich, daß unter einem solchen Ideal ganz besonders die Seelenwissenschaft eine bestimmte Ausprägung erfahren mußte. Denn so wie sich die Seele zur Außenwelt stellen muß in der wissenschaftlichen Erkenntnis der Natur, so hat sich diese Seele in früheren Zeitläuften zur Außenwelt nicht gestellt. Wer wirklich einen Sinn dafür hat, sich in wissenschaftliches Denken, in Weltauffassungen verflossener Jahrhunderte hineinzufinden, der kann bemerken, daß in diesen früheren Zeitläuften die Menschen überall, wenn sie versuchten, die Naturtatsachen zu erklären und zu begreifen, diese Naturtatsachen nicht rein sonderten von dem, was die Seele empfand an diesen Naturtatsachen, was die Seele sich als, sagen wir, symbolische oder andere Vorstellungen an diesen Naturtatsachen machen wollte. Es war gewissermaßen dasjenige, was der Mensch an der Natur erlebte, vermischt mit dem, was objektive Naturtatsache selbst war. Dadurch aber, daß die Naturwissenschaft selbst nicht frei von manchem war, was die Seele hergab, dadurch kam man in bezug auf die Seelenwissenschaft in keine so rätselvolle Lage hinein wie in der Gegenwart. Wer schon Seelisches in der Natur geoffenbart kriegte und mit den rein materiellen Tatsachen das Seelische mit herausnahm aus der Natur, der konnte auch viel eher glauben, in bezug auf das Gebautsein des Seelischen im Wesen der geistigen Welt im Einklange mit der Natur- und Weltbetrachtung irgend etwas zu erfahren — viel eher, als dies jetzt möglich zu sein scheint, wo man die Natur so betrachten will, daß gerade alles «Subjektive», alles Seelische bei dieser Betrachtung wegbleibt. Wie soll man denn mit einer naturwissenschaftlichen Anschauungsart, die gerade ihr vollkommenstes Ideal darinnen sieht, das Seelische auszuschließen, die also Begriffe, Ideen, Methoden ausbilden muß, welche auf dem Ausschluß des Seelischen beruhen, wie soll man denn mit diesen Methoden nun herübergehen können in das Seelische und von diesem Seelischen irgend etwas erkennen können? Wie soll man denn anwenden können, was man an der Naturwissenschaft, die das Seelische ausschließt, gelernt hat, auf die Betrachtung des seelischen Lebens?

[ 6 ] It is only natural that, under such an ideal, the science of the soul in particular had to take on a certain form. For just as the soul must relate to the external world in the scientific understanding of nature, so too did this soul not relate to the external world in earlier times. Anyone who truly has a knack for delving into scientific thought and the worldviews of past centuries will notice that in those earlier times, whenever people everywhere attempted to explain and understand natural phenomena, they did not strictly separate these facts of nature from what the soul perceived in them—from what the soul sought to form as, let us say, symbolic or other conceptions of these facts of nature. It was, so to speak, what people experienced in nature, mingled with what was the objective fact of nature itself. But because the natural sciences themselves were not entirely free from certain elements contributed by the soul, this meant that, with regard to the science of the soul, people did not find themselves in such a perplexing situation as they do today. Anyone who had already perceived the spiritual in nature and, along with the purely material facts, had drawn the spiritual out of nature as well, was much more likely to believe that, with regard to the structure of the spiritual within the essence of the spiritual world, they could gain some insight in harmony with their view of nature and the world — far more so than seems possible today, when people seek to view nature in such a way that precisely everything “subjective,” everything spiritual, is excluded from this perspective. How, then, with a scientific outlook that sees its highest ideal precisely in the exclusion of the spiritual—and which must therefore develop concepts, ideas, and methods based on the exclusion of the spiritual—how, then, can one possibly use these methods to cross over into the spiritual realm and gain any insight into it? How is one supposed to apply what one has learned from the natural sciences—which exclude the psychological—to the study of psychological life?

[ 7 ] Dennoch, wir werden im dritten Vortrage sehen, wie gerade Physiologie, und wie auch eine sehr zukunftsreiche Wissenschaft, die gegenwärtig erst anfängt, sich die Universitätslehrstühle zu erobern: die experimentelle Psychologie, ihre guten Grundlagen finden werden, wenn man wiederum die Möglichkeit findet, trotz dem Ideal naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise zu einer Seelenwissenschaft zu kommen. Denn, was hier vertreten werden soll, das steht in keiner Beziehung demjenigen ablehnend gegenüber, was von seiten der Naturwissenschaft als Hilfswissenschaft dem seelischen Leben zugeflossen ist. Im Gegenteil! Gerade was psychologische Laboratorien der neueren Zeit anstreben, wird von einem gewissen anthroposophischen Gesichtspunkte aus erst seine rechte Fruchtbarkeit, seine rechte Bedeutung gewinnen.

[ 7 ] Nevertheless, in the third lecture we shall see how physiology in particular—as well as a very promising science that is only now beginning to establish itself in university departments—namely, experimental psychology—will find its sound foundations if we can once again discover a way to arrive at a science of the soul despite the ideal of the natural-scientific approach. For what is to be advocated here is in no way opposed to what the natural sciences have contributed to the study of the soul as an auxiliary science. On the contrary! It is precisely what modern psychological laboratories are striving for that will, from a certain anthroposophical perspective, gain its true fruitfulness and its true significance.

[ 8 ] Man kann sich nun fragen: Was will eigentlich der Mensch, wenn er sich wissenschaftlich der Natur gegenüberstellt in der Form, wie das heute die Naturwissenschaft mit Recht tut? Was will eigentlich der Mensch an der Natur erkennen? Man könnte über diese Frage stundenlang reden; allein ich will nur kurz andeuten, wie sie etwa beantwortet werden kann.

[ 8 ] One might now ask: What does humanity actually seek when it approaches nature scientifically, in the way that the natural sciences rightly do today? What does humanity actually seek to understand about nature? One could discuss this question for hours; however, I will only briefly suggest how it might be answered.

[ 9 ] Der Mensch entwickelt in dem, was sich abspielt im Laufe des seelischen Lebens, gewisse Bedürfnisse, die sich einfach dadurch ergeben, daß er in sich seelisch erlebt und außer sich den Ablauf der Naturtatsachen hat. Aus diesen Bedürfnissen heraus entwickelt sich dasjenige, was Naturwissenschaft ist. Man will in der Seele selbst zurechtkommen mit dem, was die Seele fragen kann, mit dem, was die Seele als Rätsel, als Zweifel sich aufwerfen kann bei der Anschauung der Natur. Und man will die Natur in einem solchen Bilde sehen, daß dasjenige, was als innerer Ablauf der seelischen Erlebnisse in uns erfahren wird, dabei zu seinem Rechte kommt. Der Beobachter ist es eigentlich, der die Direktiven, der die Tendenzen der Naturwissenschaft gibt. Man braucht sich nur etwa an einen solchen Ausspruch wie den von Da» Bois-Reymond zu erinnern, den er gelegentlich seiner berühmten Rede «Über die Grenzen des Naturerkennens» tat: Eine Naturerkenntnis ist dann vorhanden, wenn unser Kausalitätsbedürfnis — also ein Subjektives, etwas, das im menschlichen Erleben begründet ist —, wenn das befriedigt ist. Das aber setzt voraus, daß dieses subjektive, persönliche seelische Erleben mit seinen Fragen, mit seinen Zweifeln wie einer Sphinxnatur gegenübersteht dem äußeren Ablauf der Naturerscheinungen, daß diese nicht in ihrem ersten Anblicke ergeben, was das Seelenleben als ein Bild von ihnen formt. Wir können das erste Bild, das sich dem vorläufigen Anschauen ergibt, durch das, was in unserer Seele abläuft, verändern und bekommen dadurch gerade die Naturwissenschaft.

[ 9 ] In the course of spiritual life, human beings develop certain needs that arise simply from the fact that they experience the inner workings of their own souls while, outside themselves, they observe the unfolding of natural phenomena. It is out of these needs that the science of nature develops. One seeks to come to terms within the soul itself with what the soul can ask, with what the soul can raise as a mystery or a doubt when contemplating nature. And one seeks to view nature in such a way that what is experienced within us as the inner course of psychological experiences is given its due. It is actually the observer who sets the guidelines and directions for natural science. One need only recall, for example, a statement such as that made by Daubois-Reymond on the occasion of his famous lecture “On the Limits of Knowledge of Nature”: Knowledge of nature exists when our need for causality—that is, something subjective, rooted in human experience—is satisfied. But this presupposes that this subjective, personal psychological experience, with its questions and doubts, stands—like a sphinx—opposite the external course of natural phenomena; that these phenomena do not, at first glance, reveal what the inner life forms into an image of them. We can transform the initial image that arises from our preliminary observation through what takes place within our soul, and in doing so, we arrive precisely at the natural sciences.

[ 10 ] Können wir dies mit dem seelischen Leben ebenso machen? Diese Frage beantwortet man sich nur nicht immer deutlich und exakt genug. Zum Seelischen können wir uns nicht in derselben Art fragend mit dem gewöhnlichen Bewußtsein stellen, wie zur Natur. Dieses Seelische läuft in uns ab. Wir können es bloß erfahren, bloß erleben. Aber wir werden nichts gewinnen, wenn wir das, was uns schon bekannt ist, dann so gliedern, wie wir gesetzmäßig die Natur gliedern, um zu einer Naturwissenschaft zu kommen. Dieses seelische Erleben, wie es im gewöhnlichen Alltagsdasein auftritt, kann man erleben; aber es ist eigentlich, indem man es so erlebt, kein Anlaß da, es in derselben Weise zu behandeln wie die Naturtatsachen. Diese führen auf Schritt und Tritt sozusagen ins Unbekannte, während wir im seelischen Erleben unmittelbar drinnenstehen. Man muß sich schon an der Naturwissenschaft selbst gewisse Fragestellungen anerziehen, wenn man dem seelischen Erleben gegenüber eine ähnliche Methode anwenden will, wie sie in der Naturwissenschaft üblich ist.

[ 10 ] Can we do the same with the life of the soul? We do not always answer this question clearly and precisely enough. We cannot approach the life of the soul with ordinary consciousness in the same inquiring way as we do nature. This life of the soul takes place within us. We can only experience it, only live through it. But we will gain nothing if we then classify what is already known to us in the same systematic way we classify nature in order to arrive at a natural science. This psychological experience, as it occurs in ordinary everyday life, can be experienced; but in fact, by experiencing it in this way, there is no reason to treat it in the same manner as facts of nature. The latter lead us, so to speak, into the unknown at every turn, whereas we stand right in the midst of psychological experience. One must first accustom oneself to certain lines of inquiry within the natural sciences themselves if one wishes to apply a method to psychological experience similar to that commonly used in the natural sciences.

[ 11 ] Man könnte nun sagen: Der Natur gegenüber ist der Beobachter als selbstverständliche Außenpersönlichkeit gegeben; dem seelischen Erleben steht kein Beobachter gegenüber. Daher verzweifelten manche Leute überhaupt an einer Möglichkeit, das seelische Leben zu beobachten, weil sie sich gar nicht vorstellen konnten, wie die Spaltung sich vollziehen könnte: daß man zu gleicher Zeit den Ablauf des Seelenlebens hat und dennoch Beobachter ist.

[ 11 ] One might say: In relation to nature, the observer is given as a self-evident external entity; in contrast, there is no observer in relation to psychological experience. Consequently, some people despaired entirely of any possibility of observing inner life, because they could not imagine how this separation could take place: that one could simultaneously experience the unfolding of inner life and yet still be an observer.

[ 12 ] Das ist es aber gerade, dieses sonderbare Paradoxon, was eintreten muß, um eine Seelenwissenschaft, die sich der Naturwissenschaft zur Seite stellen kann, ich möchte sagen, im Geiste der Forderungen der Naturwissenschaft wieder erstehen zu lassen. Die Frage nach dem Beobachter des seelischen Lebens muß ernst, muß in ihrer vollen Bedeutung und Tiefe genommen werden. Dasjenige, was in uns lebt, kann dieses Seelische nicht unmittelbar beobachten. Wenn der Naturforscher, der das Ideal naturwissenschaftlicher Anschauung in der Gegenwart erfüllen will, in seiner Vorstellungsweise alles absondert, was Seele ist, wenn er gewissermaßen das Seelische ganz zurücktreten läßt, so muß der Seelenforscher heute den gerade entgegengesetzten Weg gehen: Er muß nun nichts absondern von den seelischen Erlebnissen, sondern er muß etwas hereinholen in diese seelischen Erlebnisse; er muß diese seelischen Erlebnisse mit etwas durchdringen, was im gewöhnlichen Bewußtsein nicht da ist. Gerade den entgegengesetzten Weg muß der Seelenforscher gehen! Weil Naturwissenschaft groß geworden ist auf ihrem Wege, muß der Seelenforscher diesen entgegengesetzten Weg gehen. Die große, bedeutungsvolle Frage entsteht: Wie kann dieser Weg gefunden werden?

[ 12 ] But that is precisely it—this strange paradox—which must occur in order to revive a science of the soul that can stand alongside the natural sciences, I would say, in the spirit of the demands of the natural sciences. The question of the observer of mental life must be taken seriously, in all its significance and depth. That which lives within us cannot directly observe this mental life. If the natural scientist, who wishes to fulfill the ideal of the natural scientific worldview in the present, separates everything that is soul from his mode of thinking—if, so to speak, he allows the psychological to recede entirely—then the researcher of the soul today must take the exact opposite path: He must not set anything apart from the soul experiences, but rather he must bring something into these soul experiences; he must permeate these soul experiences with something that is not present in ordinary consciousness. The researcher of the soul must take precisely the opposite path! Precisely because natural science has grown so powerful on its own path, the researcher of the soul must take this opposite path. The great, significant question arises: How can this path be found?

[ 13 ] Da werde ich nun manches Paradoxe zu sagen haben. Aber ich bitte, darauf Rücksicht zu nehmen, daß dasjenige, was im Laufe der menschlichen Geistesentwickelung auftrat, in den ersten Zeiten seines Auftretens immer einen paradoxen Charakter hatte. Man denke nur an die großen, umwälzenden naturwissenschaftlichen Errungenschaften selbst, wie sie auf den Menschen gewirkt haben, welche Zweifel, welche Anfechtungen, welche Kämpfe sie hervorgerufen haben! Dem Seelischen steht der Mensch noch viel näher als der Natur. Kein Wunder, wenn sich auch bezüglich der neueren Seelenwissenschaft so manches von dem wieder ergeben kann, was sich bei dem Fortschritte des naturwissenschaftlichen Forschens ergeben hat.

[ 13 ] I will now have a number of paradoxes to discuss. But I ask that you bear in mind that whatever has emerged in the course of the development of the human spirit has always had a paradoxical character in the early stages of its emergence. Just think of the great, revolutionary achievements of the natural sciences themselves—how they affected people, what doubts, what trials, what struggles they gave rise to! Human beings are still much closer to the spiritual realm than to nature. It is no wonder, then, that even with regard to the newer science of the soul, much of what has emerged in the course of scientific research may also come to light.

[ 14 ] Klar muß man sich von vornherein bei der anthroposophisch orientierten Seelenwissenschaft sein, daß man mit dem Bewußtsein, das unseren Alltag erfüllt, das auch in der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Forschung üblich ist, wie ich schon angeführt habe, nicht auskommt. Seelenwissenschaft wird eine Bewußtseinsfrage werden. Und als solche Bewußtseinsfrage habe ich diese Seelenwissenschaft in meinem vor einem Jahre erschienenen Buche «Vom Menschenrätsel» behandelt: Wenn die Seele so, wie sie im gewöhnlichen Erleben ihren eigenen Erfahrungen gegenübersteht, von diesen Erfahrungen im Grunde nichts wissen kann — wenn sie sie nur erleben kann, wie man die äußere Natur, bevor man ein naturwissenschaftliches Bild von ihr hat, erlebt —, so deutet das schon darauf hin, daß diese Seele mit sich Veränderungen vornehmen muß, wenn sie ihre eigenen Tatsachen beobachten will. Das wird manche Schwierigkeiten geben gegenüber der herrschenden Denkweise der Gegenwart. Diese geht dahin, an die Seele ja nicht zu rühren, sie so zu lassen, wie man sie gewissermaßen, wie man etwa sagt, «aus den Händen der Natur selbst» erhalten hat, und in der Wissenschaft an dasjenige, was da in ihr lebt, anzuknüpfen. Seelenwissenschaft wird aber aus den tieferen Quellen, die für das gewöhnliche Erleben verborgen sind, Kräfte heraufholen müssen, durch die andere Beobachtungsmethoden, andere Vorstellungsarten entstehen, als sie im gewöhnlichen Leben da sind.

[ 14 ] It is clear that, from the outset, in the anthroposophically oriented science of the soul, one cannot make do with the consciousness that permeates our everyday life—the same consciousness that is also common in conventional scientific research, as I have already pointed out. The science of the soul will become a question of consciousness. And as such a question of consciousness, I addressed this science of the soul in my book The Riddle of Man, published a year ago: If the soul, as it confronts its own experiences in ordinary life, can essentially know nothing of these experiences—if it can only experience them as one experiences the external natural world before having a scientific picture of it—then this already suggests that this soul must undergo changes within itself if it wishes to observe its own realities. This will present some difficulties in relation to the prevailing way of thinking today. This approach holds that one must not interfere with the soul, but leave it as it has been received, so to speak, “from the hands of nature itself,” and in science, one must build upon what lives within it. Psychology, however, will have to draw upon forces from the deeper sources hidden from ordinary experience, forces through which methods of observation and modes of perception different from those found in ordinary life will arise.

[ 15 ] Nun will ich in Kürze schlicht schildern, was mit der menschlichen Seele vorgehen muß, wenn sie ein wirklicher Beobachter der eigenen seelischen Erlebnisse werden will, besser gesagt, wenn sie den inneren Beobachter, der in ihr verborgen ist, erwecken will, damit sie ihr eigenes Erleben erforschen kann. Mit dem Denken, mit all den Vorstellungsformen, die man sich bei der Betrachtung der äußeren Natur aneignet, kommt man dem Seelischen gegenüber nicht zurecht. Man kommt mit all diesen Vorstellungen — wie man, gerade wenn man innerlich ringt mit der Erkenntnis, bald bemerken kann — überhaupt nicht hinaus über den Tatsachenkreis, der sich naturwissenschaftlich überschauen läßt; man kommt damit gar nicht heran an das Seelische.

[ 15 ] Now I will briefly and simply describe what must happen to the human soul if it is to become a true observer of its own inner experiences—or, to put it better, if it is to awaken the inner observer hidden within it, so that it can explore its own experiences. Thinking—and all the forms of imagination one acquires through the observation of external nature—is insufficient when dealing with the soul. As one soon realizes, especially when wrestling inwardly with this insight, all these concepts do not take one beyond the realm of facts that can be grasped through the natural sciences; they do not bring one anywhere near the soul.

[ 16 ] Die Sache wird in dem Augenblicke anders, da man an die Punkte — ich nenne sie Grenzorte des Erkennens — kommt, an denen der Mensch zunächst zweifelnd steht und oftmals sich sagt: Bis hierher kommen wir mit dem, was uns als Menschen einmal beschieden ist in bezug auf unseren Erkenntnistrieb; aber hier liegen unübersteigliche Grenzen; über die kommt man nicht hinaus. — Man braucht nur zu sehen, wie Menschen, die, gerade erfüllt von der naturwissenschaftlichen Anschauungsweise der letzten Zeiten, mit ihren Gedanken versuchen, immer tiefer und tiefer in das Dasein hineinzuschürfen, an solche Grenzorte des Erkennens herangelangen. Ich will ein paar Beispiele anführen, die uns zeigen werden, wie der nach Erkenntnis Ringende da wirklich an ganz besondere Stellen des Seelenerlebens kommt.

[ 16 ] The situation changes the moment one reaches those points—I call them the limits of knowledge—at which a person initially stands in doubt and often says to himself: This is as far as we can go with what is granted to us as human beings in terms of our drive for knowledge; but here lie insurmountable limits; one cannot go beyond them. — One need only observe how people who, imbued with the scientific worldview of recent times, attempt with their thoughts to delve ever deeper and deeper into existence, arrive at such limits of knowledge. I will cite a few examples that will show us how those striving for knowledge truly arrive at very special points in their spiritual experience.

[ 17 ] Als erstes Beispiel möchte ich eines anführen, das ich gefunden habe bei einem vielleicht als Philosoph weniger geschätzten, aber als Persönlichkeit um so höher zu schätzenden Erkenntnissucher: bei dem berühmten Ästhetiker Friedrich Theodor Vischer. Als Vischer das interessante Büchelchen Volkelts über «Die Traum-Phantasie» besprach, da warf er sich mit aller inneren Erkenntnisenergie die Frage auf: Welches kann die Beziehung sein der menschlichen Seele und des menschlichen Leibes?

[ 17 ] As a first example, I would like to cite one I found in a seeker of knowledge who may be less highly regarded as a philosopher but all the more highly valued as a person: the famous aesthetician Friedrich Theodor Vischer. When Vischer reviewed Volkelts’s interesting little book on “The Dream Imagination,” he posed the question to himself with all the energy of his inner insight: What could be the relationship between the human soul and the human body?

[ 18 ] Es ist ein anderes, ob man sich aus philosophischen Voraussetzungen, aus Schulbegriffen heraus dieses Problem vorlegt, ob man sich nur verstandesmäßig damit beschäftigt, oder ob es aus einem harten Denk-Erleben heraus vor die Seele tritt, so daß es wirklich wie sphinzartig sich vor diese Seele hinstellt. Aus solchem bangem Erleben heraus stellte sich — das sieht man dem ganzen Zusammenhang an der sogenannte V-Vischer, Friedrich Theodor Vischer, die Frage. Er sagt: Die Seele des Menschen, sie kann nicht im Leibe sein; aber sie kann auch nicht anderswo als im Leibe sein. — Ein vollständiger Widerspruch! Aber ein Widerspruch, der sich nicht logisch herbeigezerrt ergibt, sondern der sich aus dem vollen inneren Denken heraus ergibt, ein Widerspruch, in dem man ringt, ein Widerspruch, der der Beginn sein kann eines inneren Erkenntnisdramas. Und vor solchen inneren Erkenntnisdramen, weil sie zum Erleben führen, darf man nicht zurückschrecken, wenn wirkliche Seelenwissenschaft entstehen soll.

[ 18 ] It is one thing to approach this problem from philosophical premises or academic concepts, or to engage with it purely intellectually; it is quite another when it arises before the soul out of a profound experience of thought, so that it truly stands before that soul like a sphinx. It was out of such an anxious experience—as can be seen from the entire context—that the so-called V-Vischer, Friedrich Theodor Vischer, posed the question. He says: The human soul cannot be in the body; but neither can it be anywhere other than in the body. — A complete contradiction! But a contradiction that does not arise from a forced logical deduction, but rather emerges from full inner thinking—a contradiction with which one wrestles, a contradiction that can be the beginning of an inner drama of insight. And one must not shy away from such inner dramas of insight—because they lead to experience—if a true science of the soul is to emerge.

[ 19 ] Ich habe damit eine der sehr bedeutungsvollen Fragen, die an den Grenzorten des Erkennens entstehen, angedeutet. Es gibt viele. Du Bois-Reymond hat von sieben Welträtseln gesprochen. Man könnte Hunderte und Hunderte kleinerer und größerer solcher Fragen anführen. Bei diesen Fragen kann man so stehenbleiben, daß man sagt: Bis hierher reicht das menschliche Erkennen, weiter kann man nicht gehen! — Aber wenn man sich dieses Geständnis macht, dann fehlt es nur an Erkenntnismut. Das, um was es sich handelt, ist: bei solchen Fragen mit dem vollen inneren Seelenleben stehenbleiben zu können, diese Fragen mit allen gesamten Kräften der Seele nicht verstandesmäßig zu betrachten, sondern sie zu durchleben und Geduld zu haben, zu warten; ob sich da etwas wie eine Offenbarung von außen ergibt. Und das geschieht.

[ 19 ] I have thus alluded to one of the most significant questions that arise at the frontiers of knowledge. There are many. Du Bois-Reymond spoke of seven world mysteries. One could cite hundreds and hundreds of such questions, both minor and major. One might pause at these questions and say: “Human knowledge extends only this far; one cannot go any further!” — But if one makes this admission, then what is lacking is simply the courage of knowledge. What is at stake is this: to be able to stand with such questions while fully engaged in one’s inner spiritual life; not to approach these questions intellectually with all the soul’s powers, but to live through them and have patience, to wait and see if something like a revelation from outside emerges. And that is what happens.

[ 20 ] Wer sich solche Fragen nicht mit den vorgefaßten Begriffen, die er schon hat, beantworten will, sondern gewissermaßen untertaucht in das Wogen, das solche Fragen über die menschliche Seele bringen, der kommt zu einem völlig neuen Erleben, das er nicht im gewöhnlichen Bewußtsein haben kann. Ich kann mich durch einen Vergleich ausdrücken über dieses Erleben. Es ist ein elementares Erleben des Seelendaseins und ein elementares Erleben für die Entstehung einer anthroposophisch orientierten Seelenwissenschaft oder Psychologie. Man muß es nur in seiner vollen Realität nehmen, nicht in seiner abstrakten Torheit. Wir denken — ob der Vergleich nun mehr oder weniger berechtigt ist oder nicht, darauf kommt es jetzt nicht an, was er uns sagen soll, wird er uns sagen —, wir denken an ein ganz niedriges Tier, das noch nicht einen nach außen hin differenzierten Tastsinn sich ausgebildet hat, das gewissermaßen mit seinem Erleben nur innerlich in sich selber wühlt und an die physischen Gegenstände um sich herum anstößt. Wir denken uns im Sinne der Evolutionstheorie, solch ein Leben sich vervollkommnend. Was kann da entstehen? Dasjenige, was beim niedrigen Wesen nur ein Stoßen an die äußeren Dinge ist und ein innerlich undifferenziertes Erleben dieser Stöße, das differenziert sich im Laufe der Entwickelung so, daß der’Iastsinn entsteht. Die naturwissenschaftliche Evolutionslehre stellt die Differenzierung des Sinnenlebens überhaupt so, ich möchte sagen, aus dem Gestoßenwerden von den Dingen, aus dem Differenziertwerden durch dieses Gestoßenwerden dar. Was da äußerlich, physiologisch, physisch meinetwillen geschieht: die Entwickelung eines differenzierten Tastsinnes aus dem bloßen Anstoßen an die äußeren Gegenstände, das wiederholt sich auf rein seelischem Gebiete, wenn man die Dinge lebensvoll nimmt, wenn man an solche Grenzorte des Erkennens mit vollem, innerem Seelenanteil kommt. Da fühlt man sich an diesen Grenzorten zunächst wie in der Dunkelheit der geistigen Welt drinnen, anstoßend überall. Daß solche Fragen wie bei Vischer entstehen, ist einem ein Beweis: Man lebt in einem dunklen seelischen Dasein, gegründet in der geistigen Welt, stoßend an die geistige Welt. Aber differenzieren muß sich nun dasjenige, was so stößt an die geistige Welt!

[ 20 ] Anyone who does not seek to answer such questions using the preconceived concepts they already possess, but rather, as it were, immerses themselves in the waves of emotion that such questions stir up within the human soul, will arrive at a completely new experience that they cannot have in ordinary consciousness. I can express this experience through a comparison. It is an elemental experience of the soul’s existence and an elemental experience for the emergence of an anthroposophically oriented science of the soul or psychology. One must simply take it in its full reality, not in its abstract folly. We imagine—whether the analogy is more or less valid or not is not the point here; whatever it is meant to tell us, it will tell us—we imagine a very primitive animal that has not yet developed a sense of touch differentiated from the outside world, one that, so to speak, merely probes inwardly within itself with its experience and bumps into the physical objects around it. In the spirit of evolutionary theory, we imagine such a life perfecting itself. What can emerge from this? That which, in the lower being, is merely a bumping into external things and an internally undifferentiated experience of these bumps—this differentiates itself in the course of development in such a way that the sense of touch arises. The scientific theory of evolution depicts the differentiation of sensory life in general—I would say—as arising from being jostled by things, from becoming differentiated through this jostling. What happens there externally, physiologically, and physically—the development of a differentiated sense of touch from the mere contact with external objects—is repeated in the purely spiritual realm when one approaches things with vitality, when one arrives at such frontiers of knowledge with one’s whole inner being. At these thresholds, one initially feels as if one were inside the darkness of the spiritual world, bumping into everything. The fact that questions such as those raised by Vischer arise is proof: one lives in a dark psychological existence, grounded in the spiritual world, bumping against the spiritual world. But that which thus bumps against the spiritual world must now differentiate itself!

[ 21 ] Im wirklichen Erleben solcher Grenzfragen fügt sich, offenbart sich in die Seele etwas hinein, was sonst nicht da ist, was ebensowenig vorher in der Seele da ist, wie die Wahrnehmung der äußeren Gegenstände durch einen differenzierten Tastsinn da ist für das Wesen, das diesen differenzierten Tastsinn noch nicht entwickelt hat, sondern nur an die Dinge stößt. Man muß dazu kommen, die Grenzfragen, diese zahllosen, quälenden, sphinxartigen Grenzfragen zu erleben, um zu wissen: die Methoden, die wir an der Natur gewinnen können, die Methoden, die gerade das Ideal naturwissenschaftlicher Anschauungsweise erfüllen, sie führen, wenn es sich um das Seelisch-Geistige handelt, nur bis zu einem Stoßen an den Grenzen; da muß das Leben weiterrücken!

[ 21 ] In the actual experience of such boundary questions, something enters and reveals itself in the soul that is not otherwise present—something that is just as absent from the soul beforehand as the perception of external objects through a differentiated sense of touch is for a being that has not yet developed this differentiated sense of touch but merely bumps into things. One must come to experience these boundary questions—these countless, agonizing, sphinx-like boundary questions—in order to know: the methods we can derive from nature, the methods that precisely fulfill the ideal of the scientific approach, lead, when it comes to the soul and spirit, only to a point where we strike the boundaries; there, life must move forward!

[ 22 ] Und es kann weiterrücken. Das kann nur eine Erfahrungstatsache sein. Was ich hier meine, das tritt dem in der Naturwissenschaft wurzelnden Denker der letzten Jahrzehnte nur allzu klar, nur allzu bedeutsam vor die Seele. Denn erst allmählich kann die Zeit heraufkommen, wo durch geduldiges Sich-Hineinfinden in diese Grenzfragen des Erkennens die Seele wirklich ihr Lebensgebiet ausdehnt. Ich habe Beispiele solcher Grenzfragen angeführt in dem kleinen Kapitel, das ich gerade über diese Fragen in meinem Buche, das in den nächsten Tagen erscheinen wird, «Von Seelenrätseln», geschrieben habe.

[ 22 ] And it can move forward. This can only be a fact of experience. What I mean here presents itself all too clearly, all too significantly, to the mind of the thinker of recent decades, whose thinking is rooted in the natural sciences. For only gradually can the time come when, through patiently finding one’s way into these frontier questions of knowledge, the soul truly expands the realm of its life. I have cited examples of such frontier questions in the short chapter I have just written on these very issues in my book, On the Mysteries of the Soul, which will be published in the coming days.

[ 23 ] Ich möchte noch eine andere solche Grundgrenzfrage, wie sie auftritt bei Friedrich Theodor Vischer, anführen, als Beispiel, wie jemand, der wirklich beginnt, das Erkenntnisdrama in sich zu erleben, herankommt an das, was ich eben jetzt charakterisiert habe — wenn auch, als Friedrich Theodor Vischer strebte, noch nicht die Zeit da war, in der die Seele durchbrechen konnte durch die Grenzen, an denen sie steht —, innerlich tastend, noch nicht äußerlich differenziert im geistigen Tasten. Vischer sagt da: «Kein Geist, wo kein Nerven-Zentrum, wo kein Gehirn, sagen die Gegner. Kein Nerven-Zentrum, kein Gehirn, sagen wir, wenn es nicht von unten auf unzähligen Stufen vorbereitet wäre; es ist leicht, spöttlich von einem Umrumoren des Geistes in Granit und Kalk zu reden, — nicht schwerer, als es uns wäre, spottweise zu fragen, wie sich das Eiweiß im Gehirn zu Ideen aufschwinge. Der menschlichen Erkenntnis schwindet die Messung der Stufenunterschiede. Es wird Geheimnis bleiben, wie es kommt und zugeht, daß die Natur, unter welcher doch der Geist schlummern muß, als so vollkommener Gegenschlag des Geistes dasteht, daß wir uns» — ich bitte, die Redeweise ins Auge zu fassen! — «Beulen daran stoßen; es ist eine Diremtion von solchem Schein der Absolutheit, daß mit Hegels Anderssein und Außersichsein, so geistreich die Formel, doch so gut wie nichts gesagt, die Schroffheit der scheinbaren Scheidewand einfach verdeckt wird. Die richtige Anerkennung der Schneide und des Stoßes in diesem Gegenschlag findet man bei Fichte, aber keine Erklärung dafür.»

[ 23 ] I would like to cite yet another such fundamental question—as it arises in the work of Friedrich Theodor Vischer—as an example of how someone who truly begins to experience the drama of knowledge within himself approaches what I have just described — although, when Friedrich Theodor Vischer was striving for this, the time had not yet come when the soul could break through the boundaries at which it stands — groping inwardly, not yet externally differentiated in its spiritual groping. Vischer says there: “No mind where there is no nerve center, where there is no brain, say the opponents. ‘No nerve center, no brain,’ we say, if it were not prepared from below through countless stages; it is easy to speak mockingly of a stirring of the spirit within granite and limestone—no harder than it would be for us to ask mockingly how the protein in the brain soars into ideas. Human understanding loses the ability to measure these gradual differences. It will remain a mystery how it comes to be that nature—under which the spirit must surely slumber—stands as such a perfect counterpoint to the spirit that we “—I ask you to take note of the turn of phrase! — “bump up against it; it is a distinction of such an appearance of absoluteness that with Hegel’s ‘otherness’ and ‘being outside of oneself’—however ingenious the formula—virtually nothing is said, and the harshness of the apparent dividing wall is simply concealed. The correct recognition of the edge and the impact in this counter-strike is found in Fichte, but no explanation for it.”

[ 24 ] Man kann nicht genauer die Schilderung dieses inneren Seelenlebens haben: wie es sich fühlt zunächst anschlagend an die geistige Welt da, wo es diese Grenzfragen erlebt, wie es sich sehnt, sich aus diesem Heranschlagen an die geistige Welt zu differenzieren zu einem wirklichen Tasten der geistigen Welt, zu einem Aufgehen eines — um den Goetheschen Ausdruck zu gebrauchen — geistigen Organes. Wie Goethe von Geistesaugen und Geistesohren spricht, so könnte man sagen, gehen auf der elementarsten Stufe geistige Tastorgane auf, dadurch, daß man sich in diese Dinge hineinlebt. Das ist ein wirklicher Lebensprozeß, ein wirklicher Wachstumsprozeß; das ist nicht eine bloße Anwendung desjenigen, was man schon gelernt hat an den anderen Wissenschaften; sondern das ist etwas, was so real ist wie das Heranwachsen des Kindes, was aber die Seele in Regionen hineinbringt, die sie vorher nicht erlebt hat.

[ 24 ] One cannot have a more precise description of this inner life of the soul: how it initially feels itself drawn to the spiritual world where it experiences these boundary questions; how it longs to differentiate itself from this initial contact with the spiritual world toward a genuine sensing of the spiritual world, toward the unfolding of—to use Goethe’s expression—a spiritual organ. Just as Goethe speaks of spiritual eyes and spiritual ears, one could say that, at the most elementary level, spiritual organs of perception blossom forth through immersing oneself in these things. This is a genuine life process, a genuine process of growth; it is not merely an application of what one has already learned in the other sciences; rather, it is something as real as a child’s growth, yet it leads the soul into regions it has not previously experienced.

[ 25 ] Über diese Dinge täuschen sich heute viele. Einer ganz prinzipiellen Täuschung auf diesem Gebiete gibt sich der berühmt gewordene Philosoph Bergson zum Beispiel hin. Bergson spricht davon, daß man nicht die Welt umfassen könne mit dem zergliedernden Verstande, daß man insbesondere das Seelenleben nicht erfassen könne mit dem zergliedernden Verstande, weil im Seelischen, weil überhaupt im Dasein überall «Werden» ist, überall «Fließen», überall «Leben». Was glaubt Bergson? Daß dasjenige, worauf es ankommt, schon da ist, daß man es suchen kann mit den Kräften, die man schon hat. Das ist aber der große Irrtum. Da finder man nicht dasjenige, was das Seelische wirklich erklären kann, sondern die Seele muß über sich selber hinausgehen; die Seele muß etwas entwickeln, was sie nicht hat. Sie muß nicht glauben, daß das Leben, das sie erforschen soll, schon da ist, sondern daß dieses Leben erst errungen werden muß.

[ 25 ] Many people today are mistaken about these things. The now-famous philosopher Bergson, for example, succumbs to a fundamental misconception in this area. Bergson argues that one cannot comprehend the world with the analytical mind, and that, in particular, one cannot grasp the life of the soul with the analytical mind, because in the soul—indeed, in existence as a whole—there is “becoming” everywhere, “flow” everywhere, “life” everywhere. What does Bergson believe? That what really matters is already there, that one can seek it with the powers one already possesses. But that is the great error. One will not find there what can truly explain the soul; rather, the soul must transcend itself; the soul must develop something it does not yet possess. It must not believe that the life it is to explore is already there, but rather that this life must first be attained.

[ 26 ] Vor diesem Sich-Vertiefen in das Erkenntnisdrama des Inneren haben viele — ich darf den Ausdruck wohl gebrauchen — eigentlich eine große Angst. Sie glauben, in den Abgrund der Subjektivität, in den Abgrund der Individualität hineinzukommen. Wenn sie sich wirklich in solcher Art in diesen Abgrund hineinbegeben würden, wie es jetzt geschildert worden ist, dann würden sie finden, daß, indem sie das tun, sie innerlich ein so Objektives finden, wie man äußerlich das Objektive findet, wenn man der Natur gegenübersteht. Es ist nur eine Illusion, wenn man glaubt, daß der eine Mensch dieses, der andere jenes beim Durchleben des Erkenntnisdramas findet. In gewisser Beziehung müssen die individuellen Erlebnisse verschieden sein, weil sie verschiedene Aspekte, verschiedene Ansichten desselben Dinges von verschiedenen Seiten sind. Aber damit, daß man Photographien von verschiedenen Seiten von irgendeinem Ding aufnimmt und diese Photographien verschieden sind, damit ist nicht gesagt, daß das Ding selbst nicht sein Objektives diesen Aspekten darbietet. Man muß das, was der Erkenner auf diese Weise heraufholt aus seiner Seele, nicht so nehmen, daß man es rein dogmatisch hinnimmt, daß man nun an die besondere Formulierung, die er gibt, wie an ein Dogma oder ein Naturgesetz glaubt. Sondern man muß sich klar sein: Es mag noch so subjektiv durch den besonderen Aspekt das sein, was durch die geistigen Tastorgane erscheint — und wenn die Methoden, die ich jetzt nur prinzipiell angegeben habe, weiter ausgebildet sind, so entstehen wirklich geistig-seelische Organe, die man mit Geistesaugen und Geistesohren vergleichen kann —, wenn auf Grundlage des schauenden Bewußtseins, so nenne ich es in meinem Buche «Vom Menschenrätsel», die geistige Welt charakterisiert wird, dann mag das, was der Beobachter schildert, ein subjektiver Aspekt sein; aber indem man es hinnimmt, steht man der geistigen Wirklichkeit gegenüber, wie man ein wirkliches Abbild eines Baumes hat, wenn man es auch nur von einer Seite hat. Das ist das, was gerade auf diesem Gebiete verstanden werden muß.

[ 26 ] Many people—if I may use the expression—actually have a great fear of delving into the drama of inner knowledge. They believe they are stepping into the abyss of subjectivity, into the abyss of individuality. If they were truly to venture into this abyss in the manner just described, they would find that, in doing so, they discover within themselves something as objective as what one finds externally when facing nature. It is merely an illusion to believe that one person finds this and another finds that while living through the drama of self-discovery. In a certain sense, individual experiences must differ, because they are different aspects, different views of the same thing from different sides. But the fact that one takes photographs of a thing from different angles—and these photographs differ—does not mean that the thing itself does not present its objectivity to these aspects. One must not take what the knower brings forth in this way from his soul in such a way that one accepts it purely dogmatically—that is, that one now believes in the specific formulation he provides as if it were a dogma or a law of nature. Rather, one must be clear about this: No matter how subjective what appears through the spiritual organs of perception may be due to the particular aspect—and when the methods I have now outlined only in principle are further developed, true spiritual-soul organs will indeed arise that can be compared to spiritual eyes and spiritual ears—if the spiritual world is characterized on the basis of the contemplative consciousness, as I call it in my book The Riddle of Man, then what the observer describes may be a subjective aspect; but by accepting it, one stands face to face with spiritual reality, just as one has a true image of a tree, even if one sees it only from one side. This is precisely what must be understood in this field.

[ 27 ] Wenn der Mensch in diesem seinem seelisch-geistigen Leben über sich selbst hinausgeht, ergibt sich das, was ich in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» schildere, in der Sie eine ausführliche Darstellung finden können, was die Seele mit sich zu machen hat, um so über sich hinauszugehen. Ich konnte heute selbstverständlich nur das Prinzipielle angeben. Wenn Sie das, was da in diesem Buche dargestellt ist, bis zu einem gewissen Grade verfolgen, werden Sie finden, warum ich die Erlebnisse, die völlig neue Erlebnisse sind gegenüber dem gewöhnlichen Bewußtsein, zunächst Imaginationen genannt habe, und die Bewußtseinsstufe, die sich da entwickelt, das imaginative Bewußtsein.

[ 27 ] When a person transcends themselves in this spiritual and soul life of theirs, the result is what I describe in my book How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?, in which you will find a detailed account of what the soul must do in order to transcend itself in this way. Of course, I could only outline the basic principles today. If you follow what is presented in this book to a certain extent, you will discover why I initially called these experiences—which are entirely new compared to ordinary consciousness—“imaginations,” and why I referred to the level of consciousness that develops there as “imaginative consciousness.”

[ 28 ] Dieses imaginative Bewußtsein ist nichts Phantastisches. Es hat einen Inhalt, der neu ist gegenüber dem, was man vorher erfahren hat. «Imaginatives Bewußtsein» ist ein Wort wie so viele. Worauf es ankommt, ist, daß in den Imaginationen, die man sich als Bereicherung des Seelenlebens erwirbt, klar ausgedrückt ist, daß sie, nun, sagen wir, Abbilder sind einer geistigen Wirklichkeit, wie unsere gewöhnlichen Vorstellungen Abbilder sind der äußeren physischen Wirklichkeit.

[ 28 ] This imaginative consciousness is not something fantastical. It has a content that is new compared to what one has experienced before. “Imaginative consciousness” is just a term like so many others. What matters is that the imaginations one acquires as an enrichment of one’s inner life clearly express that they are—let us say—reflections of a spiritual reality, just as our ordinary perceptions are reflections of external physical reality.

[ 29 ] Ich habe Ihnen den Prozeß geschildert, durch den die Seele auf der ersten Stufe sich über sich selbst hinaushebt zu dem, was man imaginatives Erkennen nennt. Mit diesem imaginativen Erkennen lebt man tatsächlich in einem Zustande, den man mit einem paradoxen Wort bezeichnen muß — das selbstverständlich unter den Denkgewohnbheiten der Gegenwart nur spöttisch behandelt werden kann: Man lebt, indem man seine Seele vereinigt mit dem, was man so erlebt, man lebt außerhalb des Leibes. Darauf kommt es an! Und man lernt vor allen Dingen dasjenige, was man so erlebt ohne die Zuhilfenahme des Leibes, zu unterscheiden: erstens von den gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmungen, die an der sinnlichen Außenwelt gewonnen sind; aber auch von alledem, was Visionen, Halluzinationen, Illusionen sind.

[ 29 ] I have described to you the process through which the soul, in the first stage, rises above itself to what is called imaginative cognition. With this imaginative cognition, one actually lives in a state that must be described with a paradoxical term—one that, of course, can only be treated with derision given contemporary habits of thought: One lives by uniting one’s soul with what one experiences in this way; one lives outside the body. That is what matters! And above all, one learns to distinguish what one experiences in this way—without the aid of the body—first, from ordinary sensory perceptions gained from the external sensory world; but also from everything that constitutes visions, hallucinations, and illusions.

[ 30 ] Denn das muß immer festgehalten werden: Der Weg, der hier angedeutet worden ist, führt nach der gerade entgegengesetzten Linie hin als der Weg, der als ein krankhafter bezeichnet werden kann, der nach dem illusionären, nach dem visionären Leben führt. Gerade wer sich in das imaginative Leben hineinfindet, der weiß, daß das, was wir sinnlich wahrnehmen, mit unseren gesunden Sinnen an der Natur wahrnehmen, daß das geistig höher steht als alles, was durch Visionen, Halluzinationen vor unsere Seele treten kann. Indem wir uns Visionen hingeben, tauchen wir tiefer in unsere bloße Leiblichkeit hinab, verbinden wir uns inniger mit der Leiblichkeit, durchziehen wir die Leiblichkeit mit unserem Seelischen, machen uns nicht von ihr frei.

[ 30 ] For this must always be kept in mind: The path indicated here leads in the exact opposite direction from the path that can be described as pathological—the one that leads to an illusory, visionary life. It is precisely those who find their way into the imaginative life who know that what we perceive sensually—what we perceive in nature with our healthy senses—stands spiritually higher than anything that can appear before our soul through visions or hallucinations. By indulging in visions, we plunge deeper into our mere physicality; we connect more intimately with it; we permeate physicality with our soul, rather than freeing ourselves from it.

[ 31 ] Wenn wir im dritten Vortrage über den Menschen als Naturwesen sprechen werden, wird uns klarwerden, warum die Inhalte der Visionen mit Geistwahrnehmungen verwechselt werden können. Heute, wo wir von dem seelischen Erleben sprechen, handelt es sich darum, den Unterschied scharf hervorzuheben: daß der Visionär hinuntersteigt in sein Leibesleben, derjenige aber, der nach der imaginativen Erkenntnis strebt, in ein rein Seelisches sich hineinlebt, durch das er zu einem vom Leibe unabhängigen Erleben kommt.

[ 31 ] When we speak of human beings as natural beings in the third lecture, it will become clear to us why the contents of visions can be confused with spiritual perceptions. Today, as we speak of soul experience, the point is to sharply emphasize the difference: that the visionary descends into his physical life, whereas the one who strives for imaginative insight immerses himself in a purely soul-based realm, through which he arrives at an experience independent of the body.

[ 32 ] Das ist, wie gesagt, eine paradoxe Vorstellung für die Denkgewohnheiten der Gegenwart. Derjenige, der heute aus laienhaften Untergründen, aus dilettantischen Vorstellungen heraus an die geistige Welt kommen möchte, der möchte sich diese geistige Welt so gern nach dem Musterbilde der äußeren Wahrnehmungen vorstellen, der möchte so gern — man sieht das an dem verhängnisvollen Spiritismus —, daß ihm, wie durch ein physisches Experiment im Laboratorium eine Naturtatsache, so geistige Tatsachen entgegentreten. Er möchte den Geist greifen. Was uns aber entgegentritt in der imaginativen Wahrnehmung, das läßt sich nicht mit etwas Greifbarem vergleichen. Ich habe es in dem Buch «Von Seelenrätseln» verglichen — aber es ist nicht dasselbe, es läßt sich nur vergleichen — mit den Erinnerungsvorstellungen, die wir aus dem Untergrunde unseres seelischen Lebens glauben heraufzuholen über vergangene Erlebnisse. Die Dünnheit, bloß seelisch-geistig, die solche Erinnerungserlebnisse haben, das ist das einzige, worin der Geist, in dem die Seele wurzelt, überhaupt erlebt werden kann. Nur daß die Imaginationen, die so wie Erinnerungsvorstellungen in der Seele aufgehen, nicht anknüpfen an in der physischen Welt Erlebtes, sondern daß sie durch ihren eigenen Inhalt ankündigen: man ist eingetreten in eine neue, geistige Welt, in eine Welt, die man vorher nicht gekannt hat. Man muß sich erst nach und nach bekanntmachen mit der ganz anderen Art des seelischen Erlebens, wenn man so mit seinem Ich nun nicht die Stütze hat der leiblichen Organe, durch die man die äußeren Wahrnehmungen sich verschafft; man muß sich nach und nach erst gewöhnen in dieses Leben hinein.

[ 32 ] As I said, this is a paradoxical concept for contemporary ways of thinking. Anyone today who wishes to approach the spiritual world from a layman’s perspective, based on amateurish notions, would so dearly like to imagine this spiritual world according to the model of external perceptions; they would so dearly like—as can be seen in the disastrous practice of spiritualism—for spiritual facts to present themselves to them just as a natural fact does through a physical experiment in a laboratory. They wish to grasp the spirit. But what confronts us in imaginative perception cannot be compared to anything tangible. I have compared it in the book On the Riddles of the Soul—though it is not the same; it can only be compared—to the memories of past experiences that we believe we are bringing up from the depths of our soul life. The ethereal, purely soul-spiritual nature of such memory experiences is the only way in which the spirit—in which the soul is rooted—can be experienced at all. Except that the imaginative images that arise in the soul, just like memory images, do not tie in with experiences in the physical world; rather, through their very content, they announce: one has entered a new, spiritual world—a world previously unknown. One must first gradually familiarize oneself with this entirely different kind of soul experience, since one’s “I” no longer has the support of the physical organs through which one obtains external perceptions; one must gradually accustom oneself to this life.

[ 33 ] Vor allen Dingen: trotzdem ich diese Vorstellungen der imaginativen Erkenntnis mit Erinnerungsvorstellungen verglichen habe, trotzdem hat alles, was als Imagination auftritt, was also die Wiedergabe einer geistigen Wirklichkeit ist, eine Eigentümlichkeit, an die wir uns sehr schwer gewöhnen, nämlich die Eigentümlichkeit, daß je vollkommener eine solche geistige Wahrnehmung in der Imagination ist, desto weniger können wir uns, nachdem wir sie gehabt haben, an sie erinnern. Wir sind gewöhnt, an dasjenige uns zu erinnern, was durch unsere Seele gezogen ist. So, wie wir das geistige Erlebnis haben, so erzeugt es uns nicht Erinnerungskraft unmittelbar; sondern der Vorgang ist ein ganz anderer. Ich habe ihn in meinem Buch «Von Seelenrätseln» geschildert. Der Vorgang ist der folgende: Wenn man eine bestimmte Imagination haben will, so muß man sich dazu vorbereiten, man muß die Seele üben, daß sie innerlich die Kräfte entwickelt, durch die die Imagination sich ihr offenbaren kann. An das, was die Seele tut, an das, was die Seele vornimmt, um zu der Imagination zu kommen, an das kann man sich erinnern. Dadurch kann man die Imagination von neuem hervorrufen. Man kann also, wenn man einmal ein geistiges Erlebnis in imaginativer Erkenntnis gehabt hat, sich nicht ohne weiteres an dasselbe erinnern, sondern man muß wiederum alle die inneren Seelenvorbereitungen machen; an die kann man sich erinnern. Man kann sich sagen: Das hast du getan, jenes hast du getan; tu’ es wieder, dann bekommst du das Erlebnis wieder. — Und nur dann, wenn es uns gelingt, gewissermaßen in das gewöhnliche Bewußtsein, in das gewöhnliche Denken, vorstellungsmäßig, Abbilder der Imaginationen hereinzubringen, dann können wir uns an diese Abbilder erinnern. Aber das, was wirklich Imagination ist, das muß immer von neuem auftreten, sonst ist es keine wirkliche Imagination.

[ 33 ] Above all: even though I have compared these concepts of imaginative cognition with those of memory, everything that appears as imagination—that is, the reproduction of a spiritual reality—has a peculiarity to which we find it very difficult to become accustomed, namely, the peculiarity that the more perfect such a spiritual perception is in the imagination, the less we are able to remember it once we have experienced it. We are accustomed to remembering what has passed through our soul. Just as we have the spiritual experience, it does not immediately give rise to a memory; rather, the process is quite different. I have described it in my book On the Riddles of the Soul. The process is as follows: If one wishes to have a particular imagination, one must prepare oneself for it; one must train the soul to develop, within itself, the powers through which the imagination can reveal itself to it. One can remember what the soul does, what the soul undertakes in order to arrive at the imagination—that is what one can recall. Through this, one can evoke the imagination anew. Thus, once one has had a spiritual experience through imaginative insight, one cannot simply recall it; rather, one must once again undergo all the inner preparations of the soul—and it is these that one can recall. One can say to oneself: You did this, you did that; do it again, and you will have the experience once more. — And only when we succeed, so to speak, in bringing images of the imaginations into ordinary consciousness—into ordinary thinking—as mental representations—can we remember these images. But what is truly imagination must always arise anew; otherwise, it is not true imagination.

[ 34 ] Eine andere Eigentümlichkeit ist diese: Vorstellungen, die wir im äußeren Leben gewinnen, werden von uns um so leichter gebildet, je öfter wir sie bilden. Während wir da eine gewisse Übung bekommen und die Dinge in unsere Gewohnheit übergehen, ist das bei dem Erleben der Imagination, bei dem Erleben wirklicher geistiger Tatsachen nicht der Fall. Das Gegenteil ist der Fall: Je öfter wir unter denselben Bedingungen eine Imagination haben wollen, desto undeutlicher wird sie. Daher rührt der sonderbare Umstand, der recht paradoxe Umstand, daß Schüler des geistigen Lebens, die sich Mühe geben, zu gewissen Imaginationen zu kommen, solche Imaginationen haben und dann verwundert sind, warum sie sich nicht wiederholen. Da verliert sich sogar die Gabe, die Sache wieder hervorzurufen, oftmals schon das zweite, dritte Mal, und es ist dann notwendig, daß neue und immer erneuerte Veranstaltungen gemacht werden, um das, was uns gewissermaßen flieht, indem es einmal aus der geistigen Welt an uns herangetreten ist, wieder heraufzurufen.

[ 34 ] Another peculiarity is this: the more often we form mental images derived from external life, the more easily we form them. While we gain a certain practice in this and things become second nature to us, this is not the case with the experience of imagination—with the experience of genuine spiritual realities. The opposite is true: the more often we try to conjure up an imagination under the same conditions, the more indistinct it becomes. This explains the strange circumstance—the rather paradoxical circumstance—that students of spiritual life who strive to arrive at certain imaginations, and who do indeed have such imaginations, are then surprised that they do not recur. Even the ability to recall the experience is often lost as early as the second or third attempt, and it then becomes necessary to undertake new and ever-renewed efforts to summon back what, in a sense, eludes us after having once approached us from the spiritual world.

[ 35 ] Solche inneren seelischen Übungen, welche diese Schwierigkeiten überbrücken, finden Sie alle im einzelnen geschildert in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wenn auch das selbst nur ein kurzer Abriß desjenigen ist, was später über diese Dinge von mir gesagt worden ist.

[ 35 ] You will find all such inner spiritual exercises, which help overcome these difficulties, described in detail in my book, How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?, even though that itself is only a brief outline of what I have said about these matters later on.

[ 36 ] Eine weitere Eigentümlichkeit ist diese, daß man mit solchen imaginativen Vorstellungen nur zurechtkommit, wenn man in dem Denk-, wie in dem Vorstellungs-, Empfindungs- und Willensleben, das man sich als Mensch bis zu dieser geistigen Schulung angeeignet hat, Anhaltspunkte findet, um die Imaginationen mit Vorstellungen zu durchdringen. Wenn man nicht sorgfältig hierauf achtgibt, kann man zwar nicht krankhaft, aber seelisch verworren und verdunkelt werden. Man kommt immer wiederum dazu, sich zu sagen: Jetzt erfährst du etwas Geistiges, das kannst du noch nicht verstehen, du hast nicht tief genug Begriffe dafür ausgebildet. — Dann muß man aufhören, dann muß man den Weg so ändern, daß man versucht, sein gewöhnliches, in der Sinnenwelt auszubildendes Vorstellen weiterzuführen, um bei einer späteren Gelegenheit das zu verstehen, was man vorher nicht verstanden hat.

[ 36 ] Another peculiarity is that one can only cope with such imaginative visions if one finds points of reference—in the life of thought, imagination, feeling, and will that one has acquired as a human being up to this point of spiritual training—to infuse the imaginations with concepts. If one does not pay careful attention to this, one may not become pathologically ill, but one’s soul may become confused and clouded. One always finds oneself saying: “Now you are experiencing something spiritual that you cannot yet understand; you have not developed concepts deep enough for it.”—Then one must stop; then one must change course so that one tries to continue developing one’s ordinary conceptualization—formed within the sensory world—in order to understand at a later opportunity what one did not understand before.

[ 37 ] Kurz, ich könnte noch viele solche Eigenschaften anführen, man macht Bekanntschaft mit lauter Dingen, welche frappierend, paradox sind gegenüber dem seelischen Erleben, das dem gewöhnlichen Bewußtsein angehört. Dann aber erst, wenn man in dieser Weise gewissermaßen das Seelische losgerissen hat von dem Leiblichen, dann erst steht man im Geistigen, in der geistigen Welt drinnen, Die Erfahrung, die geistige, kann keiner bestreiten.

[ 37 ] In short, I could cite many more such characteristics; one encounters all sorts of things that are striking and paradoxical in relation to the psychological experience that belongs to ordinary consciousness. But only then—when one has, so to speak, torn the soul away from the physical in this way—only then does one stand within the spiritual, within the spiritual world. No one can dispute this spiritual experience.

[ 38 ] Mit dem, was ich Ihnen bisher geschildert habe, kommt man bis zu gewissen Einsichten. Man kommt zu der Einsicht, daß außer dem physischen Leib, den man an sich trägt und der das Objekt der Anatomie, der Physiologie, überhaupt der äußeren Naturwissenschaft ist, uns wirklich das eigen ist, was ich in meinen neueren Büchern, damit kein Mißverständnis entsteht, «Bildekräfteleib» nenne, während ich es früher «Atherleib» genannt habe. Es ist wirklich ein zweites Element, das in uns ist und das sich niemals der gewöhnlichen Wahrnehmung, dem gewöhnlichen seelischen Erleben ergeben kann, sondern das sich nur ergeben kann, wenn dieses seelische Erleben bis zur Imagination fortschreitet. Denn dieser Bildekräfteleib ist nichts Räumliches; dieser Bildekräfteleib ist etwas, das nur in der Zeit lebt, das aber in der Zeit so lebt, daß alles, was in unserem physischen Leib, sagen wir, von unserer Geburt oder Empfängnis bis zu unserem Tode wirkt, herausquillt aus diesem Bildekräfteleib. Einen zweiten Leib, einen Bildekräfteleib tragen wir in uns. Er wird eine Realität, eine Wirklichkeit für das imaginative Bewußtsein.

[ 38 ] What I have described to you so far leads to certain insights. One comes to the realization that, apart from the physical body that one carries within oneself—and which is the object of anatomy, physiology, and the external natural sciences in general—what is truly our own is what I call, in my more recent books (to avoid any misunderstanding), the “body of formative forces,” whereas I previously called it the “etheric body.” It is truly a second element that exists within us and that can never reveal itself to ordinary perception or ordinary psychological experience, but can only reveal itself when this psychological experience progresses to the level of imagination. For this body of formative forces is not something spatial; this body of formative forces is something that lives only in time, but lives in time in such a way that everything that takes effect in our physical body—let us say, from our birth or conception until our death—wells up from this body of formative forces. We carry within us a second body, a body of formative forces. It becomes a reality, a fact, for the imaginative consciousness.

[ 39 ] Aber weiter kommen wir mit diesem imaginativen Bewußtsein nicht, als zu dem, was uns als Bildekräfteleib — der Ausdruck ist paradox, das macht aber nichts — von der Geburt bis zum Tode begleitet. Weiter kommt man, wenn man nun zu dem, was eben angedeutet worden ist, fortschreitend noch in anderer Weise die nun frei gewordene Seele innerlich erkraftet, innerlich erstarkt, wenn man nun in immer erneuter und erneuter geduldiger Übung zu dem, was man Vorstellungsleben, was man Begriffsleben nennt, ein ganz neues Verhältnis bekommt.

[ 39 ] But we cannot go further with this imaginative consciousness than to what accompanies us from birth to death as the “body of formative forces”—the expression is paradoxical, but that does not matter. One can go further if, building on what has just been indicated, one progressively strengthens the soul—now set free—in other ways, making it inwardly stronger, and if, through ever-renewed and patient practice, one develops an entirely new relationship to what is called the life of imagination and the life of concepts.

[ 40 ] Vorstellen ist für uns im gewöhnlichen Leben ja etwas, wodurch wir uns die äußeren Gegenstände vergegenwärtigen. Wenn wir eine Vorstellung haben, glauben wir: das, was wir innerlich von einem äußeren Gegenstand besitzen können, besitzen wir eben! Davon müssen wir für das Gebiet des geistigen Erlebens loskommen. Wir müssen uns gewissermaßen in die Lage versetzen können, unsere Vorstellungen wie innerlich gegeneinander kämpfende Kräfte und Mächte in uns im innerlichen Erkenntnisdrama ablaufen zu lassen. Wir müssen die Fähigkeit gewinnen, eine Vorstellung in den Kampf mit der anderen treten zu lassen. Wir müssen uns die Sehnsucht erwerben, wenn wir eine Sache von einer Seite charakterisiert haben, sie auch von der entgegengesetzten Seite zu charakterisieren. Auf dieser Stufe werden die Ausdrücke: Materialismus, Idealismus, Spiritualismus, Sensualismus und so weiter, sie werden alle Redensarten, weil alle diese Begriffe, die bloß aus den Begriffsnetzen herausgesponnen sind, sich eben wie photographische Aufnahmen von verschiedenen Seiten erweisen.

[ 40 ] In everyday life, a “representation” is, after all, something through which we bring external objects to mind. When we have a representation, we believe that whatever we can possess internally of an external object, we actually possess! We must free ourselves from this notion when it comes to the realm of spiritual experience. We must, so to speak, be able to place ourselves in a position where our ideas can play out within us as forces and powers struggling against one another in an inner drama of cognition. We must gain the ability to let one idea enter into conflict with another. We must cultivate the desire, once we have characterized a thing from one side, to also characterize it from the opposite side. At this stage, terms such as materialism, idealism, spiritualism, sensualism, and so on all become mere figures of speech, because all these concepts—which are merely spun from conceptual webs—turn out to be like photographic images taken from different angles.

[ 41 ] Wir lernen erkennen, daß wir mit unseren Begriffen auf geistigem Gebiete uns so verhalten müssen, wie wir uns auf sinnlichem Gebiete in unseren Sinnesorganen verhalten. Wir gehen um die Gegenstände herum. Wir betrachten die Begriffe nicht als Abbilder, sondern nur als dasjenige, was einseitig von diesem oder jenem Aspekte aus die Dinge charakterisiert.

[ 41 ] We come to realize that, in the realm of the mind, we must relate to our concepts in the same way that we relate to the sensory realm through our sense organs. We approach objects from various angles. We do not regard concepts as images, but merely as what characterizes things from one particular aspect or another.

[ 42 ] Der Geistesforscher wird daher gerade den Trieb in sich ausbilden, die Dinge von der einen Seite zu charakterisieren, und sie auch von der anderen Seite, von der entgegengesetzten Seite zu charakterisieren. Er wird namentlich eine Sehnsucht empfinden, gewisse Vorstellungen sich zu bilden und dann sich selbst zu widerlegen, diesen innerlichen Kampf wirklich durchzumachen. Ich gebe da nur einige prinzipielle innerliche Gesichtspunkte an, die man aufsteigend wahrmachen muß, wenn man an dem Grenzort der Erkenntnis bis zu einem gewissen Punkt gekommen ist.

[ 42 ] The spiritual researcher will therefore cultivate within himself the impulse to characterize things from one perspective and also to characterize them from the other, the opposite perspective. In particular, he will feel a longing to form certain ideas and then to refute them himself—to truly go through this inner struggle. I am merely pointing out a few fundamental inner perspectives here that one must progressively realize once one has reached a certain point at the frontier of knowledge.

[ 43 ] Dann entwickelt sich die Seele weiter. Sie gelangt dazu, das in sich zu entwickeln — und ich bitte, da von allem Aberglauben oder vorurteilsvoller Vorstellung abzusehen —, was ich in meinen Büchern genannt habe die inspirierte Erkenntnis. In einem höheren Grade löst sich dadurch die Seele vom Leibe los, und nach dem Erringen dieser Erkenntnisstufe ist man nun nicht bloß imstande, zu überschauen, was als ein Bildekräfteleib in der Zeitenfolge unser Dasein von der Geburt bis zum Tode begleitet, sondern jetzt ist man imstande, auch Geistiges zu schauen, das außer unserem Leibe ist, geistige Wirklichkeit, wie die physischen Augen physische Wirklichkeit schauen. Ich werde im nächsten Vortrage von der äußeren geistigen Wirklichkeit zu sprechen haben und will hinweisen zunächst auf das, was der Mensch als in ihm selbst beschlossene geistige Wirklichkeit mit dieser inspirierten Erkenntnis nunmehr schaut.

[ 43 ] Then the soul continues to develop. It comes to develop within itself—and I ask that you set aside all superstition or prejudiced notions—what I have called in my books “inspired insight.” To a greater degree, the soul thereby detaches itself from the body, and after attaining this level of insight, one is now not only able to perceive what, as a body of formative forces, accompanies our existence from birth to death through the course of time, but one is now also able to perceive spiritual realities that exist outside our body—spiritual reality, just as the physical eyes perceive physical reality. In the next lecture, I will speak of external spiritual reality and wish to point out, first of all, what the human being now perceives through this inspired insight as spiritual reality contained within himself.

[ 44 ] Was da auftaucht vor der inspirierten Erkenntnis, das lebt nicht in unserem Dasein von der Geburt bis zum Tode, das hat vor uns gelebt, bevor wir durch die Geburt, oder sagen wir Empfängnis, in den irdischen Leib eingetreten sind; und nachdem wir durch den Tod in die geistige Welt eintreten werden, wird es mit uns leben. Das hat sich verbunden mit den Erbmassen, die uns von Eltern und Voreltern physisch überkommen; das durchdrang dieses Physische. Zur Anschauung desjenigen, was von uns unserem physischen Dasein seelisch vorangegangen ist, was unserem physischen Tode folgt, gelangt man wirklich durch die inspirierte Erkenntnis, weil man zu einem geistigen Anschauen des von diesem physischen Leib völlig Unabhängigen gelangt. Der Bildekräfteleib ist noch an dieses physische Dasein gebunden; er zerstäubt, wenn er von diesem physischen Dasein getrennt wird. Was die inspirierte Erkenntnis wahrnehmen kann, das zerstäubt nicht, das bleibt in sich, das ist dasjenige, das durch Geburten und Tode geht. Auf dem Gebiete der inspirierten Erkenntnis kann nun der Mensch wirklich sachgemäß untersuchen, was ihn verbindet mit rein geistigen Welten, was kraftvoll arbeitet, so daß er dieser Mensch wird, wenn sich mit seinem geistigen Teil verbindet die physische Erbmasse. _

[ 44 ] What emerges before inspired insight does not live within our existence from birth to death; it lived before us, before we entered the earthly body through birth—or, shall we say, conception—and after we enter the spiritual world through death, it will live on with us. This has united with the hereditary material inherited physically from our parents and ancestors; it has permeated this physical body. One truly gains insight into what, in the soul, preceded our physical existence and what follows our physical death through inspired insight, because one arrives at a spiritual perception of that which is completely independent of this physical body. The form-body is still bound to this physical existence; it dissolves when separated from this physical existence. What inspired insight can perceive does not dissolve; it remains within itself; it is that which passes through births and deaths. In the realm of inspired insight, a person can now truly and appropriately investigate what connects them to purely spiritual worlds—what works powerfully so that they become this kind of person when their physical genetic heritage unites with their spiritual part. _

[ 45 ] Und das dritte, wozu man gelangt, ist die Intuition. Damit ist nicht das Unklare gemeint, das gewöhnlich mit «Intuition» bezeichnet wird, sondern dasjenige, was ich nun andeuten will. Was man als dritte Stufe der geistigen Erkenntnis erringen kann, das erlangt man dann, wenn man vollständig gewahr wird — es wird das in einem bestimmten Zeitpunkte der seelischen Entwickelung auftreten —, daß man ein anderer ist, daß man wirklich einen inneren Beobachter in sich gefunden hat durch die Anstrengungen, die man gemacht hat durch Imagination und Inspiration hindurch.

[ 45 ] And the third stage one reaches is intuition. This does not refer to the vague notion usually associated with the term “intuition,” but rather to what I am about to describe. What one can attain as the third stage of spiritual knowledge is achieved when one becomes fully aware—and this will occur at a certain point in one’s spiritual development—that one is someone else, that one has truly found an inner observer within oneself through the efforts one has made through imagination and inspiration.

[ 46 ] Da tritt ein Bedeutsames ein innerhalb desjenigen, was ich das Erkenntnisdrama genannt habe. Da tritt etwas ein, wo man sagen kann: Man sieht, daß aus dem Geistigen heraus nicht nur dieser unser physischer Leib mitgestaltet ist, man lernt sehen, daß unsere Seele selber, so wie sie mit ihren Gefühlen, mit ihren Tendenzen, mit ihren Ambitionen, mit ihren Affekten, mit ihrem Willenscharakter in uns lebt, daß sie so selber durch geistige Vorgänge geworden ist. Ein innerlicher Schicksalsschlag wird das Erkenntnisdrama.

[ 46 ] Here something significant occurs within what I have called the “drama of knowledge.” Here something occurs where one can say: One sees that not only is our physical body co-shaped by the spiritual, but one also comes to see that our soul itself—as it lives within us with its feelings, its tendencies, its ambitions, its emotions, and its volitional character—has itself come into being through spiritual processes. The drama of knowledge becomes an inner blow of fate.

[ 47 ] Man mag Schicksalserlebnisse haben im Leben, die einen himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt sein lassen, man mag das Schlimmste und das Freudigste erleben: was man erlebt, wenn man das Werden nicht nur des Leiblichen, sondern das Werden des Seelischen erlebt, das ist ein Schicksalsschlag, ein innerlicher Schicksalsschlag, der für den, der ihn voll erlebt im Erkenntnisdrama, mehr bedeutet als die höchsten und tiefsten, freudvollsten und leidvollsten Schicksalserlebnisse des äußeren Daseins.

[ 47 ] One may have experiences of fate in life that leave one elated to the heavens or grief-stricken to the point of death; one may experience the worst and the most joyful: what one experiences when one witnesses not only the becoming of the physical but also the becoming of the soul—that is a stroke of fate, an inner stroke of fate, which, for those who fully experience it in the drama of insight, means more than the highest and deepest, the most joyful and most painful experiences of fate in external existence.

[ 48 ] Wenn das so sein kann, wenn in der Seele wirklich diese innere Kraft den Umschwung bewirken kann, daß ihr nicht nur das Leibliche aus dem Geistigen heraus erscheint, sondern das Seelische selbst innerhalb des geistigen Werdens, dann tritt die intuitive Erkenntnis ein. Und dann ist das Gebiet beschritten, welches die wiederholten Erdenleben, das Zurückschauen zu früheren Erdenleben und das Gewißsein, daß dieses Erdenleben sich wiederholen wird, umfaßt. Die Erkenntnis tritt ein, daß das gesamte Leben des Menschen besteht aus aufeinanderfolgenden Erdenleben mit dazwischenliegenden Leben in der geistigen Welt vom Tod zu einer neuen Geburt.

[ 48 ] If this can be the case—if this inner power within the soul can truly bring about a transformation such that not only does the physical appear to the soul as emerging from the spiritual, but the soul itself is experienced within the spiritual process of becoming—then intuitive knowledge arises. And then one has entered the realm that encompasses repeated earthly lives, looking back on past earthly lives, and the certainty that this earthly life will be repeated. The realization sets in that the entire life of a human being consists of successive earthly lives, with intervening lives in the spiritual world between death and a new birth.

[ 49 ] Mit alldem muß verbunden sein, daß unser innerer seelischer Blick auf etwas gerichtet wird, für das er eigentlich nicht eingeschult ist durch den Bezug auf die äußere Natur.

[ 49 ] All of this must be accompanied by our inner, spiritual gaze being directed toward something for which it has not actually been trained through its relationship to the external natural world.

[ 50 ] Mit Bezug auf die äußere Natur fragen wir stets nach der Herkunft, nach den Ursachen. Mit den Fragen nach der Herkunft, nach den Ursachen, kommen wir aber nicht dem Geiste gegenüber zurecht. Derjenige, der sich das geistige Gebiet so erschließt, wie ich es erwähnt habe, dem offenbart sich, daß sich in alles Wachsende, Gedeihende, in alles Fortschreitende, sich Entwickelnde hineinstellt eine rückschreitende Entwickelung, ein fortdauerndes Abbröckeln des Daseins, ein fortdauerndes Zerstörerisches. Deshalb haben diejenigen, die vielleicht nicht in dieser modernen Form dies durchschauten, aber in den Formen, in denen man früher solche Sachen gewußt hat, gesagt: Geistige Erkenntnis führt an die Pforte des Todes. — Man lernt erkennen, daß Bewußtsein, geistiges Erleben, bewußtes Geist-Erleben nur auftreten kann dadurch, daß sich in das Wachsende, Gedeihende, in das Fortschreitende der Entwickelung hineinstellt dasjenige, was dieses Dasein abbröckelt; und man lernt erkennen, daß der Tod nur das einmalige große Ereignis ist, das man sich aufgeteilt, gewissermaßen in seine Atome zerteilt denken kann als dasjenige, was in uns fortwährend geschieht, während wir im leiblichen Leben bewußt werden. Das Wissen in dieser Welt ist ein Hereintreten im kleinen desjenigen, was uns mit einem Schlag überfällt, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen.

[ 50 ] When it comes to the external world, we are always asking about origins and causes. But these questions about origins and causes do not help us understand the spirit. To those who approach the spiritual realm in the way I have described, it becomes evident that within everything that grows and flourishes, within everything that progresses and develops, there is a regressive development, a continuous crumbling of existence, a continuous destructive force. That is why those who perhaps did not perceive this in this modern form, but in the forms in which such things were known in the past, have said: Spiritual knowledge leads to the gates of death. — One comes to recognize that consciousness, spiritual experience, and conscious spiritual experience can arise only when that which causes this existence to crumble is introduced into the growing, flourishing, and progressive aspects of development; and one comes to realize that death is merely the single, great event that one can conceive of as being divided—as it were, broken down into its atoms—as that which continually happens within us while we become conscious in physical life. Knowledge in this world is a small-scale entry into that which overwhelms us in a single stroke when we pass through the gate of death.

[ 51 ] Man lernt die Verwandtschaft des Bewußtseins mit dem Sterben erkennen. Und eben dadurch, daß man die Verwandtschaft des Bewußtseins mit dem Sterben erkennen lernt, dadurch lernt man auch erkennen, wie dieses Bewußtsein hindurchschreitet durch die Pforte des Todes, wie der Tod gerade ein Erwecker ist eines anderen Bewußtseins, in das wir eintreten, wenn wir den physischen Leib ablegen, den wir ja gewissermaßen nur behufs der Erkenntnis ablegen, wenn wir solche imaginative, inspirierte, intuitive Erkenntnis erwerben.

[ 51 ] One comes to recognize the connection between consciousness and dying. And precisely by learning to recognize this connection between consciousness and dying, one also learns to recognize how this consciousness passes through the gate of death, how death is precisely an awakener of a different consciousness into which we enter when we shed the physical body—which, in a sense, we shed solely for the sake of knowledge—when we acquire such imaginative, inspired, intuitive knowledge.

[ 52 ] Man muß sich hineinfinden, über seine Beziehung zur Welt in ganz anderer Art zu denken, als man es vorher gewohnt war, wenn man sich einen wirklichen Begriff machen will von geistigem Erkennen. Vor allen Dingen muß man den Glauben ganz verlieren, daß man den Geist irgendwie finden kann, wenn man die materielle Welt deutet, wenn man die materielle Welt irgendwie kritisiert, wenn man an der materiellen Welt Gesetze findet. Die Gesetze, die man an der materiellen Welt findet, die gelten auch nur für die materielle Welt. Den Geist findet man nicht durch Deutung der Sinneswelt; den Geist findet man im physischen Leib an der Sinneswelt; aber man findet ihn im freien Erleben des geistigen Gebietes.

[ 52 ] One must learn to think about one’s relationship to the world in a completely different way than one was accustomed to before, if one wants to gain a true understanding of spiritual knowledge. Above all, one must completely abandon the belief that one can somehow find the spirit by interpreting the material world, by criticizing the material world in any way, or by discovering laws within the material world. The laws one discovers in the material world apply only to the material world. One does not find the spirit by interpreting the sensory world; one finds the spirit in the physical body as it relates to the sensory world; but one finds it in the free experience of the spiritual realm.

[ 53 ] Ich kann mich durch einen Vergleich klarmachen: Wenn wir die Wortreihen, die Buchstabenreihen lesen, so nehmen wir sie nicht so auf, daß wir sagen: da ist ein senkrechter Strich, da ist ein horizontaler Strich; wir deuten nicht die Buchstaben, wir sehen über die Buchstabenreihe und Wortreihe hin, und da entwickelt sich ein innerlicher Inhalt. Dieser Inhalt hat mit einer Deutung der Buchstaben nichts zu tun. Man muß lesen gelernt haben. Was sich beim Leser entwickelt, ist etwas ganz anderes, als was in den Buchstaben liegt. Man kann nicht den Geist, den man beim Lesen aus den Buchstaben heraus findet, aus dem Setzerkasten holen. Ebensowenig kann man aus der Natur durch Deutung der Natur das geistige Leben finden. Das geistige Leben kann man nur finden, wenn man die Seele über sich selbst hinaufhebt und dadurch dasjenige findet, was nun aus dem Geiste selbst hereinragt in dieses physische Leben, insofern im Physischen die Seele sich erlebt zwischen Geburt und Tod.

[ 53 ] I can explain this with an analogy: When we read sequences of words or sequences of letters, we do not perceive them in such a way that we say, “Here is a vertical line, here is a horizontal line”; we do not interpret the letters; we look beyond the rows of letters and words, and an inner meaning develops. This meaning has nothing to do with an interpretation of the letters. One must have learned to read. What develops in the reader is something entirely different from what lies in the letters. One cannot extract from the typesetting case the spirit that one discovers in the letters while reading. Nor can one find spiritual life in nature by interpreting nature. One can find spiritual life only by lifting the soul above itself and thereby discovering that which now extends from the Spirit itself into this physical life, insofar as the soul experiences itself in the physical realm between birth and death.

[ 54 ] Sie sehen, da kommt eine Seelenwissenschaft zustande, welche gut neben der Naturwissenschaft stehen kann, weil sie gar nicht die Methoden auf das Seelische überträgt, welche an der Natur herangebildet sind, weil sie aber auch nicht bei diesem Seelischen, wie es im gewöhnlichen Dasein erlebt wird, stehenbleibt, sondern in dieses Seelische hineinträgt ein Objektives, aus dem heraus dieses Seelische sich erlebt, und aus dem auch das Leibliche geboren ist, wie wir im dritten dieser Vorträge sehen werden.

[ 54 ] You see, a science of the soul is emerging here that can stand alongside the natural sciences, because it does not simply transfer the methods developed for studying nature to the realm of the soul; nor does it remain confined to the soul as it is experienced in ordinary life, but rather introduces into this realm of the soul an objective element from which the soul experiences itself, and from which the physical is also born, as we shall see in the third of these lectures.

[ 55 ] Das sind einige Andeutungen, nur die allerersten, elementaren Andeutungen — bezüglich alles übrigen muß ich auf meine Bücher verweisen —, Andeutungen, wie der Mensch das finden kann, das in ihm liegt und das sein Ewiges ist, wie diese Seelenlehre, die anthroposophisch orientiert ist, den Menschen wiederum wirklich dazu führt, daß nun nicht mehr einzutreten braucht, was bei einem sehr bedeutenden, aber tragisch sein Denken ertragenden Forscher der Gegenwart eingetreten ist, bei dem im März dieses Jahres hier in Zürich verstorbenen großen Psychologen Franz Brentano. Franz Brentano lebte sich hinein in die psychologische Forschung in dem Zeitalter, als die äußere naturwissenschaftliche Denkweise heraufkam. Er wollte die naturwissenschaftliche Methode, so wie sie ist, anwenden auf das Seelenleben. Man kommt mit dieser naturwissenschaftlichen Methode aber nicht weiter, als Vorstellungen zu vergleichen: wie Gefühle aus der Seele herauf wollen, wie Aufmerksamkeit ist und so weiter im äußeren physischen Leben. Aber Franz Brentano beklagt es in seinem Buch «Psychologie vom empirischen Standpunkte», im ersten Band, den er geschrieben hat, und der der einzige geblieben ist, er beklagt, was die Seelenwissenschaft da nicht erreichen kann, indem er sagt: Was kann uns helfen, wenn wir auch recht naturwissenschaftlich zu Werke gehen, die Vergleichung von Vorstellungen, die Assoziation von Vorstellungen, das Entstehen von Lust und Unlust und so weiter, wenn sich die großen Hoffnungen eines Platon und Aristoteles nicht erfüllen können: daß wir Einsicht gewinnen können durch die Seelenwissenschaft in das Fortleben des besseren Teiles unseres Wesens nach dem Durchgehen durch die Pforte des Todes. — Franz Brentano beklagt, daß er mit seinen Mitteln sich an diese Probleme nicht heranmachen kann. Das ist merkwürdig, wie er bis zu seinem Lebensende gerungen hat mit diesen Problemen. Die Aufrichtigkeit, die Ehr;'chkeit seines Ringens geht gerade aus dem tragischen Umstande hervor, den ich im dritten Kapitel meines Buches «Von Seelenrätseln» in einem Nachruf an Franz Brentano ausgeführt habe. Immer wieder und wiederum versprach er die Fortsetzung seiner «Psychologie», nachdem der erste Band erschienen war. Sie war auf vier oder fünf Bände berechnet, im Frühling 1874 erschien der erste Band, für den Herbst versprach er den zweiten, dann in kurzen Zeiträumen die folgenden: Nichts ist wieder erschienen! Er wollte mit naturwissenschaftlicher Methode das Seelenleben meistern, er wollte ehrlich und aufrichtig zu Werke gehen. Hätte er es vermocht, hätte nicht die naturwissenschaftliche Methode wie ein Bleigewicht an seinen Forscherkräften gehangen, weil er sie eben mißverstand, er wäre fähig gewesen, einzutreten durch das Tor in das geistige Erleben, das aus der Seele etwas heraufholt, was nicht da sein kann, wenn man bloß naturwissenschaftliche Methoden hat. An dem tragischen Forscherleben Franz Brentanos zeigt sich wie an vielen anderen Persönlichkeiten der Gegenwart — aber bei ihm, weil er eine so bedeutende und zu gleicher Zeit innerlich so grundehrliche Natur war, besonders eindringlich —, wie gerade durch die naturwissenschaftlichen Errungenschaften eine solche Seelenwissenschaft mit Notwendigkeit gefordert wird, die nur in vom Leiblichen befreiten seelischen Erfahrungen erlangt werden kann. Da werden wiederum die großen Probleme vor die Seele hintreten können, die vor allen Dingen den Menschen beschäftigen müssen, indem er den Blick auf sein eigenes Seelenleben richtet: das große Problem des unsterblichen Lebens — indem wir den wirklich unsterblichen Teil erfassen durch solche Methoden, wie wir es geschildert haben — und auch das Problem der Willensfreiheit, von dem wir in diesen Vorträgen noch sprechen werden, beides Probleme, die gerade die wichtigsten, die zwingendsten sind. Man lese aber nach die Psychologien der letzten Jahrzehnte, Diese Probleme sind vollständig verbannt, ja verschwunden aus der psychologischen Forschung, einfach aus den Gründen, die in der heutigen Betrachtung angegeben worden sind.

[ 55 ] These are just a few hints—only the very first, most basic ones—; for everything else, I must refer you to my books— hints as to how a person can discover what lies within them and what is their eternal essence, and how this anthroposophically oriented theory of the soul can truly lead people to avoid what happened to a very significant contemporary researcher whose thinking bore tragic consequences—the great psychologist Franz Brentano, who passed away here in Zurich in March of this year. Franz Brentano immersed himself in psychological research during an era when the external, scientific mode of thinking was on the rise. He wanted to apply the scientific method, as it is, to the life of the soul. However, this scientific method gets us no further than comparing concepts: how feelings arise from the soul, what attention is, and so on in external physical life. But Franz Brentano laments this in his book Psychology from an Empirical Standpoint, in the first volume he wrote—and which remained the only one—by stating what the science of the soul cannot achieve there: What can help us—even if we proceed in a strictly scientific manner—the comparison of ideas, the association of ideas, the arising of pleasure and displeasure, and so on, if the great hopes of Plato and Aristotle cannot be fulfilled: that we might gain insight through the science of the soul into the continued existence of the better part of our being after passing through the gate of death. — Franz Brentano laments that, with the means at his disposal, he cannot tackle these problems. It is remarkable how he wrestled with these problems until the end of his life. The sincerity and honesty of his struggle stem precisely from the tragic circumstance that I described in the third chapter of my book On the Riddles of the Soul in a eulogy to Franz Brentano. Time and again, he promised to continue his Psychology after the first volume had been published. It was intended to span four or five volumes; the first volume appeared in the spring of 1874, and he promised the second for the fall, followed by the subsequent volumes in quick succession: Nothing else ever appeared! He wanted to master the life of the soul using the scientific method; he wanted to set to work honestly and sincerely. Had he been able to do so—had the scientific method not weighed down his powers of inquiry like a lead weight, precisely because he misunderstood it—he would have been capable of passing through the gate into the spiritual experience that draws forth from the soul something that cannot be present if one relies solely on scientific methods. The tragic life of Franz Brentano as a researcher—as is evident in many other figures of the present day, but particularly poignantly in his case because he was a personality of such significance and, at the same time, of such profound inner honesty—shows how it is precisely the scientific achievements that necessitate a science of the soul, one that can only be attained through spiritual experiences liberated from the physical. Then, once again, the great problems will be able to step forward before the soul—problems that must above all occupy human beings as they turn their gaze toward their own inner life: the great problem of immortal life—as we grasp the truly immortal part through methods such as those we have described—and also the problem of free will, which we will discuss further in these lectures; both are problems that are precisely the most important and the most pressing. But if one looks at the works of psychology from the last few decades, these problems have been completely banished—indeed, they have vanished from psychological research—simply for the reasons stated in today’s discussion.

[ 56 ] Aber nicht nur, daß man an diese großen Seelenfragen herankommt! Sondern auch dasjenige, was der Psychologe sucht, was er gerade mit seinen durch Vertiefung in die naturwissenschaftliche Denkweise entstandenen Methoden erforschen will, auch das wird erst völlig klar, wenn man es verfolgen kann von dem Gesichtspunkte aus, der hier angedeutet worden ist. Die Sache liegt schon so: Naturwissenschaft wird auf der einen Seite gelten, Geisteswissenschaft, Geistesforschung auf der anderen Seite. Aber wie man beim Tunnelgraben, wenn man richtig alles erwogen hat, von zwei Seiten grabend, in der Mitte sich zusammenfindet, so finden sich Geistesforschung und Naturforschung zusammen und geben erst ein Ganzes der vom Menschen erstrebten Erkenntnis.

[ 56 ] But it is not just a matter of approaching these great questions of the soul! But also what the psychologist is seeking—what he specifically aims to investigate using the methods he has developed through immersion in the scientific way of thinking—that, too, becomes fully clear only when one can examine it from the perspective suggested here. The fact is this: the natural sciences will be regarded as one thing, and the humanities and spiritual research as another. But just as when digging a tunnel—after everything has been properly considered—one meets in the middle by digging from both sides, so too do spiritual research and natural research come together and only then form the whole of the knowledge to which humanity aspires.

[ 57 ] Ich will nur ein Beispiel anführen, wie auch die gewöhnliche Psychologie dadurch erobert werden kann, daß man sich in diese hohen Gebiete begibt, auf welche heute nur elementar hingedeutet worden ist. Es liegen vor dem Menschen, wenn er psychologisch forscht, solche Fragen wie die nach dem Gedächtnis, nach der Erinnerung. Man könnte verzweifeln, wenn man sich in den gewöhnlichen Psychologien mit dem Erinnerungsproblem befaßt. Da wird einem so ganz klar, wie da die Grenzorte des Erkennens sind: Der Mensch stellt sich etwas vor, gewinnt eine Vorstellung an einer äußeren Wahrnehmung; nun ja, diese Vorstellung «geht hinunter» ins seelische Element, «verschwindet», so sagt man, aber der Mensch kann sich später an die Vorstellung erinnern. Wo war sie?

[ 57 ] I will cite just one example of how even conventional psychology can be transformed by venturing into these lofty realms, which have so far been only briefly touched upon. When conducting psychological research, one is confronted with questions such as those concerning memory and recollection. One might despair when dealing with the problem of memory in conventional psychology. There, it becomes perfectly clear where the limits of cognition lie: A person imagines something, forms a mental image based on an external perception; well, this mental image “descends” into the psychological realm, “disappears,” as they say, but the person can later recall the mental image. Where was it?

[ 58 ] Ich will mich jetzt nicht verbreiten über all das, was seit Jahrhunderten gesagt wird über diese Fragen. Nach der einen Seite sagt man: Solche Vorstellungen verschwinden hinunter ins Unbewußte, treten dann wiederum hinauf über die Schwelle des Bewußtseins. — Ich möchte jemanden kennen, der imstande ist, wenn er diese Worte prägt, mit ihnen einen inhaltlichen Sinn zu verbinden! Man verliert sofort einen Sinn, wenn man von diesem «Hinuntersteigen» und «Hinaufsteigen» der Vorstellungen spricht. Sprechen kann man von allem; aber vorstellen kann man es sich nicht; denn es entspricht keiner irgendwie gearteten Wirklichkeit. Die mehr physiologisch orientierten Psychologen sprechen davon, daß «Spuren» sich «eingraben» in das Nervensystem, in das Gehirn; diese Spuren «rufen» dann diese Vorstellungen «erneut hervor». Man krankt dann daran, zu erklären, wie aus diesen Spuren hervorgegraben wird die Vorstellung, die hinuntergezogen ist. Wie gesagt, man kann verzweifeln an dem, was da Inhalt der gewöhnlichen Psychologien ist. Wieviel ernste, edle, echte Forscherarbeit wird doch auf diese Probleme gewendet! Durchaus nicht verkannt werden soll diese ehrliche, echte Forschungsarbeit.

[ 58 ] I don’t want to go into detail right now about everything that has been said over the centuries regarding these questions. On the one hand, it is said: Such ideas descend into the unconscious, then rise again above the threshold of consciousness. — I would like to meet someone who, when uttering these words, is capable of attaching any substantive meaning to them! One immediately loses all sense of meaning when speaking of this “descending” and “ascending” of ideas. One can speak of anything; but one cannot imagine it, for it corresponds to no reality of any kind. The more physiologically oriented psychologists speak of “traces” that “carve themselves” into the nervous system, into the brain; these traces then “recall” these ideas “once more.” One then struggles to explain how the idea that has “descended” is “dug out” from these traces. As I said, one can despair at what constitutes the content of conventional psychology. How much serious, noble, genuine research is devoted to these problems! This honest, genuine research should by no means be overlooked.

[ 59 ] Die Wahrheit ist aber, daß auch diese einfache Tatsache des Seelenlebens sich erst im rechten Lichte zeigt, wenn man sie mit derjenigen Kraft der Seele betrachtet, die nun die Geistorgane hat, die nun wirklich vom Gesichtspunkte, der in der geistigen Welt eingenommen wird, auch das gewöhnliche Seelenleben beobachtet. Da merkt man: Es ist gar keine Rede davon, daß eine Vorstellung, die ich jetzt habe, irgendwo «hinunterzieht» und irgendwo wieder «heraufkommt». Das Erinnern wird überhaupt ganz falsch vorgestellt. Eine Vorstellung, die ich durch eine äußere Wahrnehmung jetzt gewinne und jetzt habe, die lebt in mir überhaupt nicht als etwas Reales, sondern als Spiegelbild, das sich die Seele bildet durch die Spiegelung des Leibes. Wir werden davon näher im dritten Vortrage sprechen. Und es lebt diese Vorstellung nur jetzt! Wenn ich sie aus dem Seelenleben verloren habe, dann ist sie nicht mehr da. Es gibt das gar nicht: Hinuntertauchen von Vorstellungen und Wiederherauftauchen — und so Erinnerungen bilden. Die triviale Vorstellung der Erinnerung ist schon falsch.

[ 59 ] The truth, however, is that even this simple fact of soul life only reveals itself in its proper light when one considers it with that power of the soul which now possesses the spiritual organs—the power that, from the perspective adopted in the spiritual world, also observes ordinary soul life. Then one realizes: There is absolutely no question of an idea that I now have “sinking down” somewhere and “rising up” again somewhere else. Memory is understood entirely incorrectly. An idea that I now gain through external perception and now possess does not live within me at all as something real, but as a reflection that the soul forms through the mirroring of the body. We will discuss this in more detail in the third lecture. And this image lives only in the present moment! Once I have lost it from my inner life, it is no longer there. There is no such thing as images sinking down and resurfacing—and thus forming memories. The common notion of memory is already mistaken.

[ 60 ] Worauf es ankommt, ist: wenn man die Kraft der Seele für das geistige Schauen geschärft hat, so sieht man — wie man in der Außenwelt beobachtet, so kann man im Geiste das beobachten —, daß, während wir eine Vorstellung gewinnen durch eine Wahrnehmung, noch ein anderer Vorgang vor sich geht. Und nicht der Vorstellungsvorgang, sondern dieser andere, unterbewußte Vorgang, der sich parallel dem Vorstellen abspielt, erzeugt in uns etwas, das, indem ich die Vorstellung habe, gar nicht unmittelbar ins Bewußtsein kommt, das aber fortlebt. Habe ich jetzt eine Vorstellung, so entsteht ein unterbewußter und jetzt rein an das Körperliche gebundener Prozeß. Wenn später durch irgendeine Veranlassung dieser Prozeß wieder aufgerufen wird, dann bildet sich, indem die Seele jetzt hinblickt auf diesen Prozeß, der ein rein leiblicher ist, aufs neue die Vorstellung. Eine erinnerte Vorstellung ist eine aus den Tiefen des Leibeslebens herauf gebildete neue Vorstellung, die der alten gleicht, weil sie durch den unterbewußten Prozeß, der sich gebildet hat im leiblichen Leben, heraufgerufen wird. Die Seele liest gewissermaßen das Engramm, das in dem Leibe eingegraben ist, wenn sie sich an eine Vorstellung erinnert.

[ 60 ] What matters is this: once one has sharpened the power of the soul for spiritual vision, one sees—just as one observes in the external world, so one can observe in the spirit—that while we form a mental image through a perception, yet another process is taking place. And it is not the process of forming a concept, but this other, subconscious process—which takes place in parallel with the formation of the concept—that creates something within us which, even though I have the concept, does not immediately enter consciousness, but which lives on. When I have a concept, a subconscious process arises that is now purely bound to the physical. If this process is later recalled by some stimulus, then—as the soul now turns its attention to this process, which is a purely physical one—the concept is formed anew. A remembered idea is a new idea formed from the depths of bodily life, which resembles the old one because it is evoked by the subconscious process that took shape in bodily life. In a sense, the soul reads the engram engraved in the body when it recalls an idea.

[ 61 ] So werden schon die gewöhnlichen Vorstellungen der Psychologen korrigiert. Man gewinnt das Richtige anstelle desjenigen, was im gewöhnlichen Erleben ganz falsch vorgestellt wird. Und so könnte ich, die ganze Psychologie durchgehend, Ihnen an vielen Punkten zeigen, wie sich vor der wirklichen Erkenntnis das, was die Seele eigentlich glaubt als ihr Erlebnis zu haben, als eine Illusion erweist, wie man ganz falsche Vorstellungen über dieses Seelenleben hat, wie diese sich erst korrigieren lassen müssen dadurch, daß die Seele sich befreit vom Leibe und nun wirklich vom geistigen Gesichtspunkte aus ihr Erleben beobachten kann.

[ 61 ] In this way, even psychologists’ common assumptions are corrected. One arrives at the truth instead of what is completely misrepresented in ordinary experience. And so, throughout the entire field of psychology, I could show you on many points how, in the face of true insight, what the soul actually believes to be its experience proves to be an illusion; how we have entirely false conceptions about this inner life of the soul; and how these can only be corrected when the soul frees itself from the body and is then able to observe its experience from a truly spiritual perspective.

[ 62 ] Gerade durch solche Vorstellungen, die auf der einen Seite wirklich der Wissenschaft den Geist erschließen und die geistige Welt eröffnen, wird auf der anderen Seite erst dasjenige, was in treuer und fleißiger Forschung nach naturwissenschaftlicher Methode auch in der Experimentalpsychologie, in der physiologischen Psychologie gewonnen wird, an die rechte Stelle gerückt. Und diesen Gebieten steht wahrhaftig die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht feindlich, nicht unsympathisch gegenüber. Sondern sie, die weiß, daß die gewöhnlichen Methoden, die an der äußeren Natur gewonnen werden, im seelischen Erleben nicht zu Lösungen, sondern nur zu Fragen führen können, zu richtigen Fragestellungen, sie wird gerade durch ihr Licht erst dasjenige recht fruchtbar machen können, was auf dem äußeren naturwissenschaftlichen Wege gewonnen werden kann.

[ 62 ] It is precisely through such ideas—which, on the one hand, truly open up the spirit to science and reveal the spiritual world—that, on the other hand, the findings obtained through faithful and diligent research using the scientific method, including in experimental psychology and physiological psychology, are placed in their proper context. And anthroposophically oriented spiritual science is certainly not hostile or unsympathetic toward these fields. Rather, because it knows that the ordinary methods derived from external nature cannot lead to solutions in spiritual experience—but only to questions, to the right questions—it is precisely through its own light that it will be able to make truly fruitful what can be gained through the external scientific approach.

[ 63 ] Wie das Arbeiten der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wirklich von der anderen Seite des Berges her, wie man einen Tunnel von zwei Seiten gräbt, der Naturwissenschaft sich entgegen arbeitet, kann sich auch an einem weiteren Beispiel zeigen. In der letzten Zeit sind darwinistisch orientierte Naturforscher zu etwas sehr Interessantem gekommen, das ich gleich anführen werde. Vorher will ich noch erwähnen, daß die unterbewußte Tätigkeit, welche der Erinnerung zugrunde liegt, indem sie sich parallel dem Vorstellen unterbewußt entwickelt, zwar etwas anderes, aber verwandt ist mit dem, was in den Vererbungskräften, in den Wachstumskräften liegt. Den Kräften, die in uns wachsen, sind diejenigen Kräfte verwandt, die wirksam sind im Unterbewußten, wenn wir an einer sinnlichen Wahrnehmung eine Vorstellung bilden und die Dispositionen hervorrufen im Leiblichen, die später gelesen werden, die zur Erinnerung führen. Durch wirkliche seelische Beobachtung kommt man zu einer klaren Anschauung über die Verwandtschaft der Gedächtniskräfte mit den Vererbungs- und Wachstumskräften. Es wird eine Brücke geschaffen — und wir werden von solchen Brücken in den nächsten Tagen noch deutlicher sprechen — zwischen Seelisch-Geistigem und Leiblichem.

[ 63 ] Another example illustrates how the work of anthroposophically oriented spiritual science truly approaches natural science from the other side of the mountain, much like digging a tunnel from both sides. Recently, Darwinian-oriented natural scientists have arrived at something very interesting, which I will mention in a moment. Before that, I would like to note that the subconscious activity underlying memory—which develops subconsciously in parallel with imagination—is indeed different from, yet related to, what lies in the forces of heredity and the forces of growth. The forces that grow within us are related to those forces that are active in the subconscious when we form a mental image from a sensory perception and evoke dispositions in the physical body that are later “read” and lead to memory. Through genuine psychological observation, one gains a clear understanding of the relationship between the forces of memory and the forces of heredity and growth. A bridge is created—and we will speak even more clearly about such bridges in the coming days—between the soul-spiritual and the physical.

[ 64 ] Und nun sehe man, wie Richard Semon, der darwinistisch orientierte Naturforscher, in einem sehr interessanten Buche ausgeht von den Vererbungsverhältnissen, von dem Auftreten von Vererbungsmerkmalen, und dazu kommt, diese Vererbungskräfte zusammenzubringen mit den Gedächtniskräften! Der Naturforscher kommt also dazu, die Vererbungskräfte verwandt mit den Gedächtniskräften zu finden. Der Seelenforscher kommt dazu, die unterbewußten, der Erinnerung zugrundeliegenden Kräfte mit denen der Vererbung verwandt zu finden!

[ 64 ] And now let us see how Richard Semon, the Darwinian-oriented naturalist, in a very interesting book takes as his starting point the laws of heredity and the manifestation of hereditary traits, and arrives at the conclusion that these hereditary forces are linked to the forces of memory! The naturalist thus comes to find that the forces of heredity are related to the forces of memory. The researcher of the soul comes to find that the subconscious forces underlying memory are related to those of heredity!

[ 65 ] Diese Dinge geschehen ganz unabhängig voneinander. Was Richard Semon als Mneme beschrieben hat in seinem sehr interessanten Buch, das begegnet sich mit der Seelenforschung, die anthroposophisch orientiert ist, und die sich auf die Betrachtung derjenigen Gebiete ausdehnt, die nach naturwissenschaftlichen Methoden auch am Menschen erforscht werden. Doch davon dann im dritten Vortrage.

[ 65 ] These things occur entirely independently of one another. What Richard Semon described as “mneme” in his very interesting book intersects with soul research that is anthroposophically oriented and extends to the study of those areas that are also investigated in humans using scientific methods. But more on that in the third lecture.

[ 66 ] Gewiß, schon das Elementare, das ich mir erlaubte heute vorzubringen über die Erfolge eines wirklichen GeistErlebens der Seele und dadurch über die Begründung einer neueren Seelenwissenschaft, es muß den Denkgewohnheiten der Gegenwart gegenüber vielfach paradox erscheinen. Aber wenn das auch durchaus gerade dem am begreiflichsten ist, der in diesen Dingen drinnensteht, so darf wohl auch gesagt werden, man möge sich nur wirklich nicht bloß in einem Vortrage anregen lassen, sondern sich vertiefen in den ernsten Gang geisteswissenschaftlicher Forschung. Man wird sehen, daß die Kräfte zwar auf andere Weise verwendet werden als auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, daß aber der Forscherweg der Anthroposophie nicht minder ernst, nicht minder mühevoll ist als derjenige, der auf seiten der naturwissenschaftlichen Forschung entwickelt wird, wenn auch gerade dasjenige, was bei der Naturwissenschaft Resultat, Ergebnis ist, bei der Geistesforschung Ausgangspunkt sein muß: Wir langen bei den Begriffen, Vorstellungen, Naturgesetzen an, wenn wir Natur erforschen wollen. Wir gehen davon aus, daß uns das, was Naturforscher erleben, bis an die Grenzorte bringt, wenn wir in die Geistesforschung und in die anthroposophische Seelenforschung eintreten wollen.

[ 66 ] Certainly, even the most basic points I took the liberty of presenting today regarding the results of a genuine spiritual experience of the soul—and thereby regarding the foundation of a new science of the soul—must appear paradoxical in many ways to contemporary ways of thinking. But even if this is most understandable precisely to those who are deeply immersed in these matters, it may well be said that one should not merely be inspired by a lecture, but should delve deeply into the serious pursuit of spiritual scientific research. One will see that, although the forces are employed in a different way than in the field of natural science, the path of research in anthroposophy is no less serious, no less arduous than that pursued in natural scientific research—even if precisely what constitutes a result or conclusion in natural science must serve as the starting point in spiritual research: We arrive at concepts, ideas, and natural laws when we seek to investigate nature. We assume that what natural scientists experience takes us to the very limits when we wish to enter the realm of spiritual research and anthroposophical soul research.

[ 67 ] So meine ich, daß die Psychologie, die Seelenforschung, die auf Anthroposophie fußt, nicht als gegnerisch gegenüber den berechtigten Forderungen der heutigen naturwissenschaftlichen Denkweise bezeichnet werden darf. Im Gegenteil: sie lehnt nichts ab, was aus den berechtigten Forschungen der Naturwissenschaft hervorgeht; sie ist nirgends gegnerisch zu dieser berechtigten Naturwissenschaft! Aber sie kann nicht stehenbleiben etwa dabei, bloße logische Folgerungen zu ziehen aus dem, was die Naturwissenschaft schon selbst gibt. Eine solche Philosophie bedeutet Geisteswissenschaft nicht, die nur weiter logische Folgerungen ziehen will aus der Naturwissenschaft. Nein! Ein höheres Bekenntnis muß die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ablegen, das Bekenntnis, daß hervorgehen muß diese Geistesforschung aus der Naturwissenschaft nicht als eine abstrakte logische Folge, sondern als ein lebendiges Kind.

[ 67 ] Thus, I believe that psychology—the study of the soul—based on anthroposophy should not be characterized as opposed to the legitimate demands of today’s scientific way of thinking. On the contrary: it rejects nothing that arises from the legitimate research of the natural sciences; it is in no way opposed to these legitimate natural sciences! But it cannot, for example, limit itself to drawing mere logical conclusions from what the natural sciences themselves already provide. Such a philosophy is not what spiritual science means—one that merely seeks to draw further logical conclusions from natural science. No! Anthroposophically oriented spiritual science must make a higher commitment: the commitment that this spiritual research must emerge from natural science not as an abstract logical consequence, but as a living child.

[ 68 ] Und den Glauben, den stärkeren Glauben als mancher Naturforscher, der die Geistesforschung ablehnt, den stärkeren Glauben an die Naturforschung hat der Geistesforscher, daß diese Naturforschung stark genug ist, nicht nur zu ihren logischen Konsequenzen zu führen, sondern stark genug, ein ganz Lebendiges gleichsam aus sich heraus zu gebären, das entsteht mit eigener Lebenskraft, durch eigenes freies Leben gedeihen muß, und das sein muß: die von der Naturwissenschaft selber geforderte Geisteswissenschaft.

[ 68 ] And the spiritual researcher has a faith—a faith stronger than that of many natural scientists who reject spiritual research—a stronger faith in natural science, namely that this natural science is strong enough not only to lead to its logical consequences but also strong enough to give birth, as it were, to something entirely alive from within itself, something that arises with its own life force and must flourish through its own free life, and which must be: the spiritual science demanded by natural science itself.

Fragenbeantwortung

Q&A

[ 69 ] Zum Thema der wiederholten Erdenleben wurden mehrere Fragen gestellt.

[ 69 ] Several questions were asked about the topic of reincarnation.

[ 70 ] Sehr verehrte Anwesende! Die Fragen, die hier aufgeworfen worden sind, sie sind solche, daß vieles Unbefriedigende an der Antwort bleibt, wenn man sie kurz beantwortet, oder aber, daß man, wenn man sie richtig befriedigend beantworten wollte, ganze Bücher sprechen müßte. Zunächst liegt die Frage vor:

[ 70 ] Ladies and gentlemen! The questions raised here are such that a brief answer leaves much to be desired, or, conversely, that answering them in a truly satisfactory manner would require entire books. First, there is the question:

[ 71 ] Was für einen Zweck hat die Reinkarnation?

[ 71 ] What is the purpose of reincarnation?

[ 72 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, im Grunde genommen ist die Frage nach dem Zweck — ich muß schon der Antwort den wissenschaftlichen Charakter geben, sonst ist es ja nur ein Herumreden — geradeso wie die Frage nach dem Grunde— ob nun die Teleologie berechtigt ist oder nicht, darauf kann ich mich nicht einlassen —, eine Frage, die in der physischen Welt entspringt, innerhalb der physischen Welt ihre Bedeutung hat. Die Reinkarnation — wenn man so die wiederholten Erdenleben nennen will, ich vermeide gern Schlagworte, deshalb sprach ich auch heute von wiederholten Erdenleben —, die Reinkarnation aber ist von Gesetzen getragen, welche der geistigen Welt angehören, welche in der geistigen Welt ihre Bedeutung haben. Und daran gewöhnt man sich am allerschwersten: daß man beim Übergang von der physischen Welt in die geistige Welt auch seine Begriffe wandeln, metamorphosieren muß, daß die Begriffe, welche für die physische Welt gelten, ihre Bedeutung, ihre Tragweite verlieren, wenn man in die geistige Welt eintritt. Wer begonnen hat, den eigentlichen Charakter der geistigen Welt zu kennen, der frägt nicht eigentlich, wie man nach dem Zwecke einer Maschine frägt, nach dem «Zweck des Menschen», viel weniger nach dem «Zweck der Reinkarnation».

[ 72 ] Yes, distinguished guests, fundamentally speaking, the question of purpose—I must give the answer a scientific character, otherwise it is merely beating around the bush—is just like the question of cause—whether teleology is justified or not, I cannot get into that—a question that arises in the physical world and has its significance within the physical world. Reincarnation—if one wishes to call repeated earthly lives that; I prefer to avoid buzzwords, which is why I spoke today of repeated earthly lives—but reincarnation is governed by laws that belong to the spiritual world and have their significance within the spiritual world. And this is what is most difficult to get used to: that upon the transition from the physical world to the spiritual world, one must also transform and metamorphose one’s concepts; that the concepts applicable to the physical world lose their meaning and their scope when one enters the spiritual world. Anyone who has begun to understand the true nature of the spiritual world does not actually ask—as one might ask about the purpose of a machine—about the “purpose of human beings,” much less about the “purpose of reincarnation.”

[ 73 ] Ich habe im Laufe des Vortrags gesagt: die Denkungsweise, die an Hand der Naturwissenschaft gewonnen wird — das ist ja im wesentlichen auch die Denkweise, die an der physischen Außenwelt gewonnen wird —, sie führt höchstens zu den richtigen Frage-Stellungen; aber die Antworten muß man dann versuchen, aus der geistigen Welt hereinzuholen.

[ 73 ] As I said during the lecture: the way of thinking derived from the natural sciences—which is, in essence, also the way of thinking derived from the physical external world—leads, at most, to the right questions; but one must then try to draw the answers from the spiritual world.

[ 74 ] Nun, natürlich, wer so etwas frägt: «Welchen Zweck hat die Reinkarnation?» —, der denkt sich etwas dabei. Es entspricht das einem gewissen Bedürfnis, etwas zu wissen, obwohl die Frage nach dem Zweck ja eigentlich in dieser Sphäre nicht anwendbar ist, um die es sich da handelt. Nun aber bitte ich Sie, folgendes zu bedenken. Ich möchte sagen, ich muß die Bausteine zur Fragenbeantwortung zusammentragen. Geisteswissenschaft ist eben etwas, was man nicht wie ein kleines Handbuch so schnell sich aneignen kann, sondern es ist etwas, was wirklich ein sehr umfassendes Gebiet ist.

[ 74 ] Well, of course, anyone who asks a question like this: “What is the purpose of reincarnation?”—is thinking about something in particular. It corresponds to a certain need to know something, even though the question of purpose is not really applicable in the sphere we are dealing with here. But now I ask you to consider the following. I would like to say that I must gather the building blocks to answer the question. Spiritual science is simply not something one can master quickly like a little handbook; rather, it is a truly very comprehensive field.

[ 75 ] Wenn wir im Leben Fragen stellen, so können wir so verfahren, daß wir gewissermaßen mit den Fragen immer bis ans Ende gehen. Aber vielleicht wird das nicht in allen Fällen anwendbar sein. Sehen Sie, solch eine Frage wie diese, die wird einem hundert und hundertmal gestellt. Ich habe oftmals das Folgende dazu gesagt: Es kann Menschen geben, die wollen von Zürich nach Rom fahren, und sie wollen den Weg wissen. Ja, wenn ihnen jemand den genauen Weg mit allen Details nicht angeben kann in Zürich hier, so wollen sie überhaupt nicht nach Rom fahren. Es kann aber auch solche Menschen geben, welche befriedigt sind, den Weg von Zürich nach Lugano zu wissen, und die dann befriedigt sind, wenn sie in Lugano erfahren, wie sie weiterkommen, und dann, wie sie wieder weiterkommen. Das ist ein Vergleich. Er will das Folgende besagen: Wenn wir in einem Erdenleben stehen, so ist dieses hinblickend auf folgende Erdenleben. Darinnen drückt sich eine Entwickelung aus. Wir werden in anderen Erdenleben Dinge gewinnen, die wir in diesem Erdenleben nicht gewinnen. Wir gehen durch Erlebnisse, die uns andere Prüfungen, andere Erfahrungen bringen. Würden wir in diesem Erdenleben alle Fragen beantworten können, so würde dieses Erdenleben nicht folgende Erdenleben erzeugen!

[ 75 ] When we ask questions in life, we can proceed in such a way that, so to speak, we always take the questions all the way to the end. But perhaps that won’t apply in every case. You see, a question like this one is asked a hundred and a hundred times. I have often said the following about it: There may be people who want to travel from Zurich to Rome, and they want to know the route. Yes, if no one here in Zurich can give them the exact route with all the details, then they won’t want to go to Rome at all. But there may also be people who are satisfied just knowing the way from Zurich to Lugano, and who are then content once they arrive in Lugano to find out how to proceed from there, and then how to continue on from there. That is a comparison. It means the following: When we are living an earthly life, it is oriented toward subsequent earthly lives. This reflects a process of development. In other earthly lives, we will gain things that we do not gain in this one. We go through experiences that bring us different trials and different lessons. If we were able to answer all questions in this earthly life, this earthly life would not give rise to subsequent ones!

[ 76 ] So handelt es sich für Geisteswissenschaft darum, die Tatsache der Reinkarnation, wenn ich den Ausdruck schon gebrauchen soll, hinzustellen. So wie der Mensch dem einzelnen Erdenleben aus seinen freien Impulsen heraus den Zweck gibt, so gibt er aufeinanderfolgende Zwecke, von denen einer aus dem anderen hervorgeht, den wiederholten Erdenleben. Und er wird sich nicht einbilden, in einem Erdenleben den ganzen Umfang des menschlichen Daseins, das durch die wiederholten Erdenleben geht, zu definieren. Definitionen, die etwas umfassen wollen, gewöhnt man sich überhaupt ab, wenn man in das wirklich geistige Seelenerleben hineinkommt. Definitionen sind im gewöhnlichen physischen Leben ganz gut; im geistigen Leben, wo alles auf Aspekte hinausläuft, da wird man wirklich, wenn jemand just Definitionen verlangt, erinnert an das Beispiel, das in der griechischen Literatur gegeben ist, wo ausgeführt wird, was eine Definition ist. Auf die Frage, wie man einen Menschen definieren solle, wird gesagt — man kann ja immer nur aus einzelnen Merkmalen heraus definieren —: Ein Mensch ist eine Wesenheit, die zwei Beine und keine Federn hat. — Da brachte das nächste Mal einer einen Hahn mit, den er gerupft hatte — als «Menschen».

[ 76 ] Thus, for spiritual science, the task is to present the fact of reincarnation—if I must use that term. Just as a person assigns a purpose to a single earthly life based on his or her own free impulses, so too does he or she assign successive purposes—each arising from the one before it—to repeated earthly lives. And one will not presume to define, within a single earthly life, the entire scope of human existence as it unfolds through repeated earthly lives. One generally outgrows the habit of relying on definitions that seek to encompass everything once one enters into the truly spiritual experience of the soul. Definitions are quite adequate in ordinary physical life; in spiritual life, where everything boils down to aspects, one is truly reminded—when someone insists on definitions—of the example given in Greek literature, which explains what a definition is. When asked how one should define a human being—since one can only ever define based on individual characteristics—it is said: A human being is a being that has two legs and no feathers. — The next time, someone brought a rooster that he had plucked—as a “human being.”

[ 77 ] Nun, ich weiß selbstverständlich, was die Logik alles fordert von einer richtigen Definition. Dennoch, vor dem geistigen Auge nehmen sich Definitionen doch als Einseitigkeiten aus. Ebenso alle Zwecksetzungen, Kausalsetzungen und so weiter. Die Wirklichkeit ist etwas, in das man sich hineinfindet, in dem man lebt und webt, das man aber nicht mit einseitigen Begriffen umspannen wird. Man wird in den aufeinanderfolgenden Erdenleben die Zwecke finden. So daß also ein rechter Inhalt nicht da ist bei der Frage nach dem «Zweck der Reinkarnation».

[ 77 ] Well, I know, of course, what logic demands of a proper definition. Nevertheless, in the mind’s eye, definitions still appear one-sided. The same goes for all purpose-based and causal frameworks, and so on. Reality is something one finds one’s way into, in which one lives and weaves one’s life, but which cannot be encompassed by one-sided concepts. One will find the purposes in the successive earthly lives. Thus, there is no true substance to the question of the “purpose of reincarnation.”

[ 78 ] Frage: Ist Reinkarnation ein Produkt der Vorstellung im Geistigen?

[ 78 ] Question: Is reincarnation a product of the imagination in the spiritual realm?

[ 79 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, das kann man schon sagen, aber man muß dazunehmen, was ich in meinem Buch «Von Seelenrätseln» gezeigt habe: Vorstellungen, so wie man sie im gewöhnlichen Bewußtsein hat, sind eigentlich vor dem geistigen Schauen keine wirklichen Vorstellungen, sondern sie sind abgelähmte Vorstellungen, sie sind wie die Leichen der Vorstellungen. Das ist das Merkwürdige. Was in der Seele lebt, ist weit mehr als das, was im gewöhnlichen Bewußtsein zum Bewußtsein kommt. Was in der Seele lebt, wird herabgelähmt, weil es nicht ertragen würde vom gewöhnlichen Bewußtsein, und lebt dann wie ein Vorstellungsleichnam. Daher die abstrakten Begriffe in der Seele. Was man da hat, das ist eigentlich nur ein Spiegelbild, das ist etwas, was auftritt und vergeht, was gar nicht erinnert wird, wie ich im Vortrag ausgeführt habe. Was aber dahintersteht, was in die Imagination hereinkommt, diese lebendige geistige Realität, das ist dasjenige, was durch den Tod hindurchgeht und was in den Kräften der Reinkarnation allerdings lebt. Vielleicht wird das die Antwort der Frage sein.

[ 79 ] Yes, ladies and gentlemen, one can certainly say that, but one must also take into account what I have shown in my book On the Riddles of the Soul: Images, as they are experienced in ordinary consciousness, are not actually real images to spiritual vision; rather, they are numbed images—they are like the corpses of images. That is what is remarkable. What lives in the soul is far more than what comes to consciousness in ordinary life. What lives in the soul is rendered lifeless because ordinary consciousness could not bear it, and then lives on as a corpse of an idea. Hence the abstract concepts in the soul. What one has there is actually only a reflection; it is something that appears and passes away, something that is not remembered at all, as I explained in the lecture. But what lies behind it, what enters the imagination—this living spiritual reality—is that which passes through death and which indeed lives on in the forces of reincarnation. Perhaps that will be the answer to the question.

[ 80 ] Frage: Ist Reinkarnation absolute gesetzmäßige Einrichtung, nicht ein Ergebnis der Bildekräfte?

[ 80 ] Question: Is reincarnation an absolute, lawful institution, rather than a result of formative forces?

[ 81 ] Ein Ergebnis der Bildekräfte ist nur das Leben zwischen Geburt und Tod beziehungsweise Empfängnis und Tod. Aber das, was hier Reinkarnation genannt wird, steht unter weit höheren geistigen Gesetzen. Ob sie eine «gesetzmäßige Einrichtung» ist, das ist schwer zu beantworten; sie ist eben eine Tatsache. Die wiederholten Erdenleben sind eine Tatsache, «Ein Ergebnis der Bildekräfte?» Den Bildekräfteleib eignet sich der Mensch erst an, wenn er als Seele gegen die Empfängnis zugeht; den legt er auch nach dem Tode wieder ab; der Bildekräfteleib ist — wie ich im Vortrag ausgeführt habe — nichts Ewiges. Die Kräfte aber, die in Betracht kommen, wenn von den Gesetzen der Reinkarnation gesprochen wird, sind solche, die gar nicht hereintreten, nicht nur nicht ins Ich-Bewußtsein, sondern gar nicht in den Bereich der gewöhnlichen physischen Welt.

[ 81 ] Life between birth and death—or, more precisely, between conception and death—is merely a result of the formative forces. But what is called reincarnation here is governed by far higher spiritual laws. Whether it is a “lawful arrangement” is difficult to answer; it is simply a fact. Repeated earthly lives are a fact—“A result of the formative forces?” Human beings acquire the body of formative forces only when they approach conception as souls; they also shed it again after death; the body of formative forces is—as I explained in the lecture—not eternal. The forces, however, that come into play when speaking of the laws of reincarnation are those that do not enter at all—not only not into the “I”-consciousness, but not even into the realm of the ordinary physical world.

[ 82 ] Sehen Sie, da könnte sich schon auf diesem Gebiete der Weg für viele Menschen eröffnen, wenn man nur suchen würde in der richtigen Weise. Es handelt sich darum — wie ich schon für einzelne Dinge angegeben habe —, daß die Erlebnisse in der geistigen Welt paradox wirken gegenüber den Erlebnissen des gewöhnlichen Daseins, daß in vieler Beziehung die Dinge ganz anders wirken, die man erlebt, wenn man in die geistige Welt eintritt, gegenüber den Dingen der physischen Welt. Und da muß man sagen: der Mensch kommt, weil er sein Vorstellungsvermögen nach den Erfahrungen des natürlichen Lebens, des natürlichen Geschehens einrichtet, mit seinen Begriffen kaum über Raumesvorstellungen hinaus. Eine genauere, eine wirklich ehrliche Selbsterkenntnis zeigt, wie wenig der Mensch über Raumesvorstellungen hinauskommt. Denn sehen Sie: die Zeitvorstellungen, woran gewinnt man sie? Eigentlich aus Raumvorstellungen! Die Raumänderungen, die Ortsänderungen der Sonne, des Mondes, der Zeiger der Uhr sogar bei uns, aus denen gewinnen wir Zeitvorstellungen. Aber es sind eigentlich Raumvorstellungen, die wir da haben. Das Geistige aber in seiner niedersten Form als Bildekräfteleib lebt schon in der Zeit. Da muß man schon eine wirkliche Vorstellung von der Zeit haben!

[ 82 ] You see, the path could open up for many people in this very area if only they would seek in the right way. The point is—as I have already indicated in connection with specific matters—that experiences in the spiritual world seem paradoxical compared to those of ordinary life; that in many respects, the things one experiences upon entering the spiritual world appear quite different from those of the physical world. And here one must say: because human beings orient their imagination toward the experiences of natural life and natural events, their concepts scarcely extend beyond spatial concepts. A more precise, truly honest self-knowledge reveals how little human beings go beyond spatial concepts. For you see: where do our concepts of time come from? Actually, from spatial concepts! The changes in space—the changes in the positions of the sun, the moon, and even the hands of the clock here on earth—from these we derive our concepts of time. But what we actually have there are concepts of space. The spiritual, however, in its lowest form as the body of formative forces, already lives in time. This requires us to have a true concept of time!

[ 83 ] Aber eine wirkliche Vorstellung von der Zeit verschaffen sich heute die wenigsten Menschen. Und noch weniger verschafft man sich eine wirkliche Vorstellung von den verschiedenen Geschwindigkeiten — also jetzt nicht Zeiten, sondern Geschwindigkeiten —, die im Seelisch-Geistigen herrschen. Unser seelisches Leben beruht darauf, daß zum Beispiel das Denken, das Vorstellen, mit einer ganz anderen Geschwindigkeit abläuft als das Fühlen, und dieses wiederum mit einer ganz anderen Geschwindigkeit als das Wollen. Diese Dinge — daß innerlich im Seelenleben verschiedene ineinandergeschichtete Geschwindigkeiten sind bewirken gerade das innere Entstehen des Bewußtseins. Bewußtsein entsteht nur da, wo irgend etwas sich stört. Daher ist Bewußtsein sogar verwandt mit dem Tode: weil der Tod das Leben stört. Aber überhaupt: es stört sich etwas! Daher ist zum Beispiel die Bergsonsche Vorstellung so falsch, daß man überall aufs Leben sehen muß und auf die Bewegung; während man geradezu zum Wesen der Bewegung kommt, wenn man die Bewegung hindert, zum Wesen des Lebens kommt dadurch, daß man sieht, wie das Leben vom Tode erfaßt wird. Etwas anderes, als das Leben auffassen, ist es, in das Wesen des Lebens eindringen.

[ 83 ] But very few people today have a true sense of time. And even fewer have a true sense of the different speeds—not times, but speeds—that prevail in the soul-spiritual realm. Our soul life is based on the fact that, for example, thinking and imagining proceed at a completely different speed than feeling, and feeling, in turn, at a completely different speed than willing. These things—the fact that there are various speeds layered within one another in the inner life of the soul—are precisely what bring about the inner emergence of consciousness. Consciousness arises only where something is disrupted. Therefore, consciousness is even related to death: because death disrupts life. But in general: something is being disrupted! That is why, for example, Bergson’s conception is so mistaken—that one must look everywhere at life and at movement—whereas one arrives at the very essence of movement precisely by hindering it, and at the essence of life by seeing how life is overtaken by death. To grasp something other than life is to penetrate the essence of life.

[ 84 ] Diese Dinge führen dazu, einzusehen, daß Gesetzmäßigkeit selbst etwas anderes wird, wenn man in das geistige Leben eintritt, was vielen Menschen höchst unbequem ist. Sie fassen daher gar nicht den Mut, in die geistige Welt einzudringen mit ihren Begriffen und Ideen: weil diese Begriffe und Ideen sich verändern müßten! Wenn man wirklich geistig forscht, lernt man das im Grunde genommen sehr, sehr gründlich kennen. Ich rede sehr ungern von Persönlichem, weil das Persönliche mit dem Objektiven nicht viel zu tun hat. Aber vor vielen Jahren schon trat mir eine wichtige Frage entgegen, die auf einem gewissen Spezialgebiet für mich fruchtbar geworden ist: Herbart und andere Psychologen haben das Rechnen, die Mathematik angewendet auf die Seelenforschung; sie versuchten, seelische Tatsachen zu berechnen. Eduard von Hartmann hat dann sogar moralisch zu nehmende Tatsachen zu berechnen versucht, indem er den Pessimismus mathematisch zu begründen unternahm; auf die eine Seite, die Soll-Seite des Lebens buchte er alle Lusterlebnisse, auf die HabenSeite alle Unlusterlebnisse und sagte dann: die Bilanz ergibt einen Überschuß an Unlust — also ist das Leben schlecht.

[ 84 ] These things lead one to realize that the concept of law itself takes on a different meaning when one enters spiritual life—something that is extremely uncomfortable for many people. They therefore do not have the courage to venture into the spiritual world with their concepts and ideas—because those concepts and ideas would have to change! When one truly engages in spiritual research, one comes to understand this very, very thoroughly. I am very reluctant to speak of personal matters, because the personal has little to do with the objective. But many years ago, I was confronted with an important question that has proved fruitful for me in a certain specialized field: Herbart and other psychologists applied arithmetic and mathematics to the study of the soul; they attempted to calculate psychological facts. Eduard von Hartmann even attempted to calculate morally significant facts by undertaking to provide a mathematical justification for pessimism; on one side—the “debit” side of life—he recorded all pleasurable experiences, and on the “credit” side, all unpleasant experiences, and then said: “The balance shows a surplus of displeasure—therefore, life is bad.”

[ 85 ] Ich habe gezeigt, daß die ganze Rechnung unsinnig ist. Sie können diesen Beweis finden in dem entsprechenden Kapitel meiner «Philosophie der Freiheit», die 1894 geschrieben ist. Wenn man hier von Rechnung sprechen will, so ist der Rechnungsanfang ganz anders zu machen. Er ist so zu machen, daß man nicht eine Subtraktion macht, eine zur Bilanz führende Subtraktion, sondern daß man eine Division aufschreibt, einen Bruch, daß man als Zähler aufschreibt alles, was man an Lust, an Freude, an Erhebung erlebt in seinem Lebenslauf, und als Nenner allen Schmerz, alles Leid. Betrachten wir diesen Bruch. Wann würde das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen? Wenn der Nenner Null wäre, gar kein Schmerz da wäre, so wäre der Wert unendlich groß. Aber der Nenner muß unendlich groß werden, wenn der Bruch den Wert Null haben sollte, Das heißt: erst dann würde das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen, wenn die Schmerzen unendlich groß wären. Die Entscheidung darüber gibt uns keine abstrakte Rechnung, sondern die Entscheidung gibt uns das Leben selber. Das Leben rechnet so!

[ 85 ] I have shown that the entire calculation is nonsensical. You can find this proof in the relevant chapter of my Philosophy of Freedom, written in 1894. If one wishes to speak of a calculation here, the starting point of the calculation must be approached quite differently. It must be done in such a way that one does not perform a subtraction—a subtraction leading to a balance—but rather writes down a division, a fraction, in which the numerator consists of everything one experiences in terms of pleasure, joy, and elation throughout one’s life, and the denominator consists of all pain and suffering. Let us consider this fraction. When would life no longer seem worth living? If the denominator were zero—if there were no pain at all—the value would be infinitely large. But the denominator must become infinitely large if the fraction is to have a value of zero. That is to say: life would only cease to seem worth living if the pain were infinitely great. The decision on this is not made by an abstract calculation, but by life itself. That is how life calculates!

[ 86 ] Wenn man auf seelische Ereignisse sieht, so kann man das Verhältnis der Rechnung zum seelischen Ereignis nicht so machen, wie Herbart oder wie Hartmann in diesem Falle. Sondern das Leben gibt das Resultat, und wenn man dann hinaufkommt in die geistigen Welten, so zerteilt sich das Resultat auseinander — eine Summe in Summanden, ein Bruch in Zähler und Nenner. Gerade ins Umgekehrte kommt man hinein. Während man hier im physischen Leben die einzelnen Summanden und Zähler und Nenner hat und dann das Resultat bekommt, ist es umgekehrt: im geistigen Erleben ist das Resultat da; es wird erlebt, und in die geistige Welt hinein gehen die einzelnen Elemente, die zum Resultat führen. Sie sehen also: man muß viele Vorstellungen gründlich umdenken, wenn man die Schwelle überschreiten will zwischen der physischen und der geistigen Welt.

[ 86 ] When considering psychological events, one cannot view the relationship between the calculation and the psychological event in the same way as Herbart or Hartmann do in this case. Rather, life provides the result, and when one then ascends into the spiritual worlds, the result breaks down—a sum into its addends, a fraction into its numerator and denominator. One enters precisely the opposite situation. Whereas here in physical life we have the individual addends, numerators, and denominators and then arrive at the result, it is the other way around: in spiritual experience, the result is already there; it is experienced, and the individual elements that lead to the result flow into the spiritual world. So you see: one must thoroughly rethink many concepts if one wishes to cross the threshold between the physical and the spiritual world.

[ 87 ] Vielleicht können solche Ausführungen, die ich an diese Frage angeknüpft habe, doch bei Ihnen die Vorstellung hervorrufen, daß wirklich diese Geisteswissenschaft nicht etwas ist, das so aus dem Ärmel herausgeschüttelt oder aus der Phantasie herausgeboren ist, sondern daß sie etwas ist, was schon wirklich — wie ich im Vortrag gesagt habe — mit nicht geringeren Kräften erarbeitet wird, als in irgendeiner anderen wissenschaftlichen Arbeit Kräfte angewendet werden. Nur stehen sie auf einem anderen Gebiete. So daß man sagen muß: es ist Gesetzmäßiges in jenem Verlaufe, der durch die wiederholten Erdenleben ausgedrückt wird. Aber die Natur dieses Gesetzmäßigen muß man sich eigentlich erst verschaffen. Daher sagte ich, es handelt sich nicht darum, daß man deutet die Naturerscheinungen, sondern daß man sich wirklich erhebt über die Naturerscheinungen und das Geistige frei in sich erlebt. Damit habe ich die Frage beantwortet.

[ 87 ] Perhaps these remarks, which I have linked to this question, may nevertheless give you the impression that this spiritual science is not something conjured up out of thin air or born of the imagination, but rather something that is truly—as I said in the lecture—developed with no less effort than is applied in any other scientific work. It is simply situated in a different field. So one must say: there is a regularity in that process expressed through repeated earthly lives. But one must actually first grasp the nature of this regularity. That is why I said that it is not a matter of interpreting natural phenomena, but of truly rising above natural phenomena and freely experiencing the spiritual within oneself. With that, I have answered the question.

[ 88 ] Nun eine merkwürdige Frage — merkwürdig nach diesem Vortrage: Welches sind die geistigen Tastorgane?

[ 88 ] Now, a curious question—curious in light of this lecture: What are the spiritual sense organs?

[ 89 ] Ja, etwas Sinnliches darf man sich nicht vorstellen darunter. Ich habe scharf hervorgehoben, daß es sich um etwas Seelisch-Geistiges handelt, das man nur mit dem vergleichen kann, was in der Erinnerung auflebt. Also wenn man das so beantwortet haben will, daß man zum Unterbegriff «geistige Tastorgane» einen Oberbegriff sucht, den man schon kennt, dann wird man mit dieser Sache nicht zurechtkommen. Sondern man muß sich eben hindurchwinden durch das, was gezeigt worden ist: Die Seele gerät an Grenzen, differenziert sich und entwickelt «geistige Tastorgane», die, auf seelisch-geistigem Gebiet, verglichen werden können mit den Tastorganen auf physischem Gebiet, so wie «Geistesaugen» und «Geistesohren» mit physischen Augen und physischen Ohren.

[ 89 ] Yes, one must not imagine anything sensual by this. I have strongly emphasized that this is something psychological-spiritual that can only be compared to what comes to life in memory. So if one wants to answer this by seeking a superordinate concept—one that is already familiar—for the subordinate concept “spiritual sense organs,” then one will not be able to make sense of this matter. Instead, one must simply work one’s way through what has been shown: The soul encounters limits, differentiates itself, and develops “spiritual sense organs” that, in the soul-spiritual realm, can be compared to the sense organs in the physical realm, just as “spiritual eyes” and “spiritual ears” can be compared to physical eyes and physical ears.

[ 90 ] Frage: Gibt es klare Definitionen davon, was man unter «Glaube» versteht?

[ 90 ] Question: Are there clear definitions of what is meant by “faith”?

[ 91 ] Nun müßte ich Ihnen natürlich eine Sprachgeschichte des Wortes «Glaube» geben, wenn ich vollständig sein wollte, und von da ausgehend dann die verschiedenen Formen des Glaubens entwickeln. Ich möchte aber das Folgende sagen: Das Wort «Glaube» hat in unserer neueren Zeit die eingeschränkte Bedeutung erhalten des Fürwahrhaltens aus subjektiven Gründen heraus, also eine Erkenntnis, die eigentlich keine Erkenntnis ist, sondern nur ein subjektives Surrogat für eine Erkenntnis. Das hat man nicht zu allen Zeiten unter «Glaube» verstanden. Will man verstehen, woraus die Glaubensvorstellung eigentlich entstanden ist, so muß man sich folgendes vorhalten.

[ 91 ] Of course, if I wanted to be thorough, I would have to provide you with a historical account of the word “faith” and, building on that, then explore the various forms of faith. However, I would like to say the following: In modern times, the word “faith” has taken on the narrow meaning of holding something to be true for subjective reasons—that is, a form of knowledge that is not actually knowledge at all, but merely a subjective substitute for knowledge. This has not always been the understanding of “faith.” If one wishes to understand where the concept of faith actually originated, one must bear the following in mind.

[ 92 ] Wie ich nur angedeutet habe im heutigen Vortrage, war früher die Seele in einer anderen Weise mit der Wirklichkeit verknüpft. So abgesondert hat die Seele eine Naturwirklichkeit von sich selber erst in neueren Zeitläuften. In jenen älteren Zeiten, in denen die Seele noch mehr mit der geistigen Wirklichkeit verknüpft war und ein inneres Bewußtsein von seelischem Gehalt in einer anderen Art entwickelt hat, als das jetzige moderne Anthroposophische sein muß, da wußte man: wenn man etwas für wahr hält, so ist das nicht bloß ein theoretisches Verhalten, sondern es ist in diesem Fürwahrhalten zugleich eine Kraft des Seins drin. Wenn ich ein Ideal habe und glaube an mein Ideal, so ist dieses glauben an das Ideal nicht bloß das Präsentmachen der Idee des Ideals im Bewußtsein, sondern es verbindet sich eine seelische Kraft mit dem Ideal. Und diese Verbindung einer seelischen Kraft mit dem Ideal gehört von seiten des Menschen der Wirklichkeit an. Man arbeitet an der Wirklichkeit mit. Es ist also eine positive Kraftentfaltung, die im «Glauben» liegt.

[ 92 ] As I briefly mentioned in today’s lecture, the soul used to be connected to reality in a different way. It is only in more recent times that the soul has become so separated from natural reality. In those earlier times, when the soul was still more closely linked to spiritual reality and had developed an inner awareness of spiritual content in a different way than the current modern anthroposophical approach must, people knew that when one holds something to be true, this is not merely a theoretical attitude; rather, there is a force of being inherent in this very act of holding it to be true. If I have an ideal and believe in my ideal, this belief in the ideal is not merely the act of bringing the idea of the ideal into consciousness, but a spiritual force is connected to the ideal. And this connection of a spiritual force with the ideal belongs, on the part of the human being, to reality. One actively participates in shaping reality. It is therefore a positive unfolding of power that lies in “belief.”

[ 93 ] In einer entsprechenden Weise kommt in dem interessanten Buch von Ricarda Huch: «Luthers Glaube», der Glaubebegriff zum Vorschein. Da ist wiederum gefunden der Glaubebegriff nicht bloß als ein Fürwahrhalten, sondern als ein Mit-dem-Realwerden-sich-Verbinden; so daß man, ich möchte sagen, indem man in der Glaubenskraft drinnensteht, etwas in sich hat wie den Keim, den die Pflanze in sich hat, der auch noch keine wirkliche Pflanze ist, aber die Kraft hat, eine wirkliche Pflanze zu werden.

[ 93 ] In a similar vein, the concept of faith emerges in Ricarda Huch’s interesting book, Luther’s Faith. There, too, the concept of faith is found not merely as a holding to be true, but as a connecting oneself with what is becoming real; so that, I would say, by standing within the power of faith, one has within oneself something like the seed that a plant has within itself—which is not yet a real plant, but has the power to become a real plant.

[ 94 ] Es ist nicht ein Erkenntnisabbild, was man also im Glauben haben wollte, aber es ist ein Vorstellungselement, das sich mit einer wirklichen Kraft verbindet, so daß man mit dem Glauben in der Realität steht. Und würde jemand selbst behaupten wollen, daß der Glaube ihm keine Erkenntnis bringt, so würde er trotzdem noch zugeben müssen, wenn er den Glaubebegriff in dieser Weise anwendet, daß ihn das, was dieser Glaubebegriff als Realität enthält, in die Wirklichkeit hineinstellt. — Das sind so kleine Andeutungen, Skizzen.

[ 94 ] It is not a mental image of knowledge that one seeks to possess through faith, but rather an element of imagination that is connected to a real power, so that through faith one stands in reality. And even if someone were to claim that faith brings him no knowledge, he would still have to admit—if he applies the concept of faith in this way—that what this concept of faith contains as reality places him within reality. — These are just small hints, sketches.