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Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

25 March 1920, Dornach

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Fachwissenschaften und Anthroposophie
  1. Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL

2. Fragenbeantwortung nach dem Vortrag von Carl Unger über «Anthroposophie und die erkenntnistheoretische Grundlage der Naturwissenschaften»

2. Fragenbeantwortung nach dem Vortrag von Carl Unger über «Anthroposophie und die erkenntnistheoretische Grundlage der Naturwissenschaften»

[ 1 ] Vorbemerkung: Der Vortrag Carl Ungers wurde nicht mitgeschrieben. Doch hat er über die genannte Thematik mehrfach gesprochen, so zum Beispiel in seinen Vorträgen «Über die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Naturwissenschaft» (1916) und «Über den Weg von der Naturwissenschaft zur Geisteswissenschaft» (1917), die beide gedruckt erschienen sind in Band I seiner «Schriften», Stuttgart 1964.

[ 1 ] Vorbemerkung: Der Vortrag Carl Ungers wurde nicht mitgeschrieben. Doch hat er über die genannte Thematik mehrfach gesprochen, so zum Beispiel in seinen Vorträgen «Über die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Naturwissenschaft» (1916) und «Über den Weg von der Naturwissenschaft zur Geisteswissenschaft» (1917), die beide gedruckt erschienen sind in Band I seiner «Schriften», Stuttgart 1964.

[ 2 ] Rudolf Steiner: Über die Beziehung der übersinnlichen Erkenntnis zu dem Willen ist hier gefragt worden. Nun, wenn man sich darüber eine klare Vorstellung machen will, muß zunächst berücksichtigt werden, welches Verhältnis das, was man im allgemeinen Leben gewöhnlich Willen nennt, zu dem hat, was man Idee nennt, und was man dann als den weiteren Weg anzuerkennen hat von der Idee zu der übersinnlichen Erkenntnis.

[ 2 ] Rudolf Steiner: Über die Beziehung der übersinnlichen Erkenntnis zu dem Willen ist hier gefragt worden. Nun, wenn man sich darüber eine klare Vorstellung machen will, muß zunächst berücksichtigt werden, welches Verhältnis das, was man im allgemeinen Leben gewöhnlich Willen nennt, zu dem hat, was man Idee nennt, und was man dann als den weiteren Weg anzuerkennen hat von der Idee zu der übersinnlichen Erkenntnis.

[ 3 ] Es ist Ihnen ja heute von Herrn Dr. Unger über das reine Denken gesprochen worden. Wer wesenhaft unterscheiden wollte den Willen von dem reinen Denken, der würde etwa so sich die Sache zurechtlegen wie jemand, der fragen würde: Welcher Unterschied besteht denn eigentlich, sagen wir zwischen dem Knaben, der 1749 in Frankfurt am Main geboren ist, in dem Haus

[ 3 ] Es ist Ihnen ja heute von Herrn Dr. Unger über das reine Denken gesprochen worden. Wer wesenhaft unterscheiden wollte den Willen von dem reinen Denken, der würde etwa so sich die Sache zurechtlegen wie jemand, der fragen würde: Welcher Unterschied besteht denn eigentlich, sagen wir zwischen dem Knaben, der 1749 in Frankfurt am Main geboren ist, in dem Haus

[ 4 ] 63 soundso gelebt hat, und dem Geheimrat, der 1827 in Weimar gelebt hat? — Ein und derselbe Mensch, ein und dieselbe Wesenheit: Es war Goethe. So ist, innerlich angesehen, der Wille als wesenhaft tätiges Element ja ganz dasselbe wie das Denken, denn dasjenige, was tätig ist gerade im reinen Denken, das ist Wille — nur daß man selbstverständlich nichts für erkenntnistheoretische Erörterungen gewinnt, wenn man gerade dieses Willenswesenhafte des reinen Denkens betont.

[ 4 ] 63 soundso gelebt hat, und dem Geheimrat, der 1827 in Weimar gelebt hat? — Ein und derselbe Mensch, ein und dieselbe Wesenheit: Es war Goethe. So ist, innerlich angesehen, der Wille als wesenhaft tätiges Element ja ganz dasselbe wie das Denken, denn dasjenige, was tätig ist gerade im reinen Denken, das ist Wille — nur daß man selbstverständlich nichts für erkenntnistheoretische Erörterungen gewinnt, wenn man gerade dieses Willenswesenhafte des reinen Denkens betont.

[ 5 ] Um erkenntnistheoretisch das Denken zu charakterisieren, muß man eben so vorgehen, wie der Redner des heutigen Abends vorgegangen ist. Wesenhaft, möchte ich sagen, ist das reine Denken nur in einem anderen Alter als der Wille. Der Wille, wo er noch nicht zum reinen Denken sich durchgerungen hat, ist eben jünger, ist gewissermaßen noch im Jugendalter. Wenn er sich weiter und weiter entwickelt, so erreicht er ein gewisses Alter — es ist das natürlich bildhaft gesprochen —, so gelangt er dazu, sich als reines Denken ausleben zu können, eine Steigerung wiederum. Das ist Ihnen ja heute abend ganz gut vorgeführt worden: Das reine Denken ist die Meditation. Die Meditation führt in das Leben der übersinnlichen Welt hinein.

[ 5 ] Um erkenntnistheoretisch das Denken zu charakterisieren, muß man eben so vorgehen, wie der Redner des heutigen Abends vorgegangen ist. Wesenhaft, möchte ich sagen, ist das reine Denken nur in einem anderen Alter als der Wille. Der Wille, wo er noch nicht zum reinen Denken sich durchgerungen hat, ist eben jünger, ist gewissermaßen noch im Jugendalter. Wenn er sich weiter und weiter entwickelt, so erreicht er ein gewisses Alter — es ist das natürlich bildhaft gesprochen —, so gelangt er dazu, sich als reines Denken ausleben zu können, eine Steigerung wiederum. Das ist Ihnen ja heute abend ganz gut vorgeführt worden: Das reine Denken ist die Meditation. Die Meditation führt in das Leben der übersinnlichen Welt hinein.

[ 6 ] Nun ist schon eine Meditation, überhaupt ein reines Denken, ein wirklich reines Denken, nicht möglich, ohne den Willen weiterzubilden. Dieses reine Denken als Tatbestand am Menschen ist ja nicht anders möglich als durch eine besonders intensive Anstrengung, eine besonders intensive Betätigung des Willens. Alles dasjenige aber, was man betätigt, übt man, bildet man aus. Und es ist eine ganz besondere Ausbildung des Willens, wenn man zum reinen Denken übergeht oder aus dem reinen Denken heraus in die Meditation übergeht. Man kann durchaus sagen: Schon diese ganze Entwicklung des zunächst ja in unklaren Vorstellungen lebenden Menschen zum reinen Denken hin und dann zur Meditation hin, diese ganze Anstrengung ist im wesentlichen Willenserziehung. Daher ist auch schon das, was man nötig hat zum wirklichen Begreifen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, wesentlich eine Willensanstrengung. Und derjenige, der sich bemüht, auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse einzugehen, der übt Willensanstrengung, und er übt damit überhaupt seinen Willen. Daher kann man sagen, daß es für die heutige Menschheit ganz gut wäre, wenn sie zunächst wenigstens auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse eingehen würde, denn sie würde dadurch den Willen wirklich ausbilden, sie würde den Willen stärken.

[ 6 ] Nun ist schon eine Meditation, überhaupt ein reines Denken, ein wirklich reines Denken, nicht möglich, ohne den Willen weiterzubilden. Dieses reine Denken als Tatbestand am Menschen ist ja nicht anders möglich als durch eine besonders intensive Anstrengung, eine besonders intensive Betätigung des Willens. Alles dasjenige aber, was man betätigt, übt man, bildet man aus. Und es ist eine ganz besondere Ausbildung des Willens, wenn man zum reinen Denken übergeht oder aus dem reinen Denken heraus in die Meditation übergeht. Man kann durchaus sagen: Schon diese ganze Entwicklung des zunächst ja in unklaren Vorstellungen lebenden Menschen zum reinen Denken hin und dann zur Meditation hin, diese ganze Anstrengung ist im wesentlichen Willenserziehung. Daher ist auch schon das, was man nötig hat zum wirklichen Begreifen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, wesentlich eine Willensanstrengung. Und derjenige, der sich bemüht, auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse einzugehen, der übt Willensanstrengung, und er übt damit überhaupt seinen Willen. Daher kann man sagen, daß es für die heutige Menschheit ganz gut wäre, wenn sie zunächst wenigstens auf geisteswissenschaftliche Erkenntnisse eingehen würde, denn sie würde dadurch den Willen wirklich ausbilden, sie würde den Willen stärken.

[ 7 ] Es hat ja den Anschein, daß in der neueren Menschheit der Wille im Grunde schon zu etwas geworden ist, über das man sich eigentlich nur noch Illusionen hingeben kann — wenn man überhaupt noch glauben will, daß er da ist. Wenn man heute zum Beispiel Umschau hält, aus welchen Willensimpulsen die so furchtbar die Welt erschütternden Kriegsereignisse der letzten Jahre hervorgegangen sind, dann kommt man zu keiner möglichen Antwort, denn der Wille von Menschen hat darin am allerallerwenigsten gewirkt. Es hat gewirkt eine Art Bestimmtwerden durch Mächte, die sich der Entschlüsse der Menschen bemächtigt haben. Wir sehen fast überall, wo maßgebliche Entschlüsse im Jahre 1914 gefaßt worden sind, daß wir gar nicht dazu kommen können, die Menschen verantwortlich zu machen. Es würde geradezu ein psychologisches Unding sein, das diplomatische Ungeschick Berchtolds irgendwie verantwortlich zu machen für das Serben-Ultimatum oder dergleichen. Derlei Dinge können einen Bestandteil des heute durch die Welt gehenden Konfusions- und Lügenfeldzuges sein, aber sie können vor ernsthafter psychologischer Beobachtung nicht bestehen. Im Großen drückt sich schon dasjenige aus, was im Kleinen durchaus angeschaut werden muß.

[ 7 ] Es hat ja den Anschein, daß in der neueren Menschheit der Wille im Grunde schon zu etwas geworden ist, über das man sich eigentlich nur noch Illusionen hingeben kann — wenn man überhaupt noch glauben will, daß er da ist. Wenn man heute zum Beispiel Umschau hält, aus welchen Willensimpulsen die so furchtbar die Welt erschütternden Kriegsereignisse der letzten Jahre hervorgegangen sind, dann kommt man zu keiner möglichen Antwort, denn der Wille von Menschen hat darin am allerallerwenigsten gewirkt. Es hat gewirkt eine Art Bestimmtwerden durch Mächte, die sich der Entschlüsse der Menschen bemächtigt haben. Wir sehen fast überall, wo maßgebliche Entschlüsse im Jahre 1914 gefaßt worden sind, daß wir gar nicht dazu kommen können, die Menschen verantwortlich zu machen. Es würde geradezu ein psychologisches Unding sein, das diplomatische Ungeschick Berchtolds irgendwie verantwortlich zu machen für das Serben-Ultimatum oder dergleichen. Derlei Dinge können einen Bestandteil des heute durch die Welt gehenden Konfusions- und Lügenfeldzuges sein, aber sie können vor ernsthafter psychologischer Beobachtung nicht bestehen. Im Großen drückt sich schon dasjenige aus, was im Kleinen durchaus angeschaut werden muß.

[ 8 ] Analysieren Sie doch einmal dasjenige, was man auch im gewöhnlichen Leben Wille nennt. Ich mache Sie auf eine Tatsache aufmerksam, der gegenüber die meisten Menschen sich vorlügen, daß sie es wollen. Das ist: sie stehen jeden Morgen zu einer bestimmten Zeit auf. Glauben Sie, daß sie das wollen — im echten Sinne des Wortes? Wenn Sie den ganzen Tatbestand analysieren, der sich ausspricht in diesem Morgens-Aufstehen, dann kommen Sie ebensogut oder ebensoschlecht zum Wollen, wie wenn Sie von der Uhr sagen, daß sie morgens 8 Uhr schlägt. Das ist ein Tatsachenkomplex, wenn die Uhr 8 Uhr schlägt. Wenn sich eines Menschen Beine aus dem Bett bewegen, die Hände greifen nach diesem oder jenem, dann ist das ein anderer Komplex von Tatsachen. Und daß man in dem einen Falle von Automatismus, in dem andern Falle von Willen spricht, das, meine sehr verehrten Anwesenden, das beruht nur auf einer Illusion beziehungsweise auf einer konfusen Psychologie. In Wahrheit wird der Mensch erst in die Möglichkeit versetzt, von Wollen zu sprechen, wenn er sich gerade annähert dem reinen Denken und dann über das reine Denken sich zur Erfassung übersinnlicher Wahrheiten erhebt. Dann gliedert sich ein oder ergießt sich, möchte ich sagen, in seinen Organismus das wirkliche Wollen — das Wollen, das wirklich Wollen genannt werden kann. Und alles, was an Impulsen auch in den Traditionen da ist für ein wirkliches Wollen, ist durchaus nicht entsprungen aus der automatenhaften Tätigkeit, die heute fast zur Gewohnheit aller Menschen geworden ist, sondern aus älteren Zeiten, wo es noch — wenn auch auf atavistische Art, mehr instinktiv — ein vom gewöhnlichen Lebensautomatismus unabhängiges Wollen gegeben hat.

[ 8 ] Analysieren Sie doch einmal dasjenige, was man auch im gewöhnlichen Leben Wille nennt. Ich mache Sie auf eine Tatsache aufmerksam, der gegenüber die meisten Menschen sich vorlügen, daß sie es wollen. Das ist: sie stehen jeden Morgen zu einer bestimmten Zeit auf. Glauben Sie, daß sie das wollen — im echten Sinne des Wortes? Wenn Sie den ganzen Tatbestand analysieren, der sich ausspricht in diesem Morgens-Aufstehen, dann kommen Sie ebensogut oder ebensoschlecht zum Wollen, wie wenn Sie von der Uhr sagen, daß sie morgens 8 Uhr schlägt. Das ist ein Tatsachenkomplex, wenn die Uhr 8 Uhr schlägt. Wenn sich eines Menschen Beine aus dem Bett bewegen, die Hände greifen nach diesem oder jenem, dann ist das ein anderer Komplex von Tatsachen. Und daß man in dem einen Falle von Automatismus, in dem andern Falle von Willen spricht, das, meine sehr verehrten Anwesenden, das beruht nur auf einer Illusion beziehungsweise auf einer konfusen Psychologie. In Wahrheit wird der Mensch erst in die Möglichkeit versetzt, von Wollen zu sprechen, wenn er sich gerade annähert dem reinen Denken und dann über das reine Denken sich zur Erfassung übersinnlicher Wahrheiten erhebt. Dann gliedert sich ein oder ergießt sich, möchte ich sagen, in seinen Organismus das wirkliche Wollen — das Wollen, das wirklich Wollen genannt werden kann. Und alles, was an Impulsen auch in den Traditionen da ist für ein wirkliches Wollen, ist durchaus nicht entsprungen aus der automatenhaften Tätigkeit, die heute fast zur Gewohnheit aller Menschen geworden ist, sondern aus älteren Zeiten, wo es noch — wenn auch auf atavistische Art, mehr instinktiv — ein vom gewöhnlichen Lebensautomatismus unabhängiges Wollen gegeben hat.

[ 9 ] Daß es nicht immer gerade der Gedanke sein muß, der den Willen lenkt, das sehen Sie ja am besten daran, daß Menschen, wenn sie nur genügend emotionell sind, gerade dann, wenn sie traumhafte Gedanken haben, wenn sie etwas umflorte Gedanken haben, den größten Einfluß auf ihre Mitmenschen haben. In der Regel haben klare, mehr ins Abstrakte gehende Denker weniger Einfluß auf ihre Mitmenschen als diejenigen, die mit einer gewissen innerlichen Brutalität auf emotionelle Gedanken eingestellt sind.

[ 9 ] Daß es nicht immer gerade der Gedanke sein muß, der den Willen lenkt, das sehen Sie ja am besten daran, daß Menschen, wenn sie nur genügend emotionell sind, gerade dann, wenn sie traumhafte Gedanken haben, wenn sie etwas umflorte Gedanken haben, den größten Einfluß auf ihre Mitmenschen haben. In der Regel haben klare, mehr ins Abstrakte gehende Denker weniger Einfluß auf ihre Mitmenschen als diejenigen, die mit einer gewissen innerlichen Brutalität auf emotionelle Gedanken eingestellt sind.

[ 10 ] Das alles ausgeführt und richtig in seinen Konsequenzen verfolgt, wird Ihnen zeigen können, daß gerade der Entwicklungsweg, den die menschliche Seele nimmt zum reinen Denken, ins übersinnliche Begreifen hinein, der Weg ist, auf dem der Wille zu gleicher Zeit zur Offenbarung aus den Tiefen der menschlichen Wesenheit herausgeholt wird, so daß man schon sagen kann: Der Wille, der das eigentliche Objekt der Ethik ist, der das eigentliche Objekt der Sittenlehre ist, dieser Wille wird gerade von der geisteswissenschaftlichen Methode als Realität kultiviert.

[ 10 ] Das alles ausgeführt und richtig in seinen Konsequenzen verfolgt, wird Ihnen zeigen können, daß gerade der Entwicklungsweg, den die menschliche Seele nimmt zum reinen Denken, ins übersinnliche Begreifen hinein, der Weg ist, auf dem der Wille zu gleicher Zeit zur Offenbarung aus den Tiefen der menschlichen Wesenheit herausgeholt wird, so daß man schon sagen kann: Der Wille, der das eigentliche Objekt der Ethik ist, der das eigentliche Objekt der Sittenlehre ist, dieser Wille wird gerade von der geisteswissenschaftlichen Methode als Realität kultiviert.

[ 11 ] Dieser Wille ist es ja, der unter dem Materialismus geradezu verlorengegangen ist. Das Automatenhafte, das hat die moderne Menschheit ergriffen. Ich möchte einmal — es wäre eine ziemlich ausführliche Aufgabe — analysieren den Willensfaktor, sagen wir bei einem jetzigen Gang-und-Gäbe-Philosophieprofessor oder überhaupt bei einem Universitätsprofessor. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man absieht von demjenigen, was er in fortlaufender Automatisierung tut, die in ihn eingedrungen ist während seines Bildungsganges, was bleibt denn eigentlich noch da für seinen Willen? Dasjenige bleibt noch für seinen Willen, was hinf[zielt] in das Anstellungsgesetz, in das Anstellungsdekret; das tut er, wozu er getrieben wird durch sein Eingefügtsein in irgendeinen Staatszusammenhang oder professoralen Zusammenhang oder dergleichen. Analysieren Sie das, was als Willenselement in einer solchen Tätigkeit, also in der Tätigkeit einer recht sehr führenden Persönlichkeit eigentlich darinnenliegt und versuchen Sie dann zu vergleichen, wie anders dieses Willenselement ergriffen werden muß von dem, was geisteswissenschaftliche Entwicklung bei einem Menschen ist, dann bilden Sie sich eine Vorstellung davon, wie diese Geisteswissenschaft dazu berufen ist, den Menschen erst herauszuführen aus dem Stadium des Automaten, ihn wirklich zu einer Individualität zu machen.

[ 11 ] Dieser Wille ist es ja, der unter dem Materialismus geradezu verlorengegangen ist. Das Automatenhafte, das hat die moderne Menschheit ergriffen. Ich möchte einmal — es wäre eine ziemlich ausführliche Aufgabe — analysieren den Willensfaktor, sagen wir bei einem jetzigen Gang-und-Gäbe-Philosophieprofessor oder überhaupt bei einem Universitätsprofessor. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man absieht von demjenigen, was er in fortlaufender Automatisierung tut, die in ihn eingedrungen ist während seines Bildungsganges, was bleibt denn eigentlich noch da für seinen Willen? Dasjenige bleibt noch für seinen Willen, was hinf[zielt] in das Anstellungsgesetz, in das Anstellungsdekret; das tut er, wozu er getrieben wird durch sein Eingefügtsein in irgendeinen Staatszusammenhang oder professoralen Zusammenhang oder dergleichen. Analysieren Sie das, was als Willenselement in einer solchen Tätigkeit, also in der Tätigkeit einer recht sehr führenden Persönlichkeit eigentlich darinnenliegt und versuchen Sie dann zu vergleichen, wie anders dieses Willenselement ergriffen werden muß von dem, was geisteswissenschaftliche Entwicklung bei einem Menschen ist, dann bilden Sie sich eine Vorstellung davon, wie diese Geisteswissenschaft dazu berufen ist, den Menschen erst herauszuführen aus dem Stadium des Automaten, ihn wirklich zu einer Individualität zu machen.

[ 12 ] Daß man heute nicht einmal eine Ahnung davon hat, wie man zu der Anschauung des Willens kommen kann, das beweist Ihnen, daß nun sogar eine sonderbare Vorstellung eingezogen ist in die neuere naturwissenschaftliche Denkweise: die sonderbare Vorstellung, daß die Pflanzen auch etwas wie beseelten Willen haben, weil es solche unter ihnen gibt, welche, wenn Insekten oder so etwas in ihre Nähe kommen, ihre Blätter zusammenklappen und diese Insekten aufzehren. Das heißt ja eben gerade, einen bloßen äußeren Tatbestand, einen bloßen äußeren 'Tatkomplex, einen äußeren Erscheinungskomplex zusammenzufassen unter den Begriff des Willens — was aber in diesem Falle nur eine Illusion ist. Ich habe ja öfter schon in Vorträgen gesagt: Ich kenne noch ein anderes Wesen, welches auch, wenn kleine Tiere in die Nähe kommen, Gelegenheit nimmt, diese in seinen Bau hineinzukriegen und sie dort tötet, geradeso wie die [fleischfressende] Pflanze das Insekt: das ist nämlich eine Mausefalle. Und ganz mit demselben Recht, mit dem man die Venusfliegenfalle als beseelt denkt, kann man eine Mausefalle als beseelt denken.

[ 12 ] Daß man heute nicht einmal eine Ahnung davon hat, wie man zu der Anschauung des Willens kommen kann, das beweist Ihnen, daß nun sogar eine sonderbare Vorstellung eingezogen ist in die neuere naturwissenschaftliche Denkweise: die sonderbare Vorstellung, daß die Pflanzen auch etwas wie beseelten Willen haben, weil es solche unter ihnen gibt, welche, wenn Insekten oder so etwas in ihre Nähe kommen, ihre Blätter zusammenklappen und diese Insekten aufzehren. Das heißt ja eben gerade, einen bloßen äußeren Tatbestand, einen bloßen äußeren 'Tatkomplex, einen äußeren Erscheinungskomplex zusammenzufassen unter den Begriff des Willens — was aber in diesem Falle nur eine Illusion ist. Ich habe ja öfter schon in Vorträgen gesagt: Ich kenne noch ein anderes Wesen, welches auch, wenn kleine Tiere in die Nähe kommen, Gelegenheit nimmt, diese in seinen Bau hineinzukriegen und sie dort tötet, geradeso wie die [fleischfressende] Pflanze das Insekt: das ist nämlich eine Mausefalle. Und ganz mit demselben Recht, mit dem man die Venusfliegenfalle als beseelt denkt, kann man eine Mausefalle als beseelt denken.

[ 13 ] Diese Dinge, wie sie heute auftreten im naturwissenschaftlichen Denken, die beweisen gerade erst recht, daß von einer illusionsfreien Auffassung des Willens im heutigen Denken gar nicht die Rede sein kann. Man wird erst wiederum eine richtige Vorstellung des Willens, des Willenserlebens bekommen, wenn in der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, in der Anthroposophie, gerade der Wille geübt wird. Ja, man kann auf der anderen Seite sogar sagen: Man tritt dieser Geisteswissenschaft gerade deshalb nicht näher, weil sie eine richtige innerliche Anstrengung des Willens, eine Übung des Willens erfordert und weil die Menschenseelen der Gegenwart eigentlich schlafende Seelen sind, die es ganz gern haben, sich hinzugeben dem Automatismus des Denkens und auch des Wollens.

[ 13 ] Diese Dinge, wie sie heute auftreten im naturwissenschaftlichen Denken, die beweisen gerade erst recht, daß von einer illusionsfreien Auffassung des Willens im heutigen Denken gar nicht die Rede sein kann. Man wird erst wiederum eine richtige Vorstellung des Willens, des Willenserlebens bekommen, wenn in der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, in der Anthroposophie, gerade der Wille geübt wird. Ja, man kann auf der anderen Seite sogar sagen: Man tritt dieser Geisteswissenschaft gerade deshalb nicht näher, weil sie eine richtige innerliche Anstrengung des Willens, eine Übung des Willens erfordert und weil die Menschenseelen der Gegenwart eigentlich schlafende Seelen sind, die es ganz gern haben, sich hinzugeben dem Automatismus des Denkens und auch des Wollens.

[ 14 ] So muß diese Frage, ob übersinnliche Erkenntnis ein Verhältnis zum Willen hat, mit einem starken Ja beantwortet werden. Diese übersinnliche Erkenntnis wird nämlich den schlafenden Willen der gegenwärtigen Menschheit erlösen, sie wird die Seelen wach machen, und darauf kommt es heute an. Die schlafenden Seelen von heute werden die großen Aufgaben der Gegenwart nicht lösen. Der Wille wird sie lösen, der erlöst werden kann gerade durch die Hingabe an übersinnliche Erkenntnisse.

[ 14 ] So muß diese Frage, ob übersinnliche Erkenntnis ein Verhältnis zum Willen hat, mit einem starken Ja beantwortet werden. Diese übersinnliche Erkenntnis wird nämlich den schlafenden Willen der gegenwärtigen Menschheit erlösen, sie wird die Seelen wach machen, und darauf kommt es heute an. Die schlafenden Seelen von heute werden die großen Aufgaben der Gegenwart nicht lösen. Der Wille wird sie lösen, der erlöst werden kann gerade durch die Hingabe an übersinnliche Erkenntnisse.