Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

12 January 1921, Dornach

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Fachwissenschaften und Anthroposophie
  1. Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL

12. Proben für die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu den einzelnen Fachwissenschaften II

12. Proben für die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu den einzelnen Fachwissenschaften II

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, von denen wir heute auszugehen haben, können aus dem Grunde in den Mittelpunkt gerückt werden, weil das Nachfolgende dadurch beleuchtet werden kann. Zunächst wird es scheinen, als ob das heutige Thema wenig zu tun hätte mit der Absicht, Beziehungen herzustellen zwischen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis und dem praktischen Leben; aber die Dinge würden gewissermaßen zu stark in der Luft hängen, wenn wir nicht übergehen würden zu denjenigen Dingen, die uns in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtungen führen können. Und dieser Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtung steht ja heute so vor uns, daß er eigentlich von der gebräuchlichen Wissenschaft ausgeschaltet wird. Denn man muß sich doch gestehen: Sieht der Mensch die Natur an, versucht er aus seinen Anschauungen die Natur zu erkennen, dann ist er bei all diesen Anschauungen dabei; der Erkenntnisprozeß fließt ab unter seiner unmittelbaren Anteilnahme, er kann sich gewissermaßen nicht ausschalten. Und erst wenn man seine Anteilnahme kennengelernt hat, wird man in der Lage sein, das in der richtigen Weise anzuschauen, was man im Sinne heutiger Betrachtungsweise gerne ganz absondern möchte vom Menschen, nämlich diejenigen Erscheinungen, aus denen man, wie man sagt, ein «objektives Weltenbild» aufbauen will. Man will ja heute, um zu einem physikalischen Weltbild zu kommen, durchaus vom Menschen ganz absehen; man will das Ideal erreichen, daß der Mensch nichts von sich selbst in das physikalische Weltbild hineintrage. Um aber ein solches Ideal zu erfüllen, muß ja zuerst die Frage entschieden werden, inwieweit der Mensch imstande ist, die Phänomene ganz abgesondert von sich selbst zu betrachten. Und auf der anderen Seite handelt es sich darum, daß, gerade wenn der Mensch betrachtet wird im Geiste der heutigen wissenschaftlichen Anschauung, man gar nicht umhin kann, dasjenige, was man nun aus dieser Naturanschauung gewonnen hat und was scheinbar ganz unabhängig vom Menschen dastehen soll, wiederum auf den Menschen anzuwenden. Es ist ja heute fast durchweg üblich geworden, auch psychologische Betrachtungen, Betrachtungen über das menschliche Seelenleben, dadurch einzuleiten, daß man rein naturwissenschaftlich erkundete Resultate vorausschickt. Ja, man betrachtet sogar dasjenige, was man als solche physiologischen Ergebnisse der Psychologie vorausschicken kann, als das Wesentliche. Damit aber bringt man dasjenige, dem man doch selbst erst die Bestimmung gegeben hat, es solle in seiner GesetzmäBigkeit unabhängig vom Menschen untersucht werden, selbst wieder in die Untersuchungen über den Menschen herein. Und es ist dann kein Wunder, daß auch psychologische Untersuchungen an Grenzen kommen, die im höchsten Grade unbefriedigend sein müssen. Das ist gewohnheitsgemäß so geworden in der wissenschaftlichen Betrachtung. Man kann aber auch sagen, daß durch diese Denkgewohnheiten der Mensch im Grunde ganz ausgeschaltet worden ist aus der Weltbetrachtung. Wir können sagen, daß zum Beispiel das Ideal astronomischer Betrachtungsweise darin besteht, möglichst bei dem stehenzubleiben, was sich ausdrükken läßt durch Messen, Zählen und dergleichen. Es ist das physikalische Ideal auch auf die Astronomie übertragen worden, und man versucht zu Vorstellungen zu kommen über die Beziehungen der Weltenkörper, in die man dann auch die Erde einbezieht, und schaltet dabei den Menschen völlig aus. Das ist ja ganz offensichtlich für den, der heute die wissenschaftliche Betrachtungsweise auf diesem Gebiete ins Auge faßt. Man betrachtet ihn gar nicht in irgendeinem Zusammenhang mit demjenigen, was man sonst als Gesetzmäßigkeit untersucht.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, von denen wir heute auszugehen haben, können aus dem Grunde in den Mittelpunkt gerückt werden, weil das Nachfolgende dadurch beleuchtet werden kann. Zunächst wird es scheinen, als ob das heutige Thema wenig zu tun hätte mit der Absicht, Beziehungen herzustellen zwischen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis und dem praktischen Leben; aber die Dinge würden gewissermaßen zu stark in der Luft hängen, wenn wir nicht übergehen würden zu denjenigen Dingen, die uns in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtungen führen können. Und dieser Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtung steht ja heute so vor uns, daß er eigentlich von der gebräuchlichen Wissenschaft ausgeschaltet wird. Denn man muß sich doch gestehen: Sieht der Mensch die Natur an, versucht er aus seinen Anschauungen die Natur zu erkennen, dann ist er bei all diesen Anschauungen dabei; der Erkenntnisprozeß fließt ab unter seiner unmittelbaren Anteilnahme, er kann sich gewissermaßen nicht ausschalten. Und erst wenn man seine Anteilnahme kennengelernt hat, wird man in der Lage sein, das in der richtigen Weise anzuschauen, was man im Sinne heutiger Betrachtungsweise gerne ganz absondern möchte vom Menschen, nämlich diejenigen Erscheinungen, aus denen man, wie man sagt, ein «objektives Weltenbild» aufbauen will. Man will ja heute, um zu einem physikalischen Weltbild zu kommen, durchaus vom Menschen ganz absehen; man will das Ideal erreichen, daß der Mensch nichts von sich selbst in das physikalische Weltbild hineintrage. Um aber ein solches Ideal zu erfüllen, muß ja zuerst die Frage entschieden werden, inwieweit der Mensch imstande ist, die Phänomene ganz abgesondert von sich selbst zu betrachten. Und auf der anderen Seite handelt es sich darum, daß, gerade wenn der Mensch betrachtet wird im Geiste der heutigen wissenschaftlichen Anschauung, man gar nicht umhin kann, dasjenige, was man nun aus dieser Naturanschauung gewonnen hat und was scheinbar ganz unabhängig vom Menschen dastehen soll, wiederum auf den Menschen anzuwenden. Es ist ja heute fast durchweg üblich geworden, auch psychologische Betrachtungen, Betrachtungen über das menschliche Seelenleben, dadurch einzuleiten, daß man rein naturwissenschaftlich erkundete Resultate vorausschickt. Ja, man betrachtet sogar dasjenige, was man als solche physiologischen Ergebnisse der Psychologie vorausschicken kann, als das Wesentliche. Damit aber bringt man dasjenige, dem man doch selbst erst die Bestimmung gegeben hat, es solle in seiner GesetzmäBigkeit unabhängig vom Menschen untersucht werden, selbst wieder in die Untersuchungen über den Menschen herein. Und es ist dann kein Wunder, daß auch psychologische Untersuchungen an Grenzen kommen, die im höchsten Grade unbefriedigend sein müssen. Das ist gewohnheitsgemäß so geworden in der wissenschaftlichen Betrachtung. Man kann aber auch sagen, daß durch diese Denkgewohnheiten der Mensch im Grunde ganz ausgeschaltet worden ist aus der Weltbetrachtung. Wir können sagen, daß zum Beispiel das Ideal astronomischer Betrachtungsweise darin besteht, möglichst bei dem stehenzubleiben, was sich ausdrükken läßt durch Messen, Zählen und dergleichen. Es ist das physikalische Ideal auch auf die Astronomie übertragen worden, und man versucht zu Vorstellungen zu kommen über die Beziehungen der Weltenkörper, in die man dann auch die Erde einbezieht, und schaltet dabei den Menschen völlig aus. Das ist ja ganz offensichtlich für den, der heute die wissenschaftliche Betrachtungsweise auf diesem Gebiete ins Auge faßt. Man betrachtet ihn gar nicht in irgendeinem Zusammenhang mit demjenigen, was man sonst als Gesetzmäßigkeit untersucht.

[ 2 ] In der Physik ist es ja ganz üblich und vielleicht sogar selbstverständlich — wir werden dann in späteren Vorträgen sehen, inwiefern selbstverständlich —, daß der Mensch ausgeschaltet wird. Man kommt dann über die Chemie zu den mehr organischen Wissenschaften, die dann ja gipfeln sollen in der Biologie und in der speziellen Anthropologie. Aber gerade da hat ja die Betrachtungsweise des 19. Jahrhunderts immer mehr und mehr das Bestreben gehabt, zu untersuchen durch alle möglichen auf diesem Gebiete ja sehr anerkennenswerte Methoden, wie die eine Tierform aus der anderen Tierform sich herausentwickelt, wie sich die einfachsten Tierformen vervollkommnen — wenn man den Ausdruck im relativen Sinne gebraucht, darf man ihn ja wohl gebrauchen —, wie dann an der Spitze der Tierformen der Mensch betrachtet werden kann.

[ 2 ] In der Physik ist es ja ganz üblich und vielleicht sogar selbstverständlich — wir werden dann in späteren Vorträgen sehen, inwiefern selbstverständlich —, daß der Mensch ausgeschaltet wird. Man kommt dann über die Chemie zu den mehr organischen Wissenschaften, die dann ja gipfeln sollen in der Biologie und in der speziellen Anthropologie. Aber gerade da hat ja die Betrachtungsweise des 19. Jahrhunderts immer mehr und mehr das Bestreben gehabt, zu untersuchen durch alle möglichen auf diesem Gebiete ja sehr anerkennenswerte Methoden, wie die eine Tierform aus der anderen Tierform sich herausentwickelt, wie sich die einfachsten Tierformen vervollkommnen — wenn man den Ausdruck im relativen Sinne gebraucht, darf man ihn ja wohl gebrauchen —, wie dann an der Spitze der Tierformen der Mensch betrachtet werden kann.

[ 3 ] Aber es liegt in alle dem, was da aufgetreten ist als Entwicklungsgeschichte, als Deszendenztheorie das Bestreben, den Menschen dadurch zu begreifen, daß man nur ja recht gut die Gesetzmäßigkeiten des tierischen Lebens verstehen lernt, daß man dann anwendet diejenigen Gesetzmäßigkeiten, die man im tierischen Leben gefunden hat, auf das Leben des Menschen, sich diese Gesetzmäßigkeiten in einer gewissen Weise modifiziert denkt, um den Menschen zu begreifen. Auf einem speziellen Gebiet hat das ja dazu geführt, die Untersuchungen am tierischen Organismus geradezu als ausschlaggebend zu betrachten auch für den Menschen. So sehr man sich vielleicht auch klar ist darüber, daß da allerlei theoretische Einwände gemacht werden müssen — man betrachtet doch dasjenige, was man in bezug auf biologische Wahrheiten durch das Tierexperiment gewinnt, in einer gewissen Weise ganz als bindend auch für den Menschen. Man betrachtet in den Grundlagen der Therapie das, was man durch das Tierexperiment gewinnt, als das Ausschlaggebende in einem gewissen Sinne auch für dasjenige, was man dann im Menschen anerkennen will. Gerade auf diesem Gebiet zeigt sich ganz deutlich, wie man dadurch, daß man glaubt, der tierischen Organisation nahezukommen, vermeint, auch der menschlichen Organisation nahekommen zu können, nur durch eine gewisse Modifikation der Ergebnisse.

[ 3 ] Aber es liegt in alle dem, was da aufgetreten ist als Entwicklungsgeschichte, als Deszendenztheorie das Bestreben, den Menschen dadurch zu begreifen, daß man nur ja recht gut die Gesetzmäßigkeiten des tierischen Lebens verstehen lernt, daß man dann anwendet diejenigen Gesetzmäßigkeiten, die man im tierischen Leben gefunden hat, auf das Leben des Menschen, sich diese Gesetzmäßigkeiten in einer gewissen Weise modifiziert denkt, um den Menschen zu begreifen. Auf einem speziellen Gebiet hat das ja dazu geführt, die Untersuchungen am tierischen Organismus geradezu als ausschlaggebend zu betrachten auch für den Menschen. So sehr man sich vielleicht auch klar ist darüber, daß da allerlei theoretische Einwände gemacht werden müssen — man betrachtet doch dasjenige, was man in bezug auf biologische Wahrheiten durch das Tierexperiment gewinnt, in einer gewissen Weise ganz als bindend auch für den Menschen. Man betrachtet in den Grundlagen der Therapie das, was man durch das Tierexperiment gewinnt, als das Ausschlaggebende in einem gewissen Sinne auch für dasjenige, was man dann im Menschen anerkennen will. Gerade auf diesem Gebiet zeigt sich ganz deutlich, wie man dadurch, daß man glaubt, der tierischen Organisation nahezukommen, vermeint, auch der menschlichen Organisation nahekommen zu können, nur durch eine gewisse Modifikation der Ergebnisse.

[ 4 ] Genau dasselbe, nur in entsprechender Weise für ein Gebiet modifiziert, hat sich auf dem nationalökonomischen Feld ergeben. Da haben wir schon seit Adam Smith Theorien, die eigentlich den Menschen als solchen nicht als soziales Objekt betrachten. Es wird ganz davon abgesehen, daß der Mensch in seiner Totalität innerhalb der sozialen Ordnung steht, und es wird eigentlich nicht der Mensch betrachtet, sondern der Mensch, insofern er «Besitzer» ist, als «Privateigentümer» und so weiter. Der Mensch wird nicht betrachtet als freies Wesen, insofern die Freiheit aus dem Zentrum seiner Natur herausfließt, sondern es wird nur betrachtet dasjenige, was man nennt die «wirtschaftliche Freiheit». Wir sehen also auch da den Menschen als solchen aus der Betrachtungsweise ausgeschaltet. Und man kann in dieser Ausschaltung des Menschen nichts anderes sehen als einen Grundzug der ganzen neueren Wissenschaftlichkeit.

[ 4 ] Genau dasselbe, nur in entsprechender Weise für ein Gebiet modifiziert, hat sich auf dem nationalökonomischen Feld ergeben. Da haben wir schon seit Adam Smith Theorien, die eigentlich den Menschen als solchen nicht als soziales Objekt betrachten. Es wird ganz davon abgesehen, daß der Mensch in seiner Totalität innerhalb der sozialen Ordnung steht, und es wird eigentlich nicht der Mensch betrachtet, sondern der Mensch, insofern er «Besitzer» ist, als «Privateigentümer» und so weiter. Der Mensch wird nicht betrachtet als freies Wesen, insofern die Freiheit aus dem Zentrum seiner Natur herausfließt, sondern es wird nur betrachtet dasjenige, was man nennt die «wirtschaftliche Freiheit». Wir sehen also auch da den Menschen als solchen aus der Betrachtungsweise ausgeschaltet. Und man kann in dieser Ausschaltung des Menschen nichts anderes sehen als einen Grundzug der ganzen neueren Wissenschaftlichkeit.

[ 5 ] Nun fragt es sich, ob man denn, wenn man hintendiert zu einer solchen Ausschaltung des Menschen, dadurch kommen könne zu einer irgendwie bedeutsamen, irgendwie befriedigenden oder die Wirklichkeit treffenden Charakteristik des außermenschlichen Weltbildes, das sich in der anorganischen Naturwissenschaft zum Beispiel darbietet. Um dieses in der richtigen Weise zu beleuchten, ist es notwendig, daß wir nicht unmittelbar, sondern mittelbar auf das Gebiet der anorganischen Naturwissenschaft zu sprechen kommen und heute uns bekannt machen mit dem Weg, der zu einer solchen unbefangenen Besprechung führen kann.

[ 5 ] Nun fragt es sich, ob man denn, wenn man hintendiert zu einer solchen Ausschaltung des Menschen, dadurch kommen könne zu einer irgendwie bedeutsamen, irgendwie befriedigenden oder die Wirklichkeit treffenden Charakteristik des außermenschlichen Weltbildes, das sich in der anorganischen Naturwissenschaft zum Beispiel darbietet. Um dieses in der richtigen Weise zu beleuchten, ist es notwendig, daß wir nicht unmittelbar, sondern mittelbar auf das Gebiet der anorganischen Naturwissenschaft zu sprechen kommen und heute uns bekannt machen mit dem Weg, der zu einer solchen unbefangenen Besprechung führen kann.

[ 6 ] Ich will ausgehen von einem Gebiet, das ja besonders charakteristisch ist, weil es demjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, die ganze Diskrepanz zeigt zwischen einer wirklichkeitsgemäßen Anschauung und einer solchen Anschauung, die aus allerlei theoretischen Voraussetzungen heraus konstruiert ist und trotzdem glaubt, gerade die Wirklichkeit zu treffen. Wie gesagt, dieses Gebiet ist besonders charakteristisch, weil es auf der einen Seite diese Diskrepanz zeigt und auf der anderen Seite zeigt, wie weit entfernt eigentlich die heutige gewöhnliche Wissenschaftsbetrachtung von dem ist, was die hier gemeinte Geisteswissenschaft sein will und wodurch Geisteswissenschaft die einzelnen Fachwissenschaften befruchten will. Ich meine das Gebiet der Optik, insbesondere das Gebiet der Farbenlehre. Man wird ja heute selbstverständlich sofort als wissenschaftlicher Dilettant abgetan, wenn man aufmerksam macht auf die Frage, ob die Goethesche Farbenlehre eine Berechtigung habe oder diejenige Farbenlehre, die heute die von der Physik anerkannte ist. Nun, das Wesentliche bei der Sache ist ja dieses, daß Goethe niemals auch nur irgendeine wissenschaftliche Untersuchung machen wollte, ohne den Menschen in das ganze Weltengefüge hineinzustellen. Er will nicht eine vom Menschen abgesonderte wissenschaftliche Untersuchung machen; er rückt daher auch alles Experimentieren mit den Farben an den Menschen selber heran.

[ 6 ] Ich will ausgehen von einem Gebiet, das ja besonders charakteristisch ist, weil es demjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, die ganze Diskrepanz zeigt zwischen einer wirklichkeitsgemäßen Anschauung und einer solchen Anschauung, die aus allerlei theoretischen Voraussetzungen heraus konstruiert ist und trotzdem glaubt, gerade die Wirklichkeit zu treffen. Wie gesagt, dieses Gebiet ist besonders charakteristisch, weil es auf der einen Seite diese Diskrepanz zeigt und auf der anderen Seite zeigt, wie weit entfernt eigentlich die heutige gewöhnliche Wissenschaftsbetrachtung von dem ist, was die hier gemeinte Geisteswissenschaft sein will und wodurch Geisteswissenschaft die einzelnen Fachwissenschaften befruchten will. Ich meine das Gebiet der Optik, insbesondere das Gebiet der Farbenlehre. Man wird ja heute selbstverständlich sofort als wissenschaftlicher Dilettant abgetan, wenn man aufmerksam macht auf die Frage, ob die Goethesche Farbenlehre eine Berechtigung habe oder diejenige Farbenlehre, die heute die von der Physik anerkannte ist. Nun, das Wesentliche bei der Sache ist ja dieses, daß Goethe niemals auch nur irgendeine wissenschaftliche Untersuchung machen wollte, ohne den Menschen in das ganze Weltengefüge hineinzustellen. Er will nicht eine vom Menschen abgesonderte wissenschaftliche Untersuchung machen; er rückt daher auch alles Experimentieren mit den Farben an den Menschen selber heran.

[ 7 ] Unsere gegenwärtige Weltanschauung, wie sie sich in den Wissenschaften ausspricht — und es ist, wie wir noch sehen werden, durchaus Weltanschauung, die sich in den Wissenschaften ausspricht, wenn das auch öfter geleugnet wird —, diejenige Weltanschauung, die sich heute in den Wissenschaften ausspricht, sie ist ja weit abgekommen von den Wegen, die gerade Goethe vorgezeichnet hat, der ja auf diesem Gebiet eigentlich als Dilettant angesehen wird von den sogenannten Fachleuten. Ich habe versucht, gerade dasjenige, worauf es bei einer Würdigung Goethes in wissenschaftlicher Beziehung ankommt, in meinen Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners Nationalliteratur zum Ausdruck zu bringen diese besondere Strömung wissenschaftlichen Arbeitens, wie sie Goethe eingeschlagen hat. Diese besondere Strömung ist eigentlich gegenwärtig versiegt. Dagegen wird die wissenschaftliche Betrachtungsweise der Gegenwart — die ja insbesondere tüchtig ist auf dem Gebiet der anorganischen Naturwissenschaften und auf all den Gebieten, wo das Anorganische in das Organische herübergenommen werden kann —, die Goethesche Anschauungsweise verpönen. Dafür fußt sie ganz und gar auf dem, was die Naturwissenschaft durch solche Anschauungen geworden ist, wie etwa die Newtonschen sind. Wenn auch Newtons Anschauungen selbst in vieler Beziehung überholt sind, so muß man doch sagen: Die Art und Weise des Forschens, sie ist von den Newtonschen Anschauungen durchaus abhängig. Und so hat auch die Goethesche Farbenlehre keine Fortsetzung erfahren in unserer anerkannten Wissenschaft, sondern nur die Newtonsche.

[ 7 ] Unsere gegenwärtige Weltanschauung, wie sie sich in den Wissenschaften ausspricht — und es ist, wie wir noch sehen werden, durchaus Weltanschauung, die sich in den Wissenschaften ausspricht, wenn das auch öfter geleugnet wird —, diejenige Weltanschauung, die sich heute in den Wissenschaften ausspricht, sie ist ja weit abgekommen von den Wegen, die gerade Goethe vorgezeichnet hat, der ja auf diesem Gebiet eigentlich als Dilettant angesehen wird von den sogenannten Fachleuten. Ich habe versucht, gerade dasjenige, worauf es bei einer Würdigung Goethes in wissenschaftlicher Beziehung ankommt, in meinen Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners Nationalliteratur zum Ausdruck zu bringen diese besondere Strömung wissenschaftlichen Arbeitens, wie sie Goethe eingeschlagen hat. Diese besondere Strömung ist eigentlich gegenwärtig versiegt. Dagegen wird die wissenschaftliche Betrachtungsweise der Gegenwart — die ja insbesondere tüchtig ist auf dem Gebiet der anorganischen Naturwissenschaften und auf all den Gebieten, wo das Anorganische in das Organische herübergenommen werden kann —, die Goethesche Anschauungsweise verpönen. Dafür fußt sie ganz und gar auf dem, was die Naturwissenschaft durch solche Anschauungen geworden ist, wie etwa die Newtonschen sind. Wenn auch Newtons Anschauungen selbst in vieler Beziehung überholt sind, so muß man doch sagen: Die Art und Weise des Forschens, sie ist von den Newtonschen Anschauungen durchaus abhängig. Und so hat auch die Goethesche Farbenlehre keine Fortsetzung erfahren in unserer anerkannten Wissenschaft, sondern nur die Newtonsche.

[ 8 ] Nun möchte ich heute gewissermaßen aphoristisch von verschiedenen Punkten her in das hineinführen, was uns dann weiterbringen kann.

[ 8 ] Nun möchte ich heute gewissermaßen aphoristisch von verschiedenen Punkten her in das hineinführen, was uns dann weiterbringen kann.

[ 9 ] In Goethes Sinn handelt es sich bei der Farbenlehre durchaus darum, die Betrachtung der Farben im Zusammenhang mit demjenigen anzustellen, was im menschlichen Organismus selber vorgeht. Sie brauchen ja nur die Goethesche Farbenlehre aufzuschlagen, und Sie werden sehen, daß Goethe zunächst ausgeht von den physiologischen Farben, von dem Verhalten des Auges, das er aber im Grunde genommen anders betrachtet, mit einer anderen Einstellung betrachtet, möchte man sagen, als man es heute tut. Heute betrachtet man das Auge eigentlich so, daß man es sich herausgenommen denkt aus dem ganzen menschlichen Organismus, daß man es gewissermaßen aussondert von diesem Organismus, daß man es als einen optischen Apparat betrachtet und nun versucht kennenzulernen, wie — wenn dieses Auge herausgenommen ist aus dem Organismus, wenn es als optischer Apparat betrachtet wird —, wie dann sich die Eindrücke auf das Auge, die Reize auf das Auge und so weiter darstellen. Versuchen Sie sich nur einmal zu vergegenwärtigen, wie diese Anschauungsweise eigentlich vorgeht. Wenn man sich irgend etwas gegenüber dem Auge verdeutlichen will, wenn man irgendwie die Frage beantworten will: Wie verhält sich das Auge zu irgendeinem sichtbaren Objekt? —, kann man ja bei dieser Anschauungsweise fast gar nicht anders, als das Auge selbst in irgendeinem Durchschnitt auf die Tafel zu zeichnen, von dem Objekt Linien zu führen nach dem Auge und so weiter; dann kann man sich noch fragen: Wie verhalten sich die verschiedenen Glieder des Auges zu demjenigen, was da einen Reiz ausübt?

[ 9 ] In Goethes Sinn handelt es sich bei der Farbenlehre durchaus darum, die Betrachtung der Farben im Zusammenhang mit demjenigen anzustellen, was im menschlichen Organismus selber vorgeht. Sie brauchen ja nur die Goethesche Farbenlehre aufzuschlagen, und Sie werden sehen, daß Goethe zunächst ausgeht von den physiologischen Farben, von dem Verhalten des Auges, das er aber im Grunde genommen anders betrachtet, mit einer anderen Einstellung betrachtet, möchte man sagen, als man es heute tut. Heute betrachtet man das Auge eigentlich so, daß man es sich herausgenommen denkt aus dem ganzen menschlichen Organismus, daß man es gewissermaßen aussondert von diesem Organismus, daß man es als einen optischen Apparat betrachtet und nun versucht kennenzulernen, wie — wenn dieses Auge herausgenommen ist aus dem Organismus, wenn es als optischer Apparat betrachtet wird —, wie dann sich die Eindrücke auf das Auge, die Reize auf das Auge und so weiter darstellen. Versuchen Sie sich nur einmal zu vergegenwärtigen, wie diese Anschauungsweise eigentlich vorgeht. Wenn man sich irgend etwas gegenüber dem Auge verdeutlichen will, wenn man irgendwie die Frage beantworten will: Wie verhält sich das Auge zu irgendeinem sichtbaren Objekt? —, kann man ja bei dieser Anschauungsweise fast gar nicht anders, als das Auge selbst in irgendeinem Durchschnitt auf die Tafel zu zeichnen, von dem Objekt Linien zu führen nach dem Auge und so weiter; dann kann man sich noch fragen: Wie verhalten sich die verschiedenen Glieder des Auges zu demjenigen, was da einen Reiz ausübt?

[ 10 ] Es ist vielleicht für denjenigen, der ganz eingeschult ist in die heutige wissenschaftliche Betrachtung, schwer zu fassen, welches nun der Unterschied ist dieser Anschauungsweise, die ich eben in etwas radikaler Art charakterisiert habe, zu der Goetheschen, und wie sich zu dieser Anschauungsweise verhält die physiologischsubjektive Weise, wie Goethe seine Experimente macht. Er experimentiert durchaus so, daß er das Auge darinnenstehen läßt im lebendigen Prozeß des Organismus; er läßt das Auge so, daß es bei seinem Experimentieren gewissermaßen einen Grad von am menschlichen Organismus befindlichen bewußten Organs hat. Also das am Menschen erlebte Auge, das mit dem Menschen lebendig im Zusammenhang gefühlte Auge, das betrachtete Goethe als den Ausgangspunkt für seine physiologischsubjektiven Farbenuntersuchungen.

[ 10 ] Es ist vielleicht für denjenigen, der ganz eingeschult ist in die heutige wissenschaftliche Betrachtung, schwer zu fassen, welches nun der Unterschied ist dieser Anschauungsweise, die ich eben in etwas radikaler Art charakterisiert habe, zu der Goetheschen, und wie sich zu dieser Anschauungsweise verhält die physiologischsubjektive Weise, wie Goethe seine Experimente macht. Er experimentiert durchaus so, daß er das Auge darinnenstehen läßt im lebendigen Prozeß des Organismus; er läßt das Auge so, daß es bei seinem Experimentieren gewissermaßen einen Grad von am menschlichen Organismus befindlichen bewußten Organs hat. Also das am Menschen erlebte Auge, das mit dem Menschen lebendig im Zusammenhang gefühlte Auge, das betrachtete Goethe als den Ausgangspunkt für seine physiologischsubjektiven Farbenuntersuchungen.

[ 11 ] Das Auge, das Goethe den Erscheinungen exponiert bei seinen Experimenten, das kann man im Grunde nicht auf die Tafel zeichnen. Und dasjenige, was Goethe dann als Erscheinungen im Licht- und Farbengebiet beschreibt, das kann man im Grunde genommen auch nicht auf die Tafel zeichnen. Daher ist Goethe abgeneigt jenen Abstraktionen, welche der heutige Physiker ja sofort auf die Tafel zeichnet, wenn er irgend etwas auf dem Gebiet der Farben oder der Optik überhaupt meint. Goethe ist abgeneigt, dieses ganze abstrakte Liniensystem aufzuzeichnen. Er beschreibt das, was gewissermaßen im Bewußtwerden irgendeines optischen Vorganges lebt.

[ 11 ] Das Auge, das Goethe den Erscheinungen exponiert bei seinen Experimenten, das kann man im Grunde nicht auf die Tafel zeichnen. Und dasjenige, was Goethe dann als Erscheinungen im Licht- und Farbengebiet beschreibt, das kann man im Grunde genommen auch nicht auf die Tafel zeichnen. Daher ist Goethe abgeneigt jenen Abstraktionen, welche der heutige Physiker ja sofort auf die Tafel zeichnet, wenn er irgend etwas auf dem Gebiet der Farben oder der Optik überhaupt meint. Goethe ist abgeneigt, dieses ganze abstrakte Liniensystem aufzuzeichnen. Er beschreibt das, was gewissermaßen im Bewußtwerden irgendeines optischen Vorganges lebt.

[ 12 ] Erst dann, wenn Goethe übergeht von den subjektiven Farben zu den objektiven Farben, wenn er also die äußeren physischen Farbengebilde untersucht, erst dann beginnt er eigentlich in dem Sinne zu zeichnen, wie es der heutige Physiker liebt. Der ganze Sehprozeß beim heutigen Physiker ist — wenigstens im Gedanken — ausgegliedert aus der menschlichen Natur, er wird ins Unorganische übersetzt, in mathematischen Linien dargestellt. Bei Goethe wird das Leben nicht ausgetilgt aus dem Sehprozeß, sondern es wird dasjenige, was im modifizierten Sehprozeß sich ergibt, bloß beschrieben; es wird höchstens dadurch versinnlicht, daß man die Erscheinungen, ich möchte sagen mit einer inneren, sinnreichen Symbolik fixiert.

[ 12 ] Erst dann, wenn Goethe übergeht von den subjektiven Farben zu den objektiven Farben, wenn er also die äußeren physischen Farbengebilde untersucht, erst dann beginnt er eigentlich in dem Sinne zu zeichnen, wie es der heutige Physiker liebt. Der ganze Sehprozeß beim heutigen Physiker ist — wenigstens im Gedanken — ausgegliedert aus der menschlichen Natur, er wird ins Unorganische übersetzt, in mathematischen Linien dargestellt. Bei Goethe wird das Leben nicht ausgetilgt aus dem Sehprozeß, sondern es wird dasjenige, was im modifizierten Sehprozeß sich ergibt, bloß beschrieben; es wird höchstens dadurch versinnlicht, daß man die Erscheinungen, ich möchte sagen mit einer inneren, sinnreichen Symbolik fixiert.

[ 13 ] Es ist wichtig, gerade auf so etwas hinzuweisen, weil in dem Vorgehen, in der ganzen Einstellung auf die Erscheinungen dasjenige liegt, was die Goethesche Naturbetrachtung unterscheidet von der gegenwärtigen Naturbetrachtung. Diese Goethesche Naturbetrachtung, sie ist vielleicht wesentlich unbequemer als die heutige. Denn es ist im allgemeinen leichter, durch mathematische Linien sich die Dinge auf die Tafel hinzuzeichnen, als dasjenige ins geistig-seelische Auge zu fassen, was starke Ansprüche macht an unsere Imagination und was man nicht eigentlich mit scharf umrissenen Linien zeichnen kann.

[ 13 ] Es ist wichtig, gerade auf so etwas hinzuweisen, weil in dem Vorgehen, in der ganzen Einstellung auf die Erscheinungen dasjenige liegt, was die Goethesche Naturbetrachtung unterscheidet von der gegenwärtigen Naturbetrachtung. Diese Goethesche Naturbetrachtung, sie ist vielleicht wesentlich unbequemer als die heutige. Denn es ist im allgemeinen leichter, durch mathematische Linien sich die Dinge auf die Tafel hinzuzeichnen, als dasjenige ins geistig-seelische Auge zu fassen, was starke Ansprüche macht an unsere Imagination und was man nicht eigentlich mit scharf umrissenen Linien zeichnen kann.

[ 14 ] Aber dabei, meine sehr verehrten Anwesenden, zeigt sich zu gleicher Zeit etwas anderes. Goethe geht aus von den physiologischen Farben; das habe ich Ihnen ja dargestellt, als ich seinen Weg charakterisiert habe, durch andere Untersuchungsmethoden zu Erkenntnissen zu kommen, als es die heutigen Untersuchungsmethoden sind. Dann aber gipfelt seine ganzen Betrachtungsweise in dem Kapitel, das er nannte «Sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe». Da geht Goethe gewissermaßen direkt aus dem Physikalischen heraus in das Seelische hinein, und er charakterisiert dann mit einer außerordentlichen Treffsicherheit das ganze Spektrum der Farben. Er charakterisiert den Eindruck, der erlebt wird; er ist ja etwas durchaus objektiv Erlebtes. Wenn er auch im Subjekt erlebt wird, so ist er doch im Subjekt etwas durchaus objektiv Erlebtes, der Eindruck, den, sagen wir, die nach der warmen Seite des Spektrums hin gelegenen Farben machen, rot, gelb. Er schildert sie in ihrer Aktivität, wie sie gewissermaßen auf den Menschen aufreizend oder anregend wirken. Und er schildert, wie dann die Farben, die nach der kalten Seite hin gelegen sind, abregend wirken, zur Hingabe anspornen; und er schildert, wie das Grün in der Mitte eine ausgleichende Wirkung har.

[ 14 ] Aber dabei, meine sehr verehrten Anwesenden, zeigt sich zu gleicher Zeit etwas anderes. Goethe geht aus von den physiologischen Farben; das habe ich Ihnen ja dargestellt, als ich seinen Weg charakterisiert habe, durch andere Untersuchungsmethoden zu Erkenntnissen zu kommen, als es die heutigen Untersuchungsmethoden sind. Dann aber gipfelt seine ganzen Betrachtungsweise in dem Kapitel, das er nannte «Sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe». Da geht Goethe gewissermaßen direkt aus dem Physikalischen heraus in das Seelische hinein, und er charakterisiert dann mit einer außerordentlichen Treffsicherheit das ganze Spektrum der Farben. Er charakterisiert den Eindruck, der erlebt wird; er ist ja etwas durchaus objektiv Erlebtes. Wenn er auch im Subjekt erlebt wird, so ist er doch im Subjekt etwas durchaus objektiv Erlebtes, der Eindruck, den, sagen wir, die nach der warmen Seite des Spektrums hin gelegenen Farben machen, rot, gelb. Er schildert sie in ihrer Aktivität, wie sie gewissermaßen auf den Menschen aufreizend oder anregend wirken. Und er schildert, wie dann die Farben, die nach der kalten Seite hin gelegen sind, abregend wirken, zur Hingabe anspornen; und er schildert, wie das Grün in der Mitte eine ausgleichende Wirkung har.

[ 15 ] Er schildert also gewissermaßen ein Gefühlsspektrum. Und es ist interessant, sich zu vergegenwärtigen, wie da ein seelisch Differenziertes unmittelbar herausspringt aus der geordneten physikalischen Betrachtungsweise. Wer einen solchen Gang der Untersuchungen versteht, der kommt zu folgenden Ergebnissen. Er sagt sich: Die einzelnen Farben des Spektrums stehen vor uns, sie werden erlebt als Entitäten, die sich ausnehmen als vom Menschen durchaus abgesondert. In der gewöhnlichen Lebenserfassung legen wir ganz selbstverständlich und berechtigt den größten Wert darauf, dieses objektive Element, sagen wir im Rot, im Gelb, unmittelbar ins Auge zu fassen. Aber es ist überall da ein Unterton. Es ist, wenn man auf das unmittelbare Erleben sieht, dieses eigentlich nur in der Abstraktion zu trennen von dem, was ein sogenanntes äußerlich vom Menschen abgesondertes Erlebnis der roten Nuance und der blauen Nuance ist in objektivem Sinn; es ist eine abstrakte Absonderung von dem, was ja unmittelbar im Seh-Akt auch miterlebt wird, was aber nur angeschlagen wird, was sozusagen miterlebt wird in einem leisen Unterton, der aber niemals wegbleiben kann, so daß man auf diesem Gebiet rein physikalisch nur betrachten kann, wenn man erst das, was seelisch erlebt wird, abstrahiert von dem Physikalischen.

[ 15 ] Er schildert also gewissermaßen ein Gefühlsspektrum. Und es ist interessant, sich zu vergegenwärtigen, wie da ein seelisch Differenziertes unmittelbar herausspringt aus der geordneten physikalischen Betrachtungsweise. Wer einen solchen Gang der Untersuchungen versteht, der kommt zu folgenden Ergebnissen. Er sagt sich: Die einzelnen Farben des Spektrums stehen vor uns, sie werden erlebt als Entitäten, die sich ausnehmen als vom Menschen durchaus abgesondert. In der gewöhnlichen Lebenserfassung legen wir ganz selbstverständlich und berechtigt den größten Wert darauf, dieses objektive Element, sagen wir im Rot, im Gelb, unmittelbar ins Auge zu fassen. Aber es ist überall da ein Unterton. Es ist, wenn man auf das unmittelbare Erleben sieht, dieses eigentlich nur in der Abstraktion zu trennen von dem, was ein sogenanntes äußerlich vom Menschen abgesondertes Erlebnis der roten Nuance und der blauen Nuance ist in objektivem Sinn; es ist eine abstrakte Absonderung von dem, was ja unmittelbar im Seh-Akt auch miterlebt wird, was aber nur angeschlagen wird, was sozusagen miterlebt wird in einem leisen Unterton, der aber niemals wegbleiben kann, so daß man auf diesem Gebiet rein physikalisch nur betrachten kann, wenn man erst das, was seelisch erlebt wird, abstrahiert von dem Physikalischen.

[ 16 ] Wir haben also zunächst das äußere Spektrum, und wir haben an diesem äußeren Spektrum den Unterton der seelischen Erlebnisse. Wir stehen also mit unseren Sinnen, mit dem Auge, gegenüber der äußeren Welt, und wir können nicht das Auge anders einstellen, als daß meistens, wenn auch oft sogar unbewußt oder unterbewußt, seelisches Erleben mit unterläuft. Wir nennen das, was da durch das Auge erlebt wird, die Empfindung. Wir sind nun gewöhnt, meine sehr verehrten Anwesenden, das, was an der Empfindung erlebt wird, seelisch erlebt wird — an dem sich also ein Reiz, der herrührt von dem objektiv Ausgebreiteten, als Empfindung darstellt —, das Subjektive zu nennen. Aber Sie sehen aus der Art und Weise, wie ich das gerade in Anlehnung an Goethe dargestellt habe, daß wir gewissermaßen ein Gegenspektrum, ein seelisches Gegenspektrum aufstellen können, das ganz genau in Parallele gebracht werden kann mit dem äußeren optischen Spektrum.

[ 16 ] Wir haben also zunächst das äußere Spektrum, und wir haben an diesem äußeren Spektrum den Unterton der seelischen Erlebnisse. Wir stehen also mit unseren Sinnen, mit dem Auge, gegenüber der äußeren Welt, und wir können nicht das Auge anders einstellen, als daß meistens, wenn auch oft sogar unbewußt oder unterbewußt, seelisches Erleben mit unterläuft. Wir nennen das, was da durch das Auge erlebt wird, die Empfindung. Wir sind nun gewöhnt, meine sehr verehrten Anwesenden, das, was an der Empfindung erlebt wird, seelisch erlebt wird — an dem sich also ein Reiz, der herrührt von dem objektiv Ausgebreiteten, als Empfindung darstellt —, das Subjektive zu nennen. Aber Sie sehen aus der Art und Weise, wie ich das gerade in Anlehnung an Goethe dargestellt habe, daß wir gewissermaßen ein Gegenspektrum, ein seelisches Gegenspektrum aufstellen können, das ganz genau in Parallele gebracht werden kann mit dem äußeren optischen Spektrum.

[ 17 ] Wir können ein Spektrum differenzierter Gefühle aufstellen: aufregend, anregend, ausgleichend, hingebend und so weiter. Wenn wir nach außen schauen, sehen wir das Gelb; wir erfühlen daran als Unterton das Anregende, das von außen gewissermaßen aktiv auf uns Wirkende. Wie steht die Sache nun mit dem seelischen Erlebnis? Dieses seelische Erlebnis, das kommt gewissermaßen aus unserem Inneren der Außenwelt entgegen. Aber nehmen wir einmal an, wir wären imstande, ganz genau festzuhalten, was wir an dem Rot, dem Gelb, dem Grün, dem Blau, dem Violett erlebt haben. Nehmen wir an, wir würden die Gefühle differenziert so festhalten können, daß wir im Inneren ein Gefühlsspektrum haben, wie wir von außen das gewöhnliche optische Spektrum haben. Wenn wir uns nun denken, daß von außen her an dem Rot, Gelb, Grün, Blau, Violett, also an dem Objektiven, sich entzünden die Untertöne des Aufregens, Anregens, Ausgleichens, des Hingebungsvollen, wir es also gewissermaßen als etwas die äußeren Erscheinungen Begleitendes sehen, diese äußere Erscheinung also ohne uns da ist, aber durch uns da ist das begleitende Gefühlsspektrum — würde es dann etwas so Absurdes sein vorauszusetzen, daß ebenso auch von innen heraus das geschehen könnte, was sonst ohne unser Zutun von außen diesem Gefühlsspektrum zugrundeliegt? Würde es etwas so Absurdes sein, daß jetzt im Innern das Gefühlsspektrum da wäre und daraus hervorspringen würde im Erleben des Menschen das Farbenspektrum, das jetzt in inneren Bildern erfaßt wird? Geradeso wie sonst das Farbenspektrum da ist und die inneren Gefühlserlebnisse dazukommen durch unser Dabeisein, so könnte es auch sein, daß die Gefühlserlebnisse, die sich im differenzierten Spektrum darstellen lassen, als das Objektive, das nach innen zu gelegene Objektive angesehen würden und jetzt herausspringt als Unterton dasjenige, was sich nun vergleichen läßt mit dem objektiven Farbenspektrum.

[ 17 ] Wir können ein Spektrum differenzierter Gefühle aufstellen: aufregend, anregend, ausgleichend, hingebend und so weiter. Wenn wir nach außen schauen, sehen wir das Gelb; wir erfühlen daran als Unterton das Anregende, das von außen gewissermaßen aktiv auf uns Wirkende. Wie steht die Sache nun mit dem seelischen Erlebnis? Dieses seelische Erlebnis, das kommt gewissermaßen aus unserem Inneren der Außenwelt entgegen. Aber nehmen wir einmal an, wir wären imstande, ganz genau festzuhalten, was wir an dem Rot, dem Gelb, dem Grün, dem Blau, dem Violett erlebt haben. Nehmen wir an, wir würden die Gefühle differenziert so festhalten können, daß wir im Inneren ein Gefühlsspektrum haben, wie wir von außen das gewöhnliche optische Spektrum haben. Wenn wir uns nun denken, daß von außen her an dem Rot, Gelb, Grün, Blau, Violett, also an dem Objektiven, sich entzünden die Untertöne des Aufregens, Anregens, Ausgleichens, des Hingebungsvollen, wir es also gewissermaßen als etwas die äußeren Erscheinungen Begleitendes sehen, diese äußere Erscheinung also ohne uns da ist, aber durch uns da ist das begleitende Gefühlsspektrum — würde es dann etwas so Absurdes sein vorauszusetzen, daß ebenso auch von innen heraus das geschehen könnte, was sonst ohne unser Zutun von außen diesem Gefühlsspektrum zugrundeliegt? Würde es etwas so Absurdes sein, daß jetzt im Innern das Gefühlsspektrum da wäre und daraus hervorspringen würde im Erleben des Menschen das Farbenspektrum, das jetzt in inneren Bildern erfaßt wird? Geradeso wie sonst das Farbenspektrum da ist und die inneren Gefühlserlebnisse dazukommen durch unser Dabeisein, so könnte es auch sein, daß die Gefühlserlebnisse, die sich im differenzierten Spektrum darstellen lassen, als das Objektive, das nach innen zu gelegene Objektive angesehen würden und jetzt herausspringt als Unterton dasjenige, was sich nun vergleichen läßt mit dem objektiven Farbenspektrum.

[ 18 ] Nun behauptet Geisteswissenschaft ja nichts anderes, als daß eine Methode möglich ist, wo das, was ich Ihnen jetzt als ein Postulat hingestellt habe, wirklich [innerlich] so erlebt wird wie aus dem äußeren Erlebnis wo das objektive Spektrum da ist und gewissermaßen als ein Schleier über das objektive Spektrum sich hinzieht das subjektive Gefühlsspektrum. Ebenso kann nun im Innern erlebt werden das Gefühlsspektrum, an das jetzt das Farbenerlebnis sich anschließt. Dies kann wirklich erlebt werden, und es liegt demjenigen zugrunde, was ich gestern mehr abstrakt charakterisiert habe als die Imagination. Es kann durchaus das, was im Raum ausgebreitetes Phänomen, äußeres Phänomen ist, auch als inneres Phänomen hervorgeholt werden aus dem Menschen. Und wie sich das äußere Phänomen gegen uns zu in der Erkenntnis verdünnt, so verdichtet sich das innere Erlebnis, indem es von dem unbewußt in uns entwickelten Bewußtsein — wie ich es gestern angedeutet habe — aufgenommen wird.

[ 18 ] Nun behauptet Geisteswissenschaft ja nichts anderes, als daß eine Methode möglich ist, wo das, was ich Ihnen jetzt als ein Postulat hingestellt habe, wirklich [innerlich] so erlebt wird wie aus dem äußeren Erlebnis wo das objektive Spektrum da ist und gewissermaßen als ein Schleier über das objektive Spektrum sich hinzieht das subjektive Gefühlsspektrum. Ebenso kann nun im Innern erlebt werden das Gefühlsspektrum, an das jetzt das Farbenerlebnis sich anschließt. Dies kann wirklich erlebt werden, und es liegt demjenigen zugrunde, was ich gestern mehr abstrakt charakterisiert habe als die Imagination. Es kann durchaus das, was im Raum ausgebreitetes Phänomen, äußeres Phänomen ist, auch als inneres Phänomen hervorgeholt werden aus dem Menschen. Und wie sich das äußere Phänomen gegen uns zu in der Erkenntnis verdünnt, so verdichtet sich das innere Erlebnis, indem es von dem unbewußt in uns entwickelten Bewußtsein — wie ich es gestern angedeutet habe — aufgenommen wird.

[ 19 ] Man muß sich nur klar sein darüber, meine sehr verehrten Anwesenden, daß das, was in der hier gemeinten Geisteswissenschaft auftritt, durchaus nicht etwa nebulose Phantasien sind, wie es zumeist die Ergebnisse irgendwelcher als «mystische Weltanschauungen» bekannten Träumereien sind. Was hier als anthroposophische Geisteswissenschaft gemeint ist, fußt zwar auf Erlebnissen, die man sonst nicht hat, die erst heranentwickelt werden müssen, die aber in absolut klaren Begriffen gefaßt werden können, die überall mit absolut klaren Begriffen verfolgt werden können.

[ 19 ] Man muß sich nur klar sein darüber, meine sehr verehrten Anwesenden, daß das, was in der hier gemeinten Geisteswissenschaft auftritt, durchaus nicht etwa nebulose Phantasien sind, wie es zumeist die Ergebnisse irgendwelcher als «mystische Weltanschauungen» bekannten Träumereien sind. Was hier als anthroposophische Geisteswissenschaft gemeint ist, fußt zwar auf Erlebnissen, die man sonst nicht hat, die erst heranentwickelt werden müssen, die aber in absolut klaren Begriffen gefaßt werden können, die überall mit absolut klaren Begriffen verfolgt werden können.

[ 20 ] Man kann also sagen, daß Goethe das objektiv Äußere durchaus so dargestellt hat wie ein Mensch, der sich halb instinktiv bewußt ist: Es gibt von dem, was er da äußerlich beschreibt, ein inneres Gegenbild; es gibt zu der äußeren Anschauung eine innere Anschauung. — Wenn man sich erstens einmal hineingefunden hat in diesen Gedankengang, und wenn man sich zweitens Mühe gegeben hat in der gestern angegebenen Richtung wirklich so etwas zu erleben, wie ich es jetzt angedeutet habe, nämlich dasjenige, was differenziertes Gefühlsleben ist, sich aufhellen zu lassen zu Imaginationen, die dann angesprochen werden dürfen mit denselben Worten, mit denen man die äußeren Erscheinungen bezeichnet — wenn man sich zu diesen Dingen aufgeschwungen hat, dann bietet sich einem der Ausblick zu einem Erfassen des Menschen, das ja gerade fehlt in den modernen wissenschaftlichen Anschauungen. Wie sollte man denn auch zu einer Anschauung vom Menschen kommen, wenn man alles künstlich abtrennt, was im Verkehr des Menschen mit der Welt auftritt, wenn man nur nach außen schauen will und gar nicht nach innen? Das und nichts anderes ist es schließlich, was immer wiederum gerade von wissenschaftlicher Seite her als ein Vorwurf gegenüber der Geisteswissenschaft erhoben wird, daß sie nicht wissenschaftlich vorgehe. Ein Vorurteil ist das, das dadurch entstanden ist, daß man von vorneherein nur dasjenige als wissenschaftliche Betrachtung gelten läßt, was vom Menschen abgesondert ist, und gar nicht die Untertöne dabei ins Auge faßt, die den menschlichen Anteil dabei kennzeichnen. Dadurch kann man dann nicht den Übergang finden zu dem, was der Mensch eigentlich in seinem Inneren erlebt. Die Farben, die ich jetzt meine, die ebenso hervorgehen aus dem Gefühlsspektrum, wie das Gefühlsspektrum hervorgeht aus dem äußeren objektiven Spektrum, diese Farben, die werden im imaginativen Anschauen erlebt, und sie bilden ebenso die Vermittlung, das Übersinnliche geistig zu erkennen, wie die äußeren Spektralfarben die Vermittlung bilden, das äußerliche Sinnlich-Körperliche zu erkennen. Man könnte sagen, die Oberflächen der äußeren Körper offenbaren sich in den gewöhnlichen Spektralfarben. Wenn ich mich jetzt in einer etwas merkwürdigen, scheinbar paradoxen Art ausspreche, so müßte ich sagen: Die Oberflächen des Geistigen — selbstverständlich wird jeder vernünftige Mensch wissen, was ich meine, daß ich also nicht irgendeine Kugel meine, wenn ich von einem Geistigen spreche —, die Oberfächen des Geistigen, die sprechen sich aus in denjenigen Farben, die hervorgerufen werden in der Imagination aus dem Gefühlsspektrum. Statt diesen Gedanken zunächst zu verfolgen und sich zu sagen, wenn die äußere Natur eben so ist, wie sie ist, dann muß auch das andere Anschauen möglich sein, dann muß man versuchen zu diesem Anschauen zu kommen — statt sich das zu sagen, also wirklich die Konsequenz aus einer äußeren Naturanschauung zu ziehen, befassen sich ja die Gegner viel mehr damit, Hohn und Spott auf das zu gießen, was die menschliche Aura genannt wird, die ja nichts anderes ist als eben das zum inneren Wahrnehmen Gebrachte, auf anderem Gebiet, wie hier auf dem Gebiet des Gefühlsspektrums.

[ 20 ] Man kann also sagen, daß Goethe das objektiv Äußere durchaus so dargestellt hat wie ein Mensch, der sich halb instinktiv bewußt ist: Es gibt von dem, was er da äußerlich beschreibt, ein inneres Gegenbild; es gibt zu der äußeren Anschauung eine innere Anschauung. — Wenn man sich erstens einmal hineingefunden hat in diesen Gedankengang, und wenn man sich zweitens Mühe gegeben hat in der gestern angegebenen Richtung wirklich so etwas zu erleben, wie ich es jetzt angedeutet habe, nämlich dasjenige, was differenziertes Gefühlsleben ist, sich aufhellen zu lassen zu Imaginationen, die dann angesprochen werden dürfen mit denselben Worten, mit denen man die äußeren Erscheinungen bezeichnet — wenn man sich zu diesen Dingen aufgeschwungen hat, dann bietet sich einem der Ausblick zu einem Erfassen des Menschen, das ja gerade fehlt in den modernen wissenschaftlichen Anschauungen. Wie sollte man denn auch zu einer Anschauung vom Menschen kommen, wenn man alles künstlich abtrennt, was im Verkehr des Menschen mit der Welt auftritt, wenn man nur nach außen schauen will und gar nicht nach innen? Das und nichts anderes ist es schließlich, was immer wiederum gerade von wissenschaftlicher Seite her als ein Vorwurf gegenüber der Geisteswissenschaft erhoben wird, daß sie nicht wissenschaftlich vorgehe. Ein Vorurteil ist das, das dadurch entstanden ist, daß man von vorneherein nur dasjenige als wissenschaftliche Betrachtung gelten läßt, was vom Menschen abgesondert ist, und gar nicht die Untertöne dabei ins Auge faßt, die den menschlichen Anteil dabei kennzeichnen. Dadurch kann man dann nicht den Übergang finden zu dem, was der Mensch eigentlich in seinem Inneren erlebt. Die Farben, die ich jetzt meine, die ebenso hervorgehen aus dem Gefühlsspektrum, wie das Gefühlsspektrum hervorgeht aus dem äußeren objektiven Spektrum, diese Farben, die werden im imaginativen Anschauen erlebt, und sie bilden ebenso die Vermittlung, das Übersinnliche geistig zu erkennen, wie die äußeren Spektralfarben die Vermittlung bilden, das äußerliche Sinnlich-Körperliche zu erkennen. Man könnte sagen, die Oberflächen der äußeren Körper offenbaren sich in den gewöhnlichen Spektralfarben. Wenn ich mich jetzt in einer etwas merkwürdigen, scheinbar paradoxen Art ausspreche, so müßte ich sagen: Die Oberflächen des Geistigen — selbstverständlich wird jeder vernünftige Mensch wissen, was ich meine, daß ich also nicht irgendeine Kugel meine, wenn ich von einem Geistigen spreche —, die Oberfächen des Geistigen, die sprechen sich aus in denjenigen Farben, die hervorgerufen werden in der Imagination aus dem Gefühlsspektrum. Statt diesen Gedanken zunächst zu verfolgen und sich zu sagen, wenn die äußere Natur eben so ist, wie sie ist, dann muß auch das andere Anschauen möglich sein, dann muß man versuchen zu diesem Anschauen zu kommen — statt sich das zu sagen, also wirklich die Konsequenz aus einer äußeren Naturanschauung zu ziehen, befassen sich ja die Gegner viel mehr damit, Hohn und Spott auf das zu gießen, was die menschliche Aura genannt wird, die ja nichts anderes ist als eben das zum inneren Wahrnehmen Gebrachte, auf anderem Gebiet, wie hier auf dem Gebiet des Gefühlsspektrums.

[ 21 ] Aber wenn man sich durchdrungen hat mit dieser Anschauung, meine sehr verehrten Anwesenden, dann hat das allerlei im Gefolge. Es hat zum Beispiel im Gefolge, daß man dieselbe Art der Gedankenrichtung, durch die man versucht, ein Bild zu bekommen von der Art, wie äußere Sinneseindrücke entstehen, nun auch nach dem Innern des Menschen fortsetzt, so daß man sich sagen kann: Es geht irgend etwas vor, das man ja dann erkennen kann, indem der Mensch sich den Sinneseindrücken hingibt und sie bis ins Vorstellen hinein zu seinen eigenen Erlebnissen macht. Aber es muß auch etwas vorgehen im Menschen, wenn er dasjenige wahrnimmt, was in seinem Innern ist, wenn er also seinem Innern sich hingibt. Dann geht da etwas nach innen Gerichtetes vor, ebenso wie sonst etwas vorgeht, wenn er sich mit seiner Anschauung, seiner Wahrnehmung nach außen richtet. Und wenn man dann seine Untersuchungsweise auf dieses einstellt, dann wird von da aus auch ein Licht geworfen auf gewisse physiologische Tatsachen, die sonst, wenn sie uns so wie in der heutigen Wissenschaft entgegentreten, durchaus unbefriedigend sind für den, der ein wirkliches Verständnis sucht und nicht bloß ein solches, das anerzogen ist.

[ 21 ] Aber wenn man sich durchdrungen hat mit dieser Anschauung, meine sehr verehrten Anwesenden, dann hat das allerlei im Gefolge. Es hat zum Beispiel im Gefolge, daß man dieselbe Art der Gedankenrichtung, durch die man versucht, ein Bild zu bekommen von der Art, wie äußere Sinneseindrücke entstehen, nun auch nach dem Innern des Menschen fortsetzt, so daß man sich sagen kann: Es geht irgend etwas vor, das man ja dann erkennen kann, indem der Mensch sich den Sinneseindrücken hingibt und sie bis ins Vorstellen hinein zu seinen eigenen Erlebnissen macht. Aber es muß auch etwas vorgehen im Menschen, wenn er dasjenige wahrnimmt, was in seinem Innern ist, wenn er also seinem Innern sich hingibt. Dann geht da etwas nach innen Gerichtetes vor, ebenso wie sonst etwas vorgeht, wenn er sich mit seiner Anschauung, seiner Wahrnehmung nach außen richtet. Und wenn man dann seine Untersuchungsweise auf dieses einstellt, dann wird von da aus auch ein Licht geworfen auf gewisse physiologische Tatsachen, die sonst, wenn sie uns so wie in der heutigen Wissenschaft entgegentreten, durchaus unbefriedigend sind für den, der ein wirkliches Verständnis sucht und nicht bloß ein solches, das anerzogen ist.

[ 22 ] Wie gesagt, ich werde aphoristisch von verschiedenen Warten her die Dinge beleuchten; wir werden schon zu Zusammenhängen kommen. Sie wissen, in der heutigen Wissenschaft hat man gegeben eine Unterscheidung der Nerven, die sich nach dem Innern des Menschen ausbreiten, die die Vermittlung der Wahrnehmungen sein sollen. Diesen Nerven stellt man gegenüber eine andere Gattung von Nerven, diejenigen Nerven, welche nun von den Zentralorganen zu den menschlichen Gliedern und so weiter hingehen sollen; diesen Nerven soll die Aufgabe obliegen, das Wollen ebenso zu vermitteln, wie den anderen Nerven die Aufgabe obliegen soll, die Sinneswahrnehmungen zu vermitteln. Man hat ja recht nette Konstruktionen ersonnen von einem Leiten der Empfindungen zum Zentralorgan, von einem Umformen dort in Willensimpulse, von einem Innervieren der motorischen Nerven, die dann dasjenige vermitteln sollen, was aus dem Willen heraus zur Bewegung und dergleichen führt. Gewiß, diejenigen Dinge, die man anführt, um die Unterscheidung dieser zwei Nervengattungen zu rechtfertigen, sind sehr verführerisch. Ich brauche nur zu erinnern an das, was man zum Beispiel glaubt studieren zu können an einer bekannten, sehr schmerzlichen Erkrankung, der Tabes. Da glaubt man, daß ja natürlich alles das, was sensitive Nerven sind, intakt ist, daß nur die motorischen Nerven Schädigungen erlitten haben.

[ 22 ] Wie gesagt, ich werde aphoristisch von verschiedenen Warten her die Dinge beleuchten; wir werden schon zu Zusammenhängen kommen. Sie wissen, in der heutigen Wissenschaft hat man gegeben eine Unterscheidung der Nerven, die sich nach dem Innern des Menschen ausbreiten, die die Vermittlung der Wahrnehmungen sein sollen. Diesen Nerven stellt man gegenüber eine andere Gattung von Nerven, diejenigen Nerven, welche nun von den Zentralorganen zu den menschlichen Gliedern und so weiter hingehen sollen; diesen Nerven soll die Aufgabe obliegen, das Wollen ebenso zu vermitteln, wie den anderen Nerven die Aufgabe obliegen soll, die Sinneswahrnehmungen zu vermitteln. Man hat ja recht nette Konstruktionen ersonnen von einem Leiten der Empfindungen zum Zentralorgan, von einem Umformen dort in Willensimpulse, von einem Innervieren der motorischen Nerven, die dann dasjenige vermitteln sollen, was aus dem Willen heraus zur Bewegung und dergleichen führt. Gewiß, diejenigen Dinge, die man anführt, um die Unterscheidung dieser zwei Nervengattungen zu rechtfertigen, sind sehr verführerisch. Ich brauche nur zu erinnern an das, was man zum Beispiel glaubt studieren zu können an einer bekannten, sehr schmerzlichen Erkrankung, der Tabes. Da glaubt man, daß ja natürlich alles das, was sensitive Nerven sind, intakt ist, daß nur die motorischen Nerven Schädigungen erlitten haben.

[ 23 ] Alles, was nach dieser Richtung hin eben aus einer vorgefaßten Einstellung über die Dinge gesagt wird, das hat etwas durchaus Verführerisches. Auf der anderen Seite allerdings müßte man doch stutzig werden erstens durch den anatomischen Befund, der keineswegs irgendeinen Anhaltspunkt gibt zur Unterscheidung dieser Nervenarten, und zweitens auch dadurch, daß die eine Nervenart in die andere übergeführt werden kann. Wenn man die eine durchschneidet und an der Durchschnittstelle einen sensitiven und einen motorischen Nerv verbindet, so können durchaus diese Nerven zu einem einheitlichen gestaltet werden. Man müßte durch solche Dinge, die ja bekannt sind, doch stutzig werden, aber wenn man einmal die Erklärung in eine bestimmte Richtung gebracht hat, dann fährt man in dieser Richtung fort zu denken, und man kann dann eigentlich gar nicht mehr dazu gebracht werden, die Sache wirklich primär zu untersuchen.

[ 23 ] Alles, was nach dieser Richtung hin eben aus einer vorgefaßten Einstellung über die Dinge gesagt wird, das hat etwas durchaus Verführerisches. Auf der anderen Seite allerdings müßte man doch stutzig werden erstens durch den anatomischen Befund, der keineswegs irgendeinen Anhaltspunkt gibt zur Unterscheidung dieser Nervenarten, und zweitens auch dadurch, daß die eine Nervenart in die andere übergeführt werden kann. Wenn man die eine durchschneidet und an der Durchschnittstelle einen sensitiven und einen motorischen Nerv verbindet, so können durchaus diese Nerven zu einem einheitlichen gestaltet werden. Man müßte durch solche Dinge, die ja bekannt sind, doch stutzig werden, aber wenn man einmal die Erklärung in eine bestimmte Richtung gebracht hat, dann fährt man in dieser Richtung fort zu denken, und man kann dann eigentlich gar nicht mehr dazu gebracht werden, die Sache wirklich primär zu untersuchen.

[ 24 ] Verfolgt man tatsächlich dasjenige, was man unbefangen betrachten kann als die Sinnesvorgänge und als die motorischen Vorgänge, so wird man in Wirklichkeit keinen Anhaltspunkt finden, um eine solche Unterscheidung der Nerven vorzunehmen. Aber wenn man nicht von einseitigen, sondern von totalen Voraussetzungen ausgeht, wird man genötigt sein, ebenso nach innen hin Empfindungsvermittlungen vorauszusetzen, wie man Empfindungsvermittlungen nach außen anerkennt. So wie man die Empfindungsvermittlung durch den Nerv von außen her anerkennt, wodurch man innerlich zum Bewußtsein irgendeiner Entität der Außenwelt kommt, ebenso notwendig ist es, daß ein Bewußtsein vermittelt wird von dem, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist; es ist notwendig, daß ein wirkliches Empfinden desjenigen auftritt, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist. Und man wird, wenn man die Untersuchung in dieser Weise fortsetzt, in den sogenannten motorischen Nerven nichts anderes finden als diejenigen Nerven, welche ebenso die Wahrnehmungen des Körperinnern vermitteln, wie die sogenannten sensitiven Nerven die äußeren Entitäten vermitteln. Wir haben auf der einen Seite Nerven, welche uns in Zusammenhang bringen mit der Außenwelt; wir haben auf der anderen Seite Nerven, die uns in Zusammenhang bringen mit unserer eigenen inneren Welt. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn unsere Sehnerven nicht funktionieren und wir blind sind, wir nicht nach einem Gegenstand greifen können; und wenn der motorische — aber in Wahrheit der sensitive — Nerv, der vermitteln soll, daß ein Glied eine Bewegung ausführen soll, wenn der nicht in uns ist, so nehmen wir einfach das betreffende Glied, die betreffenden Vorgänge in dem Glied nicht wahr, und wir können die Bewegungen nicht ausführen. Ein wirklich konsequentes Denken zeigt uns durchaus, daß wir uns dasjenige, was motorische Nerven genannt wird, als Empfindungsnerven vorzustellen haben — nur als solche, die die inneren Empfindungen vermitteln, die Empfindungen des eigenen Körperinnern, der Vorgänge im eigenen Körperinnern. Sie werden sich überzeugen, daß, wenn Sie eine solche Vorstellung, wie ich sie eben vor Sie hingestellt habe, nun wirklich auf das anwenden, was heute durchaus schon empirisch gegebene Tatsachen sind, Sie dann überall das, was diese empirischen Tatsachen darstellen, widerspruchsfrei durchschauen können, und daß derjenige, der wirklich konsequent denkt, mit den Theorien, wie sie zum Beispiel existieren von dem Unterschied der sensitiven und motorischen Nerven, eigentlich doch nichts anfangen kann, weil sie in Wirklichkeit fortwährend zu Widersprüchen führen.

[ 24 ] Verfolgt man tatsächlich dasjenige, was man unbefangen betrachten kann als die Sinnesvorgänge und als die motorischen Vorgänge, so wird man in Wirklichkeit keinen Anhaltspunkt finden, um eine solche Unterscheidung der Nerven vorzunehmen. Aber wenn man nicht von einseitigen, sondern von totalen Voraussetzungen ausgeht, wird man genötigt sein, ebenso nach innen hin Empfindungsvermittlungen vorauszusetzen, wie man Empfindungsvermittlungen nach außen anerkennt. So wie man die Empfindungsvermittlung durch den Nerv von außen her anerkennt, wodurch man innerlich zum Bewußtsein irgendeiner Entität der Außenwelt kommt, ebenso notwendig ist es, daß ein Bewußtsein vermittelt wird von dem, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist; es ist notwendig, daß ein wirkliches Empfinden desjenigen auftritt, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist. Und man wird, wenn man die Untersuchung in dieser Weise fortsetzt, in den sogenannten motorischen Nerven nichts anderes finden als diejenigen Nerven, welche ebenso die Wahrnehmungen des Körperinnern vermitteln, wie die sogenannten sensitiven Nerven die äußeren Entitäten vermitteln. Wir haben auf der einen Seite Nerven, welche uns in Zusammenhang bringen mit der Außenwelt; wir haben auf der anderen Seite Nerven, die uns in Zusammenhang bringen mit unserer eigenen inneren Welt. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn unsere Sehnerven nicht funktionieren und wir blind sind, wir nicht nach einem Gegenstand greifen können; und wenn der motorische — aber in Wahrheit der sensitive — Nerv, der vermitteln soll, daß ein Glied eine Bewegung ausführen soll, wenn der nicht in uns ist, so nehmen wir einfach das betreffende Glied, die betreffenden Vorgänge in dem Glied nicht wahr, und wir können die Bewegungen nicht ausführen. Ein wirklich konsequentes Denken zeigt uns durchaus, daß wir uns dasjenige, was motorische Nerven genannt wird, als Empfindungsnerven vorzustellen haben — nur als solche, die die inneren Empfindungen vermitteln, die Empfindungen des eigenen Körperinnern, der Vorgänge im eigenen Körperinnern. Sie werden sich überzeugen, daß, wenn Sie eine solche Vorstellung, wie ich sie eben vor Sie hingestellt habe, nun wirklich auf das anwenden, was heute durchaus schon empirisch gegebene Tatsachen sind, Sie dann überall das, was diese empirischen Tatsachen darstellen, widerspruchsfrei durchschauen können, und daß derjenige, der wirklich konsequent denkt, mit den Theorien, wie sie zum Beispiel existieren von dem Unterschied der sensitiven und motorischen Nerven, eigentlich doch nichts anfangen kann, weil sie in Wirklichkeit fortwährend zu Widersprüchen führen.

[ 25 ] Da habe ich Ihnen etwas angedeutet, wo anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft auf die Auffassung des menschlichen Organismus hinzielt. Sie tut das wahrhaftig nicht aus irgendeinem Vorurteil heraus, sondern sie tut dies aus einer objektiven Betrachtung der Tatsachen — nur daß sie das Organ, das diese Tatsachen betrachtet, so umgestaltet, daß zur gewöhnlichen gegenständlichen Wahrnehmung die imaginative Wahrnehmung im Sinne des gestern Auseinandergesetzten dazugetreten ist.

[ 25 ] Da habe ich Ihnen etwas angedeutet, wo anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft auf die Auffassung des menschlichen Organismus hinzielt. Sie tut das wahrhaftig nicht aus irgendeinem Vorurteil heraus, sondern sie tut dies aus einer objektiven Betrachtung der Tatsachen — nur daß sie das Organ, das diese Tatsachen betrachtet, so umgestaltet, daß zur gewöhnlichen gegenständlichen Wahrnehmung die imaginative Wahrnehmung im Sinne des gestern Auseinandergesetzten dazugetreten ist.

[ 26 ] Und wenn wir uns wiederum umschauen nach einem anderen Gebiet des heutigen Forschens, dann müssen wir sagen: Wir haben heute ein merkwürdiges Gebilde zum Beispiel als Psychologie. Sehen Sie sich nur das an — aber sehen Sie es an mit gesunder Urteilskraft —, was Theodor Ziehen zum Beispiel seine «physiologische Psychologie» nennt. Da werden Sie zunächst auf die Tatsache hingewiesen, daß wir Vorstellungen haben. Da werden auch die Vorstellungen in bezug auf ihre Qualitäten untersucht, soweit das Beobachtungsvermögen eines solchen Forschers geht. Es werden die Verkettungen, die Assoziationen der Vorstellungen untersucht und so weiter. Es wird also gewissermaßen das Vorstellungsvermögen, so wie es in der empirischen Wirklichkeit gegeben ist, erfaßt. Dann wird diesem psychologischen Vorstellungsfeld mit seinen verschiedenen Prozessen das gegenübergestellt, was die Gehirn-Nerven-Physiologie gibt; und es ist ja nicht zu leugnen, daß sich da wirklich in einem höheren Grade Parallelisierungen ergeben zwischen der Gehirnstruktur und demjenigen, was als die Tatsachen des Vorstellungslebens zutagetritt. Nun umfaßt aber das Seelenleben ja nicht bloß Vorstellungen, es umfaßt auch Gefühls- und Willensimpulse. Und nun sehe man sich einmal an, was in dieser «physiologischen Psychologie» aus dem Gefühl gemacht wird. Es wird einfach statuiert: Gefühle als solche — die ja doch nun wirklich ein recht reales Erleben sind —, die werden überhaupt nicht betrachtet, sondern es wird nur die «Gefühlsbetonung» des Vorstellungslebens betrachtet. Es wird betrachtet, wie mit den Vorstellungen, die sich also nach Assoziationsgesetzen verbinden — der Verbindung entspricht eine gewisse Struktur des Nerven-, des Gehirnbaues —, wie sich damit verbinden die Gefühlsbetonungen. Also diese Gefühlsbetonungen sind Anhängsel des Vorstellungslebens. Es wird gewissermaßen hingewiesen vom Vorstellungsleben auf etwas, was sich so ins Unbestimmte verliert. Es verliert sich ins Unbestimmte die Gefühlsbetonung des Vorstellungslebens.

[ 26 ] Und wenn wir uns wiederum umschauen nach einem anderen Gebiet des heutigen Forschens, dann müssen wir sagen: Wir haben heute ein merkwürdiges Gebilde zum Beispiel als Psychologie. Sehen Sie sich nur das an — aber sehen Sie es an mit gesunder Urteilskraft —, was Theodor Ziehen zum Beispiel seine «physiologische Psychologie» nennt. Da werden Sie zunächst auf die Tatsache hingewiesen, daß wir Vorstellungen haben. Da werden auch die Vorstellungen in bezug auf ihre Qualitäten untersucht, soweit das Beobachtungsvermögen eines solchen Forschers geht. Es werden die Verkettungen, die Assoziationen der Vorstellungen untersucht und so weiter. Es wird also gewissermaßen das Vorstellungsvermögen, so wie es in der empirischen Wirklichkeit gegeben ist, erfaßt. Dann wird diesem psychologischen Vorstellungsfeld mit seinen verschiedenen Prozessen das gegenübergestellt, was die Gehirn-Nerven-Physiologie gibt; und es ist ja nicht zu leugnen, daß sich da wirklich in einem höheren Grade Parallelisierungen ergeben zwischen der Gehirnstruktur und demjenigen, was als die Tatsachen des Vorstellungslebens zutagetritt. Nun umfaßt aber das Seelenleben ja nicht bloß Vorstellungen, es umfaßt auch Gefühls- und Willensimpulse. Und nun sehe man sich einmal an, was in dieser «physiologischen Psychologie» aus dem Gefühl gemacht wird. Es wird einfach statuiert: Gefühle als solche — die ja doch nun wirklich ein recht reales Erleben sind —, die werden überhaupt nicht betrachtet, sondern es wird nur die «Gefühlsbetonung» des Vorstellungslebens betrachtet. Es wird betrachtet, wie mit den Vorstellungen, die sich also nach Assoziationsgesetzen verbinden — der Verbindung entspricht eine gewisse Struktur des Nerven-, des Gehirnbaues —, wie sich damit verbinden die Gefühlsbetonungen. Also diese Gefühlsbetonungen sind Anhängsel des Vorstellungslebens. Es wird gewissermaßen hingewiesen vom Vorstellungsleben auf etwas, was sich so ins Unbestimmte verliert. Es verliert sich ins Unbestimmte die Gefühlsbetonung des Vorstellungslebens.

[ 27 ] Man kann nicht weiterkommen, wenn man parallelisiert mit dem Vorstellungsleben die Gehirn-, die Nervenstruktur. Man sieht sich gezwungen, vom Vorstellungsleben gar nicht überzugehen zum Gefühlsleben, sondern das Gefühlsleben nur als besondere Betonung des Vorstellungslebens anzusehen. Nun hat man also das Gefühlsleben in der psychologischen Betrachtung verloren. Man hat gerade sein Augenmerk darauf gerichtet, daß die Vorstellungen Gefühlsbetonungen haben — dann verschwindet das Gefühlsleben hinein in ein unbestimmtes X. Wir leben zwar gerade recht real in diesen Gefühlen, aber für den modernen Psychologen verschwinden sie ins Nichts. Etwas, was wir so stark identifizieren mit unserem menschlichen Selbst wie das Gefühlsleben, das soll mit dem Erkennen überhaupt nicht mehr erfaßt werden können.

[ 27 ] Man kann nicht weiterkommen, wenn man parallelisiert mit dem Vorstellungsleben die Gehirn-, die Nervenstruktur. Man sieht sich gezwungen, vom Vorstellungsleben gar nicht überzugehen zum Gefühlsleben, sondern das Gefühlsleben nur als besondere Betonung des Vorstellungslebens anzusehen. Nun hat man also das Gefühlsleben in der psychologischen Betrachtung verloren. Man hat gerade sein Augenmerk darauf gerichtet, daß die Vorstellungen Gefühlsbetonungen haben — dann verschwindet das Gefühlsleben hinein in ein unbestimmtes X. Wir leben zwar gerade recht real in diesen Gefühlen, aber für den modernen Psychologen verschwinden sie ins Nichts. Etwas, was wir so stark identifizieren mit unserem menschlichen Selbst wie das Gefühlsleben, das soll mit dem Erkennen überhaupt nicht mehr erfaßt werden können.

[ 28 ] Und die Willensimpulse, die das eigentlich real von uns Ausgehende für die Außenwelt bilden, die Willensimpulse, für die gibt es in einer solchen physiologischen Psychologie überhaupt keine Möglichkeit, auch nur mit der Betrachtung anzufangen. Für die Gefühle fängt man wenigstens bei dem Vorstellungsleben an und betrachtet sie, insofern sie Gefühlsbetonungen des Vorstellungslebens sind; aber die Willensimpulse, die betrachtet man so, daß man eigentlich dasjenige, was sie im Gefolge haben, nur von außen ansieht. Man sieht seinen Arm sich bewegen, wenn irgendein Willensimpuls da ist; man sieht den Erfolg des Willensimpulses. Man betrachtet also den Willensimpuls von der Außenseite. Es fällt einem gar nicht ein, irgendwie den Weg zu suchen, um wirklich zu der Betrachtungsweise des Willensimpulses zu kommen.

[ 28 ] Und die Willensimpulse, die das eigentlich real von uns Ausgehende für die Außenwelt bilden, die Willensimpulse, für die gibt es in einer solchen physiologischen Psychologie überhaupt keine Möglichkeit, auch nur mit der Betrachtung anzufangen. Für die Gefühle fängt man wenigstens bei dem Vorstellungsleben an und betrachtet sie, insofern sie Gefühlsbetonungen des Vorstellungslebens sind; aber die Willensimpulse, die betrachtet man so, daß man eigentlich dasjenige, was sie im Gefolge haben, nur von außen ansieht. Man sieht seinen Arm sich bewegen, wenn irgendein Willensimpuls da ist; man sieht den Erfolg des Willensimpulses. Man betrachtet also den Willensimpuls von der Außenseite. Es fällt einem gar nicht ein, irgendwie den Weg zu suchen, um wirklich zu der Betrachtungsweise des Willensimpulses zu kommen.

[ 29 ] So gliedert sich für den modernen Psychologen in einer gewissen Weise noch zusammen das Vorstellungsleben mit dem Nervenleben. Er findet in einer gewissen Weise, mehr oder weniger materialistisch oder, wie eine gewisse Theorie will, nach dem Prinzip des psychophysischen Parallelismus, noch eine Beziehung, wenn sie auch so äußerlich ist wie bei dem psycho-physischen Parallelismus, zwischen der Struktur des Vorstellungslebens und der Struktur von irgend etwas Leiblichem, aber dann hört die Sache auf, dann geht man absolut nicht weiter.

[ 29 ] So gliedert sich für den modernen Psychologen in einer gewissen Weise noch zusammen das Vorstellungsleben mit dem Nervenleben. Er findet in einer gewissen Weise, mehr oder weniger materialistisch oder, wie eine gewisse Theorie will, nach dem Prinzip des psychophysischen Parallelismus, noch eine Beziehung, wenn sie auch so äußerlich ist wie bei dem psycho-physischen Parallelismus, zwischen der Struktur des Vorstellungslebens und der Struktur von irgend etwas Leiblichem, aber dann hört die Sache auf, dann geht man absolut nicht weiter.

[ 30 ] Daher jene hoffnungslose Theorie, die immer wieder aufgewärmt und immer wiederum widerlegt wird, von dem Zusammenwirken des Seelisch-Geistigen mit dem Physisch-Leiblichen. Man kennt nicht den wirklichen, empirischen Zusammenhang zwischen dem Seelisch-Geistigen und dem Physisch-Leiblichen. Man untersucht nicht im einzelnen konkret diesen Zusammenhang, wie man im einzelnen konkret den Zusammenhang von Sauerstoff und Wasserstoff untersucht, sondern man stellt darüber allerlei abstrakte Theorien auf, die dann natürlich immer wiederum widerlegt werden können. Denn es ist ein Grundgesetz, daß dasjenige, was nur theoretisch aus Begriffen heraus konstruiert ist, immer ebensoviel für sich wie gegen sich hat, daß man es ebenso leicht beweisen wie widerlegen kann. Darauf beruht das Geheimnis vieler wissenschaftlicher Diskussionen der Gegenwart, daß Theorien, die auf diese Weise aufgebaut werden, sich ebenso gut bejahen wie verneinen lassen. So ist es mit dem, was da auftritt als eine durchaus ungenügende Erkenntnis vom Menschen. Der Mensch ist eben ausgeschaltet worden in der modernen Wissenschaftsgesinnung.

[ 30 ] Daher jene hoffnungslose Theorie, die immer wieder aufgewärmt und immer wiederum widerlegt wird, von dem Zusammenwirken des Seelisch-Geistigen mit dem Physisch-Leiblichen. Man kennt nicht den wirklichen, empirischen Zusammenhang zwischen dem Seelisch-Geistigen und dem Physisch-Leiblichen. Man untersucht nicht im einzelnen konkret diesen Zusammenhang, wie man im einzelnen konkret den Zusammenhang von Sauerstoff und Wasserstoff untersucht, sondern man stellt darüber allerlei abstrakte Theorien auf, die dann natürlich immer wiederum widerlegt werden können. Denn es ist ein Grundgesetz, daß dasjenige, was nur theoretisch aus Begriffen heraus konstruiert ist, immer ebensoviel für sich wie gegen sich hat, daß man es ebenso leicht beweisen wie widerlegen kann. Darauf beruht das Geheimnis vieler wissenschaftlicher Diskussionen der Gegenwart, daß Theorien, die auf diese Weise aufgebaut werden, sich ebenso gut bejahen wie verneinen lassen. So ist es mit dem, was da auftritt als eine durchaus ungenügende Erkenntnis vom Menschen. Der Mensch ist eben ausgeschaltet worden in der modernen Wissenschaftsgesinnung.

[ 31 ] Dem habe ich das gegenübergestellt, was sich mir ergeben hat über die organische Dreigliederung des menschlichen Wesens. Es ist das Ergebnis einer mehr als dreißig Jahre langen Forschung; und ich konnte mich überzeugen davon, daß dasjenige, was ich Ihnen heute skizzieren werde — ich werde noch von verschiedenen Seiten her darauf zurückkommen in den nächsten Tagen —, ich kann Ihnen versichern, daß ich überall nachgegangen bin den Resultaten der heutigen wissenschaftlichen Forschung, um an ihnen zu verifizieren dasjenige, was sich aus reiner Geisteswissenschaft heraus eben im Lauf der Jahrzehnte ergeben hat. Und ich würde dasjenige, was ich vor einigen Jahren in meinem Buche «Von Seelenrätseln» über diese Ergebnisse mitgeteilt habe, nicht früher mich auszusprechen getraut haben, als bis es mir nun tatsächlich als vollständig verifiziert erschienen ist. Man glaubt immer, der Geisteswissenschafter rede nur so aus der Willkür heraus. In Wahrheit fordern die geisteswissenschaftlichen Untersuchungen geradeso jahrelange Arbeit wie die anderen wissenschaftlichen Untersuchungen.

[ 31 ] Dem habe ich das gegenübergestellt, was sich mir ergeben hat über die organische Dreigliederung des menschlichen Wesens. Es ist das Ergebnis einer mehr als dreißig Jahre langen Forschung; und ich konnte mich überzeugen davon, daß dasjenige, was ich Ihnen heute skizzieren werde — ich werde noch von verschiedenen Seiten her darauf zurückkommen in den nächsten Tagen —, ich kann Ihnen versichern, daß ich überall nachgegangen bin den Resultaten der heutigen wissenschaftlichen Forschung, um an ihnen zu verifizieren dasjenige, was sich aus reiner Geisteswissenschaft heraus eben im Lauf der Jahrzehnte ergeben hat. Und ich würde dasjenige, was ich vor einigen Jahren in meinem Buche «Von Seelenrätseln» über diese Ergebnisse mitgeteilt habe, nicht früher mich auszusprechen getraut haben, als bis es mir nun tatsächlich als vollständig verifiziert erschienen ist. Man glaubt immer, der Geisteswissenschafter rede nur so aus der Willkür heraus. In Wahrheit fordern die geisteswissenschaftlichen Untersuchungen geradeso jahrelange Arbeit wie die anderen wissenschaftlichen Untersuchungen.

[ 32 ] Was sich mir da ergeben hat, das ist, daß nur das menschliche Vorstellungsvermögen, das menschliche Vorstellungsfeld, in seiner Struktur einen Zusammenhang hat mit demjenigen, was man das Nerven-Sinnesleben nennen kann. Weil man von dem Vorurteil ausgegangen ist, daß das ganze Seelenleben zusammenhängen müsse mit dem Nerven-Sinnesleben, deshalb verlor man zwei Glieder des Seelenlebens. Man kann eben nichts anderes in Zusammenhang bringen mit dem NervenSinnesleben als das Vorstellungsleben. Man kann nicht das Gefühlsleben und nicht das Willensleben mit dem Nerven-Sinnesleben in unmittelbaren Zusammenhang bringen — in einen mittelbaren allerdings, weil eben auch die Gefühle vorgestellt und die Willensimpulse vorgestellt werden; dadurch kommt ein mittelbarer Zusammenhang heraus. Aber man kann einen unmittelbaren Zusammenhang nicht finden zwischen dem, was Gefühlsleben ist, und dem Nerven-Sinnesleben.

[ 32 ] Was sich mir da ergeben hat, das ist, daß nur das menschliche Vorstellungsvermögen, das menschliche Vorstellungsfeld, in seiner Struktur einen Zusammenhang hat mit demjenigen, was man das Nerven-Sinnesleben nennen kann. Weil man von dem Vorurteil ausgegangen ist, daß das ganze Seelenleben zusammenhängen müsse mit dem Nerven-Sinnesleben, deshalb verlor man zwei Glieder des Seelenlebens. Man kann eben nichts anderes in Zusammenhang bringen mit dem NervenSinnesleben als das Vorstellungsleben. Man kann nicht das Gefühlsleben und nicht das Willensleben mit dem Nerven-Sinnesleben in unmittelbaren Zusammenhang bringen — in einen mittelbaren allerdings, weil eben auch die Gefühle vorgestellt und die Willensimpulse vorgestellt werden; dadurch kommt ein mittelbarer Zusammenhang heraus. Aber man kann einen unmittelbaren Zusammenhang nicht finden zwischen dem, was Gefühlsleben ist, und dem Nerven-Sinnesleben.

[ 33 ] Dagegen gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Gefühlsleben und dem Ablauf all derjenigen Prozesse im menschlichen Organismus, die rhythmisch sind, wie Atmen, Blutzirkulation und so weiter, so daß wir sagen müssen: Ebenso wie das Vorstellungsleben mit dem Nerven-Sinnesleben zusammenhängt, so hängt das Gefühlsleben zusammen mit dem rhythmischen System.

[ 33 ] Dagegen gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Gefühlsleben und dem Ablauf all derjenigen Prozesse im menschlichen Organismus, die rhythmisch sind, wie Atmen, Blutzirkulation und so weiter, so daß wir sagen müssen: Ebenso wie das Vorstellungsleben mit dem Nerven-Sinnesleben zusammenhängt, so hängt das Gefühlsleben zusammen mit dem rhythmischen System.

[ 34 ] Es ist interessant — ich habe schon aufmerksam gemacht darauf in dem Buche «Von Seelenrätseln» —, einmal das musikalische Erlebnis unter diesen Voraussetzungen zu prüfen. Wer sich einmal befaßt hat mit der Analyse des musikalischen Erlebnisses, der wird wissen, wieviel in diesem musikalischen Erlebnis durchaus Gefühlsmäßiges drinnensteckt, wie aber doch dieses Gefühlsmäßige in einer gewissen Beziehung zum Vorstellungsleben stehen muß. Wir könnten sonst in das musikalische Erlebnis nicht die differenzierte Melodie hereinbringen; wir könnten nicht einmal den einzelnen Ton in seiner objektiven Erfassung drinnen haben, wenn nicht in irgendeiner Weise das Vorstellungserlebnis mit dem Gefühlserlebnis im musikalischen Gesamterlebnis zusammenkämen. Aber immer wieder, und zwar mit Recht, wird betont, das Hauptsächliche beim musikalischen Erlebnis ist das Gefühlserlebnis. Und solche Leute wie Eduard Hanslik in seinem Buche «Vom musikalisch Schönen», sie gehen zu weit, wenn sie das Gefühlserlebnis ganz ausschalten wollen und das Musikalische mehr oder weniger nur in einem Erleben von Tonarabesken sehen wollen. Aber es muß dieses musikalische Erlebnis weiter analysiert werden. Dann kommen wir dazu, dieses musikalische Erlebnis, dem ja in der Objektivität durchaus Rhythmisches und mit Rhythmischem Verwandtes entspricht, in Zusammenhang zu bringen mit demjenigen, was in uns selber gewissermaßen musikalisch verläuft: mit den Vorgängen unseres rhythmischen Systems. Man kann nun in einer restlosen Weise verfolgen, wie durch den Einatmungsprozeß das Gehirnwasser durch den Rückenmarkkanal nach dem Gehirn hingedrängt wird, wie es gewissermaßen anstößt an das Gehirn und wie es wiederum herunterschwingt bei dem Ausatmungsprozeß. Man kann verfolgen, wie nun durch die Modifikation des Atmungsprozesses auch der Rhythmus modifiziert wird in diesem auf- und absteigenden Gehirnwasser. Und man wird, wenn man dieser Anschauung nur mit derselben Objektivität zu Leibe geht wie anderen objektiven Anschauungen der Außenwelt, dazu kommen zu prüfen, wie zum Beispiel das Atmungserlebnis sich modifiziert im Gesang. Man wird irgend etwas, was sich im Gesang als musikalisches Erlebnis ausspricht, im Atmungserlebnis wiederfinden; das Atmungserlebnis wird man im schwingenden Gehirnwasser wiederfinden. Man wird dann den Zusammenschluß dieses rhythmischen Vorgangs im menschlichen Organismus mit dem Nerven-Sinnesvorgang im Gehirn erkennen und wird so die Wechselwirkung des rhythmischen Systems und des Nerven-Sinnessystems erkennen. Und man wird dann sondern können dasjenige, was entspricht dem Gefühlserlebnis, was im menschlichen Organismus durchaus das rhythmische System ist.

[ 34 ] Es ist interessant — ich habe schon aufmerksam gemacht darauf in dem Buche «Von Seelenrätseln» —, einmal das musikalische Erlebnis unter diesen Voraussetzungen zu prüfen. Wer sich einmal befaßt hat mit der Analyse des musikalischen Erlebnisses, der wird wissen, wieviel in diesem musikalischen Erlebnis durchaus Gefühlsmäßiges drinnensteckt, wie aber doch dieses Gefühlsmäßige in einer gewissen Beziehung zum Vorstellungsleben stehen muß. Wir könnten sonst in das musikalische Erlebnis nicht die differenzierte Melodie hereinbringen; wir könnten nicht einmal den einzelnen Ton in seiner objektiven Erfassung drinnen haben, wenn nicht in irgendeiner Weise das Vorstellungserlebnis mit dem Gefühlserlebnis im musikalischen Gesamterlebnis zusammenkämen. Aber immer wieder, und zwar mit Recht, wird betont, das Hauptsächliche beim musikalischen Erlebnis ist das Gefühlserlebnis. Und solche Leute wie Eduard Hanslik in seinem Buche «Vom musikalisch Schönen», sie gehen zu weit, wenn sie das Gefühlserlebnis ganz ausschalten wollen und das Musikalische mehr oder weniger nur in einem Erleben von Tonarabesken sehen wollen. Aber es muß dieses musikalische Erlebnis weiter analysiert werden. Dann kommen wir dazu, dieses musikalische Erlebnis, dem ja in der Objektivität durchaus Rhythmisches und mit Rhythmischem Verwandtes entspricht, in Zusammenhang zu bringen mit demjenigen, was in uns selber gewissermaßen musikalisch verläuft: mit den Vorgängen unseres rhythmischen Systems. Man kann nun in einer restlosen Weise verfolgen, wie durch den Einatmungsprozeß das Gehirnwasser durch den Rückenmarkkanal nach dem Gehirn hingedrängt wird, wie es gewissermaßen anstößt an das Gehirn und wie es wiederum herunterschwingt bei dem Ausatmungsprozeß. Man kann verfolgen, wie nun durch die Modifikation des Atmungsprozesses auch der Rhythmus modifiziert wird in diesem auf- und absteigenden Gehirnwasser. Und man wird, wenn man dieser Anschauung nur mit derselben Objektivität zu Leibe geht wie anderen objektiven Anschauungen der Außenwelt, dazu kommen zu prüfen, wie zum Beispiel das Atmungserlebnis sich modifiziert im Gesang. Man wird irgend etwas, was sich im Gesang als musikalisches Erlebnis ausspricht, im Atmungserlebnis wiederfinden; das Atmungserlebnis wird man im schwingenden Gehirnwasser wiederfinden. Man wird dann den Zusammenschluß dieses rhythmischen Vorgangs im menschlichen Organismus mit dem Nerven-Sinnesvorgang im Gehirn erkennen und wird so die Wechselwirkung des rhythmischen Systems und des Nerven-Sinnessystems erkennen. Und man wird dann sondern können dasjenige, was entspricht dem Gefühlserlebnis, was im menschlichen Organismus durchaus das rhythmische System ist.

[ 35 ] Es ist eben notwendig, diesen Dingen mit einer sorgfältigen Analyse zu Leibe zu gehen, dann bieten sie durchaus die Möglichkeit, auch im Menschen selber das zu finden, was nun ein wirkliches Bild der menschlichen Organisation gibt.

[ 35 ] Es ist eben notwendig, diesen Dingen mit einer sorgfältigen Analyse zu Leibe zu gehen, dann bieten sie durchaus die Möglichkeit, auch im Menschen selber das zu finden, was nun ein wirkliches Bild der menschlichen Organisation gibt.

[ 36 ] Als drittes stellt sich heraus, daß die Willensimpulse zusammenhängen mit den Stoffwechselvorgängen des menschlichen Organismus. So wie die Vorstellungsvorgänge zusammenhängen mit den Nerven-Sinnesvorgängen und die Gefühlsvorgänge mit den rhythmischen Vorgängen, so hängen die Willensimpulse zusammen mit den Stoffwechselvorgängen. Und man kann durchaus im einzelnen finden, wie auf einem Stoffwechselvorgang, der sich in irgendeinem Muskel vollzieht, der Willensimpuls beruht, der in diesem Muskel entspringt, der aus diesem Muskel kommt.

[ 36 ] Als drittes stellt sich heraus, daß die Willensimpulse zusammenhängen mit den Stoffwechselvorgängen des menschlichen Organismus. So wie die Vorstellungsvorgänge zusammenhängen mit den Nerven-Sinnesvorgängen und die Gefühlsvorgänge mit den rhythmischen Vorgängen, so hängen die Willensimpulse zusammen mit den Stoffwechselvorgängen. Und man kann durchaus im einzelnen finden, wie auf einem Stoffwechselvorgang, der sich in irgendeinem Muskel vollzieht, der Willensimpuls beruht, der in diesem Muskel entspringt, der aus diesem Muskel kommt.

[ 37 ] Wenn man diese drei Systeme, die den gesamten Prozeß des menschlichen Organismus darstellen, in ihrer Wechselwirkung betrachtet, dann wird man das physisch-leibliche Gegenbild, aber das vollständige physisch-leibliche Gegenbild des Seelischen haben. Man wird das Seelische nach Vorstellen, Fühlen und Wollen widergespiegelt finden im menschlichen Organismus. Und dann wird man nicht mehr geneigt sein, bloß zu sprechen von einer Gefühlsbetonung des Vorstellungslebens, und die Willensimpulse gar nur nach ihren Vorstellungsentsprechungen von außen her zu betrachten und den Stoffwechsel nur seiner materiellen Seite nach zu betrachten. Es ist durchaus notwendig, den Stoffwechsel auch seiner geistigen Seite nach zu betrachten. Da ist er dasjenige, was durchaus dem Willen entspricht.

[ 37 ] Wenn man diese drei Systeme, die den gesamten Prozeß des menschlichen Organismus darstellen, in ihrer Wechselwirkung betrachtet, dann wird man das physisch-leibliche Gegenbild, aber das vollständige physisch-leibliche Gegenbild des Seelischen haben. Man wird das Seelische nach Vorstellen, Fühlen und Wollen widergespiegelt finden im menschlichen Organismus. Und dann wird man nicht mehr geneigt sein, bloß zu sprechen von einer Gefühlsbetonung des Vorstellungslebens, und die Willensimpulse gar nur nach ihren Vorstellungsentsprechungen von außen her zu betrachten und den Stoffwechsel nur seiner materiellen Seite nach zu betrachten. Es ist durchaus notwendig, den Stoffwechsel auch seiner geistigen Seite nach zu betrachten. Da ist er dasjenige, was durchaus dem Willen entspricht.

[ 38 ] Sie werden alles restlos lösen können, was sich Ihnen als Widersprüche bieten könnte gegen diese Darstellungen, wenn Sie richtig empirisch zu Werke gehen, denn diese drei Systeme sind nicht etwa getrennt, sondern sie durchdringen sich. Der Nerv wird organisch aufgebaut durch den Stoffwechsel, ist aber etwas anderes in bezug auf seinen nervösen Prozeß als der Stoffwechsel. Der Stoffwechselprozeß wirkt aber auch im Nerv, denn der Nerv muß organisch auf- und abgebaut werden. Indem der Stoffwechsel im Nerv wirkt, durchzieht sich unser Vorstellungsleben mit dem Willensimpuls. Und man muß schon in einer solchen Weise materialistisch angekränkelt sein wie John Stuart Mill oder diejenigen, die sich zu ihm bekennen, wenn man von bloßen Vorstellungsassoziationen redet — die es in dieser Abstraktheit gar nicht gibt —, wenn man das Element des Willens aus dem Vorstellungsleben ganz heraussondert.

[ 38 ] Sie werden alles restlos lösen können, was sich Ihnen als Widersprüche bieten könnte gegen diese Darstellungen, wenn Sie richtig empirisch zu Werke gehen, denn diese drei Systeme sind nicht etwa getrennt, sondern sie durchdringen sich. Der Nerv wird organisch aufgebaut durch den Stoffwechsel, ist aber etwas anderes in bezug auf seinen nervösen Prozeß als der Stoffwechsel. Der Stoffwechselprozeß wirkt aber auch im Nerv, denn der Nerv muß organisch auf- und abgebaut werden. Indem der Stoffwechsel im Nerv wirkt, durchzieht sich unser Vorstellungsleben mit dem Willensimpuls. Und man muß schon in einer solchen Weise materialistisch angekränkelt sein wie John Stuart Mill oder diejenigen, die sich zu ihm bekennen, wenn man von bloßen Vorstellungsassoziationen redet — die es in dieser Abstraktheit gar nicht gibt —, wenn man das Element des Willens aus dem Vorstellungsleben ganz heraussondert.

[ 39 ] Sie sehen daraus, meine sehr verehrten Anwesenden, wie notwendig es ist, ganz anders die Beziehungen des Seelischen zum Physischen zu suchen, als das heute gewöhnlich geschieht. Ich werde Ihnen im Verlauf der Vorträge noch andere Zeugnisse dafür geben. Sie sehen, um was es sich eigentlich handelt. Darum handelt es sich: in wirklich konkreter Weise empirisch die Beziehungen des Geistig-Seelischen zum Physisch-Leiblichen im Menschen zu suchen und nicht nur abstrakt herumzureden über die Beziehungen von Seele und Geist, womit man dann doch nicht viel mehr hat in dem Wortinhalt als die Beziehungen eines abstrakten SeelischGeistigen zu dem Physisch-Leiblichen.

[ 39 ] Sie sehen daraus, meine sehr verehrten Anwesenden, wie notwendig es ist, ganz anders die Beziehungen des Seelischen zum Physischen zu suchen, als das heute gewöhnlich geschieht. Ich werde Ihnen im Verlauf der Vorträge noch andere Zeugnisse dafür geben. Sie sehen, um was es sich eigentlich handelt. Darum handelt es sich: in wirklich konkreter Weise empirisch die Beziehungen des Geistig-Seelischen zum Physisch-Leiblichen im Menschen zu suchen und nicht nur abstrakt herumzureden über die Beziehungen von Seele und Geist, womit man dann doch nicht viel mehr hat in dem Wortinhalt als die Beziehungen eines abstrakten SeelischGeistigen zu dem Physisch-Leiblichen.

[ 40 ] Wenn man aber eine solche Betrachtungsweise anwendet, die nun wirklich das Seelische drinnen schaut im Leiblichen, die den Leib durch und durch in seiner Konfiguration durchseelt erkennt, und umgekehrt wiederum überall dasjenige, was aus dem Leiblichen heraus spielt, in das Seelische hinein spielen sieht, dann ist erst eine Wissenschaft möglich, die die Grundlage einer vernünftigen Medizin und wiederum die Grundlage einer vernünftigen Therapie sein kann. Da beginnt eines der Kapitel, wo Geisteswissenschaft unmittelbar praktische Konsequenzen nach sich zieht, wo sie berufen erscheint, Lösungen zu finden für das, was einem als das Unbefriedigendste entgegentritt, wenn man aufgrund der heutigen Voraussetzungen Menschenerkenntnis als Grundlage für Pathologie und Therapie haben will.

[ 40 ] Wenn man aber eine solche Betrachtungsweise anwendet, die nun wirklich das Seelische drinnen schaut im Leiblichen, die den Leib durch und durch in seiner Konfiguration durchseelt erkennt, und umgekehrt wiederum überall dasjenige, was aus dem Leiblichen heraus spielt, in das Seelische hinein spielen sieht, dann ist erst eine Wissenschaft möglich, die die Grundlage einer vernünftigen Medizin und wiederum die Grundlage einer vernünftigen Therapie sein kann. Da beginnt eines der Kapitel, wo Geisteswissenschaft unmittelbar praktische Konsequenzen nach sich zieht, wo sie berufen erscheint, Lösungen zu finden für das, was einem als das Unbefriedigendste entgegentritt, wenn man aufgrund der heutigen Voraussetzungen Menschenerkenntnis als Grundlage für Pathologie und Therapie haben will.

[ 41 ] Ich habe diese beiden ersten Vorträge hauptsächlich aus dem Grunde so angelegt, wie ich sie angelegt habe, damit Sie sehen, daß es sich bei der anthroposophischen Geisteswissenschaft nicht darum handelt, bloß irgendwelche Dinge phantastisch zu konstruieren, sondern daß es sich darum handelt, in ernsthafter Weise eine Weltbetrachtung zu geben, die den Menschen einschließt und die daher auch demjenigen gerecht werden kann, was in praktischer Beziehung nach der einen und anderen von den beiden gestern hier bezeichneten Seiten vom Menschen ausgehen soll. Letzten Endes handelt es sich doch darum, daß man den Menschen wirklich erkennt, daß man nicht bloß über ihn herumredet, sondern ihn wirklich erkennt, wenn man eine Grundlage gewinnen will für das, was in ethischer, in sozialer Beziehung von dem Menschen ausgehen soll. In der heutigen Zeit ist man nun einmal dazu aufgerufen, aus Menschenerkenntnis heraus auch Ziele für das praktische Leben zu gewinnen. Daher mußte schon das Thema dieser Vorträge, die handeln sollen von der Befruchtung der Fachwissenschaften durch die Geisteswissenschaft, so gestellt werden. Und wir werden auch sehen, wie aus einer solchen Betrachtung des Menschen sich sowohl in technischer wie in sozial-praktischer Beziehung fruchtbare Resultate nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für das Leben gewinnen lassen, weil im Grunde genommen, wenn man es nur im richtigen Sinne versteht, wahre Wissenschaft immer dem wahren Leben dienen muß.

[ 41 ] Ich habe diese beiden ersten Vorträge hauptsächlich aus dem Grunde so angelegt, wie ich sie angelegt habe, damit Sie sehen, daß es sich bei der anthroposophischen Geisteswissenschaft nicht darum handelt, bloß irgendwelche Dinge phantastisch zu konstruieren, sondern daß es sich darum handelt, in ernsthafter Weise eine Weltbetrachtung zu geben, die den Menschen einschließt und die daher auch demjenigen gerecht werden kann, was in praktischer Beziehung nach der einen und anderen von den beiden gestern hier bezeichneten Seiten vom Menschen ausgehen soll. Letzten Endes handelt es sich doch darum, daß man den Menschen wirklich erkennt, daß man nicht bloß über ihn herumredet, sondern ihn wirklich erkennt, wenn man eine Grundlage gewinnen will für das, was in ethischer, in sozialer Beziehung von dem Menschen ausgehen soll. In der heutigen Zeit ist man nun einmal dazu aufgerufen, aus Menschenerkenntnis heraus auch Ziele für das praktische Leben zu gewinnen. Daher mußte schon das Thema dieser Vorträge, die handeln sollen von der Befruchtung der Fachwissenschaften durch die Geisteswissenschaft, so gestellt werden. Und wir werden auch sehen, wie aus einer solchen Betrachtung des Menschen sich sowohl in technischer wie in sozial-praktischer Beziehung fruchtbare Resultate nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für das Leben gewinnen lassen, weil im Grunde genommen, wenn man es nur im richtigen Sinne versteht, wahre Wissenschaft immer dem wahren Leben dienen muß.