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Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

2 September 1921, Dornach

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Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL
  1. Fachwissenschaften und Anthroposophie

21. Diskussionsbeitrag anläßlich des öffentlichen Kongresses «Kulturausblicke der anthroposophischen Bewegung»

21. Contribution to the Discussion at the Public Conference “Cultural Perspectives of the Anthroposophical Movement”

[ 1 ] Vorbemerkung: Der Diskussionsteilnehmer Herr Dr. Hehnel (?) hatte im Zusammenhang mit der Bedeutung der einzelnen Sinne hingewiesen auf das eindrückliche Beispiel von Helen Keller, die trotz ihrer mehrfachen Behinderung eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat.

[ 1 ] Preliminary remark: Dr. Hehnel (?), one of the panelists, cited the striking example of Helen Keller in connection with the importance of the individual senses; despite her multiple disabilities, she underwent an astonishing development.

[ 2 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist durch Herrn Dr. Hehnel eben ein allerwichtigstes Problem physiologisch-erkenntnistheoretischer Art aufgeworfen worden, und Sie werden es mir nicht als Unbescheidenheit anrechnen, wenn ich ein paar Worte hier einflechte, da ich gleich weggehen muß — ich würde es sonst am Ende der Diskussion getan haben. Es ist dasjenige, was von Herrn Dr. Hehnel ausgeführt worden ist, etwas im eminenten Sinne Bedeutungsvolles, und bevor nicht auf diese Dinge, die hier vorgebracht worden sind, in durchgreifender Weise eingegangen wird, können auch die angeschlagenen Probleme nicht gelöst werden.

[ 2 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen! Dr. Hehnel has just raised a most important issue of a physiological and epistemological nature, and I hope you will not consider it immodest of me to interject a few words here, since I must leave shortly—otherwise, I would have done so at the end of the discussion. What Dr. Hehnel has set forth is something of profound significance, and until these matters that have been raised here are addressed in a thoroughgoing manner, the problems at hand cannot be resolved.

[ 3 ] Nun möchte ich nur darauf aufmerksam machen, daß gerade dieses Problem, auf das jetzt in dankenswerter Weise hingewiesen worden ist, mich genötigt hat, vor vielen Jahren in Berlin in Vorträgen, die ich geradezu mit «Anthroposophie» betitelte, zunächst eine

[ 3 ] Now I would just like to point out that it was precisely this problem—which has now been helpfully brought to my attention—that prompted me, many years ago in Berlin, in a series of lectures I titled “Anthroposophy,” to first present a

[ 4 ] AIR Art Sinneslehre zu geben. Und ich war damals genötigt, die [Fertigstellung des] Buches, welches [ich über die Sinneslehre schreiben wollte] und das zum Teil schon gedruckt war, abzubrechen, weil die Dinge eben einer weiteren Durcharbeitung bedurften. Die Arbeit gerade nach dieser Richtung hin ist aber innerhalb der anthroposophischen Gesamtbestrebungen in vollem Gang, darf ich sagen. Es handelte sich dazumal darum, die verschiedene Bewertung desjenigen zu zeigen, was auf der einen Seite gegeben ist, ich möchte sagen an dem einen Pol des menschlichen Sinneslebens, für den ja insbesondere der Gesichtssinn ausschlaggebend ist, und wie auf der anderen Seite etwas ganz anderes vorliegt — auch im Erleben des Menschen — an dem anderen Pol des Sinneslebens des Menschen, der nun vollständig hineindrängt in das Motorische.

[ 4 ] AIR: To teach the theory of the senses. And at that time, I was compelled to abandon the [completion of] the book—which [I wanted to write on the theory of the senses] and which had already been partially printed—because the material simply required further revision. However, I may say that work in precisely this direction is in full swing within the broader anthroposophical endeavors. At that time, the aim was to show the different ways of assessing what exists, on the one hand—I would say at one pole of human sensory life, for which the sense of sight is particularly decisive—and, on the other hand, how something entirely different exists—also in human experience—at the other pole of human sensory life, which now extends fully into the motor sphere.

[ 5 ] Daher war ich dazumal genötigt, die Gesamtzahl unserer Sinne — was ja zunächst paradox aussieht —, auf zwölf anzusetzen und nicht auf die gewöhnliche Zahl, die wir sonst haben. Wenn wir zu dem motorisch gearteten Pol des Sinneslebens gehen, dann sind wir allerdings genötigt, diesen motorisch gearteten Pol des Sinneslebens nicht bloß im Tastsinn zu begrenzen, sondern sorgfältig zu unterscheiden und zu analysieren, wie sich hineinstellt in diesen motorischen Pol des Erlebens das Tasten, aber auch der Gleichgewichtssinn und der Bewegungssinn und so weiter. Diese Sachen sind ja heute noch im Stadium einer, ich möchte sagen labilen Forschertätigkeit, und sie müssen im Grunde genommen erst klar gefaßt werden.

[ 5 ] Therefore, at that time, I was compelled to set the total number of our senses—which, at first glance, seems paradoxical—at twelve rather than the usual number we otherwise have. If we turn to the motor aspect of sensory life, we are indeed compelled not only to limit this motor aspect to the sense of touch, but also to carefully distinguish and analyze how not only touch but also the sense of balance, the sense of movement, and so on are integrated into this motor aspect of experience. These matters are, after all, still in the stage of—I would say—unestablished research, and they must, in essence, first be clearly defined.

[ 6 ] Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir uns an den einen Pol halten, für den der Gesichtssinn besonders charakteristisch ist, so kommen wir immer in eine Welt hinein, für die man im gewöhnlichen Bewußtsein eigentlich überhaupt kein Kriterium des Daseins, des Seins hat — Begriffe sind immer etwas Unzulängliches, wenn man sie scharf abgrenzen will. Dagegen kommt man, wenn man in den anderen Pol sich hineinbegibt, immer auf gewisse Erlebnisse, die zugleich das Seinserlebnis im eminentesten Sinne in sich tragen und eigentlich aus gewissen physiologisch-psychologischen Untergründen heraus, von denen ich öfter, ja sogar sehr oft in meinen Vorträgen gesprochen habe, durch Voraussetzungen, die in der gesamten menschlichen Natur liegen, eigentlich erst das Sein garantieren.

[ 6 ] You see, my esteemed audience, if we adhere to the one pole for which the sense of sight is particularly characteristic, we always enter a world for which, in ordinary consciousness, there is actually no criterion of existence or being at all—concepts are always inadequate when one attempts to define them sharply. On the other hand, when one delves into the other pole, one always encounters certain experiences that simultaneously embody the experience of being in the most eminent sense and, in fact, guarantee being only through certain physiological-psychological foundations—which I have spoken of frequently, indeed very often, in my lectures—and through preconditions inherent in the entirety of human nature.

[ 7 ] Was diejenigen Erlebnisse betrifft, die eigentlich das Sein — wenigstens vor dem gewöhnlichen Bewußtsein — niemals in sich tragen würden und die am anderen Pole liegen, habe ich einmal darauf aufmerksam gemacht — es ist ja allerdings, ich möchte sagen kompendiös gefaßt worden, was eigentlich Gegenstand eines [umfassenden] Buches sein müßte —, ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß man erst bei einem gewissen Erleben, das sich dann abspielt auf jenem Gebiet, das ich das imaginative Gebiet genannt habe, berechtigt ist von Seinsbegriffen zu sprechen, daß sich dieses erst von dem Moment an zeigt, wo man in der Lage ist, im subjektiven Erlebnis, also sagen wir zum Beispiel im subjektiven Farberlebnis, den Gleichgewichts- und Bewegungssinn wenigstens in der Andeutung herauf in das Gesichtsfeld zu tragen. Und auf der anderen Seite ist es wiederum im menschlichen Erleben in einer gewissen Weise möglich, die Erlebnisse des Gesichtssinnes hinunterzutragen, wenn auch, ich möchte sagen in schattenhafter Weise, in jene Sinnesgebiete, die man nur noch — wie mit Recht hervorgehoben worden ist — durch eines ergänzen muß: den Tastsinn durch den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn. So kommt zum Beispiel bei Helen Keller, wenn man sie psychologisch analysiert, der Gleichgewichtssinn in ganz hervorragender Weise in Betracht.

[ 7 ] Was diejenigen Erlebnisse betrifft, die eigentlich das Sein — wenigstens vor dem gewöhnlichen Bewußtsein — niemals in sich tragen würden und die am anderen Pole liegen, habe ich einmal darauf aufmerksam gemacht — es ist ja allerdings, ich möchte sagen kompendiös gefaßt worden, was eigentlich Gegenstand eines [umfassenden] Buches sein müßte —, ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß man erst bei einem gewissen Erleben, das sich dann abspielt auf jenem Gebiet, das ich das imaginative Gebiet genannt habe, berechtigt ist von Seinsbegriffen zu sprechen, daß sich dieses erst von dem Moment an zeigt, wo man in der Lage ist, im subjektiven Erlebnis, also sagen wir zum Beispiel im subjektiven Farberlebnis, den Gleichgewichts- und Bewegungssinn wenigstens in der Andeutung herauf in das Gesichtsfeld zu tragen. Und auf der anderen Seite ist es wiederum im menschlichen Erleben in einer gewissen Weise möglich, die Erlebnisse des Gesichtssinnes hinunterzutragen, wenn auch, ich möchte sagen in schattenhafter Weise, in jene Sinnesgebiete, die man nur noch — wie mit Recht hervorgehoben worden ist — durch eines ergänzen muß: den Tastsinn durch den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn. So kommt zum Beispiel bei Helen Keller, wenn man sie psychologisch analysiert, der Gleichgewichtssinn in ganz hervorragender Weise in Betracht.

[ 8 ] Wenn diese Erlebnisse heruntergetragen werden, dann ist es möglich, daß ein solcher Fall wie derjenige von Helen Keller eintritt, und wir kommen zu keiner erschöpfenden Charakteristik der sogenannten höheren Sinne — ich nenne sie die Bildsinne oder Wahrnehmungssinne —, wenn wir nicht in der Lage sind, in einer gewissen Weise die Konstruktionselemente, die wir für den Tastsinn gewinnen, in dieses Gebiet hineinzutragen. Und auf der anderen Seite müssen wir wieder die Möglichkeit gewinnen, in dasjenige, was wir die Willenssinne nennen — diesen Ausdruck habe ich oft gebraucht, und diejenigen, die meine Ausführungen gehört haben, werden sich erinnern, wie ich versuchte, die Begriffe aus der menschlichen Wesenheit herauszuholen —, wir müssen auf der anderen Seite in diese Willenssinne gewisse, ich möchte sagen Nebenwirkungen aus den Bildsinnen hineinbringen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir ohne die Bearbeitung dieses Feldes, das hier in so dankenswerter Weise angeschlagen worden ist, tatsächlich allmählich dazu kommen würden, eine Theorie auszubilden, die aus dem [ganzen] Umfange des zu Experimentierenden bloß das Bildhafte herausheben würde, und daß wir schon gerade auf solche Dinge fein hinhören müssen.

[ 8 ] If these experiences are downplayed, then it is possible that a case such as that of Helen Keller will arise, and we will not arrive at an exhaustive characterization of the so-called higher senses—I call them the visual senses or perceptual senses—unless we are able, in a certain way, to carry over into this realm the structural elements we derive from the sense of touch. And on the other hand, we must once again gain the ability to introduce into what we call the volitional senses—I have often used this term, and those who have heard my lectures will recall how I attempted to derive these concepts from the human being itself—we must, on the other hand, introduce into these volitional senses certain, I would say, “side effects” from the visual senses. We must be clear that without working through this field—which has been so commendably introduced here—we would in fact gradually come to develop a theory that would single out merely the pictorial aspect from the [entire] scope of what is to be experimented upon, and that we must pay close attention precisely to such matters.

[ 9 ] Es ist außerordentlich interessant, gerade von diesem Gesichtspunkte aus auf andere Kulturerscheinungen zu schauen. Betrachten Sie einmal das, was wir in unserer malerischen Kunst hervorbringen. In dieser Zeit, wo die Perspektive eingeschlagen hat, ist das Malerische mehr oder weniger einzig und allein nach dem Gesichtssinn hin projiziert worden — dieser Zeitpunkt läßt sich in der Kulturgeschichte ganz gut angeben, er ist nicht so weit zurückliegend. Es war ungefähr im 11., 12., 13. Jahrhundert, wo sich deutlich dieser Übergang zeigte, wo man im Malerischen als erstes hineinarbeitete in das Perspektivische, das heißt in das Augenhafte. Wenn wir weiter zurückgehen, finden wir, daß etwas viel Universelleres, ein menschliches Erlebnis, [dem Malerischen] zugrunde liegt, daß die Perspektive zurücktritt und daß dasjenige, was der Mensch gewissermaßen erlebt, wenn er mit seinen bloßen Sinnen in der Welt aufgeht, daß das eigentlich auf den Bildern gefunden wird. Das ist wiederum eine kurze Andeutung, und es würde ein dickbändiges Buch füllen, um dies vollständig auszuführen.

[ 9 ] It is extraordinarily interesting to examine other cultural phenomena from this particular perspective. Consider, for a moment, what we produce in our pictorial art. In this era, when perspective took hold, the pictorial has been projected more or less solely through the sense of sight—this point in time can be quite clearly identified in cultural history; it is not that far in the past. It was around the 11th, 12th, and 13th centuries that this transition became clearly evident, when painters first began to incorporate perspective—that is, what the eye perceives—into their work. If we go further back, we find that something much more universal—a human experience—underlies [painting], that perspective recedes, and that what a person experiences, so to speak, when they immerse themselves in the world with their bare senses—that is actually what is found in the paintings. This, too, is only a brief hint, and it would take a thick volume to elaborate on this fully.

[ 10 ] Nun ist es aber interessant, daß jemand — sein Name ist mir im Augenblick entfallen — mit großer Berechtigung gesagt hat: Wenn man sich die japanische Malerei ansieht, so hat man das Gefühl, daß der Sehpunkt, der perspektivische Verschwindungspunkt nicht außerhalb, sondern innerhalb des Menschen angenommen wird. — In einer gewissen Weise malt man tatsächlich, wenn man «primitiver» malt, aus dem Zentrum heraus. Dann kann man aber natürlich reine Augenmalerei liefern, und diese wird in einer ganz anderen Weise vor uns stehen [als die japanische Malerei]. So kann man sagen kann — und das ist der Nerv, auf den es ankommt, auf den ich in meinen Vorträgen in ganz intensiver Weise jetzt hinweisen will —, daß dieses Gegenstandsbewußtsein, das ich durchaus nicht als etwas hier erwähnt finde, was etwa eine Profanierung wäre, sondern im Gegenteil, daß dieses Gegenstandsbewußtsein, zu dem wir nun endlich gekommen sind im Verlaufe der wissenschaftlichen Forschungsentwicklung, durchaus überall Berücksichtigung finden soll, so daß Anthroposophie tatsächlich begründet wird unter der Voraussetzung einer Berücksichtigung alles desjenigen, was moderne Naturwissenschaft geben kann. Sonst kommt Anthroposophie in den Bereich einer nebulosen Mystik herein, denn wir haben eben auf der einen Seite in der Entwicklung der menschlichen Erkenntnis die Gefahr, daß man sich verliert in den Willenssinnen, indem man zwar in die Existenz immer mehr und mehr hineinwächst, aber die Möglichkeit verliert, aus der Existenz die Bildhaftigkeit zu gewinnen. Und wir haben auf der anderen Seite die Gefahr, daß wir uns [einseitig] hineinleben in die Bildsinne und dann das herauskriegen, was Dilthey geschildert hat, was herauskommen würde, wenn wir nur nach dem Sehsinn hin gestaltet wahrnähmen. Wir würden dann in einer [bloßen] Bilderwelt leben müssen, und vor dieser Gefahr müssen wir durchaus schützen dasjenige, was fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehende Anthroposophie ist.

[ 10 ] It is interesting, however, that someone—whose name escapes me at the moment—has quite rightly said: When one looks at Japanese painting, one gets the feeling that the viewpoint, the vanishing point of perspective, is situated not outside but inside the person. — In a certain sense, when one paints in a “more primitive” style, one does indeed paint from the center. But then, of course, one can produce pure “eye painting,” and this will appear before us in a completely different way [than Japanese painting]. So one can say—and this is the crux of the matter, which I now wish to emphasize very intensely in my lectures—that this object consciousness, which I by no means regard as something mentioned here that would constitute a desecration, but on the contrary, that this object consciousness, to which we have now finally arrived in the course of scientific research, must be taken into account everywhere, so that anthroposophy is in fact founded on the premise of taking into account everything that modern natural science can offer. Otherwise, anthroposophy drifts into the realm of nebulous mysticism, for on the one hand, in the development of human knowledge, we face the danger of losing ourselves in the senses of the will—growing ever deeper into existence, yet losing the ability to derive imagery from that existence. And on the other hand, we face the danger of immersing ourselves [one-sidedly] in the senses of imagery and then ending up with what Dilthey described—what would result if we perceived the world solely through the sense of sight. We would then be forced to live in a [mere] world of images, and we must certainly protect that which is anthroposophy—firmly grounded in reality—from this danger.

[ 11 ] Sie werden gespürt haben, daß in den außerordentlich interessanten Worten des Herrn Vorredners eines scharf hervorgetreten ist — und mit Recht hervorgetreten ist —, nämlich daß Helen Keller eine gewisse geistig-seelische Entwicklung durchmachen konnte, obwohl ihr der Sehsinn und der Hörsinn mangelten und auch die anderen Sinne wie der Geruchssinn und der Geschmackssinn, glaube ich, verkümmert waren. Trotzdem war es möglich, mit Hilfe von Gleichgewichts-, Bewegungs- und Tastsinn ihr ein sehr weitgehendes geistig-seelisches Erleben zu ermöglichen. Und es wurde gesagt, man denke sich einmal, daß ein Mensch nur ausgebildet hätte den Sehsinn und den Hörsinn, aber nicht den Gleichgewichtssinn, den Tast- und Bewegungssinn — was würde dann sein? Mit Recht wurde gesagt, dann würde das nicht eintreten können, was bei Helen Keller eingetreten ist für diese Willenssinne: es würde nicht möglich sein, wenn die Willenssinne dann nicht vorhanden wären, die Erlebnisse heraufzuheben in den Sehsinn.

[ 11 ] You will have sensed that one point stood out sharply—and rightly so—in the extraordinarily interesting remarks of the previous speaker, namely that Helen Keller was able to undergo a certain intellectual and emotional development even though she lacked the senses of sight and hearing, and her other senses, such as smell and taste, were, I believe, atrophied. Nevertheless, it was possible, with the help of the senses of balance, movement, and touch, to enable her to have a very extensive intellectual and emotional experience. And it was said: just imagine if a person had developed only the senses of sight and hearing, but not the senses of balance, touch, and movement—what would happen then? It was rightly said that what happened to Helen Keller with regard to these volitional senses could not occur: it would not be possible, if those volitional senses were absent, to elevate these experiences to the level of the sense of sight.

[ 12 ] Aber noch etwas anderes ist dazu zu sagen, was mir außerordentlich wichtig und bedeutungsvoll erscheint. Gerade auf den Punkt, der gewissermaßen ein Punkt an einem Abgrund ist, wo man hinüber muß von der Bildhaftigkeit ins Sein, wo man auch mit seinem Begreifen hinüber muß aus dieser Bildhaftigkeit in das Sein, [gerade auf diesen kommt es an], und das ist der: Ein Mensch wie Helen Keller, dem Sehsinn und Hörsinn fehlen und der die anderen Sinne vermöge seiner sonstigen körperlichen Organisation hat, der kann auf dieser Welt der Luft und des Erdbodens existieren, sogar bis zu einer gewissen Entwicklung kommen; ein Mensch aber, der bloß Sehsinn und Hörsinn haben würde, der kann allerdings auf dieser Erde in der Luft und auf dem Erdboden nicht zur Entwicklung kommen, kann überhaupt gar nicht einmal entstehen — einen solchen Menschen gibt es nicht innerhalb unseres Erdendaseins, er ist undenkbar. Das bezeichnet scharf aus der Realität heraus das Verhältnis — zunächst allerdings nur begrifflich —, das Verhältnis von den Bildsinnen zu den Willenssinnen.

[ 12 ] But there is something else to be said on this matter, which strikes me as extraordinarily important and significant. It is precisely at this point—which is, in a sense, a point on the edge of an abyss, where one must cross over from the realm of imagery into being, where one must also, with one’s understanding, cross over from this realm of imagery into being—[it is precisely this that matters], and that is: A person like Helen Keller, who lacks the senses of sight and hearing but possesses the other senses by virtue of her other physical faculties, can exist in this world of air and earth, and even attain a certain level of development; but a person who possessed only the senses of sight and hearing cannot, however, achieve any development on this earth, in the air or on the ground; indeed, such a person cannot even come into being at all—no such person exists within our earthly existence; it is unthinkable. This sharply delineates, from reality itself—albeit initially only conceptually—the relationship between the sensory faculties and the volitional faculties.

[ 13 ] Es ist also ein im eminentesten Sinne wichtiges Problem aufgeworfen worden, und ich betrachte es nur als meine Aufgabe, mit wenigen Worten darauf hinzuweisen, daß innerhalb der Anthroposophie dieses Problem gefühlt wird, und daß wir nicht in eine nebulose Mystik hineinverfallen wollen, indem wir uns nur an die oberen Sinne halten, sondern daß wir in vollem Einklang mit dem berechtigten naturwissenschaftlichen Forschergeist der neueren Zeit arbeiten wollen.

[ 13 ] A problem of the utmost importance has thus been raised, and I consider it my duty to point out briefly that this problem is felt within anthroposophy, and that we do not wish to fall into a nebulous mysticism by relying solely on the higher senses, but rather that we wish to work in full harmony with the legitimate scientific spirit of modern times.