Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a
15 October 1920, Dornach
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Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL
20. Aus den Fragenbeantwortungen während des ersten anthroposophischen Hochschulkurses III
20. Questions during the First Anthroposophical University Course III
Vorbemerkung: Zu Beginn des Gesprächsabends wurde eine Frage nach dem dritten kopernikanischen Gesetz gestellt. Die ausführliche Antwort Rudolf Steiners ist publiziert im Band «Die vierte Dimension», GA 324a, S. 177-189.
Preliminary Note: At the beginning of the discussion evening, a question was asked about the third Copernican law. Rudolf Steiner’s detailed answer is published in the volume *The Fourth Dimension*, GA 324a, pp. 177–189.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Nun sind noch eine Reihe von anderen Fragen gestellt worden, auf die ich, weil sie zum Teil unsinnig sind, nur mit ein paar Streiflichtern hindeuten möchte. Hier zum Beispiel diese Frage:
[ 1 ] Rudolf Steiner: Now a number of other questions have been raised, which—since some of them are nonsensical—I would like to address only briefly. Here, for example, is this question:
Was kann für einen Nicht-Hellseher das Kriterium sein, mit dem er unterscheiden kann, ob Mitteilungen eines Hellsehers aus geistigen Erkenntnissen oder aus Illusionen stammen?
For someone who is not a clairvoyant, what criterion can be used to distinguish whether a clairvoyant’s messages stem from spiritual insights or from illusions?
[ 2 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, ich möchte eigentlich am allerliebsten das Wort «Hellsehen», mit dem so viele Leute Unfug treiben, wie jetzt kürzlich der Graf Keyserling, überhaupt ausmerzen. Wenn solche Worte nicht zu Unfug Veranlassung geben, dann macht es ja nichts, wenn sie in unserer Literatur figurieren, aber bei alle dem, was solche Leute «Hellsehen» nennen, die alles eher möchten als sich auf den Weg begeben, den ich auch in meinem Vortragszyklus über die «Grenzen der Naturerkenntnis» charakterisiert habe, da möchte ich lieber für das wirkliche Sehen des Geistes — lichtvoll sehen, das heißt hell sehen — ein anderes Wort anwenden. Daher habe ich in den neueren Auflagen meiner Bücher überall versucht, dieses Wort, das eben immer wieder Verwechslungen hervorruft mit allem möglichen dilettantischen und scharlatanhaften Zeug, nach und nach auszumerzen.
[ 2 ] Ladies and gentlemen, I would actually most like to eradicate the term “clairvoyance” altogether—a term that so many people use to spout nonsense, as Count Keyserling did just recently. If such words do not give rise to nonsense, then it doesn’t matter if they appear in our literature, but given everything that such people call “clairvoyance”—people who would rather do anything than set out on the path I have also characterized in my lecture series on the “Limits of Knowledge of Nature”—I would prefer to use a different word for the true seeing of the spirit: seeing in the light, that is, seeing clearly. That is why, in the more recent editions of my books, I have tried throughout to gradually eliminate this word, which repeatedly gives rise to confusion with all sorts of amateurish and charlatanish nonsense.
[ 3 ] Nun, wenn es sich um einen einzelnen Fall handelt, daß jemand vor Sie hintritt, der von sich selbst sagt, daß er ein Hellscher sei, und er erzählt Ihnen irgend etwas, was er geschaut habe, dann können Sie überhaupt durch gar kein Kriterium unterscheiden, ob er Ihnen irgendeine Illusion auftischt oder ob das auf Wahrheit beruht, was er sagt. Das kann man nicht im Einzelfall, da gibt es keine universelle Anleitung dazu. Sie können nur als vernünftiger Mensch aus dem ganzen Lebenszusammenhang heraus ein Urteil gewinnen, aber auch ein fast restlos sicheres Urteil. Sehen Sie, wenn Ihnen irgendein angeblicher Hellseher allerlei Zeug erzählt und er im übrigen, wenn er über Dinge des gewöhnlichen Lebens spricht, Unsinn redet, dann können Sie ziemlich sicher sein, daß das, was er Ihnen aus den höheren Welten heraus erzählt, auch Unsinn ist. Wenn Sie aber finden, daß ein Mensch gesunden Sinn hat für die äußere, physische Wirklichkeit, daß er mit gesundem Geist, so wie andere vernünftige Menschen, die äußere Wirklichkeit anschaut, sich hineinfindet, sich orientiert an der äußeren Wirklichkeit, dann ist, wenn er von Dingen der geistigen Welt spricht, das schon etwas, was für ihn spricht, das heißt nicht für ihn als Person, sondern für die Richtigkeit seiner Anschauung. Wenn er dann außerdem noch das, was er über die geistigen Welten vorbringt, in solche Zusammenhänge kleidet, daß Logik darinnen ist, dann kann man das Wirklichkeitsgemäße aus den Zusammenhängen prüfen, auch ohne daß man Hellseher ist. Wie gesagt, aus einer Mitteilung kann man gar nichts schließen, aber aus dem Zusammenhang einer ganzen Reihe von Mitteilungen wird man, einfach durch eine Fähigkeit, die jeder Mensch hat, auch ohne daß er Hellseher ist, darauf kommen, was das bedeutet, was jemand sagt. Außerdem wird ein Mensch, der heute als Hellseher bezeichnet zu werden verdient — aber jetzt in einem höheren Sinne —, wenn also ein Mensch über die geistige Welt so spricht, wie es sein muß hier an dieser Stätte, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, dann bleibt er nicht dabei stehen, daß er nur aus den höheren Welten Dinge erzählt, sondern er spricht immer zugleich von den Dingen dieser Welt, in die ja die höheren Welten hineinspielen. Er spricht Ihnen zum Beispiel davon, wie man das, was man im Geistigen erfahren hat, auf die Medizin anwenden kann, auf die wirklich zu studierende Medizin. Er spricht nicht von medizinischer Scharlatanerei, wo eben ein Mensch von irgend welchen luziferischen oder ahrimanischen Geistern auserwählt ist, und dieser Auserwählte dann irgendwelche Dinge abtupft und heilt. Um so etwas kann es sich nicht handeln. Nur darum kann es sich handeln, dasjenige, was physisch wirklich ist, worinnen aber immer der Geist lebt, gerade mit dem Geist zu durchdringen. Denn der Materialismus versteht niemals das Physische. Und ich glaube, es dürfte zum Beispiel gerade das Arbeiten im Sozialen einer der äußeren Beweisgründe sein für die innere Berechtigung dessen, was hier geisteswissenschaftlich behauptet wird.
[ 3 ] Well, if it’s a single case—someone comes before you who claims to be a clairvoyant and tells you something he has seen—then there is absolutely no criterion by which you can distinguish whether he is feeding you some kind of illusion or whether what he says is based on truth. You can’t do that in an individual case—there’s no universal guide for it. As a reasonable person, you can only form a judgment based on the context of their entire life, but it can be a judgment that’s almost entirely certain. You see, if some so-called clairvoyant tells you all sorts of things and, moreover, when he speaks about matters of ordinary life, he talks nonsense, then you can be fairly certain that what he tells you about the higher worlds is also nonsense. But if you find that a person has a sound grasp of external, physical reality—that he views external reality with a sound mind, just as other reasonable people do, finds his way within it, and orients himself by it—then when he speaks of matters of the spiritual world, that in itself speaks in his favor, that is, not for him as a person, but for the accuracy of his views. If, in addition, he frames what he presents about the spiritual worlds in such a way that there is logic to it, then one can verify the truth of his statements based on those contexts, even without being a clairvoyant. As I said, one cannot draw any conclusions from a single statement, but from the context of an entire series of statements, one will—simply through an ability that every human being possesses, even without being a clairvoyant—come to understand what someone is saying. Furthermore, a person who today deserves to be called a clairvoyant—but now in a higher sense— if, that is, a person speaks about the spiritual world as one must here in this place, then, my esteemed audience, they do not stop at merely recounting things from the higher worlds, but always speak at the same time about the things of this world, into which the higher worlds, after all, interplay. For example, he speaks to you about how what one has experienced in the spiritual realm can be applied to medicine—to the medicine that truly deserves to be studied. He does not speak of medical charlatanism, where a person is simply chosen by some Luciferic or Ahrimanic spirits, and this chosen one then dabs on some substances and heals. That cannot be what is meant. It can only be a matter of penetrating precisely with the spirit that which is truly physical, but within which the spirit always lives. For materialism never understands the physical. And I believe that, for example, working in the social sphere could be one of the external proofs of the inner validity of what is asserted here in spiritual science.
[ 4 ] Also es gibt kein äußerlich abstrakt zu fassendes Kriterium, sondern nur aus dem ganzen Zusammenhang des Lebens heraus kann man wissen, ob man es bei den Behauptungen des Geistesforschers zu tun hat mit Illusionen oder mit Wirklichkeiten. Seine Geistesforschungen sind ganz gewiß keine Illusionen, wenn er mit ihnen hinuntersteigen kann in die Wirklichkeiten, wenn er dem Leben, das dem Menschen hier zwischen Geburt und Tod zugeteilt ist, gerade durch seine Geisteswissenschaft etwas zu geben vermag. Man hat, indem man von Abstraktionen ausging, mir zum Beispiel öfter eingewendet, wenn ich Forschungsresultate über höhere Welten vorgetragen habe: Ja, aber das können doch alles lauter Autosuggestionen sein, so wie es Leute gibt, die einen Zitronengeschmack im Munde haben, wenn sie nur an Zitronenlimonade denken, auch wenn sie gar keine Zitronenlimonade bekommen. — Ich konnte den Leuten dann immer nur sagen: Gewiß, es ist richtig, daß man durch Gedanken allerlei illusionäre Halluzinationen oder Schauungen hervorrufen kann, aber das sind eben nur Illusionen. Sie können zwar durch Suggestion die Illusion haben, daß Sie einen Zitronenlimonadegeschmack haben, aber ob die bloß gedachte Limonade Ihnen den Durst löscht, das möchte ich doch bezweifeln; da müßten Sie eben doch noch die wirkliche Limonade dazu haben.
[ 4 ] So there is no criterion that can be grasped abstractly from the outside; rather, it is only by considering the whole context of life that one can know whether the claims of the spiritual researcher deal with illusions or with realities. His spiritual research is certainly not an illusion if it enables him to descend into reality, if, through his spiritual science, he is able to contribute something to the life that is allotted to human beings here between birth and death. For example, when I have presented research findings about higher worlds, people have often objected to me—starting from abstractions—saying: “Yes, but all of that could just be autosuggestion, just as there are people who experience a lemon taste in their mouths simply by thinking of lemonade, even if they aren’t given any lemonade at all.” — All I could ever say to such people was: Certainly, it is true that one can evoke all sorts of illusory hallucinations or visions through thought, but these are, after all, merely illusions. You may, through suggestion, have the illusion that you taste lemonade, but I doubt that the lemonade you’re merely imagining will quench your thirst; for that, you’d still need the real lemonade.
[ 5 ] Wer mit seinem ganzen Wesen in den Dingen drinnensteht, nicht außerhalb der Dinge, der kann unterscheiden zwischen dem, was die Wirklichkeit ist und dem, was bloß gedacht ist, und für den ist es klar, daß es für das Hineinschauen in die höheren Welten ebensolche Lebensunterschiede gibt wie hier in der physischen Welt. Ich kann Ihnen sogar verraten, meine sehr verehrten Anwesenden, die Kriterien, ob irgend etwas eine Lüge oder eine Wahrheit ist, die betreffen den Hellseher ebensogut wie irgendeinen anderen. Der Hellseher kann nicht besser und nicht schlechter prüfen, ob seine Beobachtungen auf Wirklichkeiten beruhen als derjenige, dem sie mitgeteilt werden, denn prüfen muß auch er sie aus dem ganzen Lebenszusammenhang heraus, den man einfach mit dem gesunden Menschenverstand findet, wenn man auch im gewöhnlichen Leben gesunden Menschenverstand hat. Auch ein anderer, wenn er gesunden Menschenverstand hat, kann die hellseherischen Ergebnisse immer prüfen.
[ 5 ] Whoever is fully immersed in things—not standing outside of them—can distinguish between what is reality and what is merely imagined, and it is clear to such a person that there are just as many differences in the nature of life when looking into the higher worlds as there are here in the physical world. I can even reveal to you, my esteemed audience, that the criteria for determining whether something is a lie or the truth apply just as much to the clairvoyant as to anyone else. The clairvoyant is no better or worse at verifying whether his observations are based on reality than the person to whom they are communicated, for he, too, must examine them within the broader context of life—a context that can be discerned simply through common sense, provided one possesses common sense in everyday life as well. Anyone else, provided they possess common sense, can always verify the clairvoyant’s findings.
[ 6 ] Wir fürchten uns auch hier durchaus nicht vor einer wissenschaftlichen Kritik der Geisteswissenschaft, insbesondere dann nicht, wenn diese wissenschaftliche Kritik mit der allergrößten Exaktheit und Genauigkeit gemacht wird. Was uns schadet, ist nämlich nur die Kritik der Oberflächlinge, derjenigen Leute mit den leeren Gedanken, mit den Gedankenhülsen. Solche Leute, die mit bloßen Gedankenhülsen behaftet sind wie der Graf Hermann Keyserling, der gar nicht den Willen hat, auf die Sache einzugehen, der kommt dann dazu, einfach Lügen zu sagen. Sie finden in seinem neuesten Buche die sehr nette Behauptung, die ganze Steinersche Anthroposophie sei eigentlich bloß ins Geistige heraufgehobene materialistische Naturwissenschaft; das gehe schon daraus hervor, daß Steiner von Haeckel ausgegangen sei.
[ 6 ] Here, too, we are by no means afraid of scholarly criticism of the humanities, especially not when such scholarly criticism is conducted with the utmost precision and accuracy. What actually harms us is only the criticism of the superficial, of those people with empty thoughts, with empty shells of thought. Such people, who are afflicted with mere empty shells of thought—like Count Hermann Keyserling, who has no intention whatsoever of engaging with the subject matter—end up simply telling lies. In his latest book, you will find the very charming assertion that the entire Steinerian anthroposophy is actually nothing more than materialistic natural science elevated to the spiritual realm; this, he claims, is evident from the fact that Steiner drew on Haeckel.
[ 7 ] Nun prüfe man einmal diese ganz verlogene Behauptung mit dem, was ich in der Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften als Ausgangspunkt hingeschrieben habe. Sie sehen, die Blüte der Gedankendumpfheit ist eigentlich immer die Verlogenheit.
[ 7 ] Now let’s examine this utterly dishonest claim in light of what I wrote as a starting point in the introduction to Goethe’s Scientific Writings. You see, the height of intellectual dullness is, in fact, always dishonesty.
[ 8 ] Diese Dinge müssen schon gesagt werden, meine sehr verehrten Anwesenden. Ich warte ja immer ziemlich lange, bis ich selber gezwungen werde, so etwas zu sagen, und ich rede über diese Dinge eigentlich immer erst dann, wenn sie durch längere Zeit hindurch nicht von anderen hervorgehoben sind. Denn schließlich, mich selber berühren diese Dinge gar nicht. Mir sind die Bücher des Grafen Keyserling eigentlich unlesbar, weil ich gar keine Gedanken darin finde. Und daß die Leute schimpfen, bin ich ja gewöhnt. Aber heute handelt es sich um etwas anderes. Heute handelt es sich darum, daß wir in der Tat rasch in den Untergang hineinsegeln, wenn nicht auf diesem Gebiete volle Klarheit und mutige Klarheit geschaffen wird. Heute handelt es sich um das Heil oder den Untergang der Menschheit, und auf die Schädlinge muß heute scharf hingewiesen werden, die den Menschen die notwendigen Gedanken durch solchen Schmutz auszutreiben versuchen, indem gesagt wird, es sei nicht notwendig, eine geistige Entwicklung durchzumachen, denn das, was man durch so etwas lernen könne, wie es in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, das brauche derjenige nicht, der ein Gentleman ist und eine gute Kinderstube hat.
[ 8 ] These things really do need to be said, my esteemed audience. I always wait quite a long time before I am forced to say something like this myself, and I actually only speak about these matters when they have not been highlighted by others for quite some time. After all, these things do not affect me personally at all. I actually find Count Keyserling’s books unreadable because I can’t find any real thoughts in them. And I’m used to people complaining. But today it’s about something else. Today it’s about the fact that we are indeed rapidly sailing toward ruin unless complete and courageous clarity is established in this area. Today it is a matter of the salvation or the downfall of humanity, and we must sharply point out the pests who are trying to drive out the necessary thoughts from people’s minds with such filth, by claiming that it is not necessary to undergo spiritual development, because what one can learn through such things, as described in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* , is not needed by anyone who is a gentleman and has been well-bred.
[ 9 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, in einer Zeit, in der es schon zu solchen Behauptungen kommen kann, brennt das Feuer, und das muß gelöscht werden!
[ 9 ] Well, ladies and gentlemen, at a time when such claims can already be made, the fire is burning, and it must be put out!
[ 10 ] Ich möchte jetzt rasch noch eine weitere Frage besprechen:
[ 10 ] I'd like to quickly address one more question now:
Wie stellt sich die Anthroposophie zur Anwendung der Hypnose in der Medizin?
What is the anthroposophical view on the use of hypnosis in medicine?
[ 11 ] Nun, verehrte Anwesende, alle diese Dinge, Hypnose oder Suggestion und dergleichen in der Therapie, führen immer in ein Gebiet, welches unter demjenigen liegt, das wir mit unserem gewöhnlichen Tagesbewußtsein umfassen. Wenn ich Ihnen ein Schema rasch hinmalen soll, so wäre es dieses: (Schema fehlt)
[ 11 ] Well, ladies and gentlemen, all these things—hypnosis, suggestion, and the like in therapy—always lead into a realm that lies beneath the one we perceive with our ordinary everyday consciousness. If I were to quickly sketch out a diagram for you, it would look like this: (diagram missing)
[ 12 ] Wenn hier das gewöhnliche Bewußtsein ist, so strebt die anthroposophische Wissenschaft, um die es sich hier handelt, in ein höheres Bewußtsein hinauf, in das imaginative, inspirierte, intuitive Bewußtsein. Man kann aber auch das Bewußtsein herunterbringen auf ein tieferes Niveau. Das ist ja schon beim gewöhnlichen Träumen der Fall, da ist das Bewußtsein heruntergerückt; im Tiefschlaf, im traumlosen Schlaf, ist es noch weiter hinuntergerückt. Nun gibt es ja alle möglichen Zwischenzustände, und solches Herabstimmen des Bewußtseins verwandelt eigentlich den Menschen in den Untermenschen, indem sein Geistig-Seelisches so herausgehoben ist, daß es nicht in den physischen Leib voll eingreifen und auch seiner selbst und in der Welt nicht bewußt sein kann, weil der Mensch noch nicht so weit entwickelt ist, daß er außerhalb des Leibes ein Bewußtsein haben kann. Da hat man es dann zu tun mit einer Herabstimmung des Geistig-Seelischen auf das ätherisch-physische Leibliche, und da sind dann alle die Einwirkungen, die man herbeiführen kann, die Ihnen ja bekannt sind eigentlich in einer untermenschlichen Sphäre verlaufend. Man stimmt die ganze Verfassung des Menschen, die geistig-seelisch-leibliche Verfassung des Menschen herab. Und daher sind solche Dinge nur anzuwenden, wenn es sich um Therapeutisches handelt. Aber auch im Therapeutischen handelt es sich darum, daß sie nur angewendet werden dürfen von demjenigen, der die Dinge versteht — womit ich nicht behaupten will, daß etwa die moderne Medizin, wie sie heute getrieben wird, eine gute Anleitung ist, um diese Dinge zu verstehen. Aber wenn diese Dinge verstanden werden, dann können sie auf die menschliche Organisation natürlich ebenso angewendet werden wie andere Gifte — denn sie sind Gifte.
[ 12 ] While ordinary consciousness prevails here, anthroposophical science—which is the subject at hand—strives toward a higher form of consciousness: imaginative, inspired, and intuitive consciousness. But one can also lower consciousness to a deeper level. This is already the case in ordinary dreaming, where consciousness has been lowered; in deep sleep, in dreamless sleep, it has been lowered even further. Now, there are, of course, all manner of intermediate states, and such a lowering of consciousness actually transforms a person into a subhuman being, in that their spiritual-soul aspect is so detached that it cannot fully engage with the physical body, nor can it be conscious of itself or of the world—because the person is not yet developed enough to possess consciousness outside the body. What we are dealing with here, then, is a lowering of the spiritual-soul aspect to the etheric-physical body, and all the influences that can be brought about—which you are, of course, familiar with—actually take place within a subhuman sphere. One lowers the entire constitution of the human being—the spiritual-soul-physical constitution of the human being. And for this reason, such methods should only be applied in a therapeutic context. But even in a therapeutic context, the point is that they may only be applied by someone who understands these things—by which I do not mean to claim that modern medicine, as it is practiced today, is a good guide to understanding these things. But once these things are understood, they can of course be applied to the human organism just as other poisons are—for they are poisons.
[ 13 ] Wir haben es also bei allen diesen Dingen damit zu tun, daß wir eben therapeutisch zu allem greifen können, was den Gesundheitszustand des Menschen in wünschenswerter Weise verbessern kann. Wir sollen uns aber nicht einbilden, daß wir den Menschen in eine höhere Sphäre hinauf führen, wenn wir ihm etwas vermitteln, wo sein Bewußtsein, sein gewöhnliches Bewußtsein, ganz ausgeschaltet ist, sondern wir führen ihn ins Untermenschliche, gewissermaßen ins Ätherisch-Tierische hinunter, nur nicht ins PhysischTierische, aber ins Ätherisch-Tierische, wenn wir ihn in einen solchen Zustand wie die Hypnose versetzen und wenn er für einen solchen Zustand empfänglich ist. Dieses Herunterstimmen des Bewußtseins wird ja im Grunde genommen heute aus dem Grunde besonders geliebt, weil man das Hinaufentwickeln in die geistigen Welten als etwas Unbequemes empfindet.
[ 13 ] So, in all these matters, we are dealing with the fact that, from a therapeutic standpoint, we can make use of anything that can improve a person’s state of health in a desirable way. However, we should not imagine that we are leading a person up into a higher sphere when we induce a state in which their consciousness—their ordinary consciousness—is completely shut down; rather, we are leading them down into the subhuman realm, into the etheric-animal realm, so to speak, not into the physical-animal realm, but into the etheric-animal realm, when we place them in a state such as hypnosis and when they are receptive to such a state. This lowering of consciousness is, after all, particularly favored today precisely because people perceive the ascent into the spiritual worlds as something uncomfortable.
Hier ist noch eine Frage: Wie steht die Anthroposophie zum Heilmagnetismus?
Here's another question: What is the anthroposophical view on therapeutic magnetism?
[ 14 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, darüber läßt sich ja nur reden, wenn man die Dinge wirklich ernsthaftig behandeln kann. Mit einem einfachen Ja oder Nein oder mit einem einfachen Satze lassen sich solche Dinge nicht behandeln, wenn man wissenschaftliches Gewissen in sich hat. Der heutige Heilmagnetismus — ja, man müßte ihn nicht kennen gelernt haben, um nicht zu wissen, daß in ihm recht, recht viele Menschen tätig sind, die sonstwo schon überall eine Beschäftigung gesucht haben, und wenn sie zuletzt überall keine gefunden haben, so sind sie Heilmagnetiseure geworden. Für solche Dinge dann auch noch geisteswissenschaftliche Erklärungen zu verlangen, das ist doch etwas zuviel verlangt. Aber ich möchte Sie darauf hinweisen, daß diese Dinge doch alle auf ihre elementaren Voraussetzungen zurückgeführt werden müssen. Da haben wir zum Beispiel die Tatsache, daß für gewisse seelischleibliche Seelenverfassungen schon das bloße liebevolle Zusprechen etwas zum Heilungsprozeß beiträgt. Denken Sie nur, wie viel wirklich therapeutische Wirkung ausgeht von einem echten liebevollen Behandeln des Kranken nach der einen oder anderen Richtung hin. Denken Sie sich nun diese Dinge gesteigert, denken Sie sich das liebevolle Behandeln gesteigert zum streichelnden Behandeln, da haben Sie etwas, was nun schon sehr stark hinüberführt in das, was Heilmagnetismus ist. Allerdings handelt es sich da um so imponderable Dinge, daß man sie nicht in grobe Begriffe fassen soll. Es ist durchaus möglich — je nachdem, da kommt’s wirklich auf das Wie an und nicht auf das Was —, daß derjenige, der über diese Dinge redet, je nachdem er gerade die Imponderabilien im Auge hat oder nicht, ebensogut eigentlich Wichtiges sagt oder auch Unsinn redet. Also es kommt mehr darauf an, daß man überhaupt an diese Dinge nur herantritt mit einem wirklich wissenschaftlichen Gewissen. Und deshalb war ich immer vorsichtig, diese Dinge zum Beispiel öffentlich zu besprechen, weil ja manches außerordentlich gefärbt wird, wenn es dann weitergegeben wird.
[ 14 ] Well, ladies and gentlemen, one can only discuss this if one is truly able to address these matters seriously. Such matters cannot be dealt with by a simple “yes” or “no” or with a single sentence if one possesses a scientific conscience. Modern therapeutic magnetism—indeed, one need not have studied it to know that it involves a great many people who have sought employment everywhere else, and when they ultimately found none, they became therapeutic magnetists. To demand spiritual-scientific explanations for such matters on top of that is really asking too much. But I would like to point out to you that all these things must ultimately be traced back to their fundamental premises. Take, for example, the fact that for certain mental and physical states of being, even the mere act of speaking lovingly to the patient contributes to the healing process. Just consider how much genuine therapeutic effect stems from treating the patient with genuine love, whether in one direction or another. Now imagine these things intensified; imagine this loving treatment intensified into a caressing treatment—then you have something that already leads very strongly into what is known as healing magnetism. However, these are such imponderable things that one should not try to capture them in crude terms. It is entirely possible—depending on the circumstances, since it really comes down to the “how” rather than the “what”—that the person speaking about these matters, depending on whether or not they are keeping these imponderables in mind, may just as well be saying something truly important or talking nonsense. So it is more important to approach these matters with a truly scientific mindset. And that is why I have always been cautious about discussing these matters publicly, for example, because many things become extremely distorted when they are passed on.
[ 15 ] Nun, daran würde mir auch persönlich nichts liegen, aber Anthroposophie muß etwas sein, was wirklich den notwendigen Forderungen unserer Zeit entspricht, und da darf man nichts tun, was einen in irgendeiner Weise in die Gefahr bringen könnte, in eine dilettantische Nachbarschaft zu kommen. In diese dilettantische Nachbarschaft kommt man natürlich sehr leicht, wenn es sich um diese Dinge handelt. Man könnte sagen, der Heilmagnetismus ist heilsam, je nachdem, ob er bei kundigen, aber jetzt imponderablen kundigen, echten Heilern auftritt, oder ob er auftritt bei Menschen, die bloße Scharlatane sind, die bloß, nachdem sie es auf anderen Gebieten versucht haben, es nun eben auch noch auf dem Gebiete des Heilens versuchen. Man kennt das natürlich, nicht wahr, sobald vom Heilmagnetismus die Rede war, vorher von Suggestion, kommt nachher die «Christian Science», nach der hier gefragt wird:
[ 15 ] Well, personally, I wouldn’t mind that either, but anthroposophy must be something that truly meets the necessary demands of our time, and we must not do anything that could in any way put us at risk of finding ourselves in the company of amateurs. Of course, it is very easy to end up in this amateurish realm when it comes to these matters. One could say that therapeutic magnetism is beneficial, depending on whether it is practiced by knowledgeable—though now, to be frank, imponderable—genuine healers, or by people who are mere charlatans, who, having tried their hand at other fields, are now simply trying their hand at the field of healing as well. We’re all familiar with this, aren’t we? As soon as there’s talk of magnetic healing—and before that, of suggestion—“Christian Science” is bound to follow, which is what’s being asked about here:
Wie geht es zu, daß die Christian Science heilen kann, wenn sie den Geist bloß suggeriert?
How is it that Christian Science can heal simply by suggesting it to the mind?
[ 16 ] Nicht wahr, bei der Christian Science muß man ungefähr dasselbe sagen wie beim Heilmagnetismus, nur eben auf einem etwas anderen Gebiete. Ob irgendwelche Sache wirkt, dabei kommt es ja nicht darauf an, was wir für eine Ansicht darüber haben. Denn denken Sie sich einmal, wenn Sie jemandem eine runterhauen und dabei die Ansicht haben, da handele es sich um irgendwelche Kräfte, die es gar nicht gibt, so wird deshalb die Ohrfeige auf der Wange des Betreffenden doch ganz die gleiche sein, [unabhängig davon], ob Sie eine falsche Theorie oder eine sich selbst suggerierte Theorie haben oder dergleichen. Wenn man von der Christian Seience spricht, handelt es sich um ähnliche Erscheinungen; diese ganz ähnlichen Erscheinungen können Sie auch auf pädagogischem Gebiet prüfen.
[ 16 ] Isn’t it true that with Christian Science, one has to say roughly the same thing as with therapeutic magnetism, just in a slightly different field? Whether something works or not doesn’t depend on what we think about it. Just think about it: if you slap someone and believe that it involves forces that don’t actually exist, the slap on the person’s cheek will still be exactly the same, [regardless of] whether you hold a false theory, a self-suggested theory, or something similar. When we speak of Christian Science, we’re talking about similar phenomena; you can also observe these very similar phenomena in the field of education.
[ 17 ] Ich habe wiederholt von den Imponderabilien, die von Mensch zu Menschen wirken, gesprochen und sie auch auf das Gebiet der Pädagogik angewendet. Nehmen Sie einmal an, Sie wollen einem Kinde die Unsterblichkeit der Seele erklären, das Durchgehen der Seele durch den Tod des Menschen, und Sie weisen hin auf eine Schmetterlingspuppe: das ist gewissermaßen der menschliche Leib. Der Schmetterling kommt heraus: das ist die Seele. Und Sie wenden das dann an auf das Übersinnliche. Sie können nun zweierlei bekommen. In Ihrer eigenen Seelenverfassung können Sie ein sehr gescheiter, kluger Mensch sein, der ja in der heutigen Zeit selbstverständlich nicht glaubt, daß das, was er da ausmalt mit der Schmetterlingspuppe, nun wirklich einen anderen Bezug hat zu der Unsterblichkeit als den eines Symboles. Der gescheite Mensch denkt sich das aus; er glaubt selber nicht an irgendeinen Zusammenhang, sondern sagt das dem Kinde, weil das dumm und er gescheit ist, weil er etwas ausdenkt, das er als Vergleich hinstellt. Das ist die eine Seelenverfassung. Die andere Seelenverfassung ist die, in der der Geistesforscher ist. Der sieht überall Stufen eines Daseins, das in Polarität und Steigerung ist — Worte, die schon Goethe angewendet hat. Er sieht hin auf die Schmetterlingspuppe, aus der der Schmetterling auskriecht, und für ihn entsteht selbst der Glaube, daß der auskriechende Schmetterling ein Bild ist, das ihm die geistigen Welten hinzeichnen. Er ist zwar nicht im heutigen Sinne ein kluger Mensch, ein gescheiter Mensch, das ist er nicht, aber er ist ein Mensch mit Wirklichkeitssinn. In der Wirklichkeit sind nämlich überall die Taten des Geistes darinnen.
[ 17 ] I have repeatedly spoken of the imponderables that influence people and have also applied them to the field of education. Suppose you want to explain to a child the immortality of the soul—the soul’s passage through human death—and you point to a butterfly chrysalis: that, in a sense, is the human body. The butterfly emerges: that is the soul. And you then apply this to the supersensible realm. You may now encounter two possibilities. In your own state of mind, you may be a very intelligent, wise person who, of course, in this day and age does not believe that what you are describing with the butterfly chrysalis really has any connection to immortality other than that of a symbol. The intelligent person invents this; he himself does not believe in any connection, but tells the child this because the child is foolish and he is intelligent—because he devises something to serve as a comparison. That is one state of mind. The other state of mind is that of the spiritual researcher. He sees everywhere stages of an existence characterized by polarity and progression—terms that Goethe himself used. He looks at the butterfly chrysalis from which the butterfly emerges, and for him the belief arises that the emerging butterfly is an image drawn for him by the spiritual worlds. He may not be, in today’s sense, a clever person or a smart person—he is not that—but he is a person with a sense of reality. For in reality, the deeds of the spirit are present everywhere.
[ 18 ] Nun gibt es einen Unterschied beim Unterrichten: Wenn Sie ein ganz gescheiter Mensch sind und dem Kinde durch das ausgedachte Symbolum die Sache begreiflich machen wollen, so erreichen Sie in der Regel nichts. Wenn aber das Bild selbst in uns lebt, wenn wir durchdrungen sind von dem, daß hier der Geist der Natur selber das Bild der unsterblichen Seele hingezeichnet hat im auskriechenden Schmetterling, dann wirken Imponderabilien von Ihrer Seele zu der Seele des Kindes, dann hat das Kind, weil es etwas von dem Leben empfängt, auch etwas für das Leben.
[ 18 ] Now, there is a difference in teaching: If you are a very clever person and try to make the concept understandable to the child through a contrived symbol, you will generally achieve nothing. But if the image itself lives within us—if we are imbued with the realization that here the spirit of nature itself has sketched the image of the immortal soul in the emerging butterfly—then intangible forces flow from your soul to the child’s soul, and then the child, because it receives something of life, also has something to offer life.
[ 19 ] Es wirken allerdings von Mensch zu Mensch Kräfte, die man nicht mit der Waage wiegen oder mit dem Zollstab messen kann, trotzdem alles nach Maß, Zahl und Gewicht eingerichtet ist. Und diese Dinge, die werden noch einen reichlichen Beitrag liefern zu dem, was unser Leben bereichern soll, Dinge, die jedenfalls für das Heil der Menschheit bedeutungsvoller sein werden als manche Anwendungen der Naturwissenschaft. Man wird, wenn man auf diese Dinge eingeht, sehen, daß es noch ganz andere Kräfte gibt, die gerade durch das Handhaben geistiger Wissenschaft in die Menschheit kommen werden. Dazu bedarf es aber, daß auf der einen Seite gelehrt werde von der wahren Naturwissenschaft wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit, und daß auf der anderen Seite der Wille entstehe, mit dieser wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit nun auch in die geistigen Welten einzudringen.
[ 19 ] There are, however, forces at work between people that cannot be weighed on a scale or measured with a ruler, even though everything is organized according to measure, number, and weight. And these things will make a substantial contribution to what is meant to enrich our lives—things that will certainly be more significant for the salvation of humanity than many applications of natural science. When one delves into these matters, one will see that there are entirely different forces that will come into humanity precisely through the practice of spiritual science. This, however, requires, on the one hand, that true natural science teach scientific rigor, and, on the other hand, that the will arise to penetrate the spiritual worlds with this scientific rigor.
[ 20 ] Damit möchte ich für heute abschließen. Wir werden dann versuchen, morgen, bevor Sie abreisen, meine schr verehrten Anwesenden, abends noch einiges vortragsmäßig, nicht so fragemäßig, sondern vortragsmäßig zusammenfassend zum Abschied hier vorzubringen.
[ 20 ] I would like to conclude for today. Tomorrow evening, before you depart, my esteemed audience, we will try to present a summary in the form of a lecture—not so much a question-and-answer session, but rather a concluding lecture—as a farewell.
