The Stimulating Effect of Anthroposophy
on the Sciences
GA 76
10 April 1921, Dornach
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The Stimulating Effect of Anthroposophy on the Sciences, tr. SOL
7. Schlussrede
7. Closing Remarks
[ 1 ] Obwohl ich heute abend noch einen gewissermaßen außerhalb des Programmes stehenden Vortrag um acht Uhr für alle Kursteilnehmer dieser Woche halten werde, stehen wir doch jetzt am Ende unserer Frühjahrs-Vortragsreihe. Wir konnten in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, wie es ja selbstverständlich ist, nur Andeutungen und Richtlinien geben über das, was uns auf ein gewisses Ziel hin vorschwebt. Und dies Ziel — Sie werden es gerade an diesen Vorträgen haben fühlen können — ist kein anderes als dieses: zu zeigen, wie das, was hier anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird, befruchtend wirken soll auf die verschiedenen einzelnen Fachwissenschaften und auch auf die verschiedenen Zweige des menschlichen praktischen Lebens in der Gegenwart. Wir haben, um hinweisen zu können, in welcher Art wir uns dieses Ziel vorstellen, zunächst durchgenommen, tageweise, diejenigen Wissenschaften, welche hineinführen in das Leben der äußeren Welt, der äußeren Natur. Wir haben zu zeigen versucht, wie da von den Erkenntnisbestrebungen der Gegenwart überall! Schranken und Grenzen aufgerichtet werden, welche aber keine wirklichen Schranken und Grenzen menschlicher Seelentätigkeit überhaupt sein können, weil, wenn sie gelten könnten, dasjenige, was dem Menschen das wesentlichste Ziel der Erkenntnis sein muß, das Durchschauen der menschlichen Wesenheit selber, niemals erreichbar sein würde. Und vor allen Dingen fehlen müßte eine Erkenntnis, welche Antrieb werden kann des menschlichen Willens, der menschlichen Tat. Der menschliche Wille und die menschliche Tat müßten verurteilt sein, weiterhin nur aus den Instinkten und Trieben heraus das soziale Leben zu gestalten, während ein menschenwürdiges Dasein nur begründer werden kann, wenn geistige Einsicht die Kraft hat, über die bloße Naturanschauung hinaus in das rein geistige Leben einzutauchen und von daher die sittlichen und die sozialen Ideale zu holen, die mächtig genug sind, um in den Willen impulsierend hineinzuwirken.
[ 1 ] Although I will be giving a lecture at 8:00 p.m. tonight—one that is, so to speak, outside the program—for all of this week’s course participants, we have now reached the end of our spring lecture series. In the short time available to us, as is only natural, we were able to offer only hints and guidelines regarding the goal we have in mind. And this goal—as you will have sensed from these lectures—is none other than this: to show how what is called anthroposophically oriented spiritual science here is intended to have a fruitful influence on the various individual academic disciplines and also on the various branches of practical human life in the present. In order to indicate how we envision this goal, we have first examined, day by day, those sciences that lead into the life of the outer world, of outer nature. We have attempted to show how, everywhere, the intellectual endeavors of the present day erect barriers and boundaries—which, however, cannot be real barriers or boundaries to human spiritual activity at all, because if they were valid, that which must be the most essential goal of human knowledge—the insight into the human being itself—would never be attainable. And above all, there would be a lack of knowledge capable of becoming the driving force behind human will and human action. Human will and human action would be condemned to to continue shaping social life solely on the basis of instincts and drives, whereas a life worthy of human dignity can only be established if spiritual insight has the power to go beyond a mere view of nature and immerse itself in purely spiritual life, drawing from there the moral and social ideals that are powerful enough to impel the will.
[ 2 ] So mußten wir auf der einen Seite darauf hinweisen, wie Geisteswissenschaft über die Schranken hinauskommen will, die der äußeren Wissenschaft, insofern sie sich auf die äußere Natur und auf die äußere Welt bezieht, gesteckt sein sollen, nach dem Willen gerade und nach der Meinung und dem Glauben unserer Zeit. Und wir mußten auf der anderen Seite hinweisen auf die andere Richtung des menschlichen Erkennens: die nach innen geht, die darauf geht, den Menschen und sich selber zu erfassen, so daß man hinuntersteigen kann in das, was im Menschen als sein eigentlicher Wesenskern lebt. Und wir haben gezeigt, daß allein, wenn dieser Impuls wirklich in das Innere des Menschen eindringt, in der Erkenntnis lebt, daß dann allein zustande kommen könne zum Beispiel eine wirkliche Sprachwissenschaft, eine wirkliche Geschichtswissenschaft auch, und daß dieser Impuls der Innenerkenntnis notwendig ist, um die sprachlichen, die geschichtlichen Wissenschaften zu durchdringen und zu befruchten.
[ 2 ] On the one hand, we had to point out how spiritual science seeks to transcend the boundaries that, according to the will—and indeed the opinion and belief—of our time, are supposed to be set for external science insofar as it relates to external nature and the external world. And on the other hand, we had to point to the other direction of human cognition: the one that turns inward, that seeks to grasp the human being and oneself, so that one can descend into what lives within the human being as its very core of being. And we have shown that only when this impulse truly penetrates into the inner being of the human being, living in this realization, can, for example, a true linguistics or a true historical science come into being; and that this impulse of inner knowledge is necessary to permeate and enrich the linguistic and historical sciences.
[ 3 ] So haben wir nach zwei Richtungen hingewiesen, in denen hinweggeschritten werden muß über die Grenzen, welche die gegenwärtige Fachwissenschaft setzen will: in die Richtung nach außen, in die Richtung nach innen. Und wir haben darauf hingewiesen in diesen Tagen, wie der Appell an eine solche Geist-Erkenntnis uns ja hervortönt aus den wichtigsten Zeichen der Zeit.
[ 3 ] Thus, we have pointed out two directions in which we must move beyond the boundaries that contemporary specialized science seeks to impose: outward and inward. And we have emphasized in recent days how the call for such spiritual insight resounds to us from the most important signs of the times.
[ 4 ] Da haben wir auf der einen Seite die zahlreichen Anzeichen, wie die Menschen in weitesten Kreisen bestrebt sind, immer tiefer und tiefer hineinzukommen in die Rätsel des menschlichen Inneren, um da, in diesem menschlichen Inneren, einen sicheren Halt zu bekommen, ein richtiges Gleichgewicht zum äußeren sozialen Leben zu erhalten. Und wenn wir vernehmen die wichtigsten Stimmen des menschlichen Herzens, des menschlichen Gemütes, so müssen wir sagen: es tönt überall aus den Anforderungen der Gegenwart heraus, daß wissenschaftliche Erkenntnis ausmünden müsse in das, was so für die innere Sicherung der menschlichen Seele gefunden werden muß. Kein Ausblick nach einem solchen Ziele ist in der gegenwärtigen landläufigen Wissenschaft zu finden. Weil er darinnen nicht zu finden ist, glaubt Geisteswissenschaft den Schritt tun zu müssen, diesen anderen Wissenschaften zu zeigen, wie sie durch wahre geisteswissenschaftliche Forschung befruchtet werden können.
[ 4 ] On the one hand, we have numerous signs that people in the broadest circles are striving to delve deeper and deeper into the mysteries of the human inner life in order to find a secure foothold there—within that inner life—and to maintain a proper balance with external social life. And when we listen to the most important voices of the human heart and the human mind, we must say: it resounds everywhere from the demands of the present that scientific knowledge must lead to what must be found for the inner security of the human soul. No prospect of such a goal can be found in current mainstream science. Because it cannot be found there, spiritual science believes it must take the step of showing these other sciences how they can be enriched through true spiritual scientific research.
[ 5 ] Von der anderen Seite her tönen die Klänge aus der sozialen Verwirrung. Große, gewaltige soziale Aufgaben stehen vor den Menschen unseres Zeitalters. Wir werden mit ihnen nur zurechtkommen, wenn wir einsehen, daß ja doch nur das, was wir uns an Einsicht in das Menschenleben, an Erkenntnis der menschlichen Wesenheit erwerben können, uns die Kraft geben kann, an die großen sozialen Aufgaben der Gegenwart heranzutreten. Führend müssen wieder werden die Einsichten, führend muß das werden, was aus echter, wahrer geisteswissenschaftlicher Forschung hervorgeht, denn das allein kann auch richtunggebend sein für die sozial so notwendigen Bestrebungen.
[ 5 ] From the other side come the sounds of social turmoil. The people of our age face great and formidable social challenges. We will only be able to cope with them if we realize that, after all, only what we can gain in insight into human life and in understanding of the human essence can give us the strength to tackle the great social challenges of the present. Insights must once again take the lead; what emerges from genuine, true spiritual scientific research must take the lead, for that alone can also provide direction for the social endeavors that are so necessary.
[ 6 ] Es wird das gerade unseren Absichten übelgenommen, daß wir die Frage, auf die hiermit gedeutet ist, in einer etwas anderen Weise auffassen müssen als viele unserer Zeitgenossen. Ich habe auf dieses Anderssein schon bei den verschiedensten Gelegenheiten hinweisen müssen. Aber das ist etwas, was immer wiederum gesagt werden muß. Daher will ich es auch heute, am Schlusse unserer Veranstaltung, hier sagen. Gewiß, es gibt schon viele Leute, die sagen: Über die weitesten Kreise der Bevölkerung hinaus muß Einsicht, muß Wissen sein; Wissen muß popularisiert werden, denn es muß leben in einer genügend großen Anzahl von Menschen; nur wenn es in ihnen lebt, werden sich auch die sozialen Einsichten entwickeln. — Und aus dem guten Willen, der zweifellos dem zugrunde liegt, geht hervor alles, was man unternimmt in der Richtung der Einsetzung von Volkshochschulen, Volksbibliotheken, Popularisierung der Wissenschaft, wie sie an unseren heutigen Bildungsanstalten gepflegt wird. Man ist der Meinung, wenn man nur hinausträgt, was an unseren Bildungsanstalten gepflegt wird, in die weitesten Kreise, dann müsse es in der Zukunft verhindern, daß wir in solche katastrophalen Epochen hineinkommen, wie die unsrige es ist.
[ 6 ] We are criticized—precisely because of our intentions—for having to interpret the question referred to here in a somewhat different way than many of our contemporaries. I have already had to point out this difference on a wide variety of occasions. But this is something that must be reiterated time and again. That is why I wish to say it here today, at the conclusion of our event. Certainly, there are already many people who say: Understanding and knowledge must extend beyond the broadest segments of the population; knowledge must be popularized, for it must live on in a sufficiently large number of people; only when it lives on in them will social insights also develop. — And the good will that undoubtedly underlies this is evident in everything that is undertaken toward the establishment of adult education centers, public libraries, and the popularization of science, as it is cultivated in our educational institutions today. The prevailing view is that if we simply disseminate what is taught at our educational institutions to the widest possible circles, this will prevent us in the future from entering into such catastrophic eras as the one we are currently experiencing.
[ 7 ] Aber kann man denn glauben, daß dasjenige, was ja da war für die Menschen, die unmittelbar zu tun hatten mit den Ursachen dieser jetzigen katastrophalen Zeit, daß das, was also von unseren Bildungsanstalten ausgestrahlt ist auf die führenden Kreise und nichts gefruchtet hat, sie zu besserem Tun zu bringen als zu dem, wozu sie gekommen sind, kann man hoffen, daß dasselbe «Geistesgut», wie man es eben auch nennt, nun wirken werde, wenn es in die große Menge hinausgestreut wird? Man kann solches nur glauben, wenn man sich selber Sand in die Augen streuen will. Weil wir das nicht wollen, die wir uns hier verbunden fühlen mit den Bestrebungen des Goetheanismus, deshalb müssen wir sagen, trotz alledem, was da gleich aufgerufen wird an allen möglichen Feindund Gegnerschaften: Nein, anderes ist noch notwendig! — Nicht bloß hinausgetragen werden soll etwas aus unseren Bildungsanstalten, hineingetragen werden muß etwas. Es muß das hineingetragen werden, was erst hineingetragen werden kann, wenn man die geistige Forschung neben der äußeren sinnlichen und verstandesmäßigen anerkennen will. Was dann in unsere Bildungsanstalten hineingetragen wird, das wird schon ergreifen die Herzen und die Gemüter der Menschen, weil es hervorgeholt ist aus dem Wesen der Herzen und der Gemüter der Menschen, weil dasjenige, was unbewußt in der Menschen Tiefen schlummert, auf diese Weise zutage gefördert wird als Richtungskräfte für menschliches Wirken. Wir sind schon einmal in der für viele unsympathischen Lage, uns zu der Ansicht bekennen zu müssen, daß nicht nur etwas herausgetragen werden müßte aus unseren Bildungsanstalten, sondern vor allen Dingen viel, viel hineingetragen werden müsse. Und daß wir uns vermessen, hinzuweisen auf solche Dinge, das ist es, was uns so viele Feindschaft einträgt.
[ 7 ] But can one really believe that what was available to the people directly involved in the causes of this current catastrophic era—that is, what our educational institutions have conveyed to the ruling circles, yet which has failed to inspire them to act any better than they have—can one hope that this same “intellectual heritage” —as it is also called—will now take effect when it is scattered out among the masses? One can only believe such a thing if one wants to pull the wool over one’s own eyes. Because we do not want that—we who feel connected here to the aspirations of Goetheanism—we must therefore say, despite all the hostility and opposition that will immediately be stirred up: No, something else is still necessary! — It is not enough for something to be carried out from our educational institutions; something must be carried in. What must be carried in is that which can only be carried in if one is willing to recognize spiritual research alongside external sensory and intellectual inquiry. What is then brought into our educational institutions will surely capture the hearts and minds of people, because it is drawn from the very essence of human hearts and minds; because what lies dormant unconsciously in the depths of the human soul is thus brought to light as guiding forces for human endeavor. We find ourselves once again in the position—unpopular with many—of having to profess the view that not only must something be removed from our educational institutions, but above all, much, much more must be brought into them. And the fact that we presume to point out such things is what earns us so much hostility.
[ 8 ] Nun, Sie dürfen es mir glauben: persönlich wäre es mir das allerliebste, wenn der Drang nach solcher Geistesberufung der Wissenschaften vor allen Dingen sich erheben würde aus den Stätten unserer bisherigen Bildung selber, wenn da sich diejenigen finden würden, die hinweisen möchten darauf, was nötig ist. Über nichts würde ich mich mehr freuen, nichts würde mich mehr befriedigen, als wenn ich solches Streben sehen könnte. Ja, deshalb hatte ich wirklich — verzeihen Sie diese einzuschiebende Episode — einige Freude, als ich jüngst in Basel drinnen war und im Schaufenster eine Schrift entdeckte, die den Titel trägt «Universitätsreform», geschrieben von einem Uhiversitätsprofessor selber, wie sich gleich herausstellte. Das, dachte ich mir, macht vielleicht ganz unnötig das Streben nach einer Begründung des Weltschulvereins, wenn solche Stimmen von solcher Seite herkommen. Und die Schrift beginnt auch gleich außerordentlich verheißungsvoll. Man hat so das Gefühl, daß mit solchen Sätzen etwas angeschlagen werden müsse, was die Zeichen der Zeit nach einer gewissen Richtung hin versteht: «Die Organisation unserer Universitäten leidet an großen Mängeln. Ein Reformwerk tut hier dringend not. An diesem Werk soll aber allein teilnehmen, wer das Universitätswesen von Grund aus kennt.»
[ 8 ] Well, you may take my word for it: personally, I would love nothing more than for the drive toward such an intellectual calling in the sciences to arise, above all, from the very institutions of our existing education system, if only there were those who would point out what is necessary. Nothing would make me happier, nothing would satisfy me more, than if I could see such an endeavor. Yes, that is why I actually—please forgive this brief digression—felt some joy when I was recently in Basel and discovered a book in a store window titled “University Reform,” written, as it soon turned out, by a university professor himself. “That,” I thought to myself, “might make the effort to establish the World School Association quite unnecessary, if such voices are coming from that quarter.” And the pamphlet also begins in an extraordinarily promising way. One gets the feeling that such sentences are meant to strike a chord with those who understand the signs of the times pointing in a certain direction: “The organization of our universities suffers from major shortcomings. A reform is urgently needed here. However, only those who know the university system from the ground up should participate in this work.”
[ 9 ] Auch darüber könnte man erfreut sein, wenn solche teilnehmen würden, die das Universtätswesen von Grund auf kennen. Weil ich aber in dem, was ich weiter in dieser Schrift erfahren habe, ein Symptom charakterisieren möchte, so müssen Sie mir schon gestatten, daß ich in aller Kürze über das Erlebnis an dieser Schrift etwas spreche. Auf Seite 4 findet man ausgedrückt, was der Verfasser nun ausschließt von seiner Betrachtung über dieses Reformwerk bezüglich der Universitäten: «So werde ich zum Beispiel mich über die Frage der Semestereinteilung und der Universitätsferien nicht äußern. Denn diese Dinge sind noch nicht spruchreif.»
[ 9 ] One might also be pleased about this if those who know the university system from the ground up were to participate. However, since I wish to characterize a symptom in what I have learned further in this treatise, you must allow me to speak very briefly about my experience with this treatise. On page 4, the author states what he is excluding from his discussion of this reform project concerning the universities: “For example, I will not comment on the question of the division of semesters and university vacations. For these matters are not yet ready for discussion.”
[ 10 ] Ein Weiteres, das ausgeschlossen werden soll von dieser Betrachtung: «So werde ich ferner die Rechtsverhältnisse der Assistenten unserer Kliniken oder unserer naturwissenschaftlichen Institute unerörtert lassen. Denn ich traue mir ein sachverständiges Urteil darüber nicht zu.»
[ 10 ] Another point to be excluded from this discussion: “I will also leave the legal status of the assistants at our clinics or our natural science institutes undiscussed. For I do not consider myself qualified to offer an expert opinion on the matter.”
[ 11 ] Nun, man könnte ja ganz zufrieden sein, wenn diese zwei Punkte ausgeschlossen bleiben würden von einer Betrachtung darüber, wie notwendig ein Reformwerk an unseren Universitäten ist.
[ 11 ] Well, one could certainly be quite satisfied if these two points were excluded from any consideration of how necessary university reform is.
[ 12 ] Dann wird dasjenige, was nun zu reformieren ist, in einzelnen Kapiteln abgehandelt. Das erste Kapitel heißt: «Die Einteilung der Universitätslehrer in verschiedene Klassen.» Man erfährt daraus, daß es ordentliche, außerordentliche Professoren gibt, Privatdozenten, Honorarprofessoren, Lektoren und Assistenten. Man erfährt daraus, daß es notwendig ist, hier mit einem großen Reformwerk einzusetzen, daß es zum Beispiel notwendig ist, daß gewisse Leute, die nach dem gegenwärtigen Usus ihr ganzes Leben lang außerordentliche Professoren geblieben sind, weil sie zum Beispiel nur ein Nebenfach — die Ohrenheilkunde oder die Ägyptologie — zu vertreten hatten, daß die nun zu, nun, auch zu ordentlichen Professoren ernannt werden müssen; nur daß man doch nicht gleich über die Schnur hauen soll, erfährt man, daß man bei all denen, die vom außerordentlichen Professor zum ordentlichen Professor zu ernennen sind, das Gehalt doch ein geringeres wird sein lassen müssen, als dasjenige, welches die richtigen ordentlichen Professoren bekommen.
[ 12 ] The matters now in need of reform are then addressed in individual chapters. The first chapter is titled: “The Classification of University Faculty into Different Categories.” From it, one learns that there are full professors, associate professors, private lecturers, honorary professors, lecturers, and assistants. It explains that it is necessary to undertake a major reform here; for example, it is necessary that certain individuals who, under current practice, have remained associate professors their entire lives—because, for instance, they were responsible for only a minor subject, such as otology or Egyptology—must now also be appointed as full professors; however, to avoid going too far, we learn that for all those who are to be promoted from associate professor to full professor, their salary must still be set at a lower level than that received by full-fledged full professors.
[ 13 ] Dann schreiten wir weiter zum nächsten Kapitel über die Bestellung der Universitätslehrer. Da wird unter anderem auf das Außerordentliche, Bedeutsame hingewiesen, daß sich ja Diskrepanzen ergeben haben zwischen den Regierungen und den Fakultäten oder den Professorenkollegien, und daß es etwas Bedenkliches hätte, wenn man etwa gar zu stark darauf rechnen würde, daß aus den Professorenkollegien selber einzig und allein die Ernennung hervorgehen könnte. Die Regierungen haben da manchmal Besseres getan als die Professorenkollegien.
[ 13 ] Let us now move on to the next chapter on the appointment of university professors. Among other things, it points out the extraordinary and significant fact that discrepancies have indeed arisen between the governments and the faculties or the professors’ councils, and that it would be somewhat cause for concern if one were to rely too heavily on the idea that appointments could come solely from the professors’ councils themselves. In this regard, the governments have sometimes acted more wisely than the professorial councils.
[ 14 ] Man muß nach einem Ausweg suchen. Es ist allerdings die Schrift für deutsche Verhältnisse geschrieben, allein ich glaube, sie ist für Weltverhältnisse zum mindesten symptomatisch und darf daher hier angeführt werden. Da wird nach einem Ausweg gesucht, wie man darüber hinauskommen könne, daß die Diskrepanzen zwischen den Kollegien und den Regierungen verschwinden, und da wird hingewiesen darauf, daß man die wichtige Einrichtung ins Leben rufen müsse eines «Reichsuniversitätsrates»!
[ 14 ] One must look for a way out. Admittedly, the text was written with German conditions in mind, but I believe it is at least symptomatic of global conditions and may therefore be cited here. It seeks a way forward—a means of overcoming the discrepancies between the academic bodies and the governments—and points out that an important institution, a “Reich University Council,” must be established!
[ 15 ] Wir kommen — ich will recht schnell über die Dinge hinweggehen — zum dritten Kapitel: Das Gehalt der Universitätslehrer. Nun, da wird eben auseinandergesetzt, welche Wünsche vorliegen über die Gehaltsregulierungen. Ein Kleines habe ich Ihnen schon davon mitgeteilt.
[ 15 ] We come—and I’ll go over these points quite quickly—to the third chapter: University Faculty Salaries. Well, this chapter discusses the various proposals regarding salary regulations. I’ve already mentioned one small point about this to you.
[ 16 ] Wir kommen zum vierten Kapitel: Die Überweisung der Vorlesungsgebühren an die Universitätslehrer. Da wird darauf hingewiesen, daß mancher, der ein sehr tüchtiger Mann ist, nur ein ganz kleines Kolleg hat, ein anderer, der gerade etwas Beliebtes liest, hat ein großes Kolleg, bekommt also viele Kolleggelder. Es wird darauf hingewiesen, daß zum Beispiel derjenige, der nur drei Stunden zu lesen hätte über seinen Gegenstand, daß der fünf oder sechs Stunden erhält, damit das Kolleggeld höher werde. Kurz, es sei nicht anders hinauszukommen, als daß man diese Sache einer gründlichen Reform unterziehe.
[ 16 ] We now come to the fourth chapter: The allocation of lecture fees to university professors. It is pointed out that some professors, who are very capable, have only a very small class, while others, who happen to teach a popular subject, have a large class and thus receive a great deal in lecture fees. It is pointed out that, for example, someone who would only need to teach three hours on his subject is assigned five or six hours so that the seminar fee would be higher. In short, there is no other way out of this than to subject this matter to a thorough reform.
[ 17 ] Dann, im fünften Kapitel, wird von der Verleihung von Auszeichnungen an die Universitätslehrer gesprochen, was auch eine Angelegenheit ist, die eine gründliche Reform erfordert.
[ 17 ] Then, in the fifth chapter, the text discusses the awarding of honors to university faculty, which is also a matter that requires thorough reform.
[ 18 ] In einem sechsten Kapitel wird gesprochen über die Art des Ausscheidens der Universitätslehrer aus ihrer Lehrstellung. Da wird darauf hingewiesen, daß da viele Ungerechtigkeiten geschehen könnten. Allein wenn ein «Universitätsdienstgericht» eingerichtet wird, welches zum Teil besteht aus den würdigsten Mitgliedern des «Reichsuniversitätsrates», dann wird es mit diesen Dingen schon gehen.
[ 18 ] The sixth chapter discusses the manner in which university professors are dismissed from their teaching positions. It points out that many injustices could occur in this regard. However, if a “University Service Court” is established, consisting in part of the most distinguished members of the “Reich University Council,” then these matters will be handled appropriately.
[ 19 ] Dann wird darauf hingewiesen, wie durch solche Instanzen, wie den «Reichsuniversitätsrat» und das «Universitätsdienstgericht», nun auch einmal Ordnung hineinkommen könne in dasjenige, was im siebenten Kapitel angeführt wird, das «Dienststrafrecht der Universitätslehrer», was zu geschehen hat, wenn man sie entlassen will oder wenn sie nur einen Verweis oder so etwas bekommen sollen.
[ 19 ] It then points out how, through bodies such as the “Reich University Council” and the “University Disciplinary Court,” order can finally be brought to what is discussed in Chapter 7—the “disciplinary law governing university faculty”—specifically, what procedures must be followed if a faculty member is to be dismissed or if they are to receive merely a reprimand or similar sanction.
[ 20 ] Dann finden wir ein besonderes Kapitel über «Besondere Dienstaufträge der Universitätslehrer». Wir finden ein Kapitel über die «Verwaltung der Universitätsangelegenheiten», worinnen aber nur über solche Dinge gesprochen wird, die eben Besprechungen dahin notwendig machen, ob nun auch die außerordentlichen Professoren und die Privatdozenten vielleicht durch einen Vertreter teilnehmen sollen, und in welcher Weise das geschehen soll, an dem, was man ausmacht.
[ 20 ] Then we find a specific chapter on “Special Duties of University Faculty Members.” We find a chapter on the “Administration of University Affairs,” which, however, deals only with matters that necessitate discussion as to whether associate professors and private lecturers should perhaps participate through a representative, and in what manner this should take place in accordance with what is agreed upon.
[ 21 ] In einem elften Kapitel wird über das «Universitätsvermögen» gesprochen. In einem zwölften Kapitel davon, wie man zurechtkommen soll, wenn sich Leute melden, die nicht ganz ihre Vorprüfung gemacht haben. In einem dreizehnten Kapitel wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Doktorsein durch verschiedene Umstände ein Unfug ist, und daß man daher künftig nicht doktorieren soll durch Prüfungen, sondern daß derjenige, der die Staatsprüfung, die Assessorprüfung, die philologische Schulamtsprüfung und ähnliches absolviert hat, berechtigt sein soll, sich in Zukunft selber Doktor zu nennen. Aber das führt doch wiederum zu Schwierigkeiten, nämlich, wenn sich diejenigen, die vom Staat angestellt sind, Doktor nennen können — ich weiß nicht den inneren logischen Zusammenhang, ich habe ihn nicht begriffen —, dann wären doch keine Garantien dafür geboten, daß das auch Gelehrte jetzt wären, und deshalb müsse noch extra eine Gelehrtenprüfung eingeführt werden. Man könne allerdings nicht hoffen, daß die Leute große Lust haben, diese Gelehrtenprüfung noch extra abzulegen; allein, man könne dafür noch extra einen Ersatz eintreten lassen, zum Beispiel den, daß dem, der sie abgelegt hat und nachher promoviert wird, daß dem das Jahr, in dem er diese Gelehrtenprüfung abgelegt hat, doppelt angerechnet werde zu seiner Dienstzeit.
[ 21 ] The eleventh chapter discusses “university assets.” The twelfth chapter addresses how to handle situations where people apply who have not fully completed their preliminary examination. The thirteenth chapter points out that, due to various circumstances, the title of “doctor” is a farce, and that in the future, one should not earn a doctorate through examinations; rather, anyone who has passed the state examination, the assessor examination, the philological teacher certification examination, and similar tests should be entitled to call themselves a “doctor” in the future. But that, in turn, leads to difficulties: namely, if those employed by the state can call themselves “doctors”—I do not understand the internal logical connection; it has eluded me—then there would be no guarantees that they are actually scholars, and therefore a separate scholarly examination would have to be introduced. Of course, one cannot expect people to be particularly eager to take this additional scholarly examination; however, one could introduce a substitute measure, for example, that for those who have taken it and subsequently earn a doctorate, the year in which they took this scholarly examination would count double toward their years of service.
[ 22 ] Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, ich rede von einer sehr ernsten Angelegenheit, ich rede von einem Buch über Universitätsreform, das damit beginnt: Die Organisation an unseren Universitäten leide an großen Mängeln, ein Reformwerk tue dringend not, und ich habe, als ich dreizehn Kapitel durchgemacht hatte, gesehen, ich war schon auf Seite 43 angekommen, nun gab es noch anderthalb Seiten; ich hoffte, nun wird es kommen! Aber siehe da, jetzt kommt ein vierzehntes Kapitel: «Wissenschaftliche Forschungsanstalten.» Da wird gesagt, daß ja allerdings auch für diese einiges zu tun wäre, daß als richtige Forscher zum Beispiel nur diejenigen angestellt werden dürften, die zuerst Universitätsprofessoren gewesen sind, denn nur die seien wirkliche Forscher. Und dann schließt auf Seite 44 diese Schrift damit: «Es empfiehlt sich deshalb, das Gehalt von Mitgliedern von Forschungsanstalten nicht ganz so hoch zu bemessen wie das von ordentlichen Universitätsprofessoren des gleichen Dienstalters; sie können sich ja darüber auch nicht beklagen, da sie ja von der schweren Uhterrichtslast ganz befreit sind. Auch ist irgendwie Vorsorge dahin zu treffen, daß die Mitglieder der Forschungsinstitute ihre Stellung als Honorarprofessoren nicht dazu benutzen, um sich übermäßige Vorlesungsgebühren zu sichern.»
[ 22 ] Yes, ladies and gentlemen, I am speaking of a very serious matter; I am speaking of a book on university reform that begins as follows: The organization of our universities suffers from major shortcomings; reform is urgently needed. And when I had worked my way through thirteen chapters—I had already reached page 43, with only a page and a half left—I hoped, “Now it’s finally coming!” But lo and behold, here comes a fourteenth chapter: “Scientific Research Institutes.” It states that, admittedly, there is also work to be done in this area—that, for example, only those who have previously been university professors should be hired as true researchers, since only they are real researchers. And then, on page 44, this treatise concludes with the following: “It is therefore advisable not to set the salaries of members of research institutes quite as high as those of full university professors with the same length of service; after all, they have no reason to complain, since they are completely exempt from the heavy teaching load. Provision must also be made to ensure that members of research institutes do not use their position as honorary professors to secure excessive lecture fees.”
[ 23 ] Ja, damit ist die Schrift wirklich zu Ende. Und ich habe eigentlich ganz unvermerkt einiges ausgelassen. Ich hatte allerdings, als ich die Schrift zu Ende gelesen hatte, so das Gefühl: Also die Universitäten bestehen aus Professoren, ordentlichen und außerordentlichen Professoren, Privatdozenten, Lektoren und Assistenten. Aber da fiel mir ein: an der Universität, da sind ja auch Studenten, und ich fragte mich, hängen vielleicht diese Studenten doch auch etwas zusammen mit dem Zwecke der Universitäten? Da konnte ich denn konstatieren, daß sieben und zehn, gleich siebzehn Zeilen den Studenten gewidmet sind in dieser Schrift, welche nahezu vierundvierzig Seiten umfaßt. Aber die ersten sieben Zeilen auf Seite 5 — aus denen konnte ich nichts Besonderes machen. Denn die sagen eigentlich so furchtbar wenig Positives: «Deshalb gehe ich nicht weiter darauf ein, ob sich nicht das Verhältnis zwischen Universitätslehrern und Studenten inniger gestalten und vor allem die Sprechstunde der Universitätslehrer fruchtbarer einrichten ließe, als das jetzt im großen und ganzen der Fall ist. Denn hier wäre mit Verwaltungsvorschriften gar nichts auszurichten. Hier wäre jeder Zwang, der nur von außen käme, hoffnungslos.»
[ 23 ] Yes, that really is the end of the text. And I actually left out quite a few things without even realizing it. However, when I had finished reading the text, I had this feeling: So, universities consist of professors—full and associate professors—as well as private lecturers, lecturers, and teaching assistants. But then it occurred to me: at the university, there are also students, and I wondered, do these students perhaps have something to do with the purpose of universities after all? I was then able to ascertain that seven and ten—that is, seventeen—lines are dedicated to the students in this text, which comprises nearly forty-four pages. But the first seven lines on page 5—I couldn’t make anything of them. For they actually say so very little that is positive: “Therefore, I will not go into further detail on whether the relationship between university faculty and students could be made more intimate and, above all, whether the faculty’s office hours could be organized more productively than is generally the case at present. For administrative regulations would be of no use whatsoever here. Any coercion coming solely from the outside would be hopeless.”
[ 24 ] Dann wollte ich mich noch halten bezüglich der Studentenschaft an die Seite, welche in zehn Zeilen über die Studenten handelt. Aber da konnte ich auch nichts machen, denn die handeln bloß über das «Ordnungsstrafrecht der Studenten».
[ 24 ] Then I wanted to set aside the section on the student body, which discusses students in ten lines. But there was nothing I could do about it, since they only deal with “disciplinary law for students.”
[ 25 ] Nun, ich habe das, was ich mitgeteilt habe, eigentlich nicht mitgeteilt, um ironisch zu werden, um Lachen zu erregen oder dergleichen, sondern ich habe es mitgeteilt als auch ein Zeichen der Zeit, und ich bemerke ausdrücklich, daß ich den Mann, der das geschrieben hat, für einen außerordentlich guten, einen außerordentlich gescheiten Menschen halte, der sich nur nicht entschließen kann, bezüglich seines Reformwerkes auf etwas anderes zu reflektieren als auf dasjenige — er sagt es selbst —, was sich durch Verwaltungsmaßregeln durchführen läßt. Nun, ich denke, wir haben heute noch andere Dinge notwendig als diejenigen, die sich durch Verwaltungsmaßregeln durchführen lassen. Die Zeichen der Zeit fordern durchaus anderes.
[ 25 ] Well, I didn’t actually share what I shared to be ironic, to provoke laughter, or anything of the sort; rather, I shared it as a sign of the times, and I would like to expressly note that I consider the man who wrote this to be an exceptionally good, exceptionally intelligent person who simply cannot bring himself to reflect on anything other than—as he himself says—those aspects of his reform efforts that can be implemented through administrative measures. Well, I think we need other things today besides those that can be implemented through administrative measures. The signs of the times certainly call for something else.
[ 26 ] Aber nicht nur ein gutwilliger, ein gescheiter Mensch ist der Verfasser dieser Schrift über «Universitätsreform», sondern er ist auch ein sich selbst gut kennender Mensch, und er verrät, warum er eigentlich über solche Dinge nicht hinausgeht. Und da finden wir denn etwas sehr Merkwürdiges auf Seite 4: «So werde ich weiter die Reform des Universitätsunterrichts im engeren Sinne schweigend übergehen. Sie liegt mir freilich sehr am Herzen und ist mindestens so wichtig wie sämtliche übrigen Reformen, die ich demnächst mehr oder weniger ausführlich behandeln werde. Mein Schweigen fällt mir deshalb schwer. Allein was ich darüber sachkundig zu sagen hätte, würde im wesentlichen bloß für den Unterricht in der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft gelten, hätte dagegen für den Unterricht in der Philologie, der Medizin, den Naturwissenschaften nur geringe Bedeutung. Eine auf den rechtswissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Unterricht beschränkte Untersuchung würde aber nicht in den Rahmen einer Abhandlung passen, die sich mit der Reform der Gesamtuniversität befaßt.»
[ 26 ] But the author of this treatise on “university reform” is not only a well-meaning, intelligent person; he is also someone who knows himself well, and he reveals why he does not, in fact, go beyond such matters. And there we find something very curious on page 4: “Thus, I shall pass over in silence the reform of university education in the narrower sense. It is, of course, very close to my heart and is at least as important as all the other reforms, which I will discuss in more or less detail shortly. My silence is therefore difficult for me. However, what I could say knowledgeably on this subject would essentially apply only to the teaching of law and economics; it would, on the other hand, be of little significance for the teaching of philology, medicine, and the natural sciences. An examination limited to the teaching of law and economics would not, however, fit within the scope of a treatise dealing with the reform of the university as a whole.”
[ 27 ] Ja, denken wir uns, die Sache hätte nicht ein Jurist geschrieben, dann könnte hier stehen: «Mein Schweigen fällt mir deshalb schwer. Allein was ich darüber sachkundig zu sagen hätte, würde im wesentlichen bloß für den Unterricht in der Medizin gelten, hätte daher für den Unterricht in der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft nur geringe Bedeutung. Eine auf den medizinischen Unterricht beschränkte Untersuchung würde aber nicht in den Rahmen einer Abhandlung passen, die sich mit der Reform der Gesamtuniversität befaßt.»
[ 27 ] Yes, let’s imagine that if this hadn’t been written by a lawyer, it might read: “That is why it is difficult for me to remain silent.” However, whatever I might have to say on the matter from an expert perspective would essentially apply only to medical education and would therefore be of little significance for the teaching of law and economics. Yet a study limited to medical education would not fit within the scope of a treatise dealing with the reform of the comprehensive university.”
[ 28 ] Und nun könnte ich Ihnen mit Abänderung des Subjekts diesen Satz recht oft vorlesen und Sie würden daraus sehen — wenn Sie sich das dahinterliegende Faktum vor die Seele rufen —, wozu namentlich das Spezialistentum, wie es wuchernd geworden ist, geführt hat. Zur Tatlosigkeit hat es den Wissenschafter verurteilt. Niemand weiß über dasjenige, was im Großen zu geschehen hat, zu reden, weil er Jurist, weil er Volkswirtschafter, Mediziner, Philologe ist und so weiter. Man wird gewissermaßen heute Wissenschafter, um über die eigentlichen Angelegenheiten des menschlichen Wissens bekennen zu müssen, daß man über sie nichts weiß. Solch ein Symptom ist deshalb von Bedeutung, weil es nun wirklich von einem gescheiten, gutwilligen Menschen, der außerdem noch die nötige Bescheidenheit hat, kommt. Aber ich denke, es weist um so mehr auf die Notwendigkeit hin, daß in die Stätten, um die es sich handelt, etwas hineingetragen werden muß, nicht bloß, daß etwas herausgeholt werden könne zu den Zielen, von denen ich vorhin geredet habe.
[ 28 ] And now, if I were to change the subject, I could read this sentence to you quite often, and you would see from it—if you bring the underlying fact to mind—what, in particular, specialization, as it has become rampant, has led to. It has condemned the scientist to inaction. No one knows how to speak about what must happen on a grand scale, because he is a lawyer, an economist, a physician, a philologist, and so on. In a sense, one becomes a scientist today only to have to admit, regarding the very matters of human knowledge, that one knows nothing about them. Such a symptom is significant because it comes from an intelligent, well-meaning person who, moreover, possesses the necessary humility. But I think it points all the more to the necessity that something must be brought into the fields in question—not merely that something can be extracted from them—in order to achieve the goals I spoke of earlier.
[ 29 ] Deshalb, glaube ich, mußten wir, durften nicht nur, mußten und müssen es immer wiederum, hinweisen auf das, was von seiten der Geisteswissenschaft befruchtend hineinwirken soll in die einzelnen Zweige des Fachwissens, aber schließlich auch in die einzelnen Zweige des praktischen Denkens. Denn die Art und Weise, wie wir allmählich zu den Abstraktionen in den Wissenschaften gekommen sind, die haben hervorgerufen eine Stellung von Wissenschaftlichkeit in einer trockenen, unpraktischen, lebensfremden Daseinszone. Und man kann es selbst für das soziale Gebiet erleben, daß ein Mann wie Schumpeter, der wiederum ein außerordentlicher, kluger, gescheiter Mann ist und eine gescheite Abhandlung über Imperialismen geschrieben hat, mit den Worten schließt: «Eine ethische, ästhetische, politische oder kulturelle Wertung dieses Prozesses liegt den Zielen dieser Studien fern. Ob dieser Prozeß Geschwüre heilt oder Sonnen verlöscht, ist von ihrem Standpunkte (nämlich vom wissenschaftlichen Standpunkte) aus völlig gleichgültig. Das zu beurteilen ist nicht Sache der Wissenschaft.»
[ 29 ] That is why, I believe, we had to—not merely were allowed to, but had to, and must continue to do so time and again—point out what, from the perspective of the humanities, should have a stimulating effect on the individual branches of specialized knowledge, but ultimately also on the individual branches of practical thinking. For the way in which we have gradually arrived at abstractions in the sciences has led to a conception of scientific rigor that is confined to a dry, impractical, and alienated sphere of existence. And one can see this even in the social sphere: a man like Schumpeter—who is, after all, an extraordinary, wise, and intelligent man and who has written an insightful treatise on imperialism—concludes with the words: “An ethical, aesthetic, political, or cultural evaluation of this process lies beyond the scope of these studies. Whether this process heals ulcers or extinguishes suns is, from their standpoint (namely, the scientific standpoint), completely irrelevant. It is not the task of science to judge this.”
[ 30 ] Das heißt, Sache der Wissenschaft ist es, etwas hervorzubringen, was vor dem Leben halt macht, was nicht zu Wertungen führt im ethischen, ästhetischen, im kulturellen Leben. Wir haben es im Laufe dieser Vortragsreihe gesehen, welche merkwürdige Tatsache aufgetreten ist infolge dieses abstrakten Gestaltens der Wissenschaftsbestimmung. Wir haben gesehen, wie die Wertphilosophie, die Rickertsche, Windelbandsche und so weiter Wertphilosophie heraufgezogen ist. Ich glaube, aus den Ausführungen des Dr. Stein ging Ihnen klar hervor, um was es sich gehandelt hat. Da hat es sich darum gehandelt, daß nun zunächst auf naturwissenschaftlicher Seite das Sein beansprucht wird, aber daß man sich auf der naturwissenschaftlichen Seite, wo man das Sein in seiner Totalität beansprucht, durchaus nicht darauf einlassen will, noch irgend etwas philosophisch zu treiben. Man will sich auf den Stuhl der Wissenschaft setzen, der das Sein darstellt, und man will alles, was über das Sein auszumachen ist, von naturwissenschaftlicher Seite ausmachen. Auf philosophischer Seite macht man keine Anstalten — verzeihen Sie, das Bild ist nicht so schlimm gemeint, als ich es ausspreche —, den Stuhl zur Bank zu machen, den anderen etwas zur Seite zu rücken und sich selber auf den Stuhl des Seins zu setzen. Nein, weil einem die Wertung überlassen ist, weil die Wissenschafter sagen: ethische, ästhetische, kulturelle Wertungen liegen der Wissenschaft fern, seien nicht Sache der Wissenschaft, setzt man sich auf den Stuhl der Wertungen, damit man eine reine Abgrenzung hat. Man spezialisiert bis in die Geistigkeit hinein und verliert die Möglichkeit, wirklich an den Menschen heranzukommen, der gewiß nicht anders kann, als, indem er im Sein lebt, etwas darzuleben, was für ihn selber eine ethische, ästhetische, kulturelle Wertung darstellen muß.
[ 30 ] In other words, the task of science is to produce something that stops short of life, something that does not lead to value judgments in ethical, aesthetic, or cultural life. We have seen throughout this lecture series what a remarkable phenomenon has arisen as a result of this abstract formulation of the definition of science. We have seen how the philosophy of value—the philosophy of value espoused by Rickert, Windelband, and others—has emerged. I believe it was clear to you from Dr. Stein’s remarks what this was all about. The issue was that, on the one hand, the natural sciences now lay claim to Being, yet on the other hand, the natural sciences—which lay claim to Being in its totality—are absolutely unwilling to engage in any kind of philosophical inquiry. They want to take their seat on the throne of science, which represents Being, and they want to determine everything there is to be determined about Being from the perspective of the natural sciences. On the philosophical side, there is no inclination—forgive me, the image is not meant to be as harsh as it sounds—to turn the chair into a bench, push the other aside, and sit down on the chair of Being themselves. No, because the task of evaluation is left to us—since scientists say that ethical, aesthetic, and cultural evaluations are foreign to science and are not its concern—we take our seat on the chair of evaluation so that we have a clear demarcation. One specializes even into the realm of the spiritual and loses the ability to truly connect with human beings, who certainly cannot help but, by living in existence, embody something that for them must constitute an ethical, aesthetic, and cultural judgment.
[ 31 ] Die Dinge, um die es sich heute handelt, gehen wirklich in die Tiefen. Und deshalb sollte die Mitwelt schon die Geneigtheit entwickeln, die Grundfrage zu beantworten: Ist diese Geisteswissenschaft, welche von sich behauptet, daß sie die einzelnen Fachwissenschaften und auch Zweige des praktischen Lebens befruchten könne, ist diese Geisteswissenschaft selber wissenschaftlich? — Und in dieser Beziehung wird die Geisteswissenschaft sich auf den Standpunkt stellen, daß ihr jedes Eingehen auf sie mit voller wissenschaftlicher Gründlichkeit und mit guten wissenschaftlichen Vorkenntnissen aus den einzelnen Wissenschaften der Gegenwart heraus — aber natürlich nicht aus Dilettantismus heraus —, daß ihr jedes Eingehen auf sie mit guter Wissenschaftlichkeit willkommen ist. Sie schreckt nicht vor den Prüfungen derer zurück, die etwas wissen, und sie wird um so froher sein, je mehr diejenigen wissen, welche sie vom Standpunkte der einzelnen Wissenschaften heraus prüfen wollen.
[ 31 ] The issues at hand today really go deep. And that is why the wider world should be willing to answer the fundamental question: Is this spiritual science—which claims that it can enrich the individual specialized sciences as well as branches of practical life—is this spiritual science itself scientific? — And in this regard, the spiritual science will take the position that any engagement with it—carried out with full scientific rigor and sound scientific knowledge drawn from the individual sciences of the present day—but, of course, not out of dilettantism—any such engagement with sound scientific principles is welcome. It does not shy away from the scrutiny of those who know something, and it will be all the more pleased the more those who wish to examine it from the standpoint of the individual sciences actually know.
[ 32 ] Das ist das erste, was ich Ihnen heute am Schlusse unserer Frühjahrskurse sagen möchte.
[ 32 ] That is the first thing I would like to say to you today as our spring courses come to a close.
[ 33 ] Das zweite ist aber das, was viele uns vorwerfen, daß wir in unerlaubter Weise nach dem Übersinnlichen streben, daß wir zu den Menschen reden von einer Erforschung des Übersinnlichen, daß aber das schon von vorneherein unwissenschaftlich sei, denn vom Übersinnlichen könne man ja nichts wissen.
[ 33 ] The second point, however, is what many accuse us of: that we are striving for the supernatural in an unwarranted way, that we speak to people about an exploration of the supernatural, but that this is unscientific from the outset, since, after all, one cannot know anything about the supernatural.
[ 34 ] Nun, der Nerv der Ausführungen dieser Woche, der war, ich möchte sagen, wie von selbst dahin gerichtet, zu zeigen, daß wir zu dem übersinnlichen Forschen gehen wollen nicht aus dem Grunde, weil wir über die Wissenschaft hinauswollen zu irgendeinem nebulosen Zeug, daß wir nicht nach dem Übersinnlichen streben, weil wir unwissenschaftlich sein wollen, sondern daß wir uns auf den Boden der Wissenschaft stellen, so wie sie jetzt ist, daß wir uns aber ehrlich auf diesen Boden stellen. Und indem wir uns ehrlich auf diesen Boden stellen, finden wir, wo in diesen Wissenschaften überall die Tore sind aus ihnen selbst heraus und in die übersinnliche Welt hinein. Nicht weil wir uns neben die Wissenschaften hinbegeben wollen, nicht aus Unwissenschaftlichkeit reden wir von dem Übersinnlichen, sondern weil wir aus der Wissenschaft selbst mit wissenschaftlichen Gründen in das Übersinnliche hineingeführt werden.
[ 34 ] Well, the gist of this week’s remarks was I would say, as if it were a matter of course, to show that we wish to engage in supersensible research not because we want to go beyond science to some nebulous nonsense, not because we strive for the supersensible in order to be unscientific, but because we stand on the ground of science as it is now—and we stand on this ground honestly. And by standing honestly on this ground, we find, throughout these sciences, the gates that lead from within them into the supersensible world. It is not because we want to place ourselves alongside the sciences, nor out of a lack of scientific rigor, that we speak of the supersensible, but because we are led into the supersensible from within science itself, on scientific grounds.
[ 35 ] Wir sind Bekenner einer Erkenntnis des Übersinnlichen aus Wissenschaftlichkeit. Nicht nur ist unsere übersinnliche Erkenntnis wissenschaftlich und läßt sich prüfen von jeder Wissenschaftlichkeit, sondern weil wir das erkennen, was die anderen Wissenschaften erkennen sollten in ihren Gebieten, streben wir — aus Wissenschaftlichkeit, da wir es müssen aus dieser Wissenschaftlichkeit heraus — zu der Erkenntnis des Übersinnlichen.
[ 35 ] We are advocates of a scientific understanding of the supersensible. Not only is our suprasensory knowledge scientific and subject to verification by any scientific method, but because we recognize what the other sciences ought to recognize in their respective fields, we strive—out of a scientific spirit, since we must do so out of this very scientific spirit—toward knowledge of the suprasensory.
[ 36 ] Dadurch aber werden wir wirklich geführt zur Erfassung des Gesamtmenschen. Denn dasjenige, was ich gerade vorhin angedeutet habe als den Weg nach außen, das führt dazu, Klarheit zu haben über die sogenannten Grenzen des Naturerkennens. Es führt aber auch dazu, eine Anschauung zu gewinnen, was der Gesamtmensch wird, wenn er sich hineinlebt in ein Erkennen, das solche Grenzen annimmt. Es ist ja nicht bloß, daß wir Wissenschaft treiben, sondern indem wir Wissenschaft treiben, sind wir — wenn wir es auch nicht berücksichtigen — Menschen. Wir werden als Menschen etwas durch den Wissenschaftsbetrieb. Wir können aus unserem Bewußtsein herausstreichen die Begriffe über die menschliche Wesenheit, aber wir können uns doch nicht in Wahrheit in den Hintergründen gewissermaßen entmenschen innerhalb der Wissenschaft. Wir müssen zum menschlichen Wesen vordringen. Das können wir nicht, wenn wir uns diejenigen Schranken und Grenzen setzen, von denen heute in der landläufigen Wissenschaft gesprochen wird, und die auch im praktischen Wissenschaftsbetrieb gefordert werden. Wir werden zurückgeworfen, so daß wir Fähigkeiten verlieren. Wenn man die Muskeln einer Hand nicht gebraucht, so werden sie schwach. Wenn man gewisse Fähigkeiten nicht gebraucht, weil man sich einbildet, Grenzen seien da und die Fähigkeiten dürften nicht angewandt werden, weil sie sonst die Grenzen überschreiten, so verliert man diese Fähigkeiten.
[ 36 ] But this truly leads us to an understanding of the whole human being. For what I just hinted at as the path outward leads to clarity regarding the so-called limits of scientific knowledge. But it also leads us to gain an insight into what the whole human being becomes when he immerses himself in a form of knowledge that accepts such limits. After all, it is not merely that we engage in science; rather, in engaging in science—even if we do not take it into account—we are human beings. We become something as human beings through the practice of science. We may erase the concepts of human nature from our consciousness, but in truth we cannot, so to speak, dehumanize ourselves in the background within science. We must penetrate to the core of human nature. We cannot do this if we impose upon ourselves those barriers and limits that are spoken of today in mainstream science and that are also demanded in the practical practice of science. We are held back, causing us to lose abilities. If you do not use the muscles in your hand, they grow weak. If you do not use certain abilities because you imagine that limits exist and that these abilities must not be applied—lest they cross those limits—then you lose those abilities.
[ 37 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, aus dem, was Ihnen hier in diesen acht Tagen vorgeführt worden ist, werden Sie ersehen haben, welch ein Zusammenhang besteht zwischen der Entwickelung dieser Fähigkeiten, die sich nicht an die gewöhnlich angenommenen Grenzen der Natur binden, und demjenigen, was in der Natur draußen lebt, selber. Dasjenige nämlich, was immer nur hin will bis an die Grenze der Sinneswelt in der äußeren Natur, das kann nicht entfalten jene Kräfte, welche unter die Oberfläche des Sinneswesens hinunterführen und aus dem heraus auch etwas für das menschliche Leben gewonnen werden muß.
[ 37 ] Well, my esteemed audience, from what has been presented to you here over these eight days, you will have seen what a connection exists between the development of these abilities—which are not bound by the commonly assumed limits of nature—and that which lives in the natural world itself. For whatever seeks only to reach the limits of the sensory world in external nature cannot unfold those forces that lead down beneath the surface of the sensory being—and from which something must also be gained for human life.
[ 38 ] Auf dieses, was da gewonnen werden muß, deutet Goethe hin in seinem so bedeutungsvollen, ich möchte sagen, gewichtigen Ausspruche: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.» Hier haben wir den Weg, wo dasjenige, was lebendiges Wissen ist, nicht das Künstlerische abtötet, sondern direkt hineinführt in das Künstlerische.
[ 38 ] Goethe points to this—what must be gained—in his most meaningful, I would say, weighty statement: “To whom nature begins to reveal her manifest secret, that person feels an irresistible longing for her most worthy interpreter, art.” Here we have the path where that which is living knowledge does not stifle the artistic, but leads directly into the artistic.
[ 39 ] Als die letzten Hochschulkurse im Herbst hier gehalten worden sind, wies ich darauf hin, wie durch dasjenige, was hier gesagt wird, gefunden werden soll, was in uralten Zeiten der Menschheit instinktiv vorhanden war: ein Vereinen von Wissenschaft, Kunst und Religion. Das wird gefunden. Denn wenn man nicht sich selber die Fähigkeiten abschneidet, ablähmt dadurch, daß man wissenschaftlich «Grenzen des Naturerkennens» annimmt, dann wird man bemerken, wie man allmählich das, was man an der Natur begreift an Bildungsgesetzen, übergehen lassen muß in das, was aus diesem Begreifen der Bildungsgesetze von selber sich künstlerisch gestaltet. Man kann die menschliche Gestalt, die auch aus der Natur heraus gebildet ist, nicht verstehen, wenn man nicht in der eigenen Erkenntnis umwandelt, was sonst nur allgemeine Regeln sind, in künstlerische Anschauung. Wenn dann die Leute kommen und einem sagen: Ja, aber eine Analyse des Erkenntnisvermögens ergibt, daß wir nicht über die Logik hinausgehen dürfen in der Erkenntnis, sondern daß wir alles mit den abstrakten logischen Regeln erfassen müssen, und mit der Beobachtung, mit dem Experiment —, dann muß man ihnen erwidern: Aber eine Einsicht, eine geisteswissenschaftliche Einsicht in die Tatsachen der Welt zeigt etwas anderes. — Die zeigt, daß wir lange reden können, wie Erkenntnis sein muß, wie wir die Erkenntnis gestalten müssen; die Natur aber, sie ergibt sich nicht solchen Erkenntnissen. Denn sie schafft selber künstlerisch, und sie will von einem bestimmten Punkte an künstlerisch aufgefaßt sein.
[ 39 ] When the last university courses were held here in the fall, I pointed out how what is said here is meant to help us rediscover what was instinctively present in humanity in ancient times: a unification of science, art, and religion. This is discovered. For if one does not cut oneself off from one’s own abilities or dull them by scientifically accepting “limits to the knowledge of nature,” then one will notice how, little by little, what one comprehends in nature regarding the laws of formation must be allowed to flow into that which, out of this comprehension of the laws of formation, takes artistic shape of its own accord. One cannot understand the human form—which is also shaped by nature—unless one transforms, within one’s own understanding, what are otherwise merely general rules into artistic perception. When people then come and say to you: “Yes, but an analysis of the faculty of cognition shows that we must not go beyond logic in our understanding, but that we must grasp everything through abstract logical rules, and through observation and experimentation—” then one must reply: “But an insight—a spiritual-scientific insight into the facts of the world—shows something else.” — It shows that we can talk at length about how knowledge must be, how we must shape it; but nature itself does not yield to such insights. For it creates artistically on its own, and from a certain point onward, it wants to be understood artistically.
[ 40 ] Es gibt einen kontinuierlichen Weg von Wissenschaft in Kunst hinein. Und die Brücke ist keine unnatürliche, die Brücke ist eine selbstverständliche. Und der andere Weg soll über die Grenzen hinwegführen, welche im Inneren des Menschen aufgerichtet werden. Angedeutet wurde es im Laufe dieser Woche, daß man nicht zu irgendeiner nebulosen, schwammigen mystischen Tiefe kommt, sondern daß man zu einer klaren Erkenntnis der menschlichen Organisation kommt. Aber man kommt, indem man diesen anderen Weg geht — Geisteswissenschaft zeigt das, indem sie auf diesem anderen Weg auch wiederum zu Erkenntnissen aufsteigt —, zu etwas, was man nun aussprechen möchte mit einem dem eben zitierten Goetheschen Wort ähnlichen Wort. Goethe sagt: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.» Mit Rücksicht auf dasjenige, was man nach innengehend wirklich erkennen kann, wenn man wissenschaftliche Gedankenwahrheit entwickelt, kann man sagen: Wem das menschliche Innere sein geheimnisvolles Wesen zu offenbaren beginnt, der empfindet eine tiefe Sehnsucht nach dem würdigsten sich daranschließenden Gefühl der religiösen Verehrung des schöpferischen Daseins.
[ 40 ] There is a continuous path from science into art. And this bridge is not an unnatural one; it is a natural and self-evident one. The other path, however, is meant to lead across the boundaries that are erected within the human being. It has been suggested over the course of this week that one does not arrive at some nebulous, vague, mystical depth, but rather at a clear understanding of the human constitution. But by taking this other path—spiritual science demonstrates this by, in turn, ascending to insights along this other path—one arrives at something that one would now like to express with a phrase similar to the one just quoted from Goethe. Goethe says: “To whom nature begins to reveal her manifest secret, there arises an irresistible longing for her most worthy interpreter, art.” In light of what one can truly recognize inwardly when developing scientific truth through thought, one can say: “Whoever begins to have the mysterious nature of the human inner being revealed to them feels a deep longing for the most worthy accompanying feeling of religious veneration for creative existence.”
[ 41 ] Und so finden wir nach außen in die Natur hineinschreitend den Weg zur Kunst, nach innen in den Menschen hineinschreitend durch Erkenntnis den Weg zur Religion. Was sich spezialisiert hat in diesen drei Gebieten, in der menschlichen Seele muß es doch einheitlich zusammenwirken. Es muß gefunden werden die Möglichkeit dieses einheitlichen Zusammenwirkens. Wird also die Erkenntnis wiederum fähig gemacht, unterzutauchen in die Geheimnisse der Dinge, was, wie Sie gesehen haben, in diesen acht Tagen hier angestrebt wurde, dann wird sie erst herantreten können an das, was aus der menschlichen Wesenheit herausquillt: die soziale Frage. Hier werden — weil der Mensch die äußere Verkörperung eines GeistigSeelischen ist — helfen müssen die Impulse, die wir aus einer Erkenntnis des Geistig-Seelischen gewinnen können. Die so brennende, drängende soziale Frage, die uns so zu Herzen gehen muß heute, insbesondere, wenn wir der heutigen Jugend angehören, sie wird, soweit sie bewältigt werden muß, nur bewältigt werden können, wenn wir gewissermaßen in das Objekt der sozialen Frage, in den denkenden, fühlenden, begehrenden, nach einem menschenwürdigen Dasein drängenden Menschen den Weg finden. Daß Geisteswissenschaft nach dieser Richtung hin bestrebt ist, das gehört zu ihrem Wesen.
[ 41 ] And so, as we step outward into nature, we find the path to art; as we step inward into the human being through knowledge, we find the path to religion. What has become specialized in these three areas must, after all, work together in a unified way within the human soul. The possibility of this unified interplay must be found. If, then, knowledge is once again enabled to delve into the mysteries of things—which, as you have seen, has been the aim here over these eight days—only then will it be able to approach what wells up from the human being: the social question. Here—because the human being is the outward embodiment of the spiritual-soul—the impulses we can gain from an understanding of the spiritual-soul must come to our aid. The burning, pressing social question that must be so close to our hearts today—especially if we belong to today’s youth—can, insofar as it must be addressed, only be addressed if we find our way, so to speak, into the very heart of the social question: into the human being who thinks, feels, desires, and strives for a life worthy of human dignity. That spiritual science strives in this direction is part of its very nature.
[ 42 ] Und wenn man einsieht, was sie über den Menschen zu sagen hat, dann wird man nicht mehr sagen können: Eine ethische, ästhetische, politische oder kulturelle Wertung des sozialen Prozesses liege dem Ziele einer solchen Studie fern. Ob dieser Prozeß Geschwüre heile oder Sonnen verlösche, sei vom Standpunkte der Wissenschaft aus völlig gleichgültig. — Es fehlt nur noch, daß man sagt: Medizin habe die Aufgabe, den menschlichen Organismus zu erkennen; ob es der Medizin auch gelinge, Kranke zu heilen, sei vom Standpunkte der Wissenschaft aus völlig gleichgültig. — Die Denkweise, die in solchen Sätzen lebt wie dem erst angeführten, und die Denkweise in einem solchen absurden Satz, den ich Ihnen eben jetzt angeführt habe, ist im Grunde genommen eine und dieselbe. Wir sind so weit gekommen, daß man Absurditäten als solche nicht mehr erkennt, wenn sie sich in landläufige wissenschaftliche Formeln kleiden, wenn sie von Autoritäten geformt in die Menge hinaustönen.
[ 42 ] And once one understands what it has to say about human beings, one will no longer be able to say: An ethical, aesthetic, political, or cultural evaluation of the social process is far removed from the goal of such a study. Whether this process heals ulcers or extinguishes suns is, from a scientific standpoint, completely irrelevant. — The only thing missing is for someone to say: Medicine has the task of understanding the human organism; whether medicine succeeds in healing the sick is, from a scientific standpoint, completely irrelevant. — The way of thinking that underlies statements such as the one just cited, and the way of thinking behind such an absurd statement as the one I have just cited to you, are, in essence, one and the same. We have reached a point where absurdities are no longer recognized as such when they are clothed in common scientific formulas, when they are articulated by authorities and resound throughout the masses.
[ 43 ] Das ist es, was uns hier im Goetheanum die Zunge löst, daß wir sprechen müssen. Wir können nicht anders — und wenn es noch so viele Feinde und Gegnerschaften gäbe —, als zusammenarbeiten in einer solchen Richtung auch mit der Studentenschaft.
[ 43 ] That is what loosens our tongues here at the Goetheanum—the fact that we must speak. No matter how many enemies and adversaries there may be, we have no choice but to work together in this direction, even with the student body.
[ 44 ] Wir wissen, was es heißt, Student zu sein. Das heißt, in seinem Herzen zu tragen, was als Kraft hinüberfließen muß in die Zukunft, Ja, diese Zukunft, die jetzt die Menschheit erwartet, sie wird kraftvolle Seelen brauchen, in deren Wille und Emotionen hineinspielt eine klare Einsicht in Weltwesen und Menschenleben. Weil wir wissen, daß Sie so etwas brauchen werden, deshalb sprechen wir zu Ihnen, insofern Sie uns mit Verständnis entgegenkommen wollen. Wir haben Sie wahrhaftig mit hierher gerufen — obwohl wir Sie alle, wie Sie mir glauben können, persönlich sehr gerne sehen —, wir haben Sie mit hierher gerufen, weil wir hoffen, daß Sie Mitarbeiter werden auf einem Wege, den wir als einen notwendigen für die Gegenwart und für die nächste Zukunft ansehen, und weil wir die Probe machen wollen — und wir werden sie immer mehr und mehr machen, ich hoffe, sie wird sich trotz aller Widerstände machen lassen —, weil wir die Probe daraufhin machen wollten, wie viele sich finden können, in deren Herzen das ein Echo findet, was wir glauben als eine Notwendigkeit dieser unserer Zeit zu erhärten.
[ 44 ] We know what it means to be a student. It means carrying in one’s heart that which must flow as a force into the future—yes, this future that now awaits humanity; it will need powerful souls whose will and emotions are guided by a clear understanding of the nature of the world and human life. Because we know that you will need something like this, we are speaking to you, provided you are willing to meet us with understanding. We have truly called you here—although, as you can believe me, we are all very happy to see you personally—we have called you here because we hope that you will become collaborators on a path that we regard as necessary for the present and for the near future, and because we want to put this to the test—and we will do so more and more, I hope it will be possible to carry it out despite all opposition—because we wanted to test how many people can be found in whose hearts there is an echo of what we believe must be established as a necessity of our time.
[ 45 ] Wir müssen uns nun wiederum trennen, meine sehr verehrten Kursbesucher. Allein ich glaube, in einem können wir beisammen sein, beisammen bleiben, trotz aller Raumesentfernung beisammen bleiben: in der Erkenntnis, daß nach der Richtung, die hier angedeutet wurde, doch fortgeschritten werden müsse, daß gearbeitet werden müsse, daß Wille in dieser Richtung entwickelt werden müsse, soviel jeder nur kann. Er wird, wenn er die nötige Einsicht gewinnt, diesen Willen entwickeln.
[ 45 ] We must now part ways once again, my esteemed course participants. Yet I believe there is one thing in which we can be together, remain together, and stay together despite all physical distance: in the realization that we must indeed move forward in the direction indicated here, that we must work, and that we must develop the will to move in this direction, each to the best of our ability. Once one gains the necessary insight, one will develop this will.
[ 46 ] Wir sind heute noch nicht in der Lage — das spreche ich zu Ihnen, meine lieben Kommilitonen —, das, was wir Ihnen hier bieten können, zum Abschlusse dadurch zu bringen, daß wir Ihnen Abschlußprüfungen ermöglichen, die Ihnen Lebensstellungen geben. Wir sind in dieser Beziehung arme Leute, die lediglich an das appellieren können, was als Wahrheitssinn, als Erkenntnisenthusiasmus in Menschenseelen und Menschenherzen waltet. Wir können uns nur der Hoffnung hingeben, daß neben alledem, was in ungesunder Weise in die Prüfungen und Lebensstellen hineinläuft, auch noch in einer genügend großen Anzahl Jugend sich Herzen und Seelen finden, die hinwollen zu der Wahrheit, um der Wahrheit willen zu dem, wovon man glauben kann, daß es nach den Zeichen dieser Zeit notwendig sei, um dieser rein menschlichen Notwendigkeit willen. Wir glauben, daß noch so viel freies Gefühl vorhanden ist, daß aus diesem reinen Freiheitsdrang heraus diese beiden Bestrebungen entstehen können.
[ 46 ] We are not yet in a position—and I say this to you, my dear fellow students—to bring what we can offer you here to a successful conclusion by providing you with final exams that will secure you positions in life. In this regard, we are poor souls who can appeal only to what reigns in human souls and hearts as a sense of truth and an enthusiasm for knowledge. We can only hope that, alongside all that has crept into the exams and career opportunities in an unhealthy way, there are still, among a sufficiently large number of young people, hearts and souls that yearn for the truth—for the sake of truth itself, and for what, judging by the signs of our times, is believed to be necessary—for the sake of this purely human necessity. We believe that there is still enough free feeling present that these two aspirations can arise from this pure urge for freedom.
[ 47 ] Weil wir dieses glauben müssen, stehen wir, die wir diese Vorträge gehalten, diese Veranstaltungen gemacht haben im Laufe der letzten Woche, stehen wir alle hier, Ihnen, die Sie nun wieder zurückkehren in das übrige Leben, ein Lebewohl zuzurufen. Aber wir stehen hier, hoffend darauf, daß Sie unsere Helfer sein werden, Sie begleitend mit den Gedanken, die wir gemeinsam durch unsere Seelen haben ziehen lassen, Sie begleitend mit den besten Wünschen dazu, daß Ihr Wille zur Klarheit, Ihr Wille zum entsprechenden Tun stark sei. In dieser Hoffnung und mit diesen Wünschen trennen wir uns, um uns hoffentlich wiederzusehen, und sagen Ihnen von dieser Stätte aus ein herzliches Lebewohl und auf Wiedersehen!
[ 47 ] Because we must believe this, we—who have given these lectures and organized these events over the past week—are all standing here to bid farewell to you, who are now returning to the rest of your lives. But we stand here hoping that you will be our helpers, accompanying you with the thoughts we have allowed to flow through our souls together, accompanying you with our best wishes that your will for clarity and your will to act accordingly may be strong. With this hope and these wishes, we part ways—hoping to see you again—and from this place, we bid you a heartfelt farewell and goodbye!
