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The Stimulating Effect of Anthroposophy
on the Sciences
GA 76

8 April 1921, Dornach

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6. Sozialwissenschaft und soziale Praxis

6. Social Science and Social Practice

[ 1 ] Gestatten Sie, daß ich heute anknüpfe an einiges, das ich gestern nur andeuten konnte und das uns dann überführen soll zu unserer heutigen Betrachtung. Ich hatte gestern anzuknüpfen an einen Satz, der aus der Weltanschauung des ir. Jahrhunderts, sofern diese in Mitteleuropa herrschte, hervorgegangen ist, an den Satz, daß die Zunge, so wie sie aus der Umgebung die Luft hereinzieht, so aus den Zähnen ziehe das Wort, das heißt die Kraft, zu sprechen. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, wie der Gelehrte des 19. Jahrhunderts zu diesem Satze nur hinzuzufügen hat, daß er darüber lachen könne. Aber ich habe auch charakterisiert den Abstand, der da liegt zwischen der Zeit, in die eine solche instinktive Anschauung wie die gestern zitierte hineinfällt, und dem Zeitalter, in dem dann diese philiströs-ironische Kritik sich geltend gemacht hat, jenem Zeitalter, das eben beginnt mit dem ersten Drittel des i5. Jahrhunderts. Jener Ausspruch fällt noch in das vorhergehende Zeitalter hinein und ist durch die Gründe, die ich Ihnen gestern angegeben habe, für dieses Zeitalter in einer gewissen Weise außerordentlich charakteristisch.

[ 1 ] Allow me today to pick up on a few points that I could only touch upon yesterday and that will then lead us to our discussion today. Yesterday, I had to build on a statement that emerged from the worldview of the 19th century—insofar as it prevailed in Central Europe—namely, that just as the tongue draws in air from the surroundings, so too does it draw from the teeth the word, that is, the power to speak. And I drew your attention to how the 19th-century scholar could only add to this statement that he found it laughable. But I have also characterized the gap that lies between the era in which such an instinctive view as the one cited yesterday belongs, and the era in which this philistine, ironic criticism then asserted itself—that era which begins precisely with the first third of the 15th century. That statement still belongs to the preceding era and, for the reasons I gave you yesterday, is in a certain sense extraordinarily characteristic of that era.

[ 2 ] Als charakteristisch muß er aber auch empfunden werden seinem Inhalte nach. Denn ich habe Ihnen ja gestern auseinandergesetzt, wie man zum Verständnis der Sprachfähigkeit und der Sprache überhaupt sich zunächst bekanntmachen muß mit dem, was Geisteswissenschaft zu sagen hat im Sinne des von mir in meiner kleinen Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» Ausgeführten. Ich habe dort gezeigt, welcher bedeutungsvolle Vorgang sich mit dem Zahnwechsel vollzieht, wie dasjenige, was den Menschen als rhythmischen Menschen und Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen später noch erfüllt, ihn vorher aber ganz erfüllt hatte, sich zurückzieht aus der Nerven-Sinnesorganisation und daher gerade diesen Vorgang bewirkt, der dort in meiner Schrift «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» als die Geburt des Ätherleibes formelhaft bezeichnet wird. Ich habe Sie dann hingeführt dazu, wie in einer ähnlichen Weise jener Vorgang erfaßt werden muß, welcher etwa um das vierzehnte, fünfzehnte Jahr herum liegt, das Geschlechtsreifwerden, und ich habe ausgeführt, wie dasjenige, was da vorliegt, formelhaft mit dem Ausdruck umfaßt werden kann: Geburt des astralischen Leibes. Aber ich habe gesagt, daß die Ereignisse, die so im Leben des Menschen in irgendeinem Lebensabschnitte eintreten, in Metamorphose sich auch zu anderen Zeiten — aber eben dann in Metamorphose — vollziehen, und daß wir das, was sich zwischen dem Menschen und der Außenwelt äußerlich abspielt zur Zeit der Geschlechtsreife, innerlich zu suchen haben als einen Vorgang, der sich abspielt zwischen dem GeistigSeelischen und dem Körperlich-Leiblichen innerhalb des Menschen als der Vorgang, der im wesentlichen das physiologische Korrelat ist für das Sprechenlernen des Kindes, daß man daher auch zu suchen habe die Anhaltspunkte zu einer wirklichen rationellen Sprachwissenschaft, indem man von einer durchdringenden anschauenden Erkenntnis dieses Vorganges ausgeht.

[ 2 ] However, it must also be regarded as characteristic in terms of its content. For I explained to you yesterday how, in order to understand the capacity for language and language itself, one must first familiarize oneself with what spiritual science has to say, in the sense of what I set forth in my short treatise The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science. There I showed what a significant process takes place with the change of teeth—how that which later fills the human being as a rhythmic being and a being of limb metabolism, but which had previously filled him entirely, withdraws from the nervous-sensory organization and thereby brings about precisely this process, which is described in my treatise The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science is formulaically described as the birth of the etheric body. I then guided you to understand how, in a similar way, the process that occurs around the age of fourteen or fifteen—sexual maturity—must be grasped, and I explained how what is taking place there can be formulaically summarized with the expression: the birth of the astral body. But I have said that the events which occur in this way in a person’s life at any given stage also take place as metamorphoses at other times—though precisely as metamorphoses—and that what unfolds outwardly between the human being and the external world at the time of sexual maturity, must be sought internally as a process that takes place between the spiritual-soul and the physical-bodily within the human being—as the process that is essentially the physiological correlate of the child’s learning to speak—and that one must therefore also seek the starting points for a truly rational linguistics by proceeding from a penetrating, intuitive understanding of this process.

[ 3 ] Ich habe dann gesagt, daß durch die Begründung und Entwickelung der abstrakten Logik und des abstrakten logischen Denkens diejenige Sphäre des Erlebens, in welcher sich lebendig abspielt, was zwischen dem GeistigSeelischen und dem Leiblich-Physischen vorgeht, gewissermaßen verlegt wird, hinuntergeschoben wird ins Unterbewußte, und daß eben Aristoteles dadurch, daß er das Bewußtsein in die Abstraktion hineinleitete, abgeschnitten hat das Hinsehen nach dem Vorgeburtlichen. Denn hätte man, was man instinktiv im frühen Altertum konnte, jenes Wirken des Astralischen im Geschlechtsreifwerden und im Sprachlichen anschaulich vor sich gehabt, wie wir es jetzt wiederum erstreben müssen, dann hätte man auch dasjenige allmählich anschauend vor sich bekommen können, was die Verbindung des Ich selber mit dem ganzen physisch-ätherisch-astralischen Menschen ist. Das heißt, man hätte auf diesem Gebiet vorrücken können durch die Erkenntnis des Sprechenlernens zu der Erkenntnis der Eingliederung des menschlich geistig-seelischen Ich in sein Leiblich-Physisches. Und Aristoteles hat gerade deshalb sein Dogma aufgestellt, daß mit jeder einzelnen menschlichen Wesenheit, die hier geboren wird, auch das SeelischGeistige mitentstehe. Er hat damit aus der Welt der Erkenntnis weggeschafft die Anschauung der präexistierenden Menschenseele.

[ 3 ] I then said that through the establishment and development of abstract logic and abstract logical thinking, the sphere of experience in which what takes place between the spiritual-psychic and the physical-bodily unfolds in a living way is, so to speak, displaced, pushed down into the subconscious, and that Aristotle, precisely by directing consciousness into abstraction, cut off the view into the prenatal realm. For if one had, as was instinctively possible in early antiquity, had before one’s eyes that activity of the astral in the process of reaching sexual maturity and in language—as we must now strive to do once again—then one could also have gradually come to perceive what the connection of the “I” itself with the entire physical-etheric-astral human being is. That is to say, one could have advanced in this field from an understanding of how speech is learned to an understanding of the integration of the human spiritual-soul ego into its physical-bodily being. And this is precisely why Aristotle established his doctrine that with every single human being born here, the soul-spiritual aspect also comes into being. In doing so, he removed from the realm of knowledge the notion of a pre-existing human soul.

[ 4 ] Die Anschauung dieser präexistierenden Menschenseele gibt allein eine wirkliche Erkenntnis von der Ewigkeit der Menschenseele. Diese Erkenntnis wird durch keinerlei philosophische Spekulation geliefert, sondern einzig und allein durch ein anschauendes Urteil in der Richtung, die ich eben jetzt angedeutet habe. Dieses Dogma von dem Nichtvorhandensein der Präexistenz ist dann in die Kirchenlehre des Christentums übergegangen. Und man muß es streng betonen: daß die Leugnung der Präexistenz, indem sie dann durch Konzile gefestigt wurde, nicht christlich in wahrem Sinn des Wortes ist, sondern aristotelisch ist, und mit dem Eindringen des Aristotelismus in die Christenlehre zum christlichen Dogma geworden ist. In dem Augenblick, wo sich das Christentum von diesem Bestandteil des Aristotelismus wird frei machen können, wird die Bahn auch frei sein für ein Erkennen der Präexistenz.

[ 4 ] Only the intuitive perception of this pre-existent human soul provides a true understanding of the eternity of the human soul. This understanding is not derived from any philosophical speculation, but solely from an intuitive judgment along the lines I have just indicated. This dogma of the non-existence of preexistence has since become part of Christian doctrine. And it must be strongly emphasized: that the denial of preexistence, having been established by councils, is not Christian in the true sense of the word, but rather Aristotelian, and became a Christian dogma with the infiltration of Aristotelianism into Christian doctrine. The moment Christianity is able to free itself from this element of Aristotelianism, the way will also be clear for a recognition of pre-existence.

[ 5 ] Man muß sagen: diese Präexistenz, die bis zu Origenes auch nicht angezweifelt worden ist von der christlichen Lehre des Abendlandes, ist durch die staatliche Verfügung des Justinian, der mitgewirkt hat an der Verketzerung des Origenes, aus der Christenlehre des Abendlandes verschwunden. Es ist deshalb den Anhängern dieser nichtchristlichen Christenlehre des Abendlandes so unangenehm, wenn irgend jemand auf die historischen Tatsachen in den ersten Jahrhunderten des Christentums aufmerksam macht. Sie rufen dann alles herbei, was sie an Unwahrhaftigkeiten aufbringen können über Zusammenhänge der Anthroposophie mit der Gnosis und so weiter.

[ 5 ] It must be said: this pre-existence, which until Origen had not been questioned by Western Christian doctrine, disappeared from Western Christian doctrine as a result of the imperial decree of Justinian, who played a part in Origen’s condemnation. That is why it is so uncomfortable for the adherents of this non-Christian Western Christian doctrine when anyone draws attention to the historical facts of the first centuries of Christianity. They then bring up every falsehood they can muster regarding the connections between anthroposophy and Gnosticism, and so on.

[ 6 ] Nun, über diese Dinge kann ich hier nicht weiter mich verbreiten. Was ich aber sagen will, ist dieses: Wenn man das Geistig-Seelische im Menschen einzig und allein begründet auf das, was für die Anschauung des Bewußtseins seit der Geburt lebt, dann kommt man allmählich zu dem, was die Lehre von der Unsterblichkeit zu einem bloßen Glaubensartikel macht.

[ 6 ] Well, I can’t go into these matters any further here. But what I want to say is this: If one bases the spiritual and soul aspects of the human being solely on what has been present in the field of consciousness since birth, then one gradually arrives at a point where the doctrine of immortality becomes a mere article of faith.

[ 7 ] Man kann sagen, was im Menschen vorgeburtlich, was präexistent war, das gerät durch den Durchgang durch die Geburt in einen völlig unbewußten Zustand. Das kann erst wiederum angeschaut werden, wenn man sich zur Imagination und zur Inspiration herauf erhebt. Aber am anderen Pol des Menschen erscheint es in seiner Willensund emotionellen Natur. Wir haben ja im dreigliedrigen Menschen auf der einen Seite den Nerven-Sinnesmenschen, der zusammenhängt mit dem vorstellenden Menschen, auf der anderen Seite den Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen, der zusammenhängt mit der Willensnatur des Menschen und mit seiner emotionellen Natur. Dadurch, daß das Vorstellungsleben abgedämpft ist, heruntergedämpft ist bis zum gegenständlichen Anschauen, dadurch ist zunächst für dieses gegenständliche Vorstellen im Erkennen verschlossen die Präexistenz. Aber was mit ihr gegeben ist, lebt in der Sphäre des Menschen, die am anderen Pol auftritt. Da tritt auf die Willensnatur, die Emotionsnatur. Aus dieser kann zunächst nicht eine Erkenntnis gewonnen werden, daher ein bloßer Glaube. Und wenn das, was vorgeburtlich ist, durch die Erweiterung der Erkenntnis Erkenntnis werden kann, so kann ohne diese Erweiterung der Erkenntnis das, was in Wille und Emotion lebt, nichts anderes werden als ein Glaubensartikel des Menschen. Daher geschieht mit dem Hinabdämmern der übersinnlichen Erkenntnis auch das Hinabdämmern der Erkenntnis der Ewigkeit der Menschenseele bis in die Sprache hinein. Es müßte immerhin auffallen, daß wir in den bekannteren Zivilisationssprachen wohl ein Wort haben für Unsterblichkeit, das heißt, für das Leben im Nachtodlichen, daß wir aber nicht ein Wort haben, welches auf dem anderen Pol des Menschen die Ewigkeit der Menschenseele ausdrücken würde, das Ungeborensein. Das aber wird sich bis in die Sprache hinein die moderne Menschheit wieder erobern müssen: daß die Ewigkeit des Menschen ebenso wie sie nach der einen Seite, nach der Seite des Todes hin, in dem Worte Unsterblichkeit zum Vorschein kommt, auch nach der anderen Seite durch ein Wort wie «Ungeborensein» — das ja selbstverständlich mit der zunehmenden Zivilisation geschickter werden wird — sichtbar werden kann. Dann aber wird dasjenige, was über die Ewigkeit der Menschenseele zu sagen sein wird, nicht mehr bloßer Glaubensartikel sein, sondern ein Erkenntnisinhalt. Solange man bloß beim Nachtodlichen bleibt, muß die Unsterblichkeitsfrage eine Glaubensfrage sein. Sobald man übergeht zu einer wirklichen Erkenntnis des Übersinnlichen, wird die Unsterblichkeitsfrage eine Frage der wirklichen Erkenntnis.

[ 7 ] One could say that whatever was prenatal or pre-existent in the human being enters a completely unconscious state as a result of passing through birth. This can only be perceived again when one rises to the levels of imagination and inspiration. But at the other pole of the human being, it appears in the nature of the will and emotions. In the threefold human being, we have, on the one hand, the nervous-sensory human being, which is connected to the imaginative human being, and, on the other hand, the limb-metabolic human being, which is connected to the human being’s volitional and emotional nature. Because the life of imagination is subdued, dampened down to objective observation, pre-existence is initially closed off to this objective imagination in the process of cognition. But what is given with it lives in the sphere of the human being that appears at the other pole. There the nature of the will and the nature of emotion come to the fore. From this, no knowledge can initially be gained; hence it remains mere belief. And while that which is pre-birth can become knowledge through the expansion of knowledge, without this expansion of knowledge, that which lives in will and emotion can become nothing other than an article of faith for human beings. Thus, as supersensible knowledge fades, so too does the knowledge of the eternity of the human soul fade, even into language itself. It should at least be striking that, in the better-known languages of civilization, we do indeed have a word for immortality—that is, for life after death—but we do not have a word that would express, at the other pole of the human being, the eternity of the human soul, the state of not yet being born. But this is something modern humanity will have to reclaim, even in language: that the eternity of the human being, just as it appears on one side—the side of death—in the word “immortality,” can also become visible on the other side through a word such as “unbornness”—which, of course, will become more refined as civilization advances. Then, however, what can be said about the eternity of the human soul will no longer be a mere article of faith, but a matter of knowledge. As long as one remains confined to the afterlife, the question of immortality must be a question of faith. As soon as one moves on to a true understanding of the supersensible, the question of immortality becomes a question of true knowledge.

[ 8 ] Das ist ein Zusammenhang, der eingesehen werden muß, das ist ein Rubikon, der überschritten werden muß von der modernen Zivilisation. Denn was aus diesem Überschreiten folgt, das wird nicht nur etwas sein, was theoretisch wirkt, sondern das wird in einer ganz anderen Weise noch wirken. Wir können sagen: Lernen wir sachgemäß aufsteigen von so etwas, wie es das Verständnis des Zahnwechsels, das Verständnis der Sprache ist, zu dem, wozu wir dann kommen, so eignen wir uns dadurch eine Erkenntnis des unsterblichen Wesens der Menschenseele an.

[ 8 ] This is a connection that must be understood; it is a Rubicon that modern civilization must cross. For what follows from crossing this Rubicon will not merely have a theoretical effect, but will continue to have an impact in an entirely different way. We can say: If we learn to ascend properly from such things as the understanding of tooth replacement and the understanding of language to what we then arrive at, we thereby acquire an understanding of the immortal nature of the human soul.

[ 9 ] Diejenigen, die im ir. Jahrhundert gedacht haben und davon gesprochen haben, daß die Zunge aus den Zähnen die Sprache saugt, haben nicht etwa geglaubt, daß es nur Zahnlaute gibt, wie Wilhelm Scherer sonderbarerweise voraussetzt, sondern sie waren in ihrem instinktiven Erkennen durchdrungen davon, daß man, um die Sprache zu verstehen, hinunterdringen müsse in die menschliche Wesenheit, so wie man beim Verstehen des Zahnwechsels hinunterdringen müsse. Wie da die Kräfte heraufkommen, so müsse man hinunterdringen zu den Ursprüngen des Weges, der mit dem Zahnwechsel zu dem hinweist, was sich auf einem vorigen Schritte der Entwickelung des Menschen gezeigt: zum Entstehen der Sprache. Instinktiv, unterbewußt waren diese Erkenntnisse. Aber wer heute das Entsprechende aus dem Bewußtsein hervorholt, der wird finden, welche Tiefe sie in einer gewissen Beziehung atmen, und welche Philistrosität solche Einwände atmen wie die, von denen ich einzelne gestern besprochen habe. Wir gewinnen aber auch, indem wir uns zu solchen Erkenntnissen wie denen über die Sprache hinaufschwingen, zu gleicher Zeit, ich möchte sagen, den Zugang zum Weg, die Unsterblichkeit zu erkennen. Daher ist mit dem Erkennen dieser übersinnlichen Welt zu gleicher Zeit verbunden das Erringen eines gesunden Urteiles auch über das, was uns im Leben umgibt wie die Sprache. Und wir können nicht, ohne innerlich unehrlich zu werden, vorgeben, einzudringen in so etwas in unserer Umgebung, wie es die Sprache ist, wenn wir nicht zu gleicher Zeit zugeben: hier liegen Grenzen vor, die nicht bloß als Grenzen der gewohnten Erkenntnis anzuerkennen sind, sondern die notwendig machen, daß sie überschritten werden durch eine andersartige Erkenntnis.

[ 9 ] Those who, in the Irish century and spoke of the tongue “sucking language from the teeth” did not believe, as Wilhelm Scherer strangely assumes, that only dental sounds exist; rather, they were imbued in their instinctive insight with the realization that, in order to understand language, one must delve down into the human essence, just as one must delve down to understand the process of tooth replacement. Just as the forces rise up there, so one must delve down to the origins of the path that, through the change of teeth, points to what was revealed at an earlier stage of human development: the emergence of language. These insights were instinctive and subconscious. But anyone who brings the corresponding insights to the surface of consciousness today will discover the depth they possess in a certain sense—and the philistinism inherent in objections such as those I discussed in detail yesterday. But by elevating ourselves to such insights as those concerning language, we also gain, at the same time—I would say—access to the path of recognizing immortality. Therefore, the recognition of this supersensible world is simultaneously linked to the attainment of sound judgment regarding what surrounds us in life, such as language. And we cannot, without becoming inwardly dishonest, pretend to penetrate something in our environment such as language unless we simultaneously admit: there are limits here that must not merely be recognized as the limits of familiar knowledge, but which necessitate that they be transcended through a different kind of knowledge.

[ 10 ] So hängt wirkliche Erkenntnis der äußeren Sinnenwelt schon zusammen mit dem Aufschwung zur übersinnlichen Erkenntnis. So müssen in der wirklich gesunden Erkenntnis übersinnliche Anschauung und sinnliche Anschauung zusammenwirken, und es muß das eine das andere tragen. Deshalb darf man glauben, daß mit dem Erringen gesunder Urteile über das Übersinnliche auch gesunde Urteile in bezug auf das gewonnen werden können, was uns auf einem anderen Gebiete als Menschen umgibt, mit dem wir als Menschen zusammenhängen und innige Verhältnisse eingehen müssen: das soziale Leben.

[ 10 ] Thus, true knowledge of the external sensory world is already connected with the ascent toward supersensory knowledge. In truly sound knowledge, supersensory perception and sensory perception must work together, and one must support the other. Therefore, we may believe that by attaining sound judgments about the supersensible, we can also arrive at sound judgments regarding what surrounds us as human beings in another realm—one with which we, as human beings, are connected and must enter into intimate relationships: social life.

[ 11 ] In dem Duktus meiner bisherigen Vorträge habe ich so viel als möglich versucht, mich an das zu halten, was man etwa einen ganz wissenschaftlichen Duktus nennen könnte. Indem wir heute überzugehen haben zu dem, was als Sozialwissenschaft und soziale Praxis aus einer solchen inneren Seelenverfassung folgt, wie sie aus Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sich ergeben muß, da stehen wir in der Gegenwart selber inmitten der Praxis. Denn was in sozialer Beziehung zu sagen ist, das kann heute durchaus nicht etwa in der gleichen Weise betrachtet werden wie das, was vorangegangen ist.

[ 11 ] In the style of my previous lectures, I have tried as much as possible to adhere to what one might call a strictly scientific approach. Since we must now turn to what follows from such an inner state of mind—as it must arise from spiritual science, as understood here—in terms of social science and social practice, we find ourselves in the midst of that practice right now. For what needs to be said in social terms today simply cannot be viewed in the same way as what has gone before.

[ 12 ] Es ist notwendig, daß man folgendes noch berücksichtigt. Indem man zur Imagination, Inspiration und so weiter sich hinaufschwingt, wird das, was sonst vorstellungsmäßig ist und nicht unmittelbar den Willen motivierend sein kann, in den Willen hineingedrängt. Daher ist übersinnliche Erkenntnis willensmotivierend, und es gibt auch kein sittliches oder religiöses Ideal, welches nicht wenigstens unbewußt im Übersinnlichen wurzelte. Was durch die Vorstellung nur aus dem Sinnlichen gewonnen wird, kann niemals sozial oder sittlich motivierend sein, weil es unwirksam bleibt für den Willen. Deshalb muß man schon sagen, es könnte vielleicht auffällig sein, daß die Menschen, welche meine Schrift über das soziale Leben von der Dreigliederung in die Hand bekamen, wenn sie in dieser Schrift lasen, nun so gar nichts darinnen fanden von dem, was sie gewohnt waren zum Beispiel in meinen anthroposophischen Schriften als den Grundton zu finden. Man hat vielleicht von manchen Seiten erwartet: wenn derjenige, der sich zur Anthroposophie bekennt, über ein solches Thema schreibt, wie es in meiner Dreigliederung enthalten ist, dann müsse in alle die Einzelheiten, die da auseinandergesetzt werden, alles mögliche hineinfließen von den gewohnten «anthroposophischen» Urteilen; man müsse recht sehr mystelnd zu allerlei Ermahnungen schreiten und so weiter.

[ 12 ] It is necessary to take the following into account as well. As one rises to the levels of imagination, inspiration, and so on, that which is otherwise merely conceptual—and cannot directly motivate the will—is drawn into the will. Therefore, supersensible knowledge motivates the will, and there is no moral or religious ideal that is not at least unconsciously rooted in the supersensible. What is gained through the imagination from the sensible realm alone can never be a source of social or moral motivation, because it remains ineffective for the will. That is why one must say that it might perhaps be striking that people who picked up my treatise on social life—specifically, The Threefold Social Order—found, upon reading it, absolutely nothing in it of what they were accustomed to finding, for example, in my anthroposophical writings as the underlying tone. Some might have expected that when someone who professes anthroposophy writes on a topic such as that contained in my Threefold Social Order, all manner of familiar “anthroposophical” judgments would flow into every detail discussed there; one would have to proceed in a rather mystical manner to offer all sorts of exhortations, and so on.

[ 13 ] Wenn auch von anthroposophischer Seite her vielfach ein solches Urteil gehört worden ist, dann kommt das den Urteilen in der Qualität ganz gleich, die da wollten, als ich meine «Theosophie» schrieb, daß sie dasselbe darinnen finden sollten, wortwörtlich, was zum Beispiel in meinen Auseinandersetzungen mit dem Haeckelianismus stand. Die Menschen können eben nicht verstehen, wie wirkliche Anthroposophie, wenn sie übergeht in den Willen, zur Umwelt führt, das heißt, zum sachlichen Betrachten jedes Gebietes, das sie sich entsprechend vornimmt, daß man also nicht die Formeln, die auf einem Gebiete gelegen sind, in das andere einfach hereinzutragen braucht. Man kann es schon glauben, daß diejenigen, die gewohnt gewesen sind, wortwörtlich durch längere Zeiten dieses oder jenes zu hören, es dann ungewohnt finden und unbequem, dasselbe in einer anderen Sprache zu hören. Allein, die verschiedenen Lebensgebiete fordern verschiedene Sprachen. Und es handelt sich darum, daß, wenn über sie gesprochen wird, aus demselben Geiste gesprochen werde, aber nicht darum, daß man überall dieselben wortwörtlich gleich ausgedrückten Begriffe und Vorstellungen finde. Und in der Anthroposophie kommt es schon darauf an, daß man sie nicht bloß ihrem Wortlaute nach aufnehme, sondern daß man sie ihrem Geiste nach aufnehme. Dann wird man aber erkennen, wenn sie sich betätigen will in einem eminent praktischen Gebiet, wie es das der sozialen Frage ist: welche Betätigung da herausgefordert ist durch die Not der Zeit, durch alles, was an Niedergangskräften in unserer Zeit zutage tritt. Innerlich hängt eben diese Behandlung der sozialen Frage durchaus zusammen mit dem, was eben von anderen Erkenntnisgesichtspunkten, aber nicht von anderen praktischen Gesichtspunkten aus auch durch die mehr theoretischen Seiten der Anthroposophie fließt. Daher muß ich Sie heute schon bitten, zu berücksichtigen, daß ich abgehen muß von dem, was der Duktus meiner bisherigen, eben in den Bahnen einer objektiven Wissenschaftlichkeit gehaltenen Vorträge ist. Denn es ist nötig, daß das, was im unmittelbaren Leben darinnen als Willensimpulse leben muß, was auch seine Stellung sich erst noch zu erkämpfen hat, daß das in anderer Form erfaßt wird, daß das in anderer Weise an unsere Seelen herantritt als das, von dem man sagen kann: So ist es! Sehen Sie auf dasjenige, was mit der Dreigliederung gegeben ist in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Und ich will heute mehr vom Standpunkt der großen sozialen Praxis aus sprechen. Nicht theoretisch, sondern vom Standpunkte der sozialen Praxis aus möchte ich sprechen, von demjenigen, was zunächst im umfassenden Sinne getan werden muß. Was getan werden muß, hängt innerlich zusammen mit dem, was in den letzten Jahren in bezug auf die Dreigliederungsfrage getan worden ist, trotzdem es ein solches trampelndes Mißfallen der Kommilitonen hervorgerufen hat, wie es zum Beispiel vorgestern in Stuttgart in einer so abscheulichen Form zutage getreten ist. Deshalb will ich auch ganz aus der Zeit heraus Ihnen charakterisieren, wie das in diese Zeit hineingehört, was Sie seinem Inhalte nach lesen können in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», in meinem Buch «In Ausführung der Dreigliederung», und was Sie dann nach verschiedenen Seiten charakterisiert finden werden in den Vorträgen, die heute hier noch gehalten werden. Ich möchte nur eine Art von Einleitung zu dem allgemeinen Ton geben, der dann angeschlagen werden wird. Aber ich möchte sagen, daß die Menschheit gerade dadurch, daß sie sich im Laufe der neueren Zeit aus den Gründen, die schon entwickelt worden sind, immer mehr und mehr — trotzdem sie glaubte, so recht praktisch zu sein, glaubte, die Praxis mit Löffeln gegessen zu haben hinaufhob zu einer Abstraktheit, die niemals woanders günstige Früchte tragen kann als in der naturwissenschaftlichen Betrachtung des Unorganischen, daß die Menschheit dadurch ganz und gar unpraktisch wurde. Die Menschheit hatte sich eingelebt in diese Abstraktheit und hatte allmählich begonnen, aus dieser Abstraktheit auch zu sprechen über das, was uns unmittelbar als sozial konkretes Leben umgibt. Lesen Sie sich durch alle die theoretischen Auseinandersetzungen, die gewöhnlich moderne, gelehrte ° Volkswirtschafter ihrem System voransetzen, so werden Sie finden, wie da überall die Frage figuriert: Inwieweit kann überhaupt der wissenschaftliche Betrachter der Volkswirtschaft hineinschauen in das, was sich unmittelbar praktisch um uns betätigend vollzieht? Und wie soll der Volkswirtschafter, um dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden — das heißt aber nichts anderes, als dem wissenschaftlichen Anspruch, den man sich aus Gewohnheit aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung angeeignet hat —, wie soll er sich verhalten, dieser Volkswirtschafter, damit er diesen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen kann?

[ 13 ] Even if such a judgment has often been heard from anthroposophical quarters, it is entirely comparable in nature to the judgments of those who, when I wrote my Theosophy, expected to find in it—word for word—what was stated, for example, in my critiques of Haeckelianism. People simply cannot understand how true anthroposophy, when it translates into will, leads to an engagement with the environment—that is, to an objective examination of every field it undertakes—meaning that one need not simply carry over the formulas applicable to one field into another. It is quite understandable that those who have been accustomed to hearing this or that word for word over a long period of time might then find it unfamiliar and uncomfortable to hear the same thing expressed in a different language. However, different spheres of life require different languages. And the point is that, when speaking about them, one should speak from the same spirit—but not that one should find the same concepts and ideas expressed verbatim everywhere. And in anthroposophy, it is indeed essential that one not merely take it in according to its literal wording, but that one take it in according to its spirit. Then, however, one will recognize—when it seeks to be active in an eminently practical sphere such as the social question—what kind of action is called for by the needs of the times, by all the forces of decline that are coming to light in our time. Innerly, this very approach to the social question is thoroughly connected to what flows through the more theoretical aspects of anthroposophy—viewed from other epistemological perspectives, though not from other practical ones. Therefore, I must ask you today to bear in mind that I must depart from the style of my previous lectures, which were conducted along the lines of objective scientific inquiry. For it is necessary that what must live as impulses of the will in immediate life—and which has yet to fight for its place—be grasped in a different form, that it approach our souls in a different way than that of which one can say: “That is how it is!” Look at what is presented regarding the threefold social order in my book The Key Points of the Social Question. And today I want to speak more from the standpoint of broad social practice. I would like to speak not theoretically, but from the standpoint of social practice—from the perspective of what must first be done in the broadest sense. What must be done is intrinsically connected to what has been done in recent years regarding the question of the threefold social order, even though it has provoked such boisterous displeasure among fellow students as was, for example, evident the day before yesterday in Stuttgart in such a despicable form. That is why I also want to describe to you, entirely in the context of the times, how this fits into the present era—what you can read about in terms of content in my book The Key Points of the Social Question, in my book On the Implementation of the Threefold Social Order, and what you will then find characterized from various angles in the lectures that will still be given here today. I would simply like to offer a kind of introduction to the general tone that will then be set. But I would like to say that humanity, precisely because in the course of modern times—for the reasons that have already been elaborated—it has, more and more—despite believing itself to be so practical, believed it had mastered practical matters inside and out—has elevated itself to a level of abstraction that can bear fruitful results nowhere else but in the scientific study of the inorganic; and that, as a result, humanity has become entirely impractical. Humanity had become accustomed to this abstractness and had gradually begun to speak from this abstractness even about what immediately surrounds us as concrete social life. If you read through all the theoretical debates that modern, scholarly economists typically preface their systems with, you will find that the question appears everywhere: To what extent can the scientific observer of the economy even gain insight into what is taking place immediately and practically around us? And how should the economist—in order to live up to scientific standards (which is nothing other than the scientific standards one has, out of habit, adopted from the natural sciences)—how should this economist conduct himself so that he can meet these scientific standards?

[ 14 ] Daß Unklarheit in bezug auf diese Frage herrscht, daß sich in dieser Unklarheit Lebensfremdheit gegenüber dem wirklichen sozialen Leben ausdrückt, das hatte ich zunächst zu zeigen in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage», und daß diese Lebensfremdheit selber im heutigen sich verirrenden sozialen Leben lebt. Ich hatte zu zeigen, wie tatsächlich die führenden Menschenpersönlichkeiten in dieser neueren, zur Abstraktion heraufeilenden Zeit zwar die Möglichkeit gefunden haben, sich einzuleben in den technischen Betrieb und in den sozialen Betrieb der Kapitaltechnik, wie aber eben dadurch, daß das Hinschauen auf den Menschen verloren worden ist, von diesen führenden Persönlichkeiten nichts ausgegangen ist für das, was so eng mit dem Menschen und seiner Erkenntnis zusammenhängt wie die soziale Frage. Hatte man doch auch philosophisch den Zusammenhang zwischen der theoretischen Erkenntnis und der sogenannten praktischen Erkenntnis verloren; trotz dem Schopenhauerschen Worte oder vielleicht eben wegen des Sinnes dieses Wortes, weil dieser Sinn so sehr lebte in der modernen Menschheit — trotz dem Worte: Moralpredigen sei leicht, Moralbegründen sei schwer —, trotz diesem Worte konnte man nicht sehen, wie notwendig es ist, nach denjenigen Untergründen des Lebens zu suchen, die die Moral nicht nur predigen, wie Schopenhauer sagt, und damit einen theoretischen Beweis für sie liefern wollen, sondern die die Moral durch Tatsachen begründen wollen, indem sie hinweisen auf das, was in der Tatsachenwelt wirklich lebt.

[ 14 ] That there is a lack of clarity regarding this question, and that this lack of clarity reflects an alienation from real social life—that was what I set out to demonstrate in my book The Key Points of the Social Question; and that this alienation itself is embedded in today’s social life, which has gone astray. I had to show how, in this recent era rushing headlong toward abstraction, leading figures have indeed found a way to adapt to the technical and social operations of capitalist technology; yet precisely because attention to the human being has been lost, nothing has emerged from these leading figures regarding the social question—a matter so closely connected to the human being and human understanding. After all, even philosophically, the connection between theoretical knowledge and so-called practical knowledge had been lost; despite Schopenhauer’s words—or perhaps precisely because of the meaning of those words, since that meaning was so deeply ingrained in modern humanity—despite the saying: “Preaching morality is easy; justifying morality is hard”—despite these words, people could not see how necessary it is to seek out those foundations of life that do not merely preach morality, as Schopenhauer says, and thereby seek to provide a theoretical proof for it, but that seek to justify morality through facts by pointing to what truly lives in the world of facts.

[ 15 ] In der Kantischen Philosophie drückt sich die Verwirrung über dieses Gebiet dadurch aus, daß überhaupt ein scharfer Schnitt gezogen worden ist zwischen dem, was theoretische Betrachtung ist, was kritisiert wird in der «Kritik der reinen Vernunft» und dem, was Inhalt eines bloßen Imperativs und daher eines bloßen Glaubens sein soll, und was kritisiert wird in der «Kritik der praktischen Vernunft». Da soll keine Brücke geschlagen werden dürfen, wogegen sich schon, wie Sie von diesem Platze in diesen Tagen gehört haben, Goethe mit seinem Begriff der «anschauenden Urteilskraft», des «intellectus archetypus», gewendet hat, um dann zu versuchen, dem, was nun das wirklich Praktische ist in der Begründung des menschlichen Handelns, anders näherzukommen. Schopenhauer konnte es nicht finden, weil er das, was in der Vorstellungswelt lebt, von vornherein als etwas bloß so Bildhaftes ansah, daß es nicht durchdrungen werden könne mit Seinsgehalt, und weil er bloß rekurrierte auf den Willen, der aber wiederum nicht für die gegenständliche Erkenntnis ohne höhere übersinnliche Erkenntnis ins Bewußtsein heraufgebracht werden kann. So fühlte er das Unzulängliche der theoretischen Begründung eines praktischen Handelns. Durch die bloße theoretische Vernunft war er unvermögend, auf die Begründung des praktischen Handelns selber hinzuweisen, weil er ja im Willen nur ein Blindes sah, niemals ein von dem Lichte einer Erkenntnis zu Durchdringendes. Denn dieses Licht kann nur das Übersinnliche sein. Und zu dem wollte sich Schopenhauer auch nicht erheben.

[ 15 ] In Kantian philosophy, the confusion surrounding this area is expressed by the fact that a sharp distinction has been drawn between what constitutes theoretical consideration—which is the subject of criticism in the Critique of Pure Reason—and what is supposed to be the content of a mere imperative and therefore a matter of mere faith—which is the subject of criticism in the Critique of Practical Reason. No bridge is to be allowed to be built between them, whereas—as you have heard from this very place in recent days—Goethe turned against this with his concept of “intuitive judgment,” the “intellectus archetypus,” in order to then attempt to approach what is truly practical in the foundation of human action in a different way. Schopenhauer could not find it because he regarded what exists in the world of the imagination from the outset as something merely pictorial, incapable of being imbued with the substance of being, and because he relied solely on the will—which, in turn, cannot be brought into consciousness for objective knowledge without higher, supersensible knowledge. Thus, he sensed the inadequacy of a theoretical justification for practical action. Through mere theoretical reason, he was unable to point to the justification of practical action itself, because he saw in the will only something blind, never something that could be penetrated by the light of knowledge. For this light can only be the supersensible. And Schopenhauer did not wish to elevate himself to that level either.

[ 16 ] Dann kamen andere Versuche, wie zum Beispiel derjenige Herbarts. Bei Herbart finden wir den Versuch, eine Art Begründung im praktischen Leben für dasjenige, was praktisches Handeln ist, zu finden. Aber das Charakteristische für Herbart ist, daß er in seiner praktischen Philosophie sucht, was im Grunde genommen ein ästhetisches Urteil ist, daß er versucht, die praktische Philosophie als einen Teil der Ästhetik zu begründen. Dadurch kommen — indem er implicite hinausgeht über das, was er theoretisch im Bewußtsein hat — die fünf bekannten praktischen Ideen der Vollkommenheit, des Wohlwollens, der inneren Freiheit, des Rechtes und der Billigkeit zum Vorschein. Aber das Verhältnis des Menschen zu ihnen ist das einer Zustimmung, die auch erst wiederum der motivierenden Kraft bedarf. Ich kann auch hier nur darauf hindeuten, wie versucht worden ist, ich möchte sagen, zu durchbrechen, was mit dem bloß abstrahierenden Verstande gegeben war, wie aber dieser Versuch, weil er nicht vordringen wollte bis zur wirklichen Geisteswissenschaft, in allen möglichen Punkten mißlang.

[ 16 ] Then came other attempts, such as Herbart’s. In Herbart, we find an attempt to establish a kind of justification in practical life for what constitutes practical action. But what is characteristic of Herbart is that, in his practical philosophy, he seeks what is essentially an aesthetic judgment; that is, he attempts to ground practical philosophy as a part of aesthetics. Through this—by implicitly going beyond what he theoretically holds in his consciousness—the five well-known practical ideas of perfection, benevolence, inner freedom, justice, and equity come to light. But humanity’s relationship to them is one of assent, which in turn requires a motivating force. Here, too, I can only point out how attempts have been made—I would say, to break through—what was given by the merely abstracting intellect; yet how this attempt, because it did not seek to advance to the realm of true spiritual science, failed in every possible respect.

[ 17 ] Daher muß ich darauf hinweisen, daß in dieser Entwickelung des neueren geschichtlichen Lebens der Menschheit die Begründung dafür liegt, daß die führenden Persönlichkeiten das nicht finden konnten, was an den Menschen herankommt. Und so fanden sie den Weg zur Maschine, so fanden sie den Weg in die Technik, so fanden sie den Weg zum Kapitalismus. Sie fanden nicht den Weg zum Menschen, den sie neben der Maschine stehen ließen, genau ebenso wie der Naturforscher den wirklichen Menschen neben dem stehen läßt, was er durch seine Naturwissenschaft theoretisch erforscht.

[ 17 ] Therefore, I must point out that this development in the recent historical life of humanity is the reason why leading figures were unable to find what truly resonates with people. And so they found their way to the machine, they found their way to technology, they found their way to capitalism. They did not find their way to human beings, whom they left standing beside the machine—just as the natural scientist leaves the real human being standing beside what he theoretically investigates through his natural science.

[ 18 ] Was sich da in der Naturwissenschaft auslebt, das wurzelt in einer tiefen Lebensgewohnheit und drückt sich auf allen Gebieten aus. Deshalb konnte das erste Kapitel meiner «Kernpunkte» nur so sein, daß es diese Wirkung eines lebensfremden Geisteslebens in der neueren Zeit beleuchtet. Hingewiesen werden mußte scharf auf den Umstand, den mir nicht etwa eine theoretische Erwägung, sondern die in meinem Buche gekennzeichnete Lebenserfahrung geliefert hat, daß die Persönlichkeiten, welche die führenden waren bei allen Traditionen auf künstlerischem, religiösem und wissenschaftlichem Gebiet, neben dem, was die bloße Auffassung im Vorstellen in der neueren Zeit hervorgebracht hat, einen Gefühls-, einen religiösen Inhalt schufen, der in derjenigen Klasse nicht entstehen konnte, welche weggeholt wurde von dem Leben in der Tradition und an die Maschine hingestellt wurde, welche von dem, was in dieser neueren Zeit heraufkam, nur die theoretische Abstraktion aufnahm, so daß zu dem Leben in Mühe und Arbeit bei dieser Klasse noch das hinzutrat, was aus der OÖdigkeit der Seele kommt, die sich zwar theoretisch erfüllen kann mit dem, was eine theoretische naturwissenschaftliche Denkweise geben kann, die aber nicht leben kann damit.

[ 18 ] What is playing out in the natural sciences is rooted in a deep-seated way of life and manifests itself in all areas. That is why the first chapter of my Key Points could only be structured in such a way as to shed light on the impact of a spiritual life alien to real life in modern times. It was necessary to sharply point out the fact—which was provided to me not by some theoretical consideration but by the life experience described in my book—that the leading figures in all traditions in the artistic, religious, and scientific spheres in addition to what mere conceptualization in the imagination has produced in modern times, created an emotional and religious content that could not arise in that class which was torn away from life within tradition and placed before the machine—a class that, in response to what emerged in this modern era, only the theoretical abstraction, so that the life of toil and labor among this class was further compounded by what arises from the barrenness of the soul—a soul that, while it may theoretically satisfy itself with what a theoretical, scientific way of thinking can offer, cannot live by it.

[ 19 ] So war das, was leben sollte durch meine «Kernpunkte der sozialen Frage», und schon in dem ihnen vorangehenden «Aufruf», im eminentesten Sinne praktisch gedacht, war als etwas gedacht, was unmittelbar in das Leben übergehen muß, was nicht ergreifen sollte bloß die Intellekte, was ergreifen sollte den Willen. Und es war hervorgegangen aus dem, was den Willen ergreifen sollte.

[ 19 ] Thus, what was to come to life through my “Key Points of the Social Question”—and already in the “Call” that preceded them—was conceived in the most practical sense, as something that must pass directly into life, something that was not meant to engage merely the intellect, but rather the will. And it had emerged from that which was meant to seize the will.

[ 20 ] Als auch für eine größere Anzahl in der Außenwelt stehende Persönlichkeiten klar war, wie die furchtbaren katastrophalen Ereignisse aus dem zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verlaufen werden, da stellte sich in die Ereignisse etwas hinein — ich will heute, wie gesagt, nur Richtungen andeuten, Sie finden das Genauere darüber in meinen Schriften —, das die blutleerste Abstraktion war, etwas ganz und gar nur aus der abstrakten Geistigkeit Herausgeborenes. Mit dieser abstrakten Art der Geistigkeit war derjenige heraufgekommen, der aus einem Gelehrten Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden war, Woodrow Wilson. In seinen Vierzehn Punkten war auch als ein Impuls für das Praktische vor die Welt hingestellt, was nur aus einer lebensfremden Abstraktion hervorging. Den praktischen Beweis dafür hat die Lage geliefert — Sie können das bei Maynard Keynes nachlesen —, in der sich Woodrow Wilson bei den Verhandlungen in Versailles befand, wo das, was in seiner Theorie lebte, immer mehr und mehr abschmolz gegenüber dem, was aus den veraltetsten traditionellen Anschauungen heraus dazumal in Versailles ausgemacht worden war. Die geschichtliche Entwickelung selber hat den Beweis für das Lebensfremde der Vierzehn Punkte Woodrow Wilsons geliefert. Als sie aufgestellt wurden, da bezeugten sie aber, daß man mit solcher Abstraktion durchaus auch etwas in die Wirklichkeit hineintragen kann: man trägt in sie etwas hinein, aber man trägt nur den Irrtum hinein! Es ist nicht so, daß Abstraktionen, wenn sie durch Menschen gehen, nicht Wirklichkeiten hervorzaubern könnten; aber es ist so, daß sie immer in diesen Wirklichkeiten Verwirrungen oder Unzulänglichkeiten werden hervorrufen müssen, weil sie eben nicht aus dem Leben geholt sind. So konnten die Vierzehn Punkte Schiffe und Heere über das Meer bringen, aber es konnten diese Vierzehn Punkte nicht einen lebenskräftigen Impuls in die moderne Zivilisation hineinsenden.

[ 20 ] When it became clear even to a large number of figures in the outside world how the terrible, catastrophic events of the second decade of the 20th century would unfold, something intervened in the course of events—as I said, I want only to hint at general directions today; you will find more precise details in my writings—that which was the most lifeless abstraction, something born entirely and solely out of abstract spirituality. It was with this abstract form of spirituality that the man who had risen from being a scholar to become President of the United States of America—Woodrow Wilson—had emerged. In his Fourteen Points, he also presented to the world, as an impetus for practical action, something that sprang solely from an abstraction divorced from life. The situation provided practical proof of this—you can read about it in Maynard Keynes—as Woodrow Wilson found himself in the negotiations at Versailles, where what lived in his theory melted away more and more in the face of what had been established at Versailles at that time out of the most outdated traditional views. Historical development itself has provided proof of the detachment from reality of Woodrow Wilson’s Fourteen Points. When they were formulated, however, they demonstrated that such abstraction can indeed bring something into reality: one brings something into it, but one brings only error! It is not that abstractions, when passed through human hands, cannot conjure up realities; but the fact is that they must always give rise to confusion or inadequacies within these realities, precisely because they are not drawn from life itself. Thus, the Fourteen Points were able to bring ships and armies across the sea, but these Fourteen Points could not send a vital impulse into modern civilization.

[ 21 ] Ich fürchte, daß dasjenige, was damit innerhalb der modernen Zivilisation vorliegt, noch immer nicht von einer genügend großen Anzahl von Menschen irgendwie begriffen ist. Denn es folgte nun in der Nachkriegszeit in Amerika auf Woodrow Wilson Harding — und wir haben vor kurzer Zeit die Antrittsrede dieses Harding lesen können: dieselben abstrakten Phrasen, dasselbe Reden von «menschlicher Brüderlichkeit», das nicht motivierend werden kann, weil es in Abstraktionen lebt, die Fortsetzung der Wilsonpolitik unter anderem Namen. Ich kann nicht finden, daß man in einer genügend großen Anzahl von Menschen genügendes Verständnis findet für die Unzulänglichkeit, die sich hier fortsetzt. Es ist, als ob der moderne Mensch geradezu den Zusammenhang mit jedem Enthusiasmus für die Wahrheit, für die lebendige Wahrheit verloren hätte und schlafend selbst vorbeigehen würde an einer solchen Lebensfremdheit, wie sie jetzt wiederum in der Antrittsrede des amerikanischen Präsidenten geklungen hat.

[ 21 ] I fear that what this entails within modern civilization is still not understood in any meaningful way by a sufficiently large number of people. For in the postwar period in America, Woodrow Wilson was succeeded by Harding—and we were recently able to read Harding’s inaugural address: the same abstract phrases, the same talk of “human brotherhood,” which cannot be motivating because it exists in abstractions—a continuation of Wilson’s policies under a different name. I cannot find that a sufficiently large number of people have a sufficient understanding of the inadequacy that persists here. It is as if modern man had virtually lost all connection with any enthusiasm for the truth, for living truth, and were to pass by, as if asleep, such a detachment from life as was once again evident in the American president’s inaugural address.

[ 22 ] Dazumal, als die Vierzehn Punkte zuerst hereintraten ins moderne Leben, da sollte entgegengesetzt werden demjenigen, was an Lebensfremdheit in diesen Vierzehn Punkten enthalten war, eine wirkliche Lebenspraxis, etwas, was herausstammte aus dem Leben, herausstammte zu gleicher Zeit aus den wichtigsten Bestandteilen des modernen öffentlichen Lebens, aus der wirklichen sozialen Praxis, aus einem Erkennen desjenigen, was als soziale Frage durch die gegenwärtige Menschheit pulsiert.

[ 22 ] Back when the Fourteen Points first entered modern life, the alienation from reality contained within those Fourteen Points was to be countered by a genuine practice of life, something that sprang from life itself, and at the same time from the most important elements of modern public life—from real social practice and from an understanding of the social issues that pulse through contemporary humanity.

[ 23 ] In einer lebenswirklichen Art habe ich in einem Stuttgarter Vortrage vor kurzer Zeit auf solche Dinge hingewiesen, nachdem Lloyd George den damals drohenden Streikausbruch verhindern wollte und die Verhältnisse leimte. Nach diesem Leimen der sozialen Verhältnisse sagte ich danach in Stuttgart: Man kann mit solchen Dingen, die, trotzdem sie von Lloyd George kommen, durchaus nur theoretisch gedacht sind, zwar die Verhältnisse leimen, aber man kann nicht Wirklichkeiten dirigieren, und die Menschen werden sich überzeugen, daß nur geleimt ist theoretisch, daß aber lebenspraktisch nichts erreicht ist, und daß in Kürze sich das zeigen werde. — Jetzt haben Sie es! Jetzt können Sie sich durch dasjenige, was wirklich eingetreten ist, überzeugen davon, ob dazumal in jenem Stuttgarter Vortrage aus der Erkenntnis der sozialen Kräfte heraus oder ob auch nur theoretisch gesprochen worden ist, während man heute nicht nur theoretisch spricht, sondern auch theoretisch handelt im öffentlichen und namentlich im sozialen Leben, wo es nun wahrhaft gar nicht am Platze ist.

[ 23 ] In a down-to-earth manner, I recently pointed out such things in a lecture in Stuttgart, after Lloyd George had sought to prevent the strike that was then looming and had patched up the situation. After this “patching up” of social conditions, I said in Stuttgart: One can certainly use such ideas—which, despite coming from Lloyd George, are purely theoretical—to patch things up, but one cannot control reality, and people will come to realize that what has been patched up is merely theoretical, that nothing has been achieved in practical terms, and that this will become apparent shortly. — Now you see! Now, based on what has actually come to pass, you can judge for yourselves whether that Stuttgart lecture was grounded in an understanding of social forces or whether it was merely theoretical—whereas today people not only speak theoretically but also act theoretically in public life and, in particular, in social life, where such an approach is truly out of place.

[ 24 ] Und so wurde denn dazumal, als, ich möchte sagen, in klassischer Weise die politische Frucht des modernen Abstraktismus in den Vierzehn Punkten Woodrow Wilsons auftrat, versucht, bei denjenigen, die es dazumal mutlos, tatenunlustig anhörten, aber darauf in einer gewissen Weise neugierig waren, Verständnis zu erwecken dafür, daß von Europa aus — zunächst war nur Mitteleuropa zugänglich — in Kundgebungen der Dreigliederung des sozialen Organismus ein Konkretes, ein Lebenspraktisches entgegengestellt werde den unpraktischen Vierzehn Punkten. Und man hätte überzeugt sein können, wenn man Sinn für Wirklichkeiten, nicht bloß für liebgewordene Theorien gehabt hätte, die dann «praktisch» geworden sind, man hätte sich überzeugt halten können davon, daß, ebenso wie die unpraktischen Abstraktionen in der Wirklichkeit Heere und Schiffe auf den Weg gebracht haben, dasjenige, was aus einer Wirklichkeit heraus gesprochen hätte, wenn sie nur vom richtigen Platze aus vermittelt worden wäre, daß das auch Wirklichkeiten hervorgezaubert hätte.

[ 24 ] And so, back then, when—I might say—the political fruit of modern abstract thinking emerged in a classic way in Woodrow Wilson’s Fourteen Points, an attempt was made to awaken, among those who listened to it at the time with despondency and a reluctance to act, yet were in a certain sense curious about it, to understand that from Europe—initially only Central Europe was accessible—manifestations of the threefold social order were offering something concrete and practical in contrast to the impractical Fourteen Points. And one could have been convinced, had one had a sense for realities rather than merely for cherished theories that had then become “practical,” one could have been convinced that, just as the impractical abstractions had in reality set armies and ships in motion, that which would have spoken from a reality—if only it had been conveyed from the right place—would also have conjured up realities.

[ 25 ] Aber die, die dazumal mitzureden hatten, sie wollten nicht hören. Die soziale Praxis lag ihnen ferne. Sie waren eingewöhnt in das, was sich herausgebildet hat im Laufe der neueren Zeit: hinzugehen den Weg bis zur Maschine, bis zur Maschinerie der sozialen Ordnung, aber nicht hinzugehen den Weg zum Menschen, der an der Maschine steht, der da lebt als Mensch innerhalb der Maschinerie der sozialen Ordnung, und der als Mensch ein handelnder ist.

[ 25 ] But those who had a say in the matter back then refused to listen. Social practice was foreign to them. They were accustomed to what had developed over the course of modern times: to follow the path leading to the machine, to the machinery of social order, but not to follow the path leading to the person standing at the machine—the person who lives there as a human being within the machinery of social order, and who, as a human being, is an active agent.

[ 26 ] Da man dazumal nicht verstanden hat, was die Lebensnotwendigkeiten forderten, so ergab sich als eine notwendige Konsequenz, daß, gleich nachdem die blutige Kriegskatastrophe beendet war, auf Veranlassung Stuttgarter Freunde das geschehen ist, was in meinem «Aufruf an das deutsche Volk und die Kulturwelt» liegt, was in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» liegt. Und in der Zeit, in der auf gewissen Gebieten des modernen Zivilisationslebens die alten Gewalten verschwunden waren, wurde versucht, zu den breiten Massen des Volkes zu reden, zu denjenigen, die durch all die Verhältnisse, die ich jetzt angedeutet und sonst immer wieder geschildert habe, am meisten gelitten haben. Der Anfang war im Grunde ein guter. Man konnte die breite Masse des Volkes erreichen. Sie verstanden nach und nach, was in dem Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus liegt. Denn es ist ein Humbug, zu sagen, daß das schwer verständlich sei in sich selber. Die Schwierigkeit des Verstehens beruht lediglich darauf, daß man aus den alten Denkgewohnheiten nicht heraus kann, daß man nicht verzichten kann, das, woran man gewöhnt ist als starre Denkform, herüberzustülpen auf dasjenige, was eben als ein anderes auftritt. Darin liegt es, nicht in der Schwierigkeit der Sache. Deshalb war auch die Möglichkeit da, Verständnis zu finden gerade innerhalb derjenigen, die aus ihren Bedürfnissen heraus nach einer relativen Lösung der sozialen Frage strebten, und die bis dahin schon gesehen hatten, daß sie aus dem alten dogmatischen Marxismus heraus zu keiner befriedigenden Gestaltung des sozialen Lebens in der neueren Zeit kommen können.

[ 26 ] Since people at that time did not understand what the necessities of life demanded, it was an inevitable consequence that, immediately after the bloody catastrophe of war had ended, at the instigation of friends in Stuttgart, what is set forth in my “Appeal to the German People and the Civilized World” and in my “Key Points of the Social Question” came to pass. And at a time when, in certain areas of modern civilized life, the old powers had disappeared, an attempt was made to speak to the broad masses of the people—to those who had suffered the most from all the circumstances I have now alluded to and have otherwise described time and again. The beginning was, in essence, a good one. It was possible to reach the broad masses of the people. They gradually came to understand the essence of the impulse behind the threefold social order. For it is nonsense to say that this is difficult to understand in and of itself. The difficulty in understanding stems solely from the fact that people cannot break free from old habits of thought; they cannot refrain from imposing what they are accustomed to as a rigid form of thought onto something that presents itself as fundamentally different. That is where the difficulty lies, not in the subject matter itself. That is why there was also the possibility of finding understanding precisely among those who, out of their own needs, were striving for a relative solution to the social question, and who had already realized by then that they could not arrive at a satisfactory organization of social life in modern times by remaining within the confines of old, dogmatic Marxism.

[ 27 ] Da wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht dadurch, daß sich auf der einen Seite ablehnend verhielten, nicht die Arbeiter, wohl aber die Führer dieser Arbeiter, und auf der anderen Seite führende Persönlichkeiten des alten Bourgeoistums. Von allen Seiten wurde man sozusagen mit Bezug auf den Impuls der Dreigliederung im Stiche gelassen.

[ 27 ] Those plans were thwarted by the fact that, on the one hand, it was not the workers but their leaders who were opposed to them, and on the other hand, leading figures of the old bourgeoisie. From all sides, one was, so to speak, left in the lurch with regard to the impulse toward the threefold social order.

[ 28 ] Zunächst hatten es diejenigen, die führende Kreise waren, im Frühling 1919 mit einer heillosen Angst zu tun, und sie schnappten nach allem, was sich irgendwie mit der sozialen Frage beschäftigte. Dadurch fanden sich einige dazumal im ersten Anhub zur Dreigliederung, wie sie an sie herankam, hatten aber nicht die Kraft und nicht den Mut, weiter dabei auszuhalten. Einer der gefeierten Führer der Bourgeoisie eines mitteleuropäischen Gebietes sagte mir, als wir dazumal mitten drinnen standen in dem, was geschehen sollte: Ja, in der Art und Weise, wie Sie selber verstanden werden und reden zu der breiten Masse des Volkes, da könnte man sich ja etwas versprechen; aber eine solche Sache darf, das werden Sie einem Parteiführer der alten Parteien zugeben, nicht auf zwei Augen gestellt sein; andere sieht man noch nicht — ich zitiere nur —, die wirksam nach dieser Richtung wären; daher verlassen wir uns schon nicht auf diese ganze breite Bewegung, sondern wir wollen die alte Ordnung, trotzdem sie vielleicht nur noch höchstens durch fünfzehn oder zwanzig Jahre zu halten ist, halten mit den Kanonen und Flinten.

[ 28 ] At first, in the spring of 1919, those in the ruling circles were gripped by a desperate fear, and they clung to anything that had anything to do with the social question. As a result, some of them found themselves caught up in the initial surge toward the threefold social order as it came their way, but they lacked the strength and the courage to persevere. One of the celebrated leaders of the bourgeoisie in a Central European region told me, when we were right in the thick of what was about to happen: “Yes, given the way you yourself are understood and speak to the broad masses of the people, one might indeed have high hopes; but such a matter—and you’ll grant this to a party leader of the old parties—must not rest on two eyes alone; there are as yet no others—and I am merely quoting—who would be effective in this direction; therefore, we do not rely on this entire broad movement, but rather we intend to uphold the old order—even though it may only last another fifteen or twenty years at most—with cannons and rifles.

[ 29 ] Das war das Echo von der einen Seite. Aber lassen Sie mich auch sprechen von dem Echo von der anderen Seite, weil ich praktisch zu charakterisieren habe, worum es sich handelt. Die arbeitende Bevölkerung, insofern ich zu ihr sprechen konnte, hat sich mit einer verhältnismäßigen Leichtigkeit und mit innerem Verständnis in die Dreigliederungsbewegung hineinzuleben versucht. Da kamen die Arbeiterführer, und sie wurden, ich möchte sagen, blaß vor Neid, daß jetzt auch von anderer Seite als von seiten ihres eingetrichterten Marxismus zu der Arbeiterschaft gesprochen werden konnte. Und sie erfanden, ebenso wie die anderen, alle möglichen Verleumdungen, alle möglichen Schmierigkeiten, um den Arbeitern, die ja autoritätsgläubig in dieser Beziehung zu ihren Führern sind, den Weg zum Verständnisse zu verlegen. Die Arbeiter aber sind heute noch nicht so weit, um sich in dem aus den letzten Jahrzehnten herübergenommenen Autoritätsglauben in der rechten Art zurechtzufinden. In dem Augenblicke, wo man innerhalb der Arbeiterschaft einsehen wird, worum es sich den niederen und höheren Arbeiterführern handelt, wird manches zerstieben, was heute noch auf diesem Felde als gutgemeinter Glaube vorhanden ist, wenn man einsehen wird, daß diejenigen, die etwa von der Sorte des Lenin und Trotzkij, des Lunatscharskij, an der Spitze stehen, in ihrem wirklichen Wollen nicht etwa das Glück und Wohlergehen der Menge im Auge haben, sondern daß sie zu sich und untereinander etwa sagen: Die breite Masse des Volkes ist dumm und wird immer von Leidenschaften durchsetzt sein; mit der kann man nichts machen, als sie tyrannisieren; daher muß es nicht auffällig sein, daß wir ebenso tyrannisieren, ob wir nun Zar Nikolaus oder Lenin heißen; für uns handelt es sich nur darum, daß diejenigen, die früher auf den kurulischen Stühlen gesessen haben, heruntergefallen sind und wir nun darauf sitzen; für uns handelt es sich um die Eroberung der Regierungssitze!

[ 29 ] That was the response from one side. But let me also speak about the response from the other side, because I need to describe in practical terms what this is all about. The working class, insofar as I was able to speak to them, tried to engage with the Threefold Social Order movement with relative ease and inner understanding. Then the labor leaders came along, and they became—I would say—pale with envy that the working class could now be addressed from a perspective other than their indoctrinated Marxism. And they, just like the others, invented all sorts of slanders and smear campaigns to block the path to understanding for the workers, who, after all, are prone to blindly following authority in this regard when it comes to their leaders. The workers, however, are not yet ready to properly come to terms with the belief in authority that has been carried over from the past decades. The moment the working class comes to realize what the lower- and higher-ranking labor leaders are really after, much of what still exists today in this sphere as well-meaning faith will shatter—when people realize that those of the ilk of Lenin and Trotsky, or Lunacharsky, are at the helm, do not in their true intentions have the happiness and well-being of the masses in mind, but rather say to themselves and among themselves: “The broad masses of the people are stupid and will always be driven by passions; there is nothing to be done with them except to tyrannize them; therefore, it should come as no surprise that we, too, tyrannize them, whether we are called Tsar Nicholas or Lenin; for us, the only issue is that those who once sat on the Kurul chairs have fallen from them and we now sit upon them; for us, it is a matter of seizing the seats of government!

[ 30 ] In dem Augenblicke, in dem diese Erkenntnis in weitesten Kreisen aufgehen wird, wird manches anders werden. Dann aber wird auch die Zeit gekommen sein, wo in das soziale Leben wirklich soziale Praxis wird einziehen können. Dann wird man mit praktischem Verständnisse dasjenige anschauen, was ich im zweiten und dritten Kapitel meiner «Kernpunkte der sozialen Frage», ich möchte sagen, wie exemplifizierend für das, was aus solchem Geiste heraus zu geschehen hat, ausgesprochen habe. Dann wird man sehen, daß da alles nicht aus einer Theorie heraus erfunden ist, sondern daß da alles aus einer schwer errungenen Lebenspraxis heraus gewonnen ist, geradeso wie dazumal, als nach dem Bekanntwerden der Vierzehn Punkte Woodrow Wilsons diese Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus zuerst auftrat.

[ 30 ] The moment this realization dawns on the broadest circles, many things will change. But then the time will also have come when truly social practices can take root in social life. Then people will view with practical understanding what I expressed in the second and third chapters of my Key Points of the Social Question—I would say as an illustration of what must come about from such a spirit. Then people will see that none of this has been invented out of a theory, but that it has all been derived from hard-won practical experience, just as it was back then when, after Woodrow Wilson’s Fourteen Points became known, this idea of the threefold social order first emerged.

[ 31 ] Ich spreche als jemand, der sein halbes Leben, dreißig Jahre, in Österreich, in diesem Experimentierland für soziale Unmöglichkeiten zugebracht hat. Ich spreche als jemand, der wohl weiß, wie man in diesem österreichischen Experimentierland in einem Ministerium, einem liberalen Ministerium geredet hat. Der Liberale Giskra hat, als die Blütezeit des österreichischen Liberalismus war, und als schon hinter dem Liberalismus die soziale Frage auftauchte, gesagt: In Österreich haben wir mit der sozialen Frage nichts zu tun, denn die soziale Frage hört bei Bodenbach auf! — Das wurde im Parlamente des Liberalismus in Österreich von dem verantwortlichen Minister des Innern verkündet, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

[ 31 ] I speak as someone who has spent half his life—thirty years—in Austria, this laboratory for social impossibilities. I speak as someone who knows full well how people used to talk in this Austrian laboratory, in a ministry—a liberal ministry. During the heyday of Austrian liberalism, when the social question was already beginning to emerge behind the scenes of liberalism, the liberal Giskra said: “In Austria, we have nothing to do with the social question, for the social question ends at Bodenbach!” — This was proclaimed in the Austrian Parliament—the seat of liberalism—by the minister of the interior responsible for these matters, in the last third of the 19th century.

[ 32 ] Wer nun studieren will, wie in diesem österreichischen Parlamente, ich möchte sagen, in der Reinkultur gewirkt hat das unmögliche Durcheinandermischen der drei Glieder des sozialen Organismus — was ich schon ausgedrückt habe in meinen «Kernpunkten», indem ich angeführt habe die Zusammensetzung des Parlaments aus vier Wirtschaftskurien —, der kann sehen, wie allmählich die Dinge sich entwickelten. Und wer das Ultimatum an Serbien verstehen will, der muß alles, was seit dem Jahre 1867 in Österreich geschehen ist bis zu den Zeiten hin, die dem Ultimatum an Serbien vorangingen, vollinhaltlich studieren. Dann wird er sehen, wie es ausgesehen hat mit dem Brotmangel, mit der Teuerung, mit den Teuerungskonflikten in den Monaten, die dem Kriegsausbruch vorangegangen sind gerade in österreichischen Landen, und er wird Gelegenheit haben, an den dortigen sozialen Faktoren zu studieren, wo im Tieferen die wesentlichen Ursachen liegen. Und da würde man in eine neue Art der Betrachtungsweise hineingeführt werden.

[ 32 ] Anyone who now wishes to study how, in this Austrian parliament, I would say, the impossible intermingling of the three members of the social organism has operated in its purest form—as I have already expressed in my “Key Points” by citing the composition of the Parliament consisting of four economic curiae—can see how things gradually developed. And anyone who wishes to understand the ultimatum to Serbia must thoroughly study everything that has happened in Austria since 1867 up to the period preceding the ultimatum to Serbia. Then they will see what the situation was like with regard to the bread shortage, inflation, and the inflation-related conflicts in the months leading up to the outbreak of war, particularly in the Austrian provinces, and they will have the opportunity to examine the social factors there to determine where the underlying causes lie. And this would lead one into a new way of looking at things.

[ 33 ] Aber was aus jeder solchen Betrachtung hervorgehen muß, das ist, daß es sich darum handelt, für das praktische soziale Leben Impulse zu finden, die aus diesem Leben selbst heraus sprechen. Dann werden wir vielleicht zu der Zeit kommen, in welcher es eine genügend große Anzahl von Menschen gibt, die — unbeirrt durch die alten Richtungsbezeichnungen «rechts» und «links» — ihre Aufmerksamkeit dem Sachlich-Praktischen zuwenden, das, weil es eben aus der Wirklichkeit fließt, sich berufen glauben darf, mitzureden in den wichtigsten Angelegenheiten des Lebens. Und das sind die sozialen Angelegenheiten.

[ 33 ] But what must emerge from any such consideration is that the goal is to find impulses for practical social life that speak from within that life itself. Then perhaps we will reach a time when there is a sufficiently large number of people who—unbothered by the old labels of “right” and “left”—turn their attention to what is factual and practical; and because this flows directly from reality, it can rightfully claim a voice in the most important matters of life. And those are the social matters.

[ 34 ] Man stellt sich vielfach heute auf den Standpunkt, die Welt werde in Ordnung kommen, wenn es nur gelinge, die alten Impulse fortzusetzen, und man probiert jetzt schon wiederum seit langem, wie es gehen kann mit dem Fortlaufenlassen des Alten. Man wendet die Augen davon ab, wie unter diesem unsachlichen, wirklichkeitsfremden Operieren immer mehr hinaufkommt, was zermürbend zu gleicher Zeit wirken muß für die ganze moderne Zivilisation.

[ 34 ] Today, many people take the view that the world will fall into place if only we can succeed in carrying on the old impulses, and for quite some time now, people have been trying once again to see how things might work by letting the old ways continue. People turn a blind eye to how, under this irrational, unrealistic way of operating, something is increasingly coming to the surface that must at the same time have a corrosive effect on modern civilization as a whole.

[ 35 ] Nicht eher aber wird eine Möglichkeit entstehen weiterzukommen, als dann, wenn man einsehen wird, wie ohne diesen Blick nach links oder rechts auf das sachliche Betrachten des unmittelbaren Lebens losgegangen werden muß. Denn dadurch allein bekommen wir das Verständnis für solche praktisch-sozialen Ideen, welche ein ethischsoziales Leben nicht nur predigen, sondern begründen können. Denn auf die Begründung dieses Lebens sollte hingewiesen werden mit der Dreigliederung des sozialen Organismus. Die Theoretiker haben aus ihren theoretischen Anschauungen heraus lange genug wiederholt, daß man heute «sozial» betrachten müsse, was auch in der Ethik lebt. Der Mensch sei hineingestellt seit der Arbeitsteilung ganz und gar ins soziale Gebiet, und man müsse «aus dem Sozialen heraus» begreifen, was im Menschen motivierend wirke, wenn er handeln solle.

[ 35 ] But a way forward will not emerge until we realize that we must set out to view immediate life objectively, without looking to the left or right. For it is only through this that we gain an understanding of those practical-social ideas that can not only preach an ethical-social life but also ground it. For the foundation of this life should be pointed out through the threefold structure of the social organism. Theorists have long enough repeated, based on their theoretical views, that today one must view as “social” whatever also lives in ethics. Since the division of labor, human beings have been placed entirely within the social sphere, and one must understand “from within the social realm” what motivates a person when they are to act.

[ 36 ] Solange dieses Urteil blutleer bleibt, solange es eine Abstraktion bleibt, so lange wird es nichts bewirken. Denn es ist als Abstraktion ebenso wahr wie falsch. Daß es falsch ist, habe ich in meiner «Philosophie der Freiheit» gezeigt. Es hat die andere, die bedenkliche wahre Seite, daß der Mensch sich immer mehr und mehr mit seiner Freiheit an den objektiven Wirtschaftsprozeß und dergleichen übergibt, wie das sogar theoretisch im Marxismus ausgeführt ist. Und indem der Mensch sich also dem Wirtschaftsprozeß oder dem Staatsprozeß oder den sonstigen sozialen Einrichtungen, die wir jetzt haben, übergibt, wird natürlich immer mehr und mehr seine Tatmotivierung zu einer sozialen. Das kann und darf eingesehen werden. Denn daß Menschen mit Menschen lernen in Arbeitsteilung leben, darauf zielt die moderne Zivilisation. Wenn aber die soziale Ordnung in dem Menschen ein sachgemäßes soziales Handeln motivieren soll, dann muß sie ein sozialer Organismus sein, der aus der inneren Gesetzmäßigkeit eines solchen Organismus heraus eben zur Motivierung des Willens befähigt ist, dann muß man durch einen lebensfähigen sozialen Organismus nicht nur Moral predigen, sondern soziale Moral begründen. Man muß Moral auf diesem Gebiete nicht durch Worte und Ideen, man muß sie durch die Sache, durch die Wirklichkeiten begründen. Wirklichkeiten sollten angeregt werden durch den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus.

[ 36 ] As long as this judgment remains devoid of substance, as long as it remains an abstraction, it will have no effect. For as an abstraction, it is just as true as it is false. I have shown in my Philosophy of Freedom that it is false. It has the other, the troubling true side, namely that human beings are surrendering their freedom more and more to the objective economic process and the like, as is even theoretically expounded in Marxism. And as human beings thus surrender themselves to the economic process, or to the state apparatus, or to the other social institutions we now have, the motivation for their actions naturally becomes more and more social. This can and must be recognized. For modern civilization aims to teach people to live together in a division of labor. But if the social order is to motivate appropriate social action in human beings, then it must be a social organism that, by virtue of the inner laws of such an organism, is capable of motivating the will; then, through a viable social organism, one must not merely preach morality but establish social morality. In this realm, morality must not be founded on words and ideas; it must be founded on the thing itself, on realities. Realities should be stimulated by the impulse of the threefold structure of the social organism.

[ 37 ] So wenig verstand man die Sache, daß sich die Abstraktlinge sogar lustig machten, weil ich immer und immer wiederum das Wort «Impuls» statt «Idee» gebrauchte, um anzudeuten, daß Kraft darinnen sein sollte in dieser Tendenz des dreigegliederten sozialen Organismus, nicht bloß Rederei. Das sollte schon im Leben dieses Arbeitens zur Dreigliederung liegen: daß Wirklichkeit darinnen ist, nicht bloßes Reden. Sonst kann man auch als ethisierender Wanderredner, wie es jetzt so viele gibt, herumziehen und den Leuten zureden wollen: Werdet nur wiederum ethisch, werdet nur wiederum gut, dann wird schon eine soziale Harmonie entstehen! — Ich habe zu denen, die es hören wollten, immer gesagt, wenn man zum Ofen im Zimmer spricht: Du Ofen, deiner Wesenheit nach ist es dein kategorischer Imperativ, das Zimmer warm zu machen — er wird das Zimmer nicht warm machen. Aber man braucht nicht zu predigen, wenn man Holz hineinlegt und es anzündet. Man braucht nicht theoretisch zu ethisieren, mystelnd zu ästhetisieren. Man hat nötig nicht bloß «praktische» Ideengemenge, sondern man hat nötig wirkliche Impulse, um ideenerfüllte soziale Kräfte anzuregen, wenn es sich um soziale Praxis handeln soll. Und in dem Augenblicke, wo man aufbringen wird das Verständnis für diesen Tatbestand, wird man erst lernen, über das, was die Dreigliederung eigentlich will, richtig zu denken.

[ 37 ] People understood the matter so little that the abstract thinkers even made fun of me because I used the word “impulse” instead of “idea” over and over again to suggest that there should be power in this tendency toward a threefold social organism, not just empty talk. That is precisely what the work on the threefold social order is all about: that there is reality in it, not just empty talk. Otherwise, one might as well go around as a moralizing itinerant speaker—as there are so many of them nowadays—and try to persuade people: “Just become ethical again, just become good again, and social harmony will surely arise!” — I have always said to those who were willing to listen: if you speak to the stove in the room, saying, “O stove, by your very nature it is your categorical imperative to warm the room”—it will not warm the room. But there is no need to preach when you put wood in it and light it. There is no need for theoretical moralizing or mystical aestheticizing. One needs not merely a “practical” jumble of ideas, but real impulses to stimulate idea-filled social forces if social practice is to be achieved. And the moment one develops an understanding of this fact, one will finally learn to think correctly about what the threefold social order actually aims to achieve.

[ 38 ] Weil das aber hinunterreicht in Gemüt und Wille, so wird vorausgesetzt für dieses Verständnis der Dreigliederung nicht nur ein theoretisches Interesse an der Wahrheit und an einer theoretischen Diskussion, sondern vorausgesetzt wird Enthusiasmus und Bekenntnis für und gegenüber der Wahrheit. Solange wir nicht imstande sind, die Wahrheit in unseren Willen aufzunehmen, sie aus der Theorie herauszuholen und unseren ganzen Menschen damit zu durchdringen, kann auch nicht einmal der Anfang zu einer fruchtbaren Behandlung der sozialen Frage und sozialen Praxis entstehen.

[ 38 ] But because this reaches down into the mind and the will, an understanding of this threefold division requires not only a theoretical interest in the truth and in theoretical discussion, but also enthusiasm for and a commitment to the truth. As long as we are unable to take the truth into our will, to bring it out of the realm of theory, and to let it permeate our whole being, we cannot even begin to address the social question and social practice in a fruitful way.

[ 39 ] Darum handelt es sich: daß diejenigen, die Verständnis suchen für das, was Dreigliederung will, mit ihrem ganzen Menschen dieses Verständnis suchen mögen. Dann kommt Enthusiasmus nicht aus blinden Instinkten, sondern er wird angeregt aus lichtvoller Erkenntnis. Dann bleibt er selber nicht blind, sondern wird selber leuchten. Wenn die Willensimpulse nicht aus Instinkten und Trieben kommen, sondern aus einem Überschauen des sozialen Lebens, dann bleiben sie nicht blind und finster, dann werden sie selber sehend und leuchtend. Und daß Enthusiasmus und Wille gegenüber der Wahrheit in diesem Sinne immer leuchtender und leuchtender werde, davon hängt der Weg bezüglich des Impulses der Dreigliederung des sozialen Organismus ab. Und daß dasjenige, was nach dieser Richtung hier gesprochen werden kann, einiges dazu beitrage, in diesem Sinne nicht zu einem blinden und finsteren Enthusiasmus und Willen anzuregen, sondern zu lichtvollen willentlichen Gestaltungen des Lebens, das möchte ich hier am Schlusse gerade dieser Betrachtung als eine Hoffnung ausgesprochen haben.

[ 39 ] This is what it is all about: that those who seek to understand what the threefold social order aims for may seek this understanding with their whole being. Then enthusiasm does not arise from blind instincts, but is inspired by enlightened insight. Then it does not remain blind itself, but will shine with its own light. When impulses of the will do not arise from instincts and drives, but from an overview of social life, then they do not remain blind and dark; rather, they themselves become seeing and radiant. And the path regarding the impulse toward the threefold organization of the social organism depends on enthusiasm and the will toward truth becoming ever more radiant in this sense. And I would like to express here, at the conclusion of this very reflection, the hope that what can be said in this direction may contribute in some measure not to stirring up a blind and dark enthusiasm and will, but rather to luminous, volitional formations of life.

[ 40 ] Schlußwort zum vierten Disputationsabend

[ 40 ] Closing Remarks on the Fourth Debate Evening

[ 41 ] Im Lauf der sehr regen Disputation zum Thema «Sozialwissenschaft und soziale Praxis» kam ein holländisches Gesellschaftsmitglied wieder auf den «Weltschulverein» (vgl. S. 92 ff.) zu sprechen. Es forderte dazu auf, «gleich zur Tat zu schreiten», nämlich sofort die Gründung vorzunehmen (im Anschluß an eine holländische Initiative, die von iso Namen getragen war). Dabei berief es sich darauf, daß im April 1912 Mitglieder der «Deutschen Sektion» der «Theosophischen Gesellschaft», auf Anregung eines aus England zugereisten Mitglieds, durch eine solche «Tat» einen «Bund» gegründet hätten, aus dem, «was heute als Anthroposophische Gesellschaft bekannt ist, entsprungen» sel.

[ 41 ] In the course of the very lively discussion on the topic “Social Science and Social Practice,” a Dutch member of the society once again brought up the “World School Association” (see p. 92 ff.). He called for “taking immediate action,” namely to proceed with the founding right away (following a Dutch initiative that bore the name “iso”). In doing so, the member pointed out that in April 1912, members of the “German Section” of the “Theosophical Society,” at the suggestion of a member who had traveled from England, had founded an “association” through such “action,” from which “what is known today as the Anthroposophical Society” had “sprung.”

[ 42 ] Ich möchte Sie nicht mehr lange aufhalten, sondern nur ein paar Bemerkungen machen, zunächst in Anknüpfung an dasjenige, was unser Freund v.L. hier vorgeschlagen hat, was gewiß recht anerkennenswert ist, beziehungsweise sein wird, wenn es zu dem versprochenen Ziele führen wird. Ich möchte nur bemerken, daß es eine bedenkliche Grundlage wäre, wenn die Sache auf demselben Untergrunde aufgebaut würde wie der «Bund», auf den hingewiesen worden ist. Dazumal ist nämlich allerdings mit einem gewissen Eifer so gearbeitet worden, wie Herr v.L. es ungefähr heute skizziert hat: Man hat sich in kleinen Komitees zusammengesetzt, hat alles mögliche beraten, was man tun soll und so weiter. Aber dann fiel ein Satz bei Herrn v.L., der selbstverständlich zunächst ein kleiner Irrtum ist, der aber, wenn er fortwirken würde, einen großen Irrtum hervorbringen könnte. Es wurde nämlich gesagt, aus dieser Arbeit, die dazumal in jener Nacht so rastlos verübt worden ist, sei dann die Anthroposophische Gesellschaft hervorgegangen. — Nein, davon kann gar nicht die Rede sein: aus jener Nacht und aus jener Bundesbegründung ist nämlich gar nichts hervorgegangen! Vor diesem Schicksal möchte ich die beabsichtigte «rastlose Arbeit dieser Nacht» doch bewahrt wissen. Es wurde zwar dazumal viel geredet, was zu tun ist, aber geworden ist gar nichts daraus. Und der Irrtum, der entstehen könnte, beruht darauf, daß man meinen könnte, es müsse nun etwas getan werden in der Richtung wie das, auf was mit jenem «Bunde» hingedeutet wurde. Das, was dann getan worden ist, war, daß diejenigen, die schon in unserer anthroposophischen Arbeit drinnengestanden haben, die also schon durchaus bei uns waren, daß die dann, ganz abgesondert von dieser Bundesgründung, die Anthroposophische Gesellschaft gegründet haben, die sich dann weiterentwickelt hat, während der «Bund» aus einem sanften Schlaf allmählich in den sozialen Tod, sagen wir, übergegangen ist.

[ 42 ] I do not wish to keep you much longer, but only to make a few remarks, first in connection with what our friend v.L. has proposed here, which is certainly quite commendable—or rather, will be, if it leads to the promised goal. I would just like to note that it would be a questionable foundation if the matter were built on the same basis as the “Bund,” to which reference has been made. At that time, work was indeed carried out with a certain zeal, much as Mr. v.L. has outlined today: People gathered in small committees, discussed all sorts of possibilities regarding what should be done, and so on. But then Mr. v.L. made a statement—which, of course, is initially a minor error, but which, if it were to continue to have an effect, could lead to a major error. It was said, in fact, that the Anthroposophical Society emerged from this work, which was carried out so tirelessly that night. — No, that is out of the question: nothing at all emerged from that night or from the founding of that association! I would like to see the intended “restless work of that night” spared from such a fate. Although there was much talk at the time about what needed to be done, nothing at all came of it. And the error that could arise stems from the fact that one might think something must now be done along the lines of what was implied by that “federation.” What actually happened was that those who were already involved in our anthroposophical work—that is, those who were already fully part of our movement—went on, quite apart from the founding of this “League,” to establish the Anthroposophical Society, which then continued to develop, while the “League” gradually slipped, so to speak, from a gentle slumber into social oblivion.

[ 43 ] Also, es wäre ein kleiner Irrtum! Und es muß dies schon durchaus hervorgehoben werden, damit nicht die Fehler jenes Nachtkomitees durch seine zweite Auflage etwa wiederholt werden. Das ist das eine.

[ 43 ] Well, it would be a minor error! And this must certainly be emphasized so that the mistakes of that “night committee” are not repeated in its second edition, for example. That is one thing.

[ 44 ] Das andere, worauf ich hinweisen möchte, ist, daß das, was etwa angestrebt werden sollte mit dem Weltschulverein, nun wirklich auf eine breite Basis gestellt und schon mit einem gewissen Mute und mit einem umfassenden Blick von vornherein in Angriff genommen werden müßte.

[ 44 ] The other point I would like to make is that whatever the World School Association might aim to achieve must truly be placed on a broad foundation and undertaken from the outset with a certain degree of courage and a comprehensive vision.

[ 45 ] Es ist ganz richtig von unserem Freund v.L. hervorgehoben worden, daß dasjenige, was in bezug auf freies Geistesleben im Zusammenhange mit der Dreigliederung des sozialen Organismus zu vertreten ist, daß das für die verschiedensten Gebiete in verschiedenster Weise behandelt werden muß. Allein das muß dann auch wirklich

[ 45 ] Our friend v.L. has quite rightly emphasized that the position regarding free spiritual life in connection with the threefold social order must be addressed in a variety of ways for a wide range of fields. However, this must then also truly

[ 46 ] so geschehen, daß die Behandlungsweise für die betreffenden Territorien wirklichkeitsgemäß passe auf diese Territorien. Ich selber werde immer darauf hinweisen, daß zum Beispiel für England es notwendig sein wird, die Dinge in der Art vorzutragen, die eben gerade auf die englischen Zivilisationsverhältnisse paßt.

[ 46 ] so that the approach taken for the territories in question is truly suited to those territories. I myself will always point out that, for England, for example, it will be necessary to present matters in a way that is specifically suited to the conditions of English civilization.

[ 47 ] Man muß gründlich durchschauen, was Einbildung ist gegenüber den großen Menschheitsfragen in der Gegenwart, und was Wirklichkeit ist. Man darf also nicht etwa die Sache so vertreten, daß man den Glauben hervorruft, daß das englische Geistesleben freier ist als das andere. Und Sie werden sehen, wenn Sie wirklich die «Kernpunkte» durchgehen, daß da weniger Wert auf das negative Moment — Befreiung des Geisteslebens vom Staate —, daß viel weniger darauf Wert gelegt wird als auf die Begründung eines freien Geisteslebens überhaupt. Und da wird es immer ein gutes Wort bleiben: daß es auf den Menschen ankommt, daß es wirklich darauf ankommt, aus welchen geistigen Grundlagen der Mensch hervorgeht, welche geistigen Grundlagen zu seiner Bildung geschaffen werden. Nicht so sehr handelt es sich darum, daß man das negative Moment betont, sondern das Positive ist zu betonen. Und ich brauche ja nur das zu sagen: Wenn, sagen wir, formal das Geistesleben befreit würde von dem staatlichen Zwange, und alles bliebe sonst im übrigen beim alten, so würde die Befreiung vom Staate nicht sonderlich viel nützen können.

[ 47 ] One must thoroughly discern what is mere illusion and what is reality when it comes to the great questions facing humanity today. One must not, therefore, present the matter in such a way as to give rise to the belief that English intellectual life is freer than others. And you will see, if you truly go through the “key points,” that less emphasis is placed on the negative aspect—the liberation of intellectual life from the state—and that far less emphasis is placed on it than on the establishment of a free intellectual life in general. And this will always remain a valid point: that it depends on the individual; that what truly matters is the spiritual foundations from which a person emerges and the spiritual foundations laid for their education. It is not so much a matter of emphasizing the negative aspect, but rather of emphasizing the positive. And I need only say this: If, let us say, intellectual life were formally liberated from state coercion, and everything else remained the same, then liberation from the state would not be of much use.

[ 48 ] Es handelt sich darum, daß positiver Geist, so wie er hier in dieser Woche vertreten sein wollte, wie versucht wurde, ihn zu vertreten, daß dieser freie Geist in das Geistesleben international hineingebracht werde. Und dann werden sich die Dinge ergeben, wie sie sich ergeben sollen.

[ 48 ] The point is that this positive spirit—as it sought to be represented here this week, as attempts were made to represent it—this free spirit should be brought into the international spiritual life. And then things will unfold as they are meant to.

[ 49 ] Es handelt sich wirklich zum Beispiel bei der Waldorfschule nicht allein darum, daß sie eine wirklich freie Schule ist, daß sie nicht einmal einen Direktor hat, sondern daß das Lehrerkollegium eine wirkliche repräsentative Gemeinschaft ist. Es handelt sich nicht darum, daß alle Maßnahmen so getroffen werden, daß «nichts anderes» spricht als dasjenige, was aus dem Lehrerkollegium selber hervorgeht, daß man also hier wirklich «eine unabhängige Geistesgemeinschaft» hat, sondern es handelt sich auch darum, daß in allen Ländern das Geistesleben fehlt, von dem hier die ganze Woche gesprochen worden ist. Und wenn man irgendwo betonen hört, daß ja «das Geistesleben hierzulande frei» ist — ich meine jetzt nicht die Schweiz, ich spreche von England —, so ist das eben die andere Frage. Und dieses Positive vor allen Dingen ist es, auf das es ankommt. Da muß dann hervorgehoben werden: Das wird es natürlich nur geben, wenn man versucht, tatsächlich auf die konkreten Verhältnisse in den einzelnen Ländern und Territorien einzugehen.

[ 49 ] In the case of the Waldorf School, for example, it is not merely that it is a truly free school—that it does not even have a principal—but that the teaching staff is a truly representative community. It is not merely that all decisions are made in such a way that “nothing else” speaks but what emerges from the teaching staff itself—that is, that here we truly have “an independent spiritual community”—but it is also that in all countries there is a lack of the spiritual life that has been discussed here all week. And when one hears it emphasized somewhere that “spiritual life in this country is free”—I am not referring to Switzerland here, but to England—that is precisely a different matter. And it is this positive aspect, above all else, that matters. It must then be emphasized: This will, of course, only exist if one actually attempts to address the specific conditions in the individual countries and territories.

[ 50 ] Aber man muß Herz und Sinn haben für das, was das unfreie Geistesleben zuletzt in unserer Zeit gemacht hat. Nicht etwa, um auf das, was gestern hier vorgebracht worden ist, einzugehen, sondern um zu zeigen, welche Blüten menschlicher Denkungsart sowohl in intellektueller, wie in moralischer, wie in gemütlicher Beziehung unser gegenwärtiges Geistesleben zutage fördert, möchte ich Ihnen einen Satz vorlesen. Ich möchte Sie nicht lange aufhalten und nicht von dem Standpunkt, von dem aus gestern hier eine böse Bekämpfung der Anthroposophie und der Dreigliederung auseinandergesetzt worden ist, will ich wieder sprechen; aber ich möchte doch aus jener Broschüre, über die gestern hier gesprochen werden mußte, einen Satz vorlesen. Herr General v. Gleich schreibt über mich: «Als fast Vierzigjähriger wurde Herr Steiner um die Jahrhundertwende, die auch in der übersinnlichen Welt der Anthroposophie einen Einschnitt bildet, durch Winters Vorträge über Mystik allmählich zur Theosophie hinübergeführt.»

[ 50 ] But one must have a heart and a mind open to what the unfree spiritual life has ultimately brought about in our time. Not to address what was presented here yesterday, but to show what fruits of the human way of thinking—in intellectual, moral, and emotional terms alike—our present spiritual life brings to light, I would like to read a passage to you. I do not wish to keep you long, nor do I wish to speak again from the standpoint from which a vicious attack on anthroposophy and the threefold social order was launched here yesterday; but I would nevertheless like to read a sentence from that pamphlet which had to be discussed here yesterday. General von Gleich writes about me: “As a man approaching forty, around the turn of the century—which also marks a turning point in the supersensible world of anthroposophy—Mr. Steiner was gradually led toward theosophy through Winter’s lectures on mysticism.”

[ 51 ] Nun können Sie fragen, wer dieser Herr Winter ist, den hier der Herr v. Gleich anführt als denjenigen, durch dessen Vorträge ich in Berlin zur Anthroposophie bekehrt worden bin. Man kann nur folgende Hypothese aufstellen: Es gibt in der Vorrede zu jenen Vorträgen, die ich in Berlin im Winter 1901/1902 gehalten habe, einen Satz, worinnen ich sage: Es nahm diejenige Bewegung, von der ich sprechen will, ihren Anfang durch meine Vorträge des Winters vom Jahre 1901/1902. — Aus diesem Winter, in dem ich meine Vorträge gehalten habe, wurde jener Herr «Winter», welcher im Jahre 1901/1902 mich zur Theosopie bekehrte.

[ 51 ] Now you may ask who this Mr. Winter is, whom Mr. v. Gleich mentions here as the person whose lectures in Berlin converted me to anthroposophy. One can only put forward the following hypothesis: In the preface to those lectures that I gave in Berlin during the winter of 1901–1902, there is a sentence in which I say: “The movement of which I am about to speak began with my lectures during the winter of 1901–1902.” — That winter, during which I gave my lectures, gave rise to the gentleman named “Winter,” who converted me to theosophy in 1901–1902.

[ 52 ] Sehen Sie, ich will nicht den Ausdruck gebrauchen, der anwendbar ist auf die intellektualistische Verfassung eines Menschen, der jetzt damit zur Führerschaft der Gegner der anthroposophischen Bewegung berufen ist, ich will den Ausdruck nicht gebrauchen; aber Sie werden ihn ja wohl hinlänglich gebrauchen können. Zu solchen Blüten menschlicher Geistestätigkeit führt das Geistesleben, durch das man hindurchgehen konnte in der Gegenwart bis zu jener Stufe, daß man ein Generalmajor werden konnte.

[ 52 ] You see, I do not wish to use the term that applies to the intellectualist disposition of a person who is now called upon to lead the opponents of the anthroposophical movement; I do not wish to use that term; but you will surely be able to use it sufficiently. Such are the fruits of human intellectual activity to which the spiritual life leads—a spiritual life through which one could, in the present day, advance to the point of becoming a major general.

[ 53 ] Also man muß schon die Sache aus einer etwas größeren Tiefe heraus ins Auge fassen. Dann wird man erst ein Herz und einen Sinn bekommen für dasjenige, was notwendig ist. Und nur weil eben das Geistesleben vor allen Dingen vom Schulwesen aus in Angriff genommen werden muß, deshalb wäre es so wünschenswert, daß dieser Weltschulverein begründet werden könnte, der gar nicht so schwer zu begründen wäre, wenn der Wille für ihn vorhanden ist. Er muß aber nicht ein kleineres oder größeres Komitee sein, sondern er muß so begründet werden, daß seine Mitgliederschaft unübersehbar ist. Erst dann hat er einen Wert. Er darf — ich will dazu keine Ratschläge geben, denn das, was ich darüber zu sagen habe, habe ich hinlänglich gesagt —, er darf selbstverständlich einem Einzelnen überhaupt gar keine besonderen Opfer auferlegen. Er muß da sein, um Stimmung zu machen für dasjenige, wofür heute Stimmung so dringend notwendig ist! — Das ist etwas von dem, was ich noch anknüpfen mußte an dasjenige, was heute zutage getreten ist.

[ 53 ] So one really has to look at the matter from a somewhat deeper perspective. Only then will one develop a heart and a sense for what is necessary. And precisely because spiritual life must be addressed first and foremost through the school system, it would be so desirable that this World School Association could be established—which would not be all that difficult to do if the will to do so exists. However, it need not be a small or large committee; rather, it must be established in such a way that its membership is vast. Only then will it have value. It must not—I do not wish to offer advice on this, for I have already said enough on the matter—it must, of course, impose no special sacrifices whatsoever on any individual. It must be there to create a mood for that which so urgently needs a favorable atmosphere today! — That is part of what I still needed to add to what has come to light today.

[ 54 ] Zum Schluß muß ich etwas sagen, was ich lieber nicht sagen würde, was ich aber eben doch sagen muß, da es sonst heute abend gar nicht berührt worden ist und es vielleicht für die nächsten Tage, weil da schon wahrscheinlich Abreiseschmerzen kommen, vielleicht zu spät sein könnte. Ich muß schon selber auf die Sache hinweisen. Es handelt sich darum, daß es ja eine volle Selbstverständlichkeit ist, daß für alles, wovon heute gesprochen worden ist, gewirkt werde. Allein dieses Wirken hat nur einen Sinn, wenn wir das Goetheanum, wie es hier steht, erhalten können, und vor allen Dingen zu Ende führen können.

[ 54 ] Finally, I must say something that I would rather not say, but which I simply must say, since it has not been mentioned at all this evening and it might be too late in the coming days, when the pain of parting will likely set in. I must bring this matter up myself. The point is that it goes without saying that action must be taken regarding everything that has been discussed today. However, this action only makes sense if we can preserve the Goetheanum as it stands here—and, above all, bring it to completion.

[ 55 ] Nun, wenn es noch so gut geht mit «Futurum A.-G.» und noch so gut geht mit dem «Kommenden Tag», irgendwelche ökonomische Stützen für dieses Goetheanum werden diese noch lange nicht sein. Ganz gewiß nicht sein. Und die größte Sorge, trotz allen anderen Sorgen, die heute auf mir lastet — gestatten Sie, daß ich einmal persönlich spreche —, ist diese: daß in nicht gar zu ferner Zeit es der Fall sein könnte, daß wir keine ökonomischen Zuflüsse für dieses Goetheanum haben könnten. Deshalb ist es vor allen Dingen auch notwendig, zu betonen, daß ein jeglicher dafür wirke, daß ein jeglicher, der irgend etwas beitragen kann dazu, daß dieser Bau seine Vollendung finden kann, das tun möge! Das ist es, was vor allen Dingen notwendig ist: daß wir durch die Freunde unserer Sache in die Lage versetzt werden, dieses Goetheanum erhalten zu können, dieses Goetheanum vor allen Dingen zu Ende bauen zu können. Und das ist, wie gesagt, meine große Sorge. Ich muß es hier aussprechen. Denn schließlich, was würde es denn helfen, wenn wir noch so viel Propaganda machen könnten — und wir dieses Goetheanum vielleicht von heute ab in drei Monaten zusperren müßten? Das gehört auch zu den sozialen Sorgen, die schon meiner Meinung nach zusammenhängen mit dem allgemeinen sozialen Leben der Gegenwart. Und diese Sorge mußte ich betonen, weil wirklich die ihr zugrunde liegenden Tatsachen nicht vergessen werden sollten: was möglich macht, die Bewegung, die von diesem Goetheanum ausgeht, zu kräftigen.

[ 55 ] Well, no matter how well things go with “Futurum A.-G.” and no matter how well things go with “The Coming Day,” they will by no means serve as any kind of economic support for this Goetheanum. Certainly not. And the greatest concern—despite all the other worries weighing on me today—allow me to speak personally for once—is this: that in the not-too-distant future, we might find ourselves without any financial resources for this Goetheanum. That is why, above all else, it is necessary to emphasize that everyone should do their part—that everyone who can contribute in any way to ensuring this building is completed should do so! That is what is necessary above all else: that, through the friends of our cause, we be enabled to preserve this Goetheanum, and above all, to complete its construction. And that, as I said, is my great concern. I must speak it aloud here. For after all, what good would it do if we could carry out as much publicity as we wanted—and yet might have to close this Goetheanum in three months’ time? This, too, is part of the social concerns that, in my opinion, are connected to the general social life of the present. And I had to emphasize this concern because the underlying facts really should not be forgotten: what makes it possible to strengthen the movement that emanates from this Goetheanum.

[ 56 ] Wir sehen ja, aus welchen intellektuellen Grundlagen heraus diejenigen kämpfen, die gerade jetzt gegen uns ihre Posten beziehen. Das wird ein Anfang sein. Man muß wachsam sein, sehr wachsam sein, denn diese Leute sind geschickte Leute. Die wissen sich zu organisieren. Was in Stuttgart geschehen ist, ist ein Anfang, ist als ein Anfang beabsichtigt. Und nur dann wird man gegen sie aufkommen, wenn man einen solchen Idealismus entfacht —, ich möchte es auch diesmal wiederum sagen —, der nicht sagt: Oh, die Ideale sind so furchtbar hoch, sie sind so erhaben, und meine Tasche ist etwas so Geringes, da greife ich nicht hinein, wenn es sich um die erhabenen Ideale handelt. — Da muß es doch gesagt werden: Der Idealismus erst ist der wahre, der auch einmal für die Ideale in die Taschen greift!

[ 56 ] We can see, after all, what intellectual foundations underlie the struggle of those who are currently taking their positions against us. This will be a beginning. We must be vigilant, very vigilant, for these people are shrewd. They know how to organize themselves. What happened in Stuttgart is a beginning—it was intended as a beginning. And we will only be able to stand up to them if we kindle a spirit of idealism—I’d like to say this again—that does not say: “Oh, the ideals are so terribly lofty, they are so sublime, and my pocket is such a trivial thing—I won’t reach into it when it comes to these sublime ideals.”—It must be said: True idealism is the kind that is willing to reach into one’s pocket for the sake of those ideals!

[ 57 ] Schlußwort zu einer Studentenversammlung

[ 57 ] Closing Remarks at a Student Assembly

[ 58 ] Zur Besprechung der Frage, wie anthroposophische Arbeit an den Universitäten aufgebaut werden könne, fand am Nachmittag des 9 April 1921 auf Anregung deutscher Studenten eine Zusammenkunft statt. Dr. Steiner ergriff zum Schluß das Wort.

[ 58 ] A meeting was held on the afternoon of April 9, 1921, at the suggestion of German students, to discuss how anthroposophical work could be established at universities. Dr. Steiner spoke at the end of the meeting.

[ 59 ] Dr. S. hat allerdings auf die drei wichtigsten Dinge, die hier in Betracht kommen, hingewiesen: bei einer Organisation oder bei keiner Organisation, wie es gewünscht wird. Aber ich möchte vor allen Dingen das eine betonen: Wenn man in einer solchen Bewegung drinnensteht, wie es die unsrige ist, so ist es schon notwendig, von dem Vergangenen ein wenig zu lernen und weitere Stadien der Bewegung so zu führen, daß gewisse frühere Fehler vermieden werden.

[ 59 ] Dr. S., however, has pointed out the three most important considerations here: whether to have an organization or not, as desired. But above all, I would like to emphasize this one point: When one is part of a movement such as ours, it is indeed necessary to learn a little from the past and to guide the movement’s next stages in such a way that certain earlier mistakes are avoided.

[ 60 ] Worauf es in erster Linie ankommen wird, das wird doch dieses sein, daß Anthroposophie, soweit sie heute schon vom Verständnis der Studentenschaft angenommen werden kann und soweit es durch die vorhandenen Kräfte oder durch die vorhandenen Gelegenheiten irgend möglich ist, daß Anthroposophie in ihren verschiedenen Verzweigungen unter der Studentenschaft verbreitet werde als positiver geistiger Inhalt. Wir haben im Grunde genommen die Erfahrung gemacht, daß etwas Reales doch nur dadurch zu erreichen ist, daß man auf dem Grunde des Positiven wirklich bauen kann.

[ 60 ] What will matter most of all, after all, is this: that anthroposophy—to the extent that it can already be understood by the student body today, and to the extent that it is at all possible given the available resources or opportunities—be disseminated among the student body in its various branches as a positive spiritual content. Essentially, we have found that something real can only be achieved by truly building upon a foundation of the positive.

[ 61 ] Ich hatte gestern Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß vor Jahren versucht worden ist, eine Art Weltenbund für Geisteswissenschaft zu begründen, und daß aus diesem Weltenbund, der eigentlich bloß nach den Regeln formaler äußerer Organisation vorgehen wollte, doch nichts geworden ist. Er ist sozusagen so ausgegangen, wie man im Deutschen sagt, wie «das Hornberger Schießen». Weil man aber dazumal einen Zusammenhalt, ein Zusammenarbeiten brauchte, mußten die vorhandenen Bekenner zur Anthroposophie in der «Anthroposophischen Gesellschaft» zusammengefaßt werden. Das waren nun mehr oder weniger lauter Leute, welche sich eben mit der Anthroposophie beschäftigt hatten. Mit einer solchen’ Organisation, wo eben schon etwas darinnen ist, kann man dann erst etwas machen.

[ 61 ] Yesterday I had the opportunity to point out that years ago an attempt was made to establish a kind of World Federation for Spiritual Science, and that this World Federation—which actually intended to operate solely according to the rules of formal, external organization—never came to fruition. It ended, so to speak, as the Germans say, like “the Hornberg shooting.” But because there was a need for cohesion and cooperation at that time, the existing adherents of anthroposophy had to be brought together in the “Anthroposophical Society.” These were, more or less, all people who had simply been engaged with anthroposophy. Only with an organization like this—one that already has substance—can one actually accomplish anything.

[ 62 ] Natürlich wird es für die Studentenschaft ganz besonders notwendig sein, nicht nur zu arbeiten im Sinne einer Verbreitung der gegebenen anthroposophischen Probleme im engeren Sinne, sondern schon auch der Ausarbeitung von Generalproblemen und dergleichen in dem Sinne, wie es Dr. S. eben gemeint hat. Es wird natürlich zunächst gar nicht so sehr nötig sein, mit solchen Dingen auf Dissertationen hinzuarbeiten. Es ist oft, wirklich recht oft vorgekommen, daß ich in der letzten Zeit gefragt worden bin von jüngeren Semestern etwa in der folgenden Richtung: Ja, wir möchten eigentlich die Anthroposophie zusammenbringen mit unserer speziellen Wissenschaft. Wie kann man sich da verhalten, daß man in der richtigen Weise mit seinem Ziel nach der Promotion, nach dem Staatsexamen, hinarbeitet? Was soll man da tun? Wie soll man seine Arbeit einrichten? — Ich habe dann immer den folgenden Rat gegeben: Versuchen Sie so schnell wie möglich sich durch das offizielle Studium durchzuschlängeln, so schnell wie möglich durchzukommen — wobei ich dann immer sehr gern bereit bin, mit irgendeinem Rat zur Seite zu stehen —, wählen Sie sich irgendein wissenschaftliches Thema, das Ihnen hervorzugehen scheint aus dem Verlauf Ihrer Studien, als Dissertationsarbeit oder Staatsprüfungsarbeit oder dergleichen. Welches Thema Sie auch wählen, ein jedes ist selbstverständlich anthroposophisch diametral entgegengesetzt den anderen Betrachtungsweisen, darüber kann gar kein Zweifel sein. Jedes ist diametral entgegengesetzt. Aber nun rate ich Ihnen: Schreiben Sie Ihre Dissertation so, daß Sie zunächst das hineinschreiben, was der Professor zensieren kann, was er verstehen wird; und nehmen Sie sich ein zweites Heft, da schreiben Sie alles das hinein, was sich Ihnen ergibt im Laufe Ihres Studiums und von dem Sie glauben, daß es eigentlich von der Anthroposophie her hereingearbeitet werden sollte. Das bewahren Sie sich dann auf. Dann machen Sie ihre zwei Bogen, so lang muß eine Dissertation sein. Die reichen Sie ein. Und versuchen Sie fertig zu werden. Dann können Sie mit dem, was Sie sich außer diesem einen im zweiten Heft nach und nach erworben haben, der Anthroposophie wirklich tatkräftig helfen. Denn man merkt in der Tat eigentlich erst, was für bedeutsame Probleme — Spezial- und Spezialistenprobleme — einem aufschießen, wenn man in die Notwendigkeit versetzt ist, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten mit einem gewissen Thema und dergleichen. Aber es entsteht eine Gefahr durch, ich möchte sagen, ein unklares Zusammenarbeiten mit der Professorenschaft. Und ein Vorlegen von Dissertationen an die Professoren, die «im anthroposophischen Sinne» gehalten sind — die passen gewöhnlich nicht für Professoren —, das halte ich deshalb nicht für günstig, weil es uns in dem Tempo, das die anthroposophische Bewegung haben soll, eigentlich aufhält.

[ 62 ] Of course, it will be particularly important for the student body not only to work toward disseminating the existing anthroposophical issues in the narrower sense, but also to develop general issues and the like, in the sense that Dr. S. has just indicated. Of course, at first it will not be all that necessary to work toward dissertations on such topics. It has often—really quite often—happened recently that I have been asked by younger students along the following lines: “Yes, we would actually like to integrate anthroposophy with our specific field of study. How should we proceed so that we work toward our goal of earning a doctorate or passing the state examination in the right way? What should we do? How should we structure our work?” — I have always given the following advice: Try to work your way through the official course of study as quickly as possible—though I am always more than happy to offer any advice along the way—and choose any scientific topic that seems to emerge from the course of your studies as the subject of your dissertation, state examination thesis, or the like. Whichever topic you choose, each one is, of course, diametrically opposed to other perspectives from an anthroposophical standpoint; there can be no doubt about that. Each is diametrically opposed. But now my advice to you is this: Write your dissertation in such a way that you first include what the professor can evaluate—what he will understand—and take a second notebook; in that, write down everything that comes to you in the course of your studies and that you believe should actually be incorporated from the perspective of anthroposophy. Keep that separate. Then compile your two sheets—that is how long a dissertation must be. Submit those. And try to finish. Then, with what you have gradually acquired beyond what is in this first notebook—in the second one—you can truly and actively contribute to anthroposophy. For it is only when one is compelled to work scientifically on a specific topic and the like that one actually realizes what significant problems—specialized problems and those faced by specialists—arise. But a danger arises from, I would say, an unclear collaboration with the professoriate. And submitting dissertations to professors that are written “in the anthroposophical sense”—which usually do not suit professors—I do not consider this beneficial, because it actually slows us down in the pace that the anthroposophical movement is supposed to maintain.

[ 63 ] Wir brauchen möglichst viele akademisch gebildete Mitarbeiter. Wenn uns irgend etwas fehlt, gründlich fehlt heute in der anthroposophischen Bewegung, so ist es eine genügend große Anzahl akademisch gebildeter Mitarbeiter. Ich will damit nicht die Äußerlichkeit bezeichnen, daß man, sagen wir, abgestempelte Leute braucht. So ist es nicht gemeint. Aber erstens brauchen wir Leute, die innerlich wissenschaftlich arbeiten gelernt haben. Dieses innerlich wissenschaftlich Arbeiten lernt man doch am besten bei seiner eigenen Arbeit. Zweitens aber brauchen wir möglichst bald die Mitarbeiter, welche aus der Studentenschaft heraus kommen, und die nicht mehr aufgehalten werden durch die Rücksichten auf ihr späteres Fachstudium. (Sehen Sie, es ist gar nicht weiter wunderbar, daß das so schwer geht, wie es zum Beispiel in der Schweiz geht.) Man hat als Student natürlich leicht die Möglichkeit, in den ersten Semestern sich einem solchen Bunde anzuschließen, wenn man freien Sinn genug dazu hat. Dann kommen die letzten Semester. Da ist man mit anderem beschäftigt, und da wird die Sache schwieriger. Und so reißen immer fort und fort die Fäden ab, die man da gezogen hat. Das ist gerade vorhin hervorgehoben worden.

[ 63 ] We need as many academically trained staff members as possible. If there is one thing—and it is sorely lacking—in the anthroposophical movement today, it is a sufficiently large number of academically trained staff members. I do not mean by this the superficial notion that we need, shall we say, people with a certain label. That is not what I mean. But first, we need people who have learned to work scientifically from within. After all, the best way to learn this kind of inner scientific approach is through one’s own work. Second, however, we need—as soon as possible—collaborators who are emerging from the student body and who are no longer held back by concerns about their future specialized studies. (You see, it’s not at all surprising that this is as difficult as it is, for example, in Switzerland. ) As a student, of course, it’s easy to join such a group in the first few semesters if you’re open-minded enough to do so. Then the final semesters arrive. By then you’re occupied with other things, and that’s when things get more difficult. And so, time and again, the threads you’ve woven there snap. This was just emphasized a moment ago.

[ 64 ] Also das möchte ich sagen, speziell für das wissenschaftliche Zusammenarbeiten: Die Themen müssen schon in einer solchen Übergangszeit eine zweifache Bearbeitung erfahren: die eine, die der Professor versteht, und die andere, die man sich aufhebt für später.

[ 64 ] So here’s what I’d like to say, especially regarding academic collaboration: Even during a transitional period like this, topics need to be approached in two ways: one that the professor understands, and another that you save for later.

[ 65 ] Selbstverständlich will ich damit durchaus nicht sagen, daß nicht ganz spezielle Gelegenheiten, die da sind, ergriffen werden, und daß nicht diese Gelegenheiten, die da sind, in ganz eminentestem Sinne von der Studentenschaft wachsam beobachtet und auch wirklich im Sinne und Dienste der Bewegung ausgenützt werden: Ich hoffe auf der einen Seite, fürchte fast ganz leise auf der anderen Seite, daß unser lieber Freund, Professor Römer in Leipzig, nun mit einer Unsumme von anthroposophischen Dissertationen überschwemmt wird! Aber ich denke, das würde auch zu den Dingen führen, die ihm wahrscheinlich am liebsten wären. Und ein solches Dokument studentischen Vertrauens würde zeigen, daß er nicht zu den Professoren gehört, von denen jetzt eben gesprochen worden ist. Das würde ja aus dem Fundament hervorgehen.

[ 65 ] Of course, I am by no means suggesting that very specific opportunities that arise should not be seized, or that these opportunities should not be closely monitored by the student body in the most eminent sense and truly utilized in the spirit and service of the movement: On the one hand, I hope—and on the other, I fear almost silently—that our dear friend, Professor Römer in Leipzig, will now be inundated with a vast number of anthroposophical dissertations! But I think that would also lead to the very things he would probably most welcome. And such a document of student trust would show that he does not belong to the group of professors who have just been mentioned. That would, after all, be evident from the very foundation.

[ 66 ] Nun brauchen wir allerdings einen Ausbau desjenigen, was hier in Dornach schon einmal besprochen worden ist, nämlich doch immerhin eine Art von Zusammenarbeit. Das werden Sie sich später untereinander ausmachen, wie es technisch am besten zu bewerkstelligen ist. Es wäre schon gut, wenn mit Hilfe der Waldorflehrer, die ergänzt würden durch andere Persönlichkeiten aus unseren Reihen — Professor Römer, Dr. Unger und andere —, ein gewisser Austausch vor allen Dingen über die Wahl der Themen der Dissertationen oder der wissenschaftlichen Arbeiten stattfinden könnte, ohne daß irgendwie die freie Initiative des einzelnen davon beeinträchtigt ist. Es kann alles nur in Form von Ratschlägen geschehen. Es sollte gerade dadurch für dieses wissenschaftliche Arbeiten ein engerer Zusammenschluß — der ja nicht gerade eine Organisation zu sein braucht, aber ein Ideenaustausch — von Ihnen gesucht werden.

[ 66 ] Now, however, we need to build upon what has already been discussed here in Dornach—namely, some form of collaboration. You will work out among yourselves later how best to accomplish this from a technical standpoint. It would be beneficial if, with the help of the Waldorf teachers—supplemented by other figures from our ranks, such as Professor Römer, Dr. Unger, and others—a certain exchange could take place, particularly regarding the selection of topics for dissertations or scientific papers, without in any way impeding the individual’s free initiative. All of this can only take the form of advice. Precisely for this reason, you should seek a closer collaboration—which need not necessarily be an organization, but rather an exchange of ideas—for this scholarly work.

[ 67 ] Das Wirtschaftliche, das ist natürlich eine sehr, sehr bedeutungsvolle Sache. Es ist schon so, daß namentlich das Universitätswesen, aber eigentlich mehr oder weniger das gesamte Hochschulwesen unter unseren Wirtschaftsnöten außerordentlich leiden wird. Nun handelt es sich dabei darum, daß man nun wirklich einmal klar sieht, daß eigentlich nur geholfen werden kann, wenn es möglich ist, solche Institutionen vorwärtszubringen, wie es zum Beispiel für Deutschland der «Kommende Tag» ist, wie es hier das «Futurum» ist. So daß von diesen Organisationen aus eine Reorganisation auch der wirtschaftlichen Lage des Studententums ausgehen kann. Es sind — ich kann Ihnen die Versicherung geben — all die Dinge, die von uns aus nach solcher Richtung hin in Angriff genommen werden, eigentlich auf schnelles Wachstum berechnet. Wir haben nicht Zeit, uns Zeit zu lassen, sondern wir müssen tatsächlich mit solchen wirtschaftlichen Organisationen rasch vorwärtskommen. Und da muß ich nun allerdings sagen: da werden uns die Mitglieder der Studentenschaft, vielleicht mit ganz geringfügigen Ausnahmen, vor allen Dingen helfen können durch das Verbreiten des Verständnisses für solche Dinge. Es ist ja wirklich schon vorgekommen in bezug auf andere Dinge, daß der Student bei seinem Papa einiges durchsetzen konnte für dieses oder jenes, etwas durchsetzen konnte auch bei seiner Verwandtschaft. Nicht jeder hat nur mittellose Freunde. Und da ist dann wirklich etwas vorhanden, was wie eine Lawine wirkt. Lassen Sie sich das nur durchaus durch den Kopf gehen, wie stark erfahrungsgemäß so etwas wie eine Lawine wirkt: wenn man irgendwo anfängt, es geht weiter. Gerade so etwas geht weiter, wo man aus dem Positiven heraus wirkt: Versucht diese Prospekte zu studieren, die erschienen sind vom «Kommenden Tag» und «Futurum», und versucht, Verständnis hervorzurufen für so etwas.

[ 67 ] The economic situation is, of course, a very, very significant matter. It is certainly true that the university system in particular—but really, more or less the entire higher education system—will suffer extraordinarily from our economic hardships. The point here is that we must finally recognize clearly that help can really only be provided if it is possible to advance institutions such as, for example, “Kommende Tag” in Germany or “Futurum” here. In this way, these organizations can serve as a catalyst for a reorganization of the economic situation of the student body. I can assure you that all the initiatives we are undertaking in this direction are, in fact, designed for rapid growth. We don’t have time to take our time; rather, we must indeed make rapid progress with such economic organizations. And here I must say: the student body, perhaps with very few exceptions, will be able to help us above all by fostering an understanding of these matters. After all, it has indeed happened before—in connection with other matters—that a student was able to persuade his father to support this or that, and was also able to persuade his relatives. Not everyone has only friends without financial means. And that’s when something truly takes hold that acts like an avalanche. Just let that sink in—how powerful, as experience shows, something like an avalanche can be: once it starts somewhere, it keeps going. This is exactly the kind of thing that gains momentum when you act from a positive perspective: Try to study these brochures published by “Kommender Tag” and “Futurum,” and try to foster understanding for such things.

[ 68 ] Dieses Verständnis ist es, zu dem sich namentlich die ältesten Leute außerordentlich schwer emporarbeiten. Ich habe gesehen, wie ältere Leute, ich möchte sagen, gekaut haben an dem Verstehenwollen desjenigen, was «Kommender Tag» oder «Futurum» wollen, wie sie immer wieder und wiederum, wie die Katze auf die Pfoten, zurückgefallen sind auf ihre alten wirtschaftlichen Vorurteile, mit denen sie eben hineingesaust sind in den wirtschaftlichen Niedergang, und wie sie sich nicht herausfinden. Da glaube ich, daß wirklich lebt helles Verständnis der lieben Kommilitonen, das auch nach den älteren Generationen hinüber einiges wirken könnte. Auf eine andere Weise können wir doch nicht vorwärts kommen. Denn ich kann Ihnen sagen: Dann, wenn wir einmal in bezug auf diese wirtschaftlichen Institutionen so weit sind, daß wir wirksam etwas machen können, daß wir erstens genug Mittel haben, um ins Große gehend — denn nur da hilft es — etwas zu tun, und auf der anderen Seite überwinden können den gerade auf diesem Gebiete so scharf hervortretenden Widerstand des Proletariats, das sich einfach gerade einer wirtschaftlichen Besserung der Lage der Studenten feindlich entgegenstellt, dann wird es tatsächlich die erste Sorge sein müssen dieser unserer wirtschaftlichen Organisationen, wirtschaftlich gerade in bezug auf die Studentenschaft zu arbeiten.

[ 68 ] It is this understanding that the oldest people, in particular, find extraordinarily difficult to grasp. I have seen how older people—I might say—have struggled to grasp the meaning of “the coming day” or “the future,” how they have fallen back again and again, like a cat landing on its feet, into their old economic prejudices—the very ones that swept them into economic decline—and how they cannot find their way out. That is why I believe that a clear understanding truly lives on among our dear fellow students, one that could also have some impact on the older generations. There is no other way for us to move forward. For I can tell you this: Once we have reached a point with regard to these economic institutions where we can take effective action—where, first, we have sufficient resources to act on a grand scale—for only then will it help— and, on the other hand, can overcome the resistance of the proletariat—which is so sharply evident in this very area and which is simply hostile to any economic improvement in the students’ situation—then it will indeed have to be the primary concern of our economic organizations to work economically specifically on behalf of the student body.

[ 69 ] Die «Kampfprobleme»! Ja, sehen Sie, da handelt es sich darum: die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie auch früher nicht so geheißen hat, besteht seit dem Beginn des Jahrhunderts, und sie hat immer eigentlich nur positiv gearbeitet, wenigstens soweit ich selber in Betracht komme. Sie ließ die Gegner schimpfen, alles mögliche tun. Aber natürlich kommen dann die Gegner mit gewissen Einwänden. Sie sagen, da ist das gesagt worden, da jenes gesagt worden, ja das, das ist ja nicht einmal widerlegt worden. Es ist schon so, daß man schwer Verständnis findet dafür, daß eigentlich derjenige, der etwas behauptet, die Beweisverpflichtung hat, nicht derjenige, dem es angeworfen ist. Und wir konnten es wirklich erleben, immer wieder und wiederum, daß merkwürdige Anschauungen gerade unter den Akademikern, ich meine jetzt Dozenten, Professoren, Pfarrer und solche, die also aus den Akademikern hervorgegangen sind, hervortraten. Denken Sie doch nur einmal, daß von, ich möchte sagen, für die äußere Welt ehrwürdigen — ich sage es aber selbstverständlich nur unter Gänsefüßchen: «ehrwürdigen» — Professoren Dinge vorgebracht werden gegen Anthroposophie, Anthroposophen und so weiter, die so belegt sind, daß, wenn man diesen Belegen mit Beweisgründen nachgeht, das ein Hohn, ein blutiger Hohn ist auf alle irgendwie möglichen Methoden, wie man irgendwie etwas behauptet in der Wissenschaft. Daher mußte ich bei so jemandem, wie es der Professor Fuchs ist, einfach sagen: Es ist unmöglich, daß der Mensch etwas anderes ist als ein ganz unmöglicher Anatom! Denn, soll ich glauben, daß er gewissenhaft seine Dinge prüft, wenn er nach alledem, was vorgelegt worden ist, meinen Taufschein in dieser Weise prüft, wie er ihn geprüft hat? Man muß nämlich von der Art, wie ein Mensch das eine Gebiet behandelt, auf das andere schließen. Solche Dinge zeigen einfach — durch den Umstand, daß die Leute einmal heraustreten und ihre besonderen Gewohnheiten zeigen — die Symptome, wie heute wissenschaftlich gearbeitet wird. Auch die Dinge, die heute an den Universitäten und an den technischen Hochschulen vorgebracht werden, stehen im Grunde genommen kaum auf besseren Füßen, als die Dinge, die auf diese Weise behauptet werden; es treten nur die allgemein ungeheuer locker gewordenen Gewohnheiten im Wissenschaftsleben auf diese Weise zutage. Und das ist es, was nötig ist: daß man gewissermaßen den Kampf auf ein höheres Niveau hebt.

[ 69 ] The “problems of the struggle”! Yes, you see, that is the point: the Anthroposophical Society—even though it wasn’t called that in the past—has existed since the beginning of the century, and it has really always worked in a positive way, at least as far as I am concerned. It let its opponents rant and do whatever they wanted. But of course, the opponents then come forward with certain objections. They say, “This was said here, that was said there”—and indeed, “that hasn’t even been refuted.” It is certainly true that it is difficult to get people to understand that the burden of proof actually lies with the one who makes a claim, not with the one against whom it is leveled. And we have truly witnessed, time and again, that peculiar views have emerged precisely among academics—I mean lecturers, professors, pastors, and those who have come from academic circles. Just consider that from, I would say, figures who are venerable to the outside world—though I say this, of course, only in quotation marks: “venerable”—arguments are put forward against anthroposophy, anthroposophists, and so on, which are supported by evidence such that, if one traces these pieces of evidence back to their sources, it is a mockery—a bloody mockery—of every conceivable method by which one might make any kind of claim in science. That is why, in the case of someone like Professor Fuchs, I simply had to say: It is impossible for this man to be anything other than a thoroughly incompetent anatomist! For am I to believe that he examines his subjects conscientiously when, after all that has been presented, he examines my baptismal certificate in the manner in which he did? For one must infer from the way a person handles one field how he handles another. Such things simply reveal—through the fact that people step out of line and display their particular habits—the symptoms of how scientific work is conducted today. Even the ideas put forward today at universities and technical colleges are, when it comes down to it, hardly on a better footing than the claims made in this manner; it is simply that the generally extremely lax habits in academic life are revealed in this way. And that is what is needed: to raise the struggle, so to speak, to a higher level.

[ 70 ] Und da ist es nicht notwendig, daß man sich, wie zum Beispiel der Kommilitone wünschte, was ich sehr gut begreife, als «Kampforganisation» ausspiele. Das ist nicht notwendig. Sondern nur das eine: das zu vermeiden, was in der Anthroposophischen Gesellschaft so zahlreich aufgetreten ist. In der Anthroposophischen Gesellschaft trat immer dieses hervor, so unglaublich es ist — natürlich nicht bei allen, aber sehr häufig: Man war genötigt, sich gegen einen wüsten Anwurf zu verteidigen, auch dann irgendwelche scharfen Worte zu gebrauchen, zum Beispiel, sagen wir in dem Fall, wenn ein Herr v. Gleich einen Vortragenden «Winter» erfindet, indem er liest, daß ich selber Wintervorträge gehalten habe, dann eine Persönlichkeit «Winter» erfindet, und das in einer sehr üblen Weise in den Kampf hineinbringt. Ja, sehen Sie, ich glaube nicht, daß man in diesem Falle zu scharfe Worte sagt, wenn man von Trottelisis sprechen würde! Denn hier hat man es, selbst wenn es bei einem General auftritt, mit einer echten Trottelisis in Reinkultur zu tun. — Und in der Anthroposophischen Gesellschaft war es dann gewöhnlich so, daß man nicht demjenigen unrecht gegeben hat, der etwa so wie Herr v. Gleich handelte, sondern demjenigen, der sich verteidigt hat. Bis zum heutigen Tag! Erfuhren wir es doch ein paarmal, daß es hieß: In dieser Weise darf man nicht aggressiv werden. — Aggressiv werden, heißt nämlich in den Augen von vielen Leuten: sich in dieser Weise zu verteidigen. Da ist schon notwendig, daß man, ohne zu betonen, daß man Kampforganisation ist oder dergleichen, doch mit wachsamem Auge die Dinge verfolgt und zurückweist. Sie müssen da konkret im Positiven auftreten; und dann müssen die anderen dahinterstehen, hinter dem, der genötigt ist, sich zu verteidigen. Es handelt sich nicht darum, daß wir selber Kampfhähne werden; aber darum handelt es sich, daß, wenn es nötig werden sollte, sich zu verteidigen, daß dann die anderen dahinterstehen. Und es handelt sich darum, daß man wirklich die Symptome des Weltanschaulichen, Wissenschaftlichen, Religiösen und so weiter in dieser Beziehung in unserer Zeit verfolgt, sich dafür interessiert.

[ 70 ] And it is not necessary—as my fellow student, for example, would like, which I understand very well—to present ourselves as a “militant organization.” That is not necessary. Rather, there is only one thing: to avoid what has occurred so frequently in the Anthroposophical Society. In the Anthroposophical Society, this has always come to the fore—as unbelievable as it is—not in everyone, of course, but very frequently: One was compelled to defend oneself against a vicious accusation, even to the point of using harsh words—for example, let’s say in the case where a Mr. von Gleich invents a speaker named “Winter” by reading that I myself have given winter lectures, then invents a “Winter” character, and brings this into the fray in a very nasty way. Yes, you see, I don’t think one would be using overly harsh words in this case if one were to speak of “idiocy”! For here, even if it occurs with a general, we are dealing with genuine idiocy in its purest form. — And in the Anthroposophical Society, it was usually the case that people didn’t blame the one who acted like Mr. v. Gleich, but rather the one who defended himself. Right up to the present day! We’ve heard it said a few times that one mustn’t become aggressive in this way. — To many people, “becoming aggressive” means defending oneself in this way. It is therefore necessary—without emphasizing that we are a militant organization or the like—to keep a watchful eye on things and reject them. You must take a concrete, positive stand in such situations; and then the others must stand behind the one who is compelled to defend themselves. It is not a matter of us becoming fighting cocks ourselves; but it is a matter of ensuring that, should it become necessary to defend ourselves, the others will stand behind us. And it is a matter of truly keeping track of and taking an interest in the manifestations of ideological, scientific, religious, and other such tendencies in this regard in our time.

[ 71 ] Nehmen Sie diese einzelne Erscheinung: Ich war genötigt, philosophische, oder wie soll man es nennen, Schreibereien — es ist nach meiner Meinung gleich, wie man sie nennt — des Grafen Keyserlingeinmal in der entsprechenden Weise zu charakterisieren, weil er in seiner unglaublichen Oberflächlichkeit hineingemischt hat die Tollheit, ich sei von Haeckelschen Anschauungen ausgegangen. Das ist natürlich eine nicht bloß objektive, sondern in diesem Falle subjektive Unwahrheit, das heißt, eine Lüge, weil man verlangen muß, daß derjenige, der so etwas behauptet, nach den Quellen sucht; und er hätte sehen können das Kapitel, das ich in den frühesten Jahren meiner Schriftstellerei geschrieben habe in meinen Auseinandersetzungen mit Haeckel, in der Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften. Sie können das ja alle sehr gut nachlesen. — Nun hat der Graf Keyserling durch seinen Verleger eine kleine Schrift erscheinen lassen: «Der Weg zur Vollendung.» Ich will diese Schrift nicht weiter charakterisieren, empfehle Ihnen aber, daß einer oder zwei sich diese Schrift kaufen und sie herumgehen lassen; denn wenn es alle kaufen wollten, wäre es schade ums Geld; aber ich empfehle Ihnen trotzdem, es zu lesen, damit Sie eine Vorstellung bekommen von dem, was sozusagen gegen alle Weisheit sich auftut in dieser Schrift «Der Weg zur Vollendung» von Keyserling. Es steht da folgender Satz, den er sich zurechtzimmerte, so ungefähr, wie er mir im Gedächtnis ist: Ja, wenn ich damit etwas Unrichtiges gesagt habe, daß Dr. Steiner von Haeckel ausgegangen ist, so hätte ja Dr. Steiner das einfach rektifizieren können; er hätte das bei mir richtigstellen können, denn ich habe — und nun bitte ich, diesen Satz recht genau zu beachten —, denn ich habe für eine besondere SteinerQuellenforschung keine Zeit.

[ 71 ] Take this particular instance: I was compelled to characterize Count Keyserling’s philosophical—or whatever one might call it—writings—in my opinion, it makes no difference what one calls them—in the appropriate manner, because, in his incredible superficiality, he has gone so far as to claim that I had based my views on Haeckel’s ideas. This is, of course, not merely an objective but, in this case, a subjective untruth—that is, a lie—because one must demand that anyone who makes such a claim consult the sources; and he could have seen the chapter I wrote in the earliest years of my writing career, in my debates with Haeckel, in the introduction to Goethe’s Scientific Writings. You can all read that for yourselves, of course. — Now Count Keyserling has had a short treatise published through his publisher: The Path to Perfection. I do not wish to characterize this work further, but I recommend that one or two of you purchase it and pass it around; for if everyone were to buy it, it would be a waste of money; but I nevertheless recommend that you read it so that you can get an idea of what, so to speak, defies all wisdom in this work, “The Path to Perfection,” by Keyserling. It contains the following sentence, which he cobbled together, more or less as I recall it: Yes, if I said something incorrect in suggesting that Dr. Steiner drew on Haeckel, Dr. Steiner could simply have corrected that; he could have set the record straight with me, because I—and now I ask you to pay very close attention to this sentence—because I have no time for specialized research into Steiner’s sources.

[ 72 ] Nun also, sehen Sie, wir haben es bereits in der wissenschaftlichen Moral so weit gebracht, daß jemand, der eine «Weisheitsschule» gründet, es für berechtigt hält, daß er Dinge in die Welt hinaussenden darf, für deren Erforschung er zugestandenermaßen keine Zeit hat, die er also nicht erforscht! Hier ertappt man einen scheinbar sich vornehm Dünkenden — denn der Graf Keyserling hat in seiner Schreiberei immer die Allmacht angeführt —, das ist dasjenige, was so imponiert bei dem Grafen Keyserling, daß er immer die Allmacht anführt. Die ganze gegenwärtige Schreiberei ist an einem Punkt angekommen, wo sie am meisten versumpft und verlumpt ist. Und trotz der Allmacht ist hier eine vollständige moralische Verlumpung der Ansichten da. Und da muß schon einmal den Leuten gesagt werden: Ganz gewiß, es verlangt auch von dir niemand, daß du Steiner-Quellenforschung treibst; aber dann, wenn du schon keine Steiner-Quellenforschung treibst, keine Zeit hast, dann — in bezug auf alle diese Dinge, zu denen du von der Sache etwas wissen müßtest: Halte den Mund!

[ 72 ] Well then, you see, we have already reached the point in scientific ethics where someone who founds a “school of wisdom” considers it justified to put things out into the world that he admittedly has no time to research—and which he therefore does not research! Here one catches someone who apparently considers himself distinguished—for Count Keyserling has always invoked omnipotence in his writings—and that is precisely what is so impressive about Count Keyserling: that he always invokes omnipotence. All of today’s writing has reached a point where it is at its most mired and debased. And despite this omnipotence, there is a complete moral debasement of views here. And so people need to be told once and for all: Certainly, no one is demanding that you engage in research into Steiner’s sources; but if you’re not doing that research—if you don’t have the time—then—with regard to all these matters about which you ought to know something: Keep your mouth shut!

[ 73 ] Sehen Sie, das ist notwendig, daß wir uns keinen Illusionen hingeben, daß wir einfach abstreifen jegliches durch das Konventionelle heraufgekommene Autoritätsprinzip und dergleichen, daß wir uns frei gegenüberstellen, wirklich, wirklich prüfend, demjenigen, was in unserer Zeit vorhanden ist. Dann werden wir heute schon recht viel solches bemerken können.

[ 73 ] You see, it is essential that we not harbor any illusions, that we simply cast aside any principle of authority—and the like—that has arisen from convention, and that we confront what exists in our time with an open mind, truly, truly examining it. Then we will already be able to notice quite a lot of this today.

[ 74 ] Ich würde Ihnen schon raten, manche der Sätze, die der große Germanist Roethe in Berlin ab und zu, immer wiederum prägt, rein der Form nach — ich will ganz absehen von der Anschauung, die man dabei durchaus respektieren kann — sich anzusehen. Dann werden Sie das Lehrreiche finden. Wir brauchen keine Kampforganisation zu sein. Wir müssen aber bereit und wachsam sein, um, wenn die Dinge, die heute wirklich so schauderhaft in den Niedergang hineinführen, konkret auftreten, dann dagegen auch wirklich aufzutreten. Brauchen wir denn dazu eine Organisation anthroposophischer Studenten zu sein? Wir brauchen ja einfach nur wachsame, anständige und wissenschaftlich gewissenhafte Leute sein zu wollen, dann können wir immer — ganz von dem absolutesten Privatstandpunkt aus — gegen solche Schäden zu Felde ziehen. Und wenn wir außerdem noch für die positive Arbeit organisiert sind, dann kann die Anzahl derjenigen, die dafür organisiert ist, hinter uns stehen und uns halten. Das letztere brauchen wir. Aber es wäre durchaus nicht sehr gescheit, wenn wir uns als Kampfesorganisation auftun würden. Dagegen handelt es sich darum, daß wir wirklich ernsthaftig arbeiten an der Verbesserung unserer gegenwärtigen Zustände. Und dazu gehört schon einmal, daß man die furchtbaren Schäden, die auf dem einen oder anderen Feld zutage treten — und die wirklich sich leicht aufdrängen, denn sie sind in Unsummen da —, daß man diese Dinge beachtet, und daß man den Mut hat, gegen sie in der Form, in der man es kann, aufzutreten.

[ 74 ] I would certainly advise you to take a look at some of the phrases that the great Germanist Roethe in Berlin keeps repeating from time to time—purely in terms of their form; I will completely set aside the viewpoint behind them, which one can certainly respect. Then you will find them instructive. We do not need to be a militant organization. But we must be ready and vigilant so that, when the things that are truly leading us so horrifically into decline actually arise, we can genuinely take a stand against them. Do we really need to be an organization of anthroposophical students to do that? We simply need to want to be vigilant, decent, and scientifically conscientious people; then we can always—from the most purely personal standpoint—take a stand against such harm. And if, in addition, we are organized for positive work, then the number of those organized for that purpose can stand behind us and support us. We need the latter. But it would by no means be very wise for us to present ourselves as a militant organization. Rather, the point is that we work earnestly to improve our current circumstances. And part of that involves taking note of the terrible injustices that come to light in one area or another—and which really are hard to ignore, since they exist in vast numbers—and having the courage to stand up against them in whatever way we can.

[ 75 ] Sie haben schon etwas getan, wenn Sie nur das tun können: bei einer geringen Anzahl Ihrer Kommilitonen einfach das Urteil richtigstellen in bezug auf solche Dinge, auch wenn das im kleinsten Kreise geschieht. Ich habe gestern zu jemanden von uns hier in bezug auf den Weltschulverein gesagt: Ich halte es gerade in bezug auf solche Dinge besonders wertvoll, wenn angefangen wird damit, daß einer zu zwei, drei anderen, also ganz kleinen Gruppen, davon spricht, selbst wenn es nur zwei sind; und, ganz radikal ausgedrückt, wenn einer gar keinen anderen findet, so sage er es sich wenigstens selber! Also diese Dinge sind schon durchaus so, daß man anfassen kann dasjenige, was der einzelne vermag. Es werden einzelne viel mehr vermögen, wie es tatsächlich schon vorgekommen ist bei einem Arzt, der Mitglied war, und dessen Kommilitonen sich als sehr begeisterungsfähig erwiesen. Es handelt sich darum, daß wir uns nicht dadurch Feinde machen, daß wir in wüster Form als Kampfhähne auftreten, aber auch darum, daß wir den Kampf nicht scheuen, wenn die anderen anfangen. Das ist es: wir müssen immer den anderen anfangen lassen; und dann muß die nötige Hilfe hinter uns stehen, die nicht die Taktik aufkommen läßt, denn es ist eine ganz bestimmte Taktik aufgekommen: daß wir angefangen hätten. Wenn von drüben angefangen wird, dann ist man genötigt, sich zu verteidigen; und dann können Sie immer lesen, daß von anthroposophischer Seite das und das im Kampfe als Angriff geführt worden ist und so weiter. Es wird immer der Spieß umgedreht. Das ist geradezu Methode bei den Gegnern. Das dürfen wir nicht aufkommen lassen.

[ 75 ] You have already accomplished something if you can do just this: simply correct the misconceptions of a small number of your fellow students regarding such matters, even if this takes place within the smallest of circles. Yesterday I said to one of our group here regarding the World School Association: I consider it particularly valuable, especially with regard to such matters, to begin by speaking to two or three others—that is, in very small groups—even if there are only two; and, to put it quite radically, if one cannot find anyone else, then let them at least say it to themselves! So these things are certainly such that one can grasp what the individual is capable of. Individuals will be capable of much more, as has in fact already happened with a doctor who was a member, and whose fellow students proved to be very enthusiastic. The point is that we must not make enemies by acting like fighting cocks in a wild manner, but also that we must not shy away from the struggle when the others start it. That is it: we must always let the others start; and then we must have the necessary support behind us that does not allow a certain tactic to take hold—for a very specific tactic has indeed emerged: that we were the ones who started it. If the other side strikes first, then one is compelled to defend oneself; and then you will always read that, from the anthroposophical side, this or that was carried out in the struggle as an attack, and so on. The tables are always turned. That is practically a standard tactic among our opponents. We must not allow that to take hold.

[ 76 ] Was den Weltschulverein betrifft, so möchte ich dazu nur noch das eine sagen: nach meiner Empfindung wäre es wohl das allerbeste, wenn unabhängig voneinander gleichzeitig der Weltschulverein begründet werden könnte in Entente- und in neutralen Ländern, allerdings auch im deutschen mitteleuropäischen Gebiet. Wenn es gleichzeitig geschehen könnte, so daß sozusagen unabhängig voneinander die Dinge gleichzeitig aufschössen, wäre es das allerbeste. Dazu gehört natürlich eine gewisse Wachsamkeit, was etwa geschieht. Es müßte dann, wie ich glaube, ganz besonders von der Schweiz hier eine Vermittlung stattfinden. Es wäre gut, wenn man jetzt gerade für den Augenblick die Sache machen könnte. Ich kann Ihnen versichern: die Dinge sind auf des Messers Schneide — und wenn eben heute dieselben Kriegsmöglichkeiten vorhanden wären, die im Jahre 1914 vorhanden waren, dann, dann hätten wir längst wiederum Krieg. Es stehen die Dinge in bezug auf Stimmungen und so weiter auf des Messers Schneide. Und wir bekommen so etwas wie diesen Weltschulverein nicht zustande, wenn er zum Beispiel jetzt in Deutschland begründet wird, und dann etwa die anderen, wenn auch nur eine Woche, hintennachtrappen müßten. Er käme einfach nicht zustande, es wäre unpraktisch, es zu machen.

[ 76 ] As far as the World School Association is concerned, I would like to say just one more thing: in my opinion, it would be best if the World School Association could be established simultaneously, independently of one another, in Entente countries and in neutral countries—and, of course, in the German-speaking region of Central Europe as well. If this could happen simultaneously—so that, as it were, things would spring up at the same time yet independently of one another—that would be the very best. Of course, this requires a certain vigilance regarding what is happening. I believe that Switzerland, in particular, would then have to act as a mediator here. It would be good if we could set this in motion right now, at this very moment. I can assure you: things are on a knife’s edge—and if the same conditions for war existed today as they did in 1914, then, then we would have been at war again long ago. In terms of public sentiment and so on, the situation is hanging by a thread. And we couldn’t pull off something like this World School Association if, for example, it were established in Germany now, and then the others had to follow suit—even if only a week later. It simply wouldn’t happen; it would be impractical to do so.

[ 77 ] Dagegen dürfen wir auf der anderen Seite durchaus wiederum das nicht aufkommen lassen, daß wir im geringsten etwa verleugnen, wie wir überhaupt zu den Dingen stehen. Diese Hochschule für Geisteswissenschaft heißt Goetheanum. Wir haben diesen Namen «Goetheanum» im Verlauf des Weltkrieges hier noch gegeben. Die anderen Nationen, insofern sie sich an der Anthroposophie beteiligt haben, haben den Namen aufgenommen, haben ihn akzeptiert. Wir haben niemals verleugnet, daß wir Gründe haben, die Hochschule für Geisteswissenschaft «Goetheanum» zu nennen, und es wäre daher nicht eigentlich gut, wenn in Deutschland die Sachen als irgendeine Imitation von der anderen Seite auftreten dürften.

[ 77 ] On the other hand, however, we must by no means allow the impression to arise that we in any way deny our stance on these matters. This School of Spiritual Science is called the Goetheanum. We gave it the name “Goetheanum” here during the World War. The other nations, insofar as they have participated in anthroposophy, have adopted the name and accepted it. We have never denied that we have reasons to call the School of Spiritual Science the “Goetheanum,” and it would therefore not be appropriate if things in Germany were to be presented as some kind of imitation from the other side.

[ 78 ] Also es würde sich schon darum handeln, daß man in dieser Beziehung — verzeihen Sie das harte Wort — ein wenig nicht ungeschickt vorgehen würde, daß man es ein wenig geschickt machen würde im größeren Weltkultursinne! Da müßte nun von der Schweiz hier mit vollem Verständnis gearbeitet werden. Es müßte also eigentlich unbedingt gleichzeitig von Mitteleuropa, von der Entente und von Neutralen aus die Sache in die Höhe schießen.

[ 78 ] So it would really be a matter of—forgive the harsh word—not being too clumsy in this regard, of handling it with a bit more skill in the broader sense of world culture! Switzerland would have to work on this with full understanding. So, in fact, it is absolutely essential that Central Europe, the Entente, and the neutral powers all work together to propel this matter forward.

[ 79 ] Vorläufig weiß ich ja noch nicht, ob sie auch nur an einem oder zwei Orten in die Höhe schießen wird. Ich habe heute morgen die Mitteilung bekommen, daß das gestern zusammenberufene Komitee, das so wacker arbeiten wollte, wenige Minuten, nachdem die Versammlung von gestern den Saal verlassen hat, schlafen gegangen ist; es sei auf heute abend vertagt worden. Ob sie heute abend tagen, wollen wir zunächst noch abwarten. Wir haben schon sehr merkwürdige Erfahrungen gemacht; und aus dieser Kenntnis heraus, daß wir schon die verschiedenartigsten Erfahrungen gemacht haben, habe ich mir jetzt erlaubt, zu Ihnen hier darüber zu sprechen, daß man im weiteren Verlauf der Bewegung die gemachten Erfahrungen berücksichtigen soll.

[ 79 ] For now, I don’t yet know whether it will even take off in one or two places. I received word this morning that the committee convened yesterday—which had intended to work so diligently—went to sleep just a few minutes after yesterday’s assembly had left the hall; it has been postponed until tonight. Let’s wait and see for now whether they will meet tonight. We have already had some very strange experiences; and based on this knowledge—that we have already had the most varied experiences—I have now taken the liberty of speaking to you here about the need to take these experiences into account as the movement progresses.

[ 80 ] Ich bin aber auf der anderen Seite überzeugt, wenn gerade unter der Kommilitonenschaft sich finden wird der nötige starke Impuls und die gehörige Begeisterung, namentlich für dasjenige, was ich selbst und andere meiner Freunde im Verlaufe dieses Kurses genannt haben: Begeisterung für die Wahrheit — dann wird die Sache gehen.

[ 80 ] On the other hand, however, I am convinced that if the necessary strong impetus and the appropriate enthusiasm can be found—particularly among my fellow students—namely for what I myself and some of my friends have mentioned in the course of this class: enthusiasm for the truth—then the endeavor will succeed.

[ 81 ] Ich möchte noch sagen: Ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, und ich kann Ihnen versichern, was neulich in Stuttgart stattgefunden hat, ist nicht im mindesten ein Ende, sondern erst ein Anfang, und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß es noch viel, viel schlimmer kommen wird. Ich habe das zu unseren Freunden hier des öfteren gesagt — vor sehr, sehr langer Zeit schon —, ich habe neulich ein Stück aus einem Feuilleton vorgelesen, in dem steht: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mäusefalle zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, versöhnend zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet.»

[ 81 ] I’d like to add: I recently read aloud a passage from a feature article, and I can assure you that what happened recently in Stuttgart is by no means the end, but only the beginning, and I can assure you that things will get much, much worse. I have said this to our friends here on several occasions—even a very, very long time ago—and I recently read aloud a passage from a feature article that states: “Intellectual sparks, hissing like lightning after the wooden mousetrap, are certainly abundant, and it will take quite a bit of Steiner’s wisdom to act as a conciliating force, lest one day a real spark bring an inglorious end to the splendor of Dornach.”

[ 82 ] Ich habe wirklich die Meinung, daß dasjenige, was als Reaktion eintreten muß gegen eine solche Aktion, die immer stärker und stärker werden wird, daß das besser gestaltet und vor allen Dingen energischer wird durchgeführt werden müssen. Und ich glaube, daß Sie, meine lieben Kommilitonen, nach dieser Richtung hin nötig haben, all Ihre jugendliche Begeisterung hineinfließen zu lassen in dasjenige, was wir hier öfter während dieses Kurses genannt haben: Enthusiasmus für die Wahrheit. Jugendlicher Enthusiasmus für die Wahrheit war immer ein sehr guter Impuls in der Fortentwickelung der Menschheit. Möge er es in einer Sache, die Sie für gut erkennen, auch in der nächsten Zukunft durch Sie werden.

[ 82 ] I truly believe that the response required to such an action—which will only grow stronger and stronger—must be better organized and, above all, carried out more vigorously. And I believe that you, my dear fellow students, need to channel all your youthful enthusiasm in this direction—into what we have often referred to here during this course: enthusiasm for the truth. Youthful enthusiasm for the truth has always been a very positive driving force in the further development of humanity. May it, in a cause that you recognize as good, continue to be realized through you in the near future.