The Task of Anthroposophy
in the Context of Science and Life
GA 77a
30 July 1921, Darmstadt
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Die Aufgabe der Anthroposophie gegenüber Wissenschaft und Leben
7. Schlussrede
7. Schlussrede
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, liebe Kommilitonen! Wir stehen am Schlusse dieser Veranstaltung, und auch meinerseits darf der Wunsch ausgesprochen werden, der schon von den verehrten Veranstaltern geäußert worden ist: daß sich bei den uns so sehr willkommenen Zuhörern dieser Tage einiges Befriedigende ins Seelische gesenkt haben möge, und daß auch einiges Befriedigende in der Nachempfindung zurückbleiben könne. Es ist ja natürlich, daß man im Laufe einer so kurzen Veranstaltung nur einige Proben dessen geben kann, was anthroposophische Geisteswissenschaft sein will und was sie namentlich in unserer Zeit der Wissenschaft und dem Leben sein will.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, liebe Kommilitonen! Wir stehen am Schlusse dieser Veranstaltung, und auch meinerseits darf der Wunsch ausgesprochen werden, der schon von den verehrten Veranstaltern geäußert worden ist: daß sich bei den uns so sehr willkommenen Zuhörern dieser Tage einiges Befriedigende ins Seelische gesenkt haben möge, und daß auch einiges Befriedigende in der Nachempfindung zurückbleiben könne. Es ist ja natürlich, daß man im Laufe einer so kurzen Veranstaltung nur einige Proben dessen geben kann, was anthroposophische Geisteswissenschaft sein will und was sie namentlich in unserer Zeit der Wissenschaft und dem Leben sein will.
[ 2 ] Daß sich eine Anzahl gerade den wissenschaftlichen Kreisen angehörenden Persönlichkeiten zusammengefunden hat, um aus jugendlicher Begeisterung heraus Anthroposophie zu treiben, gehört zu dem tiefst Befriedigenden für denjenigen, der sein Leben gerne all dem geben möchte, was innerhalb dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft liegt. Daher werden Sie mir glauben, daß ich es aus tiefstem Herzen heraus ausspreche, wenn ich den verehrten Kommilitonen, welche ihre Kraft und ihre Mühe und ihren so guten Willen auf diese Veranstaltung gewendet haben, innigen Dank sage.
[ 2 ] Daß sich eine Anzahl gerade den wissenschaftlichen Kreisen angehörenden Persönlichkeiten zusammengefunden hat, um aus jugendlicher Begeisterung heraus Anthroposophie zu treiben, gehört zu dem tiefst Befriedigenden für denjenigen, der sein Leben gerne all dem geben möchte, was innerhalb dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft liegt. Daher werden Sie mir glauben, daß ich es aus tiefstem Herzen heraus ausspreche, wenn ich den verehrten Kommilitonen, welche ihre Kraft und ihre Mühe und ihren so guten Willen auf diese Veranstaltung gewendet haben, innigen Dank sage.
[ 3 ] Ich bin überzeugt davon, daß auch alle diejenigen, die hier mitgewirkt haben und die an dem einen oder anderen Orte in unserer anthroposophischen Bewegung drinnen stehen, in gleichem Sinne den verehrten Veranstaltern dieser Hochschulkurse aufs allerherzlichste danken. Dieser Dank richtet sich ja in erster Linie an die Arbeitsgruppen des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Heidelberg und Würzburg, die sich so viel Mühe gegeben haben, daß diese Veranstaltung eine würdige sein konnte. Dieser Dank richtet sich aber auch an alle Teilnehmer dieses anthroposophischen Versuches.
[ 3 ] Ich bin überzeugt davon, daß auch alle diejenigen, die hier mitgewirkt haben und die an dem einen oder anderen Orte in unserer anthroposophischen Bewegung drinnen stehen, in gleichem Sinne den verehrten Veranstaltern dieser Hochschulkurse aufs allerherzlichste danken. Dieser Dank richtet sich ja in erster Linie an die Arbeitsgruppen des Bundes für anthroposophische Hochschularbeit in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Heidelberg und Würzburg, die sich so viel Mühe gegeben haben, daß diese Veranstaltung eine würdige sein konnte. Dieser Dank richtet sich aber auch an alle Teilnehmer dieses anthroposophischen Versuches.
[ 4 ] Und wenn ich nun einige Schlußworte zu Ihnen reden soll, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, verlangen Sie nicht von mir, daß ich das, was ich zu sagen habe, was ich jetzt noch am Schlusse vor Sie hinbringen möchte, in der üblichen Weise in eine Schlußrede kleide, sondern lassen Sie mich einiges aussprechen, was mir zum Teil nötig scheint und was mir zum Teil, gerade angesichts dessen, was ich in diesen Tagen hier unter Ihnen erleben durfte, sehr am Herzen liegt.
[ 4 ] Und wenn ich nun einige Schlußworte zu Ihnen reden soll, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, verlangen Sie nicht von mir, daß ich das, was ich zu sagen habe, was ich jetzt noch am Schlusse vor Sie hinbringen möchte, in der üblichen Weise in eine Schlußrede kleide, sondern lassen Sie mich einiges aussprechen, was mir zum Teil nötig scheint und was mir zum Teil, gerade angesichts dessen, was ich in diesen Tagen hier unter Ihnen erleben durfte, sehr am Herzen liegt.
[ 5 ] Man hat es von manchen Seiten außerordentlich stark angefochten, daß sich die Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach, wo während des Krieges gezeigt werden mußte, wie deutsches Geistesleben vor die Welt hinzustellen ist, «Goetheanum» genannt hat. Der Name ist von mir öfter angewendet worden — der Wille aber, diese Bildungsstätte «Goetheanum» zu nennen, ist ja von anderen ausgegangen. Aber vielleicht darf doch gesagt werden, daß innerhalb dieser Benennung etwas liegt, was mit meinem eigenen Hereinwachsen in diesem Erdenleben in die anthroposophische Bewegung zusammenhängt. Und deshalb darf ich das, was ich Ihnen sagen will, zunächst in die Bilder einiger Lebensreminiszenzen kleiden.
[ 5 ] Man hat es von manchen Seiten außerordentlich stark angefochten, daß sich die Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach, wo während des Krieges gezeigt werden mußte, wie deutsches Geistesleben vor die Welt hinzustellen ist, «Goetheanum» genannt hat. Der Name ist von mir öfter angewendet worden — der Wille aber, diese Bildungsstätte «Goetheanum» zu nennen, ist ja von anderen ausgegangen. Aber vielleicht darf doch gesagt werden, daß innerhalb dieser Benennung etwas liegt, was mit meinem eigenen Hereinwachsen in diesem Erdenleben in die anthroposophische Bewegung zusammenhängt. Und deshalb darf ich das, was ich Ihnen sagen will, zunächst in die Bilder einiger Lebensreminiszenzen kleiden.
[ 6 ] Als ich selbst in Wien zur Hochschule kam, da war noch jene Zeit, in welcher an Technischen Hochschulen das eigentlich erst eingerichtet wurde, was nun eine so ungeheure Weltbedeutung gewonnen hat: das Elektrotechnische. In Waltenhofen hatte die Wiener «Technik» den ersten Vertreter der Elektrotechnik, der aber aus der allgemeinen Physik herausgewachsen war. Und seither konnte man das alles mitmachen, was gerade von dieser Seite her gekommen ist, und was ja dann soweit wirksam geworden ist, wie wir gesehen haben, daß die Behandlung des Lichtes und manch anderer Naturerscheinungen nunmehr in eine Weltbetrachtung naturwissenschaftlicher Art eingelaufen ist, möchte man sagen, die ganz und gar von der Beobachtung elektrischer Erscheinungen hergenommen ist. An die Stelle der bloß elastischen Atome, mit denen wir noch unsere komplizierten Differenzialgleichungen bewältigen mußten, ist das heutige Bild der Elektronen getreten. Und in diese Jahrzehnte schließt sich Bedeutsames in der Entwicklung der neueren Menschheit ein. Aber es schließt sich auch dasjenige ein, was ich gestern im öffentlichen Vortrage anzudeuten versuchte: das Hinstreben aus dem immer mehr und mehr um sich greifenden materialistischen Anschauen der Umwelt, das ja doch eigentlich in der Elektronenlehre seine Triumphe feiert, wiederum zu einer geistigen Erfassung der Welt. Innerhalb desjenigen, was wir gewinnen können in der Elektronenlehre, finden wir eben den Menschen nicht. Wir müssen den Menschen aber wiederum finden. Und vielleicht ist Ihnen das aus den Bestrebungen, die unseren Vorträgen zugrunde lagen, hervorgegangen, daß es zunächst hauptsächlich Menschenerkenntnis ist, die wir anstreben, aber solche Menschenerkenntnis, die in Zusammenhang steht mit allen übrigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit allem Weltstreben, bis in das einzelne Soziale hinein, was in der Anthroposophie lebendig werden soll.
[ 6 ] Als ich selbst in Wien zur Hochschule kam, da war noch jene Zeit, in welcher an Technischen Hochschulen das eigentlich erst eingerichtet wurde, was nun eine so ungeheure Weltbedeutung gewonnen hat: das Elektrotechnische. In Waltenhofen hatte die Wiener «Technik» den ersten Vertreter der Elektrotechnik, der aber aus der allgemeinen Physik herausgewachsen war. Und seither konnte man das alles mitmachen, was gerade von dieser Seite her gekommen ist, und was ja dann soweit wirksam geworden ist, wie wir gesehen haben, daß die Behandlung des Lichtes und manch anderer Naturerscheinungen nunmehr in eine Weltbetrachtung naturwissenschaftlicher Art eingelaufen ist, möchte man sagen, die ganz und gar von der Beobachtung elektrischer Erscheinungen hergenommen ist. An die Stelle der bloß elastischen Atome, mit denen wir noch unsere komplizierten Differenzialgleichungen bewältigen mußten, ist das heutige Bild der Elektronen getreten. Und in diese Jahrzehnte schließt sich Bedeutsames in der Entwicklung der neueren Menschheit ein. Aber es schließt sich auch dasjenige ein, was ich gestern im öffentlichen Vortrage anzudeuten versuchte: das Hinstreben aus dem immer mehr und mehr um sich greifenden materialistischen Anschauen der Umwelt, das ja doch eigentlich in der Elektronenlehre seine Triumphe feiert, wiederum zu einer geistigen Erfassung der Welt. Innerhalb desjenigen, was wir gewinnen können in der Elektronenlehre, finden wir eben den Menschen nicht. Wir müssen den Menschen aber wiederum finden. Und vielleicht ist Ihnen das aus den Bestrebungen, die unseren Vorträgen zugrunde lagen, hervorgegangen, daß es zunächst hauptsächlich Menschenerkenntnis ist, die wir anstreben, aber solche Menschenerkenntnis, die in Zusammenhang steht mit allen übrigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit allem Weltstreben, bis in das einzelne Soziale hinein, was in der Anthroposophie lebendig werden soll.
[ 7 ] Mir selbst, als ich mich noch so fühlen durfte, wie viele von Ihnen heute sich fühlen, mir trat inmitten dessen, was mich da aus naturwissenschaftlich-technischer Denkungsweise in meinen Jugendjahren umgab, etwas entgegen, bald nachdem ich die Wiener Technik betreten hatte. Neben den anderen Fächern, denen ich mich widmete, wurde ich auch Hörer meines alten, Freund-gewordenen Lehrers, des längst verstorbenen Karl Julius Schröer. Und es gehört das zu den tiefsten Erlebnissen, was ich dazumal empfand, als Karl Julius Schröer in der ersten Vorlesung über deutsche Literatur ein Wort sprach, das so recht zeigte, wie die Erneuerung des Geisteslebens der neueren Menschheit aus deutschem, germanischem Wesen geboren werden kann. Vielleicht erscheint Ihnen heute dieses Wort nicht mehr so bedeutsam, wie es mir dazumal geklungen hat. Karl Julius Schröer wollte charakterisieren, wie Goethe, Schiller, Herder, Lessing, wie die deutschen Romantiker, die deutschen Philosophen sich hineingestellt haben in das gesamte Geistesleben der Menschheit. Er wollte zu diesem Zwecke zeigen, daß Kunst, daß ästhetisches Erleben für den Deutschen in jener Zeit eine heilige Angelegenheit der Menschheit geworden ist, nicht bloß eine luxuriöse Beigabe zum Leben. In die Kunst sollte ausfließen etwas, was urmenschlich ist. Und das drückte Karl Julius Schröer dazumal in seiner Art in dem Satz aus, den er in der ersten Stunde seiner Vorlesung aussprach: «Der Deutsche hat ästhetisches Gewissen». — Das lag auch dem zugrunde, wie er dann den Goetheschen Faust behandelt hat, wo er Faust darzustellen versuchte als den Helden des unbesieglichen Idealismus, der gerade dazumal aus den tiefen Untergründen des deutschen Geisteslebens in die Welt- und Menschheitsentwicklung eintreten mußte.
[ 7 ] Mir selbst, als ich mich noch so fühlen durfte, wie viele von Ihnen heute sich fühlen, mir trat inmitten dessen, was mich da aus naturwissenschaftlich-technischer Denkungsweise in meinen Jugendjahren umgab, etwas entgegen, bald nachdem ich die Wiener Technik betreten hatte. Neben den anderen Fächern, denen ich mich widmete, wurde ich auch Hörer meines alten, Freund-gewordenen Lehrers, des längst verstorbenen Karl Julius Schröer. Und es gehört das zu den tiefsten Erlebnissen, was ich dazumal empfand, als Karl Julius Schröer in der ersten Vorlesung über deutsche Literatur ein Wort sprach, das so recht zeigte, wie die Erneuerung des Geisteslebens der neueren Menschheit aus deutschem, germanischem Wesen geboren werden kann. Vielleicht erscheint Ihnen heute dieses Wort nicht mehr so bedeutsam, wie es mir dazumal geklungen hat. Karl Julius Schröer wollte charakterisieren, wie Goethe, Schiller, Herder, Lessing, wie die deutschen Romantiker, die deutschen Philosophen sich hineingestellt haben in das gesamte Geistesleben der Menschheit. Er wollte zu diesem Zwecke zeigen, daß Kunst, daß ästhetisches Erleben für den Deutschen in jener Zeit eine heilige Angelegenheit der Menschheit geworden ist, nicht bloß eine luxuriöse Beigabe zum Leben. In die Kunst sollte ausfließen etwas, was urmenschlich ist. Und das drückte Karl Julius Schröer dazumal in seiner Art in dem Satz aus, den er in der ersten Stunde seiner Vorlesung aussprach: «Der Deutsche hat ästhetisches Gewissen». — Das lag auch dem zugrunde, wie er dann den Goetheschen Faust behandelt hat, wo er Faust darzustellen versuchte als den Helden des unbesieglichen Idealismus, der gerade dazumal aus den tiefen Untergründen des deutschen Geisteslebens in die Welt- und Menschheitsentwicklung eintreten mußte.
[ 8 ] Dann nahm ich Teil an dem, was Karl Julius Schröer dazumal, indem er etwas nachbildete, was Uhland und Grimm in ihrer Lehrtätigkeit entwickelt hatten, «Deutsche Gesellschaft» nannte, — ich nahm Teil an dem, was dazumal die Deutsche Gesellschaft war. Junge Leute hielten Vorträge; sie konnten sich aussprechen, wie es ihnen ums Herz war. Der erste Vortrag, den ich innerhalb dieser Deutschen Gesellschaft zu halten hatte, beschäftigte sich damit, in meiner dazumal ungelenken, jugendlich unreifen Weise Kant und den Kantianismus, jene Barriere, die errichtet war gegenüber dem Wesen der Welt durch die besondere Ausdeutung, die die Phänomene in der neueren Wissenschaft gefunden haben, zurückzuweisen.
[ 8 ] Dann nahm ich Teil an dem, was Karl Julius Schröer dazumal, indem er etwas nachbildete, was Uhland und Grimm in ihrer Lehrtätigkeit entwickelt hatten, «Deutsche Gesellschaft» nannte, — ich nahm Teil an dem, was dazumal die Deutsche Gesellschaft war. Junge Leute hielten Vorträge; sie konnten sich aussprechen, wie es ihnen ums Herz war. Der erste Vortrag, den ich innerhalb dieser Deutschen Gesellschaft zu halten hatte, beschäftigte sich damit, in meiner dazumal ungelenken, jugendlich unreifen Weise Kant und den Kantianismus, jene Barriere, die errichtet war gegenüber dem Wesen der Welt durch die besondere Ausdeutung, die die Phänomene in der neueren Wissenschaft gefunden haben, zurückzuweisen.
[ 9 ] Und dann war es mir vergönnt, als Teilnehmer an der «Deutschen Lesehalle» der Wiener Hochschule in einem Kreise der Wiener Studentenschaft über Johann Gottlieb Fichte zu sprechen. Ich versuchte, in das, was ich über Fichte sagen wollte, gerade alles das hineinzulegen, was mir, dazumal in unreifer Weise, als notwendig erschien für eine Befruchtung des Geisteslebens von einer ganz besonderen Seite her.
[ 9 ] Und dann war es mir vergönnt, als Teilnehmer an der «Deutschen Lesehalle» der Wiener Hochschule in einem Kreise der Wiener Studentenschaft über Johann Gottlieb Fichte zu sprechen. Ich versuchte, in das, was ich über Fichte sagen wollte, gerade alles das hineinzulegen, was mir, dazumal in unreifer Weise, als notwendig erschien für eine Befruchtung des Geisteslebens von einer ganz besonderen Seite her.
[ 10 ] Und einer der Aufsätze, die ich schrieb, als ich dann kurze Zeit die «Deutsche Wochenschrift» in Wien redigierte, hatte denselben Titel wie der zweite Vortrag, den ich hier, allerdings in anderer Art, gehalten habe: «Die geistige Signatur der Gegenwart». Aber es war dieser Aufsatz bestrebt, auf die wahren Quellen deutschen Geisteslebens, die zu einer Vergeistigung der modernen Kultur führen konnten, hinzuweisen.
[ 10 ] Und einer der Aufsätze, die ich schrieb, als ich dann kurze Zeit die «Deutsche Wochenschrift» in Wien redigierte, hatte denselben Titel wie der zweite Vortrag, den ich hier, allerdings in anderer Art, gehalten habe: «Die geistige Signatur der Gegenwart». Aber es war dieser Aufsatz bestrebt, auf die wahren Quellen deutschen Geisteslebens, die zu einer Vergeistigung der modernen Kultur führen konnten, hinzuweisen.
[ 11 ] Ich sage das nicht, um irgendwie mit den Dingen zu renommieren, sondern ich möchte solche Bilder hinstelJlen, damit vielleicht der eine oder andere ein wahreres Bild davon bekommt, was auch von mir persönlich in die geisteswissenschaftlich-anthroposophische Bewegung eingeflossen ist, als jenes Bild ist, das jetzt von unwahrhaftiger Seite vielfach verbreitet wird.
[ 11 ] Ich sage das nicht, um irgendwie mit den Dingen zu renommieren, sondern ich möchte solche Bilder hinstelJlen, damit vielleicht der eine oder andere ein wahreres Bild davon bekommt, was auch von mir persönlich in die geisteswissenschaftlich-anthroposophische Bewegung eingeflossen ist, als jenes Bild ist, das jetzt von unwahrhaftiger Seite vielfach verbreitet wird.
[ 12 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, ich hatte reichlich Gelegenheit, damals auch die Niedergangskräfte im modernen Wissenschaftsleben kennenzulernen. Und es war mir daher eine tiefe Befriedigung, daß ich mich während meiner Weimarer Mitarbeiterschaft am Goethe-Schiller-Archiv aus meinem Goethestudium heraus, wenn ich so sagen darf, dem Goetheanismus durch Jahre hindurch widmen durfte. Man fühlte sich da so recht im Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens. Weimar war dazumal in den achtziger Jahren noch etwas anderes, als es heute ist. Es war noch über dem ganzen Weimar ein Hauch, der heute nicht mehr da ist, und aus diesem Hauch heraus empfand man gerade das, was das spezifisch Goethische ist. Ich versuchte dazumal, die Hinlenkung auf das, was dann kommen sollte, dadurch zu geben, daß ich in Weimar einmal einen Vortrag hielt über «Die Phantasie als Kulturschöpferin».
[ 12 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, ich hatte reichlich Gelegenheit, damals auch die Niedergangskräfte im modernen Wissenschaftsleben kennenzulernen. Und es war mir daher eine tiefe Befriedigung, daß ich mich während meiner Weimarer Mitarbeiterschaft am Goethe-Schiller-Archiv aus meinem Goethestudium heraus, wenn ich so sagen darf, dem Goetheanismus durch Jahre hindurch widmen durfte. Man fühlte sich da so recht im Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens. Weimar war dazumal in den achtziger Jahren noch etwas anderes, als es heute ist. Es war noch über dem ganzen Weimar ein Hauch, der heute nicht mehr da ist, und aus diesem Hauch heraus empfand man gerade das, was das spezifisch Goethische ist. Ich versuchte dazumal, die Hinlenkung auf das, was dann kommen sollte, dadurch zu geben, daß ich in Weimar einmal einen Vortrag hielt über «Die Phantasie als Kulturschöpferin».
[ 13 ] Das nun, was ich versuchte, aus wissenschaftlich-philosophischen Untergründen heraus zu geben, das zeigt Ihnen ja schon in seinen allerersten Versuchen, daß es sich darum handelt, aus demjenigen, was bei Goethe die Untergründe seines Denkens, seines Empfindens auf allen Gebieten des Wissens und des Lebens waren, die geistige Strömung zu holen. Ich ging wahrhaftig nicht von Haeckel aus; das kann jeder sehen, der jenes Kapitel verfolgt, das ich in der ersten Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften im Beginn der achtziger Jahre gerade über Haeckelismus geschrieben habe. Aber wer im geisteswissenschaftlichen Leben drinnenstehen will, muß es mit allen Dingen ernst nehmen, er muß tatsächlich das ausführen, was er in Ideen vertritt. Daher müssen diejenigen Strömungen des zeitgenössischen Geisteslebens, die nun einmal mit aller Gewalt und Kraft eingetreten sind in dieses Leben, auch liebevoll durchlebt werden; und dieses Sich-Versenken in Nietzscheanismus, in Haeckelismus, hat man als eine Anhängerschaft [meinerseits] empfunden. Man würde aber, wenn man es nur wollte, die Quellen anthroposophischer Geisteswissenschaft in denjenigen meiner Schriften gut finden können, die vorangegangen sind auch diesen Auseinandersetzungen mit Haeckel oder Nietzsche. Ich versuchte in meiner «Philosophie der Freiheit» zunächst in praktischer Weise hinzudeuten, wie Geistiges in das moralisch-soziale Handeln einfließen muß.
[ 13 ] Das nun, was ich versuchte, aus wissenschaftlich-philosophischen Untergründen heraus zu geben, das zeigt Ihnen ja schon in seinen allerersten Versuchen, daß es sich darum handelt, aus demjenigen, was bei Goethe die Untergründe seines Denkens, seines Empfindens auf allen Gebieten des Wissens und des Lebens waren, die geistige Strömung zu holen. Ich ging wahrhaftig nicht von Haeckel aus; das kann jeder sehen, der jenes Kapitel verfolgt, das ich in der ersten Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften im Beginn der achtziger Jahre gerade über Haeckelismus geschrieben habe. Aber wer im geisteswissenschaftlichen Leben drinnenstehen will, muß es mit allen Dingen ernst nehmen, er muß tatsächlich das ausführen, was er in Ideen vertritt. Daher müssen diejenigen Strömungen des zeitgenössischen Geisteslebens, die nun einmal mit aller Gewalt und Kraft eingetreten sind in dieses Leben, auch liebevoll durchlebt werden; und dieses Sich-Versenken in Nietzscheanismus, in Haeckelismus, hat man als eine Anhängerschaft [meinerseits] empfunden. Man würde aber, wenn man es nur wollte, die Quellen anthroposophischer Geisteswissenschaft in denjenigen meiner Schriften gut finden können, die vorangegangen sind auch diesen Auseinandersetzungen mit Haeckel oder Nietzsche. Ich versuchte in meiner «Philosophie der Freiheit» zunächst in praktischer Weise hinzudeuten, wie Geistiges in das moralisch-soziale Handeln einfließen muß.
[ 14 ] Und wenn heute wieder betont wird, daß mein Wirken eingeflossen sei in dasjenige der Theosophischen Gesellschaft, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, muß ich immer wiederum betonen, daß ich niemals und an keinem Orte etwas anderes vertreten habe als dasjenige, was ich gewonnen habe aus meinem eigenen inneren Forschungswege heraus. Daß man mich hören wollte innerhalb des Kreises dieser oder jener Gesellschaft, daß man mich, um das zu hören, aufforderte, innerhalb dieser Gesellschaft zu wirken, das ist etwas, was ich für etwas durchaus Mögliches, ja Notwendiges halte. Und ich werde es mir auch für die Zukunft niemals nehmen lassen, überall da zu sprechen, wo man mich hören will.
[ 14 ] Und wenn heute wieder betont wird, daß mein Wirken eingeflossen sei in dasjenige der Theosophischen Gesellschaft, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, muß ich immer wiederum betonen, daß ich niemals und an keinem Orte etwas anderes vertreten habe als dasjenige, was ich gewonnen habe aus meinem eigenen inneren Forschungswege heraus. Daß man mich hören wollte innerhalb des Kreises dieser oder jener Gesellschaft, daß man mich, um das zu hören, aufforderte, innerhalb dieser Gesellschaft zu wirken, das ist etwas, was ich für etwas durchaus Mögliches, ja Notwendiges halte. Und ich werde es mir auch für die Zukunft niemals nehmen lassen, überall da zu sprechen, wo man mich hören will.
[ 15 ] Daher darf ich es betonen, daß die Theosophische Gesellschaft nicht von mir aufgesucht worden ist, sondern daß sie zu mir gekommen ist. Und ich muß immer wiederum betonen, daß, als ich mein erstes, mehr aus dem Naturwissenschaftlichen abgeleitetes Buch «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung» geschrieben hatte, daß man mir da innerhalb theosophischer Kreise, denen ich dazumal nicht angehörte, sagte, in diesem Buche wäre alles enthalten, was man in diesen theosophischen Kreisen eigentlich suchte. Das aber ist nicht aus diesen Kreisen hervorgegangen, sondern das ist auf dem Forschungswege gefunden worden, den ich aus naturwissenschaftlichen Untergründen heraus, ins Geistige hinauf, zur Anthroposophie, zu nehmen mich genötigt fand.
[ 15 ] Daher darf ich es betonen, daß die Theosophische Gesellschaft nicht von mir aufgesucht worden ist, sondern daß sie zu mir gekommen ist. Und ich muß immer wiederum betonen, daß, als ich mein erstes, mehr aus dem Naturwissenschaftlichen abgeleitetes Buch «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung» geschrieben hatte, daß man mir da innerhalb theosophischer Kreise, denen ich dazumal nicht angehörte, sagte, in diesem Buche wäre alles enthalten, was man in diesen theosophischen Kreisen eigentlich suchte. Das aber ist nicht aus diesen Kreisen hervorgegangen, sondern das ist auf dem Forschungswege gefunden worden, den ich aus naturwissenschaftlichen Untergründen heraus, ins Geistige hinauf, zur Anthroposophie, zu nehmen mich genötigt fand.
[ 16 ] Und so war auch die Umgestaltung der «Theosophischen Gesellschaft» in eine «Anthroposophische Gesellschaft» durch die Tatsachen gegeben. Dasjenige aber, das durch das Wirken dieser Gesellschaften floß, das war niemals ein anderes als das, was auch heute fließt. Aber es ist selbstverständlich, daß diese anthroposophische Geisteswissenschaft, weil sie seit Jahrzehnten auf den verschiedensten Gebieten gepflegt wird, sich langsam und allmählich, nach und nach ausgebildet hat, und daß das, was im Anfange in einer mehr abstrakten Gestalt gesagt werden mußte, in immer konkretere und konkretere Gestalt gefaßt werden konnte. Daher kann, wenn heute gesprochen wird, viel mehr aus der geistigen Wirklichkeit heraus geschöpft werden, als in früheren Jahrzehnten geschöpft werden konnte. Aber Geisteswissenschaft in anthroposophischem Sinn wäre nichts Lebendiges, wenn es sich nicht so verhielte. Und diejenigen, die es nicht mit dem toten Geistigen halten, sondern mit dem lebendigen Geistigen, die werden diese lebendige Entwicklung verstehen. Die werden verstehen, daß ebensowenig, wie der reife Mensch noch das Kind sein kann, die in die Jahre gekommene anthroposophische Geisteswissenschaft in derselben Weise sprechen kann, wie sie gesprochen hat, da sie noch Kind war. Wer diese Dinge sachgemäß anschauen will, der sieht, daß es sich gerade so verhalten muß, wie es sich verhält, indem die Sache etwas durch und durch Lebendiges sein will.
[ 16 ] Und so war auch die Umgestaltung der «Theosophischen Gesellschaft» in eine «Anthroposophische Gesellschaft» durch die Tatsachen gegeben. Dasjenige aber, das durch das Wirken dieser Gesellschaften floß, das war niemals ein anderes als das, was auch heute fließt. Aber es ist selbstverständlich, daß diese anthroposophische Geisteswissenschaft, weil sie seit Jahrzehnten auf den verschiedensten Gebieten gepflegt wird, sich langsam und allmählich, nach und nach ausgebildet hat, und daß das, was im Anfange in einer mehr abstrakten Gestalt gesagt werden mußte, in immer konkretere und konkretere Gestalt gefaßt werden konnte. Daher kann, wenn heute gesprochen wird, viel mehr aus der geistigen Wirklichkeit heraus geschöpft werden, als in früheren Jahrzehnten geschöpft werden konnte. Aber Geisteswissenschaft in anthroposophischem Sinn wäre nichts Lebendiges, wenn es sich nicht so verhielte. Und diejenigen, die es nicht mit dem toten Geistigen halten, sondern mit dem lebendigen Geistigen, die werden diese lebendige Entwicklung verstehen. Die werden verstehen, daß ebensowenig, wie der reife Mensch noch das Kind sein kann, die in die Jahre gekommene anthroposophische Geisteswissenschaft in derselben Weise sprechen kann, wie sie gesprochen hat, da sie noch Kind war. Wer diese Dinge sachgemäß anschauen will, der sieht, daß es sich gerade so verhalten muß, wie es sich verhält, indem die Sache etwas durch und durch Lebendiges sein will.
[ 17 ] Auch das, was verhältnismäßig spät ergriffen worden ist, das Künstlerische und das Medizinische, hat sich organisch eingegliedert, weil das Bedürfnis im Grunde von der Außenwelt der reinen Anthroposophie entgegengekommen ist. Man gab, ich möchte sagen mehr schicksalmäßig, demjenigen nach, was sich aus den Zeitnotwendigkeiten, aus den Zeichen der Zeit heraus ergeben hatte. Die Zeichen der Zeit aber zu verstehen, das ist es, um was es sich handelt.
[ 17 ] Auch das, was verhältnismäßig spät ergriffen worden ist, das Künstlerische und das Medizinische, hat sich organisch eingegliedert, weil das Bedürfnis im Grunde von der Außenwelt der reinen Anthroposophie entgegengekommen ist. Man gab, ich möchte sagen mehr schicksalmäßig, demjenigen nach, was sich aus den Zeitnotwendigkeiten, aus den Zeichen der Zeit heraus ergeben hatte. Die Zeichen der Zeit aber zu verstehen, das ist es, um was es sich handelt.
[ 18 ] Meine verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, ich könnte noch durch manches andere Bild zeigen, wie im Urquell deutschen Geisteslebens dasjenige zu suchen ist, was in Anthroposophie eingeflossen ist. Ich werde es der Kürze der Zeit halber heute nicht tun. Die einzelnen Beispiele, die ich gegeben habe, habe ich nur aus dem Grunde gegeben, weil in der letzten Zeit auch unter der Flagge einer Feindseligkeit gegen das Deutschtum gegen die anthroposophische Geisteswissenschaft gekämpft wird. Und gegenüber dem, was aus den unsachlichsten Untergründen und aus wissenschaftlichem Unvermögen herauskommt, wie zum Beispiel bei dem Göttinger Professor Fuchs, und was sich da paart mit allerlei Angriffen verschiedener anderer Persönlichkeiten, die niemals auch nur einen Hauch von dem gespürt haben, was anthroposophische Geisteswissenschaft und anthroposophisches Geistes-Wollen wirklich ist, und die gerade auf das deutsche Wesen der Anthroposophie gerichtet sind, demgegenüber muß gesagt werden: Dasjenige, was jemand über Anthroposophie denken will, empfinden will, in allen Ehren; demjenigen, der ein ehrlicher Gegner ist, wird sich die Anthroposophie gegenüberstellen. — Niemals habe ich mich auch gegen die schärfste Kritik gewendet, wenn sie in der Form des Urteils aufgetreten ist. Aber stets werde ich mich wenden gegen etwas anderes. Die Kritik vieler Kreise, die heute der Anthroposophie feindselig gegenübertreten, basiert nicht auf Urteil, [und zwar] aus leicht begreiflichen Gründen: weil diese Kreise dieses Urteil nicht haben, weil sie nicht die Emsigkeit entwickeln wollen, sich wirklich in das Anthroposophische hineinzufinden und in die Art, wie dieses Anthroposophische in das äußere soziale Leben einfließen will; ihre Kritik basiert auf etrwas anderem. In breitesten Kreisen basieren heute die zahlreichen Angriffe, von denen Sie wohl auch schon gehört haben, auf Erlogenem. Das Erlogene geht bis zu den gefälschten Briefen. Das Erlogene geht so weit, daß mir bei meinem Aprilvortrag, der zur Abwehr in Stuttgart gehalten wurde, aus dem Publikum einer dieser Angriffe entgegentrat: Es wurde behauptet, ich hätte das oder jenes in Köln in den letzten Monaten gesagt. Ich mußte erwidern, daß ich seit Jahren nicht in Köln gewesen bin. Der Betreffende berief sich auf einen Brief, der ihm von Köln aus geschrieben worden sei, und er hatte die Dreistigkeit, diesen Brief aufzuzeigen. Ich mußte erwidern: Mag da stehen, was da will, es ist eine Fälschung, denn es ist erlogen, daß ich in den letzten Jahren in Köln war. — Das ist typisch für die Angriffe, die von gewissen Seiten kommen. Man stützt sich nicht auf Urteil und Meinung, es ist alles erlogen. Urteil und Meinung mag jeder haben nach seinen Fähigkeiten, nach dem, was er kann; gegen diese werde ich mich nur in jenen Grenzen wenden, die durch sie selbst herausgefordert sind. Denn wer ein ehrlicher Gegner ist, der hat das Bestreben, auf das zu kommen, was hinter einer Sache ist; es wäre eine Versündigung, sich nicht in vollständigem Einklang mit diesen Gegnern auseinanderzusetzen. Aber wer Verlogenheiten bis zu gefälschten Briefen sucht, mit dem ist keine andere Auseinandersetzung möglich, als daß man die Welt darauf aufmerksam macht, daß er lügt.
[ 18 ] Meine verehrten Anwesenden, liebe Kommilitonen, ich könnte noch durch manches andere Bild zeigen, wie im Urquell deutschen Geisteslebens dasjenige zu suchen ist, was in Anthroposophie eingeflossen ist. Ich werde es der Kürze der Zeit halber heute nicht tun. Die einzelnen Beispiele, die ich gegeben habe, habe ich nur aus dem Grunde gegeben, weil in der letzten Zeit auch unter der Flagge einer Feindseligkeit gegen das Deutschtum gegen die anthroposophische Geisteswissenschaft gekämpft wird. Und gegenüber dem, was aus den unsachlichsten Untergründen und aus wissenschaftlichem Unvermögen herauskommt, wie zum Beispiel bei dem Göttinger Professor Fuchs, und was sich da paart mit allerlei Angriffen verschiedener anderer Persönlichkeiten, die niemals auch nur einen Hauch von dem gespürt haben, was anthroposophische Geisteswissenschaft und anthroposophisches Geistes-Wollen wirklich ist, und die gerade auf das deutsche Wesen der Anthroposophie gerichtet sind, demgegenüber muß gesagt werden: Dasjenige, was jemand über Anthroposophie denken will, empfinden will, in allen Ehren; demjenigen, der ein ehrlicher Gegner ist, wird sich die Anthroposophie gegenüberstellen. — Niemals habe ich mich auch gegen die schärfste Kritik gewendet, wenn sie in der Form des Urteils aufgetreten ist. Aber stets werde ich mich wenden gegen etwas anderes. Die Kritik vieler Kreise, die heute der Anthroposophie feindselig gegenübertreten, basiert nicht auf Urteil, [und zwar] aus leicht begreiflichen Gründen: weil diese Kreise dieses Urteil nicht haben, weil sie nicht die Emsigkeit entwickeln wollen, sich wirklich in das Anthroposophische hineinzufinden und in die Art, wie dieses Anthroposophische in das äußere soziale Leben einfließen will; ihre Kritik basiert auf etrwas anderem. In breitesten Kreisen basieren heute die zahlreichen Angriffe, von denen Sie wohl auch schon gehört haben, auf Erlogenem. Das Erlogene geht bis zu den gefälschten Briefen. Das Erlogene geht so weit, daß mir bei meinem Aprilvortrag, der zur Abwehr in Stuttgart gehalten wurde, aus dem Publikum einer dieser Angriffe entgegentrat: Es wurde behauptet, ich hätte das oder jenes in Köln in den letzten Monaten gesagt. Ich mußte erwidern, daß ich seit Jahren nicht in Köln gewesen bin. Der Betreffende berief sich auf einen Brief, der ihm von Köln aus geschrieben worden sei, und er hatte die Dreistigkeit, diesen Brief aufzuzeigen. Ich mußte erwidern: Mag da stehen, was da will, es ist eine Fälschung, denn es ist erlogen, daß ich in den letzten Jahren in Köln war. — Das ist typisch für die Angriffe, die von gewissen Seiten kommen. Man stützt sich nicht auf Urteil und Meinung, es ist alles erlogen. Urteil und Meinung mag jeder haben nach seinen Fähigkeiten, nach dem, was er kann; gegen diese werde ich mich nur in jenen Grenzen wenden, die durch sie selbst herausgefordert sind. Denn wer ein ehrlicher Gegner ist, der hat das Bestreben, auf das zu kommen, was hinter einer Sache ist; es wäre eine Versündigung, sich nicht in vollständigem Einklang mit diesen Gegnern auseinanderzusetzen. Aber wer Verlogenheiten bis zu gefälschten Briefen sucht, mit dem ist keine andere Auseinandersetzung möglich, als daß man die Welt darauf aufmerksam macht, daß er lügt.
[ 19 ] Das ist das, was ich gerade hier einmal mit diesen kurzen Worten aussprechen möchte, aus dem Grunde, weil ich ja vor hingebungsvollen jüngeren Persönlichkeiten spreche, die es aus der Tiefe ihrer Begeisterung heraus haben möglich machen können, daß, trotzdem die Anthroposophie heute in so entstellter Gestalt vor die Welt hingestellt wird, doch dieser Vortragskursus und diese Vortragsveranstaltung hat zustande kommen können.
[ 19 ] Das ist das, was ich gerade hier einmal mit diesen kurzen Worten aussprechen möchte, aus dem Grunde, weil ich ja vor hingebungsvollen jüngeren Persönlichkeiten spreche, die es aus der Tiefe ihrer Begeisterung heraus haben möglich machen können, daß, trotzdem die Anthroposophie heute in so entstellter Gestalt vor die Welt hingestellt wird, doch dieser Vortragskursus und diese Vortragsveranstaltung hat zustande kommen können.
[ 20 ] Liebe Kommilitonen, insofern Sie sich so für die Anthroposophie interessieren, wie Sie es jetzt schon gezeigt haben, werden Sie in harte Kämpfe hineingestellt werden, und Sie werden namentlich darauf zu achten haben, von welcher Unwahrhaftigkeit diese Kämpfe durchdrungen sind. Es ist, vielfach gerade in der älteren anthroposophischen Bewegung, wie sie sich seit Jahren entwickelt hat, etwas aufgetreten, was diese Bewegung heute vielfach ungeeignet macht, den gut organisierten Gegnerschaften gegenübertreten zu können. Anthroposophen sind oftmals in ihrem Gemüt ruhige Leute, die eigentlich nur das, was ihr Gemüt in einer gewissen Weise erhebt, empfangen wollen. Sie sind sehr selten kampfgerüstete Leute. Das steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht es heute so, daß gerade aus dieser Sehnsucht nach einer innerlich wohlgefälligen Gemütsruhe sehr häufig der Fall eingetreten ist, daß, wenn von außen Angriffe in voller Unwahrhaftigkeit auftraten und man dann genötigt war, die Unwahrheit Unwahrheit zu nennen, sich auch aus anthroposophischen Kreisen die Stimmung nicht gewandt hat gegen diejenigen, die mit Unwahrheiten angegriffen haben, sondern gegen diejenigen, die sich verteidigen mußten. Das ist etwas, was gerade auf unserem Boden außerordentlich stark Sitte geworden ist.
[ 20 ] Liebe Kommilitonen, insofern Sie sich so für die Anthroposophie interessieren, wie Sie es jetzt schon gezeigt haben, werden Sie in harte Kämpfe hineingestellt werden, und Sie werden namentlich darauf zu achten haben, von welcher Unwahrhaftigkeit diese Kämpfe durchdrungen sind. Es ist, vielfach gerade in der älteren anthroposophischen Bewegung, wie sie sich seit Jahren entwickelt hat, etwas aufgetreten, was diese Bewegung heute vielfach ungeeignet macht, den gut organisierten Gegnerschaften gegenübertreten zu können. Anthroposophen sind oftmals in ihrem Gemüt ruhige Leute, die eigentlich nur das, was ihr Gemüt in einer gewissen Weise erhebt, empfangen wollen. Sie sind sehr selten kampfgerüstete Leute. Das steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht es heute so, daß gerade aus dieser Sehnsucht nach einer innerlich wohlgefälligen Gemütsruhe sehr häufig der Fall eingetreten ist, daß, wenn von außen Angriffe in voller Unwahrhaftigkeit auftraten und man dann genötigt war, die Unwahrheit Unwahrheit zu nennen, sich auch aus anthroposophischen Kreisen die Stimmung nicht gewandt hat gegen diejenigen, die mit Unwahrheiten angegriffen haben, sondern gegen diejenigen, die sich verteidigen mußten. Das ist etwas, was gerade auf unserem Boden außerordentlich stark Sitte geworden ist.
[ 21 ] Nun, meine lieben Kommilitonen, von denjenigen, die schon gezeigt haben, wie sie sich trotz der Schwierigkeiten, die der anthroposophische Weg bietet, in diese Anthroposophie hineinfinden, wie sie Opfer bringen dafür, von denen darf vielleicht ganz besonders erwartet werden, daß sie da, wo Unwahrhaftigkeit auftritt ohne ein Urteil über die wahre Gestalt anthroposophischen Strebens, daß sie da geneigt sind, die Unwahrhaftigkeit mit voller Kraft zu demaskieren. Die Unwahrhaftigkeit spielt ja in der gegenwärtigen Welt auch sonst eine weit verbreitete Rolle, und ein gut Stück von dem, wie wir weiterkommen aus Niedergangskräften zu Aufgangskräften, wird dasjenige sein, was wir entwickeln können an Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit ist doch das Höchste, niemals die einzelne Parteirichtung. Auf Wahrhaftigkeit muß ja das ganze System der Anthroposophie aufgebaut werden. Denn wie sollte derjenige, der nicht versteht, im äußeren Leben für die Wahrhaftigkeit einzutreten, hinaufdringen in diejenigen Regionen, wo man nur durch die innere Richtung nach Wahrhaftigkeit gelenkt werden muß, weil man nicht so wie im äußeren Leben in bezug auf die Unwahrhaftigkeit immer zurechtgewiesen werden kann. Was könnte alles der Welt vorgemacht werden aus den Regionen übersinnlicher Welten, wenn nicht der Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit die Basis wäre. Dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit — wir sehen es insbesondere bei den Diskussionen über die Kriegsschuld —, dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit fehlt heute so vielfach auch denjenigen, die sich die Träger der Zivilisation nennen. Dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit, wir brauchen ihn, und wer so verwoben ist mit dem Deutschtum — ich möchte es in aller Bescheidenheit erwähnen —, wie ich selbst, der wird, der kann, der muß überzeugt sein davon, daß dieses Deutschtum keinerlei Abbruch erfährt, wenn auch in den schwierigsten Dingen gedrungen wird auf Wahrhaftigkeit. Alle Angriffe, die sich gerade aus dieser Ecke heraus gegen Anthroposophie richten, tragen den Stempel einer Gesinnungsunwahrhaftigkeit an sich. Begreifen Sie es daher, meine lieben Kommilitonen, wie sehr es mich mit tiefster Befriedigung erfüllen muß, daß Sie es trotz alle dem, was heute in gut organisierter Weise gegen Anthroposophie gerichtet wird, unternommen haben, diese Veranstaltung hier zu machen. Und wer von Ihnen heute schon fühlt, wie ernst dieser Dank ist, der wird auch empfinden müssen, daß auf jenen Wegen, die uns leider in eingeschränkter Weise nur möglich sind, versucht werden wird, im weiteren Verfolgen des anthroposophischen Weges in vollster Harmonie zusammenzuarbeiten. Ich mußte mich oftmals in den Goetheanismus flüchten, aus dem heraus, was in dem modernen Wissenschafts- und technischen Leben nach Neugestaltung drängt. Heute suchen einige von Ihnen, meine lieben Kommilitonen, gewiß aus tiefstem Herzen heraus diesen Weg durch die Anthroposophie. Und es darf aus unbefangener Beobachtung der Zeitentwicklung heraus gesagt werden: Sie suchen diesen Weg aus den wahren Zeichen der Zeit heraus. — Möge es daher gelingen, daß durch unser Zusammenarbeiten mit denjenigen, die heute schon an dem einen oder anderen Platze in der anthroposophischen Bewegung schaffend stehen, insbesondere die Arbeit jugendlicher Geister in der fruchtbarsten Weise sich entfalte. Jugendliche Geister werden dann keinen Anlaß dazu haben, sich dem Spenglerschen Pessimismus zuzuwenden. Spengler hat allerdings zuletzt in Abrede gestellt, daß das, was er anstrebt, Pessismismus sei. Aber jedenfalls hat derjenige, der im anthroposophischen Sinn voll erfüllt wird von einem inneren Gehalt der Aufgangskräfte unseres Zeitalters, keine Veranlaßung, sich dem Spenglertum zuzuwenden. Dagegen kann in einer neuen Gestalt, in einer vergeistigteren Gestalt wiederum aufleben, was auf alle jungen Leute, sofern sie sich der Wissenschaft zuwenden wollten, einen großen Eindruck gemacht hat, wenn sie sich einmal damit beschäftigt haben —, es kann aufleben, was einstmals Fichte in seinen «Reden über das Wesen und die Bestimmung des Gelehrten» am Ende des 18. Jahrhunderts gesprochen hat. Diese Gedanken können, allerdings in umgewandelter Gestalt, gerade zur Fruchtbarmachung der Aufgangskräfte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wiederum ausgesprochen werden. Insbesondere aber darf man sich dabei an diejenigen Worte erinnern, die Fichte gleich eingangs seiner Reden aussprach, indem er sich an alle diejenigen wandte, die nichts wissen wollten von einem Herausschöpfen aus der Geistigkeit für das wirkliche, praktische Leben. Denen sagte er: wenn sie glaubten, daß alle Wirklichkeit in der Sinneswelt erschöpft sei, daß Ideale nur Utopien darstellten, dann sollten sie überzeugt sein, daß derjenige, der so spricht wie er, Fichte, auch ganz klar wisse, vielleicht besser als sie, daß sich Ideale im wirklichen Leben nicht so unmittelbar verwirklichen lassen, wie dasjenige, worauf sie immer deuten. Aber Fichte setzte auch hinzu, daß man solche Geister vielleicht nicht überzeugen könne, und daß daher, weil die Weltenlenkung in Wirklichkeit nicht auf sie gerechnet habe, Gott ihnen schenken möge zur rechten Zeit Nahrungsmittel, Sonne und Regen, und, wenn es sein kann, auch einige gute Gedanken.
[ 21 ] Nun, meine lieben Kommilitonen, von denjenigen, die schon gezeigt haben, wie sie sich trotz der Schwierigkeiten, die der anthroposophische Weg bietet, in diese Anthroposophie hineinfinden, wie sie Opfer bringen dafür, von denen darf vielleicht ganz besonders erwartet werden, daß sie da, wo Unwahrhaftigkeit auftritt ohne ein Urteil über die wahre Gestalt anthroposophischen Strebens, daß sie da geneigt sind, die Unwahrhaftigkeit mit voller Kraft zu demaskieren. Die Unwahrhaftigkeit spielt ja in der gegenwärtigen Welt auch sonst eine weit verbreitete Rolle, und ein gut Stück von dem, wie wir weiterkommen aus Niedergangskräften zu Aufgangskräften, wird dasjenige sein, was wir entwickeln können an Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit ist doch das Höchste, niemals die einzelne Parteirichtung. Auf Wahrhaftigkeit muß ja das ganze System der Anthroposophie aufgebaut werden. Denn wie sollte derjenige, der nicht versteht, im äußeren Leben für die Wahrhaftigkeit einzutreten, hinaufdringen in diejenigen Regionen, wo man nur durch die innere Richtung nach Wahrhaftigkeit gelenkt werden muß, weil man nicht so wie im äußeren Leben in bezug auf die Unwahrhaftigkeit immer zurechtgewiesen werden kann. Was könnte alles der Welt vorgemacht werden aus den Regionen übersinnlicher Welten, wenn nicht der Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit die Basis wäre. Dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit — wir sehen es insbesondere bei den Diskussionen über die Kriegsschuld —, dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit fehlt heute so vielfach auch denjenigen, die sich die Träger der Zivilisation nennen. Dieser Enthusiasmus für die Wahrhaftigkeit, wir brauchen ihn, und wer so verwoben ist mit dem Deutschtum — ich möchte es in aller Bescheidenheit erwähnen —, wie ich selbst, der wird, der kann, der muß überzeugt sein davon, daß dieses Deutschtum keinerlei Abbruch erfährt, wenn auch in den schwierigsten Dingen gedrungen wird auf Wahrhaftigkeit. Alle Angriffe, die sich gerade aus dieser Ecke heraus gegen Anthroposophie richten, tragen den Stempel einer Gesinnungsunwahrhaftigkeit an sich. Begreifen Sie es daher, meine lieben Kommilitonen, wie sehr es mich mit tiefster Befriedigung erfüllen muß, daß Sie es trotz alle dem, was heute in gut organisierter Weise gegen Anthroposophie gerichtet wird, unternommen haben, diese Veranstaltung hier zu machen. Und wer von Ihnen heute schon fühlt, wie ernst dieser Dank ist, der wird auch empfinden müssen, daß auf jenen Wegen, die uns leider in eingeschränkter Weise nur möglich sind, versucht werden wird, im weiteren Verfolgen des anthroposophischen Weges in vollster Harmonie zusammenzuarbeiten. Ich mußte mich oftmals in den Goetheanismus flüchten, aus dem heraus, was in dem modernen Wissenschafts- und technischen Leben nach Neugestaltung drängt. Heute suchen einige von Ihnen, meine lieben Kommilitonen, gewiß aus tiefstem Herzen heraus diesen Weg durch die Anthroposophie. Und es darf aus unbefangener Beobachtung der Zeitentwicklung heraus gesagt werden: Sie suchen diesen Weg aus den wahren Zeichen der Zeit heraus. — Möge es daher gelingen, daß durch unser Zusammenarbeiten mit denjenigen, die heute schon an dem einen oder anderen Platze in der anthroposophischen Bewegung schaffend stehen, insbesondere die Arbeit jugendlicher Geister in der fruchtbarsten Weise sich entfalte. Jugendliche Geister werden dann keinen Anlaß dazu haben, sich dem Spenglerschen Pessimismus zuzuwenden. Spengler hat allerdings zuletzt in Abrede gestellt, daß das, was er anstrebt, Pessismismus sei. Aber jedenfalls hat derjenige, der im anthroposophischen Sinn voll erfüllt wird von einem inneren Gehalt der Aufgangskräfte unseres Zeitalters, keine Veranlaßung, sich dem Spenglertum zuzuwenden. Dagegen kann in einer neuen Gestalt, in einer vergeistigteren Gestalt wiederum aufleben, was auf alle jungen Leute, sofern sie sich der Wissenschaft zuwenden wollten, einen großen Eindruck gemacht hat, wenn sie sich einmal damit beschäftigt haben —, es kann aufleben, was einstmals Fichte in seinen «Reden über das Wesen und die Bestimmung des Gelehrten» am Ende des 18. Jahrhunderts gesprochen hat. Diese Gedanken können, allerdings in umgewandelter Gestalt, gerade zur Fruchtbarmachung der Aufgangskräfte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wiederum ausgesprochen werden. Insbesondere aber darf man sich dabei an diejenigen Worte erinnern, die Fichte gleich eingangs seiner Reden aussprach, indem er sich an alle diejenigen wandte, die nichts wissen wollten von einem Herausschöpfen aus der Geistigkeit für das wirkliche, praktische Leben. Denen sagte er: wenn sie glaubten, daß alle Wirklichkeit in der Sinneswelt erschöpft sei, daß Ideale nur Utopien darstellten, dann sollten sie überzeugt sein, daß derjenige, der so spricht wie er, Fichte, auch ganz klar wisse, vielleicht besser als sie, daß sich Ideale im wirklichen Leben nicht so unmittelbar verwirklichen lassen, wie dasjenige, worauf sie immer deuten. Aber Fichte setzte auch hinzu, daß man solche Geister vielleicht nicht überzeugen könne, und daß daher, weil die Weltenlenkung in Wirklichkeit nicht auf sie gerechnet habe, Gott ihnen schenken möge zur rechten Zeit Nahrungsmittel, Sonne und Regen, und, wenn es sein kann, auch einige gute Gedanken.
[ 22 ] So hat Fichte, der Idealist, dazumal am Ende des 18. Jahrhunderts gesprochen, und so darf auch wiederum aus dem innersten Impuls anthroposophischer Geisteswissenschaft heute gesprochen werden. Ich darf es Ihnen nachempfinden in diesem Augenblick, wo wir auseinandergehen, daß Sie etwas von dieser Gesinnung fühlen, und daß Sie aus dieser Gesinnung heraus den Schritt zur Veranstaltung dieser Vorträge, dieser ganzen Veranstaltung, unternommen haben.
[ 22 ] So hat Fichte, der Idealist, dazumal am Ende des 18. Jahrhunderts gesprochen, und so darf auch wiederum aus dem innersten Impuls anthroposophischer Geisteswissenschaft heute gesprochen werden. Ich darf es Ihnen nachempfinden in diesem Augenblick, wo wir auseinandergehen, daß Sie etwas von dieser Gesinnung fühlen, und daß Sie aus dieser Gesinnung heraus den Schritt zur Veranstaltung dieser Vorträge, dieser ganzen Veranstaltung, unternommen haben.
[ 23 ] Aus dem Dank heraus, der sich aus alledem formt, was Sie an Aufmerksamkeit, an Gesinnung dem entgegengebracht haben, was wir Ihnen haben bieten können, aus diesem Dank heraus spreche ich zu Ihnen. Ich spreche zu Ihnen so, daß ich wirklich glaube, daß es von ganz besonders wesentlicher Bedeutung sein wird für das Heraufkommen einer neuen Geistesbewegung, wenn die in ihrem tiefsten Herzen berührte jugendliche Menschheit sich dieser Bewegung zuwendet. An Ihnen, liebe Kommilitonen, wird es liegen, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Jahrzehnten gestalten. An Ihnen wird es liegen, ob das darniederliegende Deutschtum sich wiederum wird aufrichten können. Kraft braucht die Menschheit dazu, nicht bloß Worte — Kraft! Kraft aber kann der gegenwärtigen Menschheit nur aus dem Geiste kommen. Den Anfang in vieler Beziehung hat die jugendliche Menschheit damit gemacht, daß sie diese Studentengruppen gebildet hat. Fortgefahren ist sie, indem die verehrten Studentengruppen von Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Heidelberg und Würzburg zu dieser Veranstaltung geführt haben. Möge diese Veranstaltung der Ausgangspunkt sein zu einem fruchtbaren Weiterarbeiten, zu einem solchen Weiterarbeiten, das dazu führt, daß wirklich ein Aufgang der Menschheit in den nächsten Generationen, daß insbesondere in Mitteleuropa ein Aufgang der Menschheit geschehen könne. Denn im Grunde genommen war doch alles das, was hier hat geleistet werden wollen in diesen Tagen, nach diesem Ziel, nach diesem Ideal hin gerichtet. So, meine lieben Kommilitonen, so wollen wir aus dem Geiste wahrhaft anthroposophischer Gesinnung heraus zusammenarbeiten, damit hineinfließe, was die Menschheit braucht: vor allen Dingen Kraft der Jugend, Begeisterung der Jugend —, und daß hineinfließe auch jener Ernst, welchen die Jugend durch den Umgang mit der Wissenschaft erlebt. Fest wollen wir stehen auf dem Boden streng wissenschaftlicher Anschauung. Heraus aber wollen wir aus der Abstraktheit, aus dem bloß Theoretischen, aus den toten Begriffsgespinsten. Übergehen wollen wir zu dem lebendigen Erfassen der vollen Wirklichkeit, die sich auslebt nicht nur in der äußeren Sinneswelt, die sich auslebt auch in der seelischen und geistigen Welt.
[ 23 ] Aus dem Dank heraus, der sich aus alledem formt, was Sie an Aufmerksamkeit, an Gesinnung dem entgegengebracht haben, was wir Ihnen haben bieten können, aus diesem Dank heraus spreche ich zu Ihnen. Ich spreche zu Ihnen so, daß ich wirklich glaube, daß es von ganz besonders wesentlicher Bedeutung sein wird für das Heraufkommen einer neuen Geistesbewegung, wenn die in ihrem tiefsten Herzen berührte jugendliche Menschheit sich dieser Bewegung zuwendet. An Ihnen, liebe Kommilitonen, wird es liegen, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Jahrzehnten gestalten. An Ihnen wird es liegen, ob das darniederliegende Deutschtum sich wiederum wird aufrichten können. Kraft braucht die Menschheit dazu, nicht bloß Worte — Kraft! Kraft aber kann der gegenwärtigen Menschheit nur aus dem Geiste kommen. Den Anfang in vieler Beziehung hat die jugendliche Menschheit damit gemacht, daß sie diese Studentengruppen gebildet hat. Fortgefahren ist sie, indem die verehrten Studentengruppen von Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Marburg, Heidelberg und Würzburg zu dieser Veranstaltung geführt haben. Möge diese Veranstaltung der Ausgangspunkt sein zu einem fruchtbaren Weiterarbeiten, zu einem solchen Weiterarbeiten, das dazu führt, daß wirklich ein Aufgang der Menschheit in den nächsten Generationen, daß insbesondere in Mitteleuropa ein Aufgang der Menschheit geschehen könne. Denn im Grunde genommen war doch alles das, was hier hat geleistet werden wollen in diesen Tagen, nach diesem Ziel, nach diesem Ideal hin gerichtet. So, meine lieben Kommilitonen, so wollen wir aus dem Geiste wahrhaft anthroposophischer Gesinnung heraus zusammenarbeiten, damit hineinfließe, was die Menschheit braucht: vor allen Dingen Kraft der Jugend, Begeisterung der Jugend —, und daß hineinfließe auch jener Ernst, welchen die Jugend durch den Umgang mit der Wissenschaft erlebt. Fest wollen wir stehen auf dem Boden streng wissenschaftlicher Anschauung. Heraus aber wollen wir aus der Abstraktheit, aus dem bloß Theoretischen, aus den toten Begriffsgespinsten. Übergehen wollen wir zu dem lebendigen Erfassen der vollen Wirklichkeit, die sich auslebt nicht nur in der äußeren Sinneswelt, die sich auslebt auch in der seelischen und geistigen Welt.
[ 24 ] Und wenn ich hier im besonderen zu denjenigen spreche, die als angehende Techniker in dieser Bewegung drinnenstehen, so darf ich sagen, daß mir insbesondere dieses Drinnenstehen innerhalb der technischen Betätigung ganz besonders bedeutsam erscheint für cine geistige Bewegung. In der Welt entwickeln sich die Dinge polarisch. Was das Höchste ist an der naturwissenschaftlichen Denkweise, das erlebt der Techniker im Konstruieren, er erlebt es im Bauen, er erlebt es im Laboratorium. Indem wir die Naturgesetze hineingießen in die äußere Welt, indem wir Technik ausbilden, bringen wir vor allen Dingen unsere Seele heran an das, was zunächst nicht den Geist enthält, das Menschenherz tritt aber an alles heran. Die Menschenseele und der Menschengeist, sie begeben sich in diese Sphäre hinein. Gerade mit dem Empfinden des Technischen muß die Empfindung, muß der Gedanke hinaufgelenkt werden zu dem anderen Pol, zu dem, was als Geistigkeit die Welt durchwallt und durchwebt. Technik ist besonders geeignet, dadurch, daß sie in die äußere Sinneswelt am tiefsten eingreift, nach der anderen Seite, nach der Seite der Geistigkeit hinzuweisen. Ich glaube daher, daß gerade vom angehenden Techniker viel von jener Kraft ausgehen kann, die zum Heranbringen einer geistigen Gesinnung, einer geistigen Weltanschauung für die Entwicklung der Menschheit das Wesentlichste beitragen kann.
[ 24 ] Und wenn ich hier im besonderen zu denjenigen spreche, die als angehende Techniker in dieser Bewegung drinnenstehen, so darf ich sagen, daß mir insbesondere dieses Drinnenstehen innerhalb der technischen Betätigung ganz besonders bedeutsam erscheint für cine geistige Bewegung. In der Welt entwickeln sich die Dinge polarisch. Was das Höchste ist an der naturwissenschaftlichen Denkweise, das erlebt der Techniker im Konstruieren, er erlebt es im Bauen, er erlebt es im Laboratorium. Indem wir die Naturgesetze hineingießen in die äußere Welt, indem wir Technik ausbilden, bringen wir vor allen Dingen unsere Seele heran an das, was zunächst nicht den Geist enthält, das Menschenherz tritt aber an alles heran. Die Menschenseele und der Menschengeist, sie begeben sich in diese Sphäre hinein. Gerade mit dem Empfinden des Technischen muß die Empfindung, muß der Gedanke hinaufgelenkt werden zu dem anderen Pol, zu dem, was als Geistigkeit die Welt durchwallt und durchwebt. Technik ist besonders geeignet, dadurch, daß sie in die äußere Sinneswelt am tiefsten eingreift, nach der anderen Seite, nach der Seite der Geistigkeit hinzuweisen. Ich glaube daher, daß gerade vom angehenden Techniker viel von jener Kraft ausgehen kann, die zum Heranbringen einer geistigen Gesinnung, einer geistigen Weltanschauung für die Entwicklung der Menschheit das Wesentlichste beitragen kann.
[ 25 ] Aus dieser Gesinnung heraus wollte ich zu Ihnen allen diese letzten Worte der gegenwärtigen Veranstaltung gesprochen haben. Sie mögen noch einmal ausklingen in dem herzlichen Dank all denjenigen gegenüber, welche zu dieser Veranstaltung beigetragen haben, in dem herzlichen Dank gegenüber all denjenigen, die dieser Veranstaltung ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben.
[ 25 ] Aus dieser Gesinnung heraus wollte ich zu Ihnen allen diese letzten Worte der gegenwärtigen Veranstaltung gesprochen haben. Sie mögen noch einmal ausklingen in dem herzlichen Dank all denjenigen gegenüber, welche zu dieser Veranstaltung beigetragen haben, in dem herzlichen Dank gegenüber all denjenigen, die dieser Veranstaltung ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben.
