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The Essence of Anthroposophy
GA 77b

21 August 1921, Dornach

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Kunst und Anthroposophie Der Goetheanum-Impuls
  1. Art and Anthroposophy — The Goetheanum Impulse, tr. SOL

1. Eröffnungsvortrag

1. Eröffnungsvortrag

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es obliegt mir, Sie, die Sie sich zusammengefunden haben zu der geistigen Arbeit, die in den nächsten acht Tagen hier im Goetheanum geleistet werden soll, auf das herzlichste zu begrüßen. Daß dieser Gruß wirklich ein herzlicher ist, das werden Sie mir glauben, wenn ich Sie versichere meiner im Innersten lebenden ehrlichen Überzeugung, daß dasjenige, was hier in diesem Goetheanum geleistet werden soll, nicht allein der subjektiven Willkür eines einzelnen Menschen oder einer Menschengruppe entspringen soll, sondern, daß das sein soll die Erfüllung von Forderungen, welche an die Menschheit der Gegenwart für jeden, der das vernehmen kann, von dem Geiste der Zeit selbst gestellt werden. Und ich habe daher nicht nur Sie alle hier zu begrüßen, sondern mit Ihnen allen, die Sie sich zu ehrlicher Arbeit hier vereinigt haben, möchte ich gerade auch diesen Geist unserer Zeit, diesen Geist der Gegenwart begrüßen, der in so deutlicher Art spricht von dem, was als Niedergangskräfte auf den verschiedensten Gebieten des Lebens und der menschlichen Arbeit gegenwärtig vorhanden ist und was ersetzt werden muß durch neue Kräfte aus dem Gemüte, aus dem Herzen, aus den Seelen der Menschen heraus durch neue Kräfte, die nur gefunden werden können, wenn gewisse geistige Quellen des menschlichen Innern gerade in dieser Gegenwart erschlossen werden: Diesen Geist der Zeit, ihn möchte man begrüßen durch alles, was hier in diesem Goetheanum, das selber aus seinen Forderungen heraus seinen Ursprung hat, geleistet werden kann. Aber es steht in der Gegenwart so manches entgegen der Erfüllung dieser Forderung. Es steht entgegen ungeheuer vieles, was da kommt aus einer gewissen Art von innerer menschlicher Bequemlichkeit; es steht entgegen vieles, was da kommt aus einer ganz besonderen Art von menschlicher Furcht. Und endlich steht entgegen vieles, was wurzelt in alten, schwer zu überwindenden Denkgewohnheiten. Und kaum kann jemand in völlig ehrlicher Weise dem Geiste der neueren Zeit seinen Gruß darbieten, der sich nicht klar werden kann über all die Hindernisse, die da liegen in dieser Seelenbequemlichkeit, in dieser geistigen Furcht, in diesen überkommenen Denkgewohnheiten. Man ist so sehr zum Einleben in dasjenige gekommen, was ja an großen, bedeutsamen, echten Früchten der Menschheitsentwickelung die letzten Jahrhunderte gebracht haben, daß man es heute recht unbequem findet, zu irgend etwas Neuem den Übergang zu suchen.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es obliegt mir, Sie, die Sie sich zusammengefunden haben zu der geistigen Arbeit, die in den nächsten acht Tagen hier im Goetheanum geleistet werden soll, auf das herzlichste zu begrüßen. Daß dieser Gruß wirklich ein herzlicher ist, das werden Sie mir glauben, wenn ich Sie versichere meiner im Innersten lebenden ehrlichen Überzeugung, daß dasjenige, was hier in diesem Goetheanum geleistet werden soll, nicht allein der subjektiven Willkür eines einzelnen Menschen oder einer Menschengruppe entspringen soll, sondern, daß das sein soll die Erfüllung von Forderungen, welche an die Menschheit der Gegenwart für jeden, der das vernehmen kann, von dem Geiste der Zeit selbst gestellt werden. Und ich habe daher nicht nur Sie alle hier zu begrüßen, sondern mit Ihnen allen, die Sie sich zu ehrlicher Arbeit hier vereinigt haben, möchte ich gerade auch diesen Geist unserer Zeit, diesen Geist der Gegenwart begrüßen, der in so deutlicher Art spricht von dem, was als Niedergangskräfte auf den verschiedensten Gebieten des Lebens und der menschlichen Arbeit gegenwärtig vorhanden ist und was ersetzt werden muß durch neue Kräfte aus dem Gemüte, aus dem Herzen, aus den Seelen der Menschen heraus durch neue Kräfte, die nur gefunden werden können, wenn gewisse geistige Quellen des menschlichen Innern gerade in dieser Gegenwart erschlossen werden: Diesen Geist der Zeit, ihn möchte man begrüßen durch alles, was hier in diesem Goetheanum, das selber aus seinen Forderungen heraus seinen Ursprung hat, geleistet werden kann. Aber es steht in der Gegenwart so manches entgegen der Erfüllung dieser Forderung. Es steht entgegen ungeheuer vieles, was da kommt aus einer gewissen Art von innerer menschlicher Bequemlichkeit; es steht entgegen vieles, was da kommt aus einer ganz besonderen Art von menschlicher Furcht. Und endlich steht entgegen vieles, was wurzelt in alten, schwer zu überwindenden Denkgewohnheiten. Und kaum kann jemand in völlig ehrlicher Weise dem Geiste der neueren Zeit seinen Gruß darbieten, der sich nicht klar werden kann über all die Hindernisse, die da liegen in dieser Seelenbequemlichkeit, in dieser geistigen Furcht, in diesen überkommenen Denkgewohnheiten. Man ist so sehr zum Einleben in dasjenige gekommen, was ja an großen, bedeutsamen, echten Früchten der Menschheitsentwickelung die letzten Jahrhunderte gebracht haben, daß man es heute recht unbequem findet, zu irgend etwas Neuem den Übergang zu suchen.

[ 2 ] Die Menschheit hat am Ende des Mittelalters den Übergang gefunden von dem Glauben an die äußeren Autoritäten in seelischer Beziehung zu einer gewissen inneren Freiheit. Aber sie ist abhängig geworden gerade in diesen letzten drei bis vier Jahrhunderten von etwas anderem, von allerlei Autoritäten, die sie glaubt in ihrem eigenen Herzen zu tragen, die aber doch im Grunde genommen wiederum nur [äußere] Autoritäten sind. Es ist die unbestimmte, kaum zu fassende Autorität dessen, was man gewöhnt worden ist, die «Wissenschaftlichkeit» zu nennen, und es sind andere äußere Autoritäten, die in den sozialen Einrichtungen liegen, denen sich der Mensch der Gegenwart fügen will, und denen er nur entwachsen kann, wenn er aus ureigenster Initiative heraus, aus völlig menschlicher Freiheit heraus ihnen entwächst, wenn er ihnen in Aktivität entwächst, denen er [aber] so schwer entwachsen kann, weil er doch am liebsten bequem fortsetzen möchte so, wie es die Vorschriften des Wissenschaftlichen oder der äußeren sozialen Einrichtungen ergeben können; er taucht in einer gewissen Weise unter in dasjenige, was die gebräuchliche Erziehung, was der gebräuchliche, allgemeine wissenschaftliche Glaube, die allgemeine Kultur gebracht haben. Er sucht, wie man sagt, seine Stellung in der sozialen Welt und kommt nicht dazu, die ureigenste Initiative des seelischen Lebens, die völlige Freiheit des Innern zu finden. Denn das Letztere ist unbequem: Man kann nicht in den eingelaufenen Bahnen denken, man muß aus diesen Bahnen heraus. Das kann man nur durch inneren Mut, das kann man nur durch innere Initiative, das kann man nur aus einem vollständigen Freiheitsgefühl heraus. Bequem ist es, in ausgelaufenen Bahnen, die durch die Jahrhunderte vorgezeichnet sind, sich zu bewegen. Unbequem ist es, aus innerem Mut, aus innerer Freiheit, aus innerer Initiative heraus dasjenige zu suchen, was aus geistigen Höhen herunter die Forderungen des Geistigen unserer Gegenwart selber sind.

[ 2 ] Die Menschheit hat am Ende des Mittelalters den Übergang gefunden von dem Glauben an die äußeren Autoritäten in seelischer Beziehung zu einer gewissen inneren Freiheit. Aber sie ist abhängig geworden gerade in diesen letzten drei bis vier Jahrhunderten von etwas anderem, von allerlei Autoritäten, die sie glaubt in ihrem eigenen Herzen zu tragen, die aber doch im Grunde genommen wiederum nur [äußere] Autoritäten sind. Es ist die unbestimmte, kaum zu fassende Autorität dessen, was man gewöhnt worden ist, die «Wissenschaftlichkeit» zu nennen, und es sind andere äußere Autoritäten, die in den sozialen Einrichtungen liegen, denen sich der Mensch der Gegenwart fügen will, und denen er nur entwachsen kann, wenn er aus ureigenster Initiative heraus, aus völlig menschlicher Freiheit heraus ihnen entwächst, wenn er ihnen in Aktivität entwächst, denen er [aber] so schwer entwachsen kann, weil er doch am liebsten bequem fortsetzen möchte so, wie es die Vorschriften des Wissenschaftlichen oder der äußeren sozialen Einrichtungen ergeben können; er taucht in einer gewissen Weise unter in dasjenige, was die gebräuchliche Erziehung, was der gebräuchliche, allgemeine wissenschaftliche Glaube, die allgemeine Kultur gebracht haben. Er sucht, wie man sagt, seine Stellung in der sozialen Welt und kommt nicht dazu, die ureigenste Initiative des seelischen Lebens, die völlige Freiheit des Innern zu finden. Denn das Letztere ist unbequem: Man kann nicht in den eingelaufenen Bahnen denken, man muß aus diesen Bahnen heraus. Das kann man nur durch inneren Mut, das kann man nur durch innere Initiative, das kann man nur aus einem vollständigen Freiheitsgefühl heraus. Bequem ist es, in ausgelaufenen Bahnen, die durch die Jahrhunderte vorgezeichnet sind, sich zu bewegen. Unbequem ist es, aus innerem Mut, aus innerer Freiheit, aus innerer Initiative heraus dasjenige zu suchen, was aus geistigen Höhen herunter die Forderungen des Geistigen unserer Gegenwart selber sind.

[ 3 ] Und das Zweite, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist, ich möchte fast sagen eine mysteriöse Furcht, die in der Menschheit der Gegenwart ist. Manches andere an Ängstlichkeit ist in dieser Gegenwart nicht zu finden; aber es ist, als ob die Summe aller Ängstlichkeiten, die im menschlichen Gemüte sich ansammeln könnten, sich summieren würde zu einer gemeinsamen inneren Furcht, der Furcht vor dem Neuen, der Furcht vor den noch unbekannten Aufgangskräften auf allen Gebieten des Seelen- und des äußeren Lebens, die wir brauchen. Aber diese Furcht, sie tritt nicht in ihrer wahren Gestalt auf. Die Menschen der Gegenwart würden sich schämen, wenn diese Furcht auftreten würde in ihrer wahren Gestalt und sie sie zeigen müßten. Diese Furcht tritt maskiert auf. Sie tritt auf in einer Maske, die gar nicht so häßlich erscheint, in einer sogar sehr verführerischen Maske. Sie tritt so auf, daß derjenige, der sich eigentlich bloß fürchtet vor dem Neuen, Unbekannten gegenüber dem Älteren, alle möglichen logischen und intellektuellen Vernunftgründe sucht, durch die er es erhärten kann. Wir erleben es jeden Tag, daß eigentlich in den Seelen der Menschen die Furcht vor dem Neuen, Unbekannten sitzt. Sie kommen und sagen: Dasjenige, was uns da gebracht wird, das widerspricht ja, wie man beweisen kann, den sicheren wissenschaftlichen Ergebnissen. Oftmals tritt ein solcher angeblicher Beweis streng geschlossen auf, so daß man ihm kaum in bezug auf seine Gedankennetze entfliehen kann. Aber diese Gedankennetze, sie sind nichts anderes als die wohlgefällige Maske, in die sich die Furcht vor dem Neuen, Unbekannten kleidet. Und weil es im Grunde genommen so schön ist, sich sagen zu können: Man kann etwas logisch beweisen, es stimmen alle einzelnen Gründe gegen das Neue —, maskiert man auch zu gleicher Zeit, daß man vor dem Neuen Furcht hat, eine Furcht, deren, wenn man sie in ihrer wahren Gestalt zeigte, man sich schämen würde. Gar vieles, was heute mit scheinbar wissenschaftlicher Begründetheit auftritt, mit scheinbar strenger Logik, das ist nichts anderes als die Maske innerer Furcht vor dem Neuen, Unbekannten. Anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, will nichts anderes, als in voller Besonnenheit diese inneren Seelengefahren für den weiteren Fortschritt der gegenwärtigen Zeit eben vor das Seelenauge hinführen.

[ 3 ] Und das Zweite, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist, ich möchte fast sagen eine mysteriöse Furcht, die in der Menschheit der Gegenwart ist. Manches andere an Ängstlichkeit ist in dieser Gegenwart nicht zu finden; aber es ist, als ob die Summe aller Ängstlichkeiten, die im menschlichen Gemüte sich ansammeln könnten, sich summieren würde zu einer gemeinsamen inneren Furcht, der Furcht vor dem Neuen, der Furcht vor den noch unbekannten Aufgangskräften auf allen Gebieten des Seelen- und des äußeren Lebens, die wir brauchen. Aber diese Furcht, sie tritt nicht in ihrer wahren Gestalt auf. Die Menschen der Gegenwart würden sich schämen, wenn diese Furcht auftreten würde in ihrer wahren Gestalt und sie sie zeigen müßten. Diese Furcht tritt maskiert auf. Sie tritt auf in einer Maske, die gar nicht so häßlich erscheint, in einer sogar sehr verführerischen Maske. Sie tritt so auf, daß derjenige, der sich eigentlich bloß fürchtet vor dem Neuen, Unbekannten gegenüber dem Älteren, alle möglichen logischen und intellektuellen Vernunftgründe sucht, durch die er es erhärten kann. Wir erleben es jeden Tag, daß eigentlich in den Seelen der Menschen die Furcht vor dem Neuen, Unbekannten sitzt. Sie kommen und sagen: Dasjenige, was uns da gebracht wird, das widerspricht ja, wie man beweisen kann, den sicheren wissenschaftlichen Ergebnissen. Oftmals tritt ein solcher angeblicher Beweis streng geschlossen auf, so daß man ihm kaum in bezug auf seine Gedankennetze entfliehen kann. Aber diese Gedankennetze, sie sind nichts anderes als die wohlgefällige Maske, in die sich die Furcht vor dem Neuen, Unbekannten kleidet. Und weil es im Grunde genommen so schön ist, sich sagen zu können: Man kann etwas logisch beweisen, es stimmen alle einzelnen Gründe gegen das Neue —, maskiert man auch zu gleicher Zeit, daß man vor dem Neuen Furcht hat, eine Furcht, deren, wenn man sie in ihrer wahren Gestalt zeigte, man sich schämen würde. Gar vieles, was heute mit scheinbar wissenschaftlicher Begründetheit auftritt, mit scheinbar strenger Logik, das ist nichts anderes als die Maske innerer Furcht vor dem Neuen, Unbekannten. Anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, will nichts anderes, als in voller Besonnenheit diese inneren Seelengefahren für den weiteren Fortschritt der gegenwärtigen Zeit eben vor das Seelenauge hinführen.

[ 4 ] Und das Dritte ist das Verharren in jenen Denkgewohnheiten, die heraufgebracht worden sind seit den letzten drei, vier, fünf Jahrhunderten, wahrhaftig nicht aus wertlosen Quellen; sie sind heraufgekommen aus demjenigen, was seit der Galilei-Zeit in strenger Wissenschaftlichkeit sich wirklich entwickelt hat, was im 19. Jahrhundert eine gewisse Kulmination erfahren hat. Strenge innere Disziplinen, Disziplinen des äußeren Beobachtens und Experimentierens sind über die Menschheit gekommen; sie haben den Geist ihres Wirkens und Arbeitens bis in die untersten Schulen herein ergossen. Aber damit sind auch jene Denkgewohnheiten heraufgezogen, welche — weil sie im Grunde genommen so leicht errungen werden, wenn auch die Methoden strenge sind — sich auch am intensivsten in die menschlichen Seelen einwurzeln, jene Denkgewohnheiten, die wir überall heute finden, wo wir irgendein Gespräch über Wissenschaft und über den Glauben, über die Kunst, über den Fortschritt der Menschheit, über das soziale Leben hören. Und mit dem äußeren Leben hängen diese Denkgewohnheiten ja auf das Innigste zusammen. Der Mensch hat in einer großartigen Weise gelernt, technisch mit dem äußeren Leben fertig zu werden, gerade durch diese Denkgewohnheiten. Daher haben sich diese Denkgewohnheiten auch am intensivsten verbunden mit dem Egoismus, mit all dem, was ihn, diesen Menschen, hereingetragen hat in das moderne soziale Leben. Und so erscheinen diese Denkgewohnheiten, die doch nur das Entwickelungsprodukt der letzten vier bis fünf Jahrhunderte sind, dem heutigen Menschen wie etwas, was zum Denken in aller Absolutheit selber hinführt. Und während der Mensch, schon wenn er gewisse Gewohnheiten sich angeeignet hat, an diesen Gewohnheiten so hängt, daß er aus einem unbewußten Glauben heraus meint, wenn er diese Gewohnheiten ablege, so verliere er einen Teil seines eigenen Wesens, so ist es mit den Denkgewohnheiten noch viel schlimmer, mit jenen Denkgewohnheiten insbesondere, die sich in der neuesten Epoche innerhalb der Menschheit gebildet haben. Der Mensch sieht dasjenige, was nur Denkgewohnheit ist, als das eigentliche Wesen des Denkens selber an. Und da er mit Recht glaubt, daß das Denken zusammenhängt mit dem tiefsten Wesen des Menschen, so hängt er an diesen Denkgewohnheiten so, weil er glaubt, es sei das einzig richtige Denken und meint, sein Selbst, seine menschliche Wesenheit mit diesen Denkgewohnheiten zu verlieren. Er glaubt, allen Boden einer Weltanschauung, einer Lebensauffassung unter den Füßen verlieren zu müssen, wenn er von diesen Denkgewohnheiten abläßt. Und er hat oftmals nicht einmal eine Ahnung davon, wie sehr er das Opfer dieser Denkgewohnheiten der letzten vier bis fünf Jahrhunderte geworden ist, von Denkgewohnheiten, die ebenso überwunden werden müssen wie die Denkgewohnheiten älterer Epochen überwunden worden sind.

[ 4 ] Und das Dritte ist das Verharren in jenen Denkgewohnheiten, die heraufgebracht worden sind seit den letzten drei, vier, fünf Jahrhunderten, wahrhaftig nicht aus wertlosen Quellen; sie sind heraufgekommen aus demjenigen, was seit der Galilei-Zeit in strenger Wissenschaftlichkeit sich wirklich entwickelt hat, was im 19. Jahrhundert eine gewisse Kulmination erfahren hat. Strenge innere Disziplinen, Disziplinen des äußeren Beobachtens und Experimentierens sind über die Menschheit gekommen; sie haben den Geist ihres Wirkens und Arbeitens bis in die untersten Schulen herein ergossen. Aber damit sind auch jene Denkgewohnheiten heraufgezogen, welche — weil sie im Grunde genommen so leicht errungen werden, wenn auch die Methoden strenge sind — sich auch am intensivsten in die menschlichen Seelen einwurzeln, jene Denkgewohnheiten, die wir überall heute finden, wo wir irgendein Gespräch über Wissenschaft und über den Glauben, über die Kunst, über den Fortschritt der Menschheit, über das soziale Leben hören. Und mit dem äußeren Leben hängen diese Denkgewohnheiten ja auf das Innigste zusammen. Der Mensch hat in einer großartigen Weise gelernt, technisch mit dem äußeren Leben fertig zu werden, gerade durch diese Denkgewohnheiten. Daher haben sich diese Denkgewohnheiten auch am intensivsten verbunden mit dem Egoismus, mit all dem, was ihn, diesen Menschen, hereingetragen hat in das moderne soziale Leben. Und so erscheinen diese Denkgewohnheiten, die doch nur das Entwickelungsprodukt der letzten vier bis fünf Jahrhunderte sind, dem heutigen Menschen wie etwas, was zum Denken in aller Absolutheit selber hinführt. Und während der Mensch, schon wenn er gewisse Gewohnheiten sich angeeignet hat, an diesen Gewohnheiten so hängt, daß er aus einem unbewußten Glauben heraus meint, wenn er diese Gewohnheiten ablege, so verliere er einen Teil seines eigenen Wesens, so ist es mit den Denkgewohnheiten noch viel schlimmer, mit jenen Denkgewohnheiten insbesondere, die sich in der neuesten Epoche innerhalb der Menschheit gebildet haben. Der Mensch sieht dasjenige, was nur Denkgewohnheit ist, als das eigentliche Wesen des Denkens selber an. Und da er mit Recht glaubt, daß das Denken zusammenhängt mit dem tiefsten Wesen des Menschen, so hängt er an diesen Denkgewohnheiten so, weil er glaubt, es sei das einzig richtige Denken und meint, sein Selbst, seine menschliche Wesenheit mit diesen Denkgewohnheiten zu verlieren. Er glaubt, allen Boden einer Weltanschauung, einer Lebensauffassung unter den Füßen verlieren zu müssen, wenn er von diesen Denkgewohnheiten abläßt. Und er hat oftmals nicht einmal eine Ahnung davon, wie sehr er das Opfer dieser Denkgewohnheiten der letzten vier bis fünf Jahrhunderte geworden ist, von Denkgewohnheiten, die ebenso überwunden werden müssen wie die Denkgewohnheiten älterer Epochen überwunden worden sind.

[ 5 ] Nur dann, wenn einem die ganze Größe der Aufgabe vor der Seele steht, die sich ergibt aus der Überwindung innerer seelischer Bequemlichkeit, geistiger Furcht und den Denkgewohnheiten, wird man im rechten Sinne den Weg finden zu derjenigen Stätte, an der in vernehmlicher Sprache der Geist der Gegenwart sprechen will von den Forderungen, die notwendig sind, damit nicht die Niedergangskräfte den Sieg über die Aufgangskräfte davontragen. Sie haben die Menschheit eben heruntergeführt in das Chaos. Und dieser Geist der Zeit, er spricht ganz deutlich davon, daß gesucht werden müsse von den Menschen eine Erkenntnis, eine Anschauung von dem Übersinnlichen, von dem Unvergänglichen, von dem Ewigen, gegenüber dem Sinnlichen, Vergänglichen, dem Zeitlichen. Gerade dasjenige, was sich so eingewurzelt hat in die Seelengewohnheiten, in die Denkgewohnheiten der neueren Zeit, gerade das, meine sehr verehrten Anwesenden, hängt immer zusammen mit einer Hiinneigung des Menschen zu dem Vergänglichen, zu dem Zeitlichen, zu dem Sinnlichen.

[ 5 ] Nur dann, wenn einem die ganze Größe der Aufgabe vor der Seele steht, die sich ergibt aus der Überwindung innerer seelischer Bequemlichkeit, geistiger Furcht und den Denkgewohnheiten, wird man im rechten Sinne den Weg finden zu derjenigen Stätte, an der in vernehmlicher Sprache der Geist der Gegenwart sprechen will von den Forderungen, die notwendig sind, damit nicht die Niedergangskräfte den Sieg über die Aufgangskräfte davontragen. Sie haben die Menschheit eben heruntergeführt in das Chaos. Und dieser Geist der Zeit, er spricht ganz deutlich davon, daß gesucht werden müsse von den Menschen eine Erkenntnis, eine Anschauung von dem Übersinnlichen, von dem Unvergänglichen, von dem Ewigen, gegenüber dem Sinnlichen, Vergänglichen, dem Zeitlichen. Gerade dasjenige, was sich so eingewurzelt hat in die Seelengewohnheiten, in die Denkgewohnheiten der neueren Zeit, gerade das, meine sehr verehrten Anwesenden, hängt immer zusammen mit einer Hiinneigung des Menschen zu dem Vergänglichen, zu dem Zeitlichen, zu dem Sinnlichen.

[ 6 ] Damit wird gar kein Tadel geworfen auf dieses Zeitliche, Vergängliche. Damit wird auch in bezug auf dieses Zeitliche und Vergängliche keine billige Kritik ausgeübt. Es wird durchaus gerade dann, wenn man auf dem Boden anthroposophischer Geisteswissenschaft steht, voll anerkannt, daß die Menschheit es einmal durchmachen mußte, was darinnen liegt, eine Weltanschauung zu haben, die gründlich eingeht auf das Vergängliche, auf das Zeitliche. Anerkannt wird, wie zum Beispiel die Größe des 19. Jahrhunderts darauf beruht, daß der Mensch durchschauen lernte, mit den strengsten Anschauungen durchschauen lernte das Wesen des Vergänglichen, das Wesen des Zeitlichen. Aber schlimm müßte es um die Menschheit stehen, wenn nicht wiederum geschaut würde über dem Vergänglichen und über dem Zeitlichen das Ewige, das Unvergängliche. Aber dieses Ewige, dieses Unvergängliche, es kann nicht geschaut werden mit denjenigen Kräften der Seele, die sehr, sehr dienlich waren der Forschung im Vergänglichen und in dem Zeitlichen. Diese Kräfte der Seele, die intellektualistischen Kräfte, die Kräfte des abstrakten Verstandes und der experimentellen Forschung, sie haben die letzten Jahrhunderte bis zum Höhepunkt ausgebildet. Ausgebildet haben diese letzten Jahrhunderte damit in den Menschen allerdings auch alles dasjenige, was zum Freiheitsgefühl, zum Erwachen der inneren menschlichen Persönlichkeitswerte hat führen können. Aber dasjenige, was man in der eigenen menschlichen Seele entwickelt, wenn man sich nur an der äußerlichen Vergänglichkeit und dem zeitlichen Wesen heranerzieht, das dringt nicht innerlich zum vollen Menschenwesen, und so hat der Mensch in einer gewissen Weise in seinem neuesten Aufstiege gerade das verloren, was mit seinem eigensten Menschenwesen zusammenhängt.

[ 6 ] Damit wird gar kein Tadel geworfen auf dieses Zeitliche, Vergängliche. Damit wird auch in bezug auf dieses Zeitliche und Vergängliche keine billige Kritik ausgeübt. Es wird durchaus gerade dann, wenn man auf dem Boden anthroposophischer Geisteswissenschaft steht, voll anerkannt, daß die Menschheit es einmal durchmachen mußte, was darinnen liegt, eine Weltanschauung zu haben, die gründlich eingeht auf das Vergängliche, auf das Zeitliche. Anerkannt wird, wie zum Beispiel die Größe des 19. Jahrhunderts darauf beruht, daß der Mensch durchschauen lernte, mit den strengsten Anschauungen durchschauen lernte das Wesen des Vergänglichen, das Wesen des Zeitlichen. Aber schlimm müßte es um die Menschheit stehen, wenn nicht wiederum geschaut würde über dem Vergänglichen und über dem Zeitlichen das Ewige, das Unvergängliche. Aber dieses Ewige, dieses Unvergängliche, es kann nicht geschaut werden mit denjenigen Kräften der Seele, die sehr, sehr dienlich waren der Forschung im Vergänglichen und in dem Zeitlichen. Diese Kräfte der Seele, die intellektualistischen Kräfte, die Kräfte des abstrakten Verstandes und der experimentellen Forschung, sie haben die letzten Jahrhunderte bis zum Höhepunkt ausgebildet. Ausgebildet haben diese letzten Jahrhunderte damit in den Menschen allerdings auch alles dasjenige, was zum Freiheitsgefühl, zum Erwachen der inneren menschlichen Persönlichkeitswerte hat führen können. Aber dasjenige, was man in der eigenen menschlichen Seele entwickelt, wenn man sich nur an der äußerlichen Vergänglichkeit und dem zeitlichen Wesen heranerzieht, das dringt nicht innerlich zum vollen Menschenwesen, und so hat der Mensch in einer gewissen Weise in seinem neuesten Aufstiege gerade das verloren, was mit seinem eigensten Menschenwesen zusammenhängt.

[ 7 ] Leicht wird man nun einwenden können: Also führt aus dem erprobten, äußerlich praktischen Weltwesen die anthroposophische Geisteswissenschaft, der Goetheanismus, hinweg in schwindelnde, bodenlose Wolkenkuckucksheime, in dasjenige, was sich abseits von der strengen Methodik der letzten Jahrhunderte zu phantastischen Höhen erheben möchte. Man will vergessen und verschlafen hier — so könnte man einwenden — in diesem Goetheanum alles dasjenige, was die Galilei-Zeit gebracht hat, und man will sich zurückträumen in das Ewige etwa auf platonische Art. Man will in der Ideenwelt Platos schwärmen von einem Ewigen, Unvergänglichen, weil man nicht die Geduld hat, sich einzulassen auf dasjenige, was in bezug auf die wirkliche äußere Welt an Errungenschaften die letzten Jahrhunderte gebracht haben. Aber man lerne sie nur wirklich und ohne Vorurteile kennen, diese Anthroposophie, wie sie hier gepflegt werden will in diesem Goetheanum, und man wird finden, daß man hier nicht mit einem leichtfertigen Überspringen des Galileismus in eine erträumte platonische Welt sich flüchten will, sondern daß man hier alles dasjenige will, was der Mensch erringen kann in wirklicher Einsicht in diese äußere vergängliche Sinneswelt, was er gewinnen kann an äußerer Lebenspraxis, daß man den Galileismus voll in sich aufnehmen will, um seine Strenge, seine Disziplin hinaufzutragen in jene Höhen, in die Plato ohne diese moderne Kultur sich hinaufbegeben durfte. Plato lebte in seiner Ideenwelt, die ihm eben eine lebendige war, er konnte es aus den Kräften seiner Zeitepoche heraus, noch ohne den Galileismus. Wir müßten ins Bodenlose kommen, in Schwärmerei, in Phantastik, wenn wir ohne die Vorstufen desjenigen, was uns die Galilei-, die Kopernikus-, die Keplerzeit, die Giordano Bruno-Zeit gebracht hat, in die platonische Höhenwelt träumend uns begeben würden. Man lerne deshalb nur kennen, was die hier gemeinte Anthroposophie will, dann wird man ihr nicht vorwerfen, daß sie in phantastischer Weise schwärmend in eine platonische Ideenwelt sich vom Leben hinweg wenden möchte. Nein, sie möchte gerade aus dem Geist heraus die Kräfte voller Wirklichkeit schöpfen, um praktisch einzudringen in das wirkliche praktische Leben. Und ebenso wenig, wie der Außenwelt gegenüber die hier gemeinte Anthroposophie schwärmen und träumen will, ebenso wenig will sie in das Innere des Menschen so hineinführen, daß der Mensch als Mystiker ein Einsiedler des Lebens werde, daß er wie ein Eremit sich hinwegstehlen möchte von alle dem, was seine Aufgabe ist im wirklichen äußeren praktischen Leben.

[ 7 ] Leicht wird man nun einwenden können: Also führt aus dem erprobten, äußerlich praktischen Weltwesen die anthroposophische Geisteswissenschaft, der Goetheanismus, hinweg in schwindelnde, bodenlose Wolkenkuckucksheime, in dasjenige, was sich abseits von der strengen Methodik der letzten Jahrhunderte zu phantastischen Höhen erheben möchte. Man will vergessen und verschlafen hier — so könnte man einwenden — in diesem Goetheanum alles dasjenige, was die Galilei-Zeit gebracht hat, und man will sich zurückträumen in das Ewige etwa auf platonische Art. Man will in der Ideenwelt Platos schwärmen von einem Ewigen, Unvergänglichen, weil man nicht die Geduld hat, sich einzulassen auf dasjenige, was in bezug auf die wirkliche äußere Welt an Errungenschaften die letzten Jahrhunderte gebracht haben. Aber man lerne sie nur wirklich und ohne Vorurteile kennen, diese Anthroposophie, wie sie hier gepflegt werden will in diesem Goetheanum, und man wird finden, daß man hier nicht mit einem leichtfertigen Überspringen des Galileismus in eine erträumte platonische Welt sich flüchten will, sondern daß man hier alles dasjenige will, was der Mensch erringen kann in wirklicher Einsicht in diese äußere vergängliche Sinneswelt, was er gewinnen kann an äußerer Lebenspraxis, daß man den Galileismus voll in sich aufnehmen will, um seine Strenge, seine Disziplin hinaufzutragen in jene Höhen, in die Plato ohne diese moderne Kultur sich hinaufbegeben durfte. Plato lebte in seiner Ideenwelt, die ihm eben eine lebendige war, er konnte es aus den Kräften seiner Zeitepoche heraus, noch ohne den Galileismus. Wir müßten ins Bodenlose kommen, in Schwärmerei, in Phantastik, wenn wir ohne die Vorstufen desjenigen, was uns die Galilei-, die Kopernikus-, die Keplerzeit, die Giordano Bruno-Zeit gebracht hat, in die platonische Höhenwelt träumend uns begeben würden. Man lerne deshalb nur kennen, was die hier gemeinte Anthroposophie will, dann wird man ihr nicht vorwerfen, daß sie in phantastischer Weise schwärmend in eine platonische Ideenwelt sich vom Leben hinweg wenden möchte. Nein, sie möchte gerade aus dem Geist heraus die Kräfte voller Wirklichkeit schöpfen, um praktisch einzudringen in das wirkliche praktische Leben. Und ebenso wenig, wie der Außenwelt gegenüber die hier gemeinte Anthroposophie schwärmen und träumen will, ebenso wenig will sie in das Innere des Menschen so hineinführen, daß der Mensch als Mystiker ein Einsiedler des Lebens werde, daß er wie ein Eremit sich hinwegstehlen möchte von alle dem, was seine Aufgabe ist im wirklichen äußeren praktischen Leben.

[ 8 ] Anthroposophie weiß sehr gut, daß Methoden, etwa wie sie in Indien gepflegt worden sind, wie etwa die Yoga-Methode, ihre Zeit vorüber haben; sie weiß ganz gut, daß derjenige, der mit völligem Mißverstehen des Geistes der neueren Zeit sich in alte mystische Systeme zurückbegeben will, daß der nach etwas strebt, was hier gerade vermieden werden soll. Er strebt nach einer gewissen Mystik, von der man nichts anderes als das folgende sagen kann.

[ 8 ] Anthroposophie weiß sehr gut, daß Methoden, etwa wie sie in Indien gepflegt worden sind, wie etwa die Yoga-Methode, ihre Zeit vorüber haben; sie weiß ganz gut, daß derjenige, der mit völligem Mißverstehen des Geistes der neueren Zeit sich in alte mystische Systeme zurückbegeben will, daß der nach etwas strebt, was hier gerade vermieden werden soll. Er strebt nach einer gewissen Mystik, von der man nichts anderes als das folgende sagen kann.

[ 9 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, es gibt eine Oberflächlichkeit gegenüber der äußeren Welt, die niemals eingehen will auf die wirklichen Tatsachen, die die feineren Gliederungen der Tatsachen nicht verfolgen will, die, ich möchte sagen, in großen Maschen das Leben willkürlich genießen will nach außen hin. Es gibt eine solche Oberflächlichkeit nach außen hin; aber es gibt auch eine Oberflächlichkeit des Herzens. Das ist jene OberflächJichkeit, welche ohne gründliches Erleben der inneren menschlichen Geheimnisse nur immer und immer davon spricht, man solle sich zurückziehen von der Erfassung der Außenwelt, man solle Innerlichstes pflegen. Ein solches mystisches Streben, wie es gerade heute seinen Einzug hält in vielen Kreisen, entspricht nicht den Forderungen des Geistes der Zeit, sondern es fügt hinzu zu der äußeren Oberflächlichkeit die Oberflächlichkeit des Herzens. Und in vielen Kreisen, die sich heute besonders mystisch erhaben dünken, lebt nichts anderes als jene Mystik, die innere Seelenoberflächlichkeit ist. Mit dieser Seelenoberflächlichkeit dringt man nicht ein in die ewigen Geheimnisse des Lebens. In diese dringt man nur ein, wenn man die Geduld dazu hat, die in der Seele schlummernden Kräfte wirklich zu erwecken oder wenigstens sich gedanklich auf dasjenige einzulassen, was die in der Seele schlummernden Kräfte von Stufe zu Stufe finden können. Nur in der Überwindung der Oberflächlichkeit des Herzens, in der Überwindung dieser oberflächlichen Mystik liegt die Möglichkeit, diejenigen Kräfte der Seele zu finden, die in der vorhin angedeuteten rechten Weise hinaufführen von dem Zeitlichen, von dem Vergänglichen in das Ewige, in das Unvergängliche. Das aber, auf eine solche Weise erfaßt, ist dann wirklich in der Lage, befruchtend zu wirken auf die verschiedensten Gebiete des heutigen Lebens. Und diese Befruchtung — wir brauchen sie. Wir haben eine großartige Wissenschaft, welche sich aus Intellektualismus heraus und aus äußerer Beobachtung des äußeren Verlaufes der Dinge bemächtigt hat. Wir brauchen ein Aufrücken von dieser Sinneswissenschaft zu einer Geisteswissenschaft, das in derselben Art vollzogen wird, wie eben das Streben nach Sinneswissenschaft. Wie wenn sie immer Rechenschaft ablegen müßte vor den strengen Methoden und Disziplinen der äußeren Sinneswissenschaft, so möchte die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft das heutige wissenschaftliche Leben überhaupt befruchten.

[ 9 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, es gibt eine Oberflächlichkeit gegenüber der äußeren Welt, die niemals eingehen will auf die wirklichen Tatsachen, die die feineren Gliederungen der Tatsachen nicht verfolgen will, die, ich möchte sagen, in großen Maschen das Leben willkürlich genießen will nach außen hin. Es gibt eine solche Oberflächlichkeit nach außen hin; aber es gibt auch eine Oberflächlichkeit des Herzens. Das ist jene OberflächJichkeit, welche ohne gründliches Erleben der inneren menschlichen Geheimnisse nur immer und immer davon spricht, man solle sich zurückziehen von der Erfassung der Außenwelt, man solle Innerlichstes pflegen. Ein solches mystisches Streben, wie es gerade heute seinen Einzug hält in vielen Kreisen, entspricht nicht den Forderungen des Geistes der Zeit, sondern es fügt hinzu zu der äußeren Oberflächlichkeit die Oberflächlichkeit des Herzens. Und in vielen Kreisen, die sich heute besonders mystisch erhaben dünken, lebt nichts anderes als jene Mystik, die innere Seelenoberflächlichkeit ist. Mit dieser Seelenoberflächlichkeit dringt man nicht ein in die ewigen Geheimnisse des Lebens. In diese dringt man nur ein, wenn man die Geduld dazu hat, die in der Seele schlummernden Kräfte wirklich zu erwecken oder wenigstens sich gedanklich auf dasjenige einzulassen, was die in der Seele schlummernden Kräfte von Stufe zu Stufe finden können. Nur in der Überwindung der Oberflächlichkeit des Herzens, in der Überwindung dieser oberflächlichen Mystik liegt die Möglichkeit, diejenigen Kräfte der Seele zu finden, die in der vorhin angedeuteten rechten Weise hinaufführen von dem Zeitlichen, von dem Vergänglichen in das Ewige, in das Unvergängliche. Das aber, auf eine solche Weise erfaßt, ist dann wirklich in der Lage, befruchtend zu wirken auf die verschiedensten Gebiete des heutigen Lebens. Und diese Befruchtung — wir brauchen sie. Wir haben eine großartige Wissenschaft, welche sich aus Intellektualismus heraus und aus äußerer Beobachtung des äußeren Verlaufes der Dinge bemächtigt hat. Wir brauchen ein Aufrücken von dieser Sinneswissenschaft zu einer Geisteswissenschaft, das in derselben Art vollzogen wird, wie eben das Streben nach Sinneswissenschaft. Wie wenn sie immer Rechenschaft ablegen müßte vor den strengen Methoden und Disziplinen der äußeren Sinneswissenschaft, so möchte die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft das heutige wissenschaftliche Leben überhaupt befruchten.

[ 10 ] Andere Zweige des Lebens, sie zeigen zuweilen geradezu eine Unmöglichkeit, von der gewöhnlichen Wissenschaft in ihrer heutigen Gestalt befruchtet zu werden. Dasjenige, was an Intellektualismus, an abstrakten Begriffen die neuere Zeit heraufgebracht hat — der Künstler meidet es; der Künstler glaubt gerade, daß ihm die ganze elementarere Macht und Gewalt seines künstlerischen Erlebens genommen werde, wenn diese Wissenschaft ihren Mehltau in sein Herz hineinergießt, wenn er versuchen wollte, mit Hilfe der heute gebräuchlichen Wissenschaft sich zu vertiefen in das, was sein künstlerisches Erlebnis ist. Und so kommen denn viele Leute und sagen: Ja, Geisteswissenschaft will auch das künstlerische Leben befruchten, aber wir verstehen, wie zerstörerisch wissenschaftliches Leben auf künstlerisches Leben wirkt. — So spricht man nur so lange, solange man nicht weiß, wie innig verwandt dasjenige dem künstlerischen Erleben ist, was die Seele des wahren Geisteswissenschafters durchmachen muß, um in die Gebiete zu kommen, wo Geist und Seele wirklich leben: auf diesem Wege begegnet man demjenigen, was künstlerisches Erlebnis ist. Auf diesem Wege muß man nicht nachdenken, da muß man gestalten, da muß man sich verbinden mit demjenigen, was lebt und leibt im Wesen der Dinge, was das Geheimnis der Dinge ausmacht. Und Seelenkräfte werden aus dem Inneren entbunden von der gleichen Anschaulichkeit, von der unmittelbar wirksamen Gegenwart, wie sie im künstlerischen Erlebnis leben. Und lernt man nur erst das außerordentlich Lebendige, lernt man nur erst das Schaffend-Gestaltende der Geisteswissenschaft kennen, dann wird man einsehen, daß diese Geisteswissenschaft nicht abstrakte Begriffe bringt, sondern unmittelbar innere Lebensimpulse, die wieder hinaufdringen zu denjenigen geistigen Regionen, aus denen der Künstler doch schöpfen muß, wenn er nicht in überflüssiger Weise die bloße äußere Natur nachahmen will und dadurch eben einem überflüssigen Naturalismus verfallen müßte. Innig verwandt ist dasjenige, was der Geisteswissenschafter durchzumachen hat mit demjenigen, was der Künstler durchzumachen hat. Und was dem Künstler die Phantasie gestaltet, das gestaltet sich dem Geistesforscher in der übersinnlichen Anschauung. Zwei verschiedene Wege, auf denen man sich gut verstehen kann, wie manche es in älteren Zeiten verstanden haben, diejenigen etwa, die aus einem tiefen Erfühlen von Weltgeheimnissen heraus etwa so etwas vor ihre Seele hingestellt haben, wie es dann durch Raffael in der Sixtinischen Madonna lebt, wie es in Leonardos Abendmahl lebt. Wiederum müssen wir in Regionen des geistigen Lebens, aber im Sinne der neueren Zeit, der modernen Zeit, gelangen, damit wir auch auf künstlerischem Gebiete wiederum etwas haben, was nicht bloß Nachahmen der Natur ist. Denn Nachahmung der Natur, die gelingt keinem. Dasjenige, was man der Natur nachahmen will, das kann die Natur immer noch besser machen. Erst dann findet man den Weg zur Kunst, wenn man den Weg hin zum Geiste findet.

[ 10 ] Andere Zweige des Lebens, sie zeigen zuweilen geradezu eine Unmöglichkeit, von der gewöhnlichen Wissenschaft in ihrer heutigen Gestalt befruchtet zu werden. Dasjenige, was an Intellektualismus, an abstrakten Begriffen die neuere Zeit heraufgebracht hat — der Künstler meidet es; der Künstler glaubt gerade, daß ihm die ganze elementarere Macht und Gewalt seines künstlerischen Erlebens genommen werde, wenn diese Wissenschaft ihren Mehltau in sein Herz hineinergießt, wenn er versuchen wollte, mit Hilfe der heute gebräuchlichen Wissenschaft sich zu vertiefen in das, was sein künstlerisches Erlebnis ist. Und so kommen denn viele Leute und sagen: Ja, Geisteswissenschaft will auch das künstlerische Leben befruchten, aber wir verstehen, wie zerstörerisch wissenschaftliches Leben auf künstlerisches Leben wirkt. — So spricht man nur so lange, solange man nicht weiß, wie innig verwandt dasjenige dem künstlerischen Erleben ist, was die Seele des wahren Geisteswissenschafters durchmachen muß, um in die Gebiete zu kommen, wo Geist und Seele wirklich leben: auf diesem Wege begegnet man demjenigen, was künstlerisches Erlebnis ist. Auf diesem Wege muß man nicht nachdenken, da muß man gestalten, da muß man sich verbinden mit demjenigen, was lebt und leibt im Wesen der Dinge, was das Geheimnis der Dinge ausmacht. Und Seelenkräfte werden aus dem Inneren entbunden von der gleichen Anschaulichkeit, von der unmittelbar wirksamen Gegenwart, wie sie im künstlerischen Erlebnis leben. Und lernt man nur erst das außerordentlich Lebendige, lernt man nur erst das Schaffend-Gestaltende der Geisteswissenschaft kennen, dann wird man einsehen, daß diese Geisteswissenschaft nicht abstrakte Begriffe bringt, sondern unmittelbar innere Lebensimpulse, die wieder hinaufdringen zu denjenigen geistigen Regionen, aus denen der Künstler doch schöpfen muß, wenn er nicht in überflüssiger Weise die bloße äußere Natur nachahmen will und dadurch eben einem überflüssigen Naturalismus verfallen müßte. Innig verwandt ist dasjenige, was der Geisteswissenschafter durchzumachen hat mit demjenigen, was der Künstler durchzumachen hat. Und was dem Künstler die Phantasie gestaltet, das gestaltet sich dem Geistesforscher in der übersinnlichen Anschauung. Zwei verschiedene Wege, auf denen man sich gut verstehen kann, wie manche es in älteren Zeiten verstanden haben, diejenigen etwa, die aus einem tiefen Erfühlen von Weltgeheimnissen heraus etwa so etwas vor ihre Seele hingestellt haben, wie es dann durch Raffael in der Sixtinischen Madonna lebt, wie es in Leonardos Abendmahl lebt. Wiederum müssen wir in Regionen des geistigen Lebens, aber im Sinne der neueren Zeit, der modernen Zeit, gelangen, damit wir auch auf künstlerischem Gebiete wiederum etwas haben, was nicht bloß Nachahmen der Natur ist. Denn Nachahmung der Natur, die gelingt keinem. Dasjenige, was man der Natur nachahmen will, das kann die Natur immer noch besser machen. Erst dann findet man den Weg zur Kunst, wenn man den Weg hin zum Geiste findet.

[ 11 ] Und sehen wir auf ein anderes Gebiet, in dem zu einer wirklichen inneren Menschheitstragik bei vielen einzelnen menschlichen Persönlichkeiten das neuere Leben geführt hat, sehen wir, wie auf religiösem Gebiete jene Tiefe abhanden gekommen ist, die man braucht zu einem wirklichen Erringen des Religiösen. Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, soll nicht etwa eine neue Religionsbegründung sein! Sagt man das, so verleumdet man sie. Denn nicht eine neue Religion brauchen wir; dasjenige, was wir brauchen, ist eine Vertiefung der religiösen Impulse im Menschenherzen, in der Menschenseele, die aber kann gefunden werden dadurch, daß der Mensch wiederum die Wege zum geistigen Wesen der Welt findet. So wie die Wissenschaft, wie die Kunst durch die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft befruchtet werden können, so kann durch sie das religiöse Leben vertieft werden. Und ich glaube, ich brauche gar nicht davon zu sprechen für all diejenigen, die über das unmittelbar Alltägliche nur ein wenig hinaussehen, wie wir in dem sozialen Dasein der zivilisierten Welt in ein Chaos hineingekommen sind, das wahrhaftig droht, mit jedem Jahre größer zu werden, das heute schon schreckensvoll genug ist. An allerlei Spekulationen, wie man diese oder jene Einrichtung treffen soll, was man tun soll von Staat zu Staat, von Volk zu Volk, hat es uns aus den alten Anschauungen allerdings nicht gefehlt. Über so etwas ist viel und oft gesprochen worden, nirgends aber gibt es eine Aussicht, daß in durchgreifender Weise das soziale Chaos einem besseren Lichte entgegengehen könnte.

[ 11 ] Und sehen wir auf ein anderes Gebiet, in dem zu einer wirklichen inneren Menschheitstragik bei vielen einzelnen menschlichen Persönlichkeiten das neuere Leben geführt hat, sehen wir, wie auf religiösem Gebiete jene Tiefe abhanden gekommen ist, die man braucht zu einem wirklichen Erringen des Religiösen. Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, soll nicht etwa eine neue Religionsbegründung sein! Sagt man das, so verleumdet man sie. Denn nicht eine neue Religion brauchen wir; dasjenige, was wir brauchen, ist eine Vertiefung der religiösen Impulse im Menschenherzen, in der Menschenseele, die aber kann gefunden werden dadurch, daß der Mensch wiederum die Wege zum geistigen Wesen der Welt findet. So wie die Wissenschaft, wie die Kunst durch die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft befruchtet werden können, so kann durch sie das religiöse Leben vertieft werden. Und ich glaube, ich brauche gar nicht davon zu sprechen für all diejenigen, die über das unmittelbar Alltägliche nur ein wenig hinaussehen, wie wir in dem sozialen Dasein der zivilisierten Welt in ein Chaos hineingekommen sind, das wahrhaftig droht, mit jedem Jahre größer zu werden, das heute schon schreckensvoll genug ist. An allerlei Spekulationen, wie man diese oder jene Einrichtung treffen soll, was man tun soll von Staat zu Staat, von Volk zu Volk, hat es uns aus den alten Anschauungen allerdings nicht gefehlt. Über so etwas ist viel und oft gesprochen worden, nirgends aber gibt es eine Aussicht, daß in durchgreifender Weise das soziale Chaos einem besseren Lichte entgegengehen könnte.

[ 12 ] Muß das nicht darauf hinweisen, wie nötig es ist, daß zu sozialem Leben die einzelnen Menschen finden, jene einzelnen Menschen, die die Wege bis zu jenem Innersten der menschlichen Seele finden, aus dem heraus Verständnis gefunden werden kann für dasjenige, was Zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk, zwischen Rasse und Rasse notwendig ist! Erst dann, wenn das soziale Leben in geistiger Klarheit in jedem einzelnen Individuum aufgeht, wird das Zeitalter des Individualismus auch ein soziales Zeitalter werden können. Aber nicht dadurch, daß man zum Beispiel schöne Phrasen zimmert über eine Vertiefung des menschlichen Innern, über allerlei soziale Impulse, die der Mensch sich anerziehen soll, kommt man dazu, in der menschlichen Individualität diese sozialen Impulse, diese sozialen Empfindungen wirklich zu begründen. Dazu kommt man erst, wenn der Mensch lernt, so wie er in den letzten drei bis vier Jahrhunderten gelernt hat, mit seinem sinnlichen Organismus anzugehören der Sinnenwelt, wenn er lernt, mit seinem seelischen Organismus einer seelischen Welt anzugehören, wenn er lernt, mit seinem geistigen Organismus einer geistigen Welt anzugehören, wenn er herunterzutragen vermag Ideen über die große Bestimmung der Menschheit in das einzelne alltägliche Leben.

[ 12 ] Muß das nicht darauf hinweisen, wie nötig es ist, daß zu sozialem Leben die einzelnen Menschen finden, jene einzelnen Menschen, die die Wege bis zu jenem Innersten der menschlichen Seele finden, aus dem heraus Verständnis gefunden werden kann für dasjenige, was Zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk, zwischen Rasse und Rasse notwendig ist! Erst dann, wenn das soziale Leben in geistiger Klarheit in jedem einzelnen Individuum aufgeht, wird das Zeitalter des Individualismus auch ein soziales Zeitalter werden können. Aber nicht dadurch, daß man zum Beispiel schöne Phrasen zimmert über eine Vertiefung des menschlichen Innern, über allerlei soziale Impulse, die der Mensch sich anerziehen soll, kommt man dazu, in der menschlichen Individualität diese sozialen Impulse, diese sozialen Empfindungen wirklich zu begründen. Dazu kommt man erst, wenn der Mensch lernt, so wie er in den letzten drei bis vier Jahrhunderten gelernt hat, mit seinem sinnlichen Organismus anzugehören der Sinnenwelt, wenn er lernt, mit seinem seelischen Organismus einer seelischen Welt anzugehören, wenn er lernt, mit seinem geistigen Organismus einer geistigen Welt anzugehören, wenn er herunterzutragen vermag Ideen über die große Bestimmung der Menschheit in das einzelne alltägliche Leben.

[ 13 ] Die Menschheit ist so stolz geworden auf die in der letzten Zeit ausgebildete Lebenspraxis. Als was hat sich diese Lebenspraxis enthüllt? Als dasjenige, was sich in gewissen Lebenshandgriffen immer mehr und mehr in kleine Kreise zurückgezogen hat, und was zuletzt dazu geführt hat, daß die Menschen mit ihren Gedanken dem überwältigenden Gang der ins Chaos entfliehenden Weltenereignisse nicht mehr nachkommen können. Dasjenige, was sich herausgebildet hat, ist nicht wirkliche Lebenspraxis, sondern ist die Routine auf einzelnen Gebieten, ist bloße Lebensroutine. Was der menschliche Leib ohne Seele und Geist wäre, ist diese Lebensroutine ohne die Befruchtung durch Ideen, die nur aus der Anerkenntnis, aus der Erkenntnis der geistigen Regionen kommen können. Das Alltäglichste, das Kleinste im Leben, es wird zur Routine, es wird nicht zur Praxis, wenn es nicht gerichtet werden kann in einer richtigen Weise auf dasjenige, was im Menschen pulsieren kann aus seinem Gefühle des Zusammenhanges mit der allumfassenden geistigen Welt heraus. Wir werden nicht zu einer solchen Praxis kommen, die unser soziales Leben wiederum tragen kann, wenn wir nicht über alle Routine hinausgehend, den Geist in das alltägliche Leben einführen. Denn nur das Leben der Alltäglichkeit, das wirklich durchgeistet, durchseelt ist, ist auch in Wirklichkeit praktisch.

[ 13 ] Die Menschheit ist so stolz geworden auf die in der letzten Zeit ausgebildete Lebenspraxis. Als was hat sich diese Lebenspraxis enthüllt? Als dasjenige, was sich in gewissen Lebenshandgriffen immer mehr und mehr in kleine Kreise zurückgezogen hat, und was zuletzt dazu geführt hat, daß die Menschen mit ihren Gedanken dem überwältigenden Gang der ins Chaos entfliehenden Weltenereignisse nicht mehr nachkommen können. Dasjenige, was sich herausgebildet hat, ist nicht wirkliche Lebenspraxis, sondern ist die Routine auf einzelnen Gebieten, ist bloße Lebensroutine. Was der menschliche Leib ohne Seele und Geist wäre, ist diese Lebensroutine ohne die Befruchtung durch Ideen, die nur aus der Anerkenntnis, aus der Erkenntnis der geistigen Regionen kommen können. Das Alltäglichste, das Kleinste im Leben, es wird zur Routine, es wird nicht zur Praxis, wenn es nicht gerichtet werden kann in einer richtigen Weise auf dasjenige, was im Menschen pulsieren kann aus seinem Gefühle des Zusammenhanges mit der allumfassenden geistigen Welt heraus. Wir werden nicht zu einer solchen Praxis kommen, die unser soziales Leben wiederum tragen kann, wenn wir nicht über alle Routine hinausgehend, den Geist in das alltägliche Leben einführen. Denn nur das Leben der Alltäglichkeit, das wirklich durchgeistet, durchseelt ist, ist auch in Wirklichkeit praktisch.

[ 14 ] Daher will dasjenige, das hier geistig erarbeitet werden will in diesem Goetheanum, nicht etwas Weltfremdes, nicht etwas Schwärmerisches werden, nicht etwas werden, was den Menschen wie einen Eremiten hinwegführt aus der Lebenspraxis; es will ihn im Gegenteil vollständig hineinstellen. Wahre, echte Lebenspraxis, die brauchen wir. Das zeigt uns heute jeder Tag, wenn uns verkündet wird, wie jeder Tag mehr die Menschheit in den Niedergang hineinreißt. Deshalb soll hier in diesen acht Tagen gesprochen werden von demjenigen, was wiederum zum Aufgange führt, was fordert der Geist der Zeit von dem Menschen der Gegenwart, was er fordert in dem Sinne, daß nur aus der Einsicht in das Ewige, in das Übersinnliche, in das Unvergängliche jene Kraft gewonnen werden kann, welche gebraucht wird, um die Niedergangskräfte in Aufgangskräfte zu verwandeln. Man muß nur in richtigem Sinne erkennen, wie vor uns lagern die innern Hindernisse der Seelenbequemlichkeit, der geistigen Furcht, der Denkgewohnheiten, und man wird erfühlen, daß dasjenige, was wir brauchen, innere Initiative, Aktivität des seelischen Lebens, vollen Mut zu etwas Neuem, Furchtlosigkeit gegenüber dem Neuen, Unbekannten —, daß das gewonnen werden kann, wenn wir vom Geiste so ergriffen werden, daß der Geist selbst es ist, der in allen unseren Impulsen lebt. Denn so, wie die Welt geistgeschaffen ist, so werden menschliches Handeln, menschliches Tun, menschliches Wissen ein Wahres sein, wenn sie geistdurchdrungen sind. Von solcher geistdurchdrungenen Praxis, von solchem geistdurchdrungenen Wissen möge alles dasjenige Zeugnis ablegen, was in Versuchen erarbeitet werden soll, wie bei früheren solchen Anlässen auch in diesen acht Tagen hier in diesem Goetheanum. Und beseelt von diesem Wunsche, daß wir hier in Gemäßheit dieser großen Forderungen des Geistes unserer Gegenwart zusammen arbeiten mögen, wollte ich Ihnen heute aus dem Geiste heraus, der hier walten soll in diesem der Anthroposophie gewidmeten Goetheanum, zu Beginn dieser Arbeitstage den herzlichsten Gruß bringen, und wollte ich begrüßen den Geist selber, der hier in diesen acht Tagen und immer mehr walten soll und walten möge.

[ 14 ] Daher will dasjenige, das hier geistig erarbeitet werden will in diesem Goetheanum, nicht etwas Weltfremdes, nicht etwas Schwärmerisches werden, nicht etwas werden, was den Menschen wie einen Eremiten hinwegführt aus der Lebenspraxis; es will ihn im Gegenteil vollständig hineinstellen. Wahre, echte Lebenspraxis, die brauchen wir. Das zeigt uns heute jeder Tag, wenn uns verkündet wird, wie jeder Tag mehr die Menschheit in den Niedergang hineinreißt. Deshalb soll hier in diesen acht Tagen gesprochen werden von demjenigen, was wiederum zum Aufgange führt, was fordert der Geist der Zeit von dem Menschen der Gegenwart, was er fordert in dem Sinne, daß nur aus der Einsicht in das Ewige, in das Übersinnliche, in das Unvergängliche jene Kraft gewonnen werden kann, welche gebraucht wird, um die Niedergangskräfte in Aufgangskräfte zu verwandeln. Man muß nur in richtigem Sinne erkennen, wie vor uns lagern die innern Hindernisse der Seelenbequemlichkeit, der geistigen Furcht, der Denkgewohnheiten, und man wird erfühlen, daß dasjenige, was wir brauchen, innere Initiative, Aktivität des seelischen Lebens, vollen Mut zu etwas Neuem, Furchtlosigkeit gegenüber dem Neuen, Unbekannten —, daß das gewonnen werden kann, wenn wir vom Geiste so ergriffen werden, daß der Geist selbst es ist, der in allen unseren Impulsen lebt. Denn so, wie die Welt geistgeschaffen ist, so werden menschliches Handeln, menschliches Tun, menschliches Wissen ein Wahres sein, wenn sie geistdurchdrungen sind. Von solcher geistdurchdrungenen Praxis, von solchem geistdurchdrungenen Wissen möge alles dasjenige Zeugnis ablegen, was in Versuchen erarbeitet werden soll, wie bei früheren solchen Anlässen auch in diesen acht Tagen hier in diesem Goetheanum. Und beseelt von diesem Wunsche, daß wir hier in Gemäßheit dieser großen Forderungen des Geistes unserer Gegenwart zusammen arbeiten mögen, wollte ich Ihnen heute aus dem Geiste heraus, der hier walten soll in diesem der Anthroposophie gewidmeten Goetheanum, zu Beginn dieser Arbeitstage den herzlichsten Gruß bringen, und wollte ich begrüßen den Geist selber, der hier in diesen acht Tagen und immer mehr walten soll und walten möge.